Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 114: dvādaśamāsasthitaṣaṣṭhīvratanirūpaṇam Darlegung der im Zwölf-Monats-Zyklus stehenden Ṣaṣṭhī-Gelübde

Titel rekonstruiert aus dem Kolophon, der (quellenbedingt versetzt) am Kopf der Datei src_kap115_raw.txt erscheint („...dvādaśamāsasthitaṣaṣṭhīvratanirūpaṇaṃ nāma pañcadaśādhikaśatatamo 'dhyāyaḥ“) und inhaltlich eindeutig Kapitel 114 zuzuordnen ist; vgl. Anmerkung zu Kapitel 109. Dieses Kapitel enthält den insgesamt am stärksten verderbten Abschnitt der bearbeiteten sechs Kapitel (V14-V18 und V40, im Kontext des Lalitā-Vrata und eines Feuerritus), dessen Lesungen mehrfach nur näherungsweise erschlossen werden konnten (mit [?] markiert); V46 ist zudem nur als Halbvers überliefert.

sanātana uvāca / śṛṇu vipra pravakṣyāmi ṣaṣṭhyāścaiva vratāni te / yāni samyagvidhāyātra labhaghetsarvānmanorathān

Sanātana sprach: Höre, Brahmane, ich werde dir auch die Gelübde des sechsten Mondtags (Ṣaṣṭhī) verkünden, durch deren rechten Vollzug man hier alle Herzenswünsche erlangt.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu vipra pravakṣyāmi
höre, Brahmane, ich werde verkünden
ṣaṣṭhyāścaiva vratāni te
dir auch die Gelübde des sechsten Mondtags
yāni samyagvidhāyātra labheta sarvānmanorathān
durch deren rechten Vollzug man hier alle Herzenswünsche erlangt

labhaghet ist eine ungewöhnliche Verbform, wohl für labheta („er/man möge erlangen“). Der eigentliche Kolophon des vorangehenden Kapitels (113, Pañcamī-Vrata) erscheint quellenbedingt versetzt am Kopf dieser Datei und wurde nicht mitübersetzt (vgl. Anmerkung zu Kapitel 109).

caitramāse śuklaṣaṣṭhyāṃ kumāravratamuttamam / tatreṣṭvā ṣaṇmukhaṃ devaṃ nānāpūjā vidhānataḥ

Im Monat Caitra, am sechsten hellen Tag, gibt es das vorzügliche Kumāra-Gelübde; dabei soll man, nachdem man den sechsgesichtigen Gott mit vielfältiger Verehrung nach Vorschrift verehrt hat,

Wort für Wort
caitramāse śuklaṣaṣṭhyāṃ
im Monat Caitra, am sechsten hellen Tag
kumāravratamuttamam
gibt es das vorzügliche Kumāra-Gelübde
tatreṣṭvā ṣaṇmukhaṃ devaṃ
dabei, nachdem man den sechsgesichtigen Gott verehrt hat
nānāpūjā vidhānataḥ
mit vielfältiger Verehrung nach Vorschrift

putraṃ sarvaguṇopetaṃ prāpnuyāccirajīvinam / vaiśākhaśuklaṣaṣṭhyāṃ ca pūjayitvā ca kārtikam

einen mit allen Tugenden versehenen, langlebigen Sohn erlangen. Und am sechsten hellen Tag des Vaiśākha, nachdem man Kārtikeya verehrt hat,

Wort für Wort
putraṃ sarvaguṇopetaṃ
einen mit allen Tugenden versehenen Sohn
prāpnuyāccirajīvinam
möge man erlangen, einen langlebigen
vaiśākhaśuklaṣaṣṭhyāṃ ca
und am sechsten hellen Tag des Vaiśākha
pūjayitvā ca kārtikam
nachdem man Kārtikeya verehrt hat

labhate mātṛjaṃ saukhyaṃ nātra kāryā vicāraṇā / jyeṣṭhamāse śuklaṣaṣṭhyāṃ vidhineṣṭvā divākaram

erlangt man das von der Mutter herrührende Glück – daran ist kein Zweifel zu hegen. Im Monat Jyeṣṭha, am sechsten hellen Tag, nachdem man nach Vorschrift die Sonne verehrt hat,

Wort für Wort
labhate mātṛjaṃ saukhyaṃ
erlangt man das von der Mutter herrührende Glück
nātra kāryā vicāraṇā
daran ist kein Zweifel zu hegen
jyeṣṭhamāse śuklaṣaṣṭhyāṃ
im Monat Jyeṣṭha, am sechsten hellen Tag
vidhineṣṭvā divākaram
nachdem man nach Vorschrift die Sonne verehrt hat

labhate vāñchitānkāmāṃstatprasādānna saṃśayaḥ / āṣāḍhaśuklaṣaṣṭhyāṃ vai skandavratamanuttamam

erlangt man die gewünschten Wünsche, durch dessen Gnade – kein Zweifel. Am sechsten hellen Tag des Āṣāḍha gibt es fürwahr das unübertreffliche Skanda-Gelübde;

Wort für Wort
labhate vāñchitānkāmāṃs
erlangt man die gewünschten Wünsche
tatprasādānna saṃśayaḥ
durch dessen Gnade – kein Zweifel
āṣāḍhaśuklaṣaṣṭhyāṃ vai
am sechsten hellen Tag des Āṣāḍha fürwahr
skandavratamanuttamam
gibt es das unübertreffliche Skanda-Gelübde

upoṣya pūjayitvainaṃ śivomāpriyamātmajam / labhate 'bhīpsitānkāmānputrapautrādisaṃtatīḥ

nachdem man gefastet und diesen, den Śiva und Umā lieben Sohn, verehrt hat, erlangt man die begehrten Wünsche, Nachkommenschaft von Söhnen, Enkeln und dergleichen.

