Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 88: lalitānāmasahasranirūpaṇam Die Darlegung des Tausend-Namens der Lalitā

Kapitel 88 (tṛtīyapāda) enthält: einen Lobpreis auf den Guru (V1-9), eine Anrufung der Göttin als Mātṛkā/Buchstaben-Gottheit (V10-22), die neunteilige Rüstung (kavaca) der Lalitā mit den sechzehn Nityās (V23-38), und schließlich das Tausend-Namen (nāmasahasra) der Göttin Lalitā/Tripurasundarī samt Phalaśruti (Wirkungs-Verkündigung, V164-178). Der Quelltext von Vers 1 enthält am Anfang einen offenbar versehentlich eingefügten Kolophon-Satz eines Nachbarkapitels (s. Anmerkung zu V1).

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde rādhādimantranirūpaṇaṃ nāmāṣṭāśītitamo 'dhyāyaḥ / _____________________________________________________________ / sanatkumāra uvāca / athāsāmāvṛtisthānāṃ śaktīnāṃ samayena ca / nāmnāṃ sahasraṃ vakṣyāmi gurudhyānapuraḥ saram

[Kolophon eines vorangehenden Kapitels, s. Anmerkung] ... So lautet im Śrī-Bṛhannāradīya-Purāṇa, im Pūrvabhāga, in der Erzählung Bṛhadupākhyāna, im dritten Pāda, das 88. Kapitel mit dem Namen 'Darlegung der Mantras der Rādhā u.a.' — Sanatkumāra sprach: Nun werde ich, der Sitte gemäß, der Meditation auf den Guru vorausgeschickt, die tausend Namen dieser Śaktis verkünden, die in den [verschiedenen] Hüllen (āvṛti) wohnen.

Wort für Wort
iti śrībṛhannāradīyapurāṇe ... aṣṭāśītitamo 'dhyāyaḥ
[Kolophon-Anomalie, s. Anmerkung: So lautet ... das 88. Kapitel 'Darlegung der Rādhā-Mantras u.a.']
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach:
atha āsām āvṛtisthānāṃ śaktīnāṃ
nun dieser in den Hüllen (āvṛti) wohnenden Śaktis
samayena ca
und gemäß der [rituellen] Übereinkunft/Sitte
nāmnāṃ sahasraṃ vakṣyāmi
werde ich das Tausend der Namen verkünden
gurudhyānapuraḥsaram
der Meditation auf den Guru vorausgeschickt

[Anm.: Die Quelle beginnt Vers 1 mit einem Kolophon-Satz ('iti ... rādhādimantranirūpaṇaṃ ... aṣṭāśītitamo 'dhyāyaḥ'), der inhaltlich nicht zu diesem Kapitel (Lalitā-/Nityā-Namenskult) passt, sondern offenbar versehentlich aus einem benachbarten Kapitel hier eingefügt wurde (Extraktions-Artefakt). Es folgt eine Trennlinie und die Sprecherangabe 'sanatkumāra uvāca', dann erst der eigentliche Vers 1. Alles wird hier wie in der Quelle wiedergegeben, ohne Korrektur.]

nāthā nava prakāśādyāḥ subhagāntāḥ prakīrtitāḥ / bhūmyādīniśivāntāni viddhi tattvāni nārada

Die neun Nāthas (Meister), beginnend mit Prakāśa und endend mit Subhagā, sind verkündet. Wisse, o Nārada, die Tattvas (Prinzipien), beginnend mit der Erde und endend mit Śiva.

Wort für Wort
nāthā nava
die neun Nāthas (Meister/Herren)
prakāśādyāḥ subhagāntāḥ
beginnend mit Prakāśa, endend mit Subhagā
prakīrtitāḥ
sind verkündet
bhūmyādīni śivāntāni
beginnend mit der Erde, endend mit Śiva
viddhi tattvāni nārada
wisse [dies als] die Tattvas, o Nārada

gurujanmādiparvāṇi darśāntāni ca sapta vai / etāni prāhamanovṛttyā cintayetsādhakottamaḥ

Die sieben Festzeiten (parvan), beginnend mit der Geburt des Guru und endend mit [seiner] Schau (darśana) — diese soll der beste der Praktizierenden (sādhaka) mit der Bewegung des Geistes (manovṛtti) bedenken, [wie es] verkündet [wurde].

Wort für Wort
gurujanmādiparvāṇi
die Fest-Anlässe, beginnend mit der Geburt des Guru
darśāntāni ca sapta vai
und endend mit der Schau — [derer] sieben, wahrlich
etāni prāha
diese hat er (die Überlieferung) verkündet
manovṛttyā cintayet
möge er mit der Bewegung des Geistes bedenken
sādhakottamaḥ
der beste der Praktizierenden

gurustotraṃ japeccāpi tadgatenāntarātmanā / namaste nātha bhagavañśivāya gururūpiṇe

Und er soll auch den Lobpreis (stotra) auf den Guru rezitieren, mit dem auf ihn gerichteten inneren Selbst: „Verehrung sei dir, o Herr, o Erhabener, Śiva, der die Gestalt des Guru trägt.

Wort für Wort
gurustotraṃ japet
er soll den Lobpreis auf den Guru rezitieren
cāpi tadgatena antarātmanā
und zwar mit dem auf ihn (den Guru) gerichteten inneren Selbst
namaste nātha bhagavan
Verehrung sei dir, o Herr, o Erhabener
śivāya gururūpiṇe
Śiva, der die Gestalt des Guru hat

vidyāvatārasaṃsiddhyai svaukṛtānekavigraha / navāya navarūpāya paramārthaikarūpiṇe

zum Gelingen des Herabstiegs der Vidyā (des Mantra-Wissens), o du, der viele Gestalten selbst angenommen hat — dem Immer-Neuen, von immer neuer Gestalt, dessen einzige Form die höchste Wirklichkeit ist,

Wort für Wort
vidyāvatārasaṃsiddhyai
zum vollkommenen Gelingen des Herabstiegs der Vidyā
svaukṛtānekavigraha
o du, der von sich aus viele Gestalten angenommen hat
navāya navarūpāya
dem Neuen, von neuer Gestalt
paramārthaikarūpiṇe
dessen einzige Form die höchste Wirklichkeit ist

sarvājñānatamobhedabhānave ciddhanāya te / svatantrāya dayākḷptavigrahāya śivātmane

dir, der Sonne, die die Finsternis allen Unwissens durchbricht, der Bewusstseinsfülle, dem Unabhängigen, dessen Gestalt aus Mitleid geformt ist, dessen Wesen Śiva ist —

Wort für Wort
sarvājñānatamobhedabhānave
der Sonne, welche die Finsternis alles Unwissens durchbricht
ciddhanāya te
dir, der Bewusstseinsfülle
svatantrāya
dem Unabhängigen
dayākḷptavigrahāya
dessen Gestalt aus Mitleid geformt ist
śivātmane
dessen Wesen Śiva ist

paratantrāya bhaktānāṃ bhavyānāṃ bhavyarūpiṇe / vivekināṃ vivekāya vimarśāya vimarśinām

dem den Hingebungsvollen Ergebenen (paratantra), der für die Erhabenen die erhabene Gestalt hat; der die Unterscheidung selbst ist für die Unterscheidenden, die reflektierende Erkenntnis (vimarśa) für die Reflektierenden.

Wort für Wort
paratantrāya bhaktānām
dem den Hingebungsvollen [dienstbar] Ergebenen
bhavyānāṃ bhavyarūpiṇe
der für die Erhabenen die erhabene Gestalt hat
vivekināṃ vivekāya
der für die Unterscheidenden die Unterscheidung selbst ist
vimarśāya vimarśinām
der für die Reflektierenden die reflektierende Erkenntnis selbst ist

prakāśānāṃ prakāśāya jñānināṃ jñānarūpiṇe / purastātpārśvayoḥ pṛṣṭhe namaḥ kuryāmuparyadhaḥ

der für die Leuchtenden das Licht selbst ist, der für die Wissenden die Gestalt des Wissens hat — nach vorne, zu beiden Seiten, nach hinten, möge ich Verehrung erweisen, [ebenso] oben und unten.

Wort für Wort
prakāśānāṃ prakāśāya
der für die Leuchtenden das Licht selbst ist
jñānināṃ jñānarūpiṇe
der für die Wissenden die Gestalt des Wissens hat
purastāt pārśvayoḥ pṛṣṭhe
nach vorne, zu beiden Seiten, im Rücken
namaḥ kuryām upari adhaḥ
möge ich Verehrung erweisen, oben und unten

sadā mañcittasadane vidhehi bhavadāsanam / iti stutvā guruṃ bhaktyā parāṃ devīṃ vicintayet

Errichte stets in der Wohnstatt meines Geistes deinen [Verehrungs-]Sitz.“ Nachdem er so den Guru mit Hingabe gepriesen hat, soll er über die höchste Göttin nachsinnen.

Wort für Wort
sadā mañcittasadane
stets in der Wohnstatt meines Geistes
vidhehi bhavadāsanam
errichte deinen [Verehrungs-]Sitz
iti stutvā guruṃ bhaktyā
nachdem er so den Guru mit Hingabe gepriesen hat
parāṃ devīṃ vicintayet
soll er über die höchste Göttin nachsinnen

gaṇeśagrahanakṣatrayoginīrāśirūpiṇīm / devīṃ mantramayīṃ naumi mātṛkāpīṭharūpiṇīm

Ich preise die Göttin, die die Gestalt Gaṇeśas, der Planeten, der Mondhäuser, der Yoginīs und der Tierkreiszeichen hat, die aus Mantra besteht, die die Gestalt des Mātṛkā-Sitzes (des Buchstaben-Thrones) hat.

Wort für Wort
gaṇeśagrahanakṣatrayoginīrāśirūpiṇīm
die die Gestalt Gaṇeśas, der Planeten, Mondhäuser, Yoginīs und Tierkreiszeichen hat
devīṃ mantramayīṃ naumi
ich preise die Göttin, die aus Mantra besteht
mātṛkāpīṭharūpiṇīm
die die Gestalt des Mātṛkā-(Buchstaben-)Sitzes hat

praṇamāmi mahādevīṃ mātṛkāṃ parameśvarīm / kālahṛlloholollohakalānāśanakāriṇīm

Ich verneige mich vor der großen Göttin, der Mātṛkā, der höchsten Herrin, die durch [die mystischen Silben] hṛllo-ho-lo-l-loha die Teile (kalā) der Zeit [d.h. des Todes] vernichtet.

Wort für Wort
praṇamāmi mahādevīṃ mātṛkāṃ parameśvarīm
ich verneige mich vor der großen Göttin, der Mātṛkā, der höchsten Herrin
kāla-hṛllo-ho-lo-l-loha-kalā-nāśanakāriṇīm
[?] die durch die Silben hṛllo-ho-lo-l-loha die Teile der Zeit (des Todes) vernichtet

[Anm.: 'kālahṛlloholollohakalā-' enthält offenbar eine Kette mystischer Bīja-Silben (hṛllo, ho, lo, loha), deren genaue mantrische Lesung unsicher ist [?].]

yadakṣarai kamātre 'pi saṃsiddhe sparddhate naraḥ / ravitārkṣyendukandarpaiḥ śaṅkarānalaviṣṇubhiḥ

durch deren Silbe, ist auch nur eine einzige Mora (mātrā) davon vollendet, ein Mensch [es] mit Sonne, Garuḍa, Mond, Kāma, Śaṅkara, Feuer und Viṣṇu aufnehmen kann,

Wort für Wort
yadakṣarai[ka]mātre 'pi
durch deren Silbe, sei es auch nur eine einzige Mora (mātrā)
saṃsiddhe
wenn [diese] vollendet ist
sparddhate naraḥ
wetteifert ein Mensch
ravitārkṣyendukandarpaiḥ
mit Sonne, Garuḍa, Mond, Kāma
śaṅkarānalaviṣṇubhiḥ
mit Śaṅkara, Feuer und Viṣṇu

yadakṣaraśaśijyotsnāmaṇḍitaṃ bhuvanatrayam / vande sarveśvarīṃ devīṃ mahāśrīsiddhamātṛkām

durch deren Silben-Mondlicht die drei Welten geschmückt sind — ich verehre die Göttin, die Herrin aller, die große, glorreiche Siddha-Mātṛkā.

Wort für Wort
yadakṣaraśaśijyotsnāmaṇḍitaṃ bhuvanatrayam
durch deren Silben-Mondlicht die drei Welten geschmückt sind
vande sarveśvarīṃ devīṃ
ich verehre die Göttin, die Herrin aller
mahāśrīsiddhamātṛkām
die große, glorreiche Siddha-Mātṛkā

yadakṣaramahāsūtraprotametajjagattrayam / brahmāṇḍādikaṭāhāntaṃ tāṃ vande siddhamātṛkām

durch deren Silben-großen Faden diese drei Welten aufgereiht sind, bis hin zur Schale des Weltenei (brahmāṇḍa) — sie verehre ich, die Siddha-Mātṛkā.

Wort für Wort
yadakṣaramahāsūtraprotam
durch deren Silben-großen Faden [alles] aufgereiht ist
etaj jagattrayam
diese Dreiheit der Welten
brahmāṇḍādikaṭāhāntam
bis hin zur Schale des Weltenei
tāṃ vande siddhamātṛkām
sie verehre ich, die Siddha-Mātṛkā

yadekādaśamādhāraṃ bījaṃ koṇatrayodbhavam / brahmāṇḍādikaṭāhāntaṃ jagadadyāpi dṛśyate

durch deren Keim (bīja), die elfte Stütze, entstanden aus dem Dreieck (koṇatraya) — durch [den] die Welt, bis hin zur Schale des Weltenei, noch heute sichtbar ist.

Wort für Wort
yat ekādaśam ādhāraṃ bījaṃ
durch deren Keim, die elfte Stütze
koṇatrayodbhavam
entstanden aus dem Dreieck
brahmāṇḍādikaṭāhāntaṃ jagat
die Welt, bis hin zur Schale des Weltenei
adyāpi dṛśyate
ist noch heute sichtbar

[Anm.: 'ekādaśam ādhāram' – Bezug unsicher, vermutlich auf eine bestimmte, als 'elfte Stütze' bezeichnete Bīja-Silbe [?].]

akacādiṭatonnaddhapayaśākṣaravargiṇīm / jyeṣṭhāṅgabāhuhṛtkaṇṭhakaṭipādanivāsinīm

die aus den Buchstabengruppen a-, ka-, ca-, ṭa-, ta-, pa- und den [Halbvokalen/Zischlauten] ya-, śa- besteht, die damit verwoben ist; die in den Jyeṣṭhā-Gliedern wohnt: Armen, Herz, Hals, Hüften, Füßen.

Wort für Wort
akacādiṭatonnaddha
verwoben mit [den Buchstabengruppen] beginnend a, ka, ca, ṭa, ta
payaśākṣaravargiṇīm
bestehend aus den Buchstabenklassen pa, ya, śa (und den Zischlauten)
jyeṣṭhāṅgabāhuhṛtkaṇṭhakaṭipādanivāsinīm
die in den [Jyeṣṭhā-]Gliedern wohnt: Armen, Herz, Hals, Hüften, Füßen

[Anm.: 'jyeṣṭhāṅga' evtl. Bezug auf die Göttin Jyeṣṭhā bzw. auf 'die ältesten/wichtigsten Glieder' [?].]

naumīkārākṣaroddhārāṃ sārātsārāṃ parātparām / praṇamāmi mahādevīṃ paramānandarūpiṇīm

Ich preise sie, die aus der Silbe Ī hervorgezogene, die Essenz der Essenzen, die Höhere als das Höchste. Ich verneige mich vor der großen Göttin, deren Gestalt die höchste Wonne ist.

Wort für Wort
naumi īkārākṣaroddhārāṃ
ich preise sie, die aus der Silbe Ī hervorgezogene
sārātsārāṃ parātparām
die Essenz der Essenzen, die Höhere als das Höchste
praṇamāmi mahādevīṃ
ich verneige mich vor der großen Göttin
paramānandarūpiṇīm
deren Gestalt die höchste Wonne ist

athāpi yasyā jānanti na manāgapi devatāḥ / keyaṃ kasmātkva keneti sarūpārūpabhāvanām

Und dennoch wissen die Götter nicht einmal ein wenig: wer sie ist, woher, wo, von wem [erschaffen] — [von] ihrer Kontemplation als Form-habend und Form-los.

Wort für Wort
athāpi yasyā jānanti na manāgapi devatāḥ
und dennoch wissen die Götter nicht einmal ein wenig über sie
keyaṃ kasmāt kva kena iti
wer sie ist, woher, wo, von wem
sarūpārūpabhāvanām
[über] ihre Kontemplation als form-habend und formlos

vande tāmahamakṣayyāṃ kṣakārākṣararūpiṇīm / devīṃ kulakalollolaprollasantīṃ śivāṃ parām

Ich verehre sie, die Unvergängliche, die die Gestalt der Silbe Kṣa hat, die Göttin, die als Woge des Kula (der [esoterischen] Sippe) herrlich hervorbricht, die höchste Śivā.

Wort für Wort
vande tām aham akṣayyāṃ
ich verehre sie, die Unvergängliche
kṣakārākṣararūpiṇīm
die die Gestalt der Silbe Kṣa hat
devīṃ kulakalollolaprollasantīṃ
die Göttin, die als Woge des Kula herrlich hervorbricht
śivāṃ parām
die höchste Śivā

vargānukramayogena yasyākhyomāṣṭakaṃ sthitam / vande tāmaṣṭavargotthamahāsiddhyādikeśvarīm

durch die Abfolge der Buchstabenklassen (varga), deren achtfacher Name (nāmāṣṭaka) besteht — ich verehre sie, die aus den acht Vargas entstandene Herrin der großen Siddhi und dergleichen.

Wort für Wort
vargānukramayogena
durch die Abfolge der Buchstabenklassen
yasyā ākhyā aṣṭakaṃ sthitam
deren achtfacher Name besteht
vande tām
ich verehre sie
aṣṭavargotthamahāsiddhyādikeśvarīm
die aus den acht Vargas entstandene Herrin der großen Siddhi u.a.

kāmapūrṇajakārākhya supīṭhāntarnnivāsinīm / caturājñākośabhūtāṃ naumi śrītripurāmaham

die als [die aus] Kāma, Pūrṇa, Ja[-kāra bestehende] Vidyā im guten Sitz (pīṭha) inwendig wohnt, die zur Hülle (kośa) der vier Ājñās geworden ist — ich preise Śrī Tripurā.

Wort für Wort
kāmapūrṇajakārākhya
genannt [die aus] Kāma, Pūrṇa, Ja[-Silbe bestehende]
supīṭhāntarnivāsinīm
die im guten Sitz inwendig wohnt
caturājñākośabhūtāṃ
die zur Hülle der vier Ājñās geworden ist
naumi śrītripurām aham
ich preise Śrī Tripurā

[Anm.: Bezug auf die Kādi-Vidyā (Bīja-Silben Ka, E, Ī u.a.) der Śrīvidyā-Tradition [?].]

etatstotraṃ tu nityānāṃ yaḥ paṭhetsusamāhitaḥ / pūjādau tasya sarvātā varadāḥ syurna saṃśayaḥ

Wer wohlgesammelt diesen Lobpreis der Nityās zu Beginn der Verehrung (pūjā) rezitiert — für ihn werden alle [Nityās] Wunscherfüllerinnen sein, kein Zweifel.

Wort für Wort
etatstotraṃ tu nityānāṃ
diesen Lobpreis der Nityās aber
yaḥ paṭhet susamāhitaḥ
wer wohlgesammelt rezitiert
pūjādau tasya sarvāstāḥ
für ihn [werden] zu Beginn der Verehrung alle [von ihnen]
varadāḥ syur na saṃśayaḥ
Wunscherfüllerinnen sein, kein Zweifel

atha te kavacaṃ devyā vakṣye navaratātmakam / yena devāsuranarajayī syātsādhakaḥ sadā

Nun werde ich dir die neunteilige Rüstung (kavaca) der Göttin verkünden, durch die der Praktizierende (sādhaka) immer ein Bezwinger von Göttern, Dämonen und Menschen wird.

Wort für Wort
atha te kavacaṃ devyā vakṣye
nun werde ich dir die Rüstung der Göttin verkünden
navaratātmakam
die aus neun Teilen bestehende
yena devāsuranarajayī syāt
durch die er ein Bezwinger von Göttern, Dämonen und Menschen wird
sādhakaḥ sadā
der Praktizierende, immer

sarvataḥ sarvadātmānaṃ lalitā pātu sarvagā / kāmeśī purataḥ pātu bhagamālī tvanantaram

Von allen Seiten möge Lalitā, die Allgegenwärtige, [mein] Selbst allzeit schützen. Kāmeśī möge [mich] von vorn schützen, Bhagamālinī unmittelbar danach.

Wort für Wort
sarvataḥ sarvadā ātmānaṃ
von allen Seiten, allzeit, [mein] Selbst
lalitā pātu sarvagā
möge Lalitā, die Allgegenwärtige, schützen
kāmeśī purataḥ pātu
Kāmeśī möge von vorn schützen
bhagamālī tu anantaram
Bhagamālinī aber unmittelbar danach

diśaṃ pātu tathā dakṣapārśvaṃ me pātu sarvadā / nityaklinnāthaṃ bheruṇḍādiśaṃ me pātu kauṇapīm

möge [sie] die [nächste] Richtung schützen; ebenso möge [Bhagamālinī] stets meine rechte Seite schützen. Nityaklinnā [möge die folgende Richtung schützen]; Bheruṇḍā möge die [nächste] Richtung für mich schützen — [zusammen mit] Kauṇapī.

Wort für Wort
diśaṃ pātu
möge [sie] die [nächste] Richtung schützen
tathā dakṣapārśvaṃ me pātu sarvadā
ebenso möge [sie] stets meine rechte Seite schützen
nityaklinnā atha
Nityaklinnā, dann
bheruṇḍā diśaṃ me pātu
Bheruṇḍā möge die [nächste] Richtung für mich schützen
kauṇapīm
[zusammen mit] Kauṇapī [?]

[Anm.: Die Zuordnung der Nityā-Namen zu den einzelnen Himmelsrichtungen ist im Kavaca-Text stark verdichtet/verderbt überliefert; Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinn, einzelne Zuordnungen bleiben unsicher [?].]

tathaiva paścimaṃ bhāgaṃ rakṣatādvahnivāsinī / mahāvajreśvarī nityā vāyavye māṃ sadāvatu

ebenso möge Vahnivāsinī den westlichen Teil beschützen. Die ewige Mahāvajreśvarī möge mich im Nordwesten (vāyavya) allzeit beschützen.

Wort für Wort
tathaiva paścimaṃ bhāgaṃ
ebenso den westlichen Teil
rakṣatād vahnivāsinī
möge Vahnivāsinī beschützen
mahāvajreśvarī nityā
die ewige Mahāvajreśvarī
vāyavye māṃ sadā avatu
möge mich im Nordwesten allzeit beschützen

vāmapārśvaṃ sadā pātu itīmelaritā tataḥ / māheśvarī diśaṃ pātu tvaritaṃ siddhidāyinī

Die linke Seite möge stets [Dūtī] schützen, dann [Tvaritā]; Māheśvarī möge [die nächste] Richtung schützen, [und] rasch die Siddhi-gebende [Tvaritā].

Wort für Wort
vāmapārśvaṃ sadā pātu
die linke Seite möge stets schützen
iti dūtī [?] tataḥ tvaritā [?]
[so] Dūtī, dann Tvaritā [Lesung unsicher]
māheśvarī diśaṃ pātu
Māheśvarī möge die [nächste] Richtung schützen
tvaritaṃ siddhidāyinī
rasch, die Siddhi-Geberin

[Anm.: 'itīmelaritā' ist im Quelltext unklar/verderbt; vermutlich verderbt aus 'iti dūtī' + 'tvaritā', den in V41 genannten Nityā-Namen entsprechend [?].]

pātu māmūrdhvataḥ śaścaddaivatākulasuṃdarī / adho nīlapatākākhyā vijayā sarvataśca mām

Möge mich von oben [die mit den] göttlichen Scharen [verbundene] Kulasundarī schützen; von unten die 'Nīlapatākā' genannte [Nityā], [und] Vijayā mich von allen Seiten.

Wort für Wort
pātu mām ūrdhvataḥ
möge mich von oben schützen
śaścaddaivatākulasundarī
[?] die mit der göttlichen Schar [verbundene] Kulasundarī
adho nīlapatākākhyā
von unten die 'Nīlapatākā' genannte
vijayā sarvataśca mām
und Vijayā mich von allen Seiten

[Anm.: 'śaścaddaivatākula' im Quelltext unklar/verderbt; Sinn ungefähr rekonstruiert [?].]

karotu me maṅgalāni sarvadā sarvamaṅgalā / dehṝndriyamanaḥ prāṇāñjvālāmālinivigrahā

Möge Sarvamaṅgalā mir allzeit Segen bereiten. Jvālāmālinī, deren Gestalt [Leib, Sinne, Geist und Lebenshauch schützt] —

Wort für Wort
karotu me maṅgalāni sarvadā
möge sie mir allzeit Segen bereiten
sarvamaṅgalā
Sarvamaṅgalā
dehendriyamanaḥprāṇān
Leib, Sinne, Geist, Lebenshauch
jvālāmālinivigrahā
Jvālāmālinī, [deren] Gestalt [dies schützt]

pālayatvaniśaṃ cittā cittaṃ me sarvadāvatu / kāmātkrodhāttathā lobhānmohānmānānmadādapi

möge [Citrā] unablässig beschützen; Citrā möge stets meinen Geist bewahren — vor Begierde, Zorn, ebenso vor Gier, Verblendung, Stolz, auch vor Rausch,

Wort für Wort
pālayatu aniśaṃ citrā
möge Citrā unablässig beschützen
cittaṃ me sarvadā avatu
möge [sie] stets meinen Geist bewahren
kāmāt krodhāt
vor Begierde, vor Zorn
tathā lobhān mohān mānān madād api
ebenso vor Gier, Verblendung, Stolz, auch vor Rausch

pāpānmāṃ sarvataḥ śokātsaṃkṣayātsarvataḥ sadā / asatyātkrūracintātohiṃsātaścauratastathā / staimityācca sadā pāntu prerayantyaḥ śubhaṃ prati

vor Sünde mich von allen Seiten, vor Kummer, vor völligem Untergang immer von allen Seiten; vor Unwahrheit, vor grausamen Gedanken, vor Gewalt, ebenso vor Diebstahl, und vor Erstarrung (staimitya) mögen [sie] stets schützen, mich zum Heilvollen hintreibend.

Wort für Wort
pāpān māṃ sarvataḥ
vor Sünde mich von allen Seiten
śokāt saṃkṣayāt sarvataḥ sadā
vor Kummer, vor völligem Untergang, immer von allen Seiten
asatyāt krūracintātaḥ
vor Unwahrheit, vor grausamen Gedanken
hiṃsātaśca auratastathā
vor Gewalt, ebenso vor Diebstahl
staimityācca sadā pāntu
und vor Erstarrung mögen [sie] stets schützen
prerayantyaḥ śubhaṃ prati
[mich] zum Heilvollen hintreibend

nityāḥ ṣoḍaśa māṃ pāntu gajārūḍhāḥ svaśaktibhiḥ / tathā hayasamārūḍhāḥ pāntu māṃ sarvataḥ sadā

Die sechzehn Nityās, auf Elefanten reitend, mögen mich mit ihren eigenen Śaktis schützen; ebenso mögen die auf Pferden Reitenden mich von allen Seiten allzeit schützen.

Wort für Wort
nityāḥ ṣoḍaśa māṃ pāntu
die sechzehn Nityās mögen mich schützen
gajārūḍhāḥ svaśaktibhiḥ
auf Elefanten reitend, mit ihren eigenen Śaktis
tathā hayasamārūḍhāḥ
ebenso die auf Pferden Reitenden
pāntu māṃ sarvataḥ sadā
mögen mich von allen Seiten allzeit schützen

siṃhārūḍhāstathā pāntu pāntu ṛkṣagatā api / rathārūḍhāśca māṃ pāntu sarvataḥ sarvadā raṇe

Die auf Löwen Reitenden mögen ebenso schützen; auch mögen die auf Bären Gegangenen schützen; und die auf Wagen Reitenden mögen mich von allen Seiten, allzeit, in der Schlacht schützen.

Wort für Wort
siṃhārūḍhāstathā pāntu
die auf Löwen Reitenden mögen ebenso schützen
pāntu ṛkṣagatā api
auch mögen die auf Bären Gegangenen schützen
rathārūḍhāśca māṃ pāntu
und die auf Wagen Reitenden mögen mich schützen
sarvataḥ sarvadā raṇe
von allen Seiten, allzeit, in der Schlacht

tārkṣyārūḍhāśca māṃ pāntu tathā vyomagatāśca tāḥ / bhūtagāḥ sarvagāḥ pāntu pāntu devyaśca sarvadā

Und die auf Garuḍa Reitenden mögen mich schützen, ebenso die im Luftraum Gehenden; die unter den Wesen Gehenden, die Allgegenwärtigen mögen schützen, und die Göttinnen mögen allzeit schützen.

Wort für Wort
tārkṣyārūḍhāśca māṃ pāntu
und die auf Garuḍa Reitenden mögen mich schützen
tathā vyomagatāśca tāḥ
ebenso jene im Luftraum Gehenden
bhūtagāḥ sarvagāḥ pāntu
die unter den Wesen Gehenden, die Allgegenwärtigen mögen schützen
pāntu devyaśca sarvadā
und die Göttinnen mögen allzeit schützen

bhūtapretapiśācāśca parakṛtyādikān gadān / drāvayantu svaśaktīnāṃ bhūṣaṇairāyudhairmama

Und Geister, Verstorbenengeister und Dämonen, sowie die durch fremden Zauber (parakṛtyā) und dergleichen [verursachten] Krankheiten mögen durch die Schmuckstücke und Waffen meiner eigenen Śaktis vertrieben werden.

Wort für Wort
bhūtapretapiśācāśca
und Geister, Verstorbenengeister und Dämonen
parakṛtyādikān gadān
und die durch fremden Zauber u.a. [verursachten] Krankheiten
drāvayantu
mögen sie vertreiben
svaśaktīnāṃ bhūṣaṇairāyudhairmama
durch die Schmuckstücke und Waffen meiner eigenen Śaktis

gajāśvadvīpipañcāsyatārkṣyārūḍhākhilāyudhāḥ / asaṃkhyāḥ śaktayo devyaḥ pāntu māṃ sarvataḥ sadā

Die unzähligen Śakti-Göttinnen, auf Elefanten, Pferden, Leoparden, Löwen und Garuḍa reitend, mit allen Waffen ausgestattet, mögen mich von allen Seiten allzeit schützen.

Wort für Wort
gajāśvadvīpipañcāsyatārkṣyārūḍha
auf Elefanten, Pferden, Leoparden, Löwen und Garuḍa reitend
akhilāyudhāḥ
mit allen Waffen ausgestattet
asaṃkhyāḥ śaktayo devyaḥ
die unzähligen Śakti-Göttinnen
pāntu māṃ sarvataḥ sadā
mögen mich von allen Seiten allzeit schützen

sāyaṃ prātarjapannityākavacaṃ sarvarakṣakam / kadācinnāśubhaṃ paśyetsarvadānandamāsthitaḥ

Wer abends und morgens diese alles beschützende Rüstung der Nityās rezitiert, wird niemals Unheilvolles erblicken [und] stets in Wonne verweilen.

Wort für Wort
sāyaṃ prātar japan
abends [und] morgens rezitierend
nityākavacaṃ sarvarakṣakam
die alles beschützende Rüstung der Nityās
kadācin nāśubhaṃ paśyet
wird er niemals Unheilvolles erblicken
sarvadā ānandam āsthitaḥ
stets in Wonne verweilend

ityetatkavacaṃ proktaṃ lalitāyāḥ śubhāvaham / yasya śandhāraṇānmartyo nirbhayo vijayī sukhī

So ist diese Rüstung der Lalitā, Segen bringend, verkündet worden; durch deren Tragen ein Sterblicher furchtlos, siegreich und glücklich wird.

Wort für Wort
ityetat kavacaṃ proktaṃ
so ist diese Rüstung verkündet worden
lalitāyāḥ śubhāvaham
der Lalitā, Segen bringend
yasya sandhāraṇāt martyo
durch deren Tragen ein Sterblicher
nirbhayo vijayī sukhī
furchtlos, siegreich, glücklich [wird]

atha nāmnāṃ sahasraṃ te vakṣye sāvaraṇārcanam / ṣoḍaśānāmapi mune svasvakramagatātmakam

Nun werde ich dir das Tausend der Namen verkünden, samt der Verehrung der [Kreis-]Hüllen (āvaraṇa), o Weiser, [auch] der Sechzehn [Nityās], je gemäß ihrer eigenen Reihenfolge.

Wort für Wort
atha nāmnāṃ sahasraṃ te vakṣye
nun werde ich dir das Tausend der Namen verkünden
sāvaraṇārcanam
samt der Verehrung der [Kreis-]Hüllen (āvaraṇa)
ṣoḍaśānāmapi mune
auch der Sechzehn [Nityās], o Weiser
svasvakramagatātmakam
je gemäß ihrer eigenen Reihenfolge

lalitā cāpi vā kāmeśvarī ca bhagamālinī / nityaklinnā ca bheruṇḍā kīrtitā vahnivāsinī

Lalitā, und auch Kāmeśvarī, und Bhagamālinī; Nityaklinnā, und Bheruṇḍā werden genannt, [und] Vahnivāsinī.

Wort für Wort
lalitā
Lalitā
kāmeśvarī
Kāmeśvarī
bhagamālinī
Bhagamālinī
nityaklinnā
Nityaklinnā
bheruṇḍā
Bheruṇḍā
vahnivāsinī
Vahnivāsinī

[Anm.: Aufzählung der sechzehn Nityā-Göttinnen der Śrīvidyā-Tradition (V40–42).]

vajreśvarī tathā dūtī tvaritā kulasuṃdarī / nityā saṃvittathā nīlapatākā vijayāhvayā

ebenso Vajreśvarī, Dūtī, Tvaritā, Kulasundarī; Nityā, aus Bewusstsein (saṃvid) bestehend, ebenso Nīlapatākā, [und] die 'Vijayā' Genannte.

Wort für Wort
vajreśvarī
Vajreśvarī
dūtī
Dūtī
tvaritā
Tvaritā
kulasundarī
Kulasundarī
nityā saṃvit
Nityā, aus Bewusstsein bestehend
nīlapatākā
Nīlapatākā
vijayāhvayā
die 'Vijayā' Genannte

sarvamaṅgalikā cāpi jvālāmālinisaṃjñitā / citrā ceti kramānnityāḥ ṣoḍaśapīṣṭavigrahāḥ

und auch Sarvamaṅgalā, die 'Jvālāmālinī' Genannte, und Citrā — so sind der Reihe nach die sechzehn Nityās, deren Gestalten die begehrten [Verehrungsformen] sind.

Wort für Wort
sarvamaṅgalikā
Sarvamaṅgalā
jvālāmālinisaṃjñitā
die 'Jvālāmālinī' Genannte
citrā
Citrā
iti kramāt nityāḥ ṣoḍaśa
so sind der Reihe nach die sechzehn Nityās
iṣṭavigrahāḥ
deren Gestalten die begehrten [Verehrungsformen] sind

kurukullā ca vārāhī dve ete ceṣṭavigrahe / vaśinī cāpi kāmeśī mohinī vimalāruṇā

Kurukullā und Vārāhī — diese beiden [haben] auch begehrte Gestalten; und Vaśinī, Kāmeśī, Mohinī, Vimalā, Aruṇā.

