Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 83: devīmantranirūpaṇaṃ Darlegung des Devī-Mantras

iti śrībṛhannāradīya purāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde pañcaprakṛtimantrādinirūpaṇaṃ nāma tryaśītitamo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ sanatkumāra uvāca kalikalpāntare brahman brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ / lokapadme tapasthasya sṛṣṭyarthaṃ saṃbabhūvatuḥ

Sanatkumāra sprach: In einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, während Brahmā, aus dem Unentfalteten geboren, zum Zweck der Schöpfung auf dem Welten-Lotos in Askese weilte, entstanden [zwei Wesen] —

Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
kalikalpāntare brahman
in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane
brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ lokapadme tapasthasya
während Brahmā, aus dem Unentfalteten geboren, auf dem Welten-Lotos in Askese weilte
sṛṣṭyarthaṃ saṃbabhūvatuḥ
entstanden zum Zweck der Schöpfung [die beiden]

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext, durch eine Trennlinie abgesetzt, der versprengte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels vorangestellt („iti śrībṛhannāradīya purāṇe … pañcaprakṛtimantrādinirūpaṇaṃ nāma tryaśītitamo 'dhyāyaḥ“ – Titel des 83. Kapitels der Quellzählung); er wurde im sa-Feld dokumentiert, jedoch nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen. Der Satz „sṛṣṭyarthaṃ saṃbabhūvatuḥ“ (Dual: ‚die beiden entstanden') wird erst durch V.2 vervollständigt (Subjekt: die Dämonen Madhu und Kaiṭabha).]

viṣṇukarṇamalodbhūtāvasurau madhukaiṭabhau / tau jātamātrau payasi lokapralayalakṣaṇe

die beiden Dämonen Madhu und Kaiṭabha, aus dem Ohrenschmalz Viṣṇus entstanden. Die beiden, kaum geboren, befanden sich im Wasser, das das Kennzeichen des Weltuntergangs trug.

Wort für Wort
viṣṇukarṇamalodbhūtāvasurau madhukaiṭabhau
die beiden Dämonen Madhu und Kaiṭabha, aus dem Ohrenschmalz Viṣṇus entstanden
tau jātamātrau payasi lokapralayalakṣaṇe
die beiden, kaum geboren, im Wasser, dem Kennzeichen des Weltuntergangs

jānumātre sthitau dṛṣṭvā brahmaṇaṃ kamalasthitam / pravṛttāvattumālakṣya tuṣṭāva jagadaṃbikām

Als Brahmā bemerkte, dass die beiden, bis zu den Knien im Wasser stehend, ihn, auf dem Lotos befindlich, erblickt hatten und im Begriff waren, ihn zu verschlingen, pries er die Weltenmutter.

Wort für Wort
jānumātre sthitau dṛṣṭvā
die beiden, bis zu den Knien stehend, [ihn] erblickend
brahmaṇaṃ kamalasthitam
Brahmā, auf dem Lotos befindlich
pravṛttāvattumālakṣya
bemerkend, dass sie im Begriff waren [ihn] zu verschlingen
tuṣṭāva jagadaṃbikām
pries er die Weltenmutter

tato devī jagatkartrī śaivī śaktiranuttamā / nārāyaṇākṣisaṃsthānā nidrā prītā babhūva ha

Da wurde die Göttin, die Welten-Schöpferin, die Śiva-Kraft, die Unübertreffliche, die in Nārāyaṇas Augen weilende Nidrā (der Schlaf), zufrieden.

Wort für Wort
tato devī jagatkartrī śaivī śaktiranuttamā
da [wurde] die Göttin, die Welten-Schöpferin, die Śiva-Kraft, die Unübertreffliche
nārāyaṇākṣisaṃsthānā nidrā prītā babhūva ha
die in Nārāyaṇas Augen weilende Nidrā, zufrieden

tasyā mantrādikaṃ sarvaṃ kathayiṣyāmi tacchṛṇu / sāruṇā krodhanī śāntiścandrālaṅkṛtaśekharā

Ihr Mantra und alles Weitere werde ich verkünden – höre dies: die Rötliche, die Zornige, die Friedvolle, deren Scheitel mit dem Mond geschmückt ist,

Wort für Wort
tasyā mantrādikaṃ sarvaṃ kathayiṣyāmi tacchṛṇu
ihr Mantra und alles Weitere werde ich verkünden, höre dies
sāruṇā krodhanī śāntiścandrālaṅkṛtaśekharā
die Rötliche, die Zornige, die Friedvolle, deren Scheitel mit dem Mond geschmückt ist

ekākṣarībīja mantraṛṣiḥ śaktirudāhṛtā / gāyatrī ca bhavecchando devatā bhuvaneśvarī

[ihr Mantra besteht aus] dem Ein-Silben-Keim; [ihr] Ṛṣi und [ihre] Śakti werden [in üblicher Weise] genannt; Gāyatrī sei das Versmaß, die Gottheit Bhuvaneśvarī.

Wort für Wort
ekākṣarībīja
der Ein-Silben-Keim [ist ihr Mantra]
mantraṛṣiḥ śaktirudāhṛtā
Mantra-Ṛṣi und -Śakti werden [in üblicher Weise] genannt
gāyatrī ca bhavecchando devatā bhuvaneśvarī
Gāyatrī sei das Versmaß, die Gottheit Bhuvaneśvarī

[?] Ṛṣi und Śakti werden nicht mit Namen genannt, sondern nur pauschal „udāhṛtā“ (‚werden genannt') erwähnt – vermutlich elliptische Verkürzung im Quelltext.

ṣaḍdirghayuktabījena kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt / saṃhārasṛṣṭimārgeṇa mātṛkānyastavigrahaḥ

Mit dem durch sechs lange [Vokale] verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder; nach der Weise von Auflösung und Schöpfung wird die Gestalt mit den Mātṛkā-Buchstaben versehen.

Wort für Wort
ṣaḍdirghayuktabījena kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt
mit dem durch sechs lange Vokale verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder
saṃhārasṛṣṭimārgeṇa mātṛkānyastavigrahaḥ
nach der Weise von Auflösung und Schöpfung wird die Gestalt mit den Mātṛkā-Buchstaben versehen

mantranyāsaṃ tataḥ kuryāddevatābhāvasiddhaye / hṛllekhāṃ mūrdhni vadane gaganāṃ hṛdayāṃbuje

Danach vollziehe man den Mantra-Nyāsa, zur Erlangung der Wesenseinheit mit der Gottheit: die Herz-Silbe am Scheitel, [die Silbe] am Antlitz, die Himmels-Silbe im Lotos des Herzens,

Wort für Wort
mantranyāsaṃ tataḥ kuryāddevatābhāvasiddhaye
danach vollziehe man den Mantra-Nyāsa, zur Erlangung der Wesenseinheit mit der Gottheit
hṛllekhāṃ mūrdhni vadane gaganāṃ hṛdayāṃbuje
die Herz-Silbe am Scheitel, [die Silbe] am Antlitz, die Himmels-Silbe im Herzlotos

raktāṃ karālikāṃ guhye mahocchuṣmāṃ padadvaye / ūrddhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣūttare 'pi ca

die Rote, die Schreckliche, am Geheimort, die 'Mahocchuṣmā' an den beiden Füßen, [dies wiederhole man] nach oben, Osten, Süden, Norden, Westen und ebenso im Zenit.

Wort für Wort
raktāṃ karālikāṃ guhye
die Rote, die Schreckliche, am Geheimort
mahocchuṣmāṃ padadvaye
die 'Mahocchuṣmā' an den beiden Füßen
ūrddhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣūttare 'pi ca
nach oben, Osten, Süden, Norden, Westen und ebenso im Zenit

sadyādihrasvabījādyānvastavyā bhūtasaprabhāḥ / aṅgāni vinyasetpaścājjātiyuktāni ṣaṭ kramāt

beginnend mit 'sadya' und den kurzen Keimsilben, seien [die Buchstaben] gesetzt, glanzvoll wie ihre zugehörigen Elemente; danach setze man der Reihe nach die sechs, mit ihrer Art versehenen Glieder.

Wort für Wort
sadyādihrasvabījādyānvastavyā bhūtasaprabhāḥ
beginnend mit 'sadya' und den kurzen Keimsilben seien [die Buchstaben] gesetzt, glanzvoll wie ihre Elemente
aṅgāni vinyasetpaścājjātiyuktāni ṣaṭ kramāt
danach setze man der Reihe nach die sechs, mit ihrer Art versehenen Glieder

brahmāṇaṃ vinyasedbhāle gāyatryā saha saṃyutam / sāvitryā sahitaṃ viṣṇuṃ kapole dakṣiṇe nyaset

Man setze Brahmā, zusammen mit Gāyatrī verbunden, auf die Stirn; Viṣṇu, mit Sāvitrī versehen, setze man auf die rechte Wange.

Wort für Wort
brahmāṇaṃ vinyasedbhāle gāyatryā saha saṃyutam
man setze Brahmā, mit Gāyatrī verbunden, auf die Stirn
sāvitryā sahitaṃ viṣṇuṃ kapole dakṣiṇe nyaset
Viṣṇu, mit Sāvitrī versehen, setze man auf die rechte Wange

vāgīśvaryā samāyuktaṃ vāmagaṇḍe maheśvaram / śriyā dhanapatiṃ nyasya vāmakarṇāgrake punaḥ

Maheśvara, mit Vāgīśvarī verbunden, [setze man] auf die linke Wange; den Herrn des Reichtums, mit Śrī, setze man wiederum an die Spitze des linken Ohres.

