Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 124: purāṇamahimāvarṇanam Die Darlegung der Herrlichkeit dieses Purāṇa

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne caturthapāde dvādaśamāsasthitapaurṇamāsyāmāvāsyāvratakathanaṃ nāma caturviṃśatyadhikaśatamo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ sūta uvāca ityevamuktvā muninā hi pṛṣṭāste vai kumārāḥ kila nāradena / saṃpūjitāḥ śāstravidāṃ variṣṭhāḥ kṛtāhnikā jagmurumeśalokam

Sūta sprach: Nachdem der Muni [Nārada] so gesprochen hatte, gingen jene Kumāras — die von Nārada befragt worden waren, verehrt, die Vortrefflichsten der Schriftkundigen — nachdem sie ihre täglichen Riten vollzogen hatten, zur Welt des Umeśa (Śiva).

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
ityevamuktvā muninā hi
nachdem der Muni [Nārada] so gesprochen hatte
pṛṣṭāste vai kumārāḥ kila nāradena
jene Kumāras, die fürwahr von Nārada befragt worden waren
saṃpūjitāḥ śāstravidāṃ variṣṭhāḥ
verehrt, die Vortrefflichsten der Schriftkundigen
kṛtāhnikā jagmurumeśalokam
nachdem sie ihre täglichen Riten vollzogen hatten, gingen sie zur Welt des Umeśa (Śiva)

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext, durch eine Trennlinie abgesetzt, der versprengte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels vorangestellt („iti śrībṛhannāradīyapurāṇe … dvādaśamāsasthitapaurṇamāsyāmāvāsyāvratakathanaṃ nāma caturviṃśatyadhikaśatamo 'dhyāyaḥ“ — wörtlich: 'So endet … die Erzählung vom Gelübde des Vollmond- und Neumondtages der zwölf Monate, das 124. Kapitel'; die dort genannte Zählung '124' weicht von der erwarteten Nummer des Vorkapitels [123] ab — vermutlich ein Zähl- oder Kopierfehler der Quelle). Er wurde im sa-Feld dokumentiert, jedoch nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen, ebenso wenig die Sprecher-Überschrift 'sūta uvāca', die nur einmal in der de-Wiedergabe erscheint.]

tatreśamagryarkanibhairmunīndraiḥ śrīvāmadevādibhirarcitāṅghrim / surāsurendrairabhivandyamugraṃ natvājñayā tasya niṣedururvyām

Dort, nachdem sie sich vor Īśa (Śiva) verneigt hatten — dessen Füße von den besten Munis, leuchtend gleich der Sonne, angeführt vom glorreichen Vāmadeva, verehrt wurden, der von den Herren der Götter und Dämonen gepriesen wird, dem Furchtgebietenden —, setzten sie sich auf sein Geheiß zur Erde nieder.

Wort für Wort
tatra īśam
dort [verneigten sie sich vor] Īśa (Śiva)
agryarkanibhairmunīndraiḥ śrīvāmadevādibhiḥ arcitāṅghrim
dessen Füße von den besten, der Sonne gleich leuchtenden Munis, angeführt vom glorreichen Vāmadeva, verehrt wurden
surāsurendrairabhivandyam ugram
der von den Herren der Götter und Dämonen gepriesen wird, den Furchtgebietenden
natvā ājñayā tasya niṣedur urvyām
nachdem sie sich verneigt hatten, setzten sie sich auf sein Geheiß zur Erde nieder

śrutvātha tatrākhilaśāstrasāraṃ śivāgamaṃ te paśupāśamokṣaṇam / jagmustato jñānaghanasvarūpā natvā purāriṃ svapiturnikāśam

Nachdem sie dort das Śiva-Āgama gehört hatten — die Essenz aller Schriften, das die Bindung des Paśu (der gebundenen Seele) löst —, gingen sie, deren Wesen aus geballter Erkenntnis besteht, nachdem sie den Feind der [Dämonenstadt] Pura (Śiva) verehrt hatten, zur Nähe ihres eigenen Vaters [Brahmā].

Wort für Wort
śrutvā atha tatra akhilaśāstrasāraṃ
nachdem sie dort die Essenz aller Schriften gehört hatten
śivāgamaṃ te paśupāśamokṣaṇam
das Śiva-Āgama, das die Bindung des Paśu löst
jagmustato jñānaghanasvarūpāḥ
gingen sie sodann, deren Wesen aus geballtem Wissen besteht
natvā purāriṃ svapiturnikāśam
nachdem sie den Feind Puras (Śiva) verehrt hatten, zur Nähe ihres eigenen Vaters

tatpādapadme praṇatiṃ vidhāya pitrāpi satkṛtya sabhājitāste / labdhvāśiṣo 'dyāpi caranti śaśvallokeṣu tīrthāni ca tīrthabhūtāḥ

Nachdem sie vor dessen Lotosfüßen Verehrung dargebracht hatten und vom Vater ebenfalls geehrt und willkommen geheißen worden waren, wandern sie, nachdem sie Segen erlangt hatten, bis heute beständig in den Welten und an den Pilgerstätten umher, selbst zu Pilgerstätten geworden.

Wort für Wort
tatpādapadme praṇatiṃ vidhāya
nachdem sie vor dessen Lotosfüßen Verehrung dargebracht hatten
pitrāpi satkṛtya sabhājitāste
und vom Vater ebenfalls geehrt und willkommen geheißen, jene [Kumāras]
labdhvāśiṣo 'dyāpi caranti śaśvallokeṣu
nachdem sie Segen erlangt hatten, wandern sie bis heute beständig in den Welten
tīrthāni ca tīrthabhūtāḥ
und an den Pilgerstätten, selbst zu Pilgerstätten geworden

jagmustato vai badarīvanānte surendravargairupasevyamānam / dadhyuściraṃ viṣṇupadābjamavyayaṃ dhyāyanti yadyatayo vītarāgāḥ

Dann gingen sie zum Ende des Badarī-Waldes, das von den Scharen der Götterfürsten verehrt wird, und verharrten dort lange in Meditation über den unvergänglichen Lotosfuß Viṣṇus, den auch die leidenschaftslosen Asketen beständig meditieren.