Wort für Wort
kurukullā
Kurukullā
vārāhī
Vārāhī
dve ete ca iṣṭavigrahe
diese beiden [haben] auch begehrte Gestalten
vaśinī
Vaśinī
kāmeśī
Kāmeśī
mohinī
Mohinī
vimalā aruṇā
Vimalā, Aruṇā

[Anm.: Ab hier folgt eine Aufzählung weiterer Namen/Epitheta der Göttin, teils der acht Vāgdevatās (Vaśinī u.a.), die traditionell als Verfasserinnen des Lalitā-Namensausend gelten.]

tapinī ca tathā sarveśvarī cāpyatha kaulinī / mudrāṇantanuriṣvarṇarūpā cāpārṇavigrahā

und Tapinī [wohl für Jayinī], ebenso Sarveśvarī, und dann Kaulinī; die Mudrā, von endlosem Leib, deren Gestalt die Farbe des Pfeils (iṣu) hat, deren Körper die Silbe des Bogens (cāpa) ist.

Wort für Wort
tapinī [?]
Tapinī [wohl für Jayinī]
sarveśvarī
Sarveśvarī
kaulinī
Kaulinī
mudrā anantatanuḥ
die Mudrā, von endlosem Leib
iṣuvarṇarūpā
deren Gestalt die Farbe des Pfeils hat
cāpavarṇavigrahā
deren Körper die Farbe/Silbe des Bogens ist

[Anm.: 'tapinī' ist vermutlich Verschreibung für 'jayinī' (vgl. die klassische Achtergruppe der Vāgdevatās Vaśinī, Kāmeśvarī, Modinī, Vimalā, Aruṇā, Jayinī, Sarveśvarī, Kaulinī) [?]. 'mudrāṇantanuriṣvarṇarūpā cāpārṇavigrahā' ist stark verdichtet/unsicher gelesen [?].]

pāśavarṇaśarīrā cākurvarṇasuvapurddharā / trikhaṇḍā sthāpanī sannirodhanī cāvaguṇṭhanī

deren Leib die Farbe der Schlinge (pāśa) hat, und die einen schönen Körper von der Farbe des Stachelstocks (aṅkuśa) trägt; die Dreigeteilte (trikhaṇḍā), die Aufstellende (sthāpanī), die Zurückhaltende (sannirodhanī), und die Verhüllende (avaguṇṭhanī).

Wort für Wort
pāśavarṇaśarīrā
deren Leib die Farbe der Schlinge (pāśa) hat
aṅkuśavarṇasuvapurdharā [?]
die einen schönen Körper von der Farbe des Stachelstocks trägt
trikhaṇḍā
die Dreigeteilte
sthāpanī
die Aufstellende
sannirodhanī
die Zurückhaltende
avaguṇṭhanī
die Verhüllende

[Anm.: Sthāpanī, Sannirodhanī, Avaguṇṭhanī sind Namen ritueller Mudrās/Nyāsa-Schritte der Śrīvidyā-Verehrung.]

sannidhāneṣu cāpākhyā tathā pāśāṅkuśābhidhā / namaskṛtistathā saṃkṣobhaṇī vidrāvaṇī tathā

und in den [rituellen] Vergegenwärtigungen die 'Cāpā' (Bogen-Trägerin) Genannte, ebenso die 'Pāśāṅkuśā' (Schlinge-und-Stachelstock) Benannte; die Verehrungsgeste (namaskṛti), ebenso die Erschütternde (saṃkṣobhaṇī), die Zerstreuende (vidrāvaṇī).

Wort für Wort
sannidhāneṣu cāpākhyā
und in den Vergegenwärtigungen die 'Cāpā' Genannte
pāśāṅkuśābhidhā
die 'Pāśāṅkuśā' Benannte
namaskṛtiḥ
die Verehrungsgeste
saṃkṣobhaṇī
die Erschütternde
vidrāvaṇī
die Zerstreuende

ākarṣaṇī ca vikhyātā tathaivāve śakāriṇī / unmādinī mahāpūrvā kuśātho khecarī matā

und die Anziehende (ākarṣaṇī) ist bekannt, ebenso die 'Āveśakāriṇī' (Besessenheit-Bewirkende); die Berauschende (unmādinī), die Große-Erste (mahāpūrvā), [und] die als 'Khecarī' (Himmelswandlerin) geltende.

Wort für Wort
ākarṣaṇī ca vikhyātā
und die Anziehende ist bekannt
āveśakāriṇī
die Besessenheit-Bewirkende
unmādinī
die Berauschende
mahāpūrvā
die Große-Erste
kuśā atho [?]
[?]
khecarī matā
die als Khecarī geltende

[Anm.: 'kuśātho' unklar/verderbt [?], evtl. bloße Füllung des Versmaßes vor 'khecarī'.]

bījā śaktyutthāpanā ca sthūlasūkṣmaparābhidhā / aṇimā laghimā caiva mahimā garimā tathā

die Keim-Göttin (bījā), die Śakti-Erweckende, und die mit den Namen 'Grob', 'Subtil', 'Höchste' Benannte; Aṇimā (Feinheit), ebenso Laghimā (Leichtigkeit), Mahimā (Größe), ebenso Garimā (Schwere) —

Wort für Wort
bījā
die Keim-Göttin
śaktyutthāpanā
die Śakti-Erweckende
sthūlasūkṣmaparābhidhā
mit den Namen 'Grob', 'Subtil', 'Höchste' benannt
aṇimā laghimā
Feinheit, Leichtigkeit
mahimā garimā
Größe, Schwere

[Anm.: Ab hier Aufzählung der acht yogischen Siddhis (Vollkommenheiten): Aṇimā, Laghimā, Mahimā, Garimā, Prāpti, Prākāmya, Īśitva, Vaśitva (V48–49).]

prāptiḥ prakāmitā cāpi ceśitā vaśitā tathā / bhuktiḥ siddhistathaivecchā siddhirūpā ca kīrtitā

Prāpti (Erlangen), und auch Prākāmya, Īśitā (Herrschaft), ebenso Vaśitā (Botmäßigkeit); Bhukti (Genuss), Siddhi, ebenso ist die Gestalt der Willens-Siddhi (icchāsiddhi) verkündet.

Wort für Wort
prāptiḥ
Erlangen
prakāmitā [prākāmyā]
Prākāmya (freies Wunscherfüllen)
īśitā vaśitā
Herrschaft, Botmäßigkeit
bhuktiḥ siddhiḥ
Genuss, Siddhi
tathaiva icchāsiddhirūpā ca kīrtitā
ebenso ist die Gestalt der Willens-Siddhi verkündet

brāhmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā / vārāhīndrāṇī cāmuṇḍā mahālakṣmīsvarūpiṇī

Brāhmī, und Māheśvarī, ebenso Kaumārī, Vaiṣṇavī; Vārāhī, Indrāṇī, und Cāmuṇḍā, die die Gestalt der Mahālakṣmī hat.

Wort für Wort
brāhmī
Brāhmī
māheśvarī
Māheśvarī
kaumārī
Kaumārī
vaiṣṇavī
Vaiṣṇavī
vārāhī
Vārāhī
indrāṇī
Indrāṇī
cāmuṇḍā
Cāmuṇḍā
mahālakṣmīsvarūpiṇī
die die Gestalt der Mahālakṣmī hat

[Anm.: Aufzählung der Sapta-/Aṣṭamātṛkās, der 'Mütter'-Göttinnen.]

kāmā buddhirahṝṅkāraśabdasparśasvarūpiṇī / rūparūpā rasāhvā ca gandhavittadhṛtistathā

Kāmā (Begierde), Buddhi (Verstand), die die Gestalt des Ich-Prinzips (ahaṃkāra), des Schalls (śabda), der Berührung (sparśa) hat; die Gestalt der Form (rūpa) selbst, die 'Rasā' (Geschmack) Genannte, und Gandha (Geruch), Vitta(?), Dhṛti (Standhaftigkeit), ebenso —

Wort für Wort
kāmā buddhiḥ
Begierde, Verstand
ahaṃkāraśabdasparśasvarūpiṇī
die die Gestalt des Ich-Prinzips, des Schalls, der Berührung hat
rūparūpā
die die Gestalt der Form selbst hat
rasāhvā
die 'Rasā' (Geschmack) Genannte
gandhavittadhṛtistathā
Geruch, Vitta(?), Standhaftigkeit, ebenso

[Anm.: Aufzählung von Tattvas: Kāma, Buddhi, Ahaṃkāra, die fünf Tanmātras (Śabda, Sparśa, Rūpa, Rasa, Gandha).]

nābhabījāmṛtākhyā ca smṛtidehātmarūpiṇī / kusumā mekhalā cāpi madanā madanāturā

die 'Nābha-Bīja-Amṛta' Genannte, die die Gestalt von Erinnerung (smṛti), Leib und Selbst hat; Kusumā (Blüte), und auch Mekhalā (Gürtel), Madanā (Leidenschaft), Madanāturā (von Leidenschaft Ergriffene).

Wort für Wort
nābhabījāmṛtākhyā [?]
die 'Nābha-Bīja-Amṛta' Genannte
smṛtidehātmarūpiṇī
die die Gestalt von Erinnerung, Leib und Selbst hat
kusumā
Kusumā (Blüte)
mekhalā
Mekhalā (Gürtel)
madanā madanāturā
Madanā, Madanāturā

[Anm.: 'nābhabījāmṛtākhyā' unsicher gedeutet [?].]

rekhā saṃveginī caiva hyaṅkuśā mālinīti ca / saṃkṣobhiṇī tathā vidrāviṇyākarṣaṇarūpiṇī

Rekhā (Linie), Saṃveginī (die Erregte/Rasche), und Aṅkuśā (Stachelstock-Trägerin), die 'Mālinī' (Bekränzte) Genannte; Saṃkṣobhiṇī (die Erschütternde), ebenso Vidrāviṇī, die die Gestalt der Anziehung (ākarṣaṇa) hat.

Wort für Wort
rekhā
Rekhā
saṃveginī
Saṃveginī
aṅkuśā
Aṅkuśā
mālinī
Mālinī
saṃkṣobhiṇī
Saṃkṣobhiṇī
vidrāviṇī ākarṣaṇarūpiṇī
Vidrāviṇī, die die Gestalt der Anziehung hat

āhlādinīti ca proktā tathā samohinīti ca / staṃbhinījaṃbhinīcaiva vaśaṅkaryatha rañjinī

Āhlādinī (die Erfreuende) wird genannt, ebenso Samohinī (die Bezaubernde); Stambhinī (die Lähmende), Jambhinī (die Zermalmende), und dann Vaśaṃkarī (die Unterwerfende), Rañjinī (die Färbende/Erfreuende).

Wort für Wort
āhlādinī
Āhlādinī
samohinī
Samohinī
stambhinī
Stambhinī
jambhinī
Jambhinī
vaśaṃkarī
Vaśaṃkarī
rañjinī
Rañjinī

unmādinī tathaivārthasādhinīti prakīrtitā / saṃpattipūrṇā sā mantramayī dvandvakṣayaṅkarī

Unmādinī (die Berauschende), ebenso Arthasādhinī (die Ziel-Erfüllerin) wird verkündet; sie ist voller Wohlstand, aus Mantra bestehend, die Vernichterin der Gegensätze (dvandva).

Wort für Wort
unmādinī
Unmādinī
arthasādhinī
Arthasādhinī
saṃpattipūrṇā
voller Wohlstand
sā mantramayī
sie, aus Mantra bestehend
dvandvakṣayaṅkarī
die Vernichterin der Gegensätze

siddhiḥ saṃpatpradācaiva priyamaṅgalakāriṇī / kāmapradā nigaditā tathā duḥkhavimocinī

Siddhi, und Saṃpatpradā (Wohlstand-Geberin), Priyamaṅgalakāriṇī (Bringerin lieben Segens); Kāmapradā (Wunsch-Geberin) wird genannt, ebenso Duḥkhavimocinī (Befreierin vom Leid).

Wort für Wort
siddhiḥ
Siddhi
saṃpatpradā
Saṃpatpradā
priyamaṅgalakāriṇī
Priyamaṅgalakāriṇī
kāmapradā
Kāmapradā
duḥkhavimocinī
Duḥkhavimocinī

mṛtyupraśamanīcaiva tathā vighnanivāriṇī / aṅgasuṃdarikā caiva tathā saubhāgyadāyinī

Mṛtyupraśamanī (Beschwichtigerin des Todes), und Vighnanivāriṇī (Abwenderin der Hindernisse); Aṅgasundarikā (von schönen Gliedern), und Saubhāgyadāyinī (Geberin des Glücks).

Wort für Wort
mṛtyupraśamanī
Mṛtyupraśamanī
vighnanivāriṇī
Vighnanivāriṇī
aṅgasundarikā
Aṅgasundarikā
saubhāgyadāyinī
Saubhāgyadāyinī

jñānaiśvaryapradā jñānamayī caiva ca pañcamī / vindhyavāsanakā ghorasvarūpā pāpahāriṇī

Jñānaiśvaryapradā (Geberin der Herrschaft des Wissens), Jñānamayī (Aus Wissen Bestehende), und die Fünfte; Vindhyavāsinī (Bewohnerin des Vindhya), von furchtbarer Gestalt, Pāpahāriṇī (Sündentilgerin).

Wort für Wort
jñānaiśvaryapradā
Jñānaiśvaryapradā
jñānamayī
Jñānamayī
pañcamī
die Fünfte
vindhyavāsinī [vindhyavāsanakā]
Vindhyavāsinī
ghorasvarūpā
von furchtbarer Gestalt
pāpahāriṇī
Pāpahāriṇī

[Anm.: 'pañcamī' (die Fünfte) bezieht sich vermutlich auf eine Zählung innerhalb dieser Aufzählungsreihe, deren genauer Bezug unklar bleibt [?].]

tathānandamayī rakṣā rūpepsitaphalapradā / jayinī vimalā cātha kāmeśī vajriṇī bhahagā

ebenso Ānandamayī (aus Wonne Bestehende), Rakṣā (Schutz), von Gestalt die begehrte Frucht Gewährende; Jayinī (Siegreiche), Vimalā (Makellose), und dann Kāmeśī, Vajriṇī (Vajra-Trägerin), Bhagā (Glück-habende).

Wort für Wort
ānandamayī
Ānandamayī
rakṣā
Rakṣā
rūpepsitaphalapradā
von Gestalt die begehrte Frucht Gewährende
jayinī
Jayinī
vimalā
Vimalā
kāmeśī
Kāmeśī
vajriṇī
Vajriṇī
bhagā [?]
Bhagā

[Anm.: 'bhahagā' vermutlich Verschreibung für 'bhagā' [?].]

trailokyamohanā sthānā sarvāśāparipūraṇī / sarvasakṣobhaṇagatā saubhāgyapradasaṃsthitā

Trailokyamohanā (Betörerin der drei Welten), als [Kreis-]Sitz [verehrt], Sarvāśāparipūraṇī (Erfüllerin aller Hoffnungen); im [Kreis der] Sarvasaṃkṣobhaṇa (Allerschütterung) befindlich, als Sarvasaubhāgyaprada (Alles-Glück-Gewährende) eingesetzt.

Wort für Wort
trailokyamohanā sthānā
als 'Trailokyamohana'-Sitz [verehrt]
sarvāśāparipūraṇī
Erfüllerin aller Hoffnungen
sarvasaṃkṣobhaṇagatā
im [Kreis der] Allerschütterung befindlich
saubhāgyapradasaṃsthitā
als Alles-Glück-Gewährende eingesetzt

[Anm.: Ab hier (V60–62) werden die neun Āvaraṇas (Kreis-Hüllen) des Śrīcakra mit ihren klassischen Namen benannt: Trailokyamohana, Sarvāśāparipūraka, Sarvasaṃkṣobhaṇa, Sarvasaubhāgyadāyaka, Sarvārthasādhaka, Sarvarakṣākara, Sarvarogahara, Sarvasiddhiprada, Sarvānandamaya.]

sarvārthasādhakāgārā sarvarogaharāsthitā / sarvarakṣākarāsthānā sarvasiddhipradasthitā

die Wohnstatt des 'Sarvārthasādhaka' (Erfüller aller Ziele), als 'Sarvarogahara' (Heiler aller Krankheit) befindlich; der Ort des 'Sarvarakṣākara' (Aller-Schutz-Bewirkers), als 'Sarvasiddhiprada' (Aller-Siddhi-Geber) eingesetzt.

Wort für Wort
sarvārthasādhakāgārā
die Wohnstatt des 'Sarvārthasādhaka'
sarvarogaharāsthitā
als 'Sarvarogahara' befindlich
sarvarakṣākarāsthānā
der Ort des 'Sarvarakṣākara'
sarvasiddhipradasthitā
als 'Sarvasiddhiprada' eingesetzt

sarvānandamayādhārabindusthānaśivātmikā / prakṛṣṭā ca tathā guptā jñeyā guptatarāpi ca

die am Bindu-Ort befindliche Stütze des 'Sarvānandamaya' (Aller-Wonne-Erfüllten), deren Wesen Śiva ist; die Vorzügliche (prakṛṣṭā), ebenso die Verborgene (guptā), die Erkennbare, und auch die Noch-Verborgenere (guptatarā).

Wort für Wort
sarvānandamayādhārabindusthāna
die am Bindu-Ort befindliche Stütze des 'Sarvānandamaya'
śivātmikā
deren Wesen Śiva ist
prakṛṣṭā
die Vorzügliche
guptā
die Verborgene
jñeyā
die Erkennbare
guptatarā
die Noch-Verborgenere

saṃpradāyasvarūpā ca kulakaulanigarbhagā / rahasyāparāparaprākṛttathaivātirahasyakā

die die Gestalt der [Lehr-]Tradition (sampradāya) hat, im Kula und Kaula verborgen weilend; die Geheime (rahasyā), die Niedere und Höhere [Geheimstufe] (aparā-parā), die Ursprüngliche (prākṛta), ebenso die Übergeheime (atirahasyā).