Wort für Wort
upoṣya pūjayitvainaṃ
nachdem man gefastet und diesen verehrt hat
śivomāpriyamātmajam
den Śiva und Umā lieben Sohn
labhate 'bhīpsitānkāmān
erlangt man die begehrten Wünsche
putrapautrādisaṃtatīḥ
Nachkommenschaft von Söhnen, Enkeln und dergleichen

śrāvaṇe śuklaṣaṣṭhyāṃ tu śarajanmānamarcayet / upacāraiḥ ṣoḍaśabhirbhaktyā paramayānvitaḥ

Am sechsten hellen Tag des Śrāvaṇa aber soll man den aus dem Schilfrohr Geborenen verehren, mit den sechzehn Ehrenerweisungen, von höchster Hingabe erfüllt,

Wort für Wort
śrāvaṇe śuklaṣaṣṭhyāṃ tu
am sechsten hellen Tag des Śrāvaṇa aber
śarajanmānamarcayet
soll man den aus dem Schilfrohr Geborenen verehren
upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ
mit den sechzehn Ehrenerweisungen
bhaktyā paramayānvitaḥ
von höchster Hingabe erfüllt

labhate 'bhīpsitānarthānṣaṇmukhasya prasādataḥ / bhādramāse kṛṣṇaṣaṣṭyāṃ lalitāvratamucyate

so erlangt man die begehrten Ziele, durch die Gnade des Sechsgesichtigen. Im Monat Bhādra, am sechsten dunklen Tag, wird das Lalitā-Gelübde genannt;

Wort für Wort
labhate 'bhīpsitānarthān
erlangt man die begehrten Ziele
ṣaṇmukhasya prasādataḥ
durch die Gnade des Sechsgesichtigen
bhādramāse kṛṣṇaṣaṣṭyāṃ
im Monat Bhādra, am sechsten dunklen Tag
lalitāvratamucyate
wird das Lalitā-Gelübde genannt

prātaḥ snātvā vidhānena nārī śuklāmbarāvṛtā / śuktamālyayadharā vāpi nadyāḥ saṃgamavālukām

am Morgen, nachdem sie nach Vorschrift gebadet hat, soll die Frau, in weißes Gewand gehüllt, mit einer Perlenkette geschmückt, oder auch, den Sand vom Zusammenfluss der Flüsse

Wort für Wort
prātaḥ snātvā vidhānena
am Morgen, nachdem sie nach Vorschrift gebadet hat
nārī śuklāmbarāvṛtā
die Frau, in weißes Gewand gehüllt
śuktamālyayadharā vāpi
mit einer Perlenkette geschmückt, oder auch
nadyāḥ saṃgamavālukām
den Sand vom Zusammenfluss der Flüsse

gṛhītvā vaṃśapātre tu dhṛtvā piṇḍākṛtiṃ ca tām / pañcadhā lalitāṃ tatra dhyāyedvanavilāsinīm

nehmen und in einem Bambusgefäß halten, ihn zu einer Klumpengestalt geformt; dort soll sie die Lalitā, die im Wald Wandelnde, fünffach meditieren,

Wort für Wort
gṛhītvā vaṃśapātre tu
nachdem sie genommen hat, in einem Bambusgefäß
dhṛtvā piṇḍākṛtiṃ ca tām
und ihn haltend, zu einer Klumpengestalt geformt
pañcadhā lalitāṃ tatra
dort die Lalitā fünffach
dhyāyedvanavilāsinīm
soll sie meditieren, die im Wald Wandelnde

paṅkajaṃ karavīraṃ ca nepālīṃ mālatīṃ tathā / nīlotpalaṃ ketakīṃ ca saṃgṛhya tagaraṃ tathā

Lotus, Oleander, Nepālī-Blume, sowie Mālatī, blauen Lotus, Ketakī, und ebenso, nachdem sie Tagara-Blüten genommen hat,

Wort für Wort
paṅkajaṃ karavīraṃ ca
Lotus, und Oleander
nepālīṃ mālatīṃ tathā
Nepālī-Blume, sowie Mālatī
nīlotpalaṃ ketakīṃ ca
blauen Lotus, und Ketakī
saṃgṛhya tagaraṃ tathā
und ebenso, nachdem sie Tagara-Blüten genommen hat

ekaikāṣṭaśataṃ grāhyamaṣṭāviṃśatireva ca / akṣatāḥ kalikā gṛhya tābhirdevīṃ prapūjayet

soll man von jeder je hundertacht nehmen, und auch achtundzwanzig; nachdem man ungeschälten Reis und Knospen genommen hat, soll man mit diesen die Göttin verehren,

Wort für Wort
ekaikāṣṭaśataṃ grāhyam
von jeder je hundertacht soll man nehmen
aṣṭāviṃśatireva ca
und auch achtundzwanzig
akṣatāḥ kalikā gṛhya
nachdem man ungeschälten Reis und Knospen genommen hat
tābhirdevīṃ prapūjayet
soll man mit diesen die Göttin verehren

prārthayedagrataḥ sthitvā devīṃ tāṃ giriśapriyām / gaṅgādvāre kuśāvartte vilvake nīlaparvate

und vor ihr stehend die Göttin bitten, die dem Bergbewohner liebe: 'An der Gangesmündung, in Kuśāvarta, in Bilvaka, am Nīlaparvata,