Wort für Wort
jagmustato vai badarīvanānte
sie gingen dann fürwahr zum Ende des Badarī-Waldes
surendravargairupasevyamānam
das von den Scharen der Götterfürsten verehrt wird
dadhyuściraṃ viṣṇupadābjamavyayaṃ
sie verharrten lange in Meditation über den unvergänglichen Lotosfuß Viṣṇus
dhyāyanti yadyatayo vītarāgāḥ
den auch die leidenschaftslosen Asketen [beständig] meditieren

nārado 'pi tato viprā kumārebhyaḥ samīhitam / labdhvā jñānaṃ savijñānaṃ bhṛśaṃ prītamanā hyabhūt

Auch Nārada, o Brahmanen, wurde, nachdem er von den Kumāras das erwünschte Wissen samt der [praktischen] Erkenntnis erlangt hatte, überaus frohen Herzens.

Wort für Wort
nārado 'pi tato viprā
auch Nārada, o Brahmanen, sodann
kumārebhyaḥ samīhitam labdhvā
nachdem er von den Kumāras das Erwünschte erlangt hatte
jñānaṃ savijñānaṃ
das Wissen samt der [praktischen] Erkenntnis
bhṛśaṃ prītamanā hyabhūt
wurde er überaus frohen Herzens

sa tasmātsvarṇadītīrādāgatya piturantike / praṇamya satkṛtaḥ pitrā brahmaṇā niṣasāda ca

Er kam von jenem Ufer der Svarṇadī [zurück] in die Nähe seines Vaters, verneigte sich, wurde vom Vater Brahmā geehrt und setzte sich nieder.

Wort für Wort
sa tasmātsvarṇadītīrādāgatya
er kam von jenem Ufer der Svarṇadī (Goldfluss) zurück
piturantike
in die Nähe seines Vaters
praṇamya satkṛtaḥ pitrā brahmaṇā
verneigte sich, wurde vom Vater Brahmā geehrt
niṣasāda ca
und setzte sich nieder

[Anm.: 'svarṇadī' ('Goldfluss') als Flussname unklar identifiziert — evtl. Epitheton eines Himmelsflusses.]

kumārebhyaḥ śrutaṃ yacca jñānaṃ vijñānasaṃyutam / varṇayāmāsa tattvena so 'pi śrutvā mumoda ca

Und das Wissen samt der [praktischen] Erkenntnis, das er von den Kumāras gehört hatte, schilderte er wahrheitsgemäß; auch jener [Brahmā] freute sich, nachdem er es gehört hatte.

Wort für Wort
kumārebhyaḥ śrutaṃ yacca jñānaṃ vijñānasaṃyutam
und das Wissen samt der Erkenntnis, das er von den Kumāras gehört hatte
varṇayāmāsa tattvena
schilderte er wahrheitsgemäß
so 'pi śrutvā mumoda ca
auch jener [Brahmā] freute sich, nachdem er es gehört hatte

atha praṇamya śirasā labdhāśīrmunisattamaḥ / ājagāma ca kailāsaṃ munisiddhaniṣevitam

Dann, nachdem der beste der Munis sich mit dem Haupt verneigt und Segen erlangt hatte, kam er zum Kailāsa, der von Munis und Siddhas verehrt wird.

Wort für Wort
atha praṇamya śirasā
dann, nachdem er sich mit dem Haupt verneigt hatte
labdhāśīrmunisattamaḥ
der beste der Munis, der Segen erlangt hatte
ājagāma ca kailāsaṃ
und kam zum Kailāsa
munisiddhaniṣevitam
der von Munis und Siddhas verehrt wird

nānāścaryamayaṃ śaśvatsarvarttukusumadrumaiḥ / mandāraiḥ pārijātaiśca caṃpakāśokavañjulaiḥ

[Den Kailāsa,] voller mannigfaltiger Wunder, beständig [geschmückt] mit Bäumen, die zu jeder Jahreszeit blühen — mit Mandāra- und Pārijāta-Bäumen sowie mit Campaka-, Aśoka- und Vañjula-Bäumen.

Wort für Wort
nānāścaryamayaṃ
voller mannigfaltiger Wunder
śaśvatsarvarttukusumadrumaiḥ
beständig mit zu jeder Jahreszeit blühenden Bäumen
mandāraiḥ pārijātaiśca
mit Mandāra- und Pārijāta-Bäumen
caṃpakāśokavañjulaiḥ
mit Campaka-, Aśoka- und Vañjula-Bäumen

[Anm.: V.10–15 setzen die Beschreibung des Kailāsa (Akkusativobjekt aus V.9) in einer langen Kette von Adjektiven fort.]

anyaiśca vividhairvṛkṣairnānāpakṣigaṇāvṛtaiḥ / vātoddhūtaśikhaiḥ pānthānāhvayadbhirivāvṛtam

[Und ferner] umgeben von anderen mannigfaltigen Bäumen, die von verschiedenen Vogelscharen bewohnt waren, deren vom Wind aufgewirbelte Wipfel gleichsam die Wanderer herbeiriefen.

