Sanaka sprach: Ich werde die Bestimmung der Tithis darlegen, sowie die Ordnung der Sühnehandlungen [?]. Höre dies, o Bester der Weisen, wodurch der Erfolg der [rituellen] Handlungen entsteht.
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
tithīnāṃ nirṇayaṃ vakṣye
die Bestimmung der Tithis werde ich darlegen
prāyaścittavidhiṃ tathā
sowie die Ordnung der Sühnehandlung [?]
śṛṇuṣva tat muniśreṣṭha
höre dies, o Bester der Weisen
karmasiddhiḥ yataḥ bhavet
wodurch der Erfolg der Handlung entsteht
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (28.) Kapitels vorangestellt ('iti śrībṛhannāradīyapurāṇe... aṣṭāviṃśo 'dhyāyaḥ'), gefolgt von einer Trennlinie; dies ist ein reines Gliederungselement, das im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, aber nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen wurde.] [?] prācaścittavidhiṃ: wohl prāyaścittavidhiṃ.
Ein auf Śruti gegründetes oder auf Smṛti gegründetes Gelübde, eine Gabe, und was sonst noch an vedischem Ritus [vollzogen wird] – wenn die Tithis nicht [korrekt] bestimmt sind, trägt nichts davon Frucht, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
śrautaṃ smārttaṃ vrataṃ dānaṃ
ein auf Śruti oder Smṛti gegründetes Gelübde, eine Gabe
ekādaśyaṣṭamī ṣaṣṭī paurṇamāsī caturddaśī /
amāvāsyā tṛtīyā ca hyupavāsavratādiṣu
Ekādaśī, Aṣṭamī, Ṣaṣṭhī, der Vollmondtag (Paurṇamāsī), Caturdaśī, Amāvāsyā und Tṛtīyā [sind die maßgeblichen Tithis] bei Fasten-Gelübden und dergleichen.
Wort für Wort
ekādaśī aṣṭamī ṣaṣṭī
Ekādaśī, Aṣṭamī, Ṣaṣṭhī
paurṇamāsī caturdaśī
Vollmondtag, Caturdaśī
amāvāsyā tṛtīyā ca
Neumond und Tṛtīyā
hi upavāsavratādiṣu
[sind maßgeblich] bei Fasten-Gelübden und dergleichen
paraviddhāḥ praśastāḥ syurna grāhyāḥ pūrvasaṃyutāḥ /
nāgaviddhā tu yā ṣaṣṭī śivaviddhā tu satpamī
Diese Tithis gelten als empfohlen, wenn sie vom folgenden [Tag] berührt sind (paraviddhāḥ); nicht anzunehmen sind sie, wenn sie vom vorangehenden [Tag] berührt sind (pūrvasaṃyutāḥ). Die Ṣaṣṭhī aber, welche vom [Nakṣatra] Āśleṣā (Nāga) berührt ist, [ist empfohlen]; die Saptamī [?] aber, welche von [dem Nakṣatra] Śiva (Śravaṇa) berührt ist.
Wort für Wort
paraviddhāḥ praśastāḥ syuḥ
vom folgenden [Tag] berührte [Tithis] gelten als empfohlen
na grāhyāḥ pūrvasaṃyutāḥ
nicht anzunehmen sind vom vorangehenden [Tag] berührte
nāgaviddhā tu yā ṣaṣṭī
die Ṣaṣṭhī aber, die vom Nāga(-Nakṣatra) berührt ist
śivaviddhā tu saptamī [?]
die Saptamī aber, die vom Śiva(-Nakṣatra) berührt ist
[?] satpamī: wohl saptamī (Schreibfehler/OCR-Verwechslung, wie auch in V.6).
daśamyekādaśīviddhā nopoṣyāḥ syuḥ kadācana /
darśaṃ ca paurṇamāsīṃ ca satpamīṃ pitṛvāsaram
Eine Ekādaśī, die von der Daśamī berührt ist, soll niemals als Fastentag begangen werden. [Ebenso] Neumond (Darśa) und Vollmond (Paurṇamāsī) sowie die Saptamī [?], den Ahnentag (pitṛvāsaram)...