Wort für Wort
prārthayedagrataḥ sthitvā
vor ihr stehend soll man bitten
devīṃ tāṃ giriśapriyām
diese Göttin, die dem Bergbewohner (Śiva) liebe
gaṅgādvāre kuśāvartte
an der Gangesmündung, in Kuśāvarta
vilvake nīlaparvate
in Bilvaka, am Nīlaparvata

snātvā kanakhale devi harariṃ [?] labdhavatī patim / lalite subhagaṃ devi sukhasaubhāgyadāyini

nachdem du in Kanakhala gebadet hast, o Göttin, hast du Hari [?] zum Gatten erlangt; o Lalitā, holdselige Göttin, Verleiherin von Glück und Eheglück,

Wort für Wort
snātvā kanakhale devi
nachdem du in Kanakhala gebadet hast, o Göttin
harariṃ [?] labdhavatī patim
hast du Hari [?] zum Gatten erlangt
lalite subhagaṃ devi
o Lalitā, holdselige Göttin
sukhasaubhāgyadāyini
Verleiherin von Glück und Eheglück

harariṃ ist morphologisch auffällig; vermutlich für harim (Hari/Viṣṇu) verlesen; mit [?] markiert.

anataṃ dahi [?] saubhāgyemahyaṃ tubhyaṃ namo 'namanaḥ [?] / mantreṇānena kusumaiśvaṃpakasya suśobhanaiḥ

gib mir unvergängliches [?] Eheglück, dir Verehrung, Verehrung [?]!' Mit diesem Mantra, mit Bambus-Blumen [?], schön anzusehen,

Wort für Wort
anataṃ dahi [?] saubhāgye
gib mir unvergängliches [?] Eheglück
mahyaṃ tubhyaṃ namo 'namanaḥ [?]
mir, dir Verehrung, Verehrung [?]
mantreṇānena kusumaiḥ
mit diesem Mantra, mit Blumen
svaṃpakasya [?] suśobhanaiḥ
des Bambus [?], schön anzusehen

Diese Halbzeile ist stark verderbt überliefert (anataṃ dahi, namo 'namanaḥ, svaṃpaka); die Übersetzung gibt nur eine sinngemäße Annäherung; mit [?] markiert.

abhyarcya vidhivattasyā navaidyaṃ [?] purato nyaset / trapuṣairapi kūṣmāṇḍairnālikeraiḥ sudāḍimaiḥ

nachdem man sie nach Vorschrift verehrt hat, soll man die Speiseopfergabe [?] vor ihr aufstellen: mit Gurken, auch mit Kürbissen, mit Kokosnüssen, mit schönen Granatäpfeln,

Wort für Wort
abhyarcya vidhivattasyā
nachdem man sie nach Vorschrift verehrt hat
navaidyaṃ [?] purato nyaset
soll man die Speiseopfergabe [?] vor ihr aufstellen
trapuṣairapi kūṣmāṇḍaiḥ
mit Gurken, auch mit Kürbissen
nālikeraiḥ sudāḍimaiḥ
mit Kokosnüssen, mit schönen Granatäpfeln

navaidyam ist wohl eine Verschreibung für naivedyam („Speiseopfergabe“); mit [?] markiert.

bījapūraiḥ sutuḍīraiḥ [?] kāravallaiḥ sacirbhaṭaiḥ / phalaistatkālasaṃbhūtaiḥ kṛtvā śobhāṃ tadagrataḥ

mit Zedratfrüchten, mit [unklaren Früchten] [?], mit Bittermelonen, mit Cirbhaṭa-Gurken, mit zu dieser Zeit entstandenen Früchten – nachdem man vor ihr eine Zierde damit gemacht hat,

Wort für Wort
bījapūraiḥ sutuḍīraiḥ [?]
mit Zedratfrüchten, mit [?] (unklaren Früchten)
kāravallaiḥ sacirbhaṭaiḥ
mit Bittermelonen, mit Cirbhaṭa-Gurken
phalaistatkālasaṃbhūtaiḥ
mit zu dieser Zeit entstandenen Früchten
kṛtvā śobhāṃ tadagrataḥ
nachdem man vor ihr eine Zierde damit gemacht hat

sutuḍīraiḥ ist unklar überliefert (Fruchtname nicht sicher identifizierbar); mit [?] markiert.

virūḍhadhānyāṅkurakaiḥ sudīpāvalibhistathā / sāddhai sargaṇakaidhūpaḥ [?] sauhālakakarañjakaiḥ [?]

mit gekeimten Getreidesprossen, sowie mit schönen Lichterreihen, mit [?] Räucherwerk, mit Sauhālaka- und Karañja-Blumen [?],

Wort für Wort
virūḍhadhānyāṅkurakaiḥ
mit gekeimten Getreidesprossen
sudīpāvalibhistathā
sowie mit schönen Lichterreihen
sāddhai sargaṇakaidhūpaḥ [?]
mit [?] Räucherwerk
sauhālakakarañjakaiḥ [?]
mit Sauhālaka- und Karañja-Blumen [?]

