Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 116: devyādyaṣṭamīvratāni Die Aṣṭamī-Gelübde der Göttin und anderer Gottheiten (in den zwölf Monaten)

sanātana uvāca / śuklāṣṭamyāṃ caitramāse bhavānyāḥ procyate janiḥ / pradakṣiṇaśataṃ kṛtvā kāryo yātrāmahotsavaḥ

Sanātana sprach: An der hellen Aṣṭamī im Monat Caitra wird die Geburt der Bhavānī (Pārvatī) verkündet; nachdem man hundert Umschreitungen vollzogen hat, soll ein Prozessions-Fest veranstaltet werden.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śuklāṣṭamyāṃ caitramāse
an der hellen Aṣṭamī im Monat Caitra
bhavānyāḥ procyate janiḥ
wird die Geburt der Bhavānī verkündet
pradakṣiṇaśataṃ kṛtvā
nachdem man hundert Umschreitungen vollzogen hat
kāryo yātrāmahotsavaḥ
soll ein Prozessions-Fest veranstaltet werden

darśanaṃ jagadambāyāḥ sarvānandapradaṃ nṛṇām / atraivāśo kakalikāprāśanaṃ samudāhṛtam

Der Anblick der Weltenmutter gewährt den Menschen alle Freude; ebendort wird auch das Essen von Aśoka-Knospen gelehrt.

Wort für Wort
darśanaṃ jagadambāyāḥ
der Anblick der Weltenmutter
sarvānandapradaṃ nṛṇām
gewährt den Menschen alle Freude
atra eva aśokakalikā-
ebendort auch der Aśoka-Knospen-
prāśanaṃ samudāhṛtam
-Verzehr wird gelehrt

[Anm.: 'āśo kakalikā' im Quelltext getrennt geschrieben, wohl für 'aśokakalikā'.]

aśokakalikāścāṣṭau ye pibanti punarvasau / caitre māsi sitāṣṭamyāṃ na te śokamavāpnuyuḥ

Wer acht Aśoka-Knospen isst, wenn der Mond im Nakṣatra Punarvasu steht, im Monat Caitra an der hellen Aṣṭamī, der erlangt kein Leid.

Wort für Wort
aśokakalikāḥ ca aṣṭau
und acht Aśoka-Knospen
ye pibanti punarvasau
die essen [wörtl. trinken], wenn [der Mond] in Punarvasu steht
caitre māsi sitāṣṭamyām
im Monat Caitra an der hellen Aṣṭamī
na te śokam avāpnuyuḥ
die erlangen kein Leid

mahāṣṭamīti ca proktā devyāḥ pūjāvidhānataḥ / vaiśākhasya sitāṣṭamyāṃ samupoṣyātra vāriṇā

Und sie wird 'Mahāṣṭamī' genannt wegen der Vorschrift der Verehrung der Göttin. An der hellen Aṣṭamī des Vaiśākha faste man hier mit Wasser [allein],

Wort für Wort
mahāṣṭamī iti ca proktā
und sie wird 'Mahāṣṭamī' genannt
devyāḥ pūjāvidhānataḥ
wegen der Vorschrift der Verehrung der Göttin
vaiśākhasya sitāṣṭamyām
an der hellen Aṣṭamī des Vaiśākha
samupoṣya atra vāriṇā
faste man hier mit Wasser

snātvāparājitāṃ devīṃ māṃsībālakavāribhiḥ / snāpayitvārcya gandhādyairnaivedyaṃ śarkarāmayam

nachdem man gebadet hat, bade man die Göttin Aparājitā mit Māṃsī- und Bālaka-Wasser (Kräuterwasser), verehre sie mit Duftstoffen und dergleichen, mit einem aus Zucker bereiteten Speiseopfer.

Wort für Wort
snātvā aparājitāṃ devīm
nachdem man gebadet hat, die Göttin Aparājitā
māṃsībālakavāribhiḥ snāpayitvā
mit Māṃsī- und Bālaka-Wasser gebadet
arcya gandhādyaiḥ
verehrt mit Duftstoffen und dergleichen
naivedyaṃ śarkarāmayam
mit einem aus Zucker bereiteten Speiseopfer

kumārīrbhojayeccāpi navamyāṃ pāraṇāgrataḥ / jyotirmayavimānena bhrājamāno yathā raviḥ

und speise auch junge Mädchen (Kumārīs), am Navamī-Tag, vor dem Fastenbrechen; [der Gelübdehalter fährt dann] in einem lichtvollen Himmelswagen, strahlend wie die Sonne,

Wort für Wort
kumārīḥ bhojayet ca api
und speise auch junge Mädchen
navamyāṃ pāraṇāgrataḥ
am Navamī-Tag, vor dem Fastenbrechen
jyotirmayavimānena
mit einem lichtvollen Himmelswagen
bhrājamānaḥ yathā raviḥ
strahlend wie die Sonne

lokeṣu vicaredvipra devyāścaiva prasādataḥ / kṛṣṇāṣṭamyāṃ jyeṣṭhamāse pūjayitvā trilocanam

wandere er durch die Welten, o Brahmane, durch die Gnade der Göttin. An der dunklen Aṣṭamī im Monat Jyeṣṭha, nachdem man den Dreiäugigen (Śiva) verehrt hat,

Wort für Wort
lokeṣu vicaret vipra
wandere er durch die Welten, o Brahmane
devyāḥ ca eva prasādataḥ
durch die Gnade der Göttin
kṛṣṇāṣṭamyāṃ jyeṣṭhamāse
an der dunklen Aṣṭamī im Monat Jyeṣṭha
pūjayitvā trilocanam
nachdem man den Dreiäugigen verehrt hat

śivaloke vasetkalpaṃ sarvadevanamaskṛtaḥ / jyeṣṭhaśukle tathāṣṭamyāṃ yo devīṃ pūjayennaraḥ

weile man einen Kalpa lang in der Welt Śivas, von allen Göttern verehrt. Wer an der hellen Aṣṭamī des Jyeṣṭha die Göttin verehrt,

Wort für Wort
śivaloke vaset kalpam
weile man einen Kalpa lang in der Welt Śivas
sarvadevanamaskṛtaḥ
von allen Göttern verehrt
jyeṣṭhaśukle tathā aṣṭamyām
an der hellen Aṣṭamī des Jyeṣṭha
yo devīṃ pūjayet naraḥ
wer als Mensch die Göttin verehrt

sa vimānena carati gandharvāpsarasāṃ gaṇaiḥ / śuklāṣṭamyāṃ tathā'ṣāḍhe snātvā caiva niśāṃbunā

der fährt in einem Himmelswagen mit Scharen von Gandharven und Apsaras. An der hellen Aṣṭamī auch des Āṣāḍha, nachdem man mit Nachtwasser [Tauwasser] gebadet hat,

Wort für Wort
sa vimānena carati
der fährt in einem Himmelswagen
gandharvāpsarasāṃ gaṇaiḥ
mit Scharen von Gandharven und Apsaras
śuklāṣṭamyāṃ tathā āṣāḍhe
an der hellen Aṣṭamī auch des Āṣāḍha
snātvā ca eva niśāṃbunā
nachdem man mit Nachtwasser gebadet hat

[Anm.: 'niśāṃbu' wörtl. 'Nachtwasser', evtl. nächtlich gesammeltes Tauwasser [?].]

tenaiva snāpayeddevīṃ pūjayecca vidhānataḥ / tataḥ śuddhajalaiḥ snāpya viliṃpetseṃducandanaiḥ

bade man mit ebendiesem Wasser die Göttin und verehre sie vorschriftsmäßig; danach bade man sie mit reinem Wasser und bestreiche sie mit Kampfer und Sandelpaste.

Wort für Wort
tena eva snāpayet devīm
mit ebendiesem [Wasser] bade man die Göttin
pūjayet ca vidhānataḥ
und verehre sie vorschriftsmäßig
tataḥ śuddhajalaiḥ snāpya
danach mit reinem Wasser gebadet
viliṃpet seṃducandanaiḥ
bestreiche man mit Kampfer und Sandelpaste

naivedyaṃ śarkaropetaṃ datvā'camanamarpayet / bhojayitvā tato viprāndatvā svarṇaṃ ca dakṣiṇām

Nachdem man ein mit Zucker versehenes Speiseopfer gegeben hat, biete man Mundwasser dar; danach speise man Brahmanen, gebe Gold und eine Gabe (Dakṣiṇā),

Wort für Wort
naivedyaṃ śarkaropetam
ein mit Zucker versehenes Speiseopfer
datvā ācamanam arpayet
nachdem man es gegeben hat, biete man Mundwasser dar
bhojayitvā tato viprān
danach, nachdem man die Brahmanen gespeist hat
datvā svarṇaṃ ca dakṣiṇām
gebe man Gold und eine Gabe

visṛjya ca tataḥ paścātsvayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ / etadvrataṃ naraḥ kṛtvā devīlokamavāpnuyāt

und danach, nach der Entlassung, esse man selbst schweigend. Wer dieses Gelübde vollzieht, erlangt die Welt der Göttin.

Wort für Wort
visṛjya ca tataḥ paścāt
und danach, nach der Entlassung
svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ
esse man selbst schweigend
etad vrataṃ naraḥ kṛtvā
wer als Mensch dieses Gelübde vollzieht
devīlokam avāpnuyāt
erlangt die Welt der Göttin

nabhaḥśukletathāṣṭamyāṃ devīmiṣṭvā vidhānataḥ / kṣīreṇa snāpayitvā ca miṣṭānnaṃ vinivedayet

An der hellen (Aṣṭamī) auch des Nabhas (Śrāvaṇa), nachdem man die Göttin vorschriftsmäßig verehrt hat, bade man sie mit Milch und biete ihr süße Speise dar.

