Kapitel 120: dvādaśīvratāni
Die Gelübde des zwölften Mondtags (Dvādaśī)
[Anm.: Das im Rohtext vor V1 stehende Kolophon lautet 'dvādaśamāsastitaikādaśīvratakathanam' und bezeichnet damit fälschlich das ekādaśī-Gelübde (Thema eines vorausgehenden Kapitels); das vorliegende Kapitel 120 behandelt durchgehend Gelübde der dvādaśī. Dieses Verschiebungsmuster – das jeweils am Kapitelanfang stehende Kolophon nennt das Thema des VORHERGEHENDEN Kapitels – zieht sich konsistent durch die Kapitel 120–123 und wurde hier nur vermerkt, nicht korrigiert.]
(den Krug), versehen mit verschiedenen Früchten, ebenso mit einem Zuckerrohrstängel versehen, bedeckt mit einem Paar weißer Tücher, bestrichen mit weißem Sandel.
tatra saṃpūjayeddevaṃ kāmarūpiṇamacyutam / gandhādyairupacāraistu sopavāso pare 'hani
Dort verehre man den Gott Acyuta, der nach Belieben Gestalt annimmt, mit Verehrungsgaben wie Duftstoff usw.; fastend, am folgenden Tag (fahre man fort).
tataḥ saṃpūjya gandhādyairvratī jāgaraṇaṃ niśi / nṛtyavāditragītādyaistataḥ prātaḥ pare 'hani
Dann, nachdem der Gelübdehaltende mit Duftstoffen usw. verehrt hat, halte er in der Nacht eine Wache mit Tanz, Instrumentalmusik, Gesang usw.; dann am (folgenden) Morgen, am nächsten Tag,
übergebe man den goldenen Śrī-Hari samt Lager dem besten der Brahmanen; nachdem man die Brahmanen gespeist hat, entlasse man sie, durch Ehrengaben zufriedengestellt.
Wort für Wort
saśayyaṃ śrīhariṃ haimaṃ
den goldenen Śrī-Hari samt Lager
dvijagryāya nivedayet
übergebe man dem besten der Brahmanen
dvijānsaṃbhojya
nachdem man die Brahmanen gespeist hat
visṛjaddakṣiṇābhiḥ pratoṣitān
entlasse man sie, durch Ehrengaben zufriedengestellt
gekochte, Sättigung bringende, süße Speise samt einem Wasserkrug gebe man vorschriftsmäßig einem Brahmanen mit den Worten: „Möge Mādhava mir gnädig sein.“
An der hellen Dvādaśī des Jyeṣṭha bringe man, nachdem man Trivikrama mit Duftstoffen usw. verehrt hat, einen mit süßer Speise reich gefüllten Wasserkrug dar,
der Gelübdehaltende gebe ihn danach dem Brahmanen und übe selbst nur eine Mahlzeit (am Tag). Durch dieses Gelübde zufriedengestellt, (gewährt) der Gott der Götter Trivikrama
Wort für Wort
vratī dvijāya tatpaścāt
der Gelübdehaltende (gebe ihn) danach dem Brahmanen
nachdem man sie mit süßer Speise verehrt hat, einzeln der Reihe nach mit Duftstoffen usw., (gebe man) ihnen Gewänder, Stäbe, heilige Schnüre und Siegelringe,
pātrāṇi ca dadedbhaktyā viṣṇumeṃ prīyatāmiti / dvādaśyāṃ tu nabhaḥśukle śrīdharaṃ pūjayedvratī
und Gefäße gebe man mit Hingabe, mit den Worten: „Möge Viṣṇu mir gnädig sein.“ An der hellen Dvādaśī des Nabhas (Śrāvaṇa) verehre der Gelübdehaltende Śrīdhara,
mit Duftstoffen usw., dem hingegeben, mit Hingabe; nachdem er die besten Brahmanen mit Dickmilch-Reis gespeist, eine silberne Ehrengabe gegeben und sich verneigt hat, entlasse er sie.
Wort für Wort
gandhādyaistatparo bhaktyā
mit Duft usw., dem (Ritus) hingegeben, mit Hingabe
dadhibhaktairdvijottamān
die besten Brahmanen mit Dickmilch-Reis
saṃbhojya dakṣiṇā raupyāṃ datvā
nachdem er gespeist und eine silberne Ehrengabe gegeben hat
„Durch dieses Gelübde möge der Herr der Götter, Śrīdhara, sich mir gnädig zeigen“ (so spreche man). An der hellen Dvādaśī des Nabhasya verehre der Gelübdehaltende Vāmana,
mit süßer Speise; man gebe eine an Gewändern reiche, goldene Ehrengabe. Durch dieses Gelübde zufriedengestellt (gewährt) Padmanābha, o Bester der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
madhurānnena
mit süßer Speise
vastrāḍhyāṃ sauvarṇīṃ dakṣiṇāṃ dadet
man gebe eine an Gewändern reiche, goldene Ehrengabe
śvetadvīpagatiṃ dadyāddehabhogāṃśca vāñchitān / kārtike kṛṣṇapakṣe tu govatsadvādaśīvratam
das Erreichen von Śvetadvīpa und die gewünschten Genüsse des Körpers. Im Kārtika, in der dunklen Monatshälfte aber, (gilt) das Govatsa-Dvādaśī-Gelübde.
tatra vatsayutāṃ gāṃ tu samālikhya sugandhibhiḥ / candanādyaistathā puṣpamālābhiḥ prārcya tāmrake
Dort male man eine Kuh samt Kalb (auf ein Kupfergefäß) und verehre sie mit wohlriechenden Stoffen wie Sandel usw. sowie mit Blumengirlanden, auf dem Kupfer(gefäß),
Wort für Wort
tatra vatsayutāṃ gāṃ tu
dort (male man) eine Kuh samt Kalb
samālikhya
nachdem man (sie) gemalt hat
sugandhibhiḥ candanādyaistathā
mit wohlriechenden Stoffen wie Sandel usw.
puṣpamālābhiḥ prārcya tāmrake
verehre man mit Blumengirlanden auf dem Kupfer(gefäß)
in dem Gefäß, indem man mit Blumen, ungeschältem Reis und Sesam ein Arghya vorschriftsmäßig bereitet, gebe man es zu ihren Füßen dar, mit diesem Mantra, o Nārada:
„— nimm diesen von mir gegebenen Bissen an, du aus allen Göttern Bestehende! Du, aus allen Göttern Bestehende, o Göttin, von allen Göttern Geschmückte,“
mātarmamābhilaṣitaṃ saphalaṃ kuru nandinī / taddine tailapakvaṃ ca sthālīpakvaṃ dvijottama
„— o Mutter, mach meinen Wunsch fruchtbar, o Nandinī!“ An jenem Tag vermeide man in Öl Gebratenes und in einem Topf Gekochtes, o Bester der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
mātarmamābhilaṣitaṃ
o Mutter, meinen Wunsch
saphalaṃ kuru nandinī
mache fruchtbar, o Nandinī
taddine tailapakvaṃ ca
an jenem Tag (meide man) in Öl Gebratenes
sthālīpakvaṃ dvijottama
und in einem Topf Gekochtes, o bester Zweifachgeborener
Kuhmilch, Kuhghee, Dickmilch und Buttermilch vermeide man. An der hellen Dvādaśī des Ūrja (Kārtika) verehre man den Gott Dāmodara, o Zweifachgeborener,
indem man ihn, wohlgesammelten Sinnes, mit Verehrungsgaben wie Duft usw. verehrt; danach speise man mit gekochter Speise Brahmanen, so viele an Zahl wie die Sonnen (zwölf),
Wenn dies so getan ist, wird man Viṣṇu lieb und genießt alle Genüsse; am Ende des Körpers erlangt man die Vereinigung mit Viṣṇu — daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
evaṃ kṛte priyo viṣṇoḥ
wenn dies so getan ist, (wird man) Viṣṇu lieb
jāyate 'khilabhogabhuk
und wird Genießer aller Genüsse
dehānte viṣṇusāyujyaṃ labhate
am Ende des Körpers erlangt man Vereinigung mit Viṣṇu
geschmückt, entzünde man ein neues Feuer, verehre es mit Mantras und opfere hinein; dort, wenn es hell entfacht ist, mit einer silbernen Lampe, o Weiser,
die mit Duft, Blumen usw. verehrt ist, sollen die Leute Hari das Lichtschwenken darbringen; ebendort auch der ihm folgenden Lakṣmī, Brahmāṇī, ebenso Caṇḍikā,
Āditya, Śaṅkara, Gaurī, dem Yakṣa, Gaṇapati, den Planeten, den Müttern, den Ahnen, den Bergen, den Schlangen — allen bringe man der Reihe nach das Nīrājana dar.
gavāṃ nīrājanaṃ kuryānmahiṣyādeśca maṇḍalam / namo jayeti śabdaiśca ghaṇṭāśaṅkhā diniḥsvanaiḥ
Man vollziehe das Nīrājana der Kühe und der Büffelherde usw., mit den Rufen „Verehrung!“ und „Sieg!“ sowie mit dem Klang von Glocken, Muschelhörnern usw.,
Wort für Wort
gavāṃ nīrājanaṃ kuryāt
man vollziehe das Nīrājana der Kühe
mahiṣyādeśca maṇḍalam
und der Herde von Büffeln usw.
namo jayeti śabdaiśca
mit den Rufen 'Verehrung' und 'Sieg'
ghaṇṭāśaṅkhādiniḥsvanaiḥ
sowie mit dem Klang von Glocken, Muschelhörnern usw.
siṃdūrāliptaśṛṅgāṇāṃ citrāṅgāṇāṃ ca varṇakaiḥ / gavāṃ kolāhale vṛtte nīrājanamahotsave
der Kühe, deren Hörner mit Zinnober bestrichen und deren Leiber mit Farben bunt bemalt sind — wenn beim großen Nīrājana-Fest der Lärm (der Freude) entstanden ist,
der König, zusammen mit dem Hauspriester, begleitet von Ministern und Dienern [?] — nachdem er (alles) der Vorschrift gemäß verehrt hat, vollziehe er selbst mit Ehrerbietung das Nīrājana,
Wort für Wort
rājā purodhasā sārdhaṃ
der König, zusammen mit dem Hauspriester
mantribhṛtyaparaḥ
begleitet von Ministern und Dienern
saraḥ [?]
(unklares Wort) [?]
pūjayitvā yathānyāyaṃ nīrajya svayamādarāt
nachdem er vorschriftsmäßig verehrt hat, vollziehe er selbst mit Ehrerbietung das Nīrājana
[?] „saraḥ“ unklar, vermutlich verderbt (evtl. für „saha“ oder ähnlich).
und mit den Klängen von Muschelhorn, Trompete usw.; auf dem aus verschiedenen Juwelen gefertigten, neu aufgestellten Löwenthron sitze er, wohlgeschmückt,
Wort für Wort
śaṅkhatūryādighoṣaiśca
und mit den Klängen von Muschelhorn, Trompete usw.
dann soll eine mit guten Merkmalen versehene Kurtisane oder eine Frau aus gutem Hause über dem Haupt des Königs durch sie (die Lampe) sanft das Nīrājana vollziehen.
So ist dieses große Friedensritual jährlich zu vollziehen, vom König oder von einem anderen Wohlhabenden, der sich Gesundheit für das (kommende) Jahr wünscht.
die man ihnen gibt, entlasse man sie zufrieden mit den Worten: „Nārāyaṇa möge (mir) gnädig sein.“ Ebenfalls an diesem (Tag) ist das „Zwölf-Āditya“ genannte (Gelübde) gelehrt.
Wort für Wort
datvā tebhyastu visṛjet
nachdem man (sie) ihnen gegeben hat, entlasse man sie
prīyānnārayaṇastviti
zufrieden, (mit den Worten) Nārāyaṇa möge gnädig sein
varṣaṃ nayedvratānte tu pratimā dvādaśāpi ca / haimīḥ saṃpūjya vidhinā bhojayitvā dvijottamān
und führe (das Gelübde) ein Jahr lang durch; am Ende des Gelübdes aber (fertige man) auch zwölf goldene Abbilder, verehre sie vorschriftsmäßig und speise die besten Brahmanen,
Wort für Wort
varṣaṃ nayedvratānte tu
man führe (das Gelübde) ein Jahr lang; am Ende aber
madhurānnaiḥ susatkṛtya pratyekaṃ cārpayedvratī / eva vrataṃ naraḥ kṛtvā dvādaśādityasaṃjñakam
gut bewirtet mit süßer Speise, und der Gelübdehaltende übergebe (je ein Abbild) einem jeden. Ein Mensch, der so das „Zwölf-Āditya“ genannte Gelübde vollzogen hat,
tato vratasya puṇyena punareva labhedvratam / tatpuṇyena ravenbhitvā maṇḍalaṃ dvijasattama
Dann erlangt er durch das Verdienst des Gelübdes das Gelübde wiederum; durch dieses Verdienst durchdringt er die Scheibe der Sonne, o Bester der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
tato vratasya puṇyena
dann durch das Verdienst des Gelübdes
punareva labhedvratam
erlangt er das Gelübde wiederum
tatpuṇyena ravenbhitvā
durch dieses Verdienst, die Sonne durchdringend
maṇḍalaṃ dvijasattama
die (Sonnen-)Scheibe, o Bester der Zweifachgeborenen
und erlangt das makellose, gestaltlose, von den Gegensatzpaaren freie Brahman. Ebenfalls hier ist das „Akhaṇḍa“ genannte Gelübde gelehrt, o Bester der Zweifachgeborenen:
Wort für Wort
nirañjanaṃ nirākāraṃ
das makellose, gestaltlose
nirdvandvaṃ brahma cāpnuyāt
und das von Gegensatzpaaren freie Brahman erlangt er
zwölf (an Zahl,) Monat für Monat; man esse nur nachts und sei sinnbeherrscht. Dann, am Ende des Jahres, verehre man diese Bildgestalt vorschriftsmäßig,
bhagavaṃstvatprasādena tadakhaṇḍamihāstu me / tataḥ saṃbhojya viprāgryānsakhaṇḍāḍhyaistu pāyasaiḥ
— o Herr, durch deine Gnade möge es mir hier ununterbrochen (wirksam) sein.“ Dann speise man die besten Brahmanen mit reichlichem, mit Zuckerstücken versehenem Milchreis,
Wort für Wort
bhagavaṃstvatprasādena
o Herr, durch deine Gnade
tadakhaṇḍamihāstu me
möge es mir hier ununterbrochen sein
tataḥ saṃbhojya viprāgryān
dann, nachdem man die besten Brahmanen gespeist hat
sakhaṇḍāḍhyaistu pāyasaiḥ
mit reichlichem, Zuckerstücke enthaltendem Milchreis
Am zehnten Tag bade der Gelübdehaltende sich vorschriftsmäßig und nehme Kuhdung von einer weißen oder einfarbigen (Kuh), den noch [?] in der Luft (befindlichen), o Zweifachgeborener,
Wort für Wort
daśamyāṃ vidhivatsnātvā
am zehnten (Tag), nachdem er sich vorschriftsmäßig gebadet hat
gṛhṇīyādgomayaṃ vratī
nehme der Gelübdehaltende Kuhdung
śvetāyā vaikavarṇāyā
von einer weißen oder einfarbigen (Kuh)
antarikṣagataṃ dvija
den (noch) in der Luft befindlichen, o Zweifachgeborener
[?] „antarikṣagataṃ“ vermutlich: den noch fallenden, den Boden noch nicht berührenden Dung.
mit glückverheißendem Gesang und Instrumentalmusik, Lobrezitationen und Murmelgebeten usw. Dann, am Morgen, an der Dvādaśī, (stelle man) sie, auf einem mit Sesam gefüllten Gefäß stehend,
Wort für Wort
sumaṅgalairgītavādyaiḥ
mit glückverheißendem Gesang und Instrumentalmusik
vaiṣṇavyātha ca pūraṇāṃ ca śatamaṣṭottara tataḥ / bhojayetpāyasairviprānprītyā susnigdhamānasaḥ
und mit der Vaiṣṇavī-Formel opfere man auch die Auffüllung, hundertacht(mal); dann speise man mit Wohlwollen, mit liebevollem Sinn, die Brahmanen mit Milchreis,
und übergebe die Bildgestalt samt dem Krug dem Guru; nachdem man den Brahmanen nach Kräften eine Ehrengabe gegeben und sich verneigt hat, entlasse man sie. Ob Mann oder Frau — wer das Gelübde so mit Ehrerbietung vollzogen hat,
Wort für Wort
sahitāṃ ca ghaṭenaiva
und samt dem Krug
pratimāṃ gurave 'rpayet
übergebe die Bildgestalt dem Guru
viprebhyo dakṣiṇāṃ śaktyā datvā natvā visarjayet
nachdem man den Brahmanen nach Kräften eine Ehrengabe gegeben und sich verneigt hat, entlasse man sie
naro vā yadi vā nārī vrataṃ kṛtvaivamādarāt
ob Mann oder Frau, wer das Gelübde so mit Ehrerbietung vollzogen hat
snātvā vidhānena gṛhṇoyādvārṣikavratam / pītvā gaśṛṅgavāryādau tāṃ ca kṛtvā pradakṣiṇam
nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat, nehme man das Jahresgelübde auf sich; man trinke zuerst Wasser aus einem Kuhhorn und umschreite sie (die Kuh) rechtsherum,
dadhiyuktaṃ ca yāvānnaṃ tilājyaṃ śarkarānvitām / darbhāṃbukṣīramuditaṃ prāśanaṃ pratimāsikam
mit Dickmilch versehene Gerstenspeise, Sesam mit Ghee und Zucker versehen, mit Darbha-Gras (durchsetztes) Wasser und Milch — dies ist das monatliche Zu-sich-Nehmen.
Wer so ein Jahr lang das Gelübde vollzogen hat, fertige eine goldene Bildgestalt der Sonne an, stelle sie, in einem Kupfergefäß befindlich, hin und verehre sie vorschriftsmäßig,
Wer so das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane, erlangt Geburt in einer erhabenen Familie, wird krankheitsfrei, reich an Vermögen und Getreide und von unversehrten Sinnesorganen.
An der hellen Dvādaśī des Māgha, o Zweifachgeborener, verehre man den Śālagrāma-Stein vorschriftsmäßig mit Hingabe und lege Gold an seiner Öffnung nieder,
erlangt, nachdem man hienieden die gewünschten Genüsse genossen hat, den Wohnort Viṣṇus. An der letzten hellen Dvādaśī (des Jahres) fertige man eine goldene Bildgestalt Haris,
Wort für Wort
vaiṣṇavaṃ labhate dhāma
erlangt den Wohnort Viṣṇus
bhuktvā bhogānihepsitān
nachdem man hienieden die gewünschten Genüsse genossen hat
Śrī-Nārada sprach: Wie ist das Kennzeichen dieser (Dvādaśīs), o Brahmane, und welches ist ihre Frucht? Erkläre mir das alles, sowie auch das der anderen, die Verdienst spenden.
Wort für Wort
śrīnārada uvāca
Śrī-Nārada sprach:
kīdṛśaṃ lakṣaṇaṃ brahmannetāsāṃ
wie ist das Kennzeichen dieser (Dvādaśīs), o Brahmane
Sanātana sprach: Gut gefragt hast du, Bruder, du, der die Zweifel der Guten zerschneidet! Ich werde das Kennzeichen und die Frucht der Groß-Dvādaśīs einzeln verkünden.
Wenn man dort den Vāsudeva Genannten nach rechter Verehrungsvorschrift verehrt hat, erlangt man, sobald das Gelübde sich entfaltet, die Frucht von tausend Rājasūya-Opfern.
yadodaye tu savituryāmyā tvekādaśīṃ spṛśet / tadā vañjulikākhyāṃ tu tāṃ tyaktvopoṣayetsadā
Wenn aber bei Sonnenaufgang die dem Yama gehörige Tithi die Ekādaśī berührt, dann verlasse man diese und faste stets an der „Vañjulikā“ genannten (Dvādaśī).
Wort für Wort
yadodaye tu savituḥ
wenn aber bei Sonnenaufgang
yāmyā tvekādaśīṃ spṛśet
die dem Yama gehörige (Tithi) die Ekādaśī berührt
tadā vañjulikākhyāṃ tu
dann (bei) der 'Vañjulikā' genannten aber
tāṃ tyaktvopoṣayetsadā
verlasse man diese und faste stets
[?] „savituryāmyā“ unklar; als 'die dem Yama gehörige (Tithi, d.h. die Dvādaśī) bei Sonnenaufgang' gedeutet.
Wenn Kuhū (die Neumond-Tithi) und Arka (die Sonnen-Tithi) zugenommen haben, o Brahmane — wann auch immer das der Fall ist —, dann heißt diese Dvādaśī „Pakṣavardhanikā“ und ist von großer Frucht.
Wort für Wort
kuhūrāke yadā vṛddhe
wenn Kuhū und Arka zugenommen haben
syātāṃ vipra yadā tadā
(wann) auch immer das der Fall ist, o Brahmane
pakṣavarddhanikā nāma
'Pakṣavardhanikā' genannt
dvādaśī sā mahāphalā
(ist) diese Dvādaśī von großer Frucht
[?] „kuhūrāke“ unklar aufgelöst als „kuhū + arke“; genaue astronomische Bedeutung unsicher.
Wenn aber in der hellen Monatshälfte die Dvādaśī mit dem Nakṣatra Maghā verbunden ist, dann heißt sie „Jayā“, die alle Feinde Vernichtende.
Wort für Wort
yadā tu dhavale pakṣe
wenn aber in der hellen Monatshälfte
dvādaśī syānmadhānvitā
die Dvādaśī mit Maghā verbunden ist
tadā proktā jayā nāma
dann heißt sie 'Jayā' genannt
sarvaśatruvināśinī
die alle Feinde Vernichtende
[Anm.: Die Zeichenfolge „//ṭha“ am Zeilenende ist eine Quell-Anomalie (vermutlich ein irrtümlich stehengebliebenes Silbenfragment) ohne erkennbaren Sinn und wurde unübersetzt gelassen.]
Wenn in der hellen Monatshälfte die Dvādaśī mit dem Prājāpatya-Nakṣatra (Rohiṇī) verbunden ist, wird diese hochverdienstliche Dvādaśī „Jayantī“ genannt.
An ihr verehre man den Gott Vāmana, den Gewährer der Vollendung für die Menschen. Wenn sie befastet wird, o Fürst der Brahmanen, gewährt sie die Frucht aller Gelübde,
Wort für Wort
yasyāṃ samarccayeddevaṃ
an der man den Gott verehre
vāmanaṃ siddhidaṃ nṛṇām
Vāmana, den Gewährer der Vollendung für die Menschen
sarvadānaphalā cāpi bhuktimuktipradāyinī / yadā tu syātsite pakṣe dvādaśī jīvabhānvitā
auch die Frucht aller Spenden, und ist Geberin von Genuss und Erlösung. Wenn aber in der hellen Monatshälfte die Dvādaśī mit dem Nakṣatra des Jīva (Jupiter) verbunden ist,
Wort für Wort
sarvadānaphalā cāpi
auch die Frucht aller Spenden
bhuktimuktipradāyinī
Geberin von Genuss und Erlösung
yadā tu syātsite pakṣe
wenn aber in der hellen Monatshälfte
dvādaśī jīvabhānvitā
die Dvādaśī mit dem Nakṣatra des Jīva verbunden ist
Wenn aber an der hellen Dvādaśī des Āṣāḍha das Nakṣatra Anurādhā eintritt, dann sind zwei Gelübde zu vollziehen; kein Fehler entsteht, obgleich hier eine einzige Gottheit (zuständig ist).
Wort für Wort
yadā tvāṣāḍhaśuklāyāṃ
wenn aber an der hellen (Dvādaśī) des Āṣāḍha
dvādaśyāṃ maitrabhaṃ bhavet
an der Dvādaśī das Nakṣatra Anurādhā eintritt
tadā vratadvayaṃ kāryyaṃ
dann sind zwei Gelübde zu vollziehen
na doṣo 'traikadaivatam
kein Fehler (entsteht), (obgleich) hier eine einzige Gottheit (ist)
śravaṇarkṣayutāyāṃ ca dvādaśyāṃ bhādraśuklake / ūrjje sitāyāṃ dvādaśyāmantyabhe ca vratadvayam
Ebenso an der mit dem Nakṣatra Śravaṇa verbundenen Dvādaśī in der hellen Hälfte des Bhādra(pada), sowie an der hellen Dvādaśī des Ūrja, wenn sie mit dem letzten Nakṣatra verbunden ist, gilt ebenso ein doppeltes Gelübde.
Wort für Wort
śravaṇarkṣayutāyāṃ ca
und an der mit dem Nakṣatra Śravaṇa verbundenen
dvādaśyāṃ bhādraśuklake
Dvādaśī in der hellen (Hälfte) des Bhādra
ūrjje sitāyāṃ dvādaśyām
an der hellen Dvādaśī des Ūrja
antyabhe ca vratadvayam
und beim letzten Nakṣatra (gilt) ein doppeltes Gelübde
Abgesehen von diesen Sonderfällen, o Fürst der Brahmanen, ist an der Dvādaśī von Natur aus das Gelübde der einen Mahlzeit gelehrt, welches Sünden vernichtet.
Weil das Gelübde der Ekādaśī stets mit dem der Dvādaśī verbunden ist, ist hier keine gesonderte Abschlussfeier gelehrt; es ist als lebenslange Vorschrift zu vollziehen.
Wort für Wort
ekādaśyā vrataṃ nityaṃ
das Gelübde der Ekādaśī (ist) stets
dvādaśyāḥ sahitaṃ yataḥ
mit dem der Dvādaśī verbunden, weil
nodyāpanamihoddiṣṭaṃ
ist hier keine Abschlussfeier gelehrt
karttavyaṃ jīvitāvidhi [?]
es ist als lebenslange Vorschrift zu vollziehen [?]
[?] „jīvitāvidhi“ unklar, evtl. verschrieben für „jīvitāvadhi“ ('bis zum Ende des Lebens'); so sinngemäß übersetzt.