Wort für Wort
daśamī-ekādaśī-viddhā
die von der Daśamī berührte Ekādaśī
na upoṣyāḥ syuḥ kadācana
soll niemals befastet werden
darśaṃ ca paurṇamāsīṃ ca
und Neumond und Vollmond
saptamīṃ [?] pitṛvāsaram
die Saptamī, den Ahnentag
[?] satpamīṃ: wohl saptamīṃ. [Anm.: Der Satz ist syntaktisch nicht abgeschlossen und wird in V.6 fortgeführt.]
pūrvaviddhaṃ prakurvāṇo narakāyopadyate /
kṛṣṇapakṣe pūrvaviddhāṃ satpamīṃ ca caturdaśīm
...wenn man [einen dieser Tage] vom vorangehenden [Tag] berührt (pūrvaviddham) begeht, gelangt man in die Hölle – [ebenso] in der dunklen Monatshälfte eine vom vorangehenden [Tag] berührte Saptamī [?] und Caturdaśī.
Wort für Wort
pūrvaviddhaṃ prakurvāṇaḥ
wer [den Tag] vom vorangehenden berührt begeht
narakāya upapadyate
gelangt zur Hölle
kṛṣṇapakṣe pūrvaviddhāṃ
in der dunklen Monatshälfte die vom vorangehenden berührte
saptamīṃ [?] ca caturdaśīm
Saptamī und Caturdaśī
[?] satpamīṃ: wohl saptamīṃ. [?] upadyate: wohl upapadyate.
Manche sagen zudem, dass auf ebendiese Weise auch Tṛtīyā und Navamī als empfohlen gelten. Für alle Arten von Gelübden usw. aber ist die helle Monatshälfte (Śuklapakṣa) die vorzüglichere.
Und gegenüber dem Nachmittag (aparāhṇa) ist der Vormittag (pūrvāhṇa) anzunehmen, da er der bessere ist. Sofern für die Gelübde usw. [im Nachmittag] keine [passende Tithi] besteht, [ist eben die] vormittägliche Tithi [zu nehmen]...
Wort für Wort
aparāhnāt ca pūrvāhṇaṃ
und gegenüber dem Nachmittag der Vormittag
grāhyaṃ śreṣṭhataraṃ yataḥ
ist anzunehmen, da er der bessere ist
asaṃbhave vratādīnāṃ
besteht [im Nachmittag] keine Möglichkeit für die Gelübde usw.
...sind zwei Muhūrtas [nach Sonnenaufgang] anzunehmen, wenn die erhabene Sonne aufgegangen ist. Bei einem Nachtgelübde (naktavrata) ist stets die Tithi anzunehmen, welche die Abenddämmerung (Pradoṣa) durchdringt (vyāpinī).
Zu befasten ist [dasjenige] Nakṣatra, unter welchem die Sonne (Bhāskara) untergeht – [und zwar] bei einer Gelübdehandlung, die durch die Verbindung von Tithi und Nakṣatra vorgeschrieben ist.
Wort für Wort
upoṣitavyaṃ nakṣatraṃ
zu befasten ist das Nakṣatra
yena astaṃ yāti bhāskaraḥ
unter welchem die Sonne untergeht
tithi-nakṣatra-saṃyoga-
der Tithi-Nakṣatra-Verbindung
vihita-vratakarmaṇi
bei der [dadurch] vorgeschriebenen Gelübdehandlung
Anzunehmen ist [die Tithi], die den Pradoṣa durchdringt; andernfalls wird [die Handlung] fruchtlos. Diejenige Tithi aber, die bis unterhalb der Mitternacht das Nakṣatra durchdringt...
saiva grāhyā muniśreṣṭha nakṣatravihitavrate /
yadyarddharātraghayorvyātpaṃ nakṣatraṃ tu dinadvaye
...eben diese ist anzunehmen, o Bester der Weisen, bei einem durch das Nakṣatra vorgeschriebenen Gelübde. Wenn aber das Nakṣatra beide Mitternächte an zwei Tagen durchdringt (vyāptam)...
