Nun werde ich sogleich das Kalpa-Buch verkünden, o Fürst der Weisen, durch dessen bloße Kenntnis ein Mensch kundig in den (rituellen) Handlungen wird.
Wort für Wort
athātaḥ saṃpravakṣyāmi
nun sodann werde ich verkünden
kalpagranthaṃ munīśvara
das Kalpa-Buch, o Fürst der Weisen
yasya vijñānamātreṇa
durch dessen bloße Kenntnis
syātkarmakuśalo naraḥ
ein Mensch würde geschickt in den Handlungen sein
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvitīyapāde pañcāśattamo 'dhyāyaḥ“ samt Trennlinie voraus – offenbar der Schlusskolophon des vorangehenden (49.) Kapitels. Diese Zeile wurde nicht in den Vers-Text (sa) übernommen, da sie erkennbar nicht zu V.1 gehört.]
nakṣatrādhīśvarākhyānaṃ vistareṇa yathātatham / nakṣatrakalpe nirdiṣṭaṃ jñātavyaṃ tadihāpi ca
Die Erzählung von den Herren der Mondhäuser (Nakṣatras), ausführlich und wie es sich verhält, ist im Nakṣatrakalpa dargelegt; auch das ist hier zu wissen.
Im Vedakalpa aber, o Fürst der Weisen, ist die Vorschrift des Ṛg(veda) und der anderen (Veden) ausführlich zur Erlangung von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa verkündet worden.
Ebenso sind im Āṅgirasa-Kalpa die sechs (magischen) Handlungen ausführlich, mit der Vorschrift der Behexung, vom Selbstentstandenen (Brahmā) dargelegt worden.
śāntikalpe tu divyānāṃ bhaumānāṃ munisattama / tathāntarikṣotpātānāṃ śāntayo hyuditāḥ pṛthak
Im Śānti-Kalpa aber, o Bester der Weisen, sind die Besänftigungsriten für die himmlischen und die irdischen sowie die atmosphärischen Vorzeichen einzeln verkündet worden.
Wort für Wort
śāntikalpe tu divyānāṃ
im Śānti-Kalpa aber der himmlischen
bhaumānāṃ munisattama
und der irdischen (Vorzeichen), o Bester der Weisen
saṃkṣepeṇaitaduddiṣṭaṃ lakṣaṇaṃ kalpalakṣaṇe / viśeṣaḥ pṛthageteṣāṃ sthitaḥ śaṅkhāntareṣu ca
In Kürze wurde dies als das Merkmal in der Kalpa-Lehre dargelegt; der jeweilige Unterschied dieser (Werke) findet sich in den verschiedenen Schulzweigen (Śākhās).
Wort für Wort
saṃkṣepeṇaitaduddiṣṭaṃ
in Kürze wurde dies dargelegt
lakṣaṇaṃ kalpalakṣaṇe
als Merkmal in der Kalpa-Lehre
viśeṣaḥ pṛthageteṣāṃ
der jeweilige Unterschied dieser
sthitaḥ śaṅkhāntareṣu ca
findet sich in den verschiedenen Schulzweigen
[?: „śaṅkhāntareṣu“ als „śākhāntareṣu“ (in den verschiedenen vedischen Schulen) gedeutet.]
Die Silbe Oṃ und der (Ritual-)Ruf, diese beiden traten einst aus der Kehle Brahmās hervor, indem sie sie durchbrachen; deshalb sind diese beiden verheißungsvoll.
Wer, nachdem er die vorgeschriebenen Riten vollzogen hat, danach noch weitere vollzieht, der soll dann den (Ritual-)Ruf anwenden; dies gilt als für die Unendlichkeit (des Verdienstes) bestimmt.
Wort für Wort
kṛtvā proktāni karmāṇi
nachdem er die vorgeschriebenen Handlungen vollzogen hat
tadvarddhvāni karoti yaḥ
wer danach noch weitere vollzieht
so 'tha śabdaṃ praṃyujīta
der soll dann den Ruf anwenden
tadānantyārthamiṣyate
dies gilt als für die Unendlichkeit bestimmt
[?: Verssinn unsicher, vermutlich Verweis auf einen Fortsetzungs-Ausruf nach abgeschlossenem Ritus.]
kuśāḥ parisamūhāya vyastaśākhāḥ prakīrtitāḥ / nyūnādhikā niṣphalāya karmaṇo 'bhimatasya ca
Die Kuśa-Gräser mit auseinandergestreuten Zweigen gelten für das Zusammenkehren; zu wenige oder zu viele (davon) führen zur Fruchtlosigkeit der gewünschten Handlung.
Wort für Wort
kuśāḥ parisamūhāya
Kuśa-Gräser für das Zusammenkehren
vyastaśākhāḥ prakīrtitāḥ
mit auseinandergestreuten Zweigen werden genannt
nyūnādhikā niṣphalāya
zu wenige oder zu viele (führen) zur Fruchtlosigkeit
Würmer, Insekten, Fluginsekten und dergleichen wandern auf der Erdoberfläche umher; zu ihrem Schutz ist das Zusammenkehren (der Opferstätte) vorgeschrieben.
Und die drei Linien, die zu ziehen vorgeschrieben sind, sollen gleich (lang) sein, o Zweifachgeborener; sie dürfen nicht zu wenig oder zu viel sein — so ist es festgelegt.
vandhyā duṣṭā ca dīnāṅgī mṛtavatsā ca yā bhavet / yajñārthaṃ gomayaṃ tasyā nāharediti bhāṣitam
Von einer (Kuh), die unfruchtbar, fehlerhaft, mit elenden Gliedern ist, oder deren Kalb tot ist, soll man den Dung nicht für das Opfer herbeibringen — so ist gesagt.
Die furchterregenden Fluginsekten und dergleichen, die ständig in der Luft umherziehen — zu ihrer Abwehr gilt das Aufheben (proddharaṇa) als vorgeschrieben, o Zweifachgeborener.
sruveṇa ca kuśenāpi kuryādullekhanaṃ bhuvaḥ / asthikaṇṭakasiddhyarthaṃ brahmaṇā paribhāṣitam
Mit dem Sruva-Löffel und auch mit Kuśa-Gras soll man das Aufritzen der Erde vollziehen; zur Beseitigung von Knochen und Dornen ist dies von Brahmā festgelegt worden.
Wort für Wort
sruveṇa ca kuśenāpi
mit dem Sruva und auch mit Kuśa
kuryādullekhanaṃ bhuvaḥ
soll man das Aufritzen der Erde vollziehen
asthikaṇṭakasiddhyarthaṃ
zur Beseitigung von Knochen und Dornen
brahmaṇā paribhāṣitam
von Brahmā festgelegt
[?: „asthikaṇṭakasiddhyartham“ wörtlich „zur Wirksamkeit bzgl. Knochen und Dornen“ — im Sinn ihrer Beseitigung übersetzt.]
Die Gewässer sind alle Scharen der Götter und ebenso die Scharen der Ahnen, o Zweifachgeborener; deshalb ist das Besprengen mit Wasser von den im Ritual kundigen Weisen vorgeschrieben worden.
Wort für Wort
āpo devagaṇāḥ sarve
die Wasser sind alle Götterscharen
tathā pitṛgaṇā dvija
und ebenso die Ahnenscharen, o Zweifachgeborener
tenādbhirukṣaṇaṃ proktaṃ
deshalb ist das Besprengen mit Wasser vorgeschrieben
agneṃrānayanaṃ proktaṃ saubhāgyasrībhireva ca / śubhade mṛṇmaye pātre prokṣyādbhistaṃ nidhāyapayet
Das Herbeiholen des Feuers ist vorgeschrieben, auch von den mit Glück begabten (verheirateten) Frauen; in ein glückverheißendes, tönernes Gefäß soll man es, mit Wasser besprengt, niederlegen.
Wort für Wort
agneṃrānayanaṃ proktaṃ
das Herbeiholen des Feuers ist vorgeschrieben
saubhāgyasrībhireva ca
auch von den glücklichen (verheirateten) Frauen
śubhade mṛṇmaye pātre
in ein glückverheißendes, tönernes Gefäß
prokṣyādbhistaṃ nidhāyapayet
nachdem man es mit Wasser besprengt hat, soll man es niederlegen
[?: „saubhāgyasrībhireva“ als „saubhāgyastrībhireva“ (glückliche/verheiratete Frauen) gedeutet; „nidhāyapayet“ sinngemäß als „nidadhyāt“ (soll niederlegen) übersetzt.]
Als Brahmā und alle anderen Götter das Schwinden des Amṛta (Unsterblichkeitstranks) sahen, wurde deshalb das Feuer, dessen Kern Brennholz ist, auf dem Altar niedergelegt.
Im Süden des Opfers stehen die Dānavas und andere (Dämonen), o Nārada; zum Schutz vor ihnen soll man den Brahmán-Priester in jener Richtung aufstellen.
Wort für Wort
dakṣiṇasyāṃ dānavādyāḥ
im Süden die Dānavas und andere
sthitā yajñasya nārada
stehen des Opfers, o Nārada
tebhyaḥ saṃrakṣaṇārthāya
zu ihrem Schutz
brahmāṇaṃ taddiśi nyaset
soll man den Brahmán-Priester in jener Richtung aufstellen
Im Norden (seien) alle Gefäße, im Westen die Praṇītā-Wassergefäße und die übrigen; der Opferherr sei im Osten, ebenso alle Zweifachgeborenen, o Nārada.
dyūte ca vyavahāre ca yajñakarmaṇi cedbhavet / kartodāsīna cittastatkarma naśyediti sthitiḥ
Wenn beim Würfelspiel, im (Rechts-)Geschäft und im Opferwerk der Handelnde gleichgültigen Sinnes ist, so geht jene Handlung zugrunde — so ist die feste Regel.
Wort für Wort
dyūte ca vyavahāre ca
beim Würfelspiel und im Rechtsgeschäft
yajñakarmaṇi cedbhavet
und wenn es beim Opferwerk geschieht
kartodāsīna cittas
der Handelnde von gleichgültigem Sinn
tatkarma naśyediti sthitiḥ
jene Handlung geht zugrunde, so ist die Regel
[Anm.: „kartodāsīna cittas“ als „kartā udāsīnacittaḥ“ aufgelöst.]
Der Brahmán-Priester und der Ācārya sollen (jeweils) ihrer eigenen (vedischen) Schule angehören beim Opferwerk; für die (übrigen) Opferpriester besteht keine Vorschrift — man verehre sie, wie man sie eben erlangt.
Wort für Wort
brahmācāryauṃ svaśākhau hi
der Brahmán-Priester und der Ācārya, ihrer eigenen Schule
Zwei Paritra-(Gräser) sind drei Finger (breit); die Prokṣiṇī (das Besprengungsgefäß) ist vier Finger (groß); die Ājyasthālī (Butterschale) drei Finger, die Carusthālī (Brei-Schale) sechs Finger.
Das Upayamana(-Gras) aber (sei) zwei Finger, das Saṃmārjana(-Gras) ein Finger; der Sruva-Löffel wird als sechs Finger (lang) bezeichnet, der Sruc-Löffel als dreieinhalb Finger.
Zwölf Maßeinheiten (lang seien) die Brennhölzer; das Pūrṇapātra (Fülle-Gefäß) ist sechs Finger (groß); im nördlichen Bereich der Prokṣiṇī (steht) das Praṇītā-Gefäß, acht (Finger groß).
Wort für Wort
prādaśamātrā samidhaḥ
zwölf Maßeinheiten (lang) die Brennhölzer
pūrṇapātraṃ ṣaḍaṅgulam
das Pūrṇapātra ist sechs Finger
prokṣiṇyā uttare bhāge
im nördlichen Bereich der Prokṣiṇī
praṇītāpātramaṣṭabhiḥ
das Praṇītā-Gefäß mit acht (Fingern)
[?: „prādaśamātrā“ als „dvādaśamātrāḥ“ (zwölf Maßeinheiten) gedeutet.]
vedikā vasrahīnā ca nagrā saṃprocyate dvija / paristīryya tato darbheḥ paridadhyādimāṃ budhaḥ
Ein Altar ohne Bedeckung wird 'nackt' genannt, o Zweifachgeborener; nachdem man ihn ringsum mit Darbha-Gras bestreut hat, soll der Kundige ihn damit bekleiden.
Wort für Wort
vedikā vasrahīnā ca
ein Altar ohne Bedeckung
nagrā saṃprocyate dvija
wird 'nackt' genannt, o Zweifachgeborener
paristīryya tato darbheḥ
nachdem man ihn ringsum mit Darbha-Gras bestreut hat
paridadhyādimāṃ budhaḥ
soll der Kundige diesen bekleiden
[?: „vasrahīnā“ als „vastrahīnā“ (ohne Kleid/Bedeckung) gedeutet.]
indravajraṃ viṣṇucakraṃ vāmadevatriśūlakam / darbharūpatayā trīṇi pavitracchedanāni ca
Indras Donnerkeil, Viṣṇus Diskus und Śivas (vāmadeva) Dreizack — diese drei (Formen) in Gestalt von Darbha-Gras (dienen) auch als Reinigungs-Schnittstücke.
prokṣaṇī ca prakartavyā praṇītodakasaṃyutā / tenātipuṇyadaṃ karma pavitramiti kīrtitam
Und die Prokṣaṇī (Besprengungsvorrichtung) ist herzustellen, verbunden mit dem Wasser der Praṇītā; dadurch wird die höchst verdienstvolle Handlung als 'rein' (pavitra) bezeichnet.
tadeva hastaghaṭitaṃ sthālyādi daivikaṃ bhavet / sruve ca sarvakarmāṇi śubhānyapyaśubhāni ca
Eben dieselbe (Schale), von Hand geformt, wäre göttlich (daivika); mit dem Sruva (werden) alle Handlungen vollzogen, sowohl günstige als auch ungünstige.
Und zu dessen (des Sruva) Reinigung ist das Erhitzen im Feuer angeordnet; wird er an der Spitze geschüttelt, (bringt das) Witwenschaft, in der Mitte den Untergang der Nachkommenschaft.
Wort für Wort
tasya caiva pavitrārthaṃ
und zu dessen Reinigung
vahnau tāpanamīritam
ist das Erhitzen im Feuer angeordnet
agre dhūtena vaidhavyaṃ
an der Spitze geschüttelt, Witwenschaft
madhyaṃ caiva prajākṣayaḥ
und in der Mitte den Untergang der Nachkommenschaft
mūle ca mriyate hotā tasmāddhāryaṃ vicārya tat / agniḥ sūryaśca somaśca viriñciranilo yamaḥ
Und am Griffende (führt es dazu, dass) der Opferpriester stirbt; deshalb ist dies mit Überlegung zu halten. Agni, Sūrya, Soma, Viriñci (Brahmā), Anila (Wind) und Yama —
saṃmārjanopayamanaṃ karttavyaṃ ca kuśadvayam / pūrvaṃ tu sarvaśākhaṃ syātpañcaśākhaṃ tathāparam
Und für das Saṃmārjana und Upayamana ist ein Paar Kuśa-Gräser herzustellen; das erste sei mit allen Zweigen (versehen), das andere hingegen mit fünf Zweigen.
Ein Sruva von der Länge einer Spanne gilt als vorzüglich, der Sruc mit dreiundzwanzig Fingern; dies ist für die Brahmanen so bezeichnet, für die anderen (Stände) je einen Finger weniger.
śūdrāṇāṃ patitānāṃ ca kharādīnāṃ ca nārada / dṛṣṭidoṣavināśārthaṃ pātrāṇāṃ prokṣaṇaṃ smṛtam
Wegen des Śūdra, der Gefallenen und der Esel und dergleichen, o Nārada, gilt das Besprengen der Gefäße als zur Beseitigung des (durch ihren) Blick (verursachten) Fehlers.
akṛte pūrṇapātre tu yajñacchidraṃ samudbhavet / tasminpūrṇīkṛte vipra yajñasaṃpūrṇatā bhavet
Wird das Pūrṇapātra (Fülle-Gefäß) aber nicht bereitet, entsteht eine Lücke im Opfer; wenn es hingegen gefüllt wird, o Brahmane, entsteht die Vollständigkeit des Opfers.
homakāle tu saṃprāpte na dadyādāsanaṃ kvacit / datte tṛptobhavedvahniḥ śāpaṃ dadyāñca dāruṇam
Ist aber die Zeit des Homa gekommen, so gebe man keinesfalls einen Sitzplatz; würde er (dennoch) gegeben, wäre das Feuer 'gesättigt' und würde einen schrecklichen Fluch aussprechen.
Wort für Wort
homakāle tu saṃprāpte
wenn aber die Zeit des Homa gekommen ist
na dadyādāsanaṃ kvacit
soll man keinesfalls einen Sitz geben
datte tṛptobhavedvahniḥ
würde er gegeben, würde das Feuer 'gesättigt'
śāpaṃ dadyāñca dāruṇam
und einen schrecklichen Fluch aussprechen
[?: Sinn unsicher — gemeint ist wohl, dass ein während des laufenden Homa angebotener Sitz das Ritual stört.]
Die beiden Ādhāra(-Opferungen) gelten als die Nasenflügel, die beiden Ājyabhāga(-Opferungen) als die Augen; die Prājāpatya(-Opferung) wird als der Mund bezeichnet, die Hüfte gilt den (Opferungen) mit den Vyāhṛtis (zugeordnet).
śīrṣahastau ca pādau ca pañcavāruṇamīritam / tathā sviṣṭakṛtaṃ vipra śrotre pūrṇāhutistathā
Kopf und Hände sowie die Füße werden als das Fünffache Vāruṇa-(Opfer) bezeichnet; ebenso, o Brahmane, (gilt) die Sviṣṭakṛt(-Opferung) den Ohren, und die Pūrṇāhuti ebenso.
Wort für Wort
śīrṣahastau ca pādau ca
Kopf und Hände sowie die Füße
pañcavāruṇamīritam
werden als das Fünffache Vāruṇa bezeichnet
tathā sviṣṭakṛtaṃ vipra
ebenso die Sviṣṭakṛt, o Brahmane
śrotre pūrṇāhutistathā
den Ohren, die Pūrṇāhuti ebenso
[?: Körperzuordnung der Pūrṇāhuti bleibt im Text ungenannt.]
savyabhāge trihistaṃ ca caturhastañca dakṣiṇe / srukstruvau cākṣamālā ca yā śaktirdakṣiṇe kare
Auf der linken Seite dreihändig und vierhändig auf der rechten; Sruc und Sruva sowie die Gebetskette — und die Śakti (Lanze) (befindet sich) in der rechten Hand.
Wort für Wort
savyabhāge trihistaṃ ca
auf der linken Seite dreihändig
caturhastañca dakṣiṇe
und vierhändig auf der rechten
srukstruvau cākṣamālā ca
Sruc und Sruva sowie die Gebetskette
yā śaktirdakṣiṇe kare
und die Śakti (Lanze) in der rechten Hand
[?: Zuordnung der Attribute zu den Händen unsicher wiedergegeben.]
trimekhalaṃ tripādaṃ ca ghṛtapātraṃ dvicāmaram / meṣārūḍhaṃ catuḥśṛṅgaṃ bālādityasamaprabham
Dreifach gegürtet und dreifüßig, mit einem Ghī-Gefäß, mit zwei Wedeln, auf einen Widder gestiegen, vierhörnig, von der Ausstrahlung wie die aufgehende (junge) Sonne.
upavītasamāyuktaṃ jaṭākuṇḍalamaṇḍimam / jñātvaivamagnidehaṃ tu homakarmasamācaret
Mit heiliger Schnur versehen, mit Jaṭā-Locken und Ohrringen geschmückt — nachdem man so den Körper Agnis erkannt hat, soll man das Homa-Werk ausführen.
Welche Speise der Mensch (selbst) isst, jene Speise (genießen auch) seine Gottheiten; zur Erfüllung aller Wünsche gilt ein Übermaß an Sesam als Opfergabe.
home mudrātrayaṃ proktaṃ mṛgī haṃsī ca sūkarī / abhicāre sūkarī syānmṛgī haṃsī śubhātmake
Beim Homa sind drei Handhaltungen (mudrā) vorgeschrieben: die Gazellen-, die Schwan- und die Eber(-Mudrā); bei der Behexung sei die Eber-Mudrā (verwendet), bei einem günstigen (Zweck) die Gazellen- oder Schwan-Mudrā.
Wort für Wort
home mudrātrayaṃ proktaṃ
beim Homa sind drei Mudrās vorgeschrieben
mṛgī haṃsī ca sūkarī
die Gazellen-, Schwan- und Eber-(Mudrā)
abhicāre sūkarī syān
bei der Behexung sei die Eber-(Mudrā)
mṛgī haṃsī śubhātmake
die Gazellen- oder Schwan-(Mudrā) bei günstigem Zweck
Mit allen Fingern (gebildet) ist die Eber(-mudrā); mit ausgenommenem kleinem Finger (ist) die Schwan(-mudrā); mit Mittelfinger, Ringfinger und Daumen wird die (sogenannte) Gazellen-Mudrā bezeichnet.
Wort für Wort
sarvāṅgulībhiḥ krauḍī syād
mit allen Fingern gebildet sei die Eber-(Mudrā)
dhaṃsī muktakaniṣṭikā
die Schwan-(Mudrā), mit ausgenommenem kleinen Finger
madhyamānāmikāṅguṣṭairmṛgī
mit Mittelfinger, Ringfinger, Daumen die Gazellen-(Mudrā)
Mit einer Opferung von vorherigem Maß, mit fünf Fingern ergriffen, verbunden mit Dickmilch, Honig und Ghī, sollen die Opferpriester mit Sesamkörnern opfern.
vināyakaḥ karmavighnasiddhyarthaṃ viniyojitaḥ / gaṇānāmādhipatye ca rudreṇa brahmaṇā tathā
Vināyaka (Gaṇeśa) wurde eingesetzt zum Zweck der Hindernisse der (bzw. Vollendung trotz Hindernisse bei den) Handlungen, sowie in die Oberherrschaft über die Gaṇas, von Rudra und ebenso von Brahmā.
Wort für Wort
vināyakaḥ karmavighnasiddhyarthaṃ
Vināyaka, zum Zweck der Hindernisse/Vollendung der Handlungen
viniyojitaḥ
wurde eingesetzt
gaṇānāmādhipatye ca
und in die Oberherrschaft über die Gaṇas
rudreṇa brahmaṇā tathā
von Rudra und ebenso von Brahmā
[?: „karmavighnasiddhyartham“ doppeldeutig — sowohl „zur Erzeugung von Hindernissen“ als auch „zur Vollendung trotz Hindernissen“ möglich; neutral wiedergegeben.]
Aus Verlangen nach Kleidung, und er besteigt Fleischfresser (im Traum); mit den Niedrigstgeborenen, mit Eseln und Kamelen weilt er an einem Ort zusammen.
Wort für Wort
kāmāya vāsasaścaiva
aus Verlangen nach Kleidung
kravyādāṃścādhirohati
und er besteigt Fleischfresser
antyajairgarddabhairuṣṭaiḥ
mit den Niedrigstgeborenen, mit Eseln, mit Kamelen
Auch beim Gehen glaubt er, er selbst werde von anderen verfolgt; niedergeschlagen, mit fruchtlosen Unternehmungen, sinkt er ohne ersichtlichen Grund dahin.
tenopasṛṣṭo labhate na rājyaṃ rājanandanaḥ / kumārī na ca bhartāramapatyaṃ garbhamaṅganā / ācāryatvaṃ śrotriyaśca na śiṣyo 'dhyayanaṃ tathā
Ein von ihm Befallener erlangt nicht: der Königssohn nicht das Königreich; die Jungfrau nicht den Gatten; die Frau nicht die Leibesfrucht; der Schriftkundige nicht die Lehrerwürde; der Schüler ebenso nicht das (erfolgreiche) Studium.
Der Kaufmann erlangt nicht den Gewinn, und ebenso der Ackerbauer nicht (den Erfolg im) Ackerbau. Für ihn ist an einem verdienstvollen Tag eine rituelle Waschung nach Vorschrift auszuführen; mit einer Paste aus gelbem Senf sollen die Brahmanen den verheißungsvollen Segensspruch (svasti) sprechen.
Wort für Wort
vaṇiglābhaṃ na cānpoti
der Kaufmann erlangt nicht den Gewinn
kṛṣiṃ cāpi kṛṣibalaḥ
und der Ackerbauer nicht den Ackerbau
snapana tasya kartavyaṃ
für ihn ist eine Waschung auszuführen
puṇye 'hri vidhipūrvakam
an einem verdienstvollen Tag, nach Vorschrift
gaurasarṣa pakalkena
mit einer Paste aus gelbem Senf
svasti vācyā dvijaiḥ śubhāḥ
der verheißungsvolle Segensspruch von den Brahmanen zu sprechen
[Anm.: „vaṇiglābhaṃ na cānpoti“ als „vaṇik lābhaṃ na cāpnoti“ aufgelöst. — [?: „gaurasarṣa pakalkena“ als „gauḍasarṣapakalkena“ gedeutet.]]
Von der Stelle des Pferdes, von der des Elefanten, vom Ameisenhügel, von einem Zusammenfluss, von einem (tiefen) Wasserteich (soll man) Erde (holen); Gorocanā, Duftstoffe und Guggulu-Harz soll man rasch (hinzu)geben.
Wort für Wort
aśvasthānādgajasthānād
von der Stelle des Pferdes, von der des Elefanten
valmīkātsaṃgamāddhradāt
vom Ameisenhügel, vom Zusammenfluss, vom Wasserteich
Mit vier Krügen von einer Farbe, aus dem Teich herbeigebracht, in ein Gefäß (gefüllt); auf ein rotes Fell eines jungen Stieres soll sodann der Segensthron (bhadrāsana) gestellt werden.
Wort für Wort
pātryāhṛtā hyekavarṇaiḥ
in ein Gefäß gebracht, mit gleichfarbigen
caturbhiḥ kalaśairhradāt
vier Krügen aus dem Teich
carmaṇyānuḍuhe rakte
auf dem roten Fell eines jungen Stieres
sthāpyaṃ bhadrāsanaṃ tataḥ
soll sodann der Segensthron aufgestellt werden
[?: „anuḍuhe“ als „anaḍuhe“ (junger Stier) gedeutet.]
Welches Unglück an dir in den Haaren (ist), am Scheitel, und welches am Kopf, an der Stirn, an den Ohren, an den Augen — die Wasser mögen es allezeit vertreiben.
snānasya sārṣapaṃ tailaṃ sruveṇaudumbareṇa tu / juhuyānmūrddhani kuśānsavyana parigṛhya ca
Von der Waschung (nachfolgend) soll man Senföl mit dem Sruva aus Udumbara-Holz opfern; auf den Kopf (der Kuśa-Gräser), mit der linken (Hand) ergriffen, (führt man dies aus).
Wort für Wort
snānasya sārṣapaṃ tailaṃ
nach der Waschung das Senföl
sruveṇaudumbareṇa tu
mit dem Sruva aus Udumbara-Holz
juhuyānmūrddhani
soll man auf den Kopf opfern
kuśānsavyana parigṛhya ca
und die Kuśa-Gräser mit der Linken ergreifend
[?: Satzbezug unklar; „kuśān savyena parigṛhya“ = die Kuśa-Gräser mit der linken Hand ergreifend.]
Mit den Namen, mit den Bali-Mantras, verbunden mit Verneigungen, soll man (die Opfergabe) an einer Kreuzung, gegenüber der Sonne, nachdem man ringsum Kuśa-Gräser ausgebreitet hat, darbringen.
Wort für Wort
nāmabhirbalimantraiśca
mit den Namen und den Bali-Mantras
namaskārasamanvitaiḥ
verbunden mit Verneigungen
dadyāñcatuṣpathe sūryye
soll man an der Kreuzung, zur Sonne gewandt, geben
kṛtā kṛtāṃstaṇḍulīśca palalaudanameva ca / matsyānpakvāṃstathaivāmānmāṃsametāvadevatu
Zubereitete und unzubereitete Reiskörner sowie mit Sesam vermengten Reisbrei; gekochte Fische ebenso wie rohe, sowie Fleisch — genau so viel (soll man darbringen).
Dickmilch-Reis und Milchreis, sowie Mehl aus Guñjā-Beeren mit Süßigkeiten — nachdem man dies alles herbeigebracht hat, sodann den Kopf zur Erde neigend,
Wort für Wort
dadhyannaṃ pāyasaṃ caiva
Dickmilch-Reis und Milchreis
gujapiṣṭa samodakam
Guñjā-Mehl mit Süßigkeiten
etānsarvānupāhṛtya
nachdem man dies alles herbeigebracht hat
bhūmau kṛtvā tataḥ śiraḥ
und dann den Kopf auf die Erde gesenkt
[?: „gujapiṣṭa“ als „guñjāpiṣṭa“ (Mehl aus Guñjā-Samen) gedeutet.]
(soll man) sich der Mutter des Vināyaka, der Ambikā, sodann nahen und (ihr), nachdem man mit Dūrvā-Gras, Senf und Blüten ein Ārghya (Ehrengabe) gegeben hat, eine volle Handvoll (darbringen).
Wort für Wort
vināyakasya jananī mupatiṣṭet
der Mutter des Vināyaka soll man sich nähern
tato 'mbikām
sodann der Ambikā
durvāsarṣapapuṣpāṇāṃ
mit Dūrvā-Gras, Senf und Blüten
dattvārghyaṃ pūrṇamañjalim
nachdem man Ārghya gegeben hat, eine volle Handvoll
Nachdem man sich der heilvollen Durgā genaht hat, verehre man sodann den Gatten Umās (Śiva) mit Räucherwerk, Lichtern, Speiseopfern, Duftstoffen, Kränzen und Salben.
Wort für Wort
upasthāya śivāṃ durgām
nachdem man sich der heilvollen Durgā genaht hat
umāpatimathāceryat
verehre man sodann den Gatten Umās (Śiva)
dhūpaidarpiścai naivedyair
mit Räucherwerk, Lichtern und Speiseopfern
gandhamālyānulepanaiḥ
mit Duftstoffen, Kränzen und Salben
[Anm.: „acerya“ als „arcayet“, „dhūpaidarpiścai“ als „dhūpair dīpaiś ca“ aufgelöst.]
Sodann, mit weißem Gewand bekleidet, mit weißem Kranz und weißer Salbe, soll man danach die Brahmanen speisen und auch dem Lehrer ein Paar Gewänder (geben).
Nachdem man so Vināyaka verehrt hat, soll man auch die Planeten (grahas) verehren, sei es aus Verlangen nach Glück, sei es aus Verlangen nach Besänftigung, oder um Gedeihen, Wachstum, langes Leben und Kraft (zu erlangen).
Wort für Wort
evaṃ vināyakaṃ pūjya
nachdem man so Vināyaka verehrt hat
grahāṃścaiva prapūjayet
soll man auch die Planeten verehren
śrīkāmaḥ śāntikāmo vā
sei es aus Verlangen nach Glück oder Besänftigung
puṣṭivṛddhyāyurvīryyavān
oder wer Gedeihen, Wachstum, Langlebigkeit, Kraft wünscht
Sūrya, Soma, der Sohn der Erde (Mars), Budha, Jīva (Jupiter), Bhṛgu (Venus), Śani (Saturn), Rāhu und Ketu — diese neun (Himmelskörper) sind der Reihe nach als Planeten aufzustellen.
Wort für Wort
sīryyaḥ somo mahīputro
Sūrya, Soma, der Sohn der Erde
budho jīvo bhṛguḥ śaniḥ
Budha, Jīva, Bhṛgu, Śani
rāhuketū navāpyete
Rāhu und Ketu, diese neun
sthāpanīyā grahāḥ kramāt
die Planeten sind der Reihe nach aufzustellen
[Anm.: Die Wendung „navāpyete“ erscheint im Quelltext verdoppelt.]
svavarṇairvāpaṭe lekhyā gandhairmaṇḍalakeṣu ca / yathāvarṇaṃ pradeyāni vāsāṃsi kusumāni ca
In ihren eigenen Farben sind sie auf ein Tuch zu malen, oder mit Duftstoffen in Kreisdiagrammen; entsprechend der (jeweiligen) Farbe sind Gewänder und Blumen darzubringen.
Wort für Wort
svavarṇairvāpaṭe lekhyā
in ihren eigenen Farben, oder auf ein Tuch zu malen
Duftstoffe, Opferspeisen sowie Räucherwerk aus Guggulu-Harz sind darzubringen; mit Mantras versehene Caru-Opferbreie sind für jede Gottheit zu bereiten.
(Die Anfangsworte der (Planeten-)Mantras): „Ā kṛṣṇena …“, „Imā devāḥ …“, „Agnir mūrdhā divaḥ kakut“ (Agni ist das Haupt, der Gipfel des Himmels), „Ud budhyasva …“ (Erwache!), … was des Herrn (ist), ebenso vom geläuterten (Trank) aus Speise …
Wort für Wort
ākṛṣṇena
mit dem Schwarzen (Mantra-Incipit, für Sūrya)
imandevā
diese Götter (?, Mantra-Incipit)
agnirmūrddhādivaḥ kakut
Agni ist das Haupt, der Gipfel des Himmels
udbudhaayasvāti
erwache! (Mantra-Incipit)
yadaryas
was des Herrn ist (?)
tathaivānnātparisrutaḥ
ebenso vom geläuterten (Trank) aus Speise (?)
[Anm.: Vers besteht aus stark verderbten Anfangszitaten (pratīka) vedischer Mantras (u. a. RV 1.35.2 „ā kṛṣṇena rajasā vartamānaḥ“, RV 8.44.16 „agnir mūrdhā divaḥ kakut“), die den einzelnen Planeten zugeordnete Opfersprüche kennzeichnen; eine durchgehende Satzübersetzung ist wegen der Verderbnis nur eingeschränkt möglich.]
„Die (Wasser-)Göttinnen (seien) uns zum Heil …“, ebenso „von Stängel zu Stängel …“, „(die Sonne,) die das Banner (ketu) errichtet für den, der kein Banner hat“ — (weitere Mantra-Anfänge).
Wort für Wort
śannodevīstathā
die Göttinnen (seien) uns zum Heil, ebenso (Mantra-Incipit)
kāṇḍātketuṃ kṛṇvannaketavaḥ
'von Stängel zu Stängel', 'das Banner errichtend für den Bannerlosen' (Mantra-Incipits)
[Anm.: Weitere Mantra-Incipits, u. a. RV 10.9.1 „śaṃ no devīr abhiṣṭaye āpaḥ“ und RV 1.6.3 „ketuṃ kṛṇvann aketave“; stark verkürzt/verderbt überliefert.]
ekaikasmādaṣṭaśatamaṣṭāviṃśatireva ca / hotavyā madhusarpirbhyāṃ dadhnā kṣīreṇa vā punaḥ
Von jedem einzelnen (Holz) sind hundertacht (Opferungen) oder auch achtundzwanzig darzubringen, mit Honig und Ghī, mit Dickmilch oder wiederum mit Milch.
Der Kundige soll dies der Reihe nach der Planeten den Brahmanen als Speise geben, nach (seinem) Vermögen, wie er es eben erlangt, mit Ehrerweisung, nach Vorschrift.
Wort für Wort
dadyā dgrahakramādetad
er soll dies nach der Reihenfolge der Planeten geben
dvijebhyo bhojanaṃ budhaḥ
der Kundige den Brahmanen als Speise
śaktito 'pi yathā lābhaṃ
nach Vermögen, wie erlangt
satkṛtya vidhipūrvakam
mit Ehrerweisung, nach Vorschrift
[Anm.: „dadyā dgrahakramād“ als „dadyād grahakramād“ aufgelöst.]
Eine Kuh, eine Muschel, ebenso ein Stier, ein weißes Gewand, ein Pferd — der Reihe nach; ein Schwarzer, ein Ziegenbock aus hellem Eisen — dies gelten als die (den Planeten entsprechenden) Ehrengaben.
Wort für Wort
dhenuḥ śaṅkhastathānaṅvān
eine Kuh, eine Muschel, ebenso ein Stier
himavāso hayaḥ kramāt
ein weißes Gewand, ein Pferd, der Reihe nach
kṛṣṇāgaurāyasaṃ chāga
ein Schwarzer, ein Ziegenbock aus hellem Eisen
etā vai dakṣiṇāḥ smṛtāḥ
dies gelten als die Ehrengaben
[?: Zuordnung der Gaben zu den neun Planeten unklar strukturiert; wörtliche Aufzählung.]
yasya yasya tu yaddravyaṃ palenārcyaḥ sa tena ca / brahmanneṣāṃ varo dattaḥ pūjitāḥ pūjayiṣyathaḥ
Welchem (Planeten) auch immer welches (bestimmte) Material (entspricht), er ist mit ebendiesem, im Gewicht eines Pala, zu verehren, o Brahmane; diesen (Planeten) wurde die Gabe gewährt: verehrt, werden sie (den Verehrer) verehren.
Wort für Wort
yasya yasya tu yaddravyaṃ
welchem auch immer welches Material
palenārcyaḥ sa tena ca
ist er mit diesem, im Gewicht eines Pala, zu verehren
brahmanneṣāṃ varo dattaḥ
o Brahmane, diesen wurde die Gabe gewährt
pūjitāḥ pūjayiṣyathaḥ
verehrt, werden sie (euch) verehren
[?: „pūjayiṣyathaḥ“ (2. Pers. Dual) evtl. Verschreibung für „pūjayiṣyanti“; als Segensformel wiedergegeben.]
grahādhīnā naredrāṇāṃ dhanajātyucchrayāstathā / bhāvābhāvau ca jagatastasmātpūjyatamā grahāḥ
Von den Planeten abhängig sind Reichtum, Rang und Ansehen der Fürsten, sowie das Entstehen und Vergehen der Welt; deshalb sind die Planeten höchst verehrungswürdig.
Wer stets die Verehrung der Āditya (Sūrya), das Stirnzeichen (tilaka) des Gebieters (Śiva) sowie (die Verehrung) des großen Gaṇapati vollzieht, erlangt Erfolg
Wort für Wort
adityasya sadā pūjā
die stete Verehrung der Āditya (Sūrya)
tilakaṃ svāminastathā
das Stirnzeichen des Gebieters, ebenso
mahāgaṇapateścaiva
und auch des großen Gaṇapati
kurvansiddhimavānpuyāt
wer (dies) vollzieht, erlangt Erfolg
[Anm.: „puyāt“ als „āpnuyāt“ gedeutet; Vers 93/94 bilden syntaktisch einen Satz.]
akṛtvā mātṛyāgaṃ tu yo grahārcāṃ samārabhet / kupyanti mātarastasya pratyūhaṃ kurvate tathā
Wer aber, ohne das Mütter-Opfer (mātṛyāga) vollzogen zu haben, die Verehrung der Planeten beginnt, dem zürnen die Mütter (Göttinnen), und sie bereiten ihm Hindernisse.
Mit dem Reinigungs-Mantra des Vasu, und nachdem man den Wasserstrom des Vasu bereitet hat, sind Gaurī und die übrigen Mütter (Göttinnen) bei verheißungsvollen Anlässen von denen, die das Heil erstreben, zu verehren.
Wort für Wort
vasoḥ pavitramantreṇa
mit dem Reinigungs-Mantra des Vasu
vasorddhārāṃ prakalpya ca
und nachdem man den Wasserstrom des Vasu bereitet hat
gauryādyā mātaraḥ pūjyā
Gaurī und die übrigen Mütter sind zu verehren
māṅgalyeṣu śubhārthibhiḥ
bei verheißungsvollen Anlässen von den nach Heil Verlangenden
[?: „vasorddhārā“ (Strom des Vasu) rituelle Bedeutung unsicher, wörtlich übersetzt.]
puṣṭirhṛṣṭistathā tuṣṭirātmadevatayā saha / gaṇeśenādhikā hyetā vṛddhau pūjyāstu ṣohaśa
— Puṣṭi, Hṛṣṭi und Tuṣṭi, zusammen mit der eigenen Schutzgottheit (ātmadevatā): diese, vermehrt um Gaṇeśa, sind bei der Vṛddhi(-Feier) als sechzehn zu verehren.
Wort für Wort
puṣṭirhṛṣṭistathā tuṣṭir
Puṣṭi, Hṛṣṭi und Tuṣṭi
ātmadevatayā saha
zusammen mit der eigenen Schutzgottheit
gaṇeśenādhikā hyetā
diese, vermehrt um Gaṇeśa
vṛddhau pūjyāstu ṣohaśa
sind bei der Vṛddhi(-Feier) als sechzehn zu verehren
āvāhanaṃ tathā pādyamardhyaṃ snānaṃ ca candanam / akṣatāṃścaiva puṣpāṇi dhūpaṃ dīpaṃ phalāni ca
Die Herbeirufung, ebenso das Fußwasser, das Ehrenwasser (arghya), die Waschung, das Sandelholz, ungebrochene Reiskörner (akṣata), Blumen, Räucherwerk, Lampenlicht und Früchte —
naivedyācamanīyaṃ ca tāṃbūlaṃ pūgameva ca / nīrājanaṃ dakṣiṇāṃ ca kramāddadyāñca tuṣṭaye
— Speiseopfer, Mundwasser, Betelblatt und Betelnuss, Lichtschwenkung und Ehrengabe: der Reihe nach soll man (dies) zur Zufriedenstellung (der Gottheiten) darbringen.
Wort für Wort
naivedyācamanīyaṃ ca
Speiseopfer und Mundwasser
tāṃbūlaṃ pūgameva ca
Betelblatt und Betelnuss
nīrājanaṃ dakṣiṇāṃ ca
Lichtschwenkung und Ehrengabe
kramāddadyāñca tuṣṭaye
der Reihe nach soll man zur Zufriedenstellung darbringen
Ich werde den Pitṛkalpa (Ahnen-Ritual) verkünden, den Mehrer von Reichtum und Nachkommenschaft: Neumond, Aṣṭakā(-Tag), (Śrāddha bei) Zuwachs, die dunkle Monatshälfte, (und) die beiden Sonnenwenden.
(Der Erhalt von geeignetem) Material, das Vorhandensein (geeigneter) Brahmanen, die Tagundnachtgleiche, der Sonneneintritt (in ein neues Tierkreiszeichen), Vyatīpāta, die 'Elefantenschatten'(-Zeit), die Finsternis von Mond und Sonne —
der Kenner des Sinns der Veden, der Jyeṣṭhasāman-Sänger, der Trimadhu- und Trisuparṇa-Kenner, der Schwestersohn, der Opferpriester, der Schwiegersohn, der Opferherr, der Schwiegervater, der Onkel mütterlicherseits —
Wort für Wort
vedārthavijjyeṣṭasāmā
der Kenner des Vedensinns, der Jyeṣṭhasāman-Sänger
trimadhusrisuparṇakaḥ
der Trimadhu- und Trisuparṇa-Kenner
svasrīya ṛtvigjāmātā
der Schwestersohn, der Opferpriester, der Schwiegersohn
yājyaśvaśuramātulāḥ
der Opferherr, der Schwiegervater, der Onkel mütterlicherseits
der Trināciketa-Kenner, der Tochtersohn, der Schüler, der Verwandte, der Angehörige, die in Ritualhandlung Gefestigten, die in Askese Gefestigten, die (Anhänger) der fünf Feuer, die Brahmacārins —
Wort für Wort
triṇāciketadauhitraśiṣya
der Trināciketa-(Kenner), der Tochtersohn, der Schüler
— und die den Eltern Ergebenen: (solche) Brahmanen sind der Reichtum des Śrāddha. (Auszuschließen hingegen): der Kranke, wer zu wenige oder zu viele Glieder hat, der Einäugige, ebenso der Sohn einer Wiederverheirateten,
Wort für Wort
pitṛmātṛparāścaiva
und die den Eltern Ergebenen
brāhmaṇāḥ śrāddhasaṃpadaḥ
(solche) Brahmanen sind der Reichtum des Śrāddha
rogī nyūnātiriktāṅgaḥ
der Kranke, mit zu wenig oder zu viel Gliedern
kāṇaḥ paunarbhavastathā
der Einäugige, ebenso der Sohn einer Wiederverheirateten
— der (sein Gelübde) Brechende, der Kuṇḍa und der Gola (unehelich Geborene), wer schlechte Nägel hat, wer dunkle Flecken (auf der Haut) hat, der bezahlte Lehrer, der Eunuch, der Jungfrauenschänder, der (öffentlich) Beschuldigte,
— der Freundesverräter, der Verleumder, der Somaverkäufer, wer (jüngere Brüder) vor (älteren) heiratet, wer Mutter, Vater oder Lehrer verlässt, wer aus einem (verbotenen) Topf isst, der Sohn einer Śūdra-Frau,
Wort für Wort
mitradhruk piśunaḥ
der Freundesverräter, der Verleumder
somavikrayī parivindakaḥ
der Somaverkäufer, wer vor Älteren heiratet
mātṛpitṛgurutyāgī
wer Mutter, Vater, Lehrer verlässt
kuṇḍāśī vṛṣalātmajaḥ
wer aus verbotenem Topf isst, der Sohn einer Śūdrā
— der Gatte einer zuvor (mit einem anderen) Verheirateten, der Dieb, und die vom (Ritual-)Werk Gefallenen — (diese alle) sind verwerflich. Am Tag zuvor soll der Selbstbeherrschte, Reine, die Brahmanen (zum Śrāddha) einladen.
Und auch diese (eingeladenen Brahmanen) sollen in Gedanke, Wort und Tat beherrscht sein; am Nachmittag soll er die Gekommenen mit Willkommensgruß und Ehrerbietung empfangen.
Wort für Wort
taiścāpi saṃyatair bhāvyaṃ
und auch diese sollen beherrscht sein
manovākkāyakarmabhiḥ
in Gedanke, Wort und Tat
aparāhne samaghabhyarcya
am Nachmittag, nachdem er (sie) geehrt hat
svāgatenāgatāṃstu tān
jene Gekommenen mit Willkommensgruß
[?: „samaghabhyarcya“ als „samabhyarcya“ gedeutet.]
pavitrapāṇirācāntānāsane copaveśayet / viprāndaive yathāśakti pitrye 'yugmāṃstathaiva ca
Mit dem Reinigungsring (pavitra) an der Hand soll er die (rituell) Gespülten auf einen Sitz setzen; die Brahmanen für das Götter(-Śrāddha) nach Vermögen (in beliebiger Zahl), für das Ahnen(-Śrāddha) ebenso in ungerader Zahl.
Wort für Wort
pavitrapāṇirācāntān
mit dem Pavitra an der Hand, die (rituell) Gespülten
mātāmahānāmapyevaṃ tatra vā vaiśvadaivikam / pāṇiprakṣālanaṃ dattvā viṣṭarārthaṃ kuśānapi
Ebenso auch für die Vorfahren mütterlicherseits, oder dort (auch) das Vaiśvadeva(-Opfer); nachdem er (ihnen) Wasser zum Händewaschen gegeben hat, (gebe er ihnen) auch Kuśa-Gras für die Sitzunterlage.
Nachdem er die Erlaubnis erhalten hat, soll er (die Götter) mit dem Vers 'Viśve devāsaḥ' herbeirufen; mit Gerste soll er sodann (die Sitze) bestreuen, in einem mit Pavitra (Reinigungsring) versehenen Gefäß.
Wort für Wort
āvāhayedanujñāto
er soll herbeirufen, nachdem er die Erlaubnis erhalten hat
Nachdem er mit (dem Vers) 'Śaṃ no devīḥ' Wasser hineingegeben hat, (gebe er) ebenso mit (dem Spruch) 'Yavo 'si' die Gerstenkörner; mit dem Mantra 'Yā divyāḥ' soll er das Fußwasser in die Hand gießen.
Nachdem er Wasser, Duftstoff und Kranz gegeben, Speise mitsamt Lampenlicht dargereicht hat, wende er sich sodann, für die Ahnen, gegen den Uhrzeigersinn (apasavya) und mit Umschreitung.
Wort für Wort
dattvodakaṃ gandhamālyaṃ
nachdem er Wasser, Duftstoff, Kranz gegeben hat
pradāyānnaṃ sadīpakam
und Speise mit Lampenlicht dargereicht hat
apasavyaṃ tataḥ tṛtvā
nachdem er sich sodann gegen den Uhrzeigersinn gewandt hat
Nachdem er doppelt so viele Kuśa-Gräser gegeben hat, rufe er mit dem Vers 'Uśantas tvā' die Ahnen herbei, und nach erhaltener Erlaubnis rezitiere er sodann 'Āyantu naḥ'.
Wort für Wort
dviguṇāṃstu kuśāndattvā
nachdem er doppelt so viele Kuśa-Gräser gegeben hat
An Stelle der Gerste sind (hier) Sesamkörner zu verwenden; er soll das Ehrenwasser (arghya) und Weiteres wie zuvor vollziehen; nachdem er das Ehrenwasser mit Sesam gegeben hat, (soll er dies) in ihr Gefäß nach Vorschrift geben.
Wort für Wort
yavārthāstu tilaiḥ kāryāḥ
an Stelle der Gerste sind Sesamkörner zu verwenden
kuryādardhyādi pūrvavat
er vollziehe Arghya usw. wie zuvor
dattvārdhyaṃ sayavāṃsteṣāṃ
nachdem er das Arghya mit Sesam gegeben hat, für sie
Mit 'Pitṛbhyaḥ sthānam asi' (stelle er) das umgestülpte Gefäß nach unten; im Begriff, (die Opferung) im Feuer zu vollziehen, nehme er die mit Ghī durchtränkte Speise und frage (um Erlaubnis).
Wort für Wort
pitṛbhyaḥ sthānamasīti
mit 'Pitṛbhyaḥ sthānam asi'
nyubjaṃ pātraṃ kagetyadhaḥ
das umgestülpte Gefäß nach unten gestellt
agnau kariṣyannādāya
im Begriff, im Feuer zu vollziehen, ergreife er
pṛcchatyannaṃ ghṛtaplutam
und frage um Erlaubnis für die mit Ghī durchtränkte Speise
[?: „kagetyadhaḥ“ unklar überliefert, sinngemäß als 'nach unten gestellt' übersetzt.]
Mit 'Kuruṣva' (dazu) ermächtigt, gebe er (die Opferung) ins Feuer wie beim Ahnenopfer; den Opferrest soll er dann, gesammelten Sinnes, in die Gefäße geben.
yathālābhopapanneṣu gaipyeṣu ca viśeṣataḥ / dattvānnaṃ pṛthivīpātramiti pātrā bhimantraṇam
In die entsprechend erlangten (Gefäße), insbesondere die des Gaipya, nachdem er Speise gegeben hat, (spreche er) 'Pṛthivī pātram' als Formel zur Besprechung des Gefäßes.
Nachdem er 'Idaṃ Viṣṇuḥ' (gesprochen) hat, lege er den Daumen des Brahmanen in die Speise; (er rezitiere) den Gāyatrī(-Vers) mit den Vyāhṛtis und den Vers 'Madhu vātāḥ'.
Wort für Wort
kṛtvedaṃ viṣṇurityanne
nachdem er 'Idaṃ Viṣṇuḥ' über der Speise gesprochen hat
Nachdem er (dies) rezitiert hat, soll gesagt werden 'wie es beliebt' — auch sie mögen essen, wortlos (schweigend); die vorzügliche, gewünschte Opferspeise soll er, frei von Zorn und ohne Eile, geben.
Wort für Wort
japtvā yathāsukhaṃ vācyaṃ
nachdem er rezitiert hat, soll gesagt werden 'wie beliebt'
bhuñjīraṃste 'pi vāgyatāḥ
auch sie mögen essen, schweigend
agnamiṣṭaṃ havipyaṃ ca
und die vorzügliche, gewünschte Opferspeise
dadyādakrodhano 'tvaraḥ
soll er geben, frei von Zorn, ohne Eile
[?: „agnamiṣṭaṃ havipyaṃ“ als „agryam iṣṭaṃ haviṣyaṃ“ gedeutet.]
Bis zur (vollen) Sättigung soll er die Reinigungssprüche rezitieren, ebenso das vorherige Rezitieren; nachdem er die Speise genommen hat, (sage er) 'seid gesättigt' und lasse auch den Rest gutheißen.
Wort für Wort
ātṛptestu pavitrāṇi japtvā
bis zur Sättigung, nachdem er die Pavitra-Sprüche rezitiert hat
Jene Speise streue er auf die Erde und gebe jeweils einzeln Wasser; die gesamte Speise nehme er, mit Sesam versehen, mit dem Gesicht nach Süden gewandt.
In der Nähe der Speisereste soll er die Reisbällchen (piṇḍa) geben, wie beim Ahnenopfer; ebenso auch für die Vorfahren mütterlicherseits; sodann gebe er (ihnen) Mundwasser.
Wort für Wort
ucchiṣṭasannidhau piṇḍāndadyādvai
in der Nähe der Speisereste soll er die Piṇḍas geben
svasnivācaṃ tataḥ kuryādakṣayyodakameva hi / dattvā ca dakṣiṇāṃ śaktyā svadhākāramudāharet
Sodann spreche er die Svasti(-Formel); und nachdem er das unerschöpfliche Wasser (akṣayyodaka) sowie die Ehrengabe nach Vermögen gegeben hat, spreche er den Svadhā-Ruf aus.
Wort für Wort
svasnivācaṃ tataḥ kuryād
sodann spreche er den Svasti-Spruch
akṣayyodakameva hi
und das unerschöpfliche Wasser
dattvā ca dakṣiṇāṃ śaktyā
und nachdem er die Ehrengabe nach Vermögen gegeben hat
svadhākāramudāharet
spreche er den Svadhā-Ruf aus
[Anm.: „svasnivācaṃ“ als „svastivācaṃ“ aufgelöst.]
Nachdem 'es sei gesprochen' erlaubt wurde: 'Von den Anwesenden sei Svadhā gesprochen'; sie mögen sagen 'es sei so, Svadhā!' — nach diesem Wort gieße er sodann Wasser auf die Erde.
viśvedevāśvaprīyantāṃ vipraiścokta idaṃ japet / dātārono 'bhivarddhantāṃ vedāḥ saṃtatireva ca
'Die Viśvedevas mögen hier zufrieden sein' — von den Brahmanen gesprochen, rezitiere er dies: 'Unsere Geber mögen gedeihen, ebenso die Veden und die Nachkommenschaft,
Wort für Wort
viśvedevāśvaprīyantāṃ
die Viśvedevas mögen hier zufrieden sein
vipraiścokta idaṃ japet
von den Brahmanen gesprochen, rezitiere er dies
dātārono 'bhivarddhantāṃ
unsere Geber mögen gedeihen
vedāḥ saṃtatireva ca
die Veden und die Nachkommenschaft
[?: „aśvaprīyantāṃ“ als „atra prīyantāṃ“ gedeutet.]
śraddhā cano mā vyagamadbahu deyaṃ ca no 'stviti / ityukto ktāḥ priyā vācaḥ praṇipatya visarjayet
— der Glaube (śraddhā) möge uns nicht verlassen, und viel möge uns zu geben sein' — so gesprochen, (mit) lieblichen Worten (erwidern sie); nachdem er sich verneigt hat, entlasse er (sie).