Wort für Wort
nabhaḥśukle tathā aṣṭamyām
an der hellen Aṣṭamī auch des Nabhas
devīm iṣṭvā vidhānataḥ
nachdem man die Göttin vorschriftsmäßig verehrt hat
kṣīreṇa snāpayitvā ca
und mit Milch gebadet
miṣṭānnaṃ vinivedayet
biete man süße Speise dar

tato dvijān bhojayitvā pare 'hni svayamapyuta / bhuktvā samāpayedadvrataṃ saṃtativardhanam

Danach, nachdem man die Brahmanen gespeist hat, esse man am folgenden Tag auch selbst und vollende so das Gelübde, das die Nachkommenschaft mehrt.

Wort für Wort
tato dvijān bhojayitvā
danach, nachdem man die Brahmanen gespeist hat
pare 'hni svayam api uta
auch am folgenden Tag selbst
bhuktvā samāpayet vratam
esse man und vollende das Gelübde
saṃtativardhanam
das die Nachkommenschaft mehrt

[Anm.: 'samāpayedadvrataṃ' im Quelltext, wohl für 'samāpayed vrataṃ'.]

nabhomāse sitāṣṭamyāṃ daśāphalamiti vratam / / upavāsaṃ tu saṃkalpya snātvā kṛtvā ca naityikam

Im Monat Nabhas an der hellen Aṣṭamī gibt es das Gelübde, genannt 'Daśāphala'; nachdem man das Fasten gelobt, gebadet und die täglichen Riten vollzogen hat,

Wort für Wort
nabhomāse sitāṣṭamyām
im Monat Nabhas an der hellen Aṣṭamī
daśāphalam iti vratam
gibt es das Gelübde namens 'Daśāphala'
upavāsaṃ tu saṃkalpya
nachdem man das Fasten gelobt hat
snātvā kṛtvā ca naityikam
gebadet und die täglichen Riten vollzogen

tulasyāḥ kṛṣṇāvarṇāyā dalairdaśabhirarcayet / kṛṣṇaṃ viṣṇuṃ tathānantaṃ govindaṃ garuḍadhvajam

verehre man mit zehn Blättern der dunkelfarbigen Tulasī: Kṛṣṇa, Viṣṇu, ebenso Ananta, Govinda, den mit dem Garuḍa-Banner (Viṣṇu),

Wort für Wort
tulasyāḥ kṛṣṇāvarṇāyāḥ
der dunkelfarbigen Tulasī
dalaiḥ daśabhiḥ arcayet
mit zehn Blättern verehre man
kṛṣṇaṃ viṣṇuṃ tathā anantam
Kṛṣṇa, Viṣṇu, ebenso Ananta
govindaṃ garuḍadhvajam
Govinda, den mit dem Garuḍa-Banner

dāmodaraṃ hṛṣīkeśaṃ padmanābhaṃ hariṃ prabhum / etaiśca nāmabhirnityaṃ kṛṣṇadevaṃ samarcayet

Dāmodara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha, Hari, den Herrn; mit diesen Namen verehre man beständig den Gott Kṛṣṇa.

Wort für Wort
dāmodaraṃ hṛṣīkeśam
Dāmodara, Hṛṣīkeśa
padmanābhaṃ hariṃ prabhum
Padmanābha, Hari, den Herrn
etaiḥ ca nāmabhiḥ nityam
mit diesen Namen beständig
kṛṣṇadevaṃ samarcayet
verehre man den Gott Kṛṣṇa

namaskāraṃ tataḥ kuryātpradakṣiṇasamanvitam / evaṃ daśadinaṃ kuryādvratānāmuttamaṃ vratam

Danach vollziehe man die Verneigung samt Umschreitung; so vollziehe man zehn Tage lang dieses beste der Gelübde unter den Gelübden.

Wort für Wort
namaskāraṃ tataḥ kuryāt
danach vollziehe man die Verneigung
pradakṣiṇasamanvitam
samt Umschreitung
evaṃ daśadinaṃ kuryāt
so vollziehe man zehn Tage lang
vratānām uttamaṃ vratam
dieses beste der Gelübde unter den Gelübden

ādau madhye tathā cānte homaṃ kuryādvidhānataḥ / kṛṣṇamantreṇa juhuyāccaruṇāṣṭottaraṃ śatam

Am Anfang, in der Mitte und ebenso am Ende vollziehe man vorschriftsmäßig ein Feueropfer; mit dem Kṛṣṇa-Mantra opfere man hundertacht Opferungen mit Opferbrei (Caru).

Wort für Wort
ādau madhye tathā ca ante
am Anfang, in der Mitte und ebenso am Ende
homaṃ kuryāt vidhānataḥ
vollziehe man vorschriftsmäßig ein Feueropfer
kṛṣṇamantreṇa juhuyāt
mit dem Kṛṣṇa-Mantra opfere man
caruṇā aṣṭottaraṃ śatam
hundertacht Mal mit Opferbrei

homānte vidhinā samyagācāryyaṃ pūjayetsudhīḥ / sauvarṇe tāmrapātre vā mṛnmaye veṇupātrake

Am Ende des Feueropfers verehre der Kluge vorschriftsmäßig und recht den Lehrmeister (Ācārya), mit einer Gabe in einem goldenen, kupfernen, irdenen oder Bambus-Gefäß.

Wort für Wort
homānte vidhinā samyak
am Ende des Feueropfers vorschriftsmäßig und recht
ācāryaṃ pūjayet sudhīḥ
verehre der Kluge den Lehrmeister
sauvarṇe tāmrapātre vā
in einem goldenen oder kupfernen Gefäß
mṛnmaye veṇupātrake
in einem irdenen oder Bambus-Gefäß

tulasīdalaṃ suvarṇena kārayitvā sulakṣaṇam / haimīṃ ca pratimāṃ kṛtvā pūjayitvā vidhānataḥ

Nachdem man ein Tulasī-Blatt aus Gold mit guten Merkmalen hat anfertigen lassen und ein goldenes Abbild gemacht und es vorschriftsmäßig verehrt hat,

Wort für Wort
tulasīdalaṃ suvarṇena
ein Tulasī-Blatt aus Gold
kārayitvā sulakṣaṇam
mit guten Merkmalen anfertigen lassend
haimīṃ ca pratimāṃ kṛtvā
und ein goldenes Abbild gemacht habend
pūjayitvā vidhānataḥ
und es vorschriftsmäßig verehrt habend

nidhāya pratimāṃ pātre hyācāryāya nivedayet / dātavyā gauḥ savatsā ca vastrālaṅkārabhūṣitā

lege man das Abbild in ein Gefäß und übergebe es dem Ācārya; eine Kuh mit Kalb, mit Gewand und Schmuck geschmückt, soll gegeben werden.

Wort für Wort
nidhāya pratimāṃ pātre
nachdem man das Abbild in ein Gefäß gelegt hat
hi ācāryāya nivedayet
übergebe man es dem Ācārya
dātavyā gauḥ savatsā ca
eine Kuh mit Kalb soll gegeben werden
vastrālaṅkārabhūṣitā
mit Gewand und Schmuck geschmückt

daśāhaṃ kṛṣṇadevāya pūrikā daśa cārpayet / tāśca dadyādvidhijñāya svayaṃ vā bhakṣayedvratī

Zehn Tage lang gebe man dem Gott Kṛṣṇa je zehn Pūrikās (Gebäckstücke) dar; und diese gebe man dem Ritualkundigen, oder der Gelübdehalter verzehre sie selbst.

Wort für Wort
daśāhaṃ kṛṣṇadevāya
zehn Tage lang dem Gott Kṛṣṇa
pūrikā daśa ca arpayet
gebe man je zehn Pūrikās dar
tāḥ ca dadyāt vidhijñāya
und diese gebe man dem Ritualkundigen
svayaṃ vā bhakṣayet vratī
oder der Gelübdehalter verzehre sie selbst

śayanaṃ ca pradātavyaṃ yathāśakti dvijottama / daśame 'hni tato mūrtiṃ sadravyāṃ guraver'payet

Ein Lager soll je nach Vermögen gegeben werden, o bester Zweifachgeborener; am zehnten Tag übergebe man dann das Abbild samt Zubehör dem Lehrer (Guru).

Wort für Wort
śayanaṃ ca pradātavyam
ein Lager soll gegeben werden
yathāśakti dvijottama
je nach Vermögen, o bester Zweifachgeborener
daśame 'hni tato mūrtim
am zehnten Tag dann das Abbild
sadravyāṃ gurave arpayet
samt Zubehör übergebe man dem Lehrer

vratānte daśaviprebhyaḥ pratyekaṃ daśa pūrikāḥ / dadyādeva daśābdaṃ tu kṛtvā vratamanuttamam

Am Ende des Gelübdes gebe man zehn Brahmanen je zehn Pūrikās; zehn Jahre lang vollziehe man dieses unübertreffliche Gelübde.

