Nun folgt eine weitere sündenvernichtende Geschichte des Windsohnes (Hanumān), wie sie von Rāma, dem Bewohner des Ānandavana, in eigenen Worten erzählt wurde:
Wort für Wort
atha aparam
nun ferner/weiter
vāyusūnoḥ caritam
die Geschichte des Windsohnes (Hanumān)
pāpanāśanam
sündenvernichtend
yad uktam svāsu
was in eigenen (Worten) erzählt wurde [?]
rāmeṇa ānandavanavāsinā
von Rāma, dem Bewohner des Ānandavana
[?: „svāsu“ (Lok. Pl. fem.) ist elliptisch; sinngemäß auf ein ungenanntes Bezugswort wie „eigene Erzählungen/Äußerungen“ bezogen.]
Ich wünsche mir stets, o Brahmane, die Begegnung mit dem Affengestaltigen – (um ihm) im Verborgenen das Geheimnis meines eigenen Wesens (zu offenbaren), hier in meinem vortrefflichen Ānandavana.
Wort für Wort
vāñchāmi aham sadā vipra
ich wünsche immer, o Brahmane
saṃgamaṃ kīśarūpiṇā
die Begegnung mit dem Affengestaltigen (Hanumān)
rahasyaṃ rahasi svasya
das Geheimnis meines eigenen Wesens im Verborgenen
Ich erschien einst, o Muni, beim Hinscheiden [?] König Daśarathas, als vierfach gestaltetes Wesen, verteilt auf die drei Gattinnen jenes Königs.
Wort für Wort
āvirbhūtaḥ asmi aham pūrvam
ich erschien einst
rājñaḥ daśarathakṣaye
beim Hinscheiden des Königs Daśaratha
caturyūhātmakaḥ tatra
dort als vierfach-gestaltiges Wesen
tasya bhāryātraye mune
in den drei Gattinnen jenes Königs, o Muni
[Anm.: „daśarathakṣaye“ wörtlich ‚beim Schwinden/Ende Daśarathas‘ – der genaue Bezug (Tod des Königs oder Anlass seiner Kinderlosigkeit) bleibt im knappen Wortlaut offen.]
tatra gatvāśramamṛberdūṣayantī niśācarau / dhvastau subāhumārīcau prasanno 'bhūttadā muniḥ
Dorthin gegangen, zur Einsiedelei des Weisen, wurden die beiden Nachtwandler, die sie entweihten, Subāhu und Mārīca, vernichtet; da ward der Muni erfreut.
Wort für Wort
tatra gatvā āśramam ṛṣeḥ
dorthin gegangen, zur Einsiedelei des Weisen
dūṣayantī niśācarau
die zwei Nachtwandler, die sie entweihten
dhvastau subāhumārīcau
Subāhu und Mārīca wurden vernichtet
prasannaḥ abhūt tadā muniḥ
da wurde der Muni froh
[Anm.: „dūṣayantī“ (fem.) steht ungewöhnlich zum männlichen Dual „niśācarau“; zu erwarten wäre „dūṣayantau“.]
astragrāmaṃ dadau mahyaṃ māsaṃ cāvāsayattathā / tato gādhisutodhīmān jñātvā bhāvyarthamādarāt
Er gab mir die Gesamtheit der Waffen und ließ uns ebenso einen Monat dort wohnen. Danach, der kluge Sohn des Gādhi, da er sorgsam den künftigen Zweck erkannt hatte,
dhanurvibhajya samiti labdhavānmānino 'sya ca / tato mārge bhṛgupaterdarppamūḍhaṃ ciraṃ smayan
gewann ich, nachdem ich in der Versammlung den Bogen zerbrochen hatte, sie, zur Freude jenes stolzen Königs; danach, auf dem Weg, über den vom Stolz verblendeten Herrn der Bhṛgus lange lächelnd,
Wort für Wort
dhanuḥ vibhajya samiti
nachdem ich den Bogen in der Versammlung zerteilt hatte
labdhavān māninaḥ asya ca
gewann ich sie, dieses Stolzen (Königs Janaka)
tataḥ mārge bhṛgupateḥ
danach auf dem Weg über den Herrn der Bhṛgus (Paraśurāma)
vyaṣanīyāgamaṃ paścādayodhyāṃ svapituḥ purīm / tato rājñāhamājñāya prajāśīlanamānasaḥ
kehrte ich, nachdem er in Bedrängnis geraten war, darauf nach Ayodhyā zurück, der Stadt meines Vaters. Danach ward ich vom König, mit Sinn auf die Pflege der Untertanen bedacht, (zur Thronfolge bestimmt) –
Wort für Wort
vyaṣanī āgamam
nachdem er in Bedrängnis geraten war, kam ich [?]
paścāt ayodhyāṃ svapituḥ purīm
danach nach Ayodhyā, der Stadt meines Vaters
tataḥ rājñā aham ājñāya
danach von mir, durch den König beauftragt/benannt
prajāśīlanamānasaḥ
mit Sinn auf die Pflege der Untertanen gerichtet
[?: „vyaṣanīya“ ist eine unklare Form, sinngemäß als von „vyasanin“ (in Bedrängnis geraten, sc. Paraśurāma) hergeleitet gelesen.]
wurde ich zur Thronfolgerwürde, aus eigenem Wohlgefallen, nach Beratung von den Bürgern erwählt. Als dies die sehr geliebte Gattin Kaikeyī vernommen hatte, o Muni, (sprach sie) zum Herrscher:
Wort für Wort
yauvarājye
zur Thronfolgerwürde
svayaṃ prītyā
aus eigenem Wohlgefallen
saṃmantrya pauraiḥ vikalpitaḥ
nach Beratung von den Bürgern [?] erwählt
tat śrutvā supriyā bhāryā kaikeyī
als dies die sehr geliebte Gattin Kaikeyī gehört hatte
bhūpatiṃ mune
zum König, o Muni
[Anm.: „ātpair“ ist vermutlich verderbt für „pauraiḥ“ (von den Bürgern).]
Rāma aber werde für vierzehn Jahre in die Daṇḍaka-Wälder verbannt.‘ Als ich dies vernommen hatte, machte ich mich bereit, in den Wald (zu gehen), begleitet von Gattin und jüngerem Bruder,
Wort für Wort
rāmaḥ caturdaśasamāḥ
Rāma für vierzehn Jahre
daṇḍakān pravivāsyatām
werde in die Daṇḍaka-Wälder verbannt
tat ākarṇya aham udyuktaḥ
dies vernommen, machte ich mich bereit
araṇyaṃ bhāryānujānvitaḥ
zum Wald, begleitet von Gattin und jüngerem Bruder
gantuṃ nṛpatinānukto 'pyagamaṃ citrakūṭakam / tatra nityaṃ vanyaphalairmāṃsaiścāvartitakriyaḥ
obgleich mir vom König nicht dazu geraten war zu gehen, ging ich dennoch zum Citrakūṭa; dort, stets von wilden Früchten und Fleisch lebend, meine Riten fortsetzend,
Wort für Wort
gantum nṛpatinā anuktaḥ api
obwohl vom König nicht dazu aufgefordert, zu gehen
begleitet von der Schar der Mütter, elend, samt Lehrer, Ministern und Bürgern; sie kamen zu meiner Einsiedelei in Pañcavaṭī und trugen ihr Anliegen vor.
bhāryāmanveṣayanprāptaḥ sakhyaṃ haryadhipena ca / atha vālinamāhatya sugrīva statpade kṛtaḥ
auf der Suche nach meiner Gattin, und gelangte zur Freundschaft mit dem Herrn der Affen. Da erschlug ich Vālin, und Sugrīva ward an dessen Statt eingesetzt,
āgato hyabhiṣicyāśulaṅkeśo hi vikalpitaḥ / hatvā tu rāvaṇaṃ saṃkhye saputrāmātyabāndhavam
gekommen, und alsbald ward er von mir zum Herrn von Laṅkā geweiht und bestimmt. Nachdem ich Rāvaṇa samt seinen Söhnen, Ministern und Verwandten in der Schlacht erschlagen hatte,
Wort für Wort
āgataḥ hi abhiṣicya
gekommen, und (ich) weihte ihn
āśu laṅkeśaḥ hi vikalpitaḥ
alsbald wurde er fürwahr zum Herrn von Laṅkā bestimmt
hatvā tu rāvaṇaṃ saṃkhye
nachdem ich aber Rāvaṇa in der Schlacht erschlagen hatte
die beiden zum Totenopfer meines Vaters eingeladen, sowie die sechs Familien der besten Zweifachgeborenen – sie alle kamen, eingeladen, nach Ayodhyā zusammen.
Wort für Wort
nimantritau pituḥ śrāddhve
die beiden eingeladen zum Totenopfer des Vaters
ṣaṭkulāḥ ca dvijottamāḥ
und die sechs Familien der besten Zweifachgeborenen
Da wurde Śambhu von mir bei der Begegnung mit Vibhīṣaṇa gefragt; (er sprach): „Führe mich in das Land der Draviḍas und befreie mich von der Fessel der Brahmanenschaft.“
Wort für Wort
atha pṛṣṭaḥ mayā śaṃbhuḥ
da wurde Śambhu von mir gefragt
vibhīṣaṇasamāgame
bei der Begegnung mit Vibhīṣaṇa
nītvā māṃ draviḍe deśe
nachdem du mich ins Land Draviḍa geführt hast
mocaya dvijabandhanāt
befreie mich von der Fessel der Brahmanenschaft
[?: Zusammenhang und Sinn dieser knappen Episode bleiben unklar; wörtlich wiedergegeben.]
Von mir eingeladen zum Totenopfer waren auch Agastya und andere Herren der Weisen; nachdem sie bewirtet worden waren, zogen sie fort, ein jeder zu seinem eigenen Einsiedlerkreis.
te sarve sphaāṭikaṃ liṅgaṃ tryaṃbakādrau niveśitam / saṃpūjya nyavaṃsastatra devadaityanṛpāgrajāḥ
Sie alle, nachdem sie das kristallene Liṅga, das auf dem Berg Tryambaka aufgestellt war, verehrt hatten, verweilten dort – Götter, Daityas und die Vornehmsten der Könige.
Wort für Wort
te sarve
sie alle
sphāṭikaṃ liṅgaṃ tryaṃbakādrau niveśitam
das kristallene Liṅga, aufgestellt auf dem Berg Tryambaka
saṃpūjya nyavasaṃs tatra
nachdem sie es verehrt hatten, verweilten sie dort
Nachdem sie sich alle vor dem Erhabenen verneigt hatten, begannen sie mit der Reinigung der Elemente: In der Mitte des Herzlotus ist ein Hohlraum, eben dort die Fünfheit der Elemente.
Wort für Wort
natvā tu bhārgavaṃ sarve
nachdem sie sich alle vor dem Erhabenen [?] verneigt hatten
bhūtaśuddhiṃ pracakramuḥ
begannen sie mit der Reinigung der Elemente
hṛtpadmamadhye suṣiram
in der Mitte des Herzlotus ist ein Hohlraum
tatra eva bhūtapañcakam
eben dort die Fünfheit der Elemente
[Anm.: „bhārgavaṃ“ ist im Kontext der Śiva-Verehrung auffällig; vermutlich verderbt für „bhagavantaṃ“ (den Erhabenen).]
Und nachdem man die Hülle des Äthers verbrannt hat, verbrenne man sodann den Äther selbst; nachdem man den Äther verbrannt hat, verbrenne man ebenso den Wind, sodann das Feuerelement.
Wort für Wort
ākāśasya āvṛttiṃ ca
und die Hülle/Umhüllung des Äthers
dagdhvā ākāśam atho dahet
nachdem man sie verbrannt, verbrenne man dann den Äther
dagdhvā ākāśam atho vāyum
nachdem man den Äther verbrannt, dann den Wind
agnibhūtaṃ tathā dahet
ebenso verbrenne man das Feuerelement
[?: „cāhaṃ“ (und ich) passt syntaktisch nicht zur unpersönlichen Anweisung; vermutlich verderbt für „cāsau“ (und jenes).]
abbhūtaṃ ca tato dagdhvā pṛthivībhūtameva ca / tadāśritānguṇāndagdhvā tato dehaṃ pradāhayet
Und danach, nachdem man das Wasserelement verbrannt hat, ebenso das Erdelement; nachdem man die darauf beruhenden Eigenschaften verbrannt hat, lasse man sodann den Körper verbrennen.
Wort für Wort
abbhūtaṃ ca tato dagdhvā
und danach, nachdem man das Wasserelement verbrannt hat
pṛthivībhūtam eva ca
ebenso das Erdelement
tadāśritān guṇān dagdhvā
nachdem man die darauf beruhenden Eigenschaften verbrannt hat
Nachdem so der Verkörperte die Elemente und dergleichen mit jenem Feuer der Erkenntnis verbrannt hat, (meditiere er über) Viṣṇu, der inmitten der Flamme weilt, ganz erfüllt von der Wonne der Glückseligkeit,
Wort für Wort
evaṃ pradagdhvā bhūtādi
nachdem so die Elemente usw. verbrannt sind
dehī tajjñānavahninā
der Verkörperte, mit jenem Feuer der Erkenntnis
śikhāmadhyasthitaṃ viṣṇum
Viṣṇu, der inmitten der Flamme(nspitze) weilt
ānandarasanirbharam
ganz erfüllt von der Wonne der Glückseligkeit
[?: „bhūtārdi“ als „bhūtādi“ (die Elemente u.a.) gelesen.]
der, dessen Strahl dem entstandenen Mondesstrahl gleicht, den heilvollen Strahl (habend) – durch die aus Śivas Gliedern entstandenen Strahlen, die mit fließendem Nektar verbunden sind,
Wort für Wort
niṣpannacandrakiraṇasaṃkāśa-
dem entstandenen Mondstrahl gleichend
kiraṇaṃ kiraṇaṃ śivam
den Strahl, den Strahl, den heilvollen [Dittographie]
śivāṅgotpannakiraṇaiḥ
durch die aus Śivas Gliedern entstandenen Strahlen
amṛtadravasaṃyutaiḥ
die mit fließendem Nektar verbunden sind
[Anm.: „kiraṇaṃ kiraṇaṃ“ wirkt wie eine Dittographie (Wortwiederholung) im überlieferten Text.]
wird danach die Flamme sehr kühl, besänftigt, gleich dem Mondesstrahl; durch die ausgebreiteten, dem Nektar gleichenden Strahlen wird die Überflutung dicht. Mit dieser Flut durchflutet denke man sich die Gesamtheit der Elemente als das Höchste.
Wort für Wort
suśītalā tato jvālā
danach wird die Flamme sehr kühl
praśāntā candraraśmivat
besänftigt, wie ein Mondstrahl
prasāritasudhārugbhiḥ
durch die ausgebreiteten, nektargleichen Strahlen
sāṃdrībhūtaḥ ca saṃplavaḥ
und die Überflutung wird dicht
anena plāvitaṃ bhūtagrāmam
die mit dieser Flut überflutete Gesamtheit der Elemente
Nachdem er so die Reinigung der Elemente vollzogen hat, wird der Sterbliche sogleich rein und fähig zur rituellen Handlung; um danach die Verehrung und auch das Murmelgebet zu vollziehen, meditiere er so zur Tilgung von Brahmanenmord und dergleichen Sünden.
Wort für Wort
itthaṃ kṛtvā bhūtaśuddhim
nachdem er so die Elementereinigung vollzogen hat
kriyārhe martyaḥ śuddho jāyate hi eva sadyaḥ
wird der Sterbliche, tauglich zur Handlung, sogleich fürwahr rein
pūjāṃ kartuṃ japyakarma api
um die Verehrung und auch das Japa-Werk zu vollbringen
Nachdem er so über den Glanz des Mondlichts meditiert und ihn durch Meditation eilig auf das Liṅga Śivas versetzt hat, und Sadāśiva inmitten der Flamme sich vorstellend, vollziehe er mit dem Fünfsilbenmantra die unvergängliche Verehrung.
Wort für Wort
evaṃ dhyātvā candradīptiprakāśam
nachdem er so über den Glanz des Mondlichts meditiert hat
dhyānena āropya āśu liṅge śivasya
es durch Meditation eilig auf das Liṅga Śivas versetzend
sadāśivaṃ dīpamadhye vicintya
und Sadāśiva inmitten der Flamme sich vorstellend
pañcākṣareṇa arcanam avyayaṃ tu
vollziehe er mit dem Fünfsilben-Mantra die unvergängliche Verehrung
Nachdem er die Anrufung und die übrigen Dienste ebenso vollzogen hat, vollziehe er wie zuvor die Waschung Śaṅkaras; die aus Feigenholz, Silber oder Gold bestehende Sitzplatte, mit Tuch und dergleichen verhüllt – all dies sei hier die Sitzplatte.
Wort für Wort
āvāhanādīn upacārān tathā api kṛtvā
nachdem er auch Anrufung und die übrigen Dienstleistungen vollzogen hat
snānaṃ pūrvavat śaṅkarasya
die Waschung Śaṅkaras wie zuvor
auduṃbaraṃ rājataṃ svarṇapīṭham
die Sitzplatte aus Feigenholz, Silber oder Gold
vastrādicchannaṃ sarvam eva iha pīṭham
mit Tuch u.ä. verhüllt – all dies sei hier die Sitzplatte
ante kṛtvā budbudābhyāṃ ca sṛṣṭiṃ pīṭhe pīṭhe nāgamekaṃ purastāt / kuryātpīṭhe corddhvake nāgayugmaṃ devābhyāśe dakṣiṇe vāmataśca
Am Ende erschaffe er mit zwei Wasserblasenzeichen die Schöpfung; auf der Sitzplatte, an ihrer Vorderseite, setze er eine Schlange; auf der oberen Sitzplatte mache er ein Schlangenpaar, in der Nähe des Gottes, rechts und links.
Wort für Wort
ante kṛtvā budbudābhyāṃ ca sṛṣṭim
am Ende mit zwei Wasserblasen die Schöpfung machend [?]
pīṭhe pīṭhe nāgam ekaṃ purastāt
auf der Sitzplatte vorn eine Schlange
kuryāt pīṭhe ca urddhvake nāgayugmam
mache er auf der oberen Sitzplatte ein Schlangenpaar
devābhyāśe dakṣiṇe vāmataḥ ca
in der Nähe des Gottes, rechts und links
[?: Kultisch-technische Anweisung, wörtlich wiedergegeben; genaue rituelle Bedeutung von „budbudābhyāṃ ... sṛṣṭim“ unsicher.]
Nachdem er eine Hibiskusblüte inmitten der Schlangen niedergelegt hat, lege er in der Mitte ein zwölffach gefaltetes Tuch; inmitten dessen, mit reinweißem Tuch, ist der Große Herr, liṅga-förmig, mit der Sitzplatte versehen, zu verehren.
Wort für Wort
japāpuṣpaṃ nāgamadhye nidhāya
nachdem er eine Hibiskusblüte inmitten der Schlangen niedergelegt hat
madhye vastraṃ dvādaśaprātiguṇye
in der Mitte ein zwölffach gefaltetes Tuch
suśvetena tasya madhye
inmitten dessen, mit reinweißem Tuch
maheśaṃ liṅgākāraṃ pīṭhayuktam prapūjyam
ist der Große Herr, liṅga-förmig, mit der Sitzplatte, zu verehren
Nachdem sie so gehandelt hatten, gaben all jene Verehrer wiederholt den fünffachen und den achtfachen Wohlgeruch, und huldigten mit Blüten, Blättern, Sesam, ungeschältem Reis, teils mit Sesam vermischt, teils rein.
Wort für Wort
evaṃ kṛtvā sādhakāḥ te tu sarve
nachdem so gehandelt, gaben all jene Verehrer
dattvā dattvā pañcagandha-aṣṭagandham
wiederholt den fünf- und achtfachen Wohlgeruch gebend
dhūpaṃ dattvā vidhivatsaṃprayuktaṃ dīpaṃ dattvā coktamevopahāram / pūjāśeṣaṃ te samāpyātha sarve gītaṃ nṛtyaṃ tatra tatrāpi cakruḥ
Nachdem sie vorschriftsmäßig den zugehörigen Räucherduft, die Lampe und die genannte Opfergabe dargebracht hatten, vollendeten sie alle den Rest der Verehrung und veranstalteten da und dort Gesang und Tanz.
Wort für Wort
dhūpaṃ dattvā vidhivat saṃprayuktam
nachdem sie vorschriftsmäßig den zugehörigen Räucherduft dargebracht hatten
dīpaṃ dattvā ca uktam eva upahāram
und die Lampe sowie die genannte Opfergabe dargebracht hatten
pūjāśeṣaṃ te samāpya atha sarve
nachdem sie den Rest der Verehrung vollendet hatten, alle
Von der Erscheinung eines Rasenden, himmelsgewandet, vielerlei Lebensweise befolgend – bald ein Vortrefflichster der Zweifachgeborenen, bald einem Caṇḍāla gleichend,
Wort für Wort
unmattaveṣo digvāsāḥ
von der Erscheinung eines Rasenden, himmelsgewandet (nackt)
bisweilen leckte er dessen Napf aus, bisweilen ging er stumm vorüber; bisweilen ergriff er einfach die Hand des Lehrers und aß eigenmächtig für sich selbst.
bisweilen verrichtete er sein Wasser mitten im Hause, bisweilen lag er im Schlamm zum Schlafen; stets, wenn der Lehrer ihn erblickte, führte er ihn an der Hand ins Haus,
Wort für Wort
kvacid gṛhāntare mūtram
bisweilen ließ er sein Wasser mitten im Haus
kvacit kardamale śayanam
bisweilen ein Lager im Schlamm [?]
sarvadā taṃ guruḥ dṛṣṭvā
stets, wenn der Lehrer ihn erblickte
karam ālaṃbya mandiram
ihn an der Hand ins Haus führend
[?: „panam“ ist unklar; probeweise als „śayanam“ (Lager, Schlafstätte) gedeutet.]
tasya cittaṃ parijñātuṃ kadācidatha suṃdarī / ahalyā śiṣyamāhūya bhuṅkṣveti prāha taṃ mudā / nirdiṣṭo gurupatnyā tu bubhuje so 'viśeṣataḥ
Um sein Herz zu erkennen, rief einst die schöne Ahalyā den Schüler herbei und sprach freudig zu ihm: „Iss!“ Von der Gattin des Lehrers so angewiesen, aß er ohne Unterschied.
ein Paar abgetragener Sandalen in der Hand haltend, schwatzend und lachend, in einer den Niedrigstgeborenen geziemenden Erscheinung, näherte er sich Vṛṣaparvan.
Wort für Wort
sujīrṇopānahau haste gṛhītvā
ein Paar abgetragener Sandalen in der Hand haltend
pralapan hasan
schwatzend, lachend
antyajocitaveṣaḥ ca
in einer den Niedrigstgeborenen geziemenden Erscheinung
Zwischen Vṛṣaparvan und dessen Herrin trat der Nacktgewandete hin und blieb stehen; Vṛṣaparvan, ihn nicht erkennend, bedrängte ihn und schlug ihm das Haupt ab.
hate tasmindvijaśreṣṭhe jagadetañcarācaram / atīva kaluṣaṃ hyāsīttatrasthā munayastathā
Als jener Vortrefflichste der Zweifachgeborenen erschlagen war, ward diese ganze Welt, das Bewegliche wie das Unbewegliche, äußerst getrübt; so auch die dort weilenden Munis,
Wort für Wort
hate tasmin dvijaśreṣṭhe
als jener Vortrefflichste der Zweifachgeborenen erschlagen war
Dieweil dieser mir allzeit teurer war als mein Lebensatem, ein Yogin Śivas – so ist auch mein Tod gewiss, denn der Lehrer weilt unter der Maske des Schülers.
Wort für Wort
mama prāṇādhikasya
dessen, der mir teurer war als mein Leben
iha sarvadā śivayoginaḥ
hier, allzeit eines Śiva-Yogin
mama api maraṇaṃ satyam
auch mein Tod ist wahr/gewiss
śiṣyacchadmā yataḥ guruḥ
denn der Lehrer weilt unter der Maske des Schülers
[?: Sinnzusammenhang der Verse 67f. – die Wesenseinheit von Lehrer und Schüler – knapp formuliert; sinngemäß übersetzt.]
Für die Śiva-Verehrer, die der Rechtschaffenheit verpflichtet sind, allzeit auf dem Pfad Śivas wandelnd, gilt: Wo Tod erblickt wird, dort ist gewisslich auch unser Tod.
Wort für Wort
śaivānāṃ dharmayuktānām
für die Śaivas, die der Rechtschaffenheit verpflichtet sind
Als der Lehrer der Asuras, Śukra, der Vortrefflichste der Wissenden, dies vernommen hatte, sprach er: „Diesen werde ich wiederbeleben, den Nachkommen Bhṛgus, den Śiva-Lieben.“
Wort für Wort
tat śrutvā hi asurācāryaḥ śukraḥ
als dies der Lehrer der Asuras, Śukra, vernommen hatte
Als jener gestorben war, gab auch Śukra durch Yoga seine Lebenshauche auf. Als sie von dessen Tod so erfuhren, kamen Prahlāda und die anderen Herren der Diti-Söhne,
Wort für Wort
tasmin mṛte atha śukro api
als jener gestorben war, gab auch Śukra
prāṇān tatyāja yogataḥ
seine Lebenshauche durch Yoga auf
tasya evaṃ hatim ājñāya
als sie so von dessen Tod erfuhren
prahlādādyā ditīśvarāḥ
Prahlāda und die anderen Herren der Diti-Söhne (Daityas)
„Ich weiß, dass von meinen Verehrern gegen den Gabenspender ein gewaltsames Werk verübt wurde; lass uns gehen, o Viṣṇu, ich will all das von ihnen verübte gewaltsame Tun sehen.“
Wort für Wort
madbhaktaiḥ sāhasaṃ karma kṛtam
von meinen Verehrern wurde ein gewaltsames Werk verübt
jñātvā varapradam
wissend, gegen den Gabenspender [?]
gatvā paśyāmi he viṣṇo
lass uns gehen, ich will sehen, o Viṣṇu
sarvaṃ tatkṛtasāhasam
all das von ihnen verübte gewaltsame Tun
[?: Bezug von „varapradam“ (‚Gabenspender‘) – vermutlich der von Vṛṣaparvan enthauptete Schüler Gautamas – bleibt im knappen Wortlaut unsicher.]
an reinweißem, goldenem Stab, den kein anderer trüge, gehalten, o Herr – Hari, nachdem er die Zustimmung des Großen Herrn erlangt hatte, bestieg Garuḍa, den Feind der Schlangen.
Wort für Wort
suśvete hemadaṇḍe ca
an reinweißem, goldenem Stab
na anyayogye dhṛte vibho
gehalten, o Herr, der für keinen anderen geeignet ist
maheśānumatiṃ labdhvā
nachdem er die Zustimmung des Großen Herrn erlangt hatte
Mit zwei Schirmen von der Farbe des Indragopa-Käfers erstrahlte der Schöpfer; Indra und alle übrigen Götter, jeder mit seinem eigenen Reittier versehen,
Wort für Wort
indragopaprabhākāracchatrābhyāṃ
mit zwei Schirmen von der Farbe des Indragopa-Käfers
atha te niryayuḥ sarve nānāvādyānumoditāḥ / koṭikoṭigaṇākīrṇā gautamasyāśramaṃ gatāḥ
Dann zogen sie alle aus, begleitet von mannigfachen Musikinstrumenten; von Scharen zu vielen Millionen umgeben, gelangten sie zur Einsiedelei Gautamas.
Brahmā, Viṣṇu und der Große Herr, als sie jenes höchst Wundersame gesehen hatten – da belebte Śiva seinen Verehrer wieder, durch einen Blick aus dem linken Augenwinkel.
Wort für Wort
brahmaviṣṇumaheśānāḥ dṛṣṭvā
Brahmā, Viṣṇu und der Große Herr, nachdem sie gesehen hatten
„Wenn du wohlgesinnt bist, o Herr der Götter, wenn mir eine Gabe zu gewähren ist – so möge mir stets die Fähigkeit sein, dein Liṅga zu verehren, o Herr!“
vṛtametanmayā deva trinetra śṛṇu cāparam / śiṣyo 'yaṃ me mahābhāgo heyādeyādivarjitaḥ
Dies habe ich erbeten, o Gott; höre, Dreiäugiger, noch ein weiteres: Dieser hochbeglückte Schüler von mir, dem Verwerfliches und Anzunehmendes und dergleichen gleichgültig ist,
Wort für Wort
vṛtam etat mayā deva
dies habe ich erbeten, o Gott
trinetra śṛṇu ca aparam
höre, Dreiäugiger, noch ein weiteres
śiṣyo 'yaṃ me mahābhāgo
dieser hochbeglückte Schüler von mir
heyādeyādivarjitaḥ
dem Verwerfliches, Anzunehmendes u. dgl. gleichgültig ist
prekṣaṇīyaṃ mamatvena na ca paśyati cakṣuṣā / na ghrāṇagrāhyaṃ deveśa na pātavyaṃ na cetarat
er betrachtet nicht mit dem Auge das Sehenswerte im Sinne von ‚mein‘, nicht das durch die Nase Wahrnehmbare, o Herr der Götter, nicht das zu Trinkende, noch sonst etwas.
Wort für Wort
prekṣaṇīyaṃ mamatvena
das Sehenswerte im Sinne von ‚mein‘
na ca paśyati cakṣuṣā
betrachtet er nicht mit dem Auge
na ghrāṇagrāhyaṃ deveśa
nicht das durch die Nase Wahrnehmbare, o Herr der Götter
Als er dies vernommen hatte, blickte der Gemahl Umās, erfreut und unvergänglich, zu Hari hinüber; der Herr der Welt durchdrang mit seinem eigenen Teilaspekt, durch den Wind, den Körper des Schülers.
Wort für Wort
tat śrutvā umāpatiḥ prītaḥ
als er dies vernommen hatte, erfreut, der Gemahl Umās
nirīkṣya harim avyayaḥ
der Unvergängliche, zu Hari hinblickend
svāṃśena vāyunā deham āviśat
durchdrang mit seinem eigenen Teilaspekt, durch den Wind, den Körper
Von Hari-Gestalt, Śaṅkara-Wesen, Sohn des Windes, der Vortrefflichste der Affen – mit wechselnden Namen wird der Herrscher genannt: leibhaftig Viṣṇu, der höchste Śiva.
In jedem einzelnen Weltzeitalter, eine nach Belieben wandelbare Gestalt annehmend, mein Befehlsausführer, ein Rāma-Verehrer, dessen Gestalt verehrt wird,
wird er, der Herrscher, froh gestimmten Sinnes, unzählige Weltzeitalter hindurch bestehen bleiben. Von dir wurde diese Wohnstätte errichtet, weiträumig, wohlgegründet;
Wort für Wort
anantakalpam īśānaḥ sthāsyati
wird der Herrscher unzählige Weltzeitalter hindurch bestehen
stets, fürwahr, verweilen wir hier in jeder Gestalt einen Augenblick, aus Ehrerbietung; nachdem wir gebührend verehrt worden sind, werden wir danach ein jeder zu seiner eigenen Wohnstatt gehen.
Was selbst Brahmā und den anderen unerreichbar ist, o Herr der Götter, möge gewährt werden, wenn es dir gefällt.“ Da blickte der Herr zu Viṣṇu und ergriff dessen Hand mit seiner Hand,
Wort für Wort
brahmādyalabhyaṃ deveśa
was selbst Brahmā u.a. unerreichbar ist, o Herr der Götter
So sprechend, dessen Hand haltend, zog sich der Mächtige an einen abgelegenen Ort zurück, nachdem er den Gott Nandin, den Türhüter, entsprechend beauftragt hatte.
Wort für Wort
ityuktvā tatkarālaṃbī
so sprechend, dessen Hand haltend
hi ekāntam agamat vibhuḥ
zog sich der Mächtige an einen abgelegenen Ort zurück
So sprechend, zog sich Śaṅkara mit Vāsudeva zusammen an einen abgelegenen Ort zurück; auf ein weiches Lager sich begebend, lagen die beiden höchsten Gottheiten,
Wort für Wort
ityuktvā ekāntam agamat
so sprechend, zog er sich an einen abgelegenen Ort zurück
Nachdem sie miteinander ein Gespräch geführt hatten, standen beide wieder auf; die beiden vortrefflichsten Götter gingen zu einem tiefen Teich, um sich zu erfrischen.
Wort für Wort
anyonyaṃ bhāṣaṇaṃ kṛtvā
nachdem sie miteinander ein Gespräch geführt hatten
prottasthatuḥ ubhau api
standen beide wieder auf
gatvā taḍāgaṃ gaṃbhīram
zu einem tiefen Teich gehend
srāsyantau devasattamau
um sich zu erfrischen, die beiden vortrefflichsten Götter
streute er sie in dessen Gesicht, dessen Augen wie aufgeblühte Lotusblüten waren; durch das Herabfallen der Staubfäden auf die Augen schloss Keśava die Augen.
Wort für Wort
avākirat mukhe tasya
er streute sie in dessen Gesicht
padmotphullavilocane
dessen Augen wie aufgeblühte Lotusblüten waren
netre keśarasaṃpātāt
durch das Herabfallen der Blütenfäden auf die Augen
atha saṃbhramatāṃ teṣāmanyonyajaṭabandhanam / itare tarabaddhvāsu jaṭāsu ca munīśvarāḥ
Da entstand, während sie sich hastig bewegten, eine gegenseitige Verknüpfung ihrer Haarflechten; die übrigen Herren der Weisen, an den nun verbundenen Flechten,
Wort für Wort
atha saṃbhramatāṃ teṣām
während sie sich so hastig bewegten
anyonyajaṭabandhanam
entstand eine gegenseitige Verknüpfung der Haarflechten
itare munīśvarāḥ
die übrigen Herren der Weisen
baddhvāsu jaṭāsu ca
an den nun verbundenen Flechten
[?: „tarabaddhvāsu“ ist unklar; als „baddhvāsu“ (an den verbundenen) gelesen.]
Während der Herr der Götter selbst sang, hielt er eine Ruhepause im Kehlbereich, die feste Tonlage beibehaltend, mit allen musikalischen Merkmalen versehen,
Wort für Wort
svayaṃ gāyati deveśe
während der Herr der Götter selbst sang
viśrāmaṃ galadeśikam
eine Ruhepause im Kehlbereich [?]
svaraṃ dhruvaṃ samādāya
die feste Tonlage beibehaltend
sarvalakṣaṇasaṃyutam
mit allen musikalischen Merkmalen versehen
[?: „galadeśikam“ ist unklar; probeweise auf eine im Kehlbereich gesetzte Gesangspause bezogen.]
svadhārāmṛtasaṃyuktaṃ gānenaivamaponayan / vāsudevo mardalaṃ ca karābhyāmapyavādayat
Mit dem Nektar seines eigenen Tonflusses verbunden, ließ er so mit Gesang die Zeit verstreichen; Vāsudeva schlug auch mit beiden Händen die Mṛdaṅga-Trommel.
Der Lotus-gliedrige und der Vierantlitzige und Tumburu, der Redegewandte, strahlten; den Rhythmus gaben Gautama und die anderen, und der Windsohn war der Sänger.
Wort für Wort
ambujāṅgaḥ caturvakraḥ
der Lotus-gliedrige (Viṣṇu) und der Vierantlitzige (Brahmā)
ekaḥ sa hanumān gātā śrotāraḥ sarva eva te / madhyāhnakāle vitate gāyamāne hanūmati / svasvavāha namāruhya nirgatāḥ sarvadevatāḥ
Er allein, Hanumān, war der Sänger, alle jene übrigen waren nur Hörer; während zur Mittagszeit, als sie sich ausgedehnt hatte, Hanumān noch sang, bestiegen alle Götter, ein jeder sein eigenes Reittier, und zogen fort.
wandte sich um und sang wohlgemut wie zuvor; während Śambhu den Nektar des Gesangs vernahm, gelangten sie danach zum Haus Gautamas.
Wort für Wort
chitvā tvacaṃ parāvṛtya
sich wendend [?]
sukhaṃ gāyati pūrvavat
singt er wohlgemut wie zuvor
śṛṇvan gītisudhāṃ śaṃbhuḥ
während Śambhu den Nektar des Gesangs vernahm
gautamasya gṛhaṃ tataḥ
gelangten sie danach zum Haus Gautamas
[?: „chitvā tvacaṃ“ (‚die Haut durchtrennend‘) ergibt im Kontext keinen klaren Sinn; vermutlich verderbt, hier sinngemäß als Wendung des Körpers/Kopfes gedeutet. „gaunta masya“ als „gautamasya“ gelesen.]
Zweiarmig, der die Füße des Herrn verehrte, mit Schmuck an allen Gliedern versehen, von heiterer Gestalt, jugendlich, schlank in der Mitte – so ward er geschaut von denen, die mit erhobenen, gefalteten Händen die Häupter vor ihm neigten.
Wort für Wort
dvibāhuḥ īśasya padābhivaṃdanaḥ
zweiarmig, der die Füße des Herrn verehrte
samastagātrābharaṇopapannaḥ
mit Schmuck an allen Gliedern versehen
prasannamūrtis taruṇaḥ sumadhye
von heiterer Gestalt, jugendlich, schlank in der Mitte
vinyastamūrddhvāñjalibhiḥ śirobhiḥ
von denen mit erhobenen, gefalteten Händen und geneigten Häuptern (betrachtet)
[?: Der Satzbau von V. 131 ist stark verdichtet (Nominalstil); die zweite Vershälfte wurde sinngemäß auf die staunenden Betrachter bezogen.]
Śaṅkara ergriff mit beiden Händen das Haupt Hanumāns und wandte es nach Osten; er legte, während Hanumān im Lotossitz saß, den einen Fuß in dessen gefaltete Hände, den anderen aber an dessen Gesicht,
Wort für Wort
śiraḥ karābhyāṃ parigṛhya
das Haupt mit beiden Händen ergreifend
śaṅkaro hanūmataḥ pūrvamukhaṃ cakāra
wandte Śaṅkara Hanumāns Haupt nach Osten
padmāsanāsīnahanūmataḥ añjalau nidhāya pādam
den Fuß in die gefalteten Hände des im Lotossitz sitzenden Hanumān legend
pādāṅgulībhyāmatha nāsikāṃ vibhuḥ snehena jagrāha ca mandamandam / skandhe mukhe tvaṃsatale ca kaṇṭhe vakṣasthale ca stanamadhyame hṛdi
und dann ergriff der Mächtige mit den Zehen sanft, ganz behutsam, die Nase Hanumāns; er berührte ihn an der Schulter, am Gesicht, auf dem Schulterblatt und am Hals, an der Brust und in der Mitte zwischen den Brustwarzen, am Herzen,
Wort für Wort
pādāṅgulībhyāṃ atha nāsikāṃ
und dann mit den Zehen die Nase
vibhuḥ snehena jagrāha ca mandamandam
ergriff der Mächtige liebevoll, ganz behutsam
skandhe mukhe
an der Schulter, am Gesicht
aṃsatale ca kaṇṭhe
am Schulterblatt und am Hals
vakṣasthale ca stanamadhyame hṛdi
an der Brust und in der Mitte zwischen den Brustwarzen, am Herzen
und dann am Leib und weiter am Nabelkreis; den zweiten Fuß aber legte er wiederum in dessen gefaltete Hände; das Haupt ergreifend und niederneigend, berührte Śaṅkara mit dem Kinn dessen Rücken, dort unterwegs.
śrutidevādyagamyaṃ hi padaṃ tava kapisthitam / sarvopaniṣadavyaktaṃ tvatpadaṃ kapisarvayuk
denn dein Zustand, der selbst den Veden und den Göttern unzugänglich ist, weilt nun im Affen; dein durch alle Upaniṣaden nicht offenbarter Zustand ist ganz und gar mit dem Affen verbunden.
Wort für Wort
śrutidevādyagamyaṃ hi padaṃ
denn der selbst Veden und Göttern unzugängliche Zustand
yamādisādhanairṃyogairna kṣaṇaṃ te padaṃ sthiram / mahāyogihṛdaṃbhoje paraṃ svasthaṃ hanūmati
Durch die Mittel der Yamas und anderer Yoga-Übungen ist dein Zustand nicht einmal für einen Augenblick beständig fassbar; im Herzenslotus der großen Yogins aber weilt er als das Höchste, in sich selbst ruhend, in Hanumān.
Wort für Wort
yamādisādhanaiḥ yogaiḥ
durch die Mittel der Yamas u.a. Yoga-Übungen
na kṣaṇaṃ te padaṃ sthiram
ist dein Zustand nicht einmal einen Augenblick beständig fassbar
mahāyogihṛdaṃbhoje
im Herzenslotus der großen Yogins
paraṃ svasthaṃ hanūmati
als das Höchste, in sich selbst ruhend, in Hanumān
loke vādo hi sumahāñchaṃbhurnārāyaṇapriyaḥ / haripriyastathā śaṃbhurna tādṛgbhāgyamasti me
In der Welt gibt es fürwahr den großen Ausspruch: ‚Śambhu ist Nārāyaṇas Liebling‘, ebenso ‚Śambhu ist Haris Liebling‘ – doch solches Glück ist mir nicht beschieden.“
Auch Pārvatī steht dir gleich, es gibt keinerlei Unterschied.“ Da, nachdem er sich vor dem großen Gott niedergeworfen hatte, (trug) Gautama (sein Anliegen vor):
Dann, nachdem er die rituelle Mundspülung vollzogen hatte, betrat der mächtige Mahādeva, zusammen mit Viṣṇu, Gautamas Haus und schickte sich zum Mahl an.
Wort für Wort
atha ācamya mahādevo vibhuḥ
dann, nachdem er die rituelle Mundspülung vollzogen hatte, der mächtige Mahādeva
ratnāṅgulīyairathanūpurābhyāṃ dukūlabandhena taḍitsukāñcyā / hārairanekairatha kaṇṭhaniṣkayajñopavītottaravāsasī ca
Mit juwelenbesetzten Fingerringen, mit den beiden Fußspangen, mit einem feinen Seidengewand, mit einem blitzgleich schönen Gürtel, mit vielen Halsketten, sodann mit dem Halsschmuck, der heiligen Schnur und dem oberen Gewand,
Wort für Wort
ratnāṅgulīyaiḥ atha nūpurābhyāṃ
mit juwelenbesetzten Fingerringen und den beiden Fußspangen
dukūlabandhena taḍitsukāñcyā
mit einem feinen Seidengewand, mit einem blitzgleich schönen Gürtel
mit herabhängenden, funkelnden Juwelenohrringen und mit dem prächtigen, blumengeschmückten Haarknoten, mit der Salbe aus dem fünfteiligen Wohlgeruch, mit Armreifen an den Oberarmen, mit Handspangen und Fingerringen –
Wort für Wort
vilaṃbicañcanmaṇikuṇḍalena
mit herabhängenden, funkelnden Juwelenohrringen
supuṣpadhaṃmillavareṇa ca eva
und mit dem prächtigen, blumengeschmückten Haarknoten
hanūmate dattavāṃśca svocchiṣṭaṃ pāyasādikam / tvaducchiṣṭabhojyaṃ tu tavaiva vacanādvibho
und er gab Hanumān seine eigenen Speisereste, Milchreis und dergleichen: „Speise, die von dir übriggelassen wurde, nehme ich fürwahr auf dein eigenes Wort hin, o Herr,
Wort für Wort
hanūmate dattavān ca
und er gab Hanumān
svocchiṣṭaṃ pāyasādikam
seine eigenen Speisereste, Milchreis und dergleichen
anarhaṃ mama naivedyaṃ patraṃ puṣpaṃ phalādikam / mahyaṃ nivedya sakalaṃ kūpa eva viniḥkṣipet
sonst wäre mir die Opferspeise unwürdig – Blatt, Blüte, Frucht und dergleichen, die mir dargebracht ist, müsste man sonst gänzlich in den Brunnen werfen.“
Wird es nicht gegessen, so bleibt gewiss (eine Schuld); wird es aber gegessen, so ist dies auch Ausdruck deiner Gnade – beim selbstentstandenen Bāṇaliṅga, dem mondsteinernen, das im Herzen weilt,
Wort für Wort
abhukte tu ardhāṃśaḥ nūnam
wird es nicht gegessen, so bleibt gewiss [?]
bhukte ca api kṛpā tava
wird es aber gegessen, ist dies auch deine Gnade
bāṇaliṅge svayaṃbhūte
beim selbstentstandenen Bāṇaliṅga
candrakānte hṛdi sthite
dem mondsteinernen, das im Herzen weilt
[?: „tvardvañco“ ist unklar überliefert; der Sinn dieser Verszeile bleibt unsicher, wörtlich sinngemäß wiedergegeben.]
das Verzehren von Śambhus Opferspeise ist dem Cāndrāyaṇa-Fasten gleich zu erachten. Dies ist nun aber die Essenszeit – jene Strenge sei jetzt beiseitegelassen, ein andermal davon.“
Wort für Wort
cāndrāyaṇa samaṃ jñeyam
dem Cāndrāyaṇa-Fasten gleich zu erachten ist
śambhoḥ naivedyabhakṣaṇam
das Verzehren von Śambhus Opferspeise
bhuktivelā iyam adhunā
dies ist nun die Essenszeit
tadvairasyaṃ kathāntarāt
jene Strenge sei durch ein andermal (vertagt)
[?: Genauer Sinn von „kathāntarāt“ (‚durch ein anderes Gespräch/ein andermal‘) im Kontext unsicher.]
Mit dem Wasser des Teiches, das mit Kaṭaka-Samen gerieben und dadurch geklärt war, füllte er die Wasserkrüge, deren Glieder rötlich, duftend, überaus fein und vielfach gewaschen und geschmückt waren,
Wort für Wort
āraktasusnigandhasusūkṣmagātrān
mit rötlichen, wohlriechenden, überaus feinen Gliedern
anekadhādhautasuśobhitāṅgān
vielfach gewaschenen, geschmückten Gliedern
taḍāgatoyaiḥ kaṭabījagharṣitaiḥ
mit dem Teichwasser, das mit Kaṭaka-Samen gerieben war
Nachdem er den frisch angelegten Sandaltar am Flussufer mit feinen, reinen, überaus weißen Tüchern bedeckt hatte, stellte er darauf die mit Wasser gefüllten Krüge; nachdem er sie mit Lotusstängel-Paste bestrichen hatte, legte er ein Blütenbüschel, das dazugehörige Räucherpulver, sowie mit Sandel einen mondlichtweiß strahlenden Blütenkranz bis an den Rand des Gebindes; und nachdem er das Wasser noch einmal mit einem wassergefüllten Tuch über dem Krug gereinigt hatte, legte er sodann Bakula- und ebenso Pāṭala-Blüten hinzu.
Wort für Wort
nadyāḥ saikatavedikāṃ navatarām
den frisch angelegten Sandaltar am Flussufer
saṃchādya sūkṣmāṃbaraiḥ śuddhvaiḥ śvetatarais
mit feinen, reinen, überaus weißen Tüchern bedeckend
atha upari ghaṭān toyena pūrṇān kṣipet
dann setze er darauf die mit Wasser gefüllten Krüge
liptvā nālakajātimāḥ tatpuṭakaṃ kārikācūrṇam
mit Lotusstängel-Paste bestrichen, das Büschel, das Räucherpulver [?]
candanacandraraśmiviśadāṃ mālāṃ puṭāntaṃ kṣipet
lege er einen mondlichtweißen Sandelkranz bis an den Rand
yāmasya api punaḥ ca vārivasanena aśodhya kumbhena
und noch einmal mit einem wassergefüllten Tuch über dem Krug reinigend [?]
tat nidhāya bakulaṃ kṣiptvā tathā pāṭalam
danach niederlegend, Bakula- und ebenso Pāṭala-Blüten streuend
[?: V. 163 ist im überlieferten Text stark verderbt (u. a. „nālakajātimāstapuṭakaṃ“, „kārikācūrṇaṃ“, „tañcandpranthimatho“); die Übersetzung gibt nur den ungefähren Sinn der rituellen Vorbereitung des Badeplatzes wieder.]
śephaālīstabakamatho jalaṃ ca tatra,vinyasya prathamata eva toyaśuddhim / kṛtvātho mṛdutaraṃ sūkṣmavastrakhaṇḍenāveṣṭetsṛṇikamukhaṃ ca sūkṣmacandram
und ferner ein Büschel Śepha-Blüten und Wasser dort hineinlegend, nachdem er zuallererst die Reinigung des Wassers vorgenommen hatte, umhülle man danach mit einem sehr weichen, feinen Tuchstück die Öffnung des Kruges und lege einen feinen Sichelmond dazu.
Wort für Wort
śephaālīstabakam atho jalaṃ ca tatra vinyasya
und ferner ein Büschel Śepha-Blüten und Wasser dort hineinlegend
prathamataḥ eva toyaśuddhim kṛtvā
nachdem zuerst die Reinigung des Wassers vollzogen war
atho mṛdutaraṃ sūkṣmavastrakhaṇḍena
dann mit einem sehr weichen, feinen Tuchstück
āveṣṭet sṛṇikamukhaṃ ca sūkṣmacandram
umhülle man die Kruggöffnung und den feinen Sichelmond [?]
[?: „śephaālī“ unklar (evtl. eine Blütenart); „sṛṇikamukham“ und „sūkṣmacandram“ ebenfalls unsicher, wörtlich als ‚Öffnung des Kruges‘ bzw. ‚feiner Mond(sichel)‘ übersetzt.]
anātapapradeśe tu nidhāya karakānatha / mandavātasamopete sūkṣmavyajanavījete
An einem schattigen, sonnenfreien Ort aber stelle man die Wasserkrüge auf, an einem Ort mit sanftem Luftzug, wo mit einem feinen Fächer gefächelt wird,
und benetze auch den Krug mit kühlem, parfümiertem Wasser; dort mögen wohlbereitete, sich selbst beherrschende Männer, Frauen oder Könige (das Bad vollziehen) –
Wort für Wort
siñcet śītaiḥ jalaiḥ ca api vāsitaiḥ
man besprenge mit kühlem, auch parfümiertem Wasser
oder deren Töchter, mit gewaschenen Gliedern, gereinigten Füßen, schön gekleidet – mit dem süßen Piyaṅga-Harz, nicht dickflüssig, aus Aloeholz stammend,
Wort für Wort
tatkanyā vā kṣālitāṅgā
oder deren Töchter, mit gewaschenen Gliedern
dhautapādāḥ suvāsasaḥ
mit gereinigten Füßen, schön gekleidet
madhu-piyaṅga-niryāsam
mit dem süßen Piyaṅga-Harz [?]
asāṃdram agurūdbhavam
nicht dickflüssig, aus Aloeholz stammend
[?: „madhurpigamaniryāsam“ ist unklar überliefert; probeweise als Bezeichnung eines Harzes/Duftstoffs („süßes Piyaṅga-Harz“) gedeutet.]
bāhumūle ca kaṇṭhe ca vilipyāsāṃdrameva ca / mastake jāpakaṃ nyasya pañcagandhavilepanam
an der Schulterwurzel und am Hals eingerieben, ebenso ganz dünnflüssig; auf das Haupt lege man den Japa-Schmuck und die Salbe des fünffachen Wohlgeruchs,
mit Blumen gebundenem, schönem Haar – diese heilvollen Frauen mögen ganz makellos sein; ebenso geschmückte Frauen, deren Leiber mit Kuṅkuma versehen sind,
junge Frauen, an allen Gliedern schön, überaus auch mit Schmuckstücken geschmückt – von solchen Frauen oder von Männern lasse man das Wasser darreichen.
te 'pi prādānasamaye sūkṣmavastrālpaveṣṭanam / athavāmakare nyasya karakaṃ prekṣya tatra hi
Diese aber sollen zur Zeit des Darreichens mit feinem Tuch leicht die Hand umwickelt haben; oder, den Wasserkrug in der linken Hand haltend und dorthin blickend,
Als der Große Herr und alle die anderen hochbeseelten Wesen gegessen hatten, als ihre Füße und Hände gewaschen und die Hände mit duftender Salbe eingerieben waren,
Wort für Wort
maheśādiṣu sarveṣu bhuktavatsu mahātmasu
als der Große Herr und alle hochbeseelten Wesen gegessen hatten
prakṣālitāṅghrihasteṣu
als ihre Füße und Hände gewaschen waren
gandhodvartitapāṇiṣu
als ihre Hände mit duftender Salbe eingerieben waren
während der Gott der Götter, der Große Herr, auf einem hohen Sitz Platz genommen hatte, saßen die Götter samt der Schar der Weisen auf niedrigeren Sitzen.
Wort für Wort
uñcāsanasamāsīne devadeve maheśvare
während der Gott der Götter, der Große Herr, auf einem hohen Sitz saß
tacchrutvā tu virūpākṣāḥ prāha vānarasattamam / madvākyādakhilaṃ śuddhyenmadvākyādamṛtaṃ viṣam
Als der Ungestaltäugige dies vernommen hatte, sprach er zum Vortrefflichsten der Affen: „Durch mein Wort wird alles rein, durch mein Wort wird Gift zu Nektar.
Durch mein Wort bestehen alle Veden, durch mein Wort die Götter und die anderen; durch mein Wort entsteht die Erkenntnis des Dharma, durch mein Wort wird die Erlösung verkündet.
jayāvijayayorhastaṃ gṛhītvāyānmunergṛham / devapādau tato natvā vinamravadanābhavat
die Hand von Jayā und Vijayā haltend, zum Hause des Muni; nachdem sie sich vor den Füßen des Gottes verneigt hatte, ward sie demütig gesenkten Antlitzes.
Wort für Wort
jayāvijayayoḥ hastaṃ gṛhītvā
die Hand von Jayā und Vijayā haltend
āyāt muneḥ gṛham
kam sie zum Hause des Muni
devapādau tato natvā
nachdem sie sich vor den Füßen des Gottes verneigt hatte
dass ich, dich übergehend, gegessen habe; und höre noch ein anderes, du Schöne: dass ich, dich in deinem eigenen Gemach zurücklassend, eine große Verfehlung begangen habe.
Wort für Wort
yat tvāṃ vihāya bhuktaṃ hi
dass ich, dich übergehend, gegessen habe
tathā anyat śṛṇu sundari
und höre ein anderes, du Schöne
yat tvāṃ svamandire tyaktvā
dass ich, dich in deinem eigenen Gemach zurücklassend
kṣantumarhasi deveśi tyaktakopā vilokaya / na babhāṣe 'pyevamuktā sārundhatyā viniryayau
Du sollst mir vergeben, o Herrin der Götter; sieh mich ohne Zorn an.“ Obgleich so angesprochen, sprach sie nicht; zusammen mit Arundhatī ging sie hinaus.
Als der Muni bemerkte, dass sie hinausging, warf er sich fürwahr wie ein Stab zu Boden und verneigte sich; da sprach Śivā zu ihm: „Gautama, was wünschst du?“
Da ging er zu Śiva, trug sein Anliegen vor, und kam, nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, eilends zurück; er speiste die Bergestochter, die Göttin, und ebenso Arundhatī.
Wort für Wort
atha gatvā śivaṃ vijñapya
da ging er zu Śiva und trug es vor
labdhānujñaḥ tvarā āgataḥ
nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, kam er eilends
bhojayāmāsa girijāṃ devīṃ
er speiste die Bergestochter, die Göttin
ca arundhatīṃ tathā
und ebenso Arundhatī
[?: „viṃśe“ ist unklar überliefert; probeweise als „vijñapya“ (nachdem er es vorgetragen hatte) gedeutet.]
kṛtasaṃdhyāstaḍāge tu maheśādyāśca kṛtsnaśaḥ / athottaramukhaḥ śaṃbhurnyāsa kṛtvā jajāpa ha
Nachdem der Große Herr und die anderen allesamt am Teich die Abendandacht vollzogen hatten, vollzog Śambhu, nach Norden gewandt, die rituelle Niederlegung (Nyāsa) und murmelte fürwahr den Mantra.
Wort für Wort
kṛtasaṃdhyāḥ taḍāge tu
nachdem sie am Teich die Abendandacht vollzogen hatten
sa bhavāndevadeveśaḥ kasmai viracitāñjaliḥ / namaskārādipuṇyānāṃ phaladastvaṃ maheśvarara
Du selbst bist der Gott der Götterherrscher – wem gegenüber sollte dein Handefalten geschehen? Du bist der Gewährer der Frucht der Verdienste, die durch Verneigung und dergleichen erlangt werden, o Großer Herr!
Wort für Wort
sa bhavān devadeveśaḥ
du selbst bist der Gott der Götterherrscher
kasmai viracitāñjaliḥ
wem gegenüber sollte das Handefalten geschehen
namaskārādipuṇyānāṃ phaladaḥ tvam
der Gewährer der Frucht der Verdienste durch Verneigung u. a. bist du
tava kaḥ phalado vandyaḥ ko vā tvatto 'dhiko vada / tacchrutvā śaṅkaraḥ prāha devadevaṃ janārdanam
Wer ist der Verehrungswürdige, der dir die Frucht gewährt, oder wer ist höher als du – sag es!“ Als Śaṅkara dies vernommen hatte, sprach er zum Gott der Götter, Janārdana:
Wort für Wort
tava kaḥ phalado vandyaḥ
wer ist der verehrungswürdige Frucht-Gewährer für dich
dhyāye na kiñcidgovindanamasye ha na kiñcana / kintu nāstikajantūnāṃ pravṛttyarthamidaṃ mayā
„Ich meditiere über nichts, Govinda, ich verneige mich fürwahr vor nichts; sondern zum Zweck, den ungläubigen Geschöpfen rechtes Verhalten vorzuleben, tue ich dies –
racayiṣyāmi dhaṃmillamehi matpurataḥ śubhe / devyāha na ca yuktaṃ tadbharttrā śuśrūṣaṇaṃ striyaḥ
„Ich werde dir den Haarknoten flechten – komm vor mich, du Holde!“ Die Göttin sprach: „Das schickt sich nicht, dass der Gatte der Gattin solchen Dienst erweist –
keśaprasādhanakṛtāvanarthāntaramāpatet / keśaprasādhane deva tattvaṃ sarvaṃ na cepsitam
Beim Herrichten der Haare könnte ein anderes Missgeschick eintreten. Beim Herrichten der Haare, o Gott, ist die ganze Sache nicht wünschenswert für dich zu tun.“
Wort für Wort
keśaprasādhanakṛtau
beim Vollzug des Haarerichtens
anarthāntaram āpatet
könnte ein anderes Missgeschick eintreten
keśaprasādhane deva
beim Haarerichten, o Gott
tattvaṃ sarvaṃ na ca īpsitam
ist die ganze Sache nicht wünschenswert für dich
[?: Sinn von „tattvaṃ sarvaṃ na cepsitam“ knapp formuliert; sinngemäß übersetzt.]
Nach dem Binden der Haare aber sodann das Abstreifen am Rand der Schulter; danach das Entfernen der an der Kleidung haftenden Haare, Blüten und dergleichen –
etasminvartamāne tu mahātmāno yadāgaman / tadā kimuttaraṃ vācyaṃ tava devādivandita
während dies aber vor sich ginge, wenn nun die hochbeseelten Weisen kämen – was für eine Antwort wäre dann zu geben, du von Göttern und anderen Verehrter?“
Den von Viṣṇu geschenkten Pārijāta-Blütenkranz, der auch im Haar lag, flocht er in den Haarknoten, und sodann auch den in seiner Hand befindlichen Kranz.
ślathannīveradho devyā vastraveṣṭādadhogataḥ / kimidaṃ devi cetyuktvā nīvībandhaṃ cakāra ha
Der untere Gewandknoten der Göttin löste sich, unterhalb der Kleiderumhüllung herabgleitend; „Was ist das, o Göttin?“, so sprechend, band er fürwahr den Gewandknoten wieder.
die Himmelsrichtungen sind dein Gewand, die verfilzten Locken dein Haar, Asche deine Körpersalbe; ein großer Stier ist dein Reittier – und dein Stamm, deine Familie sind gänzlich unbekannt,
„Wozu, o Göttin, tadelst du den Gott der Götter, den Herrn der Welt? Deine Lebenskraft ist böswillig, nicht liebevoll, du Gute, gewiss aus mangelnder Selbstbeherrschung.
yatreśanindanaṃ bhadre tatra no maraṇavratam / ityuktvātha nakhābhyāṃ hi hariśchettuṃ śiro gataḥ
Wo, du Gute, Tadel gegen den Herrn geschieht, dort gilt für uns das Todesgelübde.“ So sprechend, ging Hari darauf, mit den Nägeln, um ihr das Haupt abzuschneiden.
auch möchte ich zur Verehrung gehen – du sollst mir die Erlaubnis geben.“ Als der Gott Śaṅkara dies vernommen hatte, sprach er lächelnd zum Herrn der Affen:
Wort für Wort
pūjārtham api ahaṃ gacche
auch möchte ich zur Verehrung gehen
mām anujñātum arhasi
du sollst mir die Erlaubnis geben
tat śrutvā śaṅkaro devaḥ
als der Gott Śaṅkara dies vernommen hatte
smitvā prāha kapīśvaram
sprach er lächelnd zum Herrn der Affen [?]
[?: „vapīśvaram“ vermutlich verderbt für „kapīśvaram“ (den Herrn der Affen).]
kasya pūjā kva vā pūjā kiṃ puṣpaṃ kiṃ dalaṃ vada / ko guruḥ kaśca mantraste kīdṛśaṃ pūjana tathā
„Wessen Verehrung, oder wo geschieht die Verehrung? Welche Blume, welches Blatt – sag es! Wer ist dein Lehrer, und welcher ist dein Mantra, und wie ist deine Verehrung?“
der Meditation, dem durch Meditation Erreichbaren, dem Lehrer der Meditierenden Verehrung! Dir, dem Achtgestaltigen, Verehrung; dem Herrn der Seelenherden Verehrung!
bṛhatīpūga punnāgacapakādipriyāya ca / namaste 'stu namaste 'stu bhūya eva namonamaḥ
und dem die Bṛhatī-, Pūga-, Punnāga-, Campaka- und andere Blüten lieb sind – Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, und immer wieder Verehrung über Verehrung!“
Wort für Wort
bṛhatīpūgapunnāgacapakādipriyāya ca
und dem die Bṛhatī-, Pūga-, Punnāga-, Campaka- u. a. lieb sind
„Die Verehrung des Śivaliṅga ist von dem zu vollziehen, dessen Körper mit Asche bestreut ist, mit solchen Materialien – Blumen und dergleichen –, die tagsüber beschafft wurden,
deva vijñāpayiṣyāmi śivapūjavidhiṃ śubham / sāyaṅkāle tu saṃprāpte aśiraḥsnānamācaret
O Gott, ich will dir die heilvolle Vorschrift der Śiva-Verehrung darlegen: Wenn die Abendzeit gekommen ist, vollziehe man ein Bad ohne das Haupt zu benetzen,
nachdem man ein gewaschenes, trockenes Gewand angelegt und dreimal, mit auf Śiva gerichtetem Sinn, die rituelle Mundspülung vollzogen hat; dann, Asche nehmend, vollziehe man das Aschebad.
Wort für Wort
kṣālitaṃ vasanaṃ śuṣkaṃ dhṛtvā
nachdem man ein gewaschenes, trockenes Gewand angelegt hat
ācamya triḥ anyadhīḥ
dreimal die Mundspülung vollzogen, mit anderweitig (auf Śiva) gerichtetem Sinn
Die siebenmal besprochene Asche nehme man, den Darbha-Halm in der Hand; nachdem man „Īśāna aller Wissenschaften“ gesprochen hat, lasse man sie auf das Haupt fallen,
Wort für Wort
sapta abhimantritaṃ bhasma
die siebenmal besprochene Asche
darbhapāṇiḥ samāharet
nehme man, den Darbha-Halm in der Hand
īśānaḥ sarvavidyānām uktvā
nachdem man „Īśāna aller Wissenschaften“ gesprochen hat
mit der Silbe Oṃ bestreue der Kundige den ganzen Körper. Dies ist die für die drei oberen Kasten verkündete, vortreffliche Vorschrift für Bad und dergleichen –
Wort für Wort
uddhvūlayet samastāṅgaṃ
bestreue man den ganzen Körper
praṇavena vicakṣaṇāḥ
mit der Silbe Oṃ, der Kundige
traivarṇikānām uditaḥ
für die drei oberen Kasten verkündet
snānādividhir uttamaḥ
die vortreffliche Vorschrift für Bad und dergleichen
mit „Sthāṇave namaḥ“ auch auf das Gesicht bezogen gesprochen, mit „Svayaṃbhuve“ aussprechend, lege man sie auf die Füße; danach ist die Asche gereinigt,
mit „Namaḥ Śivāya“ ausgesprochen ist das Bestreuen aller Glieder überliefert; nachdem man die Hände gewaschen und die Mundspülung vollzogen hat, den Darbha-Halm in der Hand, gesammelten Sinnes,
darbhābhāve suvarṇaṃ syāttadabhāve gavālukāḥ / tadabhāve tu dūrvāḥ syustadabhāve tu rājatam
In Ermangelung von Darbha-Gras nehme man Gold, in dessen Ermangelung Gavāluka-Gras; in dessen Ermangelung aber Dūrvā-Gras, in dessen Ermangelung aber Silber,
nachdem man die Abendandacht und das Murmeln des Mantras der Göttin vollzogen hat, gehe man zum Gotteshaus – zum Altar des Gottes, oder auch zu einem bereiteten Opferplatz,
Wort für Wort
saṃdhyopāstiṃ japaṃ devyāḥ kṛtvā
nachdem man die Abendandacht und das Murmeln (des Mantras) der Göttin vollzogen hat
aus Ton bereitet, rein, mit einer Anordnung von Lotusblüten und dergleichen versehen, in vierfarbiger Ausführung, oder wiederum mit nur einer weißen Farbe,
Wort für Wort
mṛṇmayaṃ kalpitaṃ śuddham
aus Ton bereitet, rein
padmādiracanāyutam
mit einer Anordnung von Lotusblüten u. dgl. versehen
vicitrāṇi ca padmāni svastikādi tathaiva ca / utpalādigadāśaṅkhatriśūlaḍamarūṃstathā
und bunte Lotusblüten, ebenso auch Svastika und dergleichen, blaue Lotusblüten und dergleichen, Keule, Muschelhorn, Dreizack und Ḍamaru-Trommel, ebenso –
Wort für Wort
vicitrāṇi ca padmāni
und bunte Lotusblüten
svastikādi tathaiva ca
ebenso auch Svastika und dergleichen
utpalādigadāśaṅkha-
blaue Lotusblüten und dergleichen, Keule, Muschelhorn
śaroktapañcaprāsādaṃ śivaliṅgamathaiva ca / sarvakāmaphalaṃ vṛkṣaṃ kulakaṃ kolakaṃ tathā
den in der Überlieferung genannten Fünfgeschoss-Tempel, sowie auch das Śivaliṅga, den alle Wünsche erfüllenden Baum, das Kulaka- und ebenso das Kolaka-Zeichen –
Wort für Wort
śaroktapañcaprāsādaṃ
den in der Überlieferung genannten Fünfgeschoss-Tempel
wo auch immer Gottesverehrung stattfindet, dort bereite der Kundige es so vor. Das mit eigener Hand Gefertigte ist das Vorzüglichste, das Gekaufte aber mittelmäßig,
Wort für Wort
yatra api devapūjā syāt
wo auch immer Gottesverehrung stattfindet
tatra evaṃ kalpayet budhaḥ
dort bereite der Kundige es so
svahastaracitaṃ mukhyaṃ
das mit eigener Hand Gefertigte ist das Vorzüglichste
yācitaṃ tu kaniṣṭaṃ syādbalātkāramatho 'dhamam / arheṣu yattvanarheṣu balātkārāttu niṣphalam
das Erbettelte aber sei das Geringste, das mit Gewalt Genommene aber das Niedrigste; was aber bei den Unwürdigen mit Gewalt genommen wird, das ist fruchtlos.
Wort für Wort
yācitaṃ tu kaniṣṭaṃ syāt
das Erbettelte aber sei das Geringste
balātkāram atho adhamam
das mit Gewalt Genommene aber das Niedrigste
arheṣu yat tu anarheṣu
was aber bei den Würdigen (geziemt), bei den Unwürdigen
mit rotem Śāli-Reis, Japā-blütenfarbenem, Aśāṇa-, Kalama-Reis, schwarzem und rotem Reis, mit Reiskörnern, die aus bloßem Reis entstanden, und mit Bruchkörnern, der Reihe nach –
Wort für Wort
raktaśālijapāśāṇakalamāsitaraktakaiḥ
mit rotem Śāli-, Japā-farbenem, Aśāṇa-, Kalama-, schwarzem und rotem Reis
tandulaiḥ vrīhimātrotthaiḥ
mit Reiskörnern, die aus bloßem Reis entstanden
kaṇaiḥ ca eva yathākramam
und mit Bruchkörnern, der Reihe nach
[?: Die botanische Reihung der Reissorten ist im Einzelnen unsicher.]
mit den besten, den mittleren, den geringsten und ebenso den niedrigsten Reissorten, einzig durch das Aufstellen von Lotusfiguren und dergleichen, vollziehe man jenes Opfer vollständig richtig.
Wort für Wort
uttamaiḥ madhyamaiḥ ca eva
mit den besten, den mittleren
kaniṣṭhaiḥ adhamaiḥ tathā
den geringsten und ebenso niedrigsten
padmādisthāpanaiḥ eva
einzig durch das Aufstellen von Lotusfiguren u. dgl.
Nach Nordosten gewandt, oder auch, wenn man will, nach Osten gewandt, möge man sein. Und den Sitz werde ich verkünden, wie er gesehen und wie er überliefert wurde:
cārmaṃ caturvidhaṃ jñeyamatha bandhukameva ca / yathāsaṃbhavameteṣu hyāsanaṃ parikalpayet
Das lederne Sitzmaterial ist als vierfach zu erkennen, sowie auch aus Bandhuka-Blüten; je nach Verfügbarkeit bereite man fürwahr unter diesen den Sitz.
so lange vollziehe er, von der Gestalt der Gottheit, innerlich die Meditation: den feingestaltigen Śiva, der am Ende der Scheitellocke, zwölf Fingerbreit darüber, weilt,
Wort für Wort
tāvat sa devatārūpaḥ
so lange er, von der Gestalt der Gottheit
dhyānaṃ ca antaḥ samācaret
vollziehe innerlich die Meditation
śikhānte dvādaśāṅgulye sthitam
der am Ende der Scheitellocke, zwölf Fingerbreit darüber, weilt
der in den Wesen innerlich wandelt, in der Höhle weilt, allseits das Antlitz gewandt, mit allem Schmuck versehen, mit dieser und weiteren Eigenschaften ausgestattet,
Wort für Wort
antaścarantaṃ bhūteṣu
der in den Wesen innerlich wandelt
guhāyāṃ viśvatomukham
in der Höhle, allseits das Antlitz gewandt
sarvābharaṇasaṃyuktam
mit allem Schmuck versehen
imādiguṇānvitam
mit dieser und weiteren Eigenschaften ausgestattet
nachdem man ihn so meditiert hat, halte man ihn im Herzen fest und erfülle den Körper mit seinem Glanz; durch diesen Glanz geht die im Körper befindliche Sünde zugrunde,
Wort für Wort
dhyātvā taṃ dhārayet citte
nachdem man ihn meditiert hat, halte man ihn im Herzen fest
taddīptyā pūrayet tanum
und erfülle mit seinem Glanz den Körper
tayā dīptyā śarīrasthaṃ pāpam
durch diesen Glanz die im Körper befindliche Sünde
wie es durch Berührung oder Nicht-Berührung mit Goldfäden rot oder weiß werden mag – jenes, umgeben von zwölf Blütenblättern, oder acht, fünf, oder auch drei,
Wort für Wort
svarṇapādaiḥ asaṃparkāt
durch Nicht-Berührung mit Goldfäden [?]
raktaṃ śvetaṃ yathā bhavet
wie es rot oder weiß werden mag
tat dvādaśadalāvṛtam
jenes von zwölf Blütenblättern umgeben
aṣṭa pañca tri eva vā
oder acht, fünf, oder auch drei
[?: Sinn von „svarṇapādairasaṃparkād“ (Berührung/Nicht-Berührung durch „Goldfäden/-füße“) unsicher; wörtlich wiedergegeben.]
parikalpyāsanaṃ śuddhavaṃ tatra liṅgaṃ nidhāya ca / guhāsthitaṃ maheśānaṃ rliṅgeśaṃ cintayetthā
nachdem man den reinen Sitz bereitet und dort das Liṅga niedergelegt hat, denke man sich so den in der Höhle weilenden Großen Herrn, den Herrn des Liṅga.
In ein gereinigtes Gefäß gebe man gereinigtes, mit Duftstoff parfümiertes Wasser; nachdem man wohlriechende Blüten hineingegeben hat, mit der Silbe Oṃ besprochen,
prāṇāyāmaśca praṇavaḥ śūdreṣu na vidhīyate / prāṇāyāmapade dhyānaṃ śivetyoṅkāramantritam
und die mit der Silbe Oṃ verbundene Atemzurückhaltung ist bei den Śūdras nicht vorgeschrieben; an die Stelle der Atemzurückhaltung tritt die Meditation, mit dem Wort „Śiva“ anstelle der Oṃ-Silbe besprochen,
Wort für Wort
prāṇāyāmaḥ ca praṇavaḥ
und die Atemzurückhaltung (mit) der Silbe Oṃ
śūdreṣu na vidhīyate
ist bei den Śūdras nicht vorgeschrieben
prāṇāyāmapade dhyānaṃ
an die Stelle der Atemzurückhaltung tritt die Meditation
gandhapuṣpākṣatādīni pūjādravyāṇi yāni ca / tāni sthāpya samīpe tu tataḥ saṃkalpa mācaret
Duftstoff, Blumen, ungeschälter Reis und was sonst an Verehrungsmaterialien nötig ist – nachdem man dies in der Nähe aufgestellt hat, vollziehe man danach den Entschluss:
Wort für Wort
gandhapuṣpākṣatādīni
Duftstoff, Blumen, ungeschälter Reis und dergleichen
śivapūjāṃ kariṣyāmi śivatuṣṭyarthameva ca / iti saṃkalpayitvā tu tata āvāhanādikam
„Ich werde die Śiva-Verehrung vollziehen, einzig zum Zweck von Śivas Wohlgefallen.“ Nachdem man so den Entschluss gefasst hat, vollziehe man danach die Anrufung und das Übrige,
Der ununterbrochene Strom aber, der „Erlösungsstrom“ genannt wird – wer mit ihm badet …
Wort für Wort
avicchinnā tu yā dhārā
der ununterbrochene Strom aber, welcher
muktidhāra iti kīrtitā
„Erlösungsstrom“ genannt wird
tayā yaḥ snāpayet
wer mit diesem badet [?]
māṃsa japacūḍāmukhāṃśca
(Rest des Verses unklar) [?]
[?: Die zweite Vershälfte („tayā yaḥ snāpayenmāṃsa japacudramukhāṃśca cā“) ist im überlieferten Text stark verderbt; der Sinn bleibt unsicher, hier nur andeutungsweise wiedergegeben.]
dieses Bad ist als „Erlösungsbad“ zu erkennen, das binnen eines Monats Erlösung gewährt; oder das Bad geschehe mit der Śaiva-Wissenschaft, oder einzig mit der Oṃ-Silbe,
snāpayeddevadeveśaṃ yathāsaṃbhavamīritaiḥ / śṛṅgasya ca vidhiṃ vakṣye snānayogyaṃ yathā bhavet
bade man den Gott der Götter, je nach Verfügbarkeit, mit den genannten Mitteln. Und ich werde die Vorschrift für das Bad mit dem Horn verkünden, wie sie zum Baden geeignet sei:
Wort für Wort
snāpayet devadeveśaṃ
bade man den Gott der Götter
yathāsaṃbhavam īritaiḥ
je nach Verfügbarkeit, mit den genannten Mitteln
śṛṅgasya ca vidhiṃ vakṣye
und ich werde die Vorschrift für das Horn verkünden
Zuerst reinige man das Innere, dann reinige man auch das Äußere; nachdem man es gut geglättet und leicht gemacht hat, möge man das Glied auf keine Weise beschädigen.
Wort für Wort
pūrvam antaḥ tu saṃśodhya
zuerst reinige man das Innere
bahiḥ antaḥ tu śodhayet
dann reinige man auch das Äußere
sugṛddhaṃ laghu kṛtvā atha
nachdem man es gut geglättet und leicht gemacht hat
na aṅgaṃ chindyāt kathañcana
möge man das Glied auf keine Weise beschädigen
[?: „sugrigdhaṃ“ ist unklar überliefert; probeweise als „sugṛddhaṃ“ (gut geglättet) gedeutet.]
yogavakraṃ nāgadaṇḍaṃ nāgākāraṃ prakalpaṃyet / phalasthāne tu caṣakaṃ daṇḍena samarandhrakam
einen kunstvoll gebogenen Schlangenstab, schlangenförmig gestaltet, bereite man; an der Stelle der Spitze aber einen Becher, mit dem Stab von gleicher Öffnung versehen,
dorthinein lasse man das Wasser fallen, das im oben befindlichen Mechanismus-Gefäß ist; man lasse es fließen, auf andere Weise, oder auch mit der linken Hand,
muktidhārā kṛtā tena pavitra pāpanāśanam / evaṃ saṃsnāpya deveśaṃ pañcagavyaistathaiva ca
durch dieses Verfahren wird ein reiner, sündenvernichtender Erlösungsstrom bewirkt. Nachdem man so den Gott der Götter gebadet hat, ebenso auch mit den fünf Kuh-Produkten,
Wort für Wort
muktidhārā kṛtā tena
durch dieses Verfahren wird ein Erlösungsstrom bewirkt
pañcāmṛtairatha snāpya madhuratritayena ca / vibhūṣya bhūṣaṇairdevaṃ punaḥ snāpyamaheśvaram
und dann mit den fünf Nektar-Substanzen gebadet, ebenso mit der Dreiheit süßer Stoffe; nachdem man den Gott mit Schmuck geschmückt hat, bade man den Großen Herrn danach noch einmal,
Kampfer, auch Aloeholz, oder es sei auch Sandelholz, oder beides vermischt – damit verehre man das Śivaliṅga; die ganze Sitzplatte mit Duftstoff gefüllt, je nach dem Maß des eigenen Vermögens; oder man vollziehe den Dienst schweigend, oder mit Kālīya-Blüten,
mit dem Ghee der hellbraunen Kuh verbunden, wird jedes Räucherwerk als vortrefflich gepriesen. Nachdem man Räucherwerk entsprechend dem Vermögen dargebracht hat, bringe man Lampen mit dem Ghee der hellbraunen Kuh dar,
Wort für Wort
kapilāghṛtasaṃyuktaṃ
mit dem Ghee der hellbraunen Kuh verbunden
sarvadhūpaṃ praśasyate
wird jedes Räucherwerk als vortrefflich gepriesen
dhūpaṃ dattvā yathāśakti
nachdem man Räucherwerk entsprechend dem Vermögen dargebracht hat
athavā pūjāmātreṇa dīpāndatvopahārakam / naivedyamupapannaṃ ca datvā puṣpasamanvitam
oder auch mittels bloßer Verehrung, nachdem man Lampen und die Opfergabe dargebracht hat; nachdem man die geziemende, mit Blüten versehene Opferspeise dargebracht hat,
Wort für Wort
athavā pūjāmātreṇa
oder auch mittels bloßer Verehrung
dīpān datvā upahārakam
nachdem man Lampen und die Opfergabe dargebracht hat
mukhaśuddhiṃ tataḥ kṛtvā dattvā tāṃbūlamādarāt / pradakṣiṇanamaskārau pūjaivaṃ hi samāpyate
nachdem man danach die Mundreinigung vollzogen und ehrerbietig den Betel dargebracht hat, vollziehe man Umwandlung und Verneigung; so nämlich wird die Verehrung vollendet.
Wort für Wort
mukhaśuddhiṃ tataḥ kṛtvā
nachdem man danach die Mundreinigung vollzogen hat
nīrājanaṃ ca puṣpāṇāmañjaliścākhilārpaṇam / kṣamāpanaṃ codrasanaṃ proktaṃ pañcopacārakam
und die Lichtschwenkung; und das Darbringen der Blüten mit gefalteten Händen, sowie die gänzliche Übereignung; das Erbitten von Nachsicht und die Lobpreisung sind als die fünf Dienstleistungen genannt.
Wort für Wort
nīrājanaṃ ca
und die Lichtschwenkung
puṣpāṇāṃ añjaliḥ ca akhilārpaṇam
das Darbringen der Blüten mit gefalteten Händen, und die gänzliche Übereignung
guriṇā liṅgapūjaiva niyatā parikalpitā / tāṃ karomi purā deva paścāttvatpādapūjanam
„Von meinem Lehrer wurde einzig die Liṅga-Verehrung als beständig festgesetzt; diese vollziehe ich zuerst, o Gott, danach erst die Verehrung deiner Füße.
Wort für Wort
guriṇā liṅgapūjā eva
von meinem Lehrer wurde einzig die Liṅga-Verehrung
nachdem er sich vor dem Lehrer, dem Herrn, verneigt hatte, saß er murmelnd; danach unternahm der Affe die Anstrengung, die Verehrung des Gottes zu vollziehen.
Wort für Wort
praṇamya gurum īśānam
nachdem er sich vor dem Lehrer, dem Herrn, verneigt hatte
japan āsīta ataḥ param
saß er murmelnd, danach
atha devārcanaṃ karttuṃ
um die Verehrung des Gottes zu vollziehen
yatnam āsthitavān kapiḥ
unternahm der Affe die Anstrengung
[?: „devāryanaṃ“ als „devārcanaṃ“ (Verehrung des Gottes) gelesen.]
kṛtvā nirīkṣaṇaṃ devapīṭhaṃ no dṛṣṭavānkapiḥ / liṅgamātraṃ karagataṃ dṛṣṭvā bhītisamanvitaḥ
Nachdem er hingeblickt hatte, sah der Affe die Sitzplatte des Gottes nicht; als er nur das Liṅga in seiner Hand befindlich sah, ward er von Furcht ergriffen.
Er warf Feuer auf die Erde; im Nu ward da die Erde verbrannt. Dann, nachdem er die sieben unteren Welten verbrannt hatte, wandte er sich wieder nach oben.
Wort für Wort
analaṃ bhuvi cikṣepa
er warf Feuer auf die Erde
kṣaṇāt dagdhā mahī tadā
im Nu ward da die Erde verbrannt
atha saptatalān dagdhvā
dann, nachdem er die sieben unteren Welten verbrannt hatte
jaṃbīraphalasaṃkāśaṃ kṛtvā karatale vibhuḥ / tapaḥ satyaṃ ca saṃdagdhumudyato 'bhūnmunīśvaraḥ
und formte es, einer Zitrusfrucht gleich, auf seiner Handfläche, der Mächtige; er, der Herr der Weisen, machte sich bereit, auch die Sphären der Askese und der Wahrheit zu verbrennen.
na dṛṣṭvā tatra deveśaṃ śaṅkaraṃ svātmani sthitam / astuvanbhaktisaṃyuktāḥ stotrairvedasamudbhavaiḥ
Da sie dort den Gott der Götter, Śaṅkara, der in sich selbst weilte, nicht sahen, priesen sie ihn, voller Hingabe, mit aus dem Veda entsprungenen Lobliedern:
Oṃ! Verehrung dem durch die Veden erkennbaren Gott, jenem von reinem Glanz, von unvorstellbarer Gestalt, dem Unfasslichen; dem Herrn über Brahmā und die anderen, dem Urheber der Schöpfung usw., dem Viṣṇu-Lieben, dem Entferner des Leids, dem Bezwinger des Todesgottes selbst,
Wort für Wort
oṃ vedavedyāya devāya tasmai
Oṃ, jenem durch die Veden erkennbaren Gott
śuddhaprabhācintyarūpāya kasmai
von reinem Glanz, unvorstellbarer Gestalt, dem Unfasslichen [?]
brahmādyadhīśāya sṛṣṭyādikartre
dem Herrn über Brahmā u. a., dem Urheber der Schöpfung usw.
viṣṇupriyāya arti-hṛte antakartre
dem Viṣṇu-Lieben, dem Entferner des Leids, dem Bezwinger des Todes [?]
[?: „kasmai“ hier offenbar als Anspielung auf den unbekannten, unnennbaren Gott (vgl. die vedische ‚Ka‘-Frage) zu verstehen; „'takartre“ als „antakartre“ (dem Bezwinger des Antaka/Todes) gelesen.]
Verehrung dir, dem Herrn über alles, dem Himmelsgewandeten; Verehrung dir, dem alles Bewegliche und Unbewegliche Durchdringenden; Verehrung dem im Veda Verborgenen, dem den Ergebenen Lieben; Verehrung dir, dem Genießer der Opferspeise, dem Herrn der Opfer.
Wort für Wort
namaste akhilādhīśvarāya ambarāya
Verehrung dir, dem Herrn über alles, dem Himmelsgewandeten
namaste carasthāvaravyāpakāya
Verehrung dir, dem alles Bewegliche und Unbewegliche Durchdringenden
namo vedaguhyāya bhaktapriyāya
Verehrung dem im Veda Verborgenen, dem den Ergebenen Lieben
namaḥ pākabhoktre makheśāya tubhyam
Verehrung dir, dem Genießer der Opferspeise, dem Herrn der Opfer
Verehrung erweisen wir dir, Śiva, dem Uranfänglichen Gott; Verehrung dem Träger der Schlange als heiliger Schnur; Verehrung dir, dem Bändiger des herabstürzenden Götterstroms, der Gestalt der drei Veden, dem Herrn der Zeit selbst, o Gebieter.
Wort für Wort
namaste śivāya ādidevāya
Verehrung dir, Śiva, dem Uranfänglichen Gott
kurmo namo vyālayajñopavītapradhartne
wir erweisen Verehrung dem Träger der Schlange als heiliger Schnur
namaste surābinduvarṣāpanāya
Verehrung dir, dem Bändiger des herabstürzenden Götterstroms [?]
trayīmūrtaye kālakālāya nātha
der Gestalt der drei Veden, dem Herrn der Zeit selbst, o Gebieter
[?: „surābinduvarṣāpanāya“ vermutlich Anspielung auf Śiva als Gaṅgādhara, den Bändiger des herabstürzenden Götterstroms (Gaṅgā); wörtlich unsicher.]
Dem Träger der Gestalt, die achtfach ist als Erde, Wind, Äther, Wasser, Mond, Feuer, Sonne und Glanz-Kreis; dem Heilvollen, dem Vernichter des Unheils, dem Helden – stets sei er uns wohlgesinnt, der vom Herrn der Welt Verehrte.
Wort für Wort
dharitrīmarudvyomatoyenduvahni-
der aus Erde, Wind, Äther, Wasser, Mond, Feuer
prabhāmaṇḍalātmāṣṭadhāmūrti dhartre
und Sonnen-Glanz-Kreis achtfach gestalteten Form Träger
śivāya aśivaghnāya vīrāya
dem Heilvollen, dem Vernichter des Unheils, dem Helden
bhūyāt sadā naḥ prasanno jagannāthakejyaḥ
stets sei er uns wohlgesinnt, der vom Herrn der Welt Verehrte
kalānāthabhālāya ātmā mahātmā mano hyagrayāno nirūpyo na vāgbhiḥ / jagajjāḍyavidhvaṃsanobhuktimuktipradaḥ stātprasannaḥ sadā śuddha kīrtiḥ
Dem, an dessen Stirn der Herr der Mondphasen ist; die Seele, die Große Seele, das Vorzüglichste des Geistes, durch Worte nicht darstellbar; der Vernichter der Trägheit der Welt, der Gewährer von Genuss und Erlösung – er, von reinem Ruhm, sei uns stets wohlgesinnt.
Wort für Wort
kalānāthabhālāya
dem, an dessen Stirn der Herr der Mondphasen ist
ātmā mahātmā mano hi agrayāno
die Seele, die Große Seele, das Vorzüglichste des Geistes, fürwahr
nirūpyo na vāgbhiḥ
durch Worte nicht darstellbar
jagajjāḍyavidhvaṃsano bhuktimuktipradaḥ
der Vernichter der Trägheit der Welt, der Gewährer von Genuss und Erlösung
yataḥ saṃprasūtaṃ jagajjātamīśātsthitaṃ yena rakṣāvatā bhāvitaṃ ca / layaṃ yāsyate yatra vācāṃ vidūre sa vai naḥ prasanno 'stu kālatrayātmā
Aus dem die entstandene Welt hervorgegangen ist, durch den, den Beschützer, sie erhalten und bewahrt wird, in den sie eingehen wird – jenseits der Reichweite der Worte: er, der aus den drei Zeiten Bestehende, sei uns fürwahr wohlgesinnt.
Wort für Wort
yataḥ saṃprasūtaṃ jagat jātam īśāt
aus dem die entstandene Welt hervorgegangen ist, vom Herrn
sthitaṃ yena rakṣāvatā bhāvitaṃ ca
durch den, den Beschützer, sie erhalten und bewahrt wird
layaṃ yāsyate yatra vācāṃ vidūre
in den sie eingehen wird, jenseits der Reichweite der Worte
sa vai naḥ prasanno 'stu kālatrayātmā
er, der aus den drei Zeiten Bestehende, sei uns fürwahr wohlgesinnt
yadārdi ca madhyaṃ tathāntaṃ na ke 'pi vijānanti vijñā api svānumānāḥ / sa vai sarvamūrtiḥ sadā no vibhūtyeprasanno 'stu kiṃ jñāpayāmo 'tra kṛtyam
Dessen Anfang, Mitte und ebenso Ende niemand kennt, auch nicht die Weisen, die auf eigene Schlussfolgerungen bauen – er, dessen Gestalt alles ist, sei uns stets durch seine Macht wohlgesinnt; was sollen wir hier noch kundtun, welche Aufgabe bleibt uns?
Wort für Wort
yadārdi ca madhyaṃ tathāntaṃ
dessen Anfang, Mitte und ebenso Ende
na ke 'pi vijānanti vijñā api svānumānāḥ
niemand kennt, auch nicht die Weisen, die auf eigene Schlussfolgerungen bauen
sa vai sarvamūrtiḥ sadā no vibhūtye
er, dessen Gestalt alles ist, sei uns stets durch seine Macht
prasanno 'stu kiṃ jñāpayāmo 'tra kṛtyam
wohlgesinnt – was sollen wir hier kundtun, welche Aufgabe bleibt
tacchrutvā śūlino vākyaṃ procuste munisattamāḥ / deva dvādaśalokānāṃ dṛśyante bhasmarāśayaḥ
Als sie das Wort des Dreizackträgers vernommen hatten, sprachen jene besten der Weisen: „O Gott, von den zwölf Welten sind nur noch Aschehaufen zu sehen –
Wort für Wort
tat śrutvā śūlino vākyaṃ
als sie das Wort des Dreizackträgers vernommen hatten
bhūrlokasya tu saṃdāhe pātālānāṃ tathaiva ca / sandeho nāsti munayaḥ sthitānāṃ no rahaḥsthale
„Was das Verbrennen der Erdenwelt betrifft, sowie ebenso der Unterwelten, so besteht kein Zweifel, ihr Weisen, für die, die an unserer verborgenen Stätte weilen –
ūrddhapañcakalokānāṃ dāhe saṃdeha eva naḥ / kathamaṅgāravṛṣṭiśca kathaṃ no vā mahādhvaniḥ
doch was das Verbrennen der fünf oberen Welten betrifft, so besteht für uns eben Zweifel – wie auch der Regen glühender Kohlen, und wie für uns das laute Getöse?“
Wort für Wort
ūrdhvapañcakalokānāṃ dāhe
was das Verbrennen der fünf oberen Welten betrifft
Als sie das Wort des mächtigen Śaṅkara vernommen hatten, sprachen die Herren der Weisen, mit gefalteten Händen, zu dem Gott, der von Brahmā und den anderen Göttern begleitet war:
Wort für Wort
tat ākarṇya vibhoḥ vākyaṃ śaṅkarasya
als sie das Wort des mächtigen Śaṅkara vernommen hatten
munīśvarāḥ procuḥ prāñjalayo devaṃ
sprachen die Herren der Weisen, mit gefalteten Händen, zum Gott
brahmādisurasaṃgatam
der von Brahmā und den anderen Göttern begleitet war
Der Gott rief darauf den Helden herbei und sprach das Wort: „Was, Held?“ Der Held aber sprach: „Weil am Liṅga des Affen die Sitzplatte fehlte, habe ich dies getan.“
Wort für Wort
devo atha vīram āhūya
der Gott rief darauf den Helden herbei
kiṃ vīra iti abravīt vacaḥ
„was, Held?“ sprach er das Wort
vīro api āha
der Held aber sprach
kapeḥ liṅge pīṭhābhāvāt idaṃ kṛtam
weil am Liṅga des Affen die Sitzplatte fehlte, habe ich dies getan
Als er dies vernommen hatte, sprach der Gott Śiva zu jenen von Furcht überwältigten Weisen: „Um die Gesinnung des Affen zu erkennen, habe ich, o Brahmanen, dies getan –
athāsau hanumānīpūjanaṃ kṛtavānyathā / samāptāyāṃ tu pūjāyāṃ hanumānprītamānasaḥ
Da vollzog jener Hanumān die Verehrung des Herrn, wie es vorgeschrieben war; nachdem aber die Verehrung vollendet war, ward Hanumān froh gestimmten Sinnes.
Wort für Wort
atha asau hanumān
da vollzog jener Hanumān
īśapūjanaṃ kṛtavān yathā
die Verehrung des Herrn, wie es vorgeschrieben war
gandharvo 'pyāha na mayā tyājyā vīṇā priyā mama / mamāpīṣṭehaṃ gandharva vīṇetyāha kapīśvaraḥ
Der Gandharva aber sprach: „Nicht will ich meine geliebte Laute hergeben.“ „Auch mir ist sie begehrenswert, o Gandharva, die Laute!“, sprach der Herr der Affen.
gewährte ihm sodann eine Gabe: Leben bis zum Ende des Kalpa, ferner die Kraft, jedes Hindernis zu überspringen, Kenntnis der Lehrschriften, und Erhöhung der Kraft.
Nachdem er so die vom hochbeseelten Großen Herrn gewährte Gabe erlangt hatte, ward Hanumān, o Fürst der Brahmanen, leibhaftig vor mir, von Freude erfüllt.
Mit allerlei Schmuck an den Gliedern geziert, von eigenem Glanz, der den Glanz der Götter übertraf, von heiterer Gestalt, jugendlich, ein Teil Śivas, ehrte er alle Götter.
Wort für Wort
samastabhūṣāsu bhūṣitāṅgaḥ
mit allerlei Schmuck an den Gliedern geziert
svadīptiḥ madīkṛtadevadīptiḥ
von eigenem Glanz, der den Glanz der Götter übertraf
prasannamūrtis taruṇaḥ śivāṃśaḥ
von heiterer Gestalt, jugendlich, ein Teil Śivas
saṃbhāvayāmāsa samastadevān
ehrte er alle Götter
[Anm.: Im Quelltext „ṣitāṅgaḥ“ statt metrisch vollständigem „bhūṣitāṅgaḥ“; als „bhūṣitāṅgaḥ“ gelesen.]
kiṃ bahūktena viprarṣe yādṛśo vānareśvaraḥ / buddhau nyāye ca vai dhairye tādṛganyo 'sti na kvacit
Was soll vieles Reden, o Brahmanenweiser: wie der Herr der Affen ist, so ist an Verstand, an Gerechtigkeit und an Standhaftigkeit fürwahr kein anderer irgendwo.
Wort für Wort
kiṃ bahūktena viprarṣe
was soll vieles Reden, o Brahmanenweiser
yādṛśo vānareśvaraḥ
wie der Herr der Affen ist
buddhau nyāye ca vai dhairye
an Verstand, an Gerechtigkeit und fürwahr an Standhaftigkeit
Als er das Wort des klugen Rāmabhadra, des Herrn der Raghus, vernommen hatte, ehrte er es ehrfürchtig, verneigte sich und ging, so wie er gekommen war.
Dies wurde dir, o Brahmane, verkündet, die Lebensgeschichte des Hanumān, wohltuend, Erlösung gewährend, das Wesentliche – was anderes wünschest du zu hören?