Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 11: dānapātralākṣaṇaṃ bhagīrathadharmasaṃvādaśca taḍāgamāhātmyam Das Merkmal des Gabenempfängers, das Zwiegespräch des Bhagīratha mit Dharma und die Größe des Teichbaus

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde gaṅgotpattirgaṅgāmāhātmyaṃ nāmaikādaśo 'dhyāyaḥ // nārada uvāca / śrutaṃ tu gaṅgāmāhātmyaṃ vāñchitaṃ pāpanāśanam / adhunā lakṣaṇaṃ brūhi bhrātarme dānapātrāghayoḥ

Nārada sprach: Ich habe die erwünschte, sündentilgende Größe (māhātmya) der Gaṅgā vernommen. Nun verkünde, Bruder, das Merkmal des würdigen und des unwürdigen Gabenempfängers [?].

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
śrutaṃ tu gaṅgāmāhātmyaṃ
gehört habe ich die Gaṅgā-Größe
vāñchitaṃ pāpanāśanam
die erwünschte, sündenvernichtende
adhunā lakṣaṇaṃ brūhi
nun verkünde das Merkmal
bhrātar me
o Bruder, mir
dāna-pātra-aghayoḥ [?]
des würdigen und unwürdigen Gabenempfängers [?]

[Anm.: Der Vers beginnt mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels der Quelle (Quellzählung: „elftes Kapitel“ = Kap. 10 dieses Projekts, betitelt Gaṅgotpatti/Gaṅgāmāhātmya); erst danach beginnt der eigentliche Vers 1. – „dānapātrāghayoḥ“ ist im Quelltext unklar/korrupt, vermutlich dāna-pātra-apātrayoḥ („des würdigen und unwürdigen Gabenempfängers“); [?] entsprechend übersetzt. Sprecher dieses Unterabschnitts ist Sanaka (nicht Sanatkumāra), der Nārada als „Bruder“ anspricht.]

sanaka uvāca / sarveṣāmeva varṇānāṃ brahmaṇaḥ paramo guruḥ / tasmai tānāni deyāni dattasyānantyamicchatā

Sanaka sprach: Für alle Stände (varṇa) ist der Brahmane der höchste Lehrer (guru). Ihm sind jene Gaben zu geben – von dem, der die Unerschöpflichkeit des Gegebenen wünscht.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
sarveṣāmeva varṇānāṃ
für alle Stände
brahmaṇaḥ paramo guruḥ
der Brahmane ist der höchste Lehrer
tasmai tānāni deyāni
ihm sind jene (Gaben) zu geben
dattasya ānantyam icchatā
von dem, der die Unendlichkeit des Gegebenen wünscht

brāhmaṇaḥ pratigṛhṇīyātsarvato bhayavarjitaḥ / na kadāpi kṣatraviśo gṛhṇīyātāṃ pratigraham

Der Brahmane möge, von aller Furcht frei, (Gaben) annehmen; niemals sollen Kriegerstand (kṣatra) und Vaiśya den (rituellen) Gabenempfang vornehmen.

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ pratigṛhṇīyāt
der Brahmane möge annehmen
sarvato bhayavarjitaḥ
frei von aller Furcht
na kadāpi kṣatraviśo
niemals Kṣatriya und Vaiśya
gṛhṇīyātāṃ pratigraham
sollen den Gabenempfang vornehmen

caṇḍasya putrahīnasya dambhācāraratasya ca / svakarmatyāginaŜāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem Jähzornigen, einem Kinderlosen und einem der Heuchelei (dambha) Ergebenen gegeben wird, sowie was einem gegeben wird, der seine eigene Standespflicht aufgegeben hat – es bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
caṇḍasya putrahīnasya
einem Jähzornigen, Kinderlosen
dambhācāraratasya ca
und einem der Heuchelei Ergebenen
svakarmatyāginaŜ cāpi
und auch einem, der sein Werk aufgab
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

paradāraratasyāpi paradravyābhiliṣiṇaḥ / nakṣatrasūcakasyāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der an fremden Frauen hängt, einem, der nach fremdem Gut trachtet, und auch einem (gegen Lohn tätigen) Sterndeuter gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
paradāraratasya api
einem, der an fremden Frauen hängt
paradravyābhiliṣiṇaḥ
einem, der fremdes Gut begehrt
nakṣatrasūcakasya api
und auch einem Sterndeuter
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

asūyāviṣṭamanasaḥ kṛtanghasya ca māyinaḥ / ayājyayājakasyāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, dessen Geist von Missgunst erfüllt ist, einem Undankbaren und Betrüger, und auch einem, der Nicht-Opferwürdige zum Opfer anleitet, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
asūyāviṣṭamanasaḥ
einem, dessen Geist von Missgunst erfüllt ist
kṛtanghasya ca māyinaḥ
einem Undankbaren und Betrüger
ayājyayājakasya api
und auch einem, der Unwürdige opfern lässt
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

nityaṃ yācñāparasyāpi hiṃsakasya khalasya ca / rasavikrayiṇaścaiva dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der stets nur ums Erbetteln bemüht ist, einem Gewalttätigen und Bösartigen, sowie einem, der (heilige) Säfte verkauft, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
nityaṃ yācñāparasya api
einem, der stets nur ums Betteln bemüht ist
hiṃsakasya khalasya ca
einem Gewalttätigen und Bösen
rasavikrayiṇaś caiva
und einem Verkäufer (heiliger) Säfte
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

[Anm.: Quelltext „rasavikrayiṇaśvaiva“, hier als rasavikrayiṇaś caiva aufgefasst.]

nāmaikā da / vedavikrayiṇaŜāpi smṛtivikrayiṇastathā / dharmavikrayiṇo vipra dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der die Veden verkauft, ebenso einem, der die Smṛtis verkauft, und einem, der die Dharma-Lehre verkauft, o Brahmane, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
vedavikrayiṇaś cāpi
und auch einem Veda-Verkäufer
smṛtivikrayiṇaś tathā
ebenso einem Smṛti-Verkäufer
dharmavikrayiṇo vipra
einem Dharma-Verkäufer, o Brahmane
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

[Anm.: Vor dem eigentlichen Vers steht im Quelltext das isolierte Fragment „nāmaikā da“ – offenbar ein OCR-/Abschreibrest ohne erkennbaren Sinnzusammenhang; unverbunden übernommen, nicht übersetzt.]

gānena jīvikā yasya yasya bhāryā ca puścalī / paropatāpinaŜāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, dessen Lebensunterhalt vom Singen kommt, dessen Frau eine Hure ist, und auch einem, der andere quält, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
gānena jīvikā yasya
dessen Lebensunterhalt vom Singen kommt
yasya bhāryā ca puścalī
dessen Frau eine Hure ist
paropatāpinaŜ cāpi
und auch einem, der andere quält
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

asijīvī maṣījīvī devalo grāmayājakaḥ / dhāvako vā bhavetteṣāṃ dattaṃ bhavati niṣphalam

Wer vom Schwert lebt, wer von Tinte lebt, ein (gegen Bezahlung tätiger) Tempeldiener, ein Dorfpriester oder ein Bote sei – was diesen gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
asijīvī maṣījīvī
wer vom Schwert, wer von Tinte lebt
devalo grāmayājakaḥ
ein Tempeldiener, ein Dorfpriester
dhāvako vā bhavet teṣāṃ
oder ein Bote unter diesen sei
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

pākakartuḥ parasyārthe kavaye gadahāriṇe / abhakṣya bhakṣakasyāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der für einen anderen (gegen Lohn) kocht, einem Dichter, einem Krankheitsheiler, und auch einem, der Unverzehrbares isst, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
pākakartuḥ parasya arthe
einem, der für einen anderen kocht
kavaye gadahāriṇe
einem Dichter, einem Krankheitsheiler
abhakṣya bhakṣakasya api
und auch einem Esser von Unverzehrbarem
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

śūdrānnabhojinaścaiva śūdrāṇāṃ śavadāhinaḥ / paiṃśvalānnabhujaŜāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der die Speise eines Śūdra isst, einem, der die Leichen von Śūdras verbrennt, und auch einem, der verdorbene Speise [?] isst, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
śūdrānnabhojinaś caiva
einem, der Śūdra-Speise isst
śūdrāṇāṃ śavadāhinaḥ
einem Leichenverbrenner von Śūdras
paiṃśvalānnabhujaś cāpi [?]
und auch einem Esser verdorbener Speise [?]
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

[Anm.: „paiṃśvalānna“ unklar/korrupt; sinngemäß mit „verdorbene/unreine Speise“ wiedergegeben [?].]

nāmavikrayiṇo viṣṇoḥ saṃdhyākarmorjjhitasya ca / duṣpratigrahadagdhasya dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der den Namen Viṣṇus verkauft, einem, der die Sāṃdhyā-Pflicht aufgegeben hat, und einem, der durch unrechtmäßigen Gabenempfang verbrannt (befleckt) ist, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
nāmavikrayiṇo viṣṇoḥ
einem Verkäufer des Namens Viṣṇus
saṃdhyākarma-ujjhitasya ca
und einem, der das Sāṃdhyā-Ritual aufgab
duṣpratigrahadagdhasya
einem durch unrechten Gabenempfang Verbrannten
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

divāśayanaśīlasya tathā maithunakāriṇaḥ / saṃdhyābhojina evāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der am Tage zu schlafen pflegt, ebenso einem, der (zur Unzeit) Geschlechtsverkehr übt, und auch einem, der zur Dämmerungszeit isst, gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
divāśayanaśīlasya
einem, der am Tage zu schlafen pflegt
tathā maithunakāriṇaḥ
ebenso einem, der zur Unzeit Beischlaf übt
saṃdhyābhojina eva api
und auch einem Dämmerungsesser
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

[Anm.: Quelltext „sadhyābhojina“ als saṃdhyābhojinaḥ aufgefasst.]

mahāpātakayuktasya tyaktasya jñātibāndhavaiḥ / kuṇḍasya cāpi golasya dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem, der mit einer großen Sünde behaftet ist, einem von Verwandten und Freunden Verstoßenen, und auch einem Kuṇḍa und einem Gola [Anm.: unehelich bzw. nach dem Tod des Ehemanns geboren] gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
mahāpātakayuktasya
einem, der eine große Sünde begangen hat
tyaktasya jñātibāndhavaiḥ
einem von Sippe und Freunden Verstoßenen
kuṇḍasya cāpi golasya
einem Kuṇḍa und einem Gola
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

[Anm.: kuṇḍa/gola sind technische Bezeichnungen für während bzw. nach dem Tod des Ehemannes gezeugte Söhne, hier belassen und erläutert.]

parivatteḥ śaṭhasyāpi parivattuḥ pramādinaḥ / strījitasyāti duṣṭasya dattaṃ bhavita niṣphalam

Was einem betrügerischen Tauschhändler [?] und einem nachlässigen Tauschenden, sowie einem von seiner Frau beherrschten, äußerst lasterhaften (Mann) gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
parivatteḥ śaṭhasya api [?]
einem betrügerischen Tauschhändler [?]
parivattuḥ pramādinaḥ
einem nachlässigen Tauschenden
strījitasya atiduṣṭasya
einem von der Frau beherrschten, sehr Lasterhaften
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

[Anm.: „parivatti/parivattu“ – vermutlich ein (rituelle Gaben) gegen Gegengaben Eintauschender; Bedeutung unsicher [?].]

madyamāṃsāśinaŜāpi strīviṭasyātilobhinaḥ / caurasya piśunasyāpi dattaṃ bhavati niṣphalam

Was einem Wein- und Fleischesser, einem überaus gierigen Frauenverführer, einem Dieb und auch einem Verleumder gegeben wird, bleibt fruchtlos.

Wort für Wort
madyamāṃsāśinaś cāpi
und auch einem Wein- und Fleischesser
strīviṭasya atilobhinaḥ
einem überaus gierigen Frauenverführer
caurasya piśunasya api
einem Dieb und auch einem Verleumder
dattaṃ bhavati niṣphalam
das Gegebene bleibt fruchtlos

ye kecitpāpaniratā ninditāḥ sujanaiḥ sadā / na tebhyaḥ pratigṛhṇīyānna ca vadyāddijottama / satkarmaniratāyāpi deyaṃ yatnena nārada

Wer immer in Sünde verhaftet und von den Guten stets getadelt ist – von ihnen soll man nichts annehmen, o Bester der Zweifachgeborenen, und man soll (ihnen) auch nichts geben. Dem hingegen, der guten Werken hingegeben ist, soll man, o Nārada, mit Sorgfalt geben.

Wort für Wort
ye kecit pāpaniratāḥ
wer immer in Sünde verhaftet ist
ninditāḥ sujanaiḥ sadā
von den Guten stets getadelt
na tebhyaḥ pratigṛhṇīyāt
von ihnen soll man nichts annehmen
na ca vadyāt dvijottama
und auch nichts geben, o bester Zweifachgeborener
satkarmaniratāya api deyaṃ
dem guten Werken Ergebenen aber soll man geben
yatnena nārada
mit Sorgfalt, o Nārada

yaddānaṃ śraddhayā dattaṃ tathā viṣṇusamarpaṇam / yācitaṃ vāpi pātreṇa bhavettaddānaṃ uttamam

Welche Gabe mit Glauben (śraddhā) gegeben wird, ebenso als Widmung an Viṣṇu, oder auch von einem würdigen Empfänger erbeten wird – diese Gabe sei die höchste.

Wort für Wort
yad dānaṃ śraddhayā dattam
welche Gabe mit Glauben gegeben wird
tathā viṣṇusamarpaṇam
ebenso als Viṣṇu-Widmung
yācitaṃ vā api pātreṇa
oder auch von einem würdigen Empfänger erbeten
bhavet tad dānaṃ uttamam
diese Gabe sei die höchste

paralokaṃ samuddaśya hyaihikaṃ vāpi nārada / yaddānaṃ dīyate pātre tatkāmyaṃ madhyamaṃ smṛtam

Die Gabe, die im Hinblick auf die jenseitige oder auch die diesseitige Welt, o Nārada, einem würdigen Empfänger gegeben wird, gilt als aus Wunsch gegeben und wird als mittlere bezeichnet.

Wort für Wort
paralokaṃ samuddaśya
im Hinblick auf die jenseitige Welt
hi aihikaṃ vā api nārada
oder auch die diesseitige, o Nārada
yad dānaṃ dīyate pātre
welche Gabe einem würdigen Empfänger gegeben wird
tat kāmyaṃ madhyamaṃ smṛtam
diese gilt aus Wunsch (gegeben) als mittlere

dambhena cāpi hiṃsārthaṃ parasyāvidhinā api ca / kruddhenāśraddhayā pātre taddānaṃ madhyamaṃ smṛtam

Auch die Gabe, die aus Heuchelei, zum Schaden eines anderen, regelwidrig, von einem Zornigen oder ohne Glauben einem würdigen Empfänger gegeben wird, gilt (hier ebenfalls) als mittlere [?].

Wort für Wort
dambhena cāpi hiṃsārtham
auch aus Heuchelei, zum Schaden
parasya avidhinā api ca
eines anderen, auch regelwidrig
kruddhena aśraddhayā pātre
von einem Zornigen, ohne Glauben, einem würdigen Empfänger
tad dānaṃ madhyamaṃ smṛtam [?]
diese Gabe gilt als mittlere [?]

[Anm.: Quelltext „dagbhena“ als dambhena aufgefasst. Die Einstufung als „madhyama“ (mittlere Gabe) steht in Spannung zum folgenden Vers 22, der erzwungene/eigennützige Gaben als „adhama“ (niedrigste) einstuft; möglicherweise ist „madhyama“ hier textverderbt für „adhama“ – wörtlich wiedergegeben, mit [?] markiert.]

adhamaṃ balitoṣāyam adhyamaṃ svārthasiddhaye / uttamaṃ hariprītyarthaṃ prāhurvedavidāṃ varāḥ

Die niedrigste (Gabe geschieht) zur Besänftigung eines Mächtigen (Zwangsgabe) [?], die mittlere zur eigenen Zielerreichung, die höchste, um Hari (Viṣṇu) zu erfreuen – so sagen die Besten der Vedakenner.

Wort für Wort
adhamaṃ balitoṣāyam [?]
die niedrigste zur Besänftigung eines Mächtigen [?]
madhyamaṃ svārthasiddhaye
die mittlere zur eigenen Zielerreichung
uttamaṃ hariprītyartham
die höchste, Hari zu erfreuen
prāhuḥ vedavidāṃ varāḥ
so sagen die Besten der Vedakenner

[Anm.: „balitoṣāyam“ – wörtlich „zur Befriedigung des Mächtigen/aus Zwang (bali)“, sinngemäß als erzwungene Gabe wiedergegeben [?].]

dānabhogavināśāśca rāyaḥ syurgatayastridhā

Gabe, Genuss und Vernichtung sind die drei Wege (gati) des Reichtums (rai).

Wort für Wort
dāna-bhoga-vināśāś ca
Gabe, Genuss und Vernichtung
rāyaḥ syuḥ gatayaḥ tridhā
sind die drei Wege des Reichtums

[Anm.: Im Quelltext ist hier nur ein Pāda (eine Verszeile) überliefert; der zweite Pāda fehlt.]

yo dadāti ca nobhukte taddhanaṃ nāśakāraṇam / dhanaṃ dharmaphalaṃ vipra dharmo mādhavatuṣṭikṛt

Wer (Reichtum) weder gibt noch genießt, dessen Reichtum wird zur Ursache des Untergangs. Reichtum ist die Frucht des Dharma, o Brahmane, und Dharma bewirkt die Zufriedenheit Mādhavas (Viṣṇus).

Wort für Wort
yo dadāti ca na bhuṅkte
wer weder gibt noch genießt
tad dhanaṃ nāśakāraṇam
dieser Reichtum ist Ursache des Untergangs
dhanaṃ dharmaphalaṃ vipra
Reichtum ist die Frucht des Dharma, o Brahmane
dharmo mādhavatuṣṭikṛt
Dharma bewirkt Mādhavas Zufriedenheit

taravaḥ kiṃ na jīvanti te 'pi loke parārthakāḥ / yatra mūlaphalairvṛkṣāḥ parakāryaṃ prakurvate

Leben nicht auch die Bäume? Auch sie sind in der Welt für andere da, da die Bäume mit Wurzel und Frucht das Werk für andere vollbringen.

