Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 14: dharmarājopadeśena bhagīrathasya gaṅgānayanodyamavarṇanam Die Schilderung von Bhagīrathas Bemühen um die Herbeiführung der Gaṅgā auf die Unterweisung Dharmarājas hin

pāpabhedānpravakṣyāmi yathā sthūlāśca yātanāḥ / śṛṇuṣva dhairyamāsthāya raudrā ye narakā yataḥ

Dharmarāja sprach: Ich werde die Unterschiede der Sünden verkünden, sowie die groben [schwerwiegenden] Torturen [dafür]; höre, in Standhaftigkeit gefasst, von den Höllen, die voller Schrecken sind.

Wort für Wort
pāpabhedānpravakṣyāmi
ich werde die Unterschiede der Sünden verkünden
yathā sthūlāśca yātanāḥ
sowie die groben Torturen
śṛṇuṣva dhairyamāsthāya
höre, in Standhaftigkeit gefasst
raudrā ye narakā yataḥ
von den Höllen, die voller Schrecken sind

[Anm.: Vor dem eigentlichen Vers 1 steht im Quelltext, durch eine Trennlinie abgesetzt, der versprengte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels („iti śrī bṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde dharmaśāntinirdeśo nāma caturdaśo 'dhyāyaḥ“, dies entspricht Kap. 13 dieses Projekts) sowie die Sprecherangabe „dharmarāja uvāca“; beides wurde aus dem sa-Feld dieses Verses ausgeschlossen, da es nicht zu Vers 1 selbst gehört.]

pāpino ye durātmāno narakāgniṣu santatam / pacyante yeṣu tānvakṣye bhayaṅkaraphalapradān

Die Sünder, die Bösgesinnten, welche in den Höllenfeuern unaufhörlich gekocht werden — ich werde diese [Höllen] nennen, die furchterregende Früchte verleihen.

Wort für Wort
pāpino ye durātmānaḥ
die Sünder, die Bösgesinnten
narakāgniṣu santatam
in den Höllenfeuern unaufhörlich
pacyante yeṣu tānvakṣye
[in denen] sie gekocht werden — diese werde ich nennen
bhayaṅkaraphalapradān
die furchterregende Früchte verleihen

tapanovālukākumbhau mahārauravarauravau / kumbhīpāko nirucchvāsaḥ kālasūtraḥ pramardanaḥ

Tapana, Vālukā-Kumbha, Mahāraurava und Raurava, Kumbhīpāka, Nirucchvāsa, Kālasūtra, Pramardana —

Wort für Wort
tapano vālukākumbhau
Tapana, [und] Vālukā-Kumbha
mahārauravarauravau
Mahāraurava und Raurava
kumbhīpāko nirucchvāsaḥ
Kumbhīpāka, Nirucchvāsa
kālasūtraḥ pramardanaḥ
Kālasūtra, Pramardana

[Anm.: Aufzählung von Höllennamen; Lesung „tapanovālukākumbhaumahārauravarauravau“ als „tapanaḥ vālukākumbhau mahāraurava-rauravau“ segmentiert.]

asipatravanaṃ ghoraṃ lālābhakṣo himotkaṭaḥ / mūṣāvasthā vasākūpastathā vaitaraṇī nadī

der schreckliche Schwertblatt-Wald (Asipatravana), Lālābhakṣa [Speichel-Verzehr], Himotkaṭa [Eis-Übermaß], der Tiegel-Zustand (Mūṣāvasthā), der Fettgrubenbrunnen (Vasākūpa), sowie der Fluss Vaitaraṇī —

Wort für Wort
asipatravanaṃ ghoraṃ
der schreckliche Schwertblatt-Wald
lālābhakṣo himotkaṭaḥ
Lālābhakṣa, Himotkaṭa
mūṣāvasthā vasākūpaḥ
der Tiegel-Zustand, der Fettgrubenbrunnen
tathā vaitaraṇī nadī
sowie der Fluss Vaitaraṇī

bhakṣyante mūtrapānaṃ ca purīṣahrada eva ca / tatprapaśulaṃ tatpaśilā śālmalīdruma eva ca

— [darin] werden sie verzehrt; [es gibt] das Trinken von Urin, den Kotsee, den glühenden Spieß, den glühenden Felsen, sowie den Śālmalī-Baum [mit den Dornen],

Wort für Wort
bhakṣyante mūtrapānaṃ ca
sie werden verzehrt; und das Trinken von Urin
purīṣahrada eva ca
und der Kotsee
taptaśūlam taptaśilā [?]
der glühende Spieß, der glühende Fels [?]
śālmalīdruma eva ca
und der Śālmalī-Baum

[Anm.: Die Lesung „tatpaśulaṃ tatpaśilā“ ist im Quelltext unklar/verderbt; hier als „taptaśūlam, taptaśilā“ (glühender Spieß, glühender Fels) gedeutet [?].]

tathā śoṇitakūpaśca ghoraḥ śoṇitabhojanaḥ / svamāṃsabhojanaṃ caiva vahnijvālāniveśanam

— ebenso den Blutbrunnen und die schreckliche Blut-Speisung, das Verzehren des eigenen Fleisches, sowie das Eintauchen in Feuerflammen,

Wort für Wort
tathā śoṇitakūpaśca
ebenso der Blutbrunnen
ghoraḥ śoṇitabhojanaḥ
die schreckliche Blut-Speisung
svamāṃsabhojanaṃ caiva
und das Verzehren des eigenen Fleisches
vahnijvālāniveśanam
das Eintauchen in Feuerflammen

śilāvṛṣṭiḥ śastravṛṣṭirvahnivṛṣṭistathaiva ca / kṣārodakaṃ coṣṇatoyaṃ tatpāyaḥ piṇḍabhakṣaṇam

— den Steinregen, den Waffenregen, ebenso den Feuerregen, ätzendes Laugenwasser und heißes Wasser, das Verzehren glühender Eisenkugeln,

Wort für Wort
śilāvṛṣṭiḥ śastravṛṣṭiḥ
den Steinregen, den Waffenregen
vahnivṛṣṭistathaiva ca
und ebenso den Feuerregen
kṣārodakaṃ coṣṇatoyaṃ
ätzendes Laugenwasser und heißes Wasser
taptāyaḥpiṇḍabhakṣaṇam
das Verzehren glühender Eisenkugeln

atha śiraḥśoṣaṇaṃ ca marutprapatanaṃ tathā / tathā pāṣāṇavarṣaṃ ca kṛmibhojanameva ca

— ferner das Austrocknen des Hauptes, den Sturz durch den Wind, ebenso den Steinregen [wiederholt] und das Verzehrtwerden von Würmern,

Wort für Wort
atha śiraḥśoṣaṇaṃ ca
ferner das Austrocknen des Hauptes
marutprapatanaṃ tathā
und den Sturz durch den Wind
tathā pāṣāṇavarṣaṃ ca
ebenso den Steinregen
kṛmibhojanam eva ca
und das Verzehrtwerden von Würmern

kṣāro dāpānaṃ bhramaṇaṃ tathā krakacadāraṇam / purīṣalepanaṃ caiva purīṣasya ca bhojanam

— das Verabreichen von Lauge, das [ewige] Umherwirbeln, das Zersägen mit der Säge, das Einschmieren mit Kot, sowie das Verzehren von Kot,

Wort für Wort
kṣāradāpanaṃ bhramaṇaṃ
das Verabreichen von Lauge, das Umherwirbeln
tathā krakacadāraṇam
und das Zersägen mit der Säge
purīṣalepanaṃ caiva
und das Einschmieren mit Kot
purīṣasya ca bhojanam
und das Verzehren von Kot

[?] Konstruktion „kṣāro dapānaṃ“ als „kṣāradāpanaṃ“ (Laugen-Verabreichung) gedeutet.

retaḥpānaṃ mahāghoraṃ sarvasandhiṣu dāhanam / dhūmapānaṃ pāśabandhaṃ nānāśūlānulepanam

— das überaus schreckliche Trinken von Samen, das Verbrennen an allen Gelenken, das Einatmen von Rauch, das Fesseln mit Stricken, das Bestreichen mit mancherlei Spießen,

Wort für Wort
retaḥpānaṃ mahāghoraṃ
das überaus schreckliche Trinken von Samen
sarvasandhiṣu dāhanam
das Verbrennen an allen Gelenken
dhūmapānaṃ pāśabandhaṃ
das Einatmen von Rauch, das Fesseln mit Stricken
nānāśūlānulepanam
das Bestreichen mit mancherlei Spießen

aṅgāraśayanaṃ caiva tathā musalamardanam / bahūni kāṣṭhayantrāṇi kaṣaṇaṃ chedanaṃ tathā

— das Liegen auf glühenden Kohlen, das Zerstampfen mit dem Mörserstößel, mancherlei Folterwerkzeuge aus Holz, das Zerreiben, das Zerschneiden,

Wort für Wort
aṅgāraśayanaṃ caiva
und das Liegen auf glühenden Kohlen
tathā musalamardanam
und das Zerstampfen mit dem Mörserstößel
bahūni kāṣṭhayantrāṇi
mancherlei Folterwerkzeuge aus Holz
kaṣaṇaṃ chedanaṃ tathā
das Zerreiben und das Zerschneiden

patanotpatanaṃ caiva gadādaṇḍādipīḍanam / gajadantapraharaṇaṃ nānāsarpaiśca daṃśanam

— das Fallen und Hinaufgeschleudertwerden, das Quälen mit Keule und Stock, das Verwunden mit Elefantenstoßzähnen, das Gebissenwerden von vielerlei Schlangen,

Wort für Wort
patanotpatanaṃ caiva
und das Fallen und Hinaufgeschleudertwerden
gadādaṇḍādipīḍanam
das Quälen mit Keule, Stock und dergleichen
gajadantapraharaṇaṃ
das Verwunden mit Elefantenstoßzähnen
nānāsarpaiśca daṃśanam
und das Gebissenwerden von vielerlei Schlangen

śītāmbusecanaṃ caiva nāsāyāṃ ca mukhe tathā / ghorakṣārāmbupānaṃ ca tathā lavaṇabhakṣaṇam

— das Begießen mit kaltem Wasser, sei es in der Nase oder im Mund, das Trinken von schrecklichem Laugenwasser, sowie das Verzehren von Salz,

Wort für Wort
śītāmbusecanaṃ caiva
und das Begießen mit kaltem Wasser
nāsāyāṃ ca mukhe tathā
sei es in der Nase oder im Mund
ghorakṣārāmbupānaṃ ca
und das Trinken von schrecklichem Laugenwasser
tathā lavaṇabhakṣaṇam
sowie das Verzehren von Salz

snāyucchedaṃ snāyubandhamasthicchedaṃ tathaiva ca / kṣārāmbupūrṇarandhrāṇāṃ praveśaṃ māṃsabhojanam

— das Durchschneiden der Sehnen, das Fesseln mit Sehnen, ebenso das Durchtrennen der Knochen, das Eindringen[lassen] in mit Laugenwasser gefüllte Öffnungen, das Verzehren von Fleisch,

Wort für Wort
snāyucchedaṃ snāyubandham
das Durchschneiden der Sehnen, das Fesseln mit Sehnen
asthicchedaṃ tathaiva ca
und ebenso das Durchtrennen der Knochen
kṣārāmbupūrṇarandhrāṇāṃ praveśaṃ
das Eindringen in mit Laugenwasser gefüllte Öffnungen
māṃsabhojanam
das Verzehren von Fleisch

pittapānaṃ mahāghoraṃ tathaiva śleṣmabhojanam / vṛkṣāgrātpātanañcaiva jalāntarmajjanaṃ tathā

— das überaus schreckliche Trinken von Galle, ebenso das Verzehren von Schleim, den Sturz von Baumwipfeln, sowie das Versinken im Wasser,

Wort für Wort
pittapānaṃ mahāghoraṃ
das überaus schreckliche Trinken von Galle
tathaiva śleṣmabhojanam
und ebenso das Verzehren von Schleim
vṛkṣāgrātpātanañcaiva
und den Sturz von Baumwipfeln
jalāntarmajjanaṃ tathā
sowie das Versinken im Wasser

pāṣāṇadhāraṇaṃ caiva śayanaṃ kaṇṭakopari / pipīlikādaṃśanaṃ ca vṛścikaiścāpi pīḍanam

— das Tragen von Steinen, das Liegen auf Dornen, das Gebissenwerden von Ameisen, sowie das Gequältwerden durch Skorpione,

Wort für Wort
pāṣāṇadhāraṇaṃ caiva
und das Tragen von Steinen
śayanaṃ kaṇṭakopari
das Liegen auf Dornen
pipīlikādaṃśanaṃ ca
und das Gebissenwerden von Ameisen
vṛścikaiścāpi pīḍanam
und das Gequältwerden auch durch Skorpione

vyāghrapīḍā śivāpīḍā tathā mahiṣapīḍanam / kardame śayanaṃ caiva durgandhaparipūraṇam

— die Qual durch Tiger, die Qual durch Schakale, ebenso die Qual durch Büffel, das Liegen im Schlamm, sowie das Erfülltwerden mit üblem Gestank,

Wort für Wort
vyāghrapīḍā śivāpīḍā
die Qual durch Tiger, die Qual durch Schakale
tathā mahiṣapīḍanam
und ebenso die Qual durch Büffel
kardame śayanaṃ caiva
und das Liegen im Schlamm
durgandhaparipūraṇam
das Erfülltwerden mit üblem Gestank

bahuśaścārdhaśayanaṃ mahātiktaniṣevaṇam / atyuṣṇatailapānaṃ ca mahākaṭuniṣevaṇam

— das vielfache Halb-Liegen, den Genuss überaus Bitteren, das Trinken glühend heißen Öls, sowie den Genuss überaus Scharfen,

Wort für Wort
bahuśaścārdhaśayanaṃ
das vielfache Halb-Liegen
mahātiktaniṣevaṇam
den Genuss überaus Bitteren
atyuṣṇatailapānaṃ ca
und das Trinken glühend heißen Öls
mahākaṭuniṣevaṇam
den Genuss überaus Scharfen

kaṣāyodakapānaṃ ca taptapāṣāṇatakṣaṇam / atyuṣṇaśītasnānaṃ ca tathā daśanaśātanam

— das Trinken herbherben Wassers, das Behauen glühender Steine, das Baden in übermäßig heißem oder kaltem [Wasser], sowie das Ausreißen der Zähne,

Wort für Wort
kaṣāyodakapānaṃ ca
und das Trinken herbherben Wassers
taptapāṣāṇatakṣaṇam
das Behauen glühender Steine
atyuṣṇaśītasnānaṃ ca
und das Baden in übermäßig heißem oder kaltem [Wasser]
tathā daśanaśātanam [?]
sowie das Ausreißen der Zähne [?]

[?] Lesung „daśanaśīrṇanam“ als „daśanaśātanam“ (Ausreißen/Abschlagen der Zähne) gedeutet.

taptāyaḥśayanaṃ caiva hyayobhārasya bandhanam / evamādyā mahābhāga yātanāḥ koṭikoṭiśaḥ

— das Liegen auf glühendem Eisen, sowie das Anbinden einer Eisenlast — solcherart, o Hochgesinnter, [gibt es] Torturen zu vielen Millionen.

