Kapitel 100: śrībrahmavaivartapurāṇānukramaṇam
Zusammenfassung des Brahmavaivarta-Purāṇa
Sāvarṇi verkündet dem Nārada den vierteiligen Aufbau des Brahmavaivarta-Purāṇa (Brahma-, Prakṛti-, Vighneśa- und Kṛṣṇa-Khaṇḍa), zentriert auf Kṛṣṇas Leben und die Rādhā-Verehrung.
Śrī Brahmā sprach: Höre, o Kind, ich will dir das zehnte Purāṇa verkünden, genannt Brahmavaivarta, das den Weg des Veda aufzeigt.
Wort für Wort
śrībrahmovāca
Śrī Brahmā sprach
śṛṇu vatsa pravakṣyāmi
höre, o Kind, ich will verkünden
purāṇaṃ daśamaṃ tava
dir das zehnte Purāṇa
brahmavaivartakaṃ nāma
genannt Brahmavaivarta
vedamārgānudarśakam
das den Weg des Veda aufzeigt
Anm.: Vor Versbeginn steht im Quelltext "iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne caturthapāde bhaviṣyapurāṇānukramaṇī nirūpaṇaṃ nāma śatatamo 'dhyāyaḥ" – der verschobene Abschluss-Kolophon des vorhergehenden Kapitels (Bhaviṣya-Zusammenfassung), fälschlich mit der Nummer 100 versehen. Das tatsächliche Kapitel 100 behandelt das Brahmavaivarta-Purāṇa. Nicht als Vers übersetzt (vgl. Anm. zu Kap. 95, V1).
Worin der erhabene Sāvarṇi, persönlich [gegenwärtig], dem Götterweisen [Nārada] gegenübersteht [und] dem Nārada den ganz und gar überirdischen Sinn des Purāṇa verkündet.
Wort für Wort
sāvarṇiryatra bhagavān
worin der erhabene Sāvarṇi
sākṣāddevarṣaye sthitaḥ
persönlich dem Götterweisen [Nārada] gegenübersteht
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ sāraḥ prītirharau hare / tayorabhedasiddhyarthaṃ brahmavaivartamuttamam
Die Essenz von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa ist die Liebe zu Hari und Hara; zum Zweck der Erweisung ihrer Nicht-Verschiedenheit [dient] das vorzügliche Brahmavaivarta[-Purāṇa].
Wort für Wort
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ sāraḥ
die Essenz von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa
prītirharau hare
ist die Liebe zu Hari und zu Hara
tayorabhedasiddhyarthaṃ
zum Zweck der Erweisung ihrer Nicht-Verschiedenheit
Was ich als Begebenheit des Rathantara-Kalpa im Hundert-Millionen[-Vers-]Purāṇa verkündet habe, das hat der Vedakundige [Vyāsa] zusammengefasst dargelegt.
Vyāsa, nachdem er [es] in dem Brahmavaivarta genannten [Werk] vierfach eingeteilt hat, [verkündete] dieses Purāṇa, das als achtzehntausend [Verse umfassend] gilt.
brahmaprakṛtivighneśakṛṣṇakhaṇḍasamanvitam / tatra sūtarṣisaṃvāde purāṇopakramastataḥ
[Es ist] versehen mit den Abschnitten Brahma, Prakṛti, Vighneśa und Kṛṣṇa; darin [erfolgt] im Gespräch zwischen Sūta und den Weisen der Beginn des Purāṇa.
Wort für Wort
brahmaprakṛtivighneśakṛṣṇakhaṇḍasamanvitam
versehen mit den Abschnitten Brahma, Prakṛti, Vighneśa und Kṛṣṇa
sṛṣṭiprakaraṇaṃ tvādyaṃ tato nāradavedhasoḥ / vivādaḥ sumahānyatra dvayorāsītparābhavaḥ
Das erste Kapitel [behandelt] die Schöpfung, danach [kommt es] zwischen Nārada und dem Schöpfer [Brahmā] zu einem gewaltigen Streit, worin für beide eine Niederlage eintrat.
śivalokagatiḥ paścājjñānalābhaḥ śivātmane / śivavākyena tatpaścānmarīcernāradasya tu
Danach der Gang zur Welt Śivas, [Nāradas] Erlangung der Erkenntnis durch Śivas Gnade; danach, durch das Wort Śivas, [die Erlangung der Erkenntnis] des Marīci und des Nārada.
Und auch die Reise des Sāvarṇi, um der Erkenntnis willen, zu der von Vollendeten besuchten, höchst heiligen Einsiedelei, die in den drei Welten Staunen erregt —
Wort für Wort
gamanaṃ caiva sāvarṇerjñānārthaṃ
und auch die Reise des Sāvarṇi um der Erkenntnis willen
verbunden mit der Herrlichkeit Kṛṣṇas, [und] mit anschließenden mannigfaltigen Erzählungen; auch die aus der Prakṛti hervorgegangenen Teilaspekte und Erscheinungsformen werden beschrieben.
Wort für Wort
kṛṣṇamāhātmyasaṃyukto
verbunden mit der Herrlichkeit Kṛṣṇas
nānākhyānakathottaram
mit anschließenden mannigfaltigen Erzählungen
prakṛteraṃśabhūtānāṃ kalānāṃ
der aus der Prakṛti hervorgegangenen Teilaspekte und Erscheinungsformen
māhātmyaṃ pūjanādyaṃ ca vistareṇa yathāsthitam / etatprakṛtikhaṇḍaṃ hi śrutaṃ bhūtividhāyakam
Die Herrlichkeit [der Göttin], die Verehrung und Weiteres, ausführlich, so wie es sich verhält – dies ist der 'Prakṛti-Abschnitt', der, gehört, das Werden der Wesen bewirkt.
etadvighneśakhaṇḍaṃ hi sarvavighnavināśanam / śrīkṛṣṇajanmasaṃpraśno janmākhyānaṃ tato 'dbhutam
— dies ist der 'Vighneśa-Abschnitt', der alle Hindernisse vernichtet. Die Frage nach der Geburt Śrī Kṛṣṇas, danach die wunderbare Erzählung von seiner Geburt,
der Gang nach Gokula, und die wunderbaren Taten wie die Tötung der Pūtanā und weiterer [Dämonen]; die verschiedenen, aus seiner Kindheit und Knabenzeit entstandenen Spiele werden darin beschrieben,
Wort für Wort
gokule gamanaṃ
der Gang nach Gokula
gaścātpūtanādivadādbhūtāḥ
und die wunderbaren [Taten] wie die Tötung der Pūtanā u.a.
bālyakaumārajā līlā
die aus Kindheit und Knabenzeit entstandenen Spiele
der Rāsa-Reigentanz mit den Kuhhirtinnen wird als herbstliches [Fest] dargelegt; das im Geheimen [stattfindende] Spiel mit Rādhā wird sehr ausführlich beschrieben,
danach der Gang Haris nach Mathurā zusammen mit Akrūra; nachdem die Tötung des Kaṃsa und Weiterer geschehen war, [erfolgt] die brahmanische Weihe Kṛṣṇas,
dort die von Kṛṣṇa vollbrachte wunderbare Tötung des Naraka[-Dämons] und Weiterer. Dies, o Brahmane, ist der 'Kṛṣṇa-Abschnitt', der den Weltenkreislauf der Menschen durchtrennt.
Von Vyāsa verkündet und von Anfang an entstanden – [wer es] liest [oder] hört, wird befreit, durch das Erlöschen von [falschem] Wissen und Unwissenheit, aus dem schrecklichen Ozean des Weltenkreislaufs.
Wort für Wort
vyāsoktaṃ cādi saṃbhūtaṃ
von Vyāsa verkündet und von Anfang an entstanden
paṭhañchṛṇvanvimucyate
lesend, hörend wird [man] befreit
vijñānājñānaśamanād
durch das Erlöschen von [falschem] Wissen und Unwissenheit
likhitvedaṃ ca yo dadyānmādhyāṃ dhenusamanvitam / brahmalokamavāpnoti sa mukto 'jñānabandhanāt
Und wer dies niederschreiben lässt und, versehen mit einer [Spenden-]Kuh, im [Monat] Māgha [?] verschenkt, der erlangt die Welt Brahmans, befreit von der Fessel der Unwissenheit.
Wort für Wort
likhitvedaṃ ca yo dadyāt
und wer dies niederschreiben lässt und schenkt
mādhyāṃ[=māghyāṃ] dhenusamanvitam
im [Monat] Māgha, versehen mit einer Kuh
brahmalokamavāpnoti
der erlangt die Welt Brahmans
sa mukto 'jñānabandhanāt
befreit von der Fessel der Unwissenheit
Anm.: 'mādhyāṃ' im Quelltext vermutlich für 'māghyāṃ' (im Monat Māgha) verschrieben.