Wort für Wort
vāgīśvaryā samāyuktaṃ vāmagaṇḍe maheśvaram
Maheśvara, mit Vāgīśvarī verbunden, auf die linke Wange
śriyā dhanapatiṃ nyasya vāmakarṇāgrake punaḥ
den Herrn des Reichtums, mit Śrī, setze man an die Spitze des linken Ohres

ratyā smaraṃ mukhe nyasya puṇyāgaṇapatiṃ nyaset / savyakarṇopari nidhākarṇagaṇḍāntarālayoḥ

Smara, mit Rati, setze man auf das Antlitz; den huldvollen Gaṇapati setze man oberhalb des rechten Ohres; die beiden Schätze zwischen Ohr und Wange,

Wort für Wort
ratyā smaraṃ mukhe nyasya
Smara, mit Rati, setze man auf das Antlitz
puṇyāgaṇapatiṃ nyaset savyakarṇopari
den huldvollen Gaṇapati setze man oberhalb des rechten Ohres
nidhākarṇagaṇḍāntarālayoḥ
die beiden Schätze zwischen Ohr und Wange

nyastavyaṃ vadane mūlaṃ bhūpaścaitrāṃstato nyaset / kaṇṭhamūle stanadvandve vāmāṃse hṛdayāṃbuje

Das Wurzelmantra sei auf das Antlitz gesetzt; die Erdherren und die [Caitra-Wesen(?)] setze man danach [ringsum]; am Halsansatz, auf den beiden Brüsten, auf der linken Schulter, im Lotos des Herzens,

Wort für Wort
nyastavyaṃ vadane mūlaṃ
das Wurzelmantra sei auf das Antlitz gesetzt
bhūpaścaitrāṃstato nyaset
die Erdherren und die Caitra[-Wesen] setze man danach
kaṇṭhamūle stanadvandve vāmāṃse hṛdayāṃbuje
am Halsansatz, auf den beiden Brüsten, auf der linken Schulter, im Herzlotos

[?] „bhūpaścaitrāṃs“ unklar überliefert; sinngemäß als ‚die Erdherren und die Caitra[-Wesen]' wiedergegeben.

savyāṃse pārśvayugale nābhideśe ca deśikaḥ / bhālāṃśca pārśvajaṭhare pārśvāṃsāparake hṛdi

auf der rechten Schulter, an den beiden Flanken, am Nabelbereich [setze] der Kundige; an der Stirn, an den seitlichen Bauchpartien, an der hinteren Schulterseite, am Herzen —

Wort für Wort
savyāṃse pārśvayugale nābhideśe ca deśikaḥ
auf der rechten Schulter, an den beiden Flanken, am Nabelbereich der Kundige
bhālāṃśca pārśvajaṭhare pārśvāṃsāparake hṛdi
an der Stirn, an den seitlichen Bauchpartien, an der hinteren Schulterseite, am Herzen

brahmāṇyādyāstanau nyasya vidhinā proktalakṣaṇāḥ / mūlena vyāpakaṃ dehe nyasya devīṃ vicintayet

Brahmāṇī und die übrigen [Mütter], vorschriftsmäßig in den genannten Merkmalen, auf dem Körper gesetzt; nachdem man mit dem Wurzelmantra den durchdringenden Nyāsa im Körper vollzogen hat, meditiere man über die Göttin:

Wort für Wort
brahmāṇyādyāstanau nyasya vidhinā proktalakṣaṇāḥ
Brahmāṇī und die übrigen, vorschriftsmäßig in genannten Merkmalen, auf dem Körper gesetzt
mūlena vyāpakaṃ dehe nyasya devīṃ vicintayet
nachdem man mit dem Wurzelmantra den durchdringenden Nyāsa im Körper vollzogen hat, meditiere man über die Göttin

udyaddivākaranibhāṃ tuṅgorojāṃ trilocanām / / smarāsyāmindumukuṭāṃ varapāśāṅkuśābhayām

gleich der aufgehenden Sonne, hochbrüstig, dreiäugig, mit einem Antlitz wie Kāma, mit einem Mond-Diadem, mit Gunstgeste, Schlinge, Elefantenstachel und Schutzgeste [in den Händen],

Wort für Wort
udyaddivākaranibhāṃ tuṅgorojāṃ trilocanām
gleich der aufgehenden Sonne, hochbrüstig, dreiäugig
smarāsyāmindumukuṭāṃ
mit einem Antlitz wie Kāma, mit Mond-Diadem
varapāśāṅkuśābhayām
mit Gunstgeste, Schlinge, Elefantenstachel und Schutzgeste

[Anm.: Im Quelltext steht nach „trilocanām“ ein doppelter Schrägstrich („/ /“) – vermutlich ein bloßes Schreib-/OCR-Artefakt ohne inhaltliche Bedeutung, kein Hinweis auf einen fehlenden Versteil.]

radalakṣaṃ japenmantraṃ trimadhvaktairhunettataḥ / aṣṭadravyairdaśāṃśena brahmavṛkṣasamidvaraiḥ

Man rezitiere das Mantra zweiunddreißigmal hunderttausend, opfere danach mit den drei süßen [Substanzen] vermischt; mit den acht Substanzen, zu einem Zehntel, mit den vortrefflichen Opferhölzern des Brahma-Baumes,

Wort für Wort
radalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere das Mantra zweiunddreißigmal hunderttausend
trimadhvaktairhunettataḥ
opfere danach mit den drei süßen Substanzen vermischt
aṣṭadravyairdaśāṃśena brahmavṛkṣasamidvaraiḥ
mit den acht Substanzen, zu einem Zehntel, mit vortrefflichen Brahma-Baum-Opferhölzern

[Anm.: „radalakṣam“ verwendet die zahlwortliche Bhūtasaṃkhyā-Konvention: „rada“ (‚Zahn') steht für die Zahl 32 (Anzahl der Zähne), also 32 × 100.000.]

drākṣākharjūravātādaśarkarānālikerakam / tandulājyatilaṃ vipra dravyāṣṭakamudāhṛtam

Weintrauben, Datteln, Mandeln, Zucker, Kokosnuss, Reis, Ghee, Sesam – das sind, o Brahmane, die genannten acht Substanzen.

Wort für Wort
drākṣākharjūravātādaśarkarānālikerakam
Weintrauben, Datteln, Mandeln, Zucker, Kokosnuss
tandulājyatilaṃ vipra dravyāṣṭakamudāhṛtam
Reis, Ghee, Sesam, o Brahmane – die genannten acht Substanzen

[?] „vātāda“ unklar; als ‚Mandeln' gedeutet.

dadyādardhyaṃ dineśāya tatra saṃcintya pārvatīm / padmamaṣṭadalaṃ bāhye vṛttaṃ ṣoḍaśabhirddalaiḥ

man gebe Ardhya (Wasseropfer) der Sonne dar, dabei an Pārvatī denkend. Man zeichne einen achtblättrigen Lotos, außen davon einen Kreis mit sechzehn Blättern,

Wort für Wort
dadyādardhyaṃ dineśāya
man gebe der Sonne Ardhya dar
tatra saṃcintya pārvatīm
dabei an Pārvatī denkend
padmamaṣṭadalaṃ bāhye vṛttaṃ ṣoḍaśabhirddalaiḥ
man zeichne einen achtblättrigen Lotos, außen einen Kreis mit sechzehn Blättern

vilikhetkaṇiṅkrāmadhyeṣaḍkoṇamatisundaram / tataḥ saṃpūjayetpīṭhaṃ navaśaktisamanvitam

man zeichne inmitten des Blütenkelchs ein sehr schönes Sechseck; danach verehre man den Sitz, mit den neun Śaktis versehen:

Wort für Wort
vilikhetkaṇiṅkrāmadhyeṣaḍkoṇamatisundaram
man zeichne inmitten des Blütenkelchs ein sehr schönes Sechseck
tataḥ saṃpūjayetpīṭhaṃ navaśaktisamanvitam
danach verehre man den mit den neun Śaktis versehenen Sitz

jayākhyā vijayā paścādajitāhvāparājitā / nityā vilāsinī gogdhītyaghorā maṅgalā nava

'Jayā' genannt, dann Vijayā, danach Ajitā, Aparājitā, Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā, Maṅgalā – die neun.

Wort für Wort
jayākhyā vijayā paścādajitāhvāparājitā
'Jayā' genannt, dann Vijayā, danach Ajitā, Aparājitā
nityā vilāsinī gogdhītyaghorā maṅgalā nava
Nityā, Vilāsinī, Dogdhrī, Aghorā, Maṅgalā – die neun

[?] „gogdhī“ als „Dogdhrī“ gedeutet (vgl. gleichnamige Śakti in Kap. 82, V.159).

bījāḍhyamāsanaṃ dattvā mūrtiṃ tenaiva kalpayet / tasyāṃ saṃpūjayeddevīmāvāhyāvaraṇaiḥ kramāt

Nachdem man den mit dem Bīja versehenen Sitz gegeben hat, gestalte man damit die Gestalt; darauf verehre man, nachdem man [die Göttin] herbeigerufen hat, die Göttin der Reihe nach mit den Umhüllungen.

Wort für Wort
bījāḍhyamāsanaṃ dattvā mūrtiṃ tenaiva kalpayet
nachdem man den mit dem Bīja versehenen Sitz gegeben hat, gestalte man damit die Gestalt
tasyāṃ saṃpūjayeddevīmāvāhyāvaraṇaiḥ kramāt
darauf verehre man, nachdem man herbeigerufen hat, die Göttin der Reihe nach mit den Umhüllungen

madheyapāgyāmyasaumyeṣu pūjayedaṅgadevatāḥ / ṣaṭkoṇeṣu yajenmantrī paścānmithunadevatāḥ

In der Mitte sowie im Osten, Süden und Norden verehre man die Glied-Gottheiten; in den sechs Ecken verehre der Mantra-Kundige danach die Paar-Gottheiten:

Wort für Wort
madheyapāgyāmyasaumyeṣu pūjayedaṅgadevatāḥ
in der Mitte sowie im Osten, Süden, Norden verehre man die Glied-Gottheiten
ṣaṭkoṇeṣu yajenmantrī paścānmithunadevatāḥ
in den sechs Ecken verehre der Mantra-Kundige danach die Paar-Gottheiten

[?] „madheyapāgyāmyasaumyeṣu“ als „madhye prāgyāmyasaumyeṣu“ (‚in der Mitte sowie im Osten, Süden, Norden') gedeutet.

indrakoṇaṃ lasaddaṇḍakuṇḍikākṣaguṇābhayām / gāyatrīṃ pūjayenmatrī brahmāṇamapi tādṛśam

in der Indra-Ecke [Nordost] verehre der Mantra-Kundige Gāyatrī, dargestellt mit leuchtendem Stab, Wasserkrug, Rosenkranz und Schutzgeste, sowie ebenso Brahmā [an ihrer Seite],

