Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 28: tithyādinirṇayaḥ Die Bestimmung der Tithis und dergleichen

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde śrāddhakriyāvarṇanaṃ nāmāṣṭāviṃśo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ sanaka uvāca tithīnāṃ nirṇayaṃ vakṣye prācaścittavidhiṃ tathā / śṛṇuṣva tanmuniśreṣṭha karmasiddhiryato bhavet

Sanaka sprach: Ich werde die Bestimmung der Tithis darlegen, sowie die Ordnung der Sühnehandlungen [?]. Höre dies, o Bester der Weisen, wodurch der Erfolg der [rituellen] Handlungen entsteht.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
tithīnāṃ nirṇayaṃ vakṣye
die Bestimmung der Tithis werde ich darlegen
prāyaścittavidhiṃ tathā
sowie die Ordnung der Sühnehandlung [?]
śṛṇuṣva tat muniśreṣṭha
höre dies, o Bester der Weisen
karmasiddhiḥ yataḥ bhavet
wodurch der Erfolg der Handlung entsteht

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (28.) Kapitels vorangestellt ('iti śrībṛhannāradīyapurāṇe... aṣṭāviṃśo 'dhyāyaḥ'), gefolgt von einer Trennlinie; dies ist ein reines Gliederungselement, das im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, aber nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen wurde.] [?] prācaścittavidhiṃ: wohl prāyaścittavidhiṃ.

śrautaṃ smārttaṃ vrataṃ dānaṃ yaccānyatkarma vaidikam / anirṇītāsu tithiṣu na kiñcitphalati dvija

Ein auf Śruti gegründetes oder auf Smṛti gegründetes Gelübde, eine Gabe, und was sonst noch an vedischem Ritus [vollzogen wird] – wenn die Tithis nicht [korrekt] bestimmt sind, trägt nichts davon Frucht, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
śrautaṃ smārttaṃ vrataṃ dānaṃ
ein auf Śruti oder Smṛti gegründetes Gelübde, eine Gabe
yat ca anyat karma vaidikam
und was sonst an vedischem Ritus [vollzogen wird]
anirṇītāsu tithiṣu
wenn die Tithis nicht bestimmt sind
na kiñcit phalati dvija
trägt nichts Frucht, o Zweifachgeborener

ekādaśyaṣṭamī ṣaṣṭī paurṇamāsī caturddaśī / amāvāsyā tṛtīyā ca hyupavāsavratādiṣu

Ekādaśī, Aṣṭamī, Ṣaṣṭhī, der Vollmondtag (Paurṇamāsī), Caturdaśī, Amāvāsyā und Tṛtīyā [sind die maßgeblichen Tithis] bei Fasten-Gelübden und dergleichen.

Wort für Wort
ekādaśī aṣṭamī ṣaṣṭī
Ekādaśī, Aṣṭamī, Ṣaṣṭhī
paurṇamāsī caturdaśī
Vollmondtag, Caturdaśī
amāvāsyā tṛtīyā ca
Neumond und Tṛtīyā
hi upavāsavratādiṣu
[sind maßgeblich] bei Fasten-Gelübden und dergleichen

paraviddhāḥ praśastāḥ syurna grāhyāḥ pūrvasaṃyutāḥ / nāgaviddhā tu yā ṣaṣṭī śivaviddhā tu satpamī

Diese Tithis gelten als empfohlen, wenn sie vom folgenden [Tag] berührt sind (paraviddhāḥ); nicht anzunehmen sind sie, wenn sie vom vorangehenden [Tag] berührt sind (pūrvasaṃyutāḥ). Die Ṣaṣṭhī aber, welche vom [Nakṣatra] Āśleṣā (Nāga) berührt ist, [ist empfohlen]; die Saptamī [?] aber, welche von [dem Nakṣatra] Śiva (Śravaṇa) berührt ist.

Wort für Wort
paraviddhāḥ praśastāḥ syuḥ
vom folgenden [Tag] berührte [Tithis] gelten als empfohlen
na grāhyāḥ pūrvasaṃyutāḥ
nicht anzunehmen sind vom vorangehenden [Tag] berührte
nāgaviddhā tu yā ṣaṣṭī
die Ṣaṣṭhī aber, die vom Nāga(-Nakṣatra) berührt ist
śivaviddhā tu saptamī [?]
die Saptamī aber, die vom Śiva(-Nakṣatra) berührt ist

[?] satpamī: wohl saptamī (Schreibfehler/OCR-Verwechslung, wie auch in V.6).

daśamyekādaśīviddhā nopoṣyāḥ syuḥ kadācana / darśaṃ ca paurṇamāsīṃ ca satpamīṃ pitṛvāsaram

Eine Ekādaśī, die von der Daśamī berührt ist, soll niemals als Fastentag begangen werden. [Ebenso] Neumond (Darśa) und Vollmond (Paurṇamāsī) sowie die Saptamī [?], den Ahnentag (pitṛvāsaram)...

Wort für Wort
daśamī-ekādaśī-viddhā
die von der Daśamī berührte Ekādaśī
na upoṣyāḥ syuḥ kadācana
soll niemals befastet werden
darśaṃ ca paurṇamāsīṃ ca
und Neumond und Vollmond
saptamīṃ [?] pitṛvāsaram
die Saptamī, den Ahnentag

[?] satpamīṃ: wohl saptamīṃ. [Anm.: Der Satz ist syntaktisch nicht abgeschlossen und wird in V.6 fortgeführt.]

pūrvaviddhaṃ prakurvāṇo narakāyopadyate / kṛṣṇapakṣe pūrvaviddhāṃ satpamīṃ ca caturdaśīm

...wenn man [einen dieser Tage] vom vorangehenden [Tag] berührt (pūrvaviddham) begeht, gelangt man in die Hölle – [ebenso] in der dunklen Monatshälfte eine vom vorangehenden [Tag] berührte Saptamī [?] und Caturdaśī.

Wort für Wort
pūrvaviddhaṃ prakurvāṇaḥ
wer [den Tag] vom vorangehenden berührt begeht
narakāya upapadyate
gelangt zur Hölle
kṛṣṇapakṣe pūrvaviddhāṃ
in der dunklen Monatshälfte die vom vorangehenden berührte
saptamīṃ [?] ca caturdaśīm
Saptamī und Caturdaśī

[?] satpamīṃ: wohl saptamīṃ. [?] upadyate: wohl upapadyate.

praśastāṃ kecidāhuśca tṛtīyāṃ navamīṃ tathā / vratādīnāṃ tu sarveṣāṃ śuklapakṣo viśiṣyate

Manche sagen zudem, dass auf ebendiese Weise auch Tṛtīyā und Navamī als empfohlen gelten. Für alle Arten von Gelübden usw. aber ist die helle Monatshälfte (Śuklapakṣa) die vorzüglichere.

