Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 61: mokṣadharmanirūpaṇam Darlegung der Erlösungslehre (mokṣadharma)

Letztes Kapitel des zweiten Pāda. Titel dem Kolophon entnommen ("mokṣadharṃmanirūpaṇaṃ nāma"); dieser Kolophon-Wortlaut selbst steht, wie im Textkorpus üblich, nicht am Ende dieses Kapitels, sondern — zusammen mit dem Satz "samāptaścāyaṃ dvitīyaḥ pādaḥ" ("Hiermit ist dieser zweite Pāda beendet") — am Kopf der folgenden Quelldatei (Kapitel 62). [Anm.: Die dort verzeichnete Sanskrit-Ordnungszahl "dviṣaṣṭitama" (62.) weicht von der fortlaufenden Projektzählung (61.) um eins ab; ebenso trägt die im Kopf DIESER Datei stehende, zu Kapitel 60 gehörige Kolophonzeile die Ordnungszahl "ekaṣaṣṭitama" (61.) statt der erwarteten 60. Diese durchgängige Verschiebung um jeweils einen Zähler ist eine Anomalie der Quellüberlieferung und wird hier unkommentiert dokumentiert.] Inhaltlich schildert das Kapitel die Erlösung (den yogischen Aufflug und das Eingehen ins Brahman) des Śuka, seine Begegnung mit Nārāyaṇa auf der Śvetadvīpa bzw. in Vaikuṇṭha samt Hymnus (V.51-65), sowie die Entstehung der Bhāgavata-Saṃhitā durch Vyāsa auf Anregung Nāradas.

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvitīyapāde ekaṣaṣṭitamo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ sūta uvāca etacchrṛtvā tu vacanaṃ nārado bhagavānṛṣiḥ / punaḥ papraccha taṃ vipra śukābhipatanaṃ munim

Sūta sprach: Nachdem der erhabene Seher Nārada diese Rede gehört hatte, o Brahmane, befragte er wiederum jenen Muni [Sanatkumāra] über den Aufflug Śukas.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
etat śrutvā tu vacanam
nachdem er diese Rede gehört hatte
nāradaḥ bhagavān ṛṣiḥ
der erhabene Seher Nārada
punaḥ papraccha taṃ vipra
fragte wiederum jenen, o Brahmane
śuka-abhipatanam munim
den Muni über Śukas Aufflug

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext eine Kolophonzeile vorangestellt ("iti ... ekaṣaṣṭitamo 'dhyāyaḥ", gefolgt von einer Trennlinie). Diese Ordnungszahl "ekaṣaṣṭitama" (61.) gehört, dem Aufbau der Quelle nach zu urteilen, nicht zu diesem Kapitel, sondern ist der versetzt überlieferte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels 60; sie wurde im sa-Feld dokumentiert, aber nicht in die Übersetzung einbezogen.]

nārada uvāca bhagavansarvamākhyātaṃ tvayātikaruṇātmanā / yacchrṛtvā mānasaṃ me 'dya śāntimagryāmupāgatam

Nārada sprach: O Herr, alles wurde von dir, dessen Wesen überaus mitleidsvoll ist, dargelegt; nachdem ich es gehört habe, ist mein Geist heute zur höchsten Ruhe gelangt.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
bhagavan sarvam ākhyātaṃ tvayā atikaruṇātmanā
o Herr, alles wurde von dir, dem überaus Mitleidsvollen, dargelegt
yat śrutvā mānasaṃ me adya
nachdem ich das gehört habe, ist mein Geist heute
śāntim agryām upāgatam
zur höchsten Ruhe gelangt

punaśca mokṣaśāstraṃ me tvamādiśa mahāmune / nahi sampūrṇatāmeti tṛṣṇā kṛṣṇaguṇārṇave

Und wiederum belehre mich, o großer Muni, über die Lehre der Erlösung; denn mein Verlangen findet im Ozean der Eigenschaften Kṛṣṇas keine Sättigung.

Wort für Wort
punaḥ ca mokṣaśāstraṃ me tvam ādiśa mahāmune
und wiederum belehre mich über die Lehre der Erlösung, o großer Muni
na hi sampūrṇatām eti
denn nicht erreicht Sättigung
tṛṣṇā kṛṣṇaguṇārṇave
das Verlangen im Ozean der Eigenschaften Kṛṣṇas

ye tu saṃsāranirmuktā mokṣa śāstraparāyaṇāḥ / kutra te nivasaṃtīha saṃśayo me mahānayam

Diejenigen aber, die vom Kreislauf des Daseins befreit und der Lehre der Erlösung ganz hingegeben sind — wo wohnen sie hier? Dies ist mein großer Zweifel.

Wort für Wort
ye tu saṃsāranirmuktāḥ
die aber vom Daseinskreislauf Befreiten
mokṣaśāstraparāyaṇāḥ
die der Erlösungslehre ganz hingegeben sind
kutra te nivasanti iha
wo wohnen sie hier
saṃśayaḥ me mahān ayam
dies ist mein großer Zweifel

taṃ chindhi sumahābhāgatvatto nānyo vidāṃvaraḥ / sanaṃ.u dhārayāmāsa cātmānaṃ yathāśāstraṃ mahāmuniḥ

„Zerschneide diesen [Zweifel], o Hochgesegneter — denn es gibt keinen anderen, der [ihn] besser wüsste als du!“ Sanatkumāra sprach: [Und Śuka] richtete sich selbst gemäß der Lehre aus [in yogischer Sammlung].

Wort für Wort
taṃ chindhi sumahābhāga
zerschneide diesen [Zweifel], o Hochgesegneter
tvattaḥ na anyaḥ vidāṃvaraḥ
denn es gibt keinen anderen, der besser wüsste, als du
sanatkumāraḥ uvāca
Sanatkumāra sprach
dhārayāmāsa ca ātmānaṃ yathāśāstraṃ mahāmuniḥ
und der große Muni [Śuka] richtete sich selbst gemäß der Lehre aus

[Anm.: Der Vers ist im Quelltext offenkundig unvollständig überliefert — es fehlen mutmaßlich zwei Pādas. Die Abkürzung "sanaṃ.u" steht für die Sprecherangabe "sanatkumāra uvāca" ("Sanatkumāra sprach"), die hier mitten im Vers eingefügt ist und den Übergang von Nāradas Frage zu Sanatkumāras Erzählung markiert.]

pādātprabhṛti gātreṣu krameṇa kramayogavit / tataḥ sa prāṅmukho vidvānādityena virocite

Von den Füßen angefangen zog er der Reihe nach durch die Glieder [seine Lebenskraft zurück], er, der Kenner des stufenweisen Yoga; darauf [saß] er, das Gesicht nach Osten gewandt, der Kundige, an jenem von der Sonne erleuchteten [Ort].

Wort für Wort
pādāt prabhṛti gātreṣu krameṇa
von den Füßen angefangen, der Reihe nach durch die Glieder
kramayogavit
der Kenner des stufenweisen Yoga
tataḥ sa prāṅmukhaḥ vidvān
darauf er, das Gesicht nach Osten gewandt, der Kundige
ādityena virocite
an dem von der Sonne erleuchteten [Ort]

pāṇipādaṃ samādhāya vinītavadupāviśat / na tatra pakṣisaṃghāto na śabdo na ca darśanam

Nachdem er Hände und Füße [in rechter Haltung] zusammengelegt hatte, setzte er sich nieder wie ein Gedemütigter; dort gab es weder eine Ansammlung von Vögeln noch Laut noch [sonstiges] Sichtbarwerden.

Wort für Wort
pāṇipādaṃ samādhāya
nachdem er Hände und Füße zusammengelegt hatte
vinītavat upāviśat
setzte er sich nieder wie ein Gedemütigter
na tatra pakṣisaṃghātaḥ
dort [gab es] keine Ansammlung von Vögeln
na śabdo na ca darśanam
keinen Laut und kein Sichtbarwerden

yatra vaiyāsakirddhāmni yoktuṃ samupacakrame / sa dadarśa tadātmānaṃ sarvasaṃgaviniḥsṛtaḥ

Dort, wo sich der Sohn des Vyāsa an jener leuchtenden Stätte anschickte, sich [in Yoga] zu verbinden, da erblickte er sein [wahres] Selbst, nunmehr frei von aller Anhaftung.

Wort für Wort
yatra vaiyāsakiḥ dhāmni
dort, wo der Sohn des Vyāsa an [jener] Stätte
yoktuṃ samupacakrame
sich anschickte, sich [im Yoga] zu verbinden
sa dadarśa tadā ātmānaṃ
da erblickte er sein Selbst
sarvasaṃgaviniḥsṛtaḥ
frei von aller Anhaftung

prajahāsa tato hāsaṃ śukaḥ samprekṣya bhāskaram / sa punaryogamāsthāya mokṣamārgopalabdhaye

Da lachte Śuka ein Lachen, als er die Sonne erblickte; und er wandte sich wiederum dem Yoga zu, um den Weg der Erlösung zu erlangen.

Wort für Wort
prajahāsa tataḥ hāsaṃ śukaḥ
da lachte Śuka ein Lachen
samprekṣya bhāskaram
als er die Sonne erblickte
sa punaḥ yogam āsthāya
und er wandte sich wiederum dem Yoga zu
mokṣamārgopalabdhaye
um den Weg der Erlösung zu erlangen

mahāyogīśvaro bhūtvā so 'tyakrāmadvihāyasam / antarīkṣacaraḥ śrīmānvyāsaputraḥ suniścitaḥ

Nachdem er ein großer Herrscher der Yogins geworden war, überstieg er den Luftraum; der glanzvolle, wohlentschlossene Sohn des Vyāsa wandelte im Luftraum dahin.

Wort für Wort
mahāyogīśvaraḥ bhūtvā
nachdem er ein großer Herrscher der Yogins geworden war
saḥ atyakrāmat vihāyasam
überstieg er den Luftraum
antarīkṣacaraḥ śrīmān vyāsaputraḥ suniścitaḥ
der im Luftraum wandelnde, glanzvolle, wohlentschlossene Sohn des Vyāsa

tamundyantaṃ dvijaśreṣṭhaṃ vainateyasamadyutim / dadṛśuḥ sarvabhūtāni manomārutaraṃhasam

Ihn, den emporsteigenden Besten der Zweifachgeborenen, an Glanz dem Sohn der Vinatā gleich, von der Geschwindigkeit des Geistes und des Windes — ihn sahen alle Wesen.

Wort für Wort
tam undyantaṃ dvijaśreṣṭhaṃ
ihn, den emporsteigenden Besten der Zweifachgeborenen
vainateyasamadyutim
an Glanz dem Sohn der Vinatā (Garuḍa) gleich
manomārutaraṃhasam
von der Geschwindigkeit des Geistes und des Windes
dadṛśuḥ sarvabhūtāni
sahen alle Wesen

yathāśakti yathānyāyaṃ pūjayāñcakrire tathā / puṣpa varṣaiśca divyaistamavacakrurdivaukasaḥ

Nach Vermögen und nach Gebühr verehrten sie ihn ebenso; und mit göttlichen Blütenregen überschütteten ihn die Himmelsbewohner.

Wort für Wort
yathāśakti yathānyāyaṃ
nach Vermögen, nach Gebühr
pūjayāñcakrire tathā
verehrten sie ihn ebenso
puṣpavarṣaiḥ ca divyaiḥ
und mit göttlichen Blütenregen
tam avacakruḥ divaukasaḥ
überschütteten ihn die Himmelsbewohner

taṃ dṛṣṭvā vismitāḥ sarve gandharvāpsarasāṃ gaṇāḥ / ṛṣayaścaiva saṃsiddhāḥ ko 'yaṃ siddhimupāgataḥ

Beim Anblick von ihm waren erstaunt alle Scharen der Gandharvas und Apsaras und auch die vollendeten Seher: „Wer ist dieser, der zur Vollendung gelangt ist?“

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā vismitāḥ sarve
beim Anblick von ihm erstaunt alle
gandharvāpsarasāṃ gaṇāḥ
die Scharen der Gandharvas und Apsaras
ṛṣayaḥ ca eva saṃsiddhāḥ
und auch die vollendeten Seher
kaḥ ayaṃ siddhim upāgataḥ
wer ist dieser, der zur Vollendung gelangt ist

tato 'sau svāhrayaṃ tebhyaḥ kathayāmāsa nārada / uvāca ca mahātejāstānṛṣīnsaṃpraharṣitaḥ

Da nannte er, o Nārada, ihnen seinen eigenen Namen; und der Hochglänzende sprach hocherfreut zu jenen Sehern.

Wort für Wort
tataḥ asau svāhvayaṃ tebhyaḥ
da [nannte] er ihnen seinen eigenen Namen
kathayāmāsa nārada
verkündete er, o Nārada
uvāca ca mahātejāḥ
und der Hochglänzende sprach
tān ṛṣīn saṃpraharṣitaḥ
hocherfreut zu jenen Sehern

pitā yadyanugacchenmāṃ krośamānaḥ śuketi vai / tasmai prativacodeyaṃ bhavadbhistu samāhitaiḥ

„Wenn mein Vater mir folgen sollte, rufend ‚Śuka!‘, so möge ihm von euch, den Gesammelten, eine Antwort gegeben werden.“

Wort für Wort
pitā yadi anugacchet māṃ
wenn der Vater mir folgen sollte
krośamānaḥ śuka iti vai
rufend ‚Śuka!‘
tasmai prativacaḥ deyaṃ
ihm soll eine Antwort gegeben werden
bhavadbhiḥ tu samāhitaiḥ
von euch, den Gesammelten

bāḍhamuktastatastaistu lokānhitvā caturvidhān / tamo hyaṣṭavidhaṃ tyaktvā jahau pañcavidhaṃ rajaḥ

Mit dem Wort „gewiss!“ von ihnen entlassen, verließ er darauf die vierfachen Welten; nachdem er das achtfache tamas aufgegeben hatte, gab er auch das fünffache rajas auf.

Wort für Wort
bāḍham uktaḥ tataḥ taiḥ tu
mit ‚gewiss!‘ von ihnen darauf entlassen
lokān hitvā caturvidhān
nachdem er die vierfachen Welten verlassen hatte
tamaḥ hi aṣṭavidhaṃ tyaktvā
nachdem er das achtfache tamas aufgegeben hatte
jahau pañcavidhaṃ rajaḥ
gab er das fünffache rajas auf

tataḥ satvaṃ jahau dhīmāṃstadadbhutamivābhavat / tatastasminpade nitye nirguṇe liṅgapūjite

Dann gab der Weise auch das sattva auf; das erschien wie ein Wunder; darauf [gelangte er] zu jenem ewigen, eigenschaftslosen Zustand, der durch das [feinstoffliche] Kennzeichen verehrt wird.

Wort für Wort
tataḥ satvaṃ jahau dhīmān
dann gab der Weise das sattva auf
tat adbhutam iva abhavat
das erschien wie ein Wunder
tataḥ tasmin pade nitye nirguṇe
darauf zu jenem ewigen, eigenschaftslosen Zustand
liṅgapūjite
der durch das (feinstoffliche) Kennzeichen verehrt wird [?]

[?] 'liṅgapūjite' unsicher gedeutet als 'durch das (subtile) Kennzeichen/den Leib verehrt'.

tataḥ sa śṛṅge 'pratime himavanmerusannibhe / saṃśliṣṭe śvetapīte ca rukmarūpyamaye śubhe

Dann [gelangte er] zu jenem unvergleichlichen, dem Himavat und Meru gleichenden Doppelgipfel, eng verbunden, weiß und gelb, aus Gold und Silber bestehend, herrlich.

Wort für Wort
tataḥ sa śṛṅge apratime
dann zu jenem unvergleichlichen Gipfel
himavanmerusannibhe
dem Himavat und Meru gleichend
saṃśliṣṭe śvetapīte ca
eng verbunden, weiß und gelb
rukmarūpyamaye śubhe
aus Gold und Silber bestehend, herrlich

śatayojanavistāre tiryāgūrddhca nārada / so 'viśaṅkena manasā tathaivābhyapatacchukaḥ

Der sich über hundert Yojanas in Breite und Höhe erstreckt, o Nārada — mit unbeirrtem Geist stürzte sich Śuka ebenso darauf.

Wort für Wort
śatayojanavistāre tiryāk ūrdhvaṃ ca nārada
der sich in Breite und Höhe über hundert Yojanas erstreckt, o Nārada
saḥ aviśaṅkena manasā
er, mit unbeirrtem Geist
tathā eva abhyapatat śukaḥ
stürzte Śuka ebenso darauf

te śṛṅge 'tyantasaṃśliṣṭe sahasaiva dvidhākṛte / adṛśyetāṃ dvijaśreṣṭha tadadbhutamivābhavat

Jene beiden aufs Äußerste eng verbundenen Gipfel wurden plötzlich in zwei geteilt; sie wurden sichtbar [als getrennte], o Bester der Zweifachgeborenen — das erschien wie ein Wunder.

Wort für Wort
te śṛṅge atyantasaṃśliṣṭe
jene beiden aufs Äußerste eng verbundenen Gipfel
sahasā eva dvidhākṛte
wurden plötzlich zweigeteilt
adṛśyetāṃ dvijaśreṣṭha
wurden sichtbar, o Bester der Zweifachgeborenen
tat adbhutam iva abhavat
das erschien wie ein Wunder

tataḥ parvataśṛṅgābhyāṃ sahasaiva viniḥsṛtaḥ / na ca pratijaghānāsya sa gatiṃ parvatottamaḥ

Dann brach er sogleich aus den beiden Bergspitzen hervor; und jener höchste Berg hemmte nicht seinen Gang.

Wort für Wort
tataḥ parvataśṛṅgābhyāṃ sahasā eva viniḥsṛtaḥ
dann brach er sogleich aus den beiden Bergspitzen hervor
na ca pratijaghāna asya gatiṃ
und hemmte nicht seinen Gang
sa parvatottamaḥ
jener höchste Berg

tato mandākinīṃ divyā mupariṣṭādabhivrajan / śuko dadarśa dharmātmā puṣpitadrumakānanam

Darauf, über die göttliche Mandākinī von oben hinwegziehend, erblickte der fromme Śuka einen Wald blühender Bäume.

Wort für Wort
tataḥ mandākinīṃ divyām
darauf, über die göttliche Mandākinī
upariṣṭāt abhivrajan
von oben hinwegziehend
śukaḥ dadarśa dharmātmā
erblickte der fromme Śuka
puṣpitadrumakānanam
einen Wald blühender Bäume

tasyāṃ krīḍāsu niratāḥ snānti caivāpsarogaṇāḥ / nirākāraṃ tu sākārādadṛśustaṃ vivāsasaḥ

In ihr, dem Spiel hingegeben, badeten Scharen von Apsaras; sie, die Unbekleideten, erblickten ihn, den [obgleich] Gestalthabenden, gleichwohl als Gestaltlosen [und empfanden daher keine Scham vor ihm].

Wort für Wort
tasyāṃ krīḍāsu niratāḥ
in ihr, dem Spiel hingegeben
snānti ca eva apsarogaṇāḥ
badeten die Scharen von Apsaras
nirākāraṃ tu sākārāt
als Gestaltlosen, [obgleich er] Gestalt [hatte]
adṛśuḥ taṃ vivāsasaḥ
erblickten ihn die Unbekleideten

[?] 'nirākāraṃ tu sākārāt' frei gedeutet: Śuka wurde von den badenden Apsaras trotz seiner Körperlichkeit als 'formlos', d.h. jenseits geschlechtlicher Wahrnehmung, erlebt (Anspielung auf die bekannte Episode, in der die Apsaras sich vor Śuka nicht verhüllen, wohl aber später vor Vyāsa).

taṃ prakramantamājñāya pitā snehasamanvitaḥ / uttamāṃ gatimāsthāya pṛṣṭato 'nusasāra ha

Als der Vater erkannte, dass er fortzog, verfolgte er ihn, von Liebe erfüllt, indem er sich auf den höchsten [eigenen Yoga-]Gang begab, von hinten.

Wort für Wort
taṃ prakramantam ājñāya
als er erkannte, dass er fortzog
pitā snehasamanvitaḥ
der Vater, von Liebe erfüllt
uttamāṃ gatim āsthāya
indem er sich auf den höchsten Gang begab
pṛṣṭhataḥ anusasāra ha
verfolgte er ihn von hinten

śukastu mārutādūrddhvaṃ gatiṃ kṛtvāṃ tarikṣagām / darśayitvā prabhāvaṃ svaṃ sarvabhūto 'bhavattadā

Śuka aber, nachdem er einen Gang oberhalb des Windes, durch den Luftraum, vollzogen hatte, wurde da, nachdem er seine eigene Macht gezeigt hatte, zum Allwesen.

Wort für Wort
śukaḥ tu mārutāt ūrdhvaṃ
Śuka aber, oberhalb des Windes
gatiṃ kṛtvā antarikṣagām
nachdem er einen Gang durch den Luftraum vollzogen hatte
darśayitvā prabhāvaṃ svaṃ
nachdem er seine eigene Macht gezeigt hatte
sarvabhūtaḥ abhavat tadā
wurde er da zum Allwesen

atha yogagatiṃ vyāsaḥ samāsthāya mahātapāḥ / nimeṣāntaramātreṇa śukābhipatanaṃ yayau

Da gelangte Vyāsa, von großer Askese, indem er sich dem Yoga-Gang widmete, binnen eines bloßen Augenblicks zu der Stelle von Śukas Aufflug.

Wort für Wort
atha yogagatiṃ vyāsaḥ samāsthāya
da, indem sich Vyāsa dem Yoga-Gang widmete
mahātapāḥ
von großer Askese
nimeṣāntaramātreṇa
binnen eines bloßen Augenblicks
śukābhipatanaṃ yayau
gelangte er zur Stelle von Śukas Aufflug

sa dadarśa dvidhā kṛtvā parvatāgraṃ gataṃ śukam / śaśaṃsurmunayaḥ siddhā gatiṃ tasmai sutasya tām

Er sah, dass Śuka, nachdem er den Berggipfel gespalten hatte, [hindurch]gegangen war; die vollendeten Muni verkündeten ihm jenen Weg des Sohnes.

Wort für Wort
sa dadarśa dvidhā kṛtvā
er sah, [wie Śuka] gespalten hatte
parvatāgraṃ gataṃ śukam
und durch den Berggipfel gegangen war
śaśaṃsuḥ munayaḥ siddhāḥ
die vollendeten Muni verkündeten
gatiṃ tasmai sutasya tām
ihm jenen Weg des Sohnes

tataḥ śuketiśabdena dīrgheṇa kranditaṃ tadāḥ / svayaṃ pitrā svareṇoñcaistrīṃllokānanunādya vai

Da erscholl das langgezogene Rufen ‚Śuka!‘; der Vater selbst ließ mit lauter Stimme die drei Welten widerhallen.

Wort für Wort
tataḥ śuka iti śabdena dīrgheṇa
da mit dem langgezogenen Laut ‚Śuka!‘
kranditaṃ tadā
wurde da gerufen
svayaṃ pitrā svareṇa uñcaiḥ
vom Vater selbst mit lauter Stimme
trīn lokān anunādya vai
die drei Welten widerhallen lassend

śukaḥ sarvagatirbhūtvā sarvātmā sarvatomukhaḥ / pratyabhāṣata dharmātmā bhoḥ śabdenānunādayan

Śuka, der zum Alldurchdringenden, zum All-Selbst, zum Allseitig-Gewandten geworden war, antwortete, der Fromme, indem er mit dem Laut ‚Bhoḥ!‘ widerhallen ließ.

Wort für Wort
śukaḥ sarvagatiḥ bhūtvā
Śuka, nachdem er zum Alldurchdringenden geworden war
sarvātmā sarvatomukhaḥ
zum All-Selbst, zum Allseitig-Gewandten
pratyabhāṣata dharmātmā
antwortete der Fromme
bhoḥ śabdena anunādayan
indem er mit dem Laut ‚Bhoḥ!‘ widerhallen ließ

tata ekākṣaraṃ nādaṃ bhorityevamudīrayan / pratyāharajjagatsarvamuñcaiḥ sthāvarajaṅgamam

Darauf, den einsilbigen Klang ‚Bhoḥ!‘ so aussprechend, ließ er die gesamte Welt, das Unbewegliche und Bewegliche, mit lautem [Widerhall] erwidern.

Wort für Wort
tataḥ ekākṣaraṃ nādaṃ
darauf den einsilbigen Klang
bhoḥ iti evam udīrayan
so ‚Bhoḥ!‘ aussprechend
pratyāharat jagat sarvam uñcaiḥ
ließ er die gesamte Welt laut widerhallen
sthāvarajaṅgamam
das Unbewegliche und Bewegliche

tataḥ prabhṛti vādyāpi śabdānuñcāritānpṛthak / girigahvarapṛṣṭeṣu vyājahāra śukaṃ prati

Seither, bis heute, erschallen einzeln jene laut ausgesprochenen Laute — auf den Bergrücken und in den Bergschluchten — bezogen auf Śuka [als Widerhall].

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti vā adya api
seither, bis heute
śabdān uñcāritān pṛthak
die einzeln laut ausgesprochenen Laute
girigahvarapṛṣṭeṣu
auf Bergrücken und in Bergschluchten
vyājahāra śukaṃ prati
erschallen sie, auf Śuka bezogen [?]

[?] Subjekt von 'vyājahāra' im Quelltext nicht eindeutig (vermutlich unpersönlich/das Echo selbst); Vers als ätiologische Erklärung des Bergechos gedeutet.

antarhitaprabhāvaṃ taṃ darśayitvā śukastadā / guṇānsaṃtyajya sattvādīnpadamadhyagamatparam

Nachdem Śuka da seine verborgene Macht offenbart hatte, gab er die Erscheinungsweisen, angefangen mit sattva, auf und gelangte zum höchsten Zustand.

Wort für Wort
antarhitaprabhāvaṃ taṃ darśayitvā
nachdem er jene verborgene Macht gezeigt hatte
śukaḥ tadā
Śuka da
guṇān saṃtyajya sattvādīn
die Erscheinungsweisen, angefangen mit sattva, aufgebend
padam adhyagamat param
gelangte er zum höchsten Zustand

mahimānaṃ tu taṃ dṛṣṭvā putrasyāmitatejasaḥ / so 'nunīto bhagavatā vyāso rudreṇa nārada

Als er aber jene Herrlichkeit des Sohnes von unermesslichem Glanz gesehen hatte, wurde Vyāsa vom erhabenen Rudra besänftigt, o Nārada.

Wort für Wort
mahimānaṃ tu taṃ dṛṣṭvā
als er aber jene Herrlichkeit gesehen hatte
putrasya amitatejasaḥ
des Sohnes von unermesslichem Glanz
saḥ anunītaḥ bhagavatā rudreṇa
wurde er vom erhabenen Rudra besänftigt
vyāsaḥ nārada
Vyāsa, o Nārada

kimu tvaṃ tāmyasi mune putraṃ prati samākulaḥ / paśyasi vipra nāyāntaṃ brahmabhūtaṃ nijāntire

„Warum bist du bekümmert, o Muni, in Aufruhr wegen deines Sohnes? Siehst du nicht, o Brahmane, wie er, zum Brahman geworden, in dein eigenes Inneres eingeht?“

Wort für Wort
kim u tvaṃ tāmyasi mune
warum bist du bekümmert, o Muni
putraṃ prati samākulaḥ
wegen des Sohnes in Aufruhr
paśyasi vipra na āyāntaṃ
siehst du nicht, o Brahmane, den Eintretenden
brahmabhūtaṃ nijāntire
der, zum Brahman geworden, in dein eigenes Inneres [eingeht]

ityevamanunīto 'sau vyāsaḥ punaruprāvrajat / śvāśramaṃ sa śuko brahmabhūto lokāṃścacāra ha

So besänftigt, kehrte jener Vyāsa wieder in seinen Āśrama zurück; jener Śuka aber, zum Brahman geworden, durchwanderte die Welten.

Wort für Wort
iti evam anunītaḥ asau vyāsaḥ
so besänftigt kehrte jener Vyāsa
punaḥ upāvrajat svāśramaṃ
wieder in seinen eigenen Āśrama zurück
sa śukaḥ brahmabhūtaḥ
jener Śuka, zum Brahman geworden
lokān cacāra ha
durchwanderte die Welten

tata kālāntare brahmanvyāsaḥ satyavatīsutaḥ / naranārāyaṇau draṣṭuṃ yayau badarikāśramam

Danach, nach einiger Zeit, o Brahmane, begab sich Vyāsa, der Sohn der Satyavatī, zum Badarikāśrama, um Nara und Nārāyaṇa zu schauen.

Wort für Wort
tataḥ kālāntare brahman
danach, nach einiger Zeit, o Brahmane
vyāsaḥ satyavatīsutaḥ
Vyāsa, der Sohn der Satyavatī
naranārāyaṇau draṣṭuṃ
um Nara und Nārāyaṇa zu schauen
yayau badarikāśramam
begab sich zum Badarikāśrama

tatra dṛṣṭvā tu tau devau tapyamāno mahattapaḥ / svayaṃ ca tatra tapasi sthitaḥ śukamanusmaran

Dort, nachdem er jene beiden Götter geschaut hatte, große Askese übend, verharrte er selbst dort in Askese, sich stets Śukas erinnernd.

Wort für Wort
tatra dṛṣṭvā tu tau devau
dort, nachdem er jene beiden Götter geschaut hatte
tapyamānaḥ mahattapaḥ
große Askese übend
svayaṃ ca tatra tapasi sthitaḥ
verharrte er selbst dort in Askese
śukam anusmaran
sich stets Śukas erinnernd

yāvattatra sthito vyāsaḥ śukaḥ paramayogavit / śvetadvīpaṃ gatastāta yatra tvamagamaḥ purā

Während Vyāsa dort verweilte, war Śuka, der höchste Kenner des Yoga, o Lieber, zur Śvetadvīpa gegangen, wohin auch du einst gegangen bist.

Wort für Wort
yāvat tatra sthitaḥ vyāsaḥ
während Vyāsa dort verweilte
śukaḥ paramayogavit
war Śuka, der höchste Kenner des Yoga
śvetadvīpaṃ gataḥ tāta
zur Śvetadvīpa gegangen, o Lieber
yatra tvam agamaḥ purā
wohin auch du einst gegangen bist

tatra dṛṣṭaprabhāvastu śrīmānnārāyaṇaḥ prabhuḥ / dṛṣṭaḥ śrutivimṛgyo hi devadevo janārdanaḥ

Dort wurde der glanzvolle Herr Nārāyaṇa, dessen Macht geschaut ward, gesehen — er, den die Veden suchen, der Gott der Götter, Janārdana.

Wort für Wort
tatra dṛṣṭaprabhāvaḥ tu
dort, dessen Macht geschaut ward
śrīmān nārāyaṇaḥ prabhuḥ
der glanzvolle Herr Nārāyaṇa
dṛṣṭaḥ śrutivimṛgyaḥ hi
wurde gesehen, er, den die Veden suchen
devadevaḥ janārdanaḥ
der Gott der Götter, Janārdana

stutaśca śukadevena prasannaḥ prāha nārada / śrībhagavānuvāca tvayā dṛṣṭo 'smi yogīndra sarvadevarahaḥsthitaḥ

Und von Śukadeva gepriesen, sprach er wohlgeneigt, o Nārada. Der erhabene Herr sprach: „Von dir bin ich gesehen worden, o Herrscher der Yogins, der ich im Geheimen aller Götter weile.“

Wort für Wort
stutaḥ ca śukadevena
und von Śukadeva gepriesen
prasannaḥ prāha nārada
sprach er wohlgeneigt, o Nārada
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
tvayā dṛṣṭaḥ asmi yogīndra
von dir bin ich gesehen worden, o Herrscher der Yogins
sarvadevarahaḥsthitaḥ
der ich im Geheimen aller Götter weile

sanatkumārādiṣṭena siddho yogena vāḍava / tvaṃ sadāgatimārgastho lokānpaśya yathecchayā

„Durch den von Sanatkumāra gelehrten Yoga vollendet, o Sohn eines Brahmanen, stehst du stets auf dem Pfad des [freien] Gehens; betrachte die Welten nach Belieben.“

Wort für Wort
sanatkumārādiṣṭena yogena siddhaḥ
durch den von Sanatkumāra gelehrten Yoga vollendet
vāḍava
o Sohn eines Brahmanen
tvaṃ sadā agatimārgasthaḥ
du stehst stets auf dem Pfad des [freien] Gehens
lokān paśya yathecchayā
betrachte die Welten nach Belieben

ityukto vāsudevena taṃ natvāraṇisaṃbhavaḥ / vaikuṇṭhaṃ prayayau vipra sarvalokanamaskṛtam

So von Vāsudeva angesprochen, verneigte sich der aus Araṇi Entsprossene (Śuka) vor ihm und begab sich nach Vaikuṇṭha, o Brahmane, das von allen Welten verehrt wird.

Wort für Wort
iti uktaḥ vāsudevena
so von Vāsudeva angesprochen
taṃ natvā āraṇisaṃbhavaḥ
verneigte sich der aus Araṇi Entsprossene (Śuka) vor ihm
vaikuṇṭhaṃ prayayau vipra
begab sich nach Vaikuṇṭha, o Brahmane
sarvalokanamaskṛtam
das von allen Welten verehrt wird

vaimānikaiḥ surairjuṣṭaṃ virajāpariceṣṭitam / yaṃ bhāntamanubhāntyete lokāḥ sarve 'pi nārada

[Vaikuṇṭha], das von den in Flugwagen [reisenden] Göttern besucht wird, das von [der Flussgöttin] Virajā umgeben ist — dem [Leuchtenden] leuchten, wenn es strahlt, alle diese Welten nach, o Nārada.

Wort für Wort
vaimānikaiḥ suraiḥ juṣṭaṃ
von den in Flugwagen [reisenden] Göttern besucht
virajāpariceṣṭitam
von Virajā umgeben [?]
yaṃ bhāntam anubhānti ete
dem, wenn es strahlt, diese nachleuchten
lokāḥ sarve api nārada
alle Welten, o Nārada

[?] 'virajāpariceṣṭitam' unsicher gedeutet als 'von [der Flussgöttin] Virajā umgeben/durchzogen'.

yatra vidumasopānāḥ svarṇaratnavicitritāḥ / vāpya utpalaṃsaṃchannāḥ surastrīkrīḍanākulāḥ

Wo es Treppenstufen aus Korallen gibt, bunt geschmückt mit Gold und Edelsteinen, und Teiche, bedeckt mit Lotosblumen, erfüllt vom Spiel der Götterfrauen,

Wort für Wort
yatra vidruma sopānāḥ
wo Treppenstufen aus Korallen [sind]
svarṇaratnavicitritāḥ
bunt geschmückt mit Gold und Edelsteinen
vāpyaḥ utpalasaṃchannāḥ
Teiche, bedeckt mit Lotosblumen
surastrīkrīḍanākulāḥ
erfüllt vom Spiel der Götterfrauen

divyairhaṃsakulairghuṣṭāḥ svacchāṃbunibhṛtāḥ sadā / tatra dvāḥsthaiścaturhastenārnābharaṇabhūṣitaiḥ

— die von göttlichen Scharen von Schwänen umtönt, stets mit klarem Wasser gefüllt sind; dort, von den vierarmigen Torwächtern, geschmückt mit strahlendem Schmuck [begrüßt],

Wort für Wort
divyaiḥ haṃsakulaiḥ ghuṣṭāḥ
von göttlichen Scharen von Schwänen umtönt
svacchāṃbunibhṛtāḥ sadā
stets mit klarem Wasser gefüllt
tatra dvāḥsthaiḥ caturhastena
dort, von den vierarmigen Torwächtern
arṇābharaṇabhūṣitaiḥ
geschmückt mit strahlendem Schmuck [?]

[?] 'caturhastenārnābharaṇabhūṣitaiḥ' unsicher; 'ārṇa-' vermutlich Verschreibung für 'ratna-' o.ä. ('juwelenbesetzt') — sinngemäß als 'strahlender Schmuck' wiedergegeben.

viṣvaksenānugaiḥ siddhaiḥ kumudādyairavā ritaḥ / praviśyābhyāntaraṃ tatra devadevaṃ caturbhujam

— umgeben von den vollendeten Gefolgsleuten Viṣvaksenas, angefangen mit Kumuda — [betrat Śuka jenes Vaikuṇṭha]; nachdem er dort ins Innere eingetreten war, [erblickte er] den vierarmigen Gott der Götter,

Wort für Wort
viṣvaksenānugaiḥ siddhaiḥ
von den vollendeten Gefolgsleuten Viṣvaksenas
kumudādyaiḥ āvṛtaḥ
umgeben, angefangen mit Kumuda [?]
praviśya abhyāntaraṃ tatra
nachdem er dort ins Innere eingetreten war
devadevaṃ caturbhujam
den vierarmigen Gott der Götter

[?] 'avā ritaḥ' im Quelltext mit Lücke überliefert; als 'āvṛtaḥ' ('umgeben') gedeutet.

śāntaṃ prasannavadanaṃ pītakauśeyavāsasam / śaṅkhacakragadāpadmairmūrtimadbhirupāsitam

— den Friedvollen, mit heiterem Antlitz, in gelbe Seidengewänder gekleidet, umdient von den personifizierten [Insignien] Muschel, Diskus, Keule und Lotos,

Wort für Wort
śāntaṃ prasannavadanaṃ
den Friedvollen, mit heiterem Antlitz
pītakauśeyavāsasam
in gelbe Seidengewänder gekleidet
śaṅkhacakragadāpadmaiḥ
von Muschel, Diskus, Keule und Lotos
mūrtimadbhiḥ upāsitam
personifiziert, umdient

vakṣasthalasthayā lakṣmyā kaustubhena virājitam / kaṭīsūtrabrahmasūtrakaṭakāṅgadabhūṣitam

— erstrahlend durch die auf seiner Brust weilende Lakṣmī und durch den Kaustubha-Edelstein, geschmückt mit Hüftgürtel, heiliger Schnur, Armreifen und Oberarmspangen,

Wort für Wort
vakṣasthalasthayā lakṣmyā
durch die auf der Brust weilende Lakṣmī
kaustubhena virājitam
erstrahlend durch den Kaustubha-Edelstein
kaṭīsūtrabrahmasūtra-
mit Hüftgürtel, heiliger Schnur
kaṭakāṅgadabhūṣitam
Armreifen und Oberarmspangen geschmückt

bhrājatkirīṭavalayaṃ maṇinūpuraśobhitam / dadarśa siddhani karaiḥ sevyamānamaharniśam

— dessen Diadem und Armreifen erstrahlten, geschmückt mit juwelenbesetzten Fußreifen — so erblickte er ihn, Tag und Nacht bedient von Scharen der Vollendeten.

Wort für Wort
bhrājatkirīṭavalayaṃ
dessen Diadem und Armreifen erstrahlten
maṇinūpuraśobhitam
geschmückt mit juwelenbesetzten Fußreifen
dadarśa siddhanikaraiḥ
so erblickte er ihn, von Scharen der Vollendeten [?]
sevyamānam ahar niśam
Tag und Nacht bedient

[?] 'siddhani karaiḥ' vermutlich verschrieben für 'siddhanikaraiḥ' ('von Scharen der Vollendeten').

taṃ dṛṣṭvā bhaktibhāvena tuṣṭāva madhusūdanam / śuka uvāca namaste vāsudevāya sarvalokaikasākṣiṇe

Als er ihn erblickte, pries er, von hingebungsvoller Gesinnung erfüllt, den Madhusūdana. Śuka sprach: Verehrung sei dir, Vāsudeva, dem alleinigen Zeugen aller Welten!

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā bhaktibhāvena
als er ihn erblickte, von hingebungsvoller Gesinnung erfüllt
tuṣṭāva madhusūdanam
pries er den Madhusūdana
śuka uvāca
Śuka sprach
namaste vāsudevāya
Verehrung sei dir, Vāsudeva
sarvalokaikasākṣiṇe
dem alleinigen Zeugen aller Welten

jagadbījasvarūpāya pūrṇāya nibhṛtātmane / haraye vāsukisthāya śvetadvīpanivāsine

Dem, dessen Wesen der Same der Welt ist, dem Vollkommenen, dem in sich selbst Ruhenden, dem Hari, dem auf Vāsuki Ruhenden, dem Bewohner der Śvetadvīpa!

Wort für Wort
jagadbījasvarūpāya
dem, dessen Wesen der Same der Welt ist
pūrṇāya nibhṛtātmane
dem Vollkommenen, dem in sich selbst Ruhenden
haraye vāsukisthāya
dem Hari, dem auf Vāsuki Ruhenden
śvetadvīpanivāsine
dem Bewohner der Śvetadvīpa

haṃsāya matsyarūpāya vārāhatanudhāriṇe / nṛsiṃhāya dhruvejyāya sāṃkhyayogeśvarāya ca

Dem Haṃsa, dem in Fischgestalt, dem den Eberleib Tragenden, dem Nṛsiṃha, dem von Dhruva Verehrten und dem Herrn von Sāṃkhya und Yoga!

Wort für Wort
haṃsāya matsyarūpāya
dem Haṃsa, dem in Fischgestalt
vārāhatanudhāriṇe
dem den Eberleib Tragenden
nṛsiṃhāya dhruvejyāya
dem Nṛsiṃha, dem von Dhruva Verehrten
sāṃkhyayogeśvarāya ca
und dem Herrn von Sāṃkhya und Yoga

catuḥsanāya kūrmāya pṛthave svasuravātmane / nābheyāya jagaddhātre vidhātreṃ'takāraya ca

Dem [als] die vier Sanas [Erschienenen], dem Kūrma, dem Pṛthu, [dem, dessen Wesen die eigenen Götter sind], dem aus dem Nabel [Brahmā hervorbringenden Viṣṇu], dem Erhalter der Welt, dem Schöpfer und zugleich dem Beender!

Wort für Wort
catuḥsanāya kūrmāya
dem [als] die vier Sanas, dem Kūrma
pṛthave svasuravātmane
dem Pṛthu, dem [?]
nābheyāya jagaddhātre
dem aus dem Nabel [Hervorbringenden], dem Erhalter der Welt
vidhātre antakāraya ca
dem Schöpfer und dem Beender

[?] 'svasuravātmane' unklar überliefert, sinngemäß mit 'dessen Wesen die eigenen Götter sind' wiedergegeben.

bhārgavendrāya rāmāya rāghavāya parāya ca / kṛṣṇāya vedakartre ca buddhakalkisvarūpiṇe

Dem Herrn der Bhārgavas, dem Rāma, dem Rāghava, dem Höchsten, dem Kṛṣṇa, dem Schöpfer der Veden, und dem, dessen Wesen Buddha und Kalki sind!

Wort für Wort
bhārgavendrāya rāmāya
dem Herrn der Bhārgavas, dem Rāma
rāghavāya parāya ca
dem Rāghava und dem Höchsten
kṛṣṇāya vedakartre ca
dem Kṛṣṇa und dem Schöpfer der Veden
buddhakalkisvarūpiṇe
dem, dessen Wesen Buddha und Kalki sind

caturvyuhāya vedyāya dhyeyāya paramātmane / naranārāyaṇākhyāya śiṣiviṣṭāya viṣṇave

Dem in vier Vyūhas [Erscheinenden], dem Erkennbaren, dem zu Meditierenden, dem höchsten Selbst, dem als Nara und Nārāyaṇa Benannten, dem in [alle Geschöpfe] Eingegangenen, dem Viṣṇu!

Wort für Wort
caturvyuhāya vedyāya
dem in vier Vyūhas [Erscheinenden], dem Erkennbaren
dhyeyāya paramātmane
dem zu Meditierenden, dem höchsten Selbst
naranārāyaṇākhyāya
dem als Nara und Nārāyaṇa Benannten
śiśuviṣṭāya viṣṇave
dem [in die Geschöpfe] Eingegangenen [?], dem Viṣṇu

[?] 'śiṣiviṣṭāya' unsicher; sinngemäß als 'dem in (die Geschöpfe) Eingegangenen' gedeutet.

ṛtadhāmne vidhāmne ca suparṇāya svarociṣe / ṛbhave suvratākhyāya sudhāmne cājitāya ca

Dem in der Stätte der Wahrheit [Wohnenden] und dem Vidhāman, dem Suparṇa, dem Selbstleuchtenden, dem Ṛbhu, dem als Suvrata Benannten, dem in der Stätte der Glückseligkeit [Wohnenden] und dem Unbesiegten!

Wort für Wort
ṛtadhāmne vidhāmne ca
dem in der Stätte der Wahrheit, und dem Vidhāman
suparṇāya svarociṣe
dem Suparṇa, dem Selbstleuchtenden
ṛbhave suvratākhyāya
dem Ṛbhu, dem als Suvrata Benannten
sudhāmne ca ajitāya ca
dem in der Stätte der Glückseligkeit, und dem Unbesiegten

viśvarūpāya viśvāya sṛṣṭisthityantakāriṇe / yajñāya yajñabhokte ca sthaviṣṭhāyāṇave 'rthine

Dem Allgestaltigen, dem All, dem Urheber von Schöpfung, Erhaltung und Untergang, dem Opfer, und dem Genießer des Opfers, dem Größten und dem Feinsten, dem [alle] Zwecke [Erfüllenden]!

Wort für Wort
viśvarūpāya viśvāya
dem Allgestaltigen, dem All
sṛṣṭisthityantakāriṇe
dem Urheber von Schöpfung, Erhaltung und Untergang
yajñāya yajñabhokte ca
dem Opfer und dem Genießer des Opfers
sthaviṣṭhāya aṇave arthine
dem Größten, dem Feinsten, dem [alle] Zwecke [Erfüllenden]

ādityasomanetrāya sahaojobalāya ca / ījyāya sākṣiṇe 'jāyabahuśīrṣāṅghribāhave

Dem, dessen Augen Sonne und Mond sind, dem [Quell von] Kraft, Glanz und Stärke, dem zu Opfernden, dem Zeugen, dem Ungeborenen, dem Vielhäuptigen, Vielfüßigen und Vielarmigen!

Wort für Wort
ādityasomanetrāya
dem, dessen Augen Sonne und Mond sind
sahaojobalāya ca
und dem [Quell von] Kraft, Glanz und Stärke
ījyāya sākṣiṇe ajāya
dem zu Opfernden, dem Zeugen, dem Ungeborenen
bahuśīrṣāṅghribāhave
dem Vielhäuptigen, Vielfüßigen und Vielarmigen

śrīśāya śrīnivāsāya bhaktavaśyāya śārṅgiṇe / aṣṭaprakṛtyadhīśāya brahmaṇe 'nantasaktaye

Dem Gemahl der Śrī, dem Wohnsitz der Śrī, dem den Hingebungsvollen Gehorchenden, dem Träger des Śārṅga-Bogens, dem Herrn der acht Urnaturen, dem Brahman, dem von unendlicher Kraft!

Wort für Wort
śrīśāya śrīnivāsāya
dem Gemahl der Śrī, dem Wohnsitz der Śrī
bhaktavaśyāya śārṅgiṇe
dem den Hingebungsvollen Gehorchenden, dem Träger des Śārṅga-Bogens
aṣṭaprakṛtyadhīśāya
dem Herrn der acht Urnaturen
brahmaṇe anantasaktaye
dem Brahman, dem von unendlicher Kraft

bṛhadāraṇyavedyāya hṛṣīkeśāya vedhase / puṇḍarīkanibhākṣāya kṣetrajñāya vibhāsine

Dem in der Bṛhadāraṇyaka[-Upaniṣad] zu Erkennenden, dem Hṛṣīkeśa, dem Schöpfer, dem, dessen Augen dem Lotos gleichen, dem Kṣetrajña, dem Erstrahlenden!

Wort für Wort
bṛhadāraṇyavedyāya
dem in der Bṛhadāraṇyaka[-Upaniṣad] zu Erkennenden
hṛṣīkeśāya vedhase
dem Hṛṣīkeśa, dem Schöpfer
puṇḍarīkanibhākṣāya
dem, dessen Augen dem Lotos gleichen
kṣetrajñāya vibhāsine
dem Kṣetrajña, dem Erstrahlenden

govindāya jagatkartre jagannāthāya yogine / satyāya satyasaṃdhāya vaikuṇṭhāyācyutāya ca

Dem Govinda, dem Schöpfer der Welt, dem Herrn der Welt, dem Yogin, dem Wahrhaftigen, dem an sein Wort Gebundenen, dem Vaikuṇṭha, und dem Unvergänglichen!

Wort für Wort
govindāya jagatkartre
dem Govinda, dem Schöpfer der Welt
jagannāthāya yogine
dem Herrn der Welt, dem Yogin
satyāya satyasaṃdhāya
dem Wahrhaftigen, dem an sein Wort Gebundenen
vaikuṇṭhāya acyutāya ca
dem Vaikuṇṭha, und dem Unvergänglichen

adhokṣajāya dharmāya vāmanāya tridhātave / ghṛtārciṣe viṣṇave te 'nantāya kapilāyaya ca

Dem Adhokṣaja, dem Dharma, dem Vāmana, dem Träger der drei [Welten], dem, dessen Flamme aus Schmalz [genährt wird], dir, dem Viṣṇu, dem Endlosen, und dem Kapila!

Wort für Wort
adhokṣajāya dharmāya
dem Adhokṣaja, dem Dharma
vāmanāya tridhātave
dem Vāmana, dem Träger der drei [Welten]
ghṛtārciṣe viṣṇave te
dem, dessen Flamme aus Schmalz genährt wird, dir, dem Viṣṇu
anantāya kapilāya ca
dem Endlosen, und dem Kapila

viriñcaye trikakude ṛgyajuḥsāmarūpiṇe / ekaśṛṅgāya ca śuciśravase śāstrayonaye

Dem Viriñca, dem Dreigipfligen, dem, dessen Wesen Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda sind, dem Einhörnigen und dem Reinhörigen, dem Ursprung der [heiligen] Lehren!

Wort für Wort
viriñcaye trikakude
dem Viriñca, dem Dreigipfligen
ṛgyajuḥsāmarūpiṇe
dem, dessen Wesen Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda sind
ekaśṛṅgāya ca śuciśravase
dem Einhörnigen und dem Reinhörigen
śāstrayonaye
dem Ursprung der Lehren

vṛṣākapaya ṛddhāya prabhave viśvakarmaṇe / bhūrbhuvuḥsvaḥsvarūpāya daityaghne nirguṇāya ca

Dem Vṛṣākapi, dem Gedeihenden, dem Herrn, dem Werkmeister des Alls, dem, dessen Wesen Bhūr, Bhuvaḥ und Svaḥ sind, dem Töter der Daityas, und dem Eigenschaftslosen!

Wort für Wort
vṛṣākapaye ṛddhāya
dem Vṛṣākapi, dem Gedeihenden
prabhave viśvakarmaṇe
dem Herrn, dem Werkmeister des Alls
bhūrbhuvuḥsvaḥsvarūpāya
dem, dessen Wesen Bhūr, Bhuvaḥ und Svaḥ sind
daityaghne nirguṇāya ca
dem Töter der Daityas, und dem Eigenschaftslosen

nirañjanāya nityāya hyavyayāyākṣarāya ca / namaste pāhi māmīśa śaraṇāgatavatsala

Dem Makellosen, dem Ewigen, dem Unvergänglichen und dem Unwandelbaren! Verehrung sei dir — schütze mich, o Herr, der du den zu dir Geflüchteten liebevoll zugetan bist!

Wort für Wort
nirañjanāya nityāya
dem Makellosen, dem Ewigen
hi avyayāya akṣarāya ca
und dem Unvergänglichen, dem Unwandelbaren
namaste pāhi mām īśa
Verehrung sei dir; schütze mich, o Herr
śaraṇāgatavatsala
der du den zu dir Geflüchteten liebevoll zugetan bist

iti stutaḥ sa bhagavāñcchaṅkhacakragadādharaḥ / āraṇeyamuvācedaṃ bhṛśaṃ praṇatavatsalaḥ

So gepriesen, sprach der erhabene Träger von Muschel, Diskus und Keule dies zum Sohn der Araṇi, er, der den sich Verneigenden über die Maßen liebevoll zugetan ist:

Wort für Wort
iti stutaḥ sa bhagavān
so gepriesen, der erhabene
śaṅkhacakragadādharaḥ
Träger von Muschel, Diskus und Keule
āraṇeyam uvāca idaṃ
sprach dies zum Sohn der Araṇi (Śuka)
bhṛśaṃ praṇatavatsalaḥ
über die Maßen den sich Verneigenden liebevoll zugetan

śrībhagavānuvāca vyāsaputra mahābhāga prīto 'smi tava suvrata / vidyāmāpnuhi bhaktiṃ ca jñānī tvaṃ mama rūpadhṛk

Der erhabene Herr sprach: „O Sohn des Vyāsa, Hochgesegneter, ich bin erfreut über dich, o Guter-Gelübde-Habender; erlange Wissen und Hingabe — du, der Erkennende, trägst meine [eigene] Gestalt.“

Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
vyāsaputra mahābhāga
o Sohn des Vyāsa, Hochgesegneter
prītaḥ asmi tava suvrata
ich bin erfreut über dich, o Guter-Gelübde-Habender
vidyām āpnuhi bhaktiṃ ca
erlange Wissen und Hingabe
jñānī tvaṃ mama rūpadhṛk
du, der Erkennende, trägst meine Gestalt

yadrūpaṃ mama dṛṣṭaṃ prāk śvetadvīpe tvayā dvija / so 'hamevāvatārārthaṃ sthito viśvaṃbharātmakaḥ

„Jene Gestalt von mir, die zuvor auf der Śvetadvīpa von dir gesehen wurde, o Zweifachgeborener — ich selbst bin es, der zum Zweck der Herabkunft als der die Welt Tragende [hier] weile.“

Wort für Wort
yat rūpaṃ mama dṛṣṭaṃ prāk
jene Gestalt von mir, die zuvor gesehen wurde
śvetadvīpe tvayā dvija
auf der Śvetadvīpa von dir, o Zweifachgeborener
saḥ aham eva avatārārthaṃ
ich selbst bin es, zum Zweck der Herabkunft
sthito viśvaṃbharātmakaḥ
der als der die Welt Tragende [hier] weile

siddho 'si tvaṃ mahābhāga mokṣadharmānunucintayā / varalokānyathā vāyuryathā ravaṃ savitā tathā

„Vollendet bist du, o Hochgesegneter, durch das beständige Nachsinnen über die Lehre der Erlösung; [so durchwandle du] die erhabenen Welten frei, wie der Wind, wie die Sonne ihren Schein [verbreitet].“

Wort für Wort
siddhaḥ asi tvaṃ mahābhāga
vollendet bist du, o Hochgesegneter
mokṣadharmānucintayā
durch das Nachsinnen über die Erlösungslehre
varalokān yathā vāyuḥ
die erhabenen Welten [durchwandle] wie der Wind
yathā ravaṃ savitā tathā
wie die Sonne ihren Schein [verbreitet], so [?]

[?] zweite Vershälfte unsicher; freie sinngemäße Wiedergabe des Vergleichs mit Wind und Sonne.

nityamuktasvarūpastvaṃ pūjyamānaḥ surairnaraiḥ / bhaktirhi durlabhā loke mayi sarvaparāyaṇe

„Von ewig befreiter Wesensart bist du, verehrt von Göttern und Menschen; denn Hingabe an mich, den Aller-Zuflucht, ist in der Welt schwer zu erlangen.“

Wort für Wort
nityamuktasvarūpaḥ tvaṃ
von ewig befreiter Wesensart bist du
pūjyamānaḥ suraiḥ naraiḥ
verehrt von Göttern und Menschen
bhaktiḥ hi durlabhā loke
denn Hingabe ist in der Welt schwer zu erlangen
mayi sarvaparāyaṇe
an mich, den Aller-Zuflucht

tāṃ labdhvā nāparaṃ kiñcillabdhavyamavaśiṣyate / ākalpāntaḥ tapaḥ saṃsthau naranārāyaṇāvṛṣī

„Hat man sie erlangt, bleibt nichts anderes mehr zu erlangen übrig; bis zum Ende des Weltzeitalters verharren die beiden Seher Nara und Nārāyaṇa in Askese.“

Wort für Wort
tāṃ labdhvā na aparaṃ kiñcit
hat man sie erlangt, nichts anderes
labdhavyam avaśiṣyate
bleibt zu erlangen übrig
ākalpāntaḥ tapaḥ saṃsthau
bis zum Ende des Weltzeitalters in Askese verharrend
naranārāyaṇau ṛṣī
die beiden Seher Nara und Nārāyaṇa

tayornideśato vyāso janaka stava suvrataḥ / kartā bhāgavataṃ śāstraṃ tadadhīṣva bhuvaṃ vraja

„Auf ihre Anweisung hin wird dein Vater, o Guter-Gelübde-Habender, das Bhāgavata-Werk verfassen; lerne es dann, und begib dich [wieder] auf die Erde.“

Wort für Wort
tayoḥ nideśataḥ vyāsaḥ
auf ihre Anweisung hin wird Vyāsa
janaka stava suvrataḥ
dein Vater, o Guter-Gelübde-Habender
kartā bhāgavataṃ śāstraṃ
das Bhāgavata-Werk verfassen
tat adhīṣva bhuvaṃ vraja
lerne es, und begib dich auf die Erde

sa tapyati tapastvadya parvate gandhamādane / tvadviyogena khinnātmā taṃ prasādaya matpriyam

„Er übt heute Askese auf dem Berg Gandhamādana, von Kummer über die Trennung von dir erfüllt; besänftige ihn, meinen Lieben!“

Wort für Wort
sa tapyati tapaḥ tu adya
er übt heute Askese
parvate gandhamādane
auf dem Berg Gandhamādana
tvadviyogena khinnātmā
von Kummer über die Trennung von dir erfüllt
taṃ prasādaya matpriyam
besänftige ihn, meinen Lieben

evamuktaḥ śuko vipra namaskṛtya caturbhujam / yathāgataṃ nivṛtto 'sau piturantikamāgamat

So angesprochen, verneigte sich Śuka, o Brahmane, vor dem Vierarmigen; er kehrte um, wie er gekommen war, und begab sich in die Nähe seines Vaters.

Wort für Wort
evam uktaḥ śuko vipra
so angesprochen, Śuka, o Brahmane
namaskṛtya caturbhujam
nachdem er sich vor dem Vierarmigen verneigt hatte
yathāgataṃ nivṛttaḥ asau
kehrte er um, wie er gekommen war
piturantikam āgamat
begab er sich in die Nähe seines Vaters

atha taṃ svantike dṛṣṭvā pārāśaryyaḥ pratāpavān / putraṃ prāpya prahṛṣṭātmā tapaso nivavarta ha

Als er ihn nun in seiner Nähe erblickte, wandte sich der glanzvolle Sohn des Parāśara, nachdem er den Sohn wiedererlangt hatte, hocherfreuten Herzens von der Askese ab.

Wort für Wort
atha taṃ svantike dṛṣṭvā
als er ihn nun in seiner Nähe erblickte
pārāśaryyaḥ pratāpavān
der glanzvolle Sohn des Parāśara
putraṃ prāpya prahṛṣṭātmā
nachdem er den Sohn wiedererlangt hatte, hocherfreuten Herzens
tapasaḥ nivavarta ha
wandte er sich von der Askese ab

nārāyaṇaṃ namaskṛtya naraṃ caiva narottamam / āraṇeyasamāyuktaḥ svāśramaṃ samupāgamat

Nachdem er Nārāyaṇa verehrt hatte, und auch Nara, den Besten der Männer, begab er sich, vereint mit dem Sohn der Araṇi, in seinen eigenen Āśrama.

Wort für Wort
nārāyaṇaṃ namaskṛtya
nachdem er Nārāyaṇa verehrt hatte
naraṃ ca eva narottamam
und auch Nara, den Besten der Männer
āraṇeyasamāyuktaḥ
vereint mit dem Sohn der Araṇi (Śuka)
svāśramaṃ samupāgamat
begab er sich in seinen eigenen Āśrama

nārāyaṇaniyogāttu tvanmukhena munīśvara / cakāra saṃhitāṃ divyāṃ nānākhyānasamanvitām

Auf Nārāyaṇas Geheiß hin verfasste er, o Herrscher der Muni, durch dein Wort [d.h. auf deine Anregung hin], die göttliche Saṃhitā, versehen mit vielerlei Erzählungen.

Wort für Wort
nārāyaṇaniyogāt tu
auf Nārāyaṇas Geheiß hin
tvanmukhena munīśvara
durch dein Wort, o Herrscher der Muni
cakāra saṃhitāṃ divyāṃ
verfasste er die göttliche Saṃhitā
nānākhyānasamanvitām
versehen mit vielerlei Erzählungen

[Anm.: 'tvanmukhena munīśvara' — die Anrede wechselt hier von der dritten Person (Erzählung über Vyāsa) zur direkten Ansprache an Nārada, dem die traditionelle Rolle zukommt, Vyāsa zur Abfassung des Bhāgavata angeregt zu haben.]

vedatulyāṃ bhāgavatīṃ haribhaktivivarddhinīm / nivṛttinirataṃ putraṃ śukamadhyāpayañca tām

— die dem Veda gleichkommende, dem Hari-[Werk] Bhāgavatī, die Hingabe zu Hari mehrende — und lehrte sie seinem Sohn Śuka, der der Weltentsagung hingegeben war.

Wort für Wort
vedatulyāṃ bhāgavatīṃ
die dem Veda gleichkommende Bhāgavatī
haribhaktivivarddhinīm
die Hingabe zu Hari mehrende
nivṛttinirataṃ putraṃ
seinem der Weltentsagung hingegebenen Sohn
śukam adhyāpayat ca tām
lehrte er sie, dem Śuka

ātmārāmo 'pi bhagavānpārāśaryātmajaḥ śukaḥ / adhītavānsaṃhitāṃ vai nityaṃ viṣṇujanapriyām

Obwohl in sich selbst ruhend, erlernte der erhabene Śuka, der Sohn des Sohnes des Parāśara, dennoch die Saṃhitā, die den Verehrern Viṣṇus stets lieb ist.

Wort für Wort
ātmārāmaḥ api bhagavān
obwohl in sich selbst ruhend, der erhabene
pārāśaryātmajaḥ śukaḥ
Śuka, der Sohn des Sohnes des Parāśara
adhītavān saṃhitāṃ vai
erlernte die Saṃhitā
nityaṃ viṣṇujanapriyām
die den Verehrern Viṣṇus stets lieb ist

evamete samākhyātā mokṣadharmāstavānadha / paṭhatāṃ śṛṇvatāṃ cāpi haribhaktivivarddhanāḥ

So sind dir, o Sündloser, diese Lehren der Erlösung dargelegt worden, welche denen, die sie lesen und auch hören, die Hingabe an Hari mehren.

Wort für Wort
evam ete samākhyātāḥ
so sind diese dargelegt worden
mokṣadharmāḥ tava anadha
die Erlösungslehren dir, o Sündloser
paṭhatāṃ śṛṇvatāṃ ca api
denen, die lesen und auch hören
haribhaktivivarddhanāḥ
die Hingabe an Hari mehrend

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