Wort für Wort
vratānte daśaviprebhyaḥ
am Ende des Gelübdes zehn Brahmanen
pratyekaṃ daśa pūrikāḥ
je zehn Pūrikās
dadyāt eva daśābdaṃ tu
gebe man wahrlich zehn Jahre lang
kṛtvā vratam anuttamam
vollziehe man dieses unübertreffliche Gelübde

upoṣya vidhinā bhūyātsarvakāmasamanvitaḥ / ante kṛṣṇasya sāyujyaṃ labhate nātra saṃśayaḥ

Nachdem man vorschriftsmäßig gefastet hat, werde man mit allen Wünschen erfüllt; am Ende erlangt man die Vereinigung mit Kṛṣṇa - daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
upoṣya vidhinā bhūyāt
nachdem man vorschriftsmäßig gefastet hat, werde man
sarvakāmasamanvitaḥ
mit allen Wünschen erfüllt
ante kṛṣṇasya sāyujyam
am Ende die Vereinigung mit Kṛṣṇa
labhate na atra saṃśayaḥ
erlangt man - daran ist kein Zweifel

[Anm.: Quelltext 'sarvakā masamanvitaḥ' fehlerhaft getrennt, hier als 'sarvakāmasamanvitaḥ' gelesen.]

kṛṣṇajanmāṣṭamī ceyaṃ smṛtā pāpaharā nṛṇām / kevalenopavāsena tasmiñjanmadine hareḥ

Dies ist die Kṛṣṇajanmāṣṭamī, sie gilt als die Sünde der Menschen hinwegnehmend; allein durch das Fasten an diesem Geburtstag Haris

Wort für Wort
kṛṣṇajanmāṣṭamī ca iyam
und dies ist die Kṛṣṇajanmāṣṭamī
smṛtā pāpaharā nṛṇām
sie gilt als die Sünde der Menschen hinwegnehmend
kevalena upavāsena
allein durch das Fasten
tasmin janmadine hareḥ
an diesem Geburtstag Haris

saptajanmakṛtātpāpānmucyate nātra saṃśayaḥ / upavāsī tilaiḥ snāto nadyādau vimale jale

wird man von den in sieben Geburten begangenen Sünden befreit - daran ist kein Zweifel. Der Fastende bade mit Sesam im reinen Wasser eines Flusses oder dergleichen,

Wort für Wort
saptajanmakṛtāt pāpāt
von den in sieben Geburten begangenen Sünden
mucyate na atra saṃśayaḥ
wird man befreit - daran ist kein Zweifel
upavāsī tilaiḥ snātaḥ
der Fastende bade mit Sesam
nadyādau vimale jale
im reinen Wasser eines Flusses oder dergleichen

sudeśe maṇḍape kḷpte maṇḍalaṃ racayetsudhīḥ / tanmadhye kalaśaṃ sthāpya tāmrajaṃ vāpi mṛnmayam

und der Kluge errichte an einem geeigneten Ort in einer aufgestellten Pavillon-Halle ein Ritualdiagramm (Maṇḍala); in dessen Mitte stelle er einen Wasserkrug auf, aus Kupfer oder auch aus Ton,

Wort für Wort
sudeśe maṇḍape kḷpte
an einem geeigneten Ort, in einer errichteten Pavillon-Halle
maṇḍalaṃ racayet sudhīḥ
errichte der Kluge ein Ritualdiagramm
tanmadhye kalaśaṃ sthāpya
in dessen Mitte einen Krug aufstellend
tāmrajaṃ vā api mṛnmayam
aus Kupfer oder auch aus Ton

tasyopari nyasetpātraṃ tāmraṃ tasyopari sthitām / haimīṃ vastrayugācchannāṃ kṛṣṇasya pratimāṃ śubham

darauf setze er ein kupfernes Gefäß, und darauf, darin aufgestellt, das mit einem Kleiderpaar bedeckte, glückverheißende goldene Abbild Kṛṣṇas.

Wort für Wort
tasya upari nyaset pātram
darauf setze er ein Gefäß
tāmraṃ tasya upari sthitām
ein kupfernes, darauf aufgestellt
haimīṃ vastrayugācchannām
das goldene, mit einem Kleiderpaar bedeckte
kṛṣṇasya pratimāṃ śubham
glückverheißende Abbild Kṛṣṇas

pādyādyairupacāraistu pūjayetsnigdhamānasaḥ / devakīṃ vasudevaṃ ca yaśodāṃ nandameva ca

Mit Fußwasser und den übrigen Ehrengaben verehre er mit liebevollem Sinn; Devakī, Vasudeva und Yaśodā sowie Nanda,

Wort für Wort
pādyādyaiḥ upacāraiḥ tu
mit Fußwasser und den übrigen Ehrengaben
pūjayet snigdhamānasaḥ
verehre er mit liebevollem Sinn
devakīṃ vasudevaṃ ca
Devakī und Vasudeva
yaśodāṃ nandam eva ca
Yaśodā und ebenso Nanda

vrajaṃ gopāṃstathā gopīrgāśca dikṣu samarcayet / tata ārārtikaṃ kṛtvā kṣamāpyānamya bhaktitaḥ

Vraja, die Kuhhirten sowie die Kuhhirtinnen und die Kühe verehre er in den Himmelsrichtungen; danach vollziehe er den Lichtreigen (Ārati), bitte um Verzeihung und verneige sich mit Hingabe;

Wort für Wort
vrajaṃ gopān tathā gopīḥ
Vraja, die Kuhhirten sowie die Kuhhirtinnen
gāḥ ca dikṣu samarcayet
und die Kühe verehre er in den Himmelsrichtungen
tataḥ ārārtikaṃ kṛtvā
danach den Lichtreigen vollzogen habend
kṣamāpya ānamya bhaktitaḥ
um Verzeihung gebeten und sich mit Hingabe verneigt habend

tiṣṭhettathaivārddharātre punaḥ saṃsnāpayeddharim / pañcāmṛtaiḥ śuddhajalairgandhādyaiḥ pūjayetpunaḥ

so verharre er, bis zur Mitternacht, und bade dann Hari erneut; mit den fünf Nektarsubstanzen (Pañcāmṛta), mit reinem Wasser, mit Duftstoffen und dergleichen verehre er erneut,

Wort für Wort
tiṣṭhet tathā eva ardharātre
so verharre er bis zur Mitternacht
punaḥ saṃsnāpayet harim
und bade dann Hari erneut
pañcāmṛtaiḥ śuddhajalaiḥ
mit den fünf Nektarsubstanzen, mit reinem Wasser
gandhādyaiḥ pūjayet punaḥ
mit Duftstoffen und dergleichen verehre er erneut

dhānyākaṃ ca yavānīṃ ca śuṇṭhīṃ khaṇḍaṃ ca nārada / sājyaṃ raupye dhṛtaṃ pātre naivedyaṃ vinivedayet

Koriander, Ajowan, Ingwer und Zuckerkandis, o Nārada, mit Ghee, in einem silbernen Gefäß aufbewahrt, biete er als Speiseopfer dar.

Wort für Wort
dhānyākaṃ ca yavānīṃ ca
Koriander und Ajowan
śuṇṭhīṃ khaṇḍaṃ ca nārada
Ingwer und Zuckerkandis, o Nārada
sa-ājyaṃ raupye dhṛtaṃ pātre
mit Ghee, in einem silbernen Gefäß aufbewahrt
naivedyaṃ vinivedayet
biete er als Speiseopfer dar

punarārārtikaṃ kṛtvā daśadhā rūpadhāriṇam / vicintayanmṛgāṅkāya dadyādarghyaṃ samudyate

nachdem er erneut den Lichtreigen vollzogen hat, gebe er, den in zehn Gestalten Erscheinenden bedenkend, dem aufgehenden Mond (Mṛgāṅka) ein Ehrengeschenk (Arghya).

Wort für Wort
punaḥ ārārtikaṃ kṛtvā
nachdem er erneut den Lichtreigen vollzogen hat
daśadhā rūpadhāriṇam vicintayan
den in zehn Gestalten Erscheinenden bedenkend [?]
mṛgāṅkāya dadyāt arghyam
gebe er dem Mond ein Ehrengeschenk
samudyate
dem aufgehenden

[Anm.: 'daśadhā rūpadhāriṇam' unsicher bezogen, vermutlich auf Kṛṣṇa/Viṣṇu in seinen Erscheinungsformen [?].]

tataḥ kṣamāpya deveśaṃ rātrikhaṇḍaṃ nayedvratī / paurāṇikaiḥ stotrapāṭhairgītavādyairanekadhā

Danach, nachdem er den Göttergebieter um Verzeihung gebeten hat, verbringe der Gelübdehalter den Rest der Nacht mit dem Rezitieren purāṇischer Lobpreisungen, mit Gesang und Musik auf vielfältige Weise.

Wort für Wort
tataḥ kṣamāpya deveśam
danach, nachdem er den Göttergebieter um Verzeihung gebeten hat
rātrikhaṇḍaṃ nayet vratī
verbringe der Gelübdehalter den Rest der Nacht
paurāṇikaiḥ stotrapāṭhaiḥ
mit dem Rezitieren purāṇischer Lobpreisungen
gītavādyaiḥ anekadhā
mit Gesang und Musik auf vielfältige Weise

tataḥ prabhāte vipragryānbhojayenmadhurānnakaiḥ / datvā ca dakṣiṇāṃ tebhyo visṛjettuṣṭamānasaḥ

Dann am Morgen speise er die besten Brahmanen mit Süßspeisen; und nachdem er ihnen eine Gabe gegeben hat, entlasse er sie mit zufriedenem Sinn.

Wort für Wort
tataḥ prabhāte vipragryān
dann am Morgen die besten Brahmanen
bhojayet madhurānnakaiḥ
speise er mit Süßspeisen
datvā ca dakṣiṇāṃ tebhyaḥ
nachdem er ihnen eine Gabe gegeben hat
visṛjet tuṣṭamānasaḥ
entlasse er sie mit zufriedenem Sinn

tatastāṃ pratimāṃ viṣṇoḥ svarṇadhenudharānvitām / gurave dakṣiṇāṃ datvā visṛjyāśrīta ca svayam

Danach übergebe er jenes Abbild Viṣṇus, versehen mit einer goldenen Kuh (als Zugabe), dem Lehrer samt einer Gabe, und esse dann nach der Entlassung selbst.