Wort für Wort
praśastāṃ kecit āhuḥ ca
als empfohlen bezeichnen manche auch
tṛtīyāṃ navamīṃ tathā
die Tṛtīyā, ebenso die Navamī
vratādīnāṃ tu sarveṣāṃ
für alle Gelübde usw. aber
śuklapakṣaḥ viśiṣyate
zeichnet sich die helle Monatshälfte aus

aparāhnācca pūrvohṇaṃ grāhyaṃ śreṣṭhattaraṃ yataḥ / asaṃbhave vratādīnāṃ yadi paurvāhnikī tithiḥ

Und gegenüber dem Nachmittag (aparāhṇa) ist der Vormittag (pūrvāhṇa) anzunehmen, da er der bessere ist. Sofern für die Gelübde usw. [im Nachmittag] keine [passende Tithi] besteht, [ist eben die] vormittägliche Tithi [zu nehmen]...

Wort für Wort
aparāhnāt ca pūrvāhṇaṃ
und gegenüber dem Nachmittag der Vormittag
grāhyaṃ śreṣṭhataraṃ yataḥ
ist anzunehmen, da er der bessere ist
asaṃbhave vratādīnāṃ
besteht [im Nachmittag] keine Möglichkeit für die Gelübde usw.
yadi paurvāhnikī tithiḥ
sofern eine vormittägliche Tithi [vorliegt]

[Anm.: Der Satz wird in V.9 fortgeführt.]

muhūrtadvitayaṃ grāhyaṃ bhagavatyudite ravau / pradoṣavyāpinī grāhyā tithirnaktavrate sadā

...sind zwei Muhūrtas [nach Sonnenaufgang] anzunehmen, wenn die erhabene Sonne aufgegangen ist. Bei einem Nachtgelübde (naktavrata) ist stets die Tithi anzunehmen, welche die Abenddämmerung (Pradoṣa) durchdringt (vyāpinī).

Wort für Wort
muhūrtadvitayaṃ grāhyaṃ
zwei Muhūrtas sind anzunehmen
bhagavati udite ravau
wenn die erhabene Sonne aufgegangen ist
pradoṣavyāpinī grāhyā
die den Pradoṣa durchdringende ist anzunehmen
tithiḥ naktavrate sadā
die Tithi, stets beim Nachtgelübde

upoṣitavyaṃ nakṣatraṃ yenāstaṃ yāti bhāskaraḥ / tithinakṣatrasaṃyogavihitavratakarmaṇi

Zu befasten ist [dasjenige] Nakṣatra, unter welchem die Sonne (Bhāskara) untergeht – [und zwar] bei einer Gelübdehandlung, die durch die Verbindung von Tithi und Nakṣatra vorgeschrieben ist.

Wort für Wort
upoṣitavyaṃ nakṣatraṃ
zu befasten ist das Nakṣatra
yena astaṃ yāti bhāskaraḥ
unter welchem die Sonne untergeht
tithi-nakṣatra-saṃyoga-
der Tithi-Nakṣatra-Verbindung
vihita-vratakarmaṇi
bei der [dadurch] vorgeschriebenen Gelübdehandlung

pradoṣavyāpinī grāhyā tvanyathā niṣphalaṃ bhavet / arddharātrādadho yā tu nakṣatravyāpinī tithiḥ

Anzunehmen ist [die Tithi], die den Pradoṣa durchdringt; andernfalls wird [die Handlung] fruchtlos. Diejenige Tithi aber, die bis unterhalb der Mitternacht das Nakṣatra durchdringt...

Wort für Wort
pradoṣavyāpinī grāhyā
die den Pradoṣa durchdringende ist anzunehmen
tu anyathā niṣphalaṃ bhavet
andernfalls wird es fruchtlos
ardharātrāt adhaḥ yā tu
die aber bis unterhalb der Mitternacht
nakṣatravyāpinī tithiḥ
die das Nakṣatra durchdringende Tithi

saiva grāhyā muniśreṣṭha nakṣatravihitavrate / yadyarddharātraghayorvyātpaṃ nakṣatraṃ tu dinadvaye

...eben diese ist anzunehmen, o Bester der Weisen, bei einem durch das Nakṣatra vorgeschriebenen Gelübde. Wenn aber das Nakṣatra beide Mitternächte an zwei Tagen durchdringt (vyāptam)...

Wort für Wort
sā eva grāhyā muniśreṣṭha
eben diese ist anzunehmen, o Bester der Weisen
nakṣatravihitavrate
bei dem durch das Nakṣatra vorgeschriebenen Gelübde
yadi ardharātrayoḥ vyāptaṃ
wenn beide Mitternächte durchdrungen sind
nakṣatraṃ tu dinadvaye
vom Nakṣatra, an zwei Tagen

[?] arddharātraghayoḥ: wohl ardharātrayoḥ (die Silbe 'gha' erscheint im Quelltext wiederholt als OCR-Störlaut, vgl. auch V.17, 42 u.ö.). [?] vyātpaṃ: wohl vyāptaṃ.

tatpuṇyaṃ tithisaṃyuktaṃ nakṣatraṃ grāhyamucyate / arddharātradvaye syātāṃ nakṣatraṃ ca tithiryadi

...so wird jenes [Nakṣatra], das mit der [rechten] Tithi verbunden ist, als das verdienstvolle, anzunehmende Nakṣatra bezeichnet. Wenn aber sowohl das Nakṣatra als auch die Tithi an beiden Mitternächten [zugleich] bestehen...

Wort für Wort
tat puṇyaṃ tithisaṃyuktaṃ
jenes, mit der Tithi verbundene, verdienstvolle
nakṣatraṃ grāhyam ucyate
Nakṣatra wird als anzunehmen bezeichnet
ardharātradvaye syātāṃ
wenn an beiden Mitternächten bestehen
nakṣatraṃ ca tithiḥ yadi
sowohl das Nakṣatra als auch die Tithi

kṣaye pūrvā praśastā syādrṛddhau kāryā tathottarā / ardhdarātradvayavyātpā tithirnakṣatraghasaṃyutā

...bei [Tithi-]Schwund (kṣaya) gilt die frühere [Tithi] als empfohlen, bei [Tithi-]Zunahme (vṛddhi) hingegen ist die spätere zu nehmen. [Ebenso wenn] eine Tithi, die beide Mitternächte durchdringt, mit dem Nakṣatra verbunden ist...

Wort für Wort
kṣaye pūrvā praśastā syāt
bei Schwund gilt die frühere als empfohlen
vṛddhau kāryā tathā uttarā
bei Zunahme ist ebenso die spätere zu nehmen
ardharātradvayavyāptā tithiḥ
die beide Mitternächte durchdringende Tithi
nakṣatrasaṃyutā [?]
mit dem Nakṣatra verbunden

[?] nakṣatraghasaṃyutā: wohl nakṣatrasaṃyutā (OCR-'gha', s.o.).

hnāsavṛddhiviśūnyā cet grāhyāpūrvā tathā parā / jyeṣṭhāsaṃmiśritaṃ mūlaṃ rohiṇī vahniṃsaṃyutā

Ist [die Tithi] jedoch frei von Schwund und Zunahme [?], sind sowohl die frühere als auch die spätere [zu] nehmen. [Das Nakṣatra] Mūla, vermischt mit Jyeṣṭhā, [und] Rohiṇī, verbunden mit [Kṛttikā, dem Nakṣatra des] Agni...

