Kapitel 12: devatāyatananīrmāṇaphalaṃ taḍāgagrāmādipālanaphalaṃ snānapūjādānādi-māhātmyañca
Die Frucht des Tempelbaus, des Teich- und Dorfschutzes, sowie die Größe von Bad, Verehrung und Gabe
Dharmarāja sprach: Wer einen Gottestempel errichtet oder errichten lässt, sei es für Śiva oder für Hari, dessen Verdienstfrucht höre.
Wort für Wort
dharmarāja uvāca
Dharmarāja sprach:
devatāyatanaṃ yastu kurute kārayati api
wer einen Gottestempel errichtet oder errichten lässt
śivasya api harer vāpi
sei es für Śiva oder für Hari
tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu
dessen Verdienstfrucht höre
[Anm.: Der Vers beginnt mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels der Quelle (Quellzählung: „zwölftes Kapitel“, betitelt dharmākhyāna = Kap. 11 dieses Projekts); erst danach beginnt der eigentliche Vers 1.]
mātṛtaḥ pitṛtaścaiva lakṣakoṭikulānvitaḥ / kalpatrayaṃ viṣṇupade tiṣṭhatyeva na saṃśayaḥ
Mütterlicherseits und väterlicherseits, mit einer Sippe von unermeßlicher Zahl versehen [Anm.: lakṣakoṭi], weilt er zweifellos drei Weltzeitalter in Viṣṇus Reich.
Wer nur mit Lehm einen Gottestempel errichtet – wie groß auch immer dessen Verdienst sei, das höre von mir, wie ich es verkünde:
Wort für Wort
mṛdā eva kurute yastu
wer nur mit Lehm errichtet
devatāyatanaṃ naraḥ
einen Gottestempel, der Mensch
yāvat puṇyaṃ bhavet tasya
wie groß auch dessen Verdienst sei
tat me nigadataḥ śṛṇu
das höre von mir, wie ich es verkünde
[Anm.: Der erste Halbvers ist im Quelltext dittographisch (fast wortgleich) wiederholt; nur einmal übersetzt, die Wiederholung im sa-Feld literal belassen.]
Er, einen himmlischen Körper tragend, auf einem vortrefflichen Himmelswagen weilend, geht, nachdem er drei Weltzeitalter in Viṣṇus Reich verweilt hat, in die Stadt Brahmās ein.
Wort für Wort
divyadehadharo bhūtvā
einen himmlischen Körper angenommen habend
vimānavaram āsthitaḥ
auf einem vortrefflichen Himmelswagen weilend
kalpatrayaṃ viṣṇupade sthitvā
drei Weltzeitalter in Viṣṇus Reich verweilt habend
Nachdem er dort zwei weitere Weltzeitalter verweilt hat, weilt er wiederum ein Weltzeitalter im Himmel; danach wird er, von Mitgefühl erfüllt, in eine Familie von Yogins geboren.
Nachdem er sich dem Viṣṇu-Yoga zugewandt hat, gelangt er zur ewigen Erlösung. Wer (den Tempel) hingegen aus Holz errichtet, dessen Frucht sei doppelt so groß (wie bei Lehm).
– dessen Verdienst ist hundertmal so groß wie das des Erbauers, o Herrscher. Wer dem Tempel Dienst erweist durch Bestreichen, Besprengen und Schmücken,
te gacchanti dharādhārāḥ śāśvataṃ vaiṣṇavaṃ padam / tāḍāgārddhaphalaṃ rājankāsāre parikīrtitam
– sie, die Erdenlastträger [?], gehen zum ewigen Reich Viṣṇus ein. Die Hälfte der Teich-Frucht wird, o König, für einen (kleineren) See (kāsāra) verkündet,
Wort für Wort
te gacchanti dharādhārāḥ [?]
sie, die Erdenlastträger [?], gehen
śāśvataṃ vaiṣṇavaṃ padam
zum ewigen Reich Viṣṇus
taḍāga-ardhaphalaṃ rājan
die Hälfte der Teich-Frucht, o König
kāsāre parikīrtitam
wird für einen (kleineren) See verkündet
[Anm.: „dharādhārāḥ“ unklar, sinngemäß als Bezeichnung der zum Lohn Bewegten aus dem Vorvers („Erdenträger, Erdarbeiter“) gedeutet [?].]
Beim Brunnen ist ein Viertel der Frucht zu erkennen, bei einem Stufenbrunnen (die Frucht) einem Lotosteich gleich; hundertfach der Stufenbrunnen-Frucht wird für einen Kanal die Frucht des Herrschers verkündet.
