Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 120: dvādaśīvratāni Die Gelübde des zwölften Mondtags (Dvādaśī)

[Anm.: Das im Rohtext vor V1 stehende Kolophon lautet 'dvādaśamāsastitaikādaśīvratakathanam' und bezeichnet damit fälschlich das ekādaśī-Gelübde (Thema eines vorausgehenden Kapitels); das vorliegende Kapitel 120 behandelt durchgehend Gelübde der dvādaśī. Dieses Verschiebungsmuster – das jeweils am Kapitelanfang stehende Kolophon nennt das Thema des VORHERGEHENDEN Kapitels – zieht sich konsistent durch die Kapitel 120–123 und wurde hier nur vermerkt, nicht korrigiert.]

sanātana uvāca atha vratāni dvādaśyāḥ kathayāmi tavānagha / yāni kṛtvā naro loke viṣṇoḥ priyataro bhavet

Sanātana sprach: Nun will ich dir, o Sündenloser, die Gelübde der Dvādaśī verkünden, durch deren Vollzug ein Mensch auf Erden Viṣṇu noch lieber wird.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
atha vratāni dvādaśyāḥ kathayāmi
nun werde ich die Gelübde der Dvādaśī verkünden
tava anagha
dir, o Sündenloser
yāni kṛtvā naro loke viṣṇoḥ priyataro bhavet
durch deren Vollzug ein Mensch in der Welt Viṣṇu lieber wird

caitrasya śukladvādaśyāṃ madanavratamācaret / sthāpayedavraṇaṃ kuṃbhaṃ sitatandulapūritam

An der hellen Dvādaśī des Monats Caitra vollziehe man das Madana-Gelübde. Man stelle einen makellosen Krug auf, gefüllt mit weißem Reis.

Wort für Wort
caitrasya śukladvādaśyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Caitra
madanavratamācaret
vollziehe man das Madana-Gelübde
sthāpayedavraṇaṃ kuṃbhaṃ
man stelle einen makellosen Krug auf
sitatandulapūritam
gefüllt mit weißem Reis

nānāphalayutaṃ tadvadikṣudaṇḍasamanvitam / sitavastrayugacchannaṃ sitacandanacarccitam

(den Krug), versehen mit verschiedenen Früchten, ebenso mit einem Zuckerrohrstängel versehen, bedeckt mit einem Paar weißer Tücher, bestrichen mit weißem Sandel.

Wort für Wort
nānāphalayutaṃ
versehen mit verschiedenen Früchten
tadvadikṣudaṇḍasamanvitam
ebenso mit einem Zuckerrohrstängel versehen
sitavastrayugacchannaṃ
bedeckt mit einem Paar weißer Tücher
sitacandanacarccitam
bestrichen mit weißem Sandel

nānābhakṣyasamopetaṃ sahiraṇyaṃ svaśaktitaḥ / tāmrapātraṃ guḍopetaṃ tasyopari niveśayet

versehen mit verschiedenen Speisen, samt Gold nach eigenem Vermögen; ein Kupfergefäß mit Rohzucker stelle man oben darauf.

Wort für Wort
nānābhakṣyasamopetaṃ
versehen mit verschiedenen Speisen
sahiraṇyaṃ svaśaktitaḥ
samt Gold, nach eigenem Vermögen
tāmrapātraṃ guḍopetaṃ
ein Kupfergefäß mit Rohzucker
tasyopari niveśayet
stelle man oben darauf

tatra saṃpūjayeddevaṃ kāmarūpiṇamacyutam / gandhādyairupacāraistu sopavāso pare 'hani

Dort verehre man den Gott Acyuta, der nach Belieben Gestalt annimmt, mit Verehrungsgaben wie Duftstoff usw.; fastend, am folgenden Tag (fahre man fort).

Wort für Wort
tatra saṃpūjayeddevaṃ
dort verehre man den Gott
kāmarūpiṇamacyutam
Acyuta, den nach Belieben Gestalt Annehmenden
gandhādyairupacāraistu
mit Verehrungsgaben wie Duftstoff usw.
sopavāso pare 'hani
fastend, am folgenden Tag

punaḥ prātaḥ samabhyarcya brāhmaṇāya nivedayet / brahmaṇānbhojayeccaiva tebhyo dadyācca dakṣiṇām

Wiederum, am (nächsten) Morgen, verehre man erneut und übergebe (ihn) einem Brahmanen; man speise die Brahmanen und gebe ihnen Ehrengaben.

Wort für Wort
punaḥ prātaḥ samabhyarcya
wiederum am Morgen, nachdem man erneut verehrt hat
brāhmaṇāya nivedayet
übergebe man (ihn) einem Brahmanen
brahmaṇānbhojayeccaiva
man speise auch die Brahmanen
tebhyo dadyācca dakṣiṇām
und gebe ihnen Ehrengaben

varṣamevaṃ vrataṃ kṛtvā ghṛtadhenusamanvitām / śayyāṃ tu dadyādgurave sarvopaskarasaṃyutām

Nachdem man so das Gelübde ein Jahr lang vollzogen hat, gebe man dem Guru ein Lager samt einer Ghee-Kuh und versehen mit allem Zubehör.

Wort für Wort
varṣamevaṃ vrataṃ kṛtvā
nachdem man so das Gelübde ein Jahr lang vollzogen hat
ghṛtadhenusamanvitām
samt einer Ghee-Kuh
śayyāṃ tu dadyādgurave
gebe man dem Guru ein Lager
sarvopaskarasaṃyutām
versehen mit allem Zubehör

kāñcanaṃ kāmadevaṃ ca śuktāṃ gāṃ ca payasvinīm / vāsobhirdvijadāṃpatyaṃ pūjayitvā samarpayet

Eine goldene (Statue des) Kāmadeva und eine [?] milchreiche Kuh, sowie ein mit Gewändern verehrtes Brahmanen-Ehepaar übergebe man.

Wort für Wort
kāñcanaṃ kāmadevaṃ ca
und eine goldene (Statue des) Kāmadeva
śuktāṃ gāṃ ca payasvinīm
und eine [?] milchreiche Kuh
vāsobhirdvijadāṃpatyaṃ
ein mit Gewändern (verehrtes) Brahmanenpaar
pūjayitvā samarpayet
verehre und übergebe man (es)

[?] „śuktāṃ“ unklar (evtl. „frisch gekalbt“ oder ähnliche Bedeutung); Sinn unsicher.

prīyatāṃ kāmarūpī me harirityevamuccaran / yaḥ kuryādvidhinānena madanadvādaśīvratam

„Möge Hari, der nach Belieben Gestalt Annehmende, mir gnädig sein“ – so sprechend, wer nach dieser Vorschrift das Madana-Dvādaśī-Gelübde vollzieht,

Wort für Wort
prīyatāṃ kāmarūpī me hariḥ
möge Hari, der Kāmarūpin, mir gnädig sein
iti evam uccaran
so sprechend
yaḥ kuryādvidhinānena
wer nach dieser Vorschrift vollzieht
madanadvādaśīvratam
das Madana-Dvādaśī-Gelübde

sa sarvapāpanirbhuktaḥ prāpnoti harisāmyatām / asyāmeva samuddiṣṭaṃ bhartṛdvādaśikāvratam

der erlangt, frei von aller Sünde, Gleichheit mit Hari. Ebenfalls an diesem (Tag) ist das Bhartṛ-Dvādaśī-Gelübde gelehrt.

Wort für Wort
sa sarvapāpanirbhuktaḥ
der, frei von aller Sünde
prāpnoti harisāmyatām
erlangt Gleichheit mit Hari
asyāmeva samuddiṣṭaṃ
ebenfalls an diesem (Tag) ist gelehrt
bhartṛdvādaśikāvratam
das Bhartṛ-Dvādaśī-Gelübde

svāstṛtāṃ tatra śayyāṃ tu kṛtvātra śrīyutaṃ harim / saṃsthāpya maṇḍapaṃ puṣpaistaduparpyupakalpayet

Dort richte man ein gut ausgebreitetes Lager her, stelle darauf Hari samt Śrī auf, errichte einen Pavillon und schmücke ihn darüber mit Blumen.

Wort für Wort
svāstṛtāṃ tatra śayyāṃ tu kṛtvā
nachdem man dort ein gut ausgebreitetes Lager bereitet hat
atra śrīyutaṃ harim
darauf Hari samt Śrī
saṃsthāpya maṇḍapaṃ
aufgestellt, (und) einen Pavillon errichtet
puṣpaistaduparpyupakalpayet
schmücke man ihn mit Blumen darüber

tataḥ saṃpūjya gandhādyairvratī jāgaraṇaṃ niśi / nṛtyavāditragītādyaistataḥ prātaḥ pare 'hani

Dann, nachdem der Gelübdehaltende mit Duftstoffen usw. verehrt hat, halte er in der Nacht eine Wache mit Tanz, Instrumentalmusik, Gesang usw.; dann am (folgenden) Morgen, am nächsten Tag,

Wort für Wort
tataḥ saṃpūjya gandhādyaiḥ
dann, nachdem er mit Duftstoffen usw. verehrt hat
vratī jāgaraṇaṃ niśi
halte der Gelübdehaltende in der Nacht Wache
nṛtyavāditragītādyaiḥ
mit Tanz, Instrumentalmusik, Gesang usw.
tataḥ prātaḥ pare 'hani
dann am Morgen, am nächsten Tag

saśayyaṃ śrīhariṃ haimaṃ dvijagryāya nivedayet / dvijānsaṃbhojya visṛjaddakṣiṇābhiḥ pratoṣitān

übergebe man den goldenen Śrī-Hari samt Lager dem besten der Brahmanen; nachdem man die Brahmanen gespeist hat, entlasse man sie, durch Ehrengaben zufriedengestellt.

Wort für Wort
saśayyaṃ śrīhariṃ haimaṃ
den goldenen Śrī-Hari samt Lager
dvijagryāya nivedayet
übergebe man dem besten der Brahmanen
dvijānsaṃbhojya
nachdem man die Brahmanen gespeist hat
visṛjaddakṣiṇābhiḥ pratoṣitān
entlasse man sie, durch Ehrengaben zufriedengestellt

evaṃ kṛtavratasyāpi dāṃpatyaṃ jāyate sthiram / saptajanmasu bhuṅkte ca bhogān lokadvayepsitān

So wird auch dem, der das Gelübde vollzogen hat, die Ehe beständig; und er genießt sieben Geburten lang die in beiden Welten erwünschten Genüsse.