Wort für Wort
sā eva grāhyā muniśreṣṭha
eben diese ist anzunehmen, o Bester der Weisen
nakṣatravihitavrate
bei dem durch das Nakṣatra vorgeschriebenen Gelübde
yadi ardharātrayoḥ vyāptaṃ
wenn beide Mitternächte durchdrungen sind
nakṣatraṃ tu dinadvaye
vom Nakṣatra, an zwei Tagen
[?] arddharātraghayoḥ: wohl ardharātrayoḥ (die Silbe 'gha' erscheint im Quelltext wiederholt als OCR-Störlaut, vgl. auch V.17, 42 u.ö.). [?] vyātpaṃ: wohl vyāptaṃ.
tatpuṇyaṃ tithisaṃyuktaṃ nakṣatraṃ grāhyamucyate /
arddharātradvaye syātāṃ nakṣatraṃ ca tithiryadi
...so wird jenes [Nakṣatra], das mit der [rechten] Tithi verbunden ist, als das verdienstvolle, anzunehmende Nakṣatra bezeichnet. Wenn aber sowohl das Nakṣatra als auch die Tithi an beiden Mitternächten [zugleich] bestehen...
...bei [Tithi-]Schwund (kṣaya) gilt die frühere [Tithi] als empfohlen, bei [Tithi-]Zunahme (vṛddhi) hingegen ist die spätere zu nehmen. [Ebenso wenn] eine Tithi, die beide Mitternächte durchdringt, mit dem Nakṣatra verbunden ist...
Wort für Wort
kṣaye pūrvā praśastā syāt
bei Schwund gilt die frühere als empfohlen
vṛddhau kāryā tathā uttarā
bei Zunahme ist ebenso die spätere zu nehmen
ardharātradvayavyāptā tithiḥ
die beide Mitternächte durchdringende Tithi
nakṣatrasaṃyutā [?]
mit dem Nakṣatra verbunden
[?] nakṣatraghasaṃyutā: wohl nakṣatrasaṃyutā (OCR-'gha', s.o.).
hnāsavṛddhiviśūnyā cet grāhyāpūrvā tathā parā /
jyeṣṭhāsaṃmiśritaṃ mūlaṃ rohiṇī vahniṃsaṃyutā
Ist [die Tithi] jedoch frei von Schwund und Zunahme [?], sind sowohl die frühere als auch die spätere [zu] nehmen. [Das Nakṣatra] Mūla, vermischt mit Jyeṣṭhā, [und] Rohiṇī, verbunden mit [Kṛttikā, dem Nakṣatra des] Agni...
Wort für Wort
kṣayavṛddhiviśūnyā [?] cet
ist [die Tithi] frei von Schwund und Zunahme
grāhyā pūrvā tathā parā
sind die frühere wie auch die spätere anzunehmen
jyeṣṭhāsaṃmiśritaṃ mūlaṃ
das mit Jyeṣṭhā vermischte Mūla
rohiṇī vahninā saṃyutā
Rohiṇī, mit dem Agni(-Nakṣatra) verbunden
[?] hnāsavṛddhiviśūnyā: wohl kṣayavṛddhiviśūnyā ('frei von Schwund und Zunahme'), Lesung unsicher. [Anm.: Ab hier neues Thema – ungünstige Nakṣatra-Übergänge (Jyeṣṭhā/Mūla, Rohiṇī/Kṛttikā); der Satz wird in V.16 fortgeführt.]
...[und] Jyeṣṭhā, verbunden mit [dem Nakṣatra] Anurādha (maitra), bringt Vernichtung von Nachkommenschaft und dergleichen. Deshalb sind, sofern die [rituelle] Handlung tagsüber vollzogen wird, die Tithis verdienstvoll [rein].
Wort für Wort
maitreṇa saṃyutā jyeṣṭhā
Jyeṣṭhā, mit Anurādha (Maitra) verbunden
saṃtānādivināśinī
bringt Vernichtung von Nachkommenschaft usw.
tataḥ syuḥ tithayaḥ puṇyāḥ
deshalb sind die Tithis verdienstvoll
karmānuṣṭhānataḥ divā
sofern die Handlung tagsüber vollzogen wird
[?] vināśainī: wohl vināśinī. [?] karmānuṣṭānataḥ: wohl karmānuṣṭhānataḥ.