Wort für Wort
saṃpradāyasvarūpā
die die Gestalt der Lehrtradition hat
kulakaulanigarbhagā
im Kula und Kaula verborgen weilend
rahasyā aparā parā prākṛta [?]
die Geheime, die Niedere, die Höhere, die Ursprüngliche
tathaiva atirahasyakā
ebenso die Übergeheime

[Anm.: Wohl Bezeichnung der abgestuften Geheimhaltungsgrade der Śrīvidyā-Lehre (rahasya, atirahasya u.a.); Lesung von 'rahasyāparāparaprākṛt' unsicher [?].]

tripurā tripureśī ca tathaiva puravāsinī / śrīmālinī ca siddhāntā mahātripurasuṃdarī

Tripurā, und Tripureśī, ebenso Puravāsinī (Stadt-Bewohnerin); Śrīmālinī, und Siddhāntā, [und] Mahātripurasundarī.

Wort für Wort
tripurā
Tripurā
tripureśī
Tripureśī
puravāsinī
Puravāsinī
śrīmālinī
Śrīmālinī
siddhāntā
Siddhāntā
mahātripurasundarī
Mahātripurasundarī

navaratnamayadvīpanavakhaṇḍavirājitā / kalpakodyānasaṃsthā ca ṛturūpendriyārcakā

die auf der aus neun Juwelen bestehenden Insel, in den neun Abschnitten, erstrahlt; die im Wunschbaum-Garten (kalpaka-udyāna) weilt, die in Gestalt der Jahreszeiten und der Sinne verehrt wird.

Wort für Wort
navaratnamayadvīpanavakhaṇḍavirājitā
die auf der Neun-Juwelen-Insel, in den neun Abschnitten, erstrahlt
kalpakodyānasaṃsthā
die im Wunschbaum-Garten weilt
ṛturūpendriyārcakā
die in Gestalt der Jahreszeiten und Sinne verehrt wird

kālamudrā mātṛkākhyā ratnadeśopadeśikā / tattvāgrahagābhidhā mūrtistathaiva viṣayadvipā

die Zeit-Mudrā, die 'Mātṛkā' Genannte, die Lehrerin des Juwelenlandes; die 'Tattvāgraha' Benannte, ihr Bildnis, ebenso die Insel der Sinnesobjekte (viṣayadvīpā).

Wort für Wort
kālamudrā
die Zeit-Mudrā
mātṛkākhyā
die 'Mātṛkā' Genannte
ratnadeśopadeśikā
die Lehrerin des Juwelenlandes
tattvāgrahagābhidhā mūrtiḥ [?]
die 'Tattvāgraha' benannte Gestalt
viṣayadvipā [?]
die Insel der Sinnesobjekte

[Anm.: 'tattvāgrahagābhidhā' und 'viṣayadvipā' unsicher gedeutet [?].]

deśakālākāraśabdarūpā saṃgītayoginī / samastaguptaprakaṭasiddhayoginicakrayuk

die die Gestalt von Ort, Zeit, Form, Klang hat, die Yoginī der Musik (saṃgīta); die mit dem gesamten Kreis der verborgenen und offenbaren Siddhas und Yoginīs vereinte.

Wort für Wort
deśakālākāraśabdarūpā
die die Gestalt von Ort, Zeit, Form, Klang hat
saṃgītayoginī
die Yoginī der Musik
samastaguptaprakaṭasiddhayoginicakrayuk
die mit dem ganzen Kreis der verborgenen und offenbaren Siddhas und Yoginīs vereinte

vahnisūryendubhūtāhvā tathātmāṣṭākṣarāhvayā / pañcadhāryāsvarūpā ca nānāvratasamāhvayā

genannt Feuer, Sonne, Mond, die Elemente; ebenso genannt nach dem achtsilbigen Selbst-Mantra; die die Gestalt der Fünffach-Trägerin hat, und genannt nach mancherlei Gelübden (vrata).

Wort für Wort
vahnisūryendubhūtāhvā
genannt Feuer, Sonne, Mond, die Elemente
ātmāṣṭākṣarāhvayā
genannt nach dem achtsilbigen Selbst-Mantra
pañcadhāryāsvarūpā [?]
die die Gestalt der Fünffach-Trägerin hat
nānāvratasamāhvayā
genannt nach mancherlei Gelübden

[Anm.: 'pañcadhāryā' unsicher gedeutet [?].]

niṣiddhācārarahitā siddhacihnasvarūpiṇī / caturddhā kūrmabhāgasthā nityādyarcāsvarūpiṇī

die frei von verbotenem Verhalten ist, die das Merkmal der Vollendeten (siddha) trägt; die vierfach im Schildkröten-Bereich (kūrmabhāga) weilt, die die Gestalt der mit den Nityā-[Riten] beginnenden Verehrung hat.

Wort für Wort
niṣiddhācārarahitā
die frei von verbotenem Verhalten ist
siddhacihnasvarūpiṇī
die das Merkmal der Vollendeten trägt
caturddhā kūrmabhāgasthā
die vierfach im Schildkröten-Bereich weilt
nityādyarcāsvarūpiṇī
die die Gestalt der mit den Nityā-Riten beginnenden Verehrung hat

damanādisamabhyarcā ṣaṭkarmasiddhidāyinī / tithivārapṛthagdravyasamarcanaśubhāvahā

die gleichermaßen mit Damanā-[Blättern] u.a. verehrt wird, die Geberin der Vollendung der sechs [magischen] Riten (ṣaṭkarma); die durch die Verehrung mit den jedem Mondtag und Wochentag eigenen Substanzen Segen bringt.

Wort für Wort
damanādisamabhyarcā
die gleichermaßen mit Damanā u.a. verehrt wird
ṣaṭkarmasiddhidāyinī
die Geberin der Vollendung der sechs [magischen] Riten
tithivārapṛthagdravyasamarcanaśubhāvahā
die durch Verehrung mit den je eigenen Substanzen für Mondtag und Wochentag Segen bringt

vāyośyanaṅgakusumā tathaivānaṅgamekhalā / anaṅgamadanānaṅgamadanāturasāhvayā

des Vāyu(?) [zugehörige] 'Anaṅgakusumā' (Blüte des Körperlosen), ebenso 'Anaṅgamekhalā' (Gürtel des Körperlosen); genannt 'Anaṅgamadanā' [und] 'Anaṅgamadanāturā' (von der Leidenschaft des Körperlosen Ergriffene).

Wort für Wort
vāyoḥ [?]
des Vāyu [zugehörige, ?]
anaṅgakusumā
Anaṅgakusumā
anaṅgamekhalā
Anaṅgamekhalā
anaṅgamadanā
Anaṅgamadanā
anaṅgamadanāturasāhvayā
genannt Anaṅgamadanāturā

[Anm.: Namen aus dem Gefolge der Lalitā/Kāmeśvarī, verbunden mit Anaṅga (Kāma, dem 'Körperlosen').]

madadeginīkā caiva tathā bhuvanapālinī / śaśilekhā samuddiṣṭā gatilekhāhvayā matā

und 'Madadekhinī' [?], ebenso Bhuvanapālinī (Welten-Hüterin); Śaśilekhā (Mondsichel) wird bezeichnet, [und] die 'Gatilekhā' Genannte gilt [als Name].

Wort für Wort
madadeginīkā [?]
[?]
bhuvanapālinī
Bhuvanapālinī
śaśilekhā
Śaśilekhā
gatilekhāhvayā matā
die 'Gatilekhā' Genannte gilt [als Name]

[Anm.: 'madadeginīkā' im Quelltext unsicher/möglicherweise verderbt [?].]

śraddhā prīti ratiścaiva dhṛtiḥ kāntirmanoramā / manoharā samākhyātā tathaiva hi manorathā

Śraddhā (Glaube), Prīti (Zuneigung), und Rati (Lust), Dhṛti (Standhaftigkeit), Kānti (Glanz), Manoramā (Reizende); Manoharā (Herzraubende) wird genannt, ebenso auch Manorathā (Herzenswunsch).

Wort für Wort
śraddhā prīti ratiḥ
Glaube, Zuneigung, Lust
dhṛtiḥ kāntiḥ manoramā
Standhaftigkeit, Glanz, Reizende
manoharā
Manoharā
manorathā
Manorathā

madanonmādinī caiva modinī śaṅkhinī tathā / śoṣiṇī caiva śaṅkārī siṃjinī subhagā tathā

Madanonmādinī (durch Leidenschaft Berauschende), und Modinī (Erfreuende), ebenso Śaṅkhinī; Śoṣiṇī (Austrocknende), und Śaṅkārī (Zweifel-Erregende), Siñjinī (Klirrende), ebenso Subhagā (Holdselige).

Wort für Wort
madanonmādinī
Madanonmādinī
modinī
Modinī
śaṅkhinī
Śaṅkhinī
śoṣiṇī
Śoṣiṇī
śaṅkārī
Śaṅkārī
siñjinī
Siñjinī
subhagā
Subhagā

pūṣācedvāsumanasā ratiḥ prītirdhṛtistathā / ṛddhiḥ saumyā marīciśca tathaiva hyaṃśumālinī

und Pūṣā, und Vāsumanasā, Rati, Prīti, ebenso Dhṛti; Ṛddhi (Gedeihen), Saumyā (Sanfte), und Marīci (Lichtstrahl), ebenso auch Aṃśumālinī (Strahlenbekränzte).

Wort für Wort
pūṣā
Pūṣā
vāsumanasā
Vāsumanasā
ratiḥ prītiḥ dhṛtiḥ
Rati, Prīti, Dhṛti
ṛddhiḥ saumyā
Ṛddhi, Saumyā
marīciḥ
Marīci
aṃśumālinī
Aṃśumālinī

śaśinī cāṅgirā chāyā tathā saṃpūrṇamaṇḍalā / tuṣṭistathāmṛtākhyā ca ḍākinī sātha lokapā

Śaśinī (Mondhafte), und Aṅgirā, Chāyā (Schatten), ebenso Saṃpūrṇamaṇḍalā (Vollmondscheibe); Tuṣṭi (Zufriedenheit), ebenso die 'Amṛtā' Genannte, und Ḍākinī, und sie [ist] Lokapā (Welt-Hüterin).

Wort für Wort
śaśinī
Śaśinī
aṅgirā
Aṅgirā
chāyā
Chāyā
saṃpūrṇamaṇḍalā
Saṃpūrṇamaṇḍalā
tuṣṭiḥ
Tuṣṭi
amṛtākhyā
die 'Amṛtā' Genannte
ḍākinī
Ḍākinī
lokapā
Lokapā

baṭukebhāsvarūpā ca durgā kṣetreśarūpiṇī / kāmarājasvarūpā ca tathā manmatharūpiṇī

die die strahlende Gestalt des Baṭuka (Jünglings-Bhairava) hat, und Durgā, die die Gestalt des Kṣetreśa (Feld-Herrn) hat; die die Gestalt des Kāmarāja hat, ebenso die Gestalt des Manmatha (Kāma).

Wort für Wort
baṭukebhāsvarūpā [?]
die die strahlende Gestalt des Baṭuka hat
durgā
Durgā
kṣetreśarūpiṇī
die die Gestalt des Kṣetreśa hat
kāmarājasvarūpā
die die Gestalt des Kāmarāja hat
manmatharūpiṇī
die die Gestalt des Manmatha hat

[Anm.: 'baṭukebhāsvarūpā' unsicher gedeutet, evtl. 'baṭuka-bhāsvarūpā' (strahlende Baṭuka-Gestalt) [?].]

kandarpparūpiṇī caiva tathā makaraketanā / manobhavasvarūpā ca bhāratī varṇarūpiṇī

die die Gestalt des Kandarpa hat, und ebenso Makaraketanā (die mit dem Makara-Banner); die die Gestalt des Manobhava (Kāma) hat, und Bhāratī (Sarasvatī), die die Gestalt der [Alphabet-]Buchstaben hat.

Wort für Wort
kandarparūpiṇī
die die Gestalt des Kandarpa hat
makaraketanā
Makaraketanā
manobhavasvarūpā
die die Gestalt des Manobhava hat
bhāratī
Bhāratī
varṇarūpiṇī
die die Gestalt der Buchstaben hat

madanā mohinī līlā jaṃbhinī codyamā śubhā / hlādinī drāviṇī prītī ratī raktā manoramā

Madanā, Mohinī, Līlā (Spiel), Jambhinī, und Udyamā (Tatkräftige), Śubhā (Heilvolle); Hlādinī (Erfreuende), Drāviṇī (Schmelzende), Prīti, Rati, Raktā (Leidenschaftliche), Manoramā (Reizende).

Wort für Wort
madanā mohinī līlā
Madanā, Mohinī, Līlā
jambhinī udyamā śubhā
Jambhinī, Udyamā, Śubhā
hlādinī drāviṇī
Hlādinī, Drāviṇī
prīti rati raktā manoramā
Prīti, Rati, Raktā, Manoramā

sarvonmādā sarvamukhā hyabhaṅgā cāmitodyamā / analpāvyaktavibhavā vividhākṣobhavigrahā

Sarvonmādā (Aller-Berauschende), Sarvamukhā (Allgesichtige), Abhaṅgā (Ungebrochene), und Amitodyamā (von unermesslicher Tatkraft); von nicht geringer, unmanifester Macht, deren Gestalt mannigfache Erregung ist.

Wort für Wort
sarvonmādā sarvamukhā
Sarvonmādā, Sarvamukhā
abhaṅgā amitodyamā
Abhaṅgā, Amitodyamā
analpāvyaktavibhavā
von nicht geringer, unmanifester Macht
vividhākṣobhavigrahā
deren Gestalt mannigfache Erregung ist

rāgaśaktirdveṣaśaktistathā śabdādirūpiṇī / nityā nirañjanā klinnā kledenī madanāturā

die Kraft der Leidenschaft (rāgaśakti), die Kraft der Abneigung (dveṣaśakti), ebenso die die Gestalt von Schall usw. [den Tanmātras] hat; die Ewige (nityā), die Fleckenlose (nirañjanā), die Feuchte (klinnā), die Befeuchtende (kledinī), die von Leidenschaft Ergriffene.

Wort für Wort
rāgaśaktiḥ dveṣaśaktiḥ
die Kraft der Leidenschaft, die Kraft der Abneigung
śabdādirūpiṇī
die die Gestalt von Schall usw. hat
nityā nirañjanā
die Ewige, die Fleckenlose
klinnā kledinī madanāturā
die Feuchte, die Befeuchtende, die von Leidenschaft Ergriffene

madadravā drāviṇī ca draviṇī caiti kīrtitā / madāvilā maṅgalā ca manmathānī manasvinī

Madadravā (vor Leidenschaft Zerfließende), und Drāviṇī, und Draviṇī (Reichtum) wird so genannt; Madāvilā (von Leidenschaft Getrübte), und Maṅgalā, Manmathānī, Manasvinī (Geistvolle).

Wort für Wort
madadravā drāviṇī draviṇī
Madadravā, Drāviṇī, Draviṇī
madāvilā maṅgalā
Madāvilā, Maṅgalā
manmathānī manasvinī
Manmathānī, Manasvinī

mohā modā mānamayī māyā mandā mitāvatī / vijayā vimalā caiva śubhā viśvā tathaiva ca

Mohā (Verblendung), Modā (Freude), Mānamayī (Stolz-Erfüllte), Māyā, Mandā (Träge), Mitāvatī (Maßvolle); Vijayā, Vimalā, Śubhā, Viśvā, ebenso.

Wort für Wort
mohā modā mānamayī
Mohā, Modā, Mānamayī
māyā mandā mitāvatī
Māyā, Mandā, Mitāvatī
vijayā vimalā
Vijayā, Vimalā
śubhā viśvā
Śubhā, Viśvā

vibhūtirvinatā caiva vividhā vinatā kramāt / kamalā kāminī caiva kirātā kīrtirūpiṇī

Vibhūti (Macht/Herrlichkeit), und Vinatā (Demütige), Vividhā (Mannigfaltige), der Reihe nach Vinatā; Kamalā, und Kāminī, Kirātā (Jägerin), die die Gestalt des Ruhmes (kīrti) hat.

Wort für Wort
vibhūtiḥ vinatā
Vibhūti, Vinatā
vividhā vinatā
Vividhā, Vinatā
kamalā kāminī
Kamalā, Kāminī
kirātā kīrtirūpiṇī
Kirātā, die die Gestalt des Ruhmes hat

kuṭṭinī ca samuddiṣṭā tathaiva kulasuṃdarī / kalyāṇī kālakolā ca ḍākinī śākinī tathā

und Kuṭṭinī wird bezeichnet, ebenso Kulasundarī; Kalyāṇī, und Kālakolā, Ḍākinī, ebenso Śākinī.

Wort für Wort
kuṭṭinī
Kuṭṭinī
kulasundarī
Kulasundarī
kalyāṇī kālakolā
Kalyāṇī, Kālakolā
ḍākinī śākinī
Ḍākinī, Śākinī

lākinī kākinī caiva rākinī kākinī tathā / icchājñānā kriyākhyā cāpyāyudhāṣṭakadhāriṇī

Lākinī, und Kākinī, Rākinī, ebenso Kākinī [wohl für Hākinī]; genannt Icchā, Jñāna, Kriyā [die drei Śaktis: Wille, Wissen, Handeln], und die Trägerin der acht Waffen.

Wort für Wort
lākinī kākinī
Lākinī, Kākinī
rākinī kākinī [hākinī? ]
Rākinī, Kākinī [wohl Hākinī]
icchājñānā kriyākhyā
genannt Icchā, Jñāna, Kriyā
āyudhāṣṭakadhāriṇī
die Trägerin der acht Waffen

[Anm.: Die zweifache Nennung 'kākinī ... kākinī' ist vermutlich ein Schreibfehler; die klassische Reihe der sechs/sieben Cakra-Yoginīs lautet Ḍākinī, Rākinī, Lākinī, Kākinī, Śākinī, Hākinī — an zweiter Stelle wäre daher 'hākinī' zu erwarten.]

kapardinī samuddiṣṭā tathaiva kulasuṃdarī / jvālinī visphuliṅgā ca maṅgalā sumanoharā

Kapardinī wird bezeichnet, ebenso Kulasundarī; Jvālinī (Flammende), und Visphuliṅgā (Funkensprühende), Maṅgalā, Sumanoharā (Sehr Bezaubernde).