Mit 'Vāje-vāje' erfreut, (geschehe) die Entlassung zuerst für die Ahnen; worin die zuvor gehörten (Zustimmungsformeln) im Ehrenwasser-Gefäß niedergelegt wurden,
— (nachdem er) das Ahnengefäß aufgehoben hat, entlasse er die Brahmanen; nachdem er sie mit Umwandlung begleitet hat, esse er die von den Ahnen genossene (Speise).
brahmacārī bhavettāṃ tu rajanīṃ brahmaṇaiḥ saha / evaṃ pradakṣiṇāvṛttyā vṛddhau nāndīmukhānpitṝn
Er sei aber jene Nacht (über) enthaltsam (brahmacārī), zusammen mit den Brahmanen. So (verehre man) bei der Vṛddhi(-Feier) durch das Umwandlungsverfahren die (freudigen) Nāndīmukha-Ahnen,
— verehre man mit Klumpen (piṇḍa), die aus Gerste bereitet und mit Dickmilch und Brustbeeren vermischt sind. Das Ekoddiṣṭa(-Śrāddha) ist ohne Götter(-Opfer) und mit nur einem Ehrenwasser-Gefäß und einem Reinigungsring.
Wort für Wort
yajeta dadhikarkandhumiśrān
man verehre mit dickmilch- und brustbeeren-vermischten
piḍānyavaiḥ kṛtān
Klumpen, aus Gerste bereitet
ekoddiṣṭaṃ devahīnamevārdhyaikapavitrakam
das Ekoddiṣṭa (ist) ohne Götter(-Opfer), mit einem Arghya-Gefäß, einem Reinigungsring
— ohne Herbeirufung und ohne Opferung im Feuer, gleich (dem Ritus) gegen den Uhrzeigersinn. Bei der Entlassung der Brahmanen (spreche man) an der Stelle des Unerschöpflichen (akṣayya) 'sie mögen sich nähern'.
Wort für Wort
āvāhanāgnaukaraṇarahitaṃ
ohne Herbeirufung und Opferung im Feuer
hyapasavyavat
wie der Ritus gegen den Uhrzeigersinn
upatiṣaaṭatāmakṣayyasthāne
sie mögen sich an der Stelle des Unerschöpflichen nähern
vipravisarjane
bei der Entlassung der Brahmanen
[?: „upatiṣaaṭatām“ als „upatiṣṭhantām“ gedeutet.]
Zum Zweck des Ehrenwassers, in die Ahnengefäße, gieße man das Gefäß des Verstorbenen (preta) hinein; mit den zwei (Versen, beginnend) 'Ye samānāḥ' (vollziehe man dies); das Übrige vollziehe man wie zuvor.
etansapiṃ ḍīkaraṇamekoṣṭiddaṃ sriyā api / arvāksapiṇḍīkaraṇaṃ yasya saṃvatsarādbhavet
Dies (nennt man) das Sapiṇḍīkaraṇa (die Vereinigung des Verstorbenen mit den Ahnen); dieses Ekoddiṣṭa (gilt) auch für eine Frau. Wessen Sapiṇḍīkaraṇa vor Ablauf eines Jahres stattfindet,
Wort für Wort
etansapiṃḍīkaraṇam
dies (ist) das Sapiṇḍīkaraṇa
ekoṣṭiddaṃ sriyā api
dieses Ekoddiṣṭa gilt auch für eine Frau
arvāksapiṇḍīkaraṇaṃ yasya
wessen Sapiṇḍīkaraṇa vorzeitig geschieht
saṃvatsarādbhavet
vor Ablauf eines Jahres
[Anm.: „ekoṣṭiddaṃ“ als „ekoddiṣṭam idam“ aufgelöst.]
tasyāpyannaṃ sodakuṃbhaṃ dadyātsaṃvatsaraṃ dvije / bhṛte 'hani tu kartavyaṃ pratimāsaṃ tu vatsaram
— für den soll man auch (weiterhin) ein Jahr lang Speise mit Wasserkrug dem Brahmanen geben; am (Todes-)Tag selbst ist es (das Śrāddha) auszuführen, monatlich, für (das ganze) Jahr.
prakṣipetsatsu vipreṣu dvijocchiṣṭaṃ na mārjayet / haviṣyānnena vai māsaṃ pāyasena tu vatsaram
Man werfe (die Speise) unter würdigen Brahmanen hinein; die Speisereste des Zweifachgeborenen wische man nicht ab; mit Opferspeise einen Monat, mit Milchreis aber ein Jahr lang.
Wort für Wort
prakṣipetsatsu vipreṣu
man werfe unter würdigen Brahmanen hinein
dvijocchiṣṭaṃ na mārjayet
die Speisereste des Zweifachgeborenen wische man nicht ab
māsavṛddhyābhitṛpyanti dattairiha pitāmahāḥ / khaḍgāmiṣaṃ mahākalpaṃ madhu munyannameva ca
— werden mit jedem Monatszuwachs die Vorväter, hier durch die Gaben, gesättigt. Nashornfleisch (bringt) einen großen Weltzeitraum (der Sättigung), ebenso Honig und die Speise des Weisen,
lohāmiṣaṃ mahāśākaṃ māṃsaṃ vārdhrīṇasasya ca / yo dadāti gayāsthaśca sarvamānantyamaśnute
— das Fleisch des Loha(-Fisches), das große Gemüse, sowie das Fleisch des Vārdhrīṇasa(-Vogels); wer (dies) gibt, und wer sich in Gayā aufhält, erlangt alles Unendliche.
tathā varṣātrayodaśyāṃ maghāsu ca viśeṣataḥ / kalyāṃ kanyāvedinaśca paśūnvai satsutānapi
Ebenso am dreizehnten (Tag) des Jahres, besonders unter dem Maghā(-Nakṣatra); (wer eine) gesunde, jungfräuliche (Frau kennenlernt/heiratet), (wer) Vieh sowie auch gute Söhne (gibt),
Wort für Wort
tathā varṣātrayodaśyāṃ
ebenso am dreizehnten Tag des Jahres
maghāsu ca viśeṣataḥ
und besonders unter dem Nakṣatra Maghā
kalyāṃ kanyāvedinaśca
wer eine gesunde Jungfrau (zur Frau) kennt/nimmt
paśūnvai satsutānapi
Vieh, sowie auch gute Söhne
[?: Vers syntaktisch unklar; vermutlich Aufzählung von Śrāddha-verdienstvollen Anlässen/Gaben, hier wörtlich wiedergegeben.]
— (dies alles) erlangt, wer stets Śrāddha spendet: Vorrang unter den Verwandten und alle Wünsche; (die Śrāddha-Tage reichen) von der Pratipad an, mit Ausnahme des einen, des Vierzehnten (Tages),
— Gesundheit, Ruhm, Kummerlosigkeit, den höchsten Zustand, Reichtum, Wissen, ärztliche Erfolgskunst, sowie Metallgeräte und ebenso Ziegen und Schafe (erlangt der Śrāddha-Spender),
— sowie ein (langes) Leben (wie das) des Pferdes, wer nach Vorschrift das Śrāddha darbringt; von Kṛttikā bis Bharaṇī (durch alle Nakṣatras) erlangt er die (entsprechenden) Wünsche.
Wort für Wort
aśvanāyuśca vidhivadyaḥ
und ein Leben wie das des Pferdes, wer nach Vorschrift
Erfreut durch das Śrāddha erquicken (die Menschen) ihre Ahnen; (diese gewähren dafür) Lebenskraft, Nachkommenschaft, Reichtum, Wissen, Himmel, Erlösung und Freuden,
jñātavyaṃ vaidike tantre purāṇāntarake 'pi ca / ya imaṃ cintayedvidvānkalpādhyāyaṃ munīśvara
(Weiteres ist) im vedischen Lehrwerk sowie auch in einem anderen Purāṇa zu erlernen. Wer, o Fürst der Weisen, als Wissender über dieses Kalpa-Kapitel nachsinnt,
sa bhavetkarmakuśala ihānyatra gatiṃ śubhām / yaḥ śṛṇoti naro bhaktyā daive pitrye ca karmaṇi
— der wird geschickt in den (Ritual-)Handlungen und (erlangt) hier und im Jenseits einen glückverheißenden Zustand. Ein Mensch, der mit Hingabe (dies) über das Götter- und Ahnenritual hört,