Wort für Wort
kūpe pādaphalaṃ jñeyam
beim Brunnen ist ein Viertel der Frucht zu erkennen
vāpyāṃ padmākaronmitam
bei einem Stufenbrunnen einem Lotosteich gleich
vāpīśataguṇaṃ proktam
hundertfach der Stufenbrunnen(-frucht) wird verkündet
Wer wohlhabend ist, möge es mit Steinen errichten, der mittellose Mensch mit Lehm; die Frucht der beiden sei gleich – so sagt der Lotosgeborene (Brahmā).
Wort für Wort
dṛṣadbhistu dhanī kuryāt
der Wohlhabende aber möge (es) mit Steinen errichten
dhenurvā brahmaṇo vāpi yo vā ko vāpi bhūpate / kṣaṇārddhaṃ tasya chāyāyāṃ tiṣṭhansvargaṃ nayatyamum
Sei es eine Kuh, ein Brahmane oder wer auch immer, o Herrscher – wer auch nur einen halben Augenblick in seinem Schatten verweilt, führt diesen (Errichter der Āśrama) in den Himmel.
Wort für Wort
dhenur vā brahmaṇaḥ vā api
sei es eine Kuh oder ein Brahmane
yo vā ko vā api bhūpate
oder wer auch immer, o Herrscher
kṣaṇārdhaṃ tasya chāyāyām
einen halben Augenblick in seinem Schatten
tiṣṭhan svargaṃ nayati amum
verweilend führt er diesen in den Himmel
[Anm.: Bezug der Pronomen im zweiten Halbvers unsicher; sinngemäß auf den Schatten der āśrama bzw. ihres Baumbestands bezogen [?].]
Verbunden mit siebzig Millionen [Anm.: saptakoṭi] Angehörigen mütterlicher- und väterlicherseits weilt er reichlich hundert Weltzeitalter in Nārāyaṇas Reich, o König.
Wort für Wort
saptakoṭikulairyuktaḥ
verbunden mit siebzig Millionen Sippenangehörigen
mātṛtaḥ pitṛtastathā
mütterlicherseits und ebenso väterlicherseits
vaset kalpaśataṃ sāgram
weilt reichlich hundert Weltzeitalter
nārāyaṇapadaṃ nṛpa
in Nārāyaṇas Reich, o König
[Anm.: Quelltext „satpakoṭikulairyukto“ als saptakoṭikulairyukto aufgefasst.]
Wer die aufrechte Stirnmarke trägt – mit Erde von der Tulasī-Wurzel, mit Gopī-Sandelpaste, mit Erde vom Citrakūṭa-Berg oder mit Gaṅgā-Erde – dessen Verdienstfrucht höre:
Auf einem vortrefflichen Himmelswagen fahrend, von Scharen der Gandharvas und Apsaras' besungen ob seines Wandels, weilt er in Freude in Viṣṇus Tempel(-welt).
kaṇṭakāvaraṇaṃ yastu prākāraṃ vāpi kārayet / so 'pyekaviṃśatikulairmodate viṣṇumandire
Wer einen Dornenzaun oder auch eine Umfassungsmauer errichten lässt, weilt auch er mit einundzwanzig Sippengenerationen in Freude in Viṣṇus Tempel(-welt).
Wort für Wort
kaṇṭakāvaraṇaṃ yastu
wer einen Dornenzaun
prākāraṃ vā api kārayet
oder auch eine Umfassungsmauer errichten lässt
so 'pi ekaviṃśatikulairmodate
auch er weilt mit einundzwanzig Sippengenerationen in Freude
Wer Keśava (Viṣṇu) mit nur einem Prastha-Maß Milch badet, weilt auch er, begleitet von hundert Millionen [Anm.: ayutāyuta] Sippenangehörigen, in Viṣṇus Stadt.
Wort für Wort
prasthamātreṇa payasā
mit nur einem Prastha-Maß Milch
yaḥ snāpayati keśavam
wer Keśava badet
kulāyutāyutayutaḥ so 'pi
auch er, begleitet von hundert Millionen Sippenangehörigen
ghṛtaprasthena yo viṣṇuṃ dvādaśyāṃ snāpayennaraḥ / kulakoṭiyuto rājansāyujyaṃ labhate hareḥ
Wer Viṣṇu am Dvādaśī(-Tag) mit einem Prastha-Maß Ghee badet, erlangt, o König, begleitet von zehn Millionen Sippenangehörigen, die Vereinigung mit Hari.