Bei allen Nacht-Gelübden hingegen ist die nächtliche Verbindung (rātriyoga) maßgeblich. Diejenige Tithi, die durch die Verbindung mit dem [rechten] Nakṣatra als verdienstvoll bezeichnet wird...
...an eben dieser [Tithi] ist das betreffende Gelübde zu vollziehen; eben diese ist von den Kundigen einzuhalten. Beim Gelübde der Śravaṇa-Dvādaśī ist [die Tithi] anzunehmen, welche den [Sonnen-]Aufgang durchdringt (udayavyāpinī).
sūryendugrahaṇe yāvattāvad grāhyā japādiṣu /
saṃkrāntiṣu tu sarvāsu puṇyakālonigadyate
Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis ist [die Zeit], solange sie andauert, für Japa und dergleichen maßgeblich anzunehmen. Bei allen Saṃkrāntis (Sonnenübergängen in ein neues Tierkreiszeichen) hingegen wird [Folgendes] als die verdienstvolle Zeit erklärt:
Wort für Wort
sūryendugrahaṇe yāvat
bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis, solange
tāvat grāhyā japādiṣu
so lange ist [die Zeit] für Japa usw. anzunehmen
saṃkrāntiṣu tu sarvāsu
bei allen Saṃkrāntis hingegen
puṇyakālaḥ nigadyate [?]
wird die verdienstvolle Zeit erklärt
[?] puṇyakālonigadyate: wohl puṇyakāla udīryate / nigadyate.
snānadānajapādīnāṃ kurvatāmakṣaya phalam /
tatra karkaṭako jñeyo dakṣiṇāyanasaṃkramaḥ
[Diese Zeit gewährt] denjenigen, die Bad, Gabe, Japa und dergleichen vollziehen, unvergänglichen Lohn. Dabei ist der Übergang in das Zeichen Krebs (Karkaṭa) als der Übergang zur Südwendung [der Sonne] (dakṣiṇāyana-saṃkrama) zu verstehen.
Wort für Wort
snānadānajapādīnāṃ
des Bades, der Gabe, des Japa und dergleichen
kurvatām akṣayaṃ phalam
denen, die es vollziehen, [gibt es] unvergänglichen Lohn
...sind eben zehn Ghaṭikās zu verstehen, welche dem Gegebenen Unvergänglichkeit verleihen. Bei [den Zeichen] Jungfrau, Zwillinge, Fische und Schütze, o Zweifachgeborener...
...sind danach 16 Ghaṭikās als verdienstspendend zu verstehen. Den Übergang in das Zeichen Steinbock (Makara) nennt man mit dem Namen Uttarāyaṇa (Nordwendung der Sonne).
[Dabei gelten] danach 30, und davor 40 Ghaṭikās [als die verdienstvolle Zeit]. Falls Sonne (Āditya) und der Kühlstrahlige (Mond) [zur Zeit der Finsternis] bereits untergegangen sind...
...so soll man, o Fürst der Brahmanen, [erst] am folgenden Tag, wenn die Scheibe [wieder] rein [erschienen] ist, baden und essen. [Die Neumondnacht,] an der der Mond [noch] gesehen wird, heißt Sinīvālī; [diejenige,] an der der Mond [bereits] verschwunden ist, wird Kuhū genannt.
Wort für Wort
snātvā bhuñjīta viprendra
soll man baden und essen, o Fürst der Brahmanen
paredyuḥ śuddhamaṇḍalam
am folgenden Tag, [wenn] die Scheibe rein [ist]
dṛṣṭacandrā sinīvālī
[die Nacht,] an der der Mond gesehen wird, [heißt] Sinīvālī
naṣṭacandrā kuhūḥ smṛtā
[die,] an der der Mond verschwunden ist, wird Kuhū genannt
Der Neumond wird von den Gelehrten, die nach dem Dharma streben, zweifach erklärt. Sinīvālī ist von den Zweifachgeborenen, die den [heiligen] Feuerdienst pflegen (sāgnikaiḥ), beim Totenopfer (Śrāddha) anzunehmen.
