Sanaka sprach: Dies andere Gelübde will ich nun verkünden, das in den drei Welten wohlbekannte, das alle Sünden besänftigt und die Frucht aller Wünsche gewährt.
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
idam anyat pravakṣyāmi vrataṃ
dies andere Gelübde will ich verkünden
trailokyaviśrutam
das in den drei Welten wohlbekannte
sarvapāpapraśamanaṃ
das alle Sünden besänftigt
sarvakāmaphalapradam
das die Frucht aller Wünsche gewährt
[Anm.: Der Vers beginnt im Quelltext mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels (des Monatsfastens, hier als „zwölftes Kapitel“ gezählt); erst danach beginnt mit „sanaka uvāca“ der eigentliche Vers 1 dieses Kapitels; nur dieser wurde übersetzt.]
Für Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und ebenso für Śūdras und für Frauen gewährt es, wenn es mit Hingabe geübt wird, die Erlösung – es ist Viṣṇu über die Maßen lieb, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ
für Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas
śūdrāṇāṃ caiva yoṣitām [?]
und ebenso für Śūdras und für Frauen
mokṣadaṃ kurvatāṃ bhaktyā
gewährt es Erlösung denen, die es mit Hingabe üben
viṣṇoḥ priyataraṃ dvija
es ist Viṣṇu über die Maßen lieb, o Zweifachgeborener
[?: „yopitām“ im Quelltext verschrieben für „yoṣitām“ (‚der Frauen‘).]
upavāsaphalaṃ lipsurjahyādbhukticatuṣṭayam / pūrvāparadine gatrāvahorātraṃ tu madhyame
Wer die Frucht des Fastens erlangen will, soll die vierfache Nahrungsaufnahme aufgeben: am Tag davor und danach [je einmal], in der Mitte aber [ganz], einen vollen Tag und eine Nacht.
Wort für Wort
upavāsaphalaṃ lipsuḥ
wer die Frucht des Fastens erlangen will
jahyād bhukticatuṣṭayam
soll die vierfache Nahrungsaufnahme aufgeben
pūrvāparadine gatvā [?]
am Tag davor und danach [je einmal]
ahorātraṃ tu madhyame
in der Mitte aber einen vollen Tag und eine Nacht
[?: „gatrāvahorātraṃ“ im Quelltext verschrieben, sinngemäß als „gatvā ahorātraṃ“ (‚gegangen [in den vollen] Tag und Nacht‘) aufgelöst.]
bhaveddaśamyāmekāśīdvādaśyāṃ ca munīśvara / ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati
Am zehnten und am zwölften Tag, o Fürst der Weisen, soll man nur einmal essen; an der Ekādaśī aber bleibe man ohne Nahrung, wenn man die Erlösung erstrebt.
yāni kāni ca pāpāni brahmahatyādikāni ca / annamāśritya tiṣṭhanti tāni vipra hareśvara / ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati
Welche Sünden auch immer es gibt, angefangen mit dem Mord an einem Brahmanen, sie alle haften an der Speise [und bestehen durch sie fort], o Brahmane [?] – an der Ekādaśī aber bleibe man ohne Nahrung, wenn man die Erlösung erstrebt.
Wort für Wort
yāni kāni ca pāpāni
welche Sünden auch immer
brahmahatyādikāni ca
angefangen mit dem Mord an einem Brahmanen
annam āśritya tiṣṭhanti
haften an der Speise und bestehen fort
tāni vipra hareśvara [?]
sie alle, o Brahmane [?]
ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati
an der Ekādaśī [bleibe man] ohne Nahrung, wenn man die Erlösung erstrebt
[Anm.: Die dritte Zeile dieses Verses wiederholt wörtlich die zweite Zeile von Vers 7 („ekādaśyāṃ nirāhāro yadi muktimabhīpsati“); da laut Aufgabenstellung eine frühere Dittographie um V8–V9 bereits bereinigt wurde, wird dieses Wiederauftreten hier nur vermerkt, nicht als Fehler behandelt.] [?: Die Anrede „hareśvara“ neben „vipra“ ist auffällig (zwei Anreden in einer Zeile); Lesung unsicher.]
Selbst wer mit einer Todsünde behaftet ist, oder mit allen [anderen] Sünden [?] beladen, gelangt, wenn er an der Ekādaśī ohne Nahrung verharrt, zum höchsten Ziel.
Wort für Wort
mahāpātakayukto vā
selbst wer mit einer Todsünde behaftet ist
yukto vā sarvapātakaiḥ [?]
oder mit allen Sünden beladen
ekādaśyāṃ nirāhāraḥ sthitvā
wenn er an der Ekādaśī ohne Nahrung verharrt
yāti parāṃ gatim
gelangt er zum höchsten Ziel
[?: „sarva pānakaiḥ“ im Quelltext wohl verschrieben für „sarvapātakaiḥ“ (‚mit allen Sünden‘).]
Die Ekādaśī ist von großem Verdienst, die Viṣṇu liebste Tithi; sie soll von den Brahmanen, die die Durchtrennung des Saṃsāra erstreben, unter allen Umständen begangen werden.
Wort für Wort
ekādaśī mahāpuṇyā
die Ekādaśī ist von großem Verdienst
viṣṇoḥ priyatamā tithiḥ
die Viṣṇu liebste Tithi
saṃsevyā sarvathā vipraiḥ
soll von den Brahmanen unter allen Umständen begangen werden
saṃsāracchedalipsubhiḥ
von denen, die die Durchtrennung des Saṃsāra erstreben
An der Ekādaśī bade man ebenso, verehre Janārdana wohl mit Duftstoffen, Blumen und anderem, und rezitiere sodann [den folgenden Spruch] [?].
Wort für Wort
ekādaśyāṃ tathā snātvā
an der Ekādaśī ebenso gebadet habend
saṃpūjya ca janārdanam
und Janārdana verehrt habend
gandhapuṣpādibhiḥ samyak
wohl mit Duftstoffen, Blumen und anderem
tatastvenaṃ [mantram] udīrayet [?]
dann rezitiere man dies [den Spruch]
[?: „saṃpūjyaca ca“ im Quelltext mit doppeltem „ca“; „tatastve vasudīrayet“ stark verschrieben, sinngemäß als „tataḥ tvenaṃ [mantram] udīrayet“ (‚dann rezitiere man dies‘) gedeutet.]
Nachdem man Janārdana an der Ekādaśī mit den fünf Nektargaben gebadet hat, [und ihn an der Dvādaśī] mit Milch [badet], erlangt man dadurch, o Brahmane, Gleichgestalt mit Hari [?].
Wort für Wort
pañcāmṛtena saṃsnāpya
mit den fünf Nektargaben gebadet habend
ekādaśyāṃ janārdanam
an der Ekādaśī, Janārdana
dvādaśyāṃ payasā vipra
an der Dvādaśī mit Milch, o Brahmane
harisārūpyam aśnute [?]
erlangt man Gleichgestalt mit Hari
[?: „harisārupapyamaṣaśnute“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „harisārūpyam aśnute“ (‚erlangt Gleichgestalt mit Hari‘) wiedergegeben.]
„Sei mir, den die Finsternis der Unwissenheit blind gemacht hat, durch dieses Gelübde gnädig, o Keśava; wende mir dein freundliches Antlitz zu und gib mir das Augenlicht der Erkenntnis.“
Wort für Wort
ajñānatimirāndhasya
dem die Finsternis der Unwissenheit blind gemacht hat
Nachdem man so, o Fürst der Brahmanen, mit gesammeltem Sinn zu Mādhava gesprochen hat, speise man nach Vermögen Brahmanen und gebe ihnen auch eine Gabe (Dakṣiṇā).
Wort für Wort
evaṃ vijñāpya viprendra
nachdem man so gesprochen hat, o Fürst der Brahmanen
mādhavaṃ susamāhitaḥ
zu Mādhava, mit gesammeltem Sinn
brāhmaṇān bhojayecchaktyā [?]
speise man Brahmanen nach Vermögen
dadyād vai dakṣiṇāṃ tathā
und gebe auch eine Gabe
[?: „brahmaṇān“ im Quelltext verschrieben für „brāhmaṇān“.]
evaṃ yaḥ prayataḥ kuryātpuṇyamekādaśīvratam / sa yāti viṣṇubhavanaṃ punarāvṛttidurlabham
Wer so, geläutert, das verdienstvolle Ekādaśī-Gelübde vollzieht, der gelangt zur Wohnstatt Viṣṇus, von der eine Rückkehr [in den Saṃsāra] schwer zu erlangen ist.
vṛṣalīsūtipoṣṭāraṃ vṛṣalīpatimeva ca / ayājyayājakaṃ caiva nālapetsarvadā vratī
Mit dem, der den Sohn einer niedriggeborenen Frau aufzieht, mit dem Gatten einer solchen Frau, sowie mit dem, der für Unwürdige opfert, spreche der Gelübdehalter niemals.
Wort für Wort
vṛṣalīsūtipoṣṭāraṃ [?]
mit dem Nährer des Sohnes einer niedriggeborenen Frau
vṛṣalīpatimeva ca
und mit dem Gatten einer solchen Frau
ayājyayājakaṃ caiva
sowie mit dem, der für Unwürdige opfert
na ālapet sarvadā vratī
spreche der Gelübdehalter niemals
[?: „vṛṣalīsūtipoṣṭāraṃ“ im Quelltext ungewöhnlich, sinngemäß als ‚Nährer des Sohnes einer Vṛṣalī (niedriggeborenen Frau)‘ gedeutet.]
kuṇḍaśinaṃ gāyakaṃ ca tathā devalakāśinam / bhiṣajaṃ kāvyakarttāraṃ devadvijavirodhinam
Den Kuṇḍa-Esser (von unrechter Geburt lebend) [?], den [Berufs-]Sänger, ebenso den, der von Tempeldiensten lebt, den Arzt, den Berufsdichter, den, der Göttern und Brahmanen feindlich gesinnt ist –
Wort für Wort
kuṇḍāśinaṃ gāyakaṃ ca [?]
den Kuṇḍa-Esser und den [Berufs-]Sänger
tathā devalakāśinam
ebenso den, der von Tempeldiensten lebt
bhiṣajaṃ kāvyakarttāraṃ
den Arzt, den Berufsdichter
devadvijavirodhinam
den, der Göttern und Brahmanen feindlich gesinnt ist
[?: „kuṇḍaśinam“ im Quelltext für „kuṇḍāśinam“ (‚Kuṇḍa-Esser‘); „devalakāśinam“ für einen von Tempeldiensten lebenden Menschen (Devalaka).]
– ebenso den nach fremder Speise Gierigen und den, der an fremden Frauen Gefallen findet: diese soll der dem Gelübde und Fasten Ergebene nicht einmal mit einem bloßen Wort ehren.
Wort für Wort
parānnalolupaṃ caiva
ebenso den nach fremder Speise Gierigen
parastrīnirataṃ tathā
und den, der an fremden Frauen Gefallen findet
vratopavāsanirato
der dem Gelübde und Fasten Ergebene
vāṅmātreṇāpi nārcayet
soll [diese] nicht einmal mit einem bloßen Wort ehren
Es gibt keine der Gaṅgā gleiche Pilgerstätte, es gibt keinen der Mutter gleichen Lehrer; es gibt keine Viṣṇu gleiche Gottheit, und es gibt keine Askese, die über dem Fasten (Anaśana) stünde.
nāsti kṣamāsamā mātā nāsti kīrtisamaṃ dhanam / nāsti jñānasamo lābho lābho na ca dharma samaḥ pitā
Es gibt keine der Geduld gleiche Mutter, es gibt keinen dem Ruhm gleichen Reichtum, es gibt keinen dem Wissen gleichen Gewinn, [und] es gibt keinen dem Dharma gleichen Vater [?].
Wort für Wort
nāsti kṣamāsamā mātā
es gibt keine der Geduld gleiche Mutter
nāsti kīrtisamaṃ dhanam
es gibt keinen dem Ruhm gleichen Reichtum
nāsti jñānasamo lābho
es gibt keinen dem Wissen gleichen Gewinn
lābho [?] na ca dharmasamaḥ pitā
und es gibt keinen dem Dharma gleichen Vater
[Anm.: Der letzte Pāda wiederholt im Quelltext das Wort „lābho“ noch einmal vor „na ca dharma samaḥ pitā“, was metrisch und syntaktisch überzählig ist – vermutlich Verschreibung/Dittographie; sinngemäß als „na dharmasamaḥ pitā“ übersetzt.]
na vivekasamo bandhurmaikādaśyāḥ paraṃ vratam / atrāpyudāharantīmamitihāsaṃ purātanam
Es gibt keinen der Unterscheidungskraft (Viveka) gleichen Verwandten, [und] es gibt kein Gelübde, das über [jenem] der Ekādaśī stünde [?]. Hierzu erzählt man auch folgende alte Geschichte (Itihāsa).
Wort für Wort
na vivekasamo bandhuḥ [?]
es gibt keinen der Unterscheidungskraft gleichen Verwandten
na aikādaśyāḥ paraṃ vratam [?]
es gibt kein Gelübde über [jenem] der Ekādaśī
atrāpi udāharanti imam
hierzu erzählt man auch dies
itihāsaṃ purātanam
die alte Geschichte
[?: „bandhurmaikādaśyāḥ“ im Quelltext stark verschrieben/zusammengezogen; sinngemäß als „bandhuḥ, na aikādaśyāḥ paraṃ vratam“ aufgelöst.]
uvā casa narmadātīrere śānto dāntastaponidhiḥ / bahuvṛkṣasamākīrṇe gajabhalluniṣevite
Er wohnte, still und gezügelt, ein Schatz der Askese, am Ufer der Narmadā, [einem Ort], der von vielen Bäumen bestanden und von Elefanten und Bären aufgesucht war,
Wort für Wort
uvāsa [?] śānto dāntaḥ taponidhiḥ
er wohnte, still und gezügelt, ein Schatz der Askese
narmadātīre [?]
am Ufer der Narmadā
bahuvṛkṣasamākīrṇe
von vielen Bäumen bestanden
gajabhallūkaniṣevite [?]
von Elefanten und Bären aufgesucht
[?: „uvā casa“ im Quelltext verschrieben für „uvāsa“ (‚er wohnte‘); „narmadātīrere“ für „narmadātīre“; „gajabhalluniṣevite“ für „gajabhallūkaniṣevite“ (‚von Elefanten und Bären aufgesucht‘).]
der von Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas, Yakṣas und Vidyādharas besucht wurde, reich an Wurzeln, Knollen und Früchten, und von Scharen von Weisen aufgesucht wurde.
Wort für Wort
siddhacāraṇagandharva-
von Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas
yakṣavidyādharānvite
und Yakṣas, Vidyādharas besucht
kandamūlaphalaiḥ pūrṇe
reich an Wurzeln, Knollen und Früchten
munivṛndaniṣevite [?]
von Scharen von Weisen aufgesucht
[?: „munivṛndaniṣedite“ im Quelltext wohl verschrieben für „munivṛndaniṣevite“.]
Der Brahmanenfürst namens Gālava hatte dort lange Zeit seinen Wohnsitz [?]. Ihm wurde ein Sohn geboren, namens Bhadraśīla bekannt, ein gezügelter [Jüngling].
Wort für Wort
gālavo nāma viprendro
der Brahmanenfürst namens Gālava
nivāsam akarot ciram [?]
hatte dort lange Zeit seinen Wohnsitz
tasya abhavad bhadraśīla
ihm wurde [ein Sohn], Bhadraśīla,
iti khyātaḥ suto vaśī
genannt, geboren, ein gezügelter Sohn
[?: „nivāsamakasecciram“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „nivāsam akarot ciram“ (‚er machte dort lange Zeit seinen Wohnsitz‘) gedeutet.]
Bhadraśīla, hochbeglückt und von großem Verstand, erinnerte sich seiner früheren Geburt und war ganz Nārāyaṇa ergeben, selbst noch zur Zeit des Kinderspiels.
Wort für Wort
jātismaro mahābhāgo [?]
der sich seiner früheren Geburt erinnernde, hochbeglückte
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
ganz Nārāyaṇa ergeben
bālakrāḍanakāle 'pi
selbst noch zur Zeit des Kinderspiels
bhadraśīlo mahāmatiḥ
Bhadraśīla, von großem Verstand
[?: „jāntismaro“ im Quelltext verschrieben für „jātismaraḥ“ (‚der sich seiner früheren Geburt erinnert‘).]
Er formte aus Lehm ein Bildnis Viṣṇus und verehrte es zeitweilig; auch belehrte er seine Altersgenossen: „Viṣṇu ist von den Menschen allezeit zu verehren.“
Wort für Wort
mṛdā ca viṣṇoḥ pratimāṃ kṛtvā
nachdem er aus Lehm ein Bildnis Viṣṇus geformt hatte
Indem sie Hari eigens aus Lehm formten, verehrten sie ihn, sei es einzeln oder alle zusammen, mit Freude – jene hochbeglückten [Kinder], die der Viṣṇu-Hingabe ganz ergeben waren.
Selbst während der Spielzeit, sei es für eine Muhūrta oder auch nur eine halbe Muhūrta, indem er sich [das Fasten der] Ekādaśī vornahm, widmete er das Gelübde dem Keśava.
Gālava sprach: „O Bhadraśīla, Hochbeglückter, du bist wahrhaft von gutem Wandel (bhadraśīla), o du mit dem guten Gelübde! Dein heilvolles Betragen ist selbst für Yogins schwer zu erreichen.
Wort für Wort
gālava uvāca
Gālava sprach:
bhadraśīla mahābhāga
o Bhadraśīla, Hochbeglückter
bhadraśīlo 'si suvrata
du bist wahrhaft von gutem Wandel, o du mit dem guten Gelübde
caritaṃ maṅgalaṃ yatte yogināmapi durlabham
dein heilvolles Betragen ist selbst für Yogins schwer zu erreichen
– [du bist] stets der Verehrung Haris ergeben, am Wohl aller Wesen Freude findend, dem Ekādaśī-Gelübde zugetan, frei von verbotenem Tun, jenseits der Gegensatzpaare, ohne Ich-Sucht, friedvoll, ganz der Meditation auf Hari hingegeben –
Wort für Wort
haripūjāparo nityaṃ
stets der Verehrung Haris ergeben
sarvabhūtahiterataḥ
am Wohl aller Wesen Freude findend
ekādaśīvrataparo niṣiddhācāravarjitaḥ
dem Ekādaśī-Gelübde zugetan, frei von verbotenem Tun
nirdvandvo nirmamaḥ śānto [?]
jenseits der Gegensatzpaare, ohne Ich-Sucht, friedvoll
haridhyānaparāyaṇaḥ [?]
ganz der Meditation auf Hari hingegeben
[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt der üblichen zwei Zeilen (sechs statt vier Pādas); vollständig übersetzt.] [?: „nirddhandvo“ im Quelltext verschrieben für „nirdvandvaḥ“; „haridhyānaparāyāṇaḥ“ für „haridhyānaparāyaṇaḥ“.]
svabhāvato janasyāsya hyavidyākāmakarmasu / pravarttate matirvatsa kathaṃ te 'laukikī kṛtiḥ
„Von Natur aus richtet sich der Sinn dieser [gewöhnlichen] Menschen auf Unwissenheit, Begierde und [weltliches] Tun – wie, mein Kind, [kommt es zu] deinem überweltlichen Wirken?
Selbst im Umgang mit den Guten (Satsaṅga) entsteht die Hingabe zum Herrn bei den Menschen nur durch ein Übermaß an früherem Verdienst – darum bin ich in Staunen geraten.
Ich frage dich voll Zuneigung; das mögest du mir denn sagen.“ Bhadraśīla, der bester der Weisen [scheint für sein Alter] – von seinem Vater so mit vielerlei Erwägungen [befragt] –
Wort für Wort
pṛcchāmi prītimāpannaḥ
ich frage, voll Zuneigung geraten
tad bhavān vaktum arhati
das mögest du sagen
bhadraśīlo muniśreṣṭhaḥ [?]
Bhadraśīla, bester der Weisen
pitraivaṃ suvikalpitaiḥ
von seinem Vater so mit vielerlei Erwägungen [befragt]
[?: Der zweite Halbvers geht syntaktisch in Vers 50 über; „muniśreṣṭhaḥ“ als (unerwartete) Epithese für den kindlichen Bhadraśīla gedeutet.]
– er, der sich seiner früheren Geburt erinnerte, von reiner Seele, mit vor Freude lächelndem Antlitz, berichtete seinem Vater alles, was er selbst erlebt hatte, der Wahrheit gemäß.
Wort für Wort
jātismaraḥ sukṛtātmā
er, der sich seiner früheren Geburt erinnerte, von reiner Seele
hṛṣṭaprahasitānanaḥ [?]
mit vor Freude lächelndem Antlitz
svānubhūtaṃ yathāvrataṃ [?]
was er selbst erlebt hatte, der Wahrheit gemäß
sarvaṃ pitre nyavedayat
berichtete er alles seinem Vater
[?: „hṛṣathṭaprahasitānanaḥ“ im Quelltext verschrieben für „hṛṣṭaprahasitānanaḥ“; „svānabhrutaṃ“ für „svānubhūtaṃ“.]
Bhadraśīla sprach: „Höre, Vater, bester der Weisen: was ich einst selbst erfahren habe – durch [die Gabe] der Erinnerung an frühere Geburten weiß ich, was mir von Yama gesagt wurde.
Wort für Wort
bhadraśīla uvāca
Bhadraśīla sprach:
śṛṇu tāta muniśreṣṭha
höre, Vater, bester der Weisen
hi anubhūtaṃ mayā purā
was ich einst selbst erfahren habe
jātismaratvāj jānāmi yamena paribhāṣitam
durch die Erinnerung an frühere Geburten weiß ich, was mir von Yama gesagt wurde
gālava uvāca kastvaṃ pūrvaṃ mahābhāga kimuktaṃ ca yamena te / kasya vā kena vā hetostatsarvaṃ vaktumarhasi
Gālava sprach: „Wer warst du früher, Hochbeglückter, und was wurde dir von Yama gesagt? Wessen [Sohn warst du], und aus welchem Grund [geschah dies] – das alles mögest du mir erzählen.“
Wort für Wort
gālava uvāca
Gālava sprach:
kastvaṃ pūrvaṃ mahābhāga
wer warst du früher, Hochbeglückter
kimuktaṃ ca yamena te
und was wurde dir von Yama gesagt
kasya vā kena vā hetos tat sarvaṃ vaktum arhasi
wessen [Sohn], und aus welchem Grund – das alles mögest du erzählen
Bhadraśīla sprach: „Ich war einst, Vater, ein König aus dem Geschlecht des Mondes (Soma), bekannt unter dem Namen Dharmakīrti, von Dattātreya unterwiesen.
Wort für Wort
bhadraśīla uvāca
Bhadraśīla sprach:
aham āsaṃ purā tāta
ich war einst, Vater
rājā somakulodbhavaḥ
ein König aus dem Geschlecht des Mondes
dharmakīrtir iti khyāto dattātreyeṇa śāsitaḥ [?]
bekannt als Dharmakīrti, von Dattātreya unterwiesen
[?: „dattātragheyeṇa“ im Quelltext verschrieben für „dattātreyeṇa“.]
Dann, berauscht von [meiner] Herrlichkeit, tat ich viel Unrecht; durch den Umgang mit Anhängern häretischer Lehren (Pāṣaṇḍa) wurde ich selbst häretischen Wandels.
Wort für Wort
tataḥ śriyā pramatto 'haṃ
dann, berauscht von [meiner] Herrlichkeit
bahvadharmam akāri [?]
tat ich viel Unrecht
pāṣaṇḍajanasaṃsargāt [?]
durch den Umgang mit Anhängern häretischer Lehren
pāṣaṇḍacarito 'bhavam [?]
wurde ich selbst häretischen Wandels
[?: „bahvadharmama kāripam“ im Quelltext verschrieben, sinngemäß als „bahvadharmam akārayam/akārṣam“ (‚ich tat viel Unrecht‘) gedeutet; „pāpaṇḍajanasaṃsargāt“ und „pāpaṇḍacarito“ verschrieben für „pāṣaṇḍajanasaṃsargāt“ und „pāṣaṇḍacaritaḥ“.]
purārjitāni puṇyāni mayā tu subahūnyapi / pāpaṇḍairbādhito 'haṃ tu vedamārgaṃ samatyajam
Obwohl von mir früher schon sehr viele Verdienste erworben worden waren, gab ich doch, von den Häretikern bedrängt/verführt, den Weg der Veden gänzlich auf.
Wort für Wort
purārjitāni puṇyāni
früher erworbene Verdienste
mayā tu subahūnyapi
von mir zwar sehr viele
pāṣaṇḍair bādhito 'haṃ tu [?]
doch von den Häretikern bedrängt
vedamārgaṃ samatyajam
gab ich den Weg der Veden gänzlich auf
[?: „pāpaṇḍairbādhito“ im Quelltext verschrieben für „pāṣaṇḍairbādhitaḥ“.]
Alle [meine] Opfer wurden durch trügerische Klugheit von mir zunichtegemacht. Als aber die Untertanen [?] mich dem Unrecht ergeben sahen,
Wort für Wort
makhāśca sarve vidhvastāḥ
alle Opfer wurden zunichtegemacht
kūṭayuktividā mayā
durch trügerische Klugheit von mir
adharmanirataṃ māṃ tu
mich aber, dem Unrecht ergeben
dṛṣṭvā maheśajāḥ [?]
als die Untertanen [?] sahen
[Anm.: Der zweite Halbvers dieses Verses ist im Quelltext offenbar unvollständig überliefert (kein eigenes Verb) und geht syntaktisch unmittelbar in Vers 59 über.] [?: „maheśajāḥ“ (wörtl. ‚Söhne des großen Herrn‘) unklar; sinngemäß als Bezeichnung für die Untertanen des Königs gedeutet.]
Von Hunger und Durst gepackt, erschöpft, gelangte ich ans Ufer der Revā (Narmadā); erschöpft von der stechenden Hitze der Sonne [?], badete ich in der Revā.
Wort für Wort
kṣuttṛṭparivṛtaḥ śrāntaḥ
von Hunger und Durst gepackt, erschöpft
revātīram upāgamam
gelangte ich ans Ufer der Revā
ravitīkṣṇātapaklāntaḥ [?]
erschöpft von der stechenden Sonnenhitze
revāyāṃ snānam ācaram
badete ich in der Revā
[?: „ravitīkṣṇātapalkānto“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „ravitīkṣṇātapaklāntaḥ“ (‚von der stechenden Sonnenhitze erschöpft‘) gedeutet.]
Ich, von meinem Heer getrennt [?], allein, von Hunger heftig gequält [...]
Wort für Wort
aham [tyakta]sainyaḥ [?]
ich, von meinem Heer getrennt
ekākī
allein
pīḍyamānaḥ kṣudhā bhṛśam
von Hunger heftig gequält
[Anm.: Dieser Vers ist im Quelltext unvollständig überliefert – es findet sich nur eine einzige Zeile (ein Halbvers), während die zweite Vershälfte fehlt; der Sinn muss daher offenbleiben.] [?: „ahaṣṭasainya“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß und unsicher als „aham [tyakta/apa]sainyaḥ“ (‚ich, von meinem Heer getrennt‘) gedeutet.]
tato yamabhaṭairbaddho mahādaṃṣṭrābhayaṅkaraiḥ / anekalkeśasaṃpannamārgeṇātpo yamāntikam / daṃṣṭrākarālavadanamapaśyaṃ samavartinam
Dann wurde ich von Yamas Boten gefesselt, die mit großen, furchterregenden Zähnen [ausgestattet waren]; auf einem Weg voller mannigfacher Qualen [?] wurde ich in Yamas Nähe gebracht, und dort erblickte ich den Gleichrichtenden (Samavartin, Yama) mit seinem von Zähnen entstellten Antlitz.
Wort für Wort
tato yamabhaṭairbaddho
dann wurde ich von Yamas Boten gefesselt
mahādaṃṣṭrābhayaṅkaraiḥ
die mit großen, furchterregenden Zähnen [ausgestattet waren]
anekakleśasampannamārgeṇa āptaḥ yamāntikam [?]
auf einem Weg voller mannigfacher Qualen wurde ich in Yamas Nähe gebracht
daṃṣṭrākarālavadanam apaśyaṃ samavartinam
und erblickte den Gleichrichtenden mit seinem von Zähnen entstellten Antlitz
[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt der üblichen zwei Zeilen (sechs statt vier Pādas); vollständig übersetzt.] [?: „anekalkeśasaṃpannamārgeṇātpo“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „anekakleśasampannamārgeṇa āptaḥ“ gedeutet.]
„Dieser [Mann] ist zwar wahrhaft [einer, der] der Sünde ergeben war; dennoch höre, o Herr des Rechts: wer an der Ekādaśī ohne Nahrung bleibt, wird von allen Sünden befreit.
Dieser [Mann] hat, ohne Nahrung, am lieblichen Ufer der Revā, an Haris [heiligem] Tag, Nachtwache und Fasten gehalten und ist dadurch zur Sündlosigkeit gelangt.
Wort für Wort
eṣa revātaṭe ramye
dieser [Mann], am lieblichen Ufer der Revā
nirāhāro harerdine
ohne Nahrung, an Haris Tag
jāgaraṃ copavāsaṃ ca kṛtvā
Nachtwache und Fasten gehalten habend
niṣpāpatāṃ gataḥ [?]
ist zur Sündlosigkeit gelangt
[?: „niṣaapāpatāṃ“ im Quelltext verschrieben für „niṣpāpatāṃ“.]
evamukto dharmarājaścitragutpena dhīmatā /' nānāma daṇḍavadbhūmau mamāgre so 'nukaṃpitaḥ
So von dem klugen Citragupta angesprochen, verneigte sich Dharmarāja [?], von Mitleid bewegt, wie ein Stab zu Boden vor mir.
Wort für Wort
evam ukto dharmarājaś
so angesprochen, Dharmarāja
citraguptena dhīmatā [?]
von dem klugen Citragupta
praṇanāma [?] daṇḍavad bhūmau
verneigte sich wie ein Stab zu Boden
mamāgre so 'nukampitaḥ
vor mir, von Mitleid bewegt
[?: „citragutpena“ im Quelltext verschrieben für „citraguptena“; „nānāma“ im Quelltext wohl verschrieben für „praṇanāma“ (‚verneigte sich‘); außerdem stehendes störendes Apostroph-Zeichen nach dieser Zeile im Quelltext ohne erkennbare Funktion.]
Dharmarāja sprach: „Höret meine Worte, ihr Boten; ich werde euch Heilsames, das Allerhöchste, verkünden: Menschen, die dem Pfad des Dharma ergeben sind, sollt ihr in meiner Nähe [mit Ehren] behandeln.
Die der Verehrung Viṣṇus ergeben, geläutert, dankbar, dem Ekādaśī-Gelübde zugetan und sinnesbeherrscht sind, und die, friedvoll, stets sprechen: ‚Nārāyaṇa, Acyuta, Hari, sei [meine] Zuflucht!‘ – diese lasset eilends [ungeschoren]!
Wort für Wort
ye viṣṇupūjanaratāḥ prayatāḥ kṛtajñāḥ
die der Verehrung Viṣṇus ergeben, geläutert, dankbar sind
caikādaśīvrataparā vijitendriyāśca
und dem Ekādaśī-Gelübde zugetan und sinnesbeherrscht
die friedvoll stets sprechen: ‚Nārāyaṇa, Acyuta, Hari, sei Zuflucht‘
tarasātyajadhvam
lasset sie eilends [ungeschoren]
[Anm.: Dieser und die folgenden Verse (bis V82) stehen in einem längeren Versmaß (nicht im gewöhnlichen Anuṣṭubh-Śloka der übrigen Kapitelverse), passend zum feierlichen Höhepunkt der Rede des Dharmarāja.]
Wer beständig spricht: ‚Nārāyaṇa, Acyuta, Janārdana, Kṛṣṇa, Viṣṇu, Herr der Lotusblume, Vater des Lotusgeborenen, Śiva, Śaṅkara!‘, und wer allen Welten wohlgesinnt, ganz befriedet ist – lasset sie, ihr Boten, von ferne! Für sie gilt meine Weisung nicht.
Diejenigen, deren Werke Nārāyaṇa dargebracht sind, die an Haris Hingabe teilhaben, dem eigenen rechten Wandel ergeben sind, dem Guru dienen, der Gabe an würdige Empfänger zugetan sind, die Beschützer der Elenden sind und unablässig am Namen Haris hängen – lasset sie, ihr Boten!
Wort für Wort
nārāyaṇārpitakṛtān haribhaktibhājaḥ
deren Werke Nārāyaṇa dargebracht sind, die an Haris Hingabe teilhaben
svācāramārganiratān gurusevakāṃśca
dem eigenen rechten Wandel ergeben, dem Guru dienend
satpātradāna niratāṃśca sudīnapālān [?]
der Gabe an würdige Empfänger zugetan, die Beschützer der Elenden
dūtāstyajadhvam aniśaṃ harināmasaktān
lasset sie, ihr Boten, die unablässig am Namen Haris hängen
[?: „sudīnapāllān“ im Quelltext wohl verschrieben für „sudīnapālān“.]
pāṣaṇḍasaṅgarahitāndvijabhaktiniṣṭhānsatsaṃgalollupatarāṃśca tathātitheyān / śaṃbhau harau ca samabuddhimatastathaiva dūtāstyajadhvamupakāraparāñjanānām
Diejenigen, die frei sind von Umgang mit Häretikern, in Hingabe zu den Zweifachgeborenen fest gegründet sind, sehr begierig nach der Gesellschaft der Guten sind und dabei gastfreundlich, und die Śambhu und Hari als [wesens]gleich betrachten – lasset sie, ihr Boten, [diese] hilfsbereiten Menschen!
Wort für Wort
pāṣaṇḍasaṅgarahitān dvijabhaktiniṣṭhān
die frei von Umgang mit Häretikern, in Hingabe zu den Zweifachgeborenen fest gegründet sind
satsaṅgalolupatarāṃśca tathā ātitheyān [?]
sehr begierig nach der Gesellschaft der Guten und gastfreundlich
śaṃbhau harau ca samabuddhimataḥ
die Śambhu und Hari als wesensgleich betrachten
dūtāstyajadhvam upakāraparān janānām
lasset sie, ihr Boten, die hilfsbereiten Menschen
[?: „satsaṃgalollupatarāṃśca“ im Quelltext verschrieben für „satsaṅgalolupatarān“; „tathātitheyān“ unsicher als „tathā ātitheyān“ (‚und gastfreundlich‘) aufgelöst.]
ye varjitā harikathāmṛtasevanaiśca nārāyaṇasmṛtiparāyaṇamānasaiśca // virpandrapādajalasecanato 'prahṛṣṭāṃstānpāpino mama bhaṭā gṛhamānayadhvam
Diejenigen aber, die des Genusses des Nektars der Hari-Erzählungen und der auf die Erinnerung Nārāyaṇas gerichteten Gesinnung beraubt sind, und die sich nicht an dem [heiligen] Wasser erfreuen, das die Füße der besten Brahmanen gewaschen hat [?] – diese Sünder, ihr meine Boten, bringet in mein Haus!
Wort für Wort
ye varjitā harikathāmṛtasevanaiśca
die des Genusses des Nektars der Hari-Erzählungen beraubt sind
nārāyaṇasmṛtiparāyaṇamānasaiśca
und der auf die Erinnerung Nārāyaṇas gerichteten Gesinnung
viprendrapādajalasecanato 'prahṛṣṭāṃstān [?]
die sich nicht am Wasser der Brahmanenfüße erfreuen
pāpino mama bhaṭā gṛham ānayadhvam
diese Sünder, ihr meine Boten, bringet in mein Haus
[?: „virpandrapādajalasecanato 'prahṛṣṭāṃstān“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „viprendrapādajalasecanataḥ aprahṛṣṭān“ gedeutet.]
ye mātṛtātaparibhartsanaśīlinaśca lokadviṣo hitajanāhitakarmaṇaśca / devasvalobhaniratāñjananāśakartṛānatrānayadhvamaparādhaparāṃśca dūtāḥ
Diejenigen, die die Gewohnheit haben, Mutter und Vater zu schmähen, die die Welt hassen, die den Wohlgesinnten Schaden zufügen, die nach dem Eigentum der Götter (Tempelgut) gierig sind, die Menschen vernichten – diese bringet herbei, ihr Boten, die im Unrecht verharren!
Wort für Wort
ye mātṛtātaparibhartsanaśīlinaśca
die die Gewohnheit haben, Mutter und Vater zu schmähen
lokadviṣo hitajanāhitakarmaṇaśca
die die Welt hassen und den Wohlgesinnten Schaden zufügen
devasvalobhaniratāñ jananāśakartṛn
die nach dem Eigentum der Götter gierig sind, die Menschen vernichten
atrānayadhvam aparādhaparāṃśca dūtāḥ
bringet diese herbei, ihr Boten, die im Unrecht verharren
Wer sich vom Ekādaśī-Gelübde abwendet, von grausamem Wesen ist, sich der Verleumdung der Welt hingibt und andere schmäht, wer ein Dorf zugrunde richtet, in tiefster Feindschaft lebt und nach dem Besitz der Brahmanen gierig ist – diesen bringet herbei, ihr Boten!