Wort für Wort
ghṛtaprasthena yo viṣṇum
wer Viṣṇu mit einem Prastha-Maß Ghee
dvādaśyāṃ snāpayet naraḥ
am Dvādaśī-Tag badet, der Mensch
kulakoṭiyuto rājan
begleitet von zehn Millionen Sippenangehörigen, o König
pañcāmṛtena yaḥ snānamekādaśyāṃ tu kārayet / viṣṇoḥ sāyujyakaṃ tasya bhavetkulaśatāyutaiḥ
Wer am Ekādaśī(-Tag) ein Bad mit den fünf Nektarsubstanzen vollzieht, dessen Vereinigung mit Viṣṇu geschehe, begleitet von hunderttausend Sippenangehörigen.
Wort für Wort
pañcāmṛtena yaḥ snānam
wer mit den fünf Nektarsubstanzen ein Bad
ekādaśyāṃ tu kārayet
am Ekādaśī-Tag vollzieht
viṣṇoḥ sāyujyakaṃ tasya bhavet
dessen Vereinigung mit Viṣṇu geschehe
kulaśatāyutaiḥ
begleitet von hunderttausend Sippenangehörigen
[Anm.: Quelltext „bhavetyulaśatāyutaiḥ“ als bhavet kulaśatāyutaiḥ aufgefasst.]
daśajanmārjitaiḥ pāpairvimukto nṛpasattama / śatadvayakulairyukto modate viṣṇunā saha
Er wird von den in zehn Geburten erworbenen Sünden befreit, o bester der Könige, und weilt, begleitet von zweihundert Sippenangehörigen, in Freude zusammen mit Viṣṇu.
Wort für Wort
daśajanmārjitaiḥ pāpaiḥ vimuktaḥ
von den in zehn Geburten erworbenen Sünden befreit
nṛpasattama
o bester der Könige
śatadvayakulairyukto modate
weilt, begleitet von zweihundert Sippenangehörigen, in Freude
kṣīrādyaiḥ snāpayedyastu ravisaṃkramaṇe harim / sa vasedviṣṇusadane trisaptapuruṣaiḥ saha
Wer Hari zur Zeit des Sonnenübergangs mit Milch und dergleichen badet, weilt in Viṣṇus Wohnstatt zusammen mit einundzwanzig [Anm.: trisapta] (Vorfahren).
ardhodaye ca sūryasya puṣyārke rohiṇībudhe / tathaiva śanau rohiṇyāṃ bhaumāśvinyāṃ tathaiva ca
– beim Halbaufgang der Sonne, bei (der Konjunktion von) Puṣya und Sonne, bei Rohiṇī und Merkur, ebenso bei Saturn und Rohiṇī, ebenso bei Mars und Aśvinī,
Wort für Wort
ardhodaye ca sūryasya
beim Halbaufgang der Sonne
puṣyārke rohiṇībudhe
bei Puṣya-Sonne, bei Rohiṇī-Merkur
tathaiva śanau rohiṇyāṃ [?]
ebenso bei Saturn und Rohiṇī [?]
bhaumāśvinyāṃ tathaiva ca
ebenso bei Mars und Aśvinī
[Anm.: Quelltext „śaniro hiṇyāṃ“ korrupt, als śanau rohiṇyāṃ aufgefasst [?].]
śanau bhṛgau caiva bhṛgurevatīsaṅgame / tathā budhānurādhāyāṃ śravaṇārke tathaiva ca
– bei Saturn und Venus (Bhṛgu), bei der Konjunktion von Venus und Revatī, ebenso bei Merkur und Anurādhā, ebenso bei Sonne und Śravaṇa,
Wort für Wort
śanau bhṛgau caiva [?]
bei Saturn und Venus [?]
bhṛgu-revatīsaṅgame
bei der Konjunktion von Venus und Revatī
tathā budha-anurādhāyām
ebenso bei Merkur und Anurādhā
śravaṇa-arke tathaiva ca
ebenso bei Sonne und Śravaṇa
[Anm.: Diese Aufzählung astronomisch-astrologischer Konstellationen ist im Quelltext stark korrupt und lückenhaft überliefert („śanyāṃ bhṛvabhṛge caivabhṛgurevurevatisaṅgame“); die Wiedergabe bleibt notwendig unsicher [?].]
Nachdem er die Frucht aller Opfer erlangt hat und von aller Sünde befreit ist, weilt er in Viṣṇus Stadt, zusammen mit einundzwanzig (Vorfahren), o König.
Wer Viṣṇu mit Duftstoffen und Blüten am Viṣṇu-Tithi verehrt, o König, wird von den in zehntausend Geburten erworbenen Sünden befreit und geht in dessen Reich ein.
Wort für Wort
sampūjya gandhakusumaiḥ viṣṇum
Viṣṇu mit Duftstoffen und Blüten verehrend
viṣṇutithau nṛpa
am Viṣṇu-Tithi, o König
janmāyutārjitaiḥ pāpaiḥ mukto
von den in zehntausend Geburten erworbenen Sünden befreit
Von aller Sünde befreit, mit aller Herrschaftsmacht ausgestattet, erlangt er die jeweilige Gleichwelt(-igkeit), begleitet von einundzwanzig (Vorfahren).
