Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 48: paramārthopadeśaḥ (ṛbhunidāghopākhyānasahitaḥ) Die Unterweisung über die höchste Wahrheit, mit der Erzählung von Ṛbhu und Nidāgha

iti śṛbṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvi.pā.ṣṭacatvāriṃśo 'dhyāyaḥ sanandana uvāca niśamya tasyeti vacaḥ paramārthasamanvitam / praśrayāvanato bhūtvā tamāha nṛpatirdvijam

Sanandana sprach: Nachdem er dessen also gesprochenes, mit der höchsten Wahrheit verbundenes Wort vernommen hatte, sprach der König, in Ehrerbietung sich verneigend, zu dem Zweifachgeborenen:

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach
niśamya tasyeti vacaḥ
nachdem er dessen also gesprochenes Wort vernommen hatte
paramārthasamanvitam
mit der höchsten Wahrheit verbunden
praśrayāvanato bhūtvā
in Ehrerbietung sich verneigend
tamāha nṛpatirdvijam
sprach der König zu dem Zweifachgeborenen

rājovāca bhagavanyattvayā prokta paramārthamayaṃ vacaḥ / śrute tasminbhramantīva manaso mama vṛttayaḥ

Der König sprach: 'O Erhabener, das von dir gesprochene, aus der höchsten Wahrheit bestehende Wort - nachdem es gehört wurde, scheinen die Regungen meines Geistes gleichsam zu irren.'

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
bhagavanyattvayā prokta
o Erhabener, was von dir gesprochen wurde
paramārthamayaṃ vacaḥ
das aus der höchsten Wahrheit bestehende Wort
śrute tasminbhramantīva
nachdem es gehört wurde, scheinen zu irren
manaso mama vṛttayaḥ
die Regungen meines Geistes

etadvivekavijñānaṃ yadi śeṣeṣu jantuṣu / bhavatā darśitaṃ vipra tatparaṃ prakṛtermahat

'Wenn diese unterscheidende Erkenntnis von dir, o Brahmane, bei den übrigen Lebewesen aufgezeigt wurde, so ist das etwas Großes, jenseits der Urnatur.

Wort für Wort
etadvivekavijñānaṃ
diese unterscheidende Erkenntnis
yadi śeṣeṣu jantuṣu
wenn bei den übrigen Lebewesen
bhavatā darśitaṃ vipra
von dir aufgezeigt wurde, o Brahmane
tatparaṃ prakṛtermahat
so ist das etwas Großes, jenseits der Urnatur

nāhaṃ vahāmi śibikāṃ śibikā mayi na sthitā / śarīramanyadasmatto yeneyaṃ śibikā dhṛtā

Nicht ich trage die Sänfte, die Sänfte ruht nicht auf mir; ein anderer Körper ist es, verschieden von uns, durch den diese Sänfte getragen wird.

Wort für Wort
nāhaṃ vahāmi śibikāṃ
nicht ich trage die Sänfte
śibikā mayi na sthitā
die Sänfte ruht nicht auf mir
śarīramanyadasmatto
ein anderer Körper, von uns verschieden
yeneyaṃ śibikā dhṛtā
durch den diese Sänfte getragen wird

guṇa pravṛttirbhūtānāṃ pravṛttiḥ karmacoditā / pravartante guṇāścaite kiṃ mameti tvayoditam

Das Wirken der Guṇas ist das Wirken der Elemente, angetrieben durch die Tat; diese Guṇas wirken [von selbst] - 'was [geht es] mich [an]' - so wurde von dir gesagt.

Wort für Wort
guṇa pravṛttirbhūtānāṃ
das Wirken der Guṇas ist das Wirken der Elemente
pravṛttiḥ karmacoditā
ihr Wirken, angetrieben durch die Tat
pravartante guṇāścaite
diese Guṇas wirken
kiṃ mameti tvayoditam
'was [geht es] mich an', so wurde von dir gesagt

etasminparamārthajña mama śrotrapathaṃ gate / mano vihvalatāmeti paramārthārthatāṃ gatam

Da dies, o Kenner der höