Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 22: ekādaśīvratamahimānuvarṇanam Die Beschreibung der Größe des Ekādaśī-Gelübdes

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde vratākhyāne māsopavāsavarṇanaṃ nāma dvādaśo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ sanaka uvāca idamanyatpravakṣyāmi vrataṃ trailokyaviśrutam / sarvapāpapraśamanaṃ sarvakāmaphalapradam

Sanaka sprach: Dies andere Gelübde will ich nun verkünden, das in den drei Welten wohlbekannte, das alle Sünden besänftigt und die Frucht aller Wünsche gewährt.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
idam anyat pravakṣyāmi vrataṃ
dies andere Gelübde will ich verkünden
trailokyaviśrutam
das in den drei Welten wohlbekannte
sarvapāpapraśamanaṃ
das alle Sünden besänftigt
sarvakāmaphalapradam
das die Frucht aller Wünsche gewährt

[Anm.: Der Vers beginnt im Quelltext mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels (des Monatsfastens, hier als „zwölftes Kapitel“ gezählt); erst danach beginnt mit „sanaka uvāca“ der eigentliche Vers 1 dieses Kapitels; nur dieser wurde übersetzt.]

brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ śūdrāṇāṃ caiva yopitām / mokṣadaṃ kurvatāṃ bhaktyā viṣṇoḥ priyataraṃ dvija

Für Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und ebenso für Śūdras und für Frauen gewährt es, wenn es mit Hingabe geübt wird, die Erlösung – es ist Viṣṇu über die Maßen lieb, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ
für Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas
śūdrāṇāṃ caiva yoṣitām [?]
und ebenso für Śūdras und für Frauen
mokṣadaṃ kurvatāṃ bhaktyā
gewährt es Erlösung denen, die es mit Hingabe üben
viṣṇoḥ priyataraṃ dvija
es ist Viṣṇu über die Maßen lieb, o Zweifachgeborener

[?: „yopitām“ im Quelltext verschrieben für „yoṣitām“ (‚der Frauen‘).]

ekādaśīvrataṃ nāma sarvābhīṣṭapradaṃ nṛṇām /. karttavyaṃ sarvathā vipraviṣṇuprītikaraṃ yataḥ

Das Ekādaśī-Gelübde gewährt den Menschen alles Erwünschte; es ist unter allen Umständen zu befolgen, o Brahmane, weil es Viṣṇu Freude bereitet.

Wort für Wort
ekādaśīvrataṃ nāma
das sogenannte Ekādaśī-Gelübde
sarvābhīṣṭapradaṃ nṛṇām
gewährt den Menschen alles Erwünschte
karttavyaṃ sarvathā vipra
es ist unter allen Umständen zu befolgen, o Brahmane
viṣṇuprītikaraṃ yataḥ
weil es Viṣṇu Freude bereitet

ekādaśyāṃ na bhuñjīta pakṣayorubhayopari / yo bhuṅkte so 'tra pāpīyānparatra narakaṃ vrajet

An der Ekādaśī beider Monatshälften soll man nicht essen; wer dennoch isst, der ist hier ein großer Sünder und geht im Jenseits zur Hölle.

Wort für Wort
ekādaśyāṃ na bhuñjīta
an der Ekādaśī soll man nicht essen
pakṣayor ubhayor api
in beiden Monatshälften
yo bhuṅkte so 'tra pāpīyān
wer isst, der ist hier ein großer Sünder
paratra narakaṃ vrajet
er geht im Jenseits zur Hölle

upavāsaphalaṃ lipsurjahyādbhukticatuṣṭayam / pūrvāparadine gatrāvahorātraṃ tu madhyame

Wer die Frucht des Fastens erlangen will, soll die vierfache Nahrungsaufnahme aufgeben: am Tag davor und danach [je einmal], in der Mitte aber [ganz], einen vollen Tag und eine Nacht.

Wort für Wort
upavāsaphalaṃ lipsuḥ
wer die Frucht des Fastens erlangen will
jahyād bhukticatuṣṭayam
soll die vierfache Nahrungsaufnahme aufgeben
pūrvāparadine gatvā [?]
am Tag davor und danach [je einmal]
ahorātraṃ tu madhyame
in der Mitte aber einen vollen Tag und eine Nacht

[?: „gatrāvahorātraṃ“ im Quelltext verschrieben, sinngemäß als „gatvā ahorātraṃ“ (‚gegangen [in den vollen] Tag und Nacht‘) aufgelöst.]

ekādaśīdine yastu bhoktumicchati mānavaḥ / sa bhoktuṃ sarvalapāpāni spṛhayālurnasaṃśayaḥ

Wer aber am Tag der Ekādaśī zu essen begehrt, der begehrt damit, ohne Zweifel, alle Sünden zu verzehren.

Wort für Wort
ekādaśīdine yastu
wer aber am Tag der Ekādaśī
bhoktum icchati mānavaḥ
zu essen begehrt, der Mensch
sa bhoktuṃ sarvapāpāni [?]
der begehrt, alle Sünden zu verzehren
spṛhayāluḥ na saṃśayaḥ
ist begehrend, ohne Zweifel

[?: „sarvalapāpāni“ im Quelltext verschrieben für „sarvapāpāni“.]

bhaveddaśamyāmekāśīdvādaśyāṃ ca munīśvara / ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati

Am zehnten und am zwölften Tag, o Fürst der Weisen, soll man nur einmal essen; an der Ekādaśī aber bleibe man ohne Nahrung, wenn man die Erlösung erstrebt.

Wort für Wort
bhaved daśamyām ekāśī
am zehnten [Tag] sei man einmal-essend
dvādaśyāṃ ca munīśvara
und am zwölften, o Fürst der Weisen
ekādaśyāṃ nirāhāro
an der Ekādaśī [bleibe man] ohne Nahrung
yadi muktim abhīpsati
wenn man die Erlösung erstrebt

yāni kāni ca pāpāni brahmahatyādikāni ca / annamāśritya tiṣṭhanti tāni vipra hareśvara / ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati

Welche Sünden auch immer es gibt, angefangen mit dem Mord an einem Brahmanen, sie alle haften an der Speise [und bestehen durch sie fort], o Brahmane [?] – an der Ekādaśī aber bleibe man ohne Nahrung, wenn man die Erlösung erstrebt.

Wort für Wort
yāni kāni ca pāpāni
welche Sünden auch immer
brahmahatyādikāni ca
angefangen mit dem Mord an einem Brahmanen
annam āśritya tiṣṭhanti
haften an der Speise und bestehen fort
tāni vipra hareśvara [?]
sie alle, o Brahmane [?]
ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati
an der Ekādaśī [bleibe man] ohne Nahrung, wenn man die Erlösung erstrebt

[Anm.: Die dritte Zeile dieses Verses wiederholt wörtlich die zweite Zeile von Vers 7 („ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati“); da laut Aufgabenstellung eine frühere Dittographie um V8–V9 bereits bereinigt wurde, wird dieses Wiederauftreten hier nur vermerkt, nicht als Fehler behandelt.] [?: Die Anrede „hareśvara“ neben „vipra“ ist auffällig (zwei Anreden in einer Zeile); Lesung unsicher.]

brahmahatyādipāpānāṃ kathañcinniṣkṛtirbhavet / ekādaśyāṃ tu yo bhuṅkte tasya naivāsti niṣkṛtiḥ

Für Sünden wie den Mord an einem Brahmanen mag es irgendeine Sühne geben; für den aber, der an der Ekādaśī isst, gibt es überhaupt keine Sühne.

Wort für Wort
brahmahatyādipāpānāṃ
für Sünden wie den Mord an einem Brahmanen
kathañcin niṣkṛtir bhavet
mag irgendeine Sühne geben
ekādaśyāṃ tu yo bhuṅkte
für den aber, der an der Ekādaśī isst
tasya naivāsti niṣkṛtiḥ
für den gibt es überhaupt keine Sühne

mahāpātakayukto vāyukto vā sarva pānakaiḥ / ekādaśyāṃ nirāhāraḥ sthitvā yāti parāṃ gatim

Selbst wer mit einer Todsünde behaftet ist, oder mit allen [anderen] Sünden [?] beladen, gelangt, wenn er an der Ekādaśī ohne Nahrung verharrt, zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
mahāpātakayukto vā
selbst wer mit einer Todsünde behaftet ist
yukto vā sarvapātakaiḥ [?]
oder mit allen Sünden beladen
ekādaśyāṃ nirāhāraḥ sthitvā
wenn er an der Ekādaśī ohne Nahrung verharrt
yāti parāṃ gatim
gelangt er zum höchsten Ziel

[?: „sarva pānakaiḥ“ im Quelltext wohl verschrieben für „sarvapātakaiḥ“ (‚mit allen Sünden‘).]

ekādaśī mahāpuṇyā viṣṇoḥ priyatamā tithiḥ / saṃsevyā sarvathā vipraiḥ saṃsāracche dalipsubhiḥ

Die Ekādaśī ist von großem Verdienst, die Viṣṇu liebste Tithi; sie soll von den Brahmanen, die die Durchtrennung des Saṃsāra erstreben, unter allen Umständen begangen werden.

Wort für Wort
ekādaśī mahāpuṇyā
die Ekādaśī ist von großem Verdienst
viṣṇoḥ priyatamā tithiḥ
die Viṣṇu liebste Tithi
saṃsevyā sarvathā vipraiḥ
soll von den Brahmanen unter allen Umständen begangen werden
saṃsāracchedalipsubhiḥ
von denen, die die Durchtrennung des Saṃsāra erstreben

daśamyāṃ prātarutthāya dantadhāvanapūrvakam / snāpayedvidhivadviṣṇuṃ pūjayetprayatendriyaḥ

Am zehnten Tag stehe man früh auf, reinige zunächst die Zähne, bade dann Viṣṇu vorschriftsmäßig und verehre ihn mit gezügelten Sinnen.

Wort für Wort
daśamyāṃ prātar utthāya
am zehnten Tag früh aufgestanden
dantadhāvanapūrvakam
zunächst mit der Zahnreinigung
snāpayed vidhivad viṣṇuṃ
bade man Viṣṇu vorschriftsmäßig
pūjayet prayatendriyaḥ
und verehre ihn mit gezügelten Sinnen

ekādaśyāṃ nirāhāro nigṛhītendriyo bhavet / śayīta sannidhau viṣṇornārāyaṇaparāyaṇaḥ

An der Ekādaśī bleibe man ohne Nahrung und mit gebändigten Sinnen; man schlafe in der Nähe Viṣṇus, ganz Nārāyaṇa ergeben.

Wort für Wort
ekādaśyāṃ nirāhāro
an der Ekādaśī ohne Nahrung
nigṛhītendriyo bhavet
sei man mit gebändigten Sinnen
śayīta sannidhau viṣṇoḥ
man schlafe in der Nähe Viṣṇus
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
ganz Nārāyaṇa ergeben

ekādaśyāṃ tathā snātvā saṃpūjyaca ca janārdanam / gandhapuṣpādibhiḥ samyak tatastve vasudīrayet

An der Ekādaśī bade man ebenso, verehre Janārdana wohl mit Duftstoffen, Blumen und anderem, und rezitiere sodann [den folgenden Spruch] [?].

Wort für Wort
ekādaśyāṃ tathā snātvā
an der Ekādaśī ebenso gebadet habend
saṃpūjya ca janārdanam
und Janārdana verehrt habend
gandhapuṣpādibhiḥ samyak
wohl mit Duftstoffen, Blumen und anderem
tatastvenaṃ [mantram] udīrayet [?]
dann rezitiere man dies [den Spruch]

[?: „saṃpūjyaca ca“ im Quelltext mit doppeltem „ca“; „tatastve vasudīrayet“ stark verschrieben, sinngemäß als „tataḥ tvenaṃ [mantram] udīrayet“ (‚dann rezitiere man dies‘) gedeutet.]

ekādaśyāṃ nirāhāraḥ sthitvādyāhaṃ pare 'hani / bhokṣyāmi puṇḍarīkākṣa śaraṇaṃ me bhavācyuta

„Indem ich heute an der Ekādaśī ohne Nahrung verharre, werde ich am folgenden Tag essen, o Lotusäugiger; sei du, Acyuta, meine Zuflucht.“

Wort für Wort
ekādaśyāṃ nirāhāraḥ sthitvā
an der Ekādaśī ohne Nahrung verharrend
adya ahaṃ pare 'hani
heute [verharre ich], am folgenden Tag
bhokṣyāmi puṇḍarīkākṣa
werde ich essen, o Lotusäugiger
śaraṇaṃ me bhava acyuta
sei du, Acyuta, meine Zuflucht

imaṃ mantraṃ samuccārthaṃ deva devasya cakriṇaḥ / bhaktibhāvena tuṣṭātmā upavāsaṃ samarpayet

Nachdem man diesen Spruch vor dem Gott der Götter, dem Diskusträger, ausgesprochen hat, widme man mit hingebungsvollem, zufriedenem Gemüt das Fasten.

Wort für Wort
imaṃ mantraṃ samuccārya
nachdem man diesen Spruch ausgesprochen hat
devadevasya cakriṇaḥ
vor dem Gott der Götter, dem Diskusträger
bhaktibhāvena tuṣṭātmā
mit hingebungsvollem, zufriedenem Gemüt
upavāsaṃ samarpayet
widme man das Fasten

devasya purataḥ kuryājjāgaraṃ niyato vratī / gītairvādyaiśaaca nṛtyaiśca purāṇaśravaṇādibhiḥ

Vor dem Gott halte der geübte Gelübdehalter die Nachtwache, mit Gesängen, Musik und Tänzen sowie dem Anhören der Purāṇas und dergleichen.

Wort für Wort
devasya purataḥ kuryāt
vor dem Gott halte man
jāgaraṃ niyato vratī
die Nachtwache, der geübte Gelübdehalter
gītair vādyaiśca nṛtyaiśca
mit Gesängen, Musik und Tänzen
purāṇaśravaṇādibhiḥ
und dem Anhören der Purāṇas und dergleichen

[?: „vādyaiśaaca“ im Quelltext verschrieben für „vādyaiśca“.]

tataḥ prātaḥ samutthāya dvādaśīdivase vratī / snātvā ca vidhivadviṣṇuṃ pūjayatprayatendriyaḥ

Dann stehe der Gelübdehalter am Tag der Dvādaśī frühmorgens auf, bade, und verehre Viṣṇu vorschriftsmäßig mit gezügelten Sinnen.

Wort für Wort
tataḥ prātaḥ samutthāya
dann frühmorgens aufgestanden
dvādaśīdivase vratī
am Tag der Dvādaśī, der Gelübdehalter
snātvā ca vidhivad viṣṇuṃ
und gebadet, Viṣṇu vorschriftsmäßig
pūjayet prayatendriyaḥ
verehre man mit gezügelten Sinnen

pañcāmṛtena saṃsnāpya ekādaśyāṃ janārddanam / dvādaśyāṃ payasā vipra harisārupapyamaṣaśnute

Nachdem man Janārdana an der Ekādaśī mit den fünf Nektargaben gebadet hat, [und ihn an der Dvādaśī] mit Milch [badet], erlangt man dadurch, o Brahmane, Gleichgestalt mit Hari [?].

Wort für Wort
pañcāmṛtena saṃsnāpya
mit den fünf Nektargaben gebadet habend
ekādaśyāṃ janārdanam
an der Ekādaśī, Janārdana
dvādaśyāṃ payasā vipra
an der Dvādaśī mit Milch, o Brahmane
harisārūpyam aśnute [?]
erlangt man Gleichgestalt mit Hari

[?: „harisārupapyamaṣaśnute“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „harisārūpyam aśnute“ (‚erlangt Gleichgestalt mit Hari‘) wiedergegeben.]

ajñānatimirāndhasya vratenānena keśava / prasīda sumukho bhūtvā jñānadṛṣṭiprado bhava

„Sei mir, den die Finsternis der Unwissenheit blind gemacht hat, durch dieses Gelübde gnädig, o Keśava; wende mir dein freundliches Antlitz zu und gib mir das Augenlicht der Erkenntnis.“

Wort für Wort
ajñānatimirāndhasya
dem die Finsternis der Unwissenheit blind gemacht hat
vratenānena keśava
durch dieses Gelübde, o Keśava
prasīda sumukho bhūtvā
sei gnädig, dein freundliches Antlitz zeigend
jñānadṛṣṭiprado bhava
gib das Augenlicht der Erkenntnis

evaṃ vijñāpya viprendra mādhavaṃ susamāhitaḥ / brahmaṇānbhojayecchaktyā dadyādvai dakṣiṇāṃ tathā

Nachdem man so, o Fürst der Brahmanen, mit gesammeltem Sinn zu Mādhava gesprochen hat, speise man nach Vermögen Brahmanen und gebe ihnen auch eine Gabe (Dakṣiṇā).

Wort für Wort
evaṃ vijñāpya viprendra
nachdem man so gesprochen hat, o Fürst der Brahmanen
mādhavaṃ susamāhitaḥ
zu Mādhava, mit gesammeltem Sinn
brāhmaṇān bhojayecchaktyā [?]
speise man Brahmanen nach Vermögen
dadyād vai dakṣiṇāṃ tathā
und gebe auch eine Gabe

[?: „brahmaṇān“ im Quelltext verschrieben für „brāhmaṇān“.]

tataḥ svabandhubhiḥ sārddhaṃ nārāyaṇaparāyaṇaḥ / kṛtapañcamahāyajñaḥ svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ

Dann, nachdem man die fünf großen Opfer vollzogen hat, esse man selbst zusammen mit den eigenen Verwandten, schweigend, ganz Nārāyaṇa ergeben.

Wort für Wort
tataḥ svabandhubhiḥ sārddhaṃ
dann zusammen mit den eigenen Verwandten
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
ganz Nārāyaṇa ergeben
kṛtapañcamahāyajñaḥ
nachdem man die fünf großen Opfer vollzogen hat
svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ
esse man selbst, schweigend

evaṃ yaḥ prayataḥ kuryātpuṇyamekādaśīvratam / sa yāti viṣṇubhavanaṃ punarāvṛttidurlabham

Wer so, geläutert, das verdienstvolle Ekādaśī-Gelübde vollzieht, der gelangt zur Wohnstatt Viṣṇus, von der eine Rückkehr [in den Saṃsāra] schwer zu erlangen ist.

Wort für Wort
evaṃ yaḥ prayataḥ kuryāt
wer so, geläutert, vollzieht
puṇyam ekādaśīvratam
das verdienstvolle Ekādaśī-Gelübde
sa yāti viṣṇubhavanaṃ
der gelangt zur Wohnstatt Viṣṇus
punarāvṛttidurlabham
von der eine Rückkehr schwer zu erlangen ist

upavāsavrataparo dharmakāryacaparāyaṇaḥ / cāṇḍālānpatakitāṃścaiva nekṣedapi kadācana

Wer dem Fastengelübde ergeben und den Pflichtwerken zugetan ist, soll Caṇḍālas und Sünder niemals auch nur ansehen.

Wort für Wort
upavāsavrataparo
dem Fastengelübde ergeben
dharmakārye ca parāyaṇaḥ
und den Pflichtwerken zugetan
cāṇḍālān pātakitāṃś caiva [?]
Caṇḍālas und Sünder
na īkṣed api kadācana
soll niemals auch nur ansehen

[?: „patakitāṃś“ im Quelltext verschrieben für „pātakinaḥ“ (‚Sünder‘).]

nāstikānbhinnamaryodānnindakānpiśunāṃstathā / upavāsa vrataparo nālapecca kadācana

Mit Atheisten, mit solchen, die die rechte Grenze überschreiten, mit Verleumdern und ebenso mit Zuträgern spreche der dem Fasten Ergebene niemals.

Wort für Wort
nāstikān bhinnamaryādān [?]
mit Atheisten, mit solchen, die die rechte Grenze überschreiten
nindakān piśunāṃstathā
mit Verleumdern und ebenso mit Zuträgern
upavāsavrataparo
der dem Fasten Ergebene
na ālapecca kadācana
spreche niemals

[?: „bhinnamaryodān“ im Quelltext verschrieben für „bhinnamaryādān“.]

vṛṣalīsūtipoṣṭāraṃ vṛṣalīpatimeva ca / ayājyayājakaṃ caiva nālapetsarvadā vratī

Mit dem, der den Sohn einer niedriggeborenen Frau aufzieht, mit dem Gatten einer solchen Frau, sowie mit dem, der für Unwürdige opfert, spreche der Gelübdehalter niemals.

Wort für Wort
vṛṣalīsūtipoṣṭāraṃ [?]
mit dem Nährer des Sohnes einer niedriggeborenen Frau
vṛṣalīpatimeva ca
und mit dem Gatten einer solchen Frau
ayājyayājakaṃ caiva
sowie mit dem, der für Unwürdige opfert
na ālapet sarvadā vratī
spreche der Gelübdehalter niemals

[?: „vṛṣalīsūtipoṣṭāraṃ“ im Quelltext ungewöhnlich, sinngemäß als ‚Nährer des Sohnes einer Vṛṣalī (niedriggeborenen Frau)‘ gedeutet.]

kuṇḍaśinaṃ gāyakaṃ ca tathā devalakāśinam / bhiṣajaṃ kāvyakarttāraṃ devadvijavirodhinam

Den Kuṇḍa-Esser (von unrechter Geburt lebend) [?], den [Berufs-]Sänger, ebenso den, der von Tempeldiensten lebt, den Arzt, den Berufsdichter, den, der Göttern und Brahmanen feindlich gesinnt ist –

Wort für Wort
kuṇḍāśinaṃ gāyakaṃ ca [?]
den Kuṇḍa-Esser und den [Berufs-]Sänger
tathā devalakāśinam
ebenso den, der von Tempeldiensten lebt
bhiṣajaṃ kāvyakarttāraṃ
den Arzt, den Berufsdichter
devadvijavirodhinam
den, der Göttern und Brahmanen feindlich gesinnt ist

[?: „kuṇḍaśinam“ im Quelltext für „kuṇḍāśinam“ (‚Kuṇḍa-Esser‘); „devalakāśinam“ für einen von Tempeldiensten lebenden Menschen (Devalaka).]

parānnalolupaṃ caiva parastrīnirataṃ tathā / vratopavāsanirato vāṅmātreṇāpi nārcayet

– ebenso den nach fremder Speise Gierigen und den, der an fremden Frauen Gefallen findet: diese soll der dem Gelübde und Fasten Ergebene nicht einmal mit einem bloßen Wort ehren.

Wort für Wort
parānnalolupaṃ caiva
ebenso den nach fremder Speise Gierigen
parastrīnirataṃ tathā
und den, der an fremden Frauen Gefallen findet
vratopavāsanirato
der dem Gelübde und Fasten Ergebene
vāṅmātreṇāpi nārcayet
soll [diese] nicht einmal mit einem bloßen Wort ehren

ityevamādibhiḥ śuddho vaśī sarvahite rataḥ / upavāsaparo bhūtvā parāṃ siddhimavānpuyāt

Wer so, von all diesen [Verfehlungen] rein, beherrscht und am Wohl aller Wesen Freude findend, dem Fasten ergeben ist, erlangt die höchste Vollendung.

Wort für Wort
ityevamādibhiḥ śuddho
von all diesen [Verfehlungen] rein
vaśī sarvahite rataḥ
beherrscht, am Wohl aller Wesen Freude findend
upavāsaparo bhūtvā
dem Fasten ergeben
parāṃ siddhim avāpnuyāt [?]
erlangt er die höchste Vollendung

[?: „avānpuyāt“ im Quelltext verschrieben für „avāpnuyāt“.]

nāsti gaṅgāsamaṃ tīrthaṃ nāsti mātṛsamoguruḥ / nāstu viṣṇusamaṃ daivaṃ tapo nānaśanātparam

Es gibt keine der Gaṅgā gleiche Pilgerstätte, es gibt keinen der Mutter gleichen Lehrer; es gibt keine Viṣṇu gleiche Gottheit, und es gibt keine Askese, die über dem Fasten (Anaśana) stünde.

Wort für Wort
nāsti gaṅgāsamaṃ tīrthaṃ
es gibt keine der Gaṅgā gleiche Pilgerstätte
nāsti mātṛsamo guruḥ
es gibt keinen der Mutter gleichen Lehrer
nāstu viṣṇusamaṃ daivaṃ
es gibt keine Viṣṇu gleiche Gottheit
tapo nānaśanātparam
es gibt keine Askese über dem Fasten

nāsti kṣamāsamā mātā nāsti kīrtisamaṃ dhanam / nāsti jñānasamo lābho lābho na ca dharma samaḥ pitā

Es gibt keine der Geduld gleiche Mutter, es gibt keinen dem Ruhm gleichen Reichtum, es gibt keinen dem Wissen gleichen Gewinn, [und] es gibt keinen dem Dharma gleichen Vater [?].

Wort für Wort
nāsti kṣamāsamā mātā
es gibt keine der Geduld gleiche Mutter
nāsti kīrtisamaṃ dhanam
es gibt keinen dem Ruhm gleichen Reichtum
nāsti jñānasamo lābho
es gibt keinen dem Wissen gleichen Gewinn
lābho [?] na ca dharmasamaḥ pitā
und es gibt keinen dem Dharma gleichen Vater

[Anm.: Der letzte Pāda wiederholt im Quelltext das Wort „lābho“ noch einmal vor „na ca dharma samaḥ pitā“, was metrisch und syntaktisch überzählig ist – vermutlich Verschreibung/Dittographie; sinngemäß als „na dharmasamaḥ pitā“ übersetzt.]

na vivekasamo bandhurmaikādaśyāḥ paraṃ vratam / atrāpyudāharantīmamitihāsaṃ purātanam

Es gibt keinen der Unterscheidungskraft (Viveka) gleichen Verwandten, [und] es gibt kein Gelübde, das über [jenem] der Ekādaśī stünde [?]. Hierzu erzählt man auch folgende alte Geschichte (Itihāsa).

Wort für Wort
na vivekasamo bandhuḥ [?]
es gibt keinen der Unterscheidungskraft gleichen Verwandten
na aikādaśyāḥ paraṃ vratam [?]
es gibt kein Gelübde über [jenem] der Ekādaśī
atrāpi udāharanti imam
hierzu erzählt man auch dies
itihāsaṃ purātanam
die alte Geschichte

[?: „bandhurmaikādaśyāḥ“ im Quelltext stark verschrieben/zusammengezogen; sinngemäß als „bandhuḥ, na aikādaśyāḥ paraṃ vratam“ aufgelöst.]

saṃvādaṃ bhadraśīlasya tatpiturgulavasya ca / purā higālavo nāma muniḥ satyaparāyaṇaḥ

[Man erzählt] das Zwiegespräch des Bhadraśīla und seines Vaters Gālava. Einst nämlich lebte ein Weiser namens Gālava, ganz der Wahrheit ergeben.

Wort für Wort
saṃvādaṃ bhadraśīlasya
das Zwiegespräch des Bhadraśīla
tatpitur gālavasya ca [?]
und seines Vaters Gālava
purā hi gālavo nāma
einst nämlich [lebte] ein Weiser namens Gālava
muniḥ satyaparāyaṇaḥ
ganz der Wahrheit ergeben

[?: „tatpiturgulavasya“ im Quelltext verschrieben für „tatpitur gālavasya“.]

uvā casa narmadātīrere śānto dāntastaponidhiḥ / bahuvṛkṣasamākīrṇe gajabhalluniṣevite

Er wohnte, still und gezügelt, ein Schatz der Askese, am Ufer der Narmadā, [einem Ort], der von vielen Bäumen bestanden und von Elefanten und Bären aufgesucht war,

Wort für Wort
uvāsa [?] śānto dāntaḥ taponidhiḥ
er wohnte, still und gezügelt, ein Schatz der Askese
narmadātīre [?]
am Ufer der Narmadā
bahuvṛkṣasamākīrṇe
von vielen Bäumen bestanden
gajabhallūkaniṣevite [?]
von Elefanten und Bären aufgesucht

[?: „uvā casa“ im Quelltext verschrieben für „uvāsa“ (‚er wohnte‘); „narmadātīrere“ für „narmadātīre“; „gajabhalluniṣevite“ für „gajabhallūkaniṣevite“ (‚von Elefanten und Bären aufgesucht‘).]

siddhacāraṇagandharva yakṣavidyādharānvite / kandamūlaphalaiḥ pūrṇe munivṛndaniṣedite

der von Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas, Yakṣas und Vidyādharas besucht wurde, reich an Wurzeln, Knollen und Früchten, und von Scharen von Weisen aufgesucht wurde.

Wort für Wort
siddhacāraṇagandharva-
von Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas
yakṣavidyādharānvite
und Yakṣas, Vidyādharas besucht
kandamūlaphalaiḥ pūrṇe
reich an Wurzeln, Knollen und Früchten
munivṛndaniṣevite [?]
von Scharen von Weisen aufgesucht

[?: „munivṛndaniṣedite“ im Quelltext wohl verschrieben für „munivṛndaniṣevite“.]

gālavo nāma viprendro nivāsamakasecciram / tasyābhavadbhadraśīla iti khyātaḥ suto vaśī

Der Brahmanenfürst namens Gālava hatte dort lange Zeit seinen Wohnsitz [?]. Ihm wurde ein Sohn geboren, namens Bhadraśīla bekannt, ein gezügelter [Jüngling].

Wort für Wort
gālavo nāma viprendro
der Brahmanenfürst namens Gālava
nivāsam akarot ciram [?]
hatte dort lange Zeit seinen Wohnsitz
tasya abhavad bhadraśīla
ihm wurde [ein Sohn], Bhadraśīla,
iti khyātaḥ suto vaśī
genannt, geboren, ein gezügelter Sohn

[?: „nivāsamakasecciram“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „nivāsam akarot ciram“ (‚er machte dort lange Zeit seinen Wohnsitz‘) gedeutet.]

jāntismaro mahābhāgo nārāyaṇaparāyaṇaḥ / bālakrāḍanakāle 'pi bhadraśīlo mahāmatiḥ

Bhadraśīla, hochbeglückt und von großem Verstand, erinnerte sich seiner früheren Geburt und war ganz Nārāyaṇa ergeben, selbst noch zur Zeit des Kinderspiels.

Wort für Wort
jātismaro mahābhāgo [?]
der sich seiner früheren Geburt erinnernde, hochbeglückte
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
ganz Nārāyaṇa ergeben
bālakrāḍanakāle 'pi
selbst noch zur Zeit des Kinderspiels
bhadraśīlo mahāmatiḥ
Bhadraśīla, von großem Verstand

[?: „jāntismaro“ im Quelltext verschrieben für „jātismaraḥ“ (‚der sich seiner früheren Geburt erinnert‘).]

mṛdā ca viṣṇoḥ pratimāṃ kṛtvā pūjayate kṣaṇam / vayasyānbodhayeccāpi viṣṇuḥ pūjyo naraiḥ sadā

Er formte aus Lehm ein Bildnis Viṣṇus und verehrte es zeitweilig; auch belehrte er seine Altersgenossen: „Viṣṇu ist von den Menschen allezeit zu verehren.“

Wort für Wort
mṛdā ca viṣṇoḥ pratimāṃ kṛtvā
nachdem er aus Lehm ein Bildnis Viṣṇus geformt hatte
pūjayate kṣaṇam
verehrte er es zeitweilig
vayasyān bodhayeccāpi
auch belehrte er seine Altersgenossen
viṣṇuḥ pūjyo naraiḥ sadā
‚Viṣṇu ist von den Menschen allezeit zu verehren‘

ekādaśīvrataṃ caiva karttavyamapi paṇḍitaiḥ / evaṃ te bodhitāstena śiśavo 'pi munīśvara

„Auch das Ekādaśī-Gelübde ist selbst von den Gelehrten zu befolgen.“ So wurden, o Fürst der Weisen, auch jene Kinder von ihm belehrt.

Wort für Wort
ekādaśīvrataṃ caiva
auch das Ekādaśī-Gelübde
karttavyam api paṇḍitaiḥ
ist selbst von den Gelehrten zu befolgen
evaṃ te bodhitāstena
so wurden jene von ihm belehrt
śiśavo 'pi munīśvara
auch die Kinder, o Fürst der Weisen

hariṃ mṛdaiva nirmāya pṛthaksaṃbhūya vā mudā / arcayanti mahābhāgā viṣṇubhaktiparāyaṇāḥ

Indem sie Hari eigens aus Lehm formten, verehrten sie ihn, sei es einzeln oder alle zusammen, mit Freude – jene hochbeglückten [Kinder], die der Viṣṇu-Hingabe ganz ergeben waren.

Wort für Wort
hariṃ mṛdaiva nirmāya
indem sie Hari eigens aus Lehm formten
pṛthak saṃbhūya vā mudā
einzeln oder zusammen, mit Freude
arcayanti mahābhāgā
verehrten sie ihn, jene Hochbeglückten
viṣṇubhaktiparāyaṇāḥ
die der Viṣṇu-Hingabe ganz ergeben waren

namaskurvanbhadramati rviṣṇave sarvaviṣṇave / sarveṣāṃ jagatāṃ svasti bhūyādityabravīdidam

Bhadramati (Bhadraśīla), von gutem Sinn, verneigte sich vor Viṣṇu, dem Alls-Viṣṇu, und sprach dies: „Heil möge allen Welten widerfahren!“

Wort für Wort
namaskurvan bhadramatiḥ
sich verneigend, [er] von gutem Sinn
viṣṇave sarvaviṣṇave
vor Viṣṇu, dem Alls-Viṣṇu
sarveṣāṃ jagatāṃ svasti
Heil allen Welten
bhūyād iti abravīd idam
möge es widerfahren – so sprach er dies

krīḍākāle muhūrtaṃ vā muhūrtārddhamathāpi vā / ekādaśīti saṃkalpyavrataṃ yacchati keśave

Selbst während der Spielzeit, sei es für eine Muhūrta oder auch nur eine halbe Muhūrta, indem er sich [das Fasten der] Ekādaśī vornahm, widmete er das Gelübde dem Keśava.

Wort für Wort
krīḍākāle muhūrtaṃ vā
während der Spielzeit, sei es für eine Muhūrta
muhūrtārddham athāpi vā
oder auch nur eine halbe Muhūrta
ekādaśīti saṃkalpya
indem er sich die Ekādaśī vornahm
vrataṃ yacchati keśave
widmete er das Gelübde dem Keśava

evaṃ sucaritaṃ dṛṣṭvā tanayaṃ gālavo muniḥ / apṛcchadvismayāviṣṭaḥ samāliṅgya taponidhiḥ

Als der Weise Gālava, ein Schatz der Askese, dieses schöne Betragen seines Sohnes sah, umarmte er ihn, von Staunen erfüllt, und befragte ihn.

Wort für Wort
evaṃ sucaritaṃ dṛṣṭvā
als er dieses schöne Betragen sah
tanayaṃ gālavo muniḥ
der Weise Gālava [seinen] Sohn
apṛcchad vismayāviṣṭaḥ
befragte er, von Staunen erfüllt
samāliṅgya taponidhiḥ
ihn umarmend, der Schatz der Askese

gālava uvāca bhadraśīla mahābhāga bhadraśīlo 'si suvrata / caritaṃ maṅgalaṃ yatte yogināmapi durlabham

Gālava sprach: „O Bhadraśīla, Hochbeglückter, du bist wahrhaft von gutem Wandel (bhadraśīla), o du mit dem guten Gelübde! Dein heilvolles Betragen ist selbst für Yogins schwer zu erreichen.

Wort für Wort
gālava uvāca
Gālava sprach:
bhadraśīla mahābhāga
o Bhadraśīla, Hochbeglückter
bhadraśīlo 'si suvrata
du bist wahrhaft von gutem Wandel, o du mit dem guten Gelübde
caritaṃ maṅgalaṃ yatte yogināmapi durlabham
dein heilvolles Betragen ist selbst für Yogins schwer zu erreichen

haripūjāparo nityaṃ sarvabhūtahiterataḥ / ekādaśīvrataparo niṣiddhācāravarjitaḥ / nirddhandvo nirmamaḥ śānto haridhyānaparāyāṇaḥ

– [du bist] stets der Verehrung Haris ergeben, am Wohl aller Wesen Freude findend, dem Ekādaśī-Gelübde zugetan, frei von verbotenem Tun, jenseits der Gegensatzpaare, ohne Ich-Sucht, friedvoll, ganz der Meditation auf Hari hingegeben –

Wort für Wort
haripūjāparo nityaṃ
stets der Verehrung Haris ergeben
sarvabhūtahiterataḥ
am Wohl aller Wesen Freude findend
ekādaśīvrataparo niṣiddhācāravarjitaḥ
dem Ekādaśī-Gelübde zugetan, frei von verbotenem Tun
nirdvandvo nirmamaḥ śānto [?]
jenseits der Gegensatzpaare, ohne Ich-Sucht, friedvoll
haridhyānaparāyaṇaḥ [?]
ganz der Meditation auf Hari hingegeben

[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt der üblichen zwei Zeilen (sechs statt vier Pādas); vollständig übersetzt.] [?: „nirddhandvo“ im Quelltext verschrieben für „nirdvandvaḥ“; „haridhyānaparāyāṇaḥ“ für „haridhyānaparāyaṇaḥ“.]

evametādṛśī buddhiḥ kathaṃ jātārbhakasyate / vināpi mahatāṃ sevāṃ haribhaktirhi durlabhā

– wie ist dir, einem Kind, ein solcher Verstand entstanden? Denn auch ohne den Dienst an den Großen ist die Hingabe zu Hari schwer zu erlangen.“

Wort für Wort
evam etādṛśī buddhiḥ
ein solcher Verstand
kathaṃ jātā arbhakasya te
wie ist er dir, einem Kind, entstanden
vināpi mahatāṃ sevāṃ
auch ohne den Dienst an den Großen
haribhaktir hi durlabhā
ist die Hingabe zu Hari schwer zu erlangen

svabhāvato janasyāsya hyavidyākāmakarmasu / pravarttate matirvatsa kathaṃ te 'laukikī kṛtiḥ

„Von Natur aus richtet sich der Sinn dieser [gewöhnlichen] Menschen auf Unwissenheit, Begierde und [weltliches] Tun – wie, mein Kind, [kommt es zu] deinem überweltlichen Wirken?

Wort für Wort
svabhāvato janasyāsya
von Natur aus dieser Menschen
hi avidyākāmakarmasu
auf Unwissenheit, Begierde und Tun
pravarttate matirvatsa
richtet sich der Sinn, mein Kind
kathaṃ te 'laukikī kṛtiḥ
wie [kommt es zu] deinem überweltlichen Wirken

satsaṅge 'pi manuṣyāṇāṃ pūrvapuṇyātirekataḥ / jāyate bhagavadbhaktistadahaṃ vismayaṃ gataḥ

Selbst im Umgang mit den Guten (Satsaṅga) entsteht die Hingabe zum Herrn bei den Menschen nur durch ein Übermaß an früherem Verdienst – darum bin ich in Staunen geraten.

Wort für Wort
satsaṅge 'pi manuṣyāṇāṃ
selbst im Umgang mit den Guten, bei den Menschen
pūrvapuṇyātirekataḥ
durch ein Übermaß an früherem Verdienst
jāyate bhagavadbhaktiḥ
entsteht die Hingabe zum Herrn
tad ahaṃ vismayaṃ gataḥ
darum bin ich in Staunen geraten

pṛcchāmi prītimāpannastadbhavānvaktumarhati / bhadraśīlo muniśreṣṭhaḥ pitraivaṃ suvikalpitaiḥ

Ich frage dich voll Zuneigung; das mögest du mir denn sagen.“ Bhadraśīla, der bester der Weisen [scheint für sein Alter] – von seinem Vater so mit vielerlei Erwägungen [befragt] –

Wort für Wort
pṛcchāmi prītimāpannaḥ
ich frage, voll Zuneigung geraten
tad bhavān vaktum arhati
das mögest du sagen
bhadraśīlo muniśreṣṭhaḥ [?]
Bhadraśīla, bester der Weisen
pitraivaṃ suvikalpitaiḥ
von seinem Vater so mit vielerlei Erwägungen [befragt]

[?: Der zweite Halbvers geht syntaktisch in Vers 50 über; „muniśreṣṭhaḥ“ als (unerwartete) Epithese für den kindlichen Bhadraśīla gedeutet.]

jātismaraḥ sukṛtātmā hṛṣathṭaprahasitānanaḥ / svānabhrutaṃ yathāvrataṃ sarvaṃ pitre nyavedayat

– er, der sich seiner früheren Geburt erinnerte, von reiner Seele, mit vor Freude lächelndem Antlitz, berichtete seinem Vater alles, was er selbst erlebt hatte, der Wahrheit gemäß.

Wort für Wort
jātismaraḥ sukṛtātmā
er, der sich seiner früheren Geburt erinnerte, von reiner Seele
hṛṣṭaprahasitānanaḥ [?]
mit vor Freude lächelndem Antlitz
svānubhūtaṃ yathāvrataṃ [?]
was er selbst erlebt hatte, der Wahrheit gemäß
sarvaṃ pitre nyavedayat
berichtete er alles seinem Vater

[?: „hṛṣathṭaprahasitānanaḥ“ im Quelltext verschrieben für „hṛṣṭaprahasitānanaḥ“; „svānabhrutaṃ“ für „svānubhūtaṃ“.]

bhadraśīla uvāca śṛṇu tāta muniśreṣṭha hyanubhūtaṃ mayā purā / jātismaratvājjānāmi yamena paribhāṣitam

Bhadraśīla sprach: „Höre, Vater, bester der Weisen: was ich einst selbst erfahren habe – durch [die Gabe] der Erinnerung an frühere Geburten weiß ich, was mir von Yama gesagt wurde.

Wort für Wort
bhadraśīla uvāca
Bhadraśīla sprach:
śṛṇu tāta muniśreṣṭha
höre, Vater, bester der Weisen
hi anubhūtaṃ mayā purā
was ich einst selbst erfahren habe
jātismaratvāj jānāmi yamena paribhāṣitam
durch die Erinnerung an frühere Geburten weiß ich, was mir von Yama gesagt wurde

etacchatvā mahābhāgo gālavo vismayonvitaḥ / uvāca prītimāpanno bhadraśīlaṃ mahāmatim

Als er dies gehört hatte, sprach der hochbeglückte Gālava, von Staunen erfüllt und voll Zuneigung, zu dem klugen Bhadraśīla.

Wort für Wort
etacchrutvā mahābhāgo [?]
als er dies gehört hatte, der Hochbeglückte
gālavo vismayonvitaḥ
Gālava, von Staunen erfüllt
uvāca prītimāpanno
sprach, voll Zuneigung geraten
bhadraśīlaṃ mahāmatim
zu dem klugen Bhadraśīla

[?: „etacchatvā“ im Quelltext verschrieben für „etacchrutvā“.]

gālava uvāca kastvaṃ pūrvaṃ mahābhāga kimuktaṃ ca yamena te / kasya vā kena vā hetostatsarvaṃ vaktumarhasi

Gālava sprach: „Wer warst du früher, Hochbeglückter, und was wurde dir von Yama gesagt? Wessen [Sohn warst du], und aus welchem Grund [geschah dies] – das alles mögest du mir erzählen.“

Wort für Wort
gālava uvāca
Gālava sprach:
kastvaṃ pūrvaṃ mahābhāga
wer warst du früher, Hochbeglückter
kimuktaṃ ca yamena te
und was wurde dir von Yama gesagt
kasya vā kena vā hetos tat sarvaṃ vaktum arhasi
wessen [Sohn], und aus welchem Grund – das alles mögest du erzählen

bhadraśīla uvāca ahamāsaṃ purā tāta rājā somakulodbhavaḥ / dharmakīrtiriti khyāto dattātragheyeṇa śāsitaḥ

Bhadraśīla sprach: „Ich war einst, Vater, ein König aus dem Geschlecht des Mondes (Soma), bekannt unter dem Namen Dharmakīrti, von Dattātreya unterwiesen.

Wort für Wort
bhadraśīla uvāca
Bhadraśīla sprach:
aham āsaṃ purā tāta
ich war einst, Vater
rājā somakulodbhavaḥ
ein König aus dem Geschlecht des Mondes
dharmakīrtir iti khyāto dattātreyeṇa śāsitaḥ [?]
bekannt als Dharmakīrti, von Dattātreya unterwiesen

[?: „dattātragheyeṇa“ im Quelltext verschrieben für „dattātreyeṇa“.]

nava varṣasahasrāṇi mahīṃ kṛtstramapālayam / adharmāśca tathā dharmā mayā tu bahavaḥ kṛtāḥ

Neuntausend Jahre lang beherrschte ich die ganze Erde; sowohl viele Unrechtstaten als auch viele Rechtstaten wurden von mir vollbracht.

Wort für Wort
nava varṣasahasrāṇi
neuntausend Jahre
mahīṃ kṛtsnām [?] apālayam
beherrschte ich die ganze Erde
adharmāśca tathā dharmā
sowohl Unrechtstaten als auch Rechtstaten
mayā tu bahavaḥ kṛtāḥ
wurden von mir viele vollbracht

[?: „kṛtstram“ im Quelltext verschrieben für „kṛtsnām“ (‚die ganze‘).]

tataḥ śriyā pramatto 'haṃ bahvadharmama kāripam / pāpaṇḍajanasaṃsargātpāpaṇḍacarito 'bhavam

Dann, berauscht von [meiner] Herrlichkeit, tat ich viel Unrecht; durch den Umgang mit Anhängern häretischer Lehren (Pāṣaṇḍa) wurde ich selbst häretischen Wandels.

Wort für Wort
tataḥ śriyā pramatto 'haṃ
dann, berauscht von [meiner] Herrlichkeit
bahvadharmam akāri [?]
tat ich viel Unrecht
pāṣaṇḍajanasaṃsargāt [?]
durch den Umgang mit Anhängern häretischer Lehren
pāṣaṇḍacarito 'bhavam [?]
wurde ich selbst häretischen Wandels

[?: „bahvadharmama kāripam“ im Quelltext verschrieben, sinngemäß als „bahvadharmam akārayam/akārṣam“ (‚ich tat viel Unrecht‘) gedeutet; „pāpaṇḍajanasaṃsargāt“ und „pāpaṇḍacarito“ verschrieben für „pāṣaṇḍajanasaṃsargāt“ und „pāṣaṇḍacaritaḥ“.]

purārjitāni puṇyāni mayā tu subahūnyapi / pāpaṇḍairbādhito 'haṃ tu vedamārgaṃ samatyajam

Obwohl von mir früher schon sehr viele Verdienste erworben worden waren, gab ich doch, von den Häretikern bedrängt/verführt, den Weg der Veden gänzlich auf.

Wort für Wort
purārjitāni puṇyāni
früher erworbene Verdienste
mayā tu subahūnyapi
von mir zwar sehr viele
pāṣaṇḍair bādhito 'haṃ tu [?]
doch von den Häretikern bedrängt
vedamārgaṃ samatyajam
gab ich den Weg der Veden gänzlich auf

[?: „pāpaṇḍairbādhito“ im Quelltext verschrieben für „pāṣaṇḍairbādhitaḥ“.]

makhāśca sarve vidhvastā kūṭayuktividā mayā / adharmanirataṃ māṃ tu dṛṣṭvā maheśajāḥ

Alle [meine] Opfer wurden durch trügerische Klugheit von mir zunichtegemacht. Als aber die Untertanen [?] mich dem Unrecht ergeben sahen,

Wort für Wort
makhāśca sarve vidhvastāḥ
alle Opfer wurden zunichtegemacht
kūṭayuktividā mayā
durch trügerische Klugheit von mir
adharmanirataṃ māṃ tu
mich aber, dem Unrecht ergeben
dṛṣṭvā maheśajāḥ [?]
als die Untertanen [?] sahen

[Anm.: Der zweite Halbvers dieses Verses ist im Quelltext offenbar unvollständig überliefert (kein eigenes Verb) und geht syntaktisch unmittelbar in Vers 59 über.] [?: „maheśajāḥ“ (wörtl. ‚Söhne des großen Herrn‘) unklar; sinngemäß als Bezeichnung für die Untertanen des Königs gedeutet.]

sadaiva duṣkṛtaṃ cakruḥ ṣaṣṭāṃśastatrame 'bhavat / evaṃ pāpasamācāro vyasanābhirataḥ sadā

– verübten auch sie stets Übeltaten, wovon mir ein Sechstel[anteil] zufiel. So war ich, von sündigem Wandel, stets den Lastern ergeben.

Wort für Wort
sadaiva duṣkṛtaṃ cakruḥ
stets verübten sie Übeltaten
ṣaṣṭāṃśas tatra me 'bhavat
davon fiel mir ein Sechstel zu
evaṃ pāpasamācāro
so [war ich], von sündigem Wandel
vyasanābhirataḥ sadā
stets den Lastern ergeben

mṛgayābhirarato bhūtvā hyakadā prāviśaṃ vanam / sasainyo 'haṃ vane tatra hatvā bahuvidhānmṛgān

Einst, der Jagd ergeben, betrat ich mit meinem Heer den Wald, und tötete dort vielerlei Wildtiere.

Wort für Wort
mṛgayābhirarato bhūtvā
der Jagd ergeben
hi ekadā prāviśaṃ vanam [?]
einst betrat ich den Wald
sasainyo 'haṃ vane tatra
ich mit meinem Heer, dort im Wald
hatvā bahuvidhān mṛgān
nachdem ich vielerlei Wildtiere getötet hatte

[?: „hyakadā“ im Quelltext verschrieben für „hi ekadā“ (‚einst‘).]

kṣuttṛṭparivṛtaḥ śrānto revātīramupāgamam / ravitīkṣṇātapalkānto revāyāṃ snānamācaram

Von Hunger und Durst gepackt, erschöpft, gelangte ich ans Ufer der Revā (Narmadā); erschöpft von der stechenden Hitze der Sonne [?], badete ich in der Revā.

Wort für Wort
kṣuttṛṭparivṛtaḥ śrāntaḥ
von Hunger und Durst gepackt, erschöpft
revātīram upāgamam
gelangte ich ans Ufer der Revā
ravitīkṣṇātapaklāntaḥ [?]
erschöpft von der stechenden Sonnenhitze
revāyāṃ snānam ācaram
badete ich in der Revā

[?: „ravitīkṣṇātapalkānto“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „ravitīkṣṇātapaklāntaḥ“ (‚von der stechenden Sonnenhitze erschöpft‘) gedeutet.]

ahaṣṭasainya ekākī pīḍyamānaḥ kṣudhā bhṛśam

Ich, von meinem Heer getrennt [?], allein, von Hunger heftig gequält [...]

Wort für Wort
aham [tyakta]sainyaḥ [?]
ich, von meinem Heer getrennt
ekākī
allein
pīḍyamānaḥ kṣudhā bhṛśam
von Hunger heftig gequält

[Anm.: Dieser Vers ist im Quelltext unvollständig überliefert – es findet sich nur eine einzige Zeile (ein Halbvers), während die zweite Vershälfte fehlt; der Sinn muss daher offenbleiben.] [?: „ahaṣṭasainya“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß und unsicher als „aham [tyakta/apa]sainyaḥ“ (‚ich, von meinem Heer getrennt‘) gedeutet.]

sametāstatragha ye kecidrevātīranivāsinaḥ / ekādaśīvrataparā mayā dṛṣṭvā niśāmukhe

Da sah ich beim Einbruch der Nacht einige dort versammelte Bewohner des Revā-Ufers, die dem Ekādaśī-Gelübde ergeben waren.

Wort für Wort
sametāstatra ye kecid [?]
die dort einige versammelten
revātīranivāsinaḥ
Bewohner des Revā-Ufers
ekādaśīvrataparā
die dem Ekādaśī-Gelübde ergeben waren
mayā dṛṣṭvā niśāmukhe
von mir gesehen, beim Einbruch der Nacht

[?: „sametāstatragha ye“ im Quelltext verschrieben für „sametāstatra ye“; grammatisches Genus/Numerus von „dṛṣṭvā“ (statt erwartetem „dṛṣṭāḥ“) unklar.]

nirāhāraśca tatrāhame kākī katajjanaiḥ saha / jāgaraṃ kṛtavāṃśvāpi senayā rahito niśi

Dort blieb auch ich allein, zusammen mit jenen Leuten, ohne Nahrung, und hielt, meines Heeres beraubt, in der Nacht die Nachtwache.

Wort für Wort
nirāhāraśca tatrāham ekākī [?]
dort blieb auch ich allein, ohne Nahrung
tajjanaiḥ saha [?]
zusammen mit jenen Leuten
jāgaraṃ kṛtavāṃścāpi
und hielt auch die Nachtwache
senayā rahito niśi
meines Heeres beraubt, in der Nacht

[?: „tatrāhame kākī katajjanaiḥ“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „tatrāham ekākī tajjanaiḥ“ gedeutet.]

adhvaśramapariśrāntaḥ kṣutpipāsāprapīḍitaḥ / tatraiva jāgarānte 'haṃ tātapañcatvamāgataḥ

Von der Wegesmühe erschöpft, von Hunger und Durst gequält, ereilte mich, Vater, gerade dort am Ende der Nachtwache der Tod.

Wort für Wort
adhvaśramapariśrāntaḥ
von der Wegesmühe erschöpft
kṣutpipāsāprapīḍitaḥ
von Hunger und Durst gequält
tatraiva jāgarānte 'haṃ tāta
gerade dort, am Ende der Nachtwache, ich, Vater
pañcatvam āgataḥ
gelangte zum Tod (‚zur Fünfheit‘)

tato yamabhaṭairbaddho mahādaṃṣṭrābhayaṅkaraiḥ / anekalkeśasaṃpannamārgeṇātpo yamāntikam / daṃṣṭrākarālavadanamapaśyaṃ samavartinam

Dann wurde ich von Yamas Boten gefesselt, die mit großen, furchterregenden Zähnen [ausgestattet waren]; auf einem Weg voller mannigfacher Qualen [?] wurde ich in Yamas Nähe gebracht, und dort erblickte ich den Gleichrichtenden (Samavartin, Yama) mit seinem von Zähnen entstellten Antlitz.

Wort für Wort
tato yamabhaṭairbaddho
dann wurde ich von Yamas Boten gefesselt
mahādaṃṣṭrābhayaṅkaraiḥ
die mit großen, furchterregenden Zähnen [ausgestattet waren]
anekakleśasampannamārgeṇa āptaḥ yamāntikam [?]
auf einem Weg voller mannigfacher Qualen wurde ich in Yamas Nähe gebracht
daṃṣṭrākarālavadanam apaśyaṃ samavartinam
und erblickte den Gleichrichtenden mit seinem von Zähnen entstellten Antlitz

[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt der üblichen zwei Zeilen (sechs statt vier Pādas); vollständig übersetzt.] [?: „anekalkeśasaṃpannamārgeṇātpo“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „anekakleśasampannamārgeṇa āptaḥ“ gedeutet.]

atha kāliścitragutpamāhūyedamabhāṣata / asya śikṣāvidhānaṃ ca yathāvadvada paṇḍitaṃ

Da rief Kāla (Yama) den Citragupta herbei und sprach zu ihm: „Sage genau, wie mit diesem [Mann] nach der Vorschrift zu verfahren ist, o Gelehrter.“

Wort für Wort
atha kālaś citraguptam [?]
da [rief] Kāla (Yama) den Citragupta
āhūya idam abhāṣata
herbeigerufen, sprach er dies
asya śikṣāvidhānaṃ ca
wie mit diesem zu verfahren ist
yathāvad vada paṇḍita
sage genau, o Gelehrter

[?: „kāliścitragutpam“ im Quelltext verschrieben für „kālaścitraguptam“.]

evamuktaścitragutpo dharmarājena sattama / ciraṃ vicārayāmāsa punaścedamabhāpata

So von Dharmarāja angesprochen, o Bester [Nārada], überlegte Citragupta lange und sprach dann wiederum dies.

Wort für Wort
evam uktaś citraguptaḥ [?]
so angesprochen, Citragupta
dharmarājena sattama
von Dharmarāja, o Bester
ciraṃ vicārayāmāsa
überlegte lange
punaśca idam abhāṣata [?]
und sprach dann wiederum dies

[?: „citragutpo“ im Quelltext verschrieben für „citraguptaḥ“; „abhāpata“ für „abhāṣata“.]

asau pāparataḥ satyaṃ tathāpi śṛṇu dharmapa / ekādaśyāṃ nirāhāraḥ sarvapāpaiḥ pramucyate

„Dieser [Mann] ist zwar wahrhaft [einer, der] der Sünde ergeben war; dennoch höre, o Herr des Rechts: wer an der Ekādaśī ohne Nahrung bleibt, wird von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
asau pāparataḥ satyaṃ
dieser ist zwar wahrhaft der Sünde ergeben
tathāpi śṛṇu dharmapa
dennoch höre, o Herr des Rechts
ekādaśyāṃ nirāhāraḥ
wer an der Ekādaśī ohne Nahrung [bleibt]
sarvapāpaiḥ pramucyate
wird von allen Sünden befreit

eṣa revātaṭe ramye nirāhāro harerdine / jāgaraṃ copavāsaṃ ca kṛtvā niṣaapāpatāṃ gataḥ

Dieser [Mann] hat, ohne Nahrung, am lieblichen Ufer der Revā, an Haris [heiligem] Tag, Nachtwache und Fasten gehalten und ist dadurch zur Sündlosigkeit gelangt.

Wort für Wort
eṣa revātaṭe ramye
dieser [Mann], am lieblichen Ufer der Revā
nirāhāro harerdine
ohne Nahrung, an Haris Tag
jāgaraṃ copavāsaṃ ca kṛtvā
Nachtwache und Fasten gehalten habend
niṣpāpatāṃ gataḥ [?]
ist zur Sündlosigkeit gelangt

[?: „niṣaapāpatāṃ“ im Quelltext verschrieben für „niṣpāpatāṃ“.]

yāni kāni ca pāpāni kṛtāni subahūni ca / tāni sarvāṇi naṣṭāni hyupavāsaprabhāvataḥ

Welche Sünden auch immer, sehr viele, von ihm begangen worden sind – sie alle sind durch die Kraft des Fastens vernichtet.“

Wort für Wort
yāni kāni ca pāpāni
welche Sünden auch immer
kṛtāni subahūni ca
begangen worden sind, sehr viele
tāni sarvāṇi naṣṭāni
sie alle sind vernichtet
hi upavāsaprabhāvataḥ
durch die Kraft des Fastens

evamukto dharmarājaścitragutpena dhīmatā /' nānāma daṇḍavadbhūmau mamāgre so 'nukaṃpitaḥ

So von dem klugen Citragupta angesprochen, verneigte sich Dharmarāja [?], von Mitleid bewegt, wie ein Stab zu Boden vor mir.

Wort für Wort
evam ukto dharmarājaś
so angesprochen, Dharmarāja
citraguptena dhīmatā [?]
von dem klugen Citragupta
praṇanāma [?] daṇḍavad bhūmau
verneigte sich wie ein Stab zu Boden
mamāgre so 'nukampitaḥ
vor mir, von Mitleid bewegt

[?: „citragutpena“ im Quelltext verschrieben für „citraguptena“; „nānāma“ im Quelltext wohl verschrieben für „praṇanāma“ (‚verneigte sich‘); außerdem stehendes störendes Apostroph-Zeichen nach dieser Zeile im Quelltext ohne erkennbare Funktion.]

pūjayāmāsa māṃ tatra bhaktibhāvena dhairmarāṭ / tataśca svabhaṭānsarvānāhūyedamuvāca ha

Dharmarāja verehrte mich dort mit hingebungsvoller Gesinnung; und dann rief er alle seine Boten herbei und sprach zu ihnen dies:

Wort für Wort
pūjayāmāsa māṃ tatra
er verehrte mich dort
bhaktibhāvena dharmarāṭ [?]
mit hingebungsvoller Gesinnung, Dharmarāja
tataśca svabhaṭānsarvān
und dann alle seine Boten
āhūya idam uvāca ha
herbeigerufen, sprach er dies

[?: „dhairmarāṭ“ im Quelltext verschrieben für „dharmarāṭ“.]

dharmarāja uvāca śṛṇudhvaṃ madvaco dūtā hitaṃ vakṣyāmyanuttamamam / dharmamārgaratā nmartyānmānayadhvaṃ mamāntikam

Dharmarāja sprach: „Höret meine Worte, ihr Boten; ich werde euch Heilsames, das Allerhöchste, verkünden: Menschen, die dem Pfad des Dharma ergeben sind, sollt ihr in meiner Nähe [mit Ehren] behandeln.

Wort für Wort
dharmarāja uvāca
Dharmarāja sprach:
śṛṇudhvaṃ madvaco dūtā
höret meine Worte, ihr Boten
hitaṃ vakṣyāmi anuttamam
ich werde Heilsames, das Allerhöchste, verkünden
dharmamārgarātān martyān [?] mānayadhvaṃ mamāntikam
Menschen, die dem Pfad des Dharma ergeben sind, sollt ihr in meiner Nähe [mit Ehren] behandeln

[?: „dharmamārgaratā nmartyān“ im Quelltext verschrieben für „dharmamārgarātān martyān“.]

ye viṣṇupūjanaratāḥ prayatāḥ kṛtajñāścaikādaśīvrataparā vijitendriyāśca / nārāyaṇācyutahare śaraṇaṃ bhaveti śāntā vadanti satataṃ tarasātyajadhvam

Die der Verehrung Viṣṇus ergeben, geläutert, dankbar, dem Ekādaśī-Gelübde zugetan und sinnesbeherrscht sind, und die, friedvoll, stets sprechen: ‚Nārāyaṇa, Acyuta, Hari, sei [meine] Zuflucht!‘ – diese lasset eilends [ungeschoren]!

Wort für Wort
ye viṣṇupūjanaratāḥ prayatāḥ kṛtajñāḥ
die der Verehrung Viṣṇus ergeben, geläutert, dankbar sind
caikādaśīvrataparā vijitendriyāśca
und dem Ekādaśī-Gelübde zugetan und sinnesbeherrscht
nārāyaṇācyutahare śaraṇaṃ bhaveti śāntā vadanti satatam
die friedvoll stets sprechen: ‚Nārāyaṇa, Acyuta, Hari, sei Zuflucht‘
tarasātyajadhvam
lasset sie eilends [ungeschoren]

[Anm.: Dieser und die folgenden Verse (bis V82) stehen in einem längeren Versmaß (nicht im gewöhnlichen Anuṣṭubh-Śloka der übrigen Kapitelverse), passend zum feierlichen Höhepunkt der Rede des Dharmarāja.]

nārāyaṇācyuta janārdana kṛṣṇa viṣṇo padmeśa padmajapitaḥ śiva śaṅkareti / nityaṃ vadantyakhilaloka hitāḥ praśāntā dūradbhaṭāstyajatā tānna mamaiṣu śikṣā

Wer beständig spricht: ‚Nārāyaṇa, Acyuta, Janārdana, Kṛṣṇa, Viṣṇu, Herr der Lotusblume, Vater des Lotusgeborenen, Śiva, Śaṅkara!‘, und wer allen Welten wohlgesinnt, ganz befriedet ist – lasset sie, ihr Boten, von ferne! Für sie gilt meine Weisung nicht.

Wort für Wort
nārāyaṇācyuta janārdana kṛṣṇa viṣṇo padmeśa padmajapitaḥ śiva śaṅkareti
‚Nārāyaṇa, Acyuta, Janārdana, Kṛṣṇa, Viṣṇu, Herr der Lotusblume, Vater des Lotusgeborenen, Śiva, Śaṅkara‘
nityaṃ vadanty akhilaloka hitāḥ praśāntāḥ
wer dies beständig spricht, allen Welten wohlgesinnt, ganz befriedet
dūrād bhaṭāstyajata [?]
lasset sie, ihr Boten, von ferne
tān na mama eṣu śikṣā
für sie gilt meine Weisung nicht

[?: „dūradbhaṭāstyajatā“ im Quelltext verschrieben für „dūrād bhaṭās tyajata“.]

nārāyaṇārpitakṛtānharibhaktibhajaḥ svācāramārganiratān gurusevakāṃśca / satpātradāna niratāṃśca sudīnapāllāndūtāstyajadhvamaniśaṃ harināmasaktān

Diejenigen, deren Werke Nārāyaṇa dargebracht sind, die an Haris Hingabe teilhaben, dem eigenen rechten Wandel ergeben sind, dem Guru dienen, der Gabe an würdige Empfänger zugetan sind, die Beschützer der Elenden sind und unablässig am Namen Haris hängen – lasset sie, ihr Boten!

Wort für Wort
nārāyaṇārpitakṛtān haribhaktibhājaḥ
deren Werke Nārāyaṇa dargebracht sind, die an Haris Hingabe teilhaben
svācāramārganiratān gurusevakāṃśca
dem eigenen rechten Wandel ergeben, dem Guru dienend
satpātradāna niratāṃśca sudīnapālān [?]
der Gabe an würdige Empfänger zugetan, die Beschützer der Elenden
dūtāstyajadhvam aniśaṃ harināmasaktān
lasset sie, ihr Boten, die unablässig am Namen Haris hängen

[?: „sudīnapāllān“ im Quelltext wohl verschrieben für „sudīnapālān“.]

pāṣaṇḍasaṅgarahitāndvijabhaktiniṣṭhānsatsaṃgalollupatarāṃśca tathātitheyān / śaṃbhau harau ca samabuddhimatastathaiva dūtāstyajadhvamupakāraparāñjanānām

Diejenigen, die frei sind von Umgang mit Häretikern, in Hingabe zu den Zweifachgeborenen fest gegründet sind, sehr begierig nach der Gesellschaft der Guten sind und dabei gastfreundlich, und die Śambhu und Hari als [wesens]gleich betrachten – lasset sie, ihr Boten, [diese] hilfsbereiten Menschen!

Wort für Wort
pāṣaṇḍasaṅgarahitān dvijabhaktiniṣṭhān
die frei von Umgang mit Häretikern, in Hingabe zu den Zweifachgeborenen fest gegründet sind
satsaṅgalolupatarāṃśca tathā ātitheyān [?]
sehr begierig nach der Gesellschaft der Guten und gastfreundlich
śaṃbhau harau ca samabuddhimataḥ
die Śambhu und Hari als wesensgleich betrachten
dūtāstyajadhvam upakāraparān janānām
lasset sie, ihr Boten, die hilfsbereiten Menschen

[?: „satsaṃgalollupatarāṃśca“ im Quelltext verschrieben für „satsaṅgalolupatarān“; „tathātitheyān“ unsicher als „tathā ātitheyān“ (‚und gastfreundlich‘) aufgelöst.]

ye varjitā harikathāmṛtasevanaiśca nārāyaṇasmṛtiparāyaṇamānasaiśca // virpandrapādajalasecanato 'prahṛṣṭāṃstānpāpino mama bhaṭā gṛhamānayadhvam

Diejenigen aber, die des Genusses des Nektars der Hari-Erzählungen und der auf die Erinnerung Nārāyaṇas gerichteten Gesinnung beraubt sind, und die sich nicht an dem [heiligen] Wasser erfreuen, das die Füße der besten Brahmanen gewaschen hat [?] – diese Sünder, ihr meine Boten, bringet in mein Haus!

Wort für Wort
ye varjitā harikathāmṛtasevanaiśca
die des Genusses des Nektars der Hari-Erzählungen beraubt sind
nārāyaṇasmṛtiparāyaṇamānasaiśca
und der auf die Erinnerung Nārāyaṇas gerichteten Gesinnung
viprendrapādajalasecanato 'prahṛṣṭāṃstān [?]
die sich nicht am Wasser der Brahmanenfüße erfreuen
pāpino mama bhaṭā gṛham ānayadhvam
diese Sünder, ihr meine Boten, bringet in mein Haus

[?: „virpandrapādajalasecanato 'prahṛṣṭāṃstān“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „viprendrapādajalasecanataḥ aprahṛṣṭān“ gedeutet.]

ye mātṛtātaparibhartsanaśīlinaśca lokadviṣo hitajanāhitakarmaṇaśca / devasvalobhaniratāñjananāśakartṛānatrānayadhvamaparādhaparāṃśca dūtāḥ

Diejenigen, die die Gewohnheit haben, Mutter und Vater zu schmähen, die die Welt hassen, die den Wohlgesinnten Schaden zufügen, die nach dem Eigentum der Götter (Tempelgut) gierig sind, die Menschen vernichten – diese bringet herbei, ihr Boten, die im Unrecht verharren!

Wort für Wort
ye mātṛtātaparibhartsanaśīlinaśca
die die Gewohnheit haben, Mutter und Vater zu schmähen
lokadviṣo hitajanāhitakarmaṇaśca
die die Welt hassen und den Wohlgesinnten Schaden zufügen
devasvalobhaniratāñ jananāśakartṛn
die nach dem Eigentum der Götter gierig sind, die Menschen vernichten
atrānayadhvam aparādhaparāṃśca dūtāḥ
bringet diese herbei, ihr Boten, die im Unrecht verharren

ekādaśīvrataparāṅmukhamugraśīlaṃ lokāpavādanirataṃ paranindakaṃ ca / grāmasya nāśakaramuttamavairayuktaṃ dūtāḥ samānayata vipradhaneṣu lubdham

Wer sich vom Ekādaśī-Gelübde abwendet, von grausamem Wesen ist, sich der Verleumdung der Welt hingibt und andere schmäht, wer ein Dorf zugrunde richtet, in tiefster Feindschaft lebt und nach dem Besitz der Brahmanen gierig ist – diesen bringet herbei, ihr Boten!

Wort für Wort
ekādaśīvrataparāṅmukham ugraśīlaṃ
wer sich vom Ekādaśī-Gelübde abwendet, von grausamem Wesen ist
lokāpavādanirataṃ paranindakaṃ ca
sich der Verleumdung der Welt hingibt und andere schmäht
grāmasya nāśakaram uttamavairayuktaṃ
wer ein Dorf zugrunde richtet, in tiefster Feindschaft lebt
dūtāḥ samānayata vipradhaneṣu lubdham
bringet herbei, ihr Boten, wer nach dem Besitz der Brahmanen gierig ist

ye viṣṇubhaktivimukhāḥ praṇamanti naiva nārāyaṇaṃ hi śaraṇāgatapālakaṃ ca / viṣṇavālayaṃ ca nahi yānti narāḥ sumūrkhāstānānayadhvamatipāparatānprasāhya

Jene Menschen, die der Hingabe zu Viṣṇu abgeneigt sind und sich nicht vor Nārāyaṇa verneigen, dem Beschützer der zu ihm Geflüchteten, und die törichterweise auch nicht Viṣṇus Tempel aufsuchen – diese, den Sünden über die Maßen ergebenen, bringet mit Gewalt herbei!

Wort für Wort
ye viṣṇubhaktivimukhāḥ
die der Hingabe zu Viṣṇu abgeneigt sind
praṇamanti naiva nārāyaṇaṃ hi śaraṇāgatapālakaṃ ca
und sich nicht vor Nārāyaṇa verneigen, dem Beschützer der zu ihm Geflüchteten
viṣṇavālayaṃ ca nahi yānti narāḥ sumūrkhāḥ
und die törichterweise auch nicht Viṣṇus Tempel aufsuchen
tān ānayadhvam atipāparatān prasāhya
diese, den Sünden über die Maßen ergebenen, bringet mit Gewalt herbei

evaṃ śrutaṃ yadā tatra yamena paribhāṣitam / mayānutāpadagdhena smṛtaṃ tatkarma ninditam

Als ich dort so hörte, was von Yama gesprochen wurde, gedachte ich, von Reue verzehrt, jenes verwerflichen Tuns [das ich begangen hatte].

Wort für Wort
evaṃ śrutaṃ yadā tatra
als ich dort so hörte
yamena paribhāṣitam
was von Yama gesprochen wurde
mayānutāpadagdhena
von mir, von Reue verzehrt
smṛtaṃ tatkarma ninditam
wurde jenes verwerfliche Tun gedacht

asatkarmānutāpena saddharmaśravaṇena ca / tatraiva sarvapāpāni niḥśeṣāṇi gatāni me

Durch die Reue über schlechtes Tun und durch das Hören der wahren Lehre wichen dort auf der Stelle alle meine Sünden restlos von mir.

Wort für Wort
asatkarmānutāpena
durch die Reue über schlechtes Tun
saddharmaśravaṇena ca
und durch das Hören der wahren Lehre
tatraiva sarvapāpāni
dort selbst wichen alle meine Sünden
niḥśeṣāṇi gatāni me
restlos von mir

pāpaśeṣādvinirmuktaṃ harisārupyatāṃ gatam / sahasrasūryasaṃkāśaṃ praṇanāma yamaśca tam

Mich, der ich vom Rest der Sünde befreit war und zur Gleichgestalt mit Hari gelangt war, strahlend wie tausend Sonnen, verneigte sich sogar Yama selbst.

Wort für Wort
pāpaśeṣād vinirmuktaṃ
vom Rest der Sünde befreit
harisārūpyatāṃ gatam
zur Gleichgestalt mit Hari gelangt
sahasrasūryasaṃkāśaṃ
strahlend wie tausend Sonnen
praṇanāma yamaśca tam
verneigte sich sogar Yama vor mir

evaṃ dṛṣṭvā vismitāste yamadūtā bhayotkaṭāḥ / viśvāsaṃ paramaṃ cakruryamena paribhāṣite

Als sie dies sahen, gerieten jene furchterregenden Boten Yamas in Staunen und fassten, nachdem Yama gesprochen hatte, höchstes Vertrauen [zu dieser Lehre].

Wort für Wort
evaṃ dṛṣṭvā vismitāste
als sie dies sahen, gerieten sie in Staunen
yamadūtā bhayotkaṭāḥ
jene furchterregenden Boten Yamas
viśvāsaṃ paramaṃ cakruḥ
fassten höchstes Vertrauen
yamena paribhāṣite
als Yama gesprochen hatte

tataḥ saṃpūjya māṃ kālo vimānaśatasaṃkulam / sadyaḥ saṃpreṣayāmāsa tadviṣṇoḥ paramaṃ padam

Dann, nachdem Kāla (Yama) mich geehrt hatte, sandte er mich sogleich zu jener höchsten Stätte Viṣṇus, die von hunderten von Himmelswagen erfüllt war.

Wort für Wort
tataḥ saṃpūjya māṃ kālo
dann, nachdem Kāla mich geehrt hatte
vimānaśatasaṃkulam
die von hunderten von Himmelswagen erfüllt war
sadyaḥ saṃpreṣayāmāsa
sandte er sogleich
tad viṣṇoḥ paramaṃ padam
zu jener höchsten Stätte Viṣṇus

vimānakoṭibhiḥ sārddhaṃ sarvabhogasamanvitaiḥ / karmaṇā tena viprarṣe viṣṇuloke mayoṣitam

Zusammen mit Millionen von Himmelswagen, die mit allem Genuss ausgestattet waren, verweilte ich durch jenes Werk, o Brahmanenweiser, in der Welt Viṣṇus.

Wort für Wort
vimānakoṭibhiḥ sārddhaṃ
zusammen mit Millionen von Himmelswagen
sarvabhogasamanvitaiḥ
die mit allem Genuss ausgestattet waren
karmaṇā tena viprarṣe
durch jenes Werk, o Brahmanenweiser
viṣṇuloke mayoṣitam
verweilte ich in der Welt Viṣṇus

kalpakoṭisahasrāṇi kalpakoṭiśatāni ca / sthitvā viṣṇupadaṃ paścādindralokamupagamam

Nachdem ich tausend Millionen und hundert Millionen Weltzeitalter in Viṣṇus Stätte verweilt hatte, gelangte ich danach in die Welt Indras.

Wort für Wort
kalpakoṭisahasrāṇi
tausend Millionen Weltzeitalter
kalpakoṭiśatāni ca
und hundert Millionen Weltzeitalter
sthitvā viṣṇupadaṃ paścād
nachdem ich in Viṣṇus Stätte verweilt hatte, danach
indralokam upagamam
gelangte ich in die Welt Indras

tatrāpi sarvabhogāḍhyaḥ sarvadevanamaskṛtaḥ / tāvatkālaṃ divisthitvā tato bhūmimupāgataḥ

Auch dort, reich an allem Genuss und von allen Göttern verehrt, verweilte ich ebenso lange Zeit im Himmel, und gelangte danach zur Erde.

Wort für Wort
tatrāpi sarvabhogāḍhyaḥ
auch dort, reich an allem Genuss
sarvadevanamaskṛtaḥ
von allen Göttern verehrt
tāvatkālaṃ divisthitvā
nachdem ich ebenso lange Zeit im Himmel verweilt hatte
tato bhūmimupāgataḥ
gelangte ich danach zur Erde

atrāpi viṣṇubhaktānāṃ jāto 'haṃ bhavatāṃ kule / jātismaratvāḍajjānāmi sarvametanmunīśaavara

Hier nun wurde ich in eurem Geschlecht geboren, dem der Viṣṇu-Verehrer; durch die Erinnerung an meine frühere Geburt weiß ich dies alles, o bester der Weisen.

Wort für Wort
atrāpi viṣṇubhaktānāṃ
hier nun, [im Geschlecht] der Viṣṇu-Verehrer
jāto 'haṃ bhavatāṃ kule
wurde ich in eurem Geschlecht geboren
jātismaratvāj jānāmi [?]
durch die Erinnerung an meine frühere Geburt weiß ich
sarvam etan munīśvara [?]
dies alles, o bester der Weisen

[?: „jātismaratvāḍajjānāmi“ im Quelltext verschrieben für „jātismaratvāj jānāmi“; „munīśaavara“ für „munīśvara“.]

tasmādviṣṇvarcanodyogaṃ karomi saha bālakaiḥ / ekādaśīvratamidamiti na jñātavānpurā

Darum bemühe ich mich zusammen mit den [anderen] Kindern um die Verehrung Viṣṇus; nur dass dies das Ekādaśī-Gelübde sei, wusste ich früher nicht.

Wort für Wort
tasmādviṣṇvarcanodyogaṃ
darum [bemühe ich mich] um die Verehrung Viṣṇus
karomi saha bālakaiḥ
tue ich zusammen mit den Kindern
ekādaśīvratamidam
dass dies das Ekādaśī-Gelübde [sei]
iti na jñātavānpurā
dies wusste ich früher nicht

jātismṛtiprabhāveṇa tajjñātaṃ sāṃprataṃ mayā / atra svenāpi yatkarma kṛtaṃ tasya phalaṃ tvidam

Durch die Kraft der Erinnerung an frühere Geburten habe ich dies nun erkannt: dies ist die Frucht dessen, was ich selbst damals getan hatte.

Wort für Wort
jātismṛtiprabhāveṇa
durch die Kraft der Erinnerung an frühere Geburten
tajjñātaṃ sāṃprataṃ mayā
habe ich dies nun erkannt
atra svenāpi yatkarma kṛtaṃ
was ich selbst damals getan hatte
tasya phalaṃ tvidam
dies ist die Frucht dessen

ekādaśīvrataṃ bhaktyā kurvatāṃ kimuta prabho / tasmāccariṣye viprendra śubhamekādaśīvratam

Wenn schon dies die Frucht war, um wie viel mehr [gilt dies] für jene, die das Ekādaśī-Gelübde mit Hingabe vollziehen, o Herr! Darum, o Fürst der Brahmanen, werde ich das heilvolle Ekādaśī-Gelübde [fortan] üben.

Wort für Wort
ekādaśīvrataṃ bhaktyā kurvatāṃ kimuta prabho
für jene, die das Ekādaśī-Gelübde mit Hingabe vollziehen, um wie viel mehr, o Herr
tasmāccariṣye viprendra
darum werde ich üben, o Fürst der Brahmanen
śubham ekādaśīvratam
das heilvolle Ekādaśī-Gelübde

viṣṇupūjāṃ cāharahaḥ paramasthānakāṅkṣayā / ekādaśīvrataṃ yattu kurvanti śraddhayā narāḥ

[Und ebenso werde ich] täglich [die Verehrung Viṣṇus üben], im Verlangen nach der höchsten Stätte. Was aber die Menschen betrifft, die das Ekādaśī-Gelübde mit Glauben vollziehen –

Wort für Wort
viṣṇupūjāṃ ca aharahaḥ
und die Verehrung Viṣṇus täglich
paramasthānakāṅkṣayā
im Verlangen nach der höchsten Stätte
ekādaśīvrataṃ yattu
was aber das Ekādaśī-Gelübde betrifft
kurvanti śraddhayā narāḥ
das die Menschen mit Glauben vollziehen

teṣāṃ tu viṣṇubhavanaṃ paramānandadāyakam / evaṃ putravacaḥ śrutvā saṃtuṣṭo gālavo muniḥ

– ihnen wird gewiss die Wohnstatt Viṣṇus zuteil, die höchste Wonne gewährt.“ Als er die Worte seines Sohnes so gehört hatte, war der Weise Gālava hochbefriedigt.

Wort für Wort
teṣāṃ tu viṣṇubhavanaṃ
ihnen [wird] die Wohnstatt Viṣṇus
paramānandadāyakam
die höchste Wonne gewährt
evaṃ putravacaḥ śrutvā
als er die Worte seines Sohnes so gehört hatte
saṃtuṣṭo gālavo muniḥ
war der Weise Gālava befriedigt

avāpa paramāṃ tuṣṭiṃ manasā cātiharṣitaḥ / majjanma saphalaṃ jātaṃ maddhaṃśaḥ pāvanīkṛtaḥ

Er erlangte höchste Zufriedenheit und war im Herzen über die Maßen erfreut: „Meine Geburt ist fruchtbar geworden, mein [eigener] Sproß ist geheiligt worden!

Wort für Wort
avāpa paramāṃ tuṣṭiṃ
er erlangte höchste Zufriedenheit
manasā cātiharṣitaḥ
und war im Herzen über die Maßen erfreut
majjanma saphalaṃ jātaṃ
meine Geburt ist fruchtbar geworden
maddhaṃśaḥ pāvanīkṛtaḥ
mein Sproß ist geheiligt worden

yatastvaṃ madagṛhe jāto viṣṇubhaktiparāyaṇaḥ / iti saṃtuṣṭacittastu tasya putrasya karmaṇā

Denn du bist, ganz der Hingabe zu Viṣṇu ergeben, in meinem Hause geboren worden!“ – so [sprach er], im Herzen befriedigt durch das Tun seines Sohnes.

Wort für Wort
yatastvaṃ madagṛhe jāto
denn du bist in meinem Hause geboren worden
viṣṇubhaktiparāyaṇaḥ
ganz der Hingabe zu Viṣṇu ergeben
iti saṃtuṣṭacittastu
so, im Herzen befriedigt
tasya putrasya karmaṇā
durch das Tun seines Sohnes

haripūjāvidhānaṃ ca yathāvatsamabodhayat / ityetatte muniśreṣṭha yathāvatkathitaṃ mayā / saṃkocavistarābhyāṃ ca kimanyacchrotumicchasi

Und er belehrte ihn ordnungsgemäß über die rechte Weise der Hari-Verehrung. – Dies alles, o bester der Weisen, habe ich dir der Wahrheit gemäß erzählt, kurz gefasst und ausführlich zugleich; was sonst noch begehrst du zu hören?

Wort für Wort
haripūjāvidhānaṃ ca
und die rechte Weise der Hari-Verehrung
yathāvat samabodhayat
belehrte er ihn ordnungsgemäß
ityetatte muniśreṣṭha yathāvat kathitaṃ mayā
dies alles, o bester der Weisen, habe ich dir der Wahrheit gemäß erzählt
saṃkocavistarābhyāṃ ca kimanyacchrotumicchasi
kurz gefasst und ausführlich zugleich; was sonst noch begehrst du zu hören

[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt der üblichen zwei Zeilen (sechs statt vier Pādas); er markiert zugleich den Übergang von der Binnenerzählung (Gālava und Bhadraśīla) zurück zum Rahmengespräch zwischen Sanaka und Nārada; vollständig übersetzt.]

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