Was auch immer die liebste Speise ist – diese dem Herrn Viṣṇu darbringend, geht er, begleitet von vierzig Sippenangehörigen, in dessen jeweiliges Reich ein.
bhrūṇahā svarṇadānena śuddho bhavati bhūpate / annatoyasamandānaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati
Selbst ein Embryotöter wird durch eine Golddarbringung rein, o Herrscher. Eine der Darbringung von Speise und Wasser gleichkommende Gabe gab und wird es nicht geben.
Wort für Wort
bhrūṇahā svarṇadānena
der Embryotöter durch eine Golddarbringung
śuddho bhavati bhūpate
wird rein, o Herrscher
annatoyasamandānam
eine der Speise- und Wasserspende gleichkommende Gabe
Der Speisegeber wird als Lebensgeber (prāṇada) bezeichnet, und der Lebensgeber ist auch der Geber von allem, da die Frucht aller Gaben dem Speisegeber zuteilwird, o bester der Könige.
annado brahmasadanaṃ yātivaṃśāyutānvitaḥ / na tasya punarāvṛttiriti śāstreṣu niścitam
Der Speisegeber geht, begleitet von zehntausend Sippenangehörigen, in Brahmās Wohnstatt ein; für ihn gibt es keine Wiederkehr – so steht es in den Lehrschriften fest.
Die Wasserspende ist als sofort zufriedenstellend zu erkennen, weshalb sie, o bester der Könige, höher als die Speisespende eingestuft wird von den Brahma-Kundigen.
Wort für Wort
sadyastuṣṭikaraṃ jñeyam
als sofort zufriedenstellend zu erkennen
jaladānaṃ yato 'dhikam
die Wasserspende, weshalb sie höher (eingestuft wird)
Der Körper, so sagt man, entstehe aus Speise; auch die Lebenskräfte wisse man als aus Speise entstanden. Daher ist der Speisegeber als Lebensgeber zu erkennen, o Herrscher der Erde.
Wort für Wort
śarīram annājaṃ prāhuḥ
der Körper, so sagt man, entstehe aus Speise
prāṇān api annajān viduḥ
auch die Lebenskräfte wisse man als aus Speise entstanden
Welche Gabe auch immer zufriedenstellend ist und die Frucht aller Wünsche gewährt – dennoch gibt es keine der Speisegabe gleiche Gabe auf Erden, o Erdenherrscher.
annadasya kule jātā āyurārogyasaṃyutā nṛpottama / na bubhukṣāṃ te na paśyanti tasmādannaprado varaḥ
Die in der Sippe eines Speisegebers Geborenen, mit Lebensdauer und Gesundheit versehen [?], o bester der Könige – sie erfahren nie Hunger, daher ist der Speisegeber der Beste.
Wort für Wort
annadasya kule jātāḥ [?]
die in der Sippe eines Speisegebers Geborenen [?]
āyurārogyasaṃyutāḥ nṛpottama [?]
mit Lebensdauer und Gesundheit versehen, o bester der Könige [?]
na bubhukṣāṃ te na paśyanti [?]
sie erfahren keinen Hunger [?]
tasmāt annaprado varaḥ
daher ist der Speisegeber der Beste
[Anm.: Dieser Vers ist im Quelltext stark korrupt („āsahaṃstra nṛpotma ... napakaṃ te na paśaayanti“) und syntaktisch kaum zu rekonstruieren; sinngemäß gedeutet [?].]
rogitān brāhmaṇānyastu premṇā rakṣati rakṣakaḥ / sa koṭikulasaṃyukto vasedviṣṇupure yugam
Wer erkrankte Brahmanen als Beschützer mit Liebe beschützt, weilt, begleitet von zehn Millionen Sippenangehörigen, ein Yuga(-Zeitalter) in Viṣṇus Stadt.
Wort für Wort
rogitān brāhmaṇān yastu
wer erkrankte Brahmanen
premṇā rakṣati rakṣakaḥ
als Beschützer mit Liebe beschützt
sa koṭikulasaṃyukto
begleitet von zehn Millionen Sippenangehörigen
vaset viṣṇupure yugam [?]
weilt ein Yuga(-Zeitalter) in Viṣṇus Stadt [?]
[Anm.: Quelltext „vasedvūhyapure“ unklar/korrupt, hier probeweise als viṣṇupure aufgefasst [?], im Anschluss an die zahlreichen Parallelstellen dieses Kapitels.]