Wort für Wort
anyaiśca vividhairvṛkṣair
und von anderen mannigfaltigen Bäumen
nānāpakṣigaṇāvṛtaiḥ
die von verschiedenen Vogelscharen bewohnt waren
vātoddhūtaśikhaiḥ
deren Wipfel vom Wind aufgewirbelt wurden
pānthānāhvayadbhirivāvṛtam
umgeben, als riefen sie die Wanderer herbei

nānāmṛgagaṇākīrṇaṃ siddhakinnarasaṃkulam / sarobhiḥ svacchasalilairlasatkāñcanapaṅkajaiḥ

[Den Kailāsa,] übersät mit mannigfaltigen Scharen wilder Tiere, wimmelnd von Siddhas und Kinnaras, mit Seen von klarem Wasser, [in denen] glänzende goldene Lotosblüten [wuchsen].

Wort für Wort
nānāmṛgagaṇākīrṇaṃ
übersät mit mannigfaltigen Scharen wilder Tiere
siddhakinnarasaṃkulam
wimmelnd von Siddhas und Kinnaras
sarobhiḥ svacchasalilaiḥ
mit Seen von klarem Wasser
lasatkāñcanapaṅkajaiḥ
mit glänzenden goldenen Lotosblüten

śobhitaṃ sārasairhaṃsaiścakrāhvādyairnināditam / svarddhanīpātanir ghṛṣṭaṃ krīḍadbhiścāpsarogaṇaiḥ

[Den Kailāsa,] geschmückt mit Kranichen und Schwänen, ertönend vom Ruf der Cakravāka-Vögel und anderer, durchtost vom Herabstürzen der Svardhanī (Himmelsfluss) und von den dort spielenden Scharen der Apsaras.

Wort für Wort
śobhitaṃ sārasairhaṃsaiḥ
geschmückt mit Kranichen und Schwänen
cakrāhvādyairnināditam
ertönend vom Ruf der Cakravāka-Vögel und anderer
svarddhanīpātanirghṛṣṭaṃ
durchtost vom Herabstürzen der Svardhanī (Himmelsfluss)
krīḍadbhiścāpsarogaṇaiḥ
und von den dort spielenden Scharen der Apsaras

[Anm.: 'nirghṛṣṭaṃ' hier sinngemäß als 'durchtost/widerhallend' wiedergegeben.]

salile 'lakanandāyāḥ kucakuṅkumapiṅgale / āmodamuditairnāgaiḥ salilaiḥ puṣkaroddhṛtaiḥ

Im Wasser der Alakanandā, das gelblich-rötlich war vom Kuṅkuma der [Apsaras-]Brüste, [gemischt] mit den vor Wohlgeruch erregten Elefanten, mit dem Wasser, das mit den Rüsseln aufgewirbelt wurde.

Wort für Wort
salile 'lakanandāyāḥ
im Wasser der Alakanandā
kucakuṅkumapiṅgale
das gelblich-rötlich war vom Kuṅkuma der Brüste [der Apsaras]
āmodamuditairnāgaiḥ
mit den vor Wohlgeruch erregten Elefanten
salilaiḥ puṣkaroddhṛtaiḥ
mit dem Wasser, das mit den Rüsseln aufgewirbelt wurde

snāpayadbhiḥ kareṇūśca kalabhāṃśca samākule / atha śvetābhrasadṛśe śṛṅge tasya ca bhūbhṛtaḥ

[Den Kailāsa, dessen Wasser] voll war von [Elefanten], die damit die Elefantenkühe und die Elefantenjungen badeten. Und dann, auf dem Gipfel jenes Berges, der weißen Wolken glich —

Wort für Wort
snāpayadbhiḥ kareṇūśca kalabhāṃśca
von [Elefanten], die die Elefantenkühe und die Elefantenjungen badeten
samākule
[Wasser,] das davon voll war
atha śvetābhrasadṛśe śṛṅge
dann, auf dem Gipfel, der weißen Wolken glich
tasya ca bhūbhṛtaḥ
jenes Berges

vaṭaṃ kālābhrasadṛśaṃ dadarśa śatayojanam / tasyādhastātsamāsīnaṃ yogimaṇḍalamadhyagam

sah er dort einen Banyanbaum, der dunklen Wolken glich, hundert Yojana [groß], und unter ihm [sah er Śiva] sitzend, inmitten einer Versammlung von Yogis.

Wort für Wort
vaṭaṃ kālābhrasadṛśaṃ
einen Banyanbaum, der dunklen Wolken glich
dadarśa śatayojanam
sah er, hundert Yojana [groß]
tasyādhastātsamāsīnaṃ
unter ihm sitzend
yogimaṇḍalamadhyagam
inmitten einer Versammlung von Yogis

kapardinaṃ virūpākṣa vyāghracarmāṃbarāvṛtam / bhūtibhūṣitasarvāṅgaṃ nāgabhūṣaṇabhūṣitam

[Er sah Śiva], den Verzottelthaarigen, den Dreiäugigen, bekleidet mit einem Gewand aus Tigerfell, dessen ganzer Körper mit Asche geschmückt war, geschmückt mit Schlangenschmuck.

Wort für Wort
kapardinaṃ virūpākṣa[m]
den Verzottelthaarigen, den Dreiäugigen
vyāghracarmāṃbarāvṛtam
bekleidet mit einem Gewand aus Tigerfell
bhūtibhūṣitasarvāṅgaṃ
dessen ganzer Körper mit Asche geschmückt war
nāgabhūṣaṇabhūṣitam
geschmückt mit Schlangenschmuck

[Anm.: 'virūpākṣa' im Quelltext ohne Akkusativendung ('virūpākṣa' statt zu erwartendem 'virūpākṣam'); hier als weiteres Akkusativ-Epitheton Śivas ('den Dreiäugigen') aufgefasst.]

rudrākṣamālayā śaśvacchobhitaṃ candraśekharam / taṃ dṛṣṭvā nārado viprā bhaktinamrātmakandharaḥ

[Ihn, Śiva,] beständig geschmückt mit einer Rudrākṣa-Perlenkette, den Mondgekrönten — als Nārada ihn erblickte, o Brahmanen, [beugte er] den Nacken, in Hingabe gedemütigt —

Wort für Wort
rudrākṣamālayā śaśvacchobhitaṃ
beständig geschmückt mit einer Rudrākṣa-Perlenkette
candraśekharam
den Mondgekrönten
taṃ dṛṣṭvā nārado viprā
als Nārada ihn erblickte, o Brahmanen
bhaktinamrātmakandharaḥ
den Nacken in Hingabe gedemütigt

nanām śirasā tasya pādayorjagadīśituḥ / tataḥ prasannamanasā stutvā vāgbhirvṛṣadhvajam

verneigte er sich mit dem Haupt vor dessen Füßen, des Herrn der Welt, und pries dann mit frohem Gemüt mit Worten den [Gott] mit dem Stier-Banner (Vṛṣadhvaja, Śiva).