Kuhū [ist anzunehmen] von Frauen, ebenso von Śūdras, sowie auch von denen ohne [heiliges] Feuer [?]. Wenn die Tithi des Neumondes beide Nachmittage durchdringt (aparāhnadvayavyāpinī)...
Wort für Wort
kuhūḥ [?] strībhiḥ tathā
Kuhū [ist anzunehmen] von Frauen, ebenso
śūdraiḥ api vā anagnikaiḥ [?]
von Śūdras sowie auch von den Feuerlosen
tathā aparāhnadvayavyāpinī
ebenso, wenn sie beide Nachmittage durchdringt
amāvāsyātithiḥ yadi
die Tithi des Neumondes, falls
[?] kahūḥ: wohl kuhūḥ. [?] śūdraipari vānagrikaistathā: Lesung unsicher, sinngemäß als 'ebenso von Śūdras, sowie auch von den Feuerlosen (anagnika)' wiedergegeben.
...so ist bei Schwund die frühere [Tithi] zu wählen, bei Zunahme hingegen die spätere. Wenn der Neumond erst nach dem Mittag als bestehend erscheint (pratītā)...
bhūtaviddheti vikhyātāsradbhiḥ śāstraviśāradaiḥ /
atyantakṣayapakṣe tu paredyurnāparāhnagā
...wird [dies] von den Guten, die in den Lehrbüchern bewandert sind [?], als 'bhūtaviddhā' (vom Vergangenen berührt) bezeichnet. Bei äußerstem Schwund (atyantakṣaya) jedoch, wenn sie am folgenden Tag den Nachmittag nicht [mehr] erreicht...
Wort für Wort
bhūtaviddhā iti vikhyātā
als 'bhūtaviddhā' bekannt
sadbhiḥ śāstraviśāradaiḥ [?]
von den in den Lehrbüchern bewanderten Guten
atyantakṣayapakṣe tu
bei äußerstem Schwund aber
paredyuḥ na aparāhnagā
erreicht sie am folgenden Tag nicht den Nachmittag
tatra grāhyā sinīvālī sāyāhnavyāpinī tithiḥ /
arvācīnakṣaye cacaiva sāyāhnavyāpinī tathā
...ist dort Sinīvālī anzunehmen, [nämlich] die Tithi, die den Abend durchdringt (sāyāhnavyāpinī). Auch bei einem 'diesseitigen' Schwund (arvācīnakṣaya) gilt ebenso die den Abend durchdringende [Tithi].
Wort für Wort
tatra grāhyā sinīvālī
dort ist Sinīvālī anzunehmen
sāyāhnavyāpinī tithiḥ
die den Abend durchdringende Tithi
arvācīnakṣaye caiva [?]
auch bei 'diesseitigem' Schwund
sāyāhnavyāpinī tathā
ebenso die den Abend durchdringende
[?] cacaiva: wohl caiva (Dittographie der Silbe 'ca').
grāhyā syādaparāhnasthā kuhūḥ paitṛkakarmaṇi /
yathārvācīnavṛddhau tu saṃtyājyā bhūtasaṃyutāḥ
Anzunehmen ist die im Nachmittag befindliche Kuhū bei der Ahnenhandlung. Ebenso ist bei 'diesseitiger' Zunahme die mit dem Vergangenen verbundene [Tithi] aufzugeben.
Von den besten der Weisen wird am folgenden Tag die im Nachmittag befindliche Kuhū angenommen. Wenn die Tithi des Neumondes beide Mittage durchdringt (madhyāhnadvitayavyāptā)...