Wer, selbst nachdem er (die Kuh) von anderen empfangen hat, eine milchreiche Kuh (weiter-)gibt, dessen Verdienstfrucht zu benennen bin ich, o Gelehrter, nicht imstande.
viprāya vedaviduṣe dadyādubhayatomukhīm / yastasya puṇyaṃ saṃkhātuṃ na śakto 'bdaśatairapi
Wer einem vedakundigen Brahmanen eine ‘nach beiden Seiten (milchgebende und trächtige) Kuh’ gibt [Anm.: ubhayatomukhī] – dessen Verdienst ist selbst in hundert Jahren nicht aufzuzählen.
Wort für Wort
viprāya vedaviduṣe
einem vedakundigen Brahmanen
dadyād ubhayatomukhīm
wer eine ‘nach beiden Seiten’ (trächtige, milchgebende) Kuh gibt
Höre dessen Verdienstfrucht, o König, ich will sie der Wahrheit gemäß verkünden: auf der einen Seite (stehen) alle Opfer mit vollständigen, vortrefflichen Priestergaben,
ekato bhayabhītasya tu prāṇinaḥ prāṇarakṣaṇam / saṃrakṣati mahīpāla yo vipraṃ bhayavihvalam
– auf der anderen Seite die Lebensrettung eines von Furcht ergriffenen Lebewesens. Wer, Herrscher der Erde, einen von Furcht überwältigten Brahmanen beschützt,
Wort für Wort
ekato bhayabhītasya tu
auf der anderen Seite aber eines von Furcht ergriffenen
– er hat in allen Pilgerstätten gebadet, ist in alle Opfer eingeweiht. Der Kleidergeber (geht ein in) Rudras Wohnstatt, der Mädchengeber in Brahmās Reich.
Der Goldgeber geht, begleitet von seiner eigenen Sippe, in Viṣṇus Wohnstatt ein. Wer aber ein geschmücktes Mädchen einem in der Selbst-Erkenntnis Kundigen gibt,
– wer einen Stier freilässt, um Śiva zu erfreuen, dessen Frucht höre: er wird von den in sieben Geburten erworbenen Sünden befreit und erlangt Anteil an Rudras Gestalt.
Wort für Wort
vṛṣabhaṃ śivatuṣṭyartham utsṛjet
wer einen Stier freilässt, um Śiva zu erfreuen
tatphalaṃ śṛṇu
dessen Frucht höre
saptajanmārjitaiḥ pāpaiḥ vimukto
von den in sieben Geburten erworbenen Sünden befreit
Wer den Kriegern Wasser spendet, geht in die unübertreffliche Sonnenwelt ein; durch eine Wissens-Spende geht der Mensch zur Vereinigung mit Mādhava ein.
Die Wissens-Spende, die Landspende und die Kuh-Spende sind die allervortrefflichsten; sie erretten aus der Hölle, mehr noch als (bloßes) Murmelgebet, Fahrzeug(spende) und Melken [?].
Wort für Wort
vidyādānaṃ mahīdānaṃ
die Wissens-Spende, die Landspende
godānaṃ cottamottamam
und die Kuh-Spende sind die allervortrefflichsten
narakāduddharantyeva
sie erretten eben aus der Hölle
japavāhanadohanāt [?]
mehr als Murmelgebet, Fahrzeug, Melken [?]
[Anm.: „japavāhanadohanāt“ unklar in seiner genauen syntaktischen Funktion; sinngemäß als vergleichende Abgrenzung übersetzt [?].]
Unter allen Gaben zeichnet sich die Wissens-Spende besonders aus; durch die Wissens-Spende geht man, o bester der Könige, zur Vereinigung mit Viṣṇu ein.
Wodurch man, es gebend, Erlösung erlangt – auch die Liṅga-Spende gilt ebenso als solche; die Frucht, die ein Mensch durch die Spende von zehn Millionen Welteneiern erlangt,
Der Śālagrāma-Stein gilt bekanntlich als Viṣṇu selbst in Steingestalt. Welcher Mensch diese Gabe gibt – ‘möge sie angenommen werden, o Herr’ [?] –,
Wort für Wort
śālagrāmaśilārūpī
in Śālagrāma-Steingestalt
viṣṇureveti viśrutaḥ
gilt bekanntlich als Viṣṇu selbst
yo dadāti naro dānaṃ
welcher Mensch diese Gabe gibt
gṛhyatāṃ prabho iti [?]
‘möge sie angenommen werden, o Herr’ [?]
[Anm.: Der zweite Halbvers ist im Quelltext unvollständig/verkürzt überliefert („yo dadāti naro dānaṃ gṛhatāṃ prabho“); Sinn nur bruchstückhaft erschließbar [?].]