Wort für Wort
taravaḥ kiṃ na jīvanti
leben nicht auch die Bäume
te api loke parārthakāḥ
auch sie sind in der Welt für andere da
yatra mūlaphalaiḥ vṛkṣāḥ
da mit Wurzel und Frucht die Bäume
parakāryaṃ prakurvate
das Werk für andere vollbringen

manuṣyā yadi viprāgthra na parārthāstadā mṛtāḥ / parakāryaṃ na ye martyāḥ kāyenāpi dhanena vā

Wenn Menschen nicht für andere da sind, sind sie gleichsam tot [?] – jene Sterblichen, die das Werk für andere weder mit dem Körper noch mit Reichtum vollbringen.

Wort für Wort
manuṣyā yadi [?]
wenn Menschen [Text unklar]
na parārthāḥ tadā mṛtāḥ
nicht für andere da sind, dann (gleichsam) tot
parakāryaṃ na ye martyāḥ
jene Sterblichen, die das Werk für andere nicht
kāyena api dhanena vā
weder mit dem Körper noch mit Reichtum (vollbringen)

[Anm.: „viprāgthra“ im Quelltext unklar/korrupt, ohne erkennbaren Wortlaut zu rekonstruieren; sinngemäß im Anschluss an den Baum-Vergleich von Vers 25 übersetzt [?].]

manasā vacasā vāpi te jñeyāḥ pāpakṛttamāḥ / atretihāsaṃ vakṣyāmi śṛṇu nārada tattvataḥ

– noch mit Gedanke oder Wort – sie sind als die größten Sünder zu erkennen. Hierzu will ich eine Erzählung (itihāsa) vortragen; höre sie, o Nārada, der Wahrheit gemäß.

Wort für Wort
manasā vacasā vā api
noch mit Gedanke oder Wort
te jñeyāḥ pāpakṛttamāḥ
sie sind als die größten Sünder zu erkennen
atra itihāsaṃ vakṣyāmi
hierzu will ich eine Erzählung vortragen
śṛṇu nārada tattvataḥ
höre, o Nārada, der Wahrheit gemäß

yatra dānādikānāṃ tu lakṣaṇaṃ parikīrtitam / gaṅgāmāhātmyasahitaṃ sarvapāpapraṇāśanam

– in welcher das Merkmal der Gabe und dergleichen verkündet wird, zusammen mit der Größe der Gaṅgā, die alle Sünden vernichtet,

Wort für Wort
yatra dānādikānāṃ tu
in welcher der Gabe und dergleichen
lakṣaṇaṃ parikīrtitam
das Merkmal verkündet wird
gaṅgāmāhātmyasahitam
zusammen mit der Gaṅgā-Größe
sarvapāpapraṇāśanam
die alle Sünden vernichtet

bhagīrathasya dharmasya saṃvādaṃ puṇyakāraṇam / āsīdbhagīratho rājā sagarānvayasaṃbhavaḥ

– das Zwiegespräch des Bhagīratha mit Dharma, die Ursache von Verdienst. Es war ein König Bhagīratha, geboren im Geschlecht des Sagara.

Wort für Wort
bhagīrathasya dharmasya saṃvādam
das Zwiegespräch des Bhagīratha mit Dharma
puṇyakāraṇam
die Ursache von Verdienst
āsīt bhagīratho rājā
es war ein König Bhagīratha
sagarānvayasaṃbhavaḥ
geboren im Geschlecht des Sagara

śaśāsa pṛthivīṃ metāṃ satpadvīpāṃ sasāgarām / sarvadharmarato nityaṃ satyasaṃdhaḥ pratāpavān

Er beherrschte diese Erde mit ihren [sieben] Inseln [?] und dem Meer, stets allem Dharma zugetan, treu seinem Wort, machtvoll.

Wort für Wort
śaśāsa pṛthivīṃ metām
er beherrschte diese Erde
sapta-dvīpāṃ sasāgarām [?]
mit den sieben Inseln und dem Meer [?]
sarvadharmarato nityam
stets allem Dharma zugetan
satyasaṃdhaḥ pratāpavān
treu seinem Wort, machtvoll

[Anm.: „satpadvīpāṃ“ im Quelltext unklar/korrupt, vermutlich saptadvīpāṃ („mit den sieben Inseln/Kontinenten“, ein gängiges Epitheton der Erde) [?].]

kandarpasaddaśo rupe yāyajṛko vicakṣaṇaḥ / prāleyādrisamo dhairye dharme dharmasamo nṛpaḥ

An Gestalt dem Liebesgott (Kandarpa) gleich, ein eifriger Opferer, scharfsinnig, an Standhaftigkeit dem Schneeberg (Himālaya) gleich, im Dharma dem Dharma(-gott) selbst gleich – so war der König.

Wort für Wort
kandarpasaddaśo rupe
an Gestalt dem Kandarpa gleich
yāyajṛko vicakṣaṇaḥ
ein eifriger Opferer, scharfsinnig
prāleyādrisamo dhairye
an Standhaftigkeit dem Schneeberg gleich
dharme dharmasamo nṛpaḥ
im Dharma dem Dharma(-gott) gleich, der König

sarvalakṣaṇasaṃpannaḥ sarvaśāstrārthapāragaḥ / sarvasaṃpatsamāyuktaḥ sarvānandakaro mune

Mit allen guten Merkmalen ausgestattet, in der Bedeutung aller Lehrschriften bewandert, mit allem Reichtum ausgestattet, allen Freude bereitend, o Weiser (Muni).

Wort für Wort
sarvalakṣaṇasaṃpannaḥ
mit allen guten Merkmalen ausgestattet
sarvaśāstrārthapāragaḥ
in der Bedeutung aller Lehrschriften bewandert
sarvasaṃpatsamāyuktaḥ
mit allem Reichtum ausgestattet
sarvānandakaro mune
allen Freude bereitend, o Weiser

ātithyaprayato nityaṃ vāsudevārcanerataḥ / parākramī guṇanidhirmaitraḥ kāruṇikaḥ sadhīḥ

Stets um Gastfreundschaft bemüht, der Verehrung Vāsudevas (Viṣṇus) hingegeben, tapfer, ein Schatz an Tugenden, freundlich, mitfühlend, klugen Sinnes.

Wort für Wort
ātithyaprayato nityam
stets um Gastfreundschaft bemüht
vāsudevārcanerataḥ
der Verehrung Vāsudevas hingegeben
parākramī guṇanidhiḥ
tapfer, ein Schatz an Tugenden
maitraḥ kāruṇikaḥ sudhīḥ
freundlich, mitfühlend, klugen Sinnes

etādṛśaṃ taṃ rājānaṃ jñātvā dṛṣṭvā bhagīratham / dharmarājo dvijaśreṣṭha kadāciddraṣṭumāgataḥ

Als er einen solchen König erkannt – als er Bhagīratha gesehen hatte –, o Bester der Zweifachgeborenen, kam Dharmarāja (der König des Dharma, Yama) einst, um ihn zu sehen.

Wort für Wort
etādṛśaṃ taṃ rājānam
einen solchen König
jñātvā dṛṣṭvā bhagīratham
erkannt, Bhagīratha gesehen habend
dharmarājo dvijaśreṣṭha
Dharmarāja, o bester Zweifachgeborener
kadācit draṣṭum āgataḥ
kam einst, um (ihn) zu sehen

[Anm.: Quelltext „dṛṣṭo“ grammatisch unstimmig (Partizip statt Absolutiv); hier als dṛṣṭvā aufgefasst [?].]

samāgataṃ dharmarājamarhayāmāsa bhūpatiḥ / śāstradṛṣṭena vidhinā dharmaḥ prīta uvāca tam

Den angekommenen Dharmarāja empfing der Herrscher der Erde ehrenvoll, nach der in den Lehrschriften festgelegten Vorschrift; erfreut sprach Dharma zu ihm:

Wort für Wort
samāgataṃ dharmarājam
den angekommenen Dharmarāja
arhayāmāsa bhūpatiḥ
empfing der Herrscher der Erde ehrenvoll
śāstradṛṣṭena vidhinā
nach der in den Lehrschriften vorgesehenen Vorschrift
dharmaḥ prīta uvāca tam
Dharma, erfreut, sprach zu ihm

dharmarāja uvāca / rājandharmavidāṃ śreṣṭhaprasiddho 'si jagattraye / dharmarājo 'tha kīrtiṃ te śrutvā tvāṃ draṣṭumāgataḥ

Dharmarāja sprach: O König, du bist als der Beste der Dharma-Kenner in den drei Welten berühmt. Da Dharmarāja von deinem Ruhm gehört hatte, ist er gekommen, dich zu sehen.

Wort für Wort
dharmarāja uvāca
Dharmarāja sprach:
rājan dharmavidāṃ śreṣṭha
o König, Bester der Dharma-Kenner
prasiddhaḥ asi jagattraye
du bist berühmt in den drei Welten
dharmarājo 'tha kīrtiṃ te śrutvā
Dharmarāja, nachdem er von deinem Ruhm gehört hatte
tvāṃ draṣṭum āgataḥ
ist gekommen, dich zu sehen

[Anm.: Dharmarāja spricht hier von sich selbst in dritter Person.]

sanmārganirataṃ satyaṃ sarvabhūtahite ratam / draṣṭumicchanti vibudhā apy atkuṣṭaguṇapriyāḥ

Den auf dem rechten Pfad Verharrenden, den Wahrhaftigen, dem Wohl aller Wesen Zugetanen wünschen selbst die Götter zu sehen, die die erhabensten Tugenden lieben.

Wort für Wort
sanmārganirataṃ satyam
den auf rechtem Pfad Verharrenden, den Wahrhaften
sarvabhūtahite ratam
dem Wohl aller Wesen Zugetanen
draṣṭum icchanti vibudhāḥ api [?]
selbst die Götter wünschen (ihn) zu sehen [?]
utkuṣṭaguṇapriyāḥ
die die erhabensten Tugenden lieben

[Anm.: Quelltext „vibudhāratavo tkuṣṭaguṇapriyāḥ“ korrupt; sinngemäß als vibudhā api utkuṣṭaguṇapriyāḥ aufgefasst [?].]

kīrtirnītiśca saṃpattirvartate yatra bhūpate / vasanti tatra niyataṃ guṇāḥ santaśca devatāḥ

Wo Ruhm, rechte Führung (nīti) und Wohlstand bestehen, o Herrscher, dort wohnen beständig die Tugenden, die Guten und die Gottheiten.

Wort für Wort
kīrtiḥ nītiḥ ca saṃpattiḥ
Ruhm, rechte Führung und Wohlstand
vartate yatra bhūpate
wo (diese) bestehen, o Herrscher
vasanti tatra niyatam
dort wohnen beständig
guṇāḥ santaśca devatāḥ
die Tugenden, die Guten und die Gottheiten

aho rājanmahābhāga śobhanīcaritaṃ tava / sarvabhūtahitatvādi mādṛśāmapi durlabham

Ach, König, hochgesegneter, dein Verhalten ist herrlich; dein Wohlwollen gegenüber allen Wesen und dergleichen ist selbst für unsereins schwer zu erreichen.

Wort für Wort
aho rājan mahābhāga
ach, König, hochgesegneter
śobhanīcaritaṃ tava
dein herrliches Verhalten
sarvabhūtahitatvādi
dein Wohlwollen gegenüber allen Wesen und dergleichen
mādṛśām api durlabham
ist selbst für unsereins schwer zu erreichen

ityuktavantaṃ taṃ dharmaṃ praṇipatya bhagīrathaḥ / provāca vinayāviṣṭaḥ saṃhṛṣṭaḥ ślakṣṇayā girā

Nachdem er sich vor dem so sprechenden Dharma verneigt hatte, sprach Bhagīratha, von Demut erfüllt und hocherfreut, mit sanfter Stimme:

Wort für Wort
ityuktavantaṃ taṃ dharmam
zu dem so sprechenden Dharma
praṇipatya bhagīrathaḥ
verneigte sich Bhagīratha
provāca vinayāviṣṭaḥ
sprach, von Demut erfüllt
saṃhṛṣṭaḥ ślakṣṇayā girā [?]
hocherfreut, mit sanfter Stimme [?]

[Anm.: Quelltext „ślakṣṇayā gitaṃ“ als ślakṣṇayā girā („mit sanfter Stimme“) aufgefasst [?].]

bhagīratha uvāca / bhagavansarvadharmajña samadarśin sureśvara / kṛpayā parayāviṣṭaḥ yatpṛcchāmi vadasva tat

Bhagīratha sprach: O Herr, Kenner allen Dharmas, Gleichgesinnter, Herr der Götter – von höchstem Mitgefühl erfüllt, sag mir, was ich frage.

Wort für Wort
bhagīratha uvāca
Bhagīratha sprach:
bhagavan sarvadharmajña
o Herr, Kenner allen Dharmas
samadarśin sureśvara
Gleichgesinnter, Herr der Götter
kṛpayā parayā āviṣṭaḥ
von höchstem Mitgefühl erfüllt
yat pṛcchāmi vadasva tat
sag mir, was ich frage

dharmā kīdṛgvidhāḥ proktāḥ ke lokā dharmaśālinām / kiyatyo yātanāḥ proktāḥ keṣāṃ tāḥ parikīrtitāḥ

Von welcher Art sind die verkündeten Pflichten (dharmas)? Welches sind die Welten derer, die dem Dharma zugetan sind? Wie viele Höllenqualen (yātanā) wurden genannt, und für wen werden sie verkündet?

Wort für Wort
dharmāḥ kīdṛgvidhāḥ proktāḥ
von welcher Art sind die Pflichten verkündet
ke lokāḥ dharmaśālinām
welches die Welten der Dharma-Zugetanen
kiyatyaḥ yātanāḥ proktāḥ
wie viele Höllenqualen genannt
keṣāṃ tāḥ parikīrtitāḥ
für wen werden sie verkündet

tvayā saṃmānanīyā ye śāsanīyāśca ye yathā / tatsarvaṃ me mahābhāga vistarādvaktumarhasi

Wer von dir zu ehren ist und wer wie zu bestrafen ist – dies alles, hochgesegneter (Herr), mögest du mir ausführlich darlegen.

Wort für Wort
tvayā saṃmānanīyā ye
wer von dir zu ehren ist
śāsanīyāś ca ye yathā
und wer wie zu bestrafen ist
tat sarvaṃ me mahābhāga
dies alles, hochgesegneter, mir
vistarāt vaktum arhasi
mögest du ausführlich darlegen

dharmarāja uvāca / sādhu sādhu mahāvuddhe matiste vimalorjitā / dharmādharmānpravakṣyāmitattvataḥ śṛṇu bhaktitaḥ

Dharmarāja sprach: Vortrefflich, vortrefflich, o Großgesinnter! Dein Verstand ist makellos und kraftvoll. Ich werde dir Dharma und Adharma der Wahrheit gemäß verkünden; höre mit Hingabe.

Wort für Wort
dharmarāja uvāca
Dharmarāja sprach:
sādhu sādhu mahābuddhe
vortrefflich, vortrefflich, o Großgesinnter
matiḥ te vimalā ūrjitā
dein Verstand ist makellos und kraftvoll
dharmādharmān pravakṣyāmi
ich werde Dharma und Adharma verkünden
tattvataḥ śṛṇu bhaktitaḥ
höre der Wahrheit gemäß, mit Hingabe

[Anm.: Quelltext „mahāvuddhe“ als mahābuddhe aufgefasst.]

dharmā bahuvidhāḥ proktāḥ puṇyalokapradāyakāḥ / tathaiva yātanāḥ proktā asaṃkhyā ghoradarśanāḥ

Vielfältig sind die Pflichten genannt, die die verdienstvollen Welten gewähren; ebenso sind die Höllenqualen genannt, unzählig und schrecklich anzusehen.

Wort für Wort
dharmāḥ bahuvidhāḥ proktāḥ
vielfältig sind die Pflichten genannt
puṇyalokapradāyakāḥ
die die verdienstvollen Welten gewähren
tathaiva yātanāḥ proktāḥ
ebenso sind die Höllenqualen genannt
asaṃkhyā ghoradarśanāḥ
unzählig, schrecklich anzusehen

[Anm.: Quelltext „ghoradarśatāḥ“ als ghoradarśanāḥ aufgefasst.]

vistarādgadituṃ nālamapi varṣaśatāyutaiḥ / tasmāttaṃ samāsato vakṣye dharmādharmanidarśanam

Ausführlich darzulegen vermöchte ich nicht, auch nicht in zehntausend Jahren; daher will ich es zusammengefasst darlegen, als Beispiel für Dharma und Adharma.

Wort für Wort
vistarāt gadituṃ na alam
ausführlich darzulegen vermöchte ich nicht
api varṣaśatāyutaiḥ
auch nicht in zehntausend Jahren
tasmāt taṃ samāsataḥ vakṣye
daher will ich es zusammengefasst darlegen
dharmādharmanidarśanam
als Beispiel für Dharma und Adharma

[Anm.: Quelltext „idarśanam“ als nidarśanam aufgefasst.]

tathaiva yātanāṃ vai mahāpuṇyaṃ prakīrtitam / tathaivādhyātmaviduṣo dattaṃ bhavati cākṣayam

Ebenso wird (die Aufhebung) der Höllenqual als großes Verdienst gepriesen [?]; ebenso wird, was einem in der Selbst-Erkenntnis (adhyātma) Bewanderten gegeben wird, unvergänglich.

Wort für Wort
tathaiva yātanāṃ vai [?]
ebenso wird die Höllenqual [?]
mahāpuṇyaṃ prakīrtitam
als großes Verdienst gepriesen
tathaiva adhyātmaviduṣaḥ
ebenso einem in der Selbsterkenntnis Bewanderten
dattaṃ bhavati cākṣayam
wird das Gegebene unvergänglich

[Anm.: Der Vers wechselt hier unvermittelt vom Thema der Höllenqualen zurück zum Thema „Gabe“; Sinnzusammenhang im Quelltext unklar [?], möglicherweise Störung der Überlieferung.]

kuṭumbinaṃ yā śāstrajñaṃ śrotriyaṃ vā guṇānvitam / yo dattvā syāpayedṛtiṃ tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu

Wer einem Familienvater, einem Schriftkundigen, einem vedakundigen Śrotriya oder einem Tugendreichen (etwas) gibt und ihn dadurch am Leben erhält [?], dessen Verdienstfrucht höre:

Wort für Wort
kuṭumbinaṃ yāḥ śāstrajñam
wer einem Familienvater, Schriftkundigen
śrotriyaṃ vā guṇānvitam
oder Śrotriya, einem Tugendreichen
yo dattvā jīvayet [?]
wer, gebend, am Leben erhält [?]
tasya puṇyaphalaṃ śṛṇu
dessen Verdienstfrucht höre

[Anm.: „syāpayedṛtim“ im Quelltext unklar/korrupt, sinngemäß als „ihn am Leben erhalten“ wiedergegeben [?].]

mātṛtāḥ pitṛtaścaiva dvijaḥ koṭikulanvitaḥ / nirviśya viṣṇubhavanaṃ kalpaṃ tatraiva mādate

Mütterlicherseits und väterlicherseits – ein Zweifachgeborener mit einer Sippe von zehn Millionen (Angehörigen) – tritt, nachdem er in Viṣṇus Wohnstatt eingegangen ist, dort für ein Weltzeitalter in Freude.

Wort für Wort
mātṛtāḥ pitṛtaḥ caiva
mütterlicherseits und väterlicherseits
dvijaḥ koṭikulanvitaḥ
ein Zweifachgeborener mit einer Sippe von zehn Millionen
nirviśya viṣṇubhavanam
nachdem er in Viṣṇus Wohnstatt eingegangen ist
kalpaṃ tatraiva mādate
weilt dort für ein Weltzeitalter in Freude

[Anm.: Beschreibt, dass das Verdienst einer solchen Gabe die gesamte mütterliche und väterliche Sippe („koṭikula“, „Sippe von zehn Millionen“) erfasst.]

gaṇyante pāṃsavo bhūmergaṇyante vṛṣṭibindavaḥ / na gaṇyante vidhātrāpi brahmavṛttiphalāni vai

Zählbar sind die Staubkörner der Erde, zählbar die Regentropfen – doch nicht zählbar sind, selbst für den Schöpfer (Vidhātṛ), die Früchte der (Ermöglichung des) Lebensunterhalts eines Brahmanen.

Wort für Wort
gaṇyante pāṃsavaḥ bhūmeḥ
zählbar sind die Staubkörner der Erde
gaṇyante vṛṣṭibindavaḥ
zählbar die Regentropfen
na gaṇyante vidhātrā api
nicht zählbar, selbst für den Schöpfer
brahmavṛttiphalāni vai
die Früchte des Brahmanen-Lebensunterhalts

samastadevatārupo brāhmaṇaḥ parikīrtitaḥ / jīvanaṃ dadatastasya kaḥ puṇyaṃ gadituṃ kṣamaḥ

Der Brahmane wird als Gestalt aller Gottheiten gepriesen. Wer vermöchte das Verdienst dessen zu benennen, der ihm den Lebensunterhalt gibt?

Wort für Wort
samastadevatārupo brāhmaṇaḥ
der Brahmane als Gestalt aller Gottheiten
parikīrtitaḥ
wird gepriesen
jīvanaṃ dadataḥ tasya
dessen, der ihm den Lebensunterhalt gibt
kaḥ puṇyaṃ gadituṃ kṣamaḥ
wer vermöchte das Verdienst zu benennen

yo viprahitakṛnnityaṃ sa sarvānkṛtavānmakhān / sa snātaḥ sarvatīrtheṣu tatpuṇyaṃ tenākhilaṃ tapaḥ

Wer stets zum Wohl der Brahmanen handelt, der hat alle (großen) Opfer vollbracht; er hat in allen Pilgerstätten gebadet, durch ihn ist alles Verdienst und alle Askese (vollbracht) [?].

Wort für Wort
yo viprahitakṛt nityam
wer stets zum Wohl der Brahmanen handelt
sa sarvān kṛtavān makhān
der hat alle Opfer vollbracht
sa snātaḥ sarvatīrtheṣu
er hat in allen Pilgerstätten gebadet
tat puṇyaṃ tena akhilaṃ tapaḥ [?]
durch ihn (ist) alles Verdienst, alle Askese [?]

[Anm.: Quelltext „strātaḥ“ als snātaḥ aufgefasst, „tatpaṃ“ als tatpuṇyaṃ [?].]

yo dadasveti viprāṇāṃ jīvanaṃ prerayetparam / so 'pi tatphalamāpnoti kimanyairbahubhāṣitaiḥ

Wer auch nur (einen anderen) mit den Worten ‘Gib!’ dazu anspornt, den Lebensunterhalt der Brahmanen zu sichern, auch er erlangt jene Frucht – was bedürfte es vieler anderer Worte?

Wort für Wort
yo dadasva iti viprāṇām
wer mit den Worten ‘gib!’ für die Brahmanen
jīvanaṃ prerayet param
einen anderen zum Lebensunterhalt anspornt
so 'pi tatphalam āpnoti
auch er erlangt jene Frucht
kim anyaiḥ bahubhāṣitaiḥ
was bedürfte es vieler anderer Worte

taḍāgaṃ kārayedyastu svayamevāpareṇa vā / vaktuṃ tatpuṇyasaṃkhyānaṃ nālaṃ varṣaśatāyuṣā

Wer einen Teich (taḍāga) anlegen lässt, sei es selbst oder durch einen anderen – die Zahl seines Verdienstes darzulegen, reicht selbst ein Leben von hundert Jahren nicht aus.

Wort für Wort
taḍāgaṃ kārayet yastu
wer einen Teich anlegen lässt
svayam eva apareṇa vā
selbst oder durch einen anderen
vaktuṃ tatpuṇyasaṃkhyānam
die Zahl seines Verdienstes darzulegen
na alam varṣaśatāyuṣā
reicht ein Leben von hundert Jahren nicht

ekaścedadhvago rājaṃstaḍāgasya jalaṃ pibet / tatkartuḥ sarvapāpāni naśyantyeva na saṃśayaḥ

Wenn auch nur ein einziger Wanderer, o König, das Wasser des Teiches trinkt, vergehen zweifellos alle Sünden dessen, der ihn erbaut hat.

Wort für Wort
ekaḥ cet adhvagaḥ rājan
wenn auch nur ein Wanderer, o König
taḍāgasya jalaṃ pibet
das Wasser des Teiches trinkt
tatkartuḥ sarvapāpāni
alle Sünden dessen, der ihn erbaute
naśyanti eva na saṃśayaḥ
vergehen zweifellos

ekāham api yatkuryādbhūmisthamudakaṃ naraḥ / sa muktaḥ sarvapāpebhyaḥ śatavarṣaṃ vaseddivi

Auch wenn ein Mensch nur für einen einzigen Tag auf der Erde stehendes Wasser bereitstellt, wird er von allen Sünden befreit und weilt hundert Jahre im Himmel.

Wort für Wort
ekāham api yat kuryāt
auch wenn (nur) einen Tag lang
bhūmistham udakaṃ naraḥ
ein Mensch auf der Erde stehendes Wasser (bereitstellt)
sa muktaḥ sarvapāpebhyaḥ
er wird von allen Sünden befreit
śatavarṣaṃ vaset divi
weilt hundert Jahre im Himmel

kartuṃ taḍāgaṃ yo martyaḥ sāhyakaḥ śaktito bhavet / so 'pi tatphalamāpnoti tuṣṭaḥ preraka eva ca

Wer sterblich als Helfer nach Kräften beim Bau eines Teiches mitwirkt, auch er erlangt jene Frucht, ebenso der zufriedene Anstifter (dazu).

Wort für Wort
kartuṃ taḍāgaṃ yo martyaḥ
wer sterblich beim Bau eines Teiches
sāhyakaḥ śaktito bhavet
als Helfer nach Kräften mitwirkt
so 'pi tatphalam āpnoti
auch er erlangt jene Frucht
tuṣṭaḥ preraka eva ca
ebenso der zufriedene Anstifter

mṛdaṃ siddhārthamātrāṃ vā taḍāgādyo vahiḥ kṣipet / tiṣṭatyabdaśataṃ svarge vimuktaḥ pāpakoṭibhiḥ

Wer auch nur eine senfkorngroße Menge Erde aus dem Teich nach außen wirft, verweilt hundert Jahre im Himmel, befreit von zehn Millionen Sünden.

Wort für Wort
mṛdaṃ siddhārthamātrāṃ vā
auch nur eine senfkorngroße Menge Erde
taḍāgāt yo vahiḥ kṣipet
wer aus dem Teich nach außen wirft
tiṣṭati abdaśataṃ svarge
verweilt hundert Jahre im Himmel
vimuktaḥ pāpakoṭibhiḥ
befreit von zehn Millionen Sünden

devatā yasya tuṣyanti guravo vā nṛpottama / taḍāgapuṇyabhāksa syādityeṣā śāśvatī śrutiḥ

Wessen Gottheiten oder Lehrer zufrieden sind, o bester der Könige, der wird Anteil am Verdienst des Teichbaus – dies ist die ewige (heilige) Überlieferung.

Wort für Wort
devatā yasya tuṣyanti
wessen Gottheiten zufrieden sind
guravaḥ vā nṛpottama
oder Lehrer, o bester der Könige
taḍāgapuṇyabhāk sa syāt
der werde Anteil am Verdienst des Teichs
iti eṣā śāśvatī śrutiḥ
dies ist die ewige Überlieferung

itihāsaṃ pravakṣyāmi tavātra nṛpasattama / yaṃ śrutvā sarvapāpebhyo mucyate nātra saṃśayaḥ

So will ich dir hierzu eine Erzählung vortragen, o bester der Könige, durch deren Anhören man zweifellos von allen Sünden befreit wird.