Wort für Wort
paredyuḥ vibudhaśreṣṭhaiḥ
am folgenden Tag von den besten der Weisen
kuhūḥ grāhyā aparāhnagā
wird die im Nachmittag befindliche Kuhū angenommen
...dort ist nach Belieben entweder die frühere oder die spätere anzunehmen. Nun werde ich das Anvādhāna (die rituelle Feuer-Nachlegung) darlegen, ihr Guten, an einem vollständigen Parvan (Fest-/Neumondtag).
pratipaddivase kuryādyāgaṃ ca munisattama /
parvaṇo yaścaturthāṃśa ādyāḥ pratipadastrayaḥ
Am Tag der Pratipad soll man, o Bester der Weisen, das Opfer (Yāga) vollziehen. Das [Zeitmaß], welches der vierte Teil des Parvan[-Tages] ist – die ersten drei [Teile davon gehören zur] Pratipad.
yāgakālaḥ sa vijñeyaḥ prātarukto manīṣibhiḥ /
madhyāhnadvitaye syātāmamāvāsyā ca pūrṇimā
Dies ist als die Opferzeit zu erkennen, die von den Weisen als die Morgenzeit bezeichnet wird. Wenn Neumond und Vollmond [je] an beiden Mittagen bestehen...
...wird, o Fürst der Brahmanen, allein für den folgenden Tag die unmittelbare Zeit [des Opfers] festgesetzt.
Wort für Wort
paredyuḥ eva viprendra
allein für den folgenden Tag, o Fürst der Brahmanen
sadyaḥ kālaḥ vidhīyate
wird die unmittelbare Zeit festgesetzt
[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer Zeile (2 Pādas statt der sonst üblichen 4); vermutlich ist die erste Vershälfte verlorengegangen, oder der Inhalt gehört noch zu V.37.]
Bestehen [Neumond/Vollmond] an beiden [Tagen] zuvor, so gilt nach der Zeit des Saṃgava (später Vormittag) von den Weisen der folgende Tag [als maßgeblich]. Bei Tithi-Schwund gilt in gleicher Weise der folgende Tag als die unmittelbare Zeit; so ist es zu verstehen.
Wort für Wort
pūrvadvaye paredyuḥ syāt
bestehen sie an beiden [Tagen] zuvor, gilt der folgende Tag
Von allen ist die Ekādaśī anzunehmen, sofern sie frei von [Berührung durch] die Daśamī ist. Ist sie aber mit der Daśamī verbunden, so vernichtet sie das über drei Geburten erworbene Verdienst.
ekādaśī kalāmātrā dvādaśyāṃ tu pratīyate /
dvādaśī ca trayodaśyāmasti cetsā parā smṛtā
Wenn die Ekādaśī [nur] um ein winziges Maß (kalāmātrā) in die Dvādaśī hineinreicht (pratīyate), und die Dvādaśī [wiederum] in die Trayodaśī hineinreicht, so gilt diese [Dvādaśī] als die 'spätere' (parā).
saṃpūrṇaikādaśī śuddhā dvādaśyāṃ ca pratīyate /
traghayodaśī ca rātryante tatra vakṣyāmi nirṇayam
Ist die Ekādaśī vollständig (saṃpūrṇā) und rein, und reicht sie [dennoch] in die Dvādaśī hinein, und die Trayodaśī [reicht bis] ans Ende der Nacht – dann werde ich hierzu die maßgebliche Entscheidung darlegen:
Die frühere [Dvādaśī] ist von den Hausvätern einzuhalten, die spätere hingegen von den Asketen (Yatis). Denn die Hausväter erstreben [weltlichen] Erfolg (siddhi), während die Herren der Asketen die Erlösung (Mokṣa) erstreben.
Wort für Wort
pūrvā gṛhasthaiḥ sā kāryā
die frühere ist von den Hausvätern einzuhalten
hi uttarā yatibhiḥ tathā
die spätere aber ebenso von den Asketen
gṛhasthāḥ siddhim icchanti
die Hausväter erstreben [weltlichen] Erfolg
yataḥ mokṣaṃ yatīśvarāḥ
während die Herren der Asketen die Erlösung [erstreben]
Wenn aber der Fastenbruch (pāraṇā) noch innerhalb der Dvādaśī oder [wenigstens] eines [kleinsten] Teils (kalā) davon erlangt werden kann, dann ist die Ekādaśī-Tithi, selbst wenn sie von der Daśamī berührt ist, zu befasten.