Wort für Wort
indrakoṇaṃ lasaddaṇḍakuṇḍikākṣaguṇābhayām
in der Indra-Ecke, mit leuchtendem Stab, Wasserkrug, Rosenkranz und Schutzgeste
gāyatrīṃ pūjayenmatrī brahmāṇamapi tādṛśam
verehre der Mantra-Kundige Gāyatrī, sowie ebenso Brahmā

rakṣaḥ koṇe śaṅkhacakragadāpaṅkajadhāriṇīm / sāvitrīṃ pītavasanāṃ yajedviṇuṃ ca tādṛśam

in der Rakṣas-Ecke [Südwest] verehre man Sāvitrī, Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend, gelb gekleidet, sowie ebenso Viṣṇu,

Wort für Wort
rakṣaḥ koṇe śaṅkhacakragadāpaṅkajadhāriṇīm
in der Rakṣas-Ecke, Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend
sāvitrīṃ pītavasanāṃ yajedviṇuṃ ca tādṛśam
verehre man Sāvitrī, gelb gekleidet, sowie ebenso Viṣṇu

vāyukoṇe paraśvakṣamālā bhayavarānvitām / yajetsarasvatīmacchāṃ rudraṃ tādṛśalakṣaṇam

in der Vāyu-Ecke [Nordwest] verehre man die reine Sarasvatī, mit Axt, Rosenkranz, Schutz- und Gunstgeste versehen, sowie ebenso Rudra, von gleicher Beschaffenheit,

Wort für Wort
vāyukoṇe paraśvakṣamālā bhayavarānvitām
in der Vāyu-Ecke, mit Axt, Rosenkranz, Schutz- und Gunstgeste versehen
yajetsarasvatīmacchāṃ rudraṃ tādṛśalakṣaṇam
verehre man die reine Sarasvatī, sowie ebenso Rudra

vahnikoṇe yajedratnakuṃbhaṃ maṇikaraṇḍakam / karābhyāṃ bibhratīṃ pītāṃ tundilaṃ dhanadāyakam

in der Feuer-Ecke [Südost] verehre man [Mahālakṣmī], mit einem Juwelenkrug und einem Juwelenkästchen in ihren beiden Händen, gelb, sowie den dickbäuchigen, Reichtum spendenden [Kubera],

Wort für Wort
vahnikoṇe yajedratnakuṃbhaṃ maṇikaraṇḍakam
in der Feuer-Ecke verehre man [sie] mit Juwelenkrug und Juwelenkästchen
karābhyāṃ bibhratīṃ pītāṃ tundilaṃ dhanadāyakam
in den Händen tragend, gelb, sowie den dickbäuchigen, Reichtum spendenden [Kubera]

āliṅgya savyahastena vāme tāṃbūladhāriṇīm / dhanadāṅkasamārūḍhāṃ mahālakṣmīṃ prapūjayet

man verehre Mahālakṣmī, die [Kubera] mit der rechten Hand umarmt und in der linken Betel trägt, auf dem Schoß Kuberas sitzend.

Wort für Wort
āliṅgya savyahastena vāme tāṃbūladhāriṇīm
mit der rechten Hand umarmend, in der linken Betel tragend
dhanadāṅkasamārūḍhāṃ mahālakṣmīṃ prapūjayet
man verehre Mahālakṣmī, auf Kuberas Schoß sitzend

paścime madanaṃ bāṇapāśāṅkuśaśarāsanām / dhārayantaṃ japāraktaṃ pūjayedraktabhūṣaṇam

im Westen verehre man Madana, rot wie die Hibiskusblüte, mit rotem Schmuck, Pfeil, Schlinge, Elefantenstachel und Bogen haltend,

Wort für Wort
paścime madanaṃ bāṇapāśāṅkuśaśarāsanām
im Westen Madana, Pfeil, Schlinge, Elefantenstachel und Bogen haltend
dhārayantaṃ japāraktaṃ pūjayedraktabhūṣaṇam
rot wie die Hibiskusblüte, mit rotem Schmuck, verehre man

savyena patimāśliṣya vāmenotpaladhāriṇīm / pāṇinā ramaṇāṅkasthāṃ ratiṃ samyaksamarcayet

man verehre Rati vorschriftsmäßig, die mit der rechten Hand ihren Gatten umarmt, mit der linken einen Lotos hält, auf dem Schoß des Geliebten sitzend.

Wort für Wort
savyena patimāśliṣya vāmenotpaladhāriṇīm
mit der rechten Hand den Gatten umarmend, mit der linken einen Lotos haltend
pāṇinā ramaṇāṅkasthāṃ ratiṃ samyaksamarcayet
auf dem Schoß des Geliebten sitzend, verehre man Rati vorschriftsmäßig

aiśānye pūjayetsamyak vighnarājaṃ priyānvitam / sṛṇipāśadharaṃ kāntaṃ varāṅgāsṛkkalāṅgulim

im Nordosten verehre man vorschriftsmäßig den Hindernisherrn mit seiner Geliebten, den Elefantenstachel und die Schlinge Tragenden, den Anmutigen, mit schönen Gliedern, dessen Finger [von Saft] triefen,

Wort für Wort
aiśānye pūjayetsamyak vighnarājaṃ priyānvitam
im Nordosten verehre man vorschriftsmäßig den Hindernisherrn mit seiner Geliebten
sṛṇipāśadharaṃ kāntaṃ
den Elefantenstachel und die Schlinge Tragenden, den Anmutigen
varāṅgāsṛkkalāṅgulim
mit schönen Gliedern, dessen Finger [von Saft] triefen

[?] „varāṅgāsṛkkalāṅgulim“ unklares Kompositum; sinngemäß als ‚mit schönen Gliedern, dessen Finger [von Saft] triefen' wiedergegeben.

mādhvīpūrṇakapālāḍhyaṃ vighnarājaṃ digaṃbaram / puṣkare vigaladratnasphuraccaṣakadhāriṇam

den mit einer honigwein-gefüllten Schale versehenen Hindernisherrn, den Himmelsgekleideten; [seine Gefährtin] auf dem Lotos, einen von Juwelen triefenden, funkelnden Becher haltend,

Wort für Wort
mādhvīpūrṇakapālāḍhyaṃ vighnarājaṃ digaṃbaram
den mit honigwein-gefüllter Schale versehenen Hindernisherrn, den Himmelsgekleideten
puṣkare vigaladratnasphuraccaṣakadhāriṇam
auf dem Lotos, einen von Juwelen triefenden, funkelnden Becher haltend

siṃdūrasadṛśākārāmuddāmamadavibhramām / dhṛtaraktotpalāmanyapāṇinā tu dhvajaspṛśām

von zinnoberroter Gestalt, von ungezügelter, rauschhafter Anmut, eine rote Lotosblüte haltend, mit der anderen Hand die Standarte berührend,

Wort für Wort
siṃdūrasadṛśākārāmuddāmamadavibhramām
von zinnoberroter Gestalt, von ungezügelter, rauschhafter Anmut
dhṛtaraktotpalāmanyapāṇinā tu dhvajaspṛśām
eine rote Lotosblüte haltend, mit der anderen Hand die Standarte berührend

āśliṣṭakāntāmaruṇāṃ puṣṭimarceddigaṃbarām / karṇikāyāṃ nidhī pūjyau ṣaṭkoṇasyātha pārśvayoḥ

ihren Geliebten umarmend, rötlich – so verehre man Puṣṭi, die Himmelsgekleidete. Im Blütenkelch seien die beiden Schätze verehrt, an den Seiten des Sechsecks.

Wort für Wort
āśliṣṭakāntāmaruṇāṃ puṣṭimarceddigaṃbarām
ihren Geliebten umarmend, rötlich – so verehre man Puṣṭi, die Himmelsgekleidete
karṇikāyāṃ nidhī pūjyau ṣaṭkoṇasyātha pārśvayoḥ
im Blütenkelch seien die beiden Schätze verehrt, an den Seiten des Sechsecks

aṅgāni kesareṣvetāḥ paścātpatreṣu pūjayet / anaṅgakusumā paścāddvitīyānaṅgamekhalā

die Glieder [seien] in den Staubgefäßen [verehrt]; danach verehre man diese auf den Blütenblättern: Anaṅgakusumā, danach als zweite Anaṅgamekhalā,

Wort für Wort
aṅgāni kesareṣvetāḥ paścātpatreṣu pūjayet
die Glieder in den Staubgefäßen, danach verehre man diese auf den Blütenblättern
anaṅgakusumā paścāddvitīyānaṅgamekhalā
Anaṅgakusumā, danach als zweite Anaṅgamekhalā

anaṅgagamanā tadvadanaṅgamadanāturā / bhuvanapālā gaganavegā ṣaṣṭhī caiva tataḥ param

Anaṅgagamanā, ebenso Anaṅgamadanāturā, Bhuvanapālā, Gaganavegā – und als Sechste danach

Wort für Wort
anaṅgagamanā tadvadanaṅgamadanāturā
Anaṅgagamanā, ebenso Anaṅgamadanāturā
bhuvanapālā gaganavegā ṣaṣṭhī caiva tataḥ param
Bhuvanapālā, Gaganavegā – und als Sechste danach

śaśilekhā gaganalekhā cetyaṣṭau yatra śaktayaḥ / khaḍgakheṭakadhāriṇyaḥ śyāmāḥ pūjyāśca mātaraḥ

Śaśilekhā [und] Gaganalekhā – dies die acht Śaktis; Schwert und Schild tragend, dunkelfarbig, seien auch die Mütter verehrt,

Wort für Wort
śaśilekhā gaganalekhā cetyaṣṭau yatra śaktayaḥ
Śaśilekhā [und] Gaganalekhā – dies die acht Śaktis
khaḍgakheṭakadhāriṇyaḥ śyāmāḥ pūjyāśca mātaraḥ
Schwert und Schild tragend, dunkelfarbig, seien auch die Mütter verehrt

padmādbahiḥ samabhyarcyāḥ śaktayaḥ paricārikāḥ / prathamānaṅgadvayāsyādanaṅgamadanā tataḥ

außerhalb des Lotos seien die dienenden Śaktis verehrt: als erste Anaṅgā [im Paar], danach Anaṅgamadanā,

Wort für Wort
padmādbahiḥ samabhyarcyāḥ śaktayaḥ paricārikāḥ
außerhalb des Lotos seien die dienenden Śaktis verehrt
prathamānaṅgadvayāsyādanaṅgamadanā tataḥ
als erste [sei] das Anaṅga-Paar, danach Anaṅgamadanā

madanāturā bhavanavegā tato bhuvanapālikā / syātsarvaśiśirānaṅgavedanānaṅgamekhalā

Madanāturā, Bhavanavegā, dann Bhuvanapālikā, ebenso alle [übrigen]: die Kühlende, Anaṅgavedanā, Anaṅgamekhalā.