Wort für Wort
kṣayavṛddhiviśūnyā [?] cet
ist [die Tithi] frei von Schwund und Zunahme
grāhyā pūrvā tathā parā
sind die frühere wie auch die spätere anzunehmen
jyeṣṭhāsaṃmiśritaṃ mūlaṃ
das mit Jyeṣṭhā vermischte Mūla
rohiṇī vahninā saṃyutā
Rohiṇī, mit dem Agni(-Nakṣatra) verbunden

[?] hnāsavṛddhiviśūnyā: wohl kṣayavṛddhiviśūnyā ('frei von Schwund und Zunahme'), Lesung unsicher. [Anm.: Ab hier neues Thema – ungünstige Nakṣatra-Übergänge (Jyeṣṭhā/Mūla, Rohiṇī/Kṛttikā); der Satz wird in V.16 fortgeführt.]

maitreṇa saṃyutā jyeṣṭā saṃtānādivināśainī / tataḥ syustithayaḥ puṇyāḥ karmānuṣṭānato divā

...[und] Jyeṣṭhā, verbunden mit [dem Nakṣatra] Anurādha (maitra), bringt Vernichtung von Nachkommenschaft und dergleichen. Deshalb sind, sofern die [rituelle] Handlung tagsüber vollzogen wird, die Tithis verdienstvoll [rein].

Wort für Wort
maitreṇa saṃyutā jyeṣṭhā
Jyeṣṭhā, mit Anurādha (Maitra) verbunden
saṃtānādivināśinī
bringt Vernichtung von Nachkommenschaft usw.
tataḥ syuḥ tithayaḥ puṇyāḥ
deshalb sind die Tithis verdienstvoll
karmānuṣṭhānataḥ divā
sofern die Handlung tagsüber vollzogen wird

[?] vināśainī: wohl vināśinī. [?] karmānuṣṭānataḥ: wohl karmānuṣṭhānataḥ.

rātrivrateṣu sarveṣu rātriyogo viśiṣyate / tithirnakṣaghatrayogena yā puṇyā parikīrtitā

Bei allen Nacht-Gelübden hingegen ist die nächtliche Verbindung (rātriyoga) maßgeblich. Diejenige Tithi, die durch die Verbindung mit dem [rechten] Nakṣatra als verdienstvoll bezeichnet wird...

Wort für Wort
rātrivrateṣu sarveṣu
bei allen Nacht-Gelübden
rātriyogaḥ viśiṣyate
zeichnet sich die nächtliche Verbindung aus
tithiḥ nakṣatrayogena [?]
die Tithi, durch Verbindung mit dem Nakṣatra
yā puṇyā parikīrtitā
die als verdienstvoll bezeichnet wird

[?] nakṣaghatrayogena: wohl nakṣatrayogena.

tasyāṃ tu tadvataṃ kāryaṃ saiva kāryā vicakṣaṇaiḥ / udayavyāpinī grāhyā śravaṇadvādaśī vrate

...an eben dieser [Tithi] ist das betreffende Gelübde zu vollziehen; eben diese ist von den Kundigen einzuhalten. Beim Gelübde der Śravaṇa-Dvādaśī ist [die Tithi] anzunehmen, welche den [Sonnen-]Aufgang durchdringt (udayavyāpinī).

Wort für Wort
tasyāṃ tu tadvrataṃ kāryaṃ
an ihr ist das betreffende Gelübde zu vollziehen
sā eva kāryā vicakṣaṇaiḥ
eben diese ist von den Kundigen einzuhalten
udayavyāpinī grāhyā
die den Aufgang durchdringende ist anzunehmen
śravaṇadvādaśī vrate
beim Gelübde der Śravaṇa-Dvādaśī

[?] tadvataṃ: wohl tadvrataṃ.

sūryendugrahaṇe yāvattāvad grāhyā japādiṣu / saṃkrāntiṣu tu sarvāsu puṇyakālonigadyate

Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis ist [die Zeit], solange sie andauert, für Japa und dergleichen maßgeblich anzunehmen. Bei allen Saṃkrāntis (Sonnenübergängen in ein neues Tierkreiszeichen) hingegen wird [Folgendes] als die verdienstvolle Zeit erklärt:

Wort für Wort
sūryendugrahaṇe yāvat
bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis, solange
tāvat grāhyā japādiṣu
so lange ist [die Zeit] für Japa usw. anzunehmen
saṃkrāntiṣu tu sarvāsu
bei allen Saṃkrāntis hingegen
puṇyakālaḥ nigadyate [?]
wird die verdienstvolle Zeit erklärt

[?] puṇyakālonigadyate: wohl puṇyakāla udīryate / nigadyate.

snānadānajapādīnāṃ kurvatāmakṣaya phalam / tatra karkaṭako jñeyo dakṣiṇāyanasaṃkramaḥ

[Diese Zeit gewährt] denjenigen, die Bad, Gabe, Japa und dergleichen vollziehen, unvergänglichen Lohn. Dabei ist der Übergang in das Zeichen Krebs (Karkaṭa) als der Übergang zur Südwendung [der Sonne] (dakṣiṇāyana-saṃkrama) zu verstehen.

Wort für Wort
snānadānajapādīnāṃ
des Bades, der Gabe, des Japa und dergleichen
kurvatām akṣayaṃ phalam
denen, die es vollziehen, [gibt es] unvergänglichen Lohn
tatra karkaṭakaḥ jñeyaḥ
dabei ist [der Übergang in] Krebs zu verstehen
dakṣiṇāyanasaṃkramaḥ
als der Übergang zur Südwendung

pūrvato ghaṭikāstriṃśatpuṇyakālaṃ vidurbudhāḥ / vṛṣabhe vṛścike caiva siṃhe kumbhe tathaiva ca

Davor kennen die Weisen 30 Ghaṭikās als die verdienstvolle Zeit. Ebenso bei [dem Übergang in die Zeichen] Stier, Skorpion, Löwe und Wassermann...

Wort für Wort
pūrvataḥ ghaṭikāḥ triṃśat
davor 30 Ghaṭikās
puṇyakālaṃ viduḥ budhāḥ
kennen die Weisen als verdienstvolle Zeit
vṛṣabhe vṛścike caiva
bei Stier und Skorpion
siṃhe kumbhe tathaiva ca
bei Löwe und ebenso Wassermann

pūrvamaṣṭamuhūrtāstu grāhyāḥ snānajapādiṣu / tulāyāṃ caiva meṣe ca pūrvataḥ paratastathā

...sind zuvor acht Muhūrtas für Bad, Japa usw. anzunehmen. Ebenso bei [den Zeichen] Waage und Widder, davor wie auch danach...

Wort für Wort
pūrvam aṣṭamuhūrtāḥ tu
davor aber acht Muhūrtas
grāhyāḥ snānajapādiṣu
sind anzunehmen für Bad, Japa usw.
tulāyāṃ caiva meṣe ca
bei Waage und ebenso bei Widder
pūrvataḥ parataḥ tathā
davor wie auch danach ebenso

jñeyā daśaiva ghaṭikā dattasyākṣayatāvahāḥ / kanyāyāṃ mithune caiva mīne dhanuṣi ca dvija

...sind eben zehn Ghaṭikās zu verstehen, welche dem Gegebenen Unvergänglichkeit verleihen. Bei [den Zeichen] Jungfrau, Zwillinge, Fische und Schütze, o Zweifachgeborener...

Wort für Wort
jñeyā daśa eva ghaṭikā
eben zehn Ghaṭikās sind zu verstehen
dattasya akṣayatāvahāḥ
welche dem Gegebenen Unvergänglichkeit verleihen
kanyāyāṃ mithune caiva
bei Jungfrau und ebenso Zwillinge
mīne dhanuṣi ca dvija
bei Fische und Schütze, o Zweifachgeborener

ghaṭikāḥ ṣoḍaśa jñeyā parataḥ puṇyadāyikāḥ / mākaraṃ saṃkramaṃ prāhuruttarāyaṇasaṃjñakam

...sind danach 16 Ghaṭikās als verdienstspendend zu verstehen. Den Übergang in das Zeichen Steinbock (Makara) nennt man mit dem Namen Uttarāyaṇa (Nordwendung der Sonne).

Wort für Wort
ghaṭikāḥ ṣoḍaśa jñeyā
sechzehn Ghaṭikās sind zu verstehen
parataḥ puṇyadāyikāḥ
danach als verdienstspendend
mākaraṃ saṃkramaṃ prāhuḥ
den Steinbock-Übergang nennt man
uttarāyaṇasaṃjñakam
mit dem Namen Uttarāyaṇa

parāstriṃśaśca ghaṭikāścatvāriṃśacca pūrvavat / ādityaśītakiraṇau grāhyāvastaṅgatau yadi

[Dabei gelten] danach 30, und davor 40 Ghaṭikās [als die verdienstvolle Zeit]. Falls Sonne (Āditya) und der Kühlstrahlige (Mond) [zur Zeit der Finsternis] bereits untergegangen sind...

Wort für Wort
parāḥ triṃśat ca ghaṭikāḥ
danach dreißig Ghaṭikās
catvāriṃśat ca pūrvavat
und vierzig, ebenso davor
āditya-śītakiraṇau
Sonne und Kühlstrahliger (Mond)
grāhyau astaṅgatau yadi
falls beide [bereits] untergegangen sind

snātvā bhuñjīta viprendra paredyuḥ śuddhamaṇḍalam / dṛṣṭacandrā sinīvālī naṣṭacandrā kuhūḥ smṛtā

...so soll man, o Fürst der Brahmanen, [erst] am folgenden Tag, wenn die Scheibe [wieder] rein [erschienen] ist, baden und essen. [Die Neumondnacht,] an der der Mond [noch] gesehen wird, heißt Sinīvālī; [diejenige,] an der der Mond [bereits] verschwunden ist, wird Kuhū genannt.

Wort für Wort
snātvā bhuñjīta viprendra
soll man baden und essen, o Fürst der Brahmanen
paredyuḥ śuddhamaṇḍalam
am folgenden Tag, [wenn] die Scheibe rein [ist]
dṛṣṭacandrā sinīvālī
[die Nacht,] an der der Mond gesehen wird, [heißt] Sinīvālī
naṣṭacandrā kuhūḥ smṛtā
[die,] an der der Mond verschwunden ist, wird Kuhū genannt

amāvāsyā dvidhā proktā vidvadbhirdharmālipsubhiḥ / sinīvālīṃ dvijairgrāhyā sāgnikaiḥ śrāddhakarmaṇi

Der Neumond wird von den Gelehrten, die nach dem Dharma streben, zweifach erklärt. Sinīvālī ist von den Zweifachgeborenen, die den [heiligen] Feuerdienst pflegen (sāgnikaiḥ), beim Totenopfer (Śrāddha) anzunehmen.

Wort für Wort
amāvāsyā dvidhā proktā
der Neumond wird zweifach erklärt
vidvadbhiḥ dharmālipsubhiḥ
von den nach Dharma strebenden Gelehrten
sinīvālīṃ dvijaiḥ grāhyā
Sinīvālī ist von den Zweifachgeborenen anzunehmen
sāgnikaiḥ śrāddhakarmaṇi
von den Feuerpflegenden beim Totenopfer

kahūḥ strībhistathā śūdraipari vānagrikaistathā / aparāhnadvayavyāpinyamāvāsyātithiryadi

Kuhū [ist anzunehmen] von Frauen, ebenso von Śūdras, sowie auch von denen ohne [heiliges] Feuer [?]. Wenn die Tithi des Neumondes beide Nachmittage durchdringt (aparāhnadvayavyāpinī)...

Wort für Wort
kuhūḥ [?] strībhiḥ tathā
Kuhū [ist anzunehmen] von Frauen, ebenso
śūdraiḥ api vā anagnikaiḥ [?]
von Śūdras sowie auch von den Feuerlosen
tathā aparāhnadvayavyāpinī
ebenso, wenn sie beide Nachmittage durchdringt
amāvāsyātithiḥ yadi
die Tithi des Neumondes, falls

[?] kahūḥ: wohl kuhūḥ. [?] śūdraipari vānagrikaistathā: Lesung unsicher, sinngemäß als 'ebenso von Śūdras, sowie auch von den Feuerlosen (anagnika)' wiedergegeben.

kṣaye pūrvā tu karttavyā vṛddhau kāryā tathottarā / amāvāsyā pratītā cenmadhyāhnātparato yadi

...so ist bei Schwund die frühere [Tithi] zu wählen, bei Zunahme hingegen die spätere. Wenn der Neumond erst nach dem Mittag als bestehend erscheint (pratītā)...

Wort für Wort
kṣaye pūrvā tu kartavyā
bei Schwund ist die frühere zu wählen
vṛddhau kāryā tathā uttarā
bei Zunahme ebenso die spätere
amāvāsyā pratītā cet
wenn der Neumond [erst] erscheint
madhyāhnāt parataḥ yadi
nach dem Mittag, falls

bhūtaviddheti vikhyātāsradbhiḥ śāstraviśāradaiḥ / atyantakṣayapakṣe tu paredyurnāparāhnagā

...wird [dies] von den Guten, die in den Lehrbüchern bewandert sind [?], als 'bhūtaviddhā' (vom Vergangenen berührt) bezeichnet. Bei äußerstem Schwund (atyantakṣaya) jedoch, wenn sie am folgenden Tag den Nachmittag nicht [mehr] erreicht...