Wort für Wort
kapardinī kulasundarī
Kapardinī, Kulasundarī
jvālinī visphuliṅgā
Jvālinī, Visphuliṅgā
maṅgalā sumanoharā
Maṅgalā, Sumanoharā

kanakā kinavā vidyā vividhā ca prakīrtitā / meṣā vṛṣāhvayā caiva mithunā karkaṭā tathā

Kanakā (Goldene), Kinnavā(?), Vidyā, Vividhā wird verkündet; die 'Meṣā' (Widder) Genannte, und Vṛṣā (Stier), Mithunā (Zwillinge), ebenso Karkaṭā (Krebs).

Wort für Wort
kanakā kinnavā [?]
Kanakā, Kinnavā(?)
vidyā vividhā
Vidyā, Vividhā
meṣā
Meṣā (Widder)
vṛṣāhvayā
die 'Vṛṣā' (Stier) Genannte
mithunā
Mithunā (Zwillinge)
karkaṭā
Karkaṭā (Krebs)

[Anm.: Ab hier (V88–89) Aufzählung der zwölf Tierkreiszeichen (rāśi) als Erscheinungsformen der Göttin.]

siṃhā kanyā tulā kīṭā cāpā ca makarā tathā / kumbhā mīnā ca sārā ca sarvabhakṣā tathaiva ca

Siṃhā (Löwe), Kanyā (Jungfrau), Tulā (Waage), Kīṭā (Skorpion), und Cāpā (Bogen/Schütze), ebenso Makarā (Steinbock); Kumbhā (Wassermann), und Mīnā (Fische), und Sārā (Essenz), und ebenso Sarvabhakṣā (Allverzehrende).

Wort für Wort
siṃhā kanyā tulā
Siṃhā (Löwe), Kanyā (Jungfrau), Tulā (Waage)
kīṭā cāpā makarā
Kīṭā (Skorpion), Cāpā (Schütze), Makarā (Steinbock)
kumbhā mīnā
Kumbhā (Wassermann), Mīnā (Fische)
sārā sarvabhakṣā
Sārā, Sarvabhakṣā

viśvātmā vividhodbhūtacitrarūpā ca kīrtitā / niḥsapatnā nirātaṅkā yācanācintyavaibhavā

Viśvātmā (Welt-Selbst), die als mannigfach und wundersam hervorgetreten verkündet wird; die Rivalenlose (niḥsapatnā), die Furchtlose (nirātaṅkā), deren Macht durch bloßes Erbitten unfassbar ist.

Wort für Wort
viśvātmā
Viśvātmā
vividhodbhūtacitrarūpā
als mannigfach und wundersam hervorgetreten
niḥsapatnā nirātaṅkā
die Rivalenlose, die Furchtlose
yācanācintyavaibhavā
deren Macht durch bloßes Erbitten unfassbar ist

raktā caiva tataḥ proktāvidyāprāptisvapiṇī / hṛllekhā kledinī klinnā kṣobhiṇī madanāturā

und Raktā wird sodann genannt, die 'im Erlangen der Avidyā [gleichsam] Schlafende' [?]; Hṛllekhā (Herz-Silbe Hrīṃ), Kledinī, Klinnā, Kṣobhiṇī, von Leidenschaft Ergriffene.

Wort für Wort
raktā
Raktā
avidyāprāptisvapiṇī [?]
die 'im Erlangen der Avidyā Schlafende' [?]
hṛllekhā kledinī klinnā
Hṛllekhā, Kledinī, Klinnā
kṣobhiṇī madanāturā
Kṣobhiṇī, von Leidenschaft Ergriffene

[Anm.: 'avidyāprāptisvapiṇī' unsicher gedeutet [?].]

nipandanā rāgavatī tathaiva madanāvatī / mekhalā drāviṇī vegavatī caiva prakīrtitā

Nibandhanā (Bindende), Rāgavatī (Leidenschaftliche), ebenso Madanāvatī; Mekhalā, Drāviṇī, und Vegavatī (Schnelle) wird verkündet.

Wort für Wort
nibandhanā [nipandanā]
Nibandhanā (Bindende)
rāgavatī madanāvatī
Rāgavatī, Madanāvatī
mekhalā drāviṇī
Mekhalā, Drāviṇī
vegavatī
Vegavatī

kamalā kāminī kalpā kalā ca kalitādbhutā / kiratā ca tathā kālā kadanā kauśikā tathā

Kamalā, Kāminī, Kalpā, und Kalā, die Wunder-Erschaffende (kalitādbhutā); und Kirātā, ebenso Kālā, Kadanā (Verderben), ebenso Kauśikā.

Wort für Wort
kamalā kāminī kalpā
Kamalā, Kāminī, Kalpā
kalā kalitādbhutā
Kalā, die Wunder-Erschaffende
kirātā kālā
Kirātā, Kālā
kadanā kauśikā
Kadanā, Kauśikā

kaṃbuvādanikā caiva kātarā kapaṭā tathā / kīrtiścāpi kumārī ca kuṅkumā parikīrtitā

Kambuvādanikā (Muschelhorn-Spielerin), und Kātarā (Ängstliche), ebenso Kapaṭā (Listige); Kīrti (Ruhm), und auch Kumārī (Jungfrau), und Kuṅkumā (Safranfarbene) wird verkündet.

Wort für Wort
kambuvādanikā
Kambuvādanikā
kātarā kapaṭā
Kātarā, Kapaṭā
kīrtiḥ kumārī kuṅkumā
Kīrti, Kumārī, Kuṅkumā

bhañjinī veginī nāgā capalā peśalā satī / ratiḥ śraddhā bhogalolā madonmattā manasvinī

Bhañjinī (Brechende), Veginī (Schnelle), Nāgā (Schlangenhafte), Capalā (Wankelmütige), Peśalā (Anmutige), Satī (Tugendhafte); Rati, Śraddhā, Bhogalolā (nach Genuss Verlangende), Madonmattā (Trunkene), Manasvinī.

Wort für Wort
bhañjinī veginī nāgā
Bhañjinī, Veginī, Nāgā
capalā peśalā satī
Capalā, Peśalā, Satī
ratiḥ śraddhā bhogalolā
Rati, Śraddhā, Bhogalolā
madonmattā manasvinī
Madonmattā, Manasvinī

vihvalā karṣiṇī lolā tathā madanamālinī / vinodā kautukā puṇyā purāṇā parikīrtitā

Vihvalā (Überwältigte), Karṣiṇī (Anziehende), Lolā (Unstete), ebenso Madanamālinī (Leidenschafts-Bekränzte); Vinodā (Unterhaltende), Kautukā (Neugierige), Puṇyā (Verdienstvolle), Purāṇā (Uralte) wird verkündet.

Wort für Wort
vihvalā karṣiṇī lolā
Vihvalā, Karṣiṇī, Lolā
madanamālinī
Madanamālinī
vinodā kautukā
Vinodā, Kautukā
puṇyā purāṇā
Puṇyā, Purāṇā

vāgīśī varadā viśvā vibhavāvighnakāriṇī / bījavighnaharā vidyā sumukhī suṃdarī tathā

Vāgīśī (Herrin der Rede), Varadā, Viśvā, die Mächtige, keine Hindernisse Bereitende; Bījavighnaharā (durch den Keim Hindernisse Tilgende), Vidyā, Sumukhī (Schönmündige), ebenso Sundarī.

Wort für Wort
vāgīśī varadā viśvā
Vāgīśī, Varadā, Viśvā
vibhavā avighnakāriṇī
die Mächtige, keine Hindernisse Bereitende
bījavighnaharā vidyā
Bījavighnaharā, Vidyā
sumukhī sundarī
Sumukhī, Sundarī

sārā ca sumanā caiva tathā proktā sarasvatī / samayā sarvagā viddhā śivā vāṇī ca kīrtitā

Sārā, und Sumanā, ebenso wird Sarasvatī genannt; Samayā (Übereinkunft), Sarvagā (Allgegenwärtige), Viddhā (Durchdrungene), Śivā, und Vāṇī (Sprache) wird verkündet.

Wort für Wort
sārā sumanā sarasvatī
Sārā, Sumanā, Sarasvatī
samayā sarvagā viddhā
Samayā, Sarvagā, Viddhā
śivā vāṇī
Śivā, Vāṇī

dūrasiddhā tathā proktātho vigrahagavatī matā / nādā manonmanī prāṇapratiṣṭhāruṇavaibhavā

Dūrasiddhā (aus der Ferne Vollendende) wird ebenso genannt, und sie gilt als 'Vigrahavatī' (Gestalt-Habende); Nādā (Ur-Klang), Manonmanī (Jenseits-des-Geistes), von der Macht der Lebenshauch-Einsetzung (prāṇapratiṣṭhā) und Aruṇās.

Wort für Wort
dūrasiddhā
Dūrasiddhā
vigrahavatī matā
als 'Vigrahavatī' geltend
nādā manonmanī
Nādā, Manonmanī
prāṇapratiṣṭhāruṇavaibhavā
von der Macht der Lebenshauch-Einsetzung und Aruṇās

prāṇāpānā samānā ca vyānodānā ca kīrtitā / nāgā kūrmā taca kṛkalā devadattā dhanañjayā

Prāṇā, Apānā, und Samānā, und Vyānā, Udānā wird verkündet [die fünf Lebenshauche]; Nāgā, Kūrmā, und Kṛkalā (Kṛkara), Devadattā, Dhanañjayā [die fünf Neben-Lebenshauche].

Wort für Wort
prāṇā apānā samānā
Prāṇā, Apānā, Samānā
vyānā udānā
Vyānā, Udānā
nāgā kūrmā ca kṛkalā
Nāgā, Kūrmā, Kṛkalā
devadattā dhanañjayā
Devadattā, Dhanañjayā

[Anm.: Aufzählung der zehn Vāyus (Lebenshauche): die fünf Haupt-Prāṇas (Prāṇa, Apāna, Samāna, Vyāna, Udāna) und die fünf Neben-Vāyus (Nāga, Kūrma, Kṛkara, Devadatta, Dhanañjaya).]

phaṭkārī kiṅkarārādhyā jayā ca vijayā tathā / huṅkārī kheṭacarī caṇḍāchedinī kṣapiṇī tathā

Phaṭkārī (die 'Phaṭ' Sprechende), von den Dienern Verehrte, Jayā, und ebenso Vijayā; Huṅkārī (die 'Hum' Sprechende), Kheṭacarī (Schild-/Himmelswandlerin), Caṇḍā, Chedinī (Zerschneidende), ebenso Kṣapiṇī (Vernichtende).

Wort für Wort
phaṭkārī kiṅkarārādhyā
Phaṭkārī, von den Dienern Verehrte
jayā vijayā
Jayā, Vijayā
huṅkārī kheṭacarī
Huṅkārī, Kheṭacarī
caṇḍā chedinī kṣapiṇī
Caṇḍā, Chedinī, Kṣapiṇī

strīhuṅkārī kṣemakārī caturakṣararūpiṇī / śrīvidyāmatavarṇāṅgī kālī yāmyā nṛpārṇakā

Strīhuṅkārī, Kṣemakārī (Wohl-Bewirkende), die die Gestalt der vier Silben hat; deren Glieder aus den Buchstaben der Śrīvidyā-Lehre [bestehen], Kālī, Yāmyā (Yamas), Nṛpārṇakā (Königs-Silbe).

Wort für Wort
strīhuṅkārī kṣemakārī
Strīhuṅkārī, Kṣemakārī
caturakṣararūpiṇī
die die Gestalt der vier Silben hat
śrīvidyāmatavarṇāṅgī
deren Glieder aus den Buchstaben der Śrīvidyā-Lehre bestehen
kālī yāmyā nṛpārṇakā [?]
Kālī, Yāmyā, Nṛpārṇakā

[Anm.: 'nṛpārṇakā' unsicher gedeutet [?].]

bhāṣā sarasvatī vāṇī saṃskṛtā parā / bahurūpā cittarūpā ramyānandā ca kautukā

Sprache (bhāṣā), Sarasvatī, Rede (vāṇī), die Verfeinerte (Sanskrit), die Höchste; die Vielgestaltige, die die Gestalt des Geistes (citta) hat, die an lieblicher Wonne [Reiche], und die Wundersame.

Wort für Wort
bhāṣā sarasvatī vāṇī
Sprache, Sarasvatī, Rede
saṃskṛtā parā
die Verfeinerte, die Höchste
bahurūpā cittarūpā
die Vielgestaltige, die die Gestalt des Geistes hat
ramyānandā kautukā
die an lieblicher Wonne Reiche, die Wundersame

trayākhyā paramātmākhyāpyameyavibhavā tathā / vāksvarūpā bindusargarūpā viśvātmikā tathā

die 'Trayā' (Dreiheit) Genannte, auch 'Paramātmā' Genannte, von unermesslicher Macht, ebenso; die die Gestalt der Rede hat, die Gestalt der Bindu-Emanation, ebenso die Wesenheit des Alls.

Wort für Wort
trayākhyā paramātmākhyā
die 'Trayā' Genannte, die 'Paramātmā' Genannte
ameyavibhavā
von unermesslicher Macht
vāksvarūpā
die die Gestalt der Rede hat
bindusargarūpā viśvātmikā
die die Gestalt der Bindu-Emanation, die Wesenheit des Alls hat

tathā traipurakandākhyā jñātrāditrividhātmikā / āyurlakṣmīkīrtibhogasaindaryārogyadāyikā

ebenso die 'Traipurakandā' (Wurzel der Tripurā) Genannte, von dreifachem Wesen, beginnend mit dem Erkennenden [d.h. Erkennendem-Erkenntnis-Erkanntem]; die Geberin von Lebensdauer, Wohlstand, Ruhm, Genuss, Schönheit, Gesundheit.

Wort für Wort
traipurakandākhyā
die 'Traipurakandā' Genannte
jñātrāditrividhātmikā
von dreifachem Wesen, beginnend mit dem Erkennenden
āyurlakṣmīkīrtibhoga
Lebensdauer, Wohlstand, Ruhm, Genuss
saundaryārogyadāyikā
Geberin von Schönheit und Gesundheit

aihikāmuṣmikajñānamayī ca parikīrtitā / jīvākhyā vijayākhyā ca tathaiva viśvavinmayī

die aus dem Wissen um diese und die jenseitige Welt Bestehende wird verkündet; die 'Jīvā' Genannte, und die 'Vijayā' Genannte, ebenso die aus dem Wissen des Alls Bestehende.

Wort für Wort
aihikāmuṣmikajñānamayī
die aus dem Wissen um diese und jene Welt Bestehende
jīvākhyā vijayākhyā
die 'Jīvā' Genannte, die 'Vijayā' Genannte
viśvavinmayī
die aus dem Wissen des Alls Bestehende

hṛdādividyā rūpādibhāmurūpāḥ jagadūpuḥ / viśvamo hanikā caiva tripurāmṛtasaṃjñikā

die mit dem Herz[-Bīja] beginnende Vidyā, von Gestalten, beginnend mit dem Glanz, [welche] die Welt gestalten [?]; und die Welt-Bezaubernde (viśvamohanikā), die 'Nektar der Tripurā' Genannte.

Wort für Wort
hṛdādividyā [?]
die mit dem Herz[-Bīja] beginnende Vidyā
rūpādibhāmūrūpāḥ jagadrūpāḥ [?]
von Gestalten, beginnend mit dem Glanz, welt-gestaltig [?]
viśvamohanikā
die Welt-Bezaubernde
tripurāmṛtasaṃjñikā
die 'Nektar der Tripurā' Genannte

[Anm.: Erste Vers-Hälfte im Quelltext stark verdichtet/unklar; Übersetzung ist eine unsichere Annäherung [?].]

sarvāpyāyanarūpā ca mohinī kṣobhaṇī tathā / kledinī ca samākhyātā tathaiva ca mahodayā

die die Gestalt der Allsättigung hat, und Mohinī, ebenso Kṣobhaṇī; und Kledinī wird genannt, ebenso auch Mahodayā (Großes-Aufsteigen).

Wort für Wort
sarvāpyāyanarūpā
die die Gestalt der Allsättigung hat
mohinī kṣobhaṇī
Mohinī, Kṣobhaṇī
kledinī
Kledinī
mahodayā
Mahodayā

saṃpatkarī halakṣārṇā sīmāmātṛtanū ratiḥ / prītirmanobhavā vāpi proktā vārādhipā tathā

Saṃpatkarī (Wohlstand-Bewirkende), von der Silbe 'ha-la-kṣa' [?], vom Leib der Grenz-Mutter [?], Rati; Prīti, oder auch Manobhavā (Geistgeborene) wird genannt, ebenso Vārādhipā (Herrin des Wochentags).

Wort für Wort
saṃpatkarī
Saṃpatkarī
halakṣārṇā [?]
von der Silbe 'ha-la-kṣa' [?]
sīmāmātṛtanū ratiḥ [?]
vom Leib der Grenz-Mutter, Rati [?]
prītiḥ manobhavā
Prīti, Manobhavā
vārādhipā
Vārādhipā

[Anm.: 'halakṣārṇā' und 'sīmāmātṛtanū' im Quelltext unsicher/verdichtet [?].]

trikūṭā cāpi ṣaṭkūṭā pañcakūṭā viśuddhagā / anāhata gatā caiva maṇipūrakasaṃsthitā

die Dreigipflige (trikūṭā), und auch die Sechsgipflige, die Fünfgipflige, im Viśuddhi[-Cakra] weilend; im Anāhata[-Cakra] Befindliche, und im Maṇipūraka[-Cakra] Angesiedelte.