Wort für Wort
madanāturā bhavanavegā tato bhuvanapālikā
Madanāturā, Bhavanavegā, dann Bhuvanapālikā
syātsarvaśiśirānaṅgavedanānaṅgamekhalā
ebenso alle: die Kühlende, Anaṅgavedanā, Anaṅgamekhalā

caṣakaṃ tālavṛntaṃ ca tāṃbūlaṃ chatramujjvalam / cāmare cāṃśukaṃ puṣpaṃ bibhrāṇāḥ karapaṅkajaiḥ

Becher, Palmblatt-Fächer, Betel, strahlenden Sonnenschirm, Chamara-Wedel, Gewand und Blume in ihren Lotoshänden tragend,

Wort für Wort
caṣakaṃ tālavṛntaṃ ca tāṃbūlaṃ chatramujjvalam
Becher, Palmblatt-Fächer, Betel, strahlenden Sonnenschirm
cāmare cāṃśukaṃ puṣpaṃ bibhrāṇāḥ karapaṅkajaiḥ
Chamara-Wedel, Gewand und Blume in ihren Lotoshänden tragend

sarvābharaṇasaṃdīptān lokapālānbahiryajet / vajrādīnyapi tadbāhye devīmitthaṃ prapūjayet

man verehre außerhalb die mit allem Schmuck strahlenden Weltenhüter; auch deren Waffen, beginnend mit dem Vajra, außerhalb davon – so verehre man vollständig die Göttin.

Wort für Wort
sarvābharaṇasaṃdīptān lokapālānbahiryajet
man verehre außerhalb die mit allem Schmuck strahlenden Weltenhüter
vajrādīnyapi tadbāhye devīmitthaṃ prapūjayet
auch deren Waffen außerhalb davon – so verehre man vollständig die Göttin

mantrī trimadhuropetairhutvāśvatthasamidvaraiḥ / brāhmaṇānvaśayecchīghraṃ pārthivānpadmahomataḥ

Der Mantra-Kundige, der mit den drei süßen Substanzen versehene, vortreffliche Aśvattha-Opferhölzer opfert, bezaubert rasch Brahmanen; Könige bezaubert er durch das Lotos-Opfer,

Wort für Wort
mantrī trimadhuropetairhutvāśvatthasamidvaraiḥ
der Mantra-Kundige, der mit den drei süßen Substanzen versehene, vortreffliche Aśvattha-Opferhölzer opfert
brāhmaṇānvaśayecchīghraṃ pārthivānpadmahomataḥ
bezaubert rasch Brahmanen; Könige durch das Lotos-Opfer

palāśapuṣpaistatpatnīṃ mantriṇaḥ kusudairapi / pañcaviṃśatidhā japtairjalaiḥ snānaṃ dine dine

mit Palāśa-Blüten bezaubert er dessen Gattin, o Mantra-Kundiger, auch mit [anderen] Blumen. Mit fünfundzwanzigmal rezitiertem Wasser bade man Tag für Tag —

Wort für Wort
palāśapuṣpaistatpatnīṃ mantriṇaḥ kusudairapi
mit Palāśa-Blüten dessen Gattin, o Mantra-Kundiger, auch mit anderen Blumen
pañcaviṃśatidhā japtairjalaiḥ snānaṃ dine dine
mit fünfundzwanzigmal rezitiertem Wasser bade man Tag für Tag

ātmānamabhiṣiñcedyaḥ sarvasaubhāgyavānbhavet / pañcaviṃśatidhā japtaṃ jalaṃ prātaḥ pibennaraḥ

wer sich selbst damit besprengt, wird mit allem Glück gesegnet. Wer morgens fünfundzwanzigmal rezitiertes Wasser trinkt,

Wort für Wort
ātmānamabhiṣiñcedyaḥ sarvasaubhāgyavānbhavet
wer sich selbst besprengt, wird mit allem Glück gesegnet
pañcaviṃśatidhā japtaṃ jalaṃ prātaḥ pibennaraḥ
wer morgens fünfundzwanzigmal rezitiertes Wasser trinkt

avāpya mahatīṃ prajñāṃ kavīnāmagraṇīrbhavet / karpūrāgarusaṃyuktakuṅkumaṃ sādhu sādhitam

erlangt große Weisheit und wird zum Ersten der Dichter. Mit Kampfer und Adlerholz vermischten, wohlbereiteten Safran

Wort für Wort
avāpya mahatīṃ prajñāṃ kavīnāmagraṇīrbhavet
erlangt große Weisheit und wird zum Ersten der Dichter
karpūrāgarusaṃyuktakuṅkumaṃ sādhu sādhitam
mit Kampfer und Adlerholz vermischten, wohlbereiteten Safran

gṛhītvā tilakaṃ kuryādrājavaśyamanuttamam / śālipiṣṭamayīṃ kṛtvā puttalīṃ madhurānvitām

nehme man und trage ein Stirnmal – dies bewirkt unübertreffliche Bezauberung eines Königs. Nachdem man eine aus Reismehl geformte, mit Süßem versehene Puppe hergestellt hat,

Wort für Wort
gṛhītvā tilakaṃ kuryādrājavaśyamanuttamam
nehme man und trage ein Stirnmal – unübertreffliche Bezauberung eines Königs
śālipiṣṭamayīṃ kṛtvā puttalīṃ madhurānvitām
nachdem man eine aus Reismehl geformte, mit Süßem versehene Puppe hergestellt hat

japtāṃ pratiṣṭhitaprāṇāṃ bhakṣayedravivāsare / vaśaṃ nayati rājānaṃ nārīṃ vā narameva ca

die mit Mantra rezitierte und mit Lebensodem beseelte, verzehre man am Sonntag – dies bringt einen König, eine Frau oder auch einen Mann in [des Sādhakas] Gewalt.

Wort für Wort
japtāṃ pratiṣṭhitaprāṇāṃ bhakṣayedravivāsare
die mit Mantra rezitierte, mit Lebensodem beseelte, verzehre man am Sonntag
vaśaṃ nayati rājānaṃ nārīṃ vā narameva ca
dies bringt einen König, eine Frau oder auch einen Mann in Gewalt

kaṇṭhamātrodake sthitvā vīkṣya toyodgataṃ ravim / trisahasraṃ japenmantraṃ kanyāmiṣṭāṃ labhettataḥ

Im halsstiefen Wasser stehend, die aus dem Wasser aufgehende Sonne betrachtend, rezitiere man dreitausendmal das Mantra – dadurch erlangt man die gewünschte Braut.

Wort für Wort
kaṇṭhamātrodake sthitvā vīkṣya toyodgataṃ ravim
im halsstiefen Wasser stehend, die aus dem Wasser aufgehende Sonne betrachtend
trisahasraṃ japenmantraṃ kanyāmiṣṭāṃ labhettataḥ
rezitiere man dreitausendmal das Mantra – dadurch erlangt man die gewünschte Braut

annaṃ tanmantritaṃ mantrī bhuñjīta śrīprasiddhaye / likhitāṃ bhasmanā māyāṃ sasādhyāṃ phalakādiṣu

Speise, mit diesem Mantra beladen, verzehre der Mantra-Kundige zur Erlangung von Glück; ein mit Asche gezeichnetes Māyā-Yantra, mit dem Namen des zu Bezaubernden versehen, auf einer Tafel und dergleichen —

Wort für Wort
annaṃ tanmantritaṃ mantrī bhuñjīta śrīprasiddhaye
Speise, mit diesem Mantra beladen, verzehre der Mantra-Kundige zur Erlangung von Glück
likhitāṃ bhasmanā māyāṃ sasādhyāṃ phalakādiṣu
ein mit Asche gezeichnetes Māyā-Yantra, mit dem Namen des zu Bezaubernden, auf einer Tafel und dergleichen

tatkālaṃ darśayedyantraṃ sukhaṃ sūyeta garbhiṇī / bhuvaneśīyamākhyātā sahasrabhujasaṃbhavā

zeige man der Gebärenden zu jener Zeit das Yantra – so gebiert die Schwangere leicht. Dies wurde als [die Verehrung der] Bhuvaneśī verkündet, die aus den tausend Armen [Durgās] entstanden ist,

Wort für Wort
tatkālaṃ darśayedyantraṃ sukhaṃ sūyeta garbhiṇī
zeige man zu jener Zeit das Yantra – so gebiert die Schwangere leicht
bhuvaneśīyamākhyātā sahasrabhujasaṃbhavā
dies wurde als Bhuvaneśī verkündet, aus den tausend Armen entstanden

bhuktimuktipradā nṝṇāṃ smartṛāṇāṃ dvijasattama / tataḥ kalpāntare vipra kadācinmahiṣāsuraḥ

die den Menschen, die ihrer gedenken, Genuss und Erlösung gewährt, o Bester der Zweifachgeborenen. Danach, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, wurde einst der Büffeldämon

Wort für Wort
bhuktimuktipradā nṝṇāṃ smartṛāṇāṃ dvijasattama
die den Menschen, die ihrer gedenken, Genuss und Erlösung gewährt, o Bester der Zweifachgeborenen
tataḥ kalpāntare vipra kadācinmahiṣāsuraḥ
danach, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, wurde einst der Büffeldämon

babhūva lokapālāṃstu jitvā bhuṅkte jagattrayam / tatastpīḍitā devā vaikuṇṭhaṃ śaraṇaṃ yayuḥ

[so mächtig], dass er, nachdem er die Weltenhüter besiegt hatte, die drei Welten beherrschte. Da gingen die bedrängten Götter zu Vaikuṇṭha als ihrer Zuflucht.

Wort für Wort
babhūva lokapālāṃstu jitvā bhuṅkte jagattrayam
[so mächtig], dass er, die Weltenhüter besiegend, die drei Welten beherrschte
tatastpīḍitā devā vaikuṇṭhaṃ śaraṇaṃ yayuḥ
da gingen die bedrängten Götter zu Vaikuṇṭha als Zuflucht

tato devī mahālakṣmīścakrādyāṅgotthatejasā / śrīrbabhūvamuniśreṣṭha mūrtā vyāptajagattrayā

Da wurde, o Bester der Munis, aus dem Glanz, der aus [Viṣṇus] Diskus und den übrigen Gliedern entstand, die Göttin Mahālakṣmī, Śrī, gestaltet, welche die drei Welten durchdrang.

