Sanātana sprach: Höre, Nārada, ich werde die Gelübde des Saptamī-Tages verkünden, durch deren Vollzug ein Mensch mit Hingabe die Vereinigung mit der Sonne (Sāyujya) erlangt.
Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu nārada
höre, Nārada
vakṣyāmi saptamyāḥ te vratāni aham
ich werde dir die Gelübde des Saptamī-Tages verkünden
likhitvāṣṭadalaṃ padmaṃ karṇikāyāṃ vibhāvam / vinyasetpūrvapatre tu devau dvau kṛtadhātukau
Nachdem man einen achtblättrigen Lotus gezeichnet hat, setze man in die Blütenmitte den Strahlenden [wohl Sūrya, evtl. verschrieben für 'vibhāvasum'] [?]; auf das östliche Blatt aber setze man zwei Götter, die mit Farbpigment (dhātu) gestaltet sind [?].
Wort für Wort
likhitvā aṣṭadalaṃ padmam
nachdem man einen achtblättrigen Lotus gezeichnet hat
karṇikāyāṃ vibhāvam
in der Blütenmitte den Strahlenden (Sūrya) [?]
vinyaset pūrvapatre tu
man setze aber auf das östliche Blatt
devau dvau kṛtadhātukau
zwei mit Mineralfarbe gestaltete Götter [?]
[Anm.: 'vibhāvam' evtl. Verschreibung für 'vibhāvasum' (Epitheton der Sonne/des Feuers); 'kṛtadhātukau' unsicher, evtl. 'aus farbigem Mineral gestaltet'.]
āgneyaṃ ca nyasenpatre gandharvauṃ kṛtakārakau / dakṣiṇe ca nyasetpatre tathaiva rākṣasadvayam
Und auf das südöstliche Blatt setze man zwei Gandharven, die als kunstfertige Werkmeister gelten [?]; und auf das südliche Blatt ebenso ein Paar Rākṣasas.
Auf das südwestliche Blatt setze man zwei gestaltete [Wesen] [?], o bester der Weisen; auf das westliche [Blatt] die beiden Söhne der Kadrū, die großen Schlangen, die umherziehenden [?].
Wort für Wort
ākṛtau dvau nyaset patre nairṛte
auf das südwestliche Blatt setze man zwei gestaltete (Wesen) [?]
munisattama
o bester der Weisen
kādraveyau mahānāgau
die beiden Kadrū-Söhne, die großen Schlangen
paścime kṛtacārakau
auf das westliche (Blatt), die umherziehenden [?]
[Anm.: 'ākṛtau' und 'kṛtacārakau' unsichere Lesungen.]
Auf das nordwestliche Blatt setze man zwei Yātudhānas (Dämonen); und auf das nördliche [Blatt] ein Paar Ṛṣis; auf das nordöstliche Blatt setze man einen einzelnen Planeten(-gott), o Bester der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
vāyavye yātudhānau dvau
auf das nordwestliche (Blatt) zwei Yātudhānas
uttare ca ṛṣidvayam
und auf das nördliche ein Paar Ṛṣis
aiśānye vinyaset patre
auf das nordöstliche Blatt setze man
graham ekaḥ dvijottama
einen einzelnen Planeten(-gott), o bester Zweifachgeborener
[Anm.: 'patpe' im Quelltext, wohl Druckfehler für 'patre'.]
Ihre Verehrung soll vollzogen werden mit Duftstoffen, Blumengirlanden und Salben, mit Lampen, Räucherwerk, samt Speiseopfer, Betel, Arekanuss und dergleichen.
Nachdem man so verehrt hat, vollziehe man mit Ghee ein Feueropfer von hundertacht Opferungen; der Sonne acht und den anderen Gottheiten je acht Opferspenden gebe man der Reihe nach.
Wort für Wort
evaṃ saṃpūjya
nachdem man so verehrt hat
homaṃ tu ghṛtena aṣṭaśataṃ caret
vollziehe man ein Feueropfer mit Ghee, hundertacht(mal)
nāmamantreṇa vedyāṃ vā tataḥ pūrṇāhutiṃ dadet / dakṣiṇā ca tato deyā dvijebhyaḥ śaktito dvija
Mit dem Namensmantra oder auf dem Altar gebe man darauf die Vollopferung (Pūrṇāhuti); und danach soll den Brahmanen entsprechend dem eigenen Vermögen eine Gabe (Dakṣiṇā) gegeben werden, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
nāmamantreṇa vedyāṃ vā
mit dem Namensmantra oder auf dem Altar
tataḥ pūrṇāhutiṃ dadet
dann gebe man die Vollopferung
dakṣiṇā ca tato deyā
und danach ist eine Gabe zu geben
dvijebhyaḥ śaktitaḥ dvija
den Brahmanen entsprechend dem Vermögen, o Zweifachgeborener
An der hellen Saptamī des Vaiśākha wurde die Jāhnavī (Gaṅgā) selbst einst von Jahnu im Zorn ausgetrunken und dann wieder aus dessen rechtem Ohrloch entlassen.
tāṃ tatra pūjayetsnātvā pratyūṣe vimale jale / gandhapuṣpākṣatādyaiśca sarvairevopacārakaiḥ
Sie (Gaṅgā) verehre man dort, nachdem man in der Morgendämmerung im reinen Wasser gebadet hat, mit Duftstoffen, Blumen, ungeschältem Reis und dergleichen sowie mit allen übrigen Ehrengaben.
Wort für Wort
tāṃ tatra pūjayet snātvā
sie verehre man dort, nachdem man gebadet hat
pratyūṣe vimale jale
in der Morgendämmerung im reinen Wasser
gandhapuṣpākṣatādyaiḥ ca
mit Duftstoffen, Blumen, ungeschältem Reis und dergleichen
tato ghaṭasahasraṃ tu deyaṃ gaṅgāvrate tvidam / bhaktyā kṛtaṃ saptakulaṃ nayetsvargamasaṃśayaḥ
Danach sollen tausend Wasserkrüge gegeben werden - dies ist bei diesem Gaṅgā-Gelübde vorgeschrieben; mit Hingabe vollzogen, führt es sieben Geschlechter zweifelsohne in den Himmel.
kamalavratamapyatra proktaṃ tadvidhirucyate / tilamātraṃ tu sauvarṇaṃ vidhāya kamalaṃ śubham
Auch das Lotus-Gelübde (Kamalavrata) wird hier genannt; seine Regel wird nun dargelegt: Man fertige einen goldenen, glückverheißenden Lotus von der Größe eines Sesamkorns.
Wort für Wort
kamalavratam api atra proktam
auch das Lotus-Gelübde wird hier genannt
tadvidhiḥ ucyate
seine Vorschrift wird dargelegt
tilamātraṃ tu sauvarṇam
von Sesamkorngröße, aus Gold
vidhāya kamalaṃ śubham
nachdem man einen glückverheißenden Lotus gefertigt hat
Man umhülle ihn mit einem Kleiderpaar und verehre ihn mit Duftstoff, Räucherwerk und dergleichen: 'Verehrung dir, der du den Lotus in der Hand hältst! Verehrung dir, dem Erhalter des Universums!'
Wort für Wort
vastrayugmāvṛtaṃ kṛtvā
nachdem man ihn mit einem Kleiderpaar umhüllt hat
gandhadhūpādinā arcayet
verehre man mit Duftstoff, Räucherwerk und dergleichen
divākara namastubhyaṃ prabhākara namo 'stu te / iti saṃprārthya deveśaṃ sūrye cāstamupāgate
'O Tagesbereiter (Divākara), Verehrung dir! O Lichtbringer (Prabhākara), Verehrung sei dir!' - so bitte man den Göttergebieter; und wenn die Sonne untergegangen ist,
sodakuṃbhaṃ tu tatpadmaṃ kapilāṃ ca dvijer'payet / taddine tūpavastavyaṃ bhoktavyaṃ ca pare 'hani
diesen Lotus samt einem Wasserkrug sowie eine kapila-farbene Kuh übergebe man einem Brahmanen; an jenem Tag soll gefastet werden und am folgenden Tag gegessen werden.
saṃbhojya brāhmaṇānbhaktyā vratasākalyamāpnuyāt / nibavrataṃ ca tatreva tadvidhānaṃ śṛṇuṣva me
Nachdem man Brahmanen mit Hingabe gespeist hat, erlangt man die Vollständigkeit des Gelübdes; und ebendort gibt es auch das Nimba-Gelübde - höre von mir seine Vorschrift.
Wort für Wort
saṃbhojya brāhmaṇān bhaktyā
nachdem man Brahmanen mit Hingabe gespeist hat
vratasākalyam āpnuyāt
erlangt man die Vollständigkeit des Gelübdes
nimbavrataṃ ca tatra eva
und ebendort gibt es auch das Nimba-Gelübde
tadvidhānaṃ śṛṇuṣva me
höre von mir seine Vorschrift
[Anm.: 'nibavrataṃ' im Quelltext, wohl Druckfehler für 'nimbavrataṃ' (vgl. V19-21 niṃbapatra).]
Mit Nimba-Blättern gilt die Verehrung des Sonnengottes vollzogen, o bester Zweifachgeborener, mit dem Mantra 'Khakholkāya', dem OM vorangestellt, o Nārada.
niṃbapatravrataṃ caitatkartṛāṇāṃ sarvasaukhyadam / saptamī śarkarākhyaiṣā proktā taccāpi me śṛṇu
Dieses Nimba-Blatt-Gelübde gewährt seinen Ausführenden alles Glück. Es gibt auch eine Saptamī namens Śarkarā (Zucker-Saptamī); auch davon höre von mir.
Als er den Amṛta aus der Hand trank, fielen Tropfen des Amṛta der Sonne zu Boden, und auf der Erde entstanden daraus Reis, Mungbohnen, Gerste und Zuckerrohr.
śarkarā ca tatastasmādikṣusārāmṛtopamā / iṣṭā raverataḥ puṇyā śarkarā havyakavyayoḥ
Und daraus entstand der Zucker, aus dem Saft des Zuckerrohrs, dem Amṛta gleich; deshalb ist Zucker der Sonne lieb und heilig für Havya- und Kavya-Opfer (Götter- und Ahnenopfer).
Wort für Wort
śarkarā ca tataḥ tasmāt
und der Zucker daraus, deswegen
ikṣusāra-amṛta-upamā
dem Saft des Zuckerrohrs entsprungen, dem Amṛta gleich
yaḥ kuryātparāyā bhaktyā sa vai sadgatimāpnuyāt / jyeṣṭhe tu śuklasaptamyāṃ jāta indro raviḥ svayam
Wer dieses Gelübde mit höchster Hingabe vollzieht, der erlangt wahrlich den guten Weg (Erlösung). An der hellen Saptamī des Jyeṣṭha wurde Indra, die Sonne selbst, geboren.
āṣāḍhaśuklasaptamyāṃ vivasvānnāma bhāskaraḥ / jātastaṃ tatra saṃprārcya gandhapuṣpādibhiḥ pṛthak
An der hellen Saptamī des Āṣāḍha wurde der Sonnengott mit Namen Vivasvān geboren; wer ihn dort mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen einzeln verehrt,
Wort für Wort
āṣāḍhaśuklasaptamyām
an der hellen Saptamī des Āṣāḍha
vivasvān nāma bhāskaraḥ jātaḥ
wurde der Sonnengott namens Vivasvān geboren
taṃ tatra saṃprārcya
ihn dort gut verehrend
gandhapuṣpādibhiḥ pṛthak
mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen, einzeln dargebracht
labhate sūryasāyujyaṃ viprendrātra na saṃśayaḥ / śrāvaṇe śuklasaptamyāmavyaṅgākhyaṃ vrataṃ śubham
erlangt die Vereinigung mit der Sonne, o Fürst der Brahmanen - daran ist kein Zweifel. An der hellen Saptamī des Śrāvaṇa gibt es das glückverheißende Gelübde namens Avyaṅga.
Wort für Wort
labhate sūryasāyujyam
erlangt die Vereinigung mit der Sonne
viprendra atra na saṃśayaḥ
o Fürst der Brahmanen, daran ist kein Zweifel
śrāvaṇe śuklasaptamyām
an der hellen Saptamī des Śrāvaṇa
avyaṅgākhyaṃ vrataṃ śubham
gibt es das glückverheißende Gelübde namens Avyaṅga
kārpāsaṃ tu caturhastaṃ sārddha vastraṃ hi gopateḥ /// / pūjānte prītaye deyaṃ vratametacchubhāvaham
Ein vier Ellen langes Baumwollgewand, ein Gewand also für den Herrn der Kühe [Sūrya], soll am Ende der Verehrung zu seiner Freude gegeben werden; dieses Gelübde bringt Segen.
Wort für Wort
kārpāsaṃ tu caturhastam
ein Baumwollgewand aber von vier Ellen
sārdha vastraṃ hi gopateḥ
das Gewand für den Herrn der Kühe [Sūrya] [?]
pūjānte prītaye deyam
soll am Ende der Verehrung zur Freude gegeben werden
Und wenn dieses Gewand die volle Länge von vier Ellen hat [?], dann vernichtet es die Sünde; an diesem Tag werden Gabe, Gebetsmurmeln und Feueropfer - alles - unvergänglich.
Wort für Wort
yadi cet hastayuktā iyam
wenn diese Gabe die Ellenmaß-Länge hat [?]
tadā syāt pāpanāśinī
dann vernichtet sie die Sünde
asyāṃ dānaṃ japo homaḥ
an diesem Tag Gabe, Gebetsmurmeln, Feueropfer
sarvaṃ ca ākṣayyatāṃ vrajet
alles wird unvergänglich
[Anm.: 'hastayuktā' unsicher, wohl Bezug auf 'caturhasta' in V30.]
bhādre tu śuklasaptamyāmamuktābharaṇavratam / somasya tu maheśasya pūjanaṃ cātra kīrtitam
An der hellen Saptamī des Bhādra gibt es das Gelübde 'nicht abgelegter Schmuck' (Amuktābharaṇa); hier wird die Verehrung des Mondes und des großen Herrn [Śiva] gelehrt.
Die Verehrung geschieht mit den sechzehn Ehrengaben, beginnend mit Gangeswasser; nach dem Bitten und der Verneigung entlasse man die Gottheit zur Erfüllung aller Wünsche.
Wort für Wort
gaṅgādibhiḥ ṣoḍaśabhiḥ upacāraiḥ
mit den sechzehn Ehrengaben, beginnend mit Gangeswasser
samarcanam
erfolgt die Verehrung
prārthya praṇamya visṛjet
nach dem Bitten und Sich-Verneigen entlasse man die Gottheit
kūṣmāṇḍaṃ bṛhatīpūgamiti sapta phalāni vai / mahādevasya purato vinyasyāparadorakam
Kürbis, Bṛhatī-Frucht und Areka-Nuss - dies sind die sieben Früchte; nachdem man sie vor Mahādeva niedergelegt hat, binde man außerdem eine Schnur (um das Handgelenk).
saptatantukṛtaṃ saptagranthiyuktaṃ dvijottama / saṃpūjya parayā bhaktyā dhārayedvāmake kare
Aus sieben Fäden gemacht, mit sieben Knoten versehen, o bester Zweifachgeborener; nachdem man sie mit höchster Hingabe verehrt hat, trage man sie am linken Arm.
Wort für Wort
saptatantukṛtaṃ saptagranthiyuktam
aus sieben Fäden gemacht, mit sieben Knoten versehen
Die Frau trage sie am rechten Arm, der Mann ebenso, bis ein Jahr vollendet ist; nachdem man genau sieben Brahmanen mit Milchreis (Pāyasa) gespeist hat, entlasse man sie.
Wort für Wort
strī naro dakṣiṇe ca eva
die Frau, der Mann ebenso am rechten Arm
yāvat varṣaṃ samāpyate
bis ein Jahr vollendet ist
saṃbhojya viprān sapta eva
nachdem man genau sieben Brahmanen gespeist hat
pāyasena visṛjya tān
mit Milchreis, entlasse man sie
[Anm.: 'visṛjyasa' im Quelltext, wohl Verschmelzung/Druckfehler für 'visṛjya sa (tān)'.]
āśvine śuklapakṣe tu vijñeyā śubhasaptamī / tasyāṃ kṛtasnānapūjo vācayitvā dvijottamān
In der hellen Hälfte des Āśvina ist die günstige Saptamī zu kennen; an ihr bade und verehre man, nachdem man beste Brahmanen Verse hat rezitieren lassen,
Wort für Wort
āśvine śuklapakṣe tu
in der hellen Hälfte des Āśvina aber
vijñeyā śubhasaptamī
ist die günstige Saptamī zu erkennen
tasyāṃ kṛtasnānapūjaḥ
an ihr, nachdem man gebadet und verehrt hat
vācayitvā dvijottamān
nachdem man beste Brahmanen Texte hat vortragen lassen
'Beschütze du das ganze Universum, da du aus dem Dharma entstanden bist' - so gesprochen, übergebe man die Kuh einem Vedakundigen und gebe eine Gabe (Dakṣiṇā),
nachdem man sich verneigt hat, o Brahmane, entlasse man sie und lasse sie [das Pañcagavya] kosten [?]; nachdem man so das Fünf-Kuh-Erzeugnis-Gelübde vollzogen hat, [speise man] am folgenden Tag die besten Brahmanen,
Wort für Wort
namaskṛtya svayaṃ vipra
nachdem man sich verneigt hat, o Brahmane
visṛjet prāśayet [?]
entlasse man und lasse kosten [?] (Text unsicher)
pañcagavyaṃ vrataṃ ca ittham vidhāya
nachdem man so das Fünf-Kuh-Erzeugnis-Gelübde vollzogen hat
śvaḥ dvijottamān
am folgenden Tag die besten Brahmanen
[Anm.: 'prāśayetvaravayam' im Quelltext unklar, evtl. verderbt für 'prāśayet pañcagavyam'; 'pacagavyaṃ' wohl für 'pañcagavyaṃ'.]
nachdem man sie gespeist hat, esse man selbst jene Speise, die von den Brahmanen übriggelassen wurde; dies ist, o Brahmane, mit Glauben vollzogen, wie es wohlgesprochen überliefert ist [?].
Wort für Wort
bhojayitvā svayaṃ ca adyāt
nachdem man sie gespeist hat, esse man selbst
tadannaṃ dvijaśeṣitam
jene Speise, die von den Brahmanen übriggelassen wurde
kṛtaṃ hi etat gataṃ vipra
dies ist, o Brahmane, wahrlich so vollzogen [?]
subhāṣyaṃ śraddhayā anvitaḥ
wohlgesprochen überliefert, mit Glauben versehen [?]
[Anm.: Zweite Vershälfte unklar/möglicherweise verderbt.]
Durch die Gnade des Gottes der Götter erlangt man Genuss und Erlösung. Nun gibt es an der hellen (Saptamī) des Kārtika das Saptamī-Gelübde namens Śāka (Gemüse).
Am zweiten Tag speise man die Brahmanen, gebe ihnen Speise und Gabe (Dakṣiṇā), und nach der Entlassung esse man selbst schweigend zusammen mit den Verwandten.
Wort für Wort
dvitīye 'hni dvijān bhojya
am zweiten Tag, nachdem man die Brahmanen gespeist hat
An der hellen Saptamī des Mārgaśīrṣa wird das Mitra-Gelübde gelehrt; das rechte Auge Viṣṇus ist es, das eben dieses (als Sonne) hier gemacht hat [d.h. das rechte Auge Viṣṇus ward zur Sonne].
Von Aditi durch Kaśyapa wurde der Tagesbereiter mit Namen Mitra geboren; daher erfolgt an diesem Tag seine Verehrung nach der genannten Vorschrift, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
adityāṃ kaśyapāt jajñe
in Aditi wurde von Kaśyapa geboren
mitraḥ nāma divākaraḥ
der Tagesbereiter mit Namen Mitra
ataḥ asyāṃ pūjanaṃ tasya
daher an diesem Tag seine Verehrung
yathoktavidhinā dvija
nach der genannten Vorschrift, o Zweifachgeborener
kṛtvā dvijānbhojayitvā saptaiva madhurādinā / suvarṇadakṣiṇāṃ datvā visṛjyāśnīta ca svayam
Nachdem man (das Ritual) vollzogen und genau sieben Brahmanen mit Süßspeisen und dergleichen gespeist hat, gebe man eine Goldgabe, entlasse sie und esse dann selbst.
Wort für Wort
kṛtvā dvijān bhojayitvā
nachdem man es vollzogen und die Brahmanen gespeist hat
Wer dies vorschriftsmäßig vollzieht, gelangt sicher in die Welt der Sonne; ein Zweifachgeborener (erlangt) die Brahma-Welt, und ebenso erlangt ein Śūdra dadurch Geburt in einer guten Familie.
Wort für Wort
kṛtvā etad vidhinā
wer dies vorschriftsmäßig vollzieht
lokaṃ sūryasya vrajati dhruvam
gelangt sicher in die Welt der Sonne
dvijaḥ brāhmaṃ tathā
ein Zweifachgeborener (erlangt) die Brahma-Welt, ebenso
An der hellen Saptamī des Pauṣa gibt es das Gelübde mit Namen Abhaya (Furchtlosigkeit); der Gelübdehalter faste und verehre, auf der Erde sitzend, die Sonne zu den drei Dämmerungszeiten,
Wort für Wort
pauṣasya śuklasaptamyām
an der hellen Saptamī des Pauṣa
vrataṃ ca abhayasaṃjñitam
und das Gelübde mit Namen Abhaya
upoṣya bhānuṃ triḥsandhyam
nach dem Fasten, die Sonne zu den drei Dämmerungen
Ein mit Milch benetztes, aus Reis bereitetes Kügelchen (Modaka) im Maß eines Prastha gebe man dem Brahmanen, sowie weitere Speisen sieben oder acht Brahmanen samt einer Gabe.
mārtaṇḍākhyaṃ vrataṃ nāma kathayanti dvijāḥ pare / ekameveti ca proktamekadaivatayā budhaiḥ
Andere Brahmanen nennen dieses Gelübde mit dem Namen Mārtaṇḍa; und es wird von den Weisen als 'ein einziges' bezeichnet, da es eine einzige Gottheit hat.
māghe tu kṛṣṇasaptamyāṃ vrataṃ sarvāptisaṃjñakam / samupoṣya dine tasminsampūjyādityabimbakam
An der dunklen Saptamī des Māgha aber gibt es das Gelübde mit Namen Sarvāpti (Erreichung von Allem); nachdem man an jenem Tag gefastet hat, verehre man die Sonnenscheibe,
sauvarṇaṃ gandhapuṣpādyaiḥ kṛtvā rātrau ca jāgaram / pare 'hni viprānsambhojya pāyasena tu sapta vai
die goldene (Scheibe), mit Duftstoff, Blumen und dergleichen; und in der Nacht halte man Nachtwache; am folgenden Tag speise man genau sieben Brahmanen mit Milchreis,
Wort für Wort
sauvarṇaṃ gandhapuṣpādyaiḥ
die goldene (Scheibe) mit Duftstoff, Blumen und dergleichen
kṛtvā rātrau ca jāgaram
und in der Nacht Nachtwache haltend
pare 'hni viprān sambhojya
am folgenden Tag, nachdem man Brahmanen gespeist hat
Durch die Kraft dieses Gelübdes gelingt fürwahr in jeder Hinsicht das Zweifache [wohl: Genuss und Erlösung, bhukti und mukti] [?]. An der hellen Saptamī des Māgha gilt das Gelübde mit Namen Acalā (die Unbewegliche).
Wort für Wort
vratasya asya prabhāveṇa
durch die Kraft dieses Gelübdes
dvaitaṃ sidhyet hi sarvathā
gelingt fürwahr in jeder Hinsicht das Zweifache [?]
māghasya śuklasaptamyām
an der hellen Saptamī des Māgha
acalākhyaṃ vrataṃ smṛtam
gilt das Gelübde mit Namen Acalā
[Anm.: 'dvaitaṃ' hier vermutlich i.S.v. 'beides' (bhukti und mukti); unsicher [?].]
Dies ist der Geburtstag des Dreiäugigen (Śiva); er gilt als alle Sünde hinwegnehmend; und diese Saptamī heißt auch Ratha(-saptamī), sie verleiht die Herrschaft eines Weltenherrschers (Cakravartin).
Wort für Wort
trilocanajayantī iyam
dies ist der Geburtstag des Dreiäugigen
sarvapāpaharā smṛtā
sie gilt als alle Sünde hinwegnehmend
rathākhyā saptamī ca iyam
und diese Saptamī heißt auch Ratha(-saptamī)
cakravartitvadāyinī
sie verleiht die Herrschaft eines Weltenherrschers
asyāṃ samarcya savituḥ pratimāṃ tu haimīṃ haimāśvayuktarathagāṃ tu dadetsahebhām / yo bhāvabhaktisahitaḥ sa gato hi lokaṃ śambhoḥ sa modata ihāpi ca bhuktabhogaḥ
Wer an diesem Tag ein goldenes Abbild der Sonne verehrt und es, auf einen mit goldenen Rossen bespannten Wagen gestellt, samt Elefant hingibt - wer dies mit innerer Hingabe (tut), der gelangt fürwahr in die Welt Śambhus (Śivas), und er freut sich auch hier, nachdem er (alle irdischen) Genüsse genossen hat.
Wort für Wort
asyāṃ samarcya savituḥ pratimāṃ tu haimīm
wer an diesem Tag ein goldenes Abbild der Sonne verehrt
haimāśvayuktarathagāṃ tu dadet sahebhām
und es, auf einen mit goldenen Rossen bespannten Wagen gestellt, samt Elefant, hingibt
yo bhāvabhaktisahitaḥ sa gato hi lokaṃ śambhoḥ
wer mit innerer Hingabe (dies tut), gelangt fürwahr in die Welt Śambhus
sa modate ihāpi ca bhuktabhogaḥ
er freut sich auch hier, nachdem er die Genüsse genossen hat
Der Sonnengott (Āditya), der Herr selbst, verkündete hier auch das Sohn-gewährende Gelübde: 'Wer an der hellen Saptamī des Māgha mich vorschriftsmäßig verehrt,'
Wort für Wort
putrapradaṃ vrataṃ ca atra
und das Sohn-gewährende Gelübde hier
prāha ādityaḥ svayaṃ prabhuḥ
verkündete der Sonnengott, der Herr, selbst
yo māghasitasaptamyām
wer an der hellen Saptamī des Māgha
pūjayen māṃ vidhānataḥ
mich vorschriftsmäßig verehrt
[Anm.: 'sitaptamyāṃ' im Quelltext, wohl für 'śuklasaptamyāṃ'.]
'dessen Sohn werde ich, sehr zufrieden gestellt, mit einem Teil meiner selbst werden. Deshalb soll man, nachdem man die Sinne gebändigt hat, Tag und Nacht fasten,'
Wort für Wort
tasya ahaṃ putratāṃ yāsye
dessen Sohn werde ich (selbst)
svāṃśena bhṛśatoṣitaḥ
sehr zufrieden gestellt, mit einem Teil meiner selbst
Manche nennen dieses Gelübde 'die drei Lebensziele (Trivarga) gebend', o Zweifachgeborener, andere wiederum das Opfer-Gelübde, wegen des vorschriftsmäßigen Feueropfer-Ritus.