Wort für Wort
trikūṭā ṣaṭkūṭā pañcakūṭā
die Drei-, Sechs- und Fünfgipflige
viśuddhagā
im Viśuddhi[-Cakra] weilend
anāhatagatā
im Anāhata[-Cakra] befindlich
maṇipūrakasaṃsthitā
im Maṇipūraka[-Cakra] angesiedelt

[Anm.: Ab hier (V110–111) Zuordnung der Göttin zu den Cakras des feinstofflichen Körpers: Viśuddhi, Anāhata, Maṇipūraka, Svādhiṣṭhāna, Mūlādhāra, Ājñā.]

svādhiṣṭhānasamāsīnādhārasthājñāsamāsthitā / ṣaṭtriṃśatkūṭarūpā ca pañcāśanmithunātmikā

im Svādhiṣṭhāna Sitzende, im Mūlādhāra Weilende, im Ājñā Angesiedelte; die die Gestalt der sechsunddreißig [Tattva-]Gipfel hat, von der Wesenheit der fünfzig Buchstaben-Paare.

Wort für Wort
svādhiṣṭhānasamāsīnā
im Svādhiṣṭhāna Sitzende
ādhārasthā ājñāsamāsthitā
im Mūlādhāra Weilende, im Ājñā Angesiedelte
ṣaṭtriṃśatkūṭarūpā
die die Gestalt der 36 [Tattva-]Gipfel hat
pañcāśanmithunātmikā
von der Wesenheit der 50 Buchstaben-Paare

pādukādikasiddhīśā tathā vijayadāyinī / kāmarūpapradā vetālarūpā ca piśācikā

die Herrin der durch die [Verehrung der] Sandalen u.a. [erlangten] Siddhis, ebenso die Geberin des Sieges; die Geberin der begehrten Gestalt, die Gestalt eines Vetāla (Wiedergängers), und die Dämonin (piśācikā).

Wort für Wort
pādukādikasiddhīśā
die Herrin der durch die Sandalen u.a. [erlangten] Siddhis
vijayadāyinī
die Geberin des Sieges
kāmarūpapradā
die Geberin der begehrten Gestalt
vetālarūpā piśācikā
die Vetāla-Gestaltige, die Dämonin

vicitrā vibhramā haṃsī bhīṣaṇī janarañjikā / viśālā madanā tuṣṭā kālakaṇṭhī mahābhayā

Vicitrā (Wundersame), Vibhramā (Verwirrende), Haṃsī (Schwanenhafte), Bhīṣaṇī (Furchterregende), Janarañjikā (Menschen-Erfreuende); Viśālā (Gewaltige), Madanā, Tuṣṭā (Zufriedene), Kālakaṇṭhī (Dunkelhalsige), Mahābhayā (Große Furcht).

Wort für Wort
vicitrā vibhramā haṃsī
Vicitrā, Vibhramā, Haṃsī
bhīṣaṇī janarañjikā
Bhīṣaṇī, Janarañjikā
viśālā madanā tuṣṭā
Viśālā, Madanā, Tuṣṭā
kālakaṇṭhī mahābhayā
Kālakaṇṭhī, Mahābhayā

māhendrī śaṅkhinī caindrī maṅgalā vaṭavāsinī / mekhalā sakalā lakṣmīrmālinīviśvanāyikā

Māhendrī, Śaṅkhinī, und Aindrī, Maṅgalā, Vaṭavāsinī (Banyanbaum-Bewohnerin); Mekhalā, Sakalā (Ganzheitliche), Lakṣmī, Mālinī, Viśvanāyikā (Herrin des Alls).

Wort für Wort
māhendrī śaṅkhinī caindrī
Māhendrī, Śaṅkhinī, Aindrī
maṅgalā vaṭavāsinī
Maṅgalā, Vaṭavāsinī
mekhalā sakalā lakṣmīḥ
Mekhalā, Sakalā, Lakṣmī
mālinī viśvanāyikā
Mālinī, Viśvanāyikā

sulocanā suśobhā ca kāmadā ca vilāsinī / kāmeśvarī nandinī ca svarṇarekhā manoharā

Sulocanā (Schönäugige), und Suśobhā (Glänzende), und Kāmadā, und Vilāsinī (Spielerische); Kāmeśvarī, und Nandinī (Freudige), Svarṇarekhā (Goldene Linie), Manoharā.

Wort für Wort
sulocanā suśobhā
Sulocanā, Suśobhā
kāmadā vilāsinī
Kāmadā, Vilāsinī
kāmeśvarī nandinī
Kāmeśvarī, Nandinī
svarṇarekhā manoharā
Svarṇarekhā, Manoharā

pramodā rāgiṇī siddhā padminī ca ratipriyā / kalyāṇadā kalādakṣā tataśca surasundarī

Pramodā (Freude), Rāgiṇī (Leidenschaftliche), Siddhā, Padminī, und Ratipriyā (Liebe-Liebende); Kalyāṇadā (Heil-Geberin), Kalādakṣā (in den Künsten Geschickte), und sodann Surasundarī (Götter-Schöne).

Wort für Wort
pramodā rāgiṇī siddhā
Pramodā, Rāgiṇī, Siddhā
padminī ratipriyā
Padminī, Ratipriyā
kalyāṇadā kalādakṣā
Kalyāṇadā, Kalādakṣā
surasundarī
Surasundarī

vibhramā vāhakā vīrā vikalā korakākaviḥ / siṃhanādā mahānādā sugrīvā markaṭā śaṭhā

Vibhramā, Vāhakā (Trägerin), Vīrā (Heldenhafte), Vikalā (Unvollständige), Korakā (Knospenhafte), Kavi (Seherin); Siṃhanādā (Löwenbrüllende), Mahānādā (Großtönende), Sugrīvā (Schönnackige), Markaṭā (Affenhafte), Śaṭhā (Listige).

Wort für Wort
vibhramā vāhakā vīrā
Vibhramā, Vāhakā, Vīrā
vikalā korakā kaviḥ
Vikalā, Korakā, Kavi
siṃhanādā mahānādā
Siṃhanādā, Mahānādā
sugrīvā markaṭā śaṭhā
Sugrīvā, Markaṭā, Śaṭhā

biḍālākṣā biḍālāsyā kumārī khecarī bhavā / mayūrā maṅgalā bhīmā dvipavaktrā kharānanā

Biḍālākṣā (Katzenäugige), Biḍālāsyā (Katzengesichtige), Kumārī, Khecarī, Bhavā (Seiende); Mayūrā (Pfauenhafte), Maṅgalā, Bhīmā (Furchtbare), Dvipavaktrā (Elefantengesichtige), Kharānanā (Eselsgesichtige).

Wort für Wort
biḍālākṣā biḍālāsyā
Biḍālākṣā, Biḍālāsyā
kumārī khecarī bhavā
Kumārī, Khecarī, Bhavā
mayūrā maṅgalā bhīmā
Mayūrā, Maṅgalā, Bhīmā
dvipavaktrā kharānanā
Dvipavaktrā, Kharānanā

[Anm.: Ab hier (V118–122) Aufzählung tiergesichtiger Erscheinungsformen der Göttin.]

mātaṅgī ca niśācārā vṛṣagrāhā vṛkānanā / sairibhāsyā gajamukhā paśuvaktrā mṛgānanā

Mātaṅgī, und Niśācārā (Nachtwandlerin), Vṛṣagrāhā (Stier-Bezwingerin), Vṛkānanā (Wolfsgesichtige); Sairibhāsyā (Büffelgesichtige), Gajamukhā (Elefantengesichtige), Paśuvaktrā (Tiergesichtige), Mṛgānanā (Rehgesichtige).

Wort für Wort
mātaṅgī niśācārā
Mātaṅgī, Niśācārā
vṛṣagrāhā vṛkānanā
Vṛṣagrāhā, Vṛkānanā
sairibhāsyā gajamukhā
Sairibhāsyā, Gajamukhā
paśuvaktrā mṛgānanā
Paśuvaktrā, Mṛgānanā

kṣobhakā maṇibhadrā ca krīḍakā siṃhacakrakā / mahodarā sthūlaśikhā vikṛtāsyā varānanā

Kṣobhakā (Erschütternde), und Maṇibhadrā, Krīḍakā (Spielende), Siṃhacakrakā (Löwenkreis-Habende); Mahodarā (Großbäuchige), Sthūlaśikhā (Dickgeschopfte), Vikṛtāsyā (Entstellte-Gesichtige), Varānanā (Schöngesichtige).

Wort für Wort
kṣobhakā maṇibhadrā
Kṣobhakā, Maṇibhadrā
krīḍakā siṃhacakrakā
Krīḍakā, Siṃhacakrakā
mahodarā sthūlaśikhā
Mahodarā, Sthūlaśikhā
vikṛtāsyā varānanā
Vikṛtāsyā, Varānanā

capalā kukkuṭāsyā ca pāvinī madanālasā / manoharā dīrghajaṅghā sthūladantā daśānanā

Capalā (Wankelmütige), und Kukkuṭāsyā (Hahnengesichtige), Pāvinī (Läuternde), Madanālasā (von Leidenschaft Erschlaffte); Manoharā, Dīrghajaṅghā (Langschenklige), Sthūladantā (Dickzähnige), Daśānanā (Zehngesichtige).

Wort für Wort
capalā kukkuṭāsyā
Capalā, Kukkuṭāsyā
pāvinī madanālasā
Pāvinī, Madanālasā
manoharā dīrghajaṅghā
Manoharā, Dīrghajaṅghā
sthūladantā daśānanā
Sthūladantā, Daśānanā

sumukhā paṇḍitā kruddhā varāhāsyā saṭāmukhā / kapaṭā kautukā kālā kiṅkarā kitavā khalā

Sumukhā (Schönmündige), Paṇḍitā (Gelehrte), Kruddhā (Zornige), Varāhāsyā (Ebergesichtige), Saṭāmukhā (Mähnengesichtige); Kapaṭā (Listige), Kautukā (Neugierige), Kālā (Dunkle), Kiṅkarā (Dienerin), Kitavā (Betrügerin), Khalā (Böse).

Wort für Wort
sumukhā paṇḍitā kruddhā
Sumukhā, Paṇḍitā, Kruddhā
varāhāsyā saṭāmukhā
Varāhāsyā, Saṭāmukhā
kapaṭā kautukā kālā
Kapaṭā, Kautukā, Kālā
kiṅkarā kitavā khalā
Kiṅkarā, Kitavā, Khalā

bhakṣakā bhayadā siddhā sarvagā ca prakīrtitā / jayā ca vijayā durgā bhadrā bhadrakarī tathā

Bhakṣakā (Verzehrerin), Bhayadā (Furchtgeberin), Siddhā, und Sarvagā wird verkündet; Jayā, und Vijayā, Durgā, Bhadrā (Heilvolle), ebenso Bhadrakarī (Heil-Bewirkende).

Wort für Wort
bhakṣakā bhayadā siddhā
Bhakṣakā, Bhayadā, Siddhā
sarvagā
Sarvagā
jayā vijayā durgā
Jayā, Vijayā, Durgā
bhadrā bhadrakarī
Bhadrā, Bhadrakarī

ambikā vāmadevī ca mahāmāyāsvarūpiṇī / vidārikā viśvamayī viśvā viśvavibhañjitā

Ambikā, und Vāmadevī, die die Gestalt der Mahāmāyā hat; Vidārikā (Zerreißende), Viśvamayī (Aus dem All Bestehende), Viśvā, Viśvavibhañjitā (Zertrümmerin des Alls).

Wort für Wort
ambikā vāmadevī
Ambikā, Vāmadevī
mahāmāyāsvarūpiṇī
die die Gestalt der Mahāmāyā hat
vidārikā viśvamayī
Vidārikā, Viśvamayī
viśvā viśvavibhañjitā
Viśvā, Viśvavibhañjitā

vīrā vikṣobhiṇī vidyā vinodā bījavigrahā / vītaśokā viṣagrīvā vipulā vijayapradā

Vīrā, Vikṣobhiṇī (Stark Erschütternde), Vidyā, Vinodā, deren Gestalt der Keim (bīja) ist; Vītaśokā (Frei von Kummer), Viṣagrīvā (Giftgenackte), Vipulā (Ausgedehnte), Vijayapradā (Sieg-Geberin).

Wort für Wort
vīrā vikṣobhiṇī vidyā
Vīrā, Vikṣobhiṇī, Vidyā
vinodā bījavigrahā
Vinodā, deren Gestalt der Keim ist
vītaśokā viṣagrīvā
Vītaśokā, Viṣagrīvā
vipulā vijayapradā
Vipulā, Vijayapradā

vibhavā vividhā viprā tathaiva parikīrtitā / manoharā maṅgalī ca madotsiktā manasvinī

Vibhavā, Vividhā, und Viprā (Weise) wird ebenso verkündet; Manoharā, und Maṅgalī, Madotsiktā (von Leidenschaft Überflutete), Manasvinī.

Wort für Wort
vibhavā vividhā viprā
Vibhavā, Vividhā, Viprā
manoharā maṅgalī
Manoharā, Maṅgalī
madotsiktā manasvinī
Madotsiktā, Manasvinī

māninī madhurā māyā mohinī ca tathā smṛtā / bhadrā bhavānī bhavyā ca viśālākṣī śucismitā

Māninī (Stolze), Madhurā (Süße), Māyā, und Mohinī werden ebenso überliefert; Bhadrā, Bhavānī, und Bhavyā, Viśālākṣī (Großäugige), Śucismitā (Rein Lächelnde).

Wort für Wort
māninī madhurā māyā
Māninī, Madhurā, Māyā
mohinī
Mohinī
bhadrā bhavānī bhavyā
Bhadrā, Bhavānī, Bhavyā
viśālākṣī śucismitā
Viśālākṣī, Śucismitā

kakubhā kamalā kalpā kalātho pūraṇī tathā / nityā cāpyamṛtā caiva jīvitā ca tathā dayā

Kakubhā (Himmelsrichtungs-Habende), Kamalā, Kalpā, Kalā, und dann Pūraṇī (Erfüllende); Nityā, und auch Amṛtā, und Jīvitā, ebenso Dayā (Mitleid).

Wort für Wort
kakubhā kamalā kalpā
Kakubhā, Kamalā, Kalpā
kalā pūraṇī
Kalā, Pūraṇī
nityā amṛtā
Nityā, Amṛtā
jīvitā dayā
Jīvitā, Dayā

aśokā hyamalā pūrṇā pūrṇā bhāgyodyatā tathā / vivekā vibhavā viśvā vitatā ca prakīrtitā

Aśokā (Kummerlose), Amalā (Makellose), Pūrṇā (Volle) — und ebenso die auf Glück bedachte Pūrṇā; Vivekā (Unterscheidung), Vibhavā, Viśvā, und Vitatā (Ausgedehnte) wird verkündet.

Wort für Wort
aśokā amalā pūrṇā
Aśokā, Amalā, Pūrṇā
pūrṇā bhāgyodyatā
die auf Glück bedachte Pūrṇā
vivekā vibhavā viśvā
Vivekā, Vibhavā, Viśvā
vitatā
Vitatā

kāminī khecarī garvā purāṇāparameśvarī / gaurī śivā hyameyā ca vimalā vijayā parā

Kāminī, Khecarī, Garvā (Stolze), die uralte Parameśvarī; Gaurī, Śivā, und die Unermessliche (ameyā), Vimalā, Vijayā, Parā.

Wort für Wort
kāminī khecarī garvā
Kāminī, Khecarī, Garvā
purāṇā parameśvarī
die uralte Parameśvarī
gaurī śivā ameyā
Gaurī, Śivā, Ameyā
vimalā vijayā parā
Vimalā, Vijayā, Parā

pavitrā padminī vidyā viśveśī śivavallabhā / aśeṣarūpā hyānandāṃbujākṣī cāpyaninditā

Pavitrā (Reine), Padminī, Vidyā, Viśveśī (Herrin des Alls), Śivavallabhā (Śivas Geliebte); von vollständiger Gestalt, Ānandāmbujākṣī (mit Wonne-Lotusaugen), und auch Aninditā (Untadelige).

Wort für Wort
pavitrā padminī vidyā
Pavitrā, Padminī, Vidyā
viśveśī śivavallabhā
Viśveśī, Śivavallabhā
aśeṣarūpā
von vollständiger Gestalt
ānandāmbujākṣī aninditā
Ānandāmbujākṣī, Aninditā

varadā vākyadā vāṇī vividhā vedavigrahā / vidyā vāgīśvarī satyā saṃyatā ca sarasvatī

Varadā, Vākyadā (Wort-Geberin), Vāṇī, Vividhā, deren Gestalt der Veda ist; Vidyā, Vāgīśvarī, Satyā (Wahrheit), und Saṃyatā (Beherrschte), Sarasvatī.

Wort für Wort
varadā vākyadā vāṇī
Varadā, Vākyadā, Vāṇī
vividhā vedavigrahā
Vividhā, deren Gestalt der Veda ist
vidyā vāgīśvarī satyā
Vidyā, Vāgīśvarī, Satyā
saṃyatā sarasvatī
Saṃyatā, Sarasvatī

nirmalānandarūpā ca hyamṛtā manidā tathā / pūṣā caiva tathā puṣṭistuṣṭiścāpi ratirdhṛtiḥ

die die Gestalt reiner Wonne hat, und Amṛtā, ebenso Maṇidā (Juwel-Geberin); Pūṣā, und ebenso Puṣṭi, Tuṣṭi, und auch Rati, Dhṛti.

Wort für Wort
nirmalānandarūpā
die die Gestalt reiner Wonne hat
amṛtā manidā
Amṛtā, Maṇidā
pūṣā puṣṭiḥ tuṣṭiḥ
Pūṣā, Puṣṭi, Tuṣṭi
ratiḥ dhṛtiḥ
Rati, Dhṛti

śaśinī caidrikā kāntijyotsnā śrīḥ prītiraṅgagadā / pūrṇā pūrṇāmṛtā kāmadāyinīndukalātmikā

Śaśinī, und Aindrikā, Kānti, Jyotsnā, Śrī, Prīti, Aṅgadā [?] (Glied-Schmuck); Pūrṇā, Pūrṇāmṛtā (Nektarvolle), Kāmadāyinī, von der Wesenheit der Monddigit.