Wort für Wort
nanām[a] śirasā tasya pādayoḥ
er verneigte sich mit dem Haupt vor dessen Füßen
jagadīśituḥ
des Herrn der Welt
tataḥ prasannamanasā stutvā
dann pries er mit frohem Gemüt
vāgbhirvṛṣadhvajam
mit Worten den [Gott] mit dem Stier-Banner

[Anm.: 'nanām' im Quelltext vermutlich verschrieben für 'nanāma' (3. Person Sg. Perfekt 'er verneigte sich').]

niṣasādājñayā sthāṇoḥ satkṛto yogibhistadā / athāpṛcchacca kuśalaṃ nāradaṃ jagatāṃ guruḥ

Er setzte sich auf Geheiß des Sthāṇu (Śiva) nieder, wurde damals von den Yogis geehrt; dann fragte der Lehrer der Welten [Śiva] Nārada nach seinem Wohlergehen.

Wort für Wort
niṣasādājñayā sthāṇoḥ
er setzte sich auf Geheiß des Sthāṇu nieder
satkṛto yogibhistadā
wurde damals von den Yogis geehrt
athāpṛcchacca kuśalaṃ
dann fragte er nach dem Wohlergehen
nāradaṃ jagatāṃ guruḥ
Nārada — der Lehrer der Welten [Śiva]

sa ca prāha prasādena bhavataḥ sarvamasti me / sarveṣāṃ yogivaryāṇāṃ śṛṇvatāṃ tatra vāḍavāḥ

Und er [Nārada] sprach: 'Durch deine Gnade ist mir alles [wohl]' — während alle die besten Yogis dort zuhörten, o Brahmanen.

Wort für Wort
sa ca prāha
und er sprach
prasādena bhavataḥ sarvamasti me
'durch deine Gnade ist mir alles [wohl]'
sarveṣāṃ yogivaryāṇāṃ śṛṇvatāṃ tatra
während alle die besten Yogis dort zuhörten
vāḍavāḥ
o Brahmanen

papraccha śāṃbhivaṃ jñānaṃ paśupāśavimokṣaṇam / sa śivaḥ sādaraṃ tasya bhaktyā saṃtuṣṭamānasaḥ

Er [Nārada] erbat das śāmbhava-Wissen (Śiva-Wissen), das von der Fessel des Paśu (der gebundenen Seele) befreit. Und jener Śiva, dessen Gemüt durch dessen Hingabe zufrieden war, [antwortete] ehrfurchtsvoll —

Wort für Wort
papraccha śāṃbhi[a]vaṃ jñānaṃ
er erbat das śāmbhava-Wissen (Śiva-Wissen)
paśupāśavimokṣaṇam
das von der Fessel des Paśu befreit
sa śivaḥ sādaraṃ
jener Śiva, ehrfurchtsvoll
tasya bhaktyā saṃtuṣṭamānasaḥ
dessen Gemüt durch dessen Hingabe zufrieden war

[Anm.: 'śāṃbhivaṃ' im Quelltext vermutlich für 'śāṃbhavaṃ' ('auf Śambhu/Śiva bezüglich').]

yogamaṣṭāṅgasaṃyuktaṃ prāha praṇatavatsalaḥ / sa labdhvā śāṃbhavaṃ jñānaṃ śaṅkarāllokaśaṅkarāt

verkündete den Yoga mit seinen acht Gliedern, er, der den Ergebenen zugetan ist. Nachdem er [Nārada] das śāmbhava-Wissen von Śaṅkara, dem Wohltäter der Welt, erlangt hatte,

Wort für Wort
yogamaṣṭāṅgasaṃyuktaṃ prāha
verkündete den Yoga mit seinen acht Gliedern
praṇatavatsalaḥ
er, der den Ergebenen zugetan ist
sa labdhvā śāṃbhavaṃ jñānaṃ
nachdem er das śāmbhava-Wissen erlangt hatte
śaṅkarāllokaśaṅkarāt
von Śaṅkara, dem Wohltäter der Welt

suprasannamanā natvā yayau nārāyaṇāntikam / tatrāpi nārado 'bhīkṣṇaṃ gatāgataparāyaṇaḥ

ging er, sehr erfreuten Gemütes, nachdem er sich verneigt hatte, in die Nähe Nārāyaṇas. Auch dort [verweilte] Nārada, beständig dem Kommen und Gehen ergeben,

Wort für Wort
suprasannamanā natvā
sehr erfreuten Gemütes, nachdem er sich verneigt hatte
yayau nārāyaṇāntikam
ging er in die Nähe Nārāyaṇas
tatrāpi nārado 'bhīkṣṇaṃ
auch dort Nārada, beständig
gatāgataparāyaṇaḥ
dem Kommen und Gehen ergeben

sevitaṃ yogibhiḥ siddhairnārāyaṇamatoṣayat / etadvaḥ kīrtitaṃ viprā nāradīyaṃ mahanmayā

erfreute Nārāyaṇa, der von Yogis und Siddhas verehrt wird. [Sūta sprach:] Dies, o Brahmanen, wurde euch von mir verkündet — das große Nāradīya[-Purāṇa],

