Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 9: baliyuddhaṃ aditeḥ tapaścaryā ca Der Kampf mit Bali und Aditis Askese

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde gaṅgāmāhātmye navamo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ nārada uvāca viṣṇupādāgrasaṃbhūtā yā gaṅgetyabhidhīyate / tadutpattiṃ vada bhrātaranugrāhyo 'smi te yadi

Nārada sprach: Diese, die aus der Fußspitze Viṣṇus entstanden ist und Gaṅgā genannt wird – ihre Entstehung erzähle mir, Bruder, wenn ich deiner Gnade würdig bin.

Wort für Wort
viṣṇupādāgrasaṃbhūtā
aus der Fußspitze Viṣṇus entstanden
yā gaṅgetyabhidhīyate
die Gaṅgā genannt wird
tadutpattiṃ vada bhrātar
ihre Entstehung erzähle, Bruder
anugrāhyo 'smi te yadi
wenn ich deiner Gnade würdig bin

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden Kapitels vorangestellt ('iti śrībṛhannāradīyapurāṇe... navamo 'dhyāyaḥ' = 'So endet... das neunte Kapitel' [Quellenzählung]), gefolgt von einer Trennlinie – ein reines Gliederungselement, das im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, aber nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen wurde.]

sanaka uvāca śṛṇu nārada vakṣyāmi gaṅgotpattiṃ tavānagha / vadṛtāṃ śṛṇvatāṃ caiṃva puṇyadāṃ pāpanāśinīm

Sanaka sprach: Höre, Nārada, ich werde dir die Entstehung der Gaṅgā verkünden, o Sündenloser – eine Erzählung, die sowohl den Sprechenden als auch den Hörenden Verdienst gibt, verdienstspendend und sündenvernichtend.

Wort für Wort
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich werde verkünden
gaṅgotpattiṃ tavānagha
dir die Entstehung der Gaṅgā, o Sündenloser
vadṛtāṃ śṛṇvatāṃ caiva
für die Sprechenden wie für die Hörenden
puṇyadāṃ pāpanāśinīm
verdienstspendend, sündenvernichtend

[?] vadṛtāṃ: wohl vadatāṃ ('für die Sprechenden').

āsīdindrādidevānāṃ janakaḥ kaśyapo muniḥ / dakṣātmaje tasya bhārye ditiścāditireva ca

Es gab den Weisen Kaśyapa, den Vater Indras und der anderen Götter; seine beiden Gattinnen, Töchter Dakṣas, waren Diti und Aditi.

Wort für Wort
āsīdindrādidevānāṃ janakaḥ
es gab den Vater Indras und der anderen Götter
kaśyapo muniḥ
den Weisen Kaśyapa
dakṣātmaje tasya bhārye
seine beiden Gattinnen, Töchter Dakṣas
ditiścāditireva ca
Diti und Aditi

agaditirdevamātāsti daityānāṃ jananī ditiḥ / te tayorātmajā vipra parasparajayaiṣiṇaḥ

Aditi ist die Mutter der Götter, Diti die Mutter der Daityas; deren beider Kinder, o Brahmane, trachten danach, einander zu besiegen.

Wort für Wort
agaditirdevamātāsti
Aditi ist die Mutter der Götter [Lesung unsicher]
daityānāṃ jananī ditiḥ
Diti ist die Mutter der Daityas
te tayorātmajā vipra
deren beider Kinder, o Brahmane
parasparajayaiṣiṇaḥ
trachten danach, einander zu besiegen

[?] agaditirdevamātāsti: Lesung unsicher, wohl atha aditir devamātāsti.

sadā sapūrvadevāstu yato daityāḥ prakīrtitāḥ / ādir daityo diteḥ putro hiraṇyakaśipurbalī

Die Götter gelten stets als die zuvor Geborenen, weshalb die anderen als Daityas bezeichnet werden. Der erste Daitya, Ditis Sohn, war der mächtige Hiraṇyakaśipu.

Wort für Wort
sadā sapūrvadevāstu
die Götter gelten stets als die zuvor Geborenen [?]
yato daityāḥ prakīrtitāḥ
weshalb die anderen als Daityas bezeichnet werden
ādir daityo diteḥ putro
der erste Daitya, Ditis Sohn
hiraṇyakaśipurbalī
der mächtige Hiraṇyakaśipu

[?] sadā sapūrvadevāstu: Sinn unsicher, sinngemäß wiedergegeben.

prahlādastasya putro 'bhūtsumahāndaityasattamaḥ / virocana stasya suto babhūva dvijabhaktimān

Prahlāda war sein Sohn, ein überaus großer, bester der Daityas; Virocana war dessen Sohn, den Brahmanen ergeben.

Wort für Wort
prahlādastasya putro 'bhūt
Prahlāda war sein Sohn
sumahāndaityasattamaḥ
ein überaus großer, bester der Daityas
virocanastasya suto babhūva
Virocana war dessen Sohn
dvijabhaktimān
den Brahmanen ergeben

tasya putro 'titejasvī balirāsītpratāpavān / sa eva vāhinīpālo daityānāmabhavanmuneḥ

Dessen Sohn war der überaus glanzvolle, machtvolle Bali; er wurde eben der Heerführer der Daityas, o Weiser.

Wort für Wort
tasya putro 'titejasvī
dessen Sohn, überaus glanzvoll
balirāsītpratāpavān
war Bali, der Machtvolle
sa eva vāhinīpālo
er wurde eben der Heerführer
daityānāmabhavanmuneḥ
der Daityas, o Weiser

balena mahatā yukto bubhuje medinīmimām / vijitya vasudhāṃ sarvāṃ svargaṃ jetuṃ mano dadhe

Mit großer Kraft ausgestattet, genoss er diese Erde; nachdem er die ganze Erde erobert hatte, richtete er seinen Sinn darauf, den Himmel zu erobern.

Wort für Wort
balena mahatā yukto
mit großer Kraft ausgestattet
bubhuje medinīmimām
genoss er diese Erde
vijitya vasudhāṃ sarvāṃ
nachdem er die ganze Erde erobert hatte
svargaṃ jetuṃ mano dadhe
richtete er seinen Sinn darauf, den Himmel zu erobern

gajāśca yasyāyutakoṭilakṣāstāvanta evāścarathā munīndra / gajegaje pañcaśatī padāteḥ kiṃ varṇyate tasya camūrvariṣṭā

Dessen Elefanten zählten zehntausend Koṭi mal hunderttausend, ebenso viele Streitwagen, o Fürst der Weisen; bei jedem einzelnen Elefanten standen fünfhundert Fußsoldaten – was soll sein vorzügliches Heer noch weiter beschrieben werden?

Wort für Wort
gajāśca yasyāyutakoṭilakṣāḥ
dessen Elefanten zehntausend Koṭi mal hunderttausend [zählten]
tāvanta evāścarathā munīndra
ebenso viele Streitwagen, o Fürst der Weisen
gajegaje pañcaśatī padāteḥ
bei jedem Elefanten fünfhundert Fußsoldaten
kiṃ varṇyate tasya camūrvariṣṭā
was soll sein vorzügliches Heer beschrieben werden

amātyakoṭyagrasarāvamātyau kumbhāṇḍanāmāpyatha kūpakarṇaḥ / pitrā samaṃ śauryaparākramābhyāṃ bāṇo baleḥ putraśatagrajo 'bhūt

Die beiden ersten unter seinen Millionen Ministern waren mit Namen Kumbhāṇḍa und ferner Kūpakarṇa. Dem Vater gleich an Tapferkeit und Kraft war Bāṇa der älteste unter Balis hundert Söhnen.

Wort für Wort
amātyakoṭyagrasarāvamātyau
die beiden ersten unter den Millionen Ministern
kumbhāṇḍanāmāpyatha kūpakarṇaḥ
mit Namen Kumbhāṇḍa und ferner Kūpakarṇa
pitrā samaṃ śauryaparākramābhyāṃ
dem Vater gleich an Tapferkeit und Kraft
bāṇo baleḥ putraśatagrajo 'bhūt
war Bāṇa der älteste unter Balis hundert Söhnen

baliḥ surāñjetumanāḥ pravṛttaḥ sainyena yukto mahatā pratasthe / dhvajātapartrairgaganāburāśestaraṅgavidyutsmaraṇaṃ prakurvan

Bali, entschlossen, die Götter zu besiegen, brach mit einem großen Heer auf; mit Bannern und Schirmen ließ er den Himmel gleichsam an die Wellen und Blitze des Ozeans erinnern.

Wort für Wort
baliḥ surāñjetumanāḥ pravṛttaḥ
Bali, entschlossen, die Götter zu besiegen
sainyena yukto mahatā pratasthe
brach mit einem großen Heer auf
dhvajātapartrair
mit Bannern und Schirmen
gaganāburāśestaraṅgavidyutsmaraṇaṃ prakurvan
ließ den Himmel an die Wellen und Blitze des Ozeans erinnern

[?] gaganāburāśes: wohl gagana-ambu-rāśeḥ ('des Himmelswasser-Ozeans', poet. für 'Himmel').

avāpya vṛtrāripuraṃ surārī rurogha daityairmṛgarājagāḍhaiḥ / suraśca yuddhāya purāttathaiva viniryayurvajrakarādayaśca

Der Feind der Götter erreichte die Stadt Indras, des Vṛtra-Feindes, und umzingelte sie mit Daityas, die wie Löwenkönige furchtlos waren; und ebenso zogen die Götter, Indra der Donnerkeilträger und die anderen, zum Kampf aus der Stadt aus.

Wort für Wort
avāpya vṛtrāripuraṃ surārī
der Feind der Götter, die Stadt des Vṛtra-Feindes [Indra] erreichend
rurogha daityairmṛgarājagāḍhaiḥ
umzingelte sie mit löwenkönigsgleichen Daityas
suraśca yuddhāya purāttathaiva
und ebenso die Götter zum Kampf aus der Stadt
viniryayurvajrakarādayaśca
zogen sie aus, der Donnerkeilträger und die anderen

tataḥ pravavṛte yuddhaṃ ghoraṃ gīrvāṇadaityayo / kalpāntameghānirdhoṣaṃ ḍiṇḍiṃmadhvanisaṃbhramam

Darauf entbrannte zwischen Göttern und Daityas ein schrecklicher Kampf, dem Donnergrollen der Weltuntergangswolken gleich, voller Aufruhr vom Klang der Kriegstrommeln.

Wort für Wort
tataḥ pravavṛte yuddhaṃ ghoraṃ
darauf entbrannte ein schrecklicher Kampf
gīrvāṇadaityayo
zwischen Göttern und Daityas
kalpāntameghānirdhoṣaṃ
dem Donnergrollen der Weltuntergangswolken gleich
ḍiṇḍiṃmadhvanisaṃbhramam
voller Aufruhr vom Klang der Kriegstrommeln

mumucuḥ śarajālāni daḥtyāḥ sumanasāṃ bale / devāśca daityasenāsu saṃgrāme 'tyantadāruṇe

Die Daityas entließen Netze von Pfeilen gegen das Heer der Götter, und die Götter gegen die Heere der Daityas, in der überaus schrecklichen Schlacht.

Wort für Wort
mumucuḥ śarajālāni
sie entließen Netze von Pfeilen
daḥtyāḥ sumanasāṃ bale
die Daityas gegen das Heer der Götter
devāśca daityasenāsu
und die Götter gegen die Heere der Daityas
saṃgrāme 'tyantadāruṇe
in der überaus schrecklichen Schlacht

[?] daḥtyāḥ: Schreibfehler für daityāḥ.

jahi dāraya bhindhīte chindhi māraya tāḍaya / ityevaṃ sumahānghoṣo vadatāṃ senayorabhūt

'Erschlage! Zerreiße! Durchbohre ihn! Zerhaue! Töte! Schlage!' – so war das gewaltige Getöse der beiden rufenden Heere.

Wort für Wort
jahi dāraya bhindhīte
erschlage! zerreiße! durchbohre ihn!
chindhi māraya tāḍaya
zerhaue! töte! schlage!
ityevaṃ sumahānghoṣo
so war ein gewaltiges Getöse
vadatāṃ senayorabhūt
der rufenden [Kämpfer] der beiden Heere

śaradundubhinidhvānaiḥ siṃhanādaiḥ siṃhanādaiḥ suradviṣām / bhāṅkāraiḥ syandanānāṃ ca bāṇakreṅgāraniḥsvanaiḥ

Durch das Dröhnen von Pfeilen und Kriegstrommeln, durch die Löwenrufe der Götterfeinde, durch das Rasseln der Streitwagen und das schrille Sirren der Pfeile –

Wort für Wort
śaradundubhinidhvānaiḥ
durch das Dröhnen von Pfeilen und Kriegstrommeln
siṃhanādaiḥ suradviṣām
durch die Löwenrufe der Götterfeinde
bhāṅkāraiḥ syandanānāṃ ca
und durch das Rasseln der Streitwagen
bāṇakreṅgāraniḥsvanaiḥ
und das schrille Sirren der Pfeile

[Anm.: 'siṃhanādaiḥ' erscheint im Quelltext doppelt (Dittographie); nur einmal übersetzt.]

aśvānāṃ heṣitaiścaiva gajānāṃ bṛṃhitaistathā / ṭaṅgārairdhanuṣāṃ caiva lokaḥ śabdatmayo 'bhavat

– durch das Wiehern der Pferde, ebenso durch das Trompeten der Elefanten und durch das Schwirren der Bögen wurde die Welt gleichsam zu lauter Klang.

Wort für Wort
aśvānāṃ heṣitaiścaiva
durch das Wiehern der Pferde
gajānāṃ bṛṃhitaistathā
und ebenso durch das Trompeten der Elefanten
ṭaṅgārairdhanuṣāṃ caiva
und durch das Schwirren der Bögen
lokaḥ śabdatmayo 'bhavat
wurde die Welt gleichsam zu lauter Klang

surāsuravinirmuktabāṇaniṣpeṣajānale / akālapralayaṃ mene nirīkṣya sakalaṃ jagat

Angesichts des Feuers, das durch das Aneinanderschlagen der von Göttern und Dämonen abgeschossenen Pfeile entstand, hielt die ganze Welt dies, erschrocken erblickend, für einen vorzeitigen Weltuntergang.

Wort für Wort
surāsuravinirmuktabāṇaniṣpeṣajānale
im Feuer aus dem Aneinanderschlagen der von Göttern und Dämonen abgeschossenen Pfeile
akālapralayaṃ mene
hielt für einen vorzeitigen Weltuntergang
nirīkṣya sakalaṃ jagat
die ganze Welt, dies erblickend

babhau devadviṣāṃ senā sphuracchastraughadhāriṇī / caladvidyunnibhā rātriśchāditā jaladairiva

Das Heer der Götterfeinde, das eine Flut blitzender Waffen trug, leuchtete gleich einer von zuckenden Blitzen durchzogenen, von Wolken bedeckten Nacht.

Wort für Wort
babhau devadviṣāṃ senā
es leuchtete das Heer der Götterfeinde
sphuracchastraughadhāriṇī
das eine Flut blitzender Waffen trug
caladvidyunnibhā
einer zuckenden Blitz[-Nacht] gleich
rātriśchāditā jaladairiva
wie eine von Wolken bedeckte Nacht

tasminyuddhe mahādhorairgirīn kṣitpān surāribhiḥ / nārācaiścūrṇayāmāsurvevāste laghuvikramāḥ

In jenem Kampf zerschmetterten die Götter, von rascher Tatkraft, mit überaus furchtbaren eisernen Pfeilen die von den Götterfeinden geschleuderten Berge.

Wort für Wort
tasminyuddhe mahādhoraiḥ
in jenem Kampf, mit überaus furchtbaren [Pfeilen]
girīn kṣitpān surāribhiḥ
die von den Götterfeinden geschleuderten Berge
nārācaiścūrṇayāmāsur
zerschmetterten sie mit eisernen Pfeilen
vevāste laghuvikramāḥ
die Götter, von rascher Tatkraft

[?] mahādhoraiḥ: wohl mahāghoraiḥ; vevāste: wohl devāste (devāḥ te).

kecitsatāḍayāmāsurnāgairnāgānrathānrathaiḥ / aśvairaśvāṃśca kecittu gadādaṇḍairathārddayan

Manche schlugen Elefanten mit Elefanten, Streitwagen mit Streitwagen; Pferde mit Pferden, manche wiederum bedrängten den Feind mit Keulen und Stäben.

Wort für Wort
kecitsatāḍayāmāsurnāgairnāgān
manche schlugen Elefanten mit Elefanten
rathānrathaiḥ
Streitwagen mit Streitwagen
aśvairaśvāṃśca kecittu
Pferde mit Pferden manche wiederum
gadādaṇḍairathārddayan
bedrängten mit Keulen und Stäben

paridhaistāḍitāḥ kecitpetuḥ śoṇitakarddame / samuktrāntāsavaḥ kecidvimānāni samāśritāḥ

Manche, von Schlagstangen getroffen, fielen in den Blutschlamm; manche, deren Lebenshauch entwichen war, wurden in Himmelswagen aufgenommen.

Wort für Wort
paridhaistāḍitāḥ kecit
manche, von Schlagstangen getroffen
petuḥ śoṇitakarddame
fielen in den Blutschlamm
samuktrāntāsavaḥ kecid
manche, deren Lebenshauch entwichen war
vimānāni samāśritāḥ
wurden in Himmelswagen aufgenommen

ye daityā nihatā devaiḥ prasahya saṅgare tadā / te devabhāvamāpannā daiteyānsamupādravan

Diejenigen Daityas, die damals von den Göttern in der Schlacht gewaltsam erschlagen wurden, erlangten Götternatur und griffen nun ihrerseits die Daityas an.

Wort für Wort
ye daityā nihatā devaiḥ
die Daityas, die von den Göttern erschlagen wurden
prasahya saṅgare tadā
damals gewaltsam in der Schlacht
te devabhāvamāpannā
diese erlangten Götternatur
daiteyānsamupādravan
und griffen die Daityas an

[Anm.: Motiv der gefallenen Krieger, die nach dem Tod in eine höhere Existenzform übergehen und auf der Gegenseite weiterkämpfen.]

atha daityagaṇāḥ krudvāstaḍyamānāḥ survairbhṛśam / śastrairbahuvidhairddevānnijadhnuratidāruṇāḥ

Darauf erschlugen die zornigen, von den Göttern heftig bedrängten Scharen der Daityas, überaus furchtbar, mit vielerlei Waffen die Götter.

Wort für Wort
atha daityagaṇāḥ krudvāḥ
darauf die zornigen Scharen der Daityas
taḍyamānāḥ survairbhṛśam
heftig von den Göttern bedrängt
śastrairbahuvidhairddevān
mit vielerlei Waffen die Götter
nijadhnuratidāruṇāḥ
erschlugen sie, überaus furchtbar

[?] krudvāḥ: wohl kruddhāḥ.

dṛṣadbhirbhidipālaiśca khaḍgaiḥ paraśutomaraiḥ / paridhaiśchurikābhiśca kuntaiścakraiśca śaṅkubhiḥ

Mit Steinen und Wurfspießen, mit Schwertern, Äxten und Lanzen, mit Schlagstangen, Messern, Speeren, Diskusscheiben und Pflöcken –

Wort für Wort
dṛṣadbhirbhidipālaiśca
mit Steinen und Wurfspießen
khaḍgaiḥ paraśutomaraiḥ
mit Schwertern, Äxten und Lanzen
paridhaiśchurikābhiśca
mit Schlagstangen und Messern
kuntaiścakraiśca śaṅkubhiḥ
mit Speeren, Diskusscheiben und Pflöcken

musalairaṅkuśeśvaiva lāṅgalaiḥ paṭṭiśaistathā / śaktyopalaiḥ śataghrībhiḥ pāśaiśca talamuṣṭibhiḥ

– mit Keulen, Elefantenhaken, mit Pflugscharen und Dreizack-Lanzen, mit Wurfspeeren, Steinen, mit todbringenden Geschossen, mit Schlingen und mit Handflächen und Fäusten –

Wort für Wort
musalairaṅkuśeśvaiva
mit Keulen und Elefantenhaken
lāṅgalaiḥ paṭṭiśaistathā
mit Pflugscharen und ebenso Dreizack-Lanzen
śaktyopalaiḥ śataghrībhiḥ
mit Wurfspeeren, Steinen, todbringenden Geschossen
pāśaiśca talamuṣṭibhiḥ
mit Schlingen und mit Handflächen und Fäusten

śūlairnālīkanārācaiḥ kṣepaṇīyaiḥsamudraraiḥ / rathāśvanāgapadagaiḥ saṅkulo vavṛdhe raṇaḥ

– mit Dreizacken, Pfeilen und Eisenpfeilen, mit Wurfgeschossen und Hämmern, geführt von Kämpfern auf Wagen, Pferden, Elefanten und zu Fuß, wuchs die Schlacht zu einem wilden Durcheinander.

Wort für Wort
śūlairnālīkanārācaiḥ
mit Dreizacken, Pfeilen und Eisenpfeilen
kṣepaṇīyaiḥsamudraraiḥ
mit Wurfgeschossen und Hämmern
rathāśvanāgapadagaiḥ
von Kämpfern auf Wagen, Pferden, Elefanten und zu Fuß
saṅkulo vavṛdhe raṇaḥ
wuchs die Schlacht zum wilden Durcheinander

[?] samudraraiḥ: wohl samudgaraiḥ ('mit Hämmern').

devāśca vividhāstrāṇi daiteyebhyaḥ samākṣipan / evamaṣṭasahasrāṇi yuddhamāsītsudāruṇam

Und die Götter schleuderten vielerlei Waffen gegen die Daityas; so dauerte der überaus furchtbare Kampf achttausend Jahre.

Wort für Wort
devāśca vividhāstrāṇi
und die Götter vielerlei Waffen
daiteyebhyaḥ samākṣipan
schleuderten sie gegen die Daityas
evamaṣṭasahasrāṇi
so achttausend [Jahre]
yuddhamāsītsudāruṇam
dauerte der überaus furchtbare Kampf

[Anm.: Das Bezugswort der Zeitangabe 'aṣṭasahasrāṇi' bleibt im Text unausgesprochen; sinngemäß als Jahre ergänzt.]

atha daityabale vṛddhe parābhūtā divaukasaḥ / suralokaṃ parityatajya sarve bhītāḥ pradudruvuḥ

Als darauf die Kraft der Daityas gewachsen war, wurden die Himmelsbewohner besiegt; alle verließen in Furcht die Götterwelt und flohen davon.

Wort für Wort
atha daityabale vṛddhe
als darauf die Kraft der Daityas gewachsen war
parābhūtā divaukasaḥ
wurden die Himmelsbewohner besiegt
suralokaṃ parityatajya
die Götterwelt verlassend
sarve bhītāḥ pradudruvuḥ
flohen alle in Furcht davon

[?] parityatajya: wohl parityajya.

nararupaparicchannā viceru ravanītale / vairocanistribhuvanaṃ nārāyaṇaparāyaṇaḥ

In Menschengestalt verhüllt wandelten sie auf der Erdoberfläche. Der Sohn Virocanas, dem Nārāyaṇa ergeben, [beherrschte] die drei Welten,

Wort für Wort
nararupaparicchannā
in Menschengestalt verhüllt
viceru ravanītale
wandelten sie auf der Erdoberfläche
vairocanistribhuvanaṃ
der Sohn Virocanas, die drei Welten
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
dem Nārāyaṇa ergeben

bubhuje 'vyāhataiścaryapravṛddhaśrīrmahābalaḥ / ityāja cāśvameghaiḥ sa viṣṇuprīṇanatatparaḥ

– genoss sie, mit ungehinderter Herrschaft und gewachsenem Glanz, der überaus Kraftvolle; und er brachte Roßopfer dar, eifrig darauf bedacht, Viṣṇu zu erfreuen.

Wort für Wort
bubhuje 'vyāhataiścaryapravṛddhaśrīrmahābalaḥ
genoss sie, von ungehinderter Herrschaft, mit gewachsenem Glanz, der überaus Kraftvolle
ityāja cāśvameghaiḥ
und er opferte mit Roßopfern
sa viṣṇuprīṇanatatparaḥ
er, eifrig darauf bedacht, Viṣṇu zu erfreuen

[?] ityāja: wohl iyāja ('er opferte'); aśvameghaiḥ: wohl aśvamedhaiḥ.

indratvaṃ cākarotsvarge dikpālatvaṃ tathaiva ca / devānāṃ prīṇanārthāya yaiḥ kriyante dvijairmakhāḥ

Und er übte im Himmel die Herrschaft Indras aus, und ebenso das Amt der Weltenhüter; er veranstaltete jene Opfer zur Erfreuung der Götter, durch die die Brahmanen sonst die Opfer vollziehen.

Wort für Wort
indratvaṃ cākarotsvarge
und er übte im Himmel die Herrschaft Indras aus
dikpālatvaṃ tathaiva ca
und ebenso das Amt der Weltenhüter
devānāṃ prīṇanārthāya
zur Erfreuung der Götter
yaiḥ kriyante dvijairmakhāḥ
durch welche die Brahmanen die Opfer vollziehen

teṣu yajñeṣu sarveṣu havirbhuṅkte sa daityarāṭ / aditiḥ svātmajānvīkṣya devamātātiduḥkhitā

Bei all jenen Opfern genoss der Daitya-König selbst das Opferschmalz. Aditi, die Göttermutter, war, als sie ihre eigenen Söhne so gedemütigt sah, überaus betrübt.

Wort für Wort
teṣu yajñeṣu sarveṣu
bei all jenen Opfern
havirbhuṅkte sa daityarāṭ
genoss der Daitya-König das Opferschmalz
aditiḥ svātmajānvīkṣya
Aditi, ihre eigenen Söhne erblickend
devamātātiduḥkhitā
die Göttermutter, überaus betrübt

vṛthātra nivasāmīti matvāgāddhimavadgiram / śakrasyaiśvaryamicchantī daityānāṃ ca parājayam

'Vergeblich weile ich hier', so denkend, ging sie zum Himālaya-Berg, die Herrschaft Indras und die Niederlage der Daityas erstrebend.

Wort für Wort
vṛthātra nivasāmīti matvā
'vergeblich weile ich hier', so denkend
agāddhimavadgiram
ging sie zum Himālaya-Berg
śakrasyaiśvaryamicchantī
die Herrschaft Indras erstrebend
daityānāṃ ca parājayam
und die Niederlage der Daityas

[Anm.: Im Quelltext trägt dieser Vers irrtümlich die Marke 'V.24' (Wiederholung einer bereits vergebenen Versnummer); der Sache und Reihenfolge nach handelt es sich um V.34, so auch hier gezählt.]

haridhyānaparā bhūtvā tapastepe 'tiduṣkaram / kiñcitkālaṃ samāsīnā tiṣṭantī ca tataḥ param

Ganz dem Gedenken an Hari hingegeben, übte sie überaus schwere Askese; eine Zeitlang verharrte sie sitzend, dann darauf stehend,

Wort für Wort
haridhyānaparā bhūtvā
ganz dem Gedenken an Hari hingegeben
tapastepe 'tiduṣkaram
übte sie überaus schwere Askese
kiñcitkālaṃ samāsīnā
eine Zeitlang sitzend
tiṣṭantī ca tataḥ param
und dann darauf stehend

pādenaikena suciraṃ tataḥ pādāgramātrataḥ / kañcitkālaṃ phalāhārā tataḥ śīrṇadalāśanā

lange Zeit auf einem einzigen Fuß, dann nur auf den Zehenspitzen; eine Zeitlang nur von Früchten lebend, dann von welken Blättern sich nährend,

Wort für Wort
pādenaikena suciraṃ
lange Zeit auf einem einzigen Fuß
tataḥ pādāgramātrataḥ
dann nur auf den Zehenspitzen
kañcitkālaṃ phalāhārā
eine Zeitlang nur von Früchten lebend
tataḥ śīrṇadalāśanā
dann von welken Blättern sich nährend

tato jalāśamā vāyubhojanāhāravarjitā / sañcidānandasandohaṃ dhyāyatyātmānamatmanā

– darauf nur von Wasser lebend, schließlich auf jede Nahrung verzichtend, nur von Luft lebend, betrachtete sie mit dem Geist das Selbst als die Fülle von Sein, Bewusstsein und Wonne.

Wort für Wort
tato jalāśamā
darauf nur Wasser [zu sich nehmend]
vāyubhojanāhāravarjitā
auf Nahrung verzichtend, nur von Luft lebend
sañcidānandasandohaṃ
die Fülle von Sein, Bewusstsein und Wonne
dhyāyatyātmānamatmanā
betrachtete sie mit dem Geist das Selbst

[?] jalāśamā: wohl jalāśanā ('nur Wasser zu sich nehmend').

divyābdānāṃ sahasraṃ sā tapo 'tapyata nārada / durantaṃ tattapaḥ śrutvā daiteyā māyino 'ditim

Tausend Götterjahre lang übte sie Askese, o Nārada. Als die illusionskundigen Daityas von dieser endlosen Askese hörten, wandten sie sich an Aditi –

Wort für Wort
divyābdānāṃ sahasraṃ
tausend Götterjahre lang
sā tapo 'tapyata nārada
übte sie Askese, o Nārada
durantaṃ tattapaḥ śrutvā
als sie von dieser endlosen Askese hörten
daiteyā māyino 'ditim
die illusionskundigen Daityas, [wandten sich] an Aditi

devatārupamāsthāya saṃprocurbalinoditāḥ / kimarthaṃ tapyate mātaḥ śarīrapariśoṣaṇam

– eine Götter-Gestalt annehmend, sprachen sie, von Bali entsandt: 'Wozu, Mutter, übst du eine den Körper völlig austrocknende Askese?'

Wort für Wort
devatārupamāsthāya
eine Götter-Gestalt annehmend
saṃprocurbalinoditāḥ
sprachen sie, von Bali entsandt
kimarthaṃ tapyate mātaḥ
wozu übst du Askese, Mutter
śarīrapariśoṣaṇam
die den Körper völlig austrocknet

yadi jananti daiteyā mahahukhaṃ tato bhavet / tyajedaṃ duḥkhabahulaṃ kāyaśoṣaṇakāraṇam

'Falls die Daityas davon erfahren, würde großes Leid für uns entstehen. Gib diese Askese auf, die so reich an Leid ist und die Ursache für die Austrocknung deines Körpers ist.'

Wort für Wort
yadi jananti daiteyā
falls die Daityas davon erfahren
mahahukhaṃ tato bhavet
würde großes Leid daraus entstehen
tyajedaṃ duḥkhabahulaṃ
gib dies auf, das reich an Leid ist
kāyaśoṣaṇakāraṇam
die Ursache für die Austrocknung des Körpers

[?] mahahukhaṃ: wohl mahāduḥkhaṃ.

prayāsasādhyaṃ sukṛtaṃ na praśaṃsanti paṇḍitāḥ / śarīraṃ yantato rakṣyaṃ dharmasādhanatatparaiḥ

'Ein durch übermäßige Anstrengung erlangtes Verdienst loben die Gelehrten nicht; der Körper ist von denen, die eifrig auf die Mittel zum Dharma bedacht sind, mit Sorgfalt zu schützen.'

Wort für Wort
prayāsasādhyaṃ sukṛtaṃ
ein durch [übermäßige] Anstrengung erlangtes Verdienst
na praśaṃsanti paṇḍitāḥ
loben die Gelehrten nicht
śarīraṃ yantato rakṣyaṃ
der Körper ist mit Sorgfalt zu schützen
dharmasādhanatatparaiḥ
von denen, die auf die Mittel zum Dharma bedacht sind

[?] yantato: wohl yatnataḥ.

ye śarīramupekṣante te syurātmavighātinaḥ / sukhaṃ tvaṃ tiṣṭa subhage putrānasmānna khedaya

'Wer den Körper vernachlässigt, ist ein Selbstzerstörer. Bleibe glücklich, o Holdselige, und betrübe uns, deine Söhne, nicht.'

Wort für Wort
ye śarīramupekṣante
wer den Körper vernachlässigt
te syurātmavighātinaḥ
der ist ein Selbstzerstörer
sukhaṃ tvaṃ tiṣṭa subhage
bleibe du glücklich, o Holdselige
putrānasmānna khedaya
betrübe uns, deine Söhne, nicht

mātrā hīnā janā mātarmṛtaprāyā na saṃśayaḥ / gāvo vā paśavo vāpiyatra gāvo mahīruhāḥ

Menschen, die ihrer Mutter beraubt sind, o Mutter, sind fürwahr fast wie tot; ebenso Kühe oder andere Tiere.

Wort für Wort
mātrā hīnā janā mātar
Menschen, die ihrer Mutter beraubt sind, o Mutter
mṛtaprāyā na saṃśayaḥ
sind fast wie tot, ohne Zweifel
gāvo vā paśavo vāpi
ob Kühe oder andere Tiere
yatra gāvo mahīruhāḥ
[Lesung unsicher]

[Anm.: Pāda b (gāvo vā paśavo vāpiyatra gāvo mahīruhāḥ) ist unklar/verderbt überliefert, mit auffälliger Doppelung von 'gāvaḥ' und Erwähnung von 'mahīruhāḥ' ('Bäume'); Sinn sinngemäß und mit Vorbehalt wiedergegeben.]

na labhante sukhaṃ kiñcinmātrā hīnā mṛtopamāḥ / daridro vāpi rogī vā deśāntaragato 'pi vā

– sie, der Mutter beraubt, todgleich, erlangen nicht das geringste Glück, sei es der Arme, der Kranke, oder auch der in ein fremdes Land Gegangene.

Wort für Wort
na labhante sukhaṃ kiñcit
sie erlangen nicht das geringste Glück
mātrā hīnā mṛtopamāḥ
der Mutter beraubt, todgleich
daridro vāpi rogī vā
sei es der Arme oder der Kranke
deśāntaragato 'pi vā
oder auch der in ein fremdes Land Gegangene

māturdarśanamātreṇa labhate paramāṃ mudam / anne vā salile vāpi dhanādau vā priyāsu ca

Allein durch den Anblick der Mutter erlangt er höchste Freude – sei es Freude an Speise, an Wasser, an Reichtum und dergleichen, oder an geliebten Frauen.

Wort für Wort
māturdarśanamātreṇa
allein durch den Anblick der Mutter
labhate paramāṃ mudam
erlangt er höchste Freude
anne vā salile vāpi
an Speise oder an Wasser
dhanādau vā priyāsu ca
an Reichtum und dergleichen, oder an geliebten [Frauen]

kadācidvimukho yāti jano mātari ko 'pi na / yasya mātā gṛhe nāsti yatra dharmaparāyaṇā / sādhvī ca strī patiprāṇā gantavyaṃ tena vai vanam

Niemals wendet sich ein Mensch von der Mutter ab. Wessen Mutter nicht im Hause weilt, und wo auch keine dem Dharma ergebene, tugendhafte, dem Gatten wie ihrem Leben hingegebene Frau ist, der soll fürwahr in den Wald gehen.

Wort für Wort
kadācidvimukho yāti
irgendwann wendet sich ab
jano mātari ko 'pi na
kein Mensch jemals von der Mutter
yasya mātā gṛhe nāsti
wessen Mutter nicht im Haus ist
yatra dharmaparāyaṇā sādhvī ca strī patiprāṇā
wo keine dem Dharma ergebene, tugendhafte, dem Gatten ergebene Frau ist
gantavyaṃ tena vai vanam
der soll fürwahr in den Wald gehen

[Anm.: Der Vers umfasst im Quelltext drei Pādas statt der üblichen zwei.]

dharmaśca nārāyaṇabhaktihīnāṃ dhanaṃ ca sadbhogavivarjitaṃ hi / gṛhaṃ ca māryātanayervihīnaṃ yathā tathā mātṛvihīnamartyaḥ

Und wie ein Dharma, dem die Hingabe an Nārāyaṇa fehlt, und ein Reichtum, dem der rechte Genuss fehlt, und ein Haus, dem Gattin und Kinder fehlen, wertlos sind – ebenso ist ein Sterblicher, dem die Mutter fehlt.

Wort für Wort
dharmaśca nārāyaṇabhaktihīnāṃ
und Dharma, dem die Hingabe an Nārāyaṇa fehlt
dhanaṃ ca sadbhogavivarjitaṃ hi
und Reichtum, dem fürwahr rechter Genuss fehlt
gṛhaṃ ca māryātanayervihīnaṃ
und ein Haus, dem Gattin und Kinder fehlen
yathā tathā mātṛvihīnamartyaḥ
ebenso ist ein Sterblicher, dem die Mutter fehlt

tasmāddevi paritrāhi duḥkhārtānātmajāṃstavā / ityuktāpyaditirdaipyairna cacāla samādhitaḥ

'Deshalb, o Göttin, errette deine vom Leid geplagten Söhne!' So von den Daityas angesprochen, wankte Aditi dennoch nicht von ihrer Versenkung.

Wort für Wort
tasmāddevi paritrāhi
deshalb, o Göttin, errette
duḥkhārtānātmajāṃstavā
deine vom Leid geplagten Söhne
ityuktāpyaditirdaipyaiḥ
so von den Daityas angesprochen, Aditi
na cacāla samādhitaḥ
wankte nicht von ihrer Versenkung

[?] daipyaiḥ: wohl daityaiḥ.

evamuktvāsurāḥ sarve haridhyānaparāyaṇām / nirīkṣya krodhasaṃyuktā hantuṃ cakrurmanoratham

So gesprochen habend, fassten alle Asuras, als sie Aditi, die ganz dem Gedenken an Hari hingegeben war, erblickten, von Zorn erfasst, den Wunsch, sie zu töten.

Wort für Wort
evamuktvāsurāḥ sarve
so gesprochen habend, alle Asuras
haridhyānaparāyaṇām nirīkṣya
Aditi, dem Gedenken an Hari hingegeben, erblickend
krodhasaṃyuktā
von Zorn erfasst
hantuṃ cakrurmanoratham
fassten sie den Wunsch, sie zu töten

kalpāntameghanirghoṣāḥ krodhasaṃraktalocanāḥ / daṃṣṭragrairasṛjanvahniṃ so 'dahatkānanaṃ kṣaṇāt

Mit einem Getöse wie dem Donnern der Weltuntergangswolken, mit vor Zorn geröteten Augen, erzeugten sie mit den Spitzen ihrer Fangzähne Feuer, das im Nu den Wald verbrannte.

Wort für Wort
kalpāntameghanirghoṣāḥ
mit einem Getöse wie dem Donnern der Weltuntergangswolken
krodhasaṃraktalocanāḥ
mit vor Zorn geröteten Augen
daṃṣṭragrairasṛjanvahniṃ
erzeugten sie mit den Spitzen ihrer Fangzähne Feuer
so 'dahatkānanaṃ kṣaṇāt
das im Nu den Wald verbrannte

śatayojanavistīrṇaṃ nānājīvasamākulam / tenaiva dagdhā daiteyā ye pradharṣayituṃ gatāḥ

Ein Wald, hundert Yojanas ausgedehnt, von mancherlei Lebewesen erfüllt – eben durch dieses Feuer wurden die Daityas verbrannt, die ausgezogen waren, um Aditi anzugreifen.

Wort für Wort
śatayojanavistīrṇaṃ
hundert Yojanas ausgedehnt
nānājīvasamākulam
von mancherlei Lebewesen erfüllt
tenaiva dagdhā daiteyā
eben durch dieses [Feuer] wurden die Daityas verbrannt
ye pradharṣayituṃ gatāḥ
die ausgezogen waren, um anzugreifen

saivāvaśiṣṭā jananī surāṇāmabdācchatādacyutasaktacitā / saṃrakṣitā viṣṇusudarśanena daityāntakena svajanānukampinā

Sie allein blieb übrig, die Mutter der Götter, nach hundert Jahren der Askese, den Geist an den Unvergänglichen geheftet – beschützt durch Viṣṇus Sudarśana-Diskus, den Beender der Daityas, der Mitleid mit den Seinen hat.

Wort für Wort
saivāvaśiṣṭā jananī surāṇām
sie allein blieb übrig, die Mutter der Götter
abdācchatādacyutasaktacitā
nach hundert Jahren, den Geist an den Unvergänglichen geheftet
saṃrakṣitā viṣṇusudarśanena
beschützt durch Viṣṇus Sudarśana-Diskus
daityāntakena svajanānukampinā
den Beender der Daityas, der mit den Seinen Mitleid hat

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