Wort für Wort
tato devī mahālakṣmīścakrādyāṅgotthatejasā
da wurde die Göttin Mahālakṣmī, aus dem Glanz von Diskus und den übrigen Gliedern
śrīrbabhūvamuniśreṣṭha mūrtā vyāptajagattrayā
Śrī gestaltet, o Bester der Munis, welche die drei Welten durchdrang

svayaṃ sā mahiṣādīṃstu nihatya jagadīśvarī / aravindavanaṃ prāptā bhajatāmiṣṭadāyinī

Sie selbst, die Herrin der Welt, tötete Mahiṣa und die übrigen [Dämonen] und gelangte zum Lotoshain, den Hingebungsvollen die Wunscherfüllende.

Wort für Wort
svayaṃ sā mahiṣādīṃstu nihatya jagadīśvarī
sie selbst, die Herrin der Welt, tötete Mahiṣa und die übrigen
aravindavanaṃ prāptā bhajatāmiṣṭadāyinī
gelangte zum Lotoshain, den Hingebungsvollen die Wunscherfüllende

tasyāḥ samarcanaṃ vakṣye saṃkṣepeṇa śṛṇu dvija / mṛtyukrodhena guruṇā bindubhūṣitamastakā

Ihre Verehrung werde ich in Kürze verkünden, höre, o Zweifachgeborener: mit dem 'Todeszorn'-[Bīja], schwer, das Haupt [des Mantras] mit dem Bindu geschmückt,

Wort für Wort
tasyāḥ samarcanaṃ vakṣye saṃkṣepeṇa śṛṇu dvija
ihre Verehrung werde ich in Kürze verkünden, höre, o Zweifachgeborener
mṛtyukrodhena guruṇā bindubhūṣitamastakā
mit dem 'Todeszorn'-Bīja, schwer, das Haupt mit dem Bindu geschmückt

[Anm.: Verschlüsselte Bīja-Angabe in Tantra-Codesprache („mṛtyukrodhena guruṇā“); wörtlich wiedergegeben.]

bījamantraḥ śriyaḥ prokto bhajatāmiṣṭadāyakaḥ / ṛṣirbhṛgurnivṛcchando devatā śrīḥ samīritā

So wird das Keim-Mantra der Śrī genannt, das den Hingebungsvollen den Wunsch gewährt; Bhṛgu ist der Ṛṣi, Nivṛt das Versmaß, Śrī wird als Gottheit genannt.

Wort für Wort
bījamantraḥ śriyaḥ prokto bhajatāmiṣṭadāyakaḥ
so wird das Keim-Mantra der Śrī genannt, das den Hingebungsvollen den Wunsch gewährt
ṛṣirbhṛgurnivṛcchando devatā śrīḥ samīritā
Bhṛgu ist der Ṛṣi, Nivṛt das Versmaß, Śrī wird als Gottheit genannt

ṣaḍdīrghayuktabījena kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt / tato dhyāyejjagadvedyāṃ śriyaṃ saṃpattidāyinīm

Mit dem durch die sechs langen [Vokale] verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder; dann meditiere man über die den Welten kundzutuende Śrī, die Wohlstand Verleihende,

Wort für Wort
ṣaḍdīrghayuktabījena kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt
mit dem durch sechs lange Vokale verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder
tato dhyāyejjagadvedyāṃ śriyaṃ saṃpattidāyinīm
dann meditiere man über die den Welten kundzutuende Śrī, die Wohlstand Verleihende

kāñcanābhāṃ gajaiḥ śvetaiścaturbhiḥ svakaroddhṛtaiḥ / hiraṇmayāmṛtaghaṭaiḥ sicyamānāṃ sarojagām

goldfarben, von vier weißen Elefanten, die mit ihren Rüsseln goldene Ambrosia-Krüge halten, besprengt, auf einem Lotos sitzend,

Wort für Wort
kāñcanābhāṃ gajaiḥ śvetaiścaturbhiḥ svakaroddhṛtaiḥ
goldfarben, von vier weißen Elefanten, die mit ihren Rüsseln [Krüge] halten
hiraṇmayāmṛtaghaṭaiḥ sicyamānāṃ sarojagām
mit goldenen Ambrosia-Krügen besprengt, auf einem Lotos sitzend

varābhayābjasragdhastāṃ kṣaumavastrāṃ kirīṭinīm / siddhalakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ hunettathā

mit Gunstgeste, Schutzgeste, Lotos und Blumengirlande in den Händen, in Seide gekleidet, mit Diadem geschmückt. Man rezitiere das Mantra hunderttausendmal und opfere davon ebenso ein Tausendstel.

Wort für Wort
varābhayābjasragdhastāṃ kṣaumavastrāṃ kirīṭinīm
mit Gunstgeste, Schutzgeste, Lotos und Blumengirlande in den Händen, in Seide gekleidet, mit Diadem
siddhalakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ hunettathā
man rezitiere das Mantra hunderttausendmal und opfere davon ein Tausendstel

sugandhakusumairiṣṭvā kamalairmadhuraplutaiḥ / mahālakṣmyudite pīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet

nachdem man mit duftenden Blumen, mit in Süßem getränkten Lotosblüten geopfert hat, gestalte man auf dem 'Mahālakṣmī' genannten Sitz die Gestalt mit dem Wurzelmantra.

Wort für Wort
sugandhakusumairiṣṭvā kamalairmadhuraplutaiḥ
nachdem man mit duftenden Blumen, mit in Süßem getränkten Lotosblüten geopfert hat
mahālakṣmyudite pīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet
gestalte man auf dem 'Mahālakṣmī' genannten Sitz die Gestalt mit dem Wurzelmantra

yajetpūrvavadaṅgāni digdaleṣvarcayettataḥ / vāsudevaṃ saṃkarṣaṇaṃ pradyumnamaniruddhakam

Man verehre die Glieder wie zuvor; danach verehre man auf den Richtungs-Blütenblättern Vāsudeva, Saṃkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha,

Wort für Wort
yajetpūrvavadaṅgāni
man verehre die Glieder wie zuvor
digdaleṣvarcayettataḥ
danach verehre man auf den Richtungs-Blütenblättern
vāsudevaṃ saṃkarṣaṇaṃ pradyumnamaniruddhakam
Vāsudeva, Saṃkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha

himapītatamālendranīlābhānpītavāsasaḥ / śaṅkhacakragadāpadmadhāriṇastāṃścaturbhujān

von der Farbe von Schnee, Gelb, Tamāla-[Baum] und Indranīla-[Saphir], gelb gekleidet, Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend, jene vierarmigen [Gestalten],

Wort für Wort
himapītatamālendranīlābhānpītavāsasaḥ
von der Farbe von Schnee, Gelb, Tamāla und Indranīla, gelb gekleidet
śaṅkhacakragadāpadmadhāriṇastāṃścaturbhujān
Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend, jene vierarmigen

vidiganteṣu patreṣu damakādīnyajedgajān / damakaṃ puṇḍarīkaṃ ca guggulaṃ ca kuraṇṭakam

auf den Blättern der Zwischenrichtungen verehre man die Elefanten, beginnend mit Damaka: Damaka, Puṇḍarīka, Guggulu und Kuraṇṭaka,

Wort für Wort
vidiganteṣu patreṣu damakādīnyajedgajān
auf den Blättern der Zwischenrichtungen verehre man die Elefanten, beginnend mit Damaka
damakaṃ puṇḍarīkaṃ ca guggulaṃ ca kuraṇṭakam
Damaka, Puṇḍarīka, Guggulu und Kuraṇṭaka

yajecchaṅkhanidhiṃ devyā dakṣiṇe pramadānvitam / muktāmāṇikyasaṃkāśau kiñcitsmitamukhāṃbujau

man verehre zur Rechten der Göttin den Śaṅkhanidhi, mit seiner Geliebten, beide gleißend wie Perle und Rubin, mit leicht lächelndem Lotosantlitz,

Wort für Wort
yajecchaṅkhanidhiṃ devyā dakṣiṇe pramadānvitam
man verehre zur Rechten der Göttin den Śaṅkhanidhi, mit seiner Geliebten
muktāmāṇikyasaṃkāśau kiñcitsmitamukhāṃbujau
beide gleißend wie Perle und Rubin, mit leicht lächelndem Lotosantlitz

anyonyāliṅganaparau śaṅkhapaṅkajadhāriṇau / vigaladratnavarṣābhyāṃ śaṅkhabhyā mūrdhni lāñchitau

einander umarmend, Muschelhorn und Lotos tragend, mit zwei Muschelhörnern, aus denen ein Juwelenregen strömt, auf dem Haupt gekennzeichnet,

Wort für Wort
anyonyāliṅganaparau śaṅkhapaṅkajadhāriṇau
einander umarmend, Muschelhorn und Lotos tragend
vigaladratnavarṣābhyāṃ śaṅkhabhyā mūrdhni lāñchitau
mit zwei Muschelhörnern, aus denen ein Juwelenregen strömt, auf dem Haupt gekennzeichnet

tundilaṃ kaṃbukanidhiṃ vasudhārāṃ ghanastanīm / vāmataḥ paṅkajanidhiṃ priyayā sahitaṃ yajet

den dickbäuchigen Kambu-Schatz und Vasudhārā, mit vollem Busen – zur Linken verehre man den Padma-Schatz samt seiner Geliebten,

Wort für Wort
tundilaṃ kaṃbukanidhiṃ vasudhārāṃ ghanastanīm
den dickbäuchigen Kambu-Schatz und Vasudhārā, mit vollem Busen
vāmataḥ paṅkajanidhiṃ priyayā sahitaṃ yajet
zur Linken verehre man den Padma-Schatz samt seiner Geliebten

siṃdūrābhau bhujaśliṣṭau raktapadmotpalānvitau / niḥsaradratnavarṣābhyāṃ padmābhyāṃ mūrdhni lāñchitau

beide von zinnoberroter Farbe, umarmend, mit rotem Lotos und Utpala versehen, mit zwei Lotosblüten, aus denen ein Juwelenregen strömt, auf dem Haupt gekennzeichnet,