Wort für Wort
ekādaśīvrataparāṅmukham ugraśīlaṃ
wer sich vom Ekādaśī-Gelübde abwendet, von grausamem Wesen ist
lokāpavādanirataṃ paranindakaṃ ca
sich der Verleumdung der Welt hingibt und andere schmäht
grāmasya nāśakaram uttamavairayuktaṃ
wer ein Dorf zugrunde richtet, in tiefster Feindschaft lebt
dūtāḥ samānayata vipradhaneṣu lubdham
bringet herbei, ihr Boten, wer nach dem Besitz der Brahmanen gierig ist
ye viṣṇubhaktivimukhāḥ praṇamanti naiva nārāyaṇaṃ hi śaraṇāgatapālakaṃ ca / viṣṇavālayaṃ ca nahi yānti narāḥ sumūrkhāstānānayadhvamatipāparatānprasāhya
Jene Menschen, die der Hingabe zu Viṣṇu abgeneigt sind und sich nicht vor Nārāyaṇa verneigen, dem Beschützer der zu ihm Geflüchteten, und die törichterweise auch nicht Viṣṇus Tempel aufsuchen – diese, den Sünden über die Maßen ergebenen, bringet mit Gewalt herbei!
Wort für Wort
ye viṣṇubhaktivimukhāḥ
die der Hingabe zu Viṣṇu abgeneigt sind
praṇamanti naiva nārāyaṇaṃ hi śaraṇāgatapālakaṃ ca
und sich nicht vor Nārāyaṇa verneigen, dem Beschützer der zu ihm Geflüchteten
viṣṇavālayaṃ ca nahi yānti narāḥ sumūrkhāḥ
und die törichterweise auch nicht Viṣṇus Tempel aufsuchen
tān ānayadhvam atipāparatān prasāhya
diese, den Sünden über die Maßen ergebenen, bringet mit Gewalt herbei
pāpaśeṣādvinirmuktaṃ harisārupyatāṃ gatam / sahasrasūryasaṃkāśaṃ praṇanāma yamaśca tam
Mich, der ich vom Rest der Sünde befreit war und zur Gleichgestalt mit Hari gelangt war, strahlend wie tausend Sonnen, verneigte sich sogar Yama selbst.
Als sie dies sahen, gerieten jene furchterregenden Boten Yamas in Staunen und fassten, nachdem Yama gesprochen hatte, höchstes Vertrauen [zu dieser Lehre].
vimānakoṭibhiḥ sārddhaṃ sarvabhogasamanvitaiḥ / karmaṇā tena viprarṣe viṣṇuloke mayoṣitam
Zusammen mit Millionen von Himmelswagen, die mit allem Genuss ausgestattet waren, verweilte ich durch jenes Werk, o Brahmanenweiser, in der Welt Viṣṇus.
Hier nun wurde ich in eurem Geschlecht geboren, dem der Viṣṇu-Verehrer; durch die Erinnerung an meine frühere Geburt weiß ich dies alles, o bester der Weisen.
Wort für Wort
atrāpi viṣṇubhaktānāṃ
hier nun, [im Geschlecht] der Viṣṇu-Verehrer
jāto 'haṃ bhavatāṃ kule
wurde ich in eurem Geschlecht geboren
jātismaratvāj jānāmi [?]
durch die Erinnerung an meine frühere Geburt weiß ich
sarvam etan munīśvara [?]
dies alles, o bester der Weisen
[?: „jātismaratvāḍajjānāmi“ im Quelltext verschrieben für „jātismaratvāj jānāmi“; „munīśaavara“ für „munīśvara“.]
Wenn schon dies die Frucht war, um wie viel mehr [gilt dies] für jene, die das Ekādaśī-Gelübde mit Hingabe vollziehen, o Herr! Darum, o Fürst der Brahmanen, werde ich das heilvolle Ekādaśī-Gelübde [fortan] üben.
Wort für Wort
ekādaśīvrataṃ bhaktyā kurvatāṃ kimuta prabho
für jene, die das Ekādaśī-Gelübde mit Hingabe vollziehen, um wie viel mehr, o Herr
[Und ebenso werde ich] täglich [die Verehrung Viṣṇus üben], im Verlangen nach der höchsten Stätte. Was aber die Menschen betrifft, die das Ekādaśī-Gelübde mit Glauben vollziehen –
– ihnen wird gewiss die Wohnstatt Viṣṇus zuteil, die höchste Wonne gewährt.“ Als er die Worte seines Sohnes so gehört hatte, war der Weise Gālava hochbefriedigt.
Er erlangte höchste Zufriedenheit und war im Herzen über die Maßen erfreut: „Meine Geburt ist fruchtbar geworden, mein [eigener] Sproß ist geheiligt worden!
haripūjāvidhānaṃ ca yathāvatsamabodhayat / ityetatte muniśreṣṭha yathāvatkathitaṃ mayā / saṃkocavistarābhyāṃ ca kimanyacchrotumicchasi
Und er belehrte ihn ordnungsgemäß über die rechte Weise der Hari-Verehrung. – Dies alles, o bester der Weisen, habe ich dir der Wahrheit gemäß erzählt, kurz gefasst und ausführlich zugleich; was sonst noch begehrst du zu hören?
Wort für Wort
haripūjāvidhānaṃ ca
und die rechte Weise der Hari-Verehrung
yathāvat samabodhayat
belehrte er ihn ordnungsgemäß
ityetatte muniśreṣṭha yathāvat kathitaṃ mayā
dies alles, o bester der Weisen, habe ich dir der Wahrheit gemäß erzählt
saṃkocavistarābhyāṃ ca kimanyacchrotumicchasi
kurz gefasst und ausführlich zugleich; was sonst noch begehrst du zu hören
[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt der üblichen zwei Zeilen (sechs statt vier Pādas); er markiert zugleich den Übergang von der Binnenerzählung (Gālava und Bhadraśīla) zurück zum Rahmengespräch zwischen Sanaka und Nārada; vollständig übersetzt.]