Wort für Wort
sevitaṃ yogibhiḥ siddhairnārāyaṇam atoṣayat
erfreute Nārāyaṇa, der von Yogis und Siddhas verehrt wird
etadvaḥ kīrtitaṃ viprā
dies wurde euch verkündet, o Brahmanen
nāradīyaṃ mahanmayā
das große Nāradīya[-Purāṇa] von mir

upākhyānaṃ vedasamaṃ sarvaśāstranidarśanam / catuṣpādasamāyuktaṃ śṛṇvatāṃ jñānavarddhanam

die Erzählung (Upākhyāna), gleich den Veden, die Darlegung aller Schriften, versehen mit vier Teilen (Pādas), die das Wissen der Zuhörer mehrt.

Wort für Wort
upākhyānaṃ vedasamaṃ
die Erzählung, gleich den Veden
sarvaśāstranidarśanam
die Darlegung aller Schriften
catuṣpādasamāyuktaṃ
versehen mit vier Teilen (Pādas)
śṛṇvatāṃ jñānavarddhanam
die das Wissen der Zuhörer mehrt

ya etatkīrtayedviprā nāradīyaṃ śivālaye / samāje dvijamukhyānāṃ tathā keśavamandire

Wer dieses Nāradīya[-Purāṇa], o Brahmanen, in einem Śiva-Tempel verkündet, in einer Versammlung der vornehmsten Zweifachgeborenen, oder ebenso in einem Keśava-Tempel (Viṣṇu-Tempel) —

Wort für Wort
ya etatkīrtayedviprā
wer dies verkündet, o Brahmanen
nāradīyaṃ śivālaye
das Nāradīya[-Purāṇa] in einem Śiva-Tempel
samāje dvijamukhyānāṃ
in einer Versammlung der vornehmsten Zweifachgeborenen
tathā keśavamandire
oder ebenso in einem Keśava-Tempel

mathurāyāṃ prayāge ca puruṣottamasannidhau / setau kāñcyāṃ kuśasthalyāṃ gaṅgādvāre kuśasthale

in Mathurā, in Prayāga, in der Nähe des Puruṣottama, bei Setu, in Kāñcī, in Kuśasthalī, am Gaṅgādvāra, in Kuśasthala —

Wort für Wort
mathurāyāṃ prayāge ca
in Mathurā und in Prayāga
puruṣottamasannidhau
in der Nähe des Puruṣottama
setau kāñcyāṃ kuśasthalyāṃ
bei Setu, in Kāñcī, in Kuśasthalī
gaṅgādvāre kuśasthale
am Gaṅgādvāra, in Kuśasthala

[Anm.: Ortsnamen als Pilgerstätten aufgezählt; 'kuśasthalī' vermutlich Dvārakā, 'kuśasthala' ein davon verschiedener, unklar identifizierter Ort.]

puṣkareṣu nadītīre yatra kutrāpi bhaktimān / sa labhetsarvaya jñānāṃ tīrthānāṃ ca phalaṃ mahat

in Puṣkara, am Flussufer, wo auch immer [er sich befindet] — der Hingebungsvolle erlangt alles Wissen [?] und die große Frucht der Pilgerstätten.

Wort für Wort
puṣkareṣu nadītīre
in Puṣkara, am Flussufer
yatra kutrāpi bhaktimān
wo auch immer der Hingebungsvolle [sich befindet]
sa labhetsarvaya[ṃ] jñānāṃ
er erlangt alles Wissen [?]
tīrthānāṃ ca phalaṃ mahat
und die große Frucht der Pilgerstätten

[Anm.: 'sarvaya jñānāṃ' im Quelltext unklar/korrupt überliefert, vermutlich für 'sarvaṃ jñānaṃ' oder 'sarvasya jñānasya'; hier sinngemäß als 'alles Wissen' wiedergegeben [?].]

dānānāṃ cāpi sarveṣāṃ tapasāṃ vāpyaśeṣataḥ / upavāsaparo vāpi haviṣyāśī jitendriyaḥ

[Er erlangt die Frucht] aller Spenden und auch vollständig aller Askese — sei er dem Fasten hingegeben oder nehme er geweihte Opferspeise zu sich, mit gebändigten Sinnen —

Wort für Wort
dānānāṃ cāpi sarveṣāṃ
und auch aller Spenden
tapasāṃ vāpyaśeṣataḥ
und der Askese, vollständig
upavāsaparo vāpi
sei er dem Fasten hingegeben
haviṣyāśī jitendriyaḥ
oder nehme er geweihte Opferspeise zu sich, mit gebändigten Sinnen

śrotā caiva tathā vaktā nārāyaṇaparāyaṇaḥ / śivabhaktirato vāpi śṛṇvan siddhimavāpnuyāt

sowohl der Zuhörer als auch der Vortragende, [ob] Nārāyaṇa ergeben oder der Hingabe an Śiva zugetan, erlangt durch das Zuhören Vollkommenheit.

Wort für Wort
śrotā caiva tathā vaktā
sowohl der Zuhörer als auch der Vortragende
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
Nārāyaṇa ergeben
śivabhaktirato vāpi
oder der Hingabe an Śiva zugetan
śṛṇvan siddhimavāpnuyāt
erlangt durch das Zuhören Vollkommenheit

asninnaśeṣapuṇyānāṃ siddhīnāṃ ca samudbhavaḥ / kathitaḥ sarvapāpaghnaḥ paṭhatāṃ śṛṇvatāṃ sadā

In diesem [Purāṇa] ist der Ursprung aller Verdienste und der Vollkommenheiten verkündet — [dieses Purāṇa], das stets alle Sünden der Lesenden und Hörenden vernichtet.