Wort für Wort
itihāsaṃ pravakṣyāmi
eine Erzählung will ich vortragen
tava atra nṛpasattama
dir hierzu, o bester der Könige
yaṃ śrutvā sarvapāpebhyaḥ
durch deren Anhören man von allen Sünden
mucyate na atra saṃśayaḥ
befreit wird, zweifellos

[Anm.: Quelltext „iti hāsam“ als itihāsam, „śṛtvā“ als śrutvā, „pāyebhyaḥ“ als pāpebhyaḥ aufgefasst.]

gauḍadeśe 'tivikhyāto rājāsīdvīrabhadrakaḥ / mahāpratāpī vidyāvānsadā vipraprapūjakaḥ

Im Lande Gauḍa gab es einen überaus berühmten König namens Vīrabhadraka, von großer Macht, gelehrt, stets ein Verehrer der Brahmanen.

Wort für Wort
gauḍadeśe ativikhyātaḥ
im Lande Gauḍa überaus berühmt
rājā āsīt vīrabhadrakaḥ
war ein König namens Vīrabhadraka
mahāpratāpī vidyāvān
von großer Macht, gelehrt
sadā vipraprapūjakaḥ
stets ein Verehrer der Brahmanen

[Anm.: Quelltext „mahāpratīpī“ als mahāpratāpī aufgefasst.]

vedaśāstrakulācārayukto mitrakvirdhanaḥ / tasya rājñī mahābhāgā nāmnā campakamañjarī

Vertraut mit Veden, Lehrschriften und dem Brauch seines Geschlechts [Anm.: nächster Ausdruck unklar]; seine hochgesegnete Königin hieß Campakamañjarī.

Wort für Wort
vedaśāstrakulācārayuktaḥ
vertraut mit Veden, Lehrschriften, Geschlechtsbrauch
mitrakvirdhanaḥ [?]
(Bedeutung unklar) [?]
tasya rājñī mahābhāgā
seine hochgesegnete Königin
nāmnā campakamañjarī
mit Namen Campakamañjarī

[Anm.: „mitrakvirdhanaḥ“ im Quelltext unklar/korrupt, nicht sicher zu deuten; unwiedergegeben belassen [?].]

tasya rājño mahāmātyāḥ kṛtākṛtyavicāraṇāḥ / dharmāṇāṃ dharmaśāstreṣu sadā kurvanti niścayam

Die großen Minister dieses Königs, die zwischen Tun und Nicht-Tun Unterscheidenden, treffen stets in den Dharma-Lehrbüchern die Entscheidung über die Pflichten.

Wort für Wort
tasya rājño mahāmātyāḥ
die großen Minister dieses Königs
kṛtākṛtyavicāraṇāḥ
die zwischen Tun und Nicht-Tun Unterscheidenden
dharmāṇāṃ dharmaśāstreṣu
über die Pflichten, in den Dharma-Lehrbüchern
sadā kurvanti niścayam
treffen stets die Entscheidung

prāyaścittaṃ cikitsāṃ ca jyotiṣe dharmanirṇayam / vinā śāstreṇa yo brūyāttamāhurbrahmaghātakam

Wer Büßung, Heilkunde und die Entscheidung über Dharma in der Sternkunde ohne (Grundlage in der) Lehrschrift verkündet, den nennt man einen Brahmanenmörder.

Wort für Wort
prāyaścittaṃ cikitsāṃ ca
Büßung und Heilkunde
jyotiṣe dharmanirṇayam
die Dharma-Entscheidung in der Sternkunde
vinā śāstreṇa yo brūyāt
wer ohne Lehrschrift verkündet
tam āhuḥ brahmaghātakam
den nennt man einen Brahmanenmörder

iti niścitya manasā manvādīritadharmakān / ācāryebhyaḥ sadā bhūpaḥ śṛṇoti vidhipūrvakam

So im Geiste entschieden habend, hört der König stets von den Lehrern die von Manu und anderen verkündeten Pflichten, der Vorschrift gemäß.

Wort für Wort
iti niścitya manasā
so im Geiste entschieden habend
manvādīritadharmakān
die von Manu und anderen verkündeten Pflichten
ācāryebhyaḥ sadā bhūpaḥ
von den Lehrern stets der König
śṛṇoti vidhipūrvakam
hört, der Vorschrift gemäß

na ko 'pyanyāyavartī tasya rājye 'varo 'pi ca / dharmeṇa pālyamānasya tasya deśasya bhūpateḥ

Es gab keinen einzigen Unrecht-Wandelnden, auch keinen Niedrigen, im Reich dieses Herrschers, dessen Land nach dem Dharma regiert wurde.

Wort für Wort
na ko 'pi anyāyavartī
es gab keinen Unrecht-Wandelnden
tasya rājye avaraḥ api ca
auch keinen Niedrigen in seinem Reich
dharmeṇa pālyamānasya
der nach dem Dharma regiert wurde
tasya deśasya bhūpateḥ
dieses Landes, dieses Herrschers

jātaṃ samatvaṃ svargasya saurājyasya śubhāvaham / sa caikadā tu nṛpatirmṛgayāyāṃ mahāvane

Sein gutes Königreich, heilbringend, wurde dem Himmel gleich. Einst nun begab sich der König zur Jagd in einen großen Wald.

Wort für Wort
jātaṃ samatvaṃ svargasya
es entstand die Gleichheit mit dem Himmel
saurājyasya śubhāvaham
des guten Königreichs, heilbringend
sa caikadā tu nṛpatiḥ
der König aber einst
mṛgayāyāṃ mahāvane
zur Jagd in einem großen Wald

mantryādibhiḥ parivṛto babhrāma madhyabhāskaram / daivādākheṭaśūnyasya hyatiśrāntasya tatra vai

Von Ministern und anderen umgeben, streifte er bis zur Mittagssonne umher. Durch Schicksalsfügung ohne Jagdbeute und dort überaus erschöpft,

Wort für Wort
mantryādibhiḥ parivṛto
von Ministern und anderen umgeben
babhrāma madhyabhāskaram
streifte er bis zur Mittagssonne umher
daivāt ākheṭaśūnyasya
durch Schicksalsfügung ohne Jagdbeute
ati śrāntasya tatra vai
und dort überaus erschöpft

nṛpateḥ tasya saṃjātaṃ saraso darśanaṃ nṛpa / tataḥ śuṣkāṃ tu sarasīṃ dṛṣṭvā tatra vyacintayat

– dem König widerfuhr der Anblick eines Teiches. Als er dann den ausgetrockneten Teich dort sah, dachte er nach:

Wort für Wort
nṛpateḥ tasya saṃjātam
diesem König widerfuhr
saraso darśanaṃ nṛpa
der Anblick eines Teiches, o König
tataḥ śuṣkāṃ tu sarasīṃ dṛṣṭvā
als er dann den ausgetrockneten Teich sah
tatra vyacintayat
dachte er dort nach

[Anm.: Quelltext „nṛparītasya“ als nṛpatestasya aufgefasst.]

kimayaṃ saraḥ śṛṅgamiva bhuvaḥ kena vinirmitā / kathaṃ jalaṃ bhavedatra yena jīvedayaṃ nṛpaḥ

Was ist dies – dieser Teich, wie ein Horn der Erde [?], von wem wurde er geschaffen? Wie könnte hier Wasser entstehen, wodurch dieser König selbst am Leben bliebe?

Wort für Wort
kim ayaṃ saraḥ [?]
was ist dieser Teich [?]
śṛṅgam iva bhuvaḥ kena vinirmitā
wie ein Horn der Erde, von wem geschaffen
kathaṃ jalaṃ bhavet atra
wie könnte hier Wasser entstehen
yena jīvet ayaṃ nṛpaḥ
wodurch dieser König am Leben bliebe

[Anm.: „sarasīśṛṅgebhuvaḥ“ im Quelltext unklar/korrupt, sinngemäß als saraḥ śṛṅgam iva bhuvaḥ („der Teich, wie ein Horn/Erhebung der Erde“) aufgefasst [?].]

tato buddhiḥ samabhavatkhāte tasyā nṛpottama / hastamātraṃ tato garttaṃ khātvā toyamavāptavān

Da entstand in ihm der Gedanke, sie (die Senke) zu graben, o bester der Könige. Nachdem er eine ellentiefe Grube gegraben hatte, erlangte er Wasser.

Wort für Wort
tato buddhiḥ samabhavat
da entstand der Gedanke
khāte tasyāḥ nṛpottama
sie zu graben, o bester der Könige
hastamātraṃ tato garttaṃ khātvā
nachdem er eine ellentiefe Grube gegraben hatte
toyam avāptavān
erlangte er Wasser

tena toyena pītena rājñastṛptirajāyata / mantriṇaścāpi bhūmīśa buddhisāgarasaṃjñinaḥ

Durch das getrunkene Wasser entstand Zufriedenheit beim König und auch bei dessen Minister, o Herrscher der Erde, der den Namen Buddhisāgara („Ozean der Weisheit“) trug.