Die zweite Halbzeile (sāddhai sargaṇakaidhūpaḥ, sauhālakakarañjakaiḥ) ist stark verderbt bzw. unklar überliefert; nur sinngemäß angenähert; mit [?] markiert.

guḍapuṣpaiḥ karṇaveṣṭaḍairmodakairupamodakaiḥ / bahuprakārairnaivedyairyathā vibhavasārataḥ

mit Zucker-Blüten, mit Karṇaveṣṭaka-Gebäck, mit Modaka und Upamodaka, mit vielfältigen Speiseopfergaben, entsprechend dem eigenen Vermögen,

Wort für Wort
guḍapuṣpaiḥ karṇaveṣṭaḍaiḥ
mit Zucker-Blüten, mit Karṇaveṣṭaka-Gebäck
modakairupamodakaiḥ
mit Modaka und Upamodaka
bahuprakārairnaivedyaiḥ
mit vielfältigen Speiseopfergaben
yathā vibhavasārataḥ
entsprechend dem eigenen Vermögen

evamabhyarcya vidhivadrātrau jāgaraṇotsavam / gītavādyanaṭairnṛtyaiḥ prokṣaṇīyairanekadhā

nachdem man so nach Vorschrift verehrt hat, soll man in der Nacht das Nachtwache-Fest feiern, mit Gesang, Musik, Schauspielern, Tänzen, mit vielfachen Besprengungen,

Wort für Wort
evamabhyarcya vidhivat
nachdem man so nach Vorschrift verehrt hat
rātrau jāgaraṇotsavam
in der Nacht das Nachtwache-Fest
gītavādyanaṭairnṛtyaiḥ
mit Gesang, Musik, Schauspielern, Tänzen
prokṣaṇīyairanekadhā
mit vielfachen Besprengungen

sakhībhiḥ sahitā sādhvī tāṃ rātriṃ prasabhaṃ nayet / na ca saṃmīlayennetre nārīyāmacatuṣṭayam

zusammen mit ihren Freundinnen soll die tugendhafte Frau diese Nacht mit Nachdruck verbringen; die Frau soll die Augen nicht schließen, während der vier Nachtwachen.

Wort für Wort
sakhībhiḥ sahitā sādhvī
zusammen mit ihren Freundinnen, die tugendhafte
tāṃ rātriṃ prasabhaṃ nayet
soll diese Nacht mit Nachdruck verbringen
na ca saṃmīlayennetre
und soll die Augen nicht schließen
nārīyāmacatuṣṭayam
die Frau, während der vier Nachtwachen

durbhagā duṣkṛtā vandhyā netrasaṃmīlanādbhavet / evaṃ jāgaraṇaṃ kṛtvā saptamyāṃ saritaṃ nayet

Vom Schließen der Augen wird sie unglücklich, sündig, unfruchtbar. Nachdem man so die Nachtwache vollzogen hat, soll man das Abbild am siebten Tag zum Fluss bringen,

Wort für Wort
durbhagā duṣkṛtā vandhyā
unglücklich, sündig, unfruchtbar
netrasaṃmīlanādbhavet
wird sie vom Schließen der Augen
evaṃ jāgaraṇaṃ kṛtvā
nachdem man so die Nachtwache vollzogen hat
saptamyāṃ saritaṃ nayet
soll man am siebten Tag zum Fluss bringen

gandhapuṣpaistathābhyarcya gītavādyapuraḥsaraiḥ / tacca dadyāddvijendrāya naivedyādi dvijottama

nachdem man es mit Duftstoffen und Blumen, begleitet von Gesang und Musik, verehrt hat; und dies, die Speiseopfergabe und dergleichen, soll man dem Fürsten der Brahmanen geben, o bester der Brahmanen,

Wort für Wort
gandhapuṣpaistathābhyarcya
nachdem man mit Duftstoffen und Blumen verehrt hat
gītavādyapuraḥsaraiḥ
begleitet von Gesang und Musik
tacca dadyāddvijendrāya
und dies soll man dem Fürsten der Brahmanen geben
naivedyādi dvijottama
die Speiseopfergabe und dergleichen, o bester der Brahmanen

snātvā gṛhaṃ samāgatya hutvā vaiśvānaraṃ tataḥ / devānpitṝnmanuṣyāṃśca pūjayitvā suvāsinīḥ

nachdem man gebadet und ist zum Haus zurückgekehrt und danach dem Vaiśvānara geopfert hat; nachdem man die Götter, Ahnen und Menschen sowie verheiratete Frauen verehrt hat,

Wort für Wort
snātvā gṛhaṃ samāgatya
nachdem man gebadet hat und zum Haus zurückgekehrt ist
hutvā vaiśvānaraṃ tataḥ
und danach dem Vaiśvānara geopfert hat
devānpitṝnmanuṣyāṃśca
die Götter, Ahnen und Menschen
pūjayitvā suvāsinīḥ
sowie verheiratete Frauen, nachdem man verehrt hat

kanyakāścaiva saṃbhojya brāhmaṇāndaśa pañca ca / bhakṣyabhojyairbahuvidhairdatvā dānāni bhūriśaḥ

und auch Jungfrauen gespeist, sowie fünfzehn Brahmanen, mit vielfältigen Speisen und Genüssen, nachdem man reichlich Gaben gegeben hat,

Wort für Wort
kanyakāścaiva saṃbhojya
und auch nachdem man Jungfrauen gespeist hat
brāhmaṇāndaśa pañca ca
sowie fünfzehn Brahmanen
bhakṣyabhojyairbahuvidhaiḥ
mit vielfältigen Speisen und Genüssen
datvā dānāni bhūriśaḥ
nachdem man reichlich Gaben gegeben hat

lalitā me 'stu suprītā ityuktvā tānvisarjayet / yaḥ kaścidācaredetadvrataṃ saubhāgyadaṃ param

soll man, mit den Worten 'Lalitā sei mir wohlgesinnt', sie entlassen. Wer auch immer dieses höchste, Eheglück gewährende Gelübde vollzieht,