Wort für Wort
taptāyaḥśayanaṃ caiva
und das Liegen auf glühendem Eisen
hyayobhārasya bandhanam
und das Anbinden einer Eisenlast
evamādyā mahābhāga
solcherart, o Hochgesinnter
yātanāḥ koṭikoṭiśaḥ
[gibt es] Torturen zu vielen Millionen

api varṣasahasreṇa nāhaṃ nigadituṃ kṣamaḥ / eteṣu yasya yatprāptaṃ pāpinaḥ kṣitirakṣaka

Selbst in tausend Jahren wäre ich nicht imstande, [sie alle] aufzuzählen. Was einem jeden Sünder darunter zufällt, o Beschützer der Erde,

Wort für Wort
api varṣasahasreṇa
selbst in tausend Jahren
nāhaṃ nigadituṃ kṣamaḥ
wäre ich nicht imstande, [sie] aufzuzählen
eteṣu yasya yatprāptaṃ
was einem jeden darunter zufällt
pāpinaḥ kṣitirakṣaka
dem Sünder, o Beschützer der Erde

tatsarvaṃ sampravakṣyāmi tanme nigadataḥ śṛṇu / brahmahā ca surāpī ca steyī ca gurutalpagaḥ

— das werde ich dir alles verkünden; höre es von mir, der ich es darlege. Der Brahmanenmörder, der Trinker berauschenden Getränks, der Dieb und der, der das Lager des Lehrers entweiht hat,

Wort für Wort
tatsarvaṃ sampravakṣyāmi
das werde ich dir alles verkünden
tanme nigadataḥ śṛṇu
höre es von mir, der ich es darlege
brahmahā ca surāpī ca
der Brahmanenmörder und der Trinker berauschenden Getränks
steyī ca gurutalpagaḥ
der Dieb und der Entweiher des Lehrerlagers

mahāpātakinastvete tatsaṃsargī ca pañcamaḥ / paṅktibhedī vṛthāpākī nityaṃ brahmaṇadūṣakaḥ

— diese sind die Hauptsünder, und als fünfter, wer mit ihnen Umgang pflegt. Der die [Speise-]Reihe stört, der grundlos [für sich allein] kocht, wer ständig einen Brahmanen schmäht,

Wort für Wort
mahāpātakinastvete
diese sind die Hauptsünder
tatsaṃsargī ca pañcamaḥ
und, als fünfter, wer mit ihnen Umgang pflegt
paṅktibhedī vṛthāpākī
der die Speisereihe stört, der grundlos kocht
nityaṃ brāhmaṇadūṣakaḥ
wer ständig einen Brahmanen schmäht

ādeśī vedavikretā pañcaite brahmadhātakāḥ / brahmaṇaṃ yaḥ samāhūya dāsyāmīti dhanādikam / eścānnāstīti yo bruyāttamāhurbrahmaghātinam

der falsche Lehrmeinungen verkündet, und der Verkäufer der Veden — diese fünf gelten als Brahmanenmörder. Wer einen Brahmanen herbeiruft mit den Worten 'Ich werde dir Reichtum und dergleichen geben', und ihm hernach sagt, es sei nichts [mehr davon] vorhanden — den nennt man einen Brahmanenmörder.

Wort für Wort
ādeśī vedavikretā
der falsche Lehrmeinungen verkündet, der Verkäufer der Veden
pañcaite brahmaghātakāḥ
diese fünf gelten als Brahmanenmörder
brāhmaṇaṃ yaḥ samāhūya
wer einen Brahmanen herbeiruft
dāsyāmi iti dhanādikam
[und sagt] 'ich werde Reichtum und dergleichen geben'
paścāt na asti iti yo brūyāt [?]
und danach sagt, es sei nichts [mehr] vorhanden [?]
tam āhur brahmaghātinam
den nennt man einen Brahmanenmörder

[Anm.: Dieser Vers umfasst im Quelltext drei Zeilen (6 Pādas) statt der üblichen zwei (4 Pādas); vermutlich sind hier zwei ursprünglich getrennte Verse unter einer Nummer zusammengefasst. Die Lesung „eścānnāstīti“ ist unklar, hier als „paścād annāstīti“ o. ä. gedeutet [?].]

snānārthaṃ pūjanārthaṃ vā gacchato brāhmaṇasya yaḥ / samāyātyantarāyatvaṃ tamāhurbrahmaghātinam

Wer einem Brahmanen, der sich zum Baden oder zur [Götter-]Verehrung begibt, in den Weg tritt und ihm ein Hindernis wird — den nennt man einen Brahmanenmörder.

Wort für Wort
snānārthaṃ pūjanārthaṃ vā
zum Baden oder zur Verehrung
gacchato brāhmaṇasya yaḥ
wer einem sich begebenden Brahmanen
samāyāty antarāyatvaṃ
in den Weg tritt, [ihm] ein Hindernis wird
tamāhurbrahmaghātinam
den nennt man einen Brahmanenmörder

paranindāsu nirataścātmotkarṣarataśca yaḥ / asatyanirataścaiva brahmahā parikīrtitaḥ

Wer sich beständig in Verleumdung anderer und in Selbsterhöhung ergeht, und wer der Unwahrheit ergeben ist — der wird als Brahmanenmörder bezeichnet.

Wort für Wort
paranindāsu nirataḥ
wer sich in Verleumdung anderer ergeht
ca ātmotkarṣarataśca yaḥ
und wer sich in Selbsterhöhung ergeht
asatyaniratścaiva
und wer der Unwahrheit ergeben ist
brahmahā parikīrtitaḥ
wird als Brahmanenmörder bezeichnet

adharmasyānumantā ca brahmahā parikīrtitaḥ / anyodvegarataścaiva anyeṣāṃ doṣasūcakaḥ

Wer Unrecht billigt, wird [ebenfalls] als Brahmanenmörder bezeichnet; wer sich daran ergötzt, andere zu ängstigen, und wer die Fehler anderer [öffentlich] aufzeigt,

Wort für Wort
adharmasyānumantā ca
und wer Unrecht billigt
brahmahā parikīrtitaḥ
wird als Brahmanenmörder bezeichnet
anyodvegaratścaiva
und wer sich daran ergötzt, andere zu ängstigen
anyeṣāṃ doṣasūcakaḥ
wer die Fehler anderer aufzeigt

dambhācārarataścaiva brahmahetyabhidhīyate / nityaṃ pratigraharatastathā prāṇivadhe rataḥ

wer sich beständig in heuchlerischem Verhalten ergeht, wird [ebenfalls] als Brahmanenmörder bezeichnet; wer beständig dem [unrechtmäßigen] Annehmen von Gaben ergeben ist, sowie wer sich am Töten von Lebewesen erfreut,

Wort für Wort
dambhācārarataścaiva
und wer sich in heuchlerischem Verhalten ergeht
brahmahetyabhidhīyate
wird als Brahmanenmörder bezeichnet
nityaṃ pratigraharatastathā
wer beständig dem Annehmen von Gaben ergeben ist
prāṇivadhe rataḥ
und wer sich am Töten von Lebewesen erfreut

adharmasyānumantā ca brahmahā parikīrtitaḥ / brahmahatyāsamaṃ pāpameva bahuvidhaṃ nṛpa

wer Unrecht billigt, wird [wiederum] als Brahmanenmörder bezeichnet. Vielfältig, o König, ist die Sünde, die der Brahmanentötung gleichkommt.

Wort für Wort
adharmasyānumantā ca
und wer Unrecht billigt
brahmahā parikīrtitaḥ
wird als Brahmanenmörder bezeichnet
brahmahatyāsamaṃ pāpam
eine Sünde, die der Brahmanentötung gleichkommt
eva bahuvidhaṃ nṛpa
fürwahr vielfältig, o König

[Anm.: Die erste Vershälfte von V29 wiederholt wörtlich V27a — vermutlich eine Dittographie im Quelltext.]

surāpānasamaṃ pāpaṃ pravakṣyāmi samāsataḥ / gaṇānnabhojanaṃ caiva gaṇikānāṃ niṣevaṇam

Die Sünde, die dem Trinken berauschenden Getränks gleichkommt, werde ich kurz verkünden: das Essen von [gemeinschaftlich für einen] Gaṇa [bestimmten] Speisen, sowie der Umgang mit Buhlerinnen,

Wort für Wort
surāpānasamaṃ pāpaṃ
die Sünde, die dem Trinken berauschenden Getränks gleichkommt
pravakṣyāmi samāsataḥ
werde ich kurz verkünden
gaṇānnabhojanaṃ caiva
und das Essen von [Gaṇa-]Speisen
gaṇikānāṃ niṣevaṇam
der Umgang mit Buhlerinnen

patitānnādanaṃ caiva surāpānasamaṃ smṛtam / upāsyāparityāgo devalānāṃ ca bhojanam

das Essen der Speise eines Gefallenen gilt ebenfalls als dem Trinken berauschenden Getränks gleich; das Aufgeben der [täglichen Götter-]Verehrung, sowie das Essen der Speise von Devala-Priestern [gegen Bezahlung dienenden Tempelpriestern],

Wort für Wort
patitānnādanaṃ caiva
und das Essen der Speise eines Gefallenen
surāpānasamaṃ smṛtam
gilt als dem Trinken berauschenden Getränks gleich
upāsyāparityāgo [?]
das Aufgeben der Verehrung [?]
devalānāṃ ca bhojanam
und das Essen der Speise von Devala-Priestern

[?] Lesung „upāsamāparityāgo“ als „upāsyāparityāgaḥ“ (Aufgeben der [Götter-]Verehrung) gedeutet.

surāpayoṣitsaṃyogaḥ surāpānasamaḥ smṛtaḥ / yaḥ śūdreṇa samāhūto bhojanaṃ kurute dvijaḥ

die Vereinigung mit der Frau eines Trinkers gilt als dem Trinken berauschenden Getränks gleich. Der Zweifachgeborene, der, von einem Śūdra eingeladen, [bei ihm] eine Mahlzeit einnimmt,

Wort für Wort
surāpayoṣitsaṃyogaḥ
die Vereinigung mit der Frau eines Trinkers
surāpānasamaḥ smṛtaḥ
gilt als dem Trinken berauschenden Getränks gleich
yaḥ śūdreṇa samāhūtaḥ
wer, von einem Śūdra eingeladen
bhojanaṃ kurute dvijaḥ
der Zweifachgeborene eine Mahlzeit einnimmt

surāpī sa hi vijñeyaḥ sarvadharmabahiṣkṛtaḥ / yaḥ śūdreṇābhyanujñātaḥ preṣyakarma kariti ca

der gilt fürwahr als ein Trinker berauschenden Getränks und ist von allem Dharma ausgeschlossen. Wer, von einem Śūdra dazu ermächtigt, dessen Dienerarbeit verrichtet,

Wort für Wort
surāpī sa hi vijñeyaḥ
der gilt fürwahr als ein Trinker berauschenden Getränks
sarvadharmabahiṣkṛtaḥ
und ist von allem Dharma ausgeschlossen
yaḥ śūdreṇābhyanujñātaḥ
wer, von einem Śūdra ermächtigt
preṣyakarma karoti ca
dessen Dienerarbeit verrichtet

surāpānasamaṃ pāpaṃ labhate sa narādhamaḥ / evaṃ bahuvidhaṃ pāpaṃ surāpānasamaṃ smṛtam

der niedrigste der Menschen erlangt eine Sünde, die dem Trinken berauschenden Getränks gleichkommt. So ist auf mancherlei Weise eine Sünde als dem Trinken berauschenden Getränks gleich überliefert.

Wort für Wort
surāpānasamaṃ pāpaṃ
eine Sünde, die dem Trinken berauschenden Getränks gleichkommt
labhate sa narādhamaḥ
erlangt der niedrigste der Menschen
evaṃ bahuvidhaṃ pāpaṃ
so ist mancherlei Sünde
surāpānasamaṃ smṛtam
als dem Trinken berauschenden Getränks gleich überliefert

hemasteyasamaṃ pāpaṃ pravakṣyāmi niśāmaya / kandamūlaphalānāṃ ca kastūrī paṭavāsasām

Die Sünde, die dem Golddiebstahl gleichkommt, werde ich verkünden — höre. [Der Diebstahl] von Wurzeln, Knollen und Früchten, von Moschus, von parfümierten Gewändern,

Wort für Wort
hemasteyasamaṃ pāpaṃ
die Sünde, die dem Golddiebstahl gleichkommt
pravakṣyāmi niśāmaya
werde ich verkünden — höre
kandamūlaphalānāṃ ca
und von Wurzeln, Knollen und Früchten
kastūrī paṭavāsasām
von Moschus, von parfümierten Gewändern

sadā steyaṃ ca ratnānāṃ svarṇasteyasamaṃ smṛtam / tāmrāyastrapukāṃsyānāmājyasya madhunastathā

sowie stets der Diebstahl von Edelsteinen gilt als dem Golddiebstahl gleich; [ebenso der Diebstahl] von Kupfer, Eisen, Zinn, Bronze, von Ghee und von Honig,

Wort für Wort
sadā steyaṃ ca ratnānāṃ
und stets der Diebstahl von Edelsteinen
svarṇasteyasamaṃ smṛtam
gilt als dem Golddiebstahl gleich
tāmrāyastrapukāṃsyānām
von Kupfer, Eisen, Zinn, Bronze
ājyasya madhunastathā
von Ghee und ebenso von Honig

steyaṃ sugandhadravyāṇāṃ svarṇasteyasamaṃ smṛtam / kramukasyāpaharaṇamambhasāṃ candanasya ca

der Diebstahl wohlriechender Substanzen gilt als dem Golddiebstahl gleich; das Rauben von Betelnüssen, von Wasser und von Sandelholz,

Wort für Wort
steyaṃ sugandhadravyāṇāṃ
der Diebstahl wohlriechender Substanzen
svarṇasteyasamaṃ smṛtam
gilt als dem Golddiebstahl gleich
kramukasyāpaharaṇam
das Rauben von Betelnüssen
ambhasāṃ candanasya ca
von Wasser und von Sandelholz

parṇarasāpaharaṇaṃ svarṇasteyasamaṃ smṛtam / pitṛyajñaparityāgo dharmakāryavilopanam

das Rauben von Betelblatt-Saft gilt als dem Golddiebstahl gleich; das Aufgeben des Ahnenopfers, das Vereiteln einer Dharma-Handlung —

Wort für Wort
parṇarasāpaharaṇaṃ
das Rauben von Betelblatt-Saft
svarṇasteyasamaṃ smṛtam
gilt als dem Golddiebstahl gleich
pitṛyajñaparityāgo
das Aufgeben des Ahnenopfers
dharmakāryavilopanam
das Vereiteln einer Dharma-Handlung

yatīnāṃ nindanaṃ caiva svarṇasteyasamaṃ smṛtam / bhakṣyāṇāṃ cāpaharaṇaṃ dhānyānāṃ haraṇaṃ tathā

— auch die Verleumdung von Asketen gilt als dem Golddiebstahl gleich; das Rauben von Speisen, sowie das Rauben von Getreide,

Wort für Wort
yatīnāṃ nindanaṃ caiva
und auch die Verleumdung von Asketen
svarṇasteyasamaṃ smṛtam
gilt als dem Golddiebstahl gleich
bhakṣyāṇāṃ cāpaharaṇaṃ
und das Rauben von Speisen
dhānyānāṃ haraṇaṃ tathā
sowie das Rauben von Getreide

rudrākṣaharaṇaṃ caiva svarṇasteyasamaṃ smṛtam / bhāgineyagamanaṃ caiva putrastrīgamanaṃ tathā

das Rauben von Rudrākṣa-[Perlen] gilt als dem Golddiebstahl gleich; der Beischlaf mit der [eigenen] Nichte, sowie der Beischlaf mit der Frau des Sohnes,

Wort für Wort
rudrākṣaharaṇaṃ caiva
und das Rauben von Rudrākṣa-Perlen
svarṇasteyasamaṃ smṛtam
gilt als dem Golddiebstahl gleich
bhāgineyagamanaṃ caiva [?]
und der Beischlaf mit der Nichte [?]
putrastrīgamanaṃ tathā
sowie der Beischlaf mit der Frau des Sohnes

[?] Lesung „bhāgīnīgamanaṃ“ als „bhāgineyagamanaṃ“ (Beischlaf mit der Schwestertochter/Nichte) gedeutet.

rajasvalādigamanaṃ gurutalpasamaṃ smṛtam / hīnajātyābhigamanaṃ madyapastrīniṣevaṇam

der Beischlaf mit einer Menstruierenden und dergleichen gilt als [Sünde,] dem Entweihen des Lehrerlagers gleich; der Beischlaf mit einer Frau niederer Kaste, der Umgang mit der Frau eines Trinkers,

Wort für Wort
rajasvalādigamanaṃ
der Beischlaf mit einer Menstruierenden und dergleichen
gurutalpasamaṃ smṛtam
gilt als dem Entweihen des Lehrerlagers gleich
hīnajātyābhigamanaṃ
der Beischlaf mit einer Frau niederer Kaste
madyapastrīniṣevaṇam
der Umgang mit der Frau eines Trinkers

parastrīgamanaṃ caiva gurutalpasamaṃ smṛtam / bhrātṛstrīgamanaṃ caiva vayasyastrīniṣevaṇam

sowie der Beischlaf mit der Frau eines anderen gilt als dem Entweihen des Lehrerlagers gleich; der Beischlaf mit der Frau des Bruders, sowie der Umgang mit der Frau eines Altersgenossen,

Wort für Wort
parastrīgamanaṃ caiva
und der Beischlaf mit der Frau eines anderen
gurutalpasamaṃ smṛtam
gilt als dem Entweihen des Lehrerlagers gleich
bhrātṛstrīgamanaṃ caiva
und der Beischlaf mit der Frau des Bruders
vayasyastrīniṣevaṇam
der Umgang mit der Frau eines Altersgenossen

viśvastāgamanaṃ caiva gurutalpasamaṃ smṛtam / akāle karmakaraṇaṃ putrīgamanameva ca

sowie der Beischlaf mit einer [dem Manne] vertrauenden Frau gilt als dem Entweihen des Lehrerlagers gleich; das Vollziehen [ehelicher] Handlung zur Unzeit, sowie der Beischlaf mit der [eigenen] Tochter,

Wort für Wort
viśvastāgamanaṃ caiva
und der Beischlaf mit einer vertrauenden Frau
gurutalpasamaṃ smṛtam
gilt als dem Entweihen des Lehrerlagers gleich
akāle karmakaraṇaṃ
das Vollziehen [ehelicher] Handlung zur Unzeit
putrīgamanam eva ca
und der Beischlaf mit der eigenen Tochter

[Anm.: Zwischen den beiden Halbversen von V43 liegen im Quelltext mehrere Leerzeilen; ein möglicher Textverlust ist nicht auszuschließen.]

dharmalopaḥ śāstranindā gurutalpasamaṃ smṛtam / ityevamādayo rājanmahāpātakasaṃjñitāḥ

die Verletzung des Dharma, die Schmähung der [heiligen] Schriften gilt als dem Entweihen des Lehrerlagers gleich. Solcherart, o König, sind [die Sünden], die als Hauptsünden bezeichnet werden.

Wort für Wort
dharmalopaḥ śāstranindā
die Verletzung des Dharma, die Schmähung der Schriften
gurutalpasamaṃ smṛtam
gilt als dem Entweihen des Lehrerlagers gleich
ityevamādayo rājan
solcherart, o König
mahāpātakasaṃjñitāḥ
werden [sie] als Hauptsünden bezeichnet

eteṣvekatamenāpi saṅgaṃ kṛttatsamo bhavet / yathākathañcitpāpānāmeteṣāṃ paramarṣibhiḥ

Wer mit auch nur einer einzigen dieser [Sünden] Umgang pflegt, wird dieser gleichgestellt. Für diese Sünden, wie auch immer [sie begangen wurden], ist von den höchsten Weisen

Wort für Wort
eteṣvekatamenāpi
mit auch nur einer einzigen dieser [Sünden]
saṅgaṃ kṛt tatsamo bhavet
wer Umgang pflegt, wird dieser gleichgestellt
yathākathañcit pāpānām
wie auch immer [begangen] dieser Sünden
eteṣāṃ paramarṣibhiḥ
für diese, von den höchsten Weisen

śāntaistu niṣkṛtirdṛṣṭā prāyaścittādikalpanaiḥ / prāyaścittavihīnāni pāpāni śṛṇu bhūpate

— durch die Friedvollen [Weisen] eine Sühne mittels Anordnung von Bußriten und dergleichen aufgezeigt worden. Höre nun, o Herrscher, von den Sünden, für die es keine Buße gibt,

Wort für Wort
śāntaistu niṣkṛtirdṛṣṭā
durch die Friedvollen ist eine Sühne aufgezeigt worden
prāyaścittādikalpanaiḥ
mittels Anordnung von Bußriten und dergleichen
prāyaścittavihīnāni pāpāni
von den Sünden, für die es keine Buße gibt
śṛṇu bhūpate
höre, o Herrscher

samastapāpatulyāni mahānarakadāni ca / brahmahatyādipāpānāṃ kathañcinniṣkṛtirbhavet

die allen [anderen] Sünden zusammengenommen gleichkommen und die großen Höllen bringen. Für Sünden wie Brahmanenmord gibt es doch immerhin auf irgendeine Weise eine Sühne,

Wort für Wort
samastapāpatulyāni
die allen Sünden zusammengenommen gleichkommen
mahānarakadāni ca
und die großen Höllen bringen
brahmahatyādipāpānāṃ
für Sünden wie Brahmanenmord
kathañcinniṣkṛtirbhavet
gibt es auf irgendeine Weise eine Sühne

brāhmaṇaṃ dveṣṭi yastasya niṣkṛtirnāsti kutracit / viśvastaghātinaṃ caiva kṛtaghnānāṃ nareśvara

doch für den, der einen Brahmanen hasst, gibt es nirgendwo eine Sühne. Ebenso [gilt dies] für den, der einen Vertrauenden tötet, und für die Undankbaren, o Herr der Menschen,

Wort für Wort
brāhmaṇaṃ dveṣṭi yastasya
wer einen Brahmanen hasst, für den
niṣkṛtirnāsti kutracit
gibt es nirgendwo eine Sühne
viśvastaghātinaṃ caiva
und ebenso für den, der einen Vertrauenden tötet
kṛtaghnānāṃ nareśvara
für die Undankbaren, o Herr der Menschen

śūdrastrīsaṅgināṃ caiva niṣkṛtirnāsti kutracit / śūdrānnapuṣṭadehānāṃ vedanindāratātmanām

sowie für die, welche mit einer Śūdra-Frau Umgang pflegen, gibt es nirgendwo eine Sühne — [ebenso] für jene, deren Leiber von Śūdra-Speise genährt sind, deren Sinn der Schmähung der Veden ergeben ist,

Wort für Wort
śūdrastrīsaṅgināṃ caiva
und für die, welche mit einer Śūdra-Frau Umgang pflegen
niṣkṛtirnāsti kutracit
gibt es nirgendwo eine Sühne
śūdrānnapuṣṭadehānāṃ
für jene, deren Leiber von Śūdra-Speise genährt sind
vedanindāratātmanām
deren Sinn der Vedenschmähung ergeben ist

satkathānindakānāṃ ca nehāmutracaniṣkṛtiḥ

sowie für die Schmäher frommer Erzählungen [gibt es] weder hier [auf Erden] noch im Jenseits eine Sühne.

Wort für Wort
satkathānindakānāṃ ca
und für die Schmäher frommer Erzählungen
na iha amutra ca niṣkṛtiḥ
[gibt es] weder hier noch im Jenseits eine Sühne

[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (2 Pādas).]

bauddhālayaṃ viśedyastu mahāpadyapi ca dvijaḥ / na tasya niṣkṛtirdṛṣṭā prāyaścittaśatairapi

Welcher Zweifachgeborene auch immer ein buddhistisches Heiligtum betritt, selbst in höchster Not — für ihn ist keine Sühne ersichtlich, nicht einmal durch hunderte Bußriten.

Wort für Wort
bauddhālayaṃ viśedyastu
welcher [Zweifachgeborene] auch immer ein buddhistisches Heiligtum betritt
mahāpady api ca dvijaḥ [?]
selbst in höchster Not, der Zweifachgeborene [?]
na tasya niṣkṛtirdṛṣṭā
für ihn ist keine Sühne ersichtlich
prāyaścittaśatairapi
nicht einmal durch hunderte Bußriten

[?] Lesung „mahāpadyapi vaidvijaḥ“ als „mahāpady api ca dvijaḥ“ gedeutet.

bauddhāḥ pāṣaṇḍinaḥ proktā yato vedavinindakāḥ / tasmādvijastānnekṣeta yato dharmabahiṣkṛtāḥ

Die Buddhisten werden als Häretiker (Pāṣaṇḍin) bezeichnet, da sie die Veden schmähen; darum soll der Zweifachgeborene sie nicht [einmal] ansehen, da sie vom Dharma ausgeschlossen sind.

Wort für Wort
bauddhāḥ pāṣaṇḍinaḥ proktā
die Buddhisten werden als Häretiker bezeichnet
yato vedavinindakāḥ
da sie die Veden schmähen
tasmādvijastānnekṣeta
darum soll der Zweifachgeborene sie nicht ansehen
yato dharmabahiṣkṛtāḥ
da sie vom Dharma ausgeschlossen sind

jñānato 'jñānato vāpi dvijo bauddhālayaṃ viśet / jñātvā cenniṣkṛtirnāsti śāstrāṇāmiti niścayaḥ

Betritt ein Zweifachgeborener wissentlich oder unwissentlich ein buddhistisches Heiligtum — hat er es [danach] erkannt, so gibt es keine Sühne; dies ist die feststehende Lehre der Schriften.

Wort für Wort
jñānato 'jñānato vāpi
wissentlich oder unwissentlich
dvijo bauddhālayaṃ viśet
betritt ein Zweifachgeborener ein buddhistisches Heiligtum
jñātvā cenniṣkṛtirnāsti
hat er es erkannt, so gibt es keine Sühne
śāstrāṇāmiti niścayaḥ
dies ist die feststehende Lehre der Schriften

eteṣāṃ pāpabāhulyānnarakaṃ koṭikalpakam / prāyaścittavihīnāni proktānyanyāni ca prabho

Wegen der Fülle dieser Sünden [erleiden sie] eine Hölle von der Dauer vieler Millionen Kalpas. Andere [Sünden], für die es keine Buße gibt, sind [ebenfalls] genannt worden, o Herr,

Wort für Wort
eteṣāṃ pāpabāhulyāt
wegen der Fülle dieser Sünden
narakaṃ koṭikalpakam
eine Hölle von der Dauer vieler Millionen Kalpas
prāyaścittavihīnāni
für die es keine Buße gibt
proktānyanyāni ca prabho
sind andere genannt worden, o Herr

pāpāni teṣāṃ narakāngadato me niśāmaya

höre nun von mir, der ich von den Sünden [und] den Höllen für sie spreche.

Wort für Wort
pāpāni teṣāṃ narakān
von den Sünden [und] den Höllen für sie
gadato me niśāmaya
höre von mir, der ich spreche

[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (2 Pādas).]

mahāpātakinasteṣu pratyekaṃ yugavāsinaḥ / tadante pṛthivīmetya saptajanmasu gardabhāḥ

Unter diesen verweilen die Hauptsünder je einzeln ein [ganzes Welt-]Zeitalter [in der Hölle]; danach, zur Erde zurückgekehrt, [werden sie] in sieben Geburten Esel,

Wort für Wort
mahāpātakinasteṣu
unter diesen die Hauptsünder
pratyekaṃ yugavāsinaḥ
je einzeln ein Zeitalter [dort] verweilend
tadante pṛthivīmetya
danach, zur Erde zurückgekehrt
saptajanmasu gardabhāḥ
in sieben Geburten Esel

tataḥ śvāno viddhadehā bhaveyurdaśajanmasu / āśatābdaṃ viṭkṛmayaḥ sarpā dvādaśajanmasu

danach werden sie in zehn Geburten Hunde mit wundem Leib; bis zu hundert Jahre [lang] Kotwürmer, und in zwölf Geburten Schlangen,

Wort für Wort
tataḥ śvāno viddhadehā
danach Hunde mit wundem Leib
bhaveyurdaśajanmasu
werden sie in zehn Geburten
āśatābdaṃ viṭkṛmayaḥ
bis zu hundert Jahre lang Kotwürmer
sarpā dvādaśajanmasu
Schlangen in zwölf Geburten

tataḥ sahasrajanmāni mṛgādyāḥ paśavo nṛpa / śatābdaṃ sthāvarāścaiva tato godhāśarīriṇaḥ

danach, o König, in tausend Geburten Tiere wie Hirsche und Vieh; hundert Jahre lang unbewegliche [Pflanzenwesen], danach mit dem Leib eines Waranes,

Wort für Wort
tataḥ sahasrajanmāni
danach in tausend Geburten
mṛgādyāḥ paśavo nṛpa
Tiere wie Hirsche und Vieh, o König
śatābdaṃ sthāvarāścaiva
hundert Jahre lang unbewegliche [Pflanzenwesen]
tato godhāśarīriṇaḥ
danach mit dem Leib eines Waranes

tatastu saptajanmāni caṇḍālāḥ pāpakāriṇaḥ / tataḥ ṣoḍaśa janmāni śūdrādyā hīnajātayaḥ

danach in sieben Geburten sündige Caṇḍālas; danach in sechzehn Geburten niedere Geburten wie Śūdras und dergleichen,

Wort für Wort
tatastu saptajanmāni
danach aber in sieben Geburten
caṇḍālāḥ pāpakāriṇaḥ
sündige Caṇḍālas
tataḥ ṣoḍaśa janmāni
danach in sechzehn Geburten
śūdrādyā hīnajātayaḥ
niedere Geburten wie Śūdras und dergleichen

tatastu janmadvitaye daridrāvyādhipīḍitāḥ / pratigrahaparā nityaṃ tato nirayagāḥ punaḥ

danach in zwei Geburten von Armut und Krankheit Geplagte, die beständig auf [das Annehmen von] Gaben angewiesen sind; danach gehen sie wiederum in die Hölle ein.

Wort für Wort
tatastu janmadvitaye
danach aber in zwei Geburten
daridrāvyādhipīḍitāḥ
von Armut und Krankheit Geplagte
pratigrahaparā nityaṃ
beständig auf Gaben angewiesen
tato nirayagāḥ punaḥ
danach gehen sie wiederum in die Hölle ein

asūyāviṣṭamanaso raurave narake smṛtam / tatra kalpadvayaṃ sthitvā cāṇḍālāḥ śatajanmasu

Für den, dessen Geist von Missgunst erfüllt ist, ist die Raurava-Hölle bestimmt; nachdem er dort zwei Kalpas verweilt hat, [wird er] in hundert Geburten ein Caṇḍāla.

Wort für Wort
asūyāviṣṭamanaso
für den, dessen Geist von Missgunst erfüllt ist
raurave narake smṛtam
ist die Raurava-Hölle überliefert
tatra kalpadvayaṃ sthitvā
nachdem er dort zwei Kalpas verweilt hat
cāṇḍālāḥ śatajanmasu
[wird er] in hundert Geburten ein Caṇḍāla

mā dadasveti yo brūyādgavāṃ vā gobrāhmaṇeṣu ca / śunāṃ yoniśataṃ gatvā cāṇḍāleṣūpajāyate

Wer sagt: 'Gib nicht!' in Bezug auf [eine Gabe] an Kühe oder an Kühe und Brahmanen, der geht durch hundert Hundegeburten und wird danach unter den Caṇḍālas wiedergeboren.

Wort für Wort
mā dadasveti yo brūyāt
wer sagt: 'Gib nicht!'
gavāṃ vā gobrāhmaṇeṣu ca [?]
in Bezug auf Kühe oder Kühe und Brahmanen [?]
śunāṃ yoniśataṃ gatvā
durch hundert Hundegeburten gehend
cāṇḍāleṣūpajāyate
wird er unter den Caṇḍālas wiedergeboren

[?] Lesung „gavāngi brāhmaṇeṣu“ unklar, hier sinngemäß als „gavāṃ vā gobrāhmaṇeṣu“ (an Kühe bzw. an Kühe und Brahmanen) gedeutet.

tato viṣṭhākṛmibhiścaiva tato vyāghrastrijanmasu / tadante narakaṃ yāti yugānāmekaviṃśatim

danach als Kotwürmer, danach in drei Geburten ein Tiger; am Ende davon geht er für einundzwanzig Zeitalter in die Hölle ein.

Wort für Wort
tato viṣṭhākṛmibhiścaiva
danach [wird er] als Kotwürmer
tato vyāghrastrijanmasu
danach in drei Geburten ein Tiger
tadante narakaṃ yāti
am Ende davon geht er in die Hölle ein
yugānāmekaviṃśatim
für einundzwanzig Zeitalter

paranindāparā ye ca ye ca niṣṭhurabhāṣiṇaḥ / dānānāṃ vighnakartāras teṣāṃ pāpaphalaṃ śṛṇu

Diejenigen, die der Verleumdung anderer ergeben sind, und diejenigen, die grausam sprechen, sowie die Hindernisbereiter von [frommen] Gaben — höre die Frucht ihrer Sünde:

Wort für Wort
paranindāparā ye ca
und diejenigen, die der Verleumdung anderer ergeben sind
ye ca niṣṭhurabhāṣiṇaḥ
und diejenigen, die grausam sprechen
dānānāṃ vighnakartāraḥ
die Hindernisbereiter von Gaben
teṣāṃ pāpaphalaṃ śṛṇu
höre die Frucht ihrer Sünde

musalolūkhalābhyāṃ tu cūrṇyante taskarā bhṛśam / tadante taptapāṣāṇagrahaṇaṃ vatsarāṣṭakam

Mit Mörserkeule und Mörser werden die Diebe heftig zermahlen; danach [erfolgt] das Ergreifen glühender Steine, acht Jahre lang.

Wort für Wort
musalolūkhalābhyāṃ tu
mit Mörserkeule und Mörser
cūrṇyante taskarā bhṛśam
werden die Diebe heftig zermahlen
tadante taptapāṣāṇagrahaṇaṃ
danach das Ergreifen glühender Steine
vatsarāṣṭakam [?]
acht Jahre lang [?]

[?] Lesung „vatsaratraghayam“ als „vatsarāṣṭakam“ (acht Jahre) gedeutet.

tataśca kālasūtreṇa bhidyante saptavatsarān / śocantaḥ svakṛtaṃ karma paradravyāpahārakāḥ

Und danach werden sie durch Kālasūtra sieben Jahre lang zerspalten, während sie, die Räuber fremden Guts, ihre eigene Tat beklagen.

Wort für Wort
tataśca kālasūtreṇa
und danach durch Kālasūtra
bhidyante saptavatsarān
werden sie sieben Jahre lang zerspalten
śocantaḥ svakṛtaṃ karma [?]
ihre eigene Tat beklagend [?]
paradravyāpahārakāḥ
die Räuber fremden Guts

[?] Lesung „śocantaḥ svṛnikarmāṇi“ als „śocantaḥ svakṛtaṃ karma“ gedeutet.

karmaṇā tatra pacyante narakāgniṣu santatam

Durch [diese] Tat werden sie dort unaufhörlich in den Höllenfeuern gekocht.

Wort für Wort
karmaṇā tatra pacyante
durch [diese] Tat werden sie dort gekocht
narakāgniṣu santatam
unaufhörlich in den Höllenfeuern

[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (2 Pādas).]

parasvasūcakānāṃ ca narakaṃ śṛṇu dāruṇam / yāvadyugasahasraṃ tu taptāyaḥpiṇḍabhakṣaṇam

Höre auch von der schrecklichen Hölle derer, die fremdes Gut verraten (anzeigen): für tausend Zeitalter müssen sie glühende Eisenklumpen verzehren,

Wort für Wort
parasvasūcakānāṃ ca
und derer, die fremdes Gut verraten
narakaṃ śṛṇu dāruṇam
höre die schreckliche Hölle
yāvadyugasahasraṃ tu
für tausend Zeitalter aber
taptāyaḥpiṇḍabhakṣaṇam
das Verzehren glühender Eisenklumpen

sampīḍyate ca rasanā saṃdaṃśairbhṛśadāruṇaiḥ / nirucchvāsaṃ mahāghore kalpārdhaṃ nivasanti te

ihre Zunge wird mit überaus grausamen Zangen gequetscht; in der schrecklichen [Hölle] Nirucchvāsa verweilen sie ein halbes Kalpa.

Wort für Wort
sampīḍyate ca rasanā
und die Zunge wird gequetscht
saṃdaṃśairbhṛśadāruṇaiḥ
mit überaus grausamen Zangen
nirucchvāsaṃ mahāghore
in der schrecklichen Nirucchvāsa-Hölle
kalpārdhaṃ nivasanti te
verweilen sie ein halbes Kalpa

parastrīlolupānāṃ ca narakaṃ kathayāmi te / taptāyastrasa striyastena surūpābharaṇairyutāḥ

Ich verkünde dir auch die Hölle derer, die nach fremden Frauen begehrlich sind: glühende Eisenfrauen [werden ihnen vorgeführt], von ihm als von schöner Gestalt und mit Schmuck versehen [wahrgenommen],

Wort für Wort
parastrīlolupānāṃ ca
und derer, die nach fremden Frauen begehrlich sind
narakaṃ kathayāmi te
verkünde ich dir die Hölle
taptāyastrasa striyaḥ [?]
glühende Eisenfrauen [?]
tena surūpābharaṇairyutāḥ
von ihm als von schöner Gestalt und mit Schmuck versehen [wahrgenommen]

[Anm.: Die Lesung „tatpatāmrastriyastena“ ist im Quelltext verderbt; hier als „taptāyastrasa striyaḥ, tena“ gedeutet [?].]

yādṛśīstādṛśīstāśca ramante prasabhaṃ bahu / vidravantaṃ bhayenāsāṃ gṛhṇanti prasabhaṃ ca tam

— solche und solcherart [Frauen] genießen sie zunächst, gewaltsam, wiederholt; wenn er dann aus Furcht vor ihnen zu fliehen versucht, ergreifen sie ihn mit Gewalt,

Wort für Wort
yādṛśīstādṛśīstāśca
solche und solcherart [Frauen]
ramante prasabhaṃ bahu
genießen sie gewaltsam, wiederholt
vidravantaṃ bhayenāsāṃ
ihn, der aus Furcht vor ihnen flieht
gṛhṇanti prasabhaṃ ca tam
ergreifen sie mit Gewalt

kathayantaśca tatkarma nayante narakānkramāt / anyaṃ bhajante bhūpāla patiṃ tyaktvā ca yāḥ striyaḥ

und indem sie [ihm] jene Tat vorhalten, führen sie ihn der Reihe nach durch die Höllen. Die Frauen aber, die ihren Gatten verlassen und sich einem anderen zuwenden, o Herrscher,

Wort für Wort
kathayantaśca tatkarma
und indem sie jene Tat erzählen [vorhalten]
nayante narakānkramāt
führen sie [ihn] der Reihe nach durch die Höllen
anyaṃ bhajante bhūpāla
sich einem anderen zuwenden, o Herrscher
patiṃ tyaktvā ca yāḥ striyaḥ
die Frauen, die den Gatten verlassen haben

taptāyaḥpuruṣāstāstu taptāyaḥśayane balāt / pātayitvā ramante ca bahukālaṃ balānvitāḥ

— diese werden von glühenden Eisenmännern mit Gewalt auf ein glühendes Eisenlager niedergeworfen und lange Zeit von den Gewaltigen [gezwungenermaßen] 'genossen'.

Wort für Wort
taptāyaḥpuruṣāstāstu
diese aber, von glühenden Eisenmännern
taptāyaḥśayane balāt
auf ein glühendes Eisenlager, mit Gewalt
pātayitvā ramante ca
niedergeworfen, werden sie genossen
bahukālaṃ balānvitāḥ
lange Zeit, von den Gewaltigen

tatastairyoṣito muktā hutāśanasamojjvalam / ayaḥstambhaṃ samāśliṣya tiṣṭhantyabdasahasrakam

Danach, von jenen befreit, müssen die Frauen eine dem Feuer gleich glühende Eisensäule umarmen und tausend Jahre [so] verharren.

Wort für Wort
tatastairyoṣito muktā
danach, von jenen befreit, die Frauen
hutāśanasamojjvalam
eine dem Feuer gleich glühende
ayaḥstambhaṃ samāśliṣya
Eisensäule umarmend
tiṣṭhantyabdasahasrakam
verharren sie tausend Jahre

tataḥ kṣārodakasnānaṃ kṣārodakaniṣevaṇam / tadante narakān sarvān bhuñjate 'bdaśataṃ śatam

Danach [folgt] das Bad in Laugenwasser, der Genuss von Laugenwasser; am Ende davon durchleiden sie alle Höllen, hundert mal hundert Jahre.

Wort für Wort
tataḥ kṣārodakasnānaṃ
danach das Bad in Laugenwasser
kṣārodakaniṣevaṇam
der Genuss von Laugenwasser
tadante narakān sarvān
am Ende davon alle Höllen
bhuñjate 'bdaśataṃ śatam
durchleiden sie, hundert mal hundert Jahre

yo hanti brāhmaṇaṃ gāṃ ca kṣatriyaṃ ca nṛpottamam / sa cāpi yātanāḥ sarvā bhuṅkte kalpeṣu pañcasu

Wer einen Brahmanen tötet, eine Kuh, oder einen Kṣatriya, [selbst wenn er] ein vortrefflicher König [ist] — auch er durchleidet alle Torturen, fünf Kalpas lang.

Wort für Wort
yo hanti brāhmaṇaṃ gāṃ ca
wer einen Brahmanen und eine Kuh tötet
kṣatriyaṃ ca nṛpottamam
und einen Kṣatriya, [selbst] einen vortrefflichen König
sa cāpi yātanāḥ sarvā
auch er alle Torturen
bhuṅkte kalpeṣu pañcasu
durchleidet er, fünf Kalpas lang

yaḥ śṛṇoti mahannindāṃ sādaraṃ tatphalaṃ śṛṇu / teṣāṃ karṇeṣu dāpyante taptāyaḥkīlasañcayāḥ

Wer sich mit Anteilnahme die Schmähung großer [Männer, Heiliger] anhört — höre die Frucht dessen: In deren Ohren werden Haufen glühender Eisennägel eingetrieben,

Wort für Wort
yaḥ śṛṇoti mahatāṃ nindāṃ [?]
wer die Schmähung Großer anhört [?]
sādaraṃ tatphalaṃ śṛṇu
mit Anteilnahme — höre die Frucht dessen
teṣāṃ karṇeṣu dāpyante
in deren Ohren werden eingetrieben
taptāyaḥkīlasañcayāḥ
Haufen glühender Eisennägel

[?] Lesung „mahannindāṃ“ als „mahatāṃ nindāṃ“ gedeutet.

tataśca teṣu chidreṣu tailamatyuṣṇamulbaṇam / pūryate ca tataścāpi kumbhīpākaṃ prapadyate

und danach wird in jene Löcher überaus heißes, sengendes Öl gegossen; und danach gerät er in die Kumbhīpāka-Hölle.

Wort für Wort
tataśca teṣu chidreṣu
und danach in jene Löcher
tailamatyuṣṇamulbaṇam
überaus heißes, sengendes Öl
pūryate ca tataścāpi
wird gegossen, und danach auch
kumbhīpākaṃ prapadyate
gerät er in die Kumbhīpāka-Hölle

nāstikānāṃ pravakṣyāmi vimukhānāṃ hare harau / abdānāṃ koṭiparyantaṃ lavaṇaṃ bhuñjate hi te

Ich werde [nun] von den Gottlosen sprechen, die sich von Hari abwenden: bis zu zehn Millionen Jahren verzehren sie fürwahr Salz;

Wort für Wort
nāstikānāṃ pravakṣyāmi
von den Gottlosen werde ich sprechen
vimukhānāṃ hare harau [?]
die sich von Hari abwenden [?]
abdānāṃ koṭiparyantaṃ
bis zu zehn Millionen Jahren
lavaṇaṃ bhuñjate hi te
verzehren sie fürwahr Salz

[Anm.: Die Wendung „hare harau“ ist im Quelltext unklar, möglicherweise verderbt oder eine doppelte Gottesanrede (Hari/Hara); hier als bloße Bekräftigung „gegenüber Hari“ gedeutet [?].]

tataśca kalpaparyantaṃ raurave taptasaikate / bhajyante pāpakarmāṇo 'nyepyevaṃ narādhipa

und danach, bis ans Ende eines Kalpas, werden die Übeltäter in Raurava auf glühendem Sand [zerbrochen]; ebenso [ergeht es] auch anderen, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
tataśca kalpaparyantaṃ
und danach, bis ans Ende eines Kalpas
raurave taptasaikate
in Raurava, auf glühendem Sand
bhajyante pāpakarmāṇaḥ
werden die Übeltäter zerbrochen
anyepyevaṃ narādhipa
ebenso auch andere, o Herrscher der Menschen

brāhmaṇānye nirīkṣante kopadṛṣṭyā narādhamāḥ / taptasūcīsahasreṇa cakṣusteṣāṃ prasūryate

Die niedrigsten der Menschen, die Brahmanen mit zornigem Blick anschauen — deren Augen werden mit tausend glühenden Nadeln durchbohrt.

Wort für Wort
brāhmaṇānye nirīkṣante
die Brahmanen anschauen
kopadṛṣṭyā narādhamāḥ
mit zornigem Blick, die niedrigsten der Menschen
taptasūcīsahasreṇa
mit tausend glühenden Nadeln
cakṣusteṣāṃ prasūryate [?]
werden deren Augen durchbohrt [?]

[?] Sinn von „prasūryate“ (bezogen auf das Durchbohren der Augen) unsicher rekonstruiert.

tataḥ kṣārāmbudhārābhiḥ secyante nṛpasattama / tataśca krakacairghorairbhidyante pāpakarmaṇaḥ

danach werden sie, o Bester der Könige, mit Strömen von Laugenwasser begossen, und danach werden die Übeltäter mit schrecklichen Sägen zersägt.

Wort für Wort
tataḥ kṣārāmbudhārābhiḥ
danach mit Strömen von Laugenwasser
secyante nṛpasattama
werden sie begossen, o Bester der Könige
tataśca krakacairghoraiḥ
und danach mit schrecklichen Sägen
bhidyante pāpakarmaṇaḥ
werden die Übeltäter zersägt

viśvāsaghātināṃ caiva maryādābhedināṃ tathā / parānnalolupānāṃ ca narakaṃ śṛṇu dāruṇam

Höre auch von der schrecklichen Hölle derer, die Vertrauen missbrauchen, ebenso derer, die [rechte] Grenzen überschreiten, sowie derer, die nach fremder Speise gierig sind:

Wort für Wort
viśvāsaghātināṃ caiva
und derer, die Vertrauen missbrauchen
maryādābhedināṃ tathā
und ebenso derer, die Grenzen überschreiten
parānnalolupānāṃ ca
und derer, die nach fremder Speise gierig sind
narakaṃ śṛṇu dāruṇam
höre die schreckliche Hölle

svamāṃsabhojino nityaṃ bhakṣyamāṇāḥ śvabhistu te / narakeṣu samasteṣu pratyekaṃ hyabdavāsinaḥ

Sie werden beständig von Hunden gefressen, während sie [selbst] ihr eigenes Fleisch verzehren müssen; in sämtlichen Höllen [verweilen sie] je einzeln ein Jahr [lang].

Wort für Wort
svamāṃsabhojino nityaṃ
die beständig ihr eigenes Fleisch essen
bhakṣyamāṇāḥ śvabhistu te
sie aber werden von Hunden gefressen
narakeṣu samasteṣu
in sämtlichen Höllen
pratyekaṃ hyabdavāsinaḥ
je einzeln ein Jahr verweilend

pratigraharatā ye ca ye vai nakṣatrapāṭhakāḥ / ye ca devalakānnānāṃ bhojinastāñśṛṇuṣva me

Diejenigen, die dem [unrechtmäßigen] Annehmen von Gaben ergeben sind, diejenigen, die [gegen Bezahlung] Sternendeutung lehren, und diejenigen, die von der Speise der Devala-Priester essen — höre von mir über sie:

Wort für Wort
pratigraharatā ye ca
und diejenigen, die dem Annehmen von Gaben ergeben sind
ye vai nakṣatrapāṭhakāḥ
und diejenigen, die Sternendeutung lehren
ye ca devalakānnānāṃ bhojinaḥ
und diejenigen, die von der Speise der Devala-Priester essen
tāñśṛṇuṣva me
höre von mir über sie

rājannākalpaparyantaṃ yātanāsvāsu duḥkhitāḥ / pacyante satataṃ pāpāviṣṭā bhogaratāḥ sadā

O König, bis ans Ende eines Kalpas, von jenen Torturen gequält, werden sie beständig gekocht, von Sünde erfüllt, stets dem [sinnlichen] Genuss ergeben [gewesen seiend].

Wort für Wort
rājannākalpaparyantaṃ
o König, bis ans Ende eines Kalpas
yātanāsvāsu duḥkhitāḥ
von jenen Torturen gequält
pacyante satataṃ pāpāviṣṭā
werden sie beständig gekocht, von Sünde erfüllt
bhogaratāḥ sadā
stets dem Genuss ergeben

tatastailena pūryante kālasūtraprapīḍitāḥ / tataḥ kṣārodakasnānaṃ mūtraviṣṭāniṣevaṇam

Danach werden sie, von Kālasūtra gepeinigt, mit Öl gefüllt; danach [folgt] das Bad in Laugenwasser, der Genuss von Urin und Kot.

Wort für Wort
tatastailena pūryante
danach werden sie mit Öl gefüllt
kālasūtraprapīḍitāḥ
von Kālasūtra gepeinigt
tataḥ kṣārodakasnānaṃ
danach das Bad in Laugenwasser
mūtraviṣṭāniṣevaṇam
der Genuss von Urin und Kot

tadante bhuvamāsādya bhavanti mlecchajātayaḥ / anyodvegaratā ye tu yānti vaitaraṇīṃ nadīm

Am Ende davon, zur Erde zurückgekehrt, werden sie in der Geburt von Mlecchas geboren. Diejenigen aber, die sich daran erfreuen, andere zu ängstigen, gehen in den Fluss Vaitaraṇī ein.

Wort für Wort
tadante bhuvamāsādya
am Ende davon, zur Erde zurückgekehrt
bhavanti mlecchajātayaḥ
werden sie in der Geburt von Mlecchas geboren
anyodvegaratā ye tu
diejenigen aber, die sich daran erfreuen, andere zu ängstigen
yānti vaitaraṇīṃ nadīm
gehen in den Fluss Vaitaraṇī ein

tyaktapañcamahāyajñā lālābhakṣaṃ vrajanti hi / upāsanāparityāgī rauravaṃ narakaṃ vrajet

Diejenigen, die die fünf großen Opfer aufgegeben haben, gehen fürwahr in die Hölle Lālābhakṣa ein; wer die [tägliche Götter-]Verehrung aufgibt, geht in die Hölle Raurava ein.

Wort für Wort
tyaktapañcamahāyajñā
diejenigen, die die fünf großen Opfer aufgegeben haben
lālābhakṣaṃ vrajanti hi
gehen fürwahr in [die Hölle] Lālābhakṣa ein
upāsanāparityāgī
wer die [Götter-]Verehrung aufgibt
rauravaṃ narakaṃ vrajet
geht in die Hölle Raurava ein

vipragrāmakarādānaṃ kurvatāṃ śṛṇu bhūpate / yātanāsvāsu pacyante yāvadācandratārakam

Höre, o Herrscher, von denen, die von Brahmanendörfern Steuern erheben: sie werden in jenen Torturen gekocht, solange Mond und Sterne bestehen.

Wort für Wort
vipragrāmakarādānaṃ
das Erheben von Steuern von Brahmanendörfern
kurvatāṃ śṛṇu bhūpate
von denen, die es tun, höre, o Herrscher
yātanāsvāsu pacyante
sie werden in jenen Torturen gekocht
yāvadācandratārakam
solange Mond und Sterne bestehen

grāmeṣu bhūpālavaro yaḥ kuryādadhikaṃ karam / sa sahasrakulo bhuṅkte narakaṃ kalpapañcasu

Welcher vortreffliche Herrscher in [seinen] Dörfern übermäßige Steuern erhebt, der durchleidet, mit tausend [Mitgliedern seiner] Familie, die Hölle für fünf Kalpas.

Wort für Wort
grāmeṣu bhūpālavaro yaḥ
welcher vortreffliche Herrscher in [seinen] Dörfern
kuryādadhikaṃ karam
übermäßige Steuern erhebt
sa sahasrakulo bhuṅkte
der durchleidet, mit tausend [Mitgliedern seiner] Familie
narakaṃ kalpapañcasu
die Hölle, für fünf Kalpas

vipragrāmakarādāne yo 'numantātu pāpakṛt / sa eva kṛtavān rājanbrahmahatyāsahasrakam

Wer beim Erheben von Steuern von Brahmanendörfern [dazu nur] seine Zustimmung gibt, der Übeltäter — er hat damit, o König, gleichsam tausend Brahmanenmorde begangen.

Wort für Wort
vipragrāmakarādāne
beim Erheben von Steuern von Brahmanendörfern
yo 'numantā tu pāpakṛt
wer [dazu] seine Zustimmung gibt, der Übeltäter
sa eva kṛtavān rājan
er hat, o König
brahmahatyāsahasrakam
tausend Brahmanenmorde begangen

kālasūtre mahāghore sa vasedyaccaturyugam / ayonau ca viyonau ca paśuyonau ca yo naraḥ

In der überaus schrecklichen Kālasūtra-Hölle soll er [so lange] verweilen wie [die Dauer] eines Caturyuga. Welcher Mann [seinen Samen] an unrechtem Ort, an gänzlich ungeeignetem Ort, oder im Mutterleib eines Tieres [vergießt],

Wort für Wort
kālasūtre mahāghore
in der überaus schrecklichen Kālasūtra-Hölle
sa vased yac caturyugam [?]
soll er verweilen, so lange wie ein Caturyuga [?]
ayonau ca viyonau ca
an unrechtem Ort und an ungeeignetem Ort
paśuyonau ca yo naraḥ
und im Mutterleib eines Tieres, welcher Mann

[?] Lesung „sa vaseddicaturyugam“ als „sa vased yac caturyugam“ gedeutet.

tyajedreto mahāpāpī sa retobhojanaṃ labhet / vasākūpaṃ tataḥ prāpya sthitvā divyābdasaptakam

— der überaus sündige [Mann], der seinen Samen [so] vergießt, muss [in der Hölle] das Essen von Samen erdulden; danach gelangt er in den Fettgrubenbrunnen und verweilt dort sieben Götterjahre lang.

Wort für Wort
tyajedreto mahāpāpī
wer [so] seinen Samen vergießt, der überaus Sündige
sa retobhojanaṃ labhet
er erlangt das Essen von Samen [in der Hölle]
vasākūpaṃ tataḥ prāpya
danach in den Fettgrubenbrunnen gelangend
sthitvā divyābdasaptakam
verweilt er sieben Götterjahre lang

retobhojī bhavenmartyaḥ sarvalokeṣu ninditaḥ / upavāsadine rājandantadhāvanakṛnnaraḥ

Der sterbliche Mensch wird so zum Samen-Esser, in allen Welten verachtet. [Ferner:] Der Mann, o König, der am Fastentag seine Zähne [mit dem Zahnholz] reinigt,

Wort für Wort
retobhojī bhavenmartyaḥ
der sterbliche Mensch wird zum Samen-Esser
sarvalokeṣu ninditaḥ
in allen Welten verachtet
upavāsadine rājan
am Fastentag, o König
dantadhāvanakṛnnaraḥ
der Mann, der seine Zähne reinigt

sa ghoraṃ narakaṃ yāti vyāghrapakṣaṃ caturyugam / yaḥ svakarmaparityāgī pāṣaṇḍītyucyate budhaiḥ

der geht in die schreckliche Hölle 'Tiger-Rachen' ein, für die Dauer eines Caturyuga. Wer seine eigene [Stands-]Pflicht aufgibt, wird von den Weisen ein Häretiker genannt;

Wort für Wort
sa ghoraṃ narakaṃ yāti
der geht in die schreckliche Hölle ein
vyāghrapakṣaṃ caturyugam
[genannt] 'Tiger-Rachen', für die Dauer eines Caturyuga
yaḥ svakarmaparityāgī
wer seine eigene [Stands-]Pflicht aufgibt
pāṣaṇḍītyucyate budhaiḥ
wird von den Weisen ein Häretiker genannt

tatsaṅgakṛtamoghaḥ syāttāvubhāvatipāpinau / kalpakoṭisahasreṣu prāptaṃ narakānkramāt

wer mit ihm Umgang pflegt, dessen [religiöse Handlungen werden] vergeblich; beide, [der Häretiker und sein Umgänger], sind überaus sündig — für tausend Millionen Kalpas [durchwandern sie] der Reihe nach die Höllen.

Wort für Wort
tatsaṅgakṛtamoghaḥ syāt
wer mit ihm Umgang pflegt, dessen [Werke] werden vergeblich
tāvubhāvatipāpinau
beide [sind] überaus sündig
kalpakoṭisahasreṣu
für tausend Millionen Kalpas
prāptaṃ narakānkramāt [?]
durchwandern sie der Reihe nach die Höllen [?]

[?] Lesung „prānputo“ als „prāptaṃ“ gedeutet; Satzbau der zweiten Vershälfte unsicher.

devadravyāpahartāro gurudravyāpahārakāḥ / brahmahatyāvratasamaṃ duṣkṛtaṃ bhuñjate nṛpa

Diejenigen, die Gotteseigentum rauben, und die Eigentum des Lehrers rauben — sie erleiden, o König, eine Übeltat, die dem Bußgelübde für Brahmanenmord gleichkommt.

Wort für Wort
devadravyāpahartāro
die Räuber von Gotteseigentum
gurudravyāpahārakāḥ
und die Räuber von Lehrer-Eigentum
brahmahatyāvratasamaṃ
dem Bußgelübde für Brahmanenmord gleichkommende
duṣkṛtaṃ bhuñjate nṛpa
Übeltat erleiden sie, o König

anāthadhanahartāro hyanāthaṃ ye dviṣanti ca / kalpakoṭisahasrāṇi narake te vasanti ca

Diejenigen, die das Vermögen von Schutzlosen rauben, und die, welche Schutzlose hassen — diese verweilen tausend Millionen Kalpas in der Hölle.

Wort für Wort
anāthadhanahartāro
die Räuber des Vermögens von Schutzlosen
hyanāthaṃ ye dviṣanti ca
und diejenigen, die Schutzlose hassen
kalpakoṭisahasrāṇi
tausend Millionen Kalpas
narake te vasanti ca
verweilen diese in der Hölle

strīśūdrāṇāṃ samīpe tu ye vedādhyayane ratāḥ / teṣāṃ pāpaphalaṃ vakṣye śṛṇuṣva susamāhitaḥ

Diejenigen, die in Gegenwart von Frauen und Śūdras dem Vedenstudium obliegen — die Frucht ihrer Sünde werde ich verkünden; höre wohl gesammelt.

Wort für Wort
strīśūdrāṇāṃ samīpe tu
in Gegenwart von Frauen und Śūdras aber
ye vedādhyayane ratāḥ
diejenigen, die dem Vedenstudium obliegen
teṣāṃ pāpaphalaṃ vakṣye
ihre Sündenfrucht werde ich verkünden
śṛṇuṣva susamāhitaḥ
höre wohl gesammelt

adhaḥśīrṣordhvapādāśca kīlitāḥ stambhayugmake / dhūmrapānaratā nityaṃ tiṣṭhantyābrahmavatsaram

Mit dem Kopf nach unten und den Füßen nach oben, zwischen zwei Pfählen festgenagelt, dem Trinken von Rauch beständig ergeben, verharren sie [so] bis zum Ende eines Brahmā-Jahres.

Wort für Wort
adhaḥśīrṣordhvapādāśca
mit dem Kopf nach unten, den Füßen nach oben
kīlitāḥ stambhayugmake [?]
festgenagelt zwischen zwei Pfählen [?]
dhūmrapānaratā nityaṃ
beständig dem Rauchtrinken ergeben
tiṣṭhantyābrahmavatsaram
verharren sie bis zum Ende eines Brahmā-Jahres

[?] Lesung „stambhaghakadvaye“ als „stambhayugmake“ (zwischen zwei Pfählen) gedeutet.

jale devālaye vāpi yastyajeddehajaṃ malam / bhrūṇahatyāsamaṃ pāpaṃ samprāpnotyatidāruṇam

Wer im [heiligen] Wasser oder in einem Gotteshaus Körperschmutz [Ausscheidungen] ablässt, erlangt eine Sünde, die dem Fruchttötungsmord gleichkommt, überaus grausam.

Wort für Wort
jale devālaye vāpi
im Wasser oder in einem Gotteshaus
yastyajeddehajaṃ malam
wer Körperschmutz ablässt
bhrūṇahatyāsamaṃ pāpaṃ
eine dem Fruchttötungsmord gleichkommende Sünde
samprāpnotyatidāruṇam
erlangt er, überaus grausam

dantāsthikeśanakhānye tyajyantyamarālaye / jale vā bhuktaśeṣaṃ ca teṣāṃ pāpaphalaṃ śṛṇu

Diejenigen, die Zähne, Knochen, Haare oder Nägel in einem Gotteshaus, oder Speisereste im [heiligen] Wasser wegwerfen — höre die Frucht ihrer Sünde:

Wort für Wort
dantāsthikeśanakhān ye [?]
Zähne, Knochen, Haare, Nägel, diejenigen, die [sie]
tyajyantyamarālaye
in einem Gotteshaus wegwerfen
jale vā bhuktaśeṣaṃ ca
oder Speisereste im Wasser
teṣāṃ pāpaphalaṃ śṛṇu
höre die Sündenfrucht dieser

[?] Lesung „dantāsthikeśanakharānye“ als „dantāsthikeśanakhān ye“ gedeutet.

prāsaprotā halairbhinnā ārtarāvavirāviṇaḥ / atyuṣṇatailapāke 'titapyante bhṛśadāruṇe

mit Speeren durchbohrt, von Pflugscharen zerrissen, unter schmerzvollem Geschrei aufheulend, werden sie im überaus heißen, überaus grausamen Ölsud gekocht,

Wort für Wort
prāsaprotā halairbhinnā
mit Speeren durchbohrt, von Pflugscharen zerrissen
ārtarāvavirāviṇaḥ
unter schmerzvollem Geschrei aufheulend
atyuṣṇatailapāke
im überaus heißen Ölsud
atitapyante bhṛśadāruṇe
werden sie im überaus grausamen [Sud] gekocht

kurvanti duḥkhasantaptāstato 'nyeṣu vrajanti ca / brahmasvaharaṇaṃ yastu gandhakāṣṭaṃ tathaiva ca

während sie, von Leid gequält, [ihre Klage] äußern; danach wandern sie durch andere [Höllen]. Wer das Eigentum eines Brahmanen raubt, sowie [wer duftendes Holz entwendet],

Wort für Wort
kurvanti duḥkhasantaptāḥ
von Leid gequält, äußern sie [ihre Klage]
tato 'nyeṣu vrajanti ca
danach wandern sie durch andere [Höllen]
brahmasvaharaṇaṃ yastu
wer aber das Eigentum eines Brahmanen raubt
gandhakāṣṭaṃ tathaiva ca
und ebenso wohlriechendes Holz [entwendet]

[Anm.: „gandhakāṣṭaṃ“ (wohlriechendes Holz) im Zusammenhang unklar, hier wörtlich belassen.]

sa yāti narakaṃ ghoraṃ yāvadācandratārakam / brahmasvaharaṇaṃ rājannihāmutra ca duḥkhadam

der geht in eine schreckliche Hölle ein, solange Mond und Sterne bestehen. Das Rauben von Brahmaneneigentum bringt, o König, sowohl hier als auch im Jenseits Leid.

Wort für Wort
sa yāti narakaṃ ghoraṃ
der geht in eine schreckliche Hölle ein
yāvadācandratārakam
solange Mond und Sterne bestehen
brahmasvaharaṇaṃ rājan
das Rauben von Brahmaneneigentum, o König
ihāmutra ca duḥkhadam
bringt sowohl hier als auch im Jenseits Leid

ihasampadvināśāya paratra narakāya ca / kūṭasākṣyaṃ vadedyastu tasya pāpaphalaṃ śṛṇu

— [es führt] hier zum Verlust des Wohlstands und dort zur Hölle. Wer falsches Zeugnis ablegt — höre die Frucht seiner Sünde:

Wort für Wort
ihasampadvināśāya
hier zum Verlust des Wohlstands
paratra narakāya ca
und dort zur Hölle
kūṭasākṣyaṃ vadedyastu
wer aber falsches Zeugnis ablegt
tasya pāpaphalaṃ śṛṇu
höre die Frucht seiner Sünde

sa yāti yātanāḥ sarvā yāvadindrāścaturdaśa / ihaputrāśca vinaśyanti paratra narakaṃ ca

er durchleidet alle Torturen, solange die vierzehn Indras [aufeinanderfolgen]; hier gehen [auch] seine Söhne zugrunde, und dort [erwartet ihn] die Hölle.

Wort für Wort
sa yāti yātanāḥ sarvā
er durchleidet alle Torturen
yāvadindrāścaturdaśa
solange die vierzehn Indras [aufeinanderfolgen]
ihaputrāśca vinaśyanti
hier gehen auch [seine] Söhne zugrunde
paratra narakaṃ ca
und dort [erwartet ihn] die Hölle

rauravaṃ narakaṃ bhuṅkte tato 'nyānapi ca kramāt / ye cātikāmino martyā ye ca mithyāpravādinaḥ

Er durchleidet die Hölle Raurava, danach auch andere der Reihe nach. Diejenigen sterblichen [Wesen], die übermäßig lüstern sind, und diejenigen, die Lügenreden führen,

Wort für Wort
rauravaṃ narakaṃ bhuṅkte
er durchleidet die Hölle Raurava
tato 'nyānapi ca kramāt
danach auch andere, der Reihe nach
ye cātikāmino martyā
und diejenigen Sterblichen, die übermäßig lüstern sind
ye ca mithyāpravādinaḥ
und diejenigen, die Lügenreden führen

teṣāṃ mukhe jalaukāstu pūryante pannagopamāḥ / evaṃ ṣaṣṭisahasrābde tataḥ kṣārāmbusecanam

— in deren Mund werden schlangengleiche Blutegel gestopft; so [verweilen sie] sechzigtausend Jahre, danach [folgt] die Begießung mit Laugenwasser.

Wort für Wort
teṣāṃ mukhe jalaukāstu [?]
in deren Mund aber Blutegel [?]
pūryante pannagopamāḥ
werden gestopft, schlangengleiche
evaṃ ṣaṣṭisahasrābde
so für sechzigtausend Jahre
tataḥ kṣārāmbusecanam
danach die Begießung mit Laugenwasser

[?] Lesung „sukhe“ als „mukhe“ (im Mund) gedeutet.

ye vṛthāmāṃsaniratāste yānti kṣārakardamam / tato gajairnipātyante marutprapatanaṃ yathā

Diejenigen, die grundlos dem [Genuss von] Fleisch ergeben sind, gehen in den Laugenschlamm ein; danach werden sie von Elefanten niedergetrampelt, worauf der Sturz durch den Wind [folgt].

Wort für Wort
ye vṛthāmāṃsaniratāste
diejenigen, die grundlos dem Fleisch(-genuss) ergeben sind
yānti kṣārakardamam
gehen in den Laugenschlamm ein
tato gajairnipātyante
danach werden sie von Elefanten niedergetrampelt
marutprapatanaṃ yathā
worauf der Sturz durch den Wind [folgt]

tadante bhavamāsādya hīnāṅgāḥ prabhavanti ca / yastvṛtau nābhigaccheta svastriṃ vai manujeśvara

Am Ende davon werden sie, zur [irdischen] Existenz zurückgekehrt, mit verstümmelten Gliedern geboren. Wer, o Herrscher der Menschen, seiner eigenen Frau zur [fruchtbaren] Zeit nicht beiwohnt,

Wort für Wort
tadante bhavamāsādya
am Ende davon, zur Existenz zurückgekehrt
hīnāṅgāḥ prabhavanti ca
werden sie mit verstümmelten Gliedern geboren
yastvṛtau nābhigaccheta
wer aber zur fruchtbaren Zeit nicht beiwohnt
svastriṃ vai manujeśvara
seiner eigenen Frau, o Herrscher der Menschen

sa yāti rauravaṃ ghoraṃ brahmahatyāṃ ca vindati / anyācārarataṃ dṛṣṭvā yaḥ śakto na nivārayet

der geht in die schreckliche Hölle Raurava ein und erlangt [die Sünde der] Brahmanentötung. Wer, obwohl er dazu imstande wäre, es unterlässt, einen [Menschen], den er in unrechtem Tun verstrickt sieht, davon abzuhalten,

Wort für Wort
sa yāti rauravaṃ ghoraṃ
der geht in die schreckliche [Hölle] Raurava ein
brahmahatyāṃ ca vindati
und erlangt [die Sünde der] Brahmanentötung
anyācārarataṃ dṛṣṭvā
einen in unrechtem Tun Verstrickten gesehen habend
yaḥ śakto na nivārayet
wer, obwohl imstande, ihn nicht abhält

tatpāpaṃ samavāpnoti narakaṃ tāvubhāvapi / pāpināṃ pāpagaṇanāṃ kṛtvānyebhyo diśanti ye

erlangt jene Sünde [selbst]; beide gehen in dieselbe Hölle ein. Diejenigen, die die Sündenzahl der Sünder ermitteln und sie anderen mitteilen [, erlangen ebenfalls Sünde].

Wort für Wort
tatpāpaṃ samavāpnoti
erlangt jene Sünde
narakaṃ tāvubhāvapi
in dieselbe Hölle beide auch
pāpināṃ pāpagaṇanāṃ kṛtvā
die Sündenzahl der Sünder ermittelt habend
anyebhyo diśanti ye [?]
diejenigen, die [sie] anderen mitteilen [?]

[Anm.: Die zweite Vershälfte ist im Quelltext stark verderbt/unklar („pāpināṃ pāpagaṇanāṃ kṛtvānyebhyo diśanti vindati“); die Übersetzung ist eine Vermutung, das überzählige „vindati“ wurde als Dittographie zum vorigen Pāda behandelt [?].]

astitve tulyapāpāste mithyātve dviguṇā nṛpa / apāpe pātakaṃ yastu samāropya vinindati

Ist [der Vorwurf] wahr, so sind sie [Ankläger und Angeklagter] gleich sündig; ist er falsch, so [ist die Sünde des Anklägers] doppelt, o König. Wer aber einem Unschuldigen eine Sünde anlastet und ihn [dafür] schmäht,

Wort für Wort
astitve tulyapāpāste
ist [der Vorwurf] wahr, sind sie gleich sündig
mithyātve dviguṇā nṛpa
ist er falsch, [ist sie] doppelt, o König
apāpe pātakaṃ yastu
wer aber einem Unschuldigen eine Sünde
samāropya vinindati
anlastet und schmäht

sa yāti narakaṃ ghoraṃ yāvaccandrārkatārakam / pāpināṃ nindyamānānāṃ pāpārdhaṃ kṣayameti ca

geht in eine schreckliche Hölle ein, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen. Bei Sündern, die [zu Recht] getadelt werden, schwindet [dadurch immerhin] die Hälfte ihrer Sünde.

Wort für Wort
sa yāti narakaṃ ghoraṃ
der geht in eine schreckliche Hölle ein
yāvaccandrārkatārakam
solange Mond, Sonne und Sterne bestehen
pāpināṃ nindyamānānāṃ
bei Sündern, die getadelt werden
pāpārdhaṃ kṣayameti ca
schwindet die Hälfte der Sünde

yastu vratāni saṅgṛhya asamāpya parityajet / so 'sipatre 'nubhūyārtiṃ hīnāṅgo jāyate bhuvi

Wer aber Gelübde übernimmt und sie, ohne sie zu vollenden, aufgibt, der wird, nachdem er im Schwertblatt-Wald Qual erlitten hat, mit verstümmelten Gliedern auf Erden wiedergeboren.

Wort für Wort
yastu vratāni saṅgṛhya
wer aber Gelübde übernommen hat
asamāpya parityajet
und, ohne sie zu vollenden, aufgibt
so 'sipatre 'nubhūyārtiṃ
er, im Schwertblatt-Wald Qual erlitten habend
hīnāṅgo jāyate bhuvi
wird mit verstümmelten Gliedern auf Erden geboren

anyaiḥ saṅgṛhyamāṇānāṃ vratānāṃ vighnakṛnnaraḥ / atīva duḥkhadaṃ raudraṃ sa yāti śleṣmabhojanam

Der Mann, der [den Vollzug von] Gelübden, die von anderen übernommen werden, behindert, geht in [die Hölle] Śleṣmabhojana [Schleim-Speisung] ein, die überaus leidvoll und schrecklich ist.

Wort für Wort
anyaiḥ saṅgṛhyamāṇānāṃ vratānāṃ
der Gelübde, die von anderen übernommen werden
vighnakṛnnaraḥ
der Mann, der ein Hindernis bereitet
atīva duḥkhadaṃ raudraṃ
überaus leidvoll und schrecklich
sa yāti śleṣmabhojanam
geht er in [die Hölle] Śleṣmabhojana ein

nyāye ca dharmaśikṣāyāṃ pakṣapātaṃ karoti yaḥ / na tasya niṣkṛtirbhūyaḥ prāyaścittāyutairapi

Wer bei [der Ausübung von] Recht und bei der Unterweisung im Dharma Parteilichkeit übt, für den gibt es fürderhin keine Sühne, selbst nicht durch zehntausend Bußriten.

Wort für Wort
nyāye ca dharmaśikṣāyāṃ
bei [der Ausübung von] Recht und bei der Dharma-Unterweisung
pakṣapātaṃ karoti yaḥ
wer Parteilichkeit übt
na tasya niṣkṛtirbhūyaḥ
für den gibt es fürderhin keine Sühne
prāyaścittāyutairapi
selbst nicht durch zehntausend Bußriten

abhojyabhojī samprāptaṃ viḍbhojyaṃ tu samāyutam / tataścaṇḍālayonau tu gomāṃsāśī sadā bhavet

Wer Unessbares isst, erlangt [das Los des] Kot-Essens, dem [in der Hölle] gleichgestellt; danach wird er in der Geburt eines Caṇḍāla beständig ein Rindfleisch-Esser.

Wort für Wort
abhojyabhojī samprāptaṃ
wer Unessbares isst, erlangt
viḍbhojyaṃ tu samāyutam
[das Los des] Kot-Essens, dem gleichgestellt
tataścaṇḍālayonau tu
danach aber in der Geburt eines Caṇḍāla
gomāṃsāśī sadā bhavet
wird er beständig ein Rindfleisch-Esser

avamanya dvijānvāgbhirbrahmahatyāṃ ca vindati / sarvāśca yātanā bhuktvā cāṇḍālo daśajanmasu

Wer Zweifachgeborene mit Worten verachtet, erlangt [die Sünde der] Brahmanentötung; nachdem er alle Torturen erlitten hat, [wird er] in zehn Geburten ein Caṇḍāla.

Wort für Wort
avamanya dvijānvāgbhiḥ
Zweifachgeborene mit Worten verachtet habend
brahmahatyāṃ ca vindati
erlangt er [die Sünde der] Brahmanentötung
sarvāśca yātanā bhuktvā
nachdem er alle Torturen erlitten hat
cāṇḍālo daśajanmasu
[wird er] in zehn Geburten ein Caṇḍāla

vipragṛhya dīyamāne tu yastu vighnaṃ samācaret / brahmahatyāsamaṃ tena kartavyaṃ vratameva ca

Wer, wenn einem Brahmanen [eine Gabe] verabreicht wird, dabei ein Hindernis bereitet — von ihm ist ein Gelübde [zur Buße] zu vollziehen, das der Brahmanentötung gleichkommt.

Wort für Wort
vipragṛhya dīyamāne tu [?]
wenn aber dem Brahmanen gegeben wird [?]
yastu vighnaṃ samācaret
wer aber ein Hindernis bereitet
brahmahatyāsamaṃ tena
von ihm [ist] ein der Brahmanentötung gleichkommendes
kartavyaṃ vratameva ca
Gelübde zu vollziehen

[?] Lesung „vigrāya dīyamāne“ als „vipragṛhya dīyamāne“ (dem Brahmanen wird gegeben) gedeutet.

apahṛtya parasyārthaṃ yaḥ parebhyaḥ prayacchati / apahartā tu narakī yasyārthastasya tatphalam

Wer, nachdem er das Vermögen eines anderen geraubt hat, es an andere weitergibt — der Räuber [selbst] fährt zur Hölle; wessen Vermögen es [ursprünglich] war, dem gebührt dessen Frucht.

Wort für Wort
apahṛtya parasyārthaṃ
nachdem er das Vermögen eines anderen geraubt hat
yaḥ parebhyaḥ prayacchati
wer es an andere weitergibt
apahartā tu narakī
der Räuber aber fährt zur Hölle
yasyārthastasya tatphalam
wessen Vermögen es war, dem [gebührt] dessen Frucht

[?] Lesung „apahṛtya paḥsyārthaṃ“ als „apahṛtya parasyārthaṃ“ gedeutet.

pratiśrutyāpradānena lālābhakṣaṃ vrajennaraḥ / yatinindāparo rājañśilānāṃ mātre prayāti hi

Durch das [gegebene] Versprechen und dessen Nicht-Einlösung geht der Mann in [die Hölle] Lālābhakṣa ein; wer der Verleumdung von Asketen ergeben ist, o König, geht fürwahr in die 'Stein'-[Hölle] ein.

Wort für Wort
pratiśrutyāpradānena
durch das [gegebene] Versprechen und dessen Nicht-Einlösung
lālābhakṣaṃ vrajennaraḥ
geht der Mann in Lālābhakṣa ein
yatinindāparo rājan
wer der Verleumdung von Asketen ergeben ist, o König
śilānāṃ mātre prayāti hi [?]
geht fürwahr in die 'Stein'-Hölle ein [?]

[?] Lesung „śilānamātre“ als „śilānāṃ mātre“ (in die 'Stein'-Hölle) gedeutet; unsicher.

ārāmacchedino yānti yugānāmekaviṃśatim / śvabhojanaṃ tataḥ sarvā bhuñjate yātanāḥ kramāt

Diejenigen, die Gärten fällen, gehen für einundzwanzig Zeitalter [in die Hölle ein]; danach erdulden sie das 'Hunde-Speise'-Los und alle Torturen der Reihe nach.

Wort für Wort
ārāmacchedino yānti
die Gartenfäller gehen [in die Hölle ein]
yugānāmekaviṃśatim
für einundzwanzig Zeitalter
śvabhojanaṃ tataḥ sarvā
danach [erdulden sie] das 'Hunde-Speise'-Los, alle
bhuñjate yātanāḥ kramāt
Torturen erdulden sie der Reihe nach

devatāgṛhabhettārastaḍāgānāṃ ca bhūpate / puṣpārāmabhidaścaiva yāṃ gatiṃ yānti tacchṛṇu

Höre, welches Los, o Herrscher, diejenigen erlangen, die Gotteshäuser oder Teiche zerstören, sowie diejenigen, die Blumengärten vernichten:

Wort für Wort
devatāgṛhabhettāraḥ
die Zerstörer von Gotteshäusern
taḍāgānāṃ ca bhūpate
und von Teichen, o Herrscher
puṣpārāmabhidaścaiva
und die Vernichter von Blumengärten
yāṃ gatiṃ yānti tacchṛṇu
welches Los sie erlangen, das höre

yātanāsvāsu sarvāsu pacyante vai pṛthak pṛthak / tataśca viṣṭhākṛmayaḥ kalpānāmekaviṃśatim

sie werden in all jenen Torturen einzeln der Reihe nach gekocht, und danach [werden sie] für einundzwanzig Kalpas Kotwürmer,

Wort für Wort
yātanāsvāsu sarvāsu
in all jenen Torturen
pacyante vai pṛthak pṛthak
werden sie fürwahr einzeln der Reihe nach gekocht
tataśca viṣṭhākṛmayaḥ
und danach [werden sie] Kotwürmer
kalpānāmekaviṃśatim
für einundzwanzig Kalpas

tataścaṇḍālayonau tu śatajanmāni bhūpate / grāmavidhvaṃsakānāṃ tu dāhakānāṃ ca lumpatām

danach, o Herrscher, für hundert Geburten in der Geburt eines Caṇḍāla. Für diejenigen, die Dörfer verwüsten, sie in Brand stecken oder plündern,

Wort für Wort
tataścaṇḍālayonau tu
danach aber in der Geburt eines Caṇḍāla
śatajanmāni bhūpate
für hundert Geburten, o Herrscher
grāmavidhvaṃsakānāṃ tu
für die Verwüster von Dörfern aber
dāhakānāṃ ca lumpatām
und für die, die sie in Brand stecken oder plündern

mahatpāpaṃ tadādeṣṭuṃ na kṣamo 'haṃ nijāyuṣā / ucchiṣṭabhojino ye ca mitradrohaparāśca ye

vermag ich nicht, mit meiner [eigenen] Lebenszeit die große Sünde [vollständig] darzulegen. Diejenigen, die [rituell unreine] Speisereste essen, und diejenigen, die dem Verrat an Freunden ergeben sind,

Wort für Wort
mahatpāpaṃ tadādeṣṭuṃ
jene große Sünde darzulegen
na kṣamo 'haṃ nijāyuṣā
vermag ich nicht mit meiner eigenen Lebenszeit
ucchiṣṭabhojino ye ca
und diejenigen, die Speisereste essen
mitradrohaparāśca ye
und diejenigen, die dem Verrat an Freunden ergeben sind

eteṣāṃ yātanāstīvrā bhavantyācandratārakam / ucchinnapitṛdevejyā vedamārgabahiḥsthitāḥ

— für diese sind die Torturen streng [und dauern], solange Mond und Sterne bestehen: [ebenso für] die, welche den Ahnen- und Götteropfer eingestellt haben, und die, welche sich außerhalb des Weges der Veden befinden.

Wort für Wort
eteṣāṃ yātanāstīvrā
für diese sind die Torturen streng
bhavantyācandratārakam
und dauern, solange Mond und Sterne bestehen
ucchinnapitṛdevejyā
die den Ahnen- und Götteropfer eingestellt haben
vedamārgabahiḥsthitāḥ
die sich außerhalb des Weges der Veden befinden

pāpānāṃ yātanānāṃ ca dharmāṇāṃ cāpi bhūpate / evaṃ bahuvidhā bhūpa yātanāḥ pāpakāriṇām

So [gibt es], o Herrscher, vielfältige Torturen der Sünder, entsprechend den Sünden, den Torturen und auch den [entsprechenden] Rechtsvorschriften.

Wort für Wort
pāpānāṃ yātanānāṃ ca
der Sünden und der Torturen
dharmāṇāṃ cāpi bhūpate
und auch der Rechtsvorschriften, o Herrscher
evaṃ bahuvidhā bhūpa
so [gibt es] vielfältige, o Herrscher
yātanāḥ pāpakāriṇām
Torturen der Übeltäter

teṣāṃ tāsāṃ ca saṅkhyānaṃ kartuṃ nāsmi kṣamaḥ prabho / pāpānāṃ yātanānāṃ ca dharmāṇāṃ cāpi bhūpate

Ihre [genaue] Zahl [aller] Sünden, Torturen und Rechtsvorschriften zu erstellen, bin ich, o Herr, nicht imstande.

Wort für Wort
teṣāṃ tāsāṃ ca saṅkhyānaṃ
ihre [aller] Zahl
kartuṃ nāsmi kṣamaḥ prabho
zu erstellen bin ich nicht imstande, o Herr
pāpānāṃ yātanānāṃ ca
der Sünden und der Torturen
dharmāṇāṃ cāpi bhūpate
und auch der Rechtsvorschriften, o Herrscher

[Anm.: V131 und V132 wiederholen einander weitgehend (Pāda-Dittographie: „pāpānāṃ yātanānāṃ ca dharmāṇāṃ cāpi bhūpate“ erscheint wortgleich in beiden Versen).]

saṅkhyāṃ nigadituṃ loke kaḥ kṣamo viṣṇunā vinā / eteṣāṃ sarvapāpānāṃ dharmaśāstravidhānataḥ

Wer in der Welt wäre imstande, [ihre] Zahl zu nennen, außer Viṣṇu? Für all diese Sünden gibt es, gemäß der Anordnung der Dharmaśāstras,

Wort für Wort
saṅkhyāṃ nigadituṃ loke
die Zahl zu nennen, in der Welt
kaḥ kṣamo viṣṇunā vinā
wer wäre imstande, außer Viṣṇu
eteṣāṃ sarvapāpānāṃ
für all diese Sünden
dharmaśāstravidhānataḥ
gemäß der Anordnung der Dharmaśāstras

prāyaścitteṣu cīrṇeṣu pāparāśiḥ praṇaśyati / prāyaścittāni kāryāṇi samīpe kamalāpateḥ

— sind die Bußriten vollzogen, schwindet der Sündenhaufen. Die Bußriten sollen in der Nähe [des Heiligtums] des Lotusgatten [Viṣṇu] vollzogen werden,

Wort für Wort
prāyaścitteṣu cīrṇeṣu
sind die Bußriten vollzogen
pāparāśiḥ praṇaśyati
schwindet der Sündenhaufen
prāyaścittāni kāryāṇi
die Bußriten sind zu vollziehen
samīpe kamalāpateḥ
in der Nähe des Lotusgatten [Viṣṇu]

nyūnātiriktakṛtyānāṃ sampūrtikaraṇāya ca / gaṅgā ca tulasī caiva satsaṅgo harikīrtanam

auch um das zu vervollständigen, was bei [den vorgeschriebenen] Handlungen zu wenig oder zu viel [ausgeführt wurde]. Die Gaṅgā, die Tulasī, die Gemeinschaft der Frommen, das Preisen Haris,

Wort für Wort
nyūnātiriktakṛtyānāṃ
dessen, was zu wenig oder zu viel getan wurde
sampūrtikaraṇāya ca
und zur Vervollständigung
gaṅgā ca tulasī caiva
die Gaṅgā, und die Tulasī
satsaṅgo harikīrtanam
die Gemeinschaft der Frommen, das Preisen Haris

anasūyā hyahiṃsā ca sarvepyete hi pāpahāḥ / viṣṇvarpitāni karmāṇi saphalāni bhavanti hi

Freiheit von Missgunst und Gewaltlosigkeit — all diese fürwahr tilgen die Sünde. Nur die Viṣṇu dargebrachten [gewidmeten] Handlungen werden fruchtbringend,

Wort für Wort
anasūyā hyahiṃsā ca
Freiheit von Missgunst und Gewaltlosigkeit
sarvepyete hi pāpahāḥ
all diese tilgen fürwahr die Sünde
viṣṇvarpitāni karmāṇi
die Viṣṇu dargebrachten Handlungen
saphalāni bhavanti hi
werden fürwahr fruchtbringend

anarpitāni karmāṇi bhasmavinyastadravyavat / nityaṃ naimittikaṃ kāmyaṃ yaccānyanmokṣamādhanam

— [ihm] nicht dargebrachte Handlungen hingegen gleichen einer in Asche geworfenen Substanz. Das Tägliche, das Anlassbedingte, das Wunschgebundene, sowie alles andere, was Mittel zur Erlösung ist,

Wort für Wort
anarpitāni karmāṇi
die nicht dargebrachten Handlungen
bhasmavinyastadravyavat
gleichen einer in Asche geworfenen Substanz
nityaṃ naimittikaṃ kāmyaṃ
das Tägliche, das Anlassbedingte, das Wunschgebundene
yaccānyanmokṣamādhanam
und was auch sonst Mittel zur Erlösung ist

viṣṇau samārpitaṃ sarvaṃ sāttvikaṃ saphalaṃ bhavet / haribhaktiḥ parā nṛṇāṃ sarvapāpapraṇāśinī

— alles, was Viṣṇu dargebracht wird, wird [dadurch zur] güteartigen [Handlung] und fruchtbringend. Die höchste Hingabe zu Hari ist für die Menschen die Vernichterin aller Sünde.

Wort für Wort
viṣṇau samārpitaṃ sarvaṃ
alles, was Viṣṇu dargebracht wird
sāttvikaṃ saphalaṃ bhavet
wird güteartig und fruchtbringend
haribhaktiḥ parā nṛṇāṃ
die höchste Hingabe zu Hari, für die Menschen
sarvapāpapraṇāśinī
ist die Vernichterin aller Sünde

sā bhaktirdaśadhā jñeyā pāpāraṇyadavopamā / tāmasai rājasaiścaiva sāttvikaiśca nṛpottama

Jene Hingabe ist als zehnfach zu erkennen, dem Waldbrand im Wald der Sünde gleich; [unterteilt] in tamasische, rajasische und sattvische [Arten], o bester der Könige.

Wort für Wort
sā bhaktirdaśadhā jñeyā
jene Hingabe ist als zehnfach zu erkennen
pāpāraṇyadavopamā
dem Waldbrand im Wald der Sünde gleich
tāmasai rājasaiścaiva
in tamasische und rajasische
sāttvikaiśca nṛpottama
und sattvische, o bester der Könige

yaccānyasya vināśārthaṃ bhajanaṃ śrīpaternṛpa / sā tāmasyadhamā bhaktiḥ khalabhāvadharā yataḥ

Die Verehrung des Gatten der Śrī, o König, die zum Zweck des Verderbens eines anderen [geübt wird] — diese ist die niedrigste tamasische Hingabe, da sie boshafte Gesinnung in sich trägt.

Wort für Wort
yaccānyasya vināśārthaṃ
was zum Zweck des Verderbens eines anderen [geübt wird]
bhajanaṃ śrīpaternṛpa
die Verehrung des Gatten der Śrī, o König
sā tāmasyadhamā bhaktiḥ
diese ist die niedrigste tamasische Hingabe
khalabhāvadharā yataḥ
da sie boshafte Gesinnung in sich trägt

yo 'rcayetkaitavadhiyā svairiṇī svapatiṃ yathā / nārāyaṇaṃ jagannāthaṃ tāmasī madhyamā tu sā

Wer Nārāyaṇa, den Herrn der Welt, mit betrügerischer Gesinnung verehrt, wie eine untreue Frau [scheinbar] ihrem eigenen Gatten [dient] — dies ist die mittlere tamasische Hingabe.

Wort für Wort
yo 'rcayetkaitavadhiyā
wer mit betrügerischer Gesinnung verehrt
svairiṇī svapatiṃ yathā
wie eine untreue Frau ihrem eigenen Gatten [dient]
nārāyaṇaṃ jagannāthaṃ
Nārāyaṇa, den Herrn der Welt
tāmasī madhyamā tu sā
dies ist die mittlere tamasische [Hingabe]

devapūjāparāndṛṣṭvā mātsaryādyo'rcayeddharim / sā bhaktiḥ pṛthivīpāla tāmasī cottamā smṛtā

Wer, aus Neid gegenüber anderen, die der Götterverehrung ergeben sind, Hari verehrt — diese Hingabe, o Herrscher der Erde, gilt als die höchste [Stufe der] tamasischen Hingabe.

Wort für Wort
devapūjāparāndṛṣṭvā
die der Götterverehrung Ergebenen gesehen habend
mātsaryādyo'rcayeddharim
wer aus Neid Hari verehrt
sā bhaktiḥ pṛthivīpāla
diese Hingabe, o Herrscher der Erde
tāmasī cottamā smṛtā
gilt als die höchste tamasische [Hingabe]

dhanadhānyādikaṃ yastu prārthayannarcayedvarim / śraddhayā parayā yuktaḥ sā rājasyadhamā smṛtā

Wer, Reichtum, Getreide und dergleichen erflehend, mit höchstem Glauben ausgestattet, den Herrlichen [Viṣṇu] verehrt — diese gilt als die niedrigste rajasische Hingabe.

Wort für Wort
dhanadhānyādikaṃ yastu
wer aber Reichtum, Getreide und dergleichen
prārthayannarcayedvarim
erflehend, den Herrlichen verehrt
śraddhayā parayā yuktaḥ
mit höchstem Glauben ausgestattet
sā rājasyadhamā smṛtā
diese gilt als die niedrigste rajasische [Hingabe]

yaḥ sarvalokavikhyātakīrtimuddiśya mādhavam / arcayetparayā bhaktyā sā madhyā rājasī matā

Wer, im Hinblick auf in aller Welt berühmten Ruhm, Mādhava mit höchster Hingabe verehrt — diese gilt als die mittlere rajasische Hingabe.

Wort für Wort
yaḥ sarvalokavikhyātakīrtimuddiśya
wer, im Hinblick auf in aller Welt berühmten Ruhm
mādhavam arcayetparayā bhaktyā
Mādhava mit höchster Hingabe verehrt
sā madhyā rājasī matā
diese gilt als die mittlere rajasische [Hingabe]

sālokyādi padaṃ yastu samuddiśyārcayeddharim / sā rājasyuttamā bhaktiḥ kīrtitā pṛthivīpate

Wer, im Hinblick auf den [erhofften] Zustand der Sālokya [-Erlösungsstufe] und dergleichen, Hari verehrt — diese wird, o Herrscher der Erde, als die höchste rajasische Hingabe bezeichnet.

Wort für Wort
sālokyādi padaṃ yastu
wer aber den Zustand der Sālokya und dergleichen
samuddiśyārcayeddharim
im Hinblick darauf, Hari verehrt
sā rājasyuttamā bhaktiḥ
diese ist die höchste rajasische Hingabe
kīrtitā pṛthivīpate
wird bezeichnet, o Herrscher der Erde

yastu svakṛtapāpānāṃ kṣayārthaṃ prārcayedvarim / śraddhayā parayopetaḥ sā sāttvikyadhamā smṛtā

Wer aber, zum Zweck der Tilgung seiner selbst begangenen Sünden, mit höchstem Glauben den Herrlichen verehrt — diese gilt als die niedrigste sattvische Hingabe.

Wort für Wort
yastu svakṛtapāpānāṃ
wer aber der selbst begangenen Sünden
kṣayārthaṃ prārcayedvarim
zum Zweck der Tilgung den Herrlichen verehrt
śraddhayā parayopetaḥ
mit höchstem Glauben ausgestattet
sā sāttvikyadhamā smṛtā
diese gilt als die niedrigste sattvische [Hingabe]

hareridaṃ priyamiti śuśrūṣāṃ kurute tu yaḥ / śraddhayā saṃyuto bhūyaḥ sāttvikī madhyamā tu sā

Wer aber, [im Bewusstsein] 'Dies ist Hari lieb', [ihm] Dienst erweist, mit Glauben ausgestattet — dies ist die mittlere sattvische Hingabe.

Wort für Wort
hareridaṃ priyamiti
'dies ist Hari lieb' — [im Bewusstsein]
śuśrūṣāṃ kurute tu yaḥ
wer aber [ihm] Dienst erweist
śraddhayā saṃyuto bhūyaḥ
fürderhin mit Glauben ausgestattet
sāttvikī madhyamā tu sā
dies ist die mittlere sattvische [Hingabe]

vidhibuddhyārcayedyastu dāsavacchrīpatiṃ nṛpa / bhaktīnāṃ pravarā sā tu uttamā sāttvikī smṛtā

Wer aber, o König, den Gatten der Śrī mit dem Bewusstsein der [heiligen] Vorschrift verehrt, wie ein Diener [seinem Herrn dient] — diese gilt als die vortrefflichste unter den Hingabearten, die höchste sattvische Hingabe.

Wort für Wort
vidhibuddhyārcayedyastu
wer aber mit dem Bewusstsein der Vorschrift verehrt
dāsavacchrīpatiṃ nṛpa
den Gatten der Śrī, wie ein Diener, o König
bhaktīnāṃ pravarā sā tu
diese ist die vortrefflichste unter den Hingabearten
uttamā sāttvikī smṛtā
als die höchste sattvische gilt sie

mahimānaṃ hareryastu kiñcitkṛtvā priyo naraḥ / tanmayatvena santuṣṭaḥ sā bhaktiruttamottamā

Der Mensch aber, der, indem er [selbst nur] ein wenig von Haris Größe verwirklicht hat, [ihm] lieb geworden ist, und der, ganz in Ihm aufgehend, zufrieden ist — diese Hingabe ist die höchste der Höchsten.

Wort für Wort
mahimānaṃ hareryastu
der aber, [durch] Haris Größe
kiñcitkṛtvā priyo naraḥ
ein wenig verwirklicht habend, [ihm] lieb geworden, der Mensch
tanmayatvena santuṣṭaḥ
ganz in Ihm aufgehend, zufrieden
sā bhaktiruttamottamā
diese Hingabe ist die höchste der Höchsten

ahameva paro viṣṇurmayisarvamidaṃ jagat / iti yaḥ satataṃ paśyettaṃ vidyāduttamottamam

'Ich selbst bin der höchste Viṣṇu, in mir [ruht] diese ganze Welt' — wer dies stets [so] erschaut, den erkenne man als [den, der] die höchste der Höchsten [Hingabe innehat].

Wort für Wort
ahameva paro viṣṇuḥ
ich selbst bin der höchste Viṣṇu
mayisarvamidaṃ jagat
in mir [ruht] diese ganze Welt
iti yaḥ satataṃ paśyet
wer dies stets [so] erschaut
taṃ vidyāduttamottamam
den erkenne man als den der höchsten der Höchsten

evaṃ daśavidhā bhaktiḥ saṃsāracchedakāriṇī / tatrāpi sāttvikī bhaktiḥ sarvakāmaphalapradā

So ist die Hingabe zehnfach, [jede Art] das [Rad des] Saṃsāra durchtrennend; unter ihnen aber gewährt die sattvische Hingabe die Frucht aller Wünsche.

Wort für Wort
evaṃ daśavidhā bhaktiḥ
so ist die Hingabe zehnfach
saṃsāracchedakāriṇī
das [Rad des] Saṃsāra durchtrennend
tatrāpi sāttvikī bhaktiḥ
unter ihnen aber die sattvische Hingabe
sarvakāmaphalapradā
gewährt die Frucht aller Wünsche

tasmācchṛṇuṣva bhūpāla saṃsāravijigīṣatā / svakarmaṇo virodhena bhaktiḥ kāryā janārdane

Darum höre, o Herrscher: von dem, der den Saṃsāra zu überwinden begehrt, soll Hingabe zu Janārdana geübt werden, ohne Widerspruch zur eigenen [Stands-]Pflicht.

Wort für Wort
tasmācchṛṇuṣva bhūpāla
darum höre, o Herrscher
saṃsāravijigīṣatā
von dem, der den Saṃsāra zu überwinden begehrt
svakarmaṇo virodhena
ohne Widerspruch zur eigenen Pflicht
bhaktiḥ kāryā janārdane
soll Hingabe zu Janārdana geübt werden

yaḥ svadharmaṃ parityajya bhaktimātreṇa jīvati / na tasya tuṣyate viṣṇurācāreṇaiva tuṣyate

Wer, unter Aufgabe seiner eigenen Dharma-Pflicht, allein von der Hingabe lebt — an ihm findet Viṣṇu kein Wohlgefallen; nur durch [rechten] Wandel findet er Wohlgefallen.

Wort für Wort
yaḥ svadharmaṃ parityajya
wer seine eigene Dharma-Pflicht aufgibt
bhaktimātreṇa jīvati
und allein von der Hingabe lebt
na tasya tuṣyate viṣṇuḥ
an ihm findet Viṣṇu kein Wohlgefallen
ācāreṇaiva tuṣyate
nur durch [rechten] Wandel findet er Wohlgefallen

sarvāgamānāmācāraḥ prathamaṃ parikalpyate / ācāraprabhavo dharmo dharmasya prabhuracyutaḥ

In allen heiligen Überlieferungen wird der rechte Wandel als das Erste festgesetzt; aus dem rechten Wandel entspringt der Dharma, und des Dharma Herr ist der Unvergängliche [Viṣṇu].

Wort für Wort
sarvāgamānāmācāraḥ
in allen heiligen Überlieferungen der Wandel
prathamaṃ parikalpyate
wird als das Erste festgesetzt
ācāraprabhavo dharmo
aus dem Wandel entspringt der Dharma
dharmasya prabhuracyutaḥ
des Dharma Herr ist der Unvergängliche

tasmātkāryā harerbhaktiḥ svadharmasyāvirodhinī / sadācāravihīnānāṃ dharmā apyasukhapradāḥ

Darum soll Hingabe zu Hari geübt werden, [aber nur] eine, die der eigenen Dharma-Pflicht nicht widerspricht. Selbst die [äußere Erfüllung der] Dharma-Pflichten bringt denen, die des rechten Wandels entbehren, kein Glück.

Wort für Wort
tasmātkāryā harerbhaktiḥ
darum soll Hingabe zu Hari geübt werden
svadharmasyāvirodhinī
eine, die der eigenen Dharma-Pflicht nicht widerspricht
sadācāravihīnānāṃ
für die, die des rechten Wandels entbehren
dharmā apyasukhapradāḥ
bringen selbst die Dharma-Pflichten kein Glück

svadharmahīnā bhaktiścāpyakṛtaiva prakīrtitā / yattu pṛṣṭaṃ tvayā bhūyastatsarvaṃ gaditaṃ mayā

Auch eine Hingabe, der die eigene Dharma-Pflicht fehlt, wird als ungetan [wirkungslos] bezeichnet. Was du mich nun wiederholt gefragt hast — all das habe ich dir dargelegt.

Wort für Wort
svadharmahīnā bhaktiḥ
eine Hingabe, der die eigene Dharma-Pflicht fehlt
cāpyakṛtaiva prakīrtitā
wird auch als ungetan bezeichnet
yattu pṛṣṭaṃ tvayā bhūyaḥ
was du aber wiederholt gefragt hast
tatsarvaṃ gaditaṃ mayā
all das habe ich dargelegt

tasmāddharmaparo bhūtvā pūjayasva janārdanam / nārāyaṇamaṇīyāṃsaṃ sukhameṣyasi śāśvatam

Darum, dem Dharma zugewandt, verehre Janārdana, den feineren als das Feinste, Nārāyaṇa — [so] wirst du ewiges Glück erlangen.

Wort für Wort
tasmāddharmaparo bhūtvā
darum, dem Dharma zugewandt
pūjayasva janārdanam
verehre Janārdana
nārāyaṇamaṇīyāṃsaṃ
Nārāyaṇa, den feineren als das Feinste
sukhameṣyasi śāśvatam
wirst du ewiges Glück erlangen

śiva eva hariḥ sākṣāddharireva śivaḥ svayam / dvayorantaradṛgyāti narakānkoṭiśaḥ khalaḥ

Śiva selbst ist wahrhaftig Hari, Hari selbst ist Śiva; wer zwischen den beiden einen Unterschied erblickt, ein solcher Böser geht in die Höllen ein, zu Millionen [Malen].

Wort für Wort
śiva eva hariḥ sākṣāt
Śiva selbst ist wahrhaftig Hari
harireva śivaḥ svayam
Hari selbst ist Śiva
dvayorantaradṛgyāti
wer zwischen den beiden einen Unterschied erblickt, geht ein
narakānkoṭiśaḥ khalaḥ
in die Höllen, zu Millionen, der Böse

tasmādviṣṇuṃ śivaṃ vāpi samaṃ buddhvā samarcaya / bhedakṛdduḥkhamāpnoti iha loke paratra ca

Darum verehre Viṣṇu und Śiva gleichermaßen, nachdem du [ihre Einheit] erkannt hast; wer einen Unterschied macht, erlangt Leid, sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits.

Wort für Wort
tasmādviṣṇuṃ śivaṃ vāpi
darum Viṣṇu und Śiva
samaṃ buddhvā samarcaya
als gleich erkannt habend, verehre
bhedakṛdduḥkhamāpnoti
wer einen Unterschied macht, erlangt Leid
iha loke paratra ca
in dieser Welt und im Jenseits

yadarthamahamāyātastvatsamīpaṃ janādhipa / tatte vakṣyāmi sumate sāvadhānaṃ niśāmaya

Weswegen ich zu dir gekommen bin, o Herrscher der Menschen — das werde ich dir [nun] sagen, du Wohlgesinnter; höre aufmerksam zu.

Wort für Wort
yadarthamahamāyātaḥ
weswegen ich gekommen bin
tvatsamīpaṃ janādhipa
zu dir, o Herrscher der Menschen
tatte vakṣyāmi sumate
das werde ich dir sagen, du Wohlgesinnter
sāvadhānaṃ niśāmaya
höre aufmerksam zu

ātmaghātakapāpmāno dagdhāḥ kapilakopataḥ / vasanti narake te tu rājaṃstava pitāmahāḥ

Deine Ahnen, o König, die, mit der Sünde des Selbstmordes [belastet], durch den Zorn des [Weisen] Kapila verbrannt wurden, verweilen [nun] in der Hölle.

Wort für Wort
ātmaghātakapāpmāno
die mit der Sünde des Selbstmordes [Belasteten]
dagdhāḥ kapilakopataḥ
durch den Zorn Kapilas verbrannt
vasanti narake te tu
diese verweilen aber in der Hölle
rājaṃstava pitāmahāḥ
o König, deine Ahnen

tānuddhara mahābhāga gaṅgānayanakarmaṇā / gaṅgā sarvāṇi pāpāni nāśayatyeva bhūpate

Errette sie, o Hochgesinnter, durch das Werk der Herbeiführung der Gaṅgā; die Gaṅgā vernichtet fürwahr alle Sünden, o Herrscher.

Wort für Wort
tānuddhara mahābhāga
errette sie, o Hochgesinnter
gaṅgānayanakarmaṇā
durch das Werk der Herbeiführung der Gaṅgā
gaṅgā sarvāṇi pāpāni
die Gaṅgā [vernichtet] alle Sünden
nāśayatyeva bhūpate
vernichtet sie fürwahr, o Herrscher

keśāsthinakhadaṃṣṭrāśca bhasmāpi ca nṛpasattama / nayati viṣṇusadanaṃ spṛṣṭā gāṅgena vāriṇā

Haare, Knochen, Nägel, Zähne, ja sogar Asche, o Bester der Könige — sobald sie vom Wasser der Gaṅgā berührt werden, führen sie [den Toten] zur Wohnstatt Viṣṇus.

Wort für Wort
keśāsthinakhadaṃṣṭrāśca
Haare, Knochen, Nägel, Zähne
bhasmāpi ca nṛpasattama
und auch Asche, o Bester der Könige
nayati viṣṇusadanaṃ
führen zur Wohnstatt Viṣṇus
spṛṣṭā gāṅgena vāriṇā
berührt vom Wasser der Gaṅgā

[?] Lesung „keśāsthinakhadandāśca“ als „keśāsthinakhadaṃṣṭrāśca“ gedeutet.

yasyāsthi bhasma vā rājan gaṅgāyāṃ kṣipyate naraiḥ / sa sarvapāpanirmuktaḥ prayāti bhavanaṃ hareḥ

Wessen Gebein oder Asche, o König, von Menschen in die Gaṅgā geworfen wird, der geht, von aller Sünde befreit, zur Wohnstatt Haris ein.

Wort für Wort
yasyāsthi bhasma vā rājan
wessen Gebein oder Asche, o König
gaṅgāyāṃ kṣipyate naraiḥ
in die Gaṅgā von Menschen geworfen wird
sa sarvapāpanirmuktaḥ
der, von aller Sünde befreit
prayāti bhavanaṃ hareḥ
geht zur Wohnstatt Haris ein

yāni kāni ca pāpāni proktāni tava bhūpate / tāni karmāṇi vai naśyanti gaṅgābindvabhiṣecanāt

Welche Sünden auch immer dir, o Herrscher, [hier] genannt worden sind — all diese Taten schwinden durch die Besprengung mit einem [einzigen] Tropfen der Gaṅgā.

Wort für Wort
yāni kāni ca pāpāni
welche Sünden auch immer
proktāni tava bhūpate
dir genannt worden sind, o Herrscher
tāni karmāṇi vai naśyanti
all diese Taten schwinden fürwahr
gaṅgābindvabhiṣecanāt
durch die Besprengung mit einem Tropfen der Gaṅgā

ityuktvā muniśārdūla mahārājaṃ bhagīratham / dharmātmānaṃ dharmarājaḥ sadyaścāntardadhe tadā

Nachdem er dies, o Tiger unter den Weisen, zum großen König Bhagīratha, dem in seiner Seele dem Dharma ergebenen, gesprochen hatte, verschwand Dharmarāja sogleich.

Wort für Wort
ityuktvā muniśārdūla
nachdem er dies gesprochen hatte, o Tiger unter den Weisen
mahārājaṃ bhagīratham
zum großen König Bhagīratha
dharmātmānaṃ dharmarājaḥ
dem Dharma-ergebenen, Dharmarāja
sadyaścāntardadhe tadā
verschwand da sogleich

[Anm.: Ab Vers 166 wechselt der Sprecher zu Sanaka („sanaka uvāca“), der den Rahmen-Dialog mit Nārada fortführt; die vorangehende Rede war die des Dharmarāja an Bhagīratha.]

sa tu rājā mahāprājñaḥ sarvaśāstrārthapāragaḥ / nikṣipya pṛthivīṃ sarvāṃ saciveṣu yayau vanam

Jener König aber, der überaus Weise, der den Sinn aller heiligen Schriften durchdrungen hatte, übergab die ganze Erde seinen Ministern und begab sich in den Wald.

Wort für Wort
sa tu rājā mahāprājñaḥ
jener König aber, der überaus Weise
sarvaśāstrārthapāragaḥ
der den Sinn aller Schriften durchdrungen hatte
nikṣipya pṛthivīṃ sarvāṃ
die ganze Erde übergeben habend
saciveṣu yayau vanam
seinen Ministern, begab er sich in den Wald

tuhinādrau tato gatvā naranārāyaṇāśramāt / paścime tuhinākrānte śṛṅge ṣoḍaśayojane

Von dort zum Schneegebirge gegangen, [gelangte er], von der Einsiedelei des Nara-Nārāyaṇa aus westwärts, zu einem vom Schnee bedeckten Gipfel, sechzehn Yojanas [entfernt],

Wort für Wort
tuhinādrau tato gatvā
von dort zum Schneegebirge gegangen
naranārāyaṇāśramāt
von der Einsiedelei des Nara-Nārāyaṇa aus
paścime tuhinākrānte śṛṅge
zu einem westlichen, vom Schnee bedeckten Gipfel
ṣoḍaśayojane
sechzehn Yojanas [entfernt]

tapastaptvā nayāmāsa gaṅgāṃ trailokyapāvanīm

und nachdem er dort Askese geübt hatte, führte er die Gaṅgā herbei, die Reinigerin der drei Welten.

Wort für Wort
tapastaptvā nayāmāsa
nachdem er Askese geübt hatte, führte er herbei
gaṅgāṃ trailokyapāvanīm
die Gaṅgā, die Reinigerin der drei Welten

[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (2 Pādas); das Kapitel endet hier ohne die sonst übliche vollständige Schlusszeile bzw. einen im Quelltext mitgegebenen Kolophon.]

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