Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 49: śikṣā-svara-lakṣaṇam (śikṣā-vedāṅga-nirūpaṇam) Die Lehre von den Tönen (Śikṣā, die Lautlehre als Vedāṅga)

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvi.pā.ekonapañcāśattamodhyāyaḥ _____________________________________________________________ sūta uvāca śrutvā sanandanasyetthaṃ vacanaṃ nārado muniḥ / asaṃtuṣṭa iva prāha bhrātaraṃ taṃ sanandanam

Sūta sprach: Als der Weise Nārada die Rede Sanandanas so gehört hatte, sprach er, gleichsam unzufrieden, zu seinem Bruder Sanandana.

Wort für Wort
iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvi.pā.ekonapañcāśattamodhyāyaḥ
(Kolophonfragment: 'So im ehrwürdigen Bṛhannāradīya-Purāṇa, Pūrvabhāga, Bṛhadupākhyāna, 49. Kapitel' - am Beginn des Quelltextes stehend, s. Anm.)
sūta uvāca
Sūta sprach:
śrutvā sanandanasya itthaṃ vacanam
nachdem er Sanandanas so [beschaffene] Rede gehört hatte
nārado muniḥ
der Weise Nārada
asaṃtuṣṭaḥ iva prāha
sprach, gleichsam unzufrieden
bhrātaraṃ taṃ sanandanam
zu jenem seinem Bruder Sanandana

[Anm.: Der Quelltext beginnt mit dem Kolophon "...ekonapañcāśattamo'dhyāyaḥ" (Ende des 49. Kapitels) samt Trennlinie, bevor die eigentliche Erzählung ("sūta uvāca") einsetzt - offenbar ein an den falschen Ort geratenes Kolophonfragment aus der Quellenaufbereitung; im sa-Feld unverändert wiedergegeben, in der Übersetzung nicht berücksichtigt.]

nārada uvāca bhagavansarvamākhyātaṃ yatpṛṣṭaṃ bhavato mayā / tathāpi nātmā prīyeta śṛṇvanharikathāṃ muhuḥ

Nārada sprach: Erhabener, alles ist erklärt worden, was von mir dich gefragt wurde; dennoch findet meine Seele keine Freude, obwohl ich immer wieder die Erzählung von Hari höre.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
bhagavan sarvam ākhyātam
Erhabener, alles ist erklärt worden
yat pṛṣṭaṃ bhavato mayā
was von mir dir gestellt wurde (die Frage)
tathāpi na ātmā prīyeta
dennoch findet die Seele keine Freude
śṛṇvan hari-kathāṃ muhuḥ
obwohl ich die Erzählung von Hari wieder und wieder höre

śrūyate vyāsaputrastu śukaḥ paramadharmavit / siddhiṃ sumahatīṃ prāpto nirviṇṇo 'vāntaraṃ bahiḥ

Man hört, dass Śuka, der Sohn des Vyāsa, fürwahr ein Kenner des höchsten Dharma, eine überaus große Vollkommenheit (siddhi) erlangte, [dennoch aber] abgewandt [war, wie] hinausgetreten in den Zwischenraum. [?]

Wort für Wort
śrūyate vyāsaputrastu śukaḥ
man hört: Śuka aber, der Sohn des Vyāsa
parama-dharma-vit
ein Kenner des höchsten Dharma
siddhiṃ sumahatīṃ prāptaḥ
der eine überaus große Vollkommenheit erlangt hatte
nirviṇṇaḥ
überdrüssig, abgewandt
avāntaraṃ bahiḥ [?]
in den Zwischenraum, hinaus [?] (unsichere Lesart)

[?] Die Verbindung "nirviṇṇo 'vāntaraṃ bahiḥ" ist syntaktisch unklar; Übersetzung nach bestmöglicher Deutung (etwa: 'überdrüssig, [wie] in die Zwischenwelt hinausgetreten').

brahmanpuṃsastu vijñānaṃ mahatāṃ sevanaṃ vinā / na jāyate kathaṃ prāpto jñānaṃ vyāsātmajaḥ śiśuḥ

O Brahmane, ohne den Dienst an den Großen entsteht dem Manne keine höhere Erkenntnis (vijñāna) - wie hat da das Kind, der Sohn des Vyāsa, Erkenntnis (jñāna) erlangt?

Wort für Wort
brahman
o Brahmane
puṃsastu vijñānaṃ
dem Manne aber die [höhere] Erkenntnis
mahatāṃ sevanaṃ vinā
ohne den Dienst an den Großen
na jāyate
entsteht nicht
kathaṃ prāpto jñānaṃ vyāsātmajaḥ śiśuḥ
wie hat das Kind, der Sohn des Vyāsa, [dann] Erkenntnis erlangt?

tasya janmarahasyaṃ me kamacāpyasya śṛṇvate / samākhyāhi mahābhāga mo7śāstrārthavidbhavān

Das Geheimnis seiner Geburt erkläre mir, der ich begierig bin, es zu hören, o Hochgesegneter, dir, der du die Bedeutung der Lehrschriften kennst. [?]

Wort für Wort
tasya janma-rahasyaṃ me
das Geheimnis seiner Geburt mir
kam ca api asya śṛṇvate
der ich [dies] zu hören begierig bin
samākhyāhi mahābhāga
erkläre, o Hochgesegneter
mo7śāstrārthavidbhavān [?]
dir, der du die Bedeutung der Lehrschriften kennst [?] (unsichere Lesart)

[?] Die Lesart "mo7śāstrārthavidbhavān" ist unsicher (offenbar OCR-Fehler); als "yaḥ śāstrārthavidbhavān" (o. ä.) gedeutet und übersetzt.

sanandana uvāca śṛṇu viprapravakṣyāmi śukotpattiṃ samāsataḥ / yāṃ śrutvā brahmatattvajño jāyate mānavo mune

Sanandana sprach: Höre, o Brahmane, ich werde dir die Entstehung Śukas in Kürze verkünden; wer dies hört, wird zum Kenner der Wahrheit des Brahman, o Weiser.

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach:
śṛṇu vipra pravakṣyāmi
höre, o Brahmane, ich werde verkünden
śukotpattiṃ samāsataḥ
die Entstehung Śukas in Kürze
yāṃ śrutvā
wer dies gehört hat
brahma-tattva-jño jāyate mānavo mune
wird zum Kenner der Wahrheit des Brahman, o Weiser

na hāyanairna palitairna vittena na bandhubhiḥ / ṛṣayaścakrire dharmaṃ yo 'nūcānaḥ sa no mahān

Nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare, nicht durch Reichtum, nicht durch Verwandte begründen die Weisen den Dharma; wer im Veda samt seinen Hilfswissenschaften bewandert (anūcāna) ist, der ist der Große unter uns.

Wort für Wort
na hāyanaiḥ na palitaiḥ
nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare
na vittena na bandhubhiḥ
nicht durch Reichtum, nicht durch Verwandte
ṛṣayaścakrire dharmam
haben die Weisen den Dharma begründet
yo 'nūcānaḥ sa no mahān
wer bewandert [im Veda samt Vedāṅgas] ist, der ist der Große unter uns

nārada uvāca anūcānaḥ kathaṃbrahmanpumānbhavati mānada / tanme karma samācakṣva śrotuṃ kautūhalaṃ mama

Nārada sprach: Wie, o Brahmane, o Ehrengeber, wird ein Mann 'anūcāna' (bewandert)? Erkläre mir dieses Werk; ich habe Verlangen, es zu hören.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
anūcānaḥ kathaṃ brahman pumān bhavati mānada
wie, o Brahmane, o Ehrengeber, wird ein Mann 'anūcāna'?
tanme karma samācakṣva
erkläre mir dieses Werk (Tun)
śrotuṃ kautūhalaṃ mama
ich habe Verlangen, es zu hören

sanandana uvāca śṛṇu nārada vakṣyāmi hyanūcānasya lakṣaṇam / yajjñātvā sāṅgavedānāmabhijño jāyate naraḥ

Sanandana sprach: Höre, Nārada, ich werde das Merkmal des 'Anūcāna' verkünden; wer dies erkennt, wird ein Mann, der die Veden samt ihren Gliedern (Aṅgas) kennt.

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach:
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich werde verkünden
hi anūcānasya lakṣaṇam
fürwahr das Merkmal des 'Anūcāna'
yajjñātvā sāṅga-vedānām abhijño jāyate naraḥ
wodurch erkennend ein Mann kundig der Veden samt ihren Gliedern wird

śikṣā kalpo vyākaraṇaṃ niruktaṃ jyotiṣaṃ tathā / chandaḥśāstraṃ ṣaḍetāni vādāṅgāni vidurbudhāḥ

Śikṣā, Kalpa, Vyākaraṇa, Nirukta und ebenso Jyotiṣa, Chandaḥśāstra - diese sechs kennen die Weisen als die Glieder des Veda (Vedāṅgas).

Wort für Wort
śikṣā kalpo vyākaraṇaṃ niruktaṃ jyotiṣaṃ tathā
Śikṣā (Phonetik), Kalpa (Ritualkunde), Vyākaraṇa (Grammatik), Nirukta (Etymologie), ebenso Jyotiṣa (Astronomie)
chandaḥśāstraṃ
die Lehre vom Versmaß (Chandas)
ṣaḍetāni vādāṅgāni viduḥ budhāḥ
diese sechs kennen die Weisen als [Veda-]Glieder

ṛgvedro 'tha yadurvedaḥ sāmavedo hyatharvaṇaḥ / vedāścatvāra evaite proktā dharmanirūpaṇe

Ṛgveda, dann Yajurveda, Sāmaveda und Atharva[veda] - diese vier Veden sind fürwahr in der Darlegung des Dharma verkündet.

Wort für Wort
ṛgvedro 'tha yadurvedaḥ
der Ṛgveda, dann der Yajurveda
sāmavedo hyatharvaṇaḥ
der Sāmaveda und fürwahr der [Veda] des Atharvan
vedāścatvāra evaite proktā dharmanirūpaṇe
diese vier Veden eben sind in der Darlegung des Dharma verkündet

sāṃgānvedānguroryastu samadhīte dvijottamaḥ / so 'nūcānaḥ prabhavati nānyathā granthakoṭibhiḥ

Der beste der Zweifachgeborenen, der die Veden samt ihren Gliedern vom Lehrer gründlich studiert, der wird 'anūcāna', nicht anders, auch nicht durch zehn Millionen Bücher.

Wort für Wort
sāṃgān vedān guroryastu samadhīte dvijottamaḥ
der beste der Zweifachgeborenen, der die Veden samt Gliedern beim Lehrer gründlich studiert
so 'nūcānaḥ prabhavati
der wird 'anūcāna' (kompetent, bewandert)
nānyathā granthakoṭibhiḥ
nicht anders, [auch] nicht durch zehn Millionen Bücher

nārada uvāca aṅgānāṃ lakṣaṇaṃ brūhi vedānāṃ cāpi vistarāt / tvaṃmasmāsu mahāvijñaḥ sāṃgeṣveteṣu mānada

Nārada sprach: Nenne mir die Merkmale der Glieder [des Veda] und auch der Veden ausführlich; du bist unter uns höchst kundig in diesen [Veden] samt ihren Gliedern, o Ehrengeber.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
aṅgānāṃ lakṣaṇaṃ brūhi vedānāṃ cāpi vistarāt
nenne die Merkmale der Glieder und auch der Veden ausführlich
tvaṃ asmāsu mahāvijñaḥ
du bist unter uns höchst kundig
sāṃgeṣveteṣu mānada
in diesen [Veden] samt ihren Gliedern, o Ehrengeber

sanandana uvāca praśnabhāro 'yamatulastvayā mama kṛto dvija / saṃkṣepātkathayiṣyāmi sārameṣāṃ suniścitam

Sanandana sprach: Eine unvergleichliche Bürde von Fragen hast du mir da auferlegt, o Zweifachgeborener; in Kürze werde ich ihren wohlbestimmten Kern verkünden.

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach:
praśnabhāro 'yamatulastvayā mama kṛto dvija
diese unvergleichliche Bürde von Fragen hast du mir auferlegt, o Zweifachgeborener
saṃkṣepātkathayiṣyāmi sārameṣāṃ suniścitam
in Kürze werde ich ihren wohlbestimmten Kern verkünden

svaraḥ pradhānaḥ śikṣāyāṃ kīrttito munibhirdijaiḥ / vedānāṃ vedavidbhistu tacchṛṇuṣva vadāmi te

Der Ton (Svara) ist in der Śikṣā das Wichtigste, wie es von den weisen Zweifachgeborenen, den Kennern der Veden, verkündet wird; höre dies, ich sage es dir.

Wort für Wort
svaraḥ pradhānaḥ śikṣāyāṃ
der Ton (Svara) ist das Wichtigste in der Śikṣā
kīrttito munibhirdijaiḥ
verkündet von den weisen Zweifachgeborenen
vedānāṃ vedavidbhistu
von den Kennern der Veden, den Veda-Wissenden
tacchṛṇuṣva vadāmi te
höre dies, ich sage es dir

ārcikaṃ gāthikaṃ caiva sāmikaṃ ca svarāntaram / kṛtānte svaraśāstrāṇāṃ prayoktavya viśeṣataḥ

Ārcika-, Gāthika- und Sāmika[-Ton] sind der Unterschied des Tones; am Ende der Tonlehren sind diese besonders anzuwenden.

Wort für Wort
ārcikaṃ gāthikaṃ caiva sāmikaṃ ca
der Ārcika-, der Gāthika- und der Sāmika-[Ton]
svarāntaram
[sind] der Unterschied des Tones
kṛtānte svaraśāstrāṇāṃ
am Ende der Tonlehren
prayoktavya viśeṣataḥ
sind [sie] im Besonderen anzuwenden

ekāntaraḥ svaro hyapsu gāthāsudvyantaraḥ svaraḥ / sāmasu tryantaraṃ vidyādetāvatsvarato 'ntaram

Einen Intervallschritt hat der Ton in den Ṛc[-Versen], einen zweifachen Intervallschritt der Ton in den Gāthās; in den Sāmans kenne man einen dreifachen Intervallschritt - so groß ist der Unterschied im Ton. [?]

Wort für Wort
ekāntaraḥ svaro hyapsu [?]
einen Intervallschritt hat der Ton in den Ṛc[-Versen] [?] (Lesart 'apsu' unsicher, s. Anm.)
gāthāsu dvyantaraḥ svaraḥ
in den Gāthās ein Ton mit zweifachem Intervallschritt
sāmasu tryantaraṃ vidyāt
in den Sāmans kenne man einen dreifachen Intervallschritt
etāvat svarato 'ntaram
so groß ist der Unterschied im Ton

[?] Die Lesart "apsu" ("in den Wassern") ergibt keinen Sinn; vermutlich verderbt aus "ṛkṣu" ("in den Ṛc-Versen"); danach übersetzt.

ṛksāmayajuraṅgāni ye yajñeṣu prayuñjate / avijñānāddhi śikṣāyāsteṣāṃ bhavati visvaraḥ

Diejenigen, die die Glieder von Ṛc, Sāman [und] Yajus bei den Opfern anwenden - ihnen widerfährt, aus Unkenntnis der Śikṣā, Falschton (visvara).

Wort für Wort
ṛksāmayajuraṅgāni
die Glieder von Ṛc, Sāman [und] Yajus
ye yajñeṣu prayuñjate
die [Personen], die sie bei den Opfern anwenden
avijñānāddhi śikṣāyāḥ
aus Unkenntnis der Śikṣā fürwahr
teṣāṃ bhavati visvaraḥ
widerfährt ihnen Falschton

mantro hīnaḥ svarato varṇato vā mithyāprayukto na tamarthamāha / sa vāgvajro yajamānaṃ hirnāsti yathendraśatruḥ svarato 'parādhāt

Ein Mantra, mangelhaft an Ton oder an Laut, falsch angewandt, bringt jenen [rechten] Sinn nicht zum Ausdruck; er, [wie] ein Sprachdonnerkeil, verletzt den Opferherrn - wie [bei] 'indraśatru' - durch ein Vergehen am Ton.

Wort für Wort
mantro hīnaḥ svarato varṇato vā
ein Mantra, mangelhaft an Ton oder an Laut
mithyāprayukto na tamarthamāha
falsch angewandt, bringt jenen [rechten] Sinn nicht zum Ausdruck
sa vāgvajro yajamānaṃ hinasti [Anm.]
er, [wie] ein Sprachdonnerkeil, verletzt den Opferherrn (Lesart 'hirnāsti' korrigiert, s. Anm.)
yathendraśatruḥ svarato 'parādhāt
wie [im Fall von] 'indraśatru' durch ein Vergehen am Ton

[Anm.: "hirnāsti" ist vermutlich verderbt aus "hinasti" ("verletzt"); dem Sinn entsprechend übersetzt. Berühmter Vers auch aus der Pāṇinīya-Śikṣā-Tradition.]

uraḥ kaṇṭhaḥ śiraścaiva sthānāni trīṇi vāṅkye / savanānyāhuretāni sāma vāpyarddhatoṃ'taram

Brust, Kehle und Kopf sind die drei Orte in der Stimme; diese nennt man auch 'Preßungen' (Savana), oder [es gilt] im Sāman ein Abstand von einem Halbton. [?]

Wort für Wort
uraḥ kaṇṭhaḥ śiraścaiva sthānāni trīṇi
Brust, Kehle und Kopf - drei Orte
vāṅkye [?]
in der Stimme/Sprache [?] (unsichere Lesart)
savanānyāhuretāni
diese nennt man 'Savana' (Preßungen)
sāma vāpyarddhatoṃ'taram [?]
oder im Sāman mit halbtönigem Abstand [?] (unsichere Lesart)

[?] Die Lesart "vāṅkye" (vermutlich für "vāci", "in der Sprache/Stimme") sowie "arddhatoṃ'taram" sind unsicher; nach bestmöglicher Deutung übersetzt.

uraḥ saptavivāraṃ syāttathā kaṇṭhastathā śiraḥ / na ca śakto 'si vyaktastu tathā prāvacanā vidhiḥ

Die Brust habe sieben Öffnungen, ebenso die Kehle, ebenso der Kopf; [der Ton] darf nicht unfähig, sondern muss deutlich sein - so ist die Regel des Vortrags. [?]

Wort für Wort
uraḥ saptavivāraṃ syāt
die Brust habe sieben Öffnungen
tathā kaṇṭhastathā śiraḥ
ebenso die Kehle, ebenso der Kopf
na ca śakto 'si vyaktastu [?]
[der Ton] darf nicht unfähig, sondern muss deutlich sein [?] (unsichere Lesart)
tathā prāvacanā vidhiḥ
so ist die Regel des Vortrags (Prāvacana)

[?] Der zweite Halbvers ("na ca śakto 'si vyaktastu") ist syntaktisch unklar/vermutlich verderbt; sinngemäß übersetzt.

kaṭhakālāpavṛtteṣu taittirāhvarakeṣu ca / ṛgvede sāmavede ca vaktavyaḥ prathamaḥ svaraḥ

Bei den [Schulen] Kaṭha, Kālāpa, Vṛtti und den Taittirīya-Āhvaraka, sowie im Ṛgveda und im Sāmaveda ist der erste Ton zu sprechen.

Wort für Wort
kaṭhakālāpavṛtteṣu
bei [den Schulen] Kaṭha, Kālāpa, Vṛtti
taittirāhvarakeṣu ca
und bei den Taittirīya-Āhvaraka
ṛgvede sāmavede ca
im Ṛgveda und im Sāmaveda
vaktavyaḥ prathamaḥ svaraḥ
ist der erste Ton zu sprechen

ṛgvedastu dvitīyena tṛtīyena ca vartate / uccamadhyamasaṃghātaḥ svaro bhavati pārthivaḥ

Der Ṛgveda aber verfährt mit dem zweiten und dem dritten [Ton]; eine Verbindung von Hoch- und Mittelton wird zum 'irdischen' (pārthiva) Ton.

Wort für Wort
ṛgvedastu dvitīyena tṛtīyena ca vartate
der Ṛgveda aber verfährt mit dem zweiten und dem dritten [Ton]
uccamadhyamasaṃghātaḥ
eine Verbindung von Hoch- und Mittelton
svaro bhavati pārthivaḥ
wird zum 'irdischen' Ton

tṛtīya prathamakruṣṭā kurvantyāhvarakān svarān / dvitīyādyāstu madrāntāstaittirīyāścatuḥsvarān

Der dritte, erste [und] laute (kruṣṭa) [Ton] bilden die Āhvaraka-Töne; die vom zweiten an bis zum Madra[-Ton] reichenden - die Taittirīyas haben vier Töne.

Wort für Wort
tṛtīya prathamakruṣṭā
der dritte, erste [und] laute [Ton]
kurvantyāhvarakān svarān
bilden die Āhvaraka-Töne
dvitīyādyāstu madrāntāḥ
die vom zweiten beginnenden bis zum Madra[-Ton] reichenden
taittirīyāścatuḥsvarān
die Taittirīyas haben vier Töne

prathamaśca dvitīyaśca tṛtīyo 'tha caturthakaḥ / mandraḥ kruṣṭo munīśvara etānkurvanti sāmagāḥ

Erster und zweiter, dritter, dann vierter, der Tiefton (mandra) [und] der Laute (kruṣṭa) - o Herr der Weisen, diese verwenden die Sāma-Sänger.

Wort für Wort
prathamaśca dvitīyaśca tṛtīyo 'tha caturthakaḥ
erster und zweiter, dritter, dann vierter [Ton]
mandraḥ kruṣṭo munīśvara
der Tiefton [und] der Laute, o Herr der Weisen
etānkurvanti sāmagāḥ
diese verwenden die Sāma-Sänger

dvitīyaprathamāvetau nāṇḍibhāllavinau svarau / tathā śātapathāvetau svarau vājasaneyinām

Diese beiden, zweiter und erster, sind die Töne der Nāṇḍibhālla[-Schule]; ebenso sind diese beiden die Śātapatha-Töne der Vājasaneyins.

Wort für Wort
dvitīyaprathamāvetau
diese beiden, zweiter und erster
nāṇḍibhāllavinau svarau
sind die Töne der Nāṇḍibhālla[-Schule]
tathā śātapathāvetau svarau vājasaneyinām
ebenso sind diese beiden die Śātapatha-Töne der Vājasaneyins

ete viśeṣataḥ proktāḥ svarā vai sārvavaidikāḥ / ityetañcaritaṃ sarvaṃ svarāṇāṃ sārvavaidikam

Diese sind im Besonderen als die für den gesamten Veda gültigen Töne genannt; so ist dies das ganze, für den gesamten Veda gültige Wesen der Töne.

Wort für Wort
ete viśeṣataḥ proktāḥ
diese sind im Besonderen genannt
svarā vai sārvavaidikāḥ
als die für den gesamten Veda gültigen Töne
ityetañcaritaṃ sarvaṃ
so ist dies der ganze Verlauf/das Wesen
svarāṇāṃ sārvavaidikam
der Töne, für den gesamten Veda gültig

sāmavede tu vakṣyāmi svarāṇāṃ caritaṃ yathā / alpagranthaṃ prabhūtārthaṃ sāmavedāṅgamuttamam

Im Sāmaveda aber werde ich das Wesen der Töne verkünden, wie [es ist] - das an Text kleine, an Bedeutung reiche, höchste Glied des Sāmaveda.

Wort für Wort
sāmavede tu vakṣyāmi svarāṇāṃ caritaṃ yathā
im Sāmaveda aber werde ich das Wesen der Töne verkünden, wie [es ist]
alpagranthaṃ prabhūtārthaṃ
an Text klein, an Bedeutung reich
sāmavedāṅgamuttamam
das höchste Glied des Sāmaveda

tānarāgasvaragrāmamūrcchanānāṃ tu lakṣaṇam / pavitraṃ pāvanaṃ puṇyaṃ yathā tubhyaṃ prakīrtitam

Das Merkmal von Tāna, Rāga, Svara, Grāma [und] Mūrchanā - rein, reinigend, heilig - wird dir, wie [es ist], verkündet werden.

Wort für Wort
tānarāgasvaragrāmamūrcchanānāṃ tu lakṣaṇam
das Merkmal von Tāna, Rāga, Svara, Grāma und Mūrchanā aber
pavitraṃ pāvanaṃ puṇyaṃ
rein, reinigend, heilig
yathā tubhyaṃ prakīrtitam
wird dir, wie [es ist], verkündet

śikṣāmāhurdvijātīnāmṛgyajuḥ sāmalakṣaṇam / sapta svarāsrayo grāmā mṛrchanāstvekaviṃśatiḥ

Man nennt [dies] die Śikṣā der Zweifachgeborenen, das Merkmal von Ṛc, Yajus [und] Sāman: sieben Grundtöne, drei darauf beruhende Skalen (Grāma), aber einundzwanzig Mūrchanās.

Wort für Wort
śikṣāmāhurdvijātīnāmṛgyajuḥ sāmalakṣaṇam
man nennt [dies] die Śikṣā der Zweifachgeborenen, das Merkmal von Ṛc, Yajus und Sāman
sapta svarāsrayo grāmā
sieben Töne, darauf beruhende Skalen (Grāma) [d.h. drei Grāmas auf sieben Tönen beruhend]
mṛrchanāstvekaviṃśatiḥ
die Mūrchanās aber [sind] einundzwanzig

tānā ekonapañcāśadityetaḥsvaramaṇḍalam / ṣaṅjaśca ṛṣabhaścaiva gāndhāro madhyamastathā

Der Tāna-Melodien sind neunundvierzig - dies ist der 'Kreis der Töne' (Svaramaṇḍala); [die sieben Grundtöne sind] Ṣaḍja, und Ṛṣabha, Gāndhāra, ebenso Madhyama,

Wort für Wort
tānā ekonapañcāśadityetaḥsvaramaṇḍalam
der Tāna-Melodien sind neunundvierzig - dies ist der 'Kreis der Töne'
ṣaṅjaśca ṛṣabhaścaiva gāndhāro madhyamastathā
Ṣaḍja, und Ṛṣabha, Gāndhāra, ebenso Madhyama

pañcamo dhaivataścaivaṃ niṣādaḥ saptamaḥ svaraḥ / ṣaṅjamadhyamagāndhārāsrarayo grāmāḥ prakīrtitāḥ

Pañcama, Dhaivata und so Niṣāda [ist] der siebte Ton; Ṣaḍja, Madhyama [und] Gāndhāra werden als die [drei] Grundskalen (Grāma) genannt.

Wort für Wort
pañcamo dhaivataścaivaṃ niṣādaḥ saptamaḥ svaraḥ
Pañcama, Dhaivata und so Niṣāda [ist] der siebte Ton
ṣaṅjamadhyamagāndhārāsrarayo grāmāḥ prakīrtitāḥ
Ṣaḍja, Madhyama [und] Gāndhāra werden als die [drei] Grundskalen genannt

bhūrllokājjāyate ṣaṅjo bhuvarlokāñca madhyamaḥ / svargābhrāñcaiva gāndhāro grāmasthānāni trīṇi hi

Aus der Erdwelt (Bhūrloka) entsteht Ṣaḍja, aus der Bhuvarloka Madhyama, und aus dem Himmel der Svarga[-Welt] Gāndhāra - dies sind die drei Ursprungsorte der Grāmas.

Wort für Wort
bhūrllokājjāyate ṣaṅjo
aus der Erdwelt (Bhūrloka) entsteht Ṣaḍja
bhuvarlokāñca madhyamaḥ
und aus der Bhuvarloka Madhyama
svargābhrāñcaiva gāndhāro
und aus dem Himmel der Svarga[-Welt] Gāndhāra
grāmasthānāni trīṇi hi
dies sind fürwahr die drei Ursprungsorte der Grāmas

svarāṇāṃ ca viśeṣeṇa grāmarāgā iti smṛtāḥ / viṃśatirmadhyamagrāme ṣaṅjagrāme caturdaśa

Und durch die besondere [Kombination] der Töne werden sie als 'Grāma-Rāgas' bezeichnet: zwanzig im Madhyama-Grāma, vierzehn im Ṣaḍja-Grāma,

Wort für Wort
svarāṇāṃ ca viśeṣeṇa
und durch die besondere [Kombination] der Töne
grāmarāgā iti smṛtāḥ
werden sie als 'Grāma-Rāgas' bezeichnet
viṃśatirmadhyamagrāme
zwanzig im Madhyama-Grāma
ṣaṅjagrāme caturdaśa
vierzehn im Ṣaḍja-Grāma

tānānpaṃ cadaśecchanti gāndhāre sāmagāyinām / nadī viśālā sumukhī citrā citravatī mukhā

und fünfzehn Tāna[-Melodien] halten [die Meister] im Gāndhāra[-Grāma] der Sāma-Sänger für gültig: Nadī, Viśālā, Sumukhī, Citrā, Citravatī, Mukhā -

Wort für Wort
tānānpaṃcadaśecchanti
fünfzehn Tāna[-Melodien] halten [die Meister] für gültig
gāndhāre sāmagāyinām
im Gāndhāra[-Grāma] der Sāma-Sänger
nadī viśālā sumukhī citrā citravatī mukhā
Nadī, Viśālā, Sumukhī, Citrā, Citravatī, Mukhā

balā cāpyatha vijñeyā devānāṃ sapta mūrchanāḥ / āpyāyinī viśvabhṛtā candrā hemā kapardinī

und auch Balā ist zu erkennen - [dies sind] die sieben Mūrchanās der Götter: Āpyāyinī, Viśvabhṛtā, Candrā, Hemā, Kapardinī,

Wort für Wort
balā cāpyatha vijñeyā
und auch Balā ist [als siebte] zu erkennen
devānāṃ sapta mūrchanāḥ
die sieben Mūrchanās der Götter
āpyāyinī viśvabhṛtā candrā hemā kapardinī
Āpyāyinī, Viśvabhṛtā, Candrā, Hemā, Kapardinī

maitrī ca bārhatī caiva pitṝṇāṃ sapta mūrchanāḥ / ṣaṅje tūttaramandrā syādṛṣabhe cābhirūhatā

und Maitrī und Bārhatī - [dies sind] die sieben Mūrchanās der Ahnen (Pitṛs); in Ṣaḍja ist es 'Uttaramandrā', und in Ṛṣabha 'Abhirūhatā',

Wort für Wort
maitrī ca bārhatī caiva
und Maitrī, und Bārhatī
pitṝṇāṃ sapta mūrchanāḥ
die sieben Mūrchanās der Ahnen
ṣaṅje tūttaramandrā syāt
in Ṣaḍja ist es 'Uttaramandrā'
ṛṣabhe cābhirūhatā
und in Ṛṣabha 'Abhirūhatā'

aśvakrāntā tu gāndhāre tṛtīyā mūrcchanā smṛtā / madhyame khalu sauvīrā hṛṣikā pañcame svare

'Aśvakrāntā' aber wird in Gāndhāra als die dritte Mūrchanā genannt; in Madhyama fürwahr ist es 'Sauvīrā', 'Hṛṣikā' im fünften Ton,

Wort für Wort
aśvakrāntā tu gāndhāre tṛtīyā mūrcchanā smṛtā
'Aśvakrāntā' aber wird in Gāndhāra als dritte Mūrchanā genannt
madhyame khalu sauvīrā
in Madhyama fürwahr [ist es] 'Sauvīrā'
hṛṣikā pañcame svare
'Hṛṣikā' im fünften Ton

dhaivate cāpi vijñeyā mūrchanā tūttarā matā / niṣāde rajanīṃ vidyādṛṣīṇāṃ sapta mūrchanāḥ

und in Dhaivata ist als Mūrchanā 'Uttarā' zu erkennen; in Niṣāda kenne man 'Rajanī' - [dies sind] die sieben Mūrchanās der Ṛṣis.

Wort für Wort
dhaivate cāpi vijñeyā mūrchanā tūttarā matā
und in Dhaivata ist die Mūrchanā 'Uttarā' als bekannt zu erkennen
niṣāde rajanīṃ vidyāt
in Niṣāda kenne man 'Rajanī'
ṛṣīṇāṃ sapta mūrchanāḥ
die sieben Mūrchanās der Ṛṣis

upajīvanti gandharvā devānāṃ sapta mūrchanāḥ / pitṝṇāṃ mūrcchānāḥ sapta tathā yakṣā na saṃśayaḥ

Von den sieben Mūrchanās der Götter leben die Gandharvas; von den sieben Mūrchanās der Ahnen ebenso die Yakṣas, ohne Zweifel.

Wort für Wort
upajīvanti gandharvā
davon leben die Gandharvas
devānāṃ sapta mūrchanāḥ
von den sieben Mūrchanās der Götter
pitṝṇāṃ mūrcchānāḥ sapta tathā yakṣā na saṃśayaḥ
von den sieben Mūrchanās der Ahnen ebenso [leben] die Yakṣas, ohne Zweifel

ṛṣīṇāṃ mūrchanāḥ sapta yāstvimā laukikāḥ smṛtāḥ / ṣaṅjaḥ prīṇāti vai devānṛṣīnprīṇāti carṣabhaḥ

Die sieben Mūrchanās der Ṛṣis - diese sind als 'weltliche' (laukika) bekannt: Ṣaḍja erfreut fürwahr die Götter, Ṛṣabha erfreut die Ṛṣis,

Wort für Wort
ṛṣīṇāṃ mūrchanāḥ sapta
die sieben Mūrchanās der Ṛṣis
yāstvimā laukikāḥ smṛtāḥ
diese sind als 'weltliche' bekannt
ṣaṅjaḥ prīṇāti vai devān
Ṣaḍja erfreut fürwahr die Götter
ṛṣīnprīṇāti carṣabhaḥ
und Ṛṣabha erfreut die Ṛṣis

pitṝn prīṇāti gāndhāro gandharvānmadhyamaḥ svaraḥ / devānpitṝnṛṣīṃścaiva svaraḥ prīṇāti pañcamaḥ

Gāndhāra erfreut die Ahnen, der Ton Madhyama die Gandharvas; der fünfte Ton erfreut die Götter, die Ahnen und die Ṛṣis,

Wort für Wort
pitṝn prīṇāti gāndhāro
Gāndhāra erfreut die Ahnen
gandharvānmadhyamaḥ svaraḥ
der Ton Madhyama [erfreut] die Gandharvas
devānpitṝnṛṣīṃścaiva svaraḥ prīṇāti pañcamaḥ
der fünfte Ton erfreut die Götter, die Ahnen und die Ṛṣis

yakṣānniṣādaḥ prīṇāti bhūtagrāmaṃ ca dhaivataḥ / gānasya tu daśavidhā guṇavṛttistu tadyathā

Niṣāda erfreut die Yakṣas, und Dhaivata die Schar der Wesen (Bhūtas); die zehnfache Beschaffenheit der Eigenschaften des Gesangs (Gāna) aber ist wie folgt:

Wort für Wort
yakṣānniṣādaḥ prīṇāti
Niṣāda erfreut die Yakṣas
bhūtagrāmaṃ ca dhaivataḥ
und Dhaivata die Schar der Wesen
gānasya tu daśavidhā guṇavṛttistu tadyathā
die zehnfache Beschaffenheit der Eigenschaften des Gesangs aber ist wie folgt

raktaṃ pūrṇamalaṅkṛtaṃ prasannaṃ vyaktaṃ vikruṣṭaṃ ślakṣṇaṃ samaṃ sukumāraṃ madhuramiti guṇāstatra raktaṃ nāma veṇuvīṇāsvarāṇāmekībhāvaṃ raktamityucyate pūrṇaṃ nāma svaraśrutipūraṇācchandaḥ pādākṣaraṃ saṃyogātpūrṇamityucyate alaṅkṛtaṃ nāmorasi śirasi kaṇṭhayuktamityalaṅkṛtaṃ prasannaṃ nāmāpagatāgadgadanirviśaṅkaṃ prasannamityucyate vyaktaṃ nāma padapadārthaprakṛtivikārāgamanopakṛttaddhitasamāsadhātunipātopasargasvaraliṅgaṃ vṛttivārttikavibhaktyarthavacanānāṃ samyagupapādanaṃ vyaktamityucyate vikruṣṭaṃ nāmoñcairuñcāritaṃ vyaktapadākṣaraṃ vikruṣṭamityucyate ślekṣṇaṃ nāma drutamavilaṃbitamuccanīcaplutasamāhārahelatālopanayādibhirupapādanābhiḥ ślakṣṇamityucyate samaṃ nāmāvāpanirvāpapradeśe pratyantarasthānānāṃ samāsaḥ samamityucyate sukumāraṃ nāma mṛdupadavarṇasvarakuhagaraṇayuktaṃ sukumāramityucyate madhuraṃ nāma svabhāvopanītalalitapadākṣaraguṇasamṛddhaṃ madhuramityucyate evametairdaśabhirguṇairyuktaṃ gānaṃ bhavati // 1// bavanti cātra ślokāḥ śaṅkitaṃ bhīṣaṇaṃ bhītamuddhuṣṭamanunāsikam / kākasvaraṃ mūrddhagataṃ tathā sthānavivarjitam

Rakta ('gefärbt/vereint'), Pūrṇa ('voll'), Alaṅkṛta ('geschmückt'), Prasanna ('klar'), Vyakta ('deutlich'), Vikruṣṭa ('laut'), Ślakṣṇa ('glatt'), Sama ('gleichmäßig'), Sukumāra ('zart') [und] Madhura ('süß') - dies sind die Eigenschaften. Dabei: 'Rakta' heißt, dass die Verschmelzung der Töne von Flöte und Vīṇā zur Einheit 'rakta' genannt wird. 'Pūrṇa' heißt, dass durch das Erfüllen von Ton und Śruti (Mikroton), durch die Verbindung mit der Versfuß-Silbe (Pāda-Akṣara), es 'pūrṇa' genannt wird. 'Alaṅkṛta' heißt, dass das in Brust, Kopf [und] Kehle Verbundene 'alaṅkṛta' genannt wird. 'Prasanna' heißt, dass das von Stottern befreite, unbedenkliche 'prasanna' genannt wird. 'Vyakta' heißt, dass das richtige Zustandebringen von Wort, Wortbedeutung, Grundform und Modifikation, Augment, sekundärer Ableitung (Taddhita), Kompositum, Verbalwurzel, Partikel, Präverb, Ton [und] Genus, sowie von Wortbildung (Vṛtti), Vārttika, Kasus, Bedeutung [und] Numerus 'vyakta' genannt wird. 'Vikruṣṭa' heißt, dass das laut Ausgerufene, mit deutlichen Wortsilben, 'vikruṣṭa' genannt wird. 'Ślakṣṇa' heißt, dass das durch Schnelligkeit, ohne Verzögerung, durch die Verbindung von hoch, tief [und] gedehnt, durch Anmut, Rhythmus (Tāla) und dergleichen Mittel Zustandegebrachte 'ślakṣṇa' genannt wird. 'Sama' heißt, dass die Verbindung der aufeinanderfolgenden Stellungen am Ort von Einatmung und Ausatmung 'sama' genannt wird. 'Sukumāra' heißt, dass das mit weichen Worten, Lauten, Tönen [und sanften Wendungen (?)] Verbundene 'sukumāra' genannt wird. 'Madhura' heißt, dass das von Natur aus mit anmutigen Worten und Silbenqualitäten reich Ausgestattete 'madhura' genannt wird. So, mit diesen zehn Eigenschaften versehen, entsteht [vollkommener] Gesang. Und hierzu gibt es Verse: [es folgt der Beginn der Liste der Gesangsfehler:] Befürchtet (śaṅkita), furchterregend (bhīṣaṇa), ängstlich (bhīta), übermäßig laut (uddhuṣṭa), nasal (anunāsika), krähenstimmig (kākasvara), im Scheitel sitzend (mūrdhagata), sowie den [rechten] Ort verfehlend (sthānavivarjita) -

Wort für Wort
raktaṃ pūrṇamalaṅkṛtaṃ prasannaṃ vyaktaṃ vikruṣṭaṃ ślakṣṇaṃ samaṃ sukumāraṃ madhuramiti guṇāstatra
Rakta, Pūrṇa, Alaṅkṛta, Prasanna, Vyakta, Vikruṣṭa, Ślakṣṇa, Sama, Sukumāra, Madhura - dies sind die Eigenschaften; dabei:
raktaṃ nāma veṇuvīṇāsvarāṇāmekībhāvaṃ raktamityucyate
'Rakta' heißt: die Verschmelzung der Töne von Flöte und Vīṇā wird 'rakta' genannt
pūrṇaṃ nāma svaraśrutipūraṇācchandaḥ pādākṣaraṃ saṃyogātpūrṇamityucyate
'Pūrṇa' heißt: durch Erfüllung von Ton und Śruti, durch Verbindung mit der Versfuß-Silbe wird es 'pūrṇa' genannt
alaṅkṛtaṃ nāmorasi śirasi kaṇṭhayuktamityalaṅkṛtaṃ
'Alaṅkṛta' heißt: das in Brust, Kopf und Kehle Verbundene ist 'alaṅkṛta'
prasannaṃ nāmāpagatāgadgadanirviśaṅkaṃ prasannamityucyate
'Prasanna' heißt: das vom Stottern befreite, unbedenkliche wird 'prasanna' genannt
vyaktaṃ nāma padapadārthaprakṛtivikārāgamanopakṛttaddhitasamāsadhātunipātopasargasvaraliṅgaṃ vṛttivārttikavibhaktyarthavacanānāṃ samyagupapādanaṃ vyaktamityucyate
'Vyakta' heißt: die korrekte Herstellung von Wort, Wortbedeutung, Grundform/Modifikation, Augment, Taddhita, Kompositum, Wurzel, Partikel, Präverb, Ton, Genus, sowie Wortbildung, Vārttika, Kasus, Bedeutung und Numerus
vikruṣṭaṃ nāmoñcairuñcāritaṃ vyaktapadākṣaraṃ vikruṣṭamityucyate
'Vikruṣṭa' heißt: das laut Ausgerufene mit deutlichen Wortsilben
ślekṣṇaṃ nāma drutamavilaṃbitamuccanīcaplutasamāhārahelatālopanayādibhirupapādanābhiḥ ślakṣṇamityucyate
'Ślakṣṇa' heißt: das durch Schnelligkeit, ohne Verzögerung, durch Verbindung von hoch/tief/gedehnt, durch Anmut, Rhythmus u.ä. Zustandegebrachte
samaṃ nāmāvāpanirvāpapradeśe pratyantarasthānānāṃ samāsaḥ samamityucyate
'Sama' heißt: die Verbindung der aufeinanderfolgenden Stellungen am Ort von Ein- und Ausatmung
sukumāraṃ nāma mṛdupadavarṇasvarakuhagaraṇayuktaṃ sukumāramityucyate [?]
'Sukumāra' heißt: das mit weichen Worten, Lauten, Tönen [und sanften Wendungen, unklar] Verbundene
madhuraṃ nāma svabhāvopanītalalitapadākṣaraguṇasamṛddhaṃ madhuramityucyate
'Madhura' heißt: das von Natur aus anmutig-wortreiche, silbenqualitätsreiche
evametairdaśabhirguṇairyuktaṃ gānaṃ bhavati // 1//
so, mit diesen zehn Eigenschaften versehen, entsteht [vollkommener] Gesang
bavanti cātra ślokāḥ
und hierzu gibt es [folgende] Verse
śaṅkitaṃ bhīṣaṇaṃ bhītamuddhuṣṭamanunāsikam
befürchtet, furchterregend, ängstlich, übermäßig laut, nasal
kākasvaraṃ mūrddhagataṃ tathā sthānavivarjitam
krähenstimmig, im Scheitel sitzend, sowie den Ort verfehlend

[Anm.: Vers 44 vereint im Quelltext ungewöhnlich sowohl die ausführliche Prosa-Definition der zehn Gāna-Qualitäten als auch die einleitende Formel 'bhavanti cātra ślokāḥ' und den Beginn der vierzehnteiligen Liste der Gesangsfehler (Doṣas), die erst in V45 abgeschlossen wird; die Binnenzählung '// 1//' im Quelltext ist eine kapitelinterne Nebenzählung (kein Versanfang) und wurde unverändert übernommen. Bei 'sukumāraṃ nāma mṛdupadavarṇasvarakuhagaraṇayuktaṃ' ist 'kuhagaraṇa' unklar [?].

vistaraṃ virasaṃ caiva viśliṣṭaṃ viṣamāhatam / vyākulaṃ tālahīnaṃ ca gītidoṣāścaturdaśa

diffus (vistara), fade (virasa), zerrissen (viśliṣṭa), ungleichmäßig geschlagen (viṣamāhata), verwirrt (vyākula) und rhythmuslos (tālahīna) - [dies sind] die vierzehn Fehler des Gesangs (Gīti).

Wort für Wort
vistaraṃ virasaṃ caiva
diffus, und fade
viśliṣṭaṃ viṣamāhatam
zerrissen, ungleichmäßig geschlagen
vyākulaṃ tālahīnaṃ ca
verwirrt und rhythmuslos
gītidoṣāścaturdaśa
[dies sind] die vierzehn Fehler des Gesangs

ācāryāḥ samamicchanti padacchedaṃ tu paṇḍitāḥ / sriyo madhuramicchanti vikruṣṭamitare janāḥ

Die Lehrer wünschen sich Gleichmäßigkeit (Sama), die Gelehrten aber die richtige Worttrennung; Frauen wünschen sich Süße (Madhura), andere Leute Lautheit (Vikruṣṭa).

Wort für Wort
ācāryāḥ samamicchanti
die Lehrer wünschen sich Gleichmäßigkeit
padacchedaṃ tu paṇḍitāḥ
die Gelehrten aber die richtige Worttrennung
sriyo madhuramicchanti
Frauen wünschen sich Süße
vikruṣṭamitare janāḥ
andere Leute [wünschen sich] Lautheit

padmapatraprabhaḥ ṣaṅja ṛṣabhaḥ śukapiñjaraḥ / kanakābhastu gāndhāro madhyamaḥ kundasannibhaḥ

Ṣaḍja hat den Glanz eines Lotusblattes, Ṛṣabha ist papageiengelb; Gāndhāra hat den Schimmer von Gold, Madhyama gleicht der Jasminblüte,

Wort für Wort
padmapatraprabhaḥ ṣaṅja
Ṣaḍja hat den Glanz eines Lotusblattes
ṛṣabhaḥ śukapiñjaraḥ
Ṛṣabha ist papageiengelb
kanakābhastu gāndhāro
Gāndhāra hat den Schimmer von Gold
madhyamaḥ kundasannibhaḥ
Madhyama gleicht der Jasminblüte

pañcamastu bhavetkṛṣṇaḥ pītakaṃ dhaivataṃ viduḥ / niṣādaḥ sarvavarṇaḥ syādityetāḥ svaravarṇatāḥ

Pañcama aber wäre schwarz, Dhaivata kennt man als gelb; Niṣāda wäre allfarbig - dies sind die Farbzuweisungen der Töne.

Wort für Wort
pañcamastu bhavetkṛṣṇaḥ
Pañcama aber wäre schwarz
pītakaṃ dhaivataṃ viduḥ
Dhaivata kennt man als gelb
niṣādaḥ sarvavarṇaḥ syāt
Niṣāda wäre allfarbig
ityetāḥ svaravarṇatāḥ
dies sind die Farbzuweisungen der Töne

pacamo madhyamaḥ ṣaṅja ityete brāhmaṇāḥ smṛtāḥ / ṛṣabho dhaivataścāpītyetau vai kṣatriyāvubhau

Pañcama, Madhyama, Ṣaḍja - diese gelten als Brahmanen; Ṛṣabha und ebenso Dhaivata - diese beiden fürwahr sind Kṣatriyas,

Wort für Wort
pacamo madhyamaḥ ṣaṅja
Pañcama, Madhyama, Ṣaḍja
ityete brāhmaṇāḥ smṛtāḥ
diese gelten als Brahmanen
ṛṣabho dhaivataścāpi
Ṛṣabha und ebenso Dhaivata
ityetau vai kṣatriyāvubhau
diese beiden fürwahr sind Kṣatriyas

gāndhāraśca niṣādaśca vaiśyāvarddhena vai smṛto / śūdratvaṃ vidhinārddhena patitatvānna saṃśayaḥ

und Gāndhāra und Niṣāda gelten zur Hälfte als Vaiśyas; durch die [andere] Hälfte, nach der Regel, [gilt] Śūdra-Stand - über ihre Gefallenheit besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
gāndhāraśca niṣādaśca
und Gāndhāra und Niṣāda
vaiśyāvarddhena vai smṛto
gelten zur Hälfte fürwahr als Vaiśyas
śūdratvaṃ vidhinārddhena
durch die [andere] Hälfte, nach der Regel, [gilt] Śūdra-Stand
patitatvānna saṃśayaḥ
über [ihre] Gefallenheit besteht kein Zweifel

[?] Sinn der Zuordnung 'zur Hälfte Vaiśya, zur Hälfte Śūdra/gefallen' bleibt inhaltlich dunkel; wörtlich wiedergegeben.

ṛṣabho mūrchitavarjito dhaivatasahitaśca pañcamo yatra / nipatati madhyamarāge sa niṣādaṃ ṣāṅjavaṃ vidyāt

Wo Ṛṣabha, ausgenommen von der [betreffenden] Mūrchanā, und Pañcama, begleitet von Dhaivata, in den Madhyama-Rāga fällt, da erkenne man dies als 'Niṣāda-Ṣāḍjava'.

Wort für Wort
ṛṣabho mūrchitavarjito
Ṛṣabha, ausgenommen von der [betreffenden] Mūrchanā
dhaivatasahitaśca pañcamo yatra
und wo Pañcama, begleitet von Dhaivata
nipatati madhyamarāge
in den Madhyama-Rāga fällt
sa niṣādaṃ ṣāṅjavaṃ vidyāt
das erkenne man als 'Niṣāda-Ṣāḍjava'

yadi pañcamo viramate gāndhāraścāntarasvaro bhavati / ṛṣabho niṣādasahitastaṃ pañcamamīdṛśaṃ vidyāt

Wenn Pañcama innehält und Gāndhāra zum Zwischenton (Antara) wird, [und] Ṛṣabha von Niṣāda begleitet ist, erkenne man jenes Pañcama[-Modus] als von dieser Art.

Wort für Wort
yadi pañcamo viramate
wenn Pañcama innehält
gāndhāraścāntarasvaro bhavati
und Gāndhāra zum Zwischenton wird
ṛṣabho niṣādasahitaḥ
Ṛṣabha, von Niṣāda begleitet
taṃ pañcamamīdṛśaṃ vidyāt
erkenne man jenes Pañcama[-Modus] als von dieser Art

gāndhārasyādhipatyena niṣādasya gatāgataiḥ / dhaivatasya ca daurbalyānmadhyamagrāma ucyate

Durch die Vorherrschaft von Gāndhāra, durch das Kommen und Gehen von Niṣāda und durch die Schwäche von Dhaivata wird [ein Modus] 'Madhyama-Grāma' genannt.

Wort für Wort
gāndhārasyādhipatyena
durch die Vorherrschaft von Gāndhāra
niṣādasya gatāgataiḥ
durch das Kommen und Gehen von Niṣāda
dhaivatasya ca daurbalyāt
und durch die Schwäche von Dhaivata
madhyamagrāma ucyate
wird [dies] 'Madhyama-Grāma' genannt

īṣatpṛṣṭo niṣādastu gāndhāraścādhiko bhavet / dhaivataḥ kaṃpito yatra sa ṣaṅgayāma īritaḥ

Wo Niṣāda leicht berührt wird und Gāndhāra vorherrschend wird, [und] Dhaivata zittert (Kampita), das wird 'Ṣaḍgayāma' genannt.

Wort für Wort
īṣatpṛṣṭo niṣādastu
wo Niṣāda leicht berührt wird
gāndhāraścādhiko bhavet
und Gāndhāra vorherrschend wird
dhaivataḥ kaṃpito yatra
[und] wo Dhaivata zittert
sa ṣaṅgayāma īritaḥ
das wird 'Ṣaṅgayāma' genannt

[?] 'Ṣaṅgayāma' ist vermutlich eine Nebenform/Variante zu 'Ṣaḍja-Grāma'; wörtlich übernommen.

antarasvarasaṃyuktaḥ kākaliryatra dṛśyate / taṃ tu sādhāritaṃ vidyātpañcamasthaṃ tu kaiśikam

Wo, verbunden mit dem Zwischenton (Antara-Svara), 'Kākalī' erscheint, das erkenne man als 'Sādhārita'; das aber, in Pañcama ruhend, [ist] 'Kaiśika'.

Wort für Wort
antarasvarasaṃyuktaḥ kākaliryatra dṛśyate
wo, verbunden mit dem Zwischenton, 'Kākalī' erscheint
taṃ tu sādhāritaṃ vidyāt
das erkenne man als 'Sādhārita'
pañcamasthaṃ tu kaiśikam
das aber, in Pañcama ruhend, [ist] 'Kaiśika'

kaiśikaṃ bhāvayitvā tu svaraiḥ sarvaiḥ samantataḥ / yasmā ttu madhyame nyāsastasmātkaiśikamadhyamaḥ

Nachdem man 'Kaiśika' mit allen Tönen von allen Seiten her hervorgebracht hat, da der Ruhepunkt (Nyāsa) in Madhyama liegt, deshalb [heißt es] 'Kaiśikamadhyama'.

Wort für Wort
kaiśikaṃ bhāvayitvā tu svaraiḥ sarvaiḥ samantataḥ
nachdem man 'Kaiśika' mit allen Tönen von allen Seiten her hervorgebracht hat
yasmāttu madhyame nyāsaḥ
da der Ruhepunkt in Madhyama liegt
tasmātkaiśikamadhyamaḥ
deshalb [heißt es] 'Kaiśikamadhyama'

kākalirdṛśyate yatra prādhānyaṃ pañcamasya tu / kaśyapaḥ kaiśikaṃ prāha madhyamagrāmasaṃbhavam

Wo 'Kākalī' erscheint und Vorherrschaft von Pañcama [besteht], das nennt Kaśyapa 'Kaiśika', entstanden im Madhyama-Grāma.

Wort für Wort
kākalirdṛśyate yatra
wo 'Kākalī' erscheint
prādhānyaṃ pañcamasya tu
und die Vorherrschaft von Pañcama
kaśyapaḥ kaiśikaṃ prāha
das nennt Kaśyapa 'Kaiśika'
madhyamagrāmasaṃbhavam
entstanden im Madhyama-Grāma

geti geyaṃ viduḥ prājñā dheti kārupravādanam / veti vādyasya saṃjñeyaṃ gandharvasya prarocanam

'Ge' - so kennen es die Weisen als das zu Singende (Geya); 'dhe' - als den Ausdruck des Kunsthandwerks; 've' - dies wird als Bezeichnung des Instrumentalspiels verstanden, der Lust der Gandharvas.

Wort für Wort
geti geyaṃ viduḥ prājñā
'ge' - so kennen die Weisen das zu Singende
dheti kārupravādanam
'dhe' - als den Ausdruck des Kunsthandwerks
veti vādyasya saṃjñeyaṃ
've' - dies gilt als Bezeichnung des Instrumentalspiels
gandharvasya prarocanam
der Lust/Freude der Gandharvas

yaḥ sāmagānāṃ prathamaḥ sa veṇormadhyamaḥ svaraḥ / yo dvitīyaḥ sa gāndhārastṛtīyastvṛṣabhaḥ smṛtaḥ

Was der erste [Ton] der Sāma-Gesänge ist, das ist der Madhyama-Ton der Flöte; was der zweite ist, das ist Gāndhāra; der dritte gilt als Ṛṣabha,

Wort für Wort
yaḥ sāmagānāṃ prathamaḥ
was der erste [Ton] der Sāma-Gesänge ist
sa veṇormadhyamaḥ svaraḥ
das ist der Madhyama-Ton der Flöte
yo dvitīyaḥ sa gāndhāraḥ
was der zweite ist, das ist Gāndhāra
tṛtīyastvṛṣabhaḥ smṛtaḥ
der dritte gilt als Ṛṣabha

caturthaḥ ṣaṅja ityāhuḥ pañcamo dhaivato bhavet / ṣaṣṭho niṣādo vijñeyaḥ saptamaḥ pañcamaḥ smṛtaḥ

den vierten nennt man Ṣaḍja, der fünfte wäre Dhaivata; der sechste ist als Niṣāda zu erkennen, der siebte gilt als Pañcama.

Wort für Wort
caturthaḥ ṣaṅja ityāhuḥ
den vierten nennt man Ṣaḍja
pañcamo dhaivato bhavet
der fünfte wäre Dhaivata
ṣaṣṭho niṣādo vijñeyaḥ
der sechste ist als Niṣāda zu erkennen
saptamaḥ pañcamaḥ smṛtaḥ
der siebte gilt als Pañcama

ṣaṅjaṃ mayūro vadati gāvo raṃbhanti carṣabham / ajāvike tu gāndhāraṃ kraiñco vadati madhyamam

Der Pfau ruft Ṣaḍja, die Kühe brüllen Ṛṣabha; Ziegen und Schafe [rufen] Gāndhāra, der Brachvogel (Krauñca) ruft Madhyama,

Wort für Wort
ṣaṅjaṃ mayūro vadati
den Ṣaḍja ruft der Pfau
gāvo raṃbhanti carṣabham
die Kühe brüllen den Ṛṣabha
ajāvike tu gāndhāraṃ
Ziegen und Schafe aber [rufen] Gāndhāra
kraiñco vadati madhyamam
der Brachvogel ruft Madhyama

puṣpasādhāraṇe kāle kokilā vakti pañcamam / aśvastu dhaivataṃ vakti niṣaādaṃ vakti kuñjaraḥ

zur Zeit des Blühens ruft der Kuckuck Pañcama; das Pferd ruft Dhaivata, den Niṣāda ruft der Elefant.

Wort für Wort
puṣpasādhāraṇe kāle
zur Zeit des Blühens
kokilā vakti pañcamam
ruft der Kuckuck Pañcama
aśvastu dhaivataṃ vakti
das Pferd aber ruft Dhaivata
niṣaādaṃ vakti kuñjaraḥ
den Niṣāda ruft der Elefant

kaṇṭhāduttiṣṭate ṣaṅjaḥ śirasastvṛṣabhaḥ smṛtaḥ / gāndhārastvanunāsikya uraso madhyamaḥ svaraḥ

Aus der Kehle erhebt sich Ṣaḍja, vom Kopf gilt Ṛṣabha; Gāndhāra ist nasal, aus der Brust [kommt] der Ton Madhyama,

Wort für Wort
kaṇṭhāduttiṣṭate ṣaṅjaḥ
aus der Kehle erhebt sich Ṣaḍja
śirasastvṛṣabhaḥ smṛtaḥ
vom Kopf gilt Ṛṣabha
gāndhārastvanunāsikya
Gāndhāra aber ist nasal
uraso madhyamaḥ svaraḥ
aus der Brust [kommt] der Ton Madhyama

urasaḥ śirasaḥ kaṇṭhādutthitaḥ pañcamaḥ svaraḥ / lalāṭāddhaivataṃ vidyānniṣādaṃ sarvasandhijam

aus Brust, Kopf [und] Kehle erhoben [ist] der Ton Pañcama; von der Stirn wisse man Dhaivata, Niṣāda als aus allen Verbindungsstellen entstanden.

Wort für Wort
urasaḥ śirasaḥ kaṇṭhādutthitaḥ pañcamaḥ svaraḥ
aus Brust, Kopf und Kehle erhoben [ist] der Ton Pañcama
lalāṭāddhaivataṃ vidyāt
von der Stirn wisse man Dhaivata
niṣādaṃ sarvasandhijam
Niṣāda als aus allen Verbindungsstellen entstanden

nāsā kaṇṭhamurastālujihvādatāṃśca saṃśritaḥ / ṣaṅbhiḥ saṃ jāyate yasmāttasmātṣaṅja iti smṛtaḥ

Auf Nase, Kehle, Brust, Gaumen, Zunge und Zähne gestützt - da er durch [diese] sechs zusammen entsteht, deshalb gilt er als 'Ṣaḍ-ja' (aus Sechs Geborener).

Wort für Wort
nāsā kaṇṭhamurastālujihvādatāṃśca saṃśritaḥ
auf Nase, Kehle, Brust, Gaumen, Zunge und Zähne gestützt
ṣaṅbhiḥ saṃ jāyate yasmāt
da er durch sechs [Organe] zusammen entsteht
tasmātṣaṅja iti smṛtaḥ
deshalb gilt er als 'Ṣaḍja' (aus Sechs Geborener)

vāyuḥ samutthito nābheḥ kaṇṭhaśīrṣasamāhataḥ / nardatyṛṣabhavadyasmāttasmādṛṣerbha ucyate

Der Atem, vom Nabel erhoben, gegen Kehle und Kopf geschlagen, brüllt wie ein Stier (Ṛṣabha) - da dies so geschieht, deshalb heißt er 'Ṛṣabha'.

Wort für Wort
vāyuḥ samutthito nābheḥ
der Atem, vom Nabel erhoben
kaṇṭhaśīrṣasamāhataḥ
gegen Kehle und Kopf geschlagen
nardatyṛṣabhavadyasmāt
da er wie ein Stier brüllt
tasmādṛṣerbha ucyate [Anm.]
deshalb heißt er 'Ṛṣabha' (Lesart korrigiert, s. Anm.)

[Anm.: "tasmādṛṣerbha ucyate" ist vermutlich verderbt aus "tasmādṛṣabha ucyate" ("deshalb heißt er 'Ṛṣabha'"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]

vāyuḥ samutthito nābheḥ kaṇṭhaśīrṣasamāhataḥ / vāti gandhavahaḥ puṇyo gāndhārastena hetunā

Der Atem, vom Nabel erhoben, gegen Kehle und Kopf geschlagen, weht als reiner Duftträger - aus diesem Grund [heißt er] 'Gāndhāra'.

Wort für Wort
vāyuḥ samutthito nābheḥ kaṇṭhaśīrṣasamāhataḥ
der Atem, vom Nabel erhoben, gegen Kehle und Kopf geschlagen
vāti gandhavahaḥ puṇyo
weht als reiner Duftträger
gāndhārastena hetunā
'Gāndhāra' aus diesem Grund

vāyuḥ samutthito nābherurau hṛdi samāhataḥ / nābhiprāpto madhyavartī madhyamatvaṃ samarśnute

Der Atem, vom Nabel erhoben, in der Brustmitte, im Herzen geschlagen, den Nabel erreichend, in der Mitte befindlich, erlangt den Zustand von 'Madhyama' (Mitte).

Wort für Wort
vāyuḥ samutthito nābheḥ
der Atem, vom Nabel erhoben
urau hṛdi samāhataḥ
in der Brust, im Herzen geschlagen
nābhiprāpto madhyavartī
den Nabel erreichend, in der Mitte befindlich
madhyamatvaṃ samarśnute
erlangt den Zustand von 'Madhyama'

vāyuḥ samutthito nābherurohṛtkaṇṭhakāhṛtaḥ / pañcasthānotthitasyāsya pañcamatvaṃ vidhīyate

Der Atem, vom Nabel erhoben, durch Brust, Herz [und] Kehle getragen - diesem, aus fünf Stellen erhobenen, wird der Zustand von 'Pañcama' (Fünftem) zugewiesen.

Wort für Wort
vāyuḥ samutthito nābheḥ
der Atem, vom Nabel erhoben
uraḥ hṛtkaṇṭhakāhṛtaḥ
durch Brust, Herz und Kehle getragen
pañcasthānotthitasyāsya
diesem, aus fünf Stellen erhobenen
pañcamatvaṃ vidhīyate
wird der Zustand von 'Pañcama' zugewiesen

dhaivataṃ ca niṣādaṃ ca varjayitvā tu tāvubhau / śeṣānpañca svarāṃstvanye pañcasthānotthitānviduḥ

Dhaivata und Niṣāda aber ausgenommen, kennt man die übrigen fünf Töne als aus den fünf [genannten] Stellen erhoben.

Wort für Wort
dhaivataṃ ca niṣādaṃ ca varjayitvā tu tāvubhau
Dhaivata und Niṣāda aber, diese beiden ausgenommen
śeṣānpañca svarāṃstvanye
kennt man die übrigen fünf Töne
pañcasthānotthitānviduḥ
als aus den fünf Stellen erhoben

pañcasthānasthitatvena sarvasthānāni dhāryate / agnigītasvaraḥ ṣaṅja ṛṣabho brahmaṇocyate

Durch das Befinden in den fünf Stellen werden alle Stellen [zugleich] getragen. Der von Agni gesungene Ton ist Ṣaḍja, Ṛṣabha gilt als von Brahmā [gesungen],

Wort für Wort
pañcasthānasthitatvena
durch das Befinden in den fünf Stellen
sarvasthānāni dhāryate
werden alle Stellen [zugleich] getragen
agnigītasvaraḥ ṣaṅja
der von Agni gesungene Ton ist Ṣaḍja
ṛṣabho brahmaṇocyate
Ṛṣabha gilt als von Brahmā [gesungen]

somena gīto gāndhāro viṣṇunā madhyamaḥ svaraḥ / pañcamastu svaro gītastvayaiveti nidhāraya

Gāndhāra ist von Soma gesungen, der Ton Madhyama von Viṣṇu; der Ton Pañcama aber ist, wisse dies, von dir selbst gesungen. [?]

Wort für Wort
somena gīto gāndhāro
Gāndhāra ist von Soma gesungen
viṣṇunā madhyamaḥ svaraḥ
der Ton Madhyama von Viṣṇu
pañcamastu svaro gītaḥ
der Ton Pañcama aber ist gesungen
tvayaiveti nidhāraya [?]
von dir selbst - so wisse dies [?]

[?] Die Zuweisung des fünften Tons an "tvayā" ("von dir") innerhalb der Rede Sanandanas an Nārada ist auffällig; möglicherweise verweist dies auf Nāradas eigene Rolle als Musiker, oder die Lesart ist verderbt (Gottheitsname erwartet).

dhaivataśca niṣādaśca gītau tuṃburuṇā svarau / ādyaṃsya daivataṃ brahmā ṣaṅjasyāpyucyate budhaiḥ

Und Dhaivata und Niṣāda sind die beiden von Tumburu gesungenen Töne. Als Gottheit des ersten von diesen [d.h. Ṣaḍja] wird von den Weisen Brahmā genannt.

Wort für Wort
dhaivataśca niṣādaśca
und Dhaivata und Niṣāda
gītau tuṃburuṇā svarau
sind die beiden von Tumburu gesungenen Töne
ādyaṃsya daivataṃ brahmā
die Gottheit des ersten von diesen ist Brahmā
ṣaṅjasyāpyucyate budhaiḥ
wird auch von Ṣaḍja von den Weisen genannt

tīkṣṇadīptaprakāśatvādṛṣabhasya hutāśanaḥ / gāvaḥ praṇīte tuṣyanti gāndhārastena hetunā

Wegen der scharfen, lodernden Leuchtkraft [gilt] der Feuergott (Hutāśana) als [Gottheit] des Ṛṣabha; die Kühe freuen sich, wenn [das Opfer] dargebracht wird - aus diesem Grund [gehört zu ihnen] Gāndhāra.

Wort für Wort
tīkṣṇadīptaprakāśatvāt
wegen der scharfen, lodernden Leuchtkraft
ṛṣabhasya hutāśanaḥ
[gilt] der Feuergott als [Gottheit] des Ṛṣabha
gāvaḥ praṇīte tuṣyanti
die Kühe freuen sich, wenn [das Opfer] dargebracht wird
gāndhārastena hetunā
'Gāndhāra' aus diesem Grund

śrutvā caivopatiṣṭanti saurabheyā na saṃśayaḥ / somastu pañcamasyāpi daivataṃ brahmarādrasmṛtam

Und die Nachkommen der Surabhi (Kühe) stellen sich, wenn sie [ihn] gehört haben, gewiss ein - ohne Zweifel. Soma aber ist auch als die Gottheit des Pañcama bekannt, [genannt] 'Brahmarādra'. [?]

Wort für Wort
śrutvā caivopatiṣṭanti
und, wenn sie [ihn] gehört haben, stellen sie sich ein
saurabheyā na saṃśayaḥ
die Nachkommen der Surabhi, ohne Zweifel
somastu pañcamasyāpi daivataṃ
Soma aber ist auch die Gottheit des Pañcama
brahmarādrasmṛtam [?]
als 'Brahmarādra' bekannt [?] (unsichere Lesart)

[?] Der Begriff "brahmarādra" (oder "brahmarādrasmṛtam") ist unklar / möglicherweise verderbt; wörtlich übernommen.

nihrāso yasya vṛddhiśca grāmamāsādya somavat / atisaṃdhīyate yasmādetānpūrvotthitānsvarān

Jener [Ton], dessen Schwinden und Wachsen, wenn er den [betreffenden] Grāma erreicht, dem Mond (Soma) gleicht - da er dadurch diese vorher entstandenen Töne übertrifft/verbindet,

Wort für Wort
nihrāso yasya vṛddhiśca
jener, dessen Schwinden und Wachsen
grāmamāsādya somavat
wenn er den Grāma erreicht, wie beim Mond
atisaṃdhīyate yasmāt
da er dadurch [diese] übertrifft/verbindet
etānpūrvotthitānsvarān
diese vorher entstandenen Töne

tasmādasya svarasyāpi dhaivatatvaṃ vidhīyate / niṣīdanti svarā yasmānniṣādastena hetunā

deshalb wird auch für diesen Ton der Status 'Dhaivata' zugewiesen. Da die Töne [in ihm] zur Ruhe kommen (niṣīdanti), deshalb [heißt er] aus diesem Grund 'Niṣāda'.

Wort für Wort
tasmādasya svarasyāpi
deshalb wird auch für diesen Ton
dhaivatatvaṃ vidhīyate
der Status 'Dhaivata' zugewiesen
niṣīdanti svarā yasmāt
da die Töne [in ihm] zur Ruhe kommen
niṣādastena hetunā
'Niṣāda' aus diesem Grund

sarvāṃścābhibhavatyeṣa yadādityo 'sya daivatam

Und dieser überwältigt alle [übrigen Töne], da Āditya (die Sonne) seine Gottheit ist.

Wort für Wort
sarvāṃścābhibhavatyeṣa
und dieser überwältigt alle [übrigen Töne]
yadādityo 'sya daivatam
da Āditya (die Sonne) seine Gottheit ist

[Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzelnen Zeile (halber Vers ohne zweite Pāda-Hälfte).]

dāravī gātravīṇā ca dve vīṇe gānajātiṣu

Dāravī ('hölzerne' Vīṇā) und Gātravīṇā ('Körper-Vīṇā') - zwei Vīṇās gibt es unter den Gesangsarten.

Wort für Wort
dāravī gātravīṇā ca
Dāravī ('hölzerne' Vīṇā) und Gātravīṇā ('Körper-Vīṇā')
dve vīṇe gānajātiṣu
zwei Vīṇās gibt es unter den Gesangsarten

[Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzelnen Zeile (halber Vers ohne zweite Pāda-Hälfte).]

sāmanī gātravīṇā tu tasyāstvaṃ śṛṇu lakṣaṇam / gātravīṇā tu sā proktā yasyāṃ gāyanti sāmaṅgāḥ

Die Sāmanī ist die Gātravīṇā; höre nun von mir ihr Merkmal: Gātravīṇā heißt jene, bei der die Sāma-Sänger [mit Hand und Körper begleitend] singen.

Wort für Wort
sāmanī gātravīṇā tu
die Sāmanī ist die Gātravīṇā
tasyāstvaṃ śṛṇu lakṣaṇam
höre nun von mir ihr Merkmal
gātravīṇā tu sā proktā
Gātravīṇā heißt jene
yasyāṃ gāyanti sāmaṅgāḥ
bei der die Sāma-Sänger singen

svaravyañjanasaṃyuktā aṅgulyaṅguṣṭarañjitā / hastau tu saṃyatau dhāryauṃ jānubhyāmuparisthitau

verbunden mit Ton und Konsonant[-Gesten], gefärbt/geschmückt durch Finger und Daumen; die beiden Hände aber sind, beherrscht gehalten, oberhalb der beiden Knie zu halten.

Wort für Wort
svaravyañjanasaṃyuktā
verbunden mit Ton und Konsonant[-Gesten]
aṅgulyaṅguṣṭarañjitā
gefärbt/geschmückt durch Finger und Daumen
hastau tu saṃyatau dhāryauṃ
die beiden Hände aber sind, beherrscht, zu halten
jānubhyāmuparisthitau
oberhalb der beiden Knie befindlich

guroranukṛtiṃ kuryādyathānyā na matirbhavet / praṇavaṃ prākprayuñjīta vyāhṛtīstadanantaram

Man soll dem Lehrer nachahmen, so dass keine andere Vorstellung entsteht; zuerst wende man den Praṇava (Oṃ) an, danach die Vyāhṛtis [Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ],

Wort für Wort
guroranukṛtiṃ kuryāt
man soll dem Lehrer nachahmen
yathānyā na matirbhavet
so dass keine andere Vorstellung entsteht
praṇavaṃ prākprayuñjīta
zuerst wende man den Praṇava an
vyāhṛtīstadanantaram
danach die Vyāhṛtis

sāvitrīṃ cānuvacanaṃ tato vai gānamārabhet / prasārya cāṅgulīḥ sarvā ropayetsvaramaṇḍalam

und die Sāvitrī (Gāyatrī) als Nachsprechen; dann fürwahr beginne man mit dem Gesang. Nachdem man alle Finger ausgestreckt hat, richte man den Kreis der Töne (Svaramaṇḍala) [auf der Hand] ein.

Wort für Wort
sāvitrīṃ cānuvacanaṃ
und die Sāvitrī als Nachsprechen
tato vai gānamārabhet
dann fürwahr beginne man mit dem Gesang
prasārya cāṅgulīḥ sarvā
nachdem man alle Finger ausgestreckt hat
ropayetsvaramaṇḍalam
richte man den Kreis der Töne ein

na cāṅgulībhiraṅguṣṭamaṅguṣṭenāgulīḥ spṛśet / viralā nāṅgulīḥ kuryānmūle caitāṃ na saṃspṛśet

Man berühre den Daumen nicht mit den Fingern, [noch] die Finger mit dem Daumen; man mache die Finger nicht [zu] weit gespreizt und berühre sie nicht an ihrer Basis.

Wort für Wort
na cāṅgulībhiraṅguṣṭamaṅguṣṭenāgulīḥ spṛśet
man berühre den Daumen nicht mit den Fingern, [noch] die Finger mit dem Daumen
viralā nāṅgulīḥ kuryāt
man mache die Finger nicht weit gespreizt
mūle caitāṃ na saṃspṛśet
und berühre sie nicht an ihrer Basis

aṅguṣṭhāgreṇa tā nityaṃ madhyame parvaṇi spṛśet / mātrādvimātravṛddhānāṃ vibhāgārthe vibhāgavit

Mit der Daumenspitze berühre man sie stets am mittleren Gelenk; von den Mātrā-, Doppel-Mātrā-Zunahmen kenne, zum Zweck der Einteilung, der der Einteilung Kundige.

Wort für Wort
aṅguṣṭhāgreṇa tā nityaṃ madhyame parvaṇi spṛśet
mit der Daumenspitze berühre man sie stets am mittleren Gelenk
mātrādvimātravṛddhānāṃ
der Mātrā-, Doppel-Mātrā-Zunahmen
vibhāgārthe vibhāgavit
zum Zweck der Einteilung [kenne] der der Einteilung Kundige

aṅgulībhirdvimātraṃ tu pāṇeḥ savyasya darśayet / trirekhā yasya dṛśyate siddhiṃ tatra vinirdiśet

Mit den Fingern zeige man den Zweifach-Mātrā-Wert auf der linken Hand; wo eine dreifache Linie sichtbar wird, dort weise man die Vollendung (Siddhi) an.

Wort für Wort
aṅgulībhirdvimātraṃ tu
mit den Fingern aber den Zweifach-Mātrā-Wert
pāṇeḥ savyasya darśayet
zeige man auf der linken Hand
trirekhā yasya dṛśyate
wo eine dreifache Linie sichtbar wird
siddhiṃ tatra vinirdiśet
dort weise man die Vollendung an

sa parva iti vijñeyaḥ śeṣamantaramantaram / parvāntaraṃ sāmasu ca ṛkṣu kuryāttilāntaram

Das ist als 'Parvan' (Gelenk) zu erkennen; der Rest [ist] Zwischenraum um Zwischenraum. Den Zwischenraum-zwischen-Gelenken mache man bei den Sāmans, [und] bei den Ṛcs einen 'sesamkorngroßen' Zwischenraum.

Wort für Wort
sa parva iti vijñeyaḥ
das ist als 'Parvan' (Gelenk) zu erkennen
śeṣamantaramantaram
der Rest [ist] Zwischenraum um Zwischenraum
parvāntaraṃ sāmasu ca
den Zwischenraum-zwischen-Gelenken bei den Sāmans
ṛkṣu kuryāttilāntaram
bei den Ṛcs mache man einen sesamkorngroßen Zwischenraum

svarānmadhyamaparvasu suniviṣṭaṃ niveśayet / na cātra kaṃpayetkiñcidaṅgasyāvayavaṃ budhaḥ

Man setze die Töne an den mittleren Gelenken wohlgefügt ein; und dabei erzittere der Weise nicht im Geringsten in irgendeinem Teil des Körpers.

Wort für Wort
svarānmadhyamaparvasu suniviṣṭaṃ niveśayet
man setze die Töne an den mittleren Gelenken wohlgefügt ein
na cātra kaṃpayetkiñcit
und dabei erzittere nicht im Geringsten
aṅgasyāvayavaṃ budhaḥ
der Weise in irgendeinem Teil des Körpers

adhastanaṃ mṛdaṃ nyasya hastamātre yathākramam / abhramadhye yathā vidyudṛśyate maṇisūtravat

Nachdem man den unteren [Finger] sanft, der Reihe nach, auf der Handfläche platziert hat, wie ein Blitz inmitten der Wolken sichtbar wird, wie eine Perlenschnur,

Wort für Wort
adhastanaṃ mṛdaṃ nyasya
nachdem man den unteren [Finger] sanft platziert hat
hastamātre yathākramam
auf der Handfläche, der Reihe nach
abhramadhye yathā vidyudṛśyate
wie ein Blitz inmitten der Wolken sichtbar wird
maṇisūtravat
wie eine Perlenschnur

pṛṣacchedavivṛttīnāṃ yathā bāleṣukartarī / kūrmo 'gāni ca saṃhṛtya cetodṛṣṭiṃ diśanmanaḥ

wie beim Zerschneiden/Öffnen von Tröpfchen, wie eine Schere bei kindlichem [Pfeil-]Spiel [?] - nachdem man, wie eine Schildkröte, die Glieder eingezogen hat, [und] Geist [und] Blick lenkend,

Wort für Wort
pṛṣacchedavivṛttīnāṃ
des Zerschneidens/der Öffnungen von Tröpfchen
yathā bāleṣukartarī [?]
wie eine Schere bei kindlichem [Pfeil-]Spiel [?] (unsichere Lesart)
kūrmo 'gāni ca saṃhṛtya
nachdem man, wie eine Schildkröte, die Glieder eingezogen hat
cetodṛṣṭiṃ diśanmanaḥ
Geist und Blick lenkend

[?] Das Bild "bāleṣukartarī" ("Schere bei kindlichem Pfeil[spiel]") ist unklar/obskur; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

svasthaḥ praśānto nirbhīko varṇānuñcārayedbudhaḥ / nāsikāyāstu pūrveṇa hastaṃ gokarṇavaddharet

selbstgefasst, friedvoll, furchtlos, spreche der Weise die Laute aus. Vor der Nase halte er die Hand, in der Art eines Kuhohres [geformt].

Wort für Wort
svasthaḥ praśānto nirbhīko
selbstgefasst, friedvoll, furchtlos
varṇānuñcārayedbudhaḥ
spreche der Weise die Laute aus
nāsikāyāstu pūrveṇa
vor der Nase aber
hastaṃ gokarṇavaddharet
halte er die Hand, in Kuhohr-Form

niveśya dṛṣṭiṃ hastāgre śāstrārthamanucintayet / samyakpracārayedvākyaṃ hastena ca mukhena ca

Nachdem man den Blick auf die Fingerspitze gerichtet hat, denke man über die Bedeutung der Lehrschrift nach; man vollziehe den Ausspruch richtig, sowohl mit der Hand als auch mit dem Mund.

Wort für Wort
niveśya dṛṣṭiṃ hastāgre
nachdem man den Blick auf die Fingerspitze gerichtet hat
śāstrārthamanucintayet
denke man über die Bedeutung der Lehrschrift nach
samyakpracārayedvākyaṃ
man vollziehe den Ausspruch richtig
hastena ca mukhena ca
sowohl mit der Hand als auch mit dem Mund

yathaivoccārayedvarṇāṃstathaivaināṃ samāpayet / nātyāhanyānna nirhaṇyānna pragāyenna kaṃpayet

Genauso wie man die Laute ausspricht, so genau beende man sie; man schlage sie nicht übermäßig, zerstöre sie nicht, übersinge sie nicht, lasse sie nicht erzittern.

Wort für Wort
yathaivoccārayedvarṇāṃstathaivaināṃ samāpayet
genauso wie man die Laute ausspricht, so genau beende man sie
nātyāhanyānna nirhaṇyān
man schlage sie nicht übermäßig, zerstöre sie nicht
na pragāyenna kaṃpayet
übersinge sie nicht, lasse sie nicht erzittern

samaṃ sāmāni gāyeta vyomni svena gātiryathā / yathā sucaratāṃ mārgo mīnānāṃ nopalabhyate

Man singe die Sāmans gleichmäßig, wie [ein Vogel] durch eigene Bewegung im Luftraum [fliegt]; so wie der Pfad gut schwimmender Fische nicht wahrgenommen wird,

Wort für Wort
samaṃ sāmāni gāyeta
man singe die Sāmans gleichmäßig
vyomni svena gātiryathā
wie [ein Vogel] durch eigene Bewegung im Luftraum [fliegt]
yathā sucaratāṃ mārgo mīnānāṃ nopalabhyate
so wie der Pfad gut schwimmender Fische nicht wahrgenommen wird

ākāśe vā vihṝṅgānāṃ tadvatsvaragatā śrutiḥ / yathā dadhini sarpiḥ syātkāṣṭastho vā yathānalaḥ

oder [der Pfad] der Vögel am Himmel - ebenso [unmerklich sei] der Verlauf der Śruti (Mikroton) innerhalb des Tones. So wie im Rahm die Sahne [enthalten] wäre, oder wie im Holz das Feuer [enthalten ist],

Wort für Wort
ākāśe vā vihaṃgānāṃ
oder [der Pfad] der Vögel am Himmel
tadvatsvaragatā śrutiḥ
ebenso [unmerklich sei] der Verlauf der Śruti innerhalb des Tones
yathā dadhini sarpiḥ syāt
wie im Rahm die Sahne [enthalten] wäre
kāṣṭastho vā yathānalaḥ
oder wie im Holz das Feuer [enthalten ist]

prayatnenopalabhyeta tadvatsvaragatā śrutiḥ / svarātsvarasya saṃkrāmaṃsvarasaṃdhimanulbaṇam

und nur mit Mühe wahrgenommen wird - ebenso [ist] der Verlauf der Śruti innerhalb des Tones. Der Übergang von Ton zu Ton, die Fügung der Töne, sei nicht übermäßig/grob;

Wort für Wort
prayatnenopalabhyeta
und nur mit Mühe wahrgenommen wird
tadvatsvaragatā śrutiḥ
ebenso [ist] der Verlauf der Śruti innerhalb des Tones
svarātsvarasya saṃkrāmaṃ svarasaṃdhimanulbaṇam
der Übergang von Ton zu Ton, die Fügung der Töne, [sei] nicht übermäßig/grob

avicchinnaṃ samaṃ kuryātsūkṣmacchāyātapopamam / anāgatamatikrāntaṃ vicchinnaṃ viṣamāhatam

man mache ihn ununterbrochen [und] gleichmäßig, vergleichbar mit feinem Schatten [und] Sonnenlicht [im Übergang]. [Man vermeide einen Ton, der] nicht angekommen, überschossen, unterbrochen, ungleichmäßig geschlagen,

Wort für Wort
avicchinnaṃ samaṃ kuryāt
man mache ihn ununterbrochen [und] gleichmäßig
sūkṣmacchāyātapopamam
vergleichbar mit feinem Schatten [und] Sonnenlicht
anāgatamatikrāntaṃ vicchinnaṃ viṣamāhatam
nicht angekommen, überschossen, unterbrochen, ungleichmäßig geschlagen [ist]

tanvantamasthitāntaṃ ca varjayetkarṣaṇaṃ budhaḥ / svaraḥ sthānāccyuto yastu svaṃ sthānamativartate

gedehnt, oder unstet endend ist, [solche Fehler] vermeide der Weise, [ebenso] das Schleifen (Karṣaṇa). Ein Ton, der von [seinem] Ort abgewichen ist, oder der seinen eigenen Ort überschreitet,

Wort für Wort
tanvantamasthitāntaṃ ca
gedehnt, oder unstet endend
varjayetkarṣaṇaṃ budhaḥ
vermeide der Weise, [und] das Schleifen
svaraḥ sthānāccyuto yastu
ein Ton, der von seinem Ort abgewichen ist
svaṃ sthānamativartate
der seinen eigenen Ort überschreitet

vistaraṃ sāmagā brūyurviraktamiti vīṇinaḥ / abhyāsārthe drutāṃ vṛttiṃ prayogārthe tu madhyamām

[diesen] Fehler nennen die Sāma-Sänger 'Vistara' (Weitschweifigkeit), die Vīṇā-Spieler 'Virakta' (Entfremdetes). Zum Zweck der Übung [nutze man] das schnelle Tempo, zum Zweck der [eigentlichen] Ausführung aber das mittlere,

Wort für Wort
vistaraṃ sāmagā brūyuḥ
[diesen Fehler] nennen die Sāma-Sänger 'Vistara'
viraktamiti vīṇinaḥ
'Virakta' [nennen ihn] die Vīṇā-Spieler
abhyāsārthe drutāṃ vṛttiṃ
zum Zweck der Übung das schnelle Tempo
prayogārthe tu madhyamām
zum Zweck der Ausführung aber das mittlere

śiṣyaṇāmupadeśārthaṃ kuryādvṛttiṃ vilaṃbitām / gṛhītagrantha evaṃ tu granthoñcāraṇaśaikṣakān

zum Zweck der Unterweisung der Schüler wende man das langsame Tempo an. So, mit dem erfassten Text, [unterweise man] die im Textvortrag zu Schulenden.

Wort für Wort
śiṣyaṇāmupadeśārthaṃ
zum Zweck der Unterweisung der Schüler
kuryādvṛttiṃ vilaṃbitām
wende man das langsame Tempo an
gṛhītagrantha evaṃ tu
so, mit dem erfassten Text
granthoñcāraṇaśaikṣakān
[unterweise man] die im Textvortrag zu Schulenden

haste nādhyāpayecchiṣyān śaikṣeṇa vidhinā dvijaḥ / kruṣṭasya mūrddhani sthānaṃ lalāṭe prathamasya tu

Der Zweifachgeborene unterrichte die Schüler nicht [nur] mittels der Hand, gemäß der Lehrregel. Der Ort des lauten [Tons] ist am Scheitel, des ersten aber an der Stirn,

Wort für Wort
haste nādhyāpayecchiṣyān
man unterrichte die Schüler nicht [nur] mittels der Hand
śaikṣeṇa vidhinā dvijaḥ
der Zweifachgeborene, gemäß der Lehrregel
kruṣṭasya mūrddhani sthānaṃ
der Ort des lauten [Tons ist] am Scheitel
lalāṭe prathamasya tu
des ersten aber an der Stirn

bhruvormadhya dvitīyasya tṛtīyasya tu karṇayoḥ / kaṇṭhasthānaṃ caturthasya mandrasya rasanocyate

zwischen den Augenbrauen [der Ort] des zweiten, des dritten aber an den beiden Ohren; der Kehlort [gehört] dem vierten, des Tieftons (Mandra) [Ort] wird als Zunge bezeichnet,

Wort für Wort
bhruvormadhya dvitīyasya
zwischen den Augenbrauen [der Ort] des zweiten
tṛtīyasya tu karṇayoḥ
des dritten aber an den beiden Ohren
kaṇṭhasthānaṃ caturthasya
der Kehlort [gehört] dem vierten
mandrasya rasanocyate
des Tieftons [Ort] wird als Zunge bezeichnet

atisvarasya nīcasya hṛdi sthānaṃ vidhīyate / aṅguṣṭasyottame vruṣṭo hyaṅguṣṭaṃ prathamaḥ svaraḥ

für den übermäßig tiefen (Atisvara) [Ton] wird das Herz als Ort bestimmt. [Auf] der Spitze des Daumens [liegt] oben der laute [Ton]; der Daumen [entspricht] fürwahr dem ersten Ton,

Wort für Wort
atisvarasya nīcasya hṛdi sthānaṃ vidhīyate
für den übermäßig tiefen [Ton] wird das Herz als Ort bestimmt
aṅguṣṭasyottame vruṣṭo
an der Spitze des Daumens [liegt] oben der laute [Ton]
hyaṅguṣṭaṃ prathamaḥ svaraḥ
der Daumen [entspricht] fürwahr dem ersten Ton

pradeśinyāṃ tu gāndhāra ṛṣabhastadanantaram / anāmikāyāṃ ṣaṅgastu kaniṣṭāyāṃ tu dhaivataḥ

am Zeigefinger aber Gāndhāra, Ṛṣabha unmittelbar danach; am Ringfinger aber Ṣaḍja, am kleinen Finger aber Dhaivata,

Wort für Wort
pradeśinyāṃ tu gāndhāra
am Zeigefinger aber Gāndhāra
ṛṣabhastadanantaram
Ṛṣabha unmittelbar danach
anāmikāyāṃ ṣaṅgastu
am Ringfinger aber Ṣaḍja
kaniṣṭāyāṃ tu dhaivataḥ
am kleinen Finger aber Dhaivata

tasyādhastāñca yonyāstu niṣādaṃ tatra nirdiśet / aparvatvādamadhyatvā davyayatvāñca nityaśaḥ

und unterhalb davon, an der Basis (Yoni), weise man dort Niṣāda zu - wegen [seiner] Gelenklosigkeit, seiner Nicht-Mittigkeit und seiner Beständigkeit [?], stets.

Wort für Wort
tasyādhastāñca yonyāstu
und unterhalb davon, an der Basis
niṣādaṃ tatra nirdiśet
weise man dort Niṣāda zu
aparvatvādamadhyatvā
wegen [seiner] Gelenklosigkeit, [seiner] Nicht-Mittigkeit
davyayatvāñca nityaśaḥ [?]
und [seiner] Beständigkeit [?], stets (unsichere Lesart)

[?] "davyayatvāñca" ist unklar/vermutlich verderbt (evtl. für "dvayatvāñca" o.ä. "Zweifachheit"); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

mandro hi mandībhūtastu parisvāra iti smṛtaḥ / kruṣṭena devā jīvanti prathamena tu mānuṣāḥ

Der Tiefton (Mandra) fürwahr, noch tiefer geworden, wird als 'Parisvāra' bekannt. Vom lauten [Ton] leben die Götter, vom ersten aber die Menschen,

Wort für Wort
mandro hi mandībhūtastu
der Tiefton fürwahr, noch tiefer geworden
parisvāra iti smṛtaḥ
wird als 'Parisvāra' bekannt
kruṣṭena devā jīvanti
vom lauten [Ton] leben die Götter
prathamena tu mānuṣāḥ
vom ersten aber die Menschen

paśavastu dvitīyena gandharvāpsarasastvanu / andhajāḥ pitaraścaiva caturthasvarajīvinaḥ

die Tiere aber vom zweiten, die Gandharvas und Apsaras' hingegen, die im Dunkel Geborenen und die Ahnen leben vom vierten Ton,

Wort für Wort
paśavastu dvitīyena
die Tiere aber vom zweiten [Ton]
gandharvāpsarasastvanu
die Gandharvas und Apsaras' hingegen
andhajāḥ pitaraścaiva
die im Dunkel Geborenen [?] und die Ahnen
caturthasvarajīvinaḥ
leben vom vierten Ton

[?] "andhajāḥ" ("im Dunkel/blind Geborene") ist als Bezeichnung einer Wesensgruppe unklar; wörtlich wiedergegeben.

mandratvenopajīvanti piśācāsurarākṣasāḥ / atisvareṇa nīcena jagatsthāvarajaṅgamāḥ

vom Tiefton (Mandra) leben die Piśācas, Asuras [und] Rākṣasas; vom übermäßig tiefen Ton [leben] die Welt der Beweglichen und Unbeweglichen.

Wort für Wort
mandratvenopajīvanti
vom Tiefton leben
piśācāsurarākṣasāḥ
die Piśācas, Asuras [und] Rākṣasas
atisvareṇa nīcena
vom übermäßig tiefen Ton
jagatsthāvarajaṅgamāḥ
[lebt] die Welt der Beweglichen und Unbeweglichen

sarvāṇi khalu bhūtāni dhāryante sāmikaiḥ svaraiḥ / dīptāyatākaruṇānāṃ mṛdumadhyamayostathā

Alle Wesen fürwahr werden von den Sāma-Tönen getragen. [Bezüglich] der [Śrutis genannt] 'dīptā' (lodernd), 'āyatā' (gedehnt), 'karuṇā' (klagend), sowie 'mṛdu' (weich) und 'madhyama' (mittel) -

Wort für Wort
sarvāṇi khalu bhūtāni
alle Wesen fürwahr
dhāryante sāmikaiḥ svaraiḥ
werden von den Sāma-Tönen getragen
dīptāyatākaruṇānāṃ mṛdumadhyamayostathā
der [Śrutis] 'dīptā', 'āyatā', 'karuṇā', sowie 'mṛdu' und 'madhyama'

śrutīnāṃ yo viśeṣajño na sa ācārya ucyate / dīptā mandre dvitīya ca pracaturthe tathaiva ca

wer die besondere Unterscheidung der Śrutis nicht kennt, der wird nicht als Lehrer (Ācārya) bezeichnet. 'Dīptā' [ist] im Tiefton, und im zweiten, und ebenso im vierten,

Wort für Wort
śrutīnāṃ yo viśeṣajño
wer die besondere Unterscheidung der Śrutis kennt
na sa ācārya ucyate
wer sie nicht kennt, wird nicht als Lehrer bezeichnet
dīptā mandre dvitīya ca pracaturthe tathaiva ca
'Dīptā' [ist] im Tiefton, im zweiten, und ebenso im vierten

atisvare tṛtīye ca kruṣṭe tu karuṇā śrutiḥ / śrutayo yā dvitīyasya mṛdumadhyāyatāḥ smṛtāḥ

im übermäßig tiefen und im dritten [Ton], im lauten (Kruṣṭa) [Ton] aber die 'Karuṇā'-Śruti. Die Śrutis des zweiten [Tons] gelten als 'mṛdu', 'madhyā' [und] 'āyatā'.

Wort für Wort
atisvare tṛtīye ca
im übermäßig tiefen und im dritten [Ton]
kruṣṭe tu karuṇā śrutiḥ
im lauten [Ton] aber die 'Karuṇā'-Śruti
śrutayo yā dvitīyasya mṛdumadhyāyatāḥ smṛtāḥ
die Śrutis des zweiten [Tons] gelten als 'mṛdu', 'madhyā' [und] 'āyatā'

tāsāmapi tu vakṣyāmi lakṣaṇāni pṛthak pṛthak / āyatātvaṃ bhavennīce mṛdutā tu viparyaye

Auch von diesen werde ich die Merkmale einzeln verkünden: Die Eigenschaft von 'Āyatā' tritt im tiefen [Ton] auf; 'Mṛdutā' (Weichheit) aber im Gegenteil [d.h. im hohen],

Wort für Wort
tāsāmapi tu vakṣyāmi lakṣaṇāni pṛthak pṛthak
auch von diesen werde ich die Merkmale einzeln verkünden
āyatātvaṃ bhavennīce
die Eigenschaft von 'Āyatā' tritt im tiefen [Ton] auf
mṛdutā tu viparyaye
'Mṛdutā' aber im Gegenteil

sve svare madhyamātvaṃ tu tatsamīkṣya prayojayet / dvitīye viratā yā tu kruṣṭaśca parato bhavet

im eigenen [natürlich mittleren] Ton aber [tritt] 'Madhyamatva' (Mittigkeit) [auf] - dies erwäge man und wende es an. Das, was im zweiten [Ton] innegehalten hat (Viratā), und danach der laute [Ton] würde [folgen] -

Wort für Wort
sve svare madhyamātvaṃ tu
im eigenen [mittleren] Ton aber [tritt] Mittigkeit [auf]
tatsamīkṣya prayojayet
dies erwäge man und wende es an
dvitīye viratā yā tu
das, was im zweiten [Ton] innegehalten hat
kruṣṭaśca parato bhavet
und danach der laute [Ton] folgen würde

dīptāṃ tāṃ tu vijānīyātprāthamyena mṛduḥ smṛtaḥ / atraiva viratā yā tu caturthena pravartate

das erkenne man als 'Dīptā'; durch das Erstsein wird [es] als 'Mṛdu' bekannt. Ebenda [im zweiten Ton], das, was innegehalten hat, aber durch den vierten [Ton] fortschreitet -

Wort für Wort
dīptāṃ tāṃ tu vijānīyāt
das erkenne man als 'Dīptā'
prāthamyena mṛduḥ smṛtaḥ
durch das Erstsein wird [es] als 'Mṛdu' bekannt
atraiva viratā yā tu
ebenda, das, was innegehalten hat
caturthena pravartate
aber durch den vierten [Ton] fortschreitet

tathā mandre bhaveddīptā sāmnaścaiva samāpane / nātitāraśrutiṃ kuryātsvarayornāpi cāntare

ebenso wäre es 'Dīptā', wenn im Tiefton, und auch am Schluss des Sāman. Man mache keine übermäßig hohe Śruti, auch nicht [eine solche] zwischen zwei Tönen,

Wort für Wort
tathā mandre bhaveddīptā
ebenso wäre es 'Dīptā', wenn im Tiefton
sāmnaścaiva samāpane
und auch am Schluss des Sāman
nātitāraśrutiṃ kuryāt
man mache keine übermäßig hohe Śruti
svarayornāpi cāntare
auch nicht [eine solche] zwischen zwei Tönen

taṃ ca hrasve ca dīrghe ca na cāpi ghuṭisajñake / dvividhā gatiḥ padāntasthitasaṃdhiḥ sahoṣmabhiḥ

und weder im kurzen noch im langen, noch auch im sogenannten 'Ghuṭi'. Zweifach ist der Verlauf: die am Wortende befindliche Fuge, zusammen mit den Zischlauten (Ūṣman).

Wort für Wort
taṃ ca hrasve ca dīrghe ca
und [nicht] im kurzen und im langen
na cāpi ghuṭisajñake
und auch nicht im sogenannten 'Ghuṭi'
dvividhā gatiḥ
zweifach ist der Verlauf
padāntasthitasaṃdhiḥ sahoṣmabhiḥ
die am Wortende befindliche Fuge, zusammen mit den Zischlauten

sthāneṣu pañcasveteṣu vijñeya ghuṭisaṃjñakam / svarāntarāviratāni hrasvadīrghaghuṭāni ca

An diesen fünf Stellen soll das sogenannte 'Ghuṭi' erkannt werden: die ununterbrochenen Zwischentöne, und die kurzen, langen [und] Ghuṭa-Laute,

Wort für Wort
sthāneṣu pañcasveteṣu vijñeya ghuṭisaṃjñakam
an diesen fünf Stellen soll das sogenannte 'Ghuṭi' erkannt werden
svarāntarāviratāni
die ununterbrochenen Zwischentöne
hrasvadīrghaghuṭāni ca
und die kurzen, langen [und] Ghuṭa-Laute

sthitisthāneṣvaśeṣāṇi śrutivatsvarato vadet / dīptāmudātte jānīyāddīptāṃ ca svarite viduḥ

an ihren festgelegten Orten, vollständig, spreche man gemäß dem Ton, wie es für die Śruti [vorgeschrieben ist]. 'Dīptā' erkenne man im Udātta [Hochton], und 'Dīptā' kennt man auch im Svarita,

Wort für Wort
sthitisthāneṣvaśeṣāṇi
an ihren festgelegten Orten, vollständig
śrutivatsvarato vadet
spreche man gemäß dem Ton, wie es für die Śruti [gilt]
dīptāmudātte jānīyāt
'Dīptā' erkenne man im Udātta
dīptāṃ ca svarite viduḥ
und 'Dīptā' kennt man auch im Svarita

anudātte mṛdurjñeyā gandharvāḥ śrutisaṃpade / udāttaścānudāttaśca svaritapracite tathā

im Anudātta [Tiefton] soll 'Mṛdu' erkannt werden - die Gandharvas [erfreuen sich] am Reichtum der Śruti. Udātta und Anudātta, und ebenso Svarita [und] 'Pracita' (angehäuft) -

Wort für Wort
anudātte mṛdurjñeyā
im Anudātta soll 'Mṛdu' erkannt werden
gandharvāḥ śrutisaṃpade
die Gandharvas [erfreuen sich] am Reichtum der Śruti
udāttaścānudāttaśca svaritapracite tathā
Udātta und Anudātta, und ebenso Svarita [und] Pracita

nighātaśceti vijñeyaḥ svarabhedaśca pañcadhā / ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi ācikasya svaratrayam

und 'Nighāta' (der Niederfall) - so ist der Unterschied des Tones als fünffach zu erkennen. Von hier an werde ich das dreifache [Ton-System] des Ārcika[-Gesangs] verkünden.

Wort für Wort
nighātaśceti vijñeyaḥ
und 'Nighāta' - so ist [es] zu erkennen
svarabhedaśca pañcadhā
der Unterschied des Tones als fünffach
ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi
von hier an werde ich verkünden
ācikasya svaratrayam
das dreifache [Ton-System] des Ārcika[-Gesangs]

udāttaścānudāttaśca tṛtīyaḥ svaritaḥ svaraḥ / ya evodātta ityuktaḥ sa eva svaritātparaḥ

Udātta (Hochton) und Anudātta (Tiefton), und als dritter Ton der Svarita. Das, was eben als 'Udātta' bezeichnet wird, das eben ist es, was auf den Svarita folgt.

Wort für Wort
udāttaścānudāttaśca
Udātta und Anudātta
tṛtīyaḥ svaritaḥ svaraḥ
als dritter Ton der Svarita
ya evodātta ityuktaḥ
das, was eben als 'Udātta' bezeichnet wird
sa eva svaritātparaḥ
das eben ist es, was auf den Svarita folgt

pracayaḥ procyate tajjñairna cātrānyatsvarāntaram / varṇasvaro 'tītasvaraḥ svarito dvividhaḥ smṛtaḥ

'Pracaya' (Anhäufung) wird [dies] von den Kennern genannt, und es gibt hierin keinen weiteren Tonunterschied. Der 'Varṇasvara' (dem Laut inhärente Ton) [und] der 'Atītasvara' (der vergangene Ton) - der Svarita gilt als zweifach.

Wort für Wort
pracayaḥ procyate tajjñaiḥ
'Pracaya' wird [dies] von den Kennern genannt
na cātrānyatsvarāntaram
und es gibt hierin keinen weiteren Tonunterschied
varṇasvaro 'tītasvaraḥ
der 'Varṇasvara' [und] der 'Atītasvara'
svarito dvividhaḥ smṛtaḥ
der Svarita gilt als zweifach

mātriko varṇa evaṃ tu dīrghastūñcaritādanu / sa tu saptavidho jñeyaḥ svaraḥ pratyayadarśanāt

So ist der [Svarita] des kurzen Lautes von einer Mātrā, der lange aber [entsteht] nach dem Aussprechen [des Wortes]. Jener Ton aber ist als siebenfach zu erkennen, aus der Betrachtung der [jeweiligen] Ursache (Pratyaya).

Wort für Wort
mātriko varṇa evaṃ tu
so ist der [Svarita] des kurzen Lautes von einer Mātrā
dīrghastūñcaritādanu
der lange aber nach dem Aussprechen
sa tu saptavidho jñeyaḥ svaraḥ pratyayadarśanāt
jener Ton aber ist als siebenfach zu erkennen, aus der Betrachtung der Ursache

padena tu sa vijñeyo bhavedyo yatra yādṛśaḥ / saptasvarānprayuñjīta dakṣiṇaṃ śravaṇaṃ prati

Am Wort aber ist er zu erkennen, welcher [Ton] er auch sei, wo auch immer, von welcher Art auch immer. Man wende die sieben Töne im Hinblick auf das rechte Ohr an.

Wort für Wort
padena tu sa vijñeyo
am Wort aber ist er zu erkennen
bhavedyo yatra yādṛśaḥ
welcher [Ton] er auch sei, wo auch immer, von welcher Art
saptasvarānprayuñjīta dakṣiṇaṃ śravaṇaṃ prati
man wende die sieben Töne im Hinblick auf das rechte Ohr an

ācāryairvihitaṃ śāstraṃ putraśiṣyahitaiṣibhiḥ / uccāduñcataraṃ nāsti nīcānnīcataraṃ tathā

Die von den Lehrern, die das Wohl von Söhnen [und] Schülern erstreben, festgelegte Lehre [lautet]: Es gibt kein Höheres als das Hohe, ebenso kein Tieferes als das Tiefe.

Wort für Wort
ācāryairvihitaṃ śāstraṃ
die von den Lehrern festgelegte Lehre
putraśiṣyahitaiṣibhiḥ
die das Wohl von Söhnen [und] Schülern erstreben
uccāduñcataraṃ nāsti
es gibt kein Höheres als das Hohe
nīcānnīcataraṃ tathā
ebenso kein Tieferes als das Tiefe

vaisvaryasvārasaṃjñāyāṃ kiṃsthānaḥ svāra ucyate / uccanīcasya yanmadhye sādhāraṇamiti śrutiḥ

In der Bezeichnung von 'Vaisvarya' (Mißklang) und 'Svāra' - was ist der Ort/Status, der 'Svāra' genannt wird? Das, was zwischen Hoch und Tief liegt, [das ist] die 'gemeinsame' (Sādhāraṇa) Śruti.

Wort für Wort
vaisvaryasvārasaṃjñāyāṃ
in der Bezeichnung von 'Vaisvarya' und 'Svāra'
kiṃsthānaḥ svāra ucyate
was ist der Ort, der 'Svāra' genannt wird?
uccanīcasya yanmadhye
das, was zwischen Hoch und Tief liegt
sādhāraṇamiti śrutiḥ
[das ist] die 'gemeinsame' Śruti

taṃ svāraṃ svārasaṃjñāyāṃ pratijānanti śaikṣikāḥ / udātte niṣādagāndhārāvanudātteṃ ṛṣabhadhaivato

Jenen 'Svāra' erkennen die Lernenden unter der Bezeichnung 'Svāra' an. Im Udātta [sind] Niṣāda und Gāndhāra, im Anudātta Ṛṣabha und Dhaivata,

Wort für Wort
taṃ svāraṃ svārasaṃjñāyāṃ
jenen 'Svāra' unter der Bezeichnung 'Svāra'
pratijānanti śaikṣikāḥ
erkennen die Lernenden an
udātte niṣādagāndhārāvanudātteṃ ṛṣabhadhaivato
im Udātta [sind] Niṣāda und Gāndhāra, im Anudātta Ṛṣabha und Dhaivata

svaritaprabhavā hyete ṣaṅjamadhyamapañcamāḥ / yatra kakhaparā ūṣmā jihvāmūlaprayojanāḥ

und Ṣaḍja, Madhyama [und] Pañcama fürwahr entstehen aus dem Svarita. Wo die Zischlaute (Ūṣman), gefolgt von 'ka' [oder] 'kha', [stehen], [sind sie] an der Zungenwurzel gebildet,

Wort für Wort
svaritaprabhavā hyete ṣaṅjamadhyamapañcamāḥ
und Ṣaḍja, Madhyama [und] Pañcama fürwahr entstehen aus dem Svarita
yatra kakhaparā ūṣmā
wo die Zischlaute, gefolgt von 'ka' [oder] 'kha'
jihvāmūlaprayojanāḥ
an der Zungenwurzel gebildet

tānapyājñāpayenmātrāprakṛtyaiva tu sā kalā / jātyaḥ kṣaipro 'bhinihita stairavyañjana eva ca

auch diese bestimme man nach Mātrā; jener Anteil (Kalā) aber [gehört] zur [jeweils] eigenen Natur. [Die sieben Svarita-Arten sind:] 'Jātya' (angeboren), 'Kṣaipra' (rasch), 'Abhinihita' (eingefügt), 'Tairovyañjana' (durch-Konsonant-getrennt),

Wort für Wort
tānapyājñāpayenmātrā
auch diese bestimme man nach Mātrā
prakṛtyaiva tu sā kalā
jener Anteil aber [gehört] zur eigenen Natur
jātyaḥ kṣaipro 'bhinihita
'Jātya', 'Kṣaipra', 'Abhinihita'
stairavyañjana eva ca
und 'Tairovyañjana' eben

tirovirāmaḥ praśliṣṭo 'pādavṛttaśca saptamaḥ / svarāṇāmahameteṣāṃ pṛthagvakṣyāmi lakṣaṇam

'Tirovirāma' (durch-Pause-getrennt), 'Praśliṣṭa' (verschmolzen) und als siebter 'Pādavṛtta' (am Versfuß-Ende). Von diesen Tönen werde ich einzeln das Merkmal verkünden,

Wort für Wort
tirovirāmaḥ praśliṣṭo 'pādavṛttaśca saptamaḥ
'Tirovirāma', 'Praśliṣṭa' und als siebter 'Pādavṛtta'
svarāṇāmahameteṣāṃ pṛthagvakṣyāmi lakṣaṇam
von diesen Tönen werde ich einzeln das Merkmal verkünden

uddiṣṭānāṃ tathā nyāyamudāharaṇameva ca / sapakāraṃ savaṃ vāpi hyakṣaraṃ svaritaṃ bhavet

ebenso die Regel und ein Beispiel für die Genannten. Eine Silbe, versehen mit einem 'p'-Laut oder auch mit einem 's'-Laut, wird fürwahr zum Svarita.

Wort für Wort
uddiṣṭānāṃ tathā nyāyam
die Regel für die Genannten
udāharaṇameva ca
und ebenso ein Beispiel
sapakāraṃ savaṃ vāpi hyakṣaraṃ svaritaṃ bhavet
eine Silbe, mit einem 'p'-Laut oder auch mit einem 's'-Laut, wird fürwahr zum Svarita

na codāttaṃ puro yasya jātyaḥ svāraḥ sa ucyate / iuvarṇo yadodāttāvāpadyete pavau kvacit

Das, wovor kein Udātta [steht], wird 'Jātya-Svāra' (natürlicher Ton) genannt. Wenn der 'i'- und der 'u'-Laut zum Udātta werden, [treten sie] manchmal, [gefolgt] von 'p' [oder] 'v', [auf] -

Wort für Wort
na codāttaṃ puro yasya
das, wovor kein Udātta [steht]
jātyaḥ svāraḥ sa ucyate
wird 'Jātya-Svāra' genannt
iuvarṇo yadodāttāvāpadyete pavau kvacit
wenn der 'i'- und der 'u'-Laut zum Udātta werden, manchmal [gefolgt] von 'p' [oder] 'v'

anudāttaṃ pratyaye tu vidyātkṣaiprasya lakṣaṇam / eo ābhyāmudāttābhyāmakāro nihitaśca yaḥ

im Anudātta [stehend] jedoch, im nachfolgenden [Laut], erkenne man das Merkmal von 'Kṣaipra'. [Wenn] 'e' [oder] 'o', beide Udātta, und der 'a'-Laut, der danach eingefügt ist -

Wort für Wort
anudāttaṃ pratyaye tu vidyātkṣaiprasya lakṣaṇam
im Anudātta jedoch, im nachfolgenden [Laut], erkenne man das Merkmal von 'Kṣaipra'
eo ābhyāmudāttābhyāmakāro nihitaśca yaḥ
[wenn] 'e' [oder] 'o', beide Udātta, und der eingefügte 'a'-Laut -

akāro yatra luṃpati tamabhinihitaṃ viduḥ / udāttapūrve yatkiñcicchandasi svaritaṃ bhavet

wo der 'a'-Laut getilgt wird, das nennt man 'Abhinihita'. Was auch immer, von Udātta vorangegangen, im Versmaß zum Svarita wird -

Wort für Wort
akāro yatra luṃpati
wo der 'a'-Laut getilgt wird
tamabhinihitaṃ viduḥ
das nennt man 'Abhinihita'
udāttapūrve yatkiñcicchandasi svaritaṃ bhavet
was auch immer, von Udātta vorangegangen, im Versmaß zum Svarita wird

eṣa sarvabahusvārastairavyañjana ucyate / avagrahātparaṃ yatra svaritaṃ syādanantaram

dieser, ganz reich an Ton, wird 'Tairovyañjana' genannt. Wo unmittelbar nach dem Avagraha (Elisionszeichen) sogleich der Svarita [folgt] -

Wort für Wort
eṣa sarvabahusvāraḥ
dieser, ganz reich an Ton
tairavyañjana ucyate
wird 'Tairovyañjana' genannt
avagrahātparaṃ yatra svaritaṃ syādanantaram
wo unmittelbar nach dem Avagraha sogleich der Svarita [folgt]

tirovirāmaṃ taṃ vidyādudātto yadyavagrahaḥ / ikāraṃ yatra paśyeyurikāreṇaiva saṃyutam

das erkenne man als 'Tirovirāma', wenn [der Laut vor] dem Avagraha Udātta ist. Wo man einen 'i'-Laut sieht, mit [einem weiteren] 'i'-Laut verbunden -

Wort für Wort
tirovirāmaṃ taṃ vidyāt
das erkenne man als 'Tirovirāma'
udātto yadyavagrahaḥ
wenn [der Laut vor] dem Avagraha Udātta ist
ikāraṃ yatra paśyeyurikāreṇaiva saṃyutam
wo man einen 'i'-Laut sieht, mit [einem weiteren] 'i'-Laut verbunden

udāttamanudāttena praśliṣṭaṃ taṃ vicāraya / svare cetsvaritaṃ yatra vivṛtā yatra saṃhitā

[nämlich] Udātta mit Anudātta - betrachte dies als 'Praśliṣṭa'. Wenn im [betreffenden] Ton Svarita [vorliegt], sei es offen (Vivṛtā) oder in engem Zusammenhang (Saṃhitā) -

Wort für Wort
udāttamanudāttena praśliṣṭaṃ taṃ vicāraya
[nämlich] Udātta mit Anudātta - betrachte dies als 'Praśliṣṭa'
svare cetsvaritaṃ yatra vivṛtā yatra saṃhitā
wenn im Ton Svarita [vorliegt], sei es offen oder in engem Zusammenhang

etatpādāntavṛttasya lakṣaṇaṃ śāstranoditam / tānyaḥ svāraḥ sa jātyena śrutyagre kṣaipra ucyate

dies ist das von der Lehrschrift verkündete Merkmal des 'Pādāntavṛtta' (am Versfuß-Ende). Jener Ton, der von Natur aus am Vorderrand der Śruti [steht], wird 'Kṣaipra' genannt,

Wort für Wort
etatpādāntavṛttasya lakṣaṇaṃ śāstranoditam
dies ist das von der Lehrschrift verkündete Merkmal des 'Pādāntavṛtta'
tānyaḥ svāraḥ sa jātyena śrutyagre kṣaipra ucyate
jener Ton, der von Natur aus am Vorderrand der Śruti [steht], wird 'Kṣaipra' genannt

te manvatābhinitastairavyañjana ūtaye / tirovirāmo viṣkaṣite praśliṣṭo hīīgovarṇaḥ

[wie in] 'te manvata'; 'abhini-' [ist ein Beispiel für] 'Tairovyañjana' [in] 'ūtaye'; 'Tirovirāma' [erscheint in] 'viṣkaṣite'; 'Praśliṣṭa' fürwahr [ist] der 'ī-ī-go'-Laut [Beispiel]. [?]

Wort für Wort
te manvatābhinitastairavyañjana ūtaye [?]
[Beispiel:] 'te manvata'; 'abhini-' [ist] 'Tairovyañjana' [in] 'ūtaye' [?]
tirovirāmo viṣkaṣite
'Tirovirāma' [erscheint] in 'viṣkaṣite'
praśliṣṭo hīīgovarṇaḥ
'Praśliṣṭa' fürwahr [ist] der 'ī-ī-go'-Laut

[?] Dieser Vers besteht aus stark verkürzten, offenbar mnemotechnischen Textbeispielen zu den Svarita-Typen; die genaue Wortform ist unsicher, ggf. korrupt überliefert.

pādavṛttaḥ kandavidesvarāḥ saptaivamādayaḥ / uñcādekākṣarātpūrvātsvaraṃ yadyadihākṣaram

'Pādavṛtta' [erscheint in] 'kaṇḍavide' - so sind dies die sieben Töne und dergleichen mehr. Von der einen Silbe vor dem [wortschließenden erhöhten Laut] an, welche Silbe an Ton auch immer hier [erscheint] -

Wort für Wort
pādavṛttaḥ kandavidesvarāḥ [?]
'Pādavṛtta' [erscheint in] 'kaṇḍavide' [?] (unsichere Lesart)
saptaivamādayaḥ
so sind dies die sieben und dergleichen mehr
uñcādekākṣarātpūrvātsvaraṃ yadyadihākṣaram
von der einen Silbe [vor dem hohen Laut] an, welche Silbe an Ton auch immer hier [erscheint]

[?] "kandavidesvarāḥ" als Beispielwort unsicher gedeutet.

svārāṇāṃ jātyavarjānāmeṣā prakṛtirucyate / catvārastvāditaḥ svārāḥ kaṃṣaṃpuṃśphutiśāstrataḥ

dies wird als die [Grund-]Natur der Svāras, mit Ausnahme des 'Jātya', bezeichnet. Es gibt aber vier Svāras von Anfang an, gemäß der Lehrschrift von Kaṃsa, Puṃs [und] Sphuṭi. [?]

Wort für Wort
svārāṇāṃ jātyavarjānāmeṣā prakṛtirucyate
dies wird als die Natur der Svāras, mit Ausnahme des 'Jātya', bezeichnet
catvārastvāditaḥ svārāḥ
es gibt aber vier Svāras von Anfang an
kaṃṣaṃpuṃśphutiśāstrataḥ [?]
gemäß der Lehrschrift von Kaṃsa, Puṃs [und] Sphuṭi [?] (unsichere Lesart)

[?] Die Namen "kaṃṣaṃpuṃśphutiśāstrataḥ" sind unklar (vermutlich Eigennamen von Lehrschulen/Autoritäten); wörtlich übernommen.

udātte caikanīce vā juhvo 'gnistannidarśanam / ikārānte pade pūrva ukāre parataḥ sthite

im Udātta, und ebenso in einem Tiefen: 'juhvo 'gniḥ' ist das Beispiel dafür. [Wenn] am Ende eines Wortes, das auf 'i' endet, [ein Wort] mit vorangehendem 'u' folgt,

Wort für Wort
udātte caikanīce vā
im Udātta, und ebenso in einem Tiefen
juhvo 'gnistannidarśanam
'juhvo 'gniḥ' ist das Beispiel dafür
ikārānte pade pūrva ukāre parataḥ sthite
[wenn] am Ende eines auf 'i' endenden Wortes, mit nachfolgendem 'u'

hrasvaṃ kaṃpaṃ vijānīyānmedhāvī nātra saṃśayaḥ / ikārānte pade caivokāradvayaṃ pare pade

soll der Kundige den kurzen 'Kampa' (Zittertön) erkennen - kein Zweifel hierbei. [Wenn] am Ende eines auf 'i' endenden Wortes, und im folgenden Wort ein doppeltes 'u' [steht],

Wort für Wort
hrasvaṃ kaṃpaṃ vijānīyānmedhāvī nātra saṃśayaḥ
soll der Kundige den kurzen 'Kampa' erkennen - kein Zweifel hierbei
ikārānte pade caivokāradvayaṃ pare pade
[wenn] am Ende eines auf 'i' endenden Wortes, und im folgenden Wort ein doppeltes 'u'

dīrghaṃ kaṃpaṃ vijānīyācchāgdhūṣviti nidarśanam / trayo dīrghāstu vijñeyā ye ca saṃdhyakṣareṣu vai

soll man den langen 'Kampa' erkennen; 'śāgdhūṣu' ist das Beispiel. Drei lange [Formen] aber sind zu erkennen, welche bei den Diphthong-Silben (Saṃdhyakṣara) [auftreten],

Wort für Wort
dīrghaṃ kaṃpaṃ vijānīyācchāgdhūṣviti nidarśanam
soll man den langen 'Kampa' erkennen; 'śāgdhūṣu' ist das Beispiel
trayo dīrghāstu vijñeyā ye ca saṃdhyakṣareṣu vai
drei lange [Formen] aber sind zu erkennen, welche bei den Diphthong-Silben [auftreten]

manyā yathā na indrābhyāṃ śeṣā hrasvāḥ prakīrtitāḥ / anekānāmudāttānāmanudāttaḥ pratyayo yadi

wie in 'manyā', [und in] 'na indrābhyām'; die übrigen werden als kurz bezeichnet. Wenn von vielen Udātta[-Silben] die nachfolgende Anudātta ist,

Wort für Wort
manyā yathā na indrābhyāṃ
wie in 'manyā', [und in] 'na indrābhyām'
śeṣā hrasvāḥ prakīrtitāḥ
die übrigen werden als kurz bezeichnet
anekānāmudāttānāmanudāttaḥ pratyayo yadi
wenn von vielen Udātta[-Silben] die nachfolgende Anudātta ist

śivakaṃpaṃ vijānīyādudāttaḥ pratyayo yadi / yatra dviprabhṛtīni syurudāttānyakṣarāṇi tu

soll man [dies als] 'Śiva-Kampa' erkennen, wenn die nachfolgende Udātta ist. Wo es zwei oder mehr Udātta-Silben in Folge gäbe -

Wort für Wort
śivakaṃpaṃ vijānīyādudāttaḥ pratyayo yadi
soll man 'Śiva-Kampa' erkennen, wenn die nachfolgende Udātta ist
yatra dviprabhṛtīni syurudāttānyakṣarāṇi tu
wo es zwei oder mehr Udātta-Silben in Folge gäbe

nīcaṃ voñcaṃ ca paratastatrodāttaṃ vidurbudhāḥ / na rephe vā hakāre vā dvirbhāvo jāyate kvacit

ob tief oder hoch danach folgt, dort erkennen die Weisen [es dennoch] als Udātta. Niemals entsteht eine Verdopplung bei 'r' oder bei 'h',

Wort für Wort
nīcaṃ voñcaṃ ca paratastatrodāttaṃ vidurbudhāḥ
ob tief oder hoch danach folgt, dort erkennen die Weisen [es] als Udātta
na rephe vā hakāre vā dvirbhāvo jāyate kvacit
niemals entsteht eine Verdopplung bei 'r' oder bei 'h'

na ca vargadvitīyeṣu na caturthe kadācana / caturthaṃ tu tṛtīyena dvitīyaḥ prathamena tu

und auch nicht bei den zweiten [Konsonanten] der [Verschlusslaut-]Klassen, niemals beim vierten. Der vierte aber [verdoppelt sich] mit dem dritten, der zweite aber mit dem ersten,

Wort für Wort
na ca vargadvitīyeṣu na caturthe kadācana
und auch nicht bei den zweiten [Konsonanten] der Klassen, niemals beim vierten
caturthaṃ tu tṛtīyena dvitīyaḥ prathamena tu
der vierte aber mit dem dritten, der zweite aber mit dem ersten

ādyamantyaṃ ca madhyaṃ ca svārākṣareṇa pīḍayet / anantyaśca bhavetpūrvo hyantaśca parato yadi

den ersten, den letzten und den mittleren dränge man mit der akzentuierten Silbe. Und wenn das Vorangehende nicht am Ende [des Wortes] wäre, und das Letzte fürwahr danach folgte -

Wort für Wort
ādyamantyaṃ ca madhyaṃ ca svārākṣareṇa pīḍayet
den ersten, den letzten und den mittleren dränge man mit der akzentuierten Silbe
anantyaśca bhavetpūrvo hyantaśca parato yadi
und wenn das Vorangehende nicht am Ende wäre, und das Letzte fürwahr danach folgte

tatra madhye yamastiṣṭhetsvavarṇaḥ pūrvavaṇayoḥ / vargāntyān śaṣasaiḥ sārddhamantasthairvāpi saṃyutān

dort in der Mitte steht der 'Yama' (Doppellaut), vom gleichen Laut wie die vorangehenden Laute. Die Klassenendlaute (Nasale), zusammen mit ś/ṣ/s oder auch mit den Halbvokalen verbunden,

Wort für Wort
tatra madhye yamastiṣṭhet svavarṇaḥ pūrvavaṇayoḥ
dort in der Mitte steht der 'Yama', vom gleichen Laut wie die vorangehenden Laute
vargāntyān śaṣasaiḥ sārddhamantasthairvāpi saṃyutān
die Klassenendlaute, zusammen mit ś/ṣ/s oder auch mit den Halbvokalen verbunden

dṛṣṭvā yamā nivartante adeśikamivādhvagāḥ / tṛtīyaśca caturthaśca caturthādiparaṃ padam

kehren die 'Yamas' um, wenn sie [dies] sehen, wie Wanderer [umkehren, wenn sie sehen, dass sie] keinen Wegkundigen [haben]. Der dritte und der vierte, [und] ein mit dem vierten beginnendes Wort danach -

Wort für Wort
dṛṣṭvā yamā nivartante
kehren die 'Yamas' um, wenn sie [dies] sehen
adeśikamivādhvagāḥ
wie Wanderer [umkehren], die keinen Wegkundigen [haben]
tṛtīyaśca caturthaśca caturthādiparaṃ padam
der dritte und der vierte, [und] ein mit dem vierten beginnendes Wort danach

dvau tṛtīyau hakāraśca hakārādiparaṃ padam / anusvāropadhāmūlā tān kvacitkramataḥ param

zwei Dritte, und 'h', [und] ein mit 'h' beginnendes Wort danach - der Anusvāra, an der Wurzel vorangehend, [tritt] diesen manchmal der Reihe nach folgend [auf], [danach]

Wort für Wort
dvau tṛtīyau hakāraśca hakārādiparaṃ padam
zwei Dritte, und 'h', [und] ein mit 'h' beginnendes Wort danach
anusvāropadhāmūlā tān kvacitkramataḥ param [?]
der Anusvāra, an der Wurzel vorangehend, [tritt] diesen manchmal der Reihe nach folgend [auf] [?]

[?] Der genaue technische Sinn dieser Sandhi-/Verdopplungsregel bleibt im Detail unklar; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

rahapūrvasaṃyute cāpyuttaraṃ kramate 'kṣaram / saṃyogo yatra dṛśyeta rvyañjanaṃ virate pade

und auch bei einem mit 'r' [oder] 'h' vorangehenden Konjunkt schreitet die folgende Silbe [in der Reihenfolge] fort. Wo ein Konjunkt (Lautverbindung) erscheint, [mit] 'r' als [Schluss-]Konsonant, am Wortende bei einer Pause -

Wort für Wort
rahapūrvasaṃyute cāpyuttaraṃ kramate 'kṣaram
und auch bei einem mit 'r' [oder] 'h' vorangehenden Konjunkt schreitet die folgende Silbe fort
saṃyogo yatra dṛśyeta rvyañjanaṃ virate pade
wo ein Konjunkt erscheint, mit 'r' als Konsonant, am Wortende bei einer Pause

pūrvāṅgamāditaḥ kṛtvā parāṅgādau niveśayet / saṃyoge svaritaṃ yatra udvātaḥ pratanaṃ tathā

das erste Element zuerst gesetzt, setze man [es] an den Anfang des zweiten Elements. Wo im Konjunkt Svarita [vorliegt], [entsteht] 'Udvāta' und ebenso 'Pratana', [dabei]

Wort für Wort
pūrvāṅgamāditaḥ kṛtvā parāṅgādau niveśayet
das erste Element zuerst gesetzt, setze man [es] an den Anfang des zweiten Elements
saṃyoge svaritaṃ yatra udvātaḥ pratanaṃ tathā [?]
wo im Konjunkt Svarita [vorliegt], [entsteht] 'Udvāta' und ebenso 'Pratana' [?]

[?] "udvātaḥ pratanaṃ" sind technische Fachbegriffe unsicherer genauer Bedeutung; wörtlich übernommen.

pūrvāṅgaṃ tadvijānīyādyenāraṃbhaḥ paraṃ hi tat / saṃyogāttu vijānīyātparaṃ saṃyoganāyakam

erkenne man jenes als das 'erste Element', durch welches der Anfang [gemacht wird]; das andere fürwahr [ist] das Folgende. Vom Konjunkt aus aber erkenne man das folgende [Element] als das 'führende [Element] des Konjunkts',

Wort für Wort
pūrvāṅgaṃ tadvijānīyādyenāraṃbhaḥ paraṃ hi tat
erkenne man jenes als das 'erste Element', durch welches der Anfang [gemacht wird]; das andere fürwahr [ist] das Folgende
saṃyogāttu vijānīyātparaṃ saṃyoganāyakam
vom Konjunkt aus aber erkenne man das folgende [Element] als das 'führende [Element] des Konjunkts'

saṃyuktasya tu varṇasya tatparaṃ pūrvamakṣaram / anusvāraḥ padāntaśca kramajaṃ pratyaye svake

und von dem konjugierten Laut ist das vorangehende der frühere Laut. Der Anusvāra, und das, was am Wortende [steht], [ist] der Reihe nach entstanden, [jeweils] in seiner eigenen Endung,

Wort für Wort
saṃyuktasya tu varṇasya tatparaṃ pūrvamakṣaram
und von dem konjugierten Laut ist das vorangehende der frühere Laut
anusvāraḥ padāntaśca kramajaṃ pratyaye svake
der Anusvāra, und das, was am Wortende [steht], [ist] der Reihe nach entstanden, in seiner eigenen Endung

svarabhaktistathārephaḥ pūrvapūrvāṅgamucyate / pādādau cāpādādau saṃyogāvagraheṣu ca

ebenso Svarabhakti (Vokal-Gleitlaut) und 'r' werden [jeweils] als das 'vorangehende Element' bezeichnet. Am Anfang eines Versfußes und nicht am Anfang eines Versfußes, sowie bei Konjunkten und Elisionen (Avagraha) -

Wort für Wort
svarabhaktistathārephaḥ pūrvapūrvāṅgamucyate
ebenso Svarabhakti und 'r' werden als das 'vorangehende Element' bezeichnet
pādādau cāpādādau saṃyogāvagraheṣu ca
am Anfang eines Versfußes und nicht am Anfang eines Versfußes, sowie bei Konjunkten und Elisionen

yaśabda iti vijñeyo yo 'nyaḥsaya iti smṛtaḥ / pādādāvapyavicchedesaṃyogānte ca tiṣṭatām

das, was 'ya-śabda' genannt wird, ist zu erkennen; das andere gilt als 'sa-ya' bekannt. Am Anfang eines Versfußes, auch ohne Unterbrechung, und für jene, die am Ende eines Konjunkts stehen -

Wort für Wort
yaśabda iti vijñeyo yo 'nyaḥsaya iti smṛtaḥ
das, was 'ya-śabda' genannt wird, ist zu erkennen; das andere gilt als 'sa-ya' bekannt
pādādāvapyavicchedesaṃyogānte ca tiṣṭatām
am Anfang eines Versfußes, auch ohne Unterbrechung, und für jene, die am Ende eines Konjunkts stehen

varjayitvā rahapāṇāmupādeśaḥ pradṛśyate / svasaṃyukto gururjñeyaḥ sānusvārā grimaḥ sphuṭaḥ / aṇuśeṣo hrigo vāpi yugalādiravisphuṭaḥ

mit Ausnahme jener von 'r' und 'h' wird [eine weitere] Anweisung gezeigt: Ein mit sich selbst verbundener [Laut] ist als 'Guru' (schwer) zu erkennen; [der] mit Anusvāra [versehene ist] 'Agrima' (führend), deutlich; der kleinste Rest, sei es 'Hri' oder 'Ga', ist, wenn er anfangs verdoppelt ist, nicht deutlich. [?]

Wort für Wort
varjayitvā rahapāṇāmupādeśaḥ pradṛśyate
mit Ausnahme jener von 'r' und 'h' wird [eine weitere] Anweisung gezeigt
svasaṃyukto gururjñeyaḥ
ein mit sich selbst verbundener [Laut] ist als 'Guru' zu erkennen
sānusvārā grimaḥ sphuṭaḥ
[der] mit Anusvāra [versehene ist] 'Agrima', deutlich
aṇuśeṣo hrigo vāpi yugalādiravisphuṭaḥ [?]
der kleinste Rest, sei es 'Hri' oder 'Ga', ist, wenn anfangs verdoppelt, nicht deutlich [?]

[?] Dieser Vers ist technisch sehr dicht und stellenweise unklar ("aṇuśeṣo hrigo vāpi yugalādiravisphuṭaḥ"); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

yadudāttamudāttaṃ tadyatsvaritaṃ tatpade bhavati / yannīcaṃ nīcameva tadyatpracayasthaṃ tadapi nīcam

Was Udātta [ist, bleibt] Udātta; was Svarita [ist], das entsteht in jenem Wort [selbst]; was tief [ist, bleibt] eben tief; was in 'Pracaya' (Anhäufung) steht, das ist ebenfalls tief.

Wort für Wort
yadudāttamudāttaṃ tadyatsvaritaṃ tatpade bhavati
was Udātta [ist, bleibt] Udātta; was Svarita [ist], das entsteht in jenem Wort
yannīcaṃ nīcameva tadyatpracayasthaṃ tadapi nīcam
was tief [ist, bleibt] eben tief; was in Pracaya steht, ist ebenfalls tief

agniḥ suto mitramidaṃ tathā vayamayāvahāḥ / priyaṃ dūtaṃ ghṛtaṃ cittamatiśabdastu nīcataḥ

'agniḥ', 'sutaḥ', 'mitram', 'idam', ebenso 'vayam', 'ayāvahāḥ', 'priyam', 'dūtam', 'ghṛtam', 'cittam' - aber 'atiśabda' [entsteht] aus dem tiefen [Ton].

Wort für Wort
agniḥ suto mitramidaṃ tathā vayamayāvahāḥ
'agniḥ', 'sutaḥ', 'mitram', 'idam', ebenso 'vayam', 'ayāvahāḥ'
priyaṃ dūtaṃ ghṛtaṃ cittam
'priyam', 'dūtam', 'ghṛtam', 'cittam'
atiśabdastu nīcataḥ
aber 'atiśabda' [entsteht] aus dem tiefen [Ton]

akveṣveva suteṣveva yajñeṣu kalaśeṣu ca / śateṣu sapavitreṣu nīcāduñcāryate śrutiḥ

In 'akveṣu' fürwahr, in 'suteṣu' fürwahr, in 'yajñeṣu' und in 'kalaśeṣu', in 'śateṣu', [und] in 'sapavitreṣu' wird die Śruti [ansteigend] vom Tiefen her ausgesprochen.

Wort für Wort
akveṣveva suteṣveva yajñeṣu kalaśeṣu ca
in 'akveṣu' fürwahr, in 'suteṣu' fürwahr, in 'yajñeṣu' und in 'kalaśeṣu'
śateṣu sapavitreṣu
in 'śateṣu', [und] in 'sapavitreṣu'
nīcāduñcāryate śrutiḥ
wird die Śruti [ansteigend] vom Tiefen her ausgesprochen

hārivaruṇavareṇyeṣu dhārāpuruṣeṣu svaratirephaḥ / viśvānaronakāraśca śeṣāstusvaritā narāḥ

In 'hāri', 'varuṇa', 'vareṇya', 'dhārā', 'puruṣa' [herrscht] der akzentuierte 'r'-Laut; und 'viśvānara' [hat] den 'na'-Laut, die übrigen Wörter für 'Männer' (Narāḥ) aber sind Svarita. [?]

Wort für Wort
hārivaruṇavareṇyeṣu dhārāpuruṣeṣu svaratirephaḥ [?]
in 'hāri', 'varuṇa', 'vareṇya', 'dhārā', 'puruṣa' [herrscht] der akzentuierte 'r'-Laut [?]
viśvānaronakāraśca
und 'viśvānara' [hat] den 'na'-Laut
śeṣāstusvaritā narāḥ
die übrigen Wörter für 'Männer' aber sind Svarita

[?] Die genaue phonetische Regel bleibt in Teilen unklar; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

dvau varuṇau vasvarata uduttamantvaṃ varuṇadhāra caurudhārāmurudhāresvadohate / mātrikaṃ vā dvimātraṃ vā svaryate yadihākṣaram / tasyāditor'ddhamātraṃ vai śeṣaṃ tu parato bhavet / adīrghaṃ dīrghavatkuryāddvisvaraṃ yatprayujyate

Es gibt zwei [Formen von] 'varuṇa' ... [Textabschnitt unklar/verderbt] ... Was auch immer für eine Silbe hier, sei sie von einer oder zwei Mātrās, akzentuiert (Svarita) wird - von ihr [gehört] von Anfang an die halbe Mātrā [zum Akzent], der Rest aber fällt in das Folgende. Man mache das Nicht-Lange wie lang, wenn eine zweitönige [Silbe] verwendet wird.

Wort für Wort
dvau varuṇau vasvarata uduttamantvaṃ varuṇadhāra caurudhārāmurudhāresvadohate [?]
es gibt zwei [Formen von] 'varuṇa' ... [Text unklar/verderbt, s. Anm.]
mātrikaṃ vā dvimātraṃ vā svaryate yadihākṣaram
was auch immer für eine Silbe hier, von einer oder zwei Mātrās, akzentuiert wird
tasyāditor'ddhamātraṃ vai śeṣaṃ tu parato bhavet
von ihr [gehört] von Anfang an die halbe Mātrā [zum Akzent], der Rest aber fällt in das Folgende
adīrghaṃ dīrghavatkuryāddvisvaraṃ yatprayujyate
man mache das Nicht-Lange wie lang, wenn eine zweitönige [Silbe] verwendet wird

[?][Anm.: Der erste Teil dieses Verses ("dvau varuṇau vasvarata ... svadohate") ist schwer verständlich und wirkt textlich stark gestört/verderbt (evtl. zwei ursprünglich getrennte Verse zusammengezogen); nur mit größtem Vorbehalt übertragen. Der Schlussteil über die Mātrā-Teilung des Svarita ist demgegenüber klarer und entsprechend übersetzt.]

kaṃpotsvaritābhigītaṃ hrasvakarṣaṇameva ca / nimeṣakālo mātrā syādvidyutkāleti cāpare

'Kampa' (Zittern), 'Utsvarita' (Übertönung), 'Abhigīta' (Übergesungenes), und ebenso 'Hrasvakarṣaṇa' (Kurz-Dehnung) [sind Fachbegriffe]; eine Mātrā wäre die Dauer eines Augenblicks (Lidschlag), oder, nach anderen, die Dauer eines Blitzes.

Wort für Wort
kaṃpotsvaritābhigītaṃ hrasvakarṣaṇameva ca
'Kampa', 'Utsvarita', 'Abhigīta', und ebenso 'Hrasvakarṣaṇa'
nimeṣakālo mātrā syād
eine Mātrā wäre die Dauer eines Lidschlags
vidyutkāleti cāpare
oder, nach anderen, die Dauer eines Blitzes

ṛksvarā tulyayogā vā kaiścidevamudīryate

Die Ṛc-Töne sind gleich[wertig] verbunden - so wird von manchen gesagt.

Wort für Wort
ṛksvarā tulyayogā vā
die Ṛc-Töne sind gleich[wertig] verbunden
kaiścidevamudīryate
so wird von manchen gesagt

[Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzelnen Zeile (halber Vers ohne zweite Pāda-Hälfte).]

samāse 'vagrahaṃ kuryātpadaṃ cātrānusaṃhitam / yetīkṣarādikaraṇaṃ padāntasyeti taṃ viduḥ

Bei einem Kompositum mache man ein Avagraha (Trennzeichen); und das Wort [bleibt] hierbei in der Saṃhitā (fortlaufenden Rezitation) verbunden. Was mit 'ye' [beginnt], [gilt] als Anfangselement - das kennt man als [zugehörig] zum Wortende. [?]

Wort für Wort
samāse 'vagrahaṃ kuryāt
bei einem Kompositum mache man ein Avagraha
padaṃ cātrānusaṃhitam
und das Wort [bleibt] hierbei in der Saṃhitā verbunden
yetīkṣarādikaraṇaṃ padāntasyeti taṃ viduḥ [?]
was mit 'ye' [beginnt, gilt] als Anfangselement - das kennt man als [zugehörig] zum Wortende [?]

[?] Die genaue syntaktische Bedeutung dieser knappen Regel bleibt unklar; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

(sarvatra mitraputrasakhiśabdā ahiśatakratoravagrāhyāḥ / ādityaviprajātavedāśca satpatigopativṛtrahāsamudrāśca / svarayupuvodevayavaścāritaṃ devatātape ) cikitiśca dhacaiva nāvagṛhṇanti paṇḍitāḥ / vivṛtayaścatasro vai vijñeyā iti me matam

(Überall sind die Wörter 'mitra', 'putra', 'sakhi', 'ahi' [und] 'śatakratu' mit Avagraha zu versehen; [ebenso] 'āditya', 'vipra', 'jātavedas' und 'satpati', 'gopati', 'vṛtrahan', 'samudra'; 'svarayu', 'puvo', 'devayu' [und] 'caritam devatātape') - 'cikiti' und 'dha' aber versehen die Gelehrten nicht mit Avagraha. Vier Arten von 'Vivṛti' (Öffnung/Hiat) sind zu erkennen - das ist meine Ansicht.

Wort für Wort
(sarvatra mitraputrasakhiśabdā ahiśatakratoravagrāhyāḥ
(überall sind die Wörter 'mitra', 'putra', 'sakhi', 'ahi' [und] 'śatakratu' mit Avagraha zu versehen
ādityaviprajātavedāśca satpatigopativṛtrahāsamudrāśca
ebenso 'āditya', 'vipra', 'jātavedas' und 'satpati', 'gopati', 'vṛtrahan', 'samudra'
svarayupuvodevayavaścāritaṃ devatātape )
'svarayu', 'puvo', 'devayu' [und] 'caritam devatātape')
cikitiśca dhacaiva nāvagṛhṇanti paṇḍitāḥ
'cikiti' und 'dha' aber versehen die Gelehrten nicht mit Avagraha
vivṛtayaścatasro vai vijñeyā iti me matam
vier Arten von 'Vivṛti' sind zu erkennen - das ist meine Ansicht

[Anm.: Die runden Klammern stehen bereits so im Quelltext (vermutlich redaktionelle Markierung einer Wortliste) und wurden unverändert übernommen.]

akṣarāṇāṃ niyogena tāsāṃ nāmāni me śṛṇu / hrasvādivatsānusṛtā vatsānusāriṇī cāgre

Durch die Anwendung auf die Laute höre von mir die Namen derselben [vier Vivṛtis]: 'die dem Kurzen u.ä. Folgende' (Hrasvādivatsānusṛtā) und 'die Vorausgehende' (Vatsānusāriṇī) davor,

Wort für Wort
akṣarāṇāṃ niyogena tāsāṃ nāmāni me śṛṇu
durch die Anwendung auf die Laute höre von mir die Namen derselben
hrasvādivatsānusṛtā vatsānusāriṇī cāgre
'Hrasvādivatsānusṛtā' und 'Vatsānusāriṇī' davor

pākavatyubhayorhrasvā dīrghā vṛddhā pipīlikāḥ / catasṛṇāṃ vivṛtīnā mantaraṃ mātrikaṃ bhavet

'Pākavatī' [gehört] zu beiden, die kurze [und] die lange, [oder] gewachsene, 'Pipīlikā' (ameisenartig) [genannt]. Unter den vier Vivṛtis beträgt der Abstand [normalerweise] eine Mātrā,

Wort für Wort
pākavatyubhayorhrasvā dīrghā vṛddhā pipīlikāḥ
'Pākavatī' [gehört] zu beiden, die kurze [und] die lange, gewachsene, 'Pipīlikā' [genannt]
catasṛṇāṃ vivṛtīnāmantaraṃ mātrikaṃ bhavet
unter den vier Vivṛtis beträgt der Abstand eine Mātrā

arddhamātrikamanyeṣāmanyeṣāmaṇumātrikam

bei anderen eine halbe Mātrā, bei [wieder] anderen eine winzige (Aṇu) Mātrā.

Wort für Wort
arddhamātrikamanyeṣāmanyeṣāmaṇumātrikam
bei anderen eine halbe Mātrā, bei anderen eine winzige Mātrā

[Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzelnen Zeile (halber Vers ohne zweite Pāda-Hälfte).]

āpadyate makāro rephoṣmasu pratyaye 'pyanusvāram / paveṣu parasavarṇaṃ sparśeṣu cottamāpatim

Der Laut 'm' wird, vor 'r' und den Zischlauten, auch vor dem folgenden [Wort], zum Anusvāra; vor 'p' [und] 'v' [wird er] zum gleichartigen Laut (Parasavarṇa), vor den Verschlusslauten aber [nimmt er] den letzten [Nasal] der [jeweiligen] Klasse [an].

Wort für Wort
āpadyate makāro rephoṣmasu pratyaye 'pyanusvāram
der Laut 'm' wird, vor 'r' und den Zischlauten, auch vor dem folgenden [Wort], zum Anusvāra
paveṣu parasavarṇaṃ sparśeṣu cottamāpatim
vor 'p' [und] 'v' zum gleichartigen Laut, vor den Verschlusslauten aber zum letzten [Nasal] der Klasse

nakārānte padā pūrve svare ca parataḥ sthite / akāraṃ raktamityāhustakāreṇa tu rajyate

Wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht und danach ein Vokal folgt, sagt man, der [entstehende] 'a'-Laut sei 'gefärbt' (Rakta); durch das 't' aber wird [er] gefärbt.

Wort für Wort
nakārānte padā pūrve svare ca parataḥ sthite
wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht und danach ein Vokal folgt
akāraṃ raktamityāhustakāreṇa tu rajyate
sagt man, der 'a'-Laut sei 'gefärbt'; durch das 't' aber wird [er] gefärbt

nakārānte pade pūrve vyañjanaiśca yavohiṣu / arddhamātrā tu pūrvasya rajyate tvaṇumātrayā

Wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht, und bei den Konsonanten in 'ya, va, ha' [-Kontexten] - eine halbe Mātrā des Vorangehenden wird durch eine winzige Mātrā gefärbt.

Wort für Wort
nakārānte pade pūrve vyañjanaiśca yavohiṣu
wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht, und bei den Konsonanten in 'ya, va, ha'
arddhamātrā tu pūrvasya rajyate tvaṇumātrayā
eine halbe Mātrā des Vorangehenden wird durch eine winzige Mātrā gefärbt

nakārasvarasaṃyuktaścaturyukto vidhīyate / repho raṅgaśca lopaśca sānusvaro 'pi vā kvacit

'n', mit einem Vokal verbunden, wird als vierfach möglich bestimmt: 'r', 'Raṅga', Elision (Lopa), oder, manchmal, auch mit Anusvāra versehen.

Wort für Wort
nakārasvarasaṃyuktaścaturyukto vidhīyate
'n', mit einem Vokal verbunden, wird als vierfach möglich bestimmt
repho raṅgaśca lopaśca sānusvaro 'pi vā kvacit
'r', 'Raṅga', Elision, oder manchmal auch mit Anusvāra versehen

hṛdayāduttiṣṭateraṅgaḥ kāṃsyena tu samanvitaḥ / mṛduścaiva dvimātraśca dadhanvāṃ iti nidarśanam

'Raṅga' steigt vom Herzen auf und ist dabei begleitet von einem [Klang] wie [von] Bronze; und er ist weich und zweitmätrig - 'dadhanvān' ist das Beispiel.

Wort für Wort
hṛdayāduttiṣṭateraṅgaḥ kāṃsyena tu samanvitaḥ
'Raṅga' steigt vom Herzen auf und ist begleitet von einem [Klang] wie Bronze
mṛduścaiva dvimātraśca dadhanvāṃ iti nidarśanam
und er ist weich und zweitmätrig - 'dadhanvān' ist das Beispiel

yathā saurāṣṭrikā nārī arāṃ ityabhibhāṣate / evaṃ raṅgaḥ prayoktavyo nāradaitanmataṃ mama

So wie eine Frau aus Saurāṣṭra [das Wort] 'arāṃ' ausspricht, so ist der 'Raṅga'[-Laut] anzuwenden - o Nārada, dies ist meine Ansicht.

Wort für Wort
yathā saurāṣṭrikā nārī arāṃ ityabhibhāṣate
so wie eine Frau aus Saurāṣṭra [das Wort] 'arāṃ' ausspricht
evaṃ raṅgaḥ prayoktavyo
so ist der 'Raṅga'[-Laut] anzuwenden
nāradaitanmataṃ mama
o Nārada, dies ist meine Ansicht

svarā gaḍadabāścaiva ṅaṇanamāḥ sahoṣmabhiḥ / caturṇāṃ padajātīnāṃ padāntā daśa kīrtitāḥ

Die Vokale, sowie 'ga', 'ḍa', 'da', 'ba', und 'ṅa', 'ṇa', 'na', 'ma', zusammen mit den Zischlauten - von den vier Wortarten werden zehn Wortendlaute genannt.

Wort für Wort
svarā gaḍadabāścaiva ṅaṇanamāḥ sahoṣmabhiḥ
die Vokale, sowie 'ga', 'ḍa', 'da', 'ba', und 'ṅa', 'ṇa', 'na', 'ma', zusammen mit den Zischlauten
caturṇāṃ padajātīnāṃ padāntā daśa kīrtitāḥ
von den vier Wortarten werden zehn Wortendlaute genannt

svara uccaḥ svaro nīcaḥ svaraḥ svarita eva ca / vyañjanā na tu vartante yatra tiṣṭati sa svaraḥ

Ein Ton ist hoch, ein Ton ist tief, und ein Ton ist eben Svarita; die Konsonanten aber tragen [den Ton] nicht - wo er sich befindet, das eben ist der [wahre Sitz des] Tones.

Wort für Wort
svara uccaḥ svaro nīcaḥ svaraḥ svarita eva ca
ein Ton ist hoch, ein Ton ist tief, und ein Ton ist eben Svarita
vyañjanā na tu vartante yatra tiṣṭati sa svaraḥ
die Konsonanten aber [tragen den Ton] nicht - wo er sich befindet, das ist der [wahre Sitz des] Tones

svarapradhānaṃ traisvaryamācāryāḥ pratijānate / maṇivadvyañjanaṃ vidyātsūtra vañca svaraṃ viduḥ

Dass die Dreitönigkeit (Traisvarya) tonbestimmt ist, bekennen die Lehrer; man erkenne den Konsonanten wie einen Edelstein, und den Ton kennt man wie die [ihn tragende] Schnur.

Wort für Wort
svarapradhānaṃ traisvaryamācāryāḥ pratijānate
dass die Dreitönigkeit tonbestimmt ist, bekennen die Lehrer
maṇivadvyañjanaṃ vidyātsūtra vañca svaraṃ viduḥ
man erkenne den Konsonanten wie einen Edelstein, und den Ton kennt man wie die Schnur

durbalasya yathā rāṣṭraṃ harate balavānnṛpaḥ / durbalaṃ vyajanaṃ tadvaddhareta balavānsvaraḥ

Wie ein mächtiger König das Reich des Schwachen an sich reißt, so reißt der mächtige Ton den schwachen Konsonanten an sich.

Wort für Wort
durbalasya yathā rāṣṭraṃ harate balavānnṛpaḥ
wie ein mächtiger König das Reich des Schwachen an sich reißt
durbalaṃ vyajanaṃ tadvaddhareta balavānsvaraḥ
so reißt der mächtige Ton den schwachen Konsonanten an sich

ubhāvaśca vivṛttiśca śaṣasārepha eva ca / jihvāmūlamupadhmā ca gatiraṣṭavidhoṣmaṇaḥ

'Ubhāva' [?], und 'Vivṛtti' (Öffnung), [der Laut von] ś/ṣ/s und 'r' fürwahr, die Zungenwurzel-[Spiranten] (Jihvāmūlīya) und der Lippen-[Spirant] (Upadhmānīya) - achtfach ist der Verlauf des Zischlauts (Ūṣman).

Wort für Wort
ubhāvaśca vivṛttiśca śaṣasārepha eva ca [?]
'Ubhāva' [?], und 'Vivṛtti', [der Laut von] ś/ṣ/s und 'r' fürwahr
jihvāmūlamupadhmā ca
die Zungenwurzel-[Spiranten] und der Lippen-[Spirant]
gatiraṣṭavidhoṣmaṇaḥ
achtfach ist der Verlauf des Zischlauts

[?] "ubhāvaśca" als Terminus unklar; wörtlich wiedergegeben.

svarapratyayāvivṛtiḥ saṃhitāyāṃ tu yā bhavet / visargastatra mantavyaratālavyaścātra jāyate

Die vom Ton abhängige Öffnung (Vivṛti), die in der Saṃhitā (fortlaufenden Rezitation) auftritt - dort ist der Visarga zu denken, und der palatale [Laut] entsteht hier ebenfalls.

Wort für Wort
svarapratyayāvivṛtiḥ saṃhitāyāṃ tu yā bhavet
die vom Ton abhängige Öffnung, die in der Saṃhitā auftritt
visargastatra mantavyaratālavyaścātra jāyate
dort ist der Visarga zu denken, und der palatale [Laut] entsteht hier ebenfalls

saṃdhyakṣare pare saṃdhau prāptasuptau yavau yadi / vyañjanākhyā vivṛttistu svarākhyā pratisaṃhitā

Wenn bei einer Diphthong-Silbe, in der folgenden Sandhi-Verbindung, die [Halbvokale] 'y' [und] 'v' entstanden sind, nachdem [die Endung] 'su' erreicht wurde - dann tritt die als 'konsonantisch' bezeichnete Öffnung [auf]; die als 'vokalisch' bezeichnete aber in enger Verbindung (Saṃhitā).

Wort für Wort
saṃdhyakṣare pare saṃdhau prāptasuptau yavau yadi
wenn bei einer Diphthong-Silbe, in der folgenden Sandhi, die [Halbvokale] 'y' [und] 'v' entstanden sind, nachdem [die Endung] 'su' erreicht wurde
vyañjanākhyā vivṛttistu svarākhyā pratisaṃhitā
dann [tritt] die als 'konsonantisch' bezeichnete Öffnung [auf]; die als 'vokalisch' bezeichnete aber in enger Verbindung

ūṣmāntaṃ virate yatra saṃbhāvo bhavati kvacit / vivṛttiryā bhavettatra svarākhyāṃ tāṃ vinirddiśet

Wo, am Ende mit einem Zischlaut, bei einer Pause manchmal eine Möglichkeit entsteht - die Öffnung, die dort auftritt, bezeichne man als die 'vokalisch' genannte.

Wort für Wort
ūṣmāntaṃ virate yatra saṃbhāvo bhavati kvacit
wo, am Ende mit einem Zischlaut, bei einer Pause manchmal eine Möglichkeit entsteht
vivṛttiryā bhavettatra svarākhyāṃ tāṃ vinirddiśet
die Öffnung, die dort auftritt, bezeichne man als die 'vokalisch' genannte

yadyobhāvaprasaṃdhānamṛkārādiparaṃ padam / svarāntaṃ tādṛśaṃ vidyādyadanyavdyaktamūṣmaṇaḥ

Wenn es eine Verbindung des 'o'-Lautes (aus Visarga) gibt, [und] ein mit 'ṛ' beginnendes Wort folgt, erkenne man das als vokalisch endend von dieser Art, [im Unterschied zu dem], was anderweitig deutlich zischlauthaft ist.

Wort für Wort
yadyobhāvaprasaṃdhānamṛkārādiparaṃ padam
wenn es eine Verbindung des 'o'-Lautes gibt, [und] ein mit 'ṛ' beginnendes Wort folgt
svarāntaṃ tādṛśaṃ vidyādyadanyavdyaktamūṣmaṇaḥ
erkenne man das als vokalisch endend von dieser Art, [im Unterschied zu dem], was anderweitig deutlich zischlauthaft ist

prathamā uttamāścaiva padānteṣu yadi sthitāḥ / dvitīyaṃ sthānamāpannāḥ śaṣasapratyayā yadi

Die ersten und ebenso die letzten [Konsonanten der Klassen], wenn sie am Wortende stehen, erreichen den zweiten Status/Ort, wenn ś/ṣ/s folgen,

Wort für Wort
prathamā uttamāścaiva padānteṣu yadi sthitāḥ
die ersten und ebenso die letzten [Konsonanten], wenn sie am Wortende stehen
dvitīyaṃ sthānamāpannāḥ śaṣasapratyayā yadi
erreichen den zweiten Status, wenn ś/ṣ/s folgen

prathamānūṣmasaṃyuktān dvitīyāniva darśayet / na caitānpratijānīyādyathā matsyaḥ kṣuropsarāḥ

man zeige die ersten [Konsonanten], mit einem Zischlaut verbunden, wie zweite [Konsonanten]; und man erkenne diese nicht vollständig an - wie einen Fisch in [scharfen/flachen] Gewässern. [?]

Wort für Wort
prathamānūṣmasaṃyuktān dvitīyāniva darśayet
man zeige die ersten [Konsonanten], mit einem Zischlaut verbunden, wie zweite [Konsonanten]
na caitānpratijānīyādyathā matsyaḥ kṣuropsarāḥ [?]
und man erkenne diese nicht vollständig an - wie einen Fisch in [flachen] Gewässern [?]

[?] "kṣuropsarāḥ" ist unklar (vermutlich verderbt); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

chandomānaṃ ca vṛttaṃ ca pādasthānaṃ trikāraṇam / ṛcaḥ svacchandavṛttāstu pādāstvakṣaramānataḥ

Das Versmaß (Chandomāna) und die metrische Form (Vṛtta) und die Versfuß-Stellung (Pādasthāna) [bilden] eine dreifache Grundlage; die Ṛc-[Verse] aber haben ihre eigene freie metrische Form, die Versfüße jedoch [werden] nach Silbenzahl [gemessen],

Wort für Wort
chandomānaṃ ca vṛttaṃ ca pādasthānaṃ trikāraṇam
das Versmaß und die metrische Form und die Versfuß-Stellung [bilden] eine dreifache Grundlage
ṛcaḥ svacchandavṛttāstu pādāstvakṣaramānataḥ
die Ṛc-[Verse] aber haben ihre eigene freie metrische Form, die Versfüße jedoch nach Silbenzahl

ṛgvaryyān svarabhaktiṃ ca chandomānena nirddiśet / pratyayeta sahārephamimīte svarabhaktayā

die Ṛc-Arten und die Svarabhakti (Vokal-Gleitlaut) bestimme man nach dem Versmaß. Man erfasst/misst, zusammen mit 'r', mittels der Svarabhakti,

Wort für Wort
ṛgvaryyān svarabhaktiṃ ca chandomānena nirddiśet
die Ṛc-Arten und die Svarabhakti bestimme man nach dem Versmaß
pratyayeta sahārephamimīte svarabhaktayā
man erfasst/misst, zusammen mit 'r', mittels der Svarabhakti

ṛvarṇe tu pṛthagrephaḥ pratyayastu vṛthā bhaveta / vidyāllaghumṛkāraṃ tu yadi tūṣmāṇasaṃyutaḥ

aber beim [Laut] 'ṛ' [wird] das 'r' gesondert [gezählt]; die [gewöhnliche] Messung aber wäre dort vergeblich. Man erkenne das [vokalische] 'ṛ' als leicht (Laghu), wenn es mit einem Zischlaut verbunden ist,

Wort für Wort
ṛvarṇe tu pṛthagrephaḥ pratyayastu vṛthā bhaveta
beim [Laut] 'ṛ' [wird] das 'r' gesondert [gezählt]; die Messung aber wäre dort vergeblich
vidyāllaghumṛkāraṃ tu yadi tūṣmāṇasaṃyutaḥ
man erkenne das [vokalische] 'ṛ' als leicht, wenn es mit einem Zischlaut verbunden ist

ūṣmaṇaiva hi saṃyukta ṛkāro yatra pīḍyate / guruvarṇaḥ sa vijñeyastṛcaṃ cātra nidarśanam

denn wo das [vokalische] 'ṛ', eben mit einem Zischlaut verbunden, bedrängt wird, das ist als schwerer (Guru) Laut zu erkennen; und 'ṛc' [selbst, bzw. 'tṛc'] ist hierfür das Beispiel.

Wort für Wort
ūṣmaṇaiva hi saṃyukta ṛkāro yatra pīḍyate
denn wo das [vokalische] 'ṛ', mit einem Zischlaut verbunden, bedrängt wird
guruvarṇaḥ sa vijñeyastṛcaṃ cātra nidarśanam
das ist als schwerer Laut zu erkennen; und 'ṛc'/'tṛc' ist hierfür das Beispiel

ṛṣabhaṃ ca gṛhītaṃ ca bṛhaspatiṃ pṛthivyāṃ ca / nirṛtipañcamā hyatra ṛkārā nātra saṃśayaḥ

'Ṛṣabham', und 'gṛhītam', und 'bṛhaspatim', und 'pṛthivyām', und 'nirṛti' als fünftes - hier [sind] fürwahr die [Beispiele für den] 'ṛ'-Laut, kein Zweifel hierbei.

Wort für Wort
ṛṣabhaṃ ca gṛhītaṃ ca bṛhaspatiṃ pṛthivyāṃ ca
'Ṛṣabham', und 'gṛhītam', und 'bṛhaspatim', und 'pṛthivyām'
nirṛtipañcamā hyatra ṛkārā nātra saṃśayaḥ
und 'nirṛti' als fünftes - hier [sind] fürwahr die [Beispiele für den] 'ṛ'-Laut, kein Zweifel hierbei

śaṣasaha rādau rephaḥ sparabhaktirjāyate dvipadasaṃdhau / iuvarṇābhyāṃ hīnā kvacidekapadākramaviyuktā

Zusammen mit ś/ṣ/s, am Anfang mit 'r', entsteht der 'r'-Laut [als] Svarabhakti (Vokal-Gleitlaut) bei der Verbindung zweier Wörter; manchmal ohne die Laute 'i' [und] 'u', und getrennt von der Abfolge innerhalb eines einzelnen Wortes. [?]

Wort für Wort
śaṣasaha rādau rephaḥ sparabhaktirjāyate dvipadasaṃdhau
zusammen mit ś/ṣ/s, am Anfang mit 'r', entsteht der 'r'-Laut als Svarabhakti bei der Verbindung zweier Wörter
iuvarṇābhyāṃ hīnā kvacidekapadākramaviyuktā [?]
manchmal ohne die Laute 'i' [und] 'u', und getrennt von der Abfolge innerhalb eines Wortes [?]

[?] Die genaue Regel bleibt technisch unklar; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

svarabhaktirdvidhā proktāṛkāre repha eva ca / svarodā vyañjanodā ca vihitākṣaracintakaiḥ

Svarabhakti wird zweifach genannt: beim [Laut] 'ṛ', und ebenso beim [Laut] 'r' - 'Svarodā' (vom Vokal ausgehend) und 'Vyañjanodā' (vom Konsonanten ausgehend), wie es von den Kennern der Laute festgelegt wurde.

Wort für Wort
svarabhaktirdvidhā proktāṛkāre repha eva ca
Svarabhakti wird zweifach genannt: beim [Laut] 'ṛ', und ebenso beim [Laut] 'r'
svarodā vyañjanodā ca vihitākṣaracintakaiḥ
'Svarodā' und 'Vyañjanodā', wie es von den Kennern der Laute festgelegt wurde

śaṣaseṣu svarodayāṃ hakāre vyañjanodayām / śaṣaseṣu vivṛtāṃ tu hakāre saṃvṛtāṃ viduḥ

Bei ś/ṣ/s [kennt man sie] als 'Svarodayā', bei 'h' als 'Vyañjanodayā'; bei ś/ṣ/s kennt man sie als offen (Vivṛtā), bei 'h' als geschlossen (Saṃvṛtā).

Wort für Wort
śaṣaseṣu svarodayāṃ hakāre vyañjanodayām
bei ś/ṣ/s [kennt man sie] als 'Svarodayā', bei 'h' als 'Vyañjanodayā'
śaṣaseṣu vivṛtāṃ tu hakāre saṃvṛtāṃ viduḥ
bei ś/ṣ/s kennt man sie als offen, bei 'h' als geschlossen

svarabhaktiṃ prayuñjāna srīndoṣānparivarjayet / ikāraṃ cāpyukāraṃ grastadoṣaṃ tathaiva ca

Wer die Svarabhakti anwendet, meide die [drei] Fehler [?]: den Fehler des 'i'-Lautes und auch des 'u'-Lautes, sowie ebenso den Fehler des 'Verschluckens' (Grasta).

Wort für Wort
svarabhaktiṃ prayuñjāna srīndoṣānparivarjayet [Anm.]
wer die Svarabhakti anwendet, meide die [drei] Fehler (Lesart korrigiert, s. Anm.)
ikāraṃ cāpyukāraṃ grastadoṣaṃ tathaiva ca
den Fehler des 'i'-Lautes und auch des 'u'-Lautes, sowie ebenso den Fehler des 'Verschluckens'

[Anm.: "srīndoṣān" ist vermutlich verderbt aus "trīndoṣān" ("drei Fehler"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]

saṃyogaparaṃ chaparaṃ visarjanīyaṃ dvimātrakaṃ caiva / atha sāntika ca naṅmasānusvāraṃ ghuṭataṃ ca

[Die Svarabhakti,] die von einem Konjunkt gefolgt wird, die von 'ch' gefolgt wird, den Visarga, und ebenso die zweimätrige; ferner die 'friedliche' (Sāntika), und [die vor] 'naṅ' [und] 'mas' [endenden Wörtern], den Anusvāra, und die 'Ghuṭa'[-Art].

Wort für Wort
saṃyogaparaṃ chaparaṃ visarjanīyaṃ dvimātrakaṃ caiva
die von einem Konjunkt gefolgte, die von 'ch' gefolgte, den Visarga, und ebenso die zweimätrige
atha sāntika ca naṅmasānusvāraṃ ghuṭataṃ ca [?]
ferner die 'friedliche', und [die vor] 'naṅ' [und] 'mas', den Anusvāra, und die 'Ghuṭa'[-Art] [?]

[?] Aufzählung technischer Svarabhakti-Untertypen; im Einzelnen unsicher.

yasyāḥ pādaḥ prathamo dvādaśamātrastathā tṛtīyo 'pi / aṣṭādaśo dvitīyaḥ samāpannaḥ pañcadaśamātraḥ / yasyā lakṣaṇamuktaṃ yā tvanyā sā smṛtā vipulā

[Bei dem Versmaß,] dessen erster Versfuß zwölf Mātrās [hat], ebenso auch der dritte, [und] der zweite, vollendet, achtzehn [oder] fünfzehn Mātrās - dessen Merkmal ist genannt worden; das aber, was anders ist, gilt als 'Vipulā' (die erweiterte [Form]).

Wort für Wort
yasyāḥ pādaḥ prathamo dvādaśamātrastathā tṛtīyo 'pi
[bei dem Versmaß,] dessen erster Versfuß zwölf Mātrās [hat], ebenso auch der dritte
aṣṭādaśo dvitīyaḥ samāpannaḥ pañcadaśamātraḥ
[und] der zweite, vollendet, achtzehn [oder] fünfzehn Mātrās
yasyā lakṣaṇamuktaṃ
dessen Merkmal ist genannt worden
yā tvanyā sā smṛtā vipulā
das aber, was anders ist, gilt als 'Vipulā'

akṣarāṇāṃ laghuhrasvamasaṃyogaparaṃ yadi / tatsaṃyogottaraṃ vidyādgurudārghākṣarāṇi tu

Von den Lauten [ist eine Silbe] leicht (Laghu) [und] kurz (Hrasva), wenn sie nicht von einem Konjunkt gefolgt wird; als von einem Konjunkt gefolgt erkenne man aber die schweren (Guru) [und] langen (Dīrgha) Silben.

Wort für Wort
akṣarāṇāṃ laghuhrasvamasaṃyogaparaṃ yadi
von den Lauten [ist eine Silbe] leicht [und] kurz, wenn sie nicht von einem Konjunkt gefolgt wird
tatsaṃyogottaraṃ vidyādgurudārghākṣarāṇi tu
als von einem Konjunkt gefolgt erkenne man aber die schweren [und] langen Silben

vivṛttir yatra dṛśyate svārasyaivāgrataḥ sthitaḥ

Wo die Öffnung (Vivṛtti) erscheint, [und diese] unmittelbar vor dem [akzentuierten] Ton selbst steht -

Wort für Wort
vivṛttir yatra dṛśyate
wo die Öffnung erscheint
svārasyaivāgrataḥ sthitaḥ
unmittelbar vor dem [akzentuierten] Ton selbst stehend

[Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzelnen Zeile; die Aussage wird erst in V202 fortgeführt und abgeschlossen.]

gurusvāraḥ savijñeyaḥ kṣaiprastatra na vidyate //a aṣṭaprakāraṃ vijñeyaṃ padānāṃ svaralakṣaṇam

dort ist der 'schwere Ton' (Gurusvāra) zu erkennen; der 'Kṣaipra'[-Typ] kommt dort nicht vor. Achtfach ist das Merkmal des Tones der Wörter zu erkennen.

Wort für Wort
gurusvāraḥ savijñeyaḥ
dort ist der 'schwere Ton' zu erkennen
kṣaiprastatra na vidyate //a
der 'Kṣaipra'[-Typ] kommt dort nicht vor
aṣṭaprakāraṃ vijñeyaṃ padānāṃ svaralakṣaṇam
achtfach ist das Merkmal des Tones der Wörter zu erkennen

[Anm.: Die Marke "//a" mitten im Vers ist eine Binnenmarkierung des Quelltextes und wurde unverändert übernommen.]

anto dāttamādyudāttamudāttamanudāttaṃ nīcasvaritam / madhyodāttaṃ svaritaṃ dvirudāttamityetā aṣṭau padasaṃjñāḥ

'Antodātta' (endbetont), 'Ādyudātta' (anfangsbetont), 'Udāttānudātta' (hoch-dann-tief), 'Nīcasvarita' (tief-dann-Svarita), 'Madhyodātta' (mittelbetont), 'Svarita', [und] 'Dvirudātta' (doppelt betont) - dies sind [die] acht Bezeichnungen der Wörter.

Wort für Wort
anto dāttamādyudāttamudāttamanudāttaṃ nīcasvaritam
'Antodātta', 'Ādyudātta', 'Udāttānudātta', 'Nīcasvarita'
madhyodāttaṃ svaritaṃ dvirudāttamityetā aṣṭau padasaṃjñāḥ
'Madhyodātta', 'Svarita', [und] 'Dvirudātta' - dies sind [die] acht Bezeichnungen der Wörter

[Anm.: Im Quelltext werden ausdrücklich acht Bezeichnungen angekündigt, tatsächlich aber nur sieben Termini aufgezählt - vermutlich fehlt ein Begriff oder eine Zusammensetzung ist ursprünglich zweigeteilt zu lesen.]

agniḥ somaḥ pravo vīryaṃ haviṣā svarvanaspatiḥ / antarmadhyamayotāmyudamanunipātya ādyātsvaritamupasarge dvirnnīcamākhyāta iti svaritātparāṇi yāni syurddhārāpakṣarāṇi tu / sarvāṇi pracayasthānyupodāttaṃ nihanyate

'agniḥ', 'somaḥ', 'pravaḥ', 'vīryam', 'haviṣā', 'svaḥ' [und] 'vanaspatiḥ' [sind die Beispiele hierfür] ... [Textabschnitt unklar/verderbt] ... was auch immer nach dem Svarita [an Silben] käme, von der Art des stetig Fließenden (Dhārā) - all diese, in 'Pracaya' stehenden, unterdrücken den dem Udātta benachbarten [Ton] (Upodātta).

Wort für Wort
agniḥ somaḥ pravo vīryaṃ haviṣā svarvanaspatiḥ
'agniḥ', 'somaḥ', 'pravaḥ', 'vīryam', 'haviṣā', 'svaḥ' [und] 'vanaspatiḥ' [Beispiele]
antarmadhyamayotāmyudamanunipātya ādyātsvaritamupasarge dvirnnīcamākhyāta iti svaritātparāṇi yāni syurddhārāpakṣarāṇi tu [?]
[Textabschnitt unklar/verderbt, s. Anm.]
sarvāṇi pracayasthānyupodāttaṃ nihanyate
all diese, in 'Pracaya' stehenden, unterdrücken den dem Udātta benachbarten [Ton]

[?][Anm.: Der mittlere Abschnitt ("antarmadhyamayotāmyudamanunipātya ādyātsvaritamupasarge dvirnnīcamākhyāta iti svaritātparāṇi yāni syurddhārāpakṣarāṇi tu") ist stark komprimiert/vermutlich verderbt und wird nur mit großem Vorbehalt sinngemäß übertragen.]

pracayo yatra dṛśyeta tatra hanyātsvaraṃ budhaḥ / svaritaḥ kevalo yatra mṛdustatra nipātayet

Wo 'Pracaya' (Anhäufung) erscheint, dort unterdrücke der Weise den Ton; wo der Svarita allein [steht], dort lasse man [ihn] sanft (Mṛdu) herabfallen.

Wort für Wort
pracayo yatra dṛśyeta tatra hanyātsvaraṃ budhaḥ
wo 'Pracaya' erscheint, dort unterdrücke der Weise den Ton
svaritaḥ kevalo yatra mṛdustatra nipātayet
wo der Svarita allein [steht], dort lasse man [ihn] sanft herabfallen

pañcavidhamācāryakaṃ nāma sukhaṃ nyāsaḥ karaṇaṃ pratijñoccāraṇā / atrocyate śreyaḥ khalu vaiśyāḥ pratijñātoccāraṇā yasya kasyacidvarṇasya karaṇaṃ nopalabhyate pratijñā tatra voḍhavyākaraṇaṃ hi tadātmakam

Fünffach ist [die Kompetenz], die man 'Meisterschaft' (Ācāryaka) nennt: Leichtigkeit (Sukha), Ansatz (Nyāsa), Ausführung (Karaṇa), Intention (Pratijñā), [und] Aussprache (Uccāraṇā). Hierzu wird gesagt: Vortrefflich ist fürwahr [dies] - wenn bei irgendeinem Laut die [rechte] Ausführung nicht erlangt wird, ist dort die Absicht (Pratijñā) zu tragen; denn dies hat die Natur der Grammatik (Vyākaraṇa). [?]

Wort für Wort
pañcavidhamācāryakaṃ nāma sukhaṃ nyāsaḥ karaṇaṃ pratijñoccāraṇā
fünffach ist die 'Meisterschaft': Leichtigkeit, Ansatz, Ausführung, Intention, Aussprache
atrocyate śreyaḥ khalu vaiśyāḥ pratijñātoccāraṇā [?]
hierzu wird gesagt: vortrefflich ist fürwahr [die] durch Intention [bestimmte] Aussprache [?]
yasya kasyacidvarṇasya karaṇaṃ nopalabhyate
wenn bei irgendeinem Laut die [rechte] Ausführung nicht erlangt wird
pratijñā tatra voḍhavyā
ist dort die Absicht zu tragen
karaṇaṃ hi tadātmakam
denn die Ausführung hat fürwahr diese Natur

[?] Dieser Prosaabschnitt (v.a. "atrocyate śreyaḥ khalu vaiśyāḥ...") ist syntaktisch schwierig und möglicherweise textlich gestört; sinngemäß mit Vorbehalt übertragen.

tuṃburubhavadviśiṣṭaviśvāvasvādayaśca gandharvāḥ / sāmasu nibhṛtaṃ karaṇaṃ svarasaukṣmyānnaiva jānīyuḥ

Tumburu, Bhavadviśiṣṭa [?], Viśvāvasu und die übrigen Gandharvas kennen die verborgene Ausführung (Karaṇa) bei den Sāmans wegen der äußersten Feinheit des Tones überhaupt nicht.

Wort für Wort
tuṃburubhavadviśiṣṭaviśvāvasvādayaśca gandharvāḥ [?]
Tumburu, Bhavadviśiṣṭa [?], Viśvāvasu und die übrigen Gandharvas
sāmasu nibhṛtaṃ karaṇaṃ svarasaukṣmyānnaiva jānīyuḥ
kennen die verborgene Ausführung bei den Sāmans wegen der äußersten Feinheit des Tones überhaupt nicht

[?] "bhavadviśiṣṭa" ist als Eigenname/Bezeichnung unsicher; wörtlich übernommen.

kaukṣeyāgniṃ sadā rakṣedaśrīpādarśanaṃ hetum / jīrṇo hāraḥ prabuddhaḥ khalūṣasinbrahma cintayet

Man schütze stets das Verdauungsfeuer (Kaukṣeya-Agni) - die Ursache dafür, kein Unglück zu erblicken; nach der Verdauung, erwacht, fürwahr bei der Morgendämmerung, meditiere man über das Brahman.

Wort für Wort
kaukṣeyāgniṃ sadā rakṣedaśrīpādarśanaṃ hetum [?]
man schütze stets das Verdauungsfeuer - die Ursache dafür, kein Unglück zu erblicken [?]
jīrṇo hāraḥ prabuddhaḥ khalūṣasinbrahma cintayet
nach der Verdauung, erwacht, fürwahr bei der Morgendämmerung, meditiere man über das Brahman

[?] "aśrīpādarśanaṃ hetum" ("die Ursache, kein Unglück zu sehen") sinngemäß gedeutet.

śaradviṣuvatotītāduṣasyutthānamiṣyate / yāvadvāsaṃtikī rātrirmadhyamā paryupasthitā

Vom Herbst-Äquinoktium an ist das Aufstehen bei der Morgendämmerung geboten, solange bis die mittlere Nacht des Frühlings herangekommen ist.

Wort für Wort
śaradviṣuvatotītāduṣasyutthānamiṣyate
vom Herbst-Äquinoktium an ist das Aufstehen bei der Morgendämmerung geboten
yāvadvāsaṃtikī rātrirmadhyamā paryupasthitā
solange bis die mittlere Nacht des Frühlings herangekommen ist

āmrapālāśabilvānāmapāmārgaśirīṣayoḥ / vāgyataḥ prātarutthāya bhakṣayeddvatadhāvanam

Von Mango, Palāśa, Bilva, Apāmārga [und] Śirīṣa [-Zweigen] soll man, schweigend, nachdem man morgens aufgestanden ist, den Zahnreinigungszweig (Dantadhāvana) verzehren [d.h. verwenden].

Wort für Wort
āmrapālāśabilvānāmapāmārgaśirīṣayoḥ
von Mango, Palāśa, Bilva, Apāmārga [und] Śirīṣa
vāgyataḥ prātarutthāya
schweigend, nachdem man morgens aufgestanden ist
bhakṣayeddvatadhāvanam [Anm.]
soll man den Zahnreinigungszweig verzehren [verwenden] (Lesart korrigiert, s. Anm.)

[Anm.: "dvatadhāvanam" ist vermutlich verderbt aus "dantadhāvanam" ("Zahnreinigungszweig"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]

khādiraśca kadambaśca karavīrakarañjayoḥ / sarve kaṇṭakinaḥ puṇyāḥ kṣīriṇaśca yaśasvinaḥ

Khadira und Kadamba, und von Karavīra [und] Karañja - alle dornigen [Bäume sind, wenn rein/heilig], und die milchsafthaltigen (Kṣīrin) [bringen] Ruhm.

Wort für Wort
khādiraśca kadambaśca karavīrakarañjayoḥ
Khadira und Kadamba, und von Karavīra [und] Karañja
sarve kaṇṭakinaḥ puṇyāḥ
alle dornigen [Bäume sind] heilig
kṣīriṇaśca yaśasvinaḥ
und die milchsafthaltigen [bringen] Ruhm

tenāsya karaṇe saukṣmyaṃ mādhuryaṃ copa jāyate / varṇāṃśca kurute samyakprācīnaudavatiryathā

Dadurch entsteht bei ihm Feinheit und Süße im [Stimm-]Organ (Karaṇa); und er bringt die [Sprach-]Laute richtig hervor, wie es einst [die Autorität] Audavati [lehrte]. [?]

Wort für Wort
tenāsya karaṇe saukṣmyaṃ mādhuryaṃ copa jāyate
dadurch entsteht bei ihm Feinheit und Süße im [Stimm-]Organ
varṇāṃśca kurute samyakprācīnaudavatiryathā [?]
und er bringt die Laute richtig hervor, wie es einst [Audavati lehrte] [?]

[?] "prācīnaudavatiryathā" ("wie der alte Audavati/die alte Audavatī") ist als Verweis unsicher gedeutet.

triphalāṃ lavaṇākhyena bhakṣayecchiṣaayakaḥ sadā / agnimedhājananyeṣā svaravarṇakarī tathā

Triphalā zusammen mit dem sogenannten Salz soll der Schüler stets verzehren; dies erzeugt das Verdauungsfeuer und ist ebenso förderlich für Ton und [Sprach-]Laut.

Wort für Wort
triphalāṃ lavaṇākhyena bhakṣayecchiṣaayakaḥ sadā
Triphalā zusammen mit dem sogenannten Salz soll der Schüler stets verzehren
agnimedhājananyeṣā svaravarṇakarī tathā
dies erzeugt das Verdauungsfeuer und ist ebenso förderlich für Ton und Laut

kṛtvā cāvaśyakāndharmāñjāṭharaṃ paryupāsya ca / pītvā madhuṃ ghṛtaṃ caiva śucirbhūtvā tato vadet

Nachdem man die notwendigen [Morgen-]Pflichten (Āvaśyaka-Dharma) verrichtet und den Magen versorgt hat, und nachdem man Honig und Ghee getrunken hat, spreche man, rein geworden, [dann das Heilige].

Wort für Wort
kṛtvā cāvaśyakāndharmāñjāṭharaṃ paryupāsya ca
nachdem man die notwendigen Pflichten verrichtet und den Magen versorgt hat
pītvā madhuṃ ghṛtaṃ caiva śucirbhūtvā tato vadet
und nachdem man Honig und Ghee getrunken hat, spreche man, rein geworden, dann

mandreṇopakrametpūrvaṃ sarvaśākhāsvayaṃ vidhiḥ / saptamantrānatikramya yatheṣṭāṃ vācamutsṛjet

Mit dem Tiefton (Mandra) beginne man zuerst - dies ist die eigene Regel in allen [vedischen] Zweigen (Śākhā); nachdem man sieben Mantras überschritten hat, lasse man die Stimme wie gewünscht ertönen.

Wort für Wort
mandreṇopakrametpūrvaṃ sarvaśākhāsvayaṃ vidhiḥ
mit dem Tiefton beginne man zuerst - dies ist die eigene Regel in allen [vedischen] Zweigen
saptamantrānatikramya yatheṣṭāṃ vācamutsṛjet
nachdem man sieben Mantras überschritten hat, lasse man die Stimme wie gewünscht ertönen

na tāṃ samīrayedvācaṃ na prāṇamuparodhayet / prāṇānāmuparodhena vaisvaryaṃ copajāyate / svaravyaṇḍajanamādhuryaṃ lupyate nātra saṃśayaḥ

Man treibe jene Stimme nicht [gewaltsam] hervor, [und] behindere nicht den Atem; durch die Behinderung der Atemzüge entsteht Mißklang (Vaisvarya), und die Süße, die aus [gutem] Ton [und] Stimme [entsteht], geht verloren - kein Zweifel hierbei.

Wort für Wort
na tāṃ samīrayedvācaṃ na prāṇamuparodhayet
man treibe jene Stimme nicht [gewaltsam] hervor, [und] behindere nicht den Atem
prāṇānāmuparodhena vaisvaryaṃ copajāyate
durch die Behinderung der Atemzüge entsteht Mißklang
svaravyaṇḍajanamādhuryaṃ lupyate nātra saṃśayaḥ [?]
die aus [gutem] Ton [und] Stimme entstehende Süße geht verloren - kein Zweifel hierbei [?]

[?] "svaravyaṇḍajanamādhuryaṃ" ist unsicher gedeutet.

kutīrthādāgataṃ dagdhamapavarṇaiśca bhakṣitam

[Speise,] die von einer schlechten Pilgerstätte (Kutīrtha) stammt, verbrannt [ist] und zusammen mit den Ausgeschlossenen (Apavarṇa) gegessen wird -

Wort für Wort
kutīrthādāgataṃ dagdham
von einer schlechten Pilgerstätte stammend, verbrannt
apavarṇaiśca bhakṣitam
und zusammen mit den Ausgeschlossenen gegessen

[Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzelnen Zeile; die Aussage wird erst in V218 fortgeführt und abgeschlossen.]

na tasya parimokṣo 'sti pāpāheriva kilbiṣāt

für den gibt es keine Befreiung, so wenig wie von der Sünde einer bösen Schlange.

Wort für Wort
na tasya parimokṣo 'sti
für den gibt es keine Befreiung
pāpāheriva kilbiṣāt
so wenig wie von der Sünde einer bösen Schlange

[Anm.: Dieser Vers bildet gemeinsam mit V217 einen einzigen Doppelvers, der im Quelltext auf zwei Versnummern aufgeteilt ist.]

sutīrthādāgataṃ jagdhuṃ svāmnātaṃ supratiṣṭitam / susvareṇa svavakreṇa prayuktaṃ brahma rājati

[Speise aber,] gegessen, die von einer guten Pilgerstätte stammt, wohlrezitiert (Svādhyāta), wohletabliert - wenn [das heilige Wort] mit gutem Ton, mit eigenem [rechtem] Mund vorgetragen wird, erstrahlt das Brahman.

Wort für Wort
sutīrthādāgataṃ jagdhuṃ svāmnātaṃ supratiṣṭitam
gegessen, was von einer guten Pilgerstätte stammt, wohlrezitiert, wohletabliert
susvareṇa svavakreṇa prayuktaṃ brahma rājati
wenn [das heilige Wort] mit gutem Ton, mit eigenem Mund vorgetragen wird, erstrahlt das Brahman

na takālo na laṃboṣṭo na ca sarvānunāsikaḥ

[Wer] nicht zur falschen Zeit [spricht], nicht mit hängender Lippe, und nicht durchweg nasal [ist] -

Wort für Wort
na takālo
nicht zur falschen Zeit
na laṃboṣṭo
nicht mit hängender Lippe
na ca sarvānunāsikaḥ
und nicht durchweg nasal

[Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzelnen Zeile; die Aussage wird erst in V221 fortgeführt und abgeschlossen.]

gadgado baddhajihvaśca prayogānvaktumarhati

[und wer] nicht stotternd und nicht zungengebunden [ist] - [ein solcher] ist würdig, die [rituellen] Anwendungen auszusprechen.

Wort für Wort
gadgado baddhajihvaśca
stotternd und zungengebunden
prayogānvaktumarhati
[wer dies nicht ist,] ist würdig, die [rituellen] Anwendungen auszusprechen

[Anm.: Dieser Vers bildet gemeinsam mit V220 einen einzigen Doppelvers, der im Quelltext auf zwei Versnummern aufgeteilt ist.]

ekacitto niruddhāntaḥ snāto gānavivarjjitaḥ / sa tu varṇānprayuñjīta detoṣṭhaṃ yasya śobhanam

Eines Sinnes, innerlich gesammelt, gebadet, frei von [zweckentfremdetem] Singen - er soll die Laute anwenden, [er,] dessen [Bewegung von] Zähnen und Lippen [?] schön ist.

Wort für Wort
ekacitto niruddhāntaḥ snāto gānavivarjjitaḥ
eines Sinnes, innerlich gesammelt, gebadet, frei von [zweckentfremdetem] Singen
sa tu varṇānprayuñjīta
er soll die Laute anwenden
detoṣṭhaṃ yasya śobhanam [?]
[er,] dessen Zähne und Lippen [?] schön sind

[?] "detoṣṭhaṃ" ist vermutlich verderbt aus "dantoṣṭhaṃ" ("Zähne und Lippen"); dem Sinn entsprechend übersetzt.

pañcavidyāṃ na gṛhṇanti caṇḍā stabdhāśca ye narāḥ / alasāśca sarogāśca yeṣāṃ ca visṛtaṃ manaḥ

Die fünffache Wissenschaft (Vidyā) erfassen nicht jene Männer, die jähzornig und störrisch sind, [ebenso wenig] die Trägen und die Kranken, und jene, deren Geist zerstreut ist.

Wort für Wort
pañcavidyāṃ na gṛhṇanti
die fünffache Wissenschaft erfassen nicht
caṇḍā stabdhāśca ye narāḥ
jene Männer, die jähzornig und störrisch sind
alasāśca sarogāśca
die Trägen und die Kranken
yeṣāṃ ca visṛtaṃ manaḥ
und jene, deren Geist zerstreut ist

śanairvidyāṃ śanairarthānārohetparvataṃ śanaiḥ / śanairadhvasu varteta yojanānna paraṃ vrajet

Allmählich [erwerbe man] Wissen, allmählich Reichtum; man besteige einen Berg allmählich; allmählich gehe man auf Wegen voran; man gehe nicht mehr als eine Yojana [auf einmal].

Wort für Wort
śanairvidyāṃ śanairarthān
allmählich [erwerbe man] Wissen, allmählich Reichtum
ārohetparvataṃ śanaiḥ
man besteige einen Berg allmählich
śanairadhvasu varteta
allmählich gehe man auf Wegen voran
yojanānna paraṃ vrajet
man gehe nicht mehr als eine Yojana [auf einmal]

yojanānāṃ sahasraṃ tu śanairyāti pipīlikā / agacchanvainateyo 'pi padamekaṃ na gacchati

Tausend Yojanas aber legt die Ameise, allmählich [gehend], zurück; Vainateya (Garuḍa) hingegen, wenn er nicht [voran]geht, legt nicht einmal einen einzigen Schritt zurück.

Wort für Wort
yojanānāṃ sahasraṃ tu śanairyāti pipīlikā
tausend Yojanas aber legt die Ameise, allmählich gehend, zurück
agacchanvainateyo 'pi padamekaṃ na gacchati
Vainateya (Garuḍa) hingegen, wenn er nicht geht, legt nicht einmal einen Schritt zurück

nahi pāpahatā vāṇī prayogānvaktumarhati / badhirasyeva jalpasya vidagdhā vāmalocanā

Denn fürwahr eine von Sünde getroffene Stimme ist nicht würdig, die [rituellen] Anwendungen auszusprechen - wie das Geplapper eines Tauben, [oder] wie eine geschickte, schönäugige [Frau, deren Worte dennoch nicht gelten]. [?]

Wort für Wort
nahi pāpahatā vāṇī prayogānvaktumarhati
denn fürwahr eine von Sünde getroffene Stimme ist nicht würdig, die [rituellen] Anwendungen auszusprechen
badhirasyeva jalpasya
wie das Geplapper eines Tauben
vidagdhā vāmalocanā [?]
[oder] wie eine geschickte, schönäugige [Frau] [?]

[?] Der Vergleich "vidagdhā vāmalocanā" ("eine geschickte, schönäugige [Frau]") erschließt sich inhaltlich nicht restlos; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

upāṃśucaritaṃ caiva yo 'dhīte vitrasanniva / api rūpasahasreṣu saṃdeheṣveva vartate

Und wer im Flüsterton (Upāṃśu) rezitiert, wie erschreckt/zitternd, der bleibt, selbst unter tausend [möglichen] Erscheinungsformen, doch nur im Zweifel [befangen].

Wort für Wort
upāṃśucaritaṃ caiva yo 'dhīte vitrasanniva
und wer im Flüsterton rezitiert, wie erschreckt/zitternd
api rūpasahasreṣu saṃdeheṣveva vartate
der bleibt, selbst unter tausend Erscheinungsformen, doch nur im Zweifel [befangen]

pustakapratyayādhītaṃ nādhītaṃ gurusannidhau / rājate na sabhāmadhyejāragarbheva kāminī

Was aus dem Vertrauen auf ein Buch, [und] nicht in der Gegenwart des Lehrers, gelernt wurde, glänzt nicht inmitten einer Versammlung - wie eine Frau, die von einem Liebhaber schwanger ist. [?]

Wort für Wort
pustakapratyayādhītaṃ nādhītaṃ gurusannidhau
was aus dem Vertrauen auf ein Buch, [und] nicht in der Gegenwart des Lehrers, gelernt wurde
rājate na sabhāmadhye
glänzt nicht inmitten einer Versammlung
jāragarbheva kāminī [?]
wie eine von einem Liebhaber schwangere Frau [?]

[?] "jāragarbheva kāminī" ("wie eine von einem Liebhaber schwangere Frau") als Bild für unrechtmäßig erworbenes Wissen; sinngemäß gedeutet.

añjanasya kṣayaṃ dṛṣṭvā valmīkasya tu saṃcayam / avandhyaṃ divasaṃ kuryāddānādhyayanakarmasu

Nachdem man das Schwinden der Augensalbe (Añjana) gesehen hat, und [auch] das Anwachsen eines Ameisenhaufens (Valmīka), mache man den Tag nicht unfruchtbar in den Werken des Schenkens und des Studiums.

Wort für Wort
añjanasya kṣayaṃ dṛṣṭvā
nachdem man das Schwinden der Augensalbe gesehen hat
valmīkasya tu saṃcayam
und [auch] das Anwachsen eines Ameisenhaufens
avandhyaṃ divasaṃ kuryāt
mache man den Tag nicht unfruchtbar
dānādhyayanakarmasu
in den Werken des Schenkens und des Studiums

yatkīṭaiḥ pāṃśubhiḥ ślakṣṇairvalmīkaḥ kriyate mahān / na tatra balasāmarthyamudyogasgatatra kāraṇam

Dass ein Ameisenhaufen durch Insekten, durch feine Staubkörner, groß gemacht wird - darin liegt nicht die Wirkkraft der Kraft (Bala); die stete Anstrengung (Udyoga) ist dort die Ursache.

Wort für Wort
yatkīṭaiḥ pāṃśubhiḥ ślakṣṇairvalmīkaḥ kriyate mahān
dass ein Ameisenhaufen durch Insekten, durch feine Staubkörner, groß gemacht wird
na tatra balasāmarthyam
darin liegt nicht die Wirkkraft der Kraft
udyogasgatatra kāraṇam [Anm.]
die stete Anstrengung ist dort die Ursache (Lesart korrigiert, s. Anm.)

[Anm.: "udyogasgatatra" ist vermutlich verderbt aus "udyogastatra" ("die Anstrengung dort"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]

sahasraguṇitā vidyā śataśaḥ parikīrtitā / āgamiṣyati jihvāgre sthalānnimnamivodakam

Das tausendfach vermehrte, hundertfach verkündete Wissen wird an die Zungenspitze gelangen, wie Wasser von der Höhe in die Tiefe [fließt].

Wort für Wort
sahasraguṇitā vidyā śataśaḥ parikīrtitā
das tausendfach vermehrte, hundertfach verkündete Wissen
āgamiṣyati jihvāgre
wird an die Zungenspitze gelangen
sthalānnimnamivodakam
wie Wasser von der Höhe in die Tiefe [fließt]

hayanāmiva jātyānāmarddharātrārddhaśāyinām / nahi vādyārthināṃ nidrā ciraṃ netreṣu tiṣṭati

Wie [wohlgezüchtete] Pferde guter Rasse, die sich nur für die halbe Nacht hinlegen - fürwahr bei denen, die nach Wissen (Vidyā) streben, verweilt der Schlaf nicht lange in den Augen.

Wort für Wort
hayanāmiva jātyānām
wie [wohlgezüchteter] Pferde guter Rasse
arddharātrārddhaśāyinām
die sich nur für die halbe Nacht hinlegen
nahi vādyārthināṃ nidrā ciraṃ netreṣu tiṣṭati [Anm.]
fürwahr bei den nach Wissen Strebenden verweilt der Schlaf nicht lange in den Augen (Lesart korrigiert, s. Anm.)

[Anm.: "vādyārthināṃ" ist vermutlich verderbt aus "vidyārthināṃ" ("bei den nach Wissen Strebenden"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]

na bhojanabilaṃvī syānna ca nārīnivandhanaḥ / samudramapi vidyārthī vrajedgaruḍahaṃsavat

Man soll nicht [übermäßig] an das Essen gefesselt sein, noch an Frauen gebunden; der Wissenssuchende soll selbst den Ozean [durch]queren, wie Garuḍa oder ein Schwan (Haṃsa).

Wort für Wort
na bhojanabilaṃvī syānna ca nārīnivandhanaḥ
man soll nicht [übermäßig] an das Essen gefesselt sein, noch an Frauen gebunden
samudramapi vidyārthī vrajedgaruḍahaṃsavat
der Wissenssuchende soll selbst den Ozean [durch]queren, wie Garuḍa oder ein Schwan

ahiriva gaṇādbhitaḥ sāhityānnarakādiva / rākṣasībhya iva sribhyaḥ sa vidyāmadhigacchati

Wie [man flieht] aus Furcht vor einer Schlange [?], wie [man aus] Gemeinschaft [mit Übelgesinnten flieht] wie aus der Hölle, wie [man] vor Rākṣasī-Dämoninnen [flieht] - wie vor [schlechten] Frauen: so gelangt er zum Wissen.

Wort für Wort
ahiriva gaṇādbhitaḥ [?]
wie [eine Schlange] aus Furcht vor [Garuḍa/der Schar] [flieht] [?]
sāhityānnarakādiva
wie [man] aus [schlechter] Gemeinschaft [flieht] wie aus der Hölle
rākṣasībhya iva sribhyaḥ
wie vor Rākṣasī-Dämoninnen, wie vor [schlechten] Frauen
sa vidyāmadhigacchati
so gelangt er zum Wissen

[?] "ahiriva gaṇādbhitaḥ" ist unklar (evtl. verderbt aus "garuḍād bhītaḥ", "aus Furcht vor Garuḍa [flieht die Schlange]"); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.

na śaṭhāḥ prānpuvantyarthānna klibā na ca māninaḥ / na ca lokaravā dīnā na ca svasvapratīkṣakāḥ

Nicht erlangen Betrüger die [wahren] Bedeutungen, nicht die Willensschwachen (Klība) und nicht die Eingebildeten (Mānin); nicht die öffentlich Lärmenden [und] Elenden, und nicht jene, die [nur] auf den eigenen Vorteil warten.

Wort für Wort
na śaṭhāḥ prānpuvantyarthānna klibā na ca māninaḥ [Anm.]
nicht erlangen Betrüger die [wahren] Bedeutungen, nicht die Willensschwachen, nicht die Eingebildeten (Lesart korrigiert, s. Anm.)
na ca lokaravā dīnā
und nicht die öffentlich Lärmenden [und] Elenden
na ca svasvapratīkṣakāḥ
und nicht jene, die [nur] auf den eigenen Vorteil warten

[Anm.: "prānpuvanti" ist vermutlich verderbt aus "prāpnuvanti" ("erlangen"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]

yathā khananankhanitreṇa bhūpalaṃ vāri vindati / evaṃ gurugatāṃ vidyāṃ śūśrūṣuradhigacchati

So wie einer, der mit einem Grabwerkzeug gräbt, verborgenes Wasser im Gestein findet, so erlangt der Dienstbereite (Śuśrūṣu) das beim Lehrer befindliche Wissen.

Wort für Wort
yathā khananankhanitreṇa bhūpalaṃ vāri vindati
so wie einer, der mit einem Grabwerkzeug gräbt, verborgenes Wasser im Gestein findet
evaṃ gurugatāṃ vidyāṃ śūśrūṣuradhigacchati
so erlangt der Dienstbereite das beim Lehrer befindliche Wissen

guruśuśrūṣayā vidyā puṣkalena dhanena vā / athavā vidyayā vidyā hyanyathā nopapadyate

Durch Dienst am Lehrer [erlangt man] Wissen, oder durch reichlichen Besitz; oder aber durch [vorhandenes] Wissen [erlangt man weiteres] Wissen - anders nämlich kommt Wissen nicht zustande.

Wort für Wort
guruśuśrūṣayā vidyā puṣkalena dhanena vā
durch Dienst am Lehrer [erlangt man] Wissen, oder durch reichlichen Besitz
athavā vidyayā vidyā
oder aber durch Wissen [erlangt man] Wissen
hyanyathā nopapadyate
anders nämlich kommt es nicht zustande

śuśrūṣārahitā vidyā yadyapi medhāguṇaiḥ samupayāti / vandhyeva yauvanavatī na tasya sāphalyavati bhavati

Wissen ohne [den rechten] Dienst (Śuśrūṣā), auch wenn es durch die Vorzüge der Intelligenz (Medhā) erlangt wird, wird für den [Betreffenden] nicht fruchtbringend - wie eine unfruchtbare [Frau], obwohl [sie] Jugend besitzt.

Wort für Wort
śuśrūṣārahitā vidyā yadyapi medhāguṇaiḥ samupayāti
Wissen ohne [den rechten] Dienst, auch wenn es durch die Vorzüge der Intelligenz erlangt wird
vandhyeva yauvanavatī na tasya sāphalyavati bhavati
wird für ihn nicht fruchtbringend - wie eine unfruchtbare [Frau], obwohl sie Jugend besitzt

iti diṅmātramuddiṣṭaṃ śikṣāgranthaṃ mayā tava / jñātvā vedāṅgamādyaṃ tu brahmabhūyāya kalpate

So ist von mir dir nur eine allgemeine Andeutung (Diṅmātra) der Lehrschrift der Śikṣā (Phonetik) dargelegt worden; wer dieses erste der Vedāṅgas erkannt hat, wird zur Erlangung des Brahman-Zustandes befähigt.

Wort für Wort
iti diṅmātramuddiṣṭaṃ śikṣāgranthaṃ mayā tava
so ist von mir dir nur eine allgemeine Andeutung der Lehrschrift der Śikṣā dargelegt worden
jñātvā vedāṅgamādyaṃ tu brahmabhūyāya kalpate
wer dieses erste der Vedāṅgas erkannt hat, wird zur Erlangung des Brahman-Zustandes befähigt

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