Wort für Wort
tataḥ tāṃ pratimāṃ viṣṇoḥ
danach jenes Abbild Viṣṇus
svarṇadhenudharānvitām
versehen mit einer goldenen Kuh
gurave dakṣiṇāṃ datvā
dem Lehrer samt einer Gabe übergeben
visṛjya aśnīta ca svayam
nach der Entlassung esse er selbst

[Anm.: 'āśrīta' im Quelltext, wohl Druckfehler für 'aśnīta'.]

dārāpatyasuhṛdbhṛtyarevaṃ kṛtvā vrata naraḥ / sākṣādgokamāpnoti vimānavaramāsthitaḥ

Wer als Mensch so das Gelübde zusammen mit Frau, Kindern, Freunden und Dienern vollzieht, erlangt unmittelbar die Welt Goloka [?], auf einem vorzüglichen Himmelswagen thronend.

Wort für Wort
dārāpatyasuhṛdbhṛtyaiḥ
mit Frau, Kindern, Freunden und Dienern
evaṃ kṛtvā vrataṃ naraḥ
wer als Mensch so das Gelübde vollzieht
sākṣāt gokam āpnoti
erlangt unmittelbar die Welt Goloka [?]
vimānavaram āsthitaḥ
auf einem vorzüglichen Himmelswagen thronend

[Anm.: 'gokam' im Quelltext unsicher, evtl. Verschreibung für 'golokam' (die Welt Kṛṣṇas) [?].]

naitena sadṛśaṃ cānyadvratamasti jagattraye / kṛtena yena labhyeta koṭyaikādaśakaṃ phalam

Kein anderes Gelübde, das diesem gleich wäre, gibt es in den drei Welten, durch dessen Vollzug man elf Millionen[fache] Frucht erlangen würde.

Wort für Wort
na etena sadṛśaṃ ca anyat
kein anderes, das diesem gleich wäre
vrataṃ asti jagattraye
Gelübde gibt es in den drei Welten
kṛtena yena labhyeta
durch dessen Vollzug man erlangen würde
koṭi-ekādaśakaṃ phalam
elf Millionen(fache) Frucht

śuklāṣṭamyāṃ nabhasyasya kuryādrādhāvrataṃ naraḥ / pūrvavadrādhikāṃ haimīṃ kalaśasthāṃ prapūjayet

An der hellen Aṣṭamī des Nabhasya (Bhādrapada) vollziehe der Mensch das Rādhā-Gelübde; wie zuvor verehre er die goldene Rādhikā, auf dem Krug aufgestellt,

Wort für Wort
śuklāṣṭamyāṃ nabhasyasya
an der hellen Aṣṭamī des Nabhasya
kuryāt rādhāvrataṃ naraḥ
vollziehe der Mensch das Rādhā-Gelübde
pūrvavat rādhikāṃ haimīm
wie zuvor die goldene Rādhikā
kalaśasthāṃ prapūjayet
auf dem Krug aufgestellt, verehre er

madhyāhne pūjayitvenāmekabhaktaṃ samāpayet / śakto bhaktaścopavāsaṃ pare 'hni vidhinā tataḥ

und verehre sie am Mittag; er vollende (den Tag) mit einer einzigen Mahlzeit. Wer imstande und ergeben ist, (vollziehe) am folgenden Tag ein Fasten nach der Vorschrift, danach

Wort für Wort
madhyāhne pūjayitvā enām
nachdem er sie am Mittag verehrt hat
ekabhaktaṃ samāpayet
vollende er mit einer einzigen Mahlzeit
śakto bhaktaḥ ca upavāsam
wer imstande und ergeben ist, ein Fasten
pare 'hni vidhinā tataḥ
am folgenden Tag vorschriftsmäßig, danach

[Anm.: 'pūjayitvenām' im Quelltext, wohl für 'pūjayitvā enāṃ'.]

suvāsinīrbhojayitvā gurave pratimārpaṇam / kṛtvā svayaṃ ca bhuñjītaṃ vratamevaṃ samāpayet

nachdem er verheiratete Frauen (Suvāsinīs) gespeist und dem Lehrer das Abbild übergeben hat, esse er auch selbst; so vollende er das Gelübde.

Wort für Wort
suvāsinīḥ bhojayitvā
nachdem er verheiratete Frauen gespeist hat
gurave pratimārpaṇam kṛtvā
und dem Lehrer das Abbild übergeben hat
svayaṃ ca bhuñjīta
esse er auch selbst
vrataṃ evaṃ samāpayet
so vollende er das Gelübde

vratenānena viprarṣe kṛtena vidhinā vratī / rahasyaṃ goṣṭhajaṃ labdhvā rādhāparikare vaset

Durch dieses vorschriftsmäßig vollzogene Gelübde erlangt der Gelübdehalter, o Weiser unter den Brahmanen, das geheime, aus dem Kuhpferch stammende Wissen/Glück und weilt im Gefolge Rādhās.

Wort für Wort
vratena anena viprarṣe
durch dieses Gelübde, o Weiser unter den Brahmanen
kṛtena vidhinā vratī
vorschriftsmäßig vollzogen, der Gelübdehalter
rahasyaṃ goṣṭhajaṃ labdhvā
das geheime, aus dem Kuhpferch stammende erlangt habend
rādhāparikare vaset
weile im Gefolge Rādhās

dūrvāṣṭamīvrataṃ cātra kathitaṃ tacca me śṛṇu / śucau deśe prajātāyāṃ dvarvāyāṃ dvijasattama

Auch das Durvāṣṭamī-Gelübde wird hier gelehrt; höre auch dies von mir: An einem reinen Ort, wo Dūrvā-Gras gewachsen ist, o bester Zweifachgeborener,

Wort für Wort
dūrvāṣṭamīvrataṃ ca atra
auch das Durvāṣṭamī-Gelübde hier
kathitaṃ tat ca me śṛṇu
wird gelehrt; höre auch dies von mir
śucau deśe prajātāyām
an einem reinen Ort, wo gewachsen ist
dūrvāyāṃ dvijasattama
das Dūrvā-Gras, o bester Zweifachgeborener

[Anm.: 'dvarvāyāṃ' im Quelltext, wohl Druckfehler für 'dūrvāyāṃ'.]

sthāpya liṅgaṃ tato gandhaiḥ puṣpairdhūpaiśca dīpakaiḥ / naivedyairarcayedbhaktyā dadhyakṣataphalādibhiḥ

nachdem man dort ein Liṅga aufgestellt hat, verehre man es mit Hingabe mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk und Lampen, mit Speiseopfern von Joghurt, ungeschältem Reis, Früchten und dergleichen.

Wort für Wort
sthāpya liṅgaṃ tato gandhaiḥ
nachdem man dort ein Liṅga aufgestellt hat, mit Duftstoffen
puṣpaiḥ dhūpaiḥ ca dīpakaiḥ
mit Blumen, Räucherwerk und Lampen
naivedyaiḥ arcayet bhaktyā
verehre man mit Hingabe mit Speiseopfern
dadhyakṣataphalādibhiḥ
von Joghurt, ungeschältem Reis, Früchten und dergleichen

arghyaṃ pradadyātpūjānte mantrābhyāṃ susamāhitaḥ / tvaṃ dūrve 'mṛtajanmāsi surāsuranamaskṛte

Am Ende der Verehrung gebe man mit gesammeltem Geist ein Ehrengeschenk (Arghya) mit zwei Mantras dar: 'Du, o Dūrvā, bist aus dem Amṛta geboren, von Göttern und Dämonen verehrt,'

Wort für Wort
arghyaṃ pradadyāt pūjānte
am Ende der Verehrung gebe man ein Ehrengeschenk dar
mantrābhyāṃ susamāhitaḥ
mit zwei Mantras, mit gesammeltem Geist
tvaṃ dūrve amṛtajanmā asi
du, o Dūrvā, bist aus dem Amṛta geboren
surāsuranamaskṛte
von Göttern und Dämonen verehrt

saubhāgyaṃ saṃtatiṃ dehi sarvakāryakarī bhava / yathā śākhā praśākhābhirvistṛtāsi mahītale

'gib Glück und Nachkommenschaft, sei die Vollbringerin aller Vorhaben! So wie du mit Zweigen und Nebenzweigen weit ausgebreitet bist auf der Erde,'

Wort für Wort
saubhāgyaṃ saṃtatiṃ dehi
gib Glück und Nachkommenschaft
sarvakāryakarī bhava
sei die Vollbringerin aller Vorhaben
yathā śākhā praśākhābhiḥ
so wie du mit Zweigen und Nebenzweigen
vistṛtā asi mahītale
weit ausgebreitet bist auf der Erde

tathā vistṛtasaṃtānaṃ dehi me 'pyajarāmaram / tataḥ pradakṣiṇīkṛtya viprānsaṃbhojya tatra vai

'so gib auch mir ausgebreitete, alterslose und unvergängliche Nachkommenschaft.' Danach, nachdem man die Umschreitung vollzogen hat, speise man dort die Brahmanen,

Wort für Wort
tathā vistṛtasaṃtānam
so ausgebreitete Nachkommenschaft
dehi me api ajarāmaram
gib auch mir, alterslose und unvergängliche
tataḥ pradakṣiṇīkṛtya
danach, nachdem man die Umschreitung vollzogen hat
viprān saṃbhojya tatra vai
speise man dort wahrlich die Brahmanen

bhuktvā svayaṃ gṛhaṃ gacchedatvā vipreṣu dakṣiṇām / phalāni ca praśastāni miṣṭāni surabhīṇi ca

und nachdem man gegessen hat, gehe man selbst nach Hause zurück, nachdem man den Brahmanen eine Gabe gegeben hat, sowie vortreffliche, süße und wohlriechende Früchte.