Wort für Wort
asmin[n] aśeṣapuṇyānāṃ siddhīnāṃ ca samudbhavaḥ
in diesem [Purāṇa] ist der Ursprung aller Verdienste und Vollkommenheiten [?]
kathitaḥ sarvapāpaghnaḥ
verkündet, alle Sünden vernichtend
paṭhatāṃ śṛṇvatāṃ sadā
der Lesenden und Hörenden, stets

[Anm.: 'asninnaśeṣapuṇyānāṃ' im Quelltext unklar/korrupt, vermutlich für 'asmin aśeṣapuṇyānāṃ' ('in diesem [Purāṇa liegt] aller Verdienste [Ursprung]') [?].]

kalidoṣaharaṃ puṃsāṃ sarvasaṃpattivarddhanam / sarveṣāmīpsitaṃ cedaṃ sarvajñānaprakāśakam

[Dieses Purāṇa], das den Makel des Kali[-Zeitalters] von den Menschen nimmt, das allen Reichtum mehrt, das von allen ersehnt wird und das alles Wissen erhellt.

Wort für Wort
kalidoṣaharaṃ puṃsāṃ
das den Makel des Kali[-Zeitalters] von den Menschen nimmt
sarvasaṃpattivarddhanam
das allen Reichtum mehrt
sarveṣāmīpsitaṃ cedaṃ
und dies, das von allen ersehnt wird
sarvajñānaprakāśakam
das alles Wissen erhellt

śaivānāṃ vaiṣṇavānāṃ ca śāktānāṃ sūyasevinām / tathaiva gāṇapatyānāṃ varṇāśramavatāṃ dvijāḥ

[Von den Śaivas], den Vaiṣṇavas, den Śāktas [und] den Sūrya-Verehrern, ebenso von den Gāṇapatyas, o Zweifachgeborene, und von denen, die den Varṇas und Āśramas [der Kastenordnung und den Lebensstadien] folgen —

Wort für Wort
śaivānāṃ vaiṣṇavānāṃ ca
von den Śaivas und den Vaiṣṇavas
śāktānāṃ sū[r]yasevinām
von den Śāktas [und] den Sūrya-Verehrern [?]
tathaiva gāṇapatyānāṃ
ebenso von den Gāṇapatyas
varṇāśramavatāṃ dvijāḥ
und von denen, die den Varṇas und Āśramas folgen, o Zweifachgeborene

[Anm.: 'sūyasevinām' im Quelltext vermutlich verschrieben für 'sūryasevinām' ('Sūrya-/Sonnenverehrer', Sauras) [?].]

tapasāṃ ca vratānāṃ ca phalānāṃ saṃprakāśakam / mantrāṇāṃ caiva yantrāṇāṃ vedāṅgānāṃ vibhāgaśaḥ

[Dieses Purāṇa], das die Früchte der Askese und der Gelübde offenbart, und ebenso, einzeln, [die Kenntnis] der Mantras, der Yantras und der Vedāṅgas [Hilfswissenschaften des Veda] —

Wort für Wort
tapasāṃ ca vratānāṃ ca phalānāṃ saṃprakāśakam
das die Früchte der Askese und der Gelübde offenbart
mantrāṇāṃ caiva yantrāṇāṃ
und [die Kenntnis] der Mantras und der Yantras
vedāṅgānāṃ vibhāgaśaḥ
der Vedāṅgas, einzeln

tathāgamānāṃ sāṃkhyānāṃ vedānāṃ caiva saṃgraham / ya etatpaṭhate bhaktyā śṛṇuyādvā samāhitaḥ

ebenso die Zusammenfassung der Āgamas, der Sāṃkhya[-Lehren] und der Veden. Wer dieses mit Hingabe rezitiert oder es konzentriert anhört —

Wort für Wort
tathāgamānāṃ sāṃkhyānāṃ
ebenso der Āgamas, der Sāṃkhya[-Lehren]
vedānāṃ caiva saṃgraham
und die Zusammenfassung der Veden
ya etatpaṭhate bhaktyā
wer dieses mit Hingabe rezitiert
śṛṇuyādvā samāhitaḥ
oder es konzentriert anhört

sa labhedvāñchitānkāmāndevādiṣvapi durlabhān / śrutvedaṃ nāradīyaṃ tu purāṇaṃ vedasaṃmitam

der erlangt die erwünschten Wünsche, die selbst für Götter u.a. schwer zu erlangen sind, nachdem er dieses Nāradīya-Purāṇa, das den Veden gleichkommt, gehört hat.

Wort für Wort
sa labhedvāñchitānkāmān
er erlangt die erwünschten Wünsche
devādiṣvapi durlabhān
die selbst für Götter u.a. schwer zu erlangen sind
śrutvedaṃ nāradīyaṃ tu purāṇaṃ
nachdem er dieses Nāradīya-Purāṇa gehört hat
vedasaṃmitam
das den Veden gleichkommt

vācakaṃ pūjayedbhaktyā dhanaratnāṃśukādibhiḥ / bhūmidānairgavāṃ dānai ratnadānaiśca saṃtatam

Man soll den Vortragenden mit Hingabe verehren, mit Reichtum, Juwelen, Gewändern u.a., mit Landspenden, Kuhspenden und Juwelenspenden, beständig,

Wort für Wort
vācakaṃ pūjayedbhaktyā
man soll den Vortragenden mit Hingabe verehren
dhanaratnāṃśukādibhiḥ
mit Reichtum, Juwelen, Gewändern u.a.
bhūmidānairgavāṃ dānai
mit Landspenden, Kuhspenden
ratnadānaiśca saṃtatam
und Juwelenspenden, beständig

hastyaśvarathadānaiśca prīṇayetsatataṃ gurum / yastu vyākurute viprāḥ purāṇaṃ dharmasaṃgraham

und mit Spenden von Elefanten, Pferden und Wagen soll man stets den Lehrer erfreuen. Wer aber, o Brahmanen, dieses Purāṇa — die Zusammenfassung des Dharma — auslegt,