Wort für Wort
dvādaśyāṃ tu kalāyāṃ vā
innerhalb der Dvādaśī oder [wenigstens] eines Teils davon
Sei es in der hellen oder in der dunklen [Monatshälfte] – falls es zwei Ekādaśīs gibt, gilt für die Hausväter die zuvor genannte [frühere], für die Asketen aber die spätere.
Wenn [die Ekādaśī] etwas [wenig] in die Dvādaśī hineinreicht und [zugleich] mit der Daśamī verbunden ist, so gilt bei [solchem] Tages-Schwund für alle allein die zweite [Ekādaśī] als maßgeblich.
viddhāpyekādaśī grāhyā parato dvādaśī na cet /
aviddhāpi niṣiddhaiva parato dvādaśī yadi
Selbst eine [von der Daśamī] berührte Ekādaśī ist anzunehmen, sofern danach nicht [noch] die Dvādaśī [beginnt]. Selbst eine unberührte [Ekādaśī] ist verboten, wenn danach [erst] die Dvādaśī [beginnt].
ekādaśī dvādaśī ca rātraghiśeṣe trayodaśī /
dvādaśadvādaśīpuṇyaṃ trayodaśyāṃ tu pāraṇe
Fallen Ekādaśī und Dvādaśī [zusammen], und im Rest der Nacht [folgt] die Trayodaśī: [dies gewährt] das Verdienst von zwölf Dvādaśīs [?], wenn der Fastenbruch [erst] an der Trayodaśī [erfolgt].
Wort für Wort
ekādaśī dvādaśī ca
Ekādaśī und Dvādaśī
rātriśeṣe [?] trayodaśī
im Rest der Nacht die Trayodaśī
dvādaśadvādaśīpuṇyaṃ [?]
das Verdienst von zwölf Dvādaśīs
trayodaśyāṃ tu pāraṇe
wenn der Fastenbruch an der Trayodaśī [erfolgt]
[?] rātraghiśeṣe: wohl rātriśeṣe (OCR-'gha'). [?] dvādaśadvādaśīpuṇyaṃ: Lesung/Sinn unsicher, sinngemäß als 'das Verdienst von zwölf Dvādaśīs' wiedergegeben.
Wenn die Ekādaśī [nur] um ein winziges Maß am Tag der Dvādaśī besteht, und die Dvādaśī entweder nicht in die Trayodaśī hineinreicht oder [doch] besteht...
vidvāpyekādaśī tatra pūrvā syādgṛhaṇāṃ tadā /
yadibhiścottarā grāhyā hyavīrābhistathaiva ca
...dann gilt selbst eine berührte Ekādaśī als die frühere für die Hausväter; von den Asketen (Yatibhiḥ) ist die spätere anzunehmen, ebenso auch von den 'avīrā'-Frauen [?, wohl Witwen bzw. kinderlosen Frauen].
Wort für Wort
viddhā api ekādaśī [?] tatra
selbst die berührte Ekādaśī gilt dort
pūrvā syāt gṛhasthānāṃ [?] tadā
als die frühere für die Hausväter
yatibhiḥ [?] ca uttarā grāhyā
von den Asketen ist die spätere anzunehmen
hi avīrābhiḥ [?] tathā eva ca
ebenso auch von den 'avīrā'-Frauen
[?] vidvāpi: wohl viddhāpi. [?] gṛhaṇāṃ: wohl gṛhasthānāṃ. [?] yadibhiḥ: wohl yatibhiḥ. [?] avīrābhiḥ: Lesung/Sinn unsicher, hier als 'Witwen bzw. Frauen ohne [lebenden] Ehemann/Sohn' gedeutet.
saṃpūrṇaikādaśī śuddhā dvādaśyāṃ nāsti kiñcana /
dvādaśī ca trayodaśayāmasti tatra kathaṃ bhavet
Ist die Ekādaśī vollständig und rein und reicht überhaupt nicht in die Dvādaśī hinein, die Dvādaśī aber [wohl] in die Trayodaśī hineinreicht – wie verhält es sich dann?