Wort für Wort
bhuktvā svayaṃ gṛhaṃ gacchet
nachdem man gegessen hat, gehe man selbst nach Hause
dattvā vipreṣu dakṣiṇām
nachdem man den Brahmanen eine Gabe gegeben hat
phalāni ca praśastāni
sowie vortreffliche Früchte
miṣṭāni surabhīṇi ca
süße und wohlriechende

[Anm.: 'datvā' im Quelltext, wohl für 'dattvā'.]

evaṃ puṇyā pāpaharā nṛṇā dūrvāṣṭamī dvija / caturṇāmapi varṇānāṃ strījanānāṃ viśeṣataḥ

So ist die heilige, die Sünde der Menschen hinwegnehmende Durvāṣṭamī, o Zweifachgeborener, für alle vier Stände, besonders aber für Frauen (bestimmt).

Wort für Wort
evaṃ puṇyā pāpaharā nṛṇām
so ist die heilige, die Sünde der Menschen hinwegnehmende
dūrvāṣṭamī dvija
Durvāṣṭamī, o Zweifachgeborener
caturṇām api varṇānām
für alle vier Stände
strījanānāṃ viśeṣataḥ
für Frauen besonders

yā na pūjayate dūrvā nārī mohādyathāvidhi / janmāni trīṇi vaidhavyaṃ labhate sā na saṃśayaḥ

Die Frau, die aus Verblendung die Dūrvā nicht vorschriftsmäßig verehrt, die erlangt drei Geburten lang Witwenschaft - daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
yā na pūjayate dūrvām
die Frau, die die Dūrvā nicht verehrt
nārī mohāt yathāvidhi
aus Verblendung, vorschriftsmäßig
janmāni trīṇi vaidhavyam
drei Geburten lang Witwenschaft
labhate sā na saṃśayaḥ
erlangt sie - daran ist kein Zweifel

yadā jyeṣṭharkṣasaṃyuktā bhavecjaivāṣṭabhī dvija / jyeṣṭhā nāmnī tu sā jñeyā pūjitā pāpanāśinī

Wenn diese Aṣṭamī mit dem Jyeṣṭhā-Nakṣatra zusammentrifft, o Zweifachgeborener, dann ist sie als 'Jyeṣṭhā' benannt zu erkennen; verehrt vernichtet sie die Sünde.

Wort für Wort
yadā jyeṣṭharkṣasaṃyuktā
wenn [diese Aṣṭamī] mit dem Jyeṣṭhā-Nakṣatra verbunden ist
bhavet yā aṣṭamī dvija
geschieht, [jene] Aṣṭamī, o Zweifachgeborener [?]
jyeṣṭhā nāmnī tu sā jñeyā
als 'Jyeṣṭhā' benannt ist sie zu erkennen
pūjitā pāpanāśinī
verehrt, vernichtet sie die Sünde

[Anm.: 'bhavecjaivāṣṭabhī' im Quelltext unklar, evtl. verderbt für 'bhaved yā evāṣṭamī'.]

athaināṃ tu samārabhya vrataṃ ṣoḍaśavāsaram / mahālakṣmyāḥ samuddiṣṭaṃ sarvasaṃpadvivardhanam

Nun, wenn man von diesem Tag an beginnt, gibt es das sechzehntägige Gelübde, das für Mahālakṣmī bestimmt ist und allen Wohlstand mehrt.

Wort für Wort
atha enāṃ tu samārabhya
nun, wenn man von diesem [Tag] an beginnt
vrataṃ ṣoḍaśavāsaram
das sechzehntägige Gelübde
mahālakṣmyāḥ samuddiṣṭam
das für Mahālakṣmī bestimmt ist
sarvasaṃpadvivardhanam
und allen Wohlstand mehrt

kariṣye 'haṃ mahālakṣmīvrataṃ te tvatparāyaṇaḥ / tadavighnena me yātu samāptiṃ tvatprasādataḥ

'Ich werde dein Mahālakṣmī-Gelübde vollziehen, ganz dir zugewandt; möge es ohne Hindernis durch deine Gnade zur Vollendung gelangen für mich.'

Wort für Wort
kariṣye ahaṃ mahālakṣmīvratam
ich werde das Mahālakṣmī-Gelübde vollziehen
te tvatparāyaṇaḥ
dein, ganz dir zugewandt
tat avighnena me yātu
möge es ohne Hindernis für mich gelangen
samāptiṃ tvatprasādataḥ
zur Vollendung, durch deine Gnade

ityuccārya tato baddhā ḍoraka dakṣiṇe kare / ṣoḍaśagranthisahitaṃ guṇaiḥ ṣoḍaśabhiryutam

So habe man gesprochen und dann eine Schutzschnur (Ḍoraka) am rechten Arm gebunden, mit sechzehn Knoten versehen und aus sechzehn Fäden bestehend.

Wort für Wort
iti uccārya tato baddhā
so habe man gesprochen und dann gebunden
ḍorakaṃ dakṣiṇe kare
eine Schutzschnur am rechten Arm
ṣoḍaśagranthisahitam
mit sechzehn Knoten versehen
guṇaiḥ ṣoḍaśabhiḥ yutam
und aus sechzehn Fäden bestehend

tato 'nvahaṃ mahālakṣmīṃ gandhādyairarccayedvratī / yāvatkṛṣṇāṣṭamī tatra caredudyāpanaṃ sudhīḥ

Danach verehre der Gelübdehalter täglich Mahālakṣmī mit Duftstoffen und dergleichen; bis zur dunklen Aṣṭamī, dann vollziehe der Kluge dort den Abschlussritus (Udyāpana).

Wort für Wort
tataḥ anvaham mahālakṣmīm
danach täglich Mahālakṣmī
gandhādyaiḥ arcayet vratī
verehre der Gelübdehalter mit Duftstoffen und dergleichen
yāvat kṛṣṇāṣṭamī tatra
bis zur dunklen Aṣṭamī, dann dort
caret udyāpanaṃ sudhīḥ
vollziehe der Kluge den Abschlussritus

vastramaṇḍapikāṃ kṛtvā sarvatobhadramaṇḍale / kalaśaṃ supratiṣṭhāpya dīpamuddyotayettataḥ

Nachdem man einen Tuchpavillon errichtet hat, im Sarvatobhadra-Maṇḍala einen Wasserkrug wohl aufgestellt hat, entzünde man danach eine Lampe.

Wort für Wort
vastramaṇḍapikāṃ kṛtvā
nachdem man einen Tuchpavillon errichtet hat
sarvatobhadramaṇḍale
im Sarvatobhadra-Maṇḍala
kalaśaṃ supratiṣṭhāpya
einen Wasserkrug wohl aufgestellt habend
dīpam uddyotayet tataḥ
entzünde man danach eine Lampe

uttārya ḍorakaṃ bāhoḥ kuṃbhasyādho nivedayet / catasraḥ pratimāḥ kṛtvā sauvarṇīstatsvarūpiṇīḥ

nachdem man die Schutzschnur vom Arm abgenommen hat, biete man sie unterhalb des Kruges dar; man fertige vier goldene Abbilder, die deren (Mahālakṣmīs) Wesen darstellen,

Wort für Wort
uttārya ḍorakaṃ bāhoḥ
nachdem man die Schutzschnur vom Arm abgenommen hat
kuṃbhasya adhaḥ nivedayet
biete man sie unterhalb des Kruges dar
catasraḥ pratimāḥ kṛtvā
vier Abbilder gefertigt habend
sauvarṇīḥ tatsvarūpiṇīḥ
goldene, die deren Wesen darstellen

snapanaṃ kārayettāsāḥ jalaiḥ pañcāmṛtaistathā / upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ pūjayitvā vidhānataḥ

lasse sie baden mit Wasser sowie mit den fünf Nektarsubstanzen, und verehre sie vorschriftsmäßig mit den sechzehn Ehrengaben.

Wort für Wort
snapanaṃ kārayet tāsām
lasse sie (die Abbilder) baden
jalaiḥ pañcāmṛtaiḥ tathā
mit Wasser sowie mit den fünf Nektarsubstanzen
upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ
mit den sechzehn Ehrengaben
pūjayitvā vidhānataḥ
und verehre sie vorschriftsmäßig

jāgarastatra kartavyo gītavāditraniḥ svanaiḥ / tato niśīthe saṃprāpte 'bhyudite 'mṛtadīdhitau

Dort soll man mit den Klängen von Gesang und Musikinstrumenten wachen; wenn dann die Mitternacht eingetreten und der Mond (Amṛtadīdhiti) aufgegangen ist,

Wort für Wort
jāgaraḥ tatra kartavyaḥ
dort soll man wachen
gītavāditraniḥsvanaiḥ
mit den Klängen von Gesang und Musikinstrumenten
tato niśīthe saṃprāpte
wenn dann die Mitternacht eingetreten ist
abhyudite amṛtadīdhitau
und der Mond aufgegangen ist

datvārghyaṃ bandhanaṃ dravyaiḥ śrīkhaṇḍādyairvidhānataḥ / candramaṇḍalasaṃsthāyai mahālakṣyai pradāpayet

nachdem man ihm ein Ehrengeschenk (Arghya) gegeben hat, binde man mit Substanzen, Sandelholz und dergleichen, vorschriftsmäßig, eine Bindung; man gebe es der in der Mondscheibe wohnenden Mahālakṣmī dar.

Wort für Wort
datvā arghyaṃ bandhanaṃ
nachdem man ein Ehrengeschenk gegeben hat, eine Bindung
dravyaiḥ śrīkhaṇḍādyaiḥ vidhānataḥ
mit Substanzen, Sandelholz und dergleichen, vorschriftsmäßig
candramaṇḍalasaṃsthāyai
der in der Mondscheibe wohnenden
mahālakṣyai pradāpayet
Mahālakṣmī gebe man dar

kṣīrodārṇavasaṃbhūta mahālakṣmīsahodara / pīyūṣadhāma rohiṇyāḥ sahitār'ghyaṃ gṛhāṇa me

'Aus dem Milchmeer Entstandener, Bruder der Mahālakṣmī, Sitz des Nektars, mit Rohiṇī vereint - nimm mein Ehrengeschenk an!'