Durch eine Diamant-Spende erlangt der Mensch die Welt des Dhruva(-Sterns); durch eine Korallen-Spende (erlangt er) den Himmel, durch eine (weitere) erlangt er Rudras Welt.
Durch die Spende eines Fahrzeugs und durch die Spende einer Perle geht er in die Mondwelt ein; der Spender eines Katzenauge-Steins (geht ein in) Rudras Welt, ebenso der Spender eines Topas-Steins.
Wort für Wort
prayāti yānadānena
er geht ein durch die Spende eines Fahrzeugs
muktādānena caindavam
und durch die Spende einer Perle in die Mondwelt
vaiḍūryado rudralokaṃ
der Spender eines Katzenauge-Steins in Rudras Welt
Durch die Spende eines Topas-Steins genießt man überall Glück; durch eine Pferdespende erlangt man, o Herrscher der Erde, lange die Nähe (der himmlischen Pferde) [?].
Wort für Wort
puṣparāgapradānena
durch die Spende eines Topas-Steins
sarvatra sukhamaśnute
genießt man überall Glück
aśvadānena sāṃnidhyaṃ [?]
durch eine Pferdespende die Nähe [?]
ciraṃ vrajati bhūmipa
erlangt man lange, o Herrscher der Erde
[Anm.: Der zweite Halbvers ist im Quelltext unvollständig überliefert („asvasāṃnidhyaṃ ciraṃ vrajati bhūmipa“ ohne erkennbares Bezugswort für die Spende); sinngemäß als Pferdespende ergänzt [?].]
Durch die Spende eines mächtigen Elefanten erlangt man alle Wünsche; durch die Spende eines Fahrzeugs geht man, auf einem Himmelswagen weilend, in den Himmel ein.
Wort für Wort
gajadānena mahatā
durch die Spende eines mächtigen Elefanten
sarvānkāmānavāpnuyāt
erlangt man alle Wünsche
prayāti yānadānena svargaṃ
geht man durch die Spende eines Fahrzeugs in den Himmel ein
Der Salzspender erlangt, o Herrscher der Erde, die Welt Varuṇas. Diejenigen, die ihrer eigenen (Stands-)Übung hingegeben und dem Wohl aller Wesen zugetan sind,
– frei von Heuchelei, frei von Missgunst, gehen sie in Brahmās Reich ein. Diejenigen, die der Belehrung anderer hingegeben, frei von Leidenschaft und frei von Neid sind,
– der Verehrung von Haris Füßen hingegeben, gehen sie in Haris Wohnstatt ein. Diejenigen, die an der Freude guter Gemeinschaft Gefallen finden und stets zu guten Werken bereit sind,
parastrīsaṅgavimukhā na paśyanti yamālayam / jitendriyā jitāhārā goṣu kṣāntāḥ suśīlinaḥ
– der Gemeinschaft mit fremden Frauen abgeneigt, sehen sie nicht Yamas Wohnstatt. Die die Sinne bezwungen, die Nahrung bezwungen haben, gegenüber Kühen geduldig, von gutem Charakter,
– gegenüber Brahmanen von nachsichtiger Wesensart, gehen sie in Haris Wohnstatt ein. Diejenigen, die dem Feuer(-dienst) dienen und ebenso dem Lehrer dienen,
patiśuśrūṣaṇaratā na vai saṃsṛtibhāginaḥ / sadā devārcanaratā harinamaparāyaṇāḥ
– (Frauen,) die dem Dienst am Gatten hingegeben sind, haben keinen Anteil am Daseinskreislauf. Diejenigen, die stets der Gottesverehrung hingegeben und dem Namen Haris zugewandt sind,
pratigrahanivṛttāśca prayānti paramaṃ padam / anāthaṃ viprakuṇapaṃ ye daheyurnṛpottama
– und die vom (unrechten) Gabenempfang zurückgehalten sind, gehen in den höchsten Ort ein. Diejenigen, die die Leiche eines herrenlosen Brahmanen verbrennen, o bester der Könige,
Wort für Wort
pratigrahanivṛttāśca
und die vom (unrechten) Gabenempfang zurückgehalten sind
– wer ein (bislang) der Verehrung entbehrendes Liṅga verehrt, dessen Frucht höre: von Scharen der Apsaras' und Gandharvas besungen, auf einem Himmelswagen fahrend,
aśvamedhāyutaphalaṃ bhavettasya janeśvara / bhakṣyairbhojyaiḥ phalairvāpi śūnyaṃ liṅgaṃ prapūjya ca
– dem entsteht die Frucht zehntausend Pferdeopfer, o Herrscher der Menschen. Wer mit Essbarem, Genießbarem oder Früchten ein bislang leeres (unverehrtes) Liṅga verehrt,
śivasāyujyamāpnoti punarāvṛttivarjitam / pūjayā rahitaṃ viṣṇuṃ yo 'rcayedavaṃśaja
– erlangt die Vereinigung mit Śiva, frei von jeder Wiederkehr. Wer, auch wenn aus niedriger Sippe stammend [?], einen der Verehrung entbehrenden Viṣṇu verehrt,
Wort für Wort
śivasāyujyamāpnoti
erlangt die Vereinigung mit Śiva
punarāvṛttivarjitam
frei von jeder Wiederkehr
pūjayā rahitaṃ viṣṇuṃ
einen der Verehrung entbehrenden Viṣṇu
yo 'rcayedavaṃśaja [?]