Wort für Wort
evaṃ kṛtavratasyāpi
auch dem, der so das Gelübde vollzogen hat
dāṃpatyaṃ jāyate sthiram
wird die Ehe beständig
saptajanmasu bhuṅkte ca
und er genießt sieben Geburten lang
bhogān lokadvayepsitān
die in beiden Welten erwünschten Genüsse

vaiśākhaśukladvādaśyāṃ sopavāso jitendriyaḥ / saṃpūjya mādhavaṃ bhaktyā gandhādyairupacārakaiḥ

An der hellen Dvādaśī des Vaiśākha verehre man, fastend und die Sinne beherrschend, Mādhava mit Hingabe durch Verehrungsgaben wie Duftstoffe usw.,

Wort für Wort
vaiśākhaśukladvādaśyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Vaiśākha
sopavāso jitendriyaḥ
fastend und die Sinne beherrschend
saṃpūjya mādhavaṃ bhaktyā
verehre man Mādhava mit Hingabe
gandhādyairupacārakaiḥ
durch Verehrungsgaben wie Duftstoffe usw.

pakkānnaṃ tṛptijanakaṃ madhuraṃ sodakuṃbhakam / viprāya dadyādvidhivanmādhavaḥ prīyatāmiti

gekochte, Sättigung bringende, süße Speise samt einem Wasserkrug gebe man vorschriftsmäßig einem Brahmanen mit den Worten: „Möge Mādhava mir gnädig sein.“

Wort für Wort
pakkānnaṃ tṛptijanakaṃ
gekochte, Sättigung bringende Speise
madhuraṃ sodakuṃbhakam
süß, samt einem Wasserkrug
viprāya dadyādvidhivat
gebe man vorschriftsmäßig einem Brahmanen
mādhavaḥ prīyatāmiti
(mit den Worten:) möge Mādhava sich freuen

dvādaśyāṃ jyeṣṭhaśuklāyāṃ pūjayitvā trivikramam / gandhādyairmadhurānnāḍhyaṃ karaka vinivedayet

An der hellen Dvādaśī des Jyeṣṭha bringe man, nachdem man Trivikrama mit Duftstoffen usw. verehrt hat, einen mit süßer Speise reich gefüllten Wasserkrug dar,

Wort für Wort
dvādaśyāṃ jyeṣṭhaśuklāyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Jyeṣṭha
pūjayitvā trivikramam
nachdem man Trivikrama verehrt hat
gandhādyairmadhurānnāḍhyaṃ
mit Duft usw. (verehrt), reich an süßer Speise
karaka vinivedayet
bringe man einen Wasserkrug dar

vratī dvijāya tatpaścādekabhaktaṃ samācaret / vratenānena saṃtuṣṭo devadevastrivikramaḥ

der Gelübdehaltende gebe ihn danach dem Brahmanen und übe selbst nur eine Mahlzeit (am Tag). Durch dieses Gelübde zufriedengestellt, (gewährt) der Gott der Götter Trivikrama

Wort für Wort
vratī dvijāya tatpaścāt
der Gelübdehaltende (gebe ihn) danach dem Brahmanen
ekabhaktaṃ samācaret
übe (selbst) das Ekabhakta (eine Mahlzeit)
vratenānena saṃtuṣṭaḥ
durch dieses Gelübde zufriedengestellt
devadevastrivikramaḥ
der Gott der Götter, Trivikrama

dadāti vipulānbhogānante mokṣaṃ ca nārada / āṣāḍhaśukladvādaśyāṃ dvijāndvādaśa bhojayet

gewährt reiche Genüsse und am Ende die Erlösung, o Nārada. An der hellen Dvādaśī des Āṣāḍha speise man zwölf Brahmanen,

Wort für Wort
dadāti vipulānbhogān
gewährt reiche Genüsse
ante mokṣaṃ ca nārada
und am Ende die Erlösung, o Nārada
āṣāḍhaśukladvādaśyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Āṣāḍha
dvijāndvādaśa bhojayet
speise man zwölf Brahmanen

madhurānnena tānpūjya pṛthaggandhādikaiḥ kramāt / tabhyo vāsāṃsi daṇḍāṃśca brahmasūtrāṇi mudrikāḥ

nachdem man sie mit süßer Speise verehrt hat, einzeln der Reihe nach mit Duftstoffen usw., (gebe man) ihnen Gewänder, Stäbe, heilige Schnüre und Siegelringe,

Wort für Wort
madhurānnena tānpūjya
nachdem man sie mit süßer Speise verehrt hat
pṛthaggandhādikaiḥ kramāt
einzeln der Reihe nach mit Duft usw.
tabhyo vāsāṃsi daṇḍāṃśca
ihnen Gewänder und Stäbe
brahmasūtrāṇi mudrikāḥ
heilige Schnüre (und) Siegelringe

pātrāṇi ca dadedbhaktyā viṣṇumeṃ prīyatāmiti / dvādaśyāṃ tu nabhaḥśukle śrīdharaṃ pūjayedvratī

und Gefäße gebe man mit Hingabe, mit den Worten: „Möge Viṣṇu mir gnädig sein.“ An der hellen Dvādaśī des Nabhas (Śrāvaṇa) verehre der Gelübdehaltende Śrīdhara,

Wort für Wort
pātrāṇi ca dadedbhaktyā
und Gefäße gebe man mit Hingabe
viṣṇurme prīyatāmiti
(mit den Worten:) möge Viṣṇu mir gnädig sein
dvādaśyāṃ tu nabhaḥśukle
an der hellen Dvādaśī des Nabhas aber
śrīdharaṃ pūjayedvratī
verehre der Gelübdehaltende Śrīdhara

gandhādyaistatparo bhaktyā dadhibhaktairdvijottamān / saṃbhojya dakṣiṇā raupyāṃ datvā natvā visarjjayet

mit Duftstoffen usw., dem hingegeben, mit Hingabe; nachdem er die besten Brahmanen mit Dickmilch-Reis gespeist, eine silberne Ehrengabe gegeben und sich verneigt hat, entlasse er sie.

Wort für Wort
gandhādyaistatparo bhaktyā
mit Duft usw., dem (Ritus) hingegeben, mit Hingabe
dadhibhaktairdvijottamān
die besten Brahmanen mit Dickmilch-Reis
saṃbhojya dakṣiṇā raupyāṃ datvā
nachdem er gespeist und eine silberne Ehrengabe gegeben hat
natvā visarjjayet
und sich verneigt hat, entlasse er sie

vratenānena deveśaḥ śrīdharaḥ prīyatāmiti / dvādaśyāṃ nabhasyaśukle vratī saṃpūjya vāmanam

„Durch dieses Gelübde möge der Herr der Götter, Śrīdhara, sich mir gnädig zeigen“ (so spreche man). An der hellen Dvādaśī des Nabhasya verehre der Gelübdehaltende Vāmana,

Wort für Wort
vratenānena deveśaḥ
durch dieses Gelübde möge der Herr der Götter
śrīdharaḥ prīyatāmiti
Śrīdhara sich gnädig zeigen (so spreche man)
dvādaśyāṃ nabhasyaśukle
an der hellen Dvādaśī des Nabhasya
vratī saṃpūjya vāmanam
verehre der Gelübdehaltende Vāmana

tadagre bhojayedviprānpāyasairdvādaśaiva ca / sauvarṇī dakṣiṇāṃ datvā viṣṇuprītikaro bhavet

und speise danach zwölf Brahmanen mit Milchreis; indem man eine goldene Ehrengabe gibt, werde man zum Bewirker von Viṣṇus Wohlgefallen.

Wort für Wort
tadagre bhojayedviprān
und speise danach Brahmanen
pāyasairdvādaśaiva ca
mit Milchreis, zwölf an der Zahl
sauvarṇī dakṣiṇāṃ datvā
indem man eine goldene Ehrengabe gibt
viṣṇuprītikaro bhavet
werde man Bewirker von Viṣṇus Wohlgefallen

dvādaśyāmiṣaśuklāyāṃ padmanābhaṃ samarcayet / gandhādyairupacāraistu tadagre bhojayeddvijān

An der hellen Dvādaśī des Iṣa (Āśvina) verehre man Padmanābha mit Verehrungsgaben wie Duftstoffe usw., und speise danach Brahmanen,

Wort für Wort
dvādaśyāmiṣaśuklāyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Iṣa
padmanābhaṃ samarcayet
verehre man Padmanābha
gandhādyairupacāraistu
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
tadagre bhojayeddvijān
und speise danach Brahmanen

madhurānnena vastrāḍhyāṃ sauvarṇīṃ dakṣiṇāṃ dadet / vratenaitena saṃtuṣṭaḥ padmanābho dvijottama

mit süßer Speise; man gebe eine an Gewändern reiche, goldene Ehrengabe. Durch dieses Gelübde zufriedengestellt (gewährt) Padmanābha, o Bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
madhurānnena
mit süßer Speise
vastrāḍhyāṃ sauvarṇīṃ dakṣiṇāṃ dadet
man gebe eine an Gewändern reiche, goldene Ehrengabe
vratenaitena saṃtuṣṭaḥ
durch dieses Gelübde zufriedengestellt
padmanābho dvijottama
Padmanābha, o Bester der Zweifachgeborenen

śvetadvīpagatiṃ dadyāddehabhogāṃśca vāñchitān / kārtike kṛṣṇapakṣe tu govatsadvādaśīvratam

das Erreichen von Śvetadvīpa und die gewünschten Genüsse des Körpers. Im Kārtika, in der dunklen Monatshälfte aber, (gilt) das Govatsa-Dvādaśī-Gelübde.

Wort für Wort
śvetadvīpagatiṃ dadyāt
gewähre das Erreichen von Śvetadvīpa
dehabhogāṃśca vāñchitān
und die gewünschten Genüsse des Körpers
kārtike kṛṣṇapakṣe tu
im Kārtika, in der dunklen Monatshälfte aber
govatsadvādaśīvratam
(gilt) das Govatsa-Dvādaśī-Gelübde

tatra vatsayutāṃ gāṃ tu samālikhya sugandhibhiḥ / candanādyaistathā puṣpamālābhiḥ prārcya tāmrake

Dort male man eine Kuh samt Kalb (auf ein Kupfergefäß) und verehre sie mit wohlriechenden Stoffen wie Sandel usw. sowie mit Blumengirlanden, auf dem Kupfer(gefäß),

Wort für Wort
tatra vatsayutāṃ gāṃ tu
dort (male man) eine Kuh samt Kalb
samālikhya
nachdem man (sie) gemalt hat
sugandhibhiḥ candanādyaistathā
mit wohlriechenden Stoffen wie Sandel usw.
puṣpamālābhiḥ prārcya tāmrake
verehre man mit Blumengirlanden auf dem Kupfer(gefäß)

pātre puṣpākṣatatilairarghyaṃ kṛtvā vidhānataḥ / pradadyātpādamūle 'syā mantreṇānena nārada

in dem Gefäß, indem man mit Blumen, ungeschältem Reis und Sesam ein Arghya vorschriftsmäßig bereitet, gebe man es zu ihren Füßen dar, mit diesem Mantra, o Nārada:

Wort für Wort
pātre puṣpākṣatatilaiḥ
in dem Gefäß, mit Blumen, Reiskörnern und Sesam
arghyaṃ kṛtvā vidhānataḥ
ein Arghya vorschriftsmäßig bereitend
pradadyātpādamūle 'syāḥ
gebe man es zu ihren Füßen dar
mantreṇānena nārada
mit diesem Mantra, o Nārada

kṣīrodārṇavasaṃbhūte surāsuranamaskṛte / sarvadevamaye devi sarvadevairalaṅkṛte

„Du, die aus dem Milchmeer Entstandene, von Göttern und Dämonen Verehrte, aus allen Göttern Bestehende, o Göttin, von allen Göttern Geschmückte —“

Wort für Wort
kṣīrodārṇavasaṃbhūte
o du aus dem Milchmeer Entstandene
surāsuranamaskṛte
von Göttern und Dämonen Verehrte
sarvadevamaye devi
o Göttin, aus allen Göttern Bestehende
sarvadevairalaṅkṛte
von allen Göttern Geschmückte

mātarmātargavāṃ mātargṛhāṇārghyaṃ namo 'stu te / tato māṣādisaṃsiddhānvaṭakāṃśca nivedayet

„— o Mutter, Mutter, Mutter der Kühe, nimm das Arghya an, Verehrung sei dir!“ Dann bringe man aus Bohnen usw. bereitete Klöße dar.

Wort für Wort
mātarmātargavāṃ mātaḥ
o Mutter, Mutter, Mutter der Kühe
gṛhāṇārghyaṃ namo 'stu te
nimm das Arghya an, Verehrung sei dir
tato māṣādisaṃsiddhān
dann aus Bohnen usw. bereitete
vaṭakāṃśca nivedayet
Klöße bringe man dar

evaṃ pañca daśaikaṃ vā yathāvibhavamātmanaḥ / surabhi tvaṃ jaganmātā nityaṃ viṣṇupade sthitā

so fünf, zehn oder eins, je nach eigenem Vermögen. „Du, Surabhi, bist die Mutter der Welt, stets im Reich Viṣṇus weilend,“

Wort für Wort
evaṃ pañca daśaikaṃ vā
so fünf, zehn oder eins
yathāvibhavamātmanaḥ
je nach eigenem Vermögen
surabhi tvaṃ jaganmātā
du, Surabhi, bist die Mutter der Welt
nityaṃ viṣṇupade sthitā
stets im Reich Viṣṇus weilend

sarvadevamaye grāsaṃ mayā dattamimaṃ grasa / sarvadevamaye devi sarvadevairalaṅkṛte

„— nimm diesen von mir gegebenen Bissen an, du aus allen Göttern Bestehende! Du, aus allen Göttern Bestehende, o Göttin, von allen Göttern Geschmückte,“

Wort für Wort
sarvadevamaye
o du, aus allen Göttern Bestehende
grāsaṃ mayā dattamimaṃ grasa
nimm diesen von mir gegebenen Bissen an
sarvadevamaye devi
du, aus allen Göttern Bestehende, o Göttin
sarvadevairalaṅkṛte
von allen Göttern Geschmückte

mātarmamābhilaṣitaṃ saphalaṃ kuru nandinī / taddine tailapakvaṃ ca sthālīpakvaṃ dvijottama

„— o Mutter, mach meinen Wunsch fruchtbar, o Nandinī!“ An jenem Tag vermeide man in Öl Gebratenes und in einem Topf Gekochtes, o Bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
mātarmamābhilaṣitaṃ
o Mutter, meinen Wunsch
saphalaṃ kuru nandinī
mache fruchtbar, o Nandinī
taddine tailapakvaṃ ca
an jenem Tag (meide man) in Öl Gebratenes
sthālīpakvaṃ dvijottama
und in einem Topf Gekochtes, o bester Zweifachgeborener

gokṣīraṃ goghṛtaṃ caiva dadhi takraṃ ca varjayet / dvādaśyāmūrjaśuklāyāṃ devaṃ dāmodaraṃ dvija

Kuhmilch, Kuhghee, Dickmilch und Buttermilch vermeide man. An der hellen Dvādaśī des Ūrja (Kārtika) verehre man den Gott Dāmodara, o Zweifachgeborener,

Wort für Wort
gokṣīraṃ goghṛtaṃ caiva
Kuhmilch und Kuhghee
dadhi takraṃ ca varjayet
Dickmilch und Buttermilch vermeide man
dvādaśyāmūrjaśuklāyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Ūrja
devaṃ dāmodaraṃ dvija
den Gott Dāmodara, o Zweifachgeborener

samabhyarcyopacāraistu gandhādyaiḥ susamāhitaḥ / tadagre bhojayedviprānpakvānnenārkasaṃkhyakān

indem man ihn, wohlgesammelten Sinnes, mit Verehrungsgaben wie Duft usw. verehrt; danach speise man mit gekochter Speise Brahmanen, so viele an Zahl wie die Sonnen (zwölf),

Wort für Wort
samabhyarcyopacāraistu
indem man ihn mit Verehrungsgaben verehrt
gandhādyaiḥ susamāhitaḥ
mit Duft usw., wohlgesammelten Sinnes
tadagre bhojayedviprān
danach speise man Brahmanen
pakvānnenārkasaṃkhyakān
mit gekochter Speise, an Zahl wie die Sonnen

tataḥ kuṃbhānapāṃpūrṇānvastrācchannānsamarcitān / sapūgamodakasvarṇāṃstebhyaḥ prītyā samarpayet

dann übergebe man ihnen mit Wohlwollen mit Wasser gefüllte, mit Tüchern bedeckte, verehrte Krüge, samt Betelnüssen, Süßspeisen und Gold.

Wort für Wort
tataḥ kuṃbhānapāṃpūrṇān
dann Krüge, mit Wasser gefüllt
vastrācchannānsamarcitān
mit Tüchern bedeckt, verehrt
sapūgamodakasvarṇān
samt Betelnüssen, Süßspeisen und Gold
tebhyaḥ prītyā samarpayet
übergebe man ihnen mit Wohlwollen

evaṃ kṛte priyo viṣṇorjāyate 'khilabhogabhuk / dehānte viṣṇusāyujyaṃ labhate nātra saṃśayaḥ

Wenn dies so getan ist, wird man Viṣṇu lieb und genießt alle Genüsse; am Ende des Körpers erlangt man die Vereinigung mit Viṣṇu — daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
evaṃ kṛte priyo viṣṇoḥ
wenn dies so getan ist, (wird man) Viṣṇu lieb
jāyate 'khilabhogabhuk
und wird Genießer aller Genüsse
dehānte viṣṇusāyujyaṃ labhate
am Ende des Körpers erlangt man Vereinigung mit Viṣṇu
nātra saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel

nīrājanavrataṃ cātra gaditaṃ tannibodha me / suptotthitaṃ jagannāthamalaṅkṛtya niśāgame

Auch das Nīrājana-Gelübde wird hier gelehrt; vernimm es von mir: Den aus dem Schlaf erwachten Herrn der Welt schmücke man bei Anbruch der Nacht,

Wort für Wort
nīrājanavrataṃ cātra
auch das Nīrājana-Gelübde ist hier
gaditaṃ tannibodha me
gelehrt; vernimm es von mir
suptotthitaṃ jagannātham
den aus dem Schlaf erwachten Herrn der Welt
alaṅkṛtya niśāgame
schmücke man bei Anbruch der Nacht

alaṅkṛto navaṃ vahnimutpādyābhyarcya mantrataḥ / hutvā tatra samuddīpte raupya dīpikayā mune

geschmückt, entzünde man ein neues Feuer, verehre es mit Mantras und opfere hinein; dort, wenn es hell entfacht ist, mit einer silbernen Lampe, o Weiser,

Wort für Wort
alaṅkṛto navaṃ vahnimutpādya
geschmückt, ein neues Feuer entzündend
abhyarcya mantrataḥ hutvā
verehrend mit Mantras und opfernd
tatra samuddīpte
dort, wenn es hell entfacht ist
raupya dīpikayā mune
mit einer silbernen Lampe, o Weiser

gandhapuṣpādyarcitayā janairnīrājayeddharim / tatraivānugatāṃ lakṣmīṃ brahmāṇīṃ caṇḍikāṃ tathā

die mit Duft, Blumen usw. verehrt ist, sollen die Leute Hari das Lichtschwenken darbringen; ebendort auch der ihm folgenden Lakṣmī, Brahmāṇī, ebenso Caṇḍikā,

Wort für Wort
gandhapuṣpādyarcitayā
die mit Duft, Blumen usw. verehrte (Lampe)
janairnīrājayeddharim
sollen die Leute Hari das Nīrājana darbringen
tatraivānugatāṃ lakṣmīṃ
ebendort auch der (ihm) folgenden Lakṣmī
brahmāṇīṃ caṇḍikāṃ tathā
der Brahmāṇī, ebenso der Caṇḍikā

ādityaṃ śaṅkaraṃ gaurīṃ yakṣaṃ gaṇapatiṃ grahān / mātṝḥ pitṝnnagānnāgānsarvānnīrājayetkramāt

Āditya, Śaṅkara, Gaurī, dem Yakṣa, Gaṇapati, den Planeten, den Müttern, den Ahnen, den Bergen, den Schlangen — allen bringe man der Reihe nach das Nīrājana dar.

Wort für Wort
ādityaṃ śaṅkaraṃ gaurīṃ
(dem) Āditya, Śaṅkara, (der) Gaurī
yakṣaṃ gaṇapatiṃ grahān
(dem) Yakṣa, Gaṇapati, den Planeten
mātṝḥ pitṝnnagānnāgān
den Müttern, Ahnen, Bergen, Schlangen
sarvānnīrājayetkramāt
allen bringe man der Reihe nach das Nīrājana dar

gavāṃ nīrājanaṃ kuryānmahiṣyādeśca maṇḍalam / namo jayeti śabdaiśca ghaṇṭāśaṅkhā diniḥsvanaiḥ

Man vollziehe das Nīrājana der Kühe und der Büffelherde usw., mit den Rufen „Verehrung!“ und „Sieg!“ sowie mit dem Klang von Glocken, Muschelhörnern usw.,

Wort für Wort
gavāṃ nīrājanaṃ kuryāt
man vollziehe das Nīrājana der Kühe
mahiṣyādeśca maṇḍalam
und der Herde von Büffeln usw.
namo jayeti śabdaiśca
mit den Rufen 'Verehrung' und 'Sieg'
ghaṇṭāśaṅkhādiniḥsvanaiḥ
sowie mit dem Klang von Glocken, Muschelhörnern usw.

siṃdūrāliptaśṛṅgāṇāṃ citrāṅgāṇāṃ ca varṇakaiḥ / gavāṃ kolāhale vṛtte nīrājanamahotsave

der Kühe, deren Hörner mit Zinnober bestrichen und deren Leiber mit Farben bunt bemalt sind — wenn beim großen Nīrājana-Fest der Lärm (der Freude) entstanden ist,

Wort für Wort
siṃdūrāliptaśṛṅgāṇāṃ
deren Hörner mit Zinnober bestrichen sind
citrāṅgāṇāṃ ca varṇakaiḥ
und deren Leiber mit Farben bunt (bemalt sind)
gavāṃ kolāhale vṛtte
der Kühe, wenn der Lärm entstanden ist
nīrājanamahotsave
beim großen Nīrājana-Fest

turagāṃllakṣaṇopetām gajāṃśca madaviplutān / rājacihnāni sarvāṇi cchatrādīni ca nārada

die Pferde, versehen mit (guten) Merkmalen, und die Elefanten, von Brunftsaft überströmt, sowie alle königlichen Insignien wie Schirm usw., o Nārada,

Wort für Wort
turagāṃllakṣaṇopetām
die Pferde, versehen mit (guten) Merkmalen
gajāṃśca madaviplutān
und die Elefanten, von Brunftsaft überströmt
rājacihnāni sarvāṇi
alle königlichen Insignien
cchatrādīni ca nārada
wie Schirm usw., o Nārada

rājā purodhasā sārdhaṃ mantribhṛtyaparaḥ saraḥ / pūjayitvā yathānyāyaṃ nīrajya svayamādarāt

der König, zusammen mit dem Hauspriester, begleitet von Ministern und Dienern [?] — nachdem er (alles) der Vorschrift gemäß verehrt hat, vollziehe er selbst mit Ehrerbietung das Nīrājana,

Wort für Wort
rājā purodhasā sārdhaṃ
der König, zusammen mit dem Hauspriester
mantribhṛtyaparaḥ
begleitet von Ministern und Dienern
saraḥ [?]
(unklares Wort) [?]
pūjayitvā yathānyāyaṃ nīrajya svayamādarāt
nachdem er vorschriftsmäßig verehrt hat, vollziehe er selbst mit Ehrerbietung das Nīrājana

[?] „saraḥ“ unklar, vermutlich verderbt (evtl. für „saha“ oder ähnlich).

śaṅkhatūryādighoṣaiśca nānāratnavinirmite / siṃhāsane nave kḷpte tiṣṭhetsamyagalaṅkṛtaḥ

und mit den Klängen von Muschelhorn, Trompete usw.; auf dem aus verschiedenen Juwelen gefertigten, neu aufgestellten Löwenthron sitze er, wohlgeschmückt,

Wort für Wort
śaṅkhatūryādighoṣaiśca
und mit den Klängen von Muschelhorn, Trompete usw.
nānāratnavinirmite
auf dem aus verschiedenen Juwelen gefertigten
siṃhāsane nave kḷpte
neu aufgestellten Löwenthron
tiṣṭhetsamyagalaṅkṛtaḥ
sitze er, wohlgeschmückt

tataḥ sulakṣaṇairyuktā veśyā vātha kulāṅganā / śīrṣopari naredrasya tayā nīrājayecchanaiḥ

dann soll eine mit guten Merkmalen versehene Kurtisane oder eine Frau aus gutem Hause über dem Haupt des Königs durch sie (die Lampe) sanft das Nīrājana vollziehen.

Wort für Wort
tataḥ sulakṣaṇairyuktā
dann eine mit guten Merkmalen versehene
veśyā vātha kulāṅganā
Kurtisane oder eine Frau aus gutem Hause
śīrṣopari narendrasya
über dem Haupt des Königs
tayā nīrājayecchanaiḥ
vollziehe durch sie sanft das Nīrājana

evameṣā mahāsāṃtiḥ kartavyā prativatsaram / rājñā vittavatānyena varṣamārogyamicchatā

So ist dieses große Friedensritual jährlich zu vollziehen, vom König oder von einem anderen Wohlhabenden, der sich Gesundheit für das (kommende) Jahr wünscht.

Wort für Wort
evameṣā mahāsāṃtiḥ
so ist dieses große Friedensritual
kartavyā prativatsaram
jährlich zu vollziehen
rājñā vittavatānyena
vom König (oder) einem anderen Wohlhabenden
varṣamārogyamicchatā
der sich für das Jahr Gesundheit wünscht

yeṣāṃ rāṣṭre pure grāme kriyate śāntiruttamā / nīrājanābhidhā vipra tadrogā yānti saṃkṣayam

In wessen Reich, Stadt oder Dorf dieses höchste, Nīrājana genannte Friedensritual vollzogen wird, o Brahmane, dort gehen die Krankheiten zugrunde.

Wort für Wort
yeṣāṃ rāṣṭre pure grāme
in wessen Reich, Stadt (oder) Dorf
kriyate śāntiruttamā
das höchste Friedensritual vollzogen wird
nīrājanābhidhā vipra
Nīrājana genannt, o Brahmane
tadrogā yānti saṃkṣayam
dort gehen die Krankheiten zugrunde

dvādaśyāṃ mārgaśuklāyāṃ sādhyavratamanuttamam / manobhavastathā prāṇo naro yātaśca vīryavān

An der hellen Dvādaśī des Mārgaśīrṣa gilt das unübertreffliche Sādhya-Gelübde. Manobhava, ebenso Prāṇa, Nara, Yāta und der Kraftvolle,

Wort für Wort
dvādaśyāṃ mārgaśuklāyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Mārgaśīrṣa
sādhyavratamanuttamam
(gilt) das unübertreffliche Sādhya-Gelübde
manobhavastathā prāṇo
Manobhava, ebenso Prāṇa
naro yātaśca vīryavān
Nara, Yāta und der Kraftvolle

citirhayo nṛpaścaiva haṃso nārāyaṇastathā / vibhuścāpi prabhuścaiva sādhyā dvādaśa kīrtitāḥ

Citi, Haya, ebenso Nṛpa, Haṃsa, ebenso Nārāyaṇa, ebenso Vibhu und Prabhu — dies sind die zwölf genannten Sādhyas.

Wort für Wort
citirhayo nṛpaścaiva
Citi, Haya, ebenso Nṛpa
haṃso nārāyaṇastathā
Haṃsa, ebenso Nārāyaṇa
vibhuścāpi prabhuścaiva
auch Vibhu und ebenso Prabhu
sādhyā dvādaśa kīrtitāḥ
dies sind die zwölf genannten Sādhyas

pūjayedgandhapuṣpādyairetāṃstandulakalpitān / tato dvijāgryānsaṃbhojya dvādaśātra sudakṣiṇāḥ

Man verehre diese, aus Reis geformt, mit Duft, Blumen usw.; dann speise man zwölf beste Brahmanen, mit guten Ehrengaben,

Wort für Wort
pūjayedgandhapuṣpādyaiḥ
man verehre mit Duft, Blumen usw.
etāṃstandulakalpitān
diese, aus Reis geformten
tato dvijāgryānsaṃbhojya
dann, nachdem man die besten Brahmanen gespeist hat
dvādaśātra sudakṣiṇāḥ
zwölf hier, mit guten Ehrengaben

datvā tebhyastu visṛjetprīyānnārayaṇastviti / etasyāmeva viditaṃ dvādaśādityasaṃjñitam

die man ihnen gibt, entlasse man sie zufrieden mit den Worten: „Nārāyaṇa möge (mir) gnädig sein.“ Ebenfalls an diesem (Tag) ist das „Zwölf-Āditya“ genannte (Gelübde) gelehrt.

Wort für Wort
datvā tebhyastu visṛjet
nachdem man (sie) ihnen gegeben hat, entlasse man sie
prīyānnārayaṇastviti
zufrieden, (mit den Worten) Nārāyaṇa möge gnädig sein
etasyāmeva viditaṃ
ebenfalls an diesem (Tag) ist bekannt
dvādaśādityasaṃjñitam
das 'Zwölf-Āditya' genannte (Gelübde)

vrataṃ tatrārcayeddhīmānādityāndvādaśāpi ca / dhātāmitror'yamā pūṣā śakroṃ'śo varuṇo bhagaḥ

(bei) diesem Gelübde verehre der Kluge die zwölf Ādityas: Dhātṛ, Mitra, Aryaman, Pūṣan, Śakra, Aṃśa, Varuṇa, Bhaga,

Wort für Wort
vrataṃ tatrārcayeddhīmān
(bei) diesem Gelübde verehre der Kluge
ādityāndvādaśāpi ca
auch die zwölf Ādityas
dhātāmitroryamā pūṣā
Dhātṛ, Mitra, Aryaman, Pūṣan
śakroṃ'śo varuṇo bhagaḥ
Śakra, Aṃśa, Varuṇa, Bhaga

tvaṣṭā vivasvānsavitā viṣṇurdvādaśa īritāḥ / pratimāsaṃ tu śuklāyāṃ dvādaśyāmarcya yatnataḥ

Tvaṣṭṛ, Vivasvat, Savitṛ, Viṣṇu — dies sind die zwölf genannten. Jeden Monat, an der hellen Dvādaśī, verehre man (sie) mit Bemühen,

Wort für Wort
tvaṣṭā vivasvānsavitā
Tvaṣṭṛ, Vivasvat, Savitṛ
viṣṇurdvādaśa īritāḥ
Viṣṇu — die zwölf genannten
pratimāsaṃ tu śuklāyāṃ
jeden Monat aber, an der hellen
dvādaśyāmarcya yatnataḥ
Dvādaśī, verehre man mit Bemühen

varṣaṃ nayedvratānte tu pratimā dvādaśāpi ca / haimīḥ saṃpūjya vidhinā bhojayitvā dvijottamān

und führe (das Gelübde) ein Jahr lang durch; am Ende des Gelübdes aber (fertige man) auch zwölf goldene Abbilder, verehre sie vorschriftsmäßig und speise die besten Brahmanen,

Wort für Wort
varṣaṃ nayedvratānte tu
man führe (das Gelübde) ein Jahr lang; am Ende aber
pratimā dvādaśāpi ca
auch zwölf Abbilder
haimīḥ saṃpūjya vidhinā
goldene, vorschriftsmäßig verehrt
bhojayitvā dvijottamān
und nachdem man die besten Brahmanen gespeist hat

madhurānnaiḥ susatkṛtya pratyekaṃ cārpayedvratī / eva vrataṃ naraḥ kṛtvā dvādaśādityasaṃjñakam

gut bewirtet mit süßer Speise, und der Gelübdehaltende übergebe (je ein Abbild) einem jeden. Ein Mensch, der so das „Zwölf-Āditya“ genannte Gelübde vollzogen hat,

Wort für Wort
madhurānnaiḥ susatkṛtya
gut bewirtet mit süßer Speise
pratyekaṃ cārpayedvratī
und der Gelübdehaltende übergebe (es) je einem
evaṃ vrataṃ naraḥ kṛtvā
ein Mensch, der so das Gelübde vollzogen hat
dvādaśādityasaṃjñakam
das 'Zwölf-Āditya' genannte

sūryalokaṃ samāsādya bhuktvā bhogāṃścaraṃ tataḥ / jāyate bhuvi dharmātmā mānuṣye rogavarjitaḥ

gelangt in die Sonnenwelt, genießt dort dauerhafte Genüsse und wird danach auf Erden als frommer, krankheitsfreier Mensch (wieder)geboren.

Wort für Wort
sūryalokaṃ samāsādya
nachdem er die Sonnenwelt erreicht hat
bhuktvā bhogāṃścaraṃ tataḥ
und dort dauerhafte Genüsse genossen hat
jāyate bhuvi dharmātmā
wird auf Erden als frommer (Mensch) geboren
mānuṣye rogavarjitaḥ
im Menschsein, krankheitsfrei

tato vratasya puṇyena punareva labhedvratam / tatpuṇyena ravenbhitvā maṇḍalaṃ dvijasattama

Dann erlangt er durch das Verdienst des Gelübdes das Gelübde wiederum; durch dieses Verdienst durchdringt er die Scheibe der Sonne, o Bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
tato vratasya puṇyena
dann durch das Verdienst des Gelübdes
punareva labhedvratam
erlangt er das Gelübde wiederum
tatpuṇyena ravenbhitvā
durch dieses Verdienst, die Sonne durchdringend
maṇḍalaṃ dvijasattama
die (Sonnen-)Scheibe, o Bester der Zweifachgeborenen

nirañjanaṃ nirā kāraṃ nirdvandvaṃ brahma cāpnuyāt / atraivākhaṇḍasaṃjñaṃ ca vratamukta dvijottama

und erlangt das makellose, gestaltlose, von den Gegensatzpaaren freie Brahman. Ebenfalls hier ist das „Akhaṇḍa“ genannte Gelübde gelehrt, o Bester der Zweifachgeborenen:

Wort für Wort
nirañjanaṃ nirākāraṃ
das makellose, gestaltlose
nirdvandvaṃ brahma cāpnuyāt
und das von Gegensatzpaaren freie Brahman erlangt er
atraivākhaṇḍasaṃjñaṃ ca
ebenfalls hier ist das 'Akhaṇḍa' genannte
vratamukta dvijottama
Gelübde gelehrt, o Bester der Zweifachgeborenen

mūrtiṃ nirmāya sauvarṇīṃ janārdanasamāhvayām / abhyarcya gandhapuṣpādyaistadagre bhojayeddvijān

Man fertige eine goldene, Janārdana genannte Bildgestalt an, verehre sie mit Duft, Blumen usw. und speise danach Brahmanen,

Wort für Wort
mūrtiṃ nirmāya sauvarṇīṃ
eine goldene Bildgestalt anfertigend
janārdanasamāhvayām
mit Namen Janārdana
abhyarcya gandhapuṣpādyaiḥ
verehrend mit Duft, Blumen usw.
tadagre bhojayeddvijān
speise danach Brahmanen

dvādaśa pratimāsaṃ tu naktāśīḥ syājjitendriyaḥ / tataḥ samānte tāṃ mūrtiṃ samabhyarcya vidhānataḥ

zwölf (an Zahl,) Monat für Monat; man esse nur nachts und sei sinnbeherrscht. Dann, am Ende des Jahres, verehre man diese Bildgestalt vorschriftsmäßig,

Wort für Wort
dvādaśa pratimāsaṃ tu
zwölf (an Zahl), Monat für Monat aber
naktāśīḥ syājjitendriyaḥ
man esse nur nachts und sei sinnbeherrscht
tataḥ samānte tāṃ mūrtiṃ
dann, am Ende des Jahres, diese Bildgestalt
samabhyarcya vidhānataḥ
nachdem man sie vorschriftsmäßig verehrt hat

gurave dhenusahitāṃ dadyātsaṃprārthayettathā / śatajanmasu yatkiñcinmayākhaṇḍavrataṃ kṛtam

gebe man sie samt einer Kuh dem Guru und bete dabei so: „Was auch immer in hundert Geburten von mir als ununterbrochenes Gelübde vollzogen wurde,

Wort für Wort
gurave dhenusahitāṃ dadyāt
gebe man sie samt einer Kuh dem Guru
saṃprārthayettathā
und bete dabei so
śatajanmasu yatkiñcit
was auch immer in hundert Geburten
mayākhaṇḍavrataṃ kṛtam
von mir als ununterbrochenes Gelübde vollzogen wurde

bhagavaṃstvatprasādena tadakhaṇḍamihāstu me / tataḥ saṃbhojya viprāgryānsakhaṇḍāḍhyaistu pāyasaiḥ

— o Herr, durch deine Gnade möge es mir hier ununterbrochen (wirksam) sein.“ Dann speise man die besten Brahmanen mit reichlichem, mit Zuckerstücken versehenem Milchreis,

Wort für Wort
bhagavaṃstvatprasādena
o Herr, durch deine Gnade
tadakhaṇḍamihāstu me
möge es mir hier ununterbrochen sein
tataḥ saṃbhojya viprāgryān
dann, nachdem man die besten Brahmanen gespeist hat
sakhaṇḍāḍhyaistu pāyasaiḥ
mit reichlichem, Zuckerstücke enthaltendem Milchreis

dvādaśaiva hi sauvarṇīṃ dakṣiṇāṃ pradadennamet / iti kṛtvā vrataṃ vipra prīṇayitvā janārdanam

gebe man ihnen zwölf goldene Ehrengaben und verneige sich. Nachdem man so das Gelübde vollzogen und Janārdana erfreut hat, o Brahmane,

Wort für Wort
dvādaśaiva hi sauvarṇīṃ
(ihnen) zwölf, ja, goldene
dakṣiṇāṃ pradadennamet
Ehrengabe gebe man (und) verneige sich
iti kṛtvā vrataṃ vipra
nachdem man so das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane
prīṇayitvā janārdanam
und Janārdana erfreut hat

sauvarṇena vimānena yāti viṣṇoḥ paraṃ padam / pauṣasya kṛṣṇadvādaśyāṃ rūpavratamudīritam

geht man mit einem goldenen Himmelswagen zum höchsten Reich Viṣṇus ein. An der dunklen Dvādaśī des Pauṣa ist das Rūpa-Gelübde gelehrt.

Wort für Wort
sauvarṇena vimānena
mit einem goldenen Himmelswagen
yāti viṣṇoḥ paraṃ padam
geht man zum höchsten Reich Viṣṇus ein
pauṣasya kṛṣṇadvādaśyāṃ
an der dunklen Dvādaśī des Pauṣa
rūpavratamudīritam
ist das Rūpa-Gelübde gelehrt

daśamyāṃ vidhivatsnātvā gṛhṇīyādgomayaṃ vratī / śvetāyā vaikavarṇāyā antarikṣagataṃ dvija

Am zehnten Tag bade der Gelübdehaltende sich vorschriftsmäßig und nehme Kuhdung von einer weißen oder einfarbigen (Kuh), den noch [?] in der Luft (befindlichen), o Zweifachgeborener,

Wort für Wort
daśamyāṃ vidhivatsnātvā
am zehnten (Tag), nachdem er sich vorschriftsmäßig gebadet hat
gṛhṇīyādgomayaṃ vratī
nehme der Gelübdehaltende Kuhdung
śvetāyā vaikavarṇāyā
von einer weißen oder einfarbigen (Kuh)
antarikṣagataṃ dvija
den (noch) in der Luft befindlichen, o Zweifachgeborener

[?] „antarikṣagataṃ“ vermutlich: den noch fallenden, den Boden noch nicht berührenden Dung.

aṣṭottaraśataṃ tena piṇḍikāḥ kalpya nārada / śoṣayedātape dhṛtvā pātre tāmre 'tha mṛnmaye

damit forme man hundertacht kleine Klumpen, o Nārada, und trockne sie, in ein Kupfer- oder Tongefäß gelegt, in der Sonne,

Wort für Wort
aṣṭottaraśataṃ tena
damit hundertacht
piṇḍikāḥ kalpya nārada
Klumpen formend, o Nārada
śoṣayedātape dhṛtvā
trockne sie in der Sonne, nachdem man sie gehalten hat
pātre tāmre 'tha mṛnmaye
in einem Kupfer- oder Tongefäß

ekādaśyāṃ sopavāsaḥ samabhyarcya vidhānataḥ / sauvarṇīṃ pratimāṃ viṣṇorniśāyāṃ jāgaraṃ caret

an der Ekādaśī, fastend, verehre man vorschriftsmäßig eine goldene Abbildung Viṣṇus und halte in der Nacht eine Wache ab,

Wort für Wort
ekādaśyāṃ sopavāsaḥ
an der Ekādaśī, fastend
samabhyarcya vidhānataḥ
nachdem man vorschriftsmäßig verehrt hat
sauvarṇīṃ pratimāṃ viṣṇoḥ
eine goldene Abbildung Viṣṇus
niśāyāṃ jāgaraṃ caret
halte man in der Nacht eine Wache ab

sumaṅgalairgītavādyaiḥ stotrapāṭhairjapādibhiḥ / tataḥ prabhāte dvādaśyāṃ tilapātropari sthitām

mit glückverheißendem Gesang und Instrumentalmusik, Lobrezitationen und Murmelgebeten usw. Dann, am Morgen, an der Dvādaśī, (stelle man) sie, auf einem mit Sesam gefüllten Gefäß stehend,

Wort für Wort
sumaṅgalairgītavādyaiḥ
mit glückverheißendem Gesang und Instrumentalmusik
stotrapāṭhairjapādibhiḥ
mit Lobrezitationen, Murmelgebeten usw.
tataḥ prabhāte dvādaśyāṃ
dann am Morgen, an der Dvādaśī
tilapātropari sthitām
auf einem Sesam(-Gefäß) stehend

aṃbupūrṇe ghaṭe nyasya pūjayedupacārakaiḥ / tato 'gniṃ navamutpādya kāṣṭhasaṃgharṣaṇādibhiḥ

in einen mit Wasser gefüllten Krug und verehre sie mit Verehrungsgaben; dann entzünde man ein neues Feuer durch Reiben von Hölzern usw.,

Wort für Wort
aṃbupūrṇe ghaṭe nyasya
in einen mit Wasser gefüllten Krug gestellt
pūjayedupacārakaiḥ
verehre man mit Verehrungsgaben
tato 'gniṃ navamutpādya
dann ein neues Feuer entzündend
kāṣṭhasaṃgharṣaṇādibhiḥ
durch Reiben von Hölzern usw.

taṃ samabhyarcya vidhivadekaikāṃ piṇḍikāṃ sudhīḥ / homayetsatilājyāṃ ca dvādaśākṣaravidyayā

verehre es vorschriftsmäßig, und der Kluge opfere je einen Klumpen samt Sesam und Ghee mit der Zwölfsilben-Formel,

Wort für Wort
taṃ samabhyarcya vidhivat
es (das Feuer) vorschriftsmäßig verehrend
ekaikāṃ piṇḍikāṃ sudhīḥ
der Kluge je einen Klumpen
homayetsatilājyāṃ ca
opfere samt Sesam und Ghee
dvādaśākṣaravidyayā
mit der Zwölfsilben-Formel

vaiṣṇavyātha ca pūraṇāṃ ca śatamaṣṭottara tataḥ / bhojayetpāyasairviprānprītyā susnigdhamānasaḥ

und mit der Vaiṣṇavī-Formel opfere man auch die Auffüllung, hundertacht(mal); dann speise man mit Wohlwollen, mit liebevollem Sinn, die Brahmanen mit Milchreis,

Wort für Wort
vaiṣṇavyātha ca pūraṇāṃ ca
und mit der Vaiṣṇavī-(Formel) auch die Auffüllung
śatamaṣṭottara tataḥ
hundertacht(mal), dann
bhojayetpāyasairviprān
speise man die Brahmanen mit Milchreis
prītyā susnigdhamānasaḥ
mit Wohlwollen, liebevollen Sinnes

sahitāṃ ca ghaṭenaiva pratimāṃ gurava'peyet / viprebhyo dakṣiṇāṃ śaktyā datvā natvā visarjayet / naro vā yadi vā nārī vrataṃ kṛtvaivamādarāt

und übergebe die Bildgestalt samt dem Krug dem Guru; nachdem man den Brahmanen nach Kräften eine Ehrengabe gegeben und sich verneigt hat, entlasse man sie. Ob Mann oder Frau — wer das Gelübde so mit Ehrerbietung vollzogen hat,

Wort für Wort
sahitāṃ ca ghaṭenaiva
und samt dem Krug
pratimāṃ gurave 'rpayet
übergebe die Bildgestalt dem Guru
viprebhyo dakṣiṇāṃ śaktyā datvā natvā visarjayet
nachdem man den Brahmanen nach Kräften eine Ehrengabe gegeben und sich verneigt hat, entlasse man sie
naro vā yadi vā nārī vrataṃ kṛtvaivamādarāt
ob Mann oder Frau, wer das Gelübde so mit Ehrerbietung vollzogen hat

labhate rūpasaubhāgyaṃ nātra kāryā vicāraṇā / sahasye śuklapakṣe tu sujanmadvādaśīvratam

erlangt schöne Gestalt und Glück — daran ist nicht zu zweifeln. In der hellen Monatshälfte des Sahasya (Māgha) aber gilt das Sujanma-Dvādaśī-Gelübde.

Wort für Wort
labhate rūpasaubhāgyaṃ
erlangt schöne Gestalt und Glück
nātra kāryā vicāraṇā
daran ist nicht zu zweifeln
sahasye śuklapakṣe tu
in der hellen Monatshälfte des Sahasya aber
sujanmadvādaśīvratam
(gilt) das Sujanma-Dvādaśī-Gelübde

snātvā vidhānena gṛhṇoyādvārṣikavratam / pītvā gaśṛṅgavāryādau tāṃ ca kṛtvā pradakṣiṇam

nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat, nehme man das Jahresgelübde auf sich; man trinke zuerst Wasser aus einem Kuhhorn und umschreite sie (die Kuh) rechtsherum,

Wort für Wort
snātvā vidhānena
nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat
gṛhṇīyādvārṣikavratam
nehme man das Jahresgelübde auf sich
pītvā gaśṛṅgavāryādau
zuerst Wasser aus dem Kuhhorn trinkend
tāṃ ca kṛtvā pradakṣiṇam
und sie rechtsherum umschreitend

pratimāsaṃ tataḥ śukledvādaśyāṃ dānamācaret / ghṛtaprasthaṃ taccatuṣkaṃ kramādvīheryavasya ca

dann vollziehe man Monat für Monat an der hellen Dvādaśī eine Spende: ein Prastha Ghee, davon vierfach [?], der Reihe nach von Reis und Gerste,

Wort für Wort
pratimāsaṃ tataḥ śukle
dann Monat für Monat, an der hellen (Dvādaśī)
dvādaśyāṃ dānamācaret
vollziehe man an der Dvādaśī eine Spende
ghṛtaprasthaṃ taccatuṣkaṃ
ein Prastha Ghee, davon vierfach [?]
kramādvīheryavasya ca
der Reihe nach von Reis und Gerste

[?] „taccatuṣkaṃ“ unklar; evtl. vierfache Menge gemeint.

dviraktikaṃ hema tilāḍhakārddhaṃ payasāṃ ghaṭam / raupyasya māṣamekaṃ ca tṛptikṛnmiṣṭapakvakam

zwei Raktikā Gold, ein halbes Āḍhaka Sesam, einen Krug Milch, einen Māṣa Silber und sättigende süße gekochte Speise,

Wort für Wort
dviraktikaṃ hema
zwei Raktikā Gold
tilāḍhakārddhaṃ payasāṃ ghaṭam
ein halbes Āḍhaka Sesam, einen Krug Milch
raupyasya māṣamekaṃ ca
und einen Māṣa Silber
tṛptikṛnmiṣṭapakvakam
sättigende süße gekochte Speise

chatraṃ māṣārdhahemnaśca prasthaṃ phaāṇitamuttamam / candanaṃ palikaṃ vastraṃ pañcahastonmitaṃ tanum

einen Schirm mit einem halben Māṣa Gold, ein Prastha besten Zuckersirup, ein Pala Sandel, ein feines Gewand von fünf Hasta Länge,

Wort für Wort
chatraṃ māṣārdhahemnaśca
einen Schirm mit einem halben Māṣa Gold
prasthaṃ phaāṇitamuttamam
ein Prastha besten Zuckersirup [Anm.]
candanaṃ palikaṃ vastraṃ
ein Pala Sandel, ein Gewand
pañcahastonmitaṃ tanum
von fünf Hasta Länge, fein

[Anm.: „phaāṇitam“ wohl verschrieben für „phāṇitam“ (Zuckersirup).]

evaṃ tu māsikaṃ dānaṃ kṛtvā prāśya yathākramam / gomūtraṃ jalamājyaṃ vā paktvā śākaṃ caturvidham

So vollziehe man die monatliche Spende, und nehme der Reihe nach jeweils zu sich: Kuhurin, Wasser oder Ghee, sowie vierfach gekochtes Gemüse,

Wort für Wort
evaṃ tu māsikaṃ dānaṃ kṛtvā
so aber, nachdem man die monatliche Spende vollzogen hat
prāśya yathākramam
der Reihe nach zu sich nehmend
gomūtraṃ jalamājyaṃ vā
Kuhurin, Wasser oder Ghee
paktvā śākaṃ caturvidham
und vierfach gekochtes Gemüse

dadhiyuktaṃ ca yāvānnaṃ tilājyaṃ śarkarānvitām / darbhāṃbukṣīramuditaṃ prāśanaṃ pratimāsikam

mit Dickmilch versehene Gerstenspeise, Sesam mit Ghee und Zucker versehen, mit Darbha-Gras (durchsetztes) Wasser und Milch — dies ist das monatliche Zu-sich-Nehmen.

Wort für Wort
dadhiyuktaṃ ca yāvānnaṃ
und mit Dickmilch versehene Gerstenspeise
tilājyaṃ śarkarānvitām
Sesam mit Ghee, mit Zucker versehen
darbhāṃbukṣīramuditaṃ
mit Darbha-Wasser und Milch versehen
prāśanaṃ pratimāsikam
dies ist das monatliche Zu-sich-Nehmen

evaṃ kṛtavrato varṣaṃ sauvarṇīṃ pratimāṃ raveḥ / kṛtvā vai tāmrapātrasthāṃ nyasyābhyarcya vidhānataḥ

Wer so ein Jahr lang das Gelübde vollzogen hat, fertige eine goldene Bildgestalt der Sonne an, stelle sie, in einem Kupfergefäß befindlich, hin und verehre sie vorschriftsmäßig,

Wort für Wort
evaṃ kṛtavrato varṣaṃ
wer so ein Jahr lang das Gelübde vollzogen hat
sauvarṇīṃ pratimāṃ raveḥ
eine goldene Bildgestalt der Sonne
kṛtvā vai tāmrapātrasthāṃ
fertige an, in einem Kupfergefäß befindlich
nyasyābhyarcya vidhānataḥ
stelle sie hin und verehre sie vorschriftsmäßig

gurave dhenusahitāṃ pratyarpya praṇametpuraḥ / viprāndrādaśa saṃbhojya tebhyo dadyācca dakṣiṇām

übergebe sie samt einer Kuh dem Guru und verneige sich vor ihm; nachdem man zwölf Brahmanen gespeist hat, gebe man ihnen Ehrengaben.

Wort für Wort
gurave dhenusahitāṃ pratyarpya
nachdem man sie samt einer Kuh dem Guru übergeben hat
praṇametpuraḥ
verneige sich vor ihm
viprāndvādaśa saṃbhojya
nachdem man zwölf Brahmanen gespeist hat
tebhyo dadyācca dakṣiṇām
gebe man ihnen Ehrengaben

evaṃ kṛtavrato vipra janmāpnotyuttame kule / nirogo dhanadhānyāḍhyo bhaveccāvikaledriyaḥ

Wer so das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane, erlangt Geburt in einer erhabenen Familie, wird krankheitsfrei, reich an Vermögen und Getreide und von unversehrten Sinnesorganen.

Wort für Wort
evaṃ kṛtavrato vipra
wer so das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane
janmāpnotyuttame kule
erlangt Geburt in einer erhabenen Familie
nirogo dhanadhānyāḍhyaḥ
krankheitsfrei, reich an Vermögen und Getreide
bhaveccāvikaledriyaḥ
und wird von unversehrten Sinnesorganen

māghasya śukladvādaśyāṃ śālagrāmaśilāṃ dvija / abhyacya vidhivadbhaktyā suvarṇaṃ tanmukhe nyaset

An der hellen Dvādaśī des Māgha, o Zweifachgeborener, verehre man den Śālagrāma-Stein vorschriftsmäßig mit Hingabe und lege Gold an seiner Öffnung nieder,

Wort für Wort
māghasya śukladvādaśyāṃ
an der hellen Dvādaśī des Māgha
śālagrāmaśilāṃ dvija
den Śālagrāma-Stein, o Zweifachgeborener
abhyarcya vidhivadbhaktyā
vorschriftsmäßig mit Hingabe verehrend
suvarṇaṃ tanmukhe nyaset
lege Gold an seiner Öffnung nieder

tāṃ sthāpya raupyapātre tu sitavastrayugāvṛtām / pradadyādvedaviduṣe taṃ hi saṃbhojayettataḥ

stelle ihn, mit einem Paar weißer Tücher umhüllt, in ein Silbergefäß und übergebe ihn einem Vedakundigen; diesen speise man dann,

Wort für Wort
tāṃ sthāpya raupyapātre tu
stelle ihn (aber) in ein Silbergefäß
sitavastrayugāvṛtām
mit einem Paar weißer Tücher umhüllt
pradadyādvedaviduṣe
übergebe ihn einem Vedakundigen
taṃ hi saṃbhojayettataḥ
diesen speise man dann

pāyasānnena khaṇḍājyasahitena hitena ca / evaṃ kṛtvaikabhaktaḥ sanviṣṇu cintanatatparaḥ

mit Milchreis, samt Zuckerstücken und Ghee, bekömmlich; so verfahrend, esse man selbst nur eine Mahlzeit, ganz dem Gedenken an Viṣṇu hingegeben,

Wort für Wort
pāyasānnena khaṇḍājyasahitena
mit Milchreis, samt Zuckerstücken und Ghee
hitena ca
und zuträglichem
evaṃ kṛtvaikabhaktaḥ san
so verfahrend, nur eine Mahlzeit einnehmend
viṣṇucintanatatparaḥ
ganz dem Gedenken an Viṣṇu hingegeben

vaiṣṇavaṃ labhate dhāma bhuktvā bhogānihepsitān / antye sitāyāṃ dvādaśyāṃ sauvarṇīṃ pratimāṃ hareḥ

erlangt, nachdem man hienieden die gewünschten Genüsse genossen hat, den Wohnort Viṣṇus. An der letzten hellen Dvādaśī (des Jahres) fertige man eine goldene Bildgestalt Haris,

Wort für Wort
vaiṣṇavaṃ labhate dhāma
erlangt den Wohnort Viṣṇus
bhuktvā bhogānihepsitān
nachdem man hienieden die gewünschten Genüsse genossen hat
antye sitāyāṃ dvādaśyāṃ
an der letzten hellen Dvādaśī
sauvarṇīṃ pratimāṃ hareḥ
eine goldene Bildgestalt Haris

abhyarcya gandhapuṣpādyairdadyādvedavide dvija / dviṣaṭkasaṃkhyānviprāṃśca bhojayitvā ca dakṣiṇām

verehre sie mit Duft, Blumen usw. und gebe sie einem Vedakundigen, o Zweifachgeborener; nachdem man zwölf Brahmanen gespeist und (ihnen) Ehrengabe

Wort für Wort
abhyarcya gandhapuṣpādyaiḥ
nachdem man sie mit Duft, Blumen usw. verehrt hat
dadyādvedavide dvija
gebe man sie einem Vedakundigen, o Zweifachgeborener
dviṣaṭkasaṃkhyānviprāṃśca
und zwölf an Zahl Brahmanen
bhojayitvā ca dakṣiṇāṃ
gespeist und (ihnen) Ehrengabe

datvā visarjayetpaścātsvayaṃ bhuñjīta bāndhavaiḥ / trispṛśonmīlinī pakṣavarddhinī vañjulī tathā

gegeben hat, entlasse man sie und esse danach selbst mit den Verwandten. Trispṛśā, Unmīlinī, Pakṣavardhinī, ebenso Vañjulī,

Wort für Wort
datvā visarjayetpaścāt
nachdem man (sie) gegeben hat, entlasse man sie danach
svayaṃ bhuñjīta bāndhavaiḥ
und esse selbst mit den Verwandten
trispṛśonmīlinī
Trispṛśā, Unmīlinī
pakṣavarddhinī vañjulī tathā
Pakṣavardhinī, ebenso Vañjulī

jayā ca vijayā caiva jayantī cāparājitā / etā aṣṭau sadopoṣyā dvādaśyaḥ pāpahārikāḥ

Jayā und Vijayā, ebenso Jayantī und Aparājitā — diese acht Dvādaśīs sind stets zu befasten, sündentilgend.

Wort für Wort
jayā ca vijayā caiva
Jayā und ebenso Vijayā
jayantī cāparājitā
Jayantī und Aparājitā
etā aṣṭau sadopoṣyā
diese acht sind stets zu befasten
dvādaśyaḥ pāpahārikāḥ
die Dvādaśīs, sündentilgend

śrīnārada uvāca kīdṛśaṃ lakṣaṇaṃ brahmannetāsāṃ kiṃ phalaṃ tathā / tatsarvaṃ me samācakṣva yāścanyāḥ puṇyadāyukāḥ

Śrī-Nārada sprach: Wie ist das Kennzeichen dieser (Dvādaśīs), o Brahmane, und welches ist ihre Frucht? Erkläre mir das alles, sowie auch das der anderen, die Verdienst spenden.

Wort für Wort
śrīnārada uvāca
Śrī-Nārada sprach:
kīdṛśaṃ lakṣaṇaṃ brahmannetāsāṃ
wie ist das Kennzeichen dieser (Dvādaśīs), o Brahmane
kiṃ phalaṃ tathā
und welches (ist) ihre Frucht
tatsarvaṃ me samācakṣva
erkläre mir das alles
yāścanyāḥ puṇyadāyukāḥ
sowie (das) der anderen, die Verdienst spenden

sūta uvāca itthaṃ sanātanaḥ pṛṣṭo nāradena dvijottamaḥ / praśasya bhrātaraṃ prāha mahābhāgavataṃ muniḥ

Sūta sprach: So von Nārada befragt, lobte der beste der Zweifachgeborenen, Sanātana, seinen Bruder, den großen Bhāgavata und Weisen, und sprach:

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach:
itthaṃ sanātanaḥ pṛṣṭo nāradena
so von Nārada befragt, Sanātana
dvijottamaḥ
der beste der Zweifachgeborenen
praśasya bhrātaraṃ prāha
lobte seinen Bruder und sprach
mahābhāgavataṃ muniḥ
der große Bhāgavata-Weise

sanātana uvāca sādhu pṛṣṭaṃ tvayā bhrātaḥ sādhūnāṃ saṃśayacchidā / vakṣye mahādvādaśīnāṃ lakṣaṇaṃ ca phalaṃ pṛthak

Sanātana sprach: Gut gefragt hast du, Bruder, du, der die Zweifel der Guten zerschneidet! Ich werde das Kennzeichen und die Frucht der Groß-Dvādaśīs einzeln verkünden.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
sādhu pṛṣṭaṃ tvayā bhrātaḥ
gut gefragt hast du, Bruder
sādhūnāṃ saṃśayacchidā
(du,) der Zweifel der Guten zerschneidet
vakṣye mahādvādaśīnāṃ
ich werde der Groß-Dvādaśīs
lakṣaṇaṃ ca phalaṃ pṛthak
Kennzeichen und Frucht einzeln (verkünden)

ekādaśī nivṛttā cetsūryasyodayataḥ purā / tadā tu trispṛśā nāma dvādaśī sā mahāphalā

Wenn die Ekādaśī schon vor dem Sonnenaufgang geendet hat, dann heißt diese Dvādaśī „Trispṛśā“ und ist von großer Frucht.

Wort für Wort
ekādaśī nivṛttā cet
wenn die Ekādaśī (bereits) geendet hat
sūryasyodayataḥ purā
vor dem Aufgang der Sonne
tadā tu trispṛśā nāma
dann (heißt) diese 'Trispṛśā' genannt
dvādaśī sā mahāphalā
diese Dvādaśī ist von großer Frucht

[Anm.: 'Trispṛśā' ('die Dreifach-Berührende') bezeichnet eine Dvādaśī, die drei aufeinanderfolgende Sonnenaufgänge berührt.]

asyāmupoṣya govindaṃ yaḥ pūjayati nārada / aśvamedhasahasrasya phalaṃ labhate dhruvam

Wer an dieser Dvādaśī, fastend, Govinda verehrt, o Nārada, erlangt gewiss die Frucht von tausend Pferdeopfern.

Wort für Wort
asyāmupoṣya govindaṃ
wer an dieser (Dvādaśī), fastend, Govinda
yaḥ pūjayati nārada
verehrt, o Nārada
aśvamedhasahasrasya phalaṃ
die Frucht von tausend Pferdeopfern
labhate dhruvam
erlangt er gewiss

yadāruṇodaye viddhā daśamyaikādaśī tithiḥ / tadā tāṃ saṃparityajya dvādaśīṃ samupoṣayet

Wenn bei Morgendämmerung die Tithi Ekādaśī von der Daśamī durchdrungen ist, dann verlasse man diese und faste stattdessen an der Dvādaśī.

Wort für Wort
yadāruṇodaye viddhā
wenn bei Morgendämmerung durchdrungen ist
daśamyaikādaśī tithiḥ
die Tithi Ekādaśī von der Daśamī
tadā tāṃ saṃparityajya
dann, nachdem man diese verlassen hat
dvādaśīṃ samupoṣayet
faste man an der Dvādaśī

tatreṣṭvā vāsudevākhyaṃ samyakpūjāvidhānataḥ / rājasūyasahasrasya phalamunmīlite labhet

Wenn man dort den Vāsudeva Genannten nach rechter Verehrungsvorschrift verehrt hat, erlangt man, sobald das Gelübde sich entfaltet, die Frucht von tausend Rājasūya-Opfern.

Wort für Wort
tatreṣṭvā vāsudevākhyaṃ
wenn man dort den Vāsudeva Genannten verehrt hat
samyakpūjāvidhānataḥ
nach rechter Verehrungsvorschrift
rājasūyasahasrasya phalam
die Frucht von tausend Rājasūya-Opfern
unmīlite labhet
erlangt man, sobald es sich entfaltet

yadodaye tu savituryāmyā tvekādaśīṃ spṛśet / tadā vañjulikākhyāṃ tu tāṃ tyaktvopoṣayetsadā

Wenn aber bei Sonnenaufgang die dem Yama gehörige Tithi die Ekādaśī berührt, dann verlasse man diese und faste stets an der „Vañjulikā“ genannten (Dvādaśī).

Wort für Wort
yadodaye tu savituḥ
wenn aber bei Sonnenaufgang
yāmyā tvekādaśīṃ spṛśet
die dem Yama gehörige (Tithi) die Ekādaśī berührt
tadā vañjulikākhyāṃ tu
dann (bei) der 'Vañjulikā' genannten aber
tāṃ tyaktvopoṣayetsadā
verlasse man diese und faste stets

[?] „savituryāmyā“ unklar; als 'die dem Yama gehörige (Tithi, d.h. die Dvādaśī) bei Sonnenaufgang' gedeutet.

asyāṃ saṃkarṣaṇaṃ devaṃ gandhādyairupacārakaiḥ / pūjayetsatataṃ bhaktyā sarvasyābhayadaṃ param

An dieser verehre man stets mit Hingabe den Gott Saṃkarṣaṇa mit Verehrungsgaben wie Duft usw., den höchsten Gewährer der Furchtlosigkeit für alle.

Wort für Wort
asyāṃ saṃkarṣaṇaṃ devaṃ
an dieser (verehre man) den Gott Saṃkarṣaṇa
gandhādyairupacārakaiḥ
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
pūjayetsatataṃ bhaktyā
verehre man stets mit Hingabe
sarvasyābhayadaṃ param
den höchsten Gewährer der Furchtlosigkeit für alle

eṣā mahādvādaśī tu sarvakratuphalapradā / sarvapāpaharā proktā sarvasaṃpatpradāyinī

Diese Groß-Dvādaśī gewährt die Frucht aller Opferriten; sie wird als alle Sünden hinwegnehmend und als Geberin allen Wohlstands bezeichnet.

Wort für Wort
eṣā mahādvādaśī tu
diese Groß-Dvādaśī aber
sarvakratuphalapradā
gewährt die Frucht aller Opferriten
sarvapāpaharā proktā
wird als alle Sünden hinwegnehmend bezeichnet
sarvasaṃpatpradāyinī
(als) Geberin allen Wohlstands

kuhūrāke yadā vṛddhe syātāṃ vipra yadā tadā / pakṣavarddhanikā nāma dvādaśī sā mahāphalā

Wenn Kuhū (die Neumond-Tithi) und Arka (die Sonnen-Tithi) zugenommen haben, o Brahmane — wann auch immer das der Fall ist —, dann heißt diese Dvādaśī „Pakṣavardhanikā“ und ist von großer Frucht.

Wort für Wort
kuhūrāke yadā vṛddhe
wenn Kuhū und Arka zugenommen haben
syātāṃ vipra yadā tadā
(wann) auch immer das der Fall ist, o Brahmane
pakṣavarddhanikā nāma
'Pakṣavardhanikā' genannt
dvādaśī sā mahāphalā
(ist) diese Dvādaśī von großer Frucht

[?] „kuhūrāke“ unklar aufgelöst als „kuhū + arke“; genaue astronomische Bedeutung unsicher.

tasyāṃ saṃpūjayeddevaṃ pradyumnaṃ jagatāṃ patim / sarvaiśvaryyapradaṃ sākṣātputra pautravivardhanam

An dieser verehre man den Gott Pradyumna, den Herrn der Welten, den unmittelbaren Geber aller Herrschaft, den Mehrer von Söhnen und Enkeln.

Wort für Wort
tasyāṃ saṃpūjayeddevaṃ
an dieser verehre man den Gott
pradyumnaṃ jagatāṃ patim
Pradyumna, den Herrn der Welten
sarvaiśvaryyapradaṃ sākṣāt
den unmittelbaren Geber aller Herrschaft
putra pautravivardhanam
den Mehrer von Söhnen und Enkeln

yadā tu dhavale pakṣe dvādaśī syānmadhānvitā //ṭha tadā proktā jayā nāma sarvaśatruvināśinī

Wenn aber in der hellen Monatshälfte die Dvādaśī mit dem Nakṣatra Maghā verbunden ist, dann heißt sie „Jayā“, die alle Feinde Vernichtende.

Wort für Wort
yadā tu dhavale pakṣe
wenn aber in der hellen Monatshälfte
dvādaśī syānmadhānvitā
die Dvādaśī mit Maghā verbunden ist
tadā proktā jayā nāma
dann heißt sie 'Jayā' genannt
sarvaśatruvināśinī
die alle Feinde Vernichtende

[Anm.: Die Zeichenfolge „//ṭha“ am Zeilenende ist eine Quell-Anomalie (vermutlich ein irrtümlich stehengebliebenes Silbenfragment) ohne erkennbaren Sinn und wurde unübersetzt gelassen.]

asyāṃ saṃpūjayeddeva maniruddhaṃ ramāpatim / sarvakāmapradaṃ nṝṇāṃ sarvasaubhāgyadāyakam

An dieser verehre man den Gott Aniruddha, den Gatten der Ramā, den Geber aller Wünsche der Menschen, den Verleiher allen Glücks.

Wort für Wort
asyāṃ saṃpūjayeddeva
an dieser verehre man den Gott
maniruddhaṃ ramāpatim
Aniruddha, den Gatten der Ramā
sarvakāmapradaṃ nṝṇāṃ
den Geber aller Wünsche der Menschen
sarvasaubhāgyadāyakam
den Verleiher allen Glücks

śravaṇarkṣayutā cetsyāddvādaśī dhavale dale / tadā sā vijayā nāma tasyāmacedgadādharam

Wenn die Dvādaśī in der hellen Monatshälfte mit dem Nakṣatra Śravaṇa verbunden ist, dann heißt sie „Vijayā“; an ihr verehre man Gadādhara,

Wort für Wort
śravaṇarkṣayutā cetsyāt
wenn (sie) mit dem Nakṣatra Śravaṇa verbunden ist
dvādaśī dhavale dale
die Dvādaśī, in der hellen Hälfte
tadā sā vijayā nāma
dann heißt sie 'Vijayā' genannt
tasyāmarcedgadādharam
an ihr verehre man Gadādhara

sarvasaukhyapradaṃ śaśvatsarvabhogaparāyaṇam / sarvatīrthaphalaṃ vipra tāṃ copoṣyāpnuyānnaraḥ

den ewigen Geber allen Glücks, den Gipfel aller Genüsse; und wer an dieser Dvādaśī fastet, o Brahmane, erlangt die Frucht aller Pilgerstätten.

Wort für Wort
sarvasaukhyapradaṃ śaśvat
den ewigen Geber allen Glücks
sarvabhogaparāyaṇam
den Gipfel aller Genüsse
sarvatīrthaphalaṃ vipra
die Frucht aller Pilgerstätten, o Brahmane
tāṃ copoṣyāpnuyānnaraḥ
und wer an dieser fastet, erlangt (sie)

yadā syācca site pakṣe prājāpatyarkṣasaṃyutā / dvādaśī sā mahāpuṇyā jayantī nāmataḥ smṛtā

Wenn in der hellen Monatshälfte die Dvādaśī mit dem Prājāpatya-Nakṣatra (Rohiṇī) verbunden ist, wird diese hochverdienstliche Dvādaśī „Jayantī“ genannt.

Wort für Wort
yadā syācca site pakṣe
wenn (sie) in der hellen Monatshälfte ist
prājāpatyarkṣasaṃyutā
mit dem Prājāpatya-Nakṣatra verbunden
dvādaśī sā mahāpuṇyā
diese hochverdienstliche Dvādaśī
jayantī nāmataḥ smṛtā
wird 'Jayantī' genannt überliefert

yasyāṃ samarccayeddevaṃ vāmanaṃ siddhidaṃ nṛṇām / upoṣitaiṣā viprendra sarvavrataphalapradā

An ihr verehre man den Gott Vāmana, den Gewährer der Vollendung für die Menschen. Wenn sie befastet wird, o Fürst der Brahmanen, gewährt sie die Frucht aller Gelübde,

Wort für Wort
yasyāṃ samarccayeddevaṃ
an der man den Gott verehre
vāmanaṃ siddhidaṃ nṛṇām
Vāmana, den Gewährer der Vollendung für die Menschen
upoṣitaiṣā viprendra
wenn sie befastet wird, o Fürst der Brahmanen
sarvavrataphalapradā
gewährt sie die Frucht aller Gelübde

sarvadānaphalā cāpi bhuktimuktipradāyinī / yadā tu syātsite pakṣe dvādaśī jīvabhānvitā

auch die Frucht aller Spenden, und ist Geberin von Genuss und Erlösung. Wenn aber in der hellen Monatshälfte die Dvādaśī mit dem Nakṣatra des Jīva (Jupiter) verbunden ist,

Wort für Wort
sarvadānaphalā cāpi
auch die Frucht aller Spenden
bhuktimuktipradāyinī
Geberin von Genuss und Erlösung
yadā tu syātsite pakṣe
wenn aber in der hellen Monatshälfte
dvādaśī jīvabhānvitā
die Dvādaśī mit dem Nakṣatra des Jīva verbunden ist

tadāparājitā proktā sarvajñā napradāyinī / asyāṃ samarcayeddevaṃ nārāyaṇamanāmayam

dann heißt sie „Aparājitā“, die alle Erkenntnis Gewährende. An ihr verehre man den Gott Nārāyaṇa, den Makellosen,

Wort für Wort
tadāparājitā proktā
dann heißt sie 'Aparājitā' genannt
sarvajñānapradāyinī [?]
die alle Erkenntnis Gewährende [?]
asyāṃ samarcayeddevaṃ
an ihr verehre man den Gott
nārāyaṇamanāmayam
Nārāyaṇa, den Makellosen

[?] Lesart „sarvajñā napradāyinī“ wirkt korrupt; vermutlich ursprünglich „sarvajñānapradāyinī“ ('die alle Erkenntnis Gewährende') gemeint; so übersetzt.

saṃsārapāśavicchittikārakaṃ jñānasāgaram / asyāstūpoṣaṇādeva muktaḥ syādvipra bhojanaḥ

den Durchtrenner der Fessel des Weltenkreislaufs, den Ozean der Erkenntnis. Allein durch das Fasten an dieser Dvādaśī, o Brahmane, wird man erlöst.

Wort für Wort
saṃsārapāśavicchittikārakaṃ
den Durchtrenner der Fessel des Weltenkreislaufs
jñānasāgaram
den Ozean der Erkenntnis
asyāstūpoṣaṇādeva
allein durch das Fasten an dieser
muktaḥ syādvipra bhojanaḥ [?]
wird man erlöst, o Brahmane [?]

[?] Die wörtliche Wendung „muktaḥ syādvipra bhojanaḥ“ ist unklar konstruiert; sinngemäß als allgemeine Erlösungsaussage gedeutet.

yadā tvāṣāḍhaśuklāyāṃ dvādaśyāṃ maitrabhaṃ bhavet / tadā vratadvayaṃ kāryyaṃ na doṣo 'traikadaivatam

Wenn aber an der hellen Dvādaśī des Āṣāḍha das Nakṣatra Anurādhā eintritt, dann sind zwei Gelübde zu vollziehen; kein Fehler entsteht, obgleich hier eine einzige Gottheit (zuständig ist).

Wort für Wort
yadā tvāṣāḍhaśuklāyāṃ
wenn aber an der hellen (Dvādaśī) des Āṣāḍha
dvādaśyāṃ maitrabhaṃ bhavet
an der Dvādaśī das Nakṣatra Anurādhā eintritt
tadā vratadvayaṃ kāryyaṃ
dann sind zwei Gelübde zu vollziehen
na doṣo 'traikadaivatam
kein Fehler (entsteht), (obgleich) hier eine einzige Gottheit (ist)

śravaṇarkṣayutāyāṃ ca dvādaśyāṃ bhādraśuklake / ūrjje sitāyāṃ dvādaśyāmantyabhe ca vratadvayam

Ebenso an der mit dem Nakṣatra Śravaṇa verbundenen Dvādaśī in der hellen Hälfte des Bhādra(pada), sowie an der hellen Dvādaśī des Ūrja, wenn sie mit dem letzten Nakṣatra verbunden ist, gilt ebenso ein doppeltes Gelübde.

Wort für Wort
śravaṇarkṣayutāyāṃ ca
und an der mit dem Nakṣatra Śravaṇa verbundenen
dvādaśyāṃ bhādraśuklake
Dvādaśī in der hellen (Hälfte) des Bhādra
ūrjje sitāyāṃ dvādaśyām
an der hellen Dvādaśī des Ūrja
antyabhe ca vratadvayam
und beim letzten Nakṣatra (gilt) ein doppeltes Gelübde

etābhyo 'ntra viprendra dvādaśyāmekabhuktakam / nisargataḥ samuddiṣṭaṃ vrataṃ pātakanāśanam

Abgesehen von diesen Sonderfällen, o Fürst der Brahmanen, ist an der Dvādaśī von Natur aus das Gelübde der einen Mahlzeit gelehrt, welches Sünden vernichtet.

Wort für Wort
etābhyo 'ntra viprendra
abgesehen von diesen hier, o Fürst der Brahmanen
dvādaśyāmekabhuktakam
an der Dvādaśī das Ekabhukta (die eine Mahlzeit)
nisargataḥ samuddiṣṭaṃ
ist von Natur aus gelehrt
vrataṃ pātakanāśanam
das Gelübde, das Sünden vernichtet

ekādaśyā vrataṃ nityaṃ dvādaśyāḥ sahitaṃ yataḥ / nodyāpanamihoddiṣṭaṃ karttavyaṃ jīvitāvidhi

Weil das Gelübde der Ekādaśī stets mit dem der Dvādaśī verbunden ist, ist hier keine gesonderte Abschlussfeier gelehrt; es ist als lebenslange Vorschrift zu vollziehen.

Wort für Wort
ekādaśyā vrataṃ nityaṃ
das Gelübde der Ekādaśī (ist) stets
dvādaśyāḥ sahitaṃ yataḥ
mit dem der Dvādaśī verbunden, weil
nodyāpanamihoddiṣṭaṃ
ist hier keine Abschlussfeier gelehrt
karttavyaṃ jīvitāvidhi [?]
es ist als lebenslange Vorschrift zu vollziehen [?]

[?] „jīvitāvidhi“ unklar, evtl. verschrieben für „jīvitāvadhi“ ('bis zum Ende des Lebens'); so sinngemäß übersetzt.

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