Wort für Wort
hastyaśvarathadānaiśca
und mit Spenden von Elefanten, Pferden und Wagen
prīṇayetsatataṃ gurum
soll man stets den Lehrer erfreuen
yastu vyākurute viprāḥ
wer aber, o Brahmanen, auslegt
purāṇaṃ dharmasaṃgraham
dieses Purāṇa, die Zusammenfassung des Dharma

caturvargapradaṃ nṝṇāṃ ko 'nyastatsadṛśo guruḥ / kāyena manasā vācā dhanādyairapi saṃtatam

das den Menschen die vier [Lebens-]Ziele gewährt — welcher andere Lehrer wäre ihm gleich? Mit Körper, Geist und Rede, sowie auch mit Reichtum u.a., beständig

Wort für Wort
caturvargapradaṃ nṝṇāṃ
das den Menschen die vier [Lebens-]Ziele gewährt
ko 'nyastatsadṛśo guruḥ
welcher andere Lehrer wäre ihm gleich
kāyena manasā vācā
mit Körper, Geist und Rede
dhanādyairapi saṃtatam
sowie auch mit Reichtum u.a., beständig

priyaṃ samācarettasya gurorddharmopadeśinaḥ / śrutvā purāṇaṃ vidhivaddhomaṃ kṛtvā surārcanam

soll man diesem Lehrer, der den Dharma lehrt, Liebes erweisen. Nachdem man das Purāṇa gehört hat, soll man vorschriftsmäßig ein Feueropfer darbringen und die Götter verehren,

Wort für Wort
priyaṃ samācarettasya
soll man diesem Liebes erweisen
gurorddharmopadeśinaḥ
dem Lehrer, der den Dharma lehrt
śrutvā purāṇaṃ vidhivaddhomaṃ kṛtvā
nachdem man das Purāṇa gehört hat, vorschriftsmäßig ein Feueropfer darbringend
surārcanam
und die Götter verehrend

brāhmaṇānbhojayetpaścācchataṃ miṣṭānnapāyasaiḥ / dakṣiṇāṃ pradadecchaktyā bhaktyā prīyeta mādhavaḥ

danach soll man hundert Brahmanen mit süßer Speise und Milchreis speisen, [ihnen] nach Vermögen eine Ehrengabe geben; durch [solche] Hingabe möge Mādhava [Viṣṇu] erfreut werden.

Wort für Wort
brāhmaṇānbhojayetpaścāt
danach soll man Brahmanen speisen
śataṃ miṣṭānnapāyasaiḥ
hundert, mit süßer Speise und Milchreis
dakṣiṇāṃ pradadecchaktyā
eine Ehrengabe soll man nach Vermögen geben
bhaktyā prīyeta mādhavaḥ
durch Hingabe möge Mādhava [Viṣṇu] erfreut werden

yathā śreṣṭhā nadī gaṅgā puṣkaraṃ ca saro yathā / kāśī purī nago merurdevo nārāyaṇo hariḥ

So wie unter den Flüssen die Gaṅgā die vortrefflichste ist, und unter den Seen Puṣkara, [wie] Kāśī unter den Städten, [wie] Meru unter den Bergen, [wie] Nārāyaṇa-Hari unter den Göttern [die Vortrefflichsten sind],

Wort für Wort
yathā śreṣṭhā nadī gaṅgā
so wie unter den Flüssen die Gaṅgā die vortrefflichste ist
puṣkaraṃ ca saro yathā
und Puṣkara unter den Seen
kāśī purī nago meruḥ
Kāśī unter den Städten, [der] Berg Meru [unter den Bergen]
devo nārāyaṇo hariḥ
der Gott Nārāyaṇa-Hari [unter den Göttern]

kṛtaṃ yugaṃ sāmavedo dhenurvipro 'nnamaṃbu ca / mārgo mṛgendraḥ puruṣo 'śvatthaḥ prahlāda ānanam

das Kṛtayuga unter den Weltzeitaltern, der Sāmaveda unter den Veden, die [wunscherfüllende] Kuh, der Brahmane, Nahrung und Wasser, der [rechte] Pfad, der Löwe unter den Tieren, der [beste] Mensch, der Aśvattha-Baum, Prahlāda, das Antlitz unter den Gliedern [je die Vortrefflichsten ihrer Art] —

Wort für Wort
kṛtaṃ yugaṃ sāmavedo
das Kṛtayuga [unter den Zeitaltern], der Sāmaveda [unter den Veden]
dhenurvipro 'nnamaṃbu ca
die [Wunsch-]Kuh, der Brahmane, Nahrung und Wasser
mārgo mṛgendraḥ puruṣo 'śvatthaḥ
der Pfad, der Löwe, der [beste] Mensch, der Aśvattha-Baum
prahlāda ānanam
Prahlāda, das Antlitz

[Anm.: Die Liste V.44–46 nennt paarweise 'Bestes ihrer Gattung', ohne die Kategorie jeweils explizit zu benennen; die Zuordnung einzelner Glieder (etwa 'mārgaḥ' 'Pfad', 'puruṣaḥ' 'Mensch') zu ihrer Vergleichsklasse bleibt implizit und ist hier sinngemäß ergänzt.]

uccaiḥ śravā vasaṃtaśca japaḥ śeṣor'yamā dhanuḥ / pāvako viṣṇurindraśca kapilo vākpatiḥ kaviḥ

Uccaiḥśravas, der Frühling, die [Mantra-]Rezitation, Śeṣa, [?], der Bogen, das Feuer, Viṣṇu und Indra, Kapila, der Herr der Rede, der Seher/Dichter [je die Vortrefflichsten ihrer Art] —