Wort für Wort
kṣīrodārṇavasaṃbhūta
aus dem Milchmeer Entstandener
mahālakṣmīsahodara
Bruder der Mahālakṣmī
pīyūṣadhāma rohiṇyāḥ sahita
Sitz des Nektars, mit Rohiṇī vereint
arghyaṃ gṛhāṇa me
nimm mein Ehrengeschenk an

kṣīrodārṇavasambhūte kamale kamalālaye / viṣṇuvakṣasthalasthe me sarvakāmapradā bhava

'Aus dem Milchmeer Entstandene, o Lotusgeborene, im Lotus Wohnende, auf Viṣṇus Brust Weilende - sei mir alle Wünsche gewährend!'

Wort für Wort
kṣīrodārṇavasambhūte
aus dem Milchmeer Entstandene
kamale kamalālaye
o Lotusgeborene, im Lotus Wohnende
viṣṇuvakṣasthalasthe
auf Viṣṇus Brust Weilende
me sarvakāmapradā bhava
sei mir alle Wünsche gewährend

ekanāthe jagannāthe jamadagnipriye 'vyaye / reṇuke trāhi māṃ devi rāmamātaḥ śivaṃ kuru

'O du mit einem Herrn (Ekanātha), Herrin der Welt, dem Jamadagni Liebe, Unvergängliche, Reṇukā, rette mich, o Göttin! Mutter Rāmas, bewirke Heil!'

Wort für Wort
ekanāthe jagannāthe
o du mit einem Herrn, Herrin der Welt
jamadagnipriye avyaye
dem Jamadagni Liebe, Unvergängliche
reṇuke trāhi māṃ devi
Reṇukā, rette mich, o Göttin
rāmamātaḥ śivaṃ kuru
Mutter Rāmas, bewirke Heil

mantrairetairmahālakṣmīṃ prārthya śrotriyayoṣitaḥ / samyaksaṃpūjya tāḥ samyaggandhayāvakakajjalaiḥ

Mit diesen Mantras bitte man Mahālakṣmī; nachdem man vedakundige Frauen recht verehrt hat, mit Duftstoffen, Milchreis (Yāvaka) und Augenschminke (Kajjala) recht dargebracht,

Wort für Wort
mantraiḥ etaiḥ mahālakṣmīm
mit diesen Mantras Mahālakṣmī
prārthya śrotriyayoṣitaḥ
bittend, [und] vedakundige Frauen
samyak saṃpūjya tāḥ
recht verehrt habend, diese [?]
samyak gandhayāvakakajjalaiḥ
recht mit Duftstoffen, Milchreis und Augenschminke

[Anm.: Bezug von 'tāḥ' unsicher - evtl. die vier zuvor gefertigten Abbilder oder die genannten Frauen [?].]

saṃbhojya juhuyādagnau bilvapadmakapāyasaiḥ / tadalābhe ghṛtairvipra gṛhebhyaḥ samidhastilān

nachdem man gespeist hat, opfere man im Feuer mit Bilva-Blättern, Lotus-Blüten und Milchreis; falls diese nicht erhältlich sind, o Brahmane, mit Ghee, Brennholz aus dem Haus und Sesam.

Wort für Wort
saṃbhojya juhuyāt agnau
nachdem man gespeist hat, opfere man im Feuer
bilvapadmakapāyasaiḥ
mit Bilva-Blättern, Lotus-Blüten und Milchreis
tadalābhe ghṛtaiḥ vipra
falls diese nicht erhältlich sind, mit Ghee, o Brahmane
gṛhebhyaḥ samidhaḥ tilān
mit Brennholz aus dem Haus und Sesam

mṛtyuñjayāya ca paraṃ sarvarogapraśāntaye / candanaṃ tālapatraṃ ca puṣpamālāṃ tathākṣatān

Und für den Todesbezwinger (Mṛtyuñjaya, Śiva), zur Beruhigung aller Krankheit, gebe man höchstes Sandelholz, Palmblätter, Blumengirlanden sowie ungeschälten Reis,

Wort für Wort
mṛtyuñjayāya ca param
und für den Todesbezwinger, höchstes
sarvarogapraśāntaye
zur Beruhigung aller Krankheit
candanaṃ tālapatraṃ ca
Sandelholz und Palmblätter
puṣpamālāṃ tathā akṣatān
Blumengirlanden sowie ungeschälten Reis

durvāṃ kausumbhasūtraṃ ca yugaṃ śrīphalameva vā / bhakṣyāṇi ca nave śūrpe pratidravyaṃ tu ṣoḍaśa

Dūrvā-Gras, safranfarbenen Faden, ein Paar Bilva-Früchte (Śrīphala) oder dergleichen, sowie Speisen in einer neuen Getreideschwinge (Śūrpa), je Substanz sechzehn (Stück).

Wort für Wort
dūrvāṃ kausumbhasūtraṃ ca
Dūrvā-Gras und safranfarbenen Faden
yugaṃ śrīphalam eva vā
ein Paar Bilva-Früchte oder dergleichen
bhakṣyāṇi ca nave śūrpe
und Speisen in einer neuen Getreideschwinge
pratidravyaṃ tu ṣoḍaśa
je Substanz sechzehn

samācchādyānyaśūrpeṇa vratī dadyātsamantrakam / kṣīrodārṇavasaṃbhūtā lakṣmīścandrasahodarā

nachdem man sie mit einer anderen Schwinge zugedeckt hat, gebe der Gelübdehalter sie mit Mantra dar: 'Aus dem Milchmeer entstanden ist Lakṣmī, die Schwester des Mondes,'

Wort für Wort
samācchādya anyaśūrpeṇa
nachdem man sie mit einer anderen Schwinge zugedeckt hat
vratī dadyāt samantrakam
gebe der Gelübdehalter sie mit Mantra dar
kṣīrodārṇavasaṃbhūtā
aus dem Milchmeer entstanden
lakṣmīḥ candrasahodarā
ist Lakṣmī, die Schwester des Mondes

vratenānena saṃtuṣṭā bhavatādviṣṇuvallabhā / cetasraḥ pratimāstāstu śrotriyebhyaḥ samarpayet

'möge sie, die Geliebte Viṣṇus, durch dieses Gelübde zufrieden gestellt werden.' Jene vier Abbilder übergebe man vedakundigen Brahmanen,

Wort für Wort
vratena anena saṃtuṣṭā
durch dieses Gelübde zufrieden gestellt
bhavatāt viṣṇuvallabhā
möge sie werden, die Geliebte Viṣṇus
catasraḥ pratimāḥ tāḥ tu
jene vier Abbilder aber
śrotriyebhyaḥ samarpayet
übergebe man vedakundigen Brahmanen

[Anm.: 'cetasraḥ' im Quelltext, wohl für 'catasraḥ'.]

tatastu caturo viprān ṣoḍaśāpi suvāsinīḥ / miṣṭānnenāśayitvā tu visṛjettāḥ sadakṣiṇāḥ

und danach speise man vier Brahmanen sowie sechzehn verheiratete Frauen mit süßer Speise und entlasse sie mit einer Gabe.

Wort für Wort
tataḥ tu caturo viprān
und danach vier Brahmanen
ṣoḍaśa api suvāsinīḥ
sowie sechzehn verheiratete Frauen
miṣṭānnena aśayitvā tu
mit süßer Speise gespeist
visṛjet tāḥ sadakṣiṇāḥ
entlasse man sie mit einer Gabe

samāptiniyamaḥ paścādbhañjīteṣṭaiḥ samanvitaḥ / etadvrataṃ mahālakṣmyāḥ kṛtvā vipra vidhānataḥ

Danach beende man die Fastenregel und esse (wieder) zusammen mit den Lieben. Wer dieses Gelübde der Mahālakṣmī vorschriftsmäßig vollzieht, o Brahmane,

Wort für Wort
samāptiniyamaḥ paścāt
danach [sei] die Beendigung der Regel
bhuñjīta iṣṭaiḥ samanvitaḥ
esse man zusammen mit den Lieben
etad vrataṃ mahālakṣmyāḥ
dieses Gelübde der Mahālakṣmī
kṛtvā vipra vidhānataḥ
wer vorschriftsmäßig vollzieht, o Brahmane

[Anm.: 'bhañjīta' im Quelltext, wohl für 'bhuñjīta'.]

bhuktveṣṭānaihikān kāmāṃllakṣmīloke vasecciram / eṣāṣokāṣṭamī coktā yasyāṃ pūrṇaṃ ramāvratam

der weile, nachdem er die gewünschten irdischen Wünsche genossen hat, lange in der Welt Lakṣmīs. Dies wird auch die Aśokāṣṭamī genannt, an welcher das Ramā(Lakṣmī)-Gelübde vollendet wird.