Wort für Wort
śaśinī aindrikā
Śaśinī, Aindrikā
kānti jyotsnā śrīḥ prīti
Kānti, Jyotsnā, Śrī, Prīti
aṅgadā [?]
Aṅgadā [?]
pūrṇā pūrṇāmṛtā
Pūrṇā, Pūrṇāmṛtā
kāmadāyinī indukalātmikā
Kāmadāyinī, von der Wesenheit der Monddigit

[Anm.: 'aṅgagadā' unsicher; vermutlich Verschreibung für 'aṅgadā' (Armreif/Glied-Schmuck) [?].]

tapinī tāpinī dhūmrā marīcirjvālinī ruciḥ / suṣumṇā bhogadā viśvā bādhinī dhārinī dhāriṇī kṣamā

Tapinī (Erhitzende), Tāpinī (Brennende), Dhūmrā (Rauchfarbene), Marīci (Strahl), Jvālinī (Flammende), Ruci (Glanz); Suṣumṇā, Bhogadā (Genuss-Geberin), Viśvā, Bādhinī (Quälende), Dhāriṇī (Tragende) [x2, wohl Dittographie], Kṣamā (Geduld/Erde).

Wort für Wort
tapinī tāpinī dhūmrā
Tapinī, Tāpinī, Dhūmrā
marīciḥ jvālinī ruciḥ
Marīci, Jvālinī, Ruci
suṣumṇā bhogadā viśvā
Suṣumṇā, Bhogadā, Viśvā
bādhinī dhāriṇī (×2) kṣamā
Bādhinī, Dhāriṇī (doppelt), Kṣamā

[Anm.: 'dhārinī dhāriṇī' im Quelltext offenbar doppelt (Dittographie); beide sind derselbe Name 'Dhāriṇī'.]

dhūmrārcirūṣmā jvalinī jvālinī visphuliṅginī / suśrīḥ svarūpā kapilā havyakavyavahā tathā

Dhūmrārci (Rauchflammige), Ūṣmā (Hitze), Jvalinī, Jvālinī, Visphuliṅginī [die sieben Flammenzungen des Feuers]; Suśrī, Svarūpā, Kapilā (Rötlichbraune), Havyakavyavahā (Trägerin der Götter- und Ahnenopfer), ebenso.

Wort für Wort
dhūmrārciḥ ūṣmā
Dhūmrārci, Ūṣmā
jvalinī jvālinī visphuliṅginī
Jvalinī, Jvālinī, Visphuliṅginī
suśrīḥ svarūpā kapilā
Suśrī, Svarūpā, Kapilā
havyakavyavahā
Havyakavyavahā

[Anm.: Aufzählung entspricht den sieben Flammenzungen (jihvā) des Feuergottes Agni.]

ghasmarā viśvakavalā lolākṣī lolajihvikā / sarvabhakṣā sahasrākṣī niḥsaṃgā ca gatipriyā

Ghasmarā (Verschlingende), Viśvakavalā (Weltverschlingerin), Lolākṣī (Rollaugige), Lolajihvikā (Züngelnde); Sarvabhakṣā (Allverzehrende), Sahasrākṣī (Tausendäugige), Niḥsaṃgā (Ungebundene), und Gatipriyā (Bewegungsliebende).

Wort für Wort
ghasmarā viśvakavalā
Ghasmarā, Viśvakavalā
lolākṣī lolajihvikā
Lolākṣī, Lolajihvikā
sarvabhakṣā sahasrākṣī
Sarvabhakṣā, Sahasrākṣī
niḥsaṃgā gatipriyā
Niḥsaṃgā, Gatipriyā

arcityācāprameyā ca pūrṇarūpā durāsadā / sarvā saṃsiddhirūpā ca pāvanītyekarūpiṇī

die Verehrte, und die Unermessliche, von vollkommener Gestalt, die Unnahbare; die Alles, die die Gestalt aller Vollendung hat, die 'Pāvanī' (Läuternde) genannte, Eine-Gestalt-Habende.

Wort für Wort
arcitā aprameyā
die Verehrte, die Unermessliche
pūrṇarūpā durāsadā
von vollkommener Gestalt, die Unnahbare
sarvā saṃsiddhirūpā
die Alles, die die Gestalt aller Vollendung hat
pāvanī ekarūpiṇī
die 'Pāvanī' genannte Eine-Gestalt-Habende

tathā yāmalavedhākhyā śākte vedasvarūpiṇī / tathā śāṃbhavavedhā ca bhāvanāsiddhisṛcinī

ebenso die 'Yāmalavedhā' (Durchdringung der Yāmala-Texte) Genannte, im Śākta[-System] die Gestalt des Veda habend; ebenso die 'Śāmbhavavedhā' (Durchdringung Śivas), die die Vollendung der Kontemplation (bhāvanā) hervorbringt.

Wort für Wort
yāmalavedhākhyā
die 'Yāmalavedhā' Genannte
śākte vedasvarūpiṇī
im Śākta-System die Gestalt des Veda habend
śāṃbhavavedhā
die 'Śāmbhavavedhā'
bhāvanāsiddhisṛcinī [sṛjinī]
die die Vollendung der Kontemplation hervorbringt

vahnirūpā tathā dasrā hyamāvighnā bhujaṅgamā / ṣaṇmukhā ravirūpā ca mātā durgā diśā tathā

die die Gestalt des Feuers hat, ebenso die Aśvin (dasrā), die Neumond-Hindernislose, die Schlangenhafte; die Sechsgesichtige (Skanda), die die Gestalt der Sonne hat, und Mātā (Aditi), Durgā, Diśā, ebenso.

Wort für Wort
vahnirūpā dasrā
die Feuer-Gestaltige, die Aśvin
amāvighnā bhujaṅgamā
die Neumond-Hindernislose, die Schlangenhafte
ṣaṇmukhā ravirūpā
die Sechsgesichtige, die Sonnen-Gestaltige
mātā durgā diśā
Mātā, Durgā, Diśā

[Anm.: Ab hier (V140–144) offenbar Aufzählung der den 27/28 Mondhäusern (Nakṣatra) zugeordneten vedischen Gottheiten (Agni, Aśvin, Sarpa, Skanda, Sūrya, Aditi, Yama, Bhaga, Aryaman u.a.).]

dhanadā keśavā cāpi yamī caiva harā śaśā / aśvinī ca yamī vahni rūpā dhātrīti kīrtitā

Dhanadā (Kubera), und auch Keśavā (Viṣṇu), und Yamī, Harā, Śaśā (Mond-Hafte); Aśvinī, und Yamī, die die Gestalt des Feuers hat, [und] 'Dhātrī' wird verkündet.

Wort für Wort
dhanadā keśavā
Dhanadā, Keśavā
yamī harā śaśā
Yamī, Harā, Śaśā
aśvinī yamī
Aśvinī, Yamī
vahnirūpā dhātrī
die Feuer-Gestaltige, Dhātrī

candrā śivāditirjīvā sarpiṇī pitṛrūpiṇī / aryamṇā ca bhagā sūryā tvāṣṭrimārutisaṃjñikā

Candrā, Śivā, Aditi, Jīvā (Bṛhaspati), Sarpiṇī, die die Gestalt der Ahnen hat; Aryaman, und Bhagā, Sūryā, unter dem Namen Tvaṣṭṛ und Māruti (Vāyu) [bekannt].

Wort für Wort
candrā śivā aditiḥ
Candrā, Śivā, Aditi
jīvā sarpiṇī pitṛrūpiṇī
Jīvā, Sarpiṇī, Pitṛ-Gestaltige
aryamṇā bhagā sūryā
Aryaman, Bhagā, Sūryā
tvāṣṭrimārutisaṃjñikā
unter dem Namen Tvaṣṭṛ und Māruti [bekannt]

indrāgnirūpā mitrā cāpīndrāṇī nirṛtirjalā / vaiśvadevī haritabhūrvāsavī varuṇā jayā

die die Gestalt von Indra-und-Agni hat, Mitrā, und auch Indrāṇī, Nirṛti, Jalā (Wasser); Vaiśvadevī, Haritabhūḥ, Vāsavī (Indras), Varuṇā, Jayā.

Wort für Wort
indrāgnirūpā mitrā
die Indra-und-Agni-Gestaltige, Mitrā
indrāṇī nirṛtiḥ jalā
Indrāṇī, Nirṛti, Jalā
vaiśvadevī haritabhūḥ
Vaiśvadevī, Haritabhūḥ
vāsavī varuṇā jayā
Vāsavī, Varuṇā, Jayā

ahirbudhnyā pūṣaṇī ca tathā kāraskarāmalā / uduṃbarā jaṃbukā ca khadirā kṛṣṇārūpiṇī

Ahirbudhnyā, und Pūṣaṇī, ebenso Kāraskarā (Kāraskara-Baum), Amalā; Udumbarā (Feigenbaum), und Jambukā (Jujube), Khadirā (Akazie), von dunkler Gestalt.

Wort für Wort
ahirbudhnyā pūṣaṇī
Ahirbudhnyā, Pūṣaṇī
kāraskarā amalā
Kāraskarā, Amalā
uduṃbarā jambukā
Udumbarā, Jambukā
khadirā kṛṣṇārūpiṇī
Khadirā, dunkler Gestalt

[Anm.: Ab hier (V144–147) Aufzählung von Baum-/Pflanzennamen als Erscheinungsformen der Göttin.]

vaṃśā ca pippalā nāgā rohiṇā ca palāśakā / pakṣakā ca tathāmbaṣṭhā bilvācārjunarūpiṇī

Vaṃśā (Bambus), und Pippalā (Pipal), Nāgā (Nāga-Baum), und Palāśakā (Palāśa); Pakṣakā, und ebenso Ambaṣṭhā, die die Gestalt von Bilva und Arjuna hat.

Wort für Wort
vaṃśā pippalā nāgā
Vaṃśā, Pippalā, Nāgā
palāśakā
Palāśakā
pakṣakā ambaṣṭhā
Pakṣakā, Ambaṣṭhā
bilvārjunarūpiṇī
die Bilva-und-Arjuna-Gestaltige

vikaṅkatā ca kakubhā saralā cāpi sarjikā / vañjulā panasārkā ca śamī halipriyāmrakā

Vikaṅkatā, und Kakubhā, Saralā (Kiefer), und auch Sarjikā (Sarja-Baum); Vañjulā, Panasā (Jackfrucht), und Arkā, Śamī, Halipriyā (Pflug-Liebling), Āmrakā (Mango).

Wort für Wort
vikaṅkatā kakubhā
Vikaṅkatā, Kakubhā
saralā sarjikā
Saralā, Sarjikā
vañjulā panasā arkā
Vañjulā, Panasā, Arkā
śamī halipriyā āmrakā
Śamī, Halipriyā, Āmrakā

nimbā madhūkasaṃjñā cāpyaśvatthā ca gajāhvayā / nāginī sarpiṇī caiva śunī cāpi biḍālikī

Nimbā (Neem), die 'Madhūkā' Genannte, und auch Aśvatthā (Pipal), und die 'Gajā' Genannte; Nāginī (Schlangen-Weibchen), und Sarpiṇī, und auch Śunī (Hündin), und Biḍālikī (Katze).

Wort für Wort
nimbā madhūkasaṃjñā
Nimbā, die 'Madhūkā' Genannte
aśvatthā gajāhvayā
Aśvatthā, die 'Gajā' Genannte
nāginī sarpiṇī
Nāginī, Sarpiṇī
śunī biḍālikī
Śunī, Biḍālikī

[Anm.: Übergang von Baum- zu Tier-Erscheinungsformen der Göttin (V147–149).]

chāgī mārjārikā mūṣī vṛṣabhā māhiṣī tathā / śārdūlī sairibhī vyāghrī hariṇī ca mṛgī śunī

Chāgī (Ziege), Mārjārikā (Katze), Mūṣī (Maus), Vṛṣabhā (Kuh/Stier), ebenso Māhiṣī (Büffelkuh); Śārdūlī (Tigerin), Sairibhī (Büffelweibchen), Vyāghrī (Tigerin), Hariṇī (Hirschkuh), und Mṛgī (Reh), Śunī (Hündin).

Wort für Wort
chāgī mārjārikā mūṣī
Chāgī, Mārjārikā, Mūṣī
vṛṣabhā māhiṣī
Vṛṣabhā, Māhiṣī
śārdūlī sairibhī vyāghrī
Śārdūlī, Sairibhī, Vyāghrī
hariṇī mṛgī śunī
Hariṇī, Mṛgī, Śunī

kapirūpā ca goghaṇṭā vānarī ca narāśvinī / nagā gaurhastinī ceti tathā ṣaṭcakravāsinī

die die Gestalt eines Affen hat, und Goghaṇṭā (Kuh mit Glocke), Vānarī (Äffin), und Narāśvinī (Mensch-Pferd); Nagā (Bergbewohnerin), Gauḥ (Kuh), und Hastinī (Elefantenkuh), ebenso so die in den sechs Cakras Wohnende.

Wort für Wort
kapirūpā goghaṇṭā
die Affen-Gestaltige, Goghaṇṭā
vānarī narāśvinī
Vānarī, Narāśvinī
nagā gauḥ hastinī
Nagā, Gauḥ, Hastinī
ṣaṭcakravāsinī
die in den sechs Cakras Wohnende

trikhaṇḍā tīrapālākhyā bhrāmaṇī draviṇī tathā / somā sūryā tithirvārā yogārkṣā karaṇātmikā

Trikhaṇḍā, die 'Tīrapālā' (Ufer-Hüterin) Genannte, Bhrāmaṇī (Umherschweifende), ebenso Draviṇī (Reichtum); Soma, Sūrya, Tithi (Mondtag), Vāra (Wochentag), Yoga, Ṛkṣa (Nakṣatra), von der Wesenheit des Karaṇa [die fünf Glieder des Pañcāṅga].

Wort für Wort
trikhaṇḍā tīrapālākhyā
Trikhaṇḍā, die 'Tīrapālā' Genannte
bhrāmaṇī draviṇī
Bhrāmaṇī, Draviṇī
somā sūryā tithiḥ vārā
Soma, Sūrya, Tithi, Vāra
yogārkṣā karaṇātmikā
Yoga, Ṛkṣa, von der Wesenheit des Karaṇa

yakṣiṇī tāraṇā vyomaśabdādyāprāṃṇinī ca dhīḥ / krodhinī staṃbhinī caṇḍoñcaṇḍā brāhmādirūpiṇī

Yakṣiṇī, Tāraṇā (Rettende), die die Gestalt von Äther, Schall usw. bis hin zum Lebenshauch hat; und Dhī (Verstand); Krodhinī (Zornige), Stambhinī (Lähmende), Caṇḍā, Ucchaṇḍā (Sehr Heftige), die die Gestalt von Brahmā u.a. hat.

Wort für Wort
yakṣiṇī tāraṇā
Yakṣiṇī, Tāraṇā
vyomaśabdādyāprāṇinī dhīḥ
die Äther-Schall-usw.-bis-Lebenshauch-Gestaltige, Dhī
krodhinī staṃbhinī
Krodhinī, Stambhinī
caṇḍā ucchaṇḍā brāhmādirūpiṇī
Caṇḍā, Ucchaṇḍā, die Brahmā-u.a.-Gestaltige

siṃhasthā vyāghragā caiva gajāśvagaruḍasthitā / bhaumāpyā taijasīvāyurūpīṇī nābhasā tathā

auf dem Löwen Sitzende, und auf dem Tiger Gehende, auf Elefant, Pferd und Garuḍa Befindliche; die die Gestalt von Erde, Wasser, Feuer, Luft, ebenso Äther hat.

Wort für Wort
siṃhasthā vyāghragā
auf dem Löwen Sitzende, auf dem Tiger Gehende
gajāśvagaruḍasthitā
auf Elefant, Pferd, Garuḍa Befindliche
bhaumāpyā taijasīvāyurūpiṇī
die Erde-Wasser-Feuer-Luft-Gestaltige
nābhasā
die Äther-[Gestaltige]

ekāvaktrā caturvaktrā navaktrā navavaktrā kalānanā / pañcaviṃśativaktrā ca ṣaḍviṃśadvadanā tathā

Einantlitzige, Vierantlitzige, [Neunantlitzige,] Neunantlitzige, von mannigfachem Antlitz; Fünfundzwanzig-Antlitzige, und ebenso Sechsundzwanzig-Antlitzige.

Wort für Wort
ekāvaktrā caturvaktrā
Einantlitzige, Vierantlitzige
navaktrā navavaktrā [Dittographie]
Neunantlitzige [zweifach genannt]
kalānanā
von mannigfachem Antlitz
pañcaviṃśativaktrā ṣaḍviṃśadvadanā
Fünfundzwanzig- und Sechsundzwanzig-Antlitzige

[Anm.: 'navaktrā navavaktrā' – die zweifache Nennung 'neunantlitzig' ist wohl eine Dittographie im Quelltext.]

ūnapañcāśadāsyā ca catuḥṣaṣṭi mukhā tathā / ekāśītimukhā caiva śatānanasamanvitā

Neunundvierzig-Mündige, und ebenso Vierundsechzig-Mündige; Einundachtzig-Mündige, und mit hundert Antlitzen Versehene.

Wort für Wort
ūnapañcāśadāsyā
Neunundvierzig-Mündige
catuḥṣaṣṭimukhā
Vierundsechzig-Mündige
ekāśītimukhā
Einundachtzig-Mündige
śatānanasamanvitā
mit hundert Antlitzen Versehene

sthūlarūpā sūkṣmarūpā tejovigrahadhāriṇī / vṛṇāvṛttisvarūpā ca nāthāvṛttisvarūpiṇī

von grober Gestalt, von subtiler Gestalt, einen Leib aus Glanz (tejas) tragend; die die Wesenheit der Wirkweise [?] hat, und die die Wesenheit der Wirkweise des Nātha hat.

Wort für Wort
sthūlarūpā sūkṣmarūpā
von grober, von subtiler Gestalt
tejovigrahadhāriṇī
einen Leib aus Glanz tragend
vṛṇāvṛttisvarūpā [?]
die die Wesenheit der Wirkweise [?] hat
nāthāvṛttisvarūpiṇī
die die Wesenheit der Wirkweise des Nātha hat

[Anm.: 'vṛṇāvṛtti' im Quelltext unklar, evtl. verderbt für 'guṇāvṛtti' o.ä. [?].]

tattvāvṛttisvarūpāpi nityāvṛttivapurddharā

auch die die Wesenheit der Wirkweise der Tattvas hat, die den Leib der Wirkweise der Nityā[-Riten] trägt.

