(Kolophonfragment: 'So im ehrwürdigen Bṛhannāradīya-Purāṇa, Pūrvabhāga, Bṛhadupākhyāna, 49. Kapitel' - am Beginn des Quelltextes stehend, s. Anm.)
sūta uvāca
Sūta sprach:
śrutvā sanandanasya itthaṃ vacanam
nachdem er Sanandanas so [beschaffene] Rede gehört hatte
nārado muniḥ
der Weise Nārada
asaṃtuṣṭaḥ iva prāha
sprach, gleichsam unzufrieden
bhrātaraṃ taṃ sanandanam
zu jenem seinem Bruder Sanandana
[Anm.: Der Quelltext beginnt mit dem Kolophon "...ekonapañcāśattamo'dhyāyaḥ" (Ende des 49. Kapitels) samt Trennlinie, bevor die eigentliche Erzählung ("sūta uvāca") einsetzt - offenbar ein an den falschen Ort geratenes Kolophonfragment aus der Quellenaufbereitung; im sa-Feld unverändert wiedergegeben, in der Übersetzung nicht berücksichtigt.]
Nārada sprach: Erhabener, alles ist erklärt worden, was von mir dich gefragt wurde; dennoch findet meine Seele keine Freude, obwohl ich immer wieder die Erzählung von Hari höre.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
bhagavan sarvam ākhyātam
Erhabener, alles ist erklärt worden
yat pṛṣṭaṃ bhavato mayā
was von mir dir gestellt wurde (die Frage)
tathāpi na ātmā prīyeta
dennoch findet die Seele keine Freude
śṛṇvan hari-kathāṃ muhuḥ
obwohl ich die Erzählung von Hari wieder und wieder höre
Man hört, dass Śuka, der Sohn des Vyāsa, fürwahr ein Kenner des höchsten Dharma, eine überaus große Vollkommenheit (siddhi) erlangte, [dennoch aber] abgewandt [war, wie] hinausgetreten in den Zwischenraum. [?]
Wort für Wort
śrūyate vyāsaputrastu śukaḥ
man hört: Śuka aber, der Sohn des Vyāsa
parama-dharma-vit
ein Kenner des höchsten Dharma
siddhiṃ sumahatīṃ prāptaḥ
der eine überaus große Vollkommenheit erlangt hatte
nirviṇṇaḥ
überdrüssig, abgewandt
avāntaraṃ bahiḥ [?]
in den Zwischenraum, hinaus [?] (unsichere Lesart)
[?] Die Verbindung "nirviṇṇo 'vāntaraṃ bahiḥ" ist syntaktisch unklar; Übersetzung nach bestmöglicher Deutung (etwa: 'überdrüssig, [wie] in die Zwischenwelt hinausgetreten').
O Brahmane, ohne den Dienst an den Großen entsteht dem Manne keine höhere Erkenntnis (vijñāna) - wie hat da das Kind, der Sohn des Vyāsa, Erkenntnis (jñāna) erlangt?
Wort für Wort
brahman
o Brahmane
puṃsastu vijñānaṃ
dem Manne aber die [höhere] Erkenntnis
mahatāṃ sevanaṃ vinā
ohne den Dienst an den Großen
na jāyate
entsteht nicht
kathaṃ prāpto jñānaṃ vyāsātmajaḥ śiśuḥ
wie hat das Kind, der Sohn des Vyāsa, [dann] Erkenntnis erlangt?
Sanandana sprach: Höre, o Brahmane, ich werde dir die Entstehung Śukas in Kürze verkünden; wer dies hört, wird zum Kenner der Wahrheit des Brahman, o Weiser.
Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach:
śṛṇu vipra pravakṣyāmi
höre, o Brahmane, ich werde verkünden
śukotpattiṃ samāsataḥ
die Entstehung Śukas in Kürze
yāṃ śrutvā
wer dies gehört hat
brahma-tattva-jño jāyate mānavo mune
wird zum Kenner der Wahrheit des Brahman, o Weiser
na hāyanairna palitairna vittena na bandhubhiḥ / ṛṣayaścakrire dharmaṃ yo 'nūcānaḥ sa no mahān
Nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare, nicht durch Reichtum, nicht durch Verwandte begründen die Weisen den Dharma; wer im Veda samt seinen Hilfswissenschaften bewandert (anūcāna) ist, der ist der Große unter uns.
Wort für Wort
na hāyanaiḥ na palitaiḥ
nicht durch Jahre, nicht durch graue Haare
na vittena na bandhubhiḥ
nicht durch Reichtum, nicht durch Verwandte
ṛṣayaścakrire dharmam
haben die Weisen den Dharma begründet
yo 'nūcānaḥ sa no mahān
wer bewandert [im Veda samt Vedāṅgas] ist, der ist der Große unter uns
Sanandana sprach: Höre, Nārada, ich werde das Merkmal des 'Anūcāna' verkünden; wer dies erkennt, wird ein Mann, der die Veden samt ihren Gliedern (Aṅgas) kennt.
Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach:
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich werde verkünden
hi anūcānasya lakṣaṇam
fürwahr das Merkmal des 'Anūcāna'
yajjñātvā sāṅga-vedānām abhijño jāyate naraḥ
wodurch erkennend ein Mann kundig der Veden samt ihren Gliedern wird
sāṃgānvedānguroryastu samadhīte dvijottamaḥ / so 'nūcānaḥ prabhavati nānyathā granthakoṭibhiḥ
Der beste der Zweifachgeborenen, der die Veden samt ihren Gliedern vom Lehrer gründlich studiert, der wird 'anūcāna', nicht anders, auch nicht durch zehn Millionen Bücher.
Wort für Wort
sāṃgān vedān guroryastu samadhīte dvijottamaḥ
der beste der Zweifachgeborenen, der die Veden samt Gliedern beim Lehrer gründlich studiert
so 'nūcānaḥ prabhavati
der wird 'anūcāna' (kompetent, bewandert)
nānyathā granthakoṭibhiḥ
nicht anders, [auch] nicht durch zehn Millionen Bücher
Nārada sprach: Nenne mir die Merkmale der Glieder [des Veda] und auch der Veden ausführlich; du bist unter uns höchst kundig in diesen [Veden] samt ihren Gliedern, o Ehrengeber.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
aṅgānāṃ lakṣaṇaṃ brūhi vedānāṃ cāpi vistarāt
nenne die Merkmale der Glieder und auch der Veden ausführlich
tvaṃ asmāsu mahāvijñaḥ
du bist unter uns höchst kundig
sāṃgeṣveteṣu mānada
in diesen [Veden] samt ihren Gliedern, o Ehrengeber
Sanandana sprach: Eine unvergleichliche Bürde von Fragen hast du mir da auferlegt, o Zweifachgeborener; in Kürze werde ich ihren wohlbestimmten Kern verkünden.
Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach:
praśnabhāro 'yamatulastvayā mama kṛto dvija
diese unvergleichliche Bürde von Fragen hast du mir auferlegt, o Zweifachgeborener
saṃkṣepātkathayiṣyāmi sārameṣāṃ suniścitam
in Kürze werde ich ihren wohlbestimmten Kern verkünden
Der Ton (Svara) ist in der Śikṣā das Wichtigste, wie es von den weisen Zweifachgeborenen, den Kennern der Veden, verkündet wird; höre dies, ich sage es dir.
Einen Intervallschritt hat der Ton in den Ṛc[-Versen], einen zweifachen Intervallschritt der Ton in den Gāthās; in den Sāmans kenne man einen dreifachen Intervallschritt - so groß ist der Unterschied im Ton. [?]
Wort für Wort
ekāntaraḥ svaro hyapsu [?]
einen Intervallschritt hat der Ton in den Ṛc[-Versen] [?] (Lesart 'apsu' unsicher, s. Anm.)
gāthāsu dvyantaraḥ svaraḥ
in den Gāthās ein Ton mit zweifachem Intervallschritt
sāmasu tryantaraṃ vidyāt
in den Sāmans kenne man einen dreifachen Intervallschritt
etāvat svarato 'ntaram
so groß ist der Unterschied im Ton
[?] Die Lesart "apsu" ("in den Wassern") ergibt keinen Sinn; vermutlich verderbt aus "ṛkṣu" ("in den Ṛc-Versen"); danach übersetzt.
mantro hīnaḥ svarato varṇato vā mithyāprayukto na tamarthamāha / sa vāgvajro yajamānaṃ hirnāsti yathendraśatruḥ svarato 'parādhāt
Ein Mantra, mangelhaft an Ton oder an Laut, falsch angewandt, bringt jenen [rechten] Sinn nicht zum Ausdruck; er, [wie] ein Sprachdonnerkeil, verletzt den Opferherrn - wie [bei] 'indraśatru' - durch ein Vergehen am Ton.
Wort für Wort
mantro hīnaḥ svarato varṇato vā
ein Mantra, mangelhaft an Ton oder an Laut
mithyāprayukto na tamarthamāha
falsch angewandt, bringt jenen [rechten] Sinn nicht zum Ausdruck
sa vāgvajro yajamānaṃ hinasti [Anm.]
er, [wie] ein Sprachdonnerkeil, verletzt den Opferherrn (Lesart 'hirnāsti' korrigiert, s. Anm.)
yathendraśatruḥ svarato 'parādhāt
wie [im Fall von] 'indraśatru' durch ein Vergehen am Ton
[Anm.: "hirnāsti" ist vermutlich verderbt aus "hinasti" ("verletzt"); dem Sinn entsprechend übersetzt. Berühmter Vers auch aus der Pāṇinīya-Śikṣā-Tradition.]
Brust, Kehle und Kopf sind die drei Orte in der Stimme; diese nennt man auch 'Preßungen' (Savana), oder [es gilt] im Sāman ein Abstand von einem Halbton. [?]
Wort für Wort
uraḥ kaṇṭhaḥ śiraścaiva sthānāni trīṇi
Brust, Kehle und Kopf - drei Orte
vāṅkye [?]
in der Stimme/Sprache [?] (unsichere Lesart)
savanānyāhuretāni
diese nennt man 'Savana' (Preßungen)
sāma vāpyarddhatoṃ'taram [?]
oder im Sāman mit halbtönigem Abstand [?] (unsichere Lesart)
[?] Die Lesart "vāṅkye" (vermutlich für "vāci", "in der Sprache/Stimme") sowie "arddhatoṃ'taram" sind unsicher; nach bestmöglicher Deutung übersetzt.
uraḥ saptavivāraṃ syāttathā kaṇṭhastathā śiraḥ / na ca śakto 'si vyaktastu tathā prāvacanā vidhiḥ
Die Brust habe sieben Öffnungen, ebenso die Kehle, ebenso der Kopf; [der Ton] darf nicht unfähig, sondern muss deutlich sein - so ist die Regel des Vortrags. [?]
Wort für Wort
uraḥ saptavivāraṃ syāt
die Brust habe sieben Öffnungen
tathā kaṇṭhastathā śiraḥ
ebenso die Kehle, ebenso der Kopf
na ca śakto 'si vyaktastu [?]
[der Ton] darf nicht unfähig, sondern muss deutlich sein [?] (unsichere Lesart)
tathā prāvacanā vidhiḥ
so ist die Regel des Vortrags (Prāvacana)
[?] Der zweite Halbvers ("na ca śakto 'si vyaktastu") ist syntaktisch unklar/vermutlich verderbt; sinngemäß übersetzt.
Der dritte, erste [und] laute (kruṣṭa) [Ton] bilden die Āhvaraka-Töne; die vom zweiten an bis zum Madra[-Ton] reichenden - die Taittirīyas haben vier Töne.
Wort für Wort
tṛtīya prathamakruṣṭā
der dritte, erste [und] laute [Ton]
kurvantyāhvarakān svarān
bilden die Āhvaraka-Töne
dvitīyādyāstu madrāntāḥ
die vom zweiten beginnenden bis zum Madra[-Ton] reichenden
Man nennt [dies] die Śikṣā der Zweifachgeborenen, das Merkmal von Ṛc, Yajus [und] Sāman: sieben Grundtöne, drei darauf beruhende Skalen (Grāma), aber einundzwanzig Mūrchanās.
Wort für Wort
śikṣāmāhurdvijātīnāmṛgyajuḥ sāmalakṣaṇam
man nennt [dies] die Śikṣā der Zweifachgeborenen, das Merkmal von Ṛc, Yajus und Sāman
sapta svarāsrayo grāmā
sieben Töne, darauf beruhende Skalen (Grāma) [d.h. drei Grāmas auf sieben Tönen beruhend]
Der Tāna-Melodien sind neunundvierzig - dies ist der 'Kreis der Töne' (Svaramaṇḍala); [die sieben Grundtöne sind] Ṣaḍja, und Ṛṣabha, Gāndhāra, ebenso Madhyama,
Wort für Wort
tānā ekonapañcāśadityetaḥsvaramaṇḍalam
der Tāna-Melodien sind neunundvierzig - dies ist der 'Kreis der Töne'
bhūrllokājjāyate ṣaṅjo bhuvarlokāñca madhyamaḥ / svargābhrāñcaiva gāndhāro grāmasthānāni trīṇi hi
Aus der Erdwelt (Bhūrloka) entsteht Ṣaḍja, aus der Bhuvarloka Madhyama, und aus dem Himmel der Svarga[-Welt] Gāndhāra - dies sind die drei Ursprungsorte der Grāmas.
Wort für Wort
bhūrllokājjāyate ṣaṅjo
aus der Erdwelt (Bhūrloka) entsteht Ṣaḍja
bhuvarlokāñca madhyamaḥ
und aus der Bhuvarloka Madhyama
svargābhrāñcaiva gāndhāro
und aus dem Himmel der Svarga[-Welt] Gāndhāra
grāmasthānāni trīṇi hi
dies sind fürwahr die drei Ursprungsorte der Grāmas
yakṣānniṣādaḥ prīṇāti bhūtagrāmaṃ ca dhaivataḥ / gānasya tu daśavidhā guṇavṛttistu tadyathā
Niṣāda erfreut die Yakṣas, und Dhaivata die Schar der Wesen (Bhūtas); die zehnfache Beschaffenheit der Eigenschaften des Gesangs (Gāna) aber ist wie folgt:
Wort für Wort
yakṣānniṣādaḥ prīṇāti
Niṣāda erfreut die Yakṣas
bhūtagrāmaṃ ca dhaivataḥ
und Dhaivata die Schar der Wesen
gānasya tu daśavidhā guṇavṛttistu tadyathā
die zehnfache Beschaffenheit der Eigenschaften des Gesangs aber ist wie folgt
Rakta ('gefärbt/vereint'), Pūrṇa ('voll'), Alaṅkṛta ('geschmückt'), Prasanna ('klar'), Vyakta ('deutlich'), Vikruṣṭa ('laut'), Ślakṣṇa ('glatt'), Sama ('gleichmäßig'), Sukumāra ('zart') [und] Madhura ('süß') - dies sind die Eigenschaften. Dabei: 'Rakta' heißt, dass die Verschmelzung der Töne von Flöte und Vīṇā zur Einheit 'rakta' genannt wird. 'Pūrṇa' heißt, dass durch das Erfüllen von Ton und Śruti (Mikroton), durch die Verbindung mit der Versfuß-Silbe (Pāda-Akṣara), es 'pūrṇa' genannt wird. 'Alaṅkṛta' heißt, dass das in Brust, Kopf [und] Kehle Verbundene 'alaṅkṛta' genannt wird. 'Prasanna' heißt, dass das von Stottern befreite, unbedenkliche 'prasanna' genannt wird. 'Vyakta' heißt, dass das richtige Zustandebringen von Wort, Wortbedeutung, Grundform und Modifikation, Augment, sekundärer Ableitung (Taddhita), Kompositum, Verbalwurzel, Partikel, Präverb, Ton [und] Genus, sowie von Wortbildung (Vṛtti), Vārttika, Kasus, Bedeutung [und] Numerus 'vyakta' genannt wird. 'Vikruṣṭa' heißt, dass das laut Ausgerufene, mit deutlichen Wortsilben, 'vikruṣṭa' genannt wird. 'Ślakṣṇa' heißt, dass das durch Schnelligkeit, ohne Verzögerung, durch die Verbindung von hoch, tief [und] gedehnt, durch Anmut, Rhythmus (Tāla) und dergleichen Mittel Zustandegebrachte 'ślakṣṇa' genannt wird. 'Sama' heißt, dass die Verbindung der aufeinanderfolgenden Stellungen am Ort von Einatmung und Ausatmung 'sama' genannt wird. 'Sukumāra' heißt, dass das mit weichen Worten, Lauten, Tönen [und sanften Wendungen (?)] Verbundene 'sukumāra' genannt wird. 'Madhura' heißt, dass das von Natur aus mit anmutigen Worten und Silbenqualitäten reich Ausgestattete 'madhura' genannt wird. So, mit diesen zehn Eigenschaften versehen, entsteht [vollkommener] Gesang. Und hierzu gibt es Verse: [es folgt der Beginn der Liste der Gesangsfehler:] Befürchtet (śaṅkita), furchterregend (bhīṣaṇa), ängstlich (bhīta), übermäßig laut (uddhuṣṭa), nasal (anunāsika), krähenstimmig (kākasvara), im Scheitel sitzend (mūrdhagata), sowie den [rechten] Ort verfehlend (sthānavivarjita) -
'Vyakta' heißt: die korrekte Herstellung von Wort, Wortbedeutung, Grundform/Modifikation, Augment, Taddhita, Kompositum, Wurzel, Partikel, Präverb, Ton, Genus, sowie Wortbildung, Vārttika, Kasus, Bedeutung und Numerus
krähenstimmig, im Scheitel sitzend, sowie den Ort verfehlend
[Anm.: Vers 44 vereint im Quelltext ungewöhnlich sowohl die ausführliche Prosa-Definition der zehn Gāna-Qualitäten als auch die einleitende Formel 'bhavanti cātra ślokāḥ' und den Beginn der vierzehnteiligen Liste der Gesangsfehler (Doṣas), die erst in V45 abgeschlossen wird; die Binnenzählung '// 1//' im Quelltext ist eine kapitelinterne Nebenzählung (kein Versanfang) und wurde unverändert übernommen. Bei 'sukumāraṃ nāma mṛdupadavarṇasvarakuhagaraṇayuktaṃ' ist 'kuhagaraṇa' unklar [?].
ācāryāḥ samamicchanti padacchedaṃ tu paṇḍitāḥ / sriyo madhuramicchanti vikruṣṭamitare janāḥ
Die Lehrer wünschen sich Gleichmäßigkeit (Sama), die Gelehrten aber die richtige Worttrennung; Frauen wünschen sich Süße (Madhura), andere Leute Lautheit (Vikruṣṭa).
gāndhāraśca niṣādaśca vaiśyāvarddhena vai smṛto / śūdratvaṃ vidhinārddhena patitatvānna saṃśayaḥ
und Gāndhāra und Niṣāda gelten zur Hälfte als Vaiśyas; durch die [andere] Hälfte, nach der Regel, [gilt] Śūdra-Stand - über ihre Gefallenheit besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
gāndhāraśca niṣādaśca
und Gāndhāra und Niṣāda
vaiśyāvarddhena vai smṛto
gelten zur Hälfte fürwahr als Vaiśyas
śūdratvaṃ vidhinārddhena
durch die [andere] Hälfte, nach der Regel, [gilt] Śūdra-Stand
patitatvānna saṃśayaḥ
über [ihre] Gefallenheit besteht kein Zweifel
[?] Sinn der Zuordnung 'zur Hälfte Vaiśya, zur Hälfte Śūdra/gefallen' bleibt inhaltlich dunkel; wörtlich wiedergegeben.
Wo Ṛṣabha, ausgenommen von der [betreffenden] Mūrchanā, und Pañcama, begleitet von Dhaivata, in den Madhyama-Rāga fällt, da erkenne man dies als 'Niṣāda-Ṣāḍjava'.
Wort für Wort
ṛṣabho mūrchitavarjito
Ṛṣabha, ausgenommen von der [betreffenden] Mūrchanā
Wenn Pañcama innehält und Gāndhāra zum Zwischenton (Antara) wird, [und] Ṛṣabha von Niṣāda begleitet ist, erkenne man jenes Pañcama[-Modus] als von dieser Art.
Wort für Wort
yadi pañcamo viramate
wenn Pañcama innehält
gāndhāraścāntarasvaro bhavati
und Gāndhāra zum Zwischenton wird
ṛṣabho niṣādasahitaḥ
Ṛṣabha, von Niṣāda begleitet
taṃ pañcamamīdṛśaṃ vidyāt
erkenne man jenes Pañcama[-Modus] als von dieser Art
gāndhārasyādhipatyena niṣādasya gatāgataiḥ / dhaivatasya ca daurbalyānmadhyamagrāma ucyate
Durch die Vorherrschaft von Gāndhāra, durch das Kommen und Gehen von Niṣāda und durch die Schwäche von Dhaivata wird [ein Modus] 'Madhyama-Grāma' genannt.
Nachdem man 'Kaiśika' mit allen Tönen von allen Seiten her hervorgebracht hat, da der Ruhepunkt (Nyāsa) in Madhyama liegt, deshalb [heißt es] 'Kaiśikamadhyama'.
Wort für Wort
kaiśikaṃ bhāvayitvā tu svaraiḥ sarvaiḥ samantataḥ
nachdem man 'Kaiśika' mit allen Tönen von allen Seiten her hervorgebracht hat
'Ge' - so kennen es die Weisen als das zu Singende (Geya); 'dhe' - als den Ausdruck des Kunsthandwerks; 've' - dies wird als Bezeichnung des Instrumentalspiels verstanden, der Lust der Gandharvas.
Wort für Wort
geti geyaṃ viduḥ prājñā
'ge' - so kennen die Weisen das zu Singende
dheti kārupravādanam
'dhe' - als den Ausdruck des Kunsthandwerks
veti vādyasya saṃjñeyaṃ
've' - dies gilt als Bezeichnung des Instrumentalspiels
Auf Nase, Kehle, Brust, Gaumen, Zunge und Zähne gestützt - da er durch [diese] sechs zusammen entsteht, deshalb gilt er als 'Ṣaḍ-ja' (aus Sechs Geborener).
Wort für Wort
nāsā kaṇṭhamurastālujihvādatāṃśca saṃśritaḥ
auf Nase, Kehle, Brust, Gaumen, Zunge und Zähne gestützt
Der Atem, vom Nabel erhoben, in der Brustmitte, im Herzen geschlagen, den Nabel erreichend, in der Mitte befindlich, erlangt den Zustand von 'Madhyama' (Mitte).
Der Atem, vom Nabel erhoben, durch Brust, Herz [und] Kehle getragen - diesem, aus fünf Stellen erhobenen, wird der Zustand von 'Pañcama' (Fünftem) zugewiesen.
Durch das Befinden in den fünf Stellen werden alle Stellen [zugleich] getragen. Der von Agni gesungene Ton ist Ṣaḍja, Ṛṣabha gilt als von Brahmā [gesungen],
Gāndhāra ist von Soma gesungen, der Ton Madhyama von Viṣṇu; der Ton Pañcama aber ist, wisse dies, von dir selbst gesungen. [?]
Wort für Wort
somena gīto gāndhāro
Gāndhāra ist von Soma gesungen
viṣṇunā madhyamaḥ svaraḥ
der Ton Madhyama von Viṣṇu
pañcamastu svaro gītaḥ
der Ton Pañcama aber ist gesungen
tvayaiveti nidhāraya [?]
von dir selbst - so wisse dies [?]
[?] Die Zuweisung des fünften Tons an "tvayā" ("von dir") innerhalb der Rede Sanandanas an Nārada ist auffällig; möglicherweise verweist dies auf Nāradas eigene Rolle als Musiker, oder die Lesart ist verderbt (Gottheitsname erwartet).
Und Dhaivata und Niṣāda sind die beiden von Tumburu gesungenen Töne. Als Gottheit des ersten von diesen [d.h. Ṣaḍja] wird von den Weisen Brahmā genannt.
Wegen der scharfen, lodernden Leuchtkraft [gilt] der Feuergott (Hutāśana) als [Gottheit] des Ṛṣabha; die Kühe freuen sich, wenn [das Opfer] dargebracht wird - aus diesem Grund [gehört zu ihnen] Gāndhāra.
Wort für Wort
tīkṣṇadīptaprakāśatvāt
wegen der scharfen, lodernden Leuchtkraft
ṛṣabhasya hutāśanaḥ
[gilt] der Feuergott als [Gottheit] des Ṛṣabha
gāvaḥ praṇīte tuṣyanti
die Kühe freuen sich, wenn [das Opfer] dargebracht wird
śrutvā caivopatiṣṭanti saurabheyā na saṃśayaḥ / somastu pañcamasyāpi daivataṃ brahmarādrasmṛtam
Und die Nachkommen der Surabhi (Kühe) stellen sich, wenn sie [ihn] gehört haben, gewiss ein - ohne Zweifel. Soma aber ist auch als die Gottheit des Pañcama bekannt, [genannt] 'Brahmarādra'. [?]
Wort für Wort
śrutvā caivopatiṣṭanti
und, wenn sie [ihn] gehört haben, stellen sie sich ein
saurabheyā na saṃśayaḥ
die Nachkommen der Surabhi, ohne Zweifel
somastu pañcamasyāpi daivataṃ
Soma aber ist auch die Gottheit des Pañcama
brahmarādrasmṛtam [?]
als 'Brahmarādra' bekannt [?] (unsichere Lesart)
[?] Der Begriff "brahmarādra" (oder "brahmarādrasmṛtam") ist unklar / möglicherweise verderbt; wörtlich übernommen.
Jener [Ton], dessen Schwinden und Wachsen, wenn er den [betreffenden] Grāma erreicht, dem Mond (Soma) gleicht - da er dadurch diese vorher entstandenen Töne übertrifft/verbindet,
deshalb wird auch für diesen Ton der Status 'Dhaivata' zugewiesen. Da die Töne [in ihm] zur Ruhe kommen (niṣīdanti), deshalb [heißt er] aus diesem Grund 'Niṣāda'.
svaravyañjanasaṃyuktā aṅgulyaṅguṣṭarañjitā / hastau tu saṃyatau dhāryauṃ jānubhyāmuparisthitau
verbunden mit Ton und Konsonant[-Gesten], gefärbt/geschmückt durch Finger und Daumen; die beiden Hände aber sind, beherrscht gehalten, oberhalb der beiden Knie zu halten.
guroranukṛtiṃ kuryādyathānyā na matirbhavet / praṇavaṃ prākprayuñjīta vyāhṛtīstadanantaram
Man soll dem Lehrer nachahmen, so dass keine andere Vorstellung entsteht; zuerst wende man den Praṇava (Oṃ) an, danach die Vyāhṛtis [Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ],
sāvitrīṃ cānuvacanaṃ tato vai gānamārabhet / prasārya cāṅgulīḥ sarvā ropayetsvaramaṇḍalam
und die Sāvitrī (Gāyatrī) als Nachsprechen; dann fürwahr beginne man mit dem Gesang. Nachdem man alle Finger ausgestreckt hat, richte man den Kreis der Töne (Svaramaṇḍala) [auf der Hand] ein.
na cāṅgulībhiraṅguṣṭamaṅguṣṭenāgulīḥ spṛśet / viralā nāṅgulīḥ kuryānmūle caitāṃ na saṃspṛśet
Man berühre den Daumen nicht mit den Fingern, [noch] die Finger mit dem Daumen; man mache die Finger nicht [zu] weit gespreizt und berühre sie nicht an ihrer Basis.
Wort für Wort
na cāṅgulībhiraṅguṣṭamaṅguṣṭenāgulīḥ spṛśet
man berühre den Daumen nicht mit den Fingern, [noch] die Finger mit dem Daumen
aṅguṣṭhāgreṇa tā nityaṃ madhyame parvaṇi spṛśet / mātrādvimātravṛddhānāṃ vibhāgārthe vibhāgavit
Mit der Daumenspitze berühre man sie stets am mittleren Gelenk; von den Mātrā-, Doppel-Mātrā-Zunahmen kenne, zum Zweck der Einteilung, der der Einteilung Kundige.
Wort für Wort
aṅguṣṭhāgreṇa tā nityaṃ madhyame parvaṇi spṛśet
mit der Daumenspitze berühre man sie stets am mittleren Gelenk
mātrādvimātravṛddhānāṃ
der Mātrā-, Doppel-Mātrā-Zunahmen
vibhāgārthe vibhāgavit
zum Zweck der Einteilung [kenne] der der Einteilung Kundige
aṅgulībhirdvimātraṃ tu pāṇeḥ savyasya darśayet / trirekhā yasya dṛśyate siddhiṃ tatra vinirdiśet
Mit den Fingern zeige man den Zweifach-Mātrā-Wert auf der linken Hand; wo eine dreifache Linie sichtbar wird, dort weise man die Vollendung (Siddhi) an.
sa parva iti vijñeyaḥ śeṣamantaramantaram / parvāntaraṃ sāmasu ca ṛkṣu kuryāttilāntaram
Das ist als 'Parvan' (Gelenk) zu erkennen; der Rest [ist] Zwischenraum um Zwischenraum. Den Zwischenraum-zwischen-Gelenken mache man bei den Sāmans, [und] bei den Ṛcs einen 'sesamkorngroßen' Zwischenraum.
Wort für Wort
sa parva iti vijñeyaḥ
das ist als 'Parvan' (Gelenk) zu erkennen
śeṣamantaramantaram
der Rest [ist] Zwischenraum um Zwischenraum
parvāntaraṃ sāmasu ca
den Zwischenraum-zwischen-Gelenken bei den Sāmans
ṛkṣu kuryāttilāntaram
bei den Ṛcs mache man einen sesamkorngroßen Zwischenraum
Nachdem man den unteren [Finger] sanft, der Reihe nach, auf der Handfläche platziert hat, wie ein Blitz inmitten der Wolken sichtbar wird, wie eine Perlenschnur,
Wort für Wort
adhastanaṃ mṛdaṃ nyasya
nachdem man den unteren [Finger] sanft platziert hat
pṛṣacchedavivṛttīnāṃ yathā bāleṣukartarī / kūrmo 'gāni ca saṃhṛtya cetodṛṣṭiṃ diśanmanaḥ
wie beim Zerschneiden/Öffnen von Tröpfchen, wie eine Schere bei kindlichem [Pfeil-]Spiel [?] - nachdem man, wie eine Schildkröte, die Glieder eingezogen hat, [und] Geist [und] Blick lenkend,
Wort für Wort
pṛṣacchedavivṛttīnāṃ
des Zerschneidens/der Öffnungen von Tröpfchen
yathā bāleṣukartarī [?]
wie eine Schere bei kindlichem [Pfeil-]Spiel [?] (unsichere Lesart)
kūrmo 'gāni ca saṃhṛtya
nachdem man, wie eine Schildkröte, die Glieder eingezogen hat
cetodṛṣṭiṃ diśanmanaḥ
Geist und Blick lenkend
[?] Das Bild "bāleṣukartarī" ("Schere bei kindlichem Pfeil[spiel]") ist unklar/obskur; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
niveśya dṛṣṭiṃ hastāgre śāstrārthamanucintayet / samyakpracārayedvākyaṃ hastena ca mukhena ca
Nachdem man den Blick auf die Fingerspitze gerichtet hat, denke man über die Bedeutung der Lehrschrift nach; man vollziehe den Ausspruch richtig, sowohl mit der Hand als auch mit dem Mund.
Wort für Wort
niveśya dṛṣṭiṃ hastāgre
nachdem man den Blick auf die Fingerspitze gerichtet hat
Genauso wie man die Laute ausspricht, so genau beende man sie; man schlage sie nicht übermäßig, zerstöre sie nicht, übersinge sie nicht, lasse sie nicht erzittern.
Wort für Wort
yathaivoccārayedvarṇāṃstathaivaināṃ samāpayet
genauso wie man die Laute ausspricht, so genau beende man sie
nātyāhanyānna nirhaṇyān
man schlage sie nicht übermäßig, zerstöre sie nicht
Man singe die Sāmans gleichmäßig, wie [ein Vogel] durch eigene Bewegung im Luftraum [fliegt]; so wie der Pfad gut schwimmender Fische nicht wahrgenommen wird,
Wort für Wort
samaṃ sāmāni gāyeta
man singe die Sāmans gleichmäßig
vyomni svena gātiryathā
wie [ein Vogel] durch eigene Bewegung im Luftraum [fliegt]
yathā sucaratāṃ mārgo mīnānāṃ nopalabhyate
so wie der Pfad gut schwimmender Fische nicht wahrgenommen wird
oder [der Pfad] der Vögel am Himmel - ebenso [unmerklich sei] der Verlauf der Śruti (Mikroton) innerhalb des Tones. So wie im Rahm die Sahne [enthalten] wäre, oder wie im Holz das Feuer [enthalten ist],
Wort für Wort
ākāśe vā vihaṃgānāṃ
oder [der Pfad] der Vögel am Himmel
tadvatsvaragatā śrutiḥ
ebenso [unmerklich sei] der Verlauf der Śruti innerhalb des Tones
und nur mit Mühe wahrgenommen wird - ebenso [ist] der Verlauf der Śruti innerhalb des Tones. Der Übergang von Ton zu Ton, die Fügung der Töne, sei nicht übermäßig/grob;
Wort für Wort
prayatnenopalabhyeta
und nur mit Mühe wahrgenommen wird
tadvatsvaragatā śrutiḥ
ebenso [ist] der Verlauf der Śruti innerhalb des Tones
svarātsvarasya saṃkrāmaṃ svarasaṃdhimanulbaṇam
der Übergang von Ton zu Ton, die Fügung der Töne, [sei] nicht übermäßig/grob
man mache ihn ununterbrochen [und] gleichmäßig, vergleichbar mit feinem Schatten [und] Sonnenlicht [im Übergang]. [Man vermeide einen Ton, der] nicht angekommen, überschossen, unterbrochen, ungleichmäßig geschlagen,
Wort für Wort
avicchinnaṃ samaṃ kuryāt
man mache ihn ununterbrochen [und] gleichmäßig
sūkṣmacchāyātapopamam
vergleichbar mit feinem Schatten [und] Sonnenlicht
anāgatamatikrāntaṃ vicchinnaṃ viṣamāhatam
nicht angekommen, überschossen, unterbrochen, ungleichmäßig geschlagen [ist]
tanvantamasthitāntaṃ ca varjayetkarṣaṇaṃ budhaḥ / svaraḥ sthānāccyuto yastu svaṃ sthānamativartate
gedehnt, oder unstet endend ist, [solche Fehler] vermeide der Weise, [ebenso] das Schleifen (Karṣaṇa). Ein Ton, der von [seinem] Ort abgewichen ist, oder der seinen eigenen Ort überschreitet,
[diesen] Fehler nennen die Sāma-Sänger 'Vistara' (Weitschweifigkeit), die Vīṇā-Spieler 'Virakta' (Entfremdetes). Zum Zweck der Übung [nutze man] das schnelle Tempo, zum Zweck der [eigentlichen] Ausführung aber das mittlere,
Der Zweifachgeborene unterrichte die Schüler nicht [nur] mittels der Hand, gemäß der Lehrregel. Der Ort des lauten [Tons] ist am Scheitel, des ersten aber an der Stirn,
Wort für Wort
haste nādhyāpayecchiṣyān
man unterrichte die Schüler nicht [nur] mittels der Hand
bhruvormadhya dvitīyasya tṛtīyasya tu karṇayoḥ / kaṇṭhasthānaṃ caturthasya mandrasya rasanocyate
zwischen den Augenbrauen [der Ort] des zweiten, des dritten aber an den beiden Ohren; der Kehlort [gehört] dem vierten, des Tieftons (Mandra) [Ort] wird als Zunge bezeichnet,
für den übermäßig tiefen (Atisvara) [Ton] wird das Herz als Ort bestimmt. [Auf] der Spitze des Daumens [liegt] oben der laute [Ton]; der Daumen [entspricht] fürwahr dem ersten Ton,
Wort für Wort
atisvarasya nīcasya hṛdi sthānaṃ vidhīyate
für den übermäßig tiefen [Ton] wird das Herz als Ort bestimmt
aṅguṣṭasyottame vruṣṭo
an der Spitze des Daumens [liegt] oben der laute [Ton]
tasyādhastāñca yonyāstu niṣādaṃ tatra nirdiśet / aparvatvādamadhyatvā davyayatvāñca nityaśaḥ
und unterhalb davon, an der Basis (Yoni), weise man dort Niṣāda zu - wegen [seiner] Gelenklosigkeit, seiner Nicht-Mittigkeit und seiner Beständigkeit [?], stets.
Wort für Wort
tasyādhastāñca yonyāstu
und unterhalb davon, an der Basis
niṣādaṃ tatra nirdiśet
weise man dort Niṣāda zu
aparvatvādamadhyatvā
wegen [seiner] Gelenklosigkeit, [seiner] Nicht-Mittigkeit
davyayatvāñca nityaśaḥ [?]
und [seiner] Beständigkeit [?], stets (unsichere Lesart)
[?] "davyayatvāñca" ist unklar/vermutlich verderbt (evtl. für "dvayatvāñca" o.ä. "Zweifachheit"); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
Alle Wesen fürwahr werden von den Sāma-Tönen getragen. [Bezüglich] der [Śrutis genannt] 'dīptā' (lodernd), 'āyatā' (gedehnt), 'karuṇā' (klagend), sowie 'mṛdu' (weich) und 'madhyama' (mittel) -
Wort für Wort
sarvāṇi khalu bhūtāni
alle Wesen fürwahr
dhāryante sāmikaiḥ svaraiḥ
werden von den Sāma-Tönen getragen
dīptāyatākaruṇānāṃ mṛdumadhyamayostathā
der [Śrutis] 'dīptā', 'āyatā', 'karuṇā', sowie 'mṛdu' und 'madhyama'
śrutīnāṃ yo viśeṣajño na sa ācārya ucyate / dīptā mandre dvitīya ca pracaturthe tathaiva ca
wer die besondere Unterscheidung der Śrutis nicht kennt, der wird nicht als Lehrer (Ācārya) bezeichnet. 'Dīptā' [ist] im Tiefton, und im zweiten, und ebenso im vierten,
Wort für Wort
śrutīnāṃ yo viśeṣajño
wer die besondere Unterscheidung der Śrutis kennt
na sa ācārya ucyate
wer sie nicht kennt, wird nicht als Lehrer bezeichnet
dīptā mandre dvitīya ca pracaturthe tathaiva ca
'Dīptā' [ist] im Tiefton, im zweiten, und ebenso im vierten
atisvare tṛtīye ca kruṣṭe tu karuṇā śrutiḥ / śrutayo yā dvitīyasya mṛdumadhyāyatāḥ smṛtāḥ
im übermäßig tiefen und im dritten [Ton], im lauten (Kruṣṭa) [Ton] aber die 'Karuṇā'-Śruti. Die Śrutis des zweiten [Tons] gelten als 'mṛdu', 'madhyā' [und] 'āyatā'.
Wort für Wort
atisvare tṛtīye ca
im übermäßig tiefen und im dritten [Ton]
kruṣṭe tu karuṇā śrutiḥ
im lauten [Ton] aber die 'Karuṇā'-Śruti
śrutayo yā dvitīyasya mṛdumadhyāyatāḥ smṛtāḥ
die Śrutis des zweiten [Tons] gelten als 'mṛdu', 'madhyā' [und] 'āyatā'
tāsāmapi tu vakṣyāmi lakṣaṇāni pṛthak pṛthak / āyatātvaṃ bhavennīce mṛdutā tu viparyaye
Auch von diesen werde ich die Merkmale einzeln verkünden: Die Eigenschaft von 'Āyatā' tritt im tiefen [Ton] auf; 'Mṛdutā' (Weichheit) aber im Gegenteil [d.h. im hohen],
Wort für Wort
tāsāmapi tu vakṣyāmi lakṣaṇāni pṛthak pṛthak
auch von diesen werde ich die Merkmale einzeln verkünden
āyatātvaṃ bhavennīce
die Eigenschaft von 'Āyatā' tritt im tiefen [Ton] auf
sve svare madhyamātvaṃ tu tatsamīkṣya prayojayet / dvitīye viratā yā tu kruṣṭaśca parato bhavet
im eigenen [natürlich mittleren] Ton aber [tritt] 'Madhyamatva' (Mittigkeit) [auf] - dies erwäge man und wende es an. Das, was im zweiten [Ton] innegehalten hat (Viratā), und danach der laute [Ton] würde [folgen] -
Wort für Wort
sve svare madhyamātvaṃ tu
im eigenen [mittleren] Ton aber [tritt] Mittigkeit [auf]
dīptāṃ tāṃ tu vijānīyātprāthamyena mṛduḥ smṛtaḥ / atraiva viratā yā tu caturthena pravartate
das erkenne man als 'Dīptā'; durch das Erstsein wird [es] als 'Mṛdu' bekannt. Ebenda [im zweiten Ton], das, was innegehalten hat, aber durch den vierten [Ton] fortschreitet -
ebenso wäre es 'Dīptā', wenn im Tiefton, und auch am Schluss des Sāman. Man mache keine übermäßig hohe Śruti, auch nicht [eine solche] zwischen zwei Tönen,
taṃ ca hrasve ca dīrghe ca na cāpi ghuṭisajñake / dvividhā gatiḥ padāntasthitasaṃdhiḥ sahoṣmabhiḥ
und weder im kurzen noch im langen, noch auch im sogenannten 'Ghuṭi'. Zweifach ist der Verlauf: die am Wortende befindliche Fuge, zusammen mit den Zischlauten (Ūṣman).