Wort für Wort
siṃdūrābhau bhujaśliṣṭau raktapadmotpalānvitau
beide von zinnoberroter Farbe, umarmend, mit rotem Lotos und Utpala versehen
niḥsaradratnavarṣābhyāṃ padmābhyāṃ mūrdhni lāñchitau
mit zwei Lotosblüten, aus denen ein Juwelenregen strömt, auf dem Haupt gekennzeichnet

tundilaṃ paṅkajanidhiṃ tattvāṃ vasumatīmapi / dalāgreṣu yajedetābalākyādyāḥ samantataḥ

den dickbäuchigen Padma-Schatz und ebenso jene Vasumatī – an den Blattspitzen verehre man ringsum diese [Śaktis], beginnend mit Balākī:

Wort für Wort
tundilaṃ paṅkajanidhiṃ tattvāṃ vasumatīmapi
den dickbäuchigen Padma-Schatz und ebenso jene Vasumatī
dalāgreṣu yajedetābalākyādyāḥ samantataḥ
an den Blattspitzen verehre man ringsum diese, beginnend mit Balākī

balākī vimalā caiva kamalā vanamālikā / vibhīṣikā mālikā ca śāṅkarī vasumālikā

Balākī, Vimalā, Kamalā, Vanamālikā, Vibhīṣikā, Mālikā, Śāṅkarī, Vasumālikā,

Wort für Wort
balākī vimalā caiva kamalā vanamālikā
Balākī, Vimalā, Kamalā, Vanamālikā
vibhīṣikā mālikā ca śāṅkarī vasumālikā
Vibhīṣikā, Mālikā, Śāṅkarī, Vasumālikā

paṅkajadvayadhāriṇyo muktāhārasamaprabhāḥ / lokeśānpūjayedante vajrādyāstrāṇi tadbahiḥ

je zwei Lotosblüten tragend, strahlend wie eine Perlenkette. Zuletzt verehre man die Weltenherren, und außerhalb davon die Waffen, beginnend mit dem Vajra.

Wort für Wort
paṅkajadvayadhāriṇyo muktāhārasamaprabhāḥ
je zwei Lotosblüten tragend, strahlend wie eine Perlenkette
lokeśānpūjayedante vajrādyāstrāṇi tadbahiḥ
zuletzt verehre man die Weltenherren, außerhalb davon die Waffen, beginnend mit dem Vajra

itthaṃ yo bhajate devīṃ vidhinā sādhakottamaḥ / dhanadhānyasamṛddhaḥ syācchriyamāpnotyaninditām

Wer so, o bester Sādhaka, die Göttin vorschriftsmäßig verehrt, wird reich an Gut und Korn und erlangt tadellosen Glanz.

Wort für Wort
itthaṃ yo bhajate devīṃ vidhinā sādhakottamaḥ
wer so, o bester Sādhaka, die Göttin vorschriftsmäßig verehrt
dhanadhānyasamṛddhaḥ syācchriyamāpnotyaninditām
wird reich an Gut und Korn und erlangt tadellosen Glanz

vakṣaḥpramāṇasalile sthitvā mantramimaṃ japet / trilakṣamarkagaṃ dhyāyansa bhavetkamalālayaḥ

Im brusttiefen Wasser stehend rezitiere man dieses Mantra; wer dreihunderttausendmal, über die in der Sonne weilende [Göttin] meditierend, [rezitiert], der wird zum Wohnsitz des Lotos [reich wie Lakṣmī].

Wort für Wort
vakṣaḥpramāṇasalile sthitvā mantramimaṃ japet
im brusttiefen Wasser stehend rezitiere man dieses Mantra
trilakṣamarkagaṃ dhyāyansa bhavetkamalālayaḥ
wer dreihunderttausendmal, über die in der Sonne weilende meditierend, [rezitiert], wird zum Wohnsitz des Lotos

viṣṇugehasthabilvasya mūle lakṣatrayaṃ japet / sādhako yaḥ sa labhate vāñchitaṃ dhanasaṃcayam

Wer an der Wurzel eines im Hause Viṣṇus stehenden Bilva-Baumes dreihunderttausendmal rezitiert, jener Sādhaka erlangt die gewünschte Ansammlung von Reichtum.

Wort für Wort
viṣṇugehasthabilvasya mūle lakṣatrayaṃ japet
an der Wurzel eines im Hause Viṣṇus stehenden Bilva-Baumes rezitiere man dreihunderttausendmal
sādhako yaḥ sa labhate vāñchitaṃ dhanasaṃcayam
jener Sādhaka erlangt die gewünschte Ansammlung von Reichtum

aśokavahnāvājyāktaistaṇḍulairvaśayejjagat / homenakhādire vahnau taṇḍulermadhurokṣitaiḥ

Im Aśoka-Feuer, mit ghee-getränktem Reis, bezaubere man die Welt; durch ein Opfer im Khadira-Feuer, mit Reis, der mit Süßem besprengt ist,

Wort für Wort
aśokavahnāvājyāktaistaṇḍulairvaśayejjagat
im Aśoka-Feuer, mit ghee-getränktem Reis, bezaubere man die Welt
homenakhādire vahnau taṇḍulermadhurokṣitaiḥ
durch ein Opfer im Khadira-Feuer, mit Reis, der mit Süßem besprengt ist

rājā vaśyo bhavecchīghraṃ mahālakṣmīśca varddhate / bilvacchāyāmadhivasanbilvamiśrahaviṣyabhuk

wird ein König rasch gefügig, und Mahālakṣmī mehrt sich. Wer im Schatten des Bilva-Baumes weilt und mit Bilva vermischte Opferspeise isst,

Wort für Wort
rājā vaśyo bhavecchīghraṃ mahālakṣmīśca varddhate
wird ein König rasch gefügig, und Mahālakṣmī mehrt sich
bilvacchāyāmadhivasanbilvamiśrahaviṣyabhuk
wer im Schatten des Bilva-Baumes weilt und mit Bilva vermischte Opferspeise isst

saṃvatsaratrayaṃ hutvā tatphalairathavāṃbujaiḥ / sādhakendro mahālakṣmīṃ cakṣuṣā paśyati dhruvam

und drei Jahre lang mit dessen Früchten oder mit Lotosblüten opfert, jener beste Sādhaka schaut Mahālakṣmī gewiss mit eigenen Augen.

Wort für Wort
saṃvatsaratrayaṃ hutvā tatphalairathavāṃbujaiḥ
drei Jahre lang mit dessen Früchten oder mit Lotosblüten opfernd
sādhakendro mahālakṣmīṃ cakṣuṣā paśyati dhruvam
jener beste Sādhaka schaut Mahālakṣmī gewiss mit eigenen Augen

atha kalpāntare brahmandevarājyaviluṃpakau / jātau śubhaniśuṃbhau dvāvasurau lokakaṇṭakau

Nun, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, entstanden die beiden Dämonen Śumbha und Niśumbha, die Räuber der Götterherrschaft, ein Dorn im Fleisch der Welt,

Wort für Wort
atha kalpāntare brahmandevarājyaviluṃpakau
nun, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, die Räuber der Götterherrschaft
jātau śubhaniśuṃbhau dvāvasurau lokakaṇṭakau
entstanden die beiden Dämonen Śumbha und Niśumbha, ein Dorn im Fleisch der Welt

tato bhraṣṭādhikāraistu śakrādyaiḥ saṃstutā mune / mahāsarasvatī devī tadā cāvatatāra ha

da wurde, von Indra und den übrigen, ihrer Herrschaft Beraubten, gepriesen, o Muni, die Göttin Mahāsarasvatī damals herabgesandt.

Wort für Wort
tato bhraṣṭādhikāraistu śakrādyaiḥ saṃstutā mune
da, von Indra und den übrigen, ihrer Herrschaft Beraubten, gepriesen, o Muni
mahāsarasvatī devī tadā cāvatatāra ha
wurde die Göttin Mahāsarasvatī damals herabgesandt

himālaye mahāpuṇye śailoddeśe 'tiśobhane / tataḥ śumbhādikānhatvā daivataiḥ paripūjitā

im Himālaya, an hochheiliger, überaus herrlicher Bergstätte. Danach, nachdem sie Śumbha und die übrigen getötet hatte, ward sie von den Göttern vollständig verehrt.

Wort für Wort
himālaye mahāpuṇye śailoddeśe 'tiśobhane
im Himālaya, an hochheiliger, überaus herrlicher Bergstätte
tataḥ śumbhādikānhatvā daivataiḥ paripūjitā
danach, nachdem sie Śumbha und die übrigen getötet hatte, ward sie von den Göttern vollständig verehrt

varaṃ dattvāviśaddevī mānasaṃ nāma vai saraḥ / tasyā mantraṃ pravakṣyāmi śṛṇuṣvāvahito munane

Nachdem sie eine Gunst gewährt hatte, ging die Göttin in den 'Mānasa' genannten See ein. Ihr Mantra werde ich nun verkünden – höre aufmerksam, o Muni.

Wort für Wort
varaṃ dattvāviśaddevī mānasaṃ nāma vai saraḥ
nachdem sie eine Gunst gewährt hatte, ging die Göttin in den 'Mānasa' genannten See ein
tasyā mantraṃ pravakṣyāmi śṛṇuṣvāvahito munane
ihr Mantra werde ich verkünden – höre aufmerksam, o Muni

jñānāmṛtā śaśadharā krāntabhālopaśobhitā / vāgbījaṃ tena cāṅgāni kalpayetsādhakottamaḥ

'jñānāmṛtā', 'śaśadharā', geschmückt mit [einem Zeichen] auf überragender Stirn – [dies], verbunden mit dem Rede-Keim (vāgbīja), damit gestalte der beste Sādhaka die Glieder.

Wort für Wort
jñānāmṛtā śaśadharā krāntabhālopaśobhitā
'jñānāmṛtā', 'śaśadharā', geschmückt mit [einem Zeichen] auf überragender Stirn
vāgbījaṃ tena cāṅgāni kalpayetsādhakottamaḥ
damit, verbunden mit dem Rede-Keim, gestalte der beste Sādhaka die Glieder

[Anm.: Verschlüsselte Bīja-Angabe in Tantra-Codesprache; wörtlich wiedergegeben.]