Wort für Wort
bhūtaviddhā iti vikhyātā
als 'bhūtaviddhā' bekannt
sadbhiḥ śāstraviśāradaiḥ [?]
von den in den Lehrbüchern bewanderten Guten
atyantakṣayapakṣe tu
bei äußerstem Schwund aber
paredyuḥ na aparāhnagā
erreicht sie am folgenden Tag nicht den Nachmittag

[?] vikhyātāsradbhiḥ: wohl vikhyātā sadbhiḥ.

tatra grāhyā sinīvālī sāyāhnavyāpinī tithiḥ / arvācīnakṣaye cacaiva sāyāhnavyāpinī tathā

...ist dort Sinīvālī anzunehmen, [nämlich] die Tithi, die den Abend durchdringt (sāyāhnavyāpinī). Auch bei einem 'diesseitigen' Schwund (arvācīnakṣaya) gilt ebenso die den Abend durchdringende [Tithi].

Wort für Wort
tatra grāhyā sinīvālī
dort ist Sinīvālī anzunehmen
sāyāhnavyāpinī tithiḥ
die den Abend durchdringende Tithi
arvācīnakṣaye caiva [?]
auch bei 'diesseitigem' Schwund
sāyāhnavyāpinī tathā
ebenso die den Abend durchdringende

[?] cacaiva: wohl caiva (Dittographie der Silbe 'ca').

sinīvālī parā grāhyā sarvathā śrāddhakarmaṇi / atyantatithivṛddhau tu bhūtaviddhāṃ parityajet

Die spätere Sinīvālī ist beim Totenopfer stets anzunehmen. Bei äußerster Zunahme der Tithi hingegen soll man die 'bhūtaviddhā'-Tithi aufgeben.

Wort für Wort
sinīvālī parā grāhyā
die spätere Sinīvālī ist anzunehmen
sarvathā śrāddhakarmaṇi
in jedem Fall beim Totenopfer
atyantatithivṛddhau tu
bei äußerster Tithi-Zunahme aber
bhūtaviddhāṃ parityajet
soll man die 'bhūtaviddhā' aufgeben

grāhyā syādaparāhnasthā kuhūḥ paitṛkakarmaṇi / yathārvācīnavṛddhau tu saṃtyājyā bhūtasaṃyutāḥ

Anzunehmen ist die im Nachmittag befindliche Kuhū bei der Ahnenhandlung. Ebenso ist bei 'diesseitiger' Zunahme die mit dem Vergangenen verbundene [Tithi] aufzugeben.

Wort für Wort
grāhyā syāt aparāhnasthā
anzunehmen ist die im Nachmittag befindliche
kuhūḥ paitṛkakarmaṇi
Kuhū bei der Ahnenhandlung
yathā arvācīnavṛddhau tu
ebenso ist bei 'diesseitiger' Zunahme
saṃtyājyā bhūtasaṃyutāḥ
die mit dem Vergangenen verbundene aufzugeben

paredyurvibudhaśreṣṭhaiḥ kuhūrgrāhyā parāhnagā / madhyāhnadvitaye vyātpā hyamāvāsyā tithiryadi

Von den besten der Weisen wird am folgenden Tag die im Nachmittag befindliche Kuhū angenommen. Wenn die Tithi des Neumondes beide Mittage durchdringt (madhyāhnadvitayavyāptā)...

Wort für Wort
paredyuḥ vibudhaśreṣṭhaiḥ
am folgenden Tag von den besten der Weisen
kuhūḥ grāhyā aparāhnagā
wird die im Nachmittag befindliche Kuhū angenommen
madhyāhnadvitaye vyāptā
wenn sie beide Mittage durchdringt
hi amāvāsyā tithiḥ yadi
die Tithi des Neumondes, falls

[?] vyātpā: wohl vyāptā.

tatrecchayā ca saṃgrāhyā pūrvā vātha parāthavā / anvādhānaṃ pravakṣyāmi saṃtaḥ saṃpūrṇavarvaṇi

...dort ist nach Belieben entweder die frühere oder die spätere anzunehmen. Nun werde ich das Anvādhāna (die rituelle Feuer-Nachlegung) darlegen, ihr Guten, an einem vollständigen Parvan (Fest-/Neumondtag).

Wort für Wort
tatra icchayā ca saṃgrāhyā
dort ist nach Belieben anzunehmen
pūrvā vā atha parā athavā
entweder die frühere oder aber die spätere
anvādhānaṃ pravakṣyāmi
das Anvādhāna werde ich darlegen
santaḥ saṃpūrṇaparvaṇi [?]
ihr Guten, an einem vollständigen Parvan

[?] saṃpūrṇavarvaṇi: wohl saṃpūrṇaparvaṇi.

pratipaddivase kuryādyāgaṃ ca munisattama / parvaṇo yaścaturthāṃśa ādyāḥ pratipadastrayaḥ

Am Tag der Pratipad soll man, o Bester der Weisen, das Opfer (Yāga) vollziehen. Das [Zeitmaß], welches der vierte Teil des Parvan[-Tages] ist – die ersten drei [Teile davon gehören zur] Pratipad.

Wort für Wort
pratipaddivase kuryāt
am Tag der Pratipad soll man vollziehen
yāgaṃ ca munisattama
das Opfer, o Bester der Weisen
parvaṇaḥ yaḥ caturthāṃśaḥ
der vierte Teil des Parvan
ādyāḥ pratipadaḥ trayaḥ
die ersten drei [Teile gehören] der Pratipad

yāgakālaḥ sa vijñeyaḥ prātarukto manīṣibhiḥ / madhyāhnadvitaye syātāmamāvāsyā ca pūrṇimā

Dies ist als die Opferzeit zu erkennen, die von den Weisen als die Morgenzeit bezeichnet wird. Wenn Neumond und Vollmond [je] an beiden Mittagen bestehen...

Wort für Wort
yāgakālaḥ sa vijñeyaḥ
dies ist als die Opferzeit zu erkennen
prātaḥ uktaḥ manīṣibhiḥ
von den Weisen als die Morgenzeit bezeichnet
madhyāhnadvitaye syātāṃ
wenn an beiden Mittagen bestehen
amāvāsyā ca pūrṇimā
Neumond und Vollmond

paredyureva viprendra sadyaḥ kālo vidhīyate

...wird, o Fürst der Brahmanen, allein für den folgenden Tag die unmittelbare Zeit [des Opfers] festgesetzt.

Wort für Wort
paredyuḥ eva viprendra
allein für den folgenden Tag, o Fürst der Brahmanen
sadyaḥ kālaḥ vidhīyate
wird die unmittelbare Zeit festgesetzt

[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer Zeile (2 Pādas statt der sonst üblichen 4); vermutlich ist die erste Vershälfte verlorengegangen, oder der Inhalt gehört noch zu V.37.]

pūrvadvaye paredyuḥ syātsaṃgavātparato manīṣibhiḥ / sadyaḥ kālaḥ paredyuḥ syājjñeyamevaṃ tithikṣaye

Bestehen [Neumond/Vollmond] an beiden [Tagen] zuvor, so gilt nach der Zeit des Saṃgava (später Vormittag) von den Weisen der folgende Tag [als maßgeblich]. Bei Tithi-Schwund gilt in gleicher Weise der folgende Tag als die unmittelbare Zeit; so ist es zu verstehen.

Wort für Wort
pūrvadvaye paredyuḥ syāt
bestehen sie an beiden [Tagen] zuvor, gilt der folgende Tag
saṃgavāt parataḥ manīṣibhiḥ
nach der Saṃgava-Zeit, von den Weisen [bestimmt]
sadyaḥ kālaḥ paredyuḥ syāt
die unmittelbare Zeit sei der folgende Tag
jñeyam evaṃ tithikṣaye
so ist es bei Tithi-Schwund zu verstehen

sarvairekādaśī grāhyā daśamīparivarjitā / daśamīsaṃyutā hṝntipuṇyaṃ janmatrayārjitam

Von allen ist die Ekādaśī anzunehmen, sofern sie frei von [Berührung durch] die Daśamī ist. Ist sie aber mit der Daśamī verbunden, so vernichtet sie das über drei Geburten erworbene Verdienst.

Wort für Wort
sarvaiḥ ekādaśī grāhyā
von allen ist die Ekādaśī anzunehmen
daśamīparivarjitā
sofern frei von der Daśamī
daśamīsaṃyutā hanti [?]
mit der Daśamī verbunden vernichtet sie
puṇyaṃ janmatrayārjitam
das über drei Geburten erworbene Verdienst

[?] hṝntipuṇyaṃ: wohl hanti puṇyaṃ.

ekādaśī kalāmātrā dvādaśyāṃ tu pratīyate / dvādaśī ca trayodaśyāmasti cetsā parā smṛtā

Wenn die Ekādaśī [nur] um ein winziges Maß (kalāmātrā) in die Dvādaśī hineinreicht (pratīyate), und die Dvādaśī [wiederum] in die Trayodaśī hineinreicht, so gilt diese [Dvādaśī] als die 'spätere' (parā).

Wort für Wort
ekādaśī kalāmātrā
die Ekādaśī um ein winziges Maß
dvādaśyāṃ tu pratīyate
reicht aber in die Dvādaśī hinein
dvādaśī ca trayodaśyām asti cet
und reicht die Dvādaśī in die Trayodaśī
sā parā smṛtā
so gilt sie als die 'spätere'

saṃpūrṇaikādaśī śuddhā dvādaśyāṃ ca pratīyate / traghayodaśī ca rātryante tatra vakṣyāmi nirṇayam

Ist die Ekādaśī vollständig (saṃpūrṇā) und rein, und reicht sie [dennoch] in die Dvādaśī hinein, und die Trayodaśī [reicht bis] ans Ende der Nacht – dann werde ich hierzu die maßgebliche Entscheidung darlegen:

Wort für Wort
saṃpūrṇaikādaśī śuddhā
ist die vollständige, reine Ekādaśī
dvādaśyāṃ ca pratīyate
und reicht in die Dvādaśī hinein
trayodaśī [?] ca rātryante
und die Trayodaśī bis ans Ende der Nacht
tatra vakṣyāmi nirṇayam
dazu werde ich die Entscheidung darlegen

[?] traghayodaśī: wohl trayodaśī (OCR-'gha').

pūrvā gṛhasthaiḥ sā kāryyā hyuttarā yatibhistathā / gṛhasthāḥ siddhimicchanti yato mokṣaṃ yatīśvarāḥ

Die frühere [Dvādaśī] ist von den Hausvätern einzuhalten, die spätere hingegen von den Asketen (Yatis). Denn die Hausväter erstreben [weltlichen] Erfolg (siddhi), während die Herren der Asketen die Erlösung (Mokṣa) erstreben.

Wort für Wort
pūrvā gṛhasthaiḥ sā kāryā
die frühere ist von den Hausvätern einzuhalten
hi uttarā yatibhiḥ tathā
die spätere aber ebenso von den Asketen
gṛhasthāḥ siddhim icchanti
die Hausväter erstreben [weltlichen] Erfolg
yataḥ mokṣaṃ yatīśvarāḥ
während die Herren der Asketen die Erlösung [erstreben]

dvādaśyāṃ tu kalāyāṃ vā yadi labhyeta pāraṇā / tadānīṃ daśamīviddhāpyupoṣyaikādaśī tithiḥ

Wenn aber der Fastenbruch (pāraṇā) noch innerhalb der Dvādaśī oder [wenigstens] eines [kleinsten] Teils (kalā) davon erlangt werden kann, dann ist die Ekādaśī-Tithi, selbst wenn sie von der Daśamī berührt ist, zu befasten.

Wort für Wort
dvādaśyāṃ tu kalāyāṃ vā
innerhalb der Dvādaśī oder [wenigstens] eines Teils davon
yadi labhyeta pāraṇā
wenn der Fastenbruch erlangt werden kann
tadānīṃ daśamīviddhā api
dann selbst die von der Daśamī berührte
upoṣya ekādaśī tithiḥ
ist die Ekādaśī-Tithi zu befasten

śulke vā yadi vā kṛṣṇe bhavedekādaśīdvayam / gṛhasthānāṃ tu pūrvoktā yatīnāmuttarā smṛtā

Sei es in der hellen oder in der dunklen [Monatshälfte] – falls es zwei Ekādaśīs gibt, gilt für die Hausväter die zuvor genannte [frühere], für die Asketen aber die spätere.

Wort für Wort
śukle vā yadi vā kṛṣṇe [?]
sei es in der hellen oder in der dunklen [Hälfte]
bhavet ekādaśīdvayam
falls es zwei Ekādaśīs gibt
gṛhasthānāṃ tu pūrvoktā
für die Hausväter [gilt] die zuvor genannte
yatīnām uttarā smṛtā
für die Asketen wird die spätere überliefert

[?] śulke: wohl śukle.

dvādaśyāṃ vidyate kiñciddaśamīsaṃyutā yadi / dinakṣaye dvitīyaiva sarveṣāṃ parikīrtitāṃ

Wenn [die Ekādaśī] etwas [wenig] in die Dvādaśī hineinreicht und [zugleich] mit der Daśamī verbunden ist, so gilt bei [solchem] Tages-Schwund für alle allein die zweite [Ekādaśī] als maßgeblich.

Wort für Wort
dvādaśyāṃ vidyate kiñcit
reicht sie etwas in die Dvādaśī hinein
daśamīsaṃyutā yadi
und ist [zugleich] mit der Daśamī verbunden
dinakṣaye dvitīyā eva
bei Tages-Schwund [gilt] allein die zweite
sarveṣāṃ parikīrtitā
für alle als maßgeblich

viddhāpyekādaśī grāhyā parato dvādaśī na cet / aviddhāpi niṣiddhaiva parato dvādaśī yadi

Selbst eine [von der Daśamī] berührte Ekādaśī ist anzunehmen, sofern danach nicht [noch] die Dvādaśī [beginnt]. Selbst eine unberührte [Ekādaśī] ist verboten, wenn danach [erst] die Dvādaśī [beginnt].