Wort für Wort
tattvāvṛttisvarūpā api
auch die die Wesenheit der Wirkweise der Tattvas hat
nityāvṛttivapurdharā
die den Leib der Wirkweise der Nityā-Riten trägt

[Anm.: Dieser Vers besteht in der Quelle nur aus einer einzigen Verszeile (Halbvers); die zweite Pāda fehlt.]

aṅgāvṛttisvarūpā cāpyāyudhāvṛttirūpiṇī / gurupaṅktisvarūpā ca vidyāvṛttitanustathā

die die Wesenheit der Wirkweise der Glieder hat, und auch die die Gestalt der Wirkweise der Waffen hat; die die Wesenheit der Guru-Reihe hat, und ebenso einen Leib aus der Wirkweise der Vidyā.

Wort für Wort
aṅgāvṛttisvarūpā
die die Wesenheit der Wirkweise der Glieder hat
āyudhāvṛttirūpiṇī
die die Gestalt der Wirkweise der Waffen hat
gurupaṅktisvarūpā
die die Wesenheit der Guru-Reihe hat
vidyāvṛttitanustathā
und ebenso einen Leib aus der Wirkweise der Vidyā

brahmādyāvṛttirūpā ca parā paśyatikā tathā / madhyamā vaikharī śīrṣakaṇṭhatālvoṣṭhadantagā

die die Gestalt der mit Brahmā beginnenden Wirkweise hat, und Parā, ebenso Paśyantī; Madhyamā, Vaikharī [die vier Stufen der Rede], im Haupt, Hals, Gaumen, Lippen, Zähnen befindlich.

Wort für Wort
brahmādyāvṛttirūpā
die die Gestalt der mit Brahmā beginnenden Wirkweise hat
parā paśyantī
Parā, Paśyantī
madhyamā vaikharī
Madhyamā, Vaikharī
śīrṣakaṇṭhatālvoṣṭhadantagā
im Haupt, Hals, Gaumen, Lippen, Zähnen befindlich

[Anm.: Aufzählung der vier klassischen Sprachstufen Parā, Paśyantī, Madhyamā, Vaikharī.]

jihvāmūlagatā nāsāgatoraḥ sthalagāminī / padavākyasvarūpā ca vedabhāṣāsvarūpiṇī

an der Zungenwurzel Befindliche, zur Nase Gehende, zum Brustraum sich Bewegende; die die Gestalt von Wort (pada) und Satz (vākya) hat, die die Gestalt der Vedasprache hat.

Wort für Wort
jihvāmūlagatā
an der Zungenwurzel Befindliche
nāsāgatā uraḥsthalagāminī
zur Nase Gehende, zum Brustraum sich Bewegende
padavākyasvarūpā
die die Gestalt von Wort und Satz hat
vedabhāṣāsvarūpiṇī
die die Gestalt der Vedasprache hat

sekākhyā vīkṣaṇākhyā copadeśākhyā tathaiva ca / vyākulākṣarasaṃketā gāyatrī praṇavādikā

die 'Sekā' (Berührungs-Initiation) Genannte, die 'Vīkṣaṇā' (Blick-Initiation) Genannte, und ebenso die 'Upadeśā' (Unterweisungs-Initiation) Genannte; die verworrene Übereinkunft der Silben, Gāyatrī, mit dem Praṇava (Oṃ) beginnend.

Wort für Wort
sekākhyā vīkṣaṇākhyā
die 'Sekā' und die 'Vīkṣaṇā' Genannte
upadeśākhyā
die 'Upadeśā' Genannte
vyākulākṣarasaṃketā
die verworrene Übereinkunft der Silben
gāyatrī praṇavādikā
Gāyatrī, mit dem Praṇava beginnend

[Anm.: Aufzählung der drei Arten der Einweihung (dīkṣā) durch Berührung, Blick und Unterweisung.]

japahomārcanadhyānayantratarpaṇarūpiṇī / siddhasārasvatā mṛtyuñjayā ca tripurā tathā

die die Gestalt von Rezitation, Feueropfer, Verehrung, Meditation, [rituellem] Diagramm und Libation hat; die in der Beredsamkeit Vollendete, Mṛtyuñjayā (Todesbezwingerin), und ebenso Tripurā.

Wort für Wort
japahomārcanadhyānayantratarpaṇarūpiṇī
die die Gestalt von Rezitation, Feueropfer, Verehrung, Meditation, Diagramm und Libation hat
siddhasārasvatā
die in der Beredsamkeit Vollendete
mṛtyuñjayā tripurā
Mṛtyuñjayā, Tripurā

gāruḍā cānnapūrṇā cāpyaśvarūḍhā navātmikā / gaurī ca devī hṛdayā lakṣadā ca mataṅginī

Gāruḍā, und Annapūrṇā, und auch auf einem Pferd Reitende, von neunfachem Wesen; Gaurī, und Devī, Hṛdayā (Herz-Habende), und Lakṣadā (Hunderttausendfach-Geberin), und Mataṅginī.

Wort für Wort
gāruḍā annapūrṇā
Gāruḍā, Annapūrṇā
aśvarūḍhā navātmikā
auf einem Pferd Reitende, von neunfachem Wesen
gaurī devī hṛdayā
Gaurī, Devī, Hṛdayā
lakṣadā mataṅginī
Lakṣadā, Mataṅginī

niṣkatrayapadā ceṣṭā vādinī ca prakīrtitā / rājalakṣmīrmahālakṣmīḥ siddhalakṣmīrgavānanā

die den dreifachen Niṣka-Schritt [?] hat, die Begehrte, und Vādinī (Beredte) wird verkündet; Rājalakṣmī, Mahālakṣmī, Siddhalakṣmī, Gavānanā (Kuhgesichtige).

Wort für Wort
niṣkatrayapadā [?]
die den dreifachen Niṣka-Schritt hat [?]
iṣṭā vādinī
die Begehrte, Vādinī
rājalakṣmī mahālakṣmī
Rājalakṣmī, Mahālakṣmī
siddhalakṣmī gavānanā
Siddhalakṣmī, Gavānanā

[Anm.: 'niṣkatrayapadā' unsicher gedeutet [?].]

ityevaṃ lalitādevyā divyaṃ nāmasahasrakam / sarvārthasiddhidaṃ proktaṃ caturvargaphalapradam

So ist das göttliche Tausend-Namen der Göttin Lalitā verkündet worden, das die Erfüllung aller Ziele gewährt, das die Frucht der vier Lebensziele (caturvarga) schenkt.

Wort für Wort
ityevaṃ lalitādevyā
so der Göttin Lalitā
divyaṃ nāmasahasrakam
das göttliche Tausend-Namen
sarvārthasiddhidaṃ proktaṃ
das die Erfüllung aller Ziele gewährt, ist verkündet worden
caturvargaphalapradam
das die Frucht der vier Lebensziele schenkt

etannityamuṣaḥkāle yo japecchuddhamānasaḥ / sa yo gī brahmavijjñānī śivayogī tathātmavit

Wer dies täglich in der Morgendämmerung mit reinem Geist rezitiert — er [wird zum] Yogin, zum Brahman-Kenner, zum Wissenden, zum Śiva-Yogin, ebenso zum Selbst-Kenner.

Wort für Wort
etannityamuṣaḥkāle
wer dies täglich in der Morgendämmerung
yo japet śuddhamānasaḥ
wer mit reinem Geist rezitiert
sa yogī brahmavit jñānī
er [wird zum] Yogin, Brahman-Kenner, Wissenden
śivayogī tathātmavit
zum Śiva-Yogin, ebenso zum Selbst-Kenner

dvirāvṛttyā prajapato hyāyurārogyasaṃpadaḥ / lokānurañjanaṃ nārīnṛpāvarjanakarma ca

Für den, der es mit zweifacher Wiederholung rezitiert, [ergeben sich] Lebensdauer, Gesundheit, Wohlstand; die Erfreuung der Menschen und die Wirkung, Frauen und Könige für sich zu gewinnen.

Wort für Wort
dvirāvṛttyā prajapataḥ
für den, der es mit zweifacher Wiederholung rezitiert
āyurārogyasaṃpadaḥ
Lebensdauer, Gesundheit, Wohlstand
lokānurañjanaṃ
die Erfreuung der Menschen
nārīnṛpāvarjanakarma ca
und die Wirkung, Frauen und Könige zu gewinnen

[Anm.: Ab hier (V166–176) folgt eine Reihe von Angaben zur Wirkung wiederholter Rezitation, gestaffelt nach der Anzahl der Wiederholungen (zwei- bis sechzehnfach).]

apṛthaktvena siddhyanti sādhakasyāsya niścitam / trirāvṛttyāsya vai puṃso viśvaṃ bhūyādvaśe 'khilam

Untrennbar gelingen diese [Dinge] gewiss diesem Praktizierenden. Mit dreifacher Wiederholung möge diesem Menschen das ganze Weltall in Botmäßigkeit geraten.

Wort für Wort
apṛthaktvena siddhyanti
untrennbar gelingen [diese Dinge]
sādhakasyāsya niścitam
gewiss diesem Praktizierenden
trirāvṛttyāsya vai puṃsaḥ
mit dreifacher Wiederholung diesem Menschen, wahrlich
viśvaṃ bhūyād vaśe 'khilam
möge das ganze Weltall in Botmäßigkeit geraten

caturāvṛttitaścāsya samīhitamanāratam / phalatyeva prayogārhe lokarakṣākaro bhavet

Und durch vierfache Wiederholung trägt sein Wunsch beständig gewiss Frucht, für den zur [rituellen] Anwendung Berechtigten; er wird zum Beschützer der Welt.

Wort für Wort
caturāvṛttitaścāsya
und durch vierfache Wiederholung diesem
samīhitamanāratam
sein Wunsch beständig
phalatyeva prayogārhe
trägt gewiss Frucht, für den zur Anwendung Berechtigten
lokarakṣākaro bhavet
er wird zum Beschützer der Welt

pañcāvṛttyā narā nāryo nṛpā devāśca jantavaḥ / bhajantyenaṃ sādhakaṃ ca devyāmāhitacetasaḥ

Mit fünffacher Wiederholung verehren Männer, Frauen, Könige, Götter und Geschöpfe, deren Sinn auf die Göttin gerichtet ist, diesen Praktizierenden.

Wort für Wort
pañcāvṛttyā
mit fünffacher Wiederholung
narā nāryo nṛpā devāśca jantavaḥ
Männer, Frauen, Könige, Götter und Geschöpfe
bhajantyenaṃ sādhakaṃ ca
verehren diesen Praktizierenden
devyāmāhitacetasaḥ
deren Sinn auf die Göttin gerichtet ist

ṣaḍāvṛttyā tanmayaḥ syātsādhakaścāsya siddhayaḥ / acireṇaiva devīnāṃ prasādātsaṃbhavanti ca

Mit sechsfacher Wiederholung wird der Praktizierende mit ihr eins (tanmaya); und dessen Vollkommenheiten (siddhi) entstehen sehr bald durch die Gnade der Göttinnen.

Wort für Wort
ṣaḍāvṛttyā tanmayaḥ syāt sādhakaḥ
mit sechsfacher Wiederholung wird der Praktizierende mit ihr eins
cāsya siddhayaḥ
und dessen Vollkommenheiten
acireṇaiva devīnāṃ prasādāt saṃbhavanti
entstehen sehr bald durch die Gnade der Göttinnen

saptāvṛttyārirogādikṛtyāpasmāranāśanam / aṣṭāvṛttyā naro bhūpānnigrahānugrahakṣamaḥ

Mit siebenfacher Wiederholung [erfolgt] die Vernichtung von Feinden, Krankheit, Zauberschaden und Epilepsie; mit achtfacher Wiederholung wird der Mensch fähig, Könige zu bezwingen oder zu begünstigen.

Wort für Wort
saptāvṛttyā
mit siebenfacher Wiederholung
arirogādikṛtyāpasmāranāśanam
[erfolgt] die Vernichtung von Feind, Krankheit, Zauberschaden, Epilepsie
aṣṭāvṛttyā naro
mit achtfacher Wiederholung der Mensch
bhūpānnigrahānugrahakṣamaḥ
fähig, Könige zu bezwingen oder zu begünstigen

navāvṛttyā manmathābho vikṣobhayati bhūtalam / daśāvṛttyā paṭhennityaṃ vāglakṣmīkāntisiddhaye

Mit neunfacher Wiederholung erschüttert er, strahlend wie Manmatha, die Erde; mit zehnfacher Wiederholung soll man täglich rezitieren, zur Vollendung von Beredsamkeit, Wohlstand und Glanz.

Wort für Wort
navāvṛttyā manmathābho
mit neunfacher Wiederholung, strahlend wie Manmatha
vikṣobhayati bhūtalam
erschüttert er die Erde
daśāvṛttyā paṭhennityaṃ
mit zehnfacher Wiederholung soll man täglich rezitieren
vāglakṣmīkāntisiddhaye
zur Vollendung von Beredsamkeit, Wohlstand und Glanz

rudrāvṛttyākhilarddhiśca tadāyattaṃ jagadbhavet / arkāvṛttyā siddhibhiḥ syāddigbhirmartyo haropamaḥ

Mit elffacher (rudra=11) Wiederholung [entsteht] alles Gedeihen, und die Welt wird davon abhängig; mit zwölffacher (arka=12) Wiederholung wird der Sterbliche durch die Vollkommenheiten in [allen] Richtungen dem Hara (Śiva) gleich.

Wort für Wort
rudrāvṛttyā
mit elffacher Wiederholung
akhilarddhiśca tadāyattaṃ jagadbhavet
[entsteht] alles Gedeihen, und die Welt wird davon abhängig
arkāvṛttyā siddhibhiḥ
mit zwölffacher Wiederholung, durch die Vollkommenheiten
syāddigbhirmartyo haropamaḥ
wird der Sterbliche in allen Richtungen dem Hara gleich

[Anm.: Die folgenden Verse (V173–175) verwenden Zahlwörter in mythologischer Umschreibung: rudra=11, arka=12, viśva(deva)=13, śakra (Indras der 14 Manvantaras)=14, tithi=15.]

viśvāvṛttyā tu vijayī sarvataḥ syātsukhī naraḥ / śakrāvṛttyākhileṣṭāptiḥ sarvato maṅgalaṃ bhavet

Mit dreizehnfacher (viśva=13) Wiederholung aber wird der Mensch von allen Seiten siegreich und glücklich; mit vierzehnfacher (śakra=14) Wiederholung [erfolgt] die Erlangung aller Wünsche, und Segen entsteht von allen Seiten.

Wort für Wort
viśvāvṛttyā tu
mit dreizehnfacher Wiederholung aber
vijayī sarvataḥ syātsukhī naraḥ
wird der Mensch von allen Seiten siegreich und glücklich
śakrāvṛttyā
mit vierzehnfacher Wiederholung
akhileṣṭāptiḥ sarvato maṅgalaṃ bhavet
[erfolgt] die Erlangung aller Wünsche, Segen von allen Seiten

tithyāvṛttyākhilāniṣṭānayantādāpnuyānnaraḥ / ṣoḍaśāvṛttito bhūyānnaraḥ sākṣānmaheśvaraḥ

Mit fünfzehnfacher (tithi=15) Wiederholung entgeht der Mensch alsbald allem Unheil; durch sechzehnfache Wiederholung wird der Mensch geradezu der leibhaftige Maheśvara.

Wort für Wort
tithyāvṛttyā
mit fünfzehnfacher Wiederholung
akhilāniṣṭānayantādāpnuyānnaraḥ
entgeht der Mensch alsbald allem Unheil
ṣoḍaśāvṛttito bhūyāt
durch sechzehnfache Wiederholung werde
naraḥ sākṣānmaheśvaraḥ
der Mensch der leibhaftige Maheśvara

viśvaṃ sraṣṭuṃ pālayituṃ saṃhatu ca kṣamo bhavet / maṇḍalaṃ māsamātraṃ vā yo japedyadyadāśayaḥ

er wird fähig, das Weltall zu erschaffen, zu erhalten und zu vernichten. Wer für [die Dauer eines] Maṇḍala [-Zeitraums] oder auch nur einen Monat rezitiert, was auch immer seine Absicht sei —

Wort für Wort
viśvaṃ sraṣṭuṃ pālayituṃ saṃhatu ca
das Weltall zu erschaffen, zu erhalten und zu vernichten
kṣamo bhavet
wird er fähig
maṇḍalaṃ māsamātraṃ vā yo japet
wer für einen Maṇḍala-Zeitraum oder auch nur einen Monat rezitiert
yadyadāśayaḥ
was auch immer seine Absicht sei

tattadevāpnuyātsatyaṃ śivasya vacanaṃ yathā / ityetatkathitaṃ vipra nityāvṛttyarcanāśritam

erlangt eben dies, wahrlich, so wie es das Wort Śivas ist. So ist dies, o Brahmane, verkündet worden, gestützt auf die Verehrung durch die Wiederholung der Nityā[-Namen].

Wort für Wort
tattadevāpnuyātsatyaṃ
erlangt eben dies, wahrlich
śivasya vacanaṃ yathā
so wie es das Wort Śivas ist
ityetatkathitaṃ vipra
so ist dies verkündet worden, o Brahmane
nityāvṛttyarcanāśritam
gestützt auf die Verehrung durch die Wiederholung der Nityā-Namen

nāmnāṃ sahasraṃ manaso 'bhīṣṭasaṃpādanakṣamam

das Tausend der Namen, fähig, den Herzenswunsch zu erfüllen.

Wort für Wort
nāmnāṃ sahasraṃ
das Tausend der Namen
manaso 'bhīṣṭasaṃpādanakṣamam
fähig, den Herzenswunsch zu erfüllen

[Anm.: Dieser Vers besteht in der Quelle nur aus einer einzigen Verszeile (Halbvers); die zweite Pāda fehlt — die Quelldatei endet hier.]

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