Wort für Wort
tena toyena pītena
durch das getrunkene Wasser
rājñaḥ tṛptiḥ ajāyata
entstand Zufriedenheit beim König
mantriṇaḥ ca api bhūmīśa
und auch beim Minister, o Herrscher der Erde
buddhisāgarasaṃjñinaḥ
der den Namen Buddhisāgara trug

sa buddhisāgaro bhūpaṃ prāha dharmārthakovidaḥ / rājanniyaṃ puṣkariṇī varṣājalavatī purā

Jener Buddhisāgara, kundig in Dharma und Artha, sprach zum König: ‘O König, dieser kleine Teich (puṣkariṇī) war einst voll von Regenwasser.’

Wort für Wort
sa buddhisāgaro bhūpaṃ prāha
jener Buddhisāgara sprach zum König
dharmārthakovidaḥ
kundig in Dharma und Artha
rājan iyaṃ puṣkariṇī
o König, dieser kleine Teich
varṣājalavatī purā
war einst voll von Regenwasser

adyaināṃ baddhavaprāṃ ca karttuṃ jātā matirmama / tadbhavānmodatāṃ deva dattādājñāṃ ca me 'nagha

Heute nun ist in mir der Gedanke entstanden, ihn mit einem Damm zu versehen. Möge sich daran mein Herr erfreuen und mir, o Makelloser, die Erlaubnis dazu geben.’

Wort für Wort
adya enāṃ baddhavaprāṃ ca
heute (ihn), mit einem Damm versehen
karttuṃ jātā matiḥ mama
ist in mir der Gedanke entstanden, zu tun
tat bhavān modatāṃ deva
daran möge sich mein Herr erfreuen
dattāt ājñāṃ ca me anagha
und mir, o Makelloser, die Erlaubnis geben

iti śrutvā vacastasya mantriṇo nṛpasattamaḥ / mumude 'titarāṃ bhūpaḥ svayaṃ kartuṃ samudyataḥ

Als er diese Worte seines Ministers gehört hatte, freute sich der beste der Könige über die Maßen und war selbst bereit, es zu tun.

Wort für Wort
iti śrutvā vacaḥ tasya mantriṇaḥ
als er diese Worte seines Ministers gehört hatte
mumude atitarāṃ bhūpaḥ
freute sich der König über die Maßen
svayaṃ kartuṃ samudyataḥ
selbst bereit, es zu tun

tameva mantriṇaṃ tatra yuyoja śubhakarmaṇi / tato rājājñayā so 'pi buddhisāgarako mudā

Ebendiesen Minister betraute er dort mit dem heilvollen Werk. Da machte sich jener Buddhisāgara auf Befehl des Königs freudig

Wort für Wort
tam eva mantriṇaṃ tatra
ebendiesen Minister dort
yuyoja śubhakarmaṇi
betraute er mit dem heilvollen Werk
tato rājājñayā so 'pi
da (machte sich) auf Befehl des Königs auch er
buddhisāgarako mudā
jener Buddhisāgara freudig

sarasīṃ sāgaraṃ karttumudyataḥ puṇyakṛttamaḥ / dhanuṣāṃ caiva pañcāśatsarvato vistṛtāyatām

– bereit, den Teich zu einem Meer (weiträumig) zu machen, der Verdienstvollste, in einer Ausdehnung von fünfzig Bogenlängen nach allen Seiten.

Wort für Wort
sarasīṃ sāgaraṃ karttum
den Teich zu einem Meer zu machen
udyataḥ puṇyakṛttamaḥ
bereit, der Verdienstvollste
dhanuṣāṃ caiva pañcāśat
fünfzig Bogenlängen
sarvato vistṛtāyatām
nach allen Seiten ausgedehnt

sarasīṃ baddhāsu śilābhiḥ cakārāgādhavārām / tāṃ vinirmāya sarasīṃ rājñe sarvaṃ nyavedayat

Den Teich machte er, mit Steinen befestigt, unergründlich tief an Wasser [?]; nachdem er den Teich so geschaffen hatte, meldete er dem König alles.

Wort für Wort
sarasīṃ baddhāsu śilābhiḥ [?]
den Teich, mit Steinen befestigt [?]
cakāra agādhavārām
machte er unergründlich tief an Wasser
tāṃ vinirmāya sarasīṃ
nachdem er den Teich geschaffen hatte
rājñe sarvaṃ nyavedayat
meldete er dem König alles

[Anm.: Quelltext „baddhasu śilāṃ ... agādhaśambarām“ korrupt; sinngemäß als baddhāsu śilābhiḥ ... agādhavārām („mit Steinen befestigt, unergründlich an Wasser“) aufgefasst [?].]

tasyāṃ tataḥ prabhṛti vai sarve 'pi vanacāriṇaḥ / pānthāḥ pipāsitā bhūpa labhante sma jalaṃ śubham

Von da an erhielten in ihm alle Waldwanderer und durstigen Reisenden, o Herrscher, gutes Wasser.

Wort für Wort
tasyāṃ tataḥ prabhṛti vai
in ihm, von da an
sarve 'pi vanacāriṇaḥ
alle Waldwanderer
pānthāḥ pipāsitā bhūpa
die durstigen Reisenden, o Herrscher
labhante sma jalaṃ śubham
erhielten gutes Wasser

kadācitsvāyuṣaścānte sa mantrī buddhisāgaraḥ / mṛto gatavāṃllokaṃ lokaśāsturmama prabho

Einst, am Ende seiner Lebenszeit, verstarb jener Minister Buddhisāgara und gelangte in die Welt des Weltenherrschers, meines Gebieters.

Wort für Wort
kadācit svāyuṣaḥ ca ante
einst, am Ende seiner Lebenszeit
sa mantrī buddhisāgaraḥ
jener Minister Buddhisāgara
mṛto gatavān lokam
verstarb, gelangte in die Welt
lokaśāstuḥ mama prabho
des Weltenherrschers, meines Gebieters

[Anm.: Sprecher ist Dharmarāja (Yama) selbst; mit „des Weltenherrschers, meines Gebieters“ ist offenbar dessen eigener Bereich gemeint. Quelltext „pramṛto“ als mṛto aufgefasst.]

tadarthaṃ tu mayā pṛṣṭo dharmo dharmalipiṅkaraḥ / citraguptastu tatkarma mahyaṃ sarvaṃ nyavedayat

Deswegen befragte ich den Dharma-Schreiber [Anm.: Citragupta, Yamas Schreiber]; Citragupta teilte mir all diese Tat mit.

Wort für Wort
tadarthaṃ tu mayā pṛṣṭo
deswegen wurde von mir befragt
dharmo dharmalipiṅkaraḥ
der Dharma-Schreiber (Citragupta)
citraguptaḥ tu tatkarma
Citragupta aber diese Tat
mahyaṃ sarvaṃ nyavedayat
teilte mir alles mit

upadeṣṭā svayaṃ cāsau dharmakāryasya bhūpateḥ / tasmāddharmavimānaṃ tu samāroḍhumihārhati

Er selbst war auch der Anleiter des Königs zu jenem Dharma-Werk; daher verdient er, hier den Dharma-Wagen (Himmelswagen) zu besteigen.

Wort für Wort
upadeṣṭā svayaṃ ca asau
er selbst war auch der Anleiter
dharmakāryasya bhūpateḥ
zum Dharma-Werk des Königs
tasmāt dharmavimānaṃ tu
daher den Dharma-Wagen
samāroḍhum iha arhati
verdient er, hier zu besteigen

ityukte citraguptena samājñaptaṃ mayā nṛpa / vimānaṃ dharmasaṃjñaṃ tu āroḍhuṃ buddhisāgaraḥ

Nachdem Citragupta dies gesagt hatte, ordnete ich, o König, an, dass Buddhisāgara den Dharma genannten Himmelswagen besteige.

Wort für Wort
ityukte citraguptena
nachdem Citragupta dies gesagt hatte
samājñaptaṃ mayā nṛpa
ordnete ich an, o König
vimānaṃ dharmasaṃjñaṃ tu
den Dharma genannten Himmelswagen
āroḍhuṃ buddhisāgaraḥ
zu besteigen, Buddhisāgara

atha kālāntare rājansa rājā vīrabhadrakaḥ / mṛto gato mama sthānaṃ namaścakre mudānvitaḥ

Dann, nach einiger Zeit, o König, starb jener König Vīrabhadraka und gelangte an meinen Ort, wo er freudig die Verehrung erwies.

Wort für Wort
atha kālāntare rājan
dann, nach einiger Zeit, o König
sa rājā vīrabhadrakaḥ
jener König Vīrabhadraka
mṛto gato mama sthānaṃ
starb, gelangte an meinen Ort
namaścakre mudānvitaḥ
erwies freudig die Verehrung

mayā tu tatra tasyāpi pṛṣṭaṃ karmākhilaṃ nṛpa / kathitaṃ citraguptena dharmaṃ sarasisaṃbhavam

Ich befragte dort auch seine ganze Tat, o König; Citragupta berichtete das aus dem Teich entstandene Verdienst.

Wort für Wort
mayā tu tatra tasya api
ich auch dort seine
pṛṣṭaṃ karma akhilaṃ nṛpa
befragte die ganze Tat, o König
kathitaṃ citraguptena
berichtete Citragupta
dharmaṃ sarasisaṃbhavam
das aus dem Teich entstandene Verdienst

tadā samyaṅmayā rājā bodhito 'bhūdyathā śṛṇu / adhityakāyāṃ bhūpāla saikatasya gireḥ parā

Da wurde der König von mir richtig belehrt; höre, wie es war. Auf der Hochebene, o Herrscher, eines Sandsteinberges, jenseits (davon),

Wort für Wort
tadā samyak mayā rājā
da wurde vollständig von mir der König
bodhito 'bhūt yathā śṛṇu
belehrt; höre, wie (es war)
adhityakāyāṃ bhūpāla
auf der Hochebene, o Herrscher
saikatasya gireḥ parā
eines Sandsteinberges, jenseits

lāvakenāmunā cañcvā khātaṃ dvyaṅgulaṃ bhuvi / tataḥ kālāntare tena vārāheṇa nṛpottama

– dort wurde von jenem Wachtelvogel (lāvaka) mit dem Schnabel eine Stelle von zwei Fingerbreiten in der Erde gegraben; dann, nach einiger Zeit, wurde von jenem Eber, o bester der Könige,

Wort für Wort
lāvakena amunā cañcvā
von jenem Wachtelvogel mit dem Schnabel
khātaṃ dvyaṅgulaṃ bhuvi [?]
gegraben, zwei Fingerbreiten in der Erde [?]
tataḥ kālāntare tena
dann, nach einiger Zeit, von jenem
vārāheṇa nṛpottama
Eber, o bester der Könige

[Anm.: Quelltext „dvyaṃṅguprambuni“ unklar/korrupt, sinngemäß als dvyaṅgulaṃ bhuvi („zwei Fingerbreiten in der Erde“) aufgefasst [?].]

khanitaṃ hastamātraṃ tu jalaṃ tuṇḍena cātmanaḥ / tato 'nyadā keneva hastayugmamitaḥ kṛtaḥ

– eine ellentiefe Grube mit seiner eigenen Schnauze gegraben, und Wasser (erschien). Dann, ein andermal, wurde von jemandem [?] eine Vertiefung von zwei Ellen daraus gemacht.

Wort für Wort
khanitaṃ hastamātraṃ tu
gegraben eine Elle tief
jalaṃ tuṇḍena ca ātmanaḥ
Wasser, mit seiner eigenen Schnauze
tato 'nyadā [?]
dann, ein andermal [?]
hastayugmam itaḥ kṛtaḥ [?]
eine Vertiefung von zwei Ellen daraus gemacht [?]

[Anm.: Quelltext „tato 'nyadāmuyā kālyāhasta yugmamitaḥ kṛtaḥ“ stark korrupt, Subjekt der Handlung nicht sicher zu bestimmen; sinngemäß als Fortsetzung der Kette von Tieren übersetzt [?].]

khāto jale mahārāja toyaṃ māsadvayaṃ sthitam / pītaṃ kṣudrairvanacaraiḥ sattvaistṛṣṇāsamākulaiḥ

Die Grube (war) voll Wasser, großer König; das Wasser blieb zwei Monate (dort) und wurde von den kleinen Waldtieren, die von Durst geplagt waren, getrunken.

Wort für Wort
khāto jale mahārāja
die Grube (war) voll Wasser, großer König
toyaṃ māsadvayaṃ sthitam
das Wasser blieb zwei Monate
pītaṃ kṣudraiḥ vanacaraiḥ
getrunken von den kleinen Waldtieren
sattvaiḥ tṛṣṇāsamākulaiḥ
von Wesen, die von Durst geplagt waren

tato varṣatrayānte tu gajenānena suvrata / hastatrayamitaḥ khātaḥ kṛtastatrādhikaṃ jalam

Dann, nach Ablauf von drei Jahren, o Tugendreicher, wurde von diesem Elefanten eine Vertiefung von drei Ellen gegraben, wodurch dort mehr Wasser entstand.

Wort für Wort
tato varṣatrayānte tu
dann nach Ablauf von drei Jahren
gajena anena suvrata
von diesem Elefanten, o Tugendreicher
hastatrayamitaḥ khātaḥ
eine Vertiefung von drei Ellen gegraben
kṛtaḥ tatra adhikaṃ jalam
wodurch dort mehr Wasser entstand

māsatraye sthitaṃ tacca payo jīvairvanacaraiḥ / bhavāṃstatra samāyāto jalaśoṣādanantaram

Und jenes Wasser blieb drei Monate (dort) für die Waldlebewesen; du selbst [Anm.: gemeint ist König Vīrabhadraka, von Dharma angesprochen] kamst dorthin, unmittelbar nachdem das Wasser versiegt war.

Wort für Wort
māsatraye sthitaṃ tat ca
und es blieb drei Monate
payo jīvaiḥ vanacaraiḥ
das Wasser, für die Waldlebewesen
bhavāṃstatra samāyāto
du selbst kamst dorthin
jalaśoṣāt anantaram
unmittelbar nach dem Versiegen des Wassers

māse tatra tu saṃprāpte hastaṃ khātvā jalaṃ nṛpa / tatastasyopadeśena mantriṇo nṛpate tvayā

Als dort ein Monat vergangen war, grubst du, o König, eine Elle (und fandest) Wasser; danach, auf den Rat deines Ministers, o Herrscher,

Wort für Wort
māse tatra tu saṃprāpte
als dort ein Monat vergangen war
hastaṃ khātvā jalaṃ nṛpa
eine Elle grabend, Wasser, o König
tatastasya upadeśena
danach, auf dessen Rat
mantriṇo nṛpate tvayā
des Ministers, o Herrscher, von dir

pañcāśaddhanurutkhātaṃ jātaṃ tatra mahājalam / punaḥ śilābhiḥ sudṛḍhaṃ baddhaṃ jātaṃ mahatsaraḥ / vṛkṣāśca ropitāstatra sarvalokopakāriṇaḥ

– wurde auf fünfzig Bogenlängen ausgegraben, und großes Wasser entstand dort; wiederum wurde es mit Steinen fest befestigt, so dass ein großer See entstand; und Bäume wurden dort gepflanzt, allen Wesen zum Nutzen.

Wort für Wort
pañcāśat dhanuḥ utkhātaṃ
auf fünfzig Bogenlängen ausgegraben
jātaṃ tatra mahājalam
großes Wasser entstand dort
punaḥ śilābhiḥ sudṛḍhaṃ baddhaṃ
wiederum mit Steinen fest befestigt
jātaṃ mahatsaraḥ
ein großer See entstand
vṛkṣāḥ ca ropitāḥ tatra
und Bäume wurden dort gepflanzt
sarvalokopakāriṇaḥ
allen Wesen zum Nutzen

[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt zwei Pādas.]

tena svasvena puṇyena pañcaite jagatīpate / vimānaṃ dharmyamāruḍhāstvamapyenaṃ samāruha

Durch ihr jeweils eigenes Verdienst haben diese Fünf, o Herrscher der Erde, den Dharma-Wagen bestiegen; besteige auch du ihn!

Wort für Wort
tena svasvena puṇyena
durch ihr jeweils eigenes Verdienst
pañca ete jagatīpate
diese Fünf, o Herrscher der Erde
vimānaṃ dharmyam āruḍhāḥ
haben den Dharma-Wagen bestiegen
tvam api enaṃ samāruha
besteige auch du ihn

iti vākyaṃ samākarṇya tasya rājā sa bhūmipa / āruroha vimānaṃ tat ṣaṣṭho rājā samāṃśabhāk

Nachdem er diese Worte vernommen hatte, bestieg jener König, o Herrscher der Erde, den Himmelswagen als sechster König, gleichen Anteil (am Verdienst) empfangend.

Wort für Wort
iti vākyaṃ samākarṇya
nachdem er diese Worte vernommen hatte
tasya rājā sa bhūmipa
jener König, o Herrscher der Erde
āruroha vimānaṃ tat
bestieg jenen Himmelswagen
ṣaṣṭho rājā samāṃśabhāk
als sechster König, gleichen Anteil empfangend

[Anm.: Quelltext „mama rājā“ hier als tasya rājā aufgefasst, da vom König Vīrabhadraka die Rede ist, nicht vom Sprecher Dharmarāja.]

iti te sarvamākhyātaṃ taḍāgajanitaṃ phalam / śrutvaitanmucyate pāpādājanmamaraṇāntikāt

So wurde dir die gesamte, aus dem Teich entstandene Frucht dargelegt. Wer dies hört, wird von Sünde befreit, bis hin zur Grenze von Geburt und Tod [Anm.: d.h. von aller in diesem Leben angesammelten Sünde].

Wort für Wort
iti te sarvam ākhyātaṃ
so wurde dir alles dargelegt
taḍāgajanitaṃ phalam
die aus dem Teich entstandene Frucht
śrutvā etat mucyate pāpāt
wer dies hört, wird von Sünde befreit
ājanmamaraṇāntikāt
bis zur Grenze von Geburt und Tod

yo naraḥ śraddhayā yukto vyākhyātametacchṛṇuyātpaṭhet / so 'pyāpnotyakhilaṃ puṇyaṃ saronirmāṇasaṃbhavam

Welcher Mensch, mit Glauben ausgestattet, dies Dargelegte hört oder liest, auch er erlangt das gesamte Verdienst, das aus dem Bau eines Teiches entsteht.

Wort für Wort
yo naraḥ śraddhayā yuktaḥ
welcher Mensch mit Glauben ausgestattet
vyākhyātam etat śṛṇuyāt paṭhet
dies Dargelegte hört oder liest
so 'pi āpnoti akhilaṃ puṇyaṃ
auch er erlangt das gesamte Verdienst
saronirmāṇasaṃbhavam
das aus dem Bau eines Teiches entsteht

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