Wort für Wort
viddhā api ekādaśī grāhyā
selbst die berührte Ekādaśī ist anzunehmen
parataḥ dvādaśī na cet
sofern nicht danach die Dvādaśī [folgt]
aviddhā api niṣiddhā eva
selbst die unberührte ist [dann] verboten
parataḥ dvādaśī yadi
wenn danach die Dvādaśī [folgt]

ekādaśī dvādaśī ca rātraghiśeṣe trayodaśī / dvādaśadvādaśīpuṇyaṃ trayodaśyāṃ tu pāraṇe

Fallen Ekādaśī und Dvādaśī [zusammen], und im Rest der Nacht [folgt] die Trayodaśī: [dies gewährt] das Verdienst von zwölf Dvādaśīs [?], wenn der Fastenbruch [erst] an der Trayodaśī [erfolgt].

Wort für Wort
ekādaśī dvādaśī ca
Ekādaśī und Dvādaśī
rātriśeṣe [?] trayodaśī
im Rest der Nacht die Trayodaśī
dvādaśadvādaśīpuṇyaṃ [?]
das Verdienst von zwölf Dvādaśīs
trayodaśyāṃ tu pāraṇe
wenn der Fastenbruch an der Trayodaśī [erfolgt]

[?] rātraghiśeṣe: wohl rātriśeṣe (OCR-'gha'). [?] dvādaśadvādaśīpuṇyaṃ: Lesung/Sinn unsicher, sinngemäß als 'das Verdienst von zwölf Dvādaśīs' wiedergegeben.

ekādaśī kalāmātrā vidyate dvādaśīdine / dvādaśī ca trayodaśyāṃ nāsti vā vidyate 'thavā

Wenn die Ekādaśī [nur] um ein winziges Maß am Tag der Dvādaśī besteht, und die Dvādaśī entweder nicht in die Trayodaśī hineinreicht oder [doch] besteht...

Wort für Wort
ekādaśī kalāmātrā
die Ekādaśī um ein winziges Maß
vidyate dvādaśīdine
besteht am Tag der Dvādaśī
dvādaśī ca trayodaśyāṃ
und die Dvādaśī in die Trayodaśī
na asti vā vidyate athavā
besteht entweder nicht oder [doch]

vidvāpyekādaśī tatra pūrvā syādgṛhaṇāṃ tadā / yadibhiścottarā grāhyā hyavīrābhistathaiva ca

...dann gilt selbst eine berührte Ekādaśī als die frühere für die Hausväter; von den Asketen (Yatibhiḥ) ist die spätere anzunehmen, ebenso auch von den 'avīrā'-Frauen [?, wohl Witwen bzw. kinderlosen Frauen].

Wort für Wort
viddhā api ekādaśī [?] tatra
selbst die berührte Ekādaśī gilt dort
pūrvā syāt gṛhasthānāṃ [?] tadā
als die frühere für die Hausväter
yatibhiḥ [?] ca uttarā grāhyā
von den Asketen ist die spätere anzunehmen
hi avīrābhiḥ [?] tathā eva ca
ebenso auch von den 'avīrā'-Frauen

[?] vidvāpi: wohl viddhāpi. [?] gṛhaṇāṃ: wohl gṛhasthānāṃ. [?] yadibhiḥ: wohl yatibhiḥ. [?] avīrābhiḥ: Lesung/Sinn unsicher, hier als 'Witwen bzw. Frauen ohne [lebenden] Ehemann/Sohn' gedeutet.

saṃpūrṇaikādaśī śuddhā dvādaśyāṃ nāsti kiñcana / dvādaśī ca trayodaśayāmasti tatra kathaṃ bhavet

Ist die Ekādaśī vollständig und rein und reicht überhaupt nicht in die Dvādaśī hinein, die Dvādaśī aber [wohl] in die Trayodaśī hineinreicht – wie verhält es sich dann?

Wort für Wort
saṃpūrṇaikādaśī śuddhā
ist die vollständige, reine Ekādaśī
dvādaśyāṃ na asti kiñcana
reicht überhaupt nicht in die Dvādaśī hinein
dvādaśī ca trayodaśyām asti
die Dvādaśī aber reicht in die Trayodaśī
tatra kathaṃ bhavet
wie verhält es sich dann

pūrvā gṛhasthaiḥ kāryātra yatibhiścottarā tithiḥ / upoṣyaiva dvitīyeti kecidāhuśca bhaktitaḥ

Die frühere [Tithi] ist hierbei von den Hausvätern einzuhalten, von den Asketen die spätere Tithi. Manche sagen aus Hingabe (bhaktitaḥ), dass allein die zweite [Tithi] zu befasten sei.

Wort für Wort
pūrvā gṛhasthaiḥ kāryā atra
die frühere ist hierbei von den Hausvätern einzuhalten
yatibhiḥ ca uttarā tithiḥ
von den Asketen aber die spätere Tithi
upoṣyā eva dvitīyā iti
'allein die zweite ist zu befasten'
kecit āhuḥ ca bhaktitaḥ
sagen manche aus Hingabe

ekādaśī yadāviddhā dvādaśyāṃ na pratīyate / dvādaśī ca trayodaśyāmasti tatraiva cāpare

Wenn die Ekādaśī unberührt ist und dennoch nicht in die Dvādaśī hineinreicht, und die Dvādaśī [wohl] in die Trayodaśī hineinreicht – auch hierzu [sagen] andere [Folgendes]:

Wort für Wort
ekādaśī yadā aviddhā
wenn die Ekādaśī unberührt ist
dvādaśyāṃ na pratīyate
[und dennoch] nicht in die Dvādaśī hineinreicht
dvādaśī ca trayodaśyām asti
die Dvādaśī aber in die Trayodaśī hineinreicht
tatra eva ca apare
auch hierzu [sagen] andere

upoṣyā dvādaśī śuddhā sarvaireva na saṃśayaḥ / kecidāhuśca pūrvāṃ tu tanmataṃ na samañjasam

Die reine Dvādaśī ist von allen ohne Zweifel zu befasten. Manche sagen zwar auch die frühere [Ekādaśī], doch jene Ansicht ist nicht stimmig.

Wort für Wort
upoṣyā dvādaśī śuddhā
die reine Dvādaśī ist zu befasten
sarvaiḥ eva na saṃśayaḥ
von allen, ohne Zweifel
kecit āhuḥ ca pūrvāṃ tu
manche sagen aber die frühere
tat mataṃ na samañjasam
jene Ansicht ist nicht stimmig

saṃkrātau ravivāre ca pātagrahaṇayostathā / pāraṇaṃ copavāsaṃ ca na kuryātputravāngṛhī

Bei einer Saṃkrānti, an einem Sonntag, sowie bei [einem ungünstigen] Pāta oder bei einer Finsternis soll ein Hausvater, der Söhne hat (putravān), weder den Fastenbruch noch das Fasten [an diesem Tag beginnen].