Wort für Wort
bhuktvā iṣṭān aihikān kāmān
nachdem er die gewünschten irdischen Wünsche genossen hat
lakṣmīloke vaset ciram
weile er lange in der Welt Lakṣmīs
eṣā aśokāṣṭamī ca uktā
dies wird auch die Aśokāṣṭamī genannt
yasyāṃ pūrṇaṃ ramāvratam
an welcher das Ramā-Gelübde vollendet wird

atrāśokasya pūjā syādekabhaktaṃ tathā smṛtam / kṛtvāśokavrataṃ nārī hyaśokā śokajanmani

Hier soll die Verehrung des Aśoka(-Baumes) erfolgen, sowie eine einzige Mahlzeit vorgeschrieben ist; die Frau, die das Aśoka-Gelübde vollzieht, ist frei von Kummer bei jeder künftigen Geburt,

Wort für Wort
atra aśokasya pūjā syāt
hier soll die Verehrung des Aśoka(-Baumes) erfolgen
ekabhaktaṃ tathā smṛtam
und eine einzige Mahlzeit ist vorgeschrieben
kṛtvā aśokavrataṃ nārī
die Frau, die das Aśoka-Gelübde vollzieht
hi aśokā śokajanmani
ist frei von Kummer bei jeder Geburt

yatra kutrāpi saṃjātā nātra kāryā vicāraṇā / āśvine śuklapakṣe tu proktā vipra mahāṣṭamī

wo auch immer sie geboren werde - darüber besteht kein Zweifel. In der hellen Hälfte des Āśvina aber wird, o Brahmane, die Mahāṣṭamī gelehrt,

Wort für Wort
yatra kutra api saṃjātā
wo auch immer sie geboren werde
na atra kāryā vicāraṇā
darüber besteht kein Zweifel
āśvine śuklapakṣe tu
in der hellen Hälfte des Āśvina aber
proktā vipra mahāṣṭamī
wird, o Brahmane, die Mahāṣṭamī gelehrt

tatra durgācanaṃ proktaṃ savrairapyupacārakaiḥ / upavāsaṃ caikabhaktaṃ mahāṣṭamyāṃ vidhāya tu

dort wird die Verehrung Durgās mit allen Ehrengaben gelehrt; nachdem man an der Mahāṣṭamī ein Fasten mit einer Mahlzeit vollzogen hat,

Wort für Wort
tatra durgācanaṃ proktam
dort wird die Verehrung Durgās gelehrt
sarvaiḥ api upacārakaiḥ
mit allen Ehrengaben
upavāsaṃ ca ekabhaktam
und ein Fasten mit einer Mahlzeit
mahāṣṭamyāṃ vidhāya tu
an der Mahāṣṭamī vollzogen

[Anm.: 'savrairapi' im Quelltext unklar, wohl für 'sarvaiḥ api'.]

sarvato vibhavaṃ prāpya modate devavacciram / ūrjje kṛṣṇādike 'ṣṭamyāṃ karakākhyaṃ vrataṃ smṛtam

erlangt man von überall Reichtum und freut sich lange wie ein Gott. Im Ūrja (Kārtika) an der dunklen Aṣṭamī gilt das Gelübde mit Namen Karaka.

Wort für Wort
sarvato vibhavaṃ prāpya
von überall Reichtum erlangend
modate devavat ciram
freut man sich lange wie ein Gott
ūrjje kṛṣṇādike aṣṭamyām
im Ūrja an der beginnenden dunklen Aṣṭamī
karakākhyaṃ vrataṃ smṛtam
gilt das Gelübde mit Namen Karaka

tatromāsahitaḥ śaṃbhuḥ pūjanīyaḥ prayatnataḥ / candrodayer'ghadānaṃ ca vidheyaṃ vratibhiḥ sadā

Dort soll Śambhu (Śiva), mit Umā vereint, sorgfältig verehrt werden; bei Mondaufgang soll von den Gelübdehaltern stets ein Ehrengeschenk (Arghya) dargebracht werden.

Wort für Wort
tatra umāsahitaḥ śaṃbhuḥ
dort Śambhu, mit Umā vereint
pūjanīyaḥ prayatnataḥ
soll sorgfältig verehrt werden
candrodaye arghadānaṃ ca
bei Mondaufgang die Gabe eines Ehrengeschenks
vidheyaṃ vratibhiḥ sadā
soll von den Gelübdehaltern stets vollzogen werden

putraṃ sarvaguṇopetamicchadbhirvividhaṃ sukham / gopāṣṭamīti saṃproktā kārtike dhavale dale

von denen, die einen mit allen Tugenden versehenen Sohn und vielfältiges Glück wünschen. Als Gopāṣṭamī wird sie genannt, an der hellen Hälfte des Kārtika,

Wort für Wort
putraṃ sarvaguṇopetam
einen mit allen Tugenden versehenen Sohn
icchadbhiḥ vividhaṃ sukham
von denen, die vielfältiges Glück wünschen
gopāṣṭamī iti saṃproktā
als Gopāṣṭamī wird sie genannt
kārtike dhavale dale
an der hellen Hälfte des Kārtika

tatrakuryādgavāṃ pūjāṃ gogrāsaṃ gopradakṣiṇām / gavānugamanaṃ dānaṃ vāñchansarvāśca saṃpadaḥ

dort vollziehe man die Verehrung der Kühe, gebe den Kühen Futter, umschreite die Kühe, folge den Kühen (im Umzug) und spende, indem man allen Wohlstand wünscht.

Wort für Wort
tatra kuryāt gavāṃ pūjām
dort vollziehe man die Verehrung der Kühe
gogrāsaṃ gopradakṣiṇām
das Futtern der Kühe, die Umschreitung der Kühe
gavānugamanaṃ dānam
das Folgen der Kühe, die Spende
vāñchan sarvāḥ ca saṃpadaḥ
indem man allen Wohlstand wünscht

kṛṣṇāṣṭamyāṃ mārgaśīrṣe mithunaṃ darbhanirmitam / anaghāṃ cānaghāṃ tatra bahuputrasamanvitam

An der dunklen Aṣṭamī des Mārgaśīrṣa fertige man ein aus Darbha-Gras gemachtes Paar an, den Anagha und die Anaghā, dort mit vielen Söhnen versehen,

Wort für Wort
kṛṣṇāṣṭamyāṃ mārgaśīrṣe
an der dunklen Aṣṭamī des Mārgaśīrṣa
mithunaṃ darbhanirmitam
ein aus Darbha-Gras gemachtes Paar
anaghāṃ ca anaghāṃ tatra
den Anagha und die Anaghā dort
bahuputrasamanvitam
mit vielen Söhnen versehen

[Anm.: 'anaghāṃ cānaghāṃ' - vermutlich Namen eines Götterpaares (Anagha m. und Anaghā f.); Deutung sinngemäß.]

sthāpayitvā śubhe deśe gomayenopalepite / pūjayedgandhapuṣpādyairupacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ

nachdem man es an einem günstigen, mit Kuhdung bestrichenen Ort aufgestellt hat, verehre man es mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen, mit verschiedenartigen Ehrengaben.

Wort für Wort
sthāpayitvā śubhe deśe
nachdem man es an einem günstigen Ort aufgestellt hat
gomayena upalepite
der mit Kuhdung bestrichen ist
pūjayet gandhapuṣpādyaiḥ
verehre man mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen
upacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ
mit verschiedenartigen Ehrengaben

saṃbhojya dvijadāṃpatyaṃ visṛjellabdhadakṣiṇam / vratametannaraḥ kṛtvā nārī vā vidhipūrvakam

nachdem man ein Brahmanenpaar (Ehepaar) gespeist hat, entlasse man es, nachdem es eine Gabe erhalten hat. Wer als Mann oder Frau dieses Gelübde vorschriftsgemäß vollzieht,

Wort für Wort
saṃbhojya dvijadāṃpatyam
nachdem man ein Brahmanenpaar gespeist hat
visṛjet labdhadakṣiṇam
entlasse man es, nachdem es eine Gabe erhalten hat
vratam etat naraḥ kṛtvā
wer als Mann dieses Gelübde vollzieht
nārī vā vidhipūrvakam
oder als Frau, vorschriftsgemäß

putraṃ sallakṣaṇopetaṃ labhate nātra saṃśayaḥ

erlangt einen mit guten Merkmalen versehenen Sohn - daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
putraṃ sallakṣaṇopetam
einen mit guten Merkmalen versehenen Sohn
labhate na atra saṃśayaḥ
erlangt man - daran ist kein Zweifel

[Anm.: Vers 85 besteht im Quelltext nur aus einem Halbvers; die zweite Vershälfte fehlt im Rohtext.]

mārgāśīrṣasitāṣṭamyāṃ kālabhairavasannidau / upoṣya jāgaraṃ kṛtvā mahāpāpaiḥ pramucyate

An der hellen Aṣṭamī des Mārgaśīrṣa, in der Nähe (des Bildnisses) Kālabhairavas, wird, wer gefastet und Nachtwache gehalten hat, von großen Sünden befreit.

Wort für Wort
mārgāśīrṣasitāṣṭamyām
an der hellen Aṣṭamī des Mārgaśīrṣa
kālabhairavasannidau
in der Nähe Kālabhairavas
upoṣya jāgaraṃ kṛtvā
nachdem man gefastet und Nachtwache gehalten hat
mahāpāpaiḥ pramucyate
wird man von großen Sünden befreit

yatkiñcidaśubhaṃ karma kṛtaṃ mānuṣajanmani / tatsarvaṃ vilayaṃ yāti kālabhairavadarśanāt

Welche unheilvolle Tat auch immer in einem Menschenleben begangen wurde, all das geht durch den Anblick Kālabhairavas zugrunde.

Wort für Wort
yat kiñcit aśubhaṃ karma
welche unheilvolle Tat auch immer
kṛtaṃ mānuṣajanmani
begangen wurde in einem Menschenleben
tat sarvaṃ vilayaṃ yāti
all das geht zugrunde
kālabhairavadarśanāt
durch den Anblick Kālabhairavas

atha pauṣasitāṣṭamyāṃ śrāddhamaṣṭakasaṃjñitam / pitṝṇāṃ tṛptidaṃ varṣaṃ kulasantativarddhanam

Nun, an der hellen Aṣṭamī des Pauṣa gibt es das Totenopfer (Śrāddha) mit Namen Aṣṭaka, das den Ahnen ein Jahr lang Befriedigung gibt und die Familiennachkommenschaft mehrt.