Wort für Wort
lalitā me 'stu suprītā
'Lalitā sei mir wohlgesinnt'
ityuktvā tānvisarjayet
mit diesen Worten soll man sie entlassen
yaḥ kaścidācaredetad
wer auch immer dieses vollzieht
vrataṃ saubhāgyadaṃ param
höchste, Eheglück gewährende Gelübde

naro vā yadi vā nārī tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu / yadvrataiśca tapobhiśca dānairvā niyamairapi

sei es ein Mann oder eine Frau, höre die verdienstvolle Frucht davon: was durch Gelübde, Askese, Gaben oder auch durch Regeln

Wort für Wort
naro vā yadi vā nārī
sei es ein Mann oder eine Frau
tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu
höre die verdienstvolle Frucht davon
yadvrataiśca tapobhiśca
was durch Gelübde und durch Askese
dānairvā niyamairapi
oder durch Gaben oder auch durch Regeln

tadeteneha labhyeta kiṃ bahūktena nārada / mṛteranantaraṃ prāpya śivalokaṃ sanātanam

erlangt wird, das wird hierdurch erlangt – was soll viel gesagt werden, o Nārada; nach dem Tod erlangt man unmittelbar die ewige Welt Śivas,

Wort für Wort
tadeteneha labhyeta
das wird hierdurch erlangt
kiṃ bahūktena nārada
was soll viel gesagt werden, o Nārada
mṛteranantaraṃ prāpya
nach dem Tod unmittelbar erlangend
śivalokaṃ sanātanam
die ewige Welt Śivas

modate lalitādevyā śaive vai sakhivacciram / nabhasye māsi yā śuklā ṣaṣṭhī sā candanāhvayā

und freut sich lange mit der Göttin Lalitā, in der Śiva-Welt fürwahr wie eine Freundin. Im Monat Nabhas ist der helle sechste Tag 'Candanā' genannt;

Wort für Wort
modate lalitādevyā
und freut sich mit der Göttin Lalitā
śaive vai sakhivacciram
in der Śiva-Welt fürwahr wie eine Freundin, lange
nabhasye māsi yā śuklā
im Monat Nabhas der helle
ṣaṣṭhī sā candanāhvayā
sechste Tag ist 'Candanā' genannt

tasyāṃ devīṃ samabhyarcya labhate tatsalokatām / rohiṇī pātabhaumaistu saṃyutā kapilā bhavet

an diesem, nachdem man die Göttin verehrt hat, erlangt man die gemeinsame Welt mit ihr. Wenn (die Ṣaṣṭhī) mit Rohiṇī und dem Mars-Tag verbunden ist, wird sie 'Kapilā' genannt,

Wort für Wort
tasyāṃ devīṃ samabhyarcya
an diesem, nachdem man die Göttin verehrt hat
labhate tatsalokatām
erlangt man die gemeinsame Welt mit ihr
rohiṇī pātabhaumaistu
mit Rohiṇī und dem Mars-Tag aber
saṃyutā kapilā bhavet
wenn (sie) verbunden ist, wird sie 'Kapilā' genannt

tasyāṃ raviṃ samabhyarcya vratī niyamatatparaḥ / labhate vāñchitānkāmānbhāskarasya prasādataḥ

an diesem, nachdem der Gelübdehaltende, den Regeln ergeben, die Sonne verehrt hat, erlangt er die gewünschten Wünsche durch die Gnade des Sonnengottes.

Wort für Wort
tasyāṃ raviṃ samabhyarcya
an diesem, nachdem man die Sonne verehrt hat
vratī niyamatatparaḥ
der Gelübdehaltende, den Regeln ergeben
labhate vāñchitānkāmān
erlangt er die gewünschten Wünsche
bhāskarasya prasādataḥ
durch die Gnade des Sonnengottes

annadānaṃ japo homaṃ pitṛdevarṣitarpaṇam / sarvamevākṣayaṃ jñeyaṃ kṛtaṃ devarṣisattama

Speisegabe, Murmelgebet, Feueropfer, Sättigung der Ahnen, Götter und Ṛṣis – alles, was vollzogen wurde, ist als unvergänglich zu wissen, o bester der Götterweisen.

Wort für Wort
annadānaṃ japo homaṃ
Speisegabe, Murmelgebet, Feueropfer
pitṛdevarṣitarpaṇam
Sättigung der Ahnen, Götter und Ṛṣis
sarvamevākṣayaṃ jñeyaṃ
alles ist als unvergänglich zu wissen
kṛtaṃ devarṣisattama
was vollzogen wurde, o bester der Götterweisen

kapilāṃ dhenumabhyarcya vastramālyānulepanaiḥ / pradadyādvedaviduṣe dvādaśātmapratuṣṭaye

Nachdem man eine kapilā-farbene Kuh mit Gewand, Girlanden und Salben verehrt hat, soll man sie dem Vedakundigen geben, zur Zufriedenstellung des Zwölffachen (der Sonnengottheit).

Wort für Wort
kapilāṃ dhenumabhyarcya
nachdem man eine kapilā-farbene Kuh verehrt hat
vastramālyānulepanaiḥ
mit Gewand, Girlanden und Salben
pradadyādvedaviduṣe
soll man sie dem Vedakundigen geben
dvādaśātmapratuṣṭaye
zur Zufriedenstellung des Zwölffachen (Āditya)

atheṣuśuklaṣaṣṭhyāṃ tu pūjyā kātyāyanī dvija / gandhādyairmaṅgaladravyairnaivedyairvividhaistathā

Nun, am sechsten hellen Tag des Iṣu (Kārtika), soll Kātyāyanī verehrt werden, o Brahmane, mit Duftstoffen und anderen heilbringenden Gegenständen, sowie mit vielfältigen Speiseopfergaben,

Wort für Wort
atheṣuśuklaṣaṣṭhyāṃ tu
nun, am sechsten hellen Tag des Iṣu aber
pūjyā kātyāyanī dvija
soll Kātyāyanī verehrt werden, o Brahmane
gandhādyairmaṅgaladravyaiḥ
mit Duftstoffen und anderen heilbringenden Gegenständen
naivedyairvividhaistathā
sowie mit vielfältigen Speiseopfergaben

tataḥ kṣamāpya deveśīṃ praṇipatya visarjayet / pūjyātra saikatī mūrtiryadvā dvijasatī [?] mudā

danach soll man, nachdem man die Göttergebieterin um Verzeihung gebeten und sich verneigt hat, sie entlassen; hierbei ist ein aus Sand geformtes Abbild zu verehren, oder auch ein von einer Brahmanenfrau [?] mit Freude (angefertigtes),

Wort für Wort
tataḥ kṣamāpya deveśīṃ
danach, nachdem man die Göttergebieterin um Verzeihung gebeten hat
praṇipatya visarjayet
und sich verneigt hat, soll man (sie) entlassen
pūjyātra saikatī mūrtiḥ
hierbei ist ein aus Sand geformtes Abbild zu verehren
yadvā dvijasatī [?] mudā
oder auch ein von einer Brahmanenfrau [?] mit Freude (angefertigtes)

dvijasatī ist im Kontext unklar (evtl. „die tugendhafte Brahmanenfrau“, die das Abbild formt); mit [?] markiert.

vastrālaṅkaraṇairbhavyaiḥ kātyāyinyāḥ pratuṣṭaye / kanyā varaṃ prāpnuyācca vāñcitaṃ putramaṅganā

mit prächtigem Gewand und Schmuck, zur Zufriedenstellung der Kātyāyanī; die Jungfrau erlangt so einen Bräutigam, und die Frau den gewünschten Sohn,

Wort für Wort
vastrālaṅkaraṇairbhavyaiḥ
mit prächtigem Gewand und Schmuck
kātyāyinyāḥ pratuṣṭaye
zur Zufriedenstellung der Kātyāyanī
kanyā varaṃ prāpnuyācca
die Jungfrau erlangt einen Bräutigam
vāñcitaṃ putramaṅganā
und die Frau den gewünschten Sohn

kātyāyinīprasādādvai nātra kāryā vicāraṇā / kārtike śuklaṣaṣṭhyāṃ tu ṣaṇmukhena mahātmanā

fürwahr durch die Gnade der Kātyāyanī – daran ist kein Zweifel zu hegen. Am sechsten hellen Tag des Kārtika aber wurde von dem hochherzigen Sechsgesichtigen,

Wort für Wort
kātyāyinīprasādādvai
fürwahr durch die Gnade der Kātyāyanī
nātra kāryā vicāraṇā
daran ist kein Zweifel zu hegen
kārtike śuklaṣaṣṭhyāṃ tu
am sechsten hellen Tag des Kārtika aber
ṣaṇmukhena mahātmanā
von dem hochherzigen Sechsgesichtigen

devasenā mahābhāgā labdhā sarvusurārpitā [?] / atastasyāṃ suraśreṣṭhāṃ devasenāṃ ca ṣaṇmukham

die hochgesegnete Devasenā erlangt, von allen Göttern dargebracht [?]; deshalb soll man an diesem Tag die vorzüglichste unter den Göttern, Devasenā, sowie den Sechsgesichtigen,

Wort für Wort
devasenā mahābhāgā
die hochgesegnete Devasenā
labdhā sarvusurārpitā [?]
erlangt, von allen Göttern dargebracht [?]
atastasyāṃ suraśreṣṭhāṃ
deshalb an diesem (Tag) die vorzüglichste unter den Göttern
devasenāṃ ca ṣaṇmukham
Devasenā sowie den Sechsgesichtigen

sarvusurārpitā ist unklar überliefert, wohl verderbt für sarvāsurārpitā oder sarvasurārpitā („von allen Göttern dargebracht“); mit [?] markiert.

saṃpūjya nikhilaireva upacārairmanoharaiḥ / prāpnuyādatulāṃ siddhiṃ manobhīṣṭāṃ dvijottama

mit allen bezaubernden Ehrenerweisungen verehren; so erlangt man unvergleichliche, im Geist gewünschte Vollkommenheit, o bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
saṃpūjya nikhilaireva
nachdem man mit allen verehrt hat
upacārairmanoharaiḥ
mit bezaubernden Ehrenerweisungen
prāpnuyādatulāṃ siddhiṃ
erlangt man unvergleichliche Vollkommenheit
manobhīṣṭāṃ dvijottama
die im Geist gewünschte, o bester der Zweifachgeborenen

atraiva vahnipūjoktāṃ tāṃ ca sampaksamācaret [?] / vividhadravyahomaiśca vahnipūjāpuraḥ saram [?]

Eben hierbei soll man auch die genannte Feuerverehrung recht vollziehen [?], mit vielfältigen Opfergaben und Feueropfern, der Feuerverehrung vorangehend [?],

Wort für Wort
atraiva vahnipūjoktāṃ
eben hierbei die genannte Feuerverehrung
tāṃ ca sampaksamācaret [?]
soll man auch recht vollziehen [?]
vividhadravyahomaiśca
mit vielfältigen Opfergaben und Feueropfern
vahnipūjāpuraḥsaram [?]
der Feuerverehrung vorangehend [?]

Beide Halbzeilen dieses Verses sind unklar bzw. verderbt überliefert (sampaksamācaret, vahnipūjāpuraḥ saram); nur sinngemäß angenähert; mit [?] markiert.

mārgaśīrṣe śaklaṣaṣṭhyāṃ [sic] nihatastārakāsuraḥ / skandena satkṛtiḥ prāptā brahamādyaiḥ parikalpitā

Am sechsten hellen Tag des Mārgaśīrṣa wurde der Dämon Tāraka von Skanda erschlagen; die Ehrung (Skandas) wurde von Brahmā und den anderen (Göttern) veranstaltet,

Wort für Wort
mārgaśīrṣe śuklaṣaṣṭhyāṃ
am sechsten hellen Tag des Mārgaśīrṣa
nihatastārakāsuraḥ
wurde der Dämon Tāraka erschlagen
skandena satkṛtiḥ prāptā
von Skanda; die Ehrung wurde erlangt
brahamādyaiḥ parikalpitā
von Brahmā und den anderen (Göttern) veranstaltet

śaklaṣaṣṭhyām ist ein Schreibfehler für śuklaṣaṣṭhyām; als Tippfehler belassen.

tato 'syāṃ pūjayetskandaṃ gandhapuṣpākṣataiḥ phalaiḥ / vastrairābhūṣaṇaścāpi naivedyairvividhaistathā

deshalb soll man an diesem Tag Skanda verehren, mit Duftstoffen, Blumen, ungeschältem Reis, Früchten, mit Gewändern und auch Schmuck, sowie mit vielfältigen Speiseopfergaben,

Wort für Wort
tato 'syāṃ pūjayetskandaṃ
deshalb soll man an diesem (Tag) Skanda verehren
gandhapuṣpākṣataiḥ phalaiḥ
mit Duftstoffen, Blumen, ungeschältem Reis, Früchten
vastrairābhūṣaṇaścāpi
mit Gewändern und auch Schmuck
naivedyairvividhaistathā
sowie mit vielfältigen Speiseopfergaben

ravivāreṇa saṃyuktā tathā śatabhiṣānvitā / yadi cetsā samuddiṣṭā caṃpāhvā munisattama

wenn diese Ṣaṣṭhī mit einem Sonntag zusammenfällt sowie mit dem Śatabhiṣā-Mondhaus verbunden ist, wird sie 'Campā' genannt, o bester der Weisen;

Wort für Wort
ravivāreṇa saṃyuktā
wenn sie mit einem Sonntag zusammenfällt
tathā śatabhiṣānvitā
sowie mit dem Śatabhiṣā-Mondhaus verbunden ist
yadi cetsā samuddiṣṭā
wenn dies so bezeichnet wird
caṃpāhvā munisattama
wird sie 'Campā' genannt, o bester der Weisen

tasyāṃ viśveśvaro devo draṣṭavyaḥ pāpanāśanaḥ / pūjanīyo vedanīyaḥ smartavyaḥ saukhyamicchatā

an diesem Tag soll der Gott Viśveśvara, der Sündenvernichter, betrachtet, verehrt, erkannt und erinnert werden von dem, der Glück wünscht;

Wort für Wort
tasyāṃ viśveśvaro devo
an diesem (Tag) der Gott Viśveśvara
draṣṭavyaḥ pāpanāśanaḥ
soll betrachtet werden, der Sündenvernichter
pūjanīyo vedanīyaḥ
soll verehrt, soll erkannt werden
smartavyaḥ saukhyamicchatā
soll erinnert werden, von dem, der Glück wünscht

snānadānādikaṃ cātra sarvamakṣayyamucyate / pauṣamāse śuklaṣaṣṭhyāṃ devo dinapatirdvija

Baden, Gabe und dergleichen wird hierbei alles als unvergänglich bezeichnet. Im Monat Pauṣa, am sechsten hellen Tag, der Gott, der Herr des Tages, o Brahmane,

Wort für Wort
snānadānādikaṃ cātra
Baden, Gabe und dergleichen hierbei
sarvamakṣayyamucyate
wird alles als unvergänglich bezeichnet
pauṣamāse śuklaṣaṣṭhyāṃ
im Monat Pauṣa, am sechsten hellen Tag
devo dinapatirdvija
der Gott, der Herr des Tages, o Brahmane

viṣṇurūpī jagattrātā pradurbhūtāḥ [sic] sanātanaḥ

erschien in Viṣṇu-Gestalt, der Retter der Welt, der Ewige.

Wort für Wort
viṣṇurūpī jagattrātā
in Viṣṇu-Gestalt, der Retter der Welt
pradurbhūtaḥ sanātanaḥ
erschien der Ewige

pradurbhūtāḥ ist grammatisch auffällig (Plural-Endung bei singularischem Subjekt); wohl für pradurbhūtaḥ; als Tippfehler belassen. Wie schon bei anderen Versen dieses Kapitels ist auch V46 nur als Halbvers überliefert.

sa tasmātpūjanīyo 'syāṃ dravyairgandhapuraskṛtaiḥ / naivedyairvasttrabhūṣādyaiḥ sarvasaukhyamabhīpsubhiḥ

deshalb soll er an diesem Tag verehrt werden, mit Gegenständen, angeführt von Duftstoffen, mit Speiseopfergaben, Gewand, Schmuck und dergleichen, von denen, die alles Glück begehren.

Wort für Wort
sa tasmātpūjanīyo 'syāṃ
deshalb soll er an diesem (Tag) verehrt werden
dravyairgandhapuraskṛtaiḥ
mit Gegenständen, angeführt von Duftstoffen
naivedyairvasttrabhūṣādyaiḥ
mit Speiseopfergaben, Gewand, Schmuck und dergleichen
sarvasaukhyamabhīpsubhiḥ
von denen, die alles Glück begehren

māghamāse sitā ṣaṣṭhī varuṇāhvā smṛtā tu sā / tasyāṃ varuṇamabhyarcyedviṣṇurūpaṃ sanātanam

Im Monat Māgha wird der helle sechste Tag 'Varuṇā' genannt; an diesem soll man Varuṇa, in Viṣṇu-Gestalt, den Ewigen, verehren,

Wort für Wort
māghamāse sitā ṣaṣṭhī
im Monat Māgha der helle sechste Tag
varuṇāhvā smṛtā tu sā
wird 'Varuṇā' genannt
tasyāṃ varuṇamabhyarcyed
an diesem soll man Varuṇa verehren
viṣṇurūpaṃ sanātanam
in Viṣṇu-Gestalt, den Ewigen

raktairgandhāṃśukaiḥ puṣpairnaivedyairdhūpadīpakaiḥ / evamabhyarcya vidhivadyadyaccābhilaṣennaraḥ

mit roten Duftstoffen, Gewändern, Blumen, Speiseopfergaben, Räucherwerk und Lichtern; wenn man so nach Vorschrift verehrt hat, was auch immer der Mensch begehrt,

Wort für Wort
raktairgandhāṃśukaiḥ puṣpaiḥ
mit roten Duftstoffen, Gewändern, Blumen
naivedyairdhūpadīpakaiḥ
mit Speiseopfergaben, Räucherwerk und Lichtern
evamabhyarcya vidhivat
nachdem man so nach Vorschrift verehrt hat
yadyaccābhilaṣennaraḥ
was auch immer der Mensch begehrt

tattacca phalato labdhvā modate tatprasādataḥ / phaālgune śuklaṣaṣṭhyāṃ tu devaṃ paśupatiṃ dvija

eben dies erlangt er als Frucht und freut sich durch dessen Gnade. Am sechsten hellen Tag des Phālguna aber soll man den Gott Paśupati, o Brahmane,

Wort für Wort
tattacca phalato labdhvā
eben dies als Frucht erlangend
modate tatprasādataḥ
freut er sich durch dessen Gnade
phaālgune śuklaṣaṣṭhyāṃ tu
am sechsten hellen Tag des Phālguna aber
devaṃ paśupatiṃ dvija
den Gott Paśupati, o Brahmane

mṛnmayaṃ vidhinā kṛttvā pūjayedupacārakaiḥ / saṃsnāpya śatarudreṇa pṛthakpañcāmṛtairjalaiḥ

nachdem man ihn tönern nach Vorschrift geformt hat, mit Ehrenerweisungen verehren; nachdem man ihn mit dem Śatarudriya-Hymnus gebadet hat, je einzeln mit den fünf Nektarsubstanzen und mit Wasser,

Wort für Wort
mṛnmayaṃ vidhinā kṛttvā
nachdem man ihn tönern nach Vorschrift geformt hat
pūjayedupacārakaiḥ
soll man mit Ehrenerweisungen verehren
saṃsnāpya śatarudreṇa
nachdem man ihn mit dem Śatarudriya-Hymnus gebadet hat
pṛthakpañcāmṛtairjalaiḥ
je einzeln mit den fünf Nektarsubstanzen und mit Wasser

gandhairālipya suśvetairakṣataiḥ śvetapuṣpakaiḥ / bilvapatraiśca dhattūrakusumaiśca phalaistathā

nachdem man ihn mit Duftstoffen bestrichen hat, mit schön-weißem ungeschältem Reis, mit weißen Blumen, mit Bilva-Blättern und Dhattūra-Blüten sowie mit Früchten,

Wort für Wort
gandhairālipya suśvetaiḥ
nachdem man ihn mit Duftstoffen bestrichen hat, mit schön-weißem
akṣataiḥ śvetapuṣpakaiḥ
ungeschältem Reis, mit weißen Blumen
bilvapatraiśca dhattūra-
mit Bilva-Blättern und Dhattūra-
kusumaiśca phalaistathā
-Blüten sowie mit Früchten

sampūjya nānānaivedyairnīrājya vidhivattataḥ / kṣamāpya praṇipatyainaṃ kailāsāya visarjayet

nachdem man ihn mit vielfältigen Speiseopfergaben verehrt und danach nach Vorschrift das Lichterschwenken vollzogen hat, soll man ihn, nachdem man um Verzeihung gebeten und sich verneigt hat, zum Kailāsa entlassen.

Wort für Wort
sampūjya nānānaivedyaiḥ
nachdem man mit vielfältigen Speiseopfergaben verehrt hat
nīrājya vidhivattataḥ
und danach nach Vorschrift das Lichterschwenken vollzogen hat
kṣamāpya praṇipatyainaṃ
nachdem man um Verzeihung gebeten und sich vor ihm verneigt hat
kailāsāya visarjayet
soll man ihn zum Kailāsa entlassen

evaṃ kṛta śivārcastu naro nāryathavā mune / iha bhuktvā varānbhogānante śivagatiṃ labhet

So, wenn ein Mann oder eine Frau, o Weiser, die Verehrung Śivas vollzogen hat, erlangt er/sie, nachdem er/sie hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat, am Ende den Gang zu Śiva.

Wort für Wort
evaṃ kṛta śivārcastu
so, wenn die Verehrung Śivas vollzogen wurde
naro nāryathavā mune
von einem Mann oder einer Frau, o Weiser
iha bhuktvā varānbhogān
nachdem er/sie hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat
ante śivagatiṃ labhet
erlangt er/sie am Ende den Gang zu Śiva

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