Wort für Wort
saṃkrāntau [?] ravivāre ca
an einer Saṃkrānti und an einem Sonntag
pātagrahaṇayoḥ tathā
sowie bei Pāta oder Finsternis
pāraṇaṃ ca upavāsaṃ ca
weder den Fastenbruch noch das Fasten
na kuryāt putravān gṛhī
soll ein Hausvater mit Söhnen vollziehen

[?] saṃkrātau: wohl saṃkrāntau.

arke 'hni parvarātraghau ca caturdaśyaṣṭamī divā / ekādaśyāmahorātraṃ bhuktvā cāndrāyaṇaṃ caret

Isst man am Sonn-Tag, in der Parvan-Nacht, an Caturdaśī oder Aṣṭamī am Tage, oder einen ganzen Tag und eine Nacht hindurch an der Ekādaśī, so soll man ein Cāndrāyaṇa[-Gelübde] vollziehen.

Wort für Wort
arke ahni parvarātrau [?] ca
am Sonn-Tag und in der Parvan-Nacht
caturdaśyaṣṭamī divā
an Caturdaśī oder Aṣṭamī am Tage
ekādaśyām ahorātraṃ bhuktvā
hat man an der Ekādaśī Tag und Nacht gegessen
cāndrāyaṇaṃ caret
so soll man das Cāndrāyaṇa vollziehen

[?] parvarātraghau: wohl parvarātrau (OCR-'gha').

ādityagrahaṇe prātpe pūrvayāmatraye tathā / nādyādvai yadi bhuñjīta surāpena samo bhavet

Ist eine Sonnenfinsternis eingetreten, [und zwar] innerhalb der ersten drei Nachtwachen [zuvor], so soll man wahrlich nicht essen; isst man dennoch, wird man einem Trinker von berauschendem Getränk (surāpa) gleich.

Wort für Wort
ādityagrahaṇe prāpte [?]
ist eine Sonnenfinsternis eingetreten
pūrvayāmatraye tathā
und zwar innerhalb der ersten drei Nachtwachen
na adyāt vai yadi bhuñjīta
soll man wahrlich nicht essen; isst man dennoch
surāpena samaḥ bhavet
wird man einem Branntweintrinker gleich

[?] prātpe: wohl prāpte.

anvādhāneṣṭimadhye tu grahaṇe candrasūryayoḥ / prāyaścittaṃ muniśreṣṭha karttavyaṃ tatra yājñikaiḥ

Tritt aber inmitten des Anvādhāna-Opfers eine Mond- oder Sonnenfinsternis ein, so ist dabei, o Bester der Weisen, von den Opferpriestern eine Sühnehandlung (Prāyaścitta) zu vollziehen.

Wort für Wort
anvādhāneṣṭimadhye tu
inmitten des Anvādhāna-Opfers aber
grahaṇe candrasūryayoḥ
bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis
prāyaścittaṃ muniśreṣṭha
eine Sühnehandlung, o Bester der Weisen
kartavyaṃ tatra yājñikaiḥ
ist dabei von den Opferpriestern zu vollziehen

cadroparāge juhuyāddaśame soma ityṛcā / āpyāyasva ṛcā caiva somapāsta iti dvija

Bei einer Mondfinsternis soll man mit dem zehnten [Vers, beginnend mit] 'soma' opfern (juhuyāt); ebenso mit dem Vers 'āpyāyasva' und dem Vers 'somapāḥ', o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
candroparāge [?] juhuyāt
bei einer Mondfinsternis soll man opfern
daśame soma iti ṛcā
mit dem zehnten Vers, [beginnend] 'soma'
āpyāyasva ṛcā caiva
sowie mit dem Vers 'āpyāyasva'
somapāḥ iti dvija
und [dem Vers] 'somapāḥ', o Zweifachgeborener

[?] cadroparāge: wohl candroparāge.

sūryoparāge juhuyādudutyaṃ jātavedasam / āsatyeṃnodvayaṃ caiva trayomantrā udāhṛtāḥ

Bei einer Sonnenfinsternis soll man mit [dem Vers] 'ud u tyaṃ jātavedasam' opfern, sowie mit den beiden [Versen beginnend mit] 'āsatyena' [?]; so werden drei Sprüche genannt.

Wort für Wort
sūryoparāge juhuyāt
bei einer Sonnenfinsternis soll man opfern
udutyaṃ jātavedasam
mit '[ud u] tyaṃ jātavedasam'
āsatyena-dvayaṃ [?] caiva
sowie mit den beiden 'āsatyena'-[Versen]
trayaḥ mantrāḥ udāhṛtāḥ
drei Sprüche werden genannt

[?] āsatyeṃnodvayaṃ: Lesung unsicher, sinngemäß als 'die beiden mit āsatyena [beginnenden Verse]' gedeutet.

evaṃ tithiṃ viniścitya smṛtimārgeṇa paṇḍitaḥ / yaḥ karoti vratādīni tasya syādakṣayaṃ phalam

Wer so, gemäß dem Weg der Smṛti, als Kundiger (Paṇḍita) die Tithi sicher bestimmt hat und dann Gelübde und dergleichen vollzieht, dessen Lohn wird unvergänglich sein.

Wort für Wort
evaṃ tithiṃ viniścitya
so, die Tithi sicher bestimmt habend
smṛtimārgeṇa paṇḍitaḥ
gemäß dem Weg der Smṛti, als Kundiger
yaḥ karoti vratādīni
wer Gelübde und dergleichen vollzieht
tasya syāt akṣayaṃ phalam
dessen Lohn wird unvergänglich sein

vedapraṇihito dharmo dharmaistuṣyati keśavaḥ / tasmāddharmaparā yānti tadviṣṇoḥ paramaṃ padam

Der in den Veden niedergelegte Dharma [ist es, durch den] Keśava (Viṣṇu) durch [rechte] Werke der Pflicht zufrieden wird. Deshalb gehen die dem Dharma Ergebenen zu jenem höchsten Sitz des Viṣṇu ein.

Wort für Wort
vedapraṇihitaḥ dharmaḥ
der in den Veden niedergelegte Dharma
dharmaiḥ tuṣyati keśavaḥ
durch [rechte] Werke wird Keśava zufrieden
tasmāt dharmaparā yānti
deshalb gehen die dem Dharma Ergebenen
tat viṣṇoḥ paramaṃ padam
zu jenem höchsten Sitz des Viṣṇu ein

dharmānye karttumicchanti te vai kṛṣṇasvarupiṇaḥ / tasmāttāṃstu bhavavyādhiḥ kadācinnaiva bādhate

Diejenigen anderen, die den Dharma zu vollziehen begehren, sind wahrlich von der Wesensform Kṛṣṇas (kṛṣṇasvarūpiṇaḥ). Deshalb befällt sie die Krankheit des [weltlichen] Daseins (bhavavyādhi) niemals.

Wort für Wort
dharmān ye kartum icchanti
diejenigen, die den Dharma zu vollziehen begehren
te vai kṛṣṇasvarūpiṇaḥ [?]
sind wahrlich von der Wesensform Kṛṣṇas
tasmāt tān tu bhavavyādhiḥ
deshalb sie [aber] die Krankheit des Daseins
kadācit na eva bādhate
niemals befällt

[?] kṛṣṇasvarupiṇaḥ: wohl kṛṣṇasvarūpiṇaḥ.

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