Sanatkumāra sprach: In einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, während Brahmā, aus dem Unentfalteten geboren, zum Zweck der Schöpfung auf dem Welten-Lotos in Askese weilte, entstanden [zwei Wesen] —
Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
kalikalpāntare brahman
in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane
brahmaṇo 'vyaktajanmanaḥ lokapadme tapasthasya
während Brahmā, aus dem Unentfalteten geboren, auf dem Welten-Lotos in Askese weilte
sṛṣṭyarthaṃ saṃbabhūvatuḥ
entstanden zum Zweck der Schöpfung [die beiden]
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext, durch eine Trennlinie abgesetzt, der versprengte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels vorangestellt („iti śrībṛhannāradīya purāṇe … pañcaprakṛtimantrādinirūpaṇaṃ nāma tryaśītitamo 'dhyāyaḥ“ – Titel des 83. Kapitels der Quellzählung); er wurde im sa-Feld dokumentiert, jedoch nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen. Der Satz „sṛṣṭyarthaṃ saṃbabhūvatuḥ“ (Dual: ‚die beiden entstanden') wird erst durch V.2 vervollständigt (Subjekt: die Dämonen Madhu und Kaiṭabha).]
viṣṇukarṇamalodbhūtāvasurau madhukaiṭabhau /
tau jātamātrau payasi lokapralayalakṣaṇe
die beiden Dämonen Madhu und Kaiṭabha, aus dem Ohrenschmalz Viṣṇus entstanden. Die beiden, kaum geboren, befanden sich im Wasser, das das Kennzeichen des Weltuntergangs trug.
Wort für Wort
viṣṇukarṇamalodbhūtāvasurau madhukaiṭabhau
die beiden Dämonen Madhu und Kaiṭabha, aus dem Ohrenschmalz Viṣṇus entstanden
tau jātamātrau payasi lokapralayalakṣaṇe
die beiden, kaum geboren, im Wasser, dem Kennzeichen des Weltuntergangs
Als Brahmā bemerkte, dass die beiden, bis zu den Knien im Wasser stehend, ihn, auf dem Lotos befindlich, erblickt hatten und im Begriff waren, ihn zu verschlingen, pries er die Weltenmutter.
Wort für Wort
jānumātre sthitau dṛṣṭvā
die beiden, bis zu den Knien stehend, [ihn] erblickend
brahmaṇaṃ kamalasthitam
Brahmā, auf dem Lotos befindlich
pravṛttāvattumālakṣya
bemerkend, dass sie im Begriff waren [ihn] zu verschlingen
ekākṣarībīja mantraṛṣiḥ śaktirudāhṛtā /
gāyatrī ca bhavecchando devatā bhuvaneśvarī
[ihr Mantra besteht aus] dem Ein-Silben-Keim; [ihr] Ṛṣi und [ihre] Śakti werden [in üblicher Weise] genannt; Gāyatrī sei das Versmaß, die Gottheit Bhuvaneśvarī.
Wort für Wort
ekākṣarībīja
der Ein-Silben-Keim [ist ihr Mantra]
mantraṛṣiḥ śaktirudāhṛtā
Mantra-Ṛṣi und -Śakti werden [in üblicher Weise] genannt
gāyatrī ca bhavecchando devatā bhuvaneśvarī
Gāyatrī sei das Versmaß, die Gottheit Bhuvaneśvarī
[?] Ṛṣi und Śakti werden nicht mit Namen genannt, sondern nur pauschal „udāhṛtā“ (‚werden genannt') erwähnt – vermutlich elliptische Verkürzung im Quelltext.
Mit dem durch sechs lange [Vokale] verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder; nach der Weise von Auflösung und Schöpfung wird die Gestalt mit den Mātṛkā-Buchstaben versehen.
Wort für Wort
ṣaḍdirghayuktabījena kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt
mit dem durch sechs lange Vokale verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder
saṃhārasṛṣṭimārgeṇa mātṛkānyastavigrahaḥ
nach der Weise von Auflösung und Schöpfung wird die Gestalt mit den Mātṛkā-Buchstaben versehen
Danach vollziehe man den Mantra-Nyāsa, zur Erlangung der Wesenseinheit mit der Gottheit: die Herz-Silbe am Scheitel, [die Silbe] am Antlitz, die Himmels-Silbe im Lotos des Herzens,
Wort für Wort
mantranyāsaṃ tataḥ kuryāddevatābhāvasiddhaye
danach vollziehe man den Mantra-Nyāsa, zur Erlangung der Wesenseinheit mit der Gottheit
hṛllekhāṃ mūrdhni vadane gaganāṃ hṛdayāṃbuje
die Herz-Silbe am Scheitel, [die Silbe] am Antlitz, die Himmels-Silbe im Herzlotos
raktāṃ karālikāṃ guhye mahocchuṣmāṃ padadvaye /
ūrddhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣūttare 'pi ca
die Rote, die Schreckliche, am Geheimort, die 'Mahocchuṣmā' an den beiden Füßen, [dies wiederhole man] nach oben, Osten, Süden, Norden, Westen und ebenso im Zenit.