ṛṣiḥ sadāśivaścāsya chando 'nuṣṭubudāhṛtam / devatā vāksamākhyātā bhajatāmiṣṭadāyinī

Sadāśiva ist sein Ṛṣi, Anuṣṭubh wird als Versmaß genannt, Vāk (die Rede) wird als Gottheit bezeichnet, die den Hingebungsvollen den Wunsch Gewährende.

Wort für Wort
ṛṣiḥ sadāśivaścāsya chando 'nuṣṭubudāhṛtam
Sadāśiva ist sein Ṛṣi, Anuṣṭubh wird als Versmaß genannt
devatā vāksamākhyātā bhajatāmiṣṭadāyinī
Vāk wird als Gottheit bezeichnet, die den Hingebungsvollen den Wunsch Gewährende

śvetāṃbarāṃ visaśvetāṃ vīṇāpustakadhāriṇīm / divyairābharaṇairyuktāṃ dhyāyeddevīṃ nirantarām

weiß gekleidet, weiß wie eine Lotosfaser, Vīṇā und Buch tragend, mit göttlichem Schmuck versehen – so meditiere man unablässig über die Göttin.

Wort für Wort
śvetāṃbarāṃ visaśvetāṃ vīṇāpustakadhāriṇīm
weiß gekleidet, weiß wie eine Lotosfaser, Vīṇā und Buch tragend
divyairābharaṇairyuktāṃ dhyāyeddevīṃ nirantarām
mit göttlichem Schmuck versehen – so meditiere man unablässig über die Göttin

mahāsarasvatīpīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet / devīṃ saṃpūjayettasyāmaṅgādyāvaraṇaiḥ saha

Auf dem 'Mahāsarasvatī'-Sitz gestalte man die Gestalt mit dem Wurzelmantra; die Göttin verehre man darin zusammen mit den Glied- und weiteren Umhüllungen.

Wort für Wort
mahāsarasvatīpīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet
auf dem 'Mahāsarasvatī'-Sitz gestalte man die Gestalt mit dem Wurzelmantra
devīṃ saṃpūjayettasyāmaṅgādyāvaraṇaiḥ saha
die Göttin verehre man darin zusammen mit den Glied- und weiteren Umhüllungen

ādāvaṅgāvṛtiḥ paścādaṃbikādyāḥsamīritāḥ / dvitīyā mātṛbhiḥ proktā tṛtīyādyaṣṭaśaktibhiḥ

Zuerst kommt die Glieder-Umhüllung, danach werden Ambikā und die übrigen genannt; die zweite [Umhüllung] wird mit den Müttern bezeichnet, die dritte mit den acht Śaktis, beginnend [mit diesen],

Wort für Wort
ādāvaṅgāvṛtiḥ paścādaṃbikādyāḥsamīritāḥ
zuerst die Glieder-Umhüllung, danach werden Ambikā und die übrigen genannt
dvitīyā mātṛbhiḥ proktā tṛtīyādyaṣṭaśaktibhiḥ
die zweite mit den Müttern, die dritte mit den acht Śaktis, beginnend [mit diesen]

caturthī pañcamī proktā dvātriṃśacchaktibhaghiḥ punaḥ / catuḥṣaṣṭyā smṛtā ṣaṣṭhī śaktibhirlokanāyakaiḥ

die vierte und fünfte werden wiederum mit den zweiunddreißig Śaktis genannt; die sechste gilt als mit den vierundsechzig Śaktis, mit den Weltenherren, [versehen],

Wort für Wort
caturthī pañcamī proktā dvātriṃśacchaktibhaghiḥ punaḥ
die vierte und fünfte werden wiederum mit den zweiunddreißig Śaktis genannt
catuḥṣaṣṭyā smṛtā ṣaṣṭhī śaktibhirlokanāyakaiḥ
die sechste gilt als mit den vierundsechzig Śaktis, mit den Weltenherren, versehen

[Anm.: „dvātriṃśacchaktibhaghiḥ“ im Quelltext – OCR-Fehler für „dvātriṃśacchaktibhiḥ“.]

saptamī punareteṣāmastraiḥ syādaṣṭamāvṛtiḥ / evaṃ pūjyā jagaddhātrī śrīmatī vāgbhavābhidhā

die siebte [ist mit] deren [Waffen versehen], die achte Umhüllung sei mit den Waffen dieser [Weltenherren]. So sei die Welt-Erhalterin verehrt, die glanzvolle, 'Vāgbhavā' genannte,

Wort für Wort
saptamī punareteṣāmastraiḥ syādaṣṭamāvṛtiḥ
die siebte [mit] deren Waffen, die achte Umhüllung mit den Waffen dieser
evaṃ pūjyā jagaddhātrī śrīmatī vāgbhavābhidhā
so sei die Welt-Erhalterin verehrt, die glanzvolle, 'Vāgbhavā' genannte

sthāneṣu pūrvamukteṣu yajedaṅgāni sādhakaḥ / ambikā vāgbhavā durgā śrīśaktiścoktalakṣaṇā

an den zuvor genannten Stellen verehre der Sādhaka die Glieder: Ambikā, Vāgbhavā, Durgā, die Śrī-Śakti, wie beschrieben,

Wort für Wort
sthāneṣu pūrvamukteṣu yajedaṅgāni sādhakaḥ
an den zuvor genannten Stellen verehre der Sādhaka die Glieder
ambikā vāgbhavā durgā śrīśaktiścoktalakṣaṇā
Ambikā, Vāgbhavā, Durgā, die Śrī-Śakti, wie beschrieben

brahmādyāśca tataḥ pūjyāḥ karālī vikarālyumā / sarasvatī śrīrdurgā ca lakṣmīścaiva dhṛtiḥ smṛtiḥ

danach seien Brahmā und die übrigen verehrt; Karālī, Vikarālī, Umā, Sarasvatī, Śrī, Durgā, Lakṣmī, Dhṛti, Smṛti,

Wort für Wort
brahmādyāśca tataḥ pūjyāḥ
danach seien Brahmā und die übrigen verehrt
karālī vikarālyumā sarasvatī śrīrdurgā ca lakṣmīścaiva dhṛtiḥ smṛtiḥ
Karālī, Vikarālī, Umā, Sarasvatī, Śrī, Durgā, Lakṣmī, Dhṛti, Smṛti

śraddhā medhā ratiḥ kāntirāryā ṣoḍaśa śaktayaḥ / khaḍgakheṭakadhāriṇyaḥ śyāmāḥ pūjyāḥ svalaṅkṛtāḥ

Śraddhā, Medhā, Rati, Kānti, Āryā – die sechzehn Śaktis, Schwert und Schild tragend, dunkelfarbig, wohlgeschmückt, seien verehrt;

Wort für Wort
śraddhā medhā ratiḥ kāntirāryā ṣoḍaśa śaktayaḥ
Śraddhā, Medhā, Rati, Kānti, Āryā – die sechzehn Śaktis
khaḍgakheṭakadhāriṇyaḥ śyāmāḥ pūjyāḥ svalaṅkṛtāḥ
Schwert und Schild tragend, dunkelfarbig, wohlgeschmückt, seien verehrt

viṣaghnī puṣṭayaḥ prajñā sinīvālī kuhūḥ punaḥ / rudravīryā prabhā nandā poṣaṇā vṛddhidā śubhā

Viṣaghnī, Puṣṭi, Prajñā, Sinīvālī, wiederum Kuhū, Rudravīryā, Prabhā, Nandā, Poṣaṇā, Vṛddhidā, Śubhā,

Wort für Wort
viṣaghnī puṣṭayaḥ prajñā sinīvālī kuhūḥ punaḥ
Viṣaghnī, Puṣṭi, Prajñā, Sinīvālī, wiederum Kuhū
rudravīryā prabhā nandā poṣaṇā vṛddhidā śubhā
Rudravīryā, Prabhā, Nandā, Poṣaṇā, Vṛddhidā, Śubhā

kālarātrirmahārātrirbhadrakālī kapārdinī / vikṛtirdaṇḍimuṇḍinyau seṃdukhaṇḍā śikhaṇḍinī

Kālarātri, Mahārātri, Bhadrakālī, Kapardinī, Vikṛti, Daṇḍī und Muṇḍinī, Indukhaṇḍā, Śikhaṇḍinī,

Wort für Wort
kālarātrirmahārātrirbhadrakālī kapārdinī
Kālarātri, Mahārātri, Bhadrakālī, Kapardinī
vikṛtirdaṇḍimuṇḍinyau seṃdukhaṇḍā śikhaṇḍinī
Vikṛti, Daṇḍī und Muṇḍinī, Indukhaṇḍā, Śikhaṇḍinī

niśumbhamathanī caṇḍamuṇḍavināśinī / indrāṇī caiva rudrāṇī śaṅkarārddhaśarīriṇī

Niśumbhamathanī, Caṇḍamuṇḍavināśinī, Indrāṇī, Rudrāṇī, die halb-den-Leib-Śaṅkaras Teilende,

Wort für Wort
niśumbhamathanī caṇḍamuṇḍavināśinī
Niśumbhamathanī, Caṇḍamuṇḍavināśinī
indrāṇī caiva rudrāṇī śaṅkarārddhaśarīriṇī
Indrāṇī, Rudrāṇī, die halb-den-Leib-Śaṅkaras Teilende

nārī nārāyaṇī caiva triśūlinyapi pālinī / ambikā hradinī caiva dvātriṃśacchaktayaḥ sitāḥ

Nārī, Nārāyaṇī, Triśūlinī, Pālinī, Ambikā, Hradinī – dies die zweiunddreißig weißen (reinen) Śaktis,

Wort für Wort
nārī nārāyaṇī caiva triśūlinyapi pālinī
Nārī, Nārāyaṇī, Triśūlinī, Pālinī
ambikā hradinī caiva dvātriṃśacchaktayaḥ sitāḥ
Ambikā, Hradinī – dies die zweiunddreißig weißen Śaktis

cakrahastāḥ piśācāsyāḥ saṃpūjyāścārubhūṣaṇāḥ / piṅgalākṣī viśālākṣī samṛddhirbuddhireva ca

mit dem Diskus in der Hand, mit Piśāca-Antlitz, seien sie mit schönem Schmuck verehrt; Piṅgalākṣī, Viśālākṣī, Samṛddhi, Buddhi,