wer verehrt, auch aus niedriger Sippe [?]
[Anm.: „akarvaṃśaja“ im Quelltext unklar/korrupt, sinngemäß als „auch wenn aus niedriger Sippe stammend“ gedeutet [?].]
jalenāpi sa sālokyaṃ viṣṇoryāti narottama / devatāyatane yastu kuryātsaṃmārjanaṃ sudhīḥ
– erlangt, und sei es auch nur mit Wasser, die Gleichwelt(-igkeit) mit Viṣṇu, o bester der Menschen. Wer klugen Sinnes im Gottestempel das Fegen vornimmt,
Wort für Wort
jalenāpi sa sālokyaṃ
und sei es auch nur mit Wasser, die Gleichwelt(-igkeit)
– erlangt für so viele Staubkörner (jeweils) ein Yuga(-Zeitalter) Aufenthalt in Viṣṇus Tempel(-welt). Wer, o bester der Könige, ein zerbrochenes Bergkristall-Liṅga wieder zusammenfügt,
Wort für Wort
yāvatpāṃsu
für so viele Staubkörner
yugāvāsaṃ vaiṣṇave mandire labhet
erlangt er ein Yuga(-Zeitalter) Aufenthalt in Viṣṇus Tempel(-welt)
sa koṭikulamuddhṛtya yāti sāmyaṃ madhudviṣaḥ / śilācūrṇena yo martyo devāgāraṃ tu lopayet
– errettet zehn Millionen seiner Sippe und geht zur Gleichheit mit dem Feind des Madhu (Viṣṇu) ein. Welcher Sterbliche mit Steinmörtel den Gottestempel ausbessert [?],
Wort für Wort
sa koṭikulamuddhṛtya
errettet zehn Millionen seiner Sippe
yāti sāmyaṃ madhudviṣaḥ
geht zur Gleichheit mit dem Feind des Madhu ein
śilācūrṇena yo martyo
welcher Sterbliche mit Steinmörtel
devāgāraṃ tu lopayet [?]
den Gottestempel ausbessert [?]
[Anm.: „lopayet“ hier sinngemäß als „ausbessern/verputzen“ aufgefasst, wörtlich eher „beseitigen“; der Kontext (Instandsetzung des Tempels) spricht für diese Deutung [?].]
– oder Svastika- und ähnliche (Glückszeichen) anbringt, dessen Verdienst ist unbegrenzt. Wer, o König, eine Lampen-Aufstellung im Gottestempel vornimmt,
– für ihn ist Augenblick für Augenblick die Frucht eines Pferdeopfers nicht schwer zu erreichen. Wer, den verehrten Śaṅkara oder auch Viṣṇu erblickend, sich verneigt,
Wort für Wort
kṣaṇe kṣaṇe 'śvamedhasya phalaṃ
Augenblick für Augenblick die Frucht eines Pferdeopfers
sa viṣṇubhavanaṃ prāpya modate ca yugāyutam / devyāḥ pradakṣiṇāmekāṃ saptaṃ sūryasya bhūmipa
– gelangt in Viṣṇus Wohnstatt und weilt zehntausend Yuga(-Zeitalter) in Freude. Eine Umschreitung der Göttin (gilt) sieben (Umschreitungen) der Sonne gleich, o Herrscher der Erde,
Wort für Wort
sa viṣṇubhavanaṃ prāpya
er gelangt in Viṣṇus Wohnstatt
modate ca yugāyutam
und weilt zehntausend Yuga(-Zeitalter) in Freude
devyāḥ pradakṣiṇāmekāṃ
eine Umschreitung der Göttin
saptaṃ sūryasya bhūmipa [?]
(gilt) sieben der Sonne gleich, o Herrscher der Erde [?]
[Anm.: Der Vers ist im Quelltext elliptisch formuliert; sinngemäß im Anschluss an V.137 (Vergleichsreihe der Pradakṣiṇā-Zahlen für verschiedene Gottheiten) ergänzt [?].]