Wort für Wort
taṃ ca hrasve ca dīrghe ca
und [nicht] im kurzen und im langen
na cāpi ghuṭisajñake
und auch nicht im sogenannten 'Ghuṭi'
dvividhā gatiḥ
zweifach ist der Verlauf
padāntasthitasaṃdhiḥ sahoṣmabhiḥ
die am Wortende befindliche Fuge, zusammen mit den Zischlauten
sthitisthāneṣvaśeṣāṇi śrutivatsvarato vadet / dīptāmudātte jānīyāddīptāṃ ca svarite viduḥ
an ihren festgelegten Orten, vollständig, spreche man gemäß dem Ton, wie es für die Śruti [vorgeschrieben ist]. 'Dīptā' erkenne man im Udātta [Hochton], und 'Dīptā' kennt man auch im Svarita,
Wort für Wort
sthitisthāneṣvaśeṣāṇi
an ihren festgelegten Orten, vollständig
śrutivatsvarato vadet
spreche man gemäß dem Ton, wie es für die Śruti [gilt]
im Anudātta [Tiefton] soll 'Mṛdu' erkannt werden - die Gandharvas [erfreuen sich] am Reichtum der Śruti. Udātta und Anudātta, und ebenso Svarita [und] 'Pracita' (angehäuft) -
Wort für Wort
anudātte mṛdurjñeyā
im Anudātta soll 'Mṛdu' erkannt werden
gandharvāḥ śrutisaṃpade
die Gandharvas [erfreuen sich] am Reichtum der Śruti
udāttaścānudāttaśca svaritapracite tathā
Udātta und Anudātta, und ebenso Svarita [und] Pracita
nighātaśceti vijñeyaḥ svarabhedaśca pañcadhā / ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi ācikasya svaratrayam
und 'Nighāta' (der Niederfall) - so ist der Unterschied des Tones als fünffach zu erkennen. Von hier an werde ich das dreifache [Ton-System] des Ārcika[-Gesangs] verkünden.
udāttaścānudāttaśca tṛtīyaḥ svaritaḥ svaraḥ / ya evodātta ityuktaḥ sa eva svaritātparaḥ
Udātta (Hochton) und Anudātta (Tiefton), und als dritter Ton der Svarita. Das, was eben als 'Udātta' bezeichnet wird, das eben ist es, was auf den Svarita folgt.
'Pracaya' (Anhäufung) wird [dies] von den Kennern genannt, und es gibt hierin keinen weiteren Tonunterschied. Der 'Varṇasvara' (dem Laut inhärente Ton) [und] der 'Atītasvara' (der vergangene Ton) - der Svarita gilt als zweifach.
mātriko varṇa evaṃ tu dīrghastūñcaritādanu / sa tu saptavidho jñeyaḥ svaraḥ pratyayadarśanāt
So ist der [Svarita] des kurzen Lautes von einer Mātrā, der lange aber [entsteht] nach dem Aussprechen [des Wortes]. Jener Ton aber ist als siebenfach zu erkennen, aus der Betrachtung der [jeweiligen] Ursache (Pratyaya).
Wort für Wort
mātriko varṇa evaṃ tu
so ist der [Svarita] des kurzen Lautes von einer Mātrā
dīrghastūñcaritādanu
der lange aber nach dem Aussprechen
sa tu saptavidho jñeyaḥ svaraḥ pratyayadarśanāt
jener Ton aber ist als siebenfach zu erkennen, aus der Betrachtung der Ursache
padena tu sa vijñeyo bhavedyo yatra yādṛśaḥ / saptasvarānprayuñjīta dakṣiṇaṃ śravaṇaṃ prati
Am Wort aber ist er zu erkennen, welcher [Ton] er auch sei, wo auch immer, von welcher Art auch immer. Man wende die sieben Töne im Hinblick auf das rechte Ohr an.
Wort für Wort
padena tu sa vijñeyo
am Wort aber ist er zu erkennen
bhavedyo yatra yādṛśaḥ
welcher [Ton] er auch sei, wo auch immer, von welcher Art
saptasvarānprayuñjīta dakṣiṇaṃ śravaṇaṃ prati
man wende die sieben Töne im Hinblick auf das rechte Ohr an
Die von den Lehrern, die das Wohl von Söhnen [und] Schülern erstreben, festgelegte Lehre [lautet]: Es gibt kein Höheres als das Hohe, ebenso kein Tieferes als das Tiefe.
In der Bezeichnung von 'Vaisvarya' (Mißklang) und 'Svāra' - was ist der Ort/Status, der 'Svāra' genannt wird? Das, was zwischen Hoch und Tief liegt, [das ist] die 'gemeinsame' (Sādhāraṇa) Śruti.
und Ṣaḍja, Madhyama [und] Pañcama fürwahr entstehen aus dem Svarita. Wo die Zischlaute (Ūṣman), gefolgt von 'ka' [oder] 'kha', [stehen], [sind sie] an der Zungenwurzel gebildet,
Wort für Wort
svaritaprabhavā hyete ṣaṅjamadhyamapañcamāḥ
und Ṣaḍja, Madhyama [und] Pañcama fürwahr entstehen aus dem Svarita
tānapyājñāpayenmātrāprakṛtyaiva tu sā kalā / jātyaḥ kṣaipro 'bhinihita stairavyañjana eva ca
auch diese bestimme man nach Mātrā; jener Anteil (Kalā) aber [gehört] zur [jeweils] eigenen Natur. [Die sieben Svarita-Arten sind:] 'Jātya' (angeboren), 'Kṣaipra' (rasch), 'Abhinihita' (eingefügt), 'Tairovyañjana' (durch-Konsonant-getrennt),
'Tirovirāma' (durch-Pause-getrennt), 'Praśliṣṭa' (verschmolzen) und als siebter 'Pādavṛtta' (am Versfuß-Ende). Von diesen Tönen werde ich einzeln das Merkmal verkünden,
Wort für Wort
tirovirāmaḥ praśliṣṭo 'pādavṛttaśca saptamaḥ
'Tirovirāma', 'Praśliṣṭa' und als siebter 'Pādavṛtta'
svarāṇāmahameteṣāṃ pṛthagvakṣyāmi lakṣaṇam
von diesen Tönen werde ich einzeln das Merkmal verkünden
na codāttaṃ puro yasya jātyaḥ svāraḥ sa ucyate / iuvarṇo yadodāttāvāpadyete pavau kvacit
Das, wovor kein Udātta [steht], wird 'Jātya-Svāra' (natürlicher Ton) genannt. Wenn der 'i'- und der 'u'-Laut zum Udātta werden, [treten sie] manchmal, [gefolgt] von 'p' [oder] 'v', [auf] -
Wort für Wort
na codāttaṃ puro yasya
das, wovor kein Udātta [steht]
jātyaḥ svāraḥ sa ucyate
wird 'Jātya-Svāra' genannt
iuvarṇo yadodāttāvāpadyete pavau kvacit
wenn der 'i'- und der 'u'-Laut zum Udātta werden, manchmal [gefolgt] von 'p' [oder] 'v'
anudāttaṃ pratyaye tu vidyātkṣaiprasya lakṣaṇam / eo ābhyāmudāttābhyāmakāro nihitaśca yaḥ
im Anudātta [stehend] jedoch, im nachfolgenden [Laut], erkenne man das Merkmal von 'Kṣaipra'. [Wenn] 'e' [oder] 'o', beide Udātta, und der 'a'-Laut, der danach eingefügt ist -
Wort für Wort
anudāttaṃ pratyaye tu vidyātkṣaiprasya lakṣaṇam
im Anudātta jedoch, im nachfolgenden [Laut], erkenne man das Merkmal von 'Kṣaipra'
eo ābhyāmudāttābhyāmakāro nihitaśca yaḥ
[wenn] 'e' [oder] 'o', beide Udātta, und der eingefügte 'a'-Laut -
[nämlich] Udātta mit Anudātta - betrachte dies als 'Praśliṣṭa'. Wenn im [betreffenden] Ton Svarita [vorliegt], sei es offen (Vivṛtā) oder in engem Zusammenhang (Saṃhitā) -
Wort für Wort
udāttamanudāttena praśliṣṭaṃ taṃ vicāraya
[nämlich] Udātta mit Anudātta - betrachte dies als 'Praśliṣṭa'
svare cetsvaritaṃ yatra vivṛtā yatra saṃhitā
wenn im Ton Svarita [vorliegt], sei es offen oder in engem Zusammenhang
dies ist das von der Lehrschrift verkündete Merkmal des 'Pādāntavṛtta' (am Versfuß-Ende). Jener Ton, der von Natur aus am Vorderrand der Śruti [steht], wird 'Kṣaipra' genannt,
Wort für Wort
etatpādāntavṛttasya lakṣaṇaṃ śāstranoditam
dies ist das von der Lehrschrift verkündete Merkmal des 'Pādāntavṛtta'
tānyaḥ svāraḥ sa jātyena śrutyagre kṣaipra ucyate
jener Ton, der von Natur aus am Vorderrand der Śruti [steht], wird 'Kṣaipra' genannt
[?] Dieser Vers besteht aus stark verkürzten, offenbar mnemotechnischen Textbeispielen zu den Svarita-Typen; die genaue Wortform ist unsicher, ggf. korrupt überliefert.
'Pādavṛtta' [erscheint in] 'kaṇḍavide' - so sind dies die sieben Töne und dergleichen mehr. Von der einen Silbe vor dem [wortschließenden erhöhten Laut] an, welche Silbe an Ton auch immer hier [erscheint] -
dies wird als die [Grund-]Natur der Svāras, mit Ausnahme des 'Jātya', bezeichnet. Es gibt aber vier Svāras von Anfang an, gemäß der Lehrschrift von Kaṃsa, Puṃs [und] Sphuṭi. [?]
Wort für Wort
svārāṇāṃ jātyavarjānāmeṣā prakṛtirucyate
dies wird als die Natur der Svāras, mit Ausnahme des 'Jātya', bezeichnet
catvārastvāditaḥ svārāḥ
es gibt aber vier Svāras von Anfang an
kaṃṣaṃpuṃśphutiśāstrataḥ [?]
gemäß der Lehrschrift von Kaṃsa, Puṃs [und] Sphuṭi [?] (unsichere Lesart)
[?] Die Namen "kaṃṣaṃpuṃśphutiśāstrataḥ" sind unklar (vermutlich Eigennamen von Lehrschulen/Autoritäten); wörtlich übernommen.
im Udātta, und ebenso in einem Tiefen: 'juhvo 'gniḥ' ist das Beispiel dafür. [Wenn] am Ende eines Wortes, das auf 'i' endet, [ein Wort] mit vorangehendem 'u' folgt,
Wort für Wort
udātte caikanīce vā
im Udātta, und ebenso in einem Tiefen
juhvo 'gnistannidarśanam
'juhvo 'gniḥ' ist das Beispiel dafür
ikārānte pade pūrva ukāre parataḥ sthite
[wenn] am Ende eines auf 'i' endenden Wortes, mit nachfolgendem 'u'
soll der Kundige den kurzen 'Kampa' (Zittertön) erkennen - kein Zweifel hierbei. [Wenn] am Ende eines auf 'i' endenden Wortes, und im folgenden Wort ein doppeltes 'u' [steht],
Wort für Wort
hrasvaṃ kaṃpaṃ vijānīyānmedhāvī nātra saṃśayaḥ
soll der Kundige den kurzen 'Kampa' erkennen - kein Zweifel hierbei
ikārānte pade caivokāradvayaṃ pare pade
[wenn] am Ende eines auf 'i' endenden Wortes, und im folgenden Wort ein doppeltes 'u'
dīrghaṃ kaṃpaṃ vijānīyācchāgdhūṣviti nidarśanam / trayo dīrghāstu vijñeyā ye ca saṃdhyakṣareṣu vai
soll man den langen 'Kampa' erkennen; 'śāgdhūṣu' ist das Beispiel. Drei lange [Formen] aber sind zu erkennen, welche bei den Diphthong-Silben (Saṃdhyakṣara) [auftreten],
Wort für Wort
dīrghaṃ kaṃpaṃ vijānīyācchāgdhūṣviti nidarśanam
soll man den langen 'Kampa' erkennen; 'śāgdhūṣu' ist das Beispiel
trayo dīrghāstu vijñeyā ye ca saṃdhyakṣareṣu vai
drei lange [Formen] aber sind zu erkennen, welche bei den Diphthong-Silben [auftreten]
na ca vargadvitīyeṣu na caturthe kadācana / caturthaṃ tu tṛtīyena dvitīyaḥ prathamena tu
und auch nicht bei den zweiten [Konsonanten] der [Verschlusslaut-]Klassen, niemals beim vierten. Der vierte aber [verdoppelt sich] mit dem dritten, der zweite aber mit dem ersten,
Wort für Wort
na ca vargadvitīyeṣu na caturthe kadācana
und auch nicht bei den zweiten [Konsonanten] der Klassen, niemals beim vierten
caturthaṃ tu tṛtīyena dvitīyaḥ prathamena tu
der vierte aber mit dem dritten, der zweite aber mit dem ersten
ādyamantyaṃ ca madhyaṃ ca svārākṣareṇa pīḍayet / anantyaśca bhavetpūrvo hyantaśca parato yadi
den ersten, den letzten und den mittleren dränge man mit der akzentuierten Silbe. Und wenn das Vorangehende nicht am Ende [des Wortes] wäre, und das Letzte fürwahr danach folgte -
Wort für Wort
ādyamantyaṃ ca madhyaṃ ca svārākṣareṇa pīḍayet
den ersten, den letzten und den mittleren dränge man mit der akzentuierten Silbe
anantyaśca bhavetpūrvo hyantaśca parato yadi
und wenn das Vorangehende nicht am Ende wäre, und das Letzte fürwahr danach folgte
tatra madhye yamastiṣṭhetsvavarṇaḥ pūrvavaṇayoḥ / vargāntyān śaṣasaiḥ sārddhamantasthairvāpi saṃyutān
dort in der Mitte steht der 'Yama' (Doppellaut), vom gleichen Laut wie die vorangehenden Laute. Die Klassenendlaute (Nasale), zusammen mit ś/ṣ/s oder auch mit den Halbvokalen verbunden,
Wort für Wort
tatra madhye yamastiṣṭhet svavarṇaḥ pūrvavaṇayoḥ
dort in der Mitte steht der 'Yama', vom gleichen Laut wie die vorangehenden Laute
kehren die 'Yamas' um, wenn sie [dies] sehen, wie Wanderer [umkehren, wenn sie sehen, dass sie] keinen Wegkundigen [haben]. Der dritte und der vierte, [und] ein mit dem vierten beginnendes Wort danach -
Wort für Wort
dṛṣṭvā yamā nivartante
kehren die 'Yamas' um, wenn sie [dies] sehen
adeśikamivādhvagāḥ
wie Wanderer [umkehren], die keinen Wegkundigen [haben]
tṛtīyaśca caturthaśca caturthādiparaṃ padam
der dritte und der vierte, [und] ein mit dem vierten beginnendes Wort danach
zwei Dritte, und 'h', [und] ein mit 'h' beginnendes Wort danach - der Anusvāra, an der Wurzel vorangehend, [tritt] diesen manchmal der Reihe nach folgend [auf], [danach]
Wort für Wort
dvau tṛtīyau hakāraśca hakārādiparaṃ padam
zwei Dritte, und 'h', [und] ein mit 'h' beginnendes Wort danach
anusvāropadhāmūlā tān kvacitkramataḥ param [?]
der Anusvāra, an der Wurzel vorangehend, [tritt] diesen manchmal der Reihe nach folgend [auf] [?]
[?] Der genaue technische Sinn dieser Sandhi-/Verdopplungsregel bleibt im Detail unklar; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
und auch bei einem mit 'r' [oder] 'h' vorangehenden Konjunkt schreitet die folgende Silbe [in der Reihenfolge] fort. Wo ein Konjunkt (Lautverbindung) erscheint, [mit] 'r' als [Schluss-]Konsonant, am Wortende bei einer Pause -
Wort für Wort
rahapūrvasaṃyute cāpyuttaraṃ kramate 'kṣaram
und auch bei einem mit 'r' [oder] 'h' vorangehenden Konjunkt schreitet die folgende Silbe fort
saṃyogo yatra dṛśyeta rvyañjanaṃ virate pade
wo ein Konjunkt erscheint, mit 'r' als Konsonant, am Wortende bei einer Pause
das erste Element zuerst gesetzt, setze man [es] an den Anfang des zweiten Elements. Wo im Konjunkt Svarita [vorliegt], [entsteht] 'Udvāta' und ebenso 'Pratana', [dabei]
Wort für Wort
pūrvāṅgamāditaḥ kṛtvā parāṅgādau niveśayet
das erste Element zuerst gesetzt, setze man [es] an den Anfang des zweiten Elements
saṃyoge svaritaṃ yatra udvātaḥ pratanaṃ tathā [?]
wo im Konjunkt Svarita [vorliegt], [entsteht] 'Udvāta' und ebenso 'Pratana' [?]
pūrvāṅgaṃ tadvijānīyādyenāraṃbhaḥ paraṃ hi tat / saṃyogāttu vijānīyātparaṃ saṃyoganāyakam
erkenne man jenes als das 'erste Element', durch welches der Anfang [gemacht wird]; das andere fürwahr [ist] das Folgende. Vom Konjunkt aus aber erkenne man das folgende [Element] als das 'führende [Element] des Konjunkts',
Wort für Wort
pūrvāṅgaṃ tadvijānīyādyenāraṃbhaḥ paraṃ hi tat
erkenne man jenes als das 'erste Element', durch welches der Anfang [gemacht wird]; das andere fürwahr [ist] das Folgende
saṃyogāttu vijānīyātparaṃ saṃyoganāyakam
vom Konjunkt aus aber erkenne man das folgende [Element] als das 'führende [Element] des Konjunkts'
saṃyuktasya tu varṇasya tatparaṃ pūrvamakṣaram / anusvāraḥ padāntaśca kramajaṃ pratyaye svake
und von dem konjugierten Laut ist das vorangehende der frühere Laut. Der Anusvāra, und das, was am Wortende [steht], [ist] der Reihe nach entstanden, [jeweils] in seiner eigenen Endung,
Wort für Wort
saṃyuktasya tu varṇasya tatparaṃ pūrvamakṣaram
und von dem konjugierten Laut ist das vorangehende der frühere Laut
anusvāraḥ padāntaśca kramajaṃ pratyaye svake
der Anusvāra, und das, was am Wortende [steht], [ist] der Reihe nach entstanden, in seiner eigenen Endung
svarabhaktistathārephaḥ pūrvapūrvāṅgamucyate / pādādau cāpādādau saṃyogāvagraheṣu ca
ebenso Svarabhakti (Vokal-Gleitlaut) und 'r' werden [jeweils] als das 'vorangehende Element' bezeichnet. Am Anfang eines Versfußes und nicht am Anfang eines Versfußes, sowie bei Konjunkten und Elisionen (Avagraha) -
Wort für Wort
svarabhaktistathārephaḥ pūrvapūrvāṅgamucyate
ebenso Svarabhakti und 'r' werden als das 'vorangehende Element' bezeichnet
pādādau cāpādādau saṃyogāvagraheṣu ca
am Anfang eines Versfußes und nicht am Anfang eines Versfußes, sowie bei Konjunkten und Elisionen
yaśabda iti vijñeyo yo 'nyaḥsaya iti smṛtaḥ / pādādāvapyavicchedesaṃyogānte ca tiṣṭatām
das, was 'ya-śabda' genannt wird, ist zu erkennen; das andere gilt als 'sa-ya' bekannt. Am Anfang eines Versfußes, auch ohne Unterbrechung, und für jene, die am Ende eines Konjunkts stehen -
Wort für Wort
yaśabda iti vijñeyo yo 'nyaḥsaya iti smṛtaḥ
das, was 'ya-śabda' genannt wird, ist zu erkennen; das andere gilt als 'sa-ya' bekannt
pādādāvapyavicchedesaṃyogānte ca tiṣṭatām
am Anfang eines Versfußes, auch ohne Unterbrechung, und für jene, die am Ende eines Konjunkts stehen
mit Ausnahme jener von 'r' und 'h' wird [eine weitere] Anweisung gezeigt: Ein mit sich selbst verbundener [Laut] ist als 'Guru' (schwer) zu erkennen; [der] mit Anusvāra [versehene ist] 'Agrima' (führend), deutlich; der kleinste Rest, sei es 'Hri' oder 'Ga', ist, wenn er anfangs verdoppelt ist, nicht deutlich. [?]
Wort für Wort
varjayitvā rahapāṇāmupādeśaḥ pradṛśyate
mit Ausnahme jener von 'r' und 'h' wird [eine weitere] Anweisung gezeigt
svasaṃyukto gururjñeyaḥ
ein mit sich selbst verbundener [Laut] ist als 'Guru' zu erkennen
sānusvārā grimaḥ sphuṭaḥ
[der] mit Anusvāra [versehene ist] 'Agrima', deutlich
aṇuśeṣo hrigo vāpi yugalādiravisphuṭaḥ [?]
der kleinste Rest, sei es 'Hri' oder 'Ga', ist, wenn anfangs verdoppelt, nicht deutlich [?]
[?] Dieser Vers ist technisch sehr dicht und stellenweise unklar ("aṇuśeṣo hrigo vāpi yugalādiravisphuṭaḥ"); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
Was Udātta [ist, bleibt] Udātta; was Svarita [ist], das entsteht in jenem Wort [selbst]; was tief [ist, bleibt] eben tief; was in 'Pracaya' (Anhäufung) steht, das ist ebenfalls tief.
Wort für Wort
yadudāttamudāttaṃ tadyatsvaritaṃ tatpade bhavati
was Udātta [ist, bleibt] Udātta; was Svarita [ist], das entsteht in jenem Wort
yannīcaṃ nīcameva tadyatpracayasthaṃ tadapi nīcam
was tief [ist, bleibt] eben tief; was in Pracaya steht, ist ebenfalls tief
'agniḥ', 'sutaḥ', 'mitram', 'idam', ebenso 'vayam', 'ayāvahāḥ', 'priyam', 'dūtam', 'ghṛtam', 'cittam' - aber 'atiśabda' [entsteht] aus dem tiefen [Ton].
Wort für Wort
agniḥ suto mitramidaṃ tathā vayamayāvahāḥ
'agniḥ', 'sutaḥ', 'mitram', 'idam', ebenso 'vayam', 'ayāvahāḥ'
akveṣveva suteṣveva yajñeṣu kalaśeṣu ca / śateṣu sapavitreṣu nīcāduñcāryate śrutiḥ
In 'akveṣu' fürwahr, in 'suteṣu' fürwahr, in 'yajñeṣu' und in 'kalaśeṣu', in 'śateṣu', [und] in 'sapavitreṣu' wird die Śruti [ansteigend] vom Tiefen her ausgesprochen.
Wort für Wort
akveṣveva suteṣveva yajñeṣu kalaśeṣu ca
in 'akveṣu' fürwahr, in 'suteṣu' fürwahr, in 'yajñeṣu' und in 'kalaśeṣu'
śateṣu sapavitreṣu
in 'śateṣu', [und] in 'sapavitreṣu'
nīcāduñcāryate śrutiḥ
wird die Śruti [ansteigend] vom Tiefen her ausgesprochen
In 'hāri', 'varuṇa', 'vareṇya', 'dhārā', 'puruṣa' [herrscht] der akzentuierte 'r'-Laut; und 'viśvānara' [hat] den 'na'-Laut, die übrigen Wörter für 'Männer' (Narāḥ) aber sind Svarita. [?]
Es gibt zwei [Formen von] 'varuṇa' ... [Textabschnitt unklar/verderbt] ... Was auch immer für eine Silbe hier, sei sie von einer oder zwei Mātrās, akzentuiert (Svarita) wird - von ihr [gehört] von Anfang an die halbe Mātrā [zum Akzent], der Rest aber fällt in das Folgende. Man mache das Nicht-Lange wie lang, wenn eine zweitönige [Silbe] verwendet wird.
es gibt zwei [Formen von] 'varuṇa' ... [Text unklar/verderbt, s. Anm.]
mātrikaṃ vā dvimātraṃ vā svaryate yadihākṣaram
was auch immer für eine Silbe hier, von einer oder zwei Mātrās, akzentuiert wird
tasyāditor'ddhamātraṃ vai śeṣaṃ tu parato bhavet
von ihr [gehört] von Anfang an die halbe Mātrā [zum Akzent], der Rest aber fällt in das Folgende
adīrghaṃ dīrghavatkuryāddvisvaraṃ yatprayujyate
man mache das Nicht-Lange wie lang, wenn eine zweitönige [Silbe] verwendet wird
[?][Anm.: Der erste Teil dieses Verses ("dvau varuṇau vasvarata ... svadohate") ist schwer verständlich und wirkt textlich stark gestört/verderbt (evtl. zwei ursprünglich getrennte Verse zusammengezogen); nur mit größtem Vorbehalt übertragen. Der Schlussteil über die Mātrā-Teilung des Svarita ist demgegenüber klarer und entsprechend übersetzt.]
kaṃpotsvaritābhigītaṃ hrasvakarṣaṇameva ca / nimeṣakālo mātrā syādvidyutkāleti cāpare
'Kampa' (Zittern), 'Utsvarita' (Übertönung), 'Abhigīta' (Übergesungenes), und ebenso 'Hrasvakarṣaṇa' (Kurz-Dehnung) [sind Fachbegriffe]; eine Mātrā wäre die Dauer eines Augenblicks (Lidschlag), oder, nach anderen, die Dauer eines Blitzes.
Wort für Wort
kaṃpotsvaritābhigītaṃ hrasvakarṣaṇameva ca
'Kampa', 'Utsvarita', 'Abhigīta', und ebenso 'Hrasvakarṣaṇa'
Bei einem Kompositum mache man ein Avagraha (Trennzeichen); und das Wort [bleibt] hierbei in der Saṃhitā (fortlaufenden Rezitation) verbunden. Was mit 'ye' [beginnt], [gilt] als Anfangselement - das kennt man als [zugehörig] zum Wortende. [?]
Wort für Wort
samāse 'vagrahaṃ kuryāt
bei einem Kompositum mache man ein Avagraha
padaṃ cātrānusaṃhitam
und das Wort [bleibt] hierbei in der Saṃhitā verbunden
yetīkṣarādikaraṇaṃ padāntasyeti taṃ viduḥ [?]
was mit 'ye' [beginnt, gilt] als Anfangselement - das kennt man als [zugehörig] zum Wortende [?]
[?] Die genaue syntaktische Bedeutung dieser knappen Regel bleibt unklar; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
(Überall sind die Wörter 'mitra', 'putra', 'sakhi', 'ahi' [und] 'śatakratu' mit Avagraha zu versehen; [ebenso] 'āditya', 'vipra', 'jātavedas' und 'satpati', 'gopati', 'vṛtrahan', 'samudra'; 'svarayu', 'puvo', 'devayu' [und] 'caritam devatātape') - 'cikiti' und 'dha' aber versehen die Gelehrten nicht mit Avagraha. Vier Arten von 'Vivṛti' (Öffnung/Hiat) sind zu erkennen - das ist meine Ansicht.
akṣarāṇāṃ niyogena tāsāṃ nāmāni me śṛṇu / hrasvādivatsānusṛtā vatsānusāriṇī cāgre
Durch die Anwendung auf die Laute höre von mir die Namen derselben [vier Vivṛtis]: 'die dem Kurzen u.ä. Folgende' (Hrasvādivatsānusṛtā) und 'die Vorausgehende' (Vatsānusāriṇī) davor,
Wort für Wort
akṣarāṇāṃ niyogena tāsāṃ nāmāni me śṛṇu
durch die Anwendung auf die Laute höre von mir die Namen derselben
'Pākavatī' [gehört] zu beiden, die kurze [und] die lange, [oder] gewachsene, 'Pipīlikā' (ameisenartig) [genannt]. Unter den vier Vivṛtis beträgt der Abstand [normalerweise] eine Mātrā,
Wort für Wort
pākavatyubhayorhrasvā dīrghā vṛddhā pipīlikāḥ
'Pākavatī' [gehört] zu beiden, die kurze [und] die lange, gewachsene, 'Pipīlikā' [genannt]
catasṛṇāṃ vivṛtīnāmantaraṃ mātrikaṃ bhavet
unter den vier Vivṛtis beträgt der Abstand eine Mātrā
Der Laut 'm' wird, vor 'r' und den Zischlauten, auch vor dem folgenden [Wort], zum Anusvāra; vor 'p' [und] 'v' [wird er] zum gleichartigen Laut (Parasavarṇa), vor den Verschlusslauten aber [nimmt er] den letzten [Nasal] der [jeweiligen] Klasse [an].
Wort für Wort
āpadyate makāro rephoṣmasu pratyaye 'pyanusvāram
der Laut 'm' wird, vor 'r' und den Zischlauten, auch vor dem folgenden [Wort], zum Anusvāra
paveṣu parasavarṇaṃ sparśeṣu cottamāpatim
vor 'p' [und] 'v' zum gleichartigen Laut, vor den Verschlusslauten aber zum letzten [Nasal] der Klasse
nakārānte padā pūrve svare ca parataḥ sthite / akāraṃ raktamityāhustakāreṇa tu rajyate
Wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht und danach ein Vokal folgt, sagt man, der [entstehende] 'a'-Laut sei 'gefärbt' (Rakta); durch das 't' aber wird [er] gefärbt.
Wort für Wort
nakārānte padā pūrve svare ca parataḥ sthite
wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht und danach ein Vokal folgt
akāraṃ raktamityāhustakāreṇa tu rajyate
sagt man, der 'a'-Laut sei 'gefärbt'; durch das 't' aber wird [er] gefärbt
Wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht, und bei den Konsonanten in 'ya, va, ha' [-Kontexten] - eine halbe Mātrā des Vorangehenden wird durch eine winzige Mātrā gefärbt.
Wort für Wort
nakārānte pade pūrve vyañjanaiśca yavohiṣu
wenn ein auf 'n' endendes Wort vorangeht, und bei den Konsonanten in 'ya, va, ha'
arddhamātrā tu pūrvasya rajyate tvaṇumātrayā
eine halbe Mātrā des Vorangehenden wird durch eine winzige Mātrā gefärbt
hṛdayāduttiṣṭateraṅgaḥ kāṃsyena tu samanvitaḥ / mṛduścaiva dvimātraśca dadhanvāṃ iti nidarśanam
'Raṅga' steigt vom Herzen auf und ist dabei begleitet von einem [Klang] wie [von] Bronze; und er ist weich und zweitmätrig - 'dadhanvān' ist das Beispiel.
Wort für Wort
hṛdayāduttiṣṭateraṅgaḥ kāṃsyena tu samanvitaḥ
'Raṅga' steigt vom Herzen auf und ist begleitet von einem [Klang] wie Bronze
mṛduścaiva dvimātraśca dadhanvāṃ iti nidarśanam
und er ist weich und zweitmätrig - 'dadhanvān' ist das Beispiel
Die Vokale, sowie 'ga', 'ḍa', 'da', 'ba', und 'ṅa', 'ṇa', 'na', 'ma', zusammen mit den Zischlauten - von den vier Wortarten werden zehn Wortendlaute genannt.
Wort für Wort
svarā gaḍadabāścaiva ṅaṇanamāḥ sahoṣmabhiḥ
die Vokale, sowie 'ga', 'ḍa', 'da', 'ba', und 'ṅa', 'ṇa', 'na', 'ma', zusammen mit den Zischlauten
caturṇāṃ padajātīnāṃ padāntā daśa kīrtitāḥ
von den vier Wortarten werden zehn Wortendlaute genannt
svara uccaḥ svaro nīcaḥ svaraḥ svarita eva ca / vyañjanā na tu vartante yatra tiṣṭati sa svaraḥ
Ein Ton ist hoch, ein Ton ist tief, und ein Ton ist eben Svarita; die Konsonanten aber tragen [den Ton] nicht - wo er sich befindet, das eben ist der [wahre Sitz des] Tones.
Wort für Wort
svara uccaḥ svaro nīcaḥ svaraḥ svarita eva ca
ein Ton ist hoch, ein Ton ist tief, und ein Ton ist eben Svarita
vyañjanā na tu vartante yatra tiṣṭati sa svaraḥ
die Konsonanten aber [tragen den Ton] nicht - wo er sich befindet, das ist der [wahre Sitz des] Tones
Dass die Dreitönigkeit (Traisvarya) tonbestimmt ist, bekennen die Lehrer; man erkenne den Konsonanten wie einen Edelstein, und den Ton kennt man wie die [ihn tragende] Schnur.
Wort für Wort
svarapradhānaṃ traisvaryamācāryāḥ pratijānate
dass die Dreitönigkeit tonbestimmt ist, bekennen die Lehrer
maṇivadvyañjanaṃ vidyātsūtra vañca svaraṃ viduḥ
man erkenne den Konsonanten wie einen Edelstein, und den Ton kennt man wie die Schnur
ubhāvaśca vivṛttiśca śaṣasārepha eva ca / jihvāmūlamupadhmā ca gatiraṣṭavidhoṣmaṇaḥ
'Ubhāva' [?], und 'Vivṛtti' (Öffnung), [der Laut von] ś/ṣ/s und 'r' fürwahr, die Zungenwurzel-[Spiranten] (Jihvāmūlīya) und der Lippen-[Spirant] (Upadhmānīya) - achtfach ist der Verlauf des Zischlauts (Ūṣman).
Wort für Wort
ubhāvaśca vivṛttiśca śaṣasārepha eva ca [?]
'Ubhāva' [?], und 'Vivṛtti', [der Laut von] ś/ṣ/s und 'r' fürwahr
jihvāmūlamupadhmā ca
die Zungenwurzel-[Spiranten] und der Lippen-[Spirant]
gatiraṣṭavidhoṣmaṇaḥ
achtfach ist der Verlauf des Zischlauts
[?] "ubhāvaśca" als Terminus unklar; wörtlich wiedergegeben.
svarapratyayāvivṛtiḥ saṃhitāyāṃ tu yā bhavet / visargastatra mantavyaratālavyaścātra jāyate
Die vom Ton abhängige Öffnung (Vivṛti), die in der Saṃhitā (fortlaufenden Rezitation) auftritt - dort ist der Visarga zu denken, und der palatale [Laut] entsteht hier ebenfalls.
Wort für Wort
svarapratyayāvivṛtiḥ saṃhitāyāṃ tu yā bhavet
die vom Ton abhängige Öffnung, die in der Saṃhitā auftritt
visargastatra mantavyaratālavyaścātra jāyate
dort ist der Visarga zu denken, und der palatale [Laut] entsteht hier ebenfalls
Wenn bei einer Diphthong-Silbe, in der folgenden Sandhi-Verbindung, die [Halbvokale] 'y' [und] 'v' entstanden sind, nachdem [die Endung] 'su' erreicht wurde - dann tritt die als 'konsonantisch' bezeichnete Öffnung [auf]; die als 'vokalisch' bezeichnete aber in enger Verbindung (Saṃhitā).
Wort für Wort
saṃdhyakṣare pare saṃdhau prāptasuptau yavau yadi
wenn bei einer Diphthong-Silbe, in der folgenden Sandhi, die [Halbvokale] 'y' [und] 'v' entstanden sind, nachdem [die Endung] 'su' erreicht wurde
vyañjanākhyā vivṛttistu svarākhyā pratisaṃhitā
dann [tritt] die als 'konsonantisch' bezeichnete Öffnung [auf]; die als 'vokalisch' bezeichnete aber in enger Verbindung
Wo, am Ende mit einem Zischlaut, bei einer Pause manchmal eine Möglichkeit entsteht - die Öffnung, die dort auftritt, bezeichne man als die 'vokalisch' genannte.
Wort für Wort
ūṣmāntaṃ virate yatra saṃbhāvo bhavati kvacit
wo, am Ende mit einem Zischlaut, bei einer Pause manchmal eine Möglichkeit entsteht
vivṛttiryā bhavettatra svarākhyāṃ tāṃ vinirddiśet
die Öffnung, die dort auftritt, bezeichne man als die 'vokalisch' genannte
Wenn es eine Verbindung des 'o'-Lautes (aus Visarga) gibt, [und] ein mit 'ṛ' beginnendes Wort folgt, erkenne man das als vokalisch endend von dieser Art, [im Unterschied zu dem], was anderweitig deutlich zischlauthaft ist.
Wort für Wort
yadyobhāvaprasaṃdhānamṛkārādiparaṃ padam
wenn es eine Verbindung des 'o'-Lautes gibt, [und] ein mit 'ṛ' beginnendes Wort folgt
svarāntaṃ tādṛśaṃ vidyādyadanyavdyaktamūṣmaṇaḥ
erkenne man das als vokalisch endend von dieser Art, [im Unterschied zu dem], was anderweitig deutlich zischlauthaft ist
prathamānūṣmasaṃyuktān dvitīyāniva darśayet / na caitānpratijānīyādyathā matsyaḥ kṣuropsarāḥ
man zeige die ersten [Konsonanten], mit einem Zischlaut verbunden, wie zweite [Konsonanten]; und man erkenne diese nicht vollständig an - wie einen Fisch in [scharfen/flachen] Gewässern. [?]
Wort für Wort
prathamānūṣmasaṃyuktān dvitīyāniva darśayet
man zeige die ersten [Konsonanten], mit einem Zischlaut verbunden, wie zweite [Konsonanten]
na caitānpratijānīyādyathā matsyaḥ kṣuropsarāḥ [?]
und man erkenne diese nicht vollständig an - wie einen Fisch in [flachen] Gewässern [?]
[?] "kṣuropsarāḥ" ist unklar (vermutlich verderbt); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
chandomānaṃ ca vṛttaṃ ca pādasthānaṃ trikāraṇam / ṛcaḥ svacchandavṛttāstu pādāstvakṣaramānataḥ
Das Versmaß (Chandomāna) und die metrische Form (Vṛtta) und die Versfuß-Stellung (Pādasthāna) [bilden] eine dreifache Grundlage; die Ṛc-[Verse] aber haben ihre eigene freie metrische Form, die Versfüße jedoch [werden] nach Silbenzahl [gemessen],
Wort für Wort
chandomānaṃ ca vṛttaṃ ca pādasthānaṃ trikāraṇam
das Versmaß und die metrische Form und die Versfuß-Stellung [bilden] eine dreifache Grundlage
ṛcaḥ svacchandavṛttāstu pādāstvakṣaramānataḥ
die Ṛc-[Verse] aber haben ihre eigene freie metrische Form, die Versfüße jedoch nach Silbenzahl
ṛvarṇe tu pṛthagrephaḥ pratyayastu vṛthā bhaveta / vidyāllaghumṛkāraṃ tu yadi tūṣmāṇasaṃyutaḥ
aber beim [Laut] 'ṛ' [wird] das 'r' gesondert [gezählt]; die [gewöhnliche] Messung aber wäre dort vergeblich. Man erkenne das [vokalische] 'ṛ' als leicht (Laghu), wenn es mit einem Zischlaut verbunden ist,
Wort für Wort
ṛvarṇe tu pṛthagrephaḥ pratyayastu vṛthā bhaveta
beim [Laut] 'ṛ' [wird] das 'r' gesondert [gezählt]; die Messung aber wäre dort vergeblich
vidyāllaghumṛkāraṃ tu yadi tūṣmāṇasaṃyutaḥ
man erkenne das [vokalische] 'ṛ' als leicht, wenn es mit einem Zischlaut verbunden ist
ūṣmaṇaiva hi saṃyukta ṛkāro yatra pīḍyate / guruvarṇaḥ sa vijñeyastṛcaṃ cātra nidarśanam
denn wo das [vokalische] 'ṛ', eben mit einem Zischlaut verbunden, bedrängt wird, das ist als schwerer (Guru) Laut zu erkennen; und 'ṛc' [selbst, bzw. 'tṛc'] ist hierfür das Beispiel.
Wort für Wort
ūṣmaṇaiva hi saṃyukta ṛkāro yatra pīḍyate
denn wo das [vokalische] 'ṛ', mit einem Zischlaut verbunden, bedrängt wird
guruvarṇaḥ sa vijñeyastṛcaṃ cātra nidarśanam
das ist als schwerer Laut zu erkennen; und 'ṛc'/'tṛc' ist hierfür das Beispiel
ṛṣabhaṃ ca gṛhītaṃ ca bṛhaspatiṃ pṛthivyāṃ ca / nirṛtipañcamā hyatra ṛkārā nātra saṃśayaḥ
'Ṛṣabham', und 'gṛhītam', und 'bṛhaspatim', und 'pṛthivyām', und 'nirṛti' als fünftes - hier [sind] fürwahr die [Beispiele für den] 'ṛ'-Laut, kein Zweifel hierbei.
Wort für Wort
ṛṣabhaṃ ca gṛhītaṃ ca bṛhaspatiṃ pṛthivyāṃ ca
'Ṛṣabham', und 'gṛhītam', und 'bṛhaspatim', und 'pṛthivyām'
nirṛtipañcamā hyatra ṛkārā nātra saṃśayaḥ
und 'nirṛti' als fünftes - hier [sind] fürwahr die [Beispiele für den] 'ṛ'-Laut, kein Zweifel hierbei
Zusammen mit ś/ṣ/s, am Anfang mit 'r', entsteht der 'r'-Laut [als] Svarabhakti (Vokal-Gleitlaut) bei der Verbindung zweier Wörter; manchmal ohne die Laute 'i' [und] 'u', und getrennt von der Abfolge innerhalb eines einzelnen Wortes. [?]
svarabhaktirdvidhā proktāṛkāre repha eva ca / svarodā vyañjanodā ca vihitākṣaracintakaiḥ
Svarabhakti wird zweifach genannt: beim [Laut] 'ṛ', und ebenso beim [Laut] 'r' - 'Svarodā' (vom Vokal ausgehend) und 'Vyañjanodā' (vom Konsonanten ausgehend), wie es von den Kennern der Laute festgelegt wurde.
Wort für Wort
svarabhaktirdvidhā proktāṛkāre repha eva ca
Svarabhakti wird zweifach genannt: beim [Laut] 'ṛ', und ebenso beim [Laut] 'r'
svarodā vyañjanodā ca vihitākṣaracintakaiḥ
'Svarodā' und 'Vyañjanodā', wie es von den Kennern der Laute festgelegt wurde
svarabhaktiṃ prayuñjāna srīndoṣānparivarjayet / ikāraṃ cāpyukāraṃ grastadoṣaṃ tathaiva ca
Wer die Svarabhakti anwendet, meide die [drei] Fehler [?]: den Fehler des 'i'-Lautes und auch des 'u'-Lautes, sowie ebenso den Fehler des 'Verschluckens' (Grasta).
saṃyogaparaṃ chaparaṃ visarjanīyaṃ dvimātrakaṃ caiva / atha sāntika ca naṅmasānusvāraṃ ghuṭataṃ ca
[Die Svarabhakti,] die von einem Konjunkt gefolgt wird, die von 'ch' gefolgt wird, den Visarga, und ebenso die zweimätrige; ferner die 'friedliche' (Sāntika), und [die vor] 'naṅ' [und] 'mas' [endenden Wörtern], den Anusvāra, und die 'Ghuṭa'[-Art].
[Bei dem Versmaß,] dessen erster Versfuß zwölf Mātrās [hat], ebenso auch der dritte, [und] der zweite, vollendet, achtzehn [oder] fünfzehn Mātrās - dessen Merkmal ist genannt worden; das aber, was anders ist, gilt als 'Vipulā' (die erweiterte [Form]).
akṣarāṇāṃ laghuhrasvamasaṃyogaparaṃ yadi / tatsaṃyogottaraṃ vidyādgurudārghākṣarāṇi tu
Von den Lauten [ist eine Silbe] leicht (Laghu) [und] kurz (Hrasva), wenn sie nicht von einem Konjunkt gefolgt wird; als von einem Konjunkt gefolgt erkenne man aber die schweren (Guru) [und] langen (Dīrgha) Silben.
Wort für Wort
akṣarāṇāṃ laghuhrasvamasaṃyogaparaṃ yadi
von den Lauten [ist eine Silbe] leicht [und] kurz, wenn sie nicht von einem Konjunkt gefolgt wird
tatsaṃyogottaraṃ vidyādgurudārghākṣarāṇi tu
als von einem Konjunkt gefolgt erkenne man aber die schweren [und] langen Silben
gurusvāraḥ savijñeyaḥ kṣaiprastatra na vidyate //a aṣṭaprakāraṃ vijñeyaṃ padānāṃ svaralakṣaṇam
dort ist der 'schwere Ton' (Gurusvāra) zu erkennen; der 'Kṣaipra'[-Typ] kommt dort nicht vor. Achtfach ist das Merkmal des Tones der Wörter zu erkennen.
Wort für Wort
gurusvāraḥ savijñeyaḥ
dort ist der 'schwere Ton' zu erkennen
kṣaiprastatra na vidyate //a
der 'Kṣaipra'[-Typ] kommt dort nicht vor
aṣṭaprakāraṃ vijñeyaṃ padānāṃ svaralakṣaṇam
achtfach ist das Merkmal des Tones der Wörter zu erkennen
[Anm.: Die Marke "//a" mitten im Vers ist eine Binnenmarkierung des Quelltextes und wurde unverändert übernommen.]
'Madhyodātta', 'Svarita', [und] 'Dvirudātta' - dies sind [die] acht Bezeichnungen der Wörter
[Anm.: Im Quelltext werden ausdrücklich acht Bezeichnungen angekündigt, tatsächlich aber nur sieben Termini aufgezählt - vermutlich fehlt ein Begriff oder eine Zusammensetzung ist ursprünglich zweigeteilt zu lesen.]
agniḥ somaḥ pravo vīryaṃ haviṣā svarvanaspatiḥ / antarmadhyamayotāmyudamanunipātya ādyātsvaritamupasarge dvirnnīcamākhyāta iti svaritātparāṇi yāni syurddhārāpakṣarāṇi tu / sarvāṇi pracayasthānyupodāttaṃ nihanyate
'agniḥ', 'somaḥ', 'pravaḥ', 'vīryam', 'haviṣā', 'svaḥ' [und] 'vanaspatiḥ' [sind die Beispiele hierfür] ... [Textabschnitt unklar/verderbt] ... was auch immer nach dem Svarita [an Silben] käme, von der Art des stetig Fließenden (Dhārā) - all diese, in 'Pracaya' stehenden, unterdrücken den dem Udātta benachbarten [Ton] (Upodātta).
antarmadhyamayotāmyudamanunipātya ādyātsvaritamupasarge dvirnnīcamākhyāta iti svaritātparāṇi yāni syurddhārāpakṣarāṇi tu [?]
[Textabschnitt unklar/verderbt, s. Anm.]
sarvāṇi pracayasthānyupodāttaṃ nihanyate
all diese, in 'Pracaya' stehenden, unterdrücken den dem Udātta benachbarten [Ton]
[?][Anm.: Der mittlere Abschnitt ("antarmadhyamayotāmyudamanunipātya ādyātsvaritamupasarge dvirnnīcamākhyāta iti svaritātparāṇi yāni syurddhārāpakṣarāṇi tu") ist stark komprimiert/vermutlich verderbt und wird nur mit großem Vorbehalt sinngemäß übertragen.]
Fünffach ist [die Kompetenz], die man 'Meisterschaft' (Ācāryaka) nennt: Leichtigkeit (Sukha), Ansatz (Nyāsa), Ausführung (Karaṇa), Intention (Pratijñā), [und] Aussprache (Uccāraṇā). Hierzu wird gesagt: Vortrefflich ist fürwahr [dies] - wenn bei irgendeinem Laut die [rechte] Ausführung nicht erlangt wird, ist dort die Absicht (Pratijñā) zu tragen; denn dies hat die Natur der Grammatik (Vyākaraṇa). [?]
hierzu wird gesagt: vortrefflich ist fürwahr [die] durch Intention [bestimmte] Aussprache [?]
yasya kasyacidvarṇasya karaṇaṃ nopalabhyate
wenn bei irgendeinem Laut die [rechte] Ausführung nicht erlangt wird
pratijñā tatra voḍhavyā
ist dort die Absicht zu tragen
karaṇaṃ hi tadātmakam
denn die Ausführung hat fürwahr diese Natur
[?] Dieser Prosaabschnitt (v.a. "atrocyate śreyaḥ khalu vaiśyāḥ...") ist syntaktisch schwierig und möglicherweise textlich gestört; sinngemäß mit Vorbehalt übertragen.
Tumburu, Bhavadviśiṣṭa [?], Viśvāvasu und die übrigen Gandharvas kennen die verborgene Ausführung (Karaṇa) bei den Sāmans wegen der äußersten Feinheit des Tones überhaupt nicht.
Man schütze stets das Verdauungsfeuer (Kaukṣeya-Agni) - die Ursache dafür, kein Unglück zu erblicken; nach der Verdauung, erwacht, fürwahr bei der Morgendämmerung, meditiere man über das Brahman.
Wort für Wort
kaukṣeyāgniṃ sadā rakṣedaśrīpādarśanaṃ hetum [?]
man schütze stets das Verdauungsfeuer - die Ursache dafür, kein Unglück zu erblicken [?]
jīrṇo hāraḥ prabuddhaḥ khalūṣasinbrahma cintayet
nach der Verdauung, erwacht, fürwahr bei der Morgendämmerung, meditiere man über das Brahman
[?] "aśrīpādarśanaṃ hetum" ("die Ursache, kein Unglück zu sehen") sinngemäß gedeutet.
Von Mango, Palāśa, Bilva, Apāmārga [und] Śirīṣa [-Zweigen] soll man, schweigend, nachdem man morgens aufgestanden ist, den Zahnreinigungszweig (Dantadhāvana) verzehren [d.h. verwenden].
Wort für Wort
āmrapālāśabilvānāmapāmārgaśirīṣayoḥ
von Mango, Palāśa, Bilva, Apāmārga [und] Śirīṣa
vāgyataḥ prātarutthāya
schweigend, nachdem man morgens aufgestanden ist
bhakṣayeddvatadhāvanam [Anm.]
soll man den Zahnreinigungszweig verzehren [verwenden] (Lesart korrigiert, s. Anm.)
[Anm.: "dvatadhāvanam" ist vermutlich verderbt aus "dantadhāvanam" ("Zahnreinigungszweig"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]
tenāsya karaṇe saukṣmyaṃ mādhuryaṃ copa jāyate / varṇāṃśca kurute samyakprācīnaudavatiryathā
Dadurch entsteht bei ihm Feinheit und Süße im [Stimm-]Organ (Karaṇa); und er bringt die [Sprach-]Laute richtig hervor, wie es einst [die Autorität] Audavati [lehrte]. [?]
Wort für Wort
tenāsya karaṇe saukṣmyaṃ mādhuryaṃ copa jāyate
dadurch entsteht bei ihm Feinheit und Süße im [Stimm-]Organ
varṇāṃśca kurute samyakprācīnaudavatiryathā [?]
und er bringt die Laute richtig hervor, wie es einst [Audavati lehrte] [?]
[?] "prācīnaudavatiryathā" ("wie der alte Audavati/die alte Audavatī") ist als Verweis unsicher gedeutet.
Triphalā zusammen mit dem sogenannten Salz soll der Schüler stets verzehren; dies erzeugt das Verdauungsfeuer und ist ebenso förderlich für Ton und [Sprach-]Laut.
Wort für Wort
triphalāṃ lavaṇākhyena bhakṣayecchiṣaayakaḥ sadā
Triphalā zusammen mit dem sogenannten Salz soll der Schüler stets verzehren
agnimedhājananyeṣā svaravarṇakarī tathā
dies erzeugt das Verdauungsfeuer und ist ebenso förderlich für Ton und Laut
kṛtvā cāvaśyakāndharmāñjāṭharaṃ paryupāsya ca / pītvā madhuṃ ghṛtaṃ caiva śucirbhūtvā tato vadet
Nachdem man die notwendigen [Morgen-]Pflichten (Āvaśyaka-Dharma) verrichtet und den Magen versorgt hat, und nachdem man Honig und Ghee getrunken hat, spreche man, rein geworden, [dann das Heilige].
Wort für Wort
kṛtvā cāvaśyakāndharmāñjāṭharaṃ paryupāsya ca
nachdem man die notwendigen Pflichten verrichtet und den Magen versorgt hat
pītvā madhuṃ ghṛtaṃ caiva śucirbhūtvā tato vadet
und nachdem man Honig und Ghee getrunken hat, spreche man, rein geworden, dann
Mit dem Tiefton (Mandra) beginne man zuerst - dies ist die eigene Regel in allen [vedischen] Zweigen (Śākhā); nachdem man sieben Mantras überschritten hat, lasse man die Stimme wie gewünscht ertönen.
Wort für Wort
mandreṇopakrametpūrvaṃ sarvaśākhāsvayaṃ vidhiḥ
mit dem Tiefton beginne man zuerst - dies ist die eigene Regel in allen [vedischen] Zweigen
saptamantrānatikramya yatheṣṭāṃ vācamutsṛjet
nachdem man sieben Mantras überschritten hat, lasse man die Stimme wie gewünscht ertönen
na tāṃ samīrayedvācaṃ na prāṇamuparodhayet / prāṇānāmuparodhena vaisvaryaṃ copajāyate / svaravyaṇḍajanamādhuryaṃ lupyate nātra saṃśayaḥ
Man treibe jene Stimme nicht [gewaltsam] hervor, [und] behindere nicht den Atem; durch die Behinderung der Atemzüge entsteht Mißklang (Vaisvarya), und die Süße, die aus [gutem] Ton [und] Stimme [entsteht], geht verloren - kein Zweifel hierbei.
Wort für Wort
na tāṃ samīrayedvācaṃ na prāṇamuparodhayet
man treibe jene Stimme nicht [gewaltsam] hervor, [und] behindere nicht den Atem
prāṇānāmuparodhena vaisvaryaṃ copajāyate
durch die Behinderung der Atemzüge entsteht Mißklang
[Speise aber,] gegessen, die von einer guten Pilgerstätte stammt, wohlrezitiert (Svādhyāta), wohletabliert - wenn [das heilige Wort] mit gutem Ton, mit eigenem [rechtem] Mund vorgetragen wird, erstrahlt das Brahman.
Wort für Wort
sutīrthādāgataṃ jagdhuṃ svāmnātaṃ supratiṣṭitam
gegessen, was von einer guten Pilgerstätte stammt, wohlrezitiert, wohletabliert
susvareṇa svavakreṇa prayuktaṃ brahma rājati
wenn [das heilige Wort] mit gutem Ton, mit eigenem Mund vorgetragen wird, erstrahlt das Brahman
ekacitto niruddhāntaḥ snāto gānavivarjjitaḥ / sa tu varṇānprayuñjīta detoṣṭhaṃ yasya śobhanam
Eines Sinnes, innerlich gesammelt, gebadet, frei von [zweckentfremdetem] Singen - er soll die Laute anwenden, [er,] dessen [Bewegung von] Zähnen und Lippen [?] schön ist.
Wort für Wort
ekacitto niruddhāntaḥ snāto gānavivarjjitaḥ
eines Sinnes, innerlich gesammelt, gebadet, frei von [zweckentfremdetem] Singen
sa tu varṇānprayuñjīta
er soll die Laute anwenden
detoṣṭhaṃ yasya śobhanam [?]
[er,] dessen Zähne und Lippen [?] schön sind
[?] "detoṣṭhaṃ" ist vermutlich verderbt aus "dantoṣṭhaṃ" ("Zähne und Lippen"); dem Sinn entsprechend übersetzt.
pañcavidyāṃ na gṛhṇanti caṇḍā stabdhāśca ye narāḥ / alasāśca sarogāśca yeṣāṃ ca visṛtaṃ manaḥ
Die fünffache Wissenschaft (Vidyā) erfassen nicht jene Männer, die jähzornig und störrisch sind, [ebenso wenig] die Trägen und die Kranken, und jene, deren Geist zerstreut ist.
Allmählich [erwerbe man] Wissen, allmählich Reichtum; man besteige einen Berg allmählich; allmählich gehe man auf Wegen voran; man gehe nicht mehr als eine Yojana [auf einmal].
yojanānāṃ sahasraṃ tu śanairyāti pipīlikā / agacchanvainateyo 'pi padamekaṃ na gacchati
Tausend Yojanas aber legt die Ameise, allmählich [gehend], zurück; Vainateya (Garuḍa) hingegen, wenn er nicht [voran]geht, legt nicht einmal einen einzigen Schritt zurück.
Wort für Wort
yojanānāṃ sahasraṃ tu śanairyāti pipīlikā
tausend Yojanas aber legt die Ameise, allmählich gehend, zurück
agacchanvainateyo 'pi padamekaṃ na gacchati
Vainateya (Garuḍa) hingegen, wenn er nicht geht, legt nicht einmal einen Schritt zurück
nahi pāpahatā vāṇī prayogānvaktumarhati / badhirasyeva jalpasya vidagdhā vāmalocanā
Denn fürwahr eine von Sünde getroffene Stimme ist nicht würdig, die [rituellen] Anwendungen auszusprechen - wie das Geplapper eines Tauben, [oder] wie eine geschickte, schönäugige [Frau, deren Worte dennoch nicht gelten]. [?]
Wort für Wort
nahi pāpahatā vāṇī prayogānvaktumarhati
denn fürwahr eine von Sünde getroffene Stimme ist nicht würdig, die [rituellen] Anwendungen auszusprechen
badhirasyeva jalpasya
wie das Geplapper eines Tauben
vidagdhā vāmalocanā [?]
[oder] wie eine geschickte, schönäugige [Frau] [?]
[?] Der Vergleich "vidagdhā vāmalocanā" ("eine geschickte, schönäugige [Frau]") erschließt sich inhaltlich nicht restlos; wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
upāṃśucaritaṃ caiva yo 'dhīte vitrasanniva / api rūpasahasreṣu saṃdeheṣveva vartate
Und wer im Flüsterton (Upāṃśu) rezitiert, wie erschreckt/zitternd, der bleibt, selbst unter tausend [möglichen] Erscheinungsformen, doch nur im Zweifel [befangen].
Wort für Wort
upāṃśucaritaṃ caiva yo 'dhīte vitrasanniva
und wer im Flüsterton rezitiert, wie erschreckt/zitternd
api rūpasahasreṣu saṃdeheṣveva vartate
der bleibt, selbst unter tausend Erscheinungsformen, doch nur im Zweifel [befangen]
pustakapratyayādhītaṃ nādhītaṃ gurusannidhau / rājate na sabhāmadhyejāragarbheva kāminī
Was aus dem Vertrauen auf ein Buch, [und] nicht in der Gegenwart des Lehrers, gelernt wurde, glänzt nicht inmitten einer Versammlung - wie eine Frau, die von einem Liebhaber schwanger ist. [?]
Wort für Wort
pustakapratyayādhītaṃ nādhītaṃ gurusannidhau
was aus dem Vertrauen auf ein Buch, [und] nicht in der Gegenwart des Lehrers, gelernt wurde
rājate na sabhāmadhye
glänzt nicht inmitten einer Versammlung
jāragarbheva kāminī [?]
wie eine von einem Liebhaber schwangere Frau [?]
[?] "jāragarbheva kāminī" ("wie eine von einem Liebhaber schwangere Frau") als Bild für unrechtmäßig erworbenes Wissen; sinngemäß gedeutet.
añjanasya kṣayaṃ dṛṣṭvā valmīkasya tu saṃcayam / avandhyaṃ divasaṃ kuryāddānādhyayanakarmasu
Nachdem man das Schwinden der Augensalbe (Añjana) gesehen hat, und [auch] das Anwachsen eines Ameisenhaufens (Valmīka), mache man den Tag nicht unfruchtbar in den Werken des Schenkens und des Studiums.
Wort für Wort
añjanasya kṣayaṃ dṛṣṭvā
nachdem man das Schwinden der Augensalbe gesehen hat
yatkīṭaiḥ pāṃśubhiḥ ślakṣṇairvalmīkaḥ kriyate mahān / na tatra balasāmarthyamudyogasgatatra kāraṇam
Dass ein Ameisenhaufen durch Insekten, durch feine Staubkörner, groß gemacht wird - darin liegt nicht die Wirkkraft der Kraft (Bala); die stete Anstrengung (Udyoga) ist dort die Ursache.
hayanāmiva jātyānāmarddharātrārddhaśāyinām / nahi vādyārthināṃ nidrā ciraṃ netreṣu tiṣṭati
Wie [wohlgezüchtete] Pferde guter Rasse, die sich nur für die halbe Nacht hinlegen - fürwahr bei denen, die nach Wissen (Vidyā) streben, verweilt der Schlaf nicht lange in den Augen.
Wort für Wort
hayanāmiva jātyānām
wie [wohlgezüchteter] Pferde guter Rasse
arddharātrārddhaśāyinām
die sich nur für die halbe Nacht hinlegen
nahi vādyārthināṃ nidrā ciraṃ netreṣu tiṣṭati [Anm.]
fürwahr bei den nach Wissen Strebenden verweilt der Schlaf nicht lange in den Augen (Lesart korrigiert, s. Anm.)
[Anm.: "vādyārthināṃ" ist vermutlich verderbt aus "vidyārthināṃ" ("bei den nach Wissen Strebenden"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]
na bhojanabilaṃvī syānna ca nārīnivandhanaḥ / samudramapi vidyārthī vrajedgaruḍahaṃsavat
Man soll nicht [übermäßig] an das Essen gefesselt sein, noch an Frauen gebunden; der Wissenssuchende soll selbst den Ozean [durch]queren, wie Garuḍa oder ein Schwan (Haṃsa).
Wort für Wort
na bhojanabilaṃvī syānna ca nārīnivandhanaḥ
man soll nicht [übermäßig] an das Essen gefesselt sein, noch an Frauen gebunden
samudramapi vidyārthī vrajedgaruḍahaṃsavat
der Wissenssuchende soll selbst den Ozean [durch]queren, wie Garuḍa oder ein Schwan
ahiriva gaṇādbhitaḥ sāhityānnarakādiva / rākṣasībhya iva sribhyaḥ sa vidyāmadhigacchati
Wie [man flieht] aus Furcht vor einer Schlange [?], wie [man aus] Gemeinschaft [mit Übelgesinnten flieht] wie aus der Hölle, wie [man] vor Rākṣasī-Dämoninnen [flieht] - wie vor [schlechten] Frauen: so gelangt er zum Wissen.
Wort für Wort
ahiriva gaṇādbhitaḥ [?]
wie [eine Schlange] aus Furcht vor [Garuḍa/der Schar] [flieht] [?]
sāhityānnarakādiva
wie [man] aus [schlechter] Gemeinschaft [flieht] wie aus der Hölle
rākṣasībhya iva sribhyaḥ
wie vor Rākṣasī-Dämoninnen, wie vor [schlechten] Frauen
sa vidyāmadhigacchati
so gelangt er zum Wissen
[?] "ahiriva gaṇādbhitaḥ" ist unklar (evtl. verderbt aus "garuḍād bhītaḥ", "aus Furcht vor Garuḍa [flieht die Schlange]"); wörtlich mit bestmöglicher Deutung wiedergegeben.
na śaṭhāḥ prānpuvantyarthānna klibā na ca māninaḥ / na ca lokaravā dīnā na ca svasvapratīkṣakāḥ
Nicht erlangen Betrüger die [wahren] Bedeutungen, nicht die Willensschwachen (Klība) und nicht die Eingebildeten (Mānin); nicht die öffentlich Lärmenden [und] Elenden, und nicht jene, die [nur] auf den eigenen Vorteil warten.
Wort für Wort
na śaṭhāḥ prānpuvantyarthānna klibā na ca māninaḥ [Anm.]
nicht erlangen Betrüger die [wahren] Bedeutungen, nicht die Willensschwachen, nicht die Eingebildeten (Lesart korrigiert, s. Anm.)
na ca lokaravā dīnā
und nicht die öffentlich Lärmenden [und] Elenden
na ca svasvapratīkṣakāḥ
und nicht jene, die [nur] auf den eigenen Vorteil warten
[Anm.: "prānpuvanti" ist vermutlich verderbt aus "prāpnuvanti" ("erlangen"); dem Sinn entsprechend übersetzt.]
So wie einer, der mit einem Grabwerkzeug gräbt, verborgenes Wasser im Gestein findet, so erlangt der Dienstbereite (Śuśrūṣu) das beim Lehrer befindliche Wissen.
Wort für Wort
yathā khananankhanitreṇa bhūpalaṃ vāri vindati
so wie einer, der mit einem Grabwerkzeug gräbt, verborgenes Wasser im Gestein findet
evaṃ gurugatāṃ vidyāṃ śūśrūṣuradhigacchati
so erlangt der Dienstbereite das beim Lehrer befindliche Wissen
Durch Dienst am Lehrer [erlangt man] Wissen, oder durch reichlichen Besitz; oder aber durch [vorhandenes] Wissen [erlangt man weiteres] Wissen - anders nämlich kommt Wissen nicht zustande.
Wort für Wort
guruśuśrūṣayā vidyā puṣkalena dhanena vā
durch Dienst am Lehrer [erlangt man] Wissen, oder durch reichlichen Besitz
Wissen ohne [den rechten] Dienst (Śuśrūṣā), auch wenn es durch die Vorzüge der Intelligenz (Medhā) erlangt wird, wird für den [Betreffenden] nicht fruchtbringend - wie eine unfruchtbare [Frau], obwohl [sie] Jugend besitzt.
So ist von mir dir nur eine allgemeine Andeutung (Diṅmātra) der Lehrschrift der Śikṣā (Phonetik) dargelegt worden; wer dieses erste der Vedāṅgas erkannt hat, wird zur Erlangung des Brahman-Zustandes befähigt.
Wort für Wort
iti diṅmātramuddiṣṭaṃ śikṣāgranthaṃ mayā tava
so ist von mir dir nur eine allgemeine Andeutung der Lehrschrift der Śikṣā dargelegt worden
jñātvā vedāṅgamādyaṃ tu brahmabhūyāya kalpate
wer dieses erste der Vedāṅgas erkannt hat, wird zur Erlangung des Brahman-Zustandes befähigt