Wort für Wort
uccaiḥśravā vasaṃtaśca japaḥ
Uccaiḥśravas, der Frühling und die [Mantra-]Rezitation
śeṣo['] r[y]amā dhanuḥ
Śeṣa, [Aryaman(?), unklar [?]], der Bogen
pāvako viṣṇurindraśca
das Feuer, Viṣṇu und Indra
kapilo vākpatiḥ kaviḥ
Kapila, der Herr der Rede, der Seher/Dichter [Bṛhaspati]

[Anm.: 'śeṣor'yamā' im Quelltext unklar/korrupt überliefert (evtl. 'śeṣo 'ryamā' — Śeṣa [und] Aryaman); hier nicht sicher auflösbar [?]. 'vākpatiḥ kaviḥ' vermutlich als Epitheta des Bṛhaspati zu verstehen.]

arjuno hanumāndarbhaścittaṃ citrarathoṃ'bujam / urvaśī kāñcanaṃ yadvacchreṣṭāścaite svajātiṣu

Arjuna, Hanumān, das Darbha-Gras, der Geist, Citraratha, der Lotus, Urvaśī, das Gold — so wie diese die Vortrefflichsten in ihrer eigenen Gattung sind,

Wort für Wort
arjuno hanumāndarbhaścittaṃ
Arjuna, Hanumān, das Darbha-Gras, der Geist
citraratho'mbujam
Citraratha, der Lotus
urvaśī kāñcanaṃ
Urvaśī, das Gold
yadvacchreṣṭāścaite svajātiṣu
so wie diese die Vortrefflichsten in ihrer eigenen Gattung sind

tathaiva nāradīyaṃ tu purāṇeṣu prakīrtitam / śāntirastu śivaṃ cāstu sarveṣāṃ vo dvijottamāḥ

ebenso wird das Nāradīya[-Purāṇa] unter den Purāṇas als das vortrefflichste gepriesen. Friede sei [euch], und Heil sei euch allen, o beste der Zweifachgeborenen!

Wort für Wort
tathaiva nāradīyaṃ tu
ebenso das Nāradīya[-Purāṇa]
purāṇeṣu prakīrtitam
wird unter den Purāṇas [als das vortrefflichste] gepriesen
śāntirastu śivaṃ cāstu
Friede sei, und Heil sei
sarveṣāṃ vo dvijottamāḥ
euch allen, o beste der Zweifachgeborenen

gamiṣyāmi guroḥ pārṃśvaṃ vyāsasyāmitatejasaḥ / ityuktvābhyarcitaḥ sūtaḥ śaunakādyairmahātmabhiḥ

'Ich werde nun zur Seite meines Lehrers Vyāsa gehen, dessen Glanz unermesslich ist' — nachdem er dies gesagt hatte, wurde Sūta von Śaunaka und den anderen hochgesinnten [Weisen] verehrt.

Wort für Wort
gamiṣyāmi guroḥ pār[ṃ]śvaṃ
'ich werde zur Seite meines Lehrers gehen'
vyāsasyāmitatejasaḥ
des Vyāsa, dessen Glanz unermesslich ist
ityuktvābhyarcitaḥ sūtaḥ
nachdem er dies gesagt hatte, wurde Sūta verehrt
śaunakādyairmahātmabhiḥ
von Śaunaka und den anderen hochgesinnten [Weisen]

[Anm.: 'pārṃśvaṃ' im Quelltext vermutlich für 'pārśvaṃ' ('Seite').]

ājñaptaśca punaḥ sarvairdarśanārthaṃ guroryayau / te 'pi sarve dvijaśreṣṭhāḥ śaunakādyāḥ samāhitāḥ / śrutaṃ samyaganuṣṭhāya tatra tasthuśca satriṇaḥ

Und von allen erneut ermächtigt, ging er [Sūta], um seinen Lehrer zu sehen. Auch jene, all die besten Zweifachgeborenen, Śaunaka und die anderen, gesammelten Sinnes, blieben, nachdem sie das Gehörte ordentlich befolgt hatten, dort als Opferpriester.

Wort für Wort
ājñaptaśca punaḥ sarvairdarśanārthaṃ
und von allen erneut ermächtigt, um [ihn] zu sehen
guroryayau
ging er zu seinem Lehrer
te 'pi sarve dvijaśreṣṭhāḥ śaunakādyāḥ samāhitāḥ
auch jene, all die besten Zweifachgeborenen, Śaunaka und die anderen, gesammelten Sinnes
śrutaṃ samyaganuṣṭhāya
nachdem sie das Gehörte ordentlich befolgt hatten
tatra tasthuśca satriṇaḥ
blieben dort als Opferpriester

kalikalmaṣaviṣanāśanaṃ hariṃ yo japapūjanavidhibheṣajopasevī / sa tu nirviṣamanasā sametya yāgaṃ labhate satamabhīpsitaṃ hi lokam

Wer Hari, der das Gift des Makels des Kali[-Zeitalters] vernichtet, durch das Heilmittel der vorschriftsmäßigen Rezitation und Verehrung dient, der erlangt, mit reinem (giftlosem) Geist zum Opfer hinzutretend, fürwahr die von den Guten ersehnte Welt.

Wort für Wort
kalikalmaṣaviṣanāśanaṃ hariṃ
Hari, der das Gift des Makels des Kali[-Zeitalters] vernichtet
yo japapūjanavidhibheṣajopasevī
wer durch das Heilmittel der vorschriftsmäßigen Rezitation und Verehrung dient
sa tu nirviṣamanasā sametya yāgaṃ
der tritt mit reinem Geist zum Opfer hinzu
labhate satamabhīpsitaṃ hi lokam
und erlangt fürwahr die von den Guten ersehnte Welt

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