– drei (Umschreitungen gelten) auch für Vināyaka (Gaṇeśa), vier im Viṣṇu-Tempel; wer diese vollzieht, gelangt in die jeweilige Wohnstatt und weilt hunderttausend Yuga(-Zeitalter) in Freude.
Wort für Wort
tistro vināyakasyāpi
drei auch für Vināyaka
catastro viṣṇumandire
vier im Viṣṇu-Tempel
kṛtvā tattadgṛhaṃ prāpya
diese vollzogen, in die jeweilige Wohnstatt gelangt
modate yugalakṣakam
weilt er hunderttausend Yuga(-Zeitalter) in Freude
yo viṣṇorbhaktibhāvena tathaiva godvijasya ca / pradakṣiṇāṃ caret tasya hyaśvamedhaḥ pade pade
Wer Viṣṇu, ebenso einer Kuh oder einem Brahmanen, mit hingebungsvoller Gesinnung die Umschreitung vollzieht, dem entspricht Schritt für Schritt ein Pferdeopfer.
Wer in Kāśī den großen Herrn (Maheśvara), das Māheśvara-Liṅga, verehrt und sich verneigt, für den gibt es keine (weitere religiöse) Pflicht mehr, und der Daseinskreislauf entsteht für ihn nicht mehr.
Wort für Wort
kāśyāṃ maheśvaraṃ
in Kāśī den großen Herrn
māheśvaraṃ liṅgaṃ saṃpūjya
das Māheśvara-Liṅga verehrend
praṇamettu yaḥ
wer sich verneigt
na tasya vidyate kṛtyaṃ saṃsṛtirnaiva jāyate
für den gibt es keine Pflicht mehr, der Daseinskreislauf entsteht nicht
bherīmṛdaṅgapaṭahamurajaiśca saha ḍiṇḍimaiḥ / saṃprīṇayanti deveśaṃ teṣāṃ puṇyaphalaṃ śṛṇu
Diejenigen, die den Gott der Götter mit Kriegstrommel, Mṛdaṅga, Handtrommel, Muraja(-Trommel) und Ḍiṇḍima(-Pauke) erfreuen – deren Verdienstfrucht höre:
Wort für Wort
bherīmṛdaṅgapaṭahamurajaiśca
mit Kriegstrommel, Mṛdaṅga, Handtrommel und Muraja
– begleitet von Scharen göttlicher Frauen, mit allen Wünschen (Genüssen) verehrt, gelangen sie in die Himmelswelt und weilen fünf Weltzeitalter in Freude.
Die höchste Seele, der Herr der Welt, der Gewährer der Frucht allen Werks, von den Vollbringern guter Werke stets gedacht, der Vernichter allen Leids – was auch immer im Hinblick auf ihn getan wird, das gereicht zur Unendlichkeit (der Frucht).
Wort für Wort
paramātmā jagannāthaḥ
die höchste Seele, der Herr der Welt
sarvakarmaphalapradaḥ
der Gewährer der Frucht allen Werks
satkarmakartṛbhirnityaṃ smṛtaḥ
von den Vollbringern guter Werke stets gedacht
sarvārtināśanaḥ
der Vernichter allen Leids
tamuddiśya kṛtaṃ yacca
was auch immer im Hinblick auf ihn getan wird
tadānantyāya kalpate
das gereicht zur Unendlichkeit (der Frucht)
[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt zwei Pādas.]
Die Pflichten sind Viṣṇu, und die Früchte sind Viṣṇu; die Werke sind Viṣṇu, und auch der Genießer der Früchte ist Viṣṇu; das zu Bewirkende ist Viṣṇu, und die Mittel dazu sind Viṣṇu – von ihm gibt es nichts Verschiedenes.
Wort für Wort
dharmāṇi viṣṇuśca phalāni viṣṇuḥ
die Pflichten sind Viṣṇu, und die Früchte sind Viṣṇu
karmāṇi viṣṇuśca phalāni bhoktā
die Werke sind Viṣṇu, und der Genießer der Früchte ist (Viṣṇu)
kāryaṃ ca viṣṇuḥ karaṇāni viṣṇuḥ
das zu Bewirkende ist Viṣṇu, die Mittel sind Viṣṇu
asmānna kiñcidvyatiriktamasti
von ihm gibt es nichts Verschiedenes
[Anm.: 'asmāt' im Sinne von 'von diesem (Viṣṇu) gibt es nichts Getrenntes/Verschiedenes'; Schlussvers des Kapitels im übergeordneten Metrum (Indravajrā-ähnlich), daher formal von den vorangehenden Śloka-Versen abweichend.]