Die frühere [Tithi] ist hierbei von den Hausvätern einzuhalten, von den Asketen die spätere Tithi. Manche sagen aus Hingabe (bhaktitaḥ), dass allein die zweite [Tithi] zu befasten sei.
Wort für Wort
pūrvā gṛhasthaiḥ kāryā atra
die frühere ist hierbei von den Hausvätern einzuhalten
ekādaśī yadāviddhā dvādaśyāṃ na pratīyate /
dvādaśī ca trayodaśyāmasti tatraiva cāpare
Wenn die Ekādaśī unberührt ist und dennoch nicht in die Dvādaśī hineinreicht, und die Dvādaśī [wohl] in die Trayodaśī hineinreicht – auch hierzu [sagen] andere [Folgendes]:
saṃkrātau ravivāre ca pātagrahaṇayostathā /
pāraṇaṃ copavāsaṃ ca na kuryātputravāngṛhī
Bei einer Saṃkrānti, an einem Sonntag, sowie bei [einem ungünstigen] Pāta oder bei einer Finsternis soll ein Hausvater, der Söhne hat (putravān), weder den Fastenbruch noch das Fasten [an diesem Tag beginnen].
Isst man am Sonn-Tag, in der Parvan-Nacht, an Caturdaśī oder Aṣṭamī am Tage, oder einen ganzen Tag und eine Nacht hindurch an der Ekādaśī, so soll man ein Cāndrāyaṇa[-Gelübde] vollziehen.
Ist eine Sonnenfinsternis eingetreten, [und zwar] innerhalb der ersten drei Nachtwachen [zuvor], so soll man wahrlich nicht essen; isst man dennoch, wird man einem Trinker von berauschendem Getränk (surāpa) gleich.
anvādhāneṣṭimadhye tu grahaṇe candrasūryayoḥ /
prāyaścittaṃ muniśreṣṭha karttavyaṃ tatra yājñikaiḥ
Tritt aber inmitten des Anvādhāna-Opfers eine Mond- oder Sonnenfinsternis ein, so ist dabei, o Bester der Weisen, von den Opferpriestern eine Sühnehandlung (Prāyaścitta) zu vollziehen.
Bei einer Mondfinsternis soll man mit dem zehnten [Vers, beginnend mit] 'soma' opfern (juhuyāt); ebenso mit dem Vers 'āpyāyasva' und dem Vers 'somapāḥ', o Zweifachgeborener.
Bei einer Sonnenfinsternis soll man mit [dem Vers] 'ud u tyaṃ jātavedasam' opfern, sowie mit den beiden [Versen beginnend mit] 'āsatyena' [?]; so werden drei Sprüche genannt.
Wort für Wort
sūryoparāge juhuyāt
bei einer Sonnenfinsternis soll man opfern
udutyaṃ jātavedasam
mit '[ud u] tyaṃ jātavedasam'
āsatyena-dvayaṃ [?] caiva
sowie mit den beiden 'āsatyena'-[Versen]
trayaḥ mantrāḥ udāhṛtāḥ
drei Sprüche werden genannt
[?] āsatyeṃnodvayaṃ: Lesung unsicher, sinngemäß als 'die beiden mit āsatyena [beginnenden Verse]' gedeutet.
Wer so, gemäß dem Weg der Smṛti, als Kundiger (Paṇḍita) die Tithi sicher bestimmt hat und dann Gelübde und dergleichen vollzieht, dessen Lohn wird unvergänglich sein.
Der in den Veden niedergelegte Dharma [ist es, durch den] Keśava (Viṣṇu) durch [rechte] Werke der Pflicht zufrieden wird. Deshalb gehen die dem Dharma Ergebenen zu jenem höchsten Sitz des Viṣṇu ein.
dharmānye karttumicchanti te vai kṛṣṇasvarupiṇaḥ /
tasmāttāṃstu bhavavyādhiḥ kadācinnaiva bādhate
Diejenigen anderen, die den Dharma zu vollziehen begehren, sind wahrlich von der Wesensform Kṛṣṇas (kṛṣṇasvarūpiṇaḥ). Deshalb befällt sie die Krankheit des [weltlichen] Daseins (bhavavyādhi) niemals.