Wort für Wort
atha pauṣasitāṣṭamyām
nun, an der hellen Aṣṭamī des Pauṣa
śrāddham aṣṭakasaṃjñitam
das Totenopfer mit Namen Aṣṭaka
pitṝṇāṃ tṛptidaṃ varṣam
das den Ahnen ein Jahr lang Befriedigung gibt
kulasantativarddhanam
und die Familiennachkommenschaft mehrt

śuklāṣṭamyāṃ tu pauṣasya śivaṃ sampūjya bhaktitaḥ / bhuktimuktimavāpnoti bhaktimekāṃ samācaran

An der hellen Aṣṭamī des Pauṣa aber, nachdem man Śiva mit Hingabe verehrt hat, erlangt man Genuss und Erlösung, indem man eine einzige (tägliche) Mahlzeit vollzieht.

Wort für Wort
śuklāṣṭamyāṃ tu pauṣasya
an der hellen Aṣṭamī des Pauṣa aber
śivaṃ sampūjya bhaktitaḥ
nachdem man Śiva mit Hingabe verehrt hat
bhuktimuktim avāpnoti
erlangt man Genuss und Erlösung
bhaktim ekāṃ samācaran
indem man eine einzige Mahlzeit vollzieht

kṛṣṇāṣṭamyāṃ tu māghasya bhadrakālīṃ samarcayet / bhaktito vairivṛndaghnīṃ sarvakāmapradāyinīm

An der dunklen Aṣṭamī des Māgha aber verehre man mit Hingabe Bhadrakālī, die Vernichterin der Scharen von Feinden, die alle Wünsche gewährt.

Wort für Wort
kṛṣṇāṣṭamyāṃ tu māghasya
an der dunklen Aṣṭamī des Māgha aber
bhadrakālīṃ samarcayet
verehre man Bhadrakālī
bhaktito vairivṛndaghnīm
mit Hingabe, die Vernichterin der Scharen von Feinden
sarvakāmapradāyinīm
die alle Wünsche gewährt

māghamāse sitāṣṭamyāṃ bhīṣmaṃ saṃtarpayaddvija / saṃtatiṃ tvavyavacchinnāmicchaṃścāpyaparājayam

Im Monat Māgha an der hellen Aṣṭamī opfere man Bhīṣma Wasser dar, o Zweifachgeborener, wer ungebrochene Nachkommenschaft und Unbesiegbarkeit wünscht.

Wort für Wort
māghamāse sitāṣṭamyām
im Monat Māgha an der hellen Aṣṭamī
bhīṣmaṃ saṃtarpayat dvija
opfere man Bhīṣma Wasser dar, o Zweifachgeborener
saṃtatiṃ tu avyavacchinnām
ungebrochene Nachkommenschaft
icchan ca api aparājayam
und wer Unbesiegbarkeit wünscht

phaālgune tvasitāṣṭamyāṃ bhīprāṃ devīṃ samarcayet / tatra vrataparo vipra sarvakāmasamṛddhaye

Im Phālguna aber an der dunklen Aṣṭamī verehre man die Göttin Bhīmā [?], dort dem Gelübde ergeben, o Brahmane, zur Erfüllung aller Wünsche.

Wort für Wort
phālgune tu asitāṣṭamyām
im Phālguna aber an der dunklen Aṣṭamī
bhīmāṃ devīṃ samarcayet
verehre man die Göttin Bhīmā [?]
tatra vrataparo vipra
dort dem Gelübde ergeben, o Brahmane
sarvakāmasamṛddhaye
zur Erfüllung aller Wünsche

[Anm.: 'bhīprāṃ' im Quelltext unklar, evtl. Verschreibung für 'bhīmāṃ' (die Göttin Bhīmā/Durgā) [?]; 'phaālgune' für 'phālgune'.]

śuklāṣṭamyāṃ phaālgunasya śivaṃ cāpi śivāṃ dvija / gandhādyaiḥ samyagabhyarcya sarvasiddhīśvaro bhavet

An der hellen Aṣṭamī des Phālguna verehre man, o Zweifachgeborener, sowohl Śiva als auch Śivā (Pārvatī) recht mit Duftstoffen und dergleichen und werde Herr aller Vollkommenheiten.

Wort für Wort
śuklāṣṭamyāṃ phālgunasya
an der hellen Aṣṭamī des Phālguna
śivaṃ ca api śivāṃ dvija
sowohl Śiva als auch Śivā, o Zweifachgeborener
gandhādyaiḥ samyak abhyarcya
mit Duftstoffen und dergleichen recht verehrend
sarvasiddhīśvaro bhavet
werde man Herr aller Vollkommenheiten

phaālgunāparapakṣe tu śītalāmaṣṭamīdine / / pūjayetsarvavapakkānaiḥ saptamyāṃ vidhivatkṛtaiḥ

In der zweiten Hälfte des Phālguna aber, am Aṣṭamī-Tag, verehre man Śītalā mit allen an der Saptamī (zuvor) vorschriftsmäßig gekochten (Speisen).

Wort für Wort
phālgunāparapakṣe tu
in der zweiten Hälfte des Phālguna aber
śītalām aṣṭamīdine
Śītalā am Aṣṭamī-Tag
pūjayet sarvaiḥ pakvānnaiḥ
verehre man mit allen gekochten Speisen [?]
saptamyāṃ vidhivat kṛtaiḥ
die an der Saptamī vorschriftsmäßig zubereitet wurden

[Anm.: 'sarvavapakkānaiḥ' unklar, evtl. 'sarvaiḥ pakvānnaiḥ' ('mit allen gekochten Speisen'); Bezug auf den Brauch, am Vortag (Saptamī) gekochte, dann kalte Speisen darzubringen [?].]

śītale tvaṃ jaganmātā śītale tvaṃ jagatpitā / śītale tvaṃ jagadvātrī śītalāyai namonamaḥ

'O Śītalā, du bist die Mutter der Welt; o Śītalā, du bist der Vater der Welt; o Śītalā, du bist die Erzeugerin der Welt; Verehrung, Verehrung der Śītalā!'

Wort für Wort
śītale tvaṃ jaganmātā
o Śītalā, du bist die Mutter der Welt
śītale tvaṃ jagatpitā
o Śītalā, du bist der Vater der Welt
śītale tvaṃ jagadvātrī
o Śītalā, du bist die Erzeugerin der Welt
śītalāyai namo namaḥ
Verehrung, Verehrung der Śītalā

vande 'haṃ śītalāṃ devīṃ rāsabhasthāṃ digaṃbarām / mārjanī kalaśopetāṃ visphoṭakavināśinīm

'Ich verehre die Göttin Śītalā, die auf einem Esel Reitende, die Nackte (Digambarā), die mit Besen und Wasserkrug Versehene, die Vernichterin von Pockenausschlag (Visphoṭaka).'

Wort für Wort
vande ahaṃ śītalāṃ devīm
ich verehre die Göttin Śītalā
rāsabhasthāṃ digambarām
die auf einem Esel Reitende, die Nackte
mārjanī kalaśopetām
die mit Besen und Wasserkrug Versehene
visphoṭakavināśinīm
die Vernichterin von Pockenausschlag

śītale śītale cetthaṃ ye japanti jale lthitāḥ //ṭha / teṣāṃ tu śītalā devī syādvisphoṭakaśāntidā

'O Śītalā, Śītalā' - so murmeln jene, die im Wasser stehen; für sie gewährt die Göttin Śītalā Besänftigung des Pockenausschlags.

Wort für Wort
śītale śītale ittham
'o Śītalā, Śītalā' - so
ye japanti jale sthitāḥ
murmeln jene, die im Wasser stehen
teṣāṃ tu śītalā devī
für sie die Göttin Śītalā
syāt visphoṭakaśāntidā
gewährt Besänftigung des Pockenausschlags

[Anm.: 'jale lthitāḥ //ṭha' im Quelltext unklar/verderbt, wohl 'jale sthitāḥ'; das eingeschobene '/ṭha' wirkt wie ein Satz-/Lesefehler und wird ignoriert.]

ityevaṃ śītalāmantrairyaḥ samarcayate dvija / tasya varṣaṃ bhavecchāntiḥ śītalāyāḥ prasādataḥ

Wer die Göttin so mit den Śītalā-Mantras verehrt, o Zweifachgeborener, dem wird ein Jahr lang Frieden zuteil durch die Gnade Śītalās.

Wort für Wort
iti evaṃ śītalāmantraiḥ
so mit diesen Śītalā-Mantras
yaḥ samarcayate dvija
wer verehrt, o Zweifachgeborener
tasya varṣaṃ bhavet śāntiḥ
dem wird ein Jahr lang Frieden zuteil
śītalāyāḥ prasādataḥ
durch die Gnade Śītalās

sarvamāsobhaye pakṣe vidhivaccāṣṭamīdine / śivāṃ vāpiśivaṃ prārcyalabhate vāñchitaṃ phalam

In allen Monaten, in beiden Hälften, an dem Aṣṭamī-Tag nach Vorschrift, wer Śivā oder Śiva verehrt, erlangt die gewünschte Frucht.

Wort für Wort
sarvamāse ubhaye pakṣe
in jedem Monat, in beiden Hälften
vidhivat ca aṣṭamīdine
und vorschriftsmäßig am Aṣṭamī-Tag
śivāṃ vā api śivaṃ prārcya
Śivā oder auch Śiva verehrend
labhate vāñchitaṃ phalam
erlangt man die gewünschte Frucht

[Anm.: 'sarvamāsobhaye' im Quelltext wohl für 'sarvamāse ubhaye'; 'vāpiśivaṃ' für 'vā api śivaṃ'.]

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