Wort für Wort
cakrahastāḥ piśācāsyāḥ saṃpūjyāścārubhūṣaṇāḥ
mit dem Diskus in der Hand, mit Piśāca-Antlitz, seien sie mit schönem Schmuck verehrt
piṅgalākṣī viśālākṣī samṛddhirbuddhireva ca
Piṅgalākṣī, Viśālākṣī, Samṛddhi, Buddhi

śraddhā svāhā svadhā bhikṣā māyā saṃjñā vasuṃdharā / trilokadhātrī gāyatrī sāvitrī tridaśeśvarī

Śraddhā, Svāhā, Svadhā, Bhikṣā, Māyā, Saṃjñā, Vasundharā, die Drei-Welten-Erhalterin, Gāyatrī, Sāvitrī, Tridaśeśvarī,

Wort für Wort
śraddhā svāhā svadhā bhikṣā māyā saṃjñā vasuṃdharā
Śraddhā, Svāhā, Svadhā, Bhikṣā, Māyā, Saṃjñā, Vasundharā
trilokadhātrī gāyatrī sāvitrī tridaśeśvarī
die Drei-Welten-Erhalterin, Gāyatrī, Sāvitrī, Tridaśeśvarī

sarūpā bahurūpā ca skandamātā śrutapriyā / vimalā kamalā paścādaruṇī punarāruṇī

Sarūpā, Bahurūpā, Skandamātā, Śrutapriyā, Vimalā, danach Kamalā, Aruṇī, wiederum Āruṇī,

Wort für Wort
sarūpā bahurūpā ca skandamātā śrutapriyā
Sarūpā, Bahurūpā, Skandamātā, Śrutapriyā
vimalā kamalā paścādaruṇī punarāruṇī
Vimalā, danach Kamalā, Aruṇī, wiederum Āruṇī

prakṛtirvikṛtiḥ sṛṣṭiḥ sthitiḥ saṃhṛtireva ca / sandhyā mātā satī haṃsī mardikā vajrikā parā

Prakṛti, Vikṛti, Sṛṣṭi, Sthiti, Saṃhṛti, Sandhyā, Mātā, Satī, Haṃsī, Mardikā, Vajrikā, Parā,

Wort für Wort
prakṛtirvikṛtiḥ sṛṣṭiḥ sthitiḥ saṃhṛtireva ca
Prakṛti, Vikṛti, Sṛṣṭi, Sthiti, Saṃhṛti
sandhyā mātā satī haṃsī mardikā vajrikā parā
Sandhyā, Mātā, Satī, Haṃsī, Mardikā, Vajrikā, Parā

devamātā bhagavatī devakī kamalāsanā / trimukhī saptavadanā surāsuravimarddinī

Devamātā, Bhagavatī, Devakī, Kamalāsanā, die Dreiantlitzige, die Siebenantlitzige, die Bezwingerin von Göttern und Dämonen,

Wort für Wort
devamātā bhagavatī devakī kamalāsanā
Devamātā, Bhagavatī, Devakī, Kamalāsanā
trimukhī saptavadanā surāsuravimarddinī
die Dreiantlitzige, die Siebenantlitzige, die Bezwingerin von Göttern und Dämonen

laṃboṣṭhī corddvakeśī ca bahuśiśnā vṛkodarī / ratharekhāhvayā paścācchaśirekhā tathāparā

Lambauṣṭhī, Ūrdhvakeśī, [die Vielköpfige(?)], Vṛkodarī, danach 'Ratharekhā' genannt, und wieder eine andere, Śaśirekhā,

Wort für Wort
laṃboṣṭhī corddvakeśī ca bahuśiśnā vṛkodarī
Lambauṣṭhī, Ūrdhvakeśī, [die Vielköpfige], Vṛkodarī
ratharekhāhvayā paścācchaśirekhā tathāparā
danach 'Ratharekhā' genannt, und wieder eine andere, Śaśirekhā

[?] „bahuśiśnā“ unklarer Name; wörtlich übernommen, sinngemäß etwa ‚die Vielköpfige' vermutet.

gaganavegā pavanavegā vegā ca tadanantaram / tato bhuvanapālākhyā tataḥ syānmadanāturā

Gaganavegā, Pavanavegā, Vegā, unmittelbar danach Bhuvanapālā, danach Madanāturā,

Wort für Wort
gaganavegā pavanavegā vegā ca tadanantaram
Gaganavegā, Pavanavegā, Vegā, unmittelbar danach
tato bhuvanapālākhyā tataḥ syānmadanāturā
Bhuvanapālā genannt, danach Madanāturā

anaṅgānaṅgavadanā tathaivānaṅgamekhalā / anaṅgakusumā viśvarūpā surabhayaṅkarī

Anaṅgā, Anaṅgavadanā, ebenso Anaṅgamekhalā, Anaṅgakusumā, Viśvarūpā, Surabhayaṅkarī,

Wort für Wort
anaṅgānaṅgavadanā tathaivānaṅgamekhalā
Anaṅgā, Anaṅgavadanā, ebenso Anaṅgamekhalā
anaṅgakusumā viśvarūpā surabhayaṅkarī
Anaṅgakusumā, Viśvarūpā, Surabhayaṅkarī

akṣobhyā saptavāhinyā vajrārūpā śucivratāḥ / varadākhyātha vāgīśī catuḥṣaṣṭiḥsamīritāḥ

Akṣobhyā, Saptavāhinī, Vajrārūpā, die Reingelübdeten, Varadā genannt, und Vāgīśī – dies werden die Vierundsechzig genannt.

Wort für Wort
akṣobhyā saptavāhinyā vajrārūpā śucivratāḥ
Akṣobhyā, Saptavāhinī, Vajrārūpā, die Reingelübdeten
varadākhyātha vāgīśī catuḥṣaṣṭiḥsamīritāḥ
Varadā genannt, und Vāgīśī – dies werden die Vierundsechzig genannt

cāpabāṇadharāḥ sarvā jvālājihvā mahāprabhāḥ / daṃṣṭriṇyaścorddhvakeśyastā yuddhopakrāntamānasāḥ

alle Bogen und Pfeil tragend, mit Flammenzungen, von großem Glanz, mit hervorstehenden Zähnen und emporstehendem Haar, mit auf den Kampf gerichtetem Sinn.

Wort für Wort
cāpabāṇadharāḥ sarvā jvālājihvā mahāprabhāḥ
alle Bogen und Pfeil tragend, mit Flammenzungen, von großem Glanz
daṃṣṭriṇyaścorddhvakeśyastā yuddhopakrāntamānasāḥ
mit hervorstehenden Zähnen und emporstehendem Haar, mit auf den Kampf gerichtetem Sinn

sarvābharaṇasaṃdīptā pūjanīyāḥ prayatnataḥ / lokeśāḥ pūrvavatpūjyāstadvadvajrādikānyapi

Mit allem Schmuck strahlend, seien sie mit Sorgfalt verehrt; die Weltenherren seien wie zuvor verehrt, ebenso auch deren Waffen, beginnend mit dem Vajra.

Wort für Wort
sarvābharaṇasaṃdīptā pūjanīyāḥ prayatnataḥ
mit allem Schmuck strahlend, seien sie mit Sorgfalt verehrt
lokeśāḥ pūrvavatpūjyāstadvadvajrādikānyapi
die Weltenherren wie zuvor verehrt, ebenso auch deren Waffen, beginnend mit dem Vajra

japetṣoḍaśalakṣaṃ ca taddaśāṃśaṃ hunetsudhīḥ / ājyena khādire vahnau tataḥ siddho bhavenmanuḥ

Man rezitiere sechzehnhunderttausendmal, und der Weise opfere davon ein Zehntel mit Ghee im Khadira-Feuer; danach wird das Mantra vollendet.

Wort für Wort
japetṣoḍaśalakṣaṃ ca taddaśāṃśaṃ hunetsudhīḥ
man rezitiere sechzehnhunderttausendmal, und der Weise opfere davon ein Zehntel
ājyena khādire vahnau tataḥ siddho bhavenmanuḥ
mit Ghee im Khadira-Feuer; danach wird das Mantra vollendet

kamalairayutaṃ hutvā rājānaṃ vaśamānayet / utpalairjuhvato nūnaṃ mahālakṣmīḥ prajāyate

Wer mit Lotosblüten zehntausendmal opfert, bringt einen König in seine Gewalt; wer mit Utpala-Blüten opfert, dem entsteht gewiss Mahālakṣmī.

Wort für Wort
kamalairayutaṃ hutvā rājānaṃ vaśamānayet
wer mit Lotosblüten zehntausendmal opfert, bringt einen König in seine Gewalt
utpalairjuhvato nūnaṃ mahālakṣmīḥ prajāyate
wer mit Utpala-Blüten opfert, dem entsteht gewiss Mahālakṣmī

palāśakusumairhutvā vatsareṇa kaṃvirbhavet / rājīlavaṇahomena vanitāṃ vaśamānayet

Wer mit Palāśa-Blüten opfert, wird binnen eines Jahres zum Dichter; durch ein Opfer mit Senfkörnern und Salz bringt man eine Frau in seine Gewalt.

Wort für Wort
palāśakusumairhutvā vatsareṇa kaṃvirbhavet
wer mit Palāśa-Blüten opfert, wird binnen eines Jahres zum Dichter
rājīlavaṇahomena vanitāṃ vaśamānayet
durch ein Opfer mit Senfkörnern und Salz bringt man eine Frau in seine Gewalt

bhūmau bhogāṃstu bhuktvānte viṣṇulokamavāpnuyāt / vāṇībījajapāśakto nātra kāryā vicāraṇā

Nachdem er auf Erden die Genüsse erfahren hat, erlangt am Ende Viṣṇus Welt, wer dem Japa des Vāṇī-Bīja [des Sarasvatī-Mantras] ergeben ist; daran ist kein Zweifel zu hegen.

Wort für Wort
bhūmau bhogāṃstu bhuktvānte viṣṇulokamavāpnuyāt
nachdem er auf Erden die Genüsse erfahren hat, erlangt er am Ende Viṣṇus Welt
vāṇībījajapāśakto nātra kāryā vicāraṇā
wer dem Japa des Vāṇī-Bīja ergeben ist; daran ist kein Zweifel zu hegen

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks