Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 78: hanumaccaritram Die Lebensgeschichte des Hanumān

athāparaṃ vāyusūnoścaritaṃ pāpanāśanam / yaduktaṃ svāsu rāmeṇa ānandavanavāsinā

Nun folgt eine weitere sündenvernichtende Geschichte des Windsohnes (Hanumān), wie sie von Rāma, dem Bewohner des Ānandavana, in eigenen Worten erzählt wurde:

Wort für Wort
atha aparam
nun ferner/weiter
vāyusūnoḥ caritam
die Geschichte des Windsohnes (Hanumān)
pāpanāśanam
sündenvernichtend
yad uktam svāsu
was in eigenen (Worten) erzählt wurde [?]
rāmeṇa ānandavanavāsinā
von Rāma, dem Bewohner des Ānandavana

[?: „svāsu“ (Lok. Pl. fem.) ist elliptisch; sinngemäß auf ein ungenanntes Bezugswort wie „eigene Erzählungen/Äußerungen“ bezogen.]

sadyojāte mahākalpe śrutavīrye hanūmati / mama śrīrāmacandrasya bhaktirastu sadaiva hi

Für Hanumān, der im großen Weltzeitalter neu geboren ward, den an Tapferkeit Berühmten – möge stets Hingabe an mich, Śrī Rāmacandra, in ihm sein!

Wort für Wort
sadyojāte mahākalpe
dem im großen Weltzeitalter neu Geborenen
śrutavīrye hanūmati
für Hanumān, dessen Tapferkeit berühmt ist
mama śrīrāmacandrasya
an mich, Śrīrāmacandra
bhaktir astu sadaiva hi
möge stets Hingabe sein

śṛṇuṣva gadato mattaḥ kumārasya kumāraka / caritaṃ sarvapāpaghnaṃ śṛṇvatāṃ paṭhatāṃ sadā

Höre, mein Kind, was ich, der Kumāra, dir erzähle: die Geschichte, die alle Sünde vernichtet für die, so sie stets hören oder rezitieren.

Wort für Wort
śṛṇuṣva gadataḥ mattaḥ
höre von mir, der ich rede
kumārasya kumāraka
des Kumāra (Sanatkumāra), o mein Kind
caritaṃ sarvapāpaghnam
die alle Sünde vernichtende Geschichte
śṛṇvatāṃ paṭhatāṃ sadā
für die, die immer hören und lesen

vāñchāmyahaṃ sadā vipra saṃgamaṃ kīśarūpiṇā / rahasyaṃ rahasi svasya mamānandavanottame

Ich wünsche mir stets, o Brahmane, die Begegnung mit dem Affengestaltigen – (um ihm) im Verborgenen das Geheimnis meines eigenen Wesens (zu offenbaren), hier in meinem vortrefflichen Ānandavana.

Wort für Wort
vāñchāmi aham sadā vipra
ich wünsche immer, o Brahmane
saṃgamaṃ kīśarūpiṇā
die Begegnung mit dem Affengestaltigen (Hanumān)
rahasyaṃ rahasi svasya
das Geheimnis meines eigenen Wesens im Verborgenen
mama ānandavanottame
in meinem vortrefflichen Ānandavana

parīte 'tra sakhāyo me sakhyaśca vigatajvarāḥ / krīḍanti sarvadā cātra prākaṭye 'pi rahasyapi

In der Umgebung hier (weilen) meine Freunde und Freundinnen, frei von Kummer; sie spielen hier stets, sowohl offenkundig als auch im Verborgenen.

Wort für Wort
parīte atra
in der Umgebung hier
sakhāyaḥ me sakhyaḥ ca
meine Freunde und Freundinnen
vigatajvarāḥ
frei von Fieber/Kummer
krīḍanti sarvadā ca atra
spielen hier stets
prākaṭye api rahasyapi
sowohl offenkundig als auch im Verborgenen

kasmiṃścidavatāre tu yadvṛttaṃ ca raho mama / tadatra prakaṭaṃ tubhyaṃ karomi prītamānasaḥ

Was sich in irgendeiner meiner Herabkünfte als mein Geheimnis begab, das offenbare ich dir hier, froh gestimmten Sinnes.

Wort für Wort
kasmiṃścid avatāre tu
in irgendeiner Herabkunft (Avatāra) aber
yad vṛttaṃ ca rahaḥ mama
was sich ereignete, mein Geheimnis
tad atra prakaṭaṃ tubhyam
das mache ich hier offenbar für dich
karomi prītamānasaḥ
tue ich, froh gestimmten Sinnes

āvirbhūto 'smyahaṃ pūrvaṃ rājño daśarathakṣaye / caturyūhātmakastakatra tasya bhāryātraye mune

Ich erschien einst, o Muni, beim Hinscheiden [?] König Daśarathas, als vierfach gestaltetes Wesen, verteilt auf die drei Gattinnen jenes Königs.

Wort für Wort
āvirbhūtaḥ asmi aham pūrvam
ich erschien einst
rājñaḥ daśarathakṣaye
beim Hinscheiden des Königs Daśaratha
caturyūhātmakaḥ tatra
dort als vierfach-gestaltiges Wesen
tasya bhāryātraye mune
in den drei Gattinnen jenes Königs, o Muni

[Anm.: „daśarathakṣaye“ wörtlich ‚beim Schwinden/Ende Daśarathas‘ – der genaue Bezug (Tod des Königs oder Anlass seiner Kinderlosigkeit) bleibt im knappen Wortlaut offen.]

tataḥ katipayairabdairāgato dvijapuṅgavaḥ / viśvāmitror'thayāmāsa pitaraṃ mama bhūpatim

Danach, nach einigen Jahren, kam der vortrefflichste der Zweifachgeborenen, Viśvāmitra; er bat meinen Vater, den Herrscher, um Hilfe.

Wort für Wort
tataḥ katipayaiḥ abdaiḥ
danach, nach einigen Jahren
āgataḥ dvijapuṅgavaḥ viśvāmitraḥ
kam der Stier unter den Zweifachgeborenen, Viśvāmitra
arthayāmāsa
er bat/ersuchte
pitaraṃ mama bhūpatim
meinen Vater, den König

yakṣarakṣovighātārthaṃ lakṣmaṇena sahaiva mām / preṣayāmāsa dharmātmā siddhāśramamaramyakam

Um der Vernichtung der Yakṣas und Rākṣasas willen sandte mich der Gerechtgesinnte, zusammen mit Lakṣmaṇa, zum lieblichen Siddhāśrama.

Wort für Wort
yakṣarakṣovighātārtham
zum Zweck der Vernichtung von Yakṣas und Rākṣasas
lakṣmaṇena saha eva mām
zusammen mit Lakṣmaṇa, mich
preṣayāmāsa dharmātmā
sandte der Gerechtgesinnte
siddhāśramam aramyakam
zum lieblichen Siddhāśrama

tatra gatvāśramamṛberdūṣayantī niśācarau / dhvastau subāhumārīcau prasanno 'bhūttadā muniḥ

Dorthin gegangen, zur Einsiedelei des Weisen, wurden die beiden Nachtwandler, die sie entweihten, Subāhu und Mārīca, vernichtet; da ward der Muni erfreut.

Wort für Wort
tatra gatvā āśramam ṛṣeḥ
dorthin gegangen, zur Einsiedelei des Weisen
dūṣayantī niśācarau
die zwei Nachtwandler, die sie entweihten
dhvastau subāhumārīcau
Subāhu und Mārīca wurden vernichtet
prasannaḥ abhūt tadā muniḥ
da wurde der Muni froh

[Anm.: „dūṣayantī“ (fem.) steht ungewöhnlich zum männlichen Dual „niśācarau“; zu erwarten wäre „dūṣayantau“.]

astragrāmaṃ dadau mahyaṃ māsaṃ cāvāsayattathā / tato gādhisutodhīmān jñātvā bhāvyarthamādarāt

Er gab mir die Gesamtheit der Waffen und ließ uns ebenso einen Monat dort wohnen. Danach, der kluge Sohn des Gādhi, da er sorgsam den künftigen Zweck erkannt hatte,

Wort für Wort
astragrāmaṃ dadau mahyam
die Gesamtheit der Waffen gab er mir
māsaṃ ca avāsayat tathā
und ließ uns ebenso einen Monat wohnen
tataḥ gādhisutaḥ dhīmān
danach der kluge Sohn des Gādhi (Viśvāmitra)
jñātvā bhāvyartham ādarāt
da er sorgsam den künftigen Zweck erkannt hatte

mithilāmanayattatra raudraṃ cādarśayaddhvanuḥ / tasya kanyāṃ paṇībhūtāṃ sītāṃ surasutopamām

führte er uns nach Mithilā und zeigte den furchterregenden Bogen; dessen Tochter, die als Wettpreis ausgesetzte Sītā, einer Göttertochter gleich,

Wort für Wort
mithilām anayat tatra
er führte uns dorthin nach Mithilā
raudraṃ ca ādarśayat dhanuḥ
und zeigte den furchterregenden Bogen
tasya kanyāṃ paṇībhūtām
dessen Tochter, die zum Wettpreis gemacht war
sītāṃ surasutopamām
Sītā, einer Göttertochter gleich

dhanurvibhajya samiti labdhavānmānino 'sya ca / tato mārge bhṛgupaterdarppamūḍhaṃ ciraṃ smayan

gewann ich, nachdem ich in der Versammlung den Bogen zerbrochen hatte, sie, zur Freude jenes stolzen Königs; danach, auf dem Weg, über den vom Stolz verblendeten Herrn der Bhṛgus lange lächelnd,

Wort für Wort
dhanuḥ vibhajya samiti
nachdem ich den Bogen in der Versammlung zerteilt hatte
labdhavān māninaḥ asya ca
gewann ich sie, dieses Stolzen (Königs Janaka)
tataḥ mārge bhṛgupateḥ
danach auf dem Weg über den Herrn der Bhṛgus (Paraśurāma)
darppamūḍhaṃ ciraṃ smayan
lange lächelnd über den vom Stolz Verblendeten

vyaṣanīyāgamaṃ paścādayodhyāṃ svapituḥ purīm / tato rājñāhamājñāya prajāśīlanamānasaḥ

kehrte ich, nachdem er in Bedrängnis geraten war, darauf nach Ayodhyā zurück, der Stadt meines Vaters. Danach ward ich vom König, mit Sinn auf die Pflege der Untertanen bedacht, (zur Thronfolge bestimmt) –

Wort für Wort
vyaṣanī āgamam
nachdem er in Bedrängnis geraten war, kam ich [?]
paścāt ayodhyāṃ svapituḥ purīm
danach nach Ayodhyā, der Stadt meines Vaters
tataḥ rājñā aham ājñāya
danach von mir, durch den König beauftragt/benannt
prajāśīlanamānasaḥ
mit Sinn auf die Pflege der Untertanen gerichtet

[?: „vyaṣanīya“ ist eine unklare Form, sinngemäß als von „vyasanin“ (in Bedrängnis geraten, sc. Paraśurāma) hergeleitet gelesen.]

yauvarājye svayaṃ prītyā saṃmantryātpairvikalpitaḥ / tacchutvā supriyā bhāryā kaikaiyī bhūpatiṃ mune

wurde ich zur Thronfolgerwürde, aus eigenem Wohlgefallen, nach Beratung von den Bürgern erwählt. Als dies die sehr geliebte Gattin Kaikeyī vernommen hatte, o Muni, (sprach sie) zum Herrscher:

Wort für Wort
yauvarājye
zur Thronfolgerwürde
svayaṃ prītyā
aus eigenem Wohlgefallen
saṃmantrya pauraiḥ vikalpitaḥ
nach Beratung von den Bürgern [?] erwählt
tat śrutvā supriyā bhāryā kaikeyī
als dies die sehr geliebte Gattin Kaikeyī gehört hatte
bhūpatiṃ mune
zum König, o Muni

[Anm.: „ātpair“ ist vermutlich verderbt für „pauraiḥ“ (von den Bürgern).]

devakāryavidhānārthaṃ vidūṣitamatirjagau / putro me bharato nāma yauvarājye 'bhiṣicyatām

Mit verdorbenem Sinn, unter dem Vorwand, ein Werk der Götter zu vollbringen, sprach sie: ‚Mein Sohn namens Bharata werde zur Thronfolgerwürde geweiht,

Wort für Wort
devakāryavidhānārtham
unter dem Vorwand, ein Götterwerk zu vollziehen
vidūṣitamatiḥ jagau
mit verdorbenem Sinn sprach sie
putro me bharato nāma
mein Sohn namens Bharata
yauvarājye 'bhiṣicyatām
werde zur Thronfolgerwürde geweiht

rāmaścaturdaśasamā daṇḍakānpravivāsyatām / tadākarṇyā hamudyukto 'raṇyaṃ bhāryānujānvitaḥ

Rāma aber werde für vierzehn Jahre in die Daṇḍaka-Wälder verbannt.‘ Als ich dies vernommen hatte, machte ich mich bereit, in den Wald (zu gehen), begleitet von Gattin und jüngerem Bruder,

Wort für Wort
rāmaḥ caturdaśasamāḥ
Rāma für vierzehn Jahre
daṇḍakān pravivāsyatām
werde in die Daṇḍaka-Wälder verbannt
tat ākarṇya aham udyuktaḥ
dies vernommen, machte ich mich bereit
araṇyaṃ bhāryānujānvitaḥ
zum Wald, begleitet von Gattin und jüngerem Bruder

gantuṃ nṛpatinānukto 'pyagamaṃ citrakūṭakam / tatra nityaṃ vanyaphalairmāṃsaiścāvartitakriyaḥ

obgleich mir vom König nicht dazu geraten war zu gehen, ging ich dennoch zum Citrakūṭa; dort, stets von wilden Früchten und Fleisch lebend, meine Riten fortsetzend,

Wort für Wort
gantum nṛpatinā anuktaḥ api
obwohl vom König nicht dazu aufgefordert, zu gehen
agamam citrakūṭakam
ging ich zum Citrakūṭa
tatra nityaṃ vanyaphalaiḥ māṃsaiḥ ca
dort stets mit wilden Früchten und Fleisch
āvartitakriyaḥ
meine Riten fortsetzend

nivasanneva rājñastu nidhanaṃ cāpyavāgamam / tato bharataśatrughnau bhrātarau mama mānadau

während ich dort weilte, vernahm ich auch vom Hinscheiden des Königs. Danach kamen die beiden Brüder Bharata und Śatrughna, die mich ehrten,

Wort für Wort
nivasan eva
während ich eben weilte
rājñaḥ tu nidhanaṃ ca api avāgamam
auch die Nachricht vom Tod des Königs erreichte mich
tataḥ bharataśatrughnau bhrātarau
danach die beiden Brüder Bharata und Śatrughna
mama mānadau
die mich ehrenden

māntṛvargayutau dīnau sācāryāmātyanāgarau / vyajijñapatamāgatyapañcavaṭyāṃ nijāśramam

begleitet von der Schar der Mütter, elend, samt Lehrer, Ministern und Bürgern; sie kamen zu meiner Einsiedelei in Pañcavaṭī und trugen ihr Anliegen vor.

Wort für Wort
mātṛvargayutau dīnau
begleitet von der Schar der Mütter, elend
sa ācāryāmātyanāgarau
samt Lehrer, Ministern und Bürgern
vyajijñapatam āgatya
sie kamen und trugen ihr Anliegen vor
pañcavaṭyāṃ nijāśramam
in Pañcavaṭī, meiner eigenen Einsiedelei

akalpayaṃ bhrātṛbhāryāsahitaśca trivatsaram / tatastrayodaśe varṣe rāvaṇo nāma rākṣasaḥ

Ich verbrachte drei Jahre dort, zusammen mit Bruder und Gattin. Dann, im dreizehnten Jahr, (kam) der Rākṣasa namens Rāvaṇa

Wort für Wort
akalpayam
ich verbrachte
bhrātṛbhāryāsahitaḥ ca trivatsaram
zusammen mit Bruder und Gattin drei Jahre
tataḥ trayodaśe varṣe
danach im dreizehnten Jahr
rāvaṇo nāma rākṣasaḥ
der Rākṣasa namens Rāvaṇa

māyayā hṛtavānsītāṃ priyāṃ mama parokṣataḥ / tato 'haṃ dīnavadana ṛṣyamūkaṃ hi parvatam

und entführte durch Zauberkunst, hinter meinem Rücken, meine geliebte Sītā. Da ging ich, mit betrübtem Antlitz, zum Berg Ṛṣyamūka,

Wort für Wort
māyayā hṛtavān sītāṃ priyām
durch Zauberkunst entführte er meine geliebte Sītā
mama parokṣataḥ
hinter meinem Rücken/ohne mein Wissen
tataḥ ahaṃ dīnavadanaḥ
da ich, mit betrübtem Antlitz
ṛṣyamūkaṃ hi parvatam
fürwahr zum Berg Ṛṣyamūka

bhāryāmanveṣayanprāptaḥ sakhyaṃ haryadhipena ca / atha vālinamāhatya sugrīva statpade kṛtaḥ

auf der Suche nach meiner Gattin, und gelangte zur Freundschaft mit dem Herrn der Affen. Da erschlug ich Vālin, und Sugrīva ward an dessen Statt eingesetzt,

Wort für Wort
bhāryām anveṣayan prāptaḥ
meine Gattin suchend, gelangte ich
sakhyaṃ haryadhipena ca
zur Freundschaft mit dem Herrn der Affen
atha vālinam āhatya
dann, Vālin erschlagend
sugrīvaḥ tatpade kṛtaḥ
Sugrīva wurde an dessen Statt eingesetzt

saha vānarayūthaiśca sāhāyyaṃ kṛtavānmama / virudhya rāvaṇenālaṃ mama bhakto vibhīṣaṇaḥ

der mir zusammen mit den Scharen der Affen Beistand leistete. Sich gänzlich gegen Rāvaṇa auflehnend, ward mein Ergebener Vibhīṣaṇa

Wort für Wort
saha vānarayūthaiḥ ca
zusammen mit den Scharen der Affen
sāhāyyaṃ kṛtavān mama
leistete er mir Beistand
virudhya rāvaṇena alam
sich gänzlich gegen Rāvaṇa auflehnend
mama bhakto vibhīṣaṇaḥ
mein Ergebener Vibhīṣaṇa

āgato hyabhiṣicyāśulaṅkeśo hi vikalpitaḥ / hatvā tu rāvaṇaṃ saṃkhye saputrāmātyabāndhavam

gekommen, und alsbald ward er von mir zum Herrn von Laṅkā geweiht und bestimmt. Nachdem ich Rāvaṇa samt seinen Söhnen, Ministern und Verwandten in der Schlacht erschlagen hatte,

Wort für Wort
āgataḥ hi abhiṣicya
gekommen, und (ich) weihte ihn
āśu laṅkeśaḥ hi vikalpitaḥ
alsbald wurde er fürwahr zum Herrn von Laṅkā bestimmt
hatvā tu rāvaṇaṃ saṃkhye
nachdem ich aber Rāvaṇa in der Schlacht erschlagen hatte
saputrāmātyabāndhavam
samt seinen Söhnen, Ministern und Verwandten

sītāmādāya saṃśuddhvāmayodhyāṃ samupāgataḥ / tataḥ kālāntare viprasugrīvaśca vibhīṣaṇaḥ

nahm ich Sītā, nach vollzogener Läuterung, mit mir und kehrte nach Ayodhyā zurück. Danach, nach einiger Zeit, o Brahmane, wurden Sugrīva und Vibhīṣaṇa

Wort für Wort
sītām ādāya saṃśuddhvā
Sītā, nachdem sie geläutert war, mit mir nehmend
ayodhyāṃ samupāgataḥ
kehrte ich nach Ayodhyā zurück
tataḥ kālāntare vipra
danach, nach einiger Zeit, o Brahmane
sugrīvaḥ ca vibhīṣaṇaḥ
Sugrīva und Vibhīṣaṇa

nimantritau pituḥ śrāddhve ṣaṭkulāśca dvijottamāḥ / ayodhyāyāṃ samājagmuste tu sarve nimantritāḥ

die beiden zum Totenopfer meines Vaters eingeladen, sowie die sechs Familien der besten Zweifachgeborenen – sie alle kamen, eingeladen, nach Ayodhyā zusammen.

Wort für Wort
nimantritau pituḥ śrāddhve
die beiden eingeladen zum Totenopfer des Vaters
ṣaṭkulāḥ ca dvijottamāḥ
und die sechs Familien der besten Zweifachgeborenen
ayodhyāyāṃ samājagmuḥ
sie kamen zusammen nach Ayodhyā
te tu sarve nimantritāḥ
sie alle waren eingeladen

ṛte vibhīṣiṇaṃ tatra cintayāne raghūttame / śaṃbhurbrāhmaṇarūpeṇa ṣaṭkulaiśca sahāgataḥ

Während der Beste der Raghus sich sorgte, weil Vibhīṣaṇa dort fehlte, kam Śambhu in Brahmanengestalt, zusammen mit den sechs Familien,

Wort für Wort
ṛte vibhīṣaṇaṃ tatra
ohne Vibhīṣaṇa dort
cintayāne raghūttame
während der Beste der Raghus (Rāma) sich sorgte
śaṃbhuḥ brāhmaṇarūpeṇa
Śambhu (Śiva) in Brahmanengestalt
ṣaṭkulaiḥ ca saha āgataḥ
zusammen mit den sechs Familien gekommen

atha pṛṣṭo mayā śaṃbhurvibhīṣaṇasamāgame / nītvā māṃ draviḍe deśe mocaya dvijabandhanāt

Da wurde Śambhu von mir bei der Begegnung mit Vibhīṣaṇa gefragt; (er sprach): „Führe mich in das Land der Draviḍas und befreie mich von der Fessel der Brahmanenschaft.“

Wort für Wort
atha pṛṣṭaḥ mayā śaṃbhuḥ
da wurde Śambhu von mir gefragt
vibhīṣaṇasamāgame
bei der Begegnung mit Vibhīṣaṇa
nītvā māṃ draviḍe deśe
nachdem du mich ins Land Draviḍa geführt hast
mocaya dvijabandhanāt
befreie mich von der Fessel der Brahmanenschaft

[?: Zusammenhang und Sinn dieser knappen Episode bleiben unklar; wörtlich wiedergegeben.]

mayā nimantritāḥ śraddhe hyagastyādyā munīśvarāḥ / saṃbhojitāstu prayayuḥ svasvamāśramamaṇḍalam

Von mir eingeladen zum Totenopfer waren auch Agastya und andere Herren der Weisen; nachdem sie bewirtet worden waren, zogen sie fort, ein jeder zu seinem eigenen Einsiedlerkreis.

Wort für Wort
mayā nimantritāḥ śrāddhe
von mir zum Totenopfer eingeladen
hi agastyādyāḥ munīśvarāḥ
fürwahr Agastya und die anderen Herren der Weisen
saṃbhojitāḥ tu prayayuḥ
nachdem sie bewirtet worden waren, zogen sie fort
svasvam āśramamaṇḍalam
ein jeder zu seinem eigenen Einsiedlerkreis

tataḥ kālāntare viprā devā daityā nareśvarāḥ / gautamena samāhūtāḥ sarve yajñasabhājitāḥ

Danach, nach einiger Zeit, wurden Brahmanen, Götter, Daityas und Fürsten von Gautama zusammengerufen, alle beim Opfer geehrt.

Wort für Wort
tataḥ kālāntare
danach, nach einiger Zeit
viprā devā daityā nareśvarāḥ
Brahmanen, Götter, Daityas und Fürsten
gautamena samāhūtāḥ
von Gautama zusammengerufen
sarve yajñasabhājitāḥ
alle beim Opfer geehrt

te sarve sphaāṭikaṃ liṅgaṃ tryaṃbakādrau niveśitam / saṃpūjya nyavaṃsastatra devadaityanṛpāgrajāḥ

Sie alle, nachdem sie das kristallene Liṅga, das auf dem Berg Tryambaka aufgestellt war, verehrt hatten, verweilten dort – Götter, Daityas und die Vornehmsten der Könige.

Wort für Wort
te sarve
sie alle
sphāṭikaṃ liṅgaṃ tryaṃbakādrau niveśitam
das kristallene Liṅga, aufgestellt auf dem Berg Tryambaka
saṃpūjya nyavasaṃs tatra
nachdem sie es verehrt hatten, verweilten sie dort
devadaityanṛpāgrajāḥ
Götter, Daityas und die Vornehmsten der Könige

tasminsamāje vitate sarvauṃrliṅge samarcite / gautamo 'pyatha madhyāhne pūjayāmāsa śaṅkaram

Als in jener ausgedehnten Versammlung das Liṅga von allen verehrt worden war, huldigte auch Gautama zur Mittagszeit dem Śaṅkara.

Wort für Wort
tasmin samāje vitate
in jener ausgedehnten Versammlung
sarvaiḥ liṅge samarcite
als das Liṅga von allen verehrt war
gautamaḥ api atha madhyāhne
da auch Gautama zur Mittagszeit
pūjayāmāsa śaṅkaram
huldigte dem Śaṅkara

sarve śuklāṃbaradharā bhasmoddhvūlitavigrahāḥ / sitena bhasmanā kṛtvā sarvasthāne tripuṇḍrakam

Alle, weißgekleidet, die Leiber mit Asche bestreut, hatten mit weißer Asche an jeder Körperstelle das Tripuṇḍra gemacht.

Wort für Wort
sarve śuklāṃbaradharāḥ
alle weißgekleidet
bhasmoddhvūlitavigrahāḥ
die Leiber mit Asche bestreut
sitena bhasmanā kṛtvā
mit weißer Asche gemacht habend
sarvasthāne tripuṇḍrakam
an jeder Stelle das Tripuṇḍra (die dreifache Stirnmarke)

natvā tu bhārgavaṃ sarve bhūtaśuddhiṃ pracakramuḥ / hṛtpadmamadhye suṣiraṃ tatraiva bhūtapañcakam

Nachdem sie sich alle vor dem Erhabenen verneigt hatten, begannen sie mit der Reinigung der Elemente: In der Mitte des Herzlotus ist ein Hohlraum, eben dort die Fünfheit der Elemente.

Wort für Wort
natvā tu bhārgavaṃ sarve
nachdem sie sich alle vor dem Erhabenen [?] verneigt hatten
bhūtaśuddhiṃ pracakramuḥ
begannen sie mit der Reinigung der Elemente
hṛtpadmamadhye suṣiram
in der Mitte des Herzlotus ist ein Hohlraum
tatra eva bhūtapañcakam
eben dort die Fünfheit der Elemente

[Anm.: „bhārgavaṃ“ ist im Kontext der Śiva-Verehrung auffällig; vermutlich verderbt für „bhagavantaṃ“ (den Erhabenen).]

teṣāṃ madhye mahākāśamākāśe nirmalāmalam / tanmadhye ca maheśānaṃ dhyāyeddīptimayaṃ śubham

In deren Mitte ist der große Äther, im Äther makellos-rein; in dessen Mitte meditiere man über den Großen Herrn, den Glanzerfüllten, Heilvollen.

Wort für Wort
teṣāṃ madhye mahākāśam
in deren Mitte der große Äther
ākāśe nirmalāmalam
im Äther, makellos-rein
tanmadhye ca maheśānam
und in dessen Mitte den Großen Herrn
dhyāyet dīptimayaṃ śubham
meditiere man, den Glanzerfüllten, Heilvollen

ajñānasaṃyutaṃ bhūtaṃ samalaṃ karmasaṃgataḥ / taṃ dehamākāśadīpe pradahejjñānavahninā

Den mit Unwissenheit verbundenen, befleckten, den Taten verhafteten Körper verbrenne man in der Lampe des Äthers mit dem Feuer der Erkenntnis.

Wort für Wort
ajñānasaṃyutaṃ bhūtam
das mit Unwissenheit verbundene Element/Wesen
samalaṃ karmasaṃgataḥ
befleckt, den Taten verhaftet
taṃ dehamākāśadīpe
diesen Körper, in der Lampe des Äthers
pradahet jñānavahninā
verbrenne man mit dem Feuer der Erkenntnis

ākāśasyāvṛttiṃ cāhaṃ dagdhvākāśamatho dahet / dagdhvākāśamatho vāyumagnibhūtaṃ tathā dahet

Und nachdem man die Hülle des Äthers verbrannt hat, verbrenne man sodann den Äther selbst; nachdem man den Äther verbrannt hat, verbrenne man ebenso den Wind, sodann das Feuerelement.

Wort für Wort
ākāśasya āvṛttiṃ ca
und die Hülle/Umhüllung des Äthers
dagdhvā ākāśam atho dahet
nachdem man sie verbrannt, verbrenne man dann den Äther
dagdhvā ākāśam atho vāyum
nachdem man den Äther verbrannt, dann den Wind
agnibhūtaṃ tathā dahet
ebenso verbrenne man das Feuerelement

[?: „cāhaṃ“ (und ich) passt syntaktisch nicht zur unpersönlichen Anweisung; vermutlich verderbt für „cāsau“ (und jenes).]

abbhūtaṃ ca tato dagdhvā pṛthivībhūtameva ca / tadāśritānguṇāndagdhvā tato dehaṃ pradāhayet

Und danach, nachdem man das Wasserelement verbrannt hat, ebenso das Erdelement; nachdem man die darauf beruhenden Eigenschaften verbrannt hat, lasse man sodann den Körper verbrennen.

Wort für Wort
abbhūtaṃ ca tato dagdhvā
und danach, nachdem man das Wasserelement verbrannt hat
pṛthivībhūtam eva ca
ebenso das Erdelement
tadāśritān guṇān dagdhvā
nachdem man die darauf beruhenden Eigenschaften verbrannt hat
tato dehaṃ pradāhayet
lasse man sodann den Körper verbrennen

evaṃ pradagdhvā bhūtārdi dehī tajjñānavahninā / śikhāmadhyasthitaṃ viṣṇumānandarasanirbharam

Nachdem so der Verkörperte die Elemente und dergleichen mit jenem Feuer der Erkenntnis verbrannt hat, (meditiere er über) Viṣṇu, der inmitten der Flamme weilt, ganz erfüllt von der Wonne der Glückseligkeit,

Wort für Wort
evaṃ pradagdhvā bhūtādi
nachdem so die Elemente usw. verbrannt sind
dehī tajjñānavahninā
der Verkörperte, mit jenem Feuer der Erkenntnis
śikhāmadhyasthitaṃ viṣṇum
Viṣṇu, der inmitten der Flamme(nspitze) weilt
ānandarasanirbharam
ganz erfüllt von der Wonne der Glückseligkeit

[?: „bhūtārdi“ als „bhūtādi“ (die Elemente u.a.) gelesen.]

niṣpannacandrakiraṇasaṃkāśakiraṇaṃ kiraṇaṃ śivam / śivāṅgotpannakiraṇairamṛtadravasaṃyutaiḥ

der, dessen Strahl dem entstandenen Mondesstrahl gleicht, den heilvollen Strahl (habend) – durch die aus Śivas Gliedern entstandenen Strahlen, die mit fließendem Nektar verbunden sind,

Wort für Wort
niṣpannacandrakiraṇasaṃkāśa-
dem entstandenen Mondstrahl gleichend
kiraṇaṃ kiraṇaṃ śivam
den Strahl, den Strahl, den heilvollen [Dittographie]
śivāṅgotpannakiraṇaiḥ
durch die aus Śivas Gliedern entstandenen Strahlen
amṛtadravasaṃyutaiḥ
die mit fließendem Nektar verbunden sind

[Anm.: „kiraṇaṃ kiraṇaṃ“ wirkt wie eine Dittographie (Wortwiederholung) im überlieferten Text.]

suśītalā tato jvālā praśāntā candraraśmivat / prasāritasudhārugbhiḥ sāṃdrībhūtaśca saṃplavaḥ / anena plāvitaṃ bhūtagrāmaṃ saṃcintayetparam

wird danach die Flamme sehr kühl, besänftigt, gleich dem Mondesstrahl; durch die ausgebreiteten, dem Nektar gleichenden Strahlen wird die Überflutung dicht. Mit dieser Flut durchflutet denke man sich die Gesamtheit der Elemente als das Höchste.

Wort für Wort
suśītalā tato jvālā
danach wird die Flamme sehr kühl
praśāntā candraraśmivat
besänftigt, wie ein Mondstrahl
prasāritasudhārugbhiḥ
durch die ausgebreiteten, nektargleichen Strahlen
sāṃdrībhūtaḥ ca saṃplavaḥ
und die Überflutung wird dicht
anena plāvitaṃ bhūtagrāmam
die mit dieser Flut überflutete Gesamtheit der Elemente
saṃcintayet param
denke man sich als das Höchste

itthaṃ kṛtvā bhūtaśuddhiṃ kriyārhe martyaḥ śuddho jāyate hyeva sadyaḥ / pūjāṃ kartuṃ japyakarmāpi paścādevaṃ dhyāyedbrahmahatyādiśuddhyai

Nachdem er so die Reinigung der Elemente vollzogen hat, wird der Sterbliche sogleich rein und fähig zur rituellen Handlung; um danach die Verehrung und auch das Murmelgebet zu vollziehen, meditiere er so zur Tilgung von Brahmanenmord und dergleichen Sünden.

Wort für Wort
itthaṃ kṛtvā bhūtaśuddhim
nachdem er so die Elementereinigung vollzogen hat
kriyārhe martyaḥ śuddho jāyate hi eva sadyaḥ
wird der Sterbliche, tauglich zur Handlung, sogleich fürwahr rein
pūjāṃ kartuṃ japyakarma api
um die Verehrung und auch das Japa-Werk zu vollbringen
paścāt evaṃ dhyāyet
danach meditiere er so
brahmahatyādiśuddhyai
zur Reinigung von Brahmanenmord u.a. Sünden

evaṃ dhyātvā cadrandīptiprakāśaṃ dhyānenāropyāśu liṅge śivasya / sadāśivaṃ dīpamadhye vicintya pañcākṣareṇārcanamavyayaṃ tu

Nachdem er so über den Glanz des Mondlichts meditiert und ihn durch Meditation eilig auf das Liṅga Śivas versetzt hat, und Sadāśiva inmitten der Flamme sich vorstellend, vollziehe er mit dem Fünfsilbenmantra die unvergängliche Verehrung.

Wort für Wort
evaṃ dhyātvā candradīptiprakāśam
nachdem er so über den Glanz des Mondlichts meditiert hat
dhyānena āropya āśu liṅge śivasya
es durch Meditation eilig auf das Liṅga Śivas versetzend
sadāśivaṃ dīpamadhye vicintya
und Sadāśiva inmitten der Flamme sich vorstellend
pañcākṣareṇa arcanam avyayaṃ tu
vollziehe er mit dem Fünfsilben-Mantra die unvergängliche Verehrung

āvāhanādīnupacārāṃratathāpi kṛtvā snānaṃ pūrvavacchaṅkarasya / auduṃbaraṃ rājataṃ svarṇapīṭhaṃ vastrādicchannaṃ sarvameveha pīṭham

Nachdem er die Anrufung und die übrigen Dienste ebenso vollzogen hat, vollziehe er wie zuvor die Waschung Śaṅkaras; die aus Feigenholz, Silber oder Gold bestehende Sitzplatte, mit Tuch und dergleichen verhüllt – all dies sei hier die Sitzplatte.

Wort für Wort
āvāhanādīn upacārān tathā api kṛtvā
nachdem er auch Anrufung und die übrigen Dienstleistungen vollzogen hat
snānaṃ pūrvavat śaṅkarasya
die Waschung Śaṅkaras wie zuvor
auduṃbaraṃ rājataṃ svarṇapīṭham
die Sitzplatte aus Feigenholz, Silber oder Gold
vastrādicchannaṃ sarvam eva iha pīṭham
mit Tuch u.ä. verhüllt – all dies sei hier die Sitzplatte

ante kṛtvā budbudābhyāṃ ca sṛṣṭiṃ pīṭhe pīṭhe nāgamekaṃ purastāt / kuryātpīṭhe corddhvake nāgayugmaṃ devābhyāśe dakṣiṇe vāmataśca

Am Ende erschaffe er mit zwei Wasserblasenzeichen die Schöpfung; auf der Sitzplatte, an ihrer Vorderseite, setze er eine Schlange; auf der oberen Sitzplatte mache er ein Schlangenpaar, in der Nähe des Gottes, rechts und links.

Wort für Wort
ante kṛtvā budbudābhyāṃ ca sṛṣṭim
am Ende mit zwei Wasserblasen die Schöpfung machend [?]
pīṭhe pīṭhe nāgam ekaṃ purastāt
auf der Sitzplatte vorn eine Schlange
kuryāt pīṭhe ca urddhvake nāgayugmam
mache er auf der oberen Sitzplatte ein Schlangenpaar
devābhyāśe dakṣiṇe vāmataḥ ca
in der Nähe des Gottes, rechts und links

[?: Kultisch-technische Anweisung, wörtlich wiedergegeben; genaue rituelle Bedeutung von „budbudābhyāṃ ... sṛṣṭim“ unsicher.]

japāpuṣpaṃ nāgamadhye nidhāya madhye vastraṃ dvādaśaprātiguṇye / suśvetena tasya madhye maheśaṃ liṅgākāraṃ pīṭhayuktaṃ prapūjyam

Nachdem er eine Hibiskusblüte inmitten der Schlangen niedergelegt hat, lege er in der Mitte ein zwölffach gefaltetes Tuch; inmitten dessen, mit reinweißem Tuch, ist der Große Herr, liṅga-förmig, mit der Sitzplatte versehen, zu verehren.

Wort für Wort
japāpuṣpaṃ nāgamadhye nidhāya
nachdem er eine Hibiskusblüte inmitten der Schlangen niedergelegt hat
madhye vastraṃ dvādaśaprātiguṇye
in der Mitte ein zwölffach gefaltetes Tuch
suśvetena tasya madhye
inmitten dessen, mit reinweißem Tuch
maheśaṃ liṅgākāraṃ pīṭhayuktam prapūjyam
ist der Große Herr, liṅga-förmig, mit der Sitzplatte, zu verehren

evaṃ kṛtvā sādhakāste tu sarve dattvā dattvā pañcagandhāśaṣṭagandham / puṣpaiḥ patraiḥ śrītilairakṣataiśca tilonmiśraiḥ kevalaiścaprapūjya

Nachdem sie so gehandelt hatten, gaben all jene Verehrer wiederholt den fünffachen und den achtfachen Wohlgeruch, und huldigten mit Blüten, Blättern, Sesam, ungeschältem Reis, teils mit Sesam vermischt, teils rein.

Wort für Wort
evaṃ kṛtvā sādhakāḥ te tu sarve
nachdem so gehandelt, gaben all jene Verehrer
dattvā dattvā pañcagandha-aṣṭagandham
wiederholt den fünf- und achtfachen Wohlgeruch gebend
puṣpaiḥ patraiḥ śrītilaiḥ akṣataiḥ ca
mit Blüten, Blättern, Sesam, ungeschältem Reis
tilonmiśraiḥ kevalaiḥ ca prapūjya
teils mit Sesam vermischt, teils rein, verehrend

dhūpaṃ dattvā vidhivatsaṃprayuktaṃ dīpaṃ dattvā coktamevopahāram / pūjāśeṣaṃ te samāpyātha sarve gītaṃ nṛtyaṃ tatra tatrāpi cakruḥ

Nachdem sie vorschriftsmäßig den zugehörigen Räucherduft, die Lampe und die genannte Opfergabe dargebracht hatten, vollendeten sie alle den Rest der Verehrung und veranstalteten da und dort Gesang und Tanz.

Wort für Wort
dhūpaṃ dattvā vidhivat saṃprayuktam
nachdem sie vorschriftsmäßig den zugehörigen Räucherduft dargebracht hatten
dīpaṃ dattvā ca uktam eva upahāram
und die Lampe sowie die genannte Opfergabe dargebracht hatten
pūjāśeṣaṃ te samāpya atha sarve
nachdem sie den Rest der Verehrung vollendet hatten, alle
gītaṃ nṛtyaṃ tatra tatra api cakruḥ
veranstalteten sie da und dort Gesang und Tanz

kāle cāsminsuvrate gautamasya śiṣyaḥ prāptaḥ śaṅkarātmeti nāmnā

Und zu dieser Zeit, während dieser vortrefflichen Feier, kam ein Schüler des Gautama an, mit dem Namen „Śaṅkarātman“.

Wort für Wort
kāle ca asmin suvrate
und zu dieser Zeit, während dieser vortrefflichen Feier
gautamasya śiṣyaḥ prāptaḥ
kam ein Schüler des Gautama an
śaṅkarātmā iti nāmnā
mit dem Namen „Śaṅkarātman“

[Anm.: V. 50 besteht im Quelltext nur aus einer Verszeile (Halbvers); die zweite Vershälfte ist nicht überliefert.]

unmattaveṣo digvāsā anekāṃ vṛttimāsthitaḥ / kvaciddvijātipravaraḥ kvaciñcaṇḍālasannibhaḥ

Von der Erscheinung eines Rasenden, himmelsgewandet, vielerlei Lebensweise befolgend – bald ein Vortrefflichster der Zweifachgeborenen, bald einem Caṇḍāla gleichend,

Wort für Wort
unmattaveṣo digvāsāḥ
von der Erscheinung eines Rasenden, himmelsgewandet (nackt)
anekāṃ vṛttim āsthitaḥ
vielerlei Lebensweise befolgend
kvacid dvijātipravaraḥ
bald ein Vortrefflichster der Zweifachgeborenen
kvacid caṇḍālasannibhaḥ
bald einem Caṇḍāla gleichend

kvacicchūdrasamo yogī tāpasaḥ kvacidapyuta / garjatyutpatate caiva nṛtyati stauti gāyati

bald ein Yogī, einem Śūdra gleich, bald auch ein Asket; er brüllt und springt auf, tanzt, lobpreist, singt,

Wort für Wort
kvacid śūdrasamo yogī
bald ein Yogī, einem Śūdra gleich
tāpasaḥ kvacid api uta
bald auch ein Asket, fürwahr
garjati utpatate ca eva
er brüllt und springt auf
nṛtyati stauti gāyati
tanzt, preist, singt

roditi śṛṇute 'tyuktaṃ patatyuttiṣṭhati kvacit / śivajñānaikasaṃpannaḥ paramānandanirbharaḥ

weint, hört Übertriebenes an, fällt bisweilen hin und steht wieder auf – allein von der Erkenntnis Śivas erfüllt, voll höchster Wonne.

Wort für Wort
roditi śṛṇute atyuktam
er weint, hört Übertriebenes
patati uttiṣṭhati kvacit
fällt hin, steht bisweilen wieder auf
śivajñānaikasaṃpannaḥ
allein von der Erkenntnis Śivas erfüllt
paramānandanirbharaḥ
voll der höchsten Wonne

saṃprāpto bhojyavelāyāṃ gautamasyāntikaṃ yayau / bubhuje guruṇā sākaṃ kvaciducchiṣṭameva ca

Angekommen, ging er zur Essenszeit zu Gautama; er speiste bisweilen zusammen mit dem Lehrer, bisweilen auch nur dessen Speisereste,

Wort für Wort
saṃprāptaḥ bhojyavelāyām
angekommen, zur Essenszeit
gautamasya antikaṃ yayau
ging er zu Gautama
bubhuje guruṇā sākam
er speiste zusammen mit dem Lehrer
kvacid ucchiṣṭam eva ca
bisweilen auch nur die Speisereste

kvacillihati tatpātraṃ tūṣṇīmevābhyagātkvacit / hastaṃ gṛhītvaiva guroḥ svayamevābhunakkvacit

bisweilen leckte er dessen Napf aus, bisweilen ging er stumm vorüber; bisweilen ergriff er einfach die Hand des Lehrers und aß eigenmächtig für sich selbst.

Wort für Wort
kvacid lihati tatpātram
bisweilen leckt er dessen Napf
tūṣṇīm eva abhyagāt kvacit
bisweilen ging er einfach schweigend hin
hastaṃ gṛhītvā eva guroḥ
indem er einfach die Hand des Lehrers ergriff
svayam eva abhunak kvacit
aß er bisweilen eigenmächtig selbst

kvacid gṛhāntare mūtraṃ kvacitkardamale panam / sarvadā taṃ gururdṛṣṭvā karamālaṃbya mandiram

bisweilen verrichtete er sein Wasser mitten im Hause, bisweilen lag er im Schlamm zum Schlafen; stets, wenn der Lehrer ihn erblickte, führte er ihn an der Hand ins Haus,

Wort für Wort
kvacid gṛhāntare mūtram
bisweilen ließ er sein Wasser mitten im Haus
kvacit kardamale śayanam
bisweilen ein Lager im Schlamm [?]
sarvadā taṃ guruḥ dṛṣṭvā
stets, wenn der Lehrer ihn erblickte
karam ālaṃbya mandiram
ihn an der Hand ins Haus führend

[?: „panam“ ist unklar; probeweise als „śayanam“ (Lager, Schlafstätte) gedeutet.]

praviśya svīyapīṭhe tamupaveśyāpyabhojayat / svayaṃ tadasya pātreṇa bubhujegautamo muniḥ

trat ein und ließ ihn auf seinem eigenen Sitz Platz nehmen und speiste ihn; der Muni Gautama selbst aß darauf aus dessen Napf.

Wort für Wort
praviśya svīyapīṭhe
eingetreten, auf seinem eigenen Sitz
tam upaveśya api abhojayat
ihn Platz nehmen lassend, speiste er ihn
svayaṃ tat asya pātreṇa
er selbst darauf aus dessen Napf
bubhuje gautamo muniḥ
aß der Muni Gautama

tasya cittaṃ parijñātuṃ kadācidatha suṃdarī / ahalyā śiṣyamāhūya bhuṅkṣveti prāha taṃ mudā / nirdiṣṭo gurupatnyā tu bubhuje so 'viśeṣataḥ

Um sein Herz zu erkennen, rief einst die schöne Ahalyā den Schüler herbei und sprach freudig zu ihm: „Iss!“ Von der Gattin des Lehrers so angewiesen, aß er ohne Unterschied.

Wort für Wort
tasya cittaṃ parijñātum
um sein Herz/seine Gesinnung zu erkennen
kadācid atha sundarī ahalyā
einst nun die schöne Ahalyā
śiṣyam āhūya
den Schüler herbeirufend
bhuṅkṣva iti prāha taṃ mudā
sprach sie freudig zu ihm: „Iss!“
nirdiṣṭo gurupatnyā tu
von der Gattin des Lehrers so angewiesen
bubhuje saḥ aviśeṣataḥ
aß er, ohne Unterschied zu machen

yathā papau hi pānīyaṃ tathā vahnimapi dvijā / kaṇṭakānannavadbhuktvā yathāpūrvamatiṣṭhata

Wie er Wasser trank, ebenso auch Feuer, o Brahmanen; Dornen aß er wie Speise – danach verweilte er wie zuvor.

Wort für Wort
yathā papau hi pānīyam
wie er fürwahr Wasser trank
tathā vahnim api dvijāḥ
ebenso auch Feuer, o Brahmanen
kaṇṭakān annavat bhuktvā
Dornen wie Speise verzehrend
yathāpūrvam atiṣṭhata
verweilte er wie zuvor

puro hi munikanyābhirāhūto bhojanāya ca / dinedine tatpradattaṃ loṣṭamaṃbu ca gomayam

Zuvor ward er fürwahr auch von den Töchtern des Muni zum Essen herbeigerufen; Tag für Tag das ihm Dargereichte – Erdklumpen, Wasser und Kuhdung,

Wort für Wort
puraḥ hi munikanyābhiḥ
zuvor fürwahr von den Töchtern des Muni
āhūtaḥ bhojanāya ca
auch zum Essen herbeigerufen
dine dine tatpradattam
Tag für Tag das ihm Dargereichte
loṣṭam ambu ca gomayam
Erdklumpen, Wasser und Kuhdung

kardamaṃ kāṣṭhadaṇḍaṃ ca bhuktvā pītvātha harṣitaḥ / etādṛśo munirasau caṇḍālasadṛśākṛtiḥ

Schlamm und ein Holzstück verzehrend und trinkend, ward er froh; ein solcher Muni war dieser, von caṇḍāla-gleicher Gestalt,

Wort für Wort
kardamaṃ kāṣṭhadaṇḍaṃ ca
Schlamm und ein Holzstück
bhuktvā pītvā atha harṣitaḥ
essend und trinkend, ward er froh
etādṛśo muniḥ asau
ein solcher Muni war dieser
caṇḍālasadṛśākṛtiḥ
von caṇḍāla-gleicher Gestalt

sujīrṇopānahau haste gṛhītvā pralapanhasan / antyajocitaveṣaśca vṛṣaparvāṇamabhyagāt

ein Paar abgetragener Sandalen in der Hand haltend, schwatzend und lachend, in einer den Niedrigstgeborenen geziemenden Erscheinung, näherte er sich Vṛṣaparvan.

Wort für Wort
sujīrṇopānahau haste gṛhītvā
ein Paar abgetragener Sandalen in der Hand haltend
pralapan hasan
schwatzend, lachend
antyajocitaveṣaḥ ca
in einer den Niedrigstgeborenen geziemenden Erscheinung
vṛṣaparvāṇam abhyagāt
näherte er sich Vṛṣaparvan

vṛṣaparveśayormadhye digvāsāḥ samatiṣṭata / vṛṣaparvā tamajñātvā pīḍayitvā śiro 'cchinat

Zwischen Vṛṣaparvan und dessen Herrin trat der Nacktgewandete hin und blieb stehen; Vṛṣaparvan, ihn nicht erkennend, bedrängte ihn und schlug ihm das Haupt ab.

Wort für Wort
vṛṣaparveśayoḥ madhye
zwischen Vṛṣaparvan und seiner Herrin/Gattin
digvāsāḥ samatiṣṭata
stand der Nacktgewandete dort
vṛṣaparvā tam ajñātvā
Vṛṣaparvan, ihn nicht erkennend
pīḍayitvā śiro acchinat
bedrängte ihn und schlug ihm das Haupt ab

hate tasmindvijaśreṣṭhe jagadetañcarācaram / atīva kaluṣaṃ hyāsīttatrasthā munayastathā

Als jener Vortrefflichste der Zweifachgeborenen erschlagen war, ward diese ganze Welt, das Bewegliche wie das Unbewegliche, äußerst getrübt; so auch die dort weilenden Munis,

Wort für Wort
hate tasmin dvijaśreṣṭhe
als jener Vortrefflichste der Zweifachgeborenen erschlagen war
jagat etat carācaram
diese ganze Welt, das Bewegliche und Unbewegliche
atīva kaluṣaṃ hi āsīt
ward äußerst getrübt
tatrasthā munayaḥ tathā
so auch die dort weilenden Munis

gautamasya mahāśokaḥ saṃjātaḥ sumahātmanaḥ / niryayau cakṣuṣo vāri śokaṃ saṃdarśayanniva

Großer Kummer erwuchs dem hochbeseelten Gautama; aus seinen Augen trat Wasser hervor, gleichsam den Kummer zeigend.

Wort für Wort
gautamasya mahāśokaḥ saṃjātaḥ
großer Kummer erwuchs Gautama
sumahātmanaḥ
dem hochbeseelten
niryayau cakṣuṣo vāri
aus seinen Augen trat Wasser hervor
śokaṃ saṃdarśayan iva
gleichsam den Kummer zeigend

gautamaḥ sarvadaittayānāṃ sannidhau vākyamuktavān / kimanena kṛte pāpaṃ yena cchinnamidaṃ śiraḥ

Gautama sprach in Gegenwart aller Daityas das Wort: „Was für eine Sünde hat er wohl begangen, dass ihm dieses Haupt abgeschlagen wurde?

Wort für Wort
gautamaḥ sarvadaityānāṃ sannidhau
Gautama in Gegenwart aller Daityas
vākyam uktavān
sprach das Wort
kim anena kṛte pāpam
welche Sünde hat er wohl begangen
yena chinnam idaṃ śiraḥ
durch die ihm dieses Haupt abgeschlagen wurde

[?: „sarvadaittayānāṃ“ als „sarvadaityānāṃ“ (aller Daityas) gelesen.]

mama prāṇādhikasyeha sarvadā śivayoginaḥ / mamāpi maraṇaṃ satyaṃ śiṣyacchadmā yato guruḥ

Dieweil dieser mir allzeit teurer war als mein Lebensatem, ein Yogin Śivas – so ist auch mein Tod gewiss, denn der Lehrer weilt unter der Maske des Schülers.

Wort für Wort
mama prāṇādhikasya
dessen, der mir teurer war als mein Leben
iha sarvadā śivayoginaḥ
hier, allzeit eines Śiva-Yogin
mama api maraṇaṃ satyam
auch mein Tod ist wahr/gewiss
śiṣyacchadmā yataḥ guruḥ
denn der Lehrer weilt unter der Maske des Schülers

[?: Sinnzusammenhang der Verse 67f. – die Wesenseinheit von Lehrer und Schüler – knapp formuliert; sinngemäß übersetzt.]

śaivānāṃ dharmayuktānāṃ sarvadā śivavartinām / maraṇaṃ yatra dṛṣṭaṃ syāttatra no maraṇaṃ dhruvam

Für die Śiva-Verehrer, die der Rechtschaffenheit verpflichtet sind, allzeit auf dem Pfad Śivas wandelnd, gilt: Wo Tod erblickt wird, dort ist gewisslich auch unser Tod.

Wort für Wort
śaivānāṃ dharmayuktānām
für die Śaivas, die der Rechtschaffenheit verpflichtet sind
sarvadā śivavartinām
die allzeit auf dem Pfad Śivas wandeln
maraṇaṃ yatra dṛṣṭaṃ syāt
wo Tod erblickt wird
tatra naḥ maraṇaṃ dhruvam
dort ist gewisslich auch unser Tod

tacchrutvā hyasurācāryaḥ sukraḥ prāha vidāṃvaraḥ / enaṃ saṃjīvayiṣyāmi bhārgavaṃ śaṅkarapriyam

Als der Lehrer der Asuras, Śukra, der Vortrefflichste der Wissenden, dies vernommen hatte, sprach er: „Diesen werde ich wiederbeleben, den Nachkommen Bhṛgus, den Śiva-Lieben.“

Wort für Wort
tat śrutvā hi asurācāryaḥ śukraḥ
als dies der Lehrer der Asuras, Śukra, vernommen hatte
prāha vidāṃvaraḥ
sprach er, der Vortrefflichste der Wissenden
enaṃ saṃjīvayiṣyāmi
diesen werde ich wiederbeleben
bhārgavaṃ śaṅkarapriyam
den Nachkommen Bhṛgus, den Śiva-Lieben

kimarthaṃ mriyate brahmanpaśya me tapaso balam / iti vādini viprendre gautamo 'pi mamāra ha

„Wozu sollte er sterben, o Brahmane – sieh die Kraft meiner Askese!“ Während der Fürst der Brahmanen so sprach, starb auch Gautama.

Wort für Wort
kimartham mriyate brahman
wozu sollte er sterben, o Brahmane
paśya me tapaso balam
sieh die Kraft meiner Askese
iti vādini viprendre
während der Fürst der Brahmanen so sprach
gautamaḥ api mamāra ha
starb auch fürwahr Gautama

tasminmṛte 'tha śukro 'pi prāṇāṃstatyāja yogataḥ / tasyaivaṃ hatimājñāya prahlādādyā ditīśvarāḥ

Als jener gestorben war, gab auch Śukra durch Yoga seine Lebenshauche auf. Als sie von dessen Tod so erfuhren, kamen Prahlāda und die anderen Herren der Diti-Söhne,

Wort für Wort
tasmin mṛte atha śukro api
als jener gestorben war, gab auch Śukra
prāṇān tatyāja yogataḥ
seine Lebenshauche durch Yoga auf
tasya evaṃ hatim ājñāya
als sie so von dessen Tod erfuhren
prahlādādyā ditīśvarāḥ
Prahlāda und die anderen Herren der Diti-Söhne (Daityas)

devā nṛpā dvijāḥ sarve mṛtā āsaṃstadadbhutam / mṛtamāsīdatha balaṃ tasya bāṇasya dhīmataḥ

Götter, Könige, alle Brahmanen wurden wie tot – dies war wundersam. Auch die Kraft jenes klugen Bāṇa erlahmte wie tot.

Wort für Wort
devā nṛpā dvijāḥ sarve
Götter, Könige, alle Brahmanen
mṛtāḥ āsaṃs tat adbhutam
wurden wie tot – das war wundersam
mṛtam āsīt atha balam
auch die Kraft erlahmte wie tot
tasya bāṇasya dhīmataḥ
jenes klugen Bāṇa [?]

[?: Bezug von „bāṇasya“ (des Bāṇa) an dieser Stelle unklar; wörtlich übersetzt.]

ahalyā śokasaṃtaptā rurodoñcaiḥ punaḥpunaḥ / gautamena maheśasya pūjayā pūjito vibhuḥ

Ahalyā, vom Kummer versengt, weinte laut, immer wieder. Der Mächtige war durch Gautamas Verehrung des Großen Herrn (bereits) verehrt worden –

Wort für Wort
ahalyā śokasaṃtaptā
Ahalyā, vom Kummer versengt
rurod uccaiḥ punaḥpunaḥ
weinte laut, immer wieder
gautamena maheśasya pūjayā
durch Gautamas Verehrung des Großen Herrn
pūjito vibhuḥ
der Mächtige war verehrt worden

vīrabhadro mahāyogī sarvaṃ dṛṣṭvā cukopa ha / aho kaṣṭamahokaṣṭaṃ maheśā bahavo hatāḥ

Vīrabhadra, der große Yogin, ward, als er alles sah, fürwahr zornig: „Ach, welch Leid, welch großes Leid! Viele Śiva-Verehrer sind erschlagen worden!“

Wort für Wort
vīrabhadro mahāyogī
Vīrabhadra, der große Yogin
sarvaṃ dṛṣṭvā cukopa ha
ward, als er alles sah, fürwahr zornig
aho kaṣṭam mahā-kaṣṭam
ach, welch Leid, welch großes Leid
maheśā bahavo hatāḥ
viele Śiva-Verehrer sind erschlagen worden

śivaṃ vijñāpayiṣyāmi tenoktaṃ karavāṇyatha / iti niścitya gatavānmandarācalamavyayam

„Ich werde es Śiva vortragen und danach tun, was er mir aufträgt.“ So entschlossen, ging er zum unvergänglichen Berg Mandara.

Wort für Wort
śivaṃ vijñāpayiṣyāmi
ich werde es Śiva vortragen
tena uktaṃ karavāṇi atha
und danach tun, was von ihm gesagt wird
iti niścitya
so entschlossen
gatavān mandarācalam avyayam
ging er zum unvergänglichen Berg Mandara

namaskṛtvā virūpākṣaṃ vṛttasarvamathoktavān / brahmāṇaṃ ca hariṃ tatra sthitau prāha śivo vacaḥ

Nachdem er sich vor dem Ungestaltäugigen verneigt hatte, berichtete er alles Geschehene; zu Brahmā und Hari, die dort weilten, sprach Śiva ein Wort:

Wort für Wort
namaskṛtvā virūpākṣam
nachdem er sich vor dem Ungestaltäugigen (Śiva) verneigt hatte
vṛttasarvam atha uktavān
berichtete er darauf alles Geschehene
brahmāṇaṃ ca hariṃ tatra sthitau
zu Brahmā und Hari, die dort weilten
prāha śivo vacaḥ
sprach Śiva ein Wort

madbhaktaiḥ sāhasaṃ karma kṛtaṃ jñātvā varapradam /// gatvā paśyāmi he viṣṇo sarvaṃ tatkṛtasāhasam

„Ich weiß, dass von meinen Verehrern gegen den Gabenspender ein gewaltsames Werk verübt wurde; lass uns gehen, o Viṣṇu, ich will all das von ihnen verübte gewaltsame Tun sehen.“

Wort für Wort
madbhaktaiḥ sāhasaṃ karma kṛtam
von meinen Verehrern wurde ein gewaltsames Werk verübt
jñātvā varapradam
wissend, gegen den Gabenspender [?]
gatvā paśyāmi he viṣṇo
lass uns gehen, ich will sehen, o Viṣṇu
sarvaṃ tatkṛtasāhasam
all das von ihnen verübte gewaltsame Tun

[?: Bezug von „varapradam“ (‚Gabenspender‘) – vermutlich der von Vṛṣaparvan enthauptete Schüler Gautamas – bleibt im knappen Wortlaut unsicher.]

ityuktvā vṛṣamāruhya vāyunā dhūtacāmaraḥ / nandikena suveṣeṇa dhṛte chatre 'tiśobhane

So sprechend, den Stier besteigend, den Wedel vom Winde bewegt, während von Nandin, prächtig geschmückt, der überaus schöne Schirm gehalten wurde,

Wort für Wort
ityuktvā vṛṣam āruhya
so sprechend, den Stier besteigend
vāyunā dhūtacāmaraḥ
den Wedel vom Winde bewegt
nandikena suveṣeṇa
von Nandin, prächtig geschmückt
dhṛte chatre atiśobhane
während der überaus schöne Schirm gehalten wurde

suśvete hemadaṇḍe ca nānyayogye dhṛte vibho / maheśānumatiṃ labdhvā harirnāgāntake sthitaḥ

an reinweißem, goldenem Stab, den kein anderer trüge, gehalten, o Herr – Hari, nachdem er die Zustimmung des Großen Herrn erlangt hatte, bestieg Garuḍa, den Feind der Schlangen.

Wort für Wort
suśvete hemadaṇḍe ca
an reinweißem, goldenem Stab
na anyayogye dhṛte vibho
gehalten, o Herr, der für keinen anderen geeignet ist
maheśānumatiṃ labdhvā
nachdem er die Zustimmung des Großen Herrn erlangt hatte
hariḥ nāgāntake sthitaḥ
stieg Hari auf den Feind der Schlangen (Garuḍa)

āraktanīlacchatrābhyāṃ śuśubhe lakṣmakaustubhaḥ / śivānumatyā brahmāpi haṃsārūḍho 'bhavattadā

Mit den beiden rot-bläulichen Schirmen erstrahlte er, der Träger des Kaustubha-Juwels; mit Śivas Erlaubnis bestieg da auch Brahmā seinen Schwan.

Wort für Wort
āraktanīlacchatrābhyāṃ śuśubhe
mit den beiden rot-bläulichen Schirmen erstrahlte er
lakṣmakaustubhaḥ
der Träger des Kaustubha-Juwels (Viṣṇu)
śivānumatyā
mit Śivas Erlaubnis
brahmā api haṃsārūḍho 'bhavat tadā
auch Brahmā bestieg da seinen Schwan

indragopaprabhākāracchatrābhyāṃ śuśubhe vidhiḥ / indrādisarvadevāśca svasvavāhanasaṃyutāḥ

Mit zwei Schirmen von der Farbe des Indragopa-Käfers erstrahlte der Schöpfer; Indra und alle übrigen Götter, jeder mit seinem eigenen Reittier versehen,

Wort für Wort
indragopaprabhākāracchatrābhyāṃ
mit zwei Schirmen von der Farbe des Indragopa-Käfers
śuśubhe vidhiḥ
erstrahlte der Schöpfer (Brahmā)
indrādisarvadevāḥ ca
und Indra und alle Götter
svasvavāhanasaṃyutāḥ
jeder mit seinem eigenen Reittier versehen

atha te niryayuḥ sarve nānāvādyānumoditāḥ / koṭikoṭigaṇākīrṇā gautamasyāśramaṃ gatāḥ

Dann zogen sie alle aus, begleitet von mannigfachen Musikinstrumenten; von Scharen zu vielen Millionen umgeben, gelangten sie zur Einsiedelei Gautamas.

Wort für Wort
atha te niryayuḥ sarve
dann zogen sie alle aus
nānāvādyānumoditāḥ
begleitet von mannigfachen Musikinstrumenten
koṭikoṭigaṇākīrṇā
von Scharen zu vielen Millionen umgeben
gautamasyāśramaṃ gatāḥ
gelangten sie zur Einsiedelei Gautamas

brahmaviṣṇu maheśānā dṛṣṭvā tatparamādbhutam / svabhaktaṃ jīvayāmāsa vāmakoṇanirīkṣaṇāt

Brahmā, Viṣṇu und der Große Herr, als sie jenes höchst Wundersame gesehen hatten – da belebte Śiva seinen Verehrer wieder, durch einen Blick aus dem linken Augenwinkel.

Wort für Wort
brahmaviṣṇumaheśānāḥ dṛṣṭvā
Brahmā, Viṣṇu und der Große Herr, nachdem sie gesehen hatten
tat paramādbhutam
jenes höchst Wundersame
svabhaktaṃ jīvayāmāsa
belebte er seinen Verehrer wieder
vāmakoṇanirīkṣaṇāt
durch einen Blick aus dem linken Augenwinkel

śaṅkaro gautamaṃ prāha tuṣṭo 'haṃ te varaṃ vṛṇu / tadākarṇya vacastasya gautamaḥ prāha sādaram

Śaṅkara sprach zu Gautama: „Ich bin zufrieden mit dir, erbitte dir eine Gabe.“ Als er dessen Wort vernommen hatte, sprach Gautama ehrfürchtig:

Wort für Wort
śaṅkaro gautamaṃ prāha
Śaṅkara sprach zu Gautama
tuṣṭo 'ham te varaṃ vṛṇu
ich bin zufrieden mit dir, erbitte eine Gabe
tad ākarṇya vacas tasya
als er dessen Wort vernommen hatte
gautamaḥ prāha sādaram
sprach Gautama ehrfürchtig

yadi prasanno deveśa yadi deyo varo mama / tvalliṅgārcanasāmarthyaṃ nityamastu mameśvara

„Wenn du wohlgesinnt bist, o Herr der Götter, wenn mir eine Gabe zu gewähren ist – so möge mir stets die Fähigkeit sein, dein Liṅga zu verehren, o Herr!“

Wort für Wort
yadi prasanno deveśa
wenn du wohlgesinnt bist, o Herr der Götter
yadi deyo varo mama
wenn mir eine Gabe zu gewähren ist
tvalliṅgārcanasāmarthyam
die Fähigkeit, dein Liṅga zu verehren
nityam astu mama īśvara
möge mir stets sein, o Herr

vṛtametanmayā deva trinetra śṛṇu cāparam / śiṣyo 'yaṃ me mahābhāgo heyādeyādivarjitaḥ

Dies habe ich erbeten, o Gott; höre, Dreiäugiger, noch ein weiteres: Dieser hochbeglückte Schüler von mir, dem Verwerfliches und Anzunehmendes und dergleichen gleichgültig ist,

Wort für Wort
vṛtam etat mayā deva
dies habe ich erbeten, o Gott
trinetra śṛṇu ca aparam
höre, Dreiäugiger, noch ein weiteres
śiṣyo 'yaṃ me mahābhāgo
dieser hochbeglückte Schüler von mir
heyādeyādivarjitaḥ
dem Verwerfliches, Anzunehmendes u. dgl. gleichgültig ist

prekṣaṇīyaṃ mamatvena na ca paśyati cakṣuṣā / na ghrāṇagrāhyaṃ deveśa na pātavyaṃ na cetarat

er betrachtet nicht mit dem Auge das Sehenswerte im Sinne von ‚mein‘, nicht das durch die Nase Wahrnehmbare, o Herr der Götter, nicht das zu Trinkende, noch sonst etwas.

Wort für Wort
prekṣaṇīyaṃ mamatvena
das Sehenswerte im Sinne von ‚mein‘
na ca paśyati cakṣuṣā
betrachtet er nicht mit dem Auge
na ghrāṇagrāhyaṃ deveśa
nicht das durch die Nase Wahrnehmbare, o Herr der Götter
na pātavyaṃ na ca itarat
nicht das zu Trinkende, noch sonst etwas

iti buddhvyā tathā kurvansa hi yogī mahāyaśaḥ / unmattavikṛtākāraḥ śaṅkarātmeti kīrtitaḥ

In dieser Gesinnung so handelnd, ist er, der hochberühmte Yogin, von rasender, entstellter Gestalt, ‚Śaṅkarātman‘ genannt.

Wort für Wort
iti buddhyā tathā kurvan
in dieser Gesinnung so handelnd
sa hi yogī mahāyaśaḥ
er, der hochberühmte Yogin
unmattavikṛtākāraḥ
von rasender, entstellter Gestalt
śaṅkarātmā iti kīrtitaḥ
‚Śaṅkarātman‘ genannt

na kaścittaṃ prati dveṣī na ca taṃ hiṃsayedapi / etanme dīyatāṃ deva mṛtānāmamṛtistathā

Niemand hege Hass gegen ihn, noch möge ihn jemand verletzen – dies gewähre mir, o Gott; und ebenso Unsterblichkeit für die Verstorbenen.

Wort für Wort
na kaścit taṃ prati dveṣī
niemand sei ihm gegenüber feindselig
na ca taṃ hiṃsayet api
noch möge ihn jemand verletzen
etat me dīyatāṃ deva
dies gewähre mir, o Gott
mṛtānām amṛtiḥ tathā
und ebenso Unsterblichkeit für die Verstorbenen

tacchrutvomāpatiḥ prīto nirīkṣya harimavyayaḥ / svāṃśena vāyunā dehamāviśajjagadīśvaraḥ

Als er dies vernommen hatte, blickte der Gemahl Umās, erfreut und unvergänglich, zu Hari hinüber; der Herr der Welt durchdrang mit seinem eigenen Teilaspekt, durch den Wind, den Körper des Schülers.

Wort für Wort
tat śrutvā umāpatiḥ prītaḥ
als er dies vernommen hatte, erfreut, der Gemahl Umās
nirīkṣya harim avyayaḥ
der Unvergängliche, zu Hari hinblickend
svāṃśena vāyunā deham āviśat
durchdrang mit seinem eigenen Teilaspekt, durch den Wind, den Körper
jagadīśvaraḥ
der Herr der Welt

harirūpaḥ śaṅkarātmā mārutiḥ kapisattamaḥ / paryāyairucyate 'dhīśaḥ sākṣādviṣṇuḥ śivaḥ paraḥ

Von Hari-Gestalt, Śaṅkara-Wesen, Sohn des Windes, der Vortrefflichste der Affen – mit wechselnden Namen wird der Herrscher genannt: leibhaftig Viṣṇu, der höchste Śiva.

Wort für Wort
harirūpaḥ śaṅkarātmā
von Hari-Gestalt, Śaṅkara-Wesen
mārutiḥ kapisattamaḥ
Sohn des Windes, der Vortrefflichste der Affen
paryāyaiḥ ucyate adhīśaḥ
mit wechselnden Namen wird der Herrscher genannt
sākṣāt viṣṇuḥ śivaḥ paraḥ
leibhaftig Viṣṇu, der höchste Śiva

ākalpateṣu pratyekaṃ kāmarūpamupāśritaḥ / mamājñākārako rāmabhaktaḥ pūjitavigrahaḥ

In jedem einzelnen Weltzeitalter, eine nach Belieben wandelbare Gestalt annehmend, mein Befehlsausführer, ein Rāma-Verehrer, dessen Gestalt verehrt wird,

Wort für Wort
ākalpeṣu pratyekam
in jedem einzelnen Weltzeitalter
kāmarūpam upāśritaḥ
eine nach Belieben wandelbare Gestalt annehmend
mama ājñākārako
mein Befehlsausführer
rāmabhaktaḥ pūjitavigrahaḥ
ein Rāma-Verehrer, dessen Gestalt verehrt wird

anantakalpamīśānaḥ sthāsyati prītamānasaḥ / tvayā kṛtamidaṃ veśma vistṛtaṃ supratiṣṭitam

wird er, der Herrscher, froh gestimmten Sinnes, unzählige Weltzeitalter hindurch bestehen bleiben. Von dir wurde diese Wohnstätte errichtet, weiträumig, wohlgegründet;

Wort für Wort
anantakalpam īśānaḥ sthāsyati
wird der Herrscher unzählige Weltzeitalter hindurch bestehen
prītamānasaḥ
froh gestimmten Sinnes
tvayā kṛtam idaṃ veśma
von dir wurde diese Wohnstätte errichtet
vistṛtaṃ supratiṣṭhitam
weiträumig, wohlgegründet

nityaṃ vai sarvarūpeṇa tiṣṭhāmaḥ kṣaṇamādarāt / samarcitāḥ prayāsyāmaḥ svasvavāsaṃ tataḥ param

stets, fürwahr, verweilen wir hier in jeder Gestalt einen Augenblick, aus Ehrerbietung; nachdem wir gebührend verehrt worden sind, werden wir danach ein jeder zu seiner eigenen Wohnstatt gehen.

Wort für Wort
nityaṃ vai sarvarūpeṇa
stets, fürwahr, in jeder Gestalt
tiṣṭhāmaḥ kṣaṇam ādarāt
verweilen wir einen Augenblick, aus Ehrerbietung
samarcitāḥ prayāsyāmaḥ
nachdem wir verehrt worden sind, werden wir gehen
svasvavāsaṃ tataḥ param
danach ein jeder zu seiner eigenen Wohnstatt

athābabhāṣe viśveśaṃ gautamo munipuṅgavaḥ / ayogyaṃ prārthayāmīśa hyarthī doṣaṃ na paśyati

Dann sprach Gautama, der Vortrefflichste der Munis, zum Herrn des Alls: „Ich erbitte Ungebührliches, o Herr; ein Bittender sieht ja keinen Fehler.

Wort für Wort
atha ababhāṣe viśveśaṃ
dann sprach er zum Herrn des Alls
gautamo munipuṅgavaḥ
Gautama, der Vortrefflichste der Munis
ayogyaṃ prārthayāmi īśa
ich erbitte Ungebührliches, o Herr
hi arthī doṣaṃ na paśyati
denn ein Bittender sieht keinen Fehler

brahmādyalabhyaṃ deveśa dīyatāṃ yadi rocate / atheśo viṣṇumālokya gṛhītvā tatkaraṃ kare

Was selbst Brahmā und den anderen unerreichbar ist, o Herr der Götter, möge gewährt werden, wenn es dir gefällt.“ Da blickte der Herr zu Viṣṇu und ergriff dessen Hand mit seiner Hand,

Wort für Wort
brahmādyalabhyaṃ deveśa
was selbst Brahmā u.a. unerreichbar ist, o Herr der Götter
dīyatāṃ yadi rocate
möge gewährt werden, wenn es gefällt
atha īśo viṣṇum ālokya
da blickte der Herr zu Viṣṇu
gṛhītvā tatkaraṃ kare
und ergriff dessen Hand mit seiner Hand

prahasannaṃbujābhākṣamityuvāca sadāśivaḥ / kṣāmodaro 'si govinda deyaṃ te bhojanaṃ kimu

und Sadāśiva sprach lachend zum Lotusäugigen: „Du bist hager im Bauch, Govinda – welche Speise sollte dir wohl gegeben werden?“

Wort für Wort
prahasan aṃbujābhākṣam
lachend zum Lotusäugigen
iti uvāca sadāśivaḥ
so sprach Sadāśiva
kṣāmodaro 'si govinda
du bist hager im Bauch, Govinda
deyaṃ te bhojanaṃ kimu
welche Speise sollte dir wohl gegeben werden

svayaṃ praviśya yadi vā svayaṃ bhuṅkṣva svagehavat / gaccha vā pārvatīgehaṃ yā kukṣiṃ pūrayiṣyati

Geh selbst hinein, oder iss selbst, wie in deinem eigenen Haus, oder geh zum Hause Pārvatīs, die dir den Leib füllen wird!“

Wort für Wort
svayaṃ praviśya yadi vā
oder tritt selbst ein, wenn du willst
svayaṃ bhuṅkṣva svagehavat
iss selbst, wie im eigenen Haus
gaccha vā pārvatīgeham
oder geh zum Haus Pārvatīs
yā kukṣiṃ pūrayiṣyati
die dir den Bauch füllen wird

ityuktvā tatkarālaṃbī hyekāntamagamadvibhuḥ / ādiśya nandinaṃ devo dvārādhyakṣaṃ yathoktavat

So sprechend, dessen Hand haltend, zog sich der Mächtige an einen abgelegenen Ort zurück, nachdem er den Gott Nandin, den Türhüter, entsprechend beauftragt hatte.

Wort für Wort
ityuktvā tatkarālaṃbī
so sprechend, dessen Hand haltend
hi ekāntam agamat vibhuḥ
zog sich der Mächtige an einen abgelegenen Ort zurück
ādiśya nandinaṃ devaḥ
nachdem der Gott Nandin beauftragt hatte
dvārādhyakṣaṃ yathoktavat
den Türhüter, wie er es gesagt hatte

sa gatvā gautamaṃ vātha hyuktavānviṣṇubhāṣaṇam / saṃpādayānnaṃ deveśā bhoktukāmā vayaṃ mune

Dieser ging nun zu Gautama und sprach Viṣṇus Worte: „Bereite Speise, o Muni – wir Götterherrscher begehren zu essen!“

Wort für Wort
sa gatvā gautamaṃ vā atha
dieser ging nun zu Gautama
hi uktavān viṣṇubhāṣaṇam
und sprach Viṣṇus Worte
saṃpādaya annaṃ
bereite Speise
deveśā bhoktukāmā vayaṃ mune
wir Götterherrscher begehren zu essen, o Muni

ityuktvaikāntamagamadvāsudevena śaṅkaraḥ / mṛduśayyāṃ samāruhya śayitau devatottamau

So sprechend, zog sich Śaṅkara mit Vāsudeva zusammen an einen abgelegenen Ort zurück; auf ein weiches Lager sich begebend, lagen die beiden höchsten Gottheiten,

Wort für Wort
ityuktvā ekāntam agamat
so sprechend, zog er sich an einen abgelegenen Ort zurück
vāsudevena śaṅkaraḥ
Śaṅkara mit Vāsudeva zusammen
mṛduśayyāṃ samāruhya
ein weiches Lager besteigend
śayitau devatottamau
lagen die beiden höchsten Gottheiten

anyonyaṃ bhāṣaṇaṃ kṛtvā prottasthaturubhāvapi / gatvā taḍāgaṃ gaṃbhīraṃ srāsyantau devasattamau

Nachdem sie miteinander ein Gespräch geführt hatten, standen beide wieder auf; die beiden vortrefflichsten Götter gingen zu einem tiefen Teich, um sich zu erfrischen.

Wort für Wort
anyonyaṃ bhāṣaṇaṃ kṛtvā
nachdem sie miteinander ein Gespräch geführt hatten
prottasthatuḥ ubhau api
standen beide wieder auf
gatvā taḍāgaṃ gaṃbhīram
zu einem tiefen Teich gehend
srāsyantau devasattamau
um sich zu erfrischen, die beiden vortrefflichsten Götter

karāṃbupātamanyonyaṃ pṛthakkṛtvobhayatra ca / munayo rākṣasāścaiva jalakrīḍāṃ pracakrire

Indem sie gegenseitig mit den Händen Wasser aufeinander warfen, getrennt auf beiden Seiten, begannen auch die Munis und die Rākṣasas ein Wasserspiel.

Wort für Wort
karāṃbupātam anyonyaṃ
gegenseitiges Werfen von Wasser mit der Hand
pṛthak kṛtvā ubhayatra ca
getrennt auf beiden Seiten vollführend
munayo rākṣasāḥ ca eva
auch die Munis und die Rākṣasas
jalakrīḍāṃ pracakrire
begannen ein Wasserspiel

atha viṣṇurmaheśaśca jalapānāni śīghrataḥ / cakratuḥ śaṅkaraṛ padmakiñjalkāñjalinā hareḥ

Dann tranken Viṣṇu und Maheśa rasch voneinander Wasser; Śaṅkara (warf) mit einer Handvoll Lotusstaubfäden nach Hari,

Wort für Wort
atha viṣṇuḥ maheśaḥ ca
dann Viṣṇu und Maheśa
jalapānāni śīghrataḥ cakratuḥ
tranken rasch Wasser voneinander
śaṅkaraḥ
Śaṅkara
padmakiñjalkāñjalinā hareḥ
mit einer Handvoll Lotusstaubfäden, gegen Hari

[Anm.: „śaṅkaraṛ“ ist eine verderbte Form; als „śaṅkaraḥ“ gelesen.]

avākiranmukhe tasya padmotphullavilocane / netre keśarasaṃpātātpramīlayata keśavaḥ

streute er sie in dessen Gesicht, dessen Augen wie aufgeblühte Lotusblüten waren; durch das Herabfallen der Staubfäden auf die Augen schloss Keśava die Augen.

Wort für Wort
avākirat mukhe tasya
er streute sie in dessen Gesicht
padmotphullavilocane
dessen Augen wie aufgeblühte Lotusblüten waren
netre keśarasaṃpātāt
durch das Herabfallen der Blütenfäden auf die Augen
pramīlayata keśavaḥ
schloss Keśava die Augen

atrāntare hareḥ skandhamāruroha maheśvaraḥ / haryuttamāṅgaṃ bāhubhyāṃ gṛhītvā saṃnyamajjayat

Inzwischen bestieg der Große Herr die Schulter Haris; er ergriff mit beiden Armen Haris Haupt und tauchte es unter Wasser.

Wort für Wort
atrāntare hareḥ skandham āruroha maheśvaraḥ
inzwischen bestieg der Große Herr die Schulter Haris
hari-uttamāṅgaṃ bāhubhyāṃ gṛhītvā
Haris Haupt mit beiden Armen ergreifend
saṃnyamajjayat
tauchte er es unter Wasser

unmajjayitvā ca punaḥ punaścāpi punaḥpunaḥ / pīḍitaḥ sa hariḥ sūkṣmaṃ pātayāmāsa śaṅkaram

Und nachdem er ihn wieder hatte auftauchen lassen, tat er dies immer wieder und wieder; bedrängt, ließ jener Hari mit List den Śaṅkara untertauchen.

Wort für Wort
unmajjayitvā ca punaḥ punaḥ
und nachdem er ihn wieder hatte auftauchen lassen, immer wieder
ca api punaḥpunaḥ
und wieder und wieder
pīḍitaḥ sa hariḥ sūkṣmam
bedrängt, ließ jener Hari mit List
pātayāmāsa śaṅkaram
den Śaṅkara fallen/untertauchen

atha pādau gṛhītvā taṃ bhrāmayanvicakarṣa ha / atāḍayaddhvarervakṣaḥ pātayāmāsa cācyutam

Dann, ihn an den Füßen ergreifend, ihn schwingend, zog er ihn fürwahr; er schlug auf Haris Brust und ließ den Unwankenden fallen.

Wort für Wort
atha pādau gṛhītvā taṃ
dann, ihn an den Füßen ergreifend
bhrāmayan vicakarṣa ha
ihn schwingend, zog er ihn fürwahr
atāḍayat hareḥ vakṣaḥ
er schlug auf Haris Brust [?]
pātayāmāsa ca acyutam
und ließ den Unwankenden (Hari) fallen

[Anm.: „dhvarer“ ist eine verderbte Form; sinngemäß als „hareḥ“ (Haris) gelesen.]

athotthito haristoyamādāyāñjalinā tataḥ / śīrṣe caivākiracchaṃbhumatha śaṃbhuratho hariḥ

Dann erhob sich Hari, nahm Wasser mit hohler Hand und streute es sodann auf Śambhus Haupt; danach tat Śambhu dasselbe an Hari.

Wort für Wort
atha utthito hariḥ
dann erhob sich Hari
toyam ādāya añjalinā
Wasser mit hohler Hand nehmend
tataḥ śīrṣe ca eva akirat śaṃbhum
und streute es sodann auf Śambhus Haupt
atha śaṃbhuḥ atho hariḥ
dann Śambhu, dann wieder Hari

jalakrīḍaivamabhavadatha carṣigaṇāntare / jalakrīḍāsaṃbhrameṇa visrastajaṭabandhanāḥ

So entstand das Wasserspiel auch inmitten der Scharen der Weisen; durch die Aufregung des Wasserspiels lösten sich deren Haarknoten-Bindungen,

Wort für Wort
jalakrīḍā evam abhavat
so entstand das Wasserspiel
atha ṛṣigaṇāntare
auch inmitten der Scharen der Weisen
jalakrīḍāsaṃbhrameṇa
durch die Aufregung des Wasserspiels
visrastajaṭabandhanāḥ
deren Haarknoten-Bindungen sich lösten

atha saṃbhramatāṃ teṣāmanyonyajaṭabandhanam / itare tarabaddhvāsu jaṭāsu ca munīśvarāḥ

Da entstand, während sie sich hastig bewegten, eine gegenseitige Verknüpfung ihrer Haarflechten; die übrigen Herren der Weisen, an den nun verbundenen Flechten,

Wort für Wort
atha saṃbhramatāṃ teṣām
während sie sich so hastig bewegten
anyonyajaṭabandhanam
entstand eine gegenseitige Verknüpfung der Haarflechten
itare munīśvarāḥ
die übrigen Herren der Weisen
baddhvāsu jaṭāsu ca
an den nun verbundenen Flechten

[?: „tarabaddhvāsu“ ist unklar; als „baddhvāsu“ (an den verbundenen) gelesen.]

śaktimanto 'śaktimata ākarṣanti ca savyatham / pātayanto 'nyataścāpi ktrośanto rudatastathā

zogen die Kräftigen die Kraftlosen unter Schmerzen; sie ließen einander auch bald fallen, während sie schrien und weinten.

Wort für Wort
śaktimantaḥ aśaktimataḥ
die Kräftigen die Kraftlosen
ākarṣanti ca savyatham
zogen unter Schmerzen
pātayantaḥ anyataḥ ca api
und ließen einander auch fallen
krośantaḥ rudataḥ tathā
während sie schrien und weinten

evaṃ pravṛtte tumule saṃbhūte toyakarmaṇi / ākāśe vānareśastu nanarta ca nanāda ca

Während so ein Tumult beim Wasserspiel entstanden war, tanzte und brüllte der Herr der Affen am Himmel.

Wort für Wort
evaṃ pravṛtte tumule
während so ein Tumult im Gange war
saṃbhūte toyakarmaṇi
der beim Wasserwerk entstanden war
ākāśe vānareśaḥ tu
am Himmel aber der Herr der Affen
nanarta ca nanāda ca
tanzte und brüllte

vipañcīṃ vādayanvādyaṃ lalitāṃ gītimujjagau / sugītyā lalitā yāstu āgāyata vidhā daśa

Während er die Vipañcī-Laute, ein Instrument, spielte, sang er ein liebliches Lied; mit schönem Gesang sang er zehnerlei liebliche Melodien.

Wort für Wort
vipañcīṃ vādayan vādyam
während er die Vipañcī-Laute, ein Instrument, spielte
lalitāṃ gītim ujjagau
sang er ein liebliches Lied
sugītyā lalitāḥ yāḥ tu
mit schönem Gesang, welche lieblichen Weisen
āgāyata vidhā daśa
er sang, zehnerlei Art

śuśrāva gītiṃ madhurāṃ śaṅkaro lokabhāvataḥ / svayaṃ gātuṃ hi lalitaṃ mandaṃmandaṃ pracakrame

Śaṅkara vernahm den süßen Gesang, aus Wohlwollen für die Welt; er selbst begann, ganz leise, das liebliche Lied mitzusingen.

Wort für Wort
śuśrāva gītiṃ madhurāṃ śaṅkaraḥ
Śaṅkara vernahm den süßen Gesang
lokabhāvataḥ
aus Wohlwollen für die Welt
svayaṃ gātuṃ hi lalitam
selbst das liebliche Lied zu singen
mandaṃmandaṃ pracakrame
begann er ganz leise

svayaṃ gāyati deveśe viśrāmaṃ galadeśikam / svaraṃ dhruvaṃ samādāya sarvalakṣaṇasaṃyutam

Während der Herr der Götter selbst sang, hielt er eine Ruhepause im Kehlbereich, die feste Tonlage beibehaltend, mit allen musikalischen Merkmalen versehen,

Wort für Wort
svayaṃ gāyati deveśe
während der Herr der Götter selbst sang
viśrāmaṃ galadeśikam
eine Ruhepause im Kehlbereich [?]
svaraṃ dhruvaṃ samādāya
die feste Tonlage beibehaltend
sarvalakṣaṇasaṃyutam
mit allen musikalischen Merkmalen versehen

[?: „galadeśikam“ ist unklar; probeweise auf eine im Kehlbereich gesetzte Gesangspause bezogen.]

svadhārāmṛtasaṃyuktaṃ gānenaivamaponayan / vāsudevo mardalaṃ ca karābhyāmapyavādayat

Mit dem Nektar seines eigenen Tonflusses verbunden, ließ er so mit Gesang die Zeit verstreichen; Vāsudeva schlug auch mit beiden Händen die Mṛdaṅga-Trommel.

Wort für Wort
svadhārāmṛtasaṃyuktam
mit dem Nektar seines eigenen Tonstroms verbunden
gānena evam aponayan
ließ er so mit Gesang die Zeit verstreichen
vāsudevo mardalaṃ ca
und Vāsudeva die Mṛdaṅga-Trommel
karābhyām api avādayat
schlug auch mit beiden Händen

ambujāṅgaścaturvakrastuṃbururmukharo babhau / tānakā gautamādyāstu gayako vāyujo 'bhavat

Der Lotus-gliedrige und der Vierantlitzige und Tumburu, der Redegewandte, strahlten; den Rhythmus gaben Gautama und die anderen, und der Windsohn war der Sänger.

Wort für Wort
ambujāṅgaḥ caturvakraḥ
der Lotus-gliedrige (Viṣṇu) und der Vierantlitzige (Brahmā)
tuṃburuḥ mukharaḥ babhau
Tumburu, der Redegewandte, strahlte
tānakā gautamādyāḥ tu
den Rhythmus aber gaben Gautama und die anderen
gāyako vāyujo 'bhavat
der Sänger war der Windsohn

gāyake madhuraṃ gītaṃ hanūmati kapīśvare / mlānamalmānamabhavatkṛśāḥ puṣṭāstadābhavan

Als der Herr der Affen, Hanumān, der Sänger, süßen Gesang sang, wurde das Verwelkte gar nicht mehr verwelkt, die Mageren wurden da wohlgenährt.

Wort für Wort
gāyake madhuraṃ gītaṃ
als der Sänger süßen Gesang (sang)
hanūmati kapīśvare
nämlich Hanumān, der Herr der Affen
mlānam alaṃ na abhavat
wurde das Verwelkte gar nicht mehr [?]
kṛśāḥ puṣṭāḥ tadā abhavan
die Mageren wurden da wohlgenährt

[?: „mlānamalmānam“ unklar überliefert; sinngemäß als „mlānam alaṃ na“ (das Verwelkte ganz und gar nicht mehr) gedeutet.]

svāṃ svāṃ gītimataḥ sarve tiraskṛtyaiva mūrcchitā / tūṣṇībhūtaṃ samabhavaddevarṣigaṇadānavam

Da gaben alle ihren jeweils eigenen Gesang auf, gleichsam betäubt; die Schar der Götter, Weisen und Dānavas wurde still.

Wort für Wort
svāṃ svāṃ gītim ataḥ sarve
ihren jeweils eigenen Gesang gaben da alle
tiraskṛtya eva mūrcchitāḥ
gleichsam betäubt, gänzlich aufgebend
tūṣṇībhūtaṃ samabhavat
still wurde
devarṣigaṇadānavam
die Schar der Götter, Weisen und Dānavas

ekaḥ sa hanumān gātā śrotāraḥ sarva eva te / madhyāhnakāle vitate gāyamāne hanūmati / svasvavāha namāruhya nirgatāḥ sarvadevatāḥ

Er allein, Hanumān, war der Sänger, alle jene übrigen waren nur Hörer; während zur Mittagszeit, als sie sich ausgedehnt hatte, Hanumān noch sang, bestiegen alle Götter, ein jeder sein eigenes Reittier, und zogen fort.

Wort für Wort
ekaḥ sa hanumān gātā
er allein, Hanumān, war der Sänger
śrotāraḥ sarve eva te
alle jene waren nur Hörer
madhyāhnakāle vitate
als die Mittagszeit sich ausgedehnt hatte
gāyamāne hanūmati
während Hanumān noch sang
svasvavāhanam āruhya
ein jeder sein eigenes Reittier besteigend
nirgatāḥ sarvadevatāḥ
zogen alle Götter fort

gānapriyo maheśastu jagrāha plavageśvaram / plavaga tvaṃ mayājñapto niḥśaṅko vṛṣamāruha

Der Gesang liebende Große Herr aber ergriff den Herrn der Affen: „Affe, du bist von mir beauftragt – besteige furchtlos den Stier,

Wort für Wort
gānapriyo maheśaḥ tu
der Gesang liebende Große Herr aber
jagrāha plavageśvaram
ergriff den Herrn der Affen
plavaga tvaṃ mayā ājñaptaḥ
Affe, du bist von mir beauftragt
niḥśaṅko vṛṣam āruha
besteige furchtlos den Stier

mama cābhimukho bhūtvā gāyasvānekagāyanam / athāha kapiśārdūlo bhagavantaṃ maheśvaram

und, mir zugewandt, singe mannigfachen Gesang.“ Da sprach der Tiger unter den Affen zum erhabenen Großen Herrn:

Wort für Wort
mama ca abhimukho bhūtvā
und mir zugewandt geworden
gāyasva anekagāyanam
singe mannigfachen Gesang
atha āha kapiśārdūlo
da sprach der Tiger unter den Affen
bhagavantaṃ maheśvaram
zum erhabenen Großen Herrn

vṛṣabhārohasāmarthyaṃ tava nānyasya vidyate ṣa // tava vāhanamāruhya pātakī syāmahaṃ vibho

„Die Fähigkeit, den Stier zu besteigen, gibt es für niemand anderen als für dich; würde ich dein Reittier besteigen, o Herr, so würde ich zum Sünder.

Wort für Wort
vṛṣabhārohasāmarthyaṃ
die Fähigkeit, den Stier zu besteigen
tava na anyasya vidyate
gibt es nur für dich, für keinen anderen
tava vāhanam āruhya
dein Reittier bestiegen habend
pātakī syām ahaṃ vibho
würde ich zum Sünder werden, o Herr

māmevāruha deveśa vihṝṅgaḥ śivadhāraṇaḥ / tava cābhimukhaṃ gānaṃ kariṣyāmi vilokaya

Besteige mich selbst, o Herr der Götter, du Himmelswanderer, Träger des Heilvollen; und ich werde dir zugewandt singen – sieh nur!“

Wort für Wort
mām eva āruha deveśa
besteige eben mich, o Herr der Götter
vihaṅgaḥ śivadhāraṇaḥ
du Himmelswanderer, Träger des Heilvollen [?]
tava ca abhimukhaṃ gānam kariṣyāmi
und ich werde dir zugewandt Gesang vollbringen
vilokaya
sieh nur!

[?: „vihṝṅgaḥ“ ist unklar überliefert; als „vihaṅgaḥ“ (Himmelswanderer) gedeutet.]

atheśvaro hanūmantamāruroha yathā vṛṣam / ārūḍhe śaṅkare deve hanumatkandharāṃ śivaḥ

Da bestieg der Herrscher Hanumān wie zuvor den Stier; als der Gott Śaṅkara ihn bestiegen hatte, saß Śiva auf Hanumāns Nacken,

Wort für Wort
atha īśvaro hanūmantam āruroha
da bestieg der Herrscher Hanumān
yathā vṛṣam
wie zuvor den Stier
ārūḍhe śaṅkare deve
als der Gott Śaṅkara ihn bestiegen hatte
hanumatkandharāṃ śivaḥ
saß Śiva auf Hanumāns Nacken

chitvā tvacaṃ parāvṛtya sukhaṃ gāyati pūrvavat / śṛṇvangītisudhāṃ śaṃbhurgaunta masya gṛhaṃ tataḥ

wandte sich um und sang wohlgemut wie zuvor; während Śambhu den Nektar des Gesangs vernahm, gelangten sie danach zum Haus Gautamas.

Wort für Wort
chitvā tvacaṃ parāvṛtya
sich wendend [?]
sukhaṃ gāyati pūrvavat
singt er wohlgemut wie zuvor
śṛṇvan gītisudhāṃ śaṃbhuḥ
während Śambhu den Nektar des Gesangs vernahm
gautamasya gṛhaṃ tataḥ
gelangten sie danach zum Haus Gautamas

[?: „chitvā tvacaṃ“ (‚die Haut durchtrennend‘) ergibt im Kontext keinen klaren Sinn; vermutlich verderbt, hier sinngemäß als Wendung des Körpers/Kopfes gedeutet. „gaunta masya“ als „gautamasya“ gelesen.]

sarve cāpyāgatāstatra devarṣigaṇadānavāḥ / pūjitā gautamenātha bhojanāvasare sati

Und auch alle Scharen der Götter, Weisen und Dānavas waren dort angekommen; sie wurden dann von Gautama geehrt, als die Zeit zum Mahl gekommen war.

Wort für Wort
sarve ca api āgatāḥ tatra
und auch alle waren dort angekommen
devarṣigaṇadānavāḥ
die Scharen der Götter, Weisen und Dānavas
pūjitā gautamena atha
sie wurden dann von Gautama geehrt
bhojanāvasare sati
als die Zeit zum Mahl gekommen war

yacchuṣkaṃ dārusaṃbhūtaṃ gṛho pakaraṇādikam / prarūḍhamabhavatsarvaṃ gāyamāne hanūmati

Was an trockenem, aus Holz bestehendem Hausgerät und dergleichen vorhanden war, all das begann zu sprossen, während Hanumān sang.

Wort für Wort
yat śuṣkaṃ dārusaṃbhūtam
was an trockenem, aus Holz bestehendem
gṛhopakaraṇādikam
Hausgerät und dergleichen vorhanden war
prarūḍham abhavat sarvam
all das begann zu sprossen
gāyamāne hanūmati
während Hanumān sang

tasmingāne samastānāṃ citraṃ dṛṣṭiratiṣṭata

Bei diesem Gesang verweilte aller Blick voller Staunen.

Wort für Wort
tasmin gāne
bei diesem Gesang
samastānāṃ citraṃ dṛṣṭiḥ
aller Blick, voller Staunen
atiṣṭhata
verweilte

[Anm.: V. 130 besteht im Quelltext nur aus einer Verszeile (Halbvers); die zweite Vershälfte ist nicht überliefert.]

dvibāhurīśasya padābhivaṃ danaḥ samastagātrābharaṇopapannaḥ / prasannamūrtistaruṇaḥ sumadhye vinyastamūrddhvāñjalibhiḥ śirobhiḥ

Zweiarmig, der die Füße des Herrn verehrte, mit Schmuck an allen Gliedern versehen, von heiterer Gestalt, jugendlich, schlank in der Mitte – so ward er geschaut von denen, die mit erhobenen, gefalteten Händen die Häupter vor ihm neigten.

Wort für Wort
dvibāhuḥ īśasya padābhivaṃdanaḥ
zweiarmig, der die Füße des Herrn verehrte
samastagātrābharaṇopapannaḥ
mit Schmuck an allen Gliedern versehen
prasannamūrtis taruṇaḥ sumadhye
von heiterer Gestalt, jugendlich, schlank in der Mitte
vinyastamūrddhvāñjalibhiḥ śirobhiḥ
von denen mit erhobenen, gefalteten Händen und geneigten Häuptern (betrachtet)

[?: Der Satzbau von V. 131 ist stark verdichtet (Nominalstil); die zweite Vershälfte wurde sinngemäß auf die staunenden Betrachter bezogen.]

śiraḥ karābhyāṃ parigṛhya śaṅkaro hanūmataḥ pūrvamukhaṃ cakāra / padmāsanāsīnahanūmatoṃ'jalau nidhāya pādaṃ tvaparaṃ mukhe ca

Śaṅkara ergriff mit beiden Händen das Haupt Hanumāns und wandte es nach Osten; er legte, während Hanumān im Lotossitz saß, den einen Fuß in dessen gefaltete Hände, den anderen aber an dessen Gesicht,

Wort für Wort
śiraḥ karābhyāṃ parigṛhya
das Haupt mit beiden Händen ergreifend
śaṅkaro hanūmataḥ pūrvamukhaṃ cakāra
wandte Śaṅkara Hanumāns Haupt nach Osten
padmāsanāsīnahanūmataḥ añjalau nidhāya pādam
den Fuß in die gefalteten Hände des im Lotossitz sitzenden Hanumān legend
tu aparaṃ mukhe ca
den anderen aber an das Gesicht

pādāṅgulībhyāmatha nāsikāṃ vibhuḥ snehena jagrāha ca mandamandam / skandhe mukhe tvaṃsatale ca kaṇṭhe vakṣasthale ca stanamadhyame hṛdi

und dann ergriff der Mächtige mit den Zehen sanft, ganz behutsam, die Nase Hanumāns; er berührte ihn an der Schulter, am Gesicht, auf dem Schulterblatt und am Hals, an der Brust und in der Mitte zwischen den Brustwarzen, am Herzen,

Wort für Wort
pādāṅgulībhyāṃ atha nāsikāṃ
und dann mit den Zehen die Nase
vibhuḥ snehena jagrāha ca mandamandam
ergriff der Mächtige liebevoll, ganz behutsam
skandhe mukhe
an der Schulter, am Gesicht
aṃsatale ca kaṇṭhe
am Schulterblatt und am Hals
vakṣasthale ca stanamadhyame hṛdi
an der Brust und in der Mitte zwischen den Brustwarzen, am Herzen

tataśca kukṣāvatha nābhimaṇḍalaṃ pādaṃ dvitīyaṃ vidadhāti cāñjalau / śiro gṛhītvāvanamayya śaṅkaraḥ pasparśa pṛṣṭhaṃ cibukena so 'dhvani

und dann am Leib und weiter am Nabelkreis; den zweiten Fuß aber legte er wiederum in dessen gefaltete Hände; das Haupt ergreifend und niederneigend, berührte Śaṅkara mit dem Kinn dessen Rücken, dort unterwegs.

Wort für Wort
tataḥ ca kukṣau atha nābhimaṇḍalam
und dann am Leib und am Nabelkreis
pādaṃ dvitīyaṃ vidadhāti ca añjalau
und legt den zweiten Fuß in die gefalteten Hände
śiro gṛhītvā avanamayya
das Haupt ergreifend und niederneigend
śaṅkaraḥ pasparśa pṛṣṭhaṃ cibukena
berührte Śaṅkara mit dem Kinn den Rücken
saḥ adhvani
er, unterwegs

hāraṃ ca muktāparikalpitaṃ śivo hanūmataḥ kaṇṭhagataṃ cakāra

Und Śiva legte Hanumān eine aus Perlen gefertigte Halskette um den Hals.

Wort für Wort
hāraṃ ca muktāparikalpitam
und eine aus Perlen gefertigte Halskette
śivo hanūmataḥ kaṇṭhagataṃ cakāra
legte Śiva Hanumān um den Hals

[Anm.: V. 135 besteht im Quelltext nur aus einer Verszeile (Halbvers).]

atha viṣṇurmaheśānamiha vacanamuktavān / hanūmatā samo nāsti kṛtsnabrahmāṇḍamaṇḍale

Da sprach Viṣṇu zum Großen Herrn das Wort: „Im ganzen Kreis des Weltalls gibt es keinen, der Hanumān gleich wäre;

Wort für Wort
atha viṣṇuḥ maheśānam
da (sprach) Viṣṇu zum Großen Herrn
iha vacanam uktavān
hier das Wort
hanūmatā samo nāsti
es gibt keinen, der Hanumān gleich wäre
kṛtsnabrahmāṇḍamaṇḍale
im ganzen Kreis des Weltalls

śrutidevādyagamyaṃ hi padaṃ tava kapisthitam / sarvopaniṣadavyaktaṃ tvatpadaṃ kapisarvayuk

denn dein Zustand, der selbst den Veden und den Göttern unzugänglich ist, weilt nun im Affen; dein durch alle Upaniṣaden nicht offenbarter Zustand ist ganz und gar mit dem Affen verbunden.

Wort für Wort
śrutidevādyagamyaṃ hi padaṃ
denn der selbst Veden und Göttern unzugängliche Zustand
tava kapisthitam
dein, der im Affen weilt
sarvopaniṣadavyaktaṃ
der durch alle Upaniṣaden nicht offenbarte
tvatpadaṃ kapisarvayuk
dein Zustand, ganz mit dem Affen verbunden

yamādisādhanairṃyogairna kṣaṇaṃ te padaṃ sthiram / mahāyogihṛdaṃbhoje paraṃ svasthaṃ hanūmati

Durch die Mittel der Yamas und anderer Yoga-Übungen ist dein Zustand nicht einmal für einen Augenblick beständig fassbar; im Herzenslotus der großen Yogins aber weilt er als das Höchste, in sich selbst ruhend, in Hanumān.

Wort für Wort
yamādisādhanaiḥ yogaiḥ
durch die Mittel der Yamas u.a. Yoga-Übungen
na kṣaṇaṃ te padaṃ sthiram
ist dein Zustand nicht einmal einen Augenblick beständig fassbar
mahāyogihṛdaṃbhoje
im Herzenslotus der großen Yogins
paraṃ svasthaṃ hanūmati
als das Höchste, in sich selbst ruhend, in Hanumān

varṣakoṭisahasraṃ tu sahasrābdairathānvaham / bhaktyā saṃpūjito 'pīśa pādo no darśitastvayā

Zehn Millionen Jahre lang, Tag für Tag mit tausend Jahren, mit Hingabe verehrt, o Herr – dennoch hast du deinen Fuß uns nicht gezeigt.

Wort für Wort
varṣakoṭisahasraṃ tu
zehn Millionen Jahre aber
sahasrābdaiḥ atha anvaham
mit tausend Jahren, Tag für Tag
bhaktyā saṃpūjito api īśa
obwohl mit Hingabe verehrt, o Herr
pādo no darśitaḥ tvayā
hast du deinen Fuß uns nicht gezeigt

loke vādo hi sumahāñchaṃbhurnārāyaṇapriyaḥ / haripriyastathā śaṃbhurna tādṛgbhāgyamasti me

In der Welt gibt es fürwahr den großen Ausspruch: ‚Śambhu ist Nārāyaṇas Liebling‘, ebenso ‚Śambhu ist Haris Liebling‘ – doch solches Glück ist mir nicht beschieden.“

Wort für Wort
loke vādo hi sumahān
in der Welt gibt es fürwahr den großen Ausspruch
śaṃbhuḥ nārāyaṇapriyaḥ
Śambhu ist Nārāyaṇas Liebling
haripriyaḥ tathā śaṃbhuḥ
ebenso Śambhu ist Haris Liebling
na tādṛg bhāgyam asti me
solches Glück ist mir nicht beschieden

tacchrutvā vacanaṃ śaṃbhurviṣṇoḥ prāha mudānvitaḥ / na tvayā sadṛśo mahyaṃ priyo 'nyo 'sti hare kvacit

Als Śambhu Viṣṇus Wort vernommen hatte, sprach er freudvoll: „Es gibt für mich keinen anderen, der dir gliche an Liebe, o Hari, nirgends.

Wort für Wort
tat śrutvā vacanaṃ śaṃbhuḥ viṣṇoḥ
als Śambhu Viṣṇus Wort vernommen hatte
prāha mudānvitaḥ
sprach er freudvoll
na tvayā sadṛśo mahyaṃ priyo
es gibt keinen mir gleich Lieben wie dich
anyo 'sti hare kvacit
einen anderen, nirgends, o Hari

pārvatī vā tvayā tulyā vartate naiva bhidyate / atha devāya mahate gautamaḥ prāṇipatya ca

Auch Pārvatī steht dir gleich, es gibt keinerlei Unterschied.“ Da, nachdem er sich vor dem großen Gott niedergeworfen hatte, (trug) Gautama (sein Anliegen vor):

Wort für Wort
pārvatī vā tvayā tulyā vartate
auch Pārvatī steht dir gleich
na eva bhidyate
es gibt keinerlei Unterschied
atha devāya mahate
da vor dem großen Gott
gautamaḥ prāṇipatya ca
und Gautama, nachdem er sich niedergeworfen hatte

vyajijñapadameyātmajdevairhi karuṇānidhe / madhyāhno 'yaṃ vyatikrānto bhuktivelākhilasya ca

„O Unermesslicher, o Gott, o Born des Mitleids – der Mittag ist nun vergangen, und die Essenszeit für alle ist gekommen.“

Wort für Wort
vyajijñapat
er trug sein Anliegen vor
ameyātman deva hi karuṇānidhe
o Unermesslicher, o Gott, o Born des Mitleids [?]
madhyāhno 'yaṃ vyatikrāntaḥ
der Mittag ist nun vergangen
bhuktivelā akhilasya ca
und die Essenszeit für alle ist gekommen

[?: „ameyātmajdevairhi“ ist unklar überliefert; probeweise als Anrede „ameyātman, deva, karuṇānidhe“ gedeutet.]

athācamya mahādevo viṣṇunā sahito vibhuḥ / praviśya gautamagṛhaṃ bhojanāyopacakrame

Dann, nachdem er die rituelle Mundspülung vollzogen hatte, betrat der mächtige Mahādeva, zusammen mit Viṣṇu, Gautamas Haus und schickte sich zum Mahl an.

Wort für Wort
atha ācamya mahādevo vibhuḥ
dann, nachdem er die rituelle Mundspülung vollzogen hatte, der mächtige Mahādeva
viṣṇunā sahitaḥ
zusammen mit Viṣṇu
praviśya gautamagṛham
Gautamas Haus betretend
bhojanāya upacakrame
schickte er sich zum Mahl an

ratnāṅgulīyairathanūpurābhyāṃ dukūlabandhena taḍitsukāñcyā / hārairanekairatha kaṇṭhaniṣkayajñopavītottaravāsasī ca

Mit juwelenbesetzten Fingerringen, mit den beiden Fußspangen, mit einem feinen Seidengewand, mit einem blitzgleich schönen Gürtel, mit vielen Halsketten, sodann mit dem Halsschmuck, der heiligen Schnur und dem oberen Gewand,

Wort für Wort
ratnāṅgulīyaiḥ atha nūpurābhyāṃ
mit juwelenbesetzten Fingerringen und den beiden Fußspangen
dukūlabandhena taḍitsukāñcyā
mit einem feinen Seidengewand, mit einem blitzgleich schönen Gürtel
hāraiḥ anekaiḥ atha kaṇṭhaniṣka-
mit vielen Halsketten, sodann mit dem Halsschmuck
yajñopavītottaravāsasī ca
und der heiligen Schnur sowie dem oberen Gewand

vilaṃbicañcanmaṇikuṇḍalena supuṣpadhaṃmillavareṇa caiva / pañcāṅgagandhasya vilepanena bāhvaṅgadaiḥ kaṅkaṇakāṅgulīyaiḥ

mit herabhängenden, funkelnden Juwelenohrringen und mit dem prächtigen, blumengeschmückten Haarknoten, mit der Salbe aus dem fünfteiligen Wohlgeruch, mit Armreifen an den Oberarmen, mit Handspangen und Fingerringen –

Wort für Wort
vilaṃbicañcanmaṇikuṇḍalena
mit herabhängenden, funkelnden Juwelenohrringen
supuṣpadhaṃmillavareṇa ca eva
und mit dem prächtigen, blumengeschmückten Haarknoten
pañcāṅgagandhasya vilepanena
mit der Salbe aus fünfteiligem Wohlgeruch
bāhvaṅgadaiḥ kaṅkaṇakāṅgulīyaiḥ
mit Armreifen, Handspangen und Fingerringen

atho vibhūṣitaḥ śivo niviṣṭa uttamāsane / svasaṃmukhaṃ hariṃ tathā nyaveśayadvarāsane

so geschmückt, nahm Śiva auf dem vortrefflichsten Sitz Platz; ihm gegenüber ließ er auch Hari auf einem ausgezeichneten Sitz Platz nehmen.

Wort für Wort
atho vibhūṣitaḥ śivo
so geschmückt, Śiva
niviṣṭa uttamāsane
nahm auf dem vortrefflichsten Sitz Platz
svasaṃmukhaṃ hariṃ tathā
ihm gegenüber auch Hari
nyaveśayat varāsane
ließ er auf einem ausgezeichneten Sitz Platz nehmen

devaśreṣṭhau harīśau tāvanyonyābhimukhasthitau / suvarṇabhājanasthānnaṃ dadau bhaktyā sa gautamaḥ

Den beiden vortrefflichsten Göttern, Hari und dem Herrn, die einander gegenüber saßen, reichte jener Gautama mit Hingabe Speise in goldenen Gefäßen.

Wort für Wort
devaśreṣṭhau harīśau
den beiden vortrefflichsten Göttern, Hari und dem Herrn
tau anyonyābhimukhasthitau
die einander gegenüber saßen
suvarṇabhājanastham annaṃ dadau
reichte er die in goldenen Gefäßen befindliche Speise
bhaktyā sa gautamaḥ
mit Hingabe, jener Gautama

triṃśatprabhedānbhakṣyāṃstu pāyasaṃ ca caturvidham / supakvaṃ pākajātaṃ ca kalpitaṃ yacchatadvayam

dreißig Arten von Speisen, und vierfach zubereiteten Milchreis, gut gekochte Gerichte, die zu zweihundert Sorten bereitet waren,

Wort für Wort
triṃśatprabhedān bhakṣyān tu
dreißig Arten von Speisen
pāyasaṃ ca caturvidham
und vierfachen Milchreis
supakvaṃ pākajātaṃ ca
gut gekochte Gerichte
kalpitaṃ yat śatadvayam
die zu zweihundert Sorten bereitet waren

apakkaṃ miśrakaṃ tadvattriṃśataṃ parikalpitam / śataṃ śataṃ sukandānāṃ śākānāṃ ca prakalpitam

ungekochte, gemischte Speisen, ebenso zu dreißig Sorten bereitet, je hundert an trefflichen Wurzeln und an Gemüsen zubereitet,

Wort für Wort
apakkaṃ miśrakaṃ tadvat
ungekochte, gemischte, ebenso
triṃśataṃ parikalpitam
zu dreißig Sorten bereitet
śataṃ śataṃ sukandānām
je hundert an trefflichen Wurzeln
śākānāṃ ca prakalpitam
und an Gemüsen zubereitet

pañcaviṃśatidhā sarpiḥsaṃskṛtaṃ vyañjanaṃ tathā / śarkarādyaṃ tathā cūtamocākharjūradāḍimam

fünfundzwanzigfach mit Ghee zubereitete Beigerichte, ebenso Zucker und dergleichen, Mango, Banane, Dattel, Granatapfel,

Wort für Wort
pañcaviṃśatidhā sarpiḥsaṃskṛtam
fünfundzwanzigfach mit Ghee zubereitet
vyañjanaṃ tathā
ebenso Beigerichte
śarkarādyaṃ tathā
und Zucker und dergleichen
cūtamocākharjūradāḍimam
Mango, Banane, Dattel, Granatapfel

drākṣekṣunāgaraṅgaṃ ca miṣṭaṃ pakvaṃ phalotkaram / priyālakrañjambuphalaṃ vikaṅkataphalaṃ tathā

Weintraube, Zuckerrohr, Zitrusfrucht, süßes, reifes Fruchtgehäuf, Priyāla-, Karañja- und Jambu-Frucht, ebenso die Frucht des Vikaṅkata-Baumes,

Wort für Wort
drākṣekṣunāgaraṅgaṃ ca
Weintraube, Zuckerrohr und Zitrusfrucht
miṣṭaṃ pakvaṃ phalotkaram
süßes, reifes Fruchtgehäuf
priyālakrañjambuphalaṃ
Priyāla-, Karañja- und Jambu-Frucht
vikaṅkataphalaṃ tathā
ebenso die Frucht des Vikaṅkata

evamādīni cānyāni dravyāṇīśe samarpya ca / dattvāpośānakaṃ vipro bhuñjadhvamiti cābravīt

und nachdem er solche und andere Dinge dem Herrn dargebracht und ihnen das Mundwasser gereicht hatte, sprach der Brahmane: „Speiset!“

Wort für Wort
evamādīni ca anyāni dravyāṇi
und solche und andere Dinge
īśe samarpya ca
dem Herrn dargebracht habend
dattvā apośānakaṃ vipro
nachdem der Brahmane das Mundwasser gereicht hatte
bhuñjadhvam iti ca abravīt
und sprach: „Speiset!“

bhuñjānaiṣu ca sarveṣu vyajanaṃ sūkṣmavistṛtam / gautamaḥ svayamādāya śivaviṣṇū avījayat

Während sie alle so speisten, nahm Gautama selbst einen feinen, weitausladenden Fächer und fächelte Śiva und Viṣṇu Kühlung zu.

Wort für Wort
bhuñjāneṣu ca sarveṣu
während sie alle so speisten
vyajanaṃ sūkṣmavistṛtam
einen feinen, weitausladenden Fächer
gautamaḥ svayam ādāya
Gautama selbst ergreifend
śivaviṣṇū avījayat
fächelte er Śiva und Viṣṇu Kühlung zu

parihāsamatho kartumiyeṣa parameśvaraḥ / paśya viṣṇo hanūmantaṃ kathaṃ bhuṅkte sa vānaraḥ

Da wünschte der Höchste Herr einen Scherz zu machen: „Sieh, Viṣṇu, wie jener Affe, Hanumān, isst!

Wort für Wort
parihāsam atho kartum
einen Scherz nun zu machen
iyeṣa parameśvaraḥ
wünschte der Höchste Herr
paśya viṣṇo hanūmantaṃ
sieh, Viṣṇu, Hanumān
kathaṃ bhuṅkte sa vānaraḥ
wie jener Affe isst

vānaraṃ paśyati harau maṇḍakaṃ viṣṇubhājane / cakṣepa munisaṃṣeṣu paśyatsvapi maheśvaraḥ

Während Hari den Affen betrachtete, warf der Große Herr einen Kuchen aus Viṣṇus Schale mitten unter die Munis, während alle zusahen.

Wort für Wort
vānaraṃ paśyati harau
während Hari den Affen betrachtete
maṇḍakaṃ viṣṇubhājane
einen Kuchen aus Viṣṇus Schale
cakṣepa munisaṃṣeṣu
warf er ihn inmitten der Munis
paśyatsu api maheśvaraḥ
während alle zusahen, der Große Herr

[?: „paśyatsvapi“ als „paśyatsu api“ (während alle zusahen) gelesen.]

hanūmate dattavāṃśca svocchiṣṭaṃ pāyasādikam / tvaducchiṣṭabhojyaṃ tu tavaiva vacanādvibho

und er gab Hanumān seine eigenen Speisereste, Milchreis und dergleichen: „Speise, die von dir übriggelassen wurde, nehme ich fürwahr auf dein eigenes Wort hin, o Herr,

Wort für Wort
hanūmate dattavān ca
und er gab Hanumān
svocchiṣṭaṃ pāyasādikam
seine eigenen Speisereste, Milchreis und dergleichen
tvaducchiṣṭabhojyaṃ tu
Speise aber, die von dir übriggelassen wurde
tava eva vacanāt vibho
auf dein eigenes Wort hin, o Herr

anarhaṃ mama naivedyaṃ patraṃ puṣpaṃ phalādikam / mahyaṃ nivedya sakalaṃ kūpa eva viniḥkṣipet

sonst wäre mir die Opferspeise unwürdig – Blatt, Blüte, Frucht und dergleichen, die mir dargebracht ist, müsste man sonst gänzlich in den Brunnen werfen.“

Wort für Wort
anarhaṃ mama naivedyam
sonst wäre mir die Opferspeise unwürdig
patraṃ puṣpaṃ phalādikam
Blatt, Blüte, Frucht und dergleichen
mahyaṃ nivedya sakalam
alles, was mir dargebracht ist
kūpa eva viniḥkṣipet
würde man sonst gänzlich in den Brunnen werfen

abhukte tvardvañco nūnaṃ bhukte cāpi kṛpā tava / bāṇaliṅge svayaṃbhūte candrakānte hṛdi sthite

Wird es nicht gegessen, so bleibt gewiss (eine Schuld); wird es aber gegessen, so ist dies auch Ausdruck deiner Gnade – beim selbstentstandenen Bāṇaliṅga, dem mondsteinernen, das im Herzen weilt,

Wort für Wort
abhukte tu ardhāṃśaḥ nūnam
wird es nicht gegessen, so bleibt gewiss [?]
bhukte ca api kṛpā tava
wird es aber gegessen, ist dies auch deine Gnade
bāṇaliṅge svayaṃbhūte
beim selbstentstandenen Bāṇaliṅga
candrakānte hṛdi sthite
dem mondsteinernen, das im Herzen weilt

[?: „tvardvañco“ ist unklar überliefert; der Sinn dieser Verszeile bleibt unsicher, wörtlich sinngemäß wiedergegeben.]

cāndrāyaṇa samaṃ jñeyaṃ śambhornaivedyabhakṣaṇam / bhuktiveleyamadhunā tadvairasyaṃ kathāntarāt

das Verzehren von Śambhus Opferspeise ist dem Cāndrāyaṇa-Fasten gleich zu erachten. Dies ist nun aber die Essenszeit – jene Strenge sei jetzt beiseitegelassen, ein andermal davon.“

Wort für Wort
cāndrāyaṇa samaṃ jñeyam
dem Cāndrāyaṇa-Fasten gleich zu erachten ist
śambhoḥ naivedyabhakṣaṇam
das Verzehren von Śambhus Opferspeise
bhuktivelā iyam adhunā
dies ist nun die Essenszeit
tadvairasyaṃ kathāntarāt
jene Strenge sei durch ein andermal (vertagt)

[?: Genauer Sinn von „kathāntarāt“ (‚durch ein anderes Gespräch/ein andermal‘) im Kontext unsicher.]

bhuktvā tu kakathayiṣyāmi nirviśaṅkaṃ vibhuṅkṣva tat / athāsau jalasaṃskāraṃ kṛtavān gautamo muniḥ

„Nachdem wir gegessen haben, werde ich es erzählen – iss es unbesorgt!“ Da vollzog jener Muni Gautama danach die Wasserzeremonie.

Wort für Wort
bhuktvā tu kathayiṣyāmi
nachdem wir gegessen haben, werde ich es erzählen
nirviśaṅkaṃ vibhuṅkṣva tat
iss es unbesorgt
atha asau jalasaṃskāraṃ kṛtavān
da vollzog jener danach die Wasserzeremonie
gautamo muniḥ
der Muni Gautama

āraktasusnigandhasusūkṣmagātrānanekadhādhautasuśobhitāṅgān / taḍāgatoyaiḥ katabījagharṣitairviśaudhitaistaiḥ karakānapūrayat

Mit dem Wasser des Teiches, das mit Kaṭaka-Samen gerieben und dadurch geklärt war, füllte er die Wasserkrüge, deren Glieder rötlich, duftend, überaus fein und vielfach gewaschen und geschmückt waren,

Wort für Wort
āraktasusnigandhasusūkṣmagātrān
mit rötlichen, wohlriechenden, überaus feinen Gliedern
anekadhādhautasuśobhitāṅgān
vielfach gewaschenen, geschmückten Gliedern
taḍāgatoyaiḥ kaṭabījagharṣitaiḥ
mit dem Teichwasser, das mit Kaṭaka-Samen gerieben war
viśuddhitaiḥ taiḥ karakān apūrayat
damit geklärt, füllte er die Wasserkrüge

nadyāḥ saikatavedikāṃ navatarāṃ saṃchādya sūkṣmāṃbaraiḥ,śuddhvaiḥ śvetatarairathopari ghaṭāṃstoyena pūrṇānkṣipet / liptvā nālakajātimāstapuṭakaṃ tatkaulakaṃ kārikācūrṇaṃ candanacandraraśmiviśadāṃ mālāṃ puṭāntaṃ kṣipet / yāmasyāpi punaśca vārivasanenāśodhya kumbhena tañcandpranthimatho nidhāya bakulaṃ kṣiptvā tathā pāṭalam

Nachdem er den frisch angelegten Sandaltar am Flussufer mit feinen, reinen, überaus weißen Tüchern bedeckt hatte, stellte er darauf die mit Wasser gefüllten Krüge; nachdem er sie mit Lotusstängel-Paste bestrichen hatte, legte er ein Blütenbüschel, das dazugehörige Räucherpulver, sowie mit Sandel einen mondlichtweiß strahlenden Blütenkranz bis an den Rand des Gebindes; und nachdem er das Wasser noch einmal mit einem wassergefüllten Tuch über dem Krug gereinigt hatte, legte er sodann Bakula- und ebenso Pāṭala-Blüten hinzu.

Wort für Wort
nadyāḥ saikatavedikāṃ navatarām
den frisch angelegten Sandaltar am Flussufer
saṃchādya sūkṣmāṃbaraiḥ śuddhvaiḥ śvetatarais
mit feinen, reinen, überaus weißen Tüchern bedeckend
atha upari ghaṭān toyena pūrṇān kṣipet
dann setze er darauf die mit Wasser gefüllten Krüge
liptvā nālakajātimāḥ tatpuṭakaṃ kārikācūrṇam
mit Lotusstängel-Paste bestrichen, das Büschel, das Räucherpulver [?]
candanacandraraśmiviśadāṃ mālāṃ puṭāntaṃ kṣipet
lege er einen mondlichtweißen Sandelkranz bis an den Rand
yāmasya api punaḥ ca vārivasanena aśodhya kumbhena
und noch einmal mit einem wassergefüllten Tuch über dem Krug reinigend [?]
tat nidhāya bakulaṃ kṣiptvā tathā pāṭalam
danach niederlegend, Bakula- und ebenso Pāṭala-Blüten streuend

[?: V. 163 ist im überlieferten Text stark verderbt (u. a. „nālakajātimāstapuṭakaṃ“, „kārikācūrṇaṃ“, „tañcandpranthimatho“); die Übersetzung gibt nur den ungefähren Sinn der rituellen Vorbereitung des Badeplatzes wieder.]

śephaālīstabakamatho jalaṃ ca tatra,vinyasya prathamata eva toyaśuddhim / kṛtvātho mṛdutaraṃ sūkṣmavastrakhaṇḍenāveṣṭetsṛṇikamukhaṃ ca sūkṣmacandram

und ferner ein Büschel Śepha-Blüten und Wasser dort hineinlegend, nachdem er zuallererst die Reinigung des Wassers vorgenommen hatte, umhülle man danach mit einem sehr weichen, feinen Tuchstück die Öffnung des Kruges und lege einen feinen Sichelmond dazu.

Wort für Wort
śephaālīstabakam atho jalaṃ ca tatra vinyasya
und ferner ein Büschel Śepha-Blüten und Wasser dort hineinlegend
prathamataḥ eva toyaśuddhim kṛtvā
nachdem zuerst die Reinigung des Wassers vollzogen war
atho mṛdutaraṃ sūkṣmavastrakhaṇḍena
dann mit einem sehr weichen, feinen Tuchstück
āveṣṭet sṛṇikamukhaṃ ca sūkṣmacandram
umhülle man die Kruggöffnung und den feinen Sichelmond [?]

[?: „śephaālī“ unklar (evtl. eine Blütenart); „sṛṇikamukham“ und „sūkṣmacandram“ ebenfalls unsicher, wörtlich als ‚Öffnung des Kruges‘ bzw. ‚feiner Mond(sichel)‘ übersetzt.]

anātapapradeśe tu nidhāya karakānatha / mandavātasamopete sūkṣmavyajanavījete

An einem schattigen, sonnenfreien Ort aber stelle man die Wasserkrüge auf, an einem Ort mit sanftem Luftzug, wo mit einem feinen Fächer gefächelt wird,

Wort für Wort
anātapapradeśe tu
an einem schattigen, sonnenfreien Ort aber
nidhāya karakān atha
die Wasserkrüge aufstellend
mandavātasamopete
an einem Ort mit sanftem Luftzug versehen
sūkṣmavyajanavījete
wo mit einem feinen Fächer gefächelt wird

siṃcecchītairjalaiścāpi vāsitaiḥ sṛṇikāmapi / saṃskṛtāḥ svāyatāstatra narā nāryo 'thavā nṛpāḥ

und benetze auch den Krug mit kühlem, parfümiertem Wasser; dort mögen wohlbereitete, sich selbst beherrschende Männer, Frauen oder Könige (das Bad vollziehen) –

Wort für Wort
siñcet śītaiḥ jalaiḥ ca api vāsitaiḥ
man besprenge mit kühlem, auch parfümiertem Wasser
sṛṇikām api
auch den Krug
saṃskṛtāḥ svāyatāḥ tatra
dort geweihte, sich selbst beherrschende
narā nāryo 'thavā nṛpāḥ
Männer, Frauen oder Könige

tatkanyā vā kṣālitāṅgā dhautapādāḥsuvāsasaḥ / madhurpigamaniryāsamasāṃdramagurūdbhavam

oder deren Töchter, mit gewaschenen Gliedern, gereinigten Füßen, schön gekleidet – mit dem süßen Piyaṅga-Harz, nicht dickflüssig, aus Aloeholz stammend,

Wort für Wort
tatkanyā vā kṣālitāṅgā
oder deren Töchter, mit gewaschenen Gliedern
dhautapādāḥ suvāsasaḥ
mit gereinigten Füßen, schön gekleidet
madhu-piyaṅga-niryāsam
mit dem süßen Piyaṅga-Harz [?]
asāṃdram agurūdbhavam
nicht dickflüssig, aus Aloeholz stammend

[?: „madhurpigamaniryāsam“ ist unklar überliefert; probeweise als Bezeichnung eines Harzes/Duftstoffs („süßes Piyaṅga-Harz“) gedeutet.]

bāhumūle ca kaṇṭhe ca vilipyāsāṃdrameva ca / mastake jāpakaṃ nyasya pañcagandhavilepanam

an der Schulterwurzel und am Hals eingerieben, ebenso ganz dünnflüssig; auf das Haupt lege man den Japa-Schmuck und die Salbe des fünffachen Wohlgeruchs,

Wort für Wort
bāhumūle ca kaṇṭhe ca
an der Schulterwurzel und am Hals
vilipya asāṃdram eva ca
eingerieben, ganz dünnflüssig
mastake jāpakaṃ nyasya
auf das Haupt den Japa-Schmuck legend
pañcagandhavilepanam
die Salbe des fünffachen Wohlgeruchs

puṣpanaddhvasukeśāstu tāḥ śubhāḥ syuḥ sunirmalāḥ / evamevārcitā nārya āptakuṅkumavigrahāḥ

mit Blumen gebundenem, schönem Haar – diese heilvollen Frauen mögen ganz makellos sein; ebenso geschmückte Frauen, deren Leiber mit Kuṅkuma versehen sind,

Wort für Wort
puṣpanaddhvasukeśāḥ tu
mit Blumen gebundenem, schönem Haar
tāḥ śubhāḥ syuḥ sunirmalāḥ
diese heilvollen Frauen mögen ganz makellos sein
evam eva arcitā nārya
ebenso geschmückte Frauen
āptakuṅkumavigrahāḥ
deren Leiber mit Kuṅkuma versehen sind

yuvatyaścārusarvāṅgyo nitarāṃ bhūṣaṇairapi / etādṛgvanitābhirvā narairvā dāpayejjalam

junge Frauen, an allen Gliedern schön, überaus auch mit Schmuckstücken geschmückt – von solchen Frauen oder von Männern lasse man das Wasser darreichen.

Wort für Wort
yuvatyaḥ cārusarvāṅgyo
junge Frauen, an allen Gliedern schön
nitarāṃ bhūṣaṇaiḥ api
überaus auch mit Schmuckstücken geschmückt
etādṛg vanitābhiḥ vā naraiḥ vā
von solchen Frauen oder von Männern
dāpayet jalam
lasse man das Wasser darreichen

te 'pi prādānasamaye sūkṣmavastrālpaveṣṭanam / athavāmakare nyasya karakaṃ prekṣya tatra hi

Diese aber sollen zur Zeit des Darreichens mit feinem Tuch leicht die Hand umwickelt haben; oder, den Wasserkrug in der linken Hand haltend und dorthin blickend,

Wort für Wort
te api prādānasamaye
diese aber zur Zeit des Darreichens
sūkṣmavastrālpaveṣṭanam
mit feinem Tuch leicht umwickelt (die Hand)
athavā vāmakare nyasya karakam
oder den Wasserkrug in die linke Hand nehmend
prekṣya tatra hi
und dorthin blickend

dorikānyastamunmucya tatastoyaṃ pradāpayet / evaṃ sa kārayāmāsa gautamo bhagavānmuniḥ

löse man die daran angelegte Schnur und lasse danach das Wasser darreichen. So ließ jener erhabene Muni Gautama es vollziehen.

Wort für Wort
dorikānyastam unmucya
die daran angelegte Schnur lösend
tataḥ toyaṃ pradāpayet
und danach das Wasser darreichen lasse
evaṃ sa kārayāmāsa
so ließ er es vollziehen
gautamo bhagavān muniḥ
der erhabene Muni Gautama

maheśādiṣu sarveṣu bhuktavatsu mahātmasu / prakṣālitāṅghrihasteṣu gandhodvartitapāṇiṣu

Als der Große Herr und alle die anderen hochbeseelten Wesen gegessen hatten, als ihre Füße und Hände gewaschen und die Hände mit duftender Salbe eingerieben waren,

Wort für Wort
maheśādiṣu sarveṣu bhuktavatsu mahātmasu
als der Große Herr und alle hochbeseelten Wesen gegessen hatten
prakṣālitāṅghrihasteṣu
als ihre Füße und Hände gewaschen waren
gandhodvartitapāṇiṣu
als ihre Hände mit duftender Salbe eingerieben waren

uñcāsanasamāsīne devadeve maheśvare / atha nīcasamāsīnādevāḥ sarṣigaṇāstathā

während der Gott der Götter, der Große Herr, auf einem hohen Sitz Platz genommen hatte, saßen die Götter samt der Schar der Weisen auf niedrigeren Sitzen.

Wort für Wort
uñcāsanasamāsīne devadeve maheśvare
während der Gott der Götter, der Große Herr, auf einem hohen Sitz saß
atha nīcasamāsīnā devāḥ
da, auf niedrigem Sitz sitzend, die Götter
sarṣigaṇāḥ tathā
samt der Schar der Weisen

maṇipātreṣu saṃveṣṭtha pūgakhaṇḍānsudhūpitān / akoṇānvartulānsthūlānasūkṣmānakṛśānapi

In juwelenbesetzten Schalen aufgehäuft: wohlgeräucherte Arekanussstücke, kantenlos, rund, dick, weder dünn noch mager,

Wort für Wort
maṇipātreṣu saṃveṣṭya
in juwelenbesetzten Schalen aufgehäuft
pūgakhaṇḍān sudhūpitān
wohlgeräucherte Arekanussstücke
akoṇān vartulān sthūlān
kantenlos, rund, dick
asūkṣmān akṛśān api
weder dünn noch mager

śvetapatrāṇi saṃśodhya kṣiptvā karpūrakhaṇḍakam / cūrṇaṃ ca śaṅkarāyātha nivedayati gautame

nachdem er weiße Blätter gereinigt und ein Kampferstück sowie Kalkpulver hineingelegt hatte, brachte Gautama dies Śaṅkara dar.

Wort für Wort
śvetapatrāṇi saṃśodhya
nachdem er weiße Blätter gereinigt hatte
kṣiptvā karpūrakhaṇḍakam
ein Kampferstück hineinlegend
cūrṇaṃ ca
und Kalkpulver
śaṅkarāya atha nivedayati gautame
brachte Gautama dies sodann Śaṅkara dar

gṛhāṇa deva tāṃbūlamityuktavacane munau / kape gṛhāṇa tāṃbūlaṃ prayaccha mama khaṇḍakān

„Nimm, o Gott, den Betel!“ – als der Muni dies gesprochen hatte, sprach Śiva: „Affe, nimm den Betel, gib mir die Areka-Stücke!“

Wort für Wort
gṛhāṇa deva tāṃbūlam
nimm, o Gott, den Betel
iti uktavacane munau
als der Muni dies gesprochen hatte
kape gṛhāṇa tāṃbūlam
Affe, nimm den Betel
prayaccha mama khaṇḍakān
gib mir die Areka-Stücke

uvāca vānaro nāsti mama śuddhirmaheśvara / anekaphalabhoktṛātvādvānarastu kathaṃ śuciḥ

Der Affe sprach: „Ich bin nicht rein, o Großer Herr; da ich vielerlei Früchte esse, wie sollte ein Affe rein sein?“

Wort für Wort
uvāca vānaro
der Affe sprach
nāsti mama śuddhiḥ maheśvara
ich habe keine Reinheit, o Großer Herr
anekaphalabhoktṛtvāt
weil ich vielerlei Früchte esse
vānaraḥ tu kathaṃ śuciḥ
wie sollte denn ein Affe rein sein

tacchrutvā tu virūpākṣāḥ prāha vānarasattamam / madvākyādakhilaṃ śuddhyenmadvākyādamṛtaṃ viṣam

Als der Ungestaltäugige dies vernommen hatte, sprach er zum Vortrefflichsten der Affen: „Durch mein Wort wird alles rein, durch mein Wort wird Gift zu Nektar.

Wort für Wort
tat śrutvā tu virūpākṣaḥ
als der Ungestaltäugige dies vernommen hatte
prāha vānarasattamam
sprach er zum Vortrefflichsten der Affen
madvākyāt akhilaṃ śuddhyet
durch mein Wort wird alles rein
madvākyāt amṛtaṃ viṣam
durch mein Wort wird Gift zu Nektar

madvākyādakhilā vedā madvākyāddevatādayaḥ / madvāṅkyāddhvarmavijñānaṃ madvākyānmokṣa ucyate

Durch mein Wort bestehen alle Veden, durch mein Wort die Götter und die anderen; durch mein Wort entsteht die Erkenntnis des Dharma, durch mein Wort wird die Erlösung verkündet.

Wort für Wort
madvākyāt akhilā vedāḥ
durch mein Wort bestehen alle Veden
madvākyāt devatādayaḥ
durch mein Wort die Götter und die anderen
madvākyāt dharmavijñānam
durch mein Wort die Erkenntnis des Dharma
madvākyāt mokṣa ucyate
durch mein Wort wird die Erlösung verkündet

purāṇānyāgamāścaiva smṛtayo mama vākyataḥ / ato gṛhāṇa tāṃbūlaṃ mama dehi sukhaṇḍakān

Die Purāṇas und ebenso die Āgamas, die Smṛtis – (sie bestehen) durch mein Wort. Darum nimm den Betel, gib mir die trefflichen Stücke!“

Wort für Wort
purāṇāni āgamāḥ ca eva
die Purāṇas und ebenso die Āgamas
smṛtayo mama vākyataḥ
die Smṛtis, durch mein Wort
ato gṛhāṇa tāṃbūlam
darum nimm den Betel
mama dehi sukhaṇḍakān
gib mir die trefflichen Stücke

harirvāmakareṇādhāttāṃbūlaṃ pūgakhaṇḍakam / tatataḥ patrāṇi saṃgṛhya tasmai khaṇḍānsamarpayat

Hari nahm mit der linken Hand den Betel, das Areka-Stück; danach, nachdem er die Blätter genommen hatte, reichte er ihm die Stücke dar.

Wort für Wort
hariḥ vāmakareṇa ādhāt
Hari nahm mit der linken Hand
tāṃbūlaṃ pūgakhaṇḍakam
den Betel, das Areka-Stück
tataḥ patrāṇi saṃgṛhya
danach, die Blätter genommen habend
tasmai khaṇḍān samarpayat
reichte er ihm die Stücke dar

karpūramagrato dattaṃ gṛhītvābhakṣayacchivaḥ / deve tu kṛtatāṃbūle pārvatī mandarācalāt

Śiva nahm den zuvor gereichten Kampfer und verzehrte ihn. Als der Gott so den Betel genommen hatte, kam Pārvatī vom Berg Mandara,

Wort für Wort
karpūram agrato dattam
den zuvor gereichten Kampfer
gṛhītvā abhakṣayat śivaḥ
nahm Śiva und verzehrte ihn
deve tu kṛtatāṃbūle
als der Gott so den Betel genommen hatte
pārvatī mandarācalāt
kam Pārvatī vom Berg Mandara

jayāvijayayorhastaṃ gṛhītvāyānmunergṛham / devapādau tato natvā vinamravadanābhavat

die Hand von Jayā und Vijayā haltend, zum Hause des Muni; nachdem sie sich vor den Füßen des Gottes verneigt hatte, ward sie demütig gesenkten Antlitzes.

Wort für Wort
jayāvijayayoḥ hastaṃ gṛhītvā
die Hand von Jayā und Vijayā haltend
āyāt muneḥ gṛham
kam sie zum Hause des Muni
devapādau tato natvā
nachdem sie sich vor den Füßen des Gottes verneigt hatte
vinamravadanā abhavat
ward sie demütig gesenkten Antlitzes

unnamayya mukhi tasyā idamāha trilocanaḥ / tvadarthaṃ devadeveśi aparādhaḥ kṛto mayā

Der Dreiäugige hob ihr Antlitz empor und sprach dies: „Deinetwegen, o Herrin der Götter, habe ich ein Vergehen begangen –

Wort für Wort
unnamayya mukhaṃ tasyāḥ
ihr Antlitz emporhebend
idam āha trilocanaḥ
sprach der Dreiäugige dies
tvadarthaṃ devadeveśi
deinetwegen, o Herrin der Götter
aparādhaḥ kṛto mayā
ein Vergehen wurde von mir begangen

yattvāṃ vihāya bhuktaṃ hi tathānyacchṛṇu suṃdari / yattvāṃ svamandire tyaktvā mahadeno mayā kṛtam

dass ich, dich übergehend, gegessen habe; und höre noch ein anderes, du Schöne: dass ich, dich in deinem eigenen Gemach zurücklassend, eine große Verfehlung begangen habe.

Wort für Wort
yat tvāṃ vihāya bhuktaṃ hi
dass ich, dich übergehend, gegessen habe
tathā anyat śṛṇu sundari
und höre ein anderes, du Schöne
yat tvāṃ svamandire tyaktvā
dass ich, dich in deinem eigenen Gemach zurücklassend
mahat enaḥ mayā kṛtam
eine große Verfehlung von mir begangen wurde

kṣantumarhasi deveśi tyaktakopā vilokaya / na babhāṣe 'pyevamuktā sārundhatyā viniryayau

Du sollst mir vergeben, o Herrin der Götter; sieh mich ohne Zorn an.“ Obgleich so angesprochen, sprach sie nicht; zusammen mit Arundhatī ging sie hinaus.

Wort für Wort
kṣantum arhasi deveśi
du sollst mir vergeben, o Herrin der Götter
tyaktakopā vilokaya
sieh mich ohne Zorn an
na babhāṣe api evam uktā
obgleich so angesprochen, sprach sie nicht
sā arundhatyā viniryayau
sie ging mit Arundhatī hinaus

nirgacchantīṃ munirjñātvā daṇḍavatpraṇanāma ha / athovāca śivā taṃ cagautama tvaṃ kimicchasi

Als der Muni bemerkte, dass sie hinausging, warf er sich fürwahr wie ein Stab zu Boden und verneigte sich; da sprach Śivā zu ihm: „Gautama, was wünschst du?“

Wort für Wort
nirgacchantīṃ muniḥ jñātvā
als der Muni bemerkte, dass sie hinausging
daṇḍavat praṇanāma ha
warf er sich fürwahr wie ein Stab nieder
atha uvāca śivā taṃ ca
da sprach Śivā (Pārvatī) zu ihm
gautama tvaṃ kim icchasi
Gautama, was wünschst du

athāha gautamo devīṃ pārvatīṃ prekṣya sasmitām / kṛtakṛtyo bhaveyaṃ vai bhuktāyāṃ madgṛhe tvayi

Da sprach Gautama, als er die lächelnde Göttin Pārvatī erblickte: „Erfüllt aller Wünsche wäre ich fürwahr, wenn du in meinem Hause gespeist hättest.“

Wort für Wort
atha āha gautamo devīṃ pārvatīṃ
da sprach Gautama zur Göttin Pārvatī
prekṣya sasmitām
als er sie lächelnd erblickte
kṛtakṛtyo bhaveyaṃ vai
erfüllt meiner Wünsche wäre ich fürwahr
bhuktāyāṃ madgṛhe tvayi
wenn du in meinem Hause gespeist hättest

tataḥ prāha śivā vipraṃ gautamaṃ racitāñjalim / bhokṣyāmi tvadgṛhe vipra śaṅkarānumatena vai

Da sprach Śivā zum Brahmanen Gautama, der die Hände gefaltet hatte: „Ich werde in deinem Hause speisen, o Brahmane, fürwahr mit Śaṅkaras Erlaubnis.“

Wort für Wort
tataḥ prāha śivā vipraṃ gautamaṃ
da sprach Śivā zum Brahmanen Gautama
racitāñjalim
der die Hände gefaltet hatte
bhokṣyāmi tvadgṛhe vipra
ich werde in deinem Haus speisen, o Brahmane
śaṅkarānumatena vai
fürwahr mit Śaṅkaras Erlaubnis

atha gatvā śivaṃ viṃśe labdhānujñastvarāgataḥ / bhojayāmāsa girijāṃ devīṃ cārundhatīṃ tathā

Da ging er zu Śiva, trug sein Anliegen vor, und kam, nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, eilends zurück; er speiste die Bergestochter, die Göttin, und ebenso Arundhatī.

Wort für Wort
atha gatvā śivaṃ vijñapya
da ging er zu Śiva und trug es vor
labdhānujñaḥ tvarā āgataḥ
nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, kam er eilends
bhojayāmāsa girijāṃ devīṃ
er speiste die Bergestochter, die Göttin
ca arundhatīṃ tathā
und ebenso Arundhatī

[?: „viṃśe“ ist unklar überliefert; probeweise als „vijñapya“ (nachdem er es vorgetragen hatte) gedeutet.]

bhuktvātha pārvatī sarvagandhapuṣpādyalaṅkṛtā / sahānu carakanyābhiḥ sahasrābhirharaṃ yayau

Nachdem sie gespeist hatte, ging Pārvatī, mit allerlei Duftstoffen und Blumen geschmückt, zusammen mit tausend Gefährtinnen zu Hara.

Wort für Wort
bhuktvā atha pārvatī
nachdem Pārvatī gespeist hatte
sarvagandhapuṣpādyalaṅkṛtā
mit allerlei Duftstoffen, Blumen usw. geschmückt
saha anucarakanyābhiḥ sahasrābhiḥ
zusammen mit tausend Gefährtinnen
haraṃ yayau
ging sie zu Hara

athāhar śakaro devī gaccha gautamamandiram / saṃdhyopāstimahaṃ kṛtvā hyāgamiṣye tavāntikam

Da sprach Śaṅkara: „Geh, o Göttin, zum Haus Gautamas; nachdem ich die Abendandacht vollzogen habe, werde ich fürwahr zu dir kommen.“

Wort für Wort
atha āha śaṅkaro devī
da sprach Śaṅkara, o Göttin
gaccha gautamamandiram
geh zum Haus Gautamas
saṃdhyopāstim ahaṃ kṛtvā
nachdem ich die Abendandacht vollzogen habe
hi āgamiṣye tava antikam
werde ich fürwahr zu dir kommen

ityuktvā prayayau devī gautamasyaiva madiram / saṃdhyāvadanakāmāstu sarva eva vinirgatāḥ

So angesprochen, ging die Göttin zum Haus Gautamas selbst; alle aber, die die Abendandacht verrichten wollten, zogen aus.

Wort für Wort
ityuktvā prayayau devī
so angesprochen, ging die Göttin
gautamasya eva mandiram
zum Haus Gautamas selbst
saṃdhyāvadanakāmāḥ tu
die aber die Abendandacht verrichten wollten
sarve eva vinirgatāḥ
alle zogen aus

kṛtasaṃdhyāstaḍāge tu maheśādyāśca kṛtsnaśaḥ / athottaramukhaḥ śaṃbhurnyāsa kṛtvā jajāpa ha

Nachdem der Große Herr und die anderen allesamt am Teich die Abendandacht vollzogen hatten, vollzog Śambhu, nach Norden gewandt, die rituelle Niederlegung (Nyāsa) und murmelte fürwahr den Mantra.

Wort für Wort
kṛtasaṃdhyāḥ taḍāge tu
nachdem sie am Teich die Abendandacht vollzogen hatten
maheśādyāḥ ca kṛtsnaśaḥ
der Große Herr und die anderen, allesamt
atha uttaramukhaḥ śaṃbhuḥ
dann, nach Norden gewandt, Śambhu
nyāsaṃ kṛtvā jajāpa ha
vollzog er die Niederlegung und murmelte fürwahr

atha viṣṇurmahātejā maheśamidamabravīt / sarvairnamasyate yastu sarvaireva samarcyate

Da sprach der hochglänzende Viṣṇu zum Großen Herrn dies: „Der, dem von allen Verehrung erwiesen wird, der von allen verehrt wird –

Wort für Wort
atha viṣṇuḥ mahātejā
da sprach Viṣṇu, von großem Glanz
maheśam idam abravīt
zum Großen Herrn dies
sarvaiḥ namasyate yaḥ tu
der, dem von allen Verehrung erwiesen wird
sarvaiḥ eva samarcyate
der von allen verehrt wird

hūyataṃ sarvayajñeṣu sa bhavānkiṃ japiṣyati / racitāñjalayaḥ sarve tvāmevaikamupāsite

dem in allen Opfern geopfert wird – was solltest du selbst murmeln? Alle verehren, mit gefalteten Händen, einzig und allein dich!“

Wort für Wort
hūyataṃ sarvayajñeṣu
dem in allen Opfern geopfert wird
sa bhavān kiṃ japiṣyati
was solltest du selbst murmeln
racitāñjalayaḥ sarve
alle mit gefalteten Händen
tvām eva ekam upāsate
verehren einzig und allein dich

sa bhavāndevadeveśaḥ kasmai viracitāñjaliḥ / namaskārādipuṇyānāṃ phaladastvaṃ maheśvarara

Du selbst bist der Gott der Götterherrscher – wem gegenüber sollte dein Handefalten geschehen? Du bist der Gewährer der Frucht der Verdienste, die durch Verneigung und dergleichen erlangt werden, o Großer Herr!

Wort für Wort
sa bhavān devadeveśaḥ
du selbst bist der Gott der Götterherrscher
kasmai viracitāñjaliḥ
wem gegenüber sollte das Handefalten geschehen
namaskārādipuṇyānāṃ phaladaḥ tvam
der Gewährer der Frucht der Verdienste durch Verneigung u. a. bist du
maheśvara
o Großer Herr

tava kaḥ phalado vandyaḥ ko vā tvatto 'dhiko vada / tacchrutvā śaṅkaraḥ prāha devadevaṃ janārdanam

Wer ist der Verehrungswürdige, der dir die Frucht gewährt, oder wer ist höher als du – sag es!“ Als Śaṅkara dies vernommen hatte, sprach er zum Gott der Götter, Janārdana:

Wort für Wort
tava kaḥ phalado vandyaḥ
wer ist der verehrungswürdige Frucht-Gewährer für dich
ko vā tvattaḥ adhiko vada
oder wer ist höher als du – sag es
tat śrutvā śaṅkaraḥ prāha
als Śaṅkara dies vernommen hatte, sprach er
devadevaṃ janārdanam
zum Gott der Götter, Janārdana

dhyāye na kiñcidgovindanamasye ha na kiñcana / kintu nāstikajantūnāṃ pravṛttyarthamidaṃ mayā

„Ich meditiere über nichts, Govinda, ich verneige mich fürwahr vor nichts; sondern zum Zweck, den ungläubigen Geschöpfen rechtes Verhalten vorzuleben, tue ich dies –

Wort für Wort
dhyāye na kiñcit govinda
ich meditiere über nichts, Govinda
namasye ha na kiñcana
ich verneige mich fürwahr vor nichts
kintu nāstikajantūnām
sondern für die ungläubigen Geschöpfe
pravṛttyartham idaṃ mayā
zum Zweck rechten Verhaltens tue ich dies

darśanīyaṃ hare caitadanyathā pāpakāriṇaḥ / tasmāllokopakārārthamidaṃ sarvaṃ kṛtaṃ mayā

dies ist zu zeigen, o Hari; andernfalls wären sie Sünder. Darum habe ich all dies zum Nutzen der Welt getan.“

Wort für Wort
darśanīyaṃ hare ca etat
dies ist zu zeigen, o Hari
anyathā pāpakāriṇaḥ
andernfalls wären sie Sünder
tasmāt lokopakārārtham
darum zum Nutzen der Welt
idaṃ sarvaṃ kṛtaṃ mayā
habe ich all dies getan

omityuktvā hariratha taṃ natvā samatiṣṭata / atha te gautamagṛhaṃ prāptā devarṣayastadā

„Om“ sprechend, verneigte sich Hari darauf vor ihm und blieb stehen. Da waren die Götter und Weisen zum Hause Gautamas gelangt.

Wort für Wort
om iti uktvā hariḥ atha
„Om“ sprechend, Hari darauf
taṃ natvā samatiṣṭhata
sich vor ihm verneigend, blieb er stehen
atha te gautamagṛhaṃ prāptāḥ
da waren sie zum Haus Gautamas gelangt
devarṣayaḥ tadā
die Götter und Weisen, damals

sarve pūjāmatho cakrurdevadevāya śūline / devo hanūmatā sārddhvaṃ gāyannāste munīśvara

Alle vollzogen dann Verehrung für den Gott der Götter, den Dreizackträger; der Gott verweilte, zusammen mit Hanumān, singend, o Herr der Weisen.

Wort für Wort
sarve pūjām atho cakruḥ
alle vollzogen dann Verehrung
devadevāya śūline
für den Gott der Götter, den Dreizackträger
devo hanūmatā sārdhaṃ
der Gott, zusammen mit Hanumān
gāyan āste munīśvara
verweilte singend, o Herr der Weisen

pañcākṣarīṃ mahāvidyāṃ sarve eva tadājapan / hanumatkaramālaṃbya devābhyāṃ saṃgato haraḥ

Alle murmelten damals die Fünfsilben-Großweisheit; Hara, die Hand Hanumāns haltend, war mit den beiden Göttern vereint.

Wort für Wort
pañcākṣarīṃ mahāvidyāṃ
die Fünfsilben-Großweisheit
sarve eva tadā japan
alle murmelten damals
hanumatkaramālaṃbya
Hanumāns Hand haltend
devābhyāṃ saṃgato haraḥ
war Hara mit den beiden Göttern vereint

ekaśayyāsamāṃsīnau tāvubhau devadaṃpatī / gāyannāste ca hanumāṃstuṃburupramukhāstathā

Auf einem Lager zusammen saßen die beiden, das göttliche Paar; und Hanumān verweilte singend, ebenso Tumburu und die anderen voran.

Wort für Wort
ekaśayyāsamāsīnau
auf einem Lager zusammen sitzend
tau ubhau devadaṃpatī
die beiden, das göttliche Paar
gāyan āste ca hanumān
und Hanumān verweilte singend
tuṃburupramukhāḥ tathā
ebenso Tumburu und die anderen voran

nānāvidhavilāsāṃśca cakāra parameśvaraḥ / āhūya pārvatīmīśa idaṃ vākyamuvāca ha

Und der Höchste Herr vollführte mancherlei Liebesspiele; der Herr rief Pārvatī herbei und sprach fürwahr dieses Wort:

Wort für Wort
nānāvidhavilāsān ca
und mancherlei Liebesspiele
cakāra parameśvaraḥ
vollführte der Höchste Herr
āhūya pārvatīm īśa
Pārvatī herbeirufend, der Herr
idaṃ vākyam uvāca ha
sprach fürwahr dieses Wort

racayiṣyāmi dhaṃmillamehi matpurataḥ śubhe / devyāha na ca yuktaṃ tadbharttrā śuśrūṣaṇaṃ striyaḥ

„Ich werde dir den Haarknoten flechten – komm vor mich, du Holde!“ Die Göttin sprach: „Das schickt sich nicht, dass der Gatte der Gattin solchen Dienst erweist –

Wort für Wort
racayiṣyāmi dhaṃmillam
ich werde den Haarknoten flechten
ehi matpurataḥ śubhe
komm vor mich, du Holde
devī āha na ca yuktam
die Göttin sprach: das schickt sich nicht
tat bhartrā śuśrūṣaṇaṃ striyaḥ
dass der Gatte der Frau solchen Dienst erweist

keśaprasādhanakṛtāvanarthāntaramāpatet / keśaprasādhane deva tattvaṃ sarvaṃ na cepsitam

Beim Herrichten der Haare könnte ein anderes Missgeschick eintreten. Beim Herrichten der Haare, o Gott, ist die ganze Sache nicht wünschenswert für dich zu tun.“

Wort für Wort
keśaprasādhanakṛtau
beim Vollzug des Haarerichtens
anarthāntaram āpatet
könnte ein anderes Missgeschick eintreten
keśaprasādhane deva
beim Haarerichten, o Gott
tattvaṃ sarvaṃ na ca īpsitam
ist die ganze Sache nicht wünschenswert für dich

[?: Sinn von „tattvaṃ sarvaṃ na cepsitam“ knapp formuliert; sinngemäß übersetzt.]

atha bandhekṛte paścādaṃsaprāntapramārjanam / tataścaramasaṃlagna keśapuṣpādimārjanam

Nach dem Binden der Haare aber sodann das Abstreifen am Rand der Schulter; danach das Entfernen der an der Kleidung haftenden Haare, Blüten und dergleichen –

Wort für Wort
atha bandhe kṛte
nach dem Vollzug des Bindens
paścāt aṃsaprāntapramārjanam
danach das Abstreifen am Schulterrand
tataḥ caramasaṃlagna-
danach das an der Kleidung Haftende
keśapuṣpādimārjanam
das Entfernen von Haaren, Blüten und dergleichen

etasminvartamāne tu mahātmāno yadāgaman / tadā kimuttaraṃ vācyaṃ tava devādivandita

während dies aber vor sich ginge, wenn nun die hochbeseelten Weisen kämen – was für eine Antwort wäre dann zu geben, du von Göttern und anderen Verehrter?“

Wort für Wort
etasmin vartamāne tu
während dies aber vor sich ging
mahātmāno yadā āgaman
wenn die hochbeseelten Weisen kämen
tadā kim uttaraṃ vācyam
was wäre dann als Antwort zu sagen
tava devādivandita
du, von Göttern und anderen Verehrter

nāyānti cedatha vibho bhītirnāśamupaiṣyati / evaṃ hi bhāṣamāṇāṃ tāṃ kareṇākṛṣya śaṅkaraḥ

Und wenn sie nicht kämen, o Herr, würde die Furcht ohnehin vergehen.“ Während sie so sprach, zog Śaṅkara sie mit der Hand heran

Wort für Wort
na āyānti ca atha vibho
und wenn sie nicht kämen, o Herr
bhītiḥ nāśam upaiṣyati
würde die Furcht ohnehin vergehen
evaṃ hi bhāṣamāṇāṃ tāṃ
während sie so sprach
kareṇa ākṛṣya śaṅkaraḥ
zog Śaṅkara sie mit der Hand heran

svorvoḥ saṃsthāpayitvaiva visrasya kacabandhanam / vibhajya ca karābhyāṃ sa prasasāra nakhairapi

und setzte sie auf seinen eigenen Schenkeln nieder; er löste die Haarbindung, teilte das Haar mit beiden Händen und fuhr auch mit den Nägeln hindurch.

Wort für Wort
svorvoḥ saṃsthāpayitvā eva
auf seinen eigenen Schenkeln niedersetzend
visrasya kacabandhanam
die Haarbindung lösend
vibhajya ca karābhyāṃ
und mit beiden Händen teilend
sa prasasāra nakhaiḥ api
fuhr er auch mit den Nägeln hindurch

viṣṇudattāṃ pārijātasrajaṃ kacagatāmapi / kṛtvā dhaṃmillamakarodatha mālāṃ karāgatām

Den von Viṣṇu geschenkten Pārijāta-Blütenkranz, der auch im Haar lag, flocht er in den Haarknoten, und sodann auch den in seiner Hand befindlichen Kranz.

Wort für Wort
viṣṇudattāṃ pārijātasrajaṃ
den von Viṣṇu geschenkten Pārijāta-Blütenkranz
kacagatām api
der auch im Haar lag
kṛtvā dhaṃmillam akarot
damit machte er den Haarknoten
atha mālāṃ karāgatām
und sodann den in der Hand befindlichen Kranz

mallikāsrajamādāya babandha kacabandhane / kalpaprasūnamālāṃ ca brahmadattāṃ maheśvaraḥ

Er nahm einen Jasminblütenkranz und band ihn in die Haarbindung; und den von Brahmā geschenkten Kranz aus den Blüten des Kalpa-Baumes, der Große Herr,

Wort für Wort
mallikāsrajam ādāya
einen Jasminblütenkranz nehmend
babandha kacabandhane
band er ihn in die Haarbindung
kalpaprasūnamālāṃ ca
und den Kranz aus den Blüten des Kalpa-Baumes
brahmadattāṃ maheśvaraḥ
den von Brahmā geschenkten, der Große Herr

pārvatīvasane gūḍhagandhāḍhye ca samādadāt / athāṃsapṛṣṭha saṃlagnamārjanaṃ kṛtavān vibhuḥ

legte er in Pārvatīs Gewand, das reich an verborgenem Duft war; dann vollzog der Mächtige das Abstreifen dessen, was an Schulter und Rücken haftete.

Wort für Wort
pārvatīvasane gūḍhagandhāḍhye ca
in Pārvatīs Gewand, das reich an verborgenem Duft war, auch
samādadāt
legte er hinein
atha aṃsapṛṣṭhasaṃlagnam mārjanam
dann das Abstreifen dessen, was an Schulter und Rücken haftete
kṛtavān vibhuḥ
vollzog der Mächtige

ślathannīveradho devyā vastraveṣṭādadhogataḥ / kimidaṃ devi cetyuktvā nīvībandhaṃ cakāra ha

Der untere Gewandknoten der Göttin löste sich, unterhalb der Kleiderumhüllung herabgleitend; „Was ist das, o Göttin?“, so sprechend, band er fürwahr den Gewandknoten wieder.

Wort für Wort
ślathan nīvi-adhaḥ devyā
der sich lösende untere Gewandknoten der Göttin
vastraveṣṭāt adhogataḥ
unterhalb der Kleiderumhüllung herabgleitend
kim idaṃ devi ca iti uktvā
„was ist das, Göttin?“ so sprechend
nīvībandhaṃ cakāra ha
band er fürwahr den Gewandknoten

nāsābhūṣaṇametatte satyameva vadāmi te / tataḥ prāha śivā śaṃbhuṃ smitvā parvatanandinī

„Dieser Schmuck steht dir wohl an, wahrlich sage ich dir das.“ Da sprach Śivā, die Bergestochter, lächelnd zu Śambhu:

Wort für Wort
nāsābhūṣaṇam etat te
dieser Nasenschmuck steht dir wohl an [?]
satyam eva vadāmi te
wahrlich sage ich dir das
tataḥ prāha śivā śaṃbhuṃ
da sprach Śivā zu Śambhu
smitvā parvatanandinī
lächelnd, die Bergestochter

[?: Bezug von „nāsābhūṣaṇam“ (Nasenschmuck) im unmittelbaren Kontext (Gewandknoten) unklar; wörtlich übersetzt.]

aho tvanmandire śaṃbho sarvavastu samṛddhimat / pūrvameva mayā sarvaṃ jñātaprāyamabhūtkila

„Ach, in deinem Hause, o Śambhu, ist alles reichlich vorhanden! Schon zuvor war mir fürwahr fast alles bekannt –

Wort für Wort
aho tvanmandire śaṃbho
ach, in deinem Hause, o Śambhu
sarvavastu samṛddhimat
ist alles Ding wohlgedeihlich
pūrvam eva mayā
schon zuvor war mir
sarvaṃ jñātaprāyam abhūt kila
fürwahr fast alles bekannt

sarvadraviṇasaṃpattirbhūṣaṇaikhagamyate / śiro vibhūṣitaṃ deva brahmaśīrṣasya mālayā

der ganze Reichtum an Besitz erschließt sich einzig durch deinen Schmuck: dein Haupt, o Gott, ist geschmückt mit der Girlande aus Brahmās Haupt,

Wort für Wort
sarvadraviṇasaṃpattiḥ
der ganze Reichtum an Besitz
bhūṣaṇaiḥ eva gamyate
erschließt sich einzig durch den Schmuck [?]
śiro vibhūṣitaṃ deva
dein Haupt ist geschmückt, o Gott
brahmaśīrṣasya mālayā
mit der Girlande aus Brahmās Haupt

[?: „bhūṣaṇaikhagamyate“ ist unklar überliefert; als „bhūṣaṇair eva gamyate“ (erschließt sich einzig durch den Schmuck) gedeutet.]

narakasya tathā mālā vakṣasthalavibhūṇam / śeṣaśca vāsukiścaiva saviṣau tava kaṅkaṇau

ebenso ist die Girlande aus dem Schädel Narakas der Schmuck deiner Brust; und Śeṣa sowie Vāsuki, beide giftig, sind deine Armreifen,

Wort für Wort
narakasya tathā mālā
ebenso die Girlande aus dem Schädel Narakas
vakṣasthalavibhūṣaṇam
der Schmuck deiner Brust
śeṣaḥ ca vāsukiḥ ca eva
und Śeṣa sowie Vāsuki
saviṣau tava kaṅkaṇau
beide giftig, deine Armreifen

diśoṃ'baraṃ jaṭāḥ keśā bhasita cāṅgarāgakam / mahokṣo vāhanaṃ gotraṃ kulaṃ cājñātameva ca

die Himmelsrichtungen sind dein Gewand, die verfilzten Locken dein Haar, Asche deine Körpersalbe; ein großer Stier ist dein Reittier – und dein Stamm, deine Familie sind gänzlich unbekannt,

Wort für Wort
diśaḥ ambaram
die Himmelsrichtungen sind das Gewand
jaṭāḥ keśāḥ
die verfilzten Locken sind das Haar
bhasita ca aṅgarāgakam
und Asche die Körpersalbe
mahokṣo vāhanaṃ
ein großer Stier ist das Reittier
gotraṃ kulaṃ ca ajñātam eva ca
und Stamm sowie Familie sind gänzlich unbekannt

jñāyete pitarau naiva virūpākṣaṃ tathā vapuḥ / evaṃ vadantīṃ girijāṃ viṣṇuḥ prāhātikopanaḥ

auch deine Eltern kennt man nicht, ebenso ist deine Gestalt ungestaltet!“ Als die Bergestochter so sprach, sprach Viṣṇu, sehr zornig geworden:

Wort für Wort
jñāyete pitarau naiva
die Eltern werden nicht gekannt
virūpākṣaṃ tathā vapuḥ
ebenso ist die Gestalt ungestaltet
evaṃ vadantīṃ girijāṃ
zur so sprechenden Bergestochter
viṣṇuḥ prāha atikopanaḥ
sprach Viṣṇu, sehr zornig geworden

kimarthaṃ nindasedevi devadevaṃ jagatpatim / duṣprāṇā na priyā bhadre tava nūnamasaṃyamāt

„Wozu, o Göttin, tadelst du den Gott der Götter, den Herrn der Welt? Deine Lebenskraft ist böswillig, nicht liebevoll, du Gute, gewiss aus mangelnder Selbstbeherrschung.

Wort für Wort
kimartham nindase devi
wozu tadelst du, o Göttin
devadevaṃ jagatpatim
den Gott der Götter, den Herrn der Welt
duṣprāṇā na priyā bhadre
böswillig, nicht liebevoll, du Gute
tava nūnam asaṃyamāt
aus deiner gewissen Zügellosigkeit

yatreśanindanaṃ bhadre tatra no maraṇavratam / ityuktvātha nakhābhyāṃ hi hariśchettuṃ śiro gataḥ

Wo, du Gute, Tadel gegen den Herrn geschieht, dort gilt für uns das Todesgelübde.“ So sprechend, ging Hari darauf, mit den Nägeln, um ihr das Haupt abzuschneiden.

Wort für Wort
yatra īśanindanaṃ bhadre
wo, du Gute, Tadel gegen den Herrn geschieht
tatra naḥ maraṇavratam
dort gilt für uns das Todesgelübde
ityuktvā atha nakhābhyāṃ hi
so sprechend, mit den beiden Nägeln fürwahr
hariḥ chettuṃ śiro gataḥ
ging Hari, um das Haupt abzuschneiden

maheśastatkaraṃ gṛhya prāha mā sāhasaṃ kṛthāḥ / pārvatīvacanaṃ sarvaṃ priyaṃ mama na cāpriyam

Der Große Herr ergriff dessen Hand und sprach: „Begehe keine Gewalttat! Pārvatīs Worte sind mir allesamt lieb, nicht unlieb.

Wort für Wort
maheśaḥ tatkaraṃ gṛhya
der Große Herr, dessen Hand ergreifend
prāha mā sāhasaṃ kṛthāḥ
sprach: begehe keine Gewalttat
pārvatīvacanaṃ sarvaṃ priyaṃ mama
Pārvatīs Worte sind mir alle lieb
na ca apriyam
und nicht unlieb

mamāpriyaṃ hṛṣīkeśa kartuṃ yatkiñcidiṣyate / omityuktvātha bhagavāṃstūṣṇīṃbhūto 'bhavaddhvariḥ

Was auch immer dir zu tun beliebt, o Hṛṣīkeśa, mag geschehen, auch wenn es mir unlieb wäre.“ „Om“ sprechend, ward der erhabene Hari darauf still.

Wort für Wort
mama apriyaṃ hṛṣīkeśa
auch wenn es mir unlieb ist, o Hṛṣīkeśa
kartuṃ yat kiñcit iṣyate
was auch immer dir zu tun beliebt
om iti uktvā atha bhagavān
„Om“ sprechend, darauf der Erhabene
tūṣṇīṃbhūto 'bhavat hariḥ
ward Hari still

hanumānatha devāya vyajñāpayadidaṃ vacaḥ / arthayāmi viniṣkāmaṃ mama pūjāvrataṃ tathā

Da trug Hanumān dem Gott dieses Wort vor: „Ich erbitte, frei von Begehren, ebenso die Erlaubnis für mein Verehrungsgelübde –

Wort für Wort
hanumān atha devāya
da trug Hanumān dem Gott
vyajñāpayat idaṃ vacaḥ
dieses Wort vor
arthayāmi viniṣkāmam
ich erbitte, frei von Begehren
mama pūjāvrataṃ tathā
ebenso mein Verehrungsgelübde

pūjārthamapyahaṃ gacche māmanujñātumarhasi / tacchratvā śaṅkaro devaḥ smitvā prāha vapīśvaram

auch möchte ich zur Verehrung gehen – du sollst mir die Erlaubnis geben.“ Als der Gott Śaṅkara dies vernommen hatte, sprach er lächelnd zum Herrn der Affen:

Wort für Wort
pūjārtham api ahaṃ gacche
auch möchte ich zur Verehrung gehen
mām anujñātum arhasi
du sollst mir die Erlaubnis geben
tat śrutvā śaṅkaro devaḥ
als der Gott Śaṅkara dies vernommen hatte
smitvā prāha kapīśvaram
sprach er lächelnd zum Herrn der Affen [?]

[?: „vapīśvaram“ vermutlich verderbt für „kapīśvaram“ (den Herrn der Affen).]

kasya pūjā kva vā pūjā kiṃ puṣpaṃ kiṃ dalaṃ vada / ko guruḥ kaśca mantraste kīdṛśaṃ pūjana tathā

„Wessen Verehrung, oder wo geschieht die Verehrung? Welche Blume, welches Blatt – sag es! Wer ist dein Lehrer, und welcher ist dein Mantra, und wie ist deine Verehrung?“

Wort für Wort
kasya pūjā kva vā pūjā
wessen Verehrung, oder wo geschieht die Verehrung
kiṃ puṣpaṃ kiṃ dalaṃ vada
welche Blume, welches Blatt – sag es
ko guruḥ kaḥ ca mantraḥ te
wer ist der Lehrer, und welcher ist dein Mantra
kīdṛśaṃ pūjanaṃ tathā
und wie ist deine Verehrung

evaṃ vadati devaiśe hanumānnītisaṃyutaḥ / vepamānasamastāṅga stotumevaṃ pracakrame

Als der Herr, der Gott, so sprach, begann Hanumān, der der rechten Sitte kundig war, an allen Gliedern zitternd, so ein Loblied anzustimmen:

Wort für Wort
evaṃ vadati deve īśe
als der Herr, der Gott, so sprach
hanumān nītisaṃyutaḥ
Hanumān, der rechten Sitte kundig
vepamānasamastāṅgaḥ
an allen Gliedern zitternd
stotum evaṃ pracakrame
begann er so ein Loblied anzustimmen

namo devāya mahate śaṅkarāyāmitātmane / yorine yogadhātre ca yogināṃ gurave namaḥ

„Verehrung dem großen Gott Śaṅkara, dem von unermesslichem Wesen; dem Yogin, dem Erhalter des Yoga, und dem Lehrer der Yogins Verehrung!

Wort für Wort
namo devāya mahate
Verehrung dem großen Gott
śaṅkarāya amitātmane
Śaṅkara, dem von unermesslichem Wesen
yogine yogadhātre ca
dem Yogin, und dem Erhalter des Yoga
yogināṃ gurave namaḥ
dem Lehrer der Yogins Verehrung

yogagamyāya devāya jñānināṃ pataye namaḥ / vedānāṃ pataye tubhyaṃ devānāṃ pataye namaḥ

dem durch Yoga erreichbaren Gott, dem Herrn der Erkennenden, Verehrung! Dir, dem Herrn der Veden, dem Herrn der Götter, Verehrung!

Wort für Wort
yogagamyāya devāya
dem durch Yoga erreichbaren Gott
jñānināṃ pataye namaḥ
dem Herrn der Erkennenden, Verehrung
vedānāṃ pataye tubhyam
dir, dem Herrn der Veden
devānāṃ pataye namaḥ
dem Herrn der Götter, Verehrung

dhyānāya dhyānagamyāya dhyātṝṇāṃ gurave namaḥ / aṣṭamūrte namastubhyaṃ paśūnāṃ pataye namaḥ

der Meditation, dem durch Meditation Erreichbaren, dem Lehrer der Meditierenden Verehrung! Dir, dem Achtgestaltigen, Verehrung; dem Herrn der Seelenherden Verehrung!

Wort für Wort
dhyānāya dhyānagamyāya
der Meditation, dem durch Meditation Erreichbaren
dhyātṝṇāṃ gurave namaḥ
dem Lehrer der Meditierenden, Verehrung
aṣṭamūrte namastubhyam
dir, dem Achtgestaltigen, Verehrung
paśūnāṃ pataye namaḥ
dem Herrn der Seelenherden Verehrung

aṃbakāya trinetrāya somasūryāgnicakṣuṣe / subhṛṅgarājadhattūradroṇapuṣpapriyasya te

dem Ambaka, dem Dreiäugigen, dessen Augen Mond, Sonne und Feuer sind; dir, dem die Bhṛṅgarāja-, Dhattūra- und Droṇa-Blüten lieb sind,

Wort für Wort
aṃbakāya trinetrāya
dem Ambaka, dem Dreiäugigen
somasūryāgnicakṣuṣe
dessen Augen Mond, Sonne und Feuer sind
subhṛṅgarājadhattūradroṇapuṣpapriyasya
dem die Bhṛṅgarāja-, Dhattūra- und Droṇa-Blüten lieb sind
te
dir

bṛhatīpūga punnāgacapakādipriyāya ca / namaste 'stu namaste 'stu bhūya eva namonamaḥ

und dem die Bṛhatī-, Pūga-, Punnāga-, Campaka- und andere Blüten lieb sind – Verehrung sei dir, Verehrung sei dir, und immer wieder Verehrung über Verehrung!“

Wort für Wort
bṛhatīpūgapunnāgacapakādipriyāya ca
und dem die Bṛhatī-, Pūga-, Punnāga-, Campaka- u. a. lieb sind
namaste 'stu namaste 'stu
Verehrung sei dir, Verehrung sei dir
bhūya eva namonamaḥ
und immer wieder Verehrung über Verehrung

śivo harimatha prāha mā bhaiṣīrvada me 'khilam / tatastyaktvā bhayaṃ prāha hanumān vākyakovidaḥ

Da sprach Śiva zum Affen: „Fürchte dich nicht, sag mir alles!“ Darauf, die Furcht ablegend, sprach der wortkundige Hanumān:

Wort für Wort
śivo harim atha prāha
da sprach Śiva zum Affen
mā bhaiṣīḥ vada me akhilam
fürchte dich nicht, sag mir alles
tataḥ tyaktvā bhayaṃ
darauf, die Furcht ablegend
prāha hanumān vākyakovidaḥ
sprach der wortkundige Hanumān

[?: „harim“ hier im Sinn von ‚Affe‘ (ein weiterer Wortsinn von hari) auf Hanumān bezogen.]

śivaliṅgārcanaṃ kāryaṃ bhasmoddhvūlitadehinā / divā saṃpāditaistaiyaiḥ puṣpādyairapi tādṛśaiḥ

„Die Verehrung des Śivaliṅga ist von dem zu vollziehen, dessen Körper mit Asche bestreut ist, mit solchen Materialien – Blumen und dergleichen –, die tagsüber beschafft wurden,

Wort für Wort
śivaliṅgārcanaṃ kāryam
die Verehrung des Śivaliṅga ist zu vollziehen
bhasmoddhvūlitadehinā
von dem, dessen Körper mit Asche bestreut ist
divā saṃpāditaiḥ taiḥ
mit solchen, die tagsüber beschafft wurden
puṣpādyaiḥ api tādṛśaiḥ
mit Blumen und dergleichen, solcherart

deva vijñāpayiṣyāmi śivapūjavidhiṃ śubham / sāyaṅkāle tu saṃprāpte aśiraḥsnānamācaret

O Gott, ich will dir die heilvolle Vorschrift der Śiva-Verehrung darlegen: Wenn die Abendzeit gekommen ist, vollziehe man ein Bad ohne das Haupt zu benetzen,

Wort für Wort
deva vijñāpayiṣyāmi
o Gott, ich will darlegen
śivapūjavidhiṃ śubham
die heilvolle Vorschrift der Śiva-Verehrung
sāyaṅkāle tu saṃprāpte
wenn aber die Abendzeit gekommen ist
aśiraḥsnānam ācaret
vollziehe man ein Bad ohne das Haupt zu benetzen

kṣālitaṃ vasanaṃ śuṣkaṃ dhṛtvācamya triranyadhīḥ / atha bhasma samādāya āgneyaṃ snānamācaret

nachdem man ein gewaschenes, trockenes Gewand angelegt und dreimal, mit auf Śiva gerichtetem Sinn, die rituelle Mundspülung vollzogen hat; dann, Asche nehmend, vollziehe man das Aschebad.

Wort für Wort
kṣālitaṃ vasanaṃ śuṣkaṃ dhṛtvā
nachdem man ein gewaschenes, trockenes Gewand angelegt hat
ācamya triḥ anyadhīḥ
dreimal die Mundspülung vollzogen, mit anderweitig (auf Śiva) gerichtetem Sinn
atha bhasma samādāya
dann Asche nehmend
āgneyaṃ snānam ācaret
vollziehe man das Aschebad

praṇavena samāmantrya aṣṭavāramathāṃpi vā / pañcākṣareṇa mantreṇa nāmnā vā yena kenacit

nachdem man sie mit der Silbe Oṃ besprochen hat, achtmal, oder auch mit dem Fünfsilbenmantra, oder mit irgendeinem anderen Namen,

Wort für Wort
praṇavena samāmantrya
mit der Silbe Oṃ besprochen habend
aṣṭavāram atha api vā
achtmal, oder auch
pañcākṣareṇa mantreṇa
mit dem Fünfsilbenmantra
nāmnā vā yena kenacit
oder mit irgendeinem anderen Namen

saptābhimantritaṃ bhasma darbhapāṇiḥ samāharet / īśānaḥ sarvavidyānāmuktvā śirasipātayet

Die siebenmal besprochene Asche nehme man, den Darbha-Halm in der Hand; nachdem man „Īśāna aller Wissenschaften“ gesprochen hat, lasse man sie auf das Haupt fallen,

Wort für Wort
sapta abhimantritaṃ bhasma
die siebenmal besprochene Asche
darbhapāṇiḥ samāharet
nehme man, den Darbha-Halm in der Hand
īśānaḥ sarvavidyānām uktvā
nachdem man „Īśāna aller Wissenschaften“ gesprochen hat
śirasi pātayet
lasse man sie auf das Haupt fallen

tatpuruṣāya vidmahe mukhe bhasma prasecayet / aghorebhyo 'tha ghorebhyo bhasma vakṣasi nikṣipet

mit „Tatpuruṣāya vidmahe“ besprenge man das Gesicht mit Asche; mit „Aghorebhyaḥ“ und „Ghorebhyaḥ“ lege man Asche auf die Brust,

Wort für Wort
tatpuruṣāya vidmahe
mit dem Mantra „Tatpuruṣāya vidmahe“
mukhe bhasma prasecayet
besprenge man das Gesicht mit Asche
aghorebhyaḥ atha ghorebhyaḥ
mit „Aghorebhyaḥ“ und „Ghorebhyaḥ“
bhasma vakṣasi nikṣipet
lege man Asche auf die Brust

vāmadevaya namaḥ iti guhyasthāne vinikṣipet / sadyojātaṃ prapadyāmi nikṣipedatha pādayoḥ

mit „Vāmadevāya namaḥ“ lege man Asche an die verborgene Stelle; mit „Sadyojātaṃ prapadyāmi“ lege man sie dann an die Füße,

Wort für Wort
vāmadevāya namaḥ iti
mit „Vāmadevāya namaḥ“
guhyasthāne vinikṣipet
lege man Asche an die verborgene Stelle
sadyojātaṃ prapadyāmi
mit „Sadyojātaṃ prapadyāmi“
nikṣipet atha pādayoḥ
lege man dann an die beiden Füße

uddhvūlayetsamastāṅgaṃ praṇavena vicakṣaṇāḥ / traivarṇikānāmuditaṛ snānādividhiruttamaḥ

mit der Silbe Oṃ bestreue der Kundige den ganzen Körper. Dies ist die für die drei oberen Kasten verkündete, vortreffliche Vorschrift für Bad und dergleichen –

Wort für Wort
uddhvūlayet samastāṅgaṃ
bestreue man den ganzen Körper
praṇavena vicakṣaṇāḥ
mit der Silbe Oṃ, der Kundige
traivarṇikānām uditaḥ
für die drei oberen Kasten verkündet
snānādividhir uttamaḥ
die vortreffliche Vorschrift für Bad und dergleichen

śūdrādīnāṃ pravakṣyāmi yaduktaṃ guruṇā tatho / śiveti padamuñcārya bhasma saṃmantrayetsudhīḥ

für die Śūdras und andere werde ich nun verkünden, was vom Lehrer so gesagt wurde: Der Kluge spreche das Wort „Śiva“ aus und besprech damit die Asche,

Wort für Wort
śūdrādīnāṃ pravakṣyāmi
für die Śūdras und andere werde ich verkünden
yaduktaṃ guruṇā tatho
was vom Lehrer so gesagt wurde
śiva iti padam uccārya
das Wort „Śiva“ aussprechend
bhasma saṃmantrayet sudhīḥ
besprech der Kluge die Asche

sapta vāramathādāya śivāyeti śirasyatha / śaṅkarāya mukhe proktaṃ sarvajñāya hṛdi kṣipet

und nehme sie sodann siebenmal; mit „Śivāya“ dann auf das Haupt, mit „Śaṅkarāya“ auf das Gesicht bezogen, mit „Sarvajñāya“ lege man sie auf das Herz,

Wort für Wort
sapta vāram atha ādāya
und sodann siebenmal nehmend
śivāya iti śirasi atha
mit „Śivāya“ dann auf das Haupt
śaṅkarāya mukhe proktaṃ
mit „Śaṅkarāya“, auf das Gesicht bezogen gesprochen
sarvajñāya hṛdi kṣipet
mit „Sarvajñāya“ lege man auf das Herz

sthāṇave nama ityuktvā mukhe cāpi svayaṃbhuve / uccārya pādayoḥ kṣiptvā bhasma śuddhvamataḥ param

mit „Sthāṇave namaḥ“ auch auf das Gesicht bezogen gesprochen, mit „Svayaṃbhuve“ aussprechend, lege man sie auf die Füße; danach ist die Asche gereinigt,

Wort für Wort
sthāṇave namaḥ iti uktvā
mit „Sthāṇave namaḥ“ gesprochen
mukhe ca api svayaṃbhuve
auch auf das Gesicht bezogen, mit „Svayaṃbhuve“
uccārya pādayoḥ kṣiptvā
aussprechend, auf die Füße legend
bhasma śuddhvam ataḥ param
die Asche ist danach gereinigt

namaḥ śivāyetyuccārya sarvāṅgoddhvūlanaṃ smṛtam / prakṣālya hastāvācamya darbhapāṇiḥ samāhitaḥ

mit „Namaḥ Śivāya“ ausgesprochen ist das Bestreuen aller Glieder überliefert; nachdem man die Hände gewaschen und die Mundspülung vollzogen hat, den Darbha-Halm in der Hand, gesammelten Sinnes,

Wort für Wort
namaḥ śivāya iti uccārya
mit „Namaḥ Śivāya“ ausgesprochen
sarvāṅgoddhvūlanaṃ smṛtam
ist das Bestreuen aller Glieder überliefert
prakṣālya hastau ācamya
die Hände waschend, die Mundspülung vollziehend
darbhapāṇiḥ samāhitaḥ
den Darbha-Halm in der Hand, gesammelten Sinnes

darbhābhāve suvarṇaṃ syāttadabhāve gavālukāḥ / tadabhāve tu dūrvāḥ syustadabhāve tu rājatam

In Ermangelung von Darbha-Gras nehme man Gold, in dessen Ermangelung Gavāluka-Gras; in dessen Ermangelung aber Dūrvā-Gras, in dessen Ermangelung aber Silber,

Wort für Wort
darbhābhāve suvarṇaṃ syāt
in Ermangelung von Darbha-Gras nehme man Gold
tadabhāve gavālukāḥ
in dessen Ermangelung Gavāluka-Gras
tadabhāve tu dūrvāḥ syuḥ
in dessen Ermangelung aber Dūrvā-Gras
tadabhāve tu rājatam
in dessen Ermangelung aber Silber

saṃdhyopāstiṃ japaṃ devyāḥ kṛtvā devagṛhaṃ vrajet / devavedīmatho vāpi kalpitaṃ sthaṇḍilaṃ tu vā

nachdem man die Abendandacht und das Murmeln des Mantras der Göttin vollzogen hat, gehe man zum Gotteshaus – zum Altar des Gottes, oder auch zu einem bereiteten Opferplatz,

Wort für Wort
saṃdhyopāstiṃ japaṃ devyāḥ kṛtvā
nachdem man die Abendandacht und das Murmeln (des Mantras) der Göttin vollzogen hat
devagṛhaṃ vrajet
gehe man zum Gotteshaus
devavedīm atho vā api
zum Altar des Gottes, oder auch
kalpitaṃ sthaṇḍilaṃ tu vā
oder zu einem bereiteten Opferplatz

mṛṇmayaṃ kalpitaṃ śuddhūṃ padmādiracanāyutam / cāturvarṇakaraṃ gaiśca śvetenaikena vā punaḥ

aus Ton bereitet, rein, mit einer Anordnung von Lotusblüten und dergleichen versehen, in vierfarbiger Ausführung, oder wiederum mit nur einer weißen Farbe,

Wort für Wort
mṛṇmayaṃ kalpitaṃ śuddham
aus Ton bereitet, rein
padmādiracanāyutam
mit einer Anordnung von Lotusblüten u. dgl. versehen
cāturvarṇakaraṃ gaiḥ ca
in vierfarbiger Ausführung
śvetena ekena vā punaḥ
oder wiederum mit nur einer weißen Farbe

vicitrāṇi ca padmāni svastikādi tathaiva ca / utpalādigadāśaṅkhatriśūlaḍamarūṃstathā

und bunte Lotusblüten, ebenso auch Svastika und dergleichen, blaue Lotusblüten und dergleichen, Keule, Muschelhorn, Dreizack und Ḍamaru-Trommel, ebenso –

Wort für Wort
vicitrāṇi ca padmāni
und bunte Lotusblüten
svastikādi tathaiva ca
ebenso auch Svastika und dergleichen
utpalādigadāśaṅkha-
blaue Lotusblüten und dergleichen, Keule, Muschelhorn
triśūlaḍamarūṃstathā
Dreizack und Ḍamaru-Trommel, ebenso

śaroktapañcaprāsādaṃ śivaliṅgamathaiva ca / sarvakāmaphalaṃ vṛkṣaṃ kulakaṃ kolakaṃ tathā

den in der Überlieferung genannten Fünfgeschoss-Tempel, sowie auch das Śivaliṅga, den alle Wünsche erfüllenden Baum, das Kulaka- und ebenso das Kolaka-Zeichen –

Wort für Wort
śaroktapañcaprāsādaṃ
den in der Überlieferung genannten Fünfgeschoss-Tempel
śivaliṅgam atha eva ca
sowie auch das Śivaliṅga
sarvakāmaphalaṃ vṛkṣaṃ
den alle Wünsche erfüllenden Baum
kulakaṃ kolakaṃ tathā
das Kulaka- und ebenso das Kolaka-Zeichen

ṣaṭkoṇaṃ ca trikoṇaṃ ca navakoṇamathāpi vā / koṇe dvādaśakāndolāpādukāvyajanāni ca

und das Sechseck, das Dreieck, oder auch das Neuneck – in den Winkeln zwölffach, Schaukel, Sandalen und Fächer,

Wort für Wort
ṣaṭkoṇaṃ ca trikoṇaṃ ca
und das Sechseck und das Dreieck
navakoṇam atha api vā
oder auch das Neuneck
koṇe dvādaśakān
in den Winkeln zwölffach
dolāpādukāvyajanāni ca
Schaukel, Sandalen und Fächer

cāmaracchattrayugalaṃ viṣṇubrahmādikāṃstathā / cūrṇaiviracayedvedyāṃ dhīmāndevālaye 'pi vā

das Paar von Wedel und Schirm, ebenso Viṣṇu, Brahmā und die anderen – der Kluge zeichne dies mit Pulver auf dem Altar, oder auch im Gotteshaus,

Wort für Wort
cāmaracchattrayugalaṃ
das Paar von Wedel und Schirm
viṣṇubrahmādikāṃstathā
ebenso Viṣṇu, Brahmā und die anderen
cūrṇaiḥ viracayet vedyāṃ
zeichne mit Pulver auf dem Altar
dhīmān devālaye api vā
der Kluge, oder auch im Gotteshaus

yatrāpi devapūjā syāt tatraivaṃ kalpayedbudhaḥ / svahastaracitaṃ mukhyaṃ krītaṃ caiva tu madhyamam

wo auch immer Gottesverehrung stattfindet, dort bereite der Kundige es so vor. Das mit eigener Hand Gefertigte ist das Vorzüglichste, das Gekaufte aber mittelmäßig,

Wort für Wort
yatra api devapūjā syāt
wo auch immer Gottesverehrung stattfindet
tatra evaṃ kalpayet budhaḥ
dort bereite der Kundige es so
svahastaracitaṃ mukhyaṃ
das mit eigener Hand Gefertigte ist das Vorzüglichste
krītaṃ ca eva tu madhyamam
das Gekaufte aber ist mittelmäßig

yācitaṃ tu kaniṣṭaṃ syādbalātkāramatho 'dhamam / arheṣu yattvanarheṣu balātkārāttu niṣphalam

das Erbettelte aber sei das Geringste, das mit Gewalt Genommene aber das Niedrigste; was aber bei den Unwürdigen mit Gewalt genommen wird, das ist fruchtlos.

Wort für Wort
yācitaṃ tu kaniṣṭaṃ syāt
das Erbettelte aber sei das Geringste
balātkāram atho adhamam
das mit Gewalt Genommene aber das Niedrigste
arheṣu yat tu anarheṣu
was aber bei den Würdigen (geziemt), bei den Unwürdigen
balātkārāt tu niṣphalam
durch Gewalt ist es fruchtlos

raktaśālijapāśāṇakalamāsitaraktakaiḥ / tandulairvīhimātrotthaiḥ kaṇaiścaiva yathākramam

mit rotem Śāli-Reis, Japā-blütenfarbenem, Aśāṇa-, Kalama-Reis, schwarzem und rotem Reis, mit Reiskörnern, die aus bloßem Reis entstanden, und mit Bruchkörnern, der Reihe nach –

Wort für Wort
raktaśālijapāśāṇakalamāsitaraktakaiḥ
mit rotem Śāli-, Japā-farbenem, Aśāṇa-, Kalama-, schwarzem und rotem Reis
tandulaiḥ vrīhimātrotthaiḥ
mit Reiskörnern, die aus bloßem Reis entstanden
kaṇaiḥ ca eva yathākramam
und mit Bruchkörnern, der Reihe nach

[?: Die botanische Reihung der Reissorten ist im Einzelnen unsicher.]

uttamairmadhyamaiścaiva kaniṣṭhairadhamaistathā / padmādisthāpanaireva tatsamyagyāgamācaret

mit den besten, den mittleren, den geringsten und ebenso den niedrigsten Reissorten, einzig durch das Aufstellen von Lotusfiguren und dergleichen, vollziehe man jenes Opfer vollständig richtig.

Wort für Wort
uttamaiḥ madhyamaiḥ ca eva
mit den besten, den mittleren
kaniṣṭhaiḥ adhamaiḥ tathā
den geringsten und ebenso niedrigsten
padmādisthāpanaiḥ eva
einzig durch das Aufstellen von Lotusfiguren u. dgl.
tat samyak yāgam ācaret
vollziehe man jenes Opfer vollständig richtig

prāguttaramukho vāpi yadi vā prāṅmukho bhavet / āsanaṃ ca pravakṣyāmi yathādṛṣṭaṃ yathā śrutam

Nach Nordosten gewandt, oder auch, wenn man will, nach Osten gewandt, möge man sein. Und den Sitz werde ich verkünden, wie er gesehen und wie er überliefert wurde:

Wort für Wort
prāguttaramukho vā api
nach Nordosten gewandt, oder auch
yadi vā prāṅmukho bhavet
oder wenn man will, nach Osten gewandt
āsanaṃ ca pravakṣyāmi
und den Sitz werde ich verkünden
yathādṛṣṭaṃ yathā śrutam
wie er gesehen und wie er überliefert wurde

kauśaṃ cārmaṃ cailatalpe dāravaṃ tālapatrakam / kāṃbalaṃ kāñcanaṃ caiva rājataṃ tāmrameva ca

Ein Sitz aus Kuśa-Gras, Leder, Stoffpolster, Holz, Palmblatt, Wollstoff, ebenso Gold, Silber, ebenso auch Kupfer,

Wort für Wort
kauśaṃ cārmaṃ cailatalpe
aus Kuśa-Gras, Leder, Stoffpolster
dāravaṃ tālapatrakam
Holz, Palmblatt
kāṃbalaṃ kāñcanaṃ ca eva
Wollstoff, ebenso Gold
rājataṃ tāmram eva ca
Silber, ebenso auch Kupfer

gokarīpārkajairvāpi hyāsanaṃ parikalpayet / vaiyāghraṃ rauravaṃ caiva hāriṇa mārgameva ca

oder auch aus Gokarī- oder Pārkaja-Fasern bereite man fürwahr den Sitz; aus Tigerfell, aus Ruru-Antilopenfell, ebenso auch aus Rehfell,

Wort für Wort
gokarīpārkajaiḥ vā api
oder auch aus Gokarī- oder Pārkaja-Fasern [?]
hi āsanaṃ parikalpayet
fürwahr bereite man den Sitz
vaiyāghraṃ rauravaṃ ca eva
aus Tigerfell, aus Ruru-Antilopenfell
hāriṇamārgam eva ca
ebenso auch aus Rehfell

[?: Die Bezeichnung „gokarīpārkaja“ (Materialart) ist botanisch unsicher.]

cārmaṃ caturvidhaṃ jñeyamatha bandhukameva ca / yathāsaṃbhavameteṣu hyāsanaṃ parikalpayet

Das lederne Sitzmaterial ist als vierfach zu erkennen, sowie auch aus Bandhuka-Blüten; je nach Verfügbarkeit bereite man fürwahr unter diesen den Sitz.

Wort für Wort
cārmaṃ caturvidhaṃ jñeyam
das lederne Sitzmaterial ist vierfach zu erkennen
atha bandhukam eva ca
sowie auch aus Bandhuka-Blüten
yathāsaṃbhavam eteṣu
je nach Verfügbarkeit unter diesen
hi āsanaṃ parikalpayet
bereite man fürwahr den Sitz

kṛtapadmāsano vāpi svastikāsana eva ca / darbhabhasmasamāsīnaḥ prāṇānāyamya vāgyantaḥ

Im Lotossitz sitzend, oder auch im Svastika-Sitz, auf Darbha-Gras und Asche sitzend, den Atem beherrschend, schweigend,

Wort für Wort
kṛtapadmāsano vā api
im Lotossitz sitzend, oder auch
svastikāsana eva ca
im Svastika-Sitz
darbhabhasmasamāsīnaḥ
auf Darbha-Gras und Asche sitzend
prāṇān āyamya vāgyantaḥ
den Atem beherrschend, schweigend

tāvatsa devatārūpo dhyānaṃ cāntaḥ samācaret / śikhānte dvādaśāṅgulye sthitaṃ sūkṣmatanuṃ śivam

so lange vollziehe er, von der Gestalt der Gottheit, innerlich die Meditation: den feingestaltigen Śiva, der am Ende der Scheitellocke, zwölf Fingerbreit darüber, weilt,

Wort für Wort
tāvat sa devatārūpaḥ
so lange er, von der Gestalt der Gottheit
dhyānaṃ ca antaḥ samācaret
vollziehe innerlich die Meditation
śikhānte dvādaśāṅgulye sthitam
der am Ende der Scheitellocke, zwölf Fingerbreit darüber, weilt
sūkṣmatanuṃ śivam
den feingestaltigen Śiva

antaścarantaṃ bhūteṣu guhāyāṃ viśvatomukham / sarvābharaṇasaṃyuktamimādiguṇānvitam

der in den Wesen innerlich wandelt, in der Höhle weilt, allseits das Antlitz gewandt, mit allem Schmuck versehen, mit dieser und weiteren Eigenschaften ausgestattet,

Wort für Wort
antaścarantaṃ bhūteṣu
der in den Wesen innerlich wandelt
guhāyāṃ viśvatomukham
in der Höhle, allseits das Antlitz gewandt
sarvābharaṇasaṃyuktam
mit allem Schmuck versehen
imādiguṇānvitam
mit dieser und weiteren Eigenschaften ausgestattet

dhyātvā taṃ dhārayeñcitte taddīptyā pūrayettanum / tayā dīptyā śarīrasthaṃ pāpaṃ nāśamupāgatam

nachdem man ihn so meditiert hat, halte man ihn im Herzen fest und erfülle den Körper mit seinem Glanz; durch diesen Glanz geht die im Körper befindliche Sünde zugrunde,

Wort für Wort
dhyātvā taṃ dhārayet citte
nachdem man ihn meditiert hat, halte man ihn im Herzen fest
taddīptyā pūrayet tanum
und erfülle mit seinem Glanz den Körper
tayā dīptyā śarīrasthaṃ pāpam
durch diesen Glanz die im Körper befindliche Sünde
nāśam upāgatam
geht zugrunde

svarṇapādairasaṃparkādraktaṃ śvetaṃ yathā bhavet / taddvādaśadalāvṛttamaṣṭa pañca trireva vā

wie es durch Berührung oder Nicht-Berührung mit Goldfäden rot oder weiß werden mag – jenes, umgeben von zwölf Blütenblättern, oder acht, fünf, oder auch drei,

Wort für Wort
svarṇapādaiḥ asaṃparkāt
durch Nicht-Berührung mit Goldfäden [?]
raktaṃ śvetaṃ yathā bhavet
wie es rot oder weiß werden mag
tat dvādaśadalāvṛtam
jenes von zwölf Blütenblättern umgeben
aṣṭa pañca tri eva vā
oder acht, fünf, oder auch drei

[?: Sinn von „svarṇapādairasaṃparkād“ (Berührung/Nicht-Berührung durch „Goldfäden/-füße“) unsicher; wörtlich wiedergegeben.]

parikalpyāsanaṃ śuddhavaṃ tatra liṅgaṃ nidhāya ca / guhāsthitaṃ maheśānaṃ rliṅgeśaṃ cintayetthā

nachdem man den reinen Sitz bereitet und dort das Liṅga niedergelegt hat, denke man sich so den in der Höhle weilenden Großen Herrn, den Herrn des Liṅga.

Wort für Wort
parikalpya āsanaṃ śuddham
nachdem man den reinen Sitz bereitet hat
tatra liṅgaṃ nidhāya ca
und dort das Liṅga niedergelegt hat
guhāsthitaṃ maheśānaṃ
den in der Höhle weilenden Großen Herrn
liṅgeśaṃ cintayet tathā
denke man sich so, den Herrn des Liṅga

śodhite kalaśe toyaṃ śodhitaṃ gandhavāsitam / sugandhapuṣpaṃ nikṣipya prāṇavenābhimantritam

In ein gereinigtes Gefäß gebe man gereinigtes, mit Duftstoff parfümiertes Wasser; nachdem man wohlriechende Blüten hineingegeben hat, mit der Silbe Oṃ besprochen,

Wort für Wort
śodhite kalaśe toyaṃ
in ein gereinigtes Gefäß, Wasser
śodhitaṃ gandhavāsitam
gereinigt, mit Duftstoff parfümiert
sugandhapuṣpaṃ nikṣipya
wohlriechende Blüten hineingebend
praṇavena abhimantritam
mit der Silbe Oṃ besprochen

prāṇāyāmaśca praṇavaḥ śūdreṣu na vidhīyate / prāṇāyāmapade dhyānaṃ śivetyoṅkāramantritam

und die mit der Silbe Oṃ verbundene Atemzurückhaltung ist bei den Śūdras nicht vorgeschrieben; an die Stelle der Atemzurückhaltung tritt die Meditation, mit dem Wort „Śiva“ anstelle der Oṃ-Silbe besprochen,

Wort für Wort
prāṇāyāmaḥ ca praṇavaḥ
und die Atemzurückhaltung (mit) der Silbe Oṃ
śūdreṣu na vidhīyate
ist bei den Śūdras nicht vorgeschrieben
prāṇāyāmapade dhyānaṃ
an die Stelle der Atemzurückhaltung tritt die Meditation
śiva iti oṅkāramantritam
mit „Śiva“ statt der Oṃ-Silbe besprochen

gandhapuṣpākṣatādīni pūjādravyāṇi yāni ca / tāni sthāpya samīpe tu tataḥ saṃkalpa mācaret

Duftstoff, Blumen, ungeschälter Reis und was sonst an Verehrungsmaterialien nötig ist – nachdem man dies in der Nähe aufgestellt hat, vollziehe man danach den Entschluss:

Wort für Wort
gandhapuṣpākṣatādīni
Duftstoff, Blumen, ungeschälter Reis und dergleichen
pūjādravyāṇi yāni ca
und was an Verehrungsmaterialien vorhanden ist
tāni sthāpya samīpe tu
nachdem man dies in der Nähe aufgestellt hat
tataḥ saṃkalpam ācaret
vollziehe man danach den Entschluss

śivapūjāṃ kariṣyāmi śivatuṣṭyarthameva ca / iti saṃkalpayitvā tu tata āvāhanādikam

„Ich werde die Śiva-Verehrung vollziehen, einzig zum Zweck von Śivas Wohlgefallen.“ Nachdem man so den Entschluss gefasst hat, vollziehe man danach die Anrufung und das Übrige,

Wort für Wort
śivapūjāṃ kariṣyāmi
ich werde die Śiva-Verehrung vollziehen
śivatuṣṭyartham eva ca
einzig zum Zweck von Śivas Wohlgefallen
iti saṃkalpayitvā tu
nachdem man so den Entschluss gefasst hat
tataḥ āvāhanādikam
danach die Anrufung und das Übrige

kṛtvā tu snānaparyantaṃ tataḥ snānaṃ prakalpayet / namastetyādimantreṇa śatarudravidhānataḥ

bis hin zur Waschung vollziehend; danach bereite man die Waschung vor, mit dem mit „Namaste“ beginnenden Mantra, nach der Vorschrift des Śatarudriya,

Wort für Wort
kṛtvā tu snānaparyantam
bis hin zur Waschung vollziehend
tataḥ snānaṃ prakalpayet
danach bereite man die Waschung vor
namaste ityādimantreṇa
mit dem mit „Namaste“ beginnenden Mantra
śatarudravidhānataḥ
nach der Vorschrift des Śatarudriya

avicchinnā tu yā dhārā muktidhāreti kīrtitā / tayā yaḥ snāpayenmāṃsa japacudramukhāṃśca cā

Der ununterbrochene Strom aber, der „Erlösungsstrom“ genannt wird – wer mit ihm badet …

Wort für Wort
avicchinnā tu yā dhārā
der ununterbrochene Strom aber, welcher
muktidhāra iti kīrtitā
„Erlösungsstrom“ genannt wird
tayā yaḥ snāpayet
wer mit diesem badet [?]
māṃsa japacūḍāmukhāṃśca
(Rest des Verses unklar) [?]

[?: Die zweite Vershälfte („tayā yaḥ snāpayenmāṃsa japacudramukhāṃśca cā“) ist im überlieferten Text stark verderbt; der Sinn bleibt unsicher, hier nur andeutungsweise wiedergegeben.]

ekavāraṃ trivāraṃ ca pañca sapta navāpi vā / ekādaśa tathā vāramathaikādaśadhānvitam

einmal, oder dreimal, fünfmal, siebenmal, oder auch neunmal, ebenso elfmal, oder auch elffach vervielfacht,

Wort für Wort
ekavāraṃ trivāraṃ ca
einmal, oder dreimal
pañca sapta nava api vā
fünfmal, siebenmal, oder auch neunmal
ekādaśa tathā vāram
ebenso elfmal
atha ekādaśadhā anvitam
oder auch elffach vervielfacht

muktisnānamidaṃ jñeyaṃ māsaṃ mokṣapradāyakam / śaivayāvidyayā snānaṃ kevalaṃ praṇavena vā

dieses Bad ist als „Erlösungsbad“ zu erkennen, das binnen eines Monats Erlösung gewährt; oder das Bad geschehe mit der Śaiva-Wissenschaft, oder einzig mit der Oṃ-Silbe,

Wort für Wort
muktisnānam idaṃ jñeyam
dieses Bad ist als Erlösungsbad zu erkennen
māsaṃ mokṣapradāyakam
das binnen eines Monats Erlösung gewährt
śaivayā vidyayā snānaṃ
das Bad mit der Śaiva-Wissenschaft
kevalaṃ praṇavena vā
oder einzig mit der Oṃ-Silbe

mṛṇyayairnālikerasya śakalaiścormibhistathā / kāṃsyena muktāśuktyā ca puṣpādikesareṇa vā

mit tönernen Gefäßen, oder mit Kokosnuss-Schalen, ebenso mit Muschelschalen, mit Bronze, mit einer Perlmuschel, oder mit Blüten und Blütenstaub,

Wort für Wort
mṛṇyayaiḥ nālikerasya śakalaiḥ
mit tönernen Gefäßen, oder mit Kokosnuss-Schalen
ca urmibhiḥ tathā
und ebenso mit Muschelschalen
kāṃsyena muktāśuktyā ca
mit Bronze, und mit einer Perlmuschel
puṣpādikesareṇa vā
oder mit Blüten und Blütenstaub

snāpayeddevadeveśaṃ yathāsaṃbhavamīritaiḥ / śṛṅgasya ca vidhiṃ vakṣye snānayogyaṃ yathā bhavet

bade man den Gott der Götter, je nach Verfügbarkeit, mit den genannten Mitteln. Und ich werde die Vorschrift für das Bad mit dem Horn verkünden, wie sie zum Baden geeignet sei:

Wort für Wort
snāpayet devadeveśaṃ
bade man den Gott der Götter
yathāsaṃbhavam īritaiḥ
je nach Verfügbarkeit, mit den genannten Mitteln
śṛṅgasya ca vidhiṃ vakṣye
und ich werde die Vorschrift für das Horn verkünden
snānayogyaṃ yathā bhavet
wie sie zum Baden geeignet sei

pūrvamantastu saṃśodhya bahirantastu śodhayet / sugrigdhaṃ laghu kṛtvātha nāṅgaṃ chindyātkathañcana

Zuerst reinige man das Innere, dann reinige man auch das Äußere; nachdem man es gut geglättet und leicht gemacht hat, möge man das Glied auf keine Weise beschädigen.

Wort für Wort
pūrvam antaḥ tu saṃśodhya
zuerst reinige man das Innere
bahiḥ antaḥ tu śodhayet
dann reinige man auch das Äußere
sugṛddhaṃ laghu kṛtvā atha
nachdem man es gut geglättet und leicht gemacht hat
na aṅgaṃ chindyāt kathañcana
möge man das Glied auf keine Weise beschädigen

[?: „sugrigdhaṃ“ ist unklar überliefert; probeweise als „sugṛddhaṃ“ (gut geglättet) gedeutet.]

nīcaikadeśavinyastadvāradroṇyā suhṛttayā / kṛśānuyuktaṃ snānaṃ tu devāya parikalpayet

An einer niedrig gelegenen Stelle, mit einer wohlgesinnten Rinne an der Öffnung versehen, bereite man für den Gott das mit Feuer verbundene Bad.

Wort für Wort
nīcaikadeśavinyasta-
an einer niedrig gelegenen Stelle angebracht
dvāradroṇyā suhṛttayā
mit einer wohlgesinnten Rinne an der Öffnung
kṛśānuyuktaṃ snānaṃ tu
das mit Feuer verbundene Bad aber
devāya parikalpayet
bereite man für den Gott

[?: Der genaue technische Sinn (Konstruktion der Bade-Rinne) ist unsicher wiedergegeben.]

evaṃ gavayaśṛṅgasya jalapūrtirathocyate / dvāre niṣiddhalohārddhasaṃdhidvārāsamanvite

So wird sodann die Wasserfüllung des Wildrind-Horns beschrieben – an der Öffnung, die nicht mit verbotenem Metall an der halben Fuge versehen ist,

Wort für Wort
evaṃ gavayaśṛṅgasya
so, des Wildrind-Horns
jalapūrtiḥ atha ucyate
wird sodann die Wasserfüllung beschrieben
dvāre niṣiddhaloha-
an der Öffnung, mit verbotenem Metall
ardhasaṃdhidvārāsamanvite
an der halben Fuge nicht versehen

yogavakraṃ nāgadaṇḍaṃ nāgākāraṃ prakalpaṃyet / phalasthāne tu caṣakaṃ daṇḍena samarandhrakam

einen kunstvoll gebogenen Schlangenstab, schlangenförmig gestaltet, bereite man; an der Stelle der Spitze aber einen Becher, mit dem Stab von gleicher Öffnung versehen,

Wort für Wort
yogavakraṃ nāgadaṇḍaṃ
einen kunstvoll gebogenen Schlangenstab
nāgākāraṃ prakalpayet
schlangenförmig gestaltet, bereite man
phalasthāne tu caṣakaṃ
an der Stelle der Spitze aber einen Becher
daṇḍena samarandhrakam
mit dem Stab, von gleicher Öffnung

tatraiva pātayettoyaṃ mūrddhvayantraghaṭe sthitam / pātayedatha cānyena vāmenaiva kareṇa vā

dorthinein lasse man das Wasser fallen, das im oben befindlichen Mechanismus-Gefäß ist; man lasse es fließen, auf andere Weise, oder auch mit der linken Hand,

Wort für Wort
tatra eva pātayet toyaṃ
dorthinein lasse man das Wasser fallen
mūrdhvayantraghaṭe sthitam
das im oben befindlichen Mechanismus-Gefäß ist
pātayet atha ca anyena
man lasse es fließen, auf andere Weise
vāmena eva kareṇa vā
oder auch mit der linken Hand

muktidhārā kṛtā tena pavitra pāpanāśanam / evaṃ saṃsnāpya deveśaṃ pañcagavyaistathaiva ca

durch dieses Verfahren wird ein reiner, sündenvernichtender Erlösungsstrom bewirkt. Nachdem man so den Gott der Götter gebadet hat, ebenso auch mit den fünf Kuh-Produkten,

Wort für Wort
muktidhārā kṛtā tena
durch dieses Verfahren wird ein Erlösungsstrom bewirkt
pavitra pāpanāśanam
rein, sündenvernichtend
evaṃ saṃsnāpya deveśaṃ
nachdem man so den Gott der Götter gebadet hat
pañcagavyaiḥ tathaiva ca
ebenso auch mit den fünf Kuh-Produkten

pañcāmṛtairatha snāpya madhuratritayena ca / vibhūṣya bhūṣaṇairdevaṃ punaḥ snāpyamaheśvaram

und dann mit den fünf Nektar-Substanzen gebadet, ebenso mit der Dreiheit süßer Stoffe; nachdem man den Gott mit Schmuck geschmückt hat, bade man den Großen Herrn danach noch einmal,

Wort für Wort
pañcāmṛtaiḥ atha snāpya
und dann mit den fünf Nektar-Substanzen gebadet
madhuratritayena ca
ebenso mit der Dreiheit süßer Stoffe
vibhūṣya bhūṣaṇaiḥ devaṃ
nachdem man den Gott mit Schmuck geschmückt hat
punaḥ snāpya maheśvaram
bade man den Großen Herrn danach noch einmal

śītopacāraṃ kṛtvātha tata ācamanādikam / vastraṃ tathopavītaṃ ca gandhadravyakameva ca

nachdem man den kühlenden Dienst dargebracht hat, danach die Mundspülung und das Übrige; Gewand, ebenso die heilige Schnur und auch Riechstoffe –

Wort für Wort
śītopacāraṃ kṛtvā atha
nachdem man den kühlenden Dienst dargebracht hat
tataḥ ācamanādikam
danach die Mundspülung und das Übrige
vastraṃ tathā upavītaṃ ca
Gewand, ebenso die heilige Schnur
gandhadravyakam eva ca
und auch Riechstoffe

karpūramagaruṃ cāpi pāṭīramathavā bhavet / ubhayamiśritaṃ cāpi śivaliṅgaṃ prapūjayet / kṛtsnaṃ pīṭhaṃ gandhapūrṇaṃ yadvā vibhavasārataḥ / tūṣṇīmathopacāraṃ vā kālīyaṃ puṣpameva ca

Kampfer, auch Aloeholz, oder es sei auch Sandelholz, oder beides vermischt – damit verehre man das Śivaliṅga; die ganze Sitzplatte mit Duftstoff gefüllt, je nach dem Maß des eigenen Vermögens; oder man vollziehe den Dienst schweigend, oder mit Kālīya-Blüten,

Wort für Wort
karpūram agaruṃ ca api
Kampfer, auch Aloeholz
pāṭīram athavā bhavet
oder es sei auch Sandelholz
ubhayamiśritaṃ ca api
oder auch beides vermischt
śivaliṅgaṃ prapūjayet
verehre man damit das Śivaliṅga
kṛtsnaṃ pīṭhaṃ gandhapūrṇaṃ
die ganze Sitzplatte mit Duftstoff gefüllt
yadvā vibhavasārataḥ
oder je nach dem Maß des eigenen Vermögens
tūṣṇīm atha upacāraṃ vā
oder man vollziehe den Dienst schweigend
kālīyaṃ puṣpam eva ca
oder mit Kālīya-Blüten

śrīpannamarucityājyaṃ yathāśaktakhilaṃ yathā / anekadravyadhūpaṃ ca guggulaṃ kevalaṃ tathā

wohlriechendes, geschmolzenes Ghee, entsprechend dem gesamten eigenen Vermögen; Räucherwerk aus vielerlei Stoffen, oder ebenso allein Guggul-Harz,

Wort für Wort
śrīpannamaruci ājyaṃ
wohlriechendes, geschmolzenes Ghee [?]
yathāśakti akhilaṃ yathā
entsprechend dem gesamten eigenen Vermögen
anekadravyadhūpaṃ ca
Räucherwerk aus vielerlei Stoffen
guggulaṃ kevalaṃ tathā
oder ebenso allein Guggul-Harz

[?: „śrīpannamarucityājyaṃ“ ist unklar überliefert; sinngemäß als ‚wohlriechendes, geschmolzenes Ghee‘ gedeutet.]

kapilāghṛtasaṃyuktaṃ sarvadhūpaṃ praśasyate / dhūpaṃ datvā yathāśakti kapilāghṛtadīpakān

mit dem Ghee der hellbraunen Kuh verbunden, wird jedes Räucherwerk als vortrefflich gepriesen. Nachdem man Räucherwerk entsprechend dem Vermögen dargebracht hat, bringe man Lampen mit dem Ghee der hellbraunen Kuh dar,

Wort für Wort
kapilāghṛtasaṃyuktaṃ
mit dem Ghee der hellbraunen Kuh verbunden
sarvadhūpaṃ praśasyate
wird jedes Räucherwerk als vortrefflich gepriesen
dhūpaṃ dattvā yathāśakti
nachdem man Räucherwerk entsprechend dem Vermögen dargebracht hat
kapilāghṛtadīpakān
Lampen mit dem Ghee der hellbraunen Kuh

athavā pūjāmātreṇa dīpāndatvopahārakam / naivedyamupapannaṃ ca datvā puṣpasamanvitam

oder auch mittels bloßer Verehrung, nachdem man Lampen und die Opfergabe dargebracht hat; nachdem man die geziemende, mit Blüten versehene Opferspeise dargebracht hat,

Wort für Wort
athavā pūjāmātreṇa
oder auch mittels bloßer Verehrung
dīpān datvā upahārakam
nachdem man Lampen und die Opfergabe dargebracht hat
naivedyam upapannaṃ ca
und die geziemende Opferspeise
dattvā puṣpasamanvitam
dargebracht, mit Blüten versehen

mukhaśuddhiṃ tataḥ kṛtvā dattvā tāṃbūlamādarāt / pradakṣiṇanamaskārau pūjaivaṃ hi samāpyate

nachdem man danach die Mundreinigung vollzogen und ehrerbietig den Betel dargebracht hat, vollziehe man Umwandlung und Verneigung; so nämlich wird die Verehrung vollendet.

Wort für Wort
mukhaśuddhiṃ tataḥ kṛtvā
nachdem man danach die Mundreinigung vollzogen hat
dattvā tāṃbūlam ādarāt
ehrerbietig den Betel dargebracht
pradakṣiṇanamaskārau
Umwandlung und Verneigung
pūjā evaṃ hi samāpyate
so nämlich wird die Verehrung vollendet

gītyaṅgapañcakaṃ paścāttāni vijñāpayāmi te / gītirvādyaṃ purāṇaṃ ca nṛtyaṃ hāsoktireva ca

Danach werde ich dir die fünf Glieder des Gesangs verkünden: Gesang, Instrumentalmusik, Purāṇa-Rezitation, Tanz, und auch heitere Rede,

Wort für Wort
gītyaṅgapañcakaṃ paścāt
danach die fünf Glieder des Gesangs
tāni vijñāpayāmi te
diese werde ich dir verkünden
gītiḥ vādyaṃ purāṇaṃ ca
Gesang, Instrumentalmusik, und Purāṇa-Rezitation
nṛtyaṃ hāsoktiḥ eva ca
Tanz, und auch heitere Rede

nīrājanaṃ ca puṣpāṇāmañjaliścākhilārpaṇam / kṣamāpanaṃ codrasanaṃ proktaṃ pañcopacārakam

und die Lichtschwenkung; und das Darbringen der Blüten mit gefalteten Händen, sowie die gänzliche Übereignung; das Erbitten von Nachsicht und die Lobpreisung sind als die fünf Dienstleistungen genannt.

Wort für Wort
nīrājanaṃ ca
und die Lichtschwenkung
puṣpāṇāṃ añjaliḥ ca akhilārpaṇam
das Darbringen der Blüten mit gefalteten Händen, und die gänzliche Übereignung
kṣamāpanaṃ ca udrasanam
das Erbitten von Nachsicht und die Lobpreisung
proktaṃ pañcopacārakam
sind als die fünf Dienstleistungen genannt

bhūṣaṇaṃ ca tathā chatraṃ cāmaravyajane api / upavīta ca kaikaryaṃ ṣoḍaśānupacārakān

Schmuck, ebenso Schirm, Wedel und Fächer, sowie die heilige Schnur und weitere Dienstleistung – dies ergibt sechzehn Nebendienstleistungen,

Wort für Wort
bhūṣaṇaṃ ca tathā chatraṃ
Schmuck, ebenso Schirm
cāmaravyajane api
Wedel und Fächer auch
upavītaṃ ca kaikaryam
die heilige Schnur und weitere Dienstleistung
ṣoḍaśa anupacārakān
sechzehn Nebendienstleistungen

dvātriṃśadupacāraistu yaḥ samārādhayecchivam / ekenāhnā samastānāṃ pātakānāṃ kṣayo bhavet

Wer aber mit den zweiunddreißig Dienstleistungen Śiva verehrt, dem wird an einem einzigen Tag die Vernichtung aller Sünden zuteil.

Wort für Wort
dvātriṃśadupacāraiḥ tu
mit den zweiunddreißig Dienstleistungen aber
yaḥ samārādhayet śivam
wer Śiva verehrt
ekena ahnā samastānāṃ
an einem einzigen Tag, aller
pātakānāṃ kṣayo bhavet
wird die Vernichtung der Sünden zuteil

etacchrutvā hanumato vacanaṃ prāha śaṅkaraḥ / evametatkapiśreṣṭha yuduktaṃ pūjanaṃ mama

Als er dieses Wort Hanumāns vernommen hatte, sprach Śaṅkara: „So ist es, o Vortrefflichster der Affen, was du gesagt hast, ist meine Verehrung.

Wort für Wort
etat śrutvā hanumato vacanaṃ
als er dieses Wort Hanumāns vernommen hatte
prāha śaṅkaraḥ
sprach Śaṅkara
evam etat kapiśreṣṭha
so ist es, o Vortrefflichster der Affen
yat uktaṃ pūjanaṃ mama
was du gesagt hast, ist meine Verehrung

sārabhūtamahaṃ tubhyamupadekṣyāmi sāṃpratam / ārādhanaṃ yathāliṅge vistareṇa tvayoditam

Ich werde dir nun das eigentlich Wesentliche lehren – wie die Verehrung mittels des Liṅga, die du ausführlich dargelegt hast,

Wort für Wort
sārabhūtam ahaṃ tubhyam
das Wesentliche werde ich dir
upadekṣyāmi sāṃpratam
nun lehren
ārādhanaṃ yathā liṅge
wie die Verehrung mittels des Liṅga
vistareṇa tvayā uditam
von dir ausführlich dargelegt

matpādayugalaṃ prārcya pūjāphalamavāpnuhi / tataḥ prāha kapiśreṣṭho devadevamumāpatim

so verehre mein Fußpaar und erlange die Frucht der Verehrung.“ Da sprach der Vortrefflichste der Affen zum Gott der Götter, dem Gemahl Umās:

Wort für Wort
matpādayugalaṃ prārcya
mein Fußpaar verehrend
pūjāphalam avāpnuhi
erlange die Frucht der Verehrung
tataḥ prāha kapiśreṣṭho
da sprach der Vortrefflichste der Affen
devadevam umāpatim
zum Gott der Götter, dem Gemahl Umās

guriṇā liṅgapūjaiva niyatā parikalpitā / tāṃ karomi purā deva paścāttvatpādapūjanam

„Von meinem Lehrer wurde einzig die Liṅga-Verehrung als beständig festgesetzt; diese vollziehe ich zuerst, o Gott, danach erst die Verehrung deiner Füße.

Wort für Wort
guriṇā liṅgapūjā eva
von meinem Lehrer wurde einzig die Liṅga-Verehrung
niyatā parikalpitā
als beständig festgesetzt
tāṃ karomi purā deva
diese vollziehe ich zuerst, o Gott
paścāt tvatpādapūjanam
danach die Verehrung deiner Füße

ityuktveśa namaskṛtya śivaliṅgārcanāya ca / sarasastīramāgatya kṛtvā saikatavedikām

So sprechend, den Herrn verehrend, ging er, um das Śivaliṅga zu verehren, zum Ufer des Sees und bereitete einen Sandaltar.

Wort für Wort
ityuktvā īśa namaskṛtya
so sprechend, den Herrn verehrend
śivaliṅgārcanāya ca
und zur Verehrung des Śivaliṅga
sarasastīram āgatya
zum Ufer des Sees gehend
kṛtvā saikatavedikām
einen Sandaltar bereitend

tālapatrairviracitamāsanaṃ paryakalpayat / prakṣālya pādau hastau ca samācamya samāhitaḥ

Er bereitete einen aus Palmblättern gefertigten Sitz; nachdem er Füße und Hände gewaschen und die Mundspülung vollzogen hatte, gesammelten Sinnes,

Wort für Wort
tālapatraiḥ viracitam āsanaṃ
einen aus Palmblättern gefertigten Sitz
paryakalpayat
bereitete er
prakṣālya pādau hastau ca
Füße und Hände gewaschen
samācamya samāhitaḥ
die Mundspülung vollzogen, gesammelten Sinnes

bhasmasnānamatho cakre punarācamya vāgyataḥ / devavedyāmatho cakre padmaṃ ca sumanoharam

vollzog er dann das Aschebad, spülte den Mund erneut, schweigend; er bereitete dann den Götteraltar und ein liebreizendes Lotusbild.

Wort für Wort
bhasmasnānam atho cakre
vollzog er dann das Aschebad
punaḥ ācamya vāgyataḥ
erneut die Mundspülung vollziehend, schweigend
devavedyām atho cakre
er bereitete dann den Götteraltar
padmaṃ ca sumanoharam
und ein liebreizendes Lotusbild

anantaraṃ tālapatre padmāsanagataḥ kapiḥ / prāṇānāyamya saṃnyasya śulkadhyānasamanvitaḥ

Danach, auf dem Palmblatt im Lotossitz sitzend, der Affe, den Atem beherrschend und die Gedanken niederlegend, der reinen Meditation hingegeben,

Wort für Wort
anantaraṃ tālapatre
danach, auf dem Palmblatt
padmāsanagataḥ kapiḥ
im Lotossitz sitzend, der Affe
prāṇān āyamya saṃnyasya
den Atem beherrschend, die Gedanken niederlegend
śuddhadhyānasamanvitaḥ
der reinen Meditation hingegeben [?]

[?: „śulkadhyāna“ ist unklar überliefert; probeweise als „śuddhadhyāna“ (reine Meditation) gedeutet.]

praṇamya gurumīśānaṃ japannāsīdataḥ param / atha devāryanaṃ karttuṃ yatnamāsthitavānkapiḥ

nachdem er sich vor dem Lehrer, dem Herrn, verneigt hatte, saß er murmelnd; danach unternahm der Affe die Anstrengung, die Verehrung des Gottes zu vollziehen.

Wort für Wort
praṇamya gurum īśānam
nachdem er sich vor dem Lehrer, dem Herrn, verneigt hatte
japan āsīta ataḥ param
saß er murmelnd, danach
atha devārcanaṃ karttuṃ
um die Verehrung des Gottes zu vollziehen
yatnam āsthitavān kapiḥ
unternahm der Affe die Anstrengung

[?: „devāryanaṃ“ als „devārcanaṃ“ (Verehrung des Gottes) gelesen.]

palāśapatrapuṭakadvayānītajalaṃ śuci / śiraḥ kamaṇḍalugataṃ nidhāyāgninimantritam

In zwei Palāśa-Blatt-Behältern gebrachtes reines Wasser goss er in den Wasserkrug, mit Feuer besprochen,

Wort für Wort
palāśapatrapuṭakadvayānītajalaṃ śuci
in zwei Palāśa-Blatt-Behältern gebrachtes reines Wasser
śiraḥ kamaṇḍalugataṃ nidhāya
in den Wasserkrug gelegt [?]
agninimantritam
mit Feuer besprochen

[?: Genaue Bedeutung von „śiraḥ kamaṇḍalugataṃ“ unsicher; sinngemäß auf das Eingießen des Wassers in den Wasserkrug bezogen.]

āvāhanādi kṛtvātha snānaparyantameva ca / atha snāpayituṃ devamādāya karasaṃpuṭe

Nachdem er die Anrufung und das Übrige, bis hin zur Waschung, vollzogen hatte, nahm er dann, um den Gott zu baden, ihn in seine hohle Hand,

Wort für Wort
āvāhanādi kṛtvā atha
nachdem er die Anrufung und das Übrige vollzogen hatte
snānaparyantam eva ca
bis hin zur Waschung
atha snāpayituṃ devam
dann, um den Gott zu baden
ādāya karasaṃpuṭe
ihn in die hohle Hand nehmend

kṛtvā nirīkṣaṇaṃ devapīṭhaṃ no dṛṣṭavānkapiḥ / liṅgamātraṃ karagataṃ dṛṣṭvā bhītisamanvitaḥ

Nachdem er hingeblickt hatte, sah der Affe die Sitzplatte des Gottes nicht; als er nur das Liṅga in seiner Hand befindlich sah, ward er von Furcht ergriffen.

Wort für Wort
kṛtvā nirīkṣaṇaṃ
nachdem er hingeblickt hatte
devapīṭhaṃ no dṛṣṭavān kapiḥ
sah der Affe die Sitzplatte des Gottes nicht
liṅgamātraṃ karagataṃ dṛṣṭvā
als er nur das Liṅga in der Hand befindlich sah
bhītisamanvitaḥ
ward er von Furcht ergriffen

idamāha mahāyogī kiṃvā pāpaṃ mayā kṛtam / yadetatpīṭharahitaṃ śivaliṅgaṃ karasthitam

Der große Yogin sprach dies: „Welche Sünde habe ich wohl begangen, dass dieses Śivaliṅga, ohne Sitzplatte, nun in meiner Hand liegt?

Wort für Wort
idam āha mahāyogī
der große Yogin sprach dies
kiṃ vā pāpaṃ mayā kṛtam
welche Sünde habe ich wohl begangen
yat etat pīṭharahitaṃ
dass dieses, ohne Sitzplatte
śivaliṅgaṃ karasthitam
das Śivaliṅga, in der Hand befindlich, liegt

mamādya maraṇaṃ siddhaṃ na pīṭhaṃ cāgamiṣyati / atha rudraṃ japiṣyāmi tadāyati maheśvaraḥ

Heute ist mein Tod gewiss, und die Sitzplatte wird nicht kommen. Nun will ich den Rudra-Mantra murmeln – dann wird der Große Herr kommen.“

Wort für Wort
mama adya maraṇaṃ siddham
heute ist mein Tod gewiss
na pīṭhaṃ ca āgamiṣyati
und die Sitzplatte wird nicht kommen
atha rudraṃ japiṣyāmi
nun will ich den Rudra-Mantra murmeln
tadā āyāti maheśvaraḥ
dann kommt der Große Herr

iti niścitya manasā jajāpa śatarudriyam / yadā tu na samāyāto maheśo 'tha kapīśvaraḥ

So im Geiste entschlossen, murmelte er das Śatarudriya; als aber der Große Herr nicht kam, da war der Herr der Affen –

Wort für Wort
iti niścitya manasā
so im Geiste entschlossen
jajāpa śatarudriyam
murmelte er das Śatarudriya
yadā tu na samāyāto maheśaḥ
als aber der Große Herr nicht kam
atha kapīśvaraḥ
da war der Herr der Affen

rudraṃ nyapātayadbhūmau vīrabhadraḥ samāgataḥ / kimarthaṃ rudyate bhadra rudite kāraṇaṃ vada

weinend zu Boden gesunken; Vīrabhadra kam herbei: „Wozu weinst du, Guter? Sag den Grund des Weinens!“

Wort für Wort
rudan nyapātayat bhūmau
weinend fiel er zu Boden [?]
vīrabhadraḥ samāgataḥ
Vīrabhadra kam herbei
kimartham rudyate bhadra
wozu weinst du, Guter
rudite kāraṇaṃ vada
sag den Grund des Weinens

[?: „rudraṃ nyapātayat“ ergibt grammatisch keinen klaren Sinn; vermutlich verderbt für „rudan nyapatad“ (weinend fiel er).]

tacchrutvā prāha hanumānvīrabhadraṃ manogatam / pīṭhahīnamidaṃ liṅgaṃ paśya me pāpasaṃcayam

Als er dies vernommen hatte, sprach Hanumān zu Vīrabhadra, was ihm im Sinn lag: „Ohne Sitzplatte ist dieses Liṅga – sieh die Anhäufung meiner Sünde!“

Wort für Wort
tat śrutvā prāha hanumān
als er dies vernommen hatte, sprach Hanumān
vīrabhadraṃ manogatam
zu Vīrabhadra, was ihm im Sinn lag
pīṭhahīnam idaṃ liṅgaṃ
ohne Sitzplatte ist dieses Liṅga
paśya me pāpasaṃcayam
sieh die Anhäufung meiner Sünde

vīrabhadrastataḥ prāha śrutvā kapisamīritam / yadi nāyāti pīṭhaṃ te liṅge mā sāhasaṃ kuru

Vīrabhadra sprach darauf, nachdem er des Affen Worte vernommen hatte: „Wenn die Sitzplatte für dich nicht kommt, begeh keine Gewalttat am Liṅga –

Wort für Wort
vīrabhadraḥ tataḥ prāha
Vīrabhadra sprach darauf
śrutvā kapisamīritam
nachdem er des Affen Worte vernommen hatte
yadi na āyāti pīṭhaṃ te
wenn die Sitzplatte für dich nicht kommt
liṅge mā sāhasaṃ kuru
begeh keine Gewalttat am Liṅga

dāhayiṣyāmyahaṃ lokānyadi nāyāti pīṭhakam / paśya darśaya me liṅgaṃ pīṭhaṃ cātrāgataṃ na vā

ich werde die Welten verbrennen, wenn die Sitzplatte nicht kommt. Sieh, zeig mir das Liṅga – ob die Sitzplatte hier angekommen ist oder nicht!“

Wort für Wort
dāhayiṣyāmi ahaṃ lokān
ich werde die Welten verbrennen
yadi na āyāti pīṭhakam
wenn die Sitzplatte nicht kommt
paśya darśaya me liṅgaṃ
sieh, zeig mir das Liṅga
pīṭhaṃ ca atra āgataṃ na vā
ob die Sitzplatte hier angekommen ist oder nicht

ata dṛṣṭvā vīrabhadro liṅge pīṭhamanāgatam / dagdhukāmo 'khilāṃllokānvīrabhadraḥ prātāpavān

Als Vīrabhadra gesehen hatte, dass am Liṅga die Sitzplatte nicht gekommen war, wollte der glutvolle Vīrabhadra alle Welten verbrennen.

Wort für Wort
atha dṛṣṭvā vīrabhadro
dann, als Vīrabhadra gesehen hatte
liṅge pīṭham anāgatam
dass am Liṅga die Sitzplatte nicht gekommen war
dagdhukāmo akhilān lokān
wollte er alle Welten verbrennen
vīrabhadraḥ pratāpavān
Vīrabhadra, der Glutvolle

analaṃ bhuvi cikṣepa kṣaṇāddagdhā mahī tadā / atha saptatalāndagdhvā punarūrddhvamavartata

Er warf Feuer auf die Erde; im Nu ward da die Erde verbrannt. Dann, nachdem er die sieben unteren Welten verbrannt hatte, wandte er sich wieder nach oben.

Wort für Wort
analaṃ bhuvi cikṣepa
er warf Feuer auf die Erde
kṣaṇāt dagdhā mahī tadā
im Nu ward da die Erde verbrannt
atha saptatalān dagdhvā
dann, nachdem er die sieben unteren Welten verbrannt hatte
punaḥ ūrdhvam avartata
wandte er sich wieder nach oben

pañcorddhvalokānadahajjanalokanivāsinaḥ / lalāṭanetrasaṃbhūtaṃ nakhenādāya cānalam

Er verbrannte die fünf oberen Welten samt den Bewohnern der Janaloka; das aus seinem Stirnauge entstandene Feuer nahm er mit dem Nagel auf,

Wort für Wort
pañca ūrdhvalokān adahat
er verbrannte die fünf oberen Welten
janalokanivāsinaḥ
samt den Bewohnern der Janaloka
lalāṭanetrasaṃbhūtam analam
das aus dem Stirnauge entstandene Feuer
nakhena ādāya ca
und mit dem Nagel aufnehmend

jaṃbīraphalasaṃkāśaṃ kṛtvā karatale vibhuḥ / tapaḥ satyaṃ ca saṃdagdhumudyato 'bhūnmunīśvaraḥ

und formte es, einer Zitrusfrucht gleich, auf seiner Handfläche, der Mächtige; er, der Herr der Weisen, machte sich bereit, auch die Sphären der Askese und der Wahrheit zu verbrennen.

Wort für Wort
jaṃbīraphalasaṃkāśaṃ
einer Jambīra-Frucht (Zitrusfrucht) gleich
kṛtvā karatale vibhuḥ
auf seiner Handfläche formend, der Mächtige
tapaḥ satyaṃ ca saṃdagdhum
auch die Welten Tapas und Satya zu verbrennen
udyato 'bhūt munīśvaraḥ
machte sich der Herr der Weisen bereit

tatastu munayo dṛṣṭvātapolokanivāsinaḥ / dagdhukāmaṃ vīrabhadraṃ gautamāśramamāgatāḥ

Da aber sahen die in der Tapoloka wohnenden Weisen, dass Vīrabhadra brennen wollte; sie kamen zur Einsiedelei Gautamas.

Wort für Wort
tataḥ tu munayo dṛṣṭvā
da aber sahen die Weisen
tapolokanivāsinaḥ
die in der Tapoloka wohnenden
dagdhukāmaṃ vīrabhadraṃ
dass Vīrabhadra brennen wollte
gautamāśramam āgatāḥ
sie kamen zur Einsiedelei Gautamas

na dṛṣṭvā tatra deveśaṃ śaṅkaraṃ svātmani sthitam / astuvanbhaktisaṃyuktāḥ stotrairvedasamudbhavaiḥ

Da sie dort den Gott der Götter, Śaṅkara, der in sich selbst weilte, nicht sahen, priesen sie ihn, voller Hingabe, mit aus dem Veda entsprungenen Lobliedern:

Wort für Wort
na dṛṣṭvā tatra deveśaṃ
da sie dort den Gott der Götter nicht sahen
śaṅkaraṃ svātmani sthitam
Śaṅkara, der in sich selbst weilte
astuvan bhaktisaṃyuktāḥ
priesen sie ihn, voller Hingabe
stotraiḥ vedasamudbhavaiḥ
mit aus dem Veda entsprungenen Lobliedern

oṃ vedavedyāya devāya tasmai śuddhaprabhācintyarūpāya kasmai / brahmādyadhīśāya sṛṣṭyādikartre,viṣṇupriyāyārtihṝntreṃ'takartre

Oṃ! Verehrung dem durch die Veden erkennbaren Gott, jenem von reinem Glanz, von unvorstellbarer Gestalt, dem Unfasslichen; dem Herrn über Brahmā und die anderen, dem Urheber der Schöpfung usw., dem Viṣṇu-Lieben, dem Entferner des Leids, dem Bezwinger des Todesgottes selbst,

Wort für Wort
oṃ vedavedyāya devāya tasmai
Oṃ, jenem durch die Veden erkennbaren Gott
śuddhaprabhācintyarūpāya kasmai
von reinem Glanz, unvorstellbarer Gestalt, dem Unfasslichen [?]
brahmādyadhīśāya sṛṣṭyādikartre
dem Herrn über Brahmā u. a., dem Urheber der Schöpfung usw.
viṣṇupriyāya arti-hṛte antakartre
dem Viṣṇu-Lieben, dem Entferner des Leids, dem Bezwinger des Todes [?]

[?: „kasmai“ hier offenbar als Anspielung auf den unbekannten, unnennbaren Gott (vgl. die vedische ‚Ka‘-Frage) zu verstehen; „'takartre“ als „antakartre“ (dem Bezwinger des Antaka/Todes) gelesen.]

namaste 'khilādhīśvarāyāṃbarāya namaste carasthāvaravyāpakāya / namo vedaguhyāya bhaktapriyāya namaḥ pākabhoktre makheśāya tubhyam

Verehrung dir, dem Herrn über alles, dem Himmelsgewandeten; Verehrung dir, dem alles Bewegliche und Unbewegliche Durchdringenden; Verehrung dem im Veda Verborgenen, dem den Ergebenen Lieben; Verehrung dir, dem Genießer der Opferspeise, dem Herrn der Opfer.

Wort für Wort
namaste akhilādhīśvarāya ambarāya
Verehrung dir, dem Herrn über alles, dem Himmelsgewandeten
namaste carasthāvaravyāpakāya
Verehrung dir, dem alles Bewegliche und Unbewegliche Durchdringenden
namo vedaguhyāya bhaktapriyāya
Verehrung dem im Veda Verborgenen, dem den Ergebenen Lieben
namaḥ pākabhoktre makheśāya tubhyam
Verehrung dir, dem Genießer der Opferspeise, dem Herrn der Opfer

namaste śivāyādidevāya kurmo namo vyālayajñopavītapradhartne / namaste surābinduvarṣāpanāya trayīmūrtaye kālakālāya nātha

Verehrung erweisen wir dir, Śiva, dem Uranfänglichen Gott; Verehrung dem Träger der Schlange als heiliger Schnur; Verehrung dir, dem Bändiger des herabstürzenden Götterstroms, der Gestalt der drei Veden, dem Herrn der Zeit selbst, o Gebieter.

Wort für Wort
namaste śivāya ādidevāya
Verehrung dir, Śiva, dem Uranfänglichen Gott
kurmo namo vyālayajñopavītapradhartne
wir erweisen Verehrung dem Träger der Schlange als heiliger Schnur
namaste surābinduvarṣāpanāya
Verehrung dir, dem Bändiger des herabstürzenden Götterstroms [?]
trayīmūrtaye kālakālāya nātha
der Gestalt der drei Veden, dem Herrn der Zeit selbst, o Gebieter

[?: „surābinduvarṣāpanāya“ vermutlich Anspielung auf Śiva als Gaṅgādhara, den Bändiger des herabstürzenden Götterstroms (Gaṅgā); wörtlich unsicher.]

dharitrīmarudvyomatoyenduvahniprabhāmaṇḍalātmāṣṭadhāmūrti dhartre / śivāyāśivaghnāya vīrāya bhūyātsadā naḥ prasanno jagannāthakejyaḥ

Dem Träger der Gestalt, die achtfach ist als Erde, Wind, Äther, Wasser, Mond, Feuer, Sonne und Glanz-Kreis; dem Heilvollen, dem Vernichter des Unheils, dem Helden – stets sei er uns wohlgesinnt, der vom Herrn der Welt Verehrte.

Wort für Wort
dharitrīmarudvyomatoyenduvahni-
der aus Erde, Wind, Äther, Wasser, Mond, Feuer
prabhāmaṇḍalātmāṣṭadhāmūrti dhartre
und Sonnen-Glanz-Kreis achtfach gestalteten Form Träger
śivāya aśivaghnāya vīrāya
dem Heilvollen, dem Vernichter des Unheils, dem Helden
bhūyāt sadā naḥ prasanno jagannāthakejyaḥ
stets sei er uns wohlgesinnt, der vom Herrn der Welt Verehrte

kalānāthabhālāya ātmā mahātmā mano hyagrayāno nirūpyo na vāgbhiḥ / jagajjāḍyavidhvaṃsanobhuktimuktipradaḥ stātprasannaḥ sadā śuddha kīrtiḥ

Dem, an dessen Stirn der Herr der Mondphasen ist; die Seele, die Große Seele, das Vorzüglichste des Geistes, durch Worte nicht darstellbar; der Vernichter der Trägheit der Welt, der Gewährer von Genuss und Erlösung – er, von reinem Ruhm, sei uns stets wohlgesinnt.

Wort für Wort
kalānāthabhālāya
dem, an dessen Stirn der Herr der Mondphasen ist
ātmā mahātmā mano hi agrayāno
die Seele, die Große Seele, das Vorzüglichste des Geistes, fürwahr
nirūpyo na vāgbhiḥ
durch Worte nicht darstellbar
jagajjāḍyavidhvaṃsano bhuktimuktipradaḥ
der Vernichter der Trägheit der Welt, der Gewährer von Genuss und Erlösung
syāt prasannaḥ sadā śuddhakīrtiḥ
er, von reinem Ruhm, sei stets wohlgesinnt

yataḥ saṃprasūtaṃ jagajjātamīśātsthitaṃ yena rakṣāvatā bhāvitaṃ ca / layaṃ yāsyate yatra vācāṃ vidūre sa vai naḥ prasanno 'stu kālatrayātmā

Aus dem die entstandene Welt hervorgegangen ist, durch den, den Beschützer, sie erhalten und bewahrt wird, in den sie eingehen wird – jenseits der Reichweite der Worte: er, der aus den drei Zeiten Bestehende, sei uns fürwahr wohlgesinnt.

Wort für Wort
yataḥ saṃprasūtaṃ jagat jātam īśāt
aus dem die entstandene Welt hervorgegangen ist, vom Herrn
sthitaṃ yena rakṣāvatā bhāvitaṃ ca
durch den, den Beschützer, sie erhalten und bewahrt wird
layaṃ yāsyate yatra vācāṃ vidūre
in den sie eingehen wird, jenseits der Reichweite der Worte
sa vai naḥ prasanno 'stu kālatrayātmā
er, der aus den drei Zeiten Bestehende, sei uns fürwahr wohlgesinnt

yadārdi ca madhyaṃ tathāntaṃ na ke 'pi vijānanti vijñā api svānumānāḥ / sa vai sarvamūrtiḥ sadā no vibhūtyeprasanno 'stu kiṃ jñāpayāmo 'tra kṛtyam

Dessen Anfang, Mitte und ebenso Ende niemand kennt, auch nicht die Weisen, die auf eigene Schlussfolgerungen bauen – er, dessen Gestalt alles ist, sei uns stets durch seine Macht wohlgesinnt; was sollen wir hier noch kundtun, welche Aufgabe bleibt uns?

Wort für Wort
yadārdi ca madhyaṃ tathāntaṃ
dessen Anfang, Mitte und ebenso Ende
na ke 'pi vijānanti vijñā api svānumānāḥ
niemand kennt, auch nicht die Weisen, die auf eigene Schlussfolgerungen bauen
sa vai sarvamūrtiḥ sadā no vibhūtye
er, dessen Gestalt alles ist, sei uns stets durch seine Macht
prasanno 'stu kiṃ jñāpayāmo 'tra kṛtyam
wohlgesinnt – was sollen wir hier kundtun, welche Aufgabe bleibt

etāṃ stutimathākarṇya bhaganetrapradaḥ śivaḥ / viṣṇumāha munīnetānānayasva madantikam

Als Śiva, der Gewährer des Auges für Bhaga, dieses Loblied vernommen hatte, sprach er zu Viṣṇu: „Bring mir diese Weisen her, zu mir!“

Wort für Wort
etāṃ stutim atha ākarṇya
dieses Loblied nun vernehmend
bhaganetrapradaḥ śivaḥ
Śiva, der Gewährer des Auges für Bhaga
viṣṇum āha
sprach er zu Viṣṇu
munīn etān ānayasva madantikam
bring diese Weisen her, zu mir

atha viṣṇuḥ samāgatya tapolokanivāsinaḥ / munīnsāṃtvayya viśveśaṃ darśayāmāsa śaṅkaram

Da ging Viṣṇu hin, und, nachdem er die in der Tapoloka wohnenden Weisen besänftigt hatte, zeigte er ihnen den Herrn des Alls, Śaṅkara.

Wort für Wort
atha viṣṇuḥ samāgatya
da ging Viṣṇu hin
tapolokanivāsinaḥ munīn sāṃtvayya
nachdem er die in der Tapoloka wohnenden Weisen besänftigt hatte
viśveśaṃ darśayāmāsa śaṅkaram
zeigte er ihnen den Herrn des Alls, Śaṅkara

tānāha śaṅkaro vākyaṃ kimarthaṃ yūyamāgatāḥ / tapolokādbhūmilokaṃ munayo muktakilbiṣāḥ

Śaṅkara sprach zu ihnen das Wort: „Wozu seid ihr, aus der Tapoloka zur Erdenwelt, gekommen, ihr Weisen, von Sünde befreite?“

Wort für Wort
tān āha śaṅkaro vākyaṃ
Śaṅkara sprach zu ihnen das Wort
kimartham yūyam āgatāḥ
wozu seid ihr gekommen
tapolokāt bhūmilokaṃ
aus der Tapoloka zur Erdenwelt
munayo muktakilbiṣāḥ
ihr Weisen, von Sünde befreite

tacchrutvā śūlino vākyaṃ procuste munisattamāḥ / deva dvādaśalokānāṃ dṛśyante bhasmarāśayaḥ

Als sie das Wort des Dreizackträgers vernommen hatten, sprachen jene besten der Weisen: „O Gott, von den zwölf Welten sind nur noch Aschehaufen zu sehen –

Wort für Wort
tat śrutvā śūlino vākyaṃ
als sie das Wort des Dreizackträgers vernommen hatten
procuḥ te munisattamāḥ
sprachen jene besten der Weisen
deva dvādaśalokānāṃ
o Gott, von den zwölf Welten
dṛśyante bhasmarāśayaḥ
sind Aschehaufen zu sehen

sthitamekaṃ vanamidaṃ paśya tallokasaṃkṣayam / tacchrutvā giriśaḥ prāha tānmunīnūrddharetasaḥ

nur dieser eine Wald hier ist übriggeblieben – sieh jenen Weltenuntergang!“ Als Giriśa dies vernommen hatte, sprach er zu jenen Weisen, den Keuschen:

Wort für Wort
sthitam ekaṃ vanam idaṃ
übriggeblieben ist dieser eine Wald
paśya tallokasaṃkṣayam
sieh jenen Weltenuntergang
tat śrutvā giriśaḥ prāha
als Giriśa dies vernommen hatte, sprach er
tān munīn ūrdhvaretasaḥ
zu jenen Weisen, den Keuschen

bhūrlokasya tu saṃdāhe pātālānāṃ tathaiva ca / sandeho nāsti munayaḥ sthitānāṃ no rahaḥsthale

„Was das Verbrennen der Erdenwelt betrifft, sowie ebenso der Unterwelten, so besteht kein Zweifel, ihr Weisen, für die, die an unserer verborgenen Stätte weilen –

Wort für Wort
bhūrlokasya tu saṃdāhe
was aber das Verbrennen der Erdenwelt betrifft
pātālānāṃ tathaiva ca
und ebenso der Unterwelten
sandeho nāsti munayaḥ
besteht kein Zweifel, ihr Weisen
sthitānāṃ no rahaḥsthale
für die, die an unserer verborgenen Stätte weilen

ūrddhapañcakalokānāṃ dāhe saṃdeha eva naḥ / kathamaṅgāravṛṣṭiśca kathaṃ no vā mahādhvaniḥ

doch was das Verbrennen der fünf oberen Welten betrifft, so besteht für uns eben Zweifel – wie auch der Regen glühender Kohlen, und wie für uns das laute Getöse?“

Wort für Wort
ūrdhvapañcakalokānāṃ dāhe
was das Verbrennen der fünf oberen Welten betrifft
saṃdeha eva naḥ
besteht eben Zweifel für uns
katham aṅgāravṛṣṭiḥ ca
wie auch der Regen glühender Kohlen
kathaṃ no vā mahādhvaniḥ
und wie für uns das laute Getöse

tadākarṇya vibhorvākyaṃ śaṅkarasya munīśvarāḥ / procuḥ prāñjalayo devaṃ brahmādisurasaṃgatam

Als sie das Wort des mächtigen Śaṅkara vernommen hatten, sprachen die Herren der Weisen, mit gefalteten Händen, zu dem Gott, der von Brahmā und den anderen Göttern begleitet war:

Wort für Wort
tat ākarṇya vibhoḥ vākyaṃ śaṅkarasya
als sie das Wort des mächtigen Śaṅkara vernommen hatten
munīśvarāḥ procuḥ prāñjalayo devaṃ
sprachen die Herren der Weisen, mit gefalteten Händen, zum Gott
brahmādisurasaṃgatam
der von Brahmā und den anderen Göttern begleitet war

bhītirasmākamadhunā vartate vīrabhadrataḥ / sa evāṅgāra vṛṣṭiṃ ca pipāsurapibadvibhoḥ

„Furcht besteht bei uns jetzt vor Vīrabhadra; er selbst, durstig, verursachte den Regen glühender Kohlen des Mächtigen –“

Wort für Wort
bhītiḥ asmākam adhunā
Furcht besteht bei uns jetzt
vartate vīrabhadrataḥ
vor Vīrabhadra
sa eva aṅgāravṛṣṭiṃ ca
er selbst (verursachte) den Regen glühender Kohlen
pipāsuḥ apibat vibhoḥ
durstig, trank er des Mächtigen [?]

[?: Zusammenhang von „pipāsurapibadvibhoḥ“ (der Durstige trank des Mächtigen) im Wortlaut unklar; sinngemäß übersetzt.]

devo 'tha vīramāhūya kiṃ vīretyabravīdvacaḥ / vīro 'pyāha kaperliṅge pīṭhābhāvādidaṃ kṛtam

Der Gott rief darauf den Helden herbei und sprach das Wort: „Was, Held?“ Der Held aber sprach: „Weil am Liṅga des Affen die Sitzplatte fehlte, habe ich dies getan.“

Wort für Wort
devo atha vīram āhūya
der Gott rief darauf den Helden herbei
kiṃ vīra iti abravīt vacaḥ
„was, Held?“ sprach er das Wort
vīro api āha
der Held aber sprach
kapeḥ liṅge pīṭhābhāvāt idaṃ kṛtam
weil am Liṅga des Affen die Sitzplatte fehlte, habe ich dies getan

tacchrutvāha śivo devo munīṃstānbhayavihvalān / kapeścittaṃ parijñātuṃ mayā kṛtamidaṃ dvijāḥ

Als er dies vernommen hatte, sprach der Gott Śiva zu jenen von Furcht überwältigten Weisen: „Um die Gesinnung des Affen zu erkennen, habe ich, o Brahmanen, dies getan –

Wort für Wort
tat śrutvā āha śivo devo
als er dies vernommen hatte, sprach der Gott Śiva
munīṃs tān bhayavihvalān
zu jenen von Furcht überwältigten Weisen
kapeḥ cittaṃ parijñātum
um die Gesinnung des Affen zu erkennen
mayā kṛtam idaṃ dvijāḥ
habe ich, o Brahmanen, dies getan

mā bhaiṣṭa bhavatāṃ saukhyaṃ sadā saṃpādayāmyaham / ityuktvā tu yathāpūrvaṃ devadevaḥ kṛpānidhiḥ

fürchtet euch nicht, euer Wohlergehen bewirke ich stets.“ So sprechend, stellte der Gott der Götter, der Born des Mitleids, wie zuvor

Wort für Wort
mā bhaiṣṭa
fürchtet euch nicht
bhavatāṃ saukhyaṃ sadā saṃpādayāmi aham
euer Wohlergehen bewirke ich stets
ityuktvā tu yathāpūrvaṃ
so sprechend, aber wie zuvor
devadevaḥ kṛpānidhiḥ
der Gott der Götter, der Born des Mitleids

dagdhānapyakhilāṃllokānpūrvataḥ śobhanānvibhuḥ / kalpayāmāsa viśvātmā vīrabhadramathābravīt

die gänzlich verbrannten Welten allesamt wieder her, so schön wie zuvor, der Mächtige, die Weltseele; und er sprach dann zu Vīrabhadra:

Wort für Wort
dagdhān api akhilān lokān
auch die gänzlich verbrannten Welten
pūrvataḥ śobhanān vibhuḥ
so schön wie zuvor, der Mächtige
kalpayāmāsa viśvātmā
stellte wieder her, die Weltseele
vīrabhadram atha abravīt
und sprach dann zu Vīrabhadra

sādhu vatsa yato bhadraṃ bhaktānāmīhase sadā / tataste vipulā kīrtirloke sthāsyati śāśvatī

„Wohlgetan, mein Kind, da du stets das Wohlergehen der Ergebenen erstrebst; deshalb wird dein ausgedehnter Ruhm in der Welt ewig bestehen bleiben.“

Wort für Wort
sādhu vatsa
wohlgetan, mein Kind
yato bhadraṃ bhaktānām īhase sadā
da du stets das Wohlergehen der Ergebenen erstrebst
tataḥ te vipulā kīrtiḥ
deshalb dein ausgedehnter Ruhm
loke sthāsyati śāśvatī
wird in der Welt ewig bestehen bleiben

ityuktvāliṅgya śirasi samāghrāya maheśvaraḥ / tāṃbūlaṃ vīrabhadrāya dattavānprītamānasaḥ

So sprechend, ihn umarmend, ihn am Haupt beriechend, gab der Große Herr, froh gestimmten Sinnes, Vīrabhadra Betel.

Wort für Wort
ityuktvā āliṅgya śirasi samāghrāya
so sprechend, umarmend, am Haupt beriechend
maheśvaraḥ
der Große Herr
tāṃbūlaṃ vīrabhadrāya dattavān
gab Vīrabhadra Betel
prītamānasaḥ
froh gestimmten Sinnes

athāsau hanumānīpūjanaṃ kṛtavānyathā / samāptāyāṃ tu pūjāyāṃ hanumānprītamānasaḥ

Da vollzog jener Hanumān die Verehrung des Herrn, wie es vorgeschrieben war; nachdem aber die Verehrung vollendet war, ward Hanumān froh gestimmten Sinnes.

Wort für Wort
atha asau hanumān
da vollzog jener Hanumān
īśapūjanaṃ kṛtavān yathā
die Verehrung des Herrn, wie es vorgeschrieben war
samāptāyāṃ tu pūjāyāṃ
nachdem aber die Verehrung vollendet war
hanumān prītamānasaḥ
ward Hanumān froh gestimmten Sinnes

ekaṃ vanacaraṃ tatra gandharvaṃ savipañcakam / dadarśa tamathābhyāha vīṇā me dīyatāmiti

Er sah dort einen im Wald wandelnden Gandharva mit einer Vipañcī-Laute; ihn sprach er darauf an: „Gib mir die Laute!“

Wort für Wort
ekaṃ vanacaraṃ tatra gandharvaṃ
einen dort im Wald wandelnden Gandharva
savipañcakam dadarśa
mit einer Vipañcī-Laute sah er
tam atha abhyāha
ihn sprach er darauf an
vīṇā me dīyatām iti
gib mir die Laute!

gandharvo 'pyāha na mayā tyājyā vīṇā priyā mama / mamāpīṣṭehaṃ gandharva vīṇetyāha kapīśvaraḥ

Der Gandharva aber sprach: „Nicht will ich meine geliebte Laute hergeben.“ „Auch mir ist sie begehrenswert, o Gandharva, die Laute!“, sprach der Herr der Affen.

Wort für Wort
gandharvo api āha
der Gandharva aber sprach
na mayā tyājyā vīṇā priyā mama
nicht will ich meine geliebte Laute hergeben
mama api iṣṭā ahaṃ gandharva vīṇā
auch mir ist die Laute begehrenswert, o Gandharva
iti āha kapīśvaraḥ
so sprach der Herr der Affen

yadā na datte gandharvo vallakīṃ kapaye priyām / tadā muṣṭiprahāreṇa gandharvaḥ pātitaḥ kṣitau

Als der Gandharva dem Affen die geliebte Laute nicht gab, da ward der Gandharva durch einen Faustschlag zu Boden geworfen.

Wort für Wort
yadā na datte gandharvo
als der Gandharva nicht gab
vallakīṃ kapaye priyām
die geliebte Laute dem Affen
tadā muṣṭiprahāreṇa
da durch einen Faustschlag
gandharvaḥ pātitaḥ kṣitau
ward der Gandharva zu Boden geworfen

vīṇāmādāya mahatīṃ svaratantusamanvitām / hanumānvānaraśreṣṭho gāyanprāgācchivāntikam

Die große Laute nehmend, mit wohlklingenden Saiten versehen, ging Hanumān, der Vortrefflichste der Affen, singend zu Śiva hin.

Wort für Wort
vīṇām ādāya mahatīṃ
die große Laute nehmend
svaratantusamanvitām
mit wohlklingenden Saiten versehen
hanumān vānaraśreṣṭho
Hanumān, der Vortrefflichste der Affen
gāyan prāgāt śivāntikam
ging singend zu Śiva hin

tato gānena mahatā prasādya jagadīśvaram / bṛhatīkusumaiḥ śuddhair devapādāvapūjayat

Danach, nachdem er den Herrn der Welt mit großem Gesang erfreut hatte, verehrte er die Füße des Gottes mit reinen Bṛhatī-Blüten.

Wort für Wort
tato gānena mahatā
danach mit großem Gesang
prasādya jagadīśvaram
den Herrn der Welt erfreuend
bṛhatīkusumaiḥ śuddhaiḥ
mit reinen Bṛhatī-Blüten
devapādau apūjayat
verehrte er die Füße des Gottes

tataḥ prasanno viśvātmā munīnāṃ sannidhau tadā / daityānāṃ devatānāṃ ca nṛpāṇāṃ śaṅkaro 'pi ca

Da, wohlgesinnt, die Weltseele, in Gegenwart der Weisen, der Daityas, der Götter und der Könige, auch Śaṅkara –

Wort für Wort
tataḥ prasanno viśvātmā
da, wohlgesinnt, die Weltseele
munīnāṃ sannidhau tadā
in Gegenwart der Weisen, damals
daityānāṃ devatānāṃ ca nṛpāṇāṃ
der Daityas, der Götter und der Könige
śaṅkaro api ca
auch Śaṅkara

tasmai varamatha prādātkalpāntaṃ jīvitaṃ punaḥ / samullaṅghane śaktiṃ śāstrajñatvaṃ balonnatim

gewährte ihm sodann eine Gabe: Leben bis zum Ende des Kalpa, ferner die Kraft, jedes Hindernis zu überspringen, Kenntnis der Lehrschriften, und Erhöhung der Kraft.

Wort für Wort
tasmai varam atha prādāt
gewährte ihm sodann eine Gabe
kalpāntaṃ jīvitaṃ punaḥ
Leben bis zum Ende des Kalpa, ferner
samullaṅghane śaktiṃ
die Kraft zu überspringen
śāstrajñatvaṃ balonnatim
Kenntnis der Lehrschriften, Erhöhung der Kraft

evaṃ dattaṃ varaṃ prāpya maheśena mahātmanā / pratyakṣaṃ mama viprendra hanumānharṣamāgagataḥ

Nachdem er so die vom hochbeseelten Großen Herrn gewährte Gabe erlangt hatte, ward Hanumān, o Fürst der Brahmanen, leibhaftig vor mir, von Freude erfüllt.

Wort für Wort
evaṃ dattaṃ varaṃ prāpya
nachdem er so die gewährte Gabe erlangt hatte
maheśena mahātmanā
vom hochbeseelten Großen Herrn
pratyakṣaṃ mama viprendra
leibhaftig vor mir, o Fürst der Brahmanen
hanumān harṣam āgataḥ
ward Hanumān von Freude erfüllt

samastabhūṣāsu ṣitāṅgaḥ svadīptirmadīkṛtadevadīptiḥ / prasannamūrtistaruṇaḥ śivāṃśaḥ saṃbhāvayāmāsa samastadevān

Mit allerlei Schmuck an den Gliedern geziert, von eigenem Glanz, der den Glanz der Götter übertraf, von heiterer Gestalt, jugendlich, ein Teil Śivas, ehrte er alle Götter.

Wort für Wort
samastabhūṣāsu bhūṣitāṅgaḥ
mit allerlei Schmuck an den Gliedern geziert
svadīptiḥ madīkṛtadevadīptiḥ
von eigenem Glanz, der den Glanz der Götter übertraf
prasannamūrtis taruṇaḥ śivāṃśaḥ
von heiterer Gestalt, jugendlich, ein Teil Śivas
saṃbhāvayāmāsa samastadevān
ehrte er alle Götter

[Anm.: Im Quelltext „ṣitāṅgaḥ“ statt metrisch vollständigem „bhūṣitāṅgaḥ“; als „bhūṣitāṅgaḥ“ gelesen.]

ājñapto hanumāṃstatra matsevāyai munīśvaraḥ / maheśenāhamapyenaṃ śaśimaulimavaimi ca

Hanumān, der Herr der Weisen, ward dort vom Großen Herrn zu meinem Dienst beauftragt; auch ich erkenne in ihm den Mondbekrönten.

Wort für Wort
ājñapto hanumān tatra
Hanumān ward dort beauftragt
matsevāyai munīśvaraḥ maheśena
zu meinem Dienst, der Herr der Weisen, vom Großen Herrn
aham api enaṃ
auch ich erkenne in ihm
śaśimaulim avaimi ca
den Mondbekrönten (Śiva)

kiṃ bahūktena viprarṣe yādṛśo vānareśvaraḥ / buddhau nyāye ca vai dhairye tādṛganyo 'sti na kvacit

Was soll vieles Reden, o Brahmanenweiser: wie der Herr der Affen ist, so ist an Verstand, an Gerechtigkeit und an Standhaftigkeit fürwahr kein anderer irgendwo.

Wort für Wort
kiṃ bahūktena viprarṣe
was soll vieles Reden, o Brahmanenweiser
yādṛśo vānareśvaraḥ
wie der Herr der Affen ist
buddhau nyāye ca vai dhairye
an Verstand, an Gerechtigkeit und fürwahr an Standhaftigkeit
tādṛg anyo 'sti na kvacit
so ist kein anderer irgendwo

iti te sarvamākhyātaṃ caritaṃ pāpanāśanam / paṭhatāṃ śṛṇvatāṃ caiva gaccha vipra yathāsukham

So ist dir die ganze sündentilgende Lebensgeschichte erzählt worden, für die, die sie lesen und hören; geh, o Brahmane, wie es dir beliebt.“

Wort für Wort
iti te sarvam ākhyātaṃ
so ist dir alles erzählt worden
caritaṃ pāpanāśanam
die sündentilgende Lebensgeschichte
paṭhatāṃ śṛṇvatāṃ ca eva
für die, die sie lesen und hören
gaccha vipra yathāsukham
geh, o Brahmane, wie es dir beliebt

tacchrutvā rāmabhadrasya raghunāthasya dhīmataḥ / vacanaṃ dakṣiṇīkṛtya natvā cāgāṃ yathāgataḥ

Als er das Wort des klugen Rāmabhadra, des Herrn der Raghus, vernommen hatte, ehrte er es ehrfürchtig, verneigte sich und ging, so wie er gekommen war.

Wort für Wort
tat śrutvā rāmabhadrasya
als er das Wort des Rāmabhadra vernommen hatte
raghunāthasya dhīmataḥ
des klugen Herrn der Raghus
vacanaṃ dakṣiṇīkṛtya
das Wort ehrfürchtig umschreitend/ehrend
natvā ca agāṃ yathāgataḥ
und sich verneigend, ging er, wie er gekommen war

etatte 'bhihitaṃ vipra caritaṃ ca hanūmataḥ / sukhadaṃ mokṣadaṃ sāraṃ kimanyacchrotumicchasi

Dies wurde dir, o Brahmane, verkündet, die Lebensgeschichte des Hanumān, wohltuend, Erlösung gewährend, das Wesentliche – was anderes wünschest du zu hören?

Wort für Wort
etat te abhihitaṃ vipra
dies wurde dir verkündet, o Brahmane
caritaṃ ca hanūmataḥ
und die Lebensgeschichte des Hanumān
sukhadaṃ mokṣadaṃ sāraṃ
wohltuend, Erlösung gewährend, das Wesentliche
kim anyat śrotum icchasi
was anderes wünschest du zu hören

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