Wort für Wort
raktāṃ karālikāṃ guhye
die Rote, die Schreckliche, am Geheimort
mahocchuṣmāṃ padadvaye
die 'Mahocchuṣmā' an den beiden Füßen
ūrddhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣūttare 'pi ca
nach oben, Osten, Süden, Norden, Westen und ebenso im Zenit
beginnend mit 'sadya' und den kurzen Keimsilben, seien [die Buchstaben] gesetzt, glanzvoll wie ihre zugehörigen Elemente; danach setze man der Reihe nach die sechs, mit ihrer Art versehenen Glieder.
Wort für Wort
sadyādihrasvabījādyānvastavyā bhūtasaprabhāḥ
beginnend mit 'sadya' und den kurzen Keimsilben seien [die Buchstaben] gesetzt, glanzvoll wie ihre Elemente
aṅgāni vinyasetpaścājjātiyuktāni ṣaṭ kramāt
danach setze man der Reihe nach die sechs, mit ihrer Art versehenen Glieder
Maheśvara, mit Vāgīśvarī verbunden, [setze man] auf die linke Wange; den Herrn des Reichtums, mit Śrī, setze man wiederum an die Spitze des linken Ohres.
Wort für Wort
vāgīśvaryā samāyuktaṃ vāmagaṇḍe maheśvaram
Maheśvara, mit Vāgīśvarī verbunden, auf die linke Wange
śriyā dhanapatiṃ nyasya vāmakarṇāgrake punaḥ
den Herrn des Reichtums, mit Śrī, setze man an die Spitze des linken Ohres
Das Wurzelmantra sei auf das Antlitz gesetzt; die Erdherren und die [Caitra-Wesen(?)] setze man danach [ringsum]; am Halsansatz, auf den beiden Brüsten, auf der linken Schulter, im Lotos des Herzens,
Wort für Wort
nyastavyaṃ vadane mūlaṃ
das Wurzelmantra sei auf das Antlitz gesetzt
bhūpaścaitrāṃstato nyaset
die Erdherren und die Caitra[-Wesen] setze man danach
kaṇṭhamūle stanadvandve vāmāṃse hṛdayāṃbuje
am Halsansatz, auf den beiden Brüsten, auf der linken Schulter, im Herzlotos
[?] „bhūpaścaitrāṃs“ unklar überliefert; sinngemäß als ‚die Erdherren und die Caitra[-Wesen]' wiedergegeben.
savyāṃse pārśvayugale nābhideśe ca deśikaḥ /
bhālāṃśca pārśvajaṭhare pārśvāṃsāparake hṛdi
auf der rechten Schulter, an den beiden Flanken, am Nabelbereich [setze] der Kundige; an der Stirn, an den seitlichen Bauchpartien, an der hinteren Schulterseite, am Herzen —
Wort für Wort
savyāṃse pārśvayugale nābhideśe ca deśikaḥ
auf der rechten Schulter, an den beiden Flanken, am Nabelbereich der Kundige
bhālāṃśca pārśvajaṭhare pārśvāṃsāparake hṛdi
an der Stirn, an den seitlichen Bauchpartien, an der hinteren Schulterseite, am Herzen
Brahmāṇī und die übrigen [Mütter], vorschriftsmäßig in den genannten Merkmalen, auf dem Körper gesetzt; nachdem man mit dem Wurzelmantra den durchdringenden Nyāsa im Körper vollzogen hat, meditiere man über die Göttin:
Wort für Wort
brahmāṇyādyāstanau nyasya vidhinā proktalakṣaṇāḥ
Brahmāṇī und die übrigen, vorschriftsmäßig in genannten Merkmalen, auf dem Körper gesetzt
mūlena vyāpakaṃ dehe nyasya devīṃ vicintayet
nachdem man mit dem Wurzelmantra den durchdringenden Nyāsa im Körper vollzogen hat, meditiere man über die Göttin
gleich der aufgehenden Sonne, hochbrüstig, dreiäugig, mit einem Antlitz wie Kāma, mit einem Mond-Diadem, mit Gunstgeste, Schlinge, Elefantenstachel und Schutzgeste [in den Händen],
Wort für Wort
udyaddivākaranibhāṃ tuṅgorojāṃ trilocanām
gleich der aufgehenden Sonne, hochbrüstig, dreiäugig
smarāsyāmindumukuṭāṃ
mit einem Antlitz wie Kāma, mit Mond-Diadem
varapāśāṅkuśābhayām
mit Gunstgeste, Schlinge, Elefantenstachel und Schutzgeste
[Anm.: Im Quelltext steht nach „trilocanām“ ein doppelter Schrägstrich („/ /“) – vermutlich ein bloßes Schreib-/OCR-Artefakt ohne inhaltliche Bedeutung, kein Hinweis auf einen fehlenden Versteil.]
Man rezitiere das Mantra zweiunddreißigmal hunderttausend, opfere danach mit den drei süßen [Substanzen] vermischt; mit den acht Substanzen, zu einem Zehntel, mit den vortrefflichen Opferhölzern des Brahma-Baumes,
Wort für Wort
radalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere das Mantra zweiunddreißigmal hunderttausend
trimadhvaktairhunettataḥ
opfere danach mit den drei süßen Substanzen vermischt
aṣṭadravyairdaśāṃśena brahmavṛkṣasamidvaraiḥ
mit den acht Substanzen, zu einem Zehntel, mit vortrefflichen Brahma-Baum-Opferhölzern
[Anm.: „radalakṣam“ verwendet die zahlwortliche Bhūtasaṃkhyā-Konvention: „rada“ (‚Zahn') steht für die Zahl 32 (Anzahl der Zähne), also 32 × 100.000.]
dadyādardhyaṃ dineśāya tatra saṃcintya pārvatīm /
padmamaṣṭadalaṃ bāhye vṛttaṃ ṣoḍaśabhirddalaiḥ
man gebe Ardhya (Wasseropfer) der Sonne dar, dabei an Pārvatī denkend. Man zeichne einen achtblättrigen Lotos, außen davon einen Kreis mit sechzehn Blättern,
Wort für Wort
dadyādardhyaṃ dineśāya
man gebe der Sonne Ardhya dar
tatra saṃcintya pārvatīm
dabei an Pārvatī denkend
padmamaṣṭadalaṃ bāhye vṛttaṃ ṣoḍaśabhirddalaiḥ
man zeichne einen achtblättrigen Lotos, außen einen Kreis mit sechzehn Blättern
Nachdem man den mit dem Bīja versehenen Sitz gegeben hat, gestalte man damit die Gestalt; darauf verehre man, nachdem man [die Göttin] herbeigerufen hat, die Göttin der Reihe nach mit den Umhüllungen.
Wort für Wort
bījāḍhyamāsanaṃ dattvā mūrtiṃ tenaiva kalpayet
nachdem man den mit dem Bīja versehenen Sitz gegeben hat, gestalte man damit die Gestalt
tasyāṃ saṃpūjayeddevīmāvāhyāvaraṇaiḥ kramāt
darauf verehre man, nachdem man herbeigerufen hat, die Göttin der Reihe nach mit den Umhüllungen
In der Mitte sowie im Osten, Süden und Norden verehre man die Glied-Gottheiten; in den sechs Ecken verehre der Mantra-Kundige danach die Paar-Gottheiten:
Wort für Wort
madheyapāgyāmyasaumyeṣu pūjayedaṅgadevatāḥ
in der Mitte sowie im Osten, Süden, Norden verehre man die Glied-Gottheiten
ṣaṭkoṇeṣu yajenmantrī paścānmithunadevatāḥ
in den sechs Ecken verehre der Mantra-Kundige danach die Paar-Gottheiten
[?] „madheyapāgyāmyasaumyeṣu“ als „madhye prāgyāmyasaumyeṣu“ (‚in der Mitte sowie im Osten, Süden, Norden') gedeutet.
in der Indra-Ecke [Nordost] verehre der Mantra-Kundige Gāyatrī, dargestellt mit leuchtendem Stab, Wasserkrug, Rosenkranz und Schutzgeste, sowie ebenso Brahmā [an ihrer Seite],
Wort für Wort
indrakoṇaṃ lasaddaṇḍakuṇḍikākṣaguṇābhayām
in der Indra-Ecke, mit leuchtendem Stab, Wasserkrug, Rosenkranz und Schutzgeste
gāyatrīṃ pūjayenmatrī brahmāṇamapi tādṛśam
verehre der Mantra-Kundige Gāyatrī, sowie ebenso Brahmā
in der Vāyu-Ecke [Nordwest] verehre man die reine Sarasvatī, mit Axt, Rosenkranz, Schutz- und Gunstgeste versehen, sowie ebenso Rudra, von gleicher Beschaffenheit,
Wort für Wort
vāyukoṇe paraśvakṣamālā bhayavarānvitām
in der Vāyu-Ecke, mit Axt, Rosenkranz, Schutz- und Gunstgeste versehen
yajetsarasvatīmacchāṃ rudraṃ tādṛśalakṣaṇam
verehre man die reine Sarasvatī, sowie ebenso Rudra
in der Feuer-Ecke [Südost] verehre man [Mahālakṣmī], mit einem Juwelenkrug und einem Juwelenkästchen in ihren beiden Händen, gelb, sowie den dickbäuchigen, Reichtum spendenden [Kubera],
Wort für Wort
vahnikoṇe yajedratnakuṃbhaṃ maṇikaraṇḍakam
in der Feuer-Ecke verehre man [sie] mit Juwelenkrug und Juwelenkästchen
karābhyāṃ bibhratīṃ pītāṃ tundilaṃ dhanadāyakam
in den Händen tragend, gelb, sowie den dickbäuchigen, Reichtum spendenden [Kubera]
im Nordosten verehre man vorschriftsmäßig den Hindernisherrn mit seiner Geliebten, den Elefantenstachel und die Schlinge Tragenden, den Anmutigen, mit schönen Gliedern, dessen Finger [von Saft] triefen,
Wort für Wort
aiśānye pūjayetsamyak vighnarājaṃ priyānvitam
im Nordosten verehre man vorschriftsmäßig den Hindernisherrn mit seiner Geliebten
sṛṇipāśadharaṃ kāntaṃ
den Elefantenstachel und die Schlinge Tragenden, den Anmutigen
varāṅgāsṛkkalāṅgulim
mit schönen Gliedern, dessen Finger [von Saft] triefen
[?] „varāṅgāsṛkkalāṅgulim“ unklares Kompositum; sinngemäß als ‚mit schönen Gliedern, dessen Finger [von Saft] triefen' wiedergegeben.
den mit einer honigwein-gefüllten Schale versehenen Hindernisherrn, den Himmelsgekleideten; [seine Gefährtin] auf dem Lotos, einen von Juwelen triefenden, funkelnden Becher haltend,
Wort für Wort
mādhvīpūrṇakapālāḍhyaṃ vighnarājaṃ digaṃbaram
den mit honigwein-gefüllter Schale versehenen Hindernisherrn, den Himmelsgekleideten
puṣkare vigaladratnasphuraccaṣakadhāriṇam
auf dem Lotos, einen von Juwelen triefenden, funkelnden Becher haltend
ihren Geliebten umarmend, rötlich – so verehre man Puṣṭi, die Himmelsgekleidete. Im Blütenkelch seien die beiden Schätze verehrt, an den Seiten des Sechsecks.
Wort für Wort
āśliṣṭakāntāmaruṇāṃ puṣṭimarceddigaṃbarām
ihren Geliebten umarmend, rötlich – so verehre man Puṣṭi, die Himmelsgekleidete
karṇikāyāṃ nidhī pūjyau ṣaṭkoṇasyātha pārśvayoḥ
im Blütenkelch seien die beiden Schätze verehrt, an den Seiten des Sechsecks
man verehre außerhalb die mit allem Schmuck strahlenden Weltenhüter; auch deren Waffen, beginnend mit dem Vajra, außerhalb davon – so verehre man vollständig die Göttin.
Wort für Wort
sarvābharaṇasaṃdīptān lokapālānbahiryajet
man verehre außerhalb die mit allem Schmuck strahlenden Weltenhüter
vajrādīnyapi tadbāhye devīmitthaṃ prapūjayet
auch deren Waffen außerhalb davon – so verehre man vollständig die Göttin
Der Mantra-Kundige, der mit den drei süßen Substanzen versehene, vortreffliche Aśvattha-Opferhölzer opfert, bezaubert rasch Brahmanen; Könige bezaubert er durch das Lotos-Opfer,
Wort für Wort
mantrī trimadhuropetairhutvāśvatthasamidvaraiḥ
der Mantra-Kundige, der mit den drei süßen Substanzen versehene, vortreffliche Aśvattha-Opferhölzer opfert
brāhmaṇānvaśayecchīghraṃ pārthivānpadmahomataḥ
bezaubert rasch Brahmanen; Könige durch das Lotos-Opfer
palāśapuṣpaistatpatnīṃ mantriṇaḥ kusudairapi /
pañcaviṃśatidhā japtairjalaiḥ snānaṃ dine dine
mit Palāśa-Blüten bezaubert er dessen Gattin, o Mantra-Kundiger, auch mit [anderen] Blumen. Mit fünfundzwanzigmal rezitiertem Wasser bade man Tag für Tag —
Wort für Wort
palāśapuṣpaistatpatnīṃ mantriṇaḥ kusudairapi
mit Palāśa-Blüten dessen Gattin, o Mantra-Kundiger, auch mit anderen Blumen
pañcaviṃśatidhā japtairjalaiḥ snānaṃ dine dine
mit fünfundzwanzigmal rezitiertem Wasser bade man Tag für Tag
nehme man und trage ein Stirnmal – dies bewirkt unübertreffliche Bezauberung eines Königs. Nachdem man eine aus Reismehl geformte, mit Süßem versehene Puppe hergestellt hat,
Wort für Wort
gṛhītvā tilakaṃ kuryādrājavaśyamanuttamam
nehme man und trage ein Stirnmal – unübertreffliche Bezauberung eines Königs
śālipiṣṭamayīṃ kṛtvā puttalīṃ madhurānvitām
nachdem man eine aus Reismehl geformte, mit Süßem versehene Puppe hergestellt hat
die mit Mantra rezitierte und mit Lebensodem beseelte, verzehre man am Sonntag – dies bringt einen König, eine Frau oder auch einen Mann in [des Sādhakas] Gewalt.
Wort für Wort
japtāṃ pratiṣṭhitaprāṇāṃ bhakṣayedravivāsare
die mit Mantra rezitierte, mit Lebensodem beseelte, verzehre man am Sonntag
vaśaṃ nayati rājānaṃ nārīṃ vā narameva ca
dies bringt einen König, eine Frau oder auch einen Mann in Gewalt
Im halsstiefen Wasser stehend, die aus dem Wasser aufgehende Sonne betrachtend, rezitiere man dreitausendmal das Mantra – dadurch erlangt man die gewünschte Braut.
Wort für Wort
kaṇṭhamātrodake sthitvā vīkṣya toyodgataṃ ravim
im halsstiefen Wasser stehend, die aus dem Wasser aufgehende Sonne betrachtend
trisahasraṃ japenmantraṃ kanyāmiṣṭāṃ labhettataḥ
rezitiere man dreitausendmal das Mantra – dadurch erlangt man die gewünschte Braut
Speise, mit diesem Mantra beladen, verzehre der Mantra-Kundige zur Erlangung von Glück; ein mit Asche gezeichnetes Māyā-Yantra, mit dem Namen des zu Bezaubernden versehen, auf einer Tafel und dergleichen —
Wort für Wort
annaṃ tanmantritaṃ mantrī bhuñjīta śrīprasiddhaye
Speise, mit diesem Mantra beladen, verzehre der Mantra-Kundige zur Erlangung von Glück
likhitāṃ bhasmanā māyāṃ sasādhyāṃ phalakādiṣu
ein mit Asche gezeichnetes Māyā-Yantra, mit dem Namen des zu Bezaubernden, auf einer Tafel und dergleichen
zeige man der Gebärenden zu jener Zeit das Yantra – so gebiert die Schwangere leicht. Dies wurde als [die Verehrung der] Bhuvaneśī verkündet, die aus den tausend Armen [Durgās] entstanden ist,
Wort für Wort
tatkālaṃ darśayedyantraṃ sukhaṃ sūyeta garbhiṇī
zeige man zu jener Zeit das Yantra – so gebiert die Schwangere leicht
bhuvaneśīyamākhyātā sahasrabhujasaṃbhavā
dies wurde als Bhuvaneśī verkündet, aus den tausend Armen entstanden
die den Menschen, die ihrer gedenken, Genuss und Erlösung gewährt, o Bester der Zweifachgeborenen. Danach, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, wurde einst der Büffeldämon
Wort für Wort
bhuktimuktipradā nṝṇāṃ smartṛāṇāṃ dvijasattama
die den Menschen, die ihrer gedenken, Genuss und Erlösung gewährt, o Bester der Zweifachgeborenen
tataḥ kalpāntare vipra kadācinmahiṣāsuraḥ
danach, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, wurde einst der Büffeldämon
[so mächtig], dass er, nachdem er die Weltenhüter besiegt hatte, die drei Welten beherrschte. Da gingen die bedrängten Götter zu Vaikuṇṭha als ihrer Zuflucht.
Wort für Wort
babhūva lokapālāṃstu jitvā bhuṅkte jagattrayam
[so mächtig], dass er, die Weltenhüter besiegend, die drei Welten beherrschte
tatastpīḍitā devā vaikuṇṭhaṃ śaraṇaṃ yayuḥ
da gingen die bedrängten Götter zu Vaikuṇṭha als Zuflucht
tato devī mahālakṣmīścakrādyāṅgotthatejasā /
śrīrbabhūvamuniśreṣṭha mūrtā vyāptajagattrayā
Da wurde, o Bester der Munis, aus dem Glanz, der aus [Viṣṇus] Diskus und den übrigen Gliedern entstand, die Göttin Mahālakṣmī, Śrī, gestaltet, welche die drei Welten durchdrang.
Wort für Wort
tato devī mahālakṣmīścakrādyāṅgotthatejasā
da wurde die Göttin Mahālakṣmī, aus dem Glanz von Diskus und den übrigen Gliedern
śrīrbabhūvamuniśreṣṭha mūrtā vyāptajagattrayā
Śrī gestaltet, o Bester der Munis, welche die drei Welten durchdrang
Ihre Verehrung werde ich in Kürze verkünden, höre, o Zweifachgeborener: mit dem 'Todeszorn'-[Bīja], schwer, das Haupt [des Mantras] mit dem Bindu geschmückt,
Wort für Wort
tasyāḥ samarcanaṃ vakṣye saṃkṣepeṇa śṛṇu dvija
ihre Verehrung werde ich in Kürze verkünden, höre, o Zweifachgeborener
mṛtyukrodhena guruṇā bindubhūṣitamastakā
mit dem 'Todeszorn'-Bīja, schwer, das Haupt mit dem Bindu geschmückt
[Anm.: Verschlüsselte Bīja-Angabe in Tantra-Codesprache („mṛtyukrodhena guruṇā“); wörtlich wiedergegeben.]
So wird das Keim-Mantra der Śrī genannt, das den Hingebungsvollen den Wunsch gewährt; Bhṛgu ist der Ṛṣi, Nivṛt das Versmaß, Śrī wird als Gottheit genannt.
Wort für Wort
bījamantraḥ śriyaḥ prokto bhajatāmiṣṭadāyakaḥ
so wird das Keim-Mantra der Śrī genannt, das den Hingebungsvollen den Wunsch gewährt
ṛṣirbhṛgurnivṛcchando devatā śrīḥ samīritā
Bhṛgu ist der Ṛṣi, Nivṛt das Versmaß, Śrī wird als Gottheit genannt
ṣaḍdīrghayuktabījena kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt /
tato dhyāyejjagadvedyāṃ śriyaṃ saṃpattidāyinīm
Mit dem durch die sechs langen [Vokale] verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder; dann meditiere man über die den Welten kundzutuende Śrī, die Wohlstand Verleihende,
Wort für Wort
ṣaḍdīrghayuktabījena kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt
mit dem durch sechs lange Vokale verbundenen Bīja vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder
tato dhyāyejjagadvedyāṃ śriyaṃ saṃpattidāyinīm
dann meditiere man über die den Welten kundzutuende Śrī, die Wohlstand Verleihende
mit Gunstgeste, Schutzgeste, Lotos und Blumengirlande in den Händen, in Seide gekleidet, mit Diadem geschmückt. Man rezitiere das Mantra hunderttausendmal und opfere davon ebenso ein Tausendstel.
Wort für Wort
varābhayābjasragdhastāṃ kṣaumavastrāṃ kirīṭinīm
mit Gunstgeste, Schutzgeste, Lotos und Blumengirlande in den Händen, in Seide gekleidet, mit Diadem
siddhalakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ hunettathā
man rezitiere das Mantra hunderttausendmal und opfere davon ein Tausendstel
nachdem man mit duftenden Blumen, mit in Süßem getränkten Lotosblüten geopfert hat, gestalte man auf dem 'Mahālakṣmī' genannten Sitz die Gestalt mit dem Wurzelmantra.
Wort für Wort
sugandhakusumairiṣṭvā kamalairmadhuraplutaiḥ
nachdem man mit duftenden Blumen, mit in Süßem getränkten Lotosblüten geopfert hat
mahālakṣmyudite pīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet
gestalte man auf dem 'Mahālakṣmī' genannten Sitz die Gestalt mit dem Wurzelmantra
von der Farbe von Schnee, Gelb, Tamāla-[Baum] und Indranīla-[Saphir], gelb gekleidet, Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend, jene vierarmigen [Gestalten],
Wort für Wort
himapītatamālendranīlābhānpītavāsasaḥ
von der Farbe von Schnee, Gelb, Tamāla und Indranīla, gelb gekleidet
śaṅkhacakragadāpadmadhāriṇastāṃścaturbhujān
Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend, jene vierarmigen
beide von zinnoberroter Farbe, umarmend, mit rotem Lotos und Utpala versehen, mit zwei Lotosblüten, aus denen ein Juwelenregen strömt, auf dem Haupt gekennzeichnet,
Wort für Wort
siṃdūrābhau bhujaśliṣṭau raktapadmotpalānvitau
beide von zinnoberroter Farbe, umarmend, mit rotem Lotos und Utpala versehen
je zwei Lotosblüten tragend, strahlend wie eine Perlenkette. Zuletzt verehre man die Weltenherren, und außerhalb davon die Waffen, beginnend mit dem Vajra.
Wort für Wort
paṅkajadvayadhāriṇyo muktāhārasamaprabhāḥ
je zwei Lotosblüten tragend, strahlend wie eine Perlenkette
lokeśānpūjayedante vajrādyāstrāṇi tadbahiḥ
zuletzt verehre man die Weltenherren, außerhalb davon die Waffen, beginnend mit dem Vajra
Im brusttiefen Wasser stehend rezitiere man dieses Mantra; wer dreihunderttausendmal, über die in der Sonne weilende [Göttin] meditierend, [rezitiert], der wird zum Wohnsitz des Lotos [reich wie Lakṣmī].
Wort für Wort
vakṣaḥpramāṇasalile sthitvā mantramimaṃ japet
im brusttiefen Wasser stehend rezitiere man dieses Mantra
trilakṣamarkagaṃ dhyāyansa bhavetkamalālayaḥ
wer dreihunderttausendmal, über die in der Sonne weilende meditierend, [rezitiert], wird zum Wohnsitz des Lotos
Wer an der Wurzel eines im Hause Viṣṇus stehenden Bilva-Baumes dreihunderttausendmal rezitiert, jener Sādhaka erlangt die gewünschte Ansammlung von Reichtum.
Wort für Wort
viṣṇugehasthabilvasya mūle lakṣatrayaṃ japet
an der Wurzel eines im Hause Viṣṇus stehenden Bilva-Baumes rezitiere man dreihunderttausendmal
sādhako yaḥ sa labhate vāñchitaṃ dhanasaṃcayam
jener Sādhaka erlangt die gewünschte Ansammlung von Reichtum
Nun, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, entstanden die beiden Dämonen Śumbha und Niśumbha, die Räuber der Götterherrschaft, ein Dorn im Fleisch der Welt,
Wort für Wort
atha kalpāntare brahmandevarājyaviluṃpakau
nun, in einer anderen Kalpa-Periode, o Brahmane, die Räuber der Götterherrschaft
jātau śubhaniśuṃbhau dvāvasurau lokakaṇṭakau
entstanden die beiden Dämonen Śumbha und Niśumbha, ein Dorn im Fleisch der Welt
im Himālaya, an hochheiliger, überaus herrlicher Bergstätte. Danach, nachdem sie Śumbha und die übrigen getötet hatte, ward sie von den Göttern vollständig verehrt.
Wort für Wort
himālaye mahāpuṇye śailoddeśe 'tiśobhane
im Himālaya, an hochheiliger, überaus herrlicher Bergstätte
tataḥ śumbhādikānhatvā daivataiḥ paripūjitā
danach, nachdem sie Śumbha und die übrigen getötet hatte, ward sie von den Göttern vollständig verehrt
jñānāmṛtā śaśadharā krāntabhālopaśobhitā /
vāgbījaṃ tena cāṅgāni kalpayetsādhakottamaḥ
'jñānāmṛtā', 'śaśadharā', geschmückt mit [einem Zeichen] auf überragender Stirn – [dies], verbunden mit dem Rede-Keim (vāgbīja), damit gestalte der beste Sādhaka die Glieder.
Wort für Wort
jñānāmṛtā śaśadharā krāntabhālopaśobhitā
'jñānāmṛtā', 'śaśadharā', geschmückt mit [einem Zeichen] auf überragender Stirn
vāgbījaṃ tena cāṅgāni kalpayetsādhakottamaḥ
damit, verbunden mit dem Rede-Keim, gestalte der beste Sādhaka die Glieder
[Anm.: Verschlüsselte Bīja-Angabe in Tantra-Codesprache; wörtlich wiedergegeben.]
mahāsarasvatīpīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet /
devīṃ saṃpūjayettasyāmaṅgādyāvaraṇaiḥ saha
Auf dem 'Mahāsarasvatī'-Sitz gestalte man die Gestalt mit dem Wurzelmantra; die Göttin verehre man darin zusammen mit den Glied- und weiteren Umhüllungen.
Wort für Wort
mahāsarasvatīpīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet
auf dem 'Mahāsarasvatī'-Sitz gestalte man die Gestalt mit dem Wurzelmantra
devīṃ saṃpūjayettasyāmaṅgādyāvaraṇaiḥ saha
die Göttin verehre man darin zusammen mit den Glied- und weiteren Umhüllungen
Zuerst kommt die Glieder-Umhüllung, danach werden Ambikā und die übrigen genannt; die zweite [Umhüllung] wird mit den Müttern bezeichnet, die dritte mit den acht Śaktis, beginnend [mit diesen],
Wort für Wort
ādāvaṅgāvṛtiḥ paścādaṃbikādyāḥsamīritāḥ
zuerst die Glieder-Umhüllung, danach werden Ambikā und die übrigen genannt
dvitīyā mātṛbhiḥ proktā tṛtīyādyaṣṭaśaktibhiḥ
die zweite mit den Müttern, die dritte mit den acht Śaktis, beginnend [mit diesen]
die vierte und fünfte werden wiederum mit den zweiunddreißig Śaktis genannt; die sechste gilt als mit den vierundsechzig Śaktis, mit den Weltenherren, [versehen],
die siebte [ist mit] deren [Waffen versehen], die achte Umhüllung sei mit den Waffen dieser [Weltenherren]. So sei die Welt-Erhalterin verehrt, die glanzvolle, 'Vāgbhavā' genannte,
Wort für Wort
saptamī punareteṣāmastraiḥ syādaṣṭamāvṛtiḥ
die siebte [mit] deren Waffen, die achte Umhüllung mit den Waffen dieser
evaṃ pūjyā jagaddhātrī śrīmatī vāgbhavābhidhā
so sei die Welt-Erhalterin verehrt, die glanzvolle, 'Vāgbhavā' genannte
alle Bogen und Pfeil tragend, mit Flammenzungen, von großem Glanz, mit hervorstehenden Zähnen und emporstehendem Haar, mit auf den Kampf gerichtetem Sinn.
Wort für Wort
cāpabāṇadharāḥ sarvā jvālājihvā mahāprabhāḥ
alle Bogen und Pfeil tragend, mit Flammenzungen, von großem Glanz
daṃṣṭriṇyaścorddhvakeśyastā yuddhopakrāntamānasāḥ
mit hervorstehenden Zähnen und emporstehendem Haar, mit auf den Kampf gerichtetem Sinn
Mit allem Schmuck strahlend, seien sie mit Sorgfalt verehrt; die Weltenherren seien wie zuvor verehrt, ebenso auch deren Waffen, beginnend mit dem Vajra.
Wort für Wort
sarvābharaṇasaṃdīptā pūjanīyāḥ prayatnataḥ
mit allem Schmuck strahlend, seien sie mit Sorgfalt verehrt
lokeśāḥ pūrvavatpūjyāstadvadvajrādikānyapi
die Weltenherren wie zuvor verehrt, ebenso auch deren Waffen, beginnend mit dem Vajra
Nachdem er auf Erden die Genüsse erfahren hat, erlangt am Ende Viṣṇus Welt, wer dem Japa des Vāṇī-Bīja [des Sarasvatī-Mantras] ergeben ist; daran ist kein Zweifel zu hegen.
Wort für Wort
bhūmau bhogāṃstu bhuktvānte viṣṇulokamavāpnuyāt
nachdem er auf Erden die Genüsse erfahren hat, erlangt er am Ende Viṣṇus Welt
vāṇībījajapāśakto nātra kāryā vicāraṇā
wer dem Japa des Vāṇī-Bīja ergeben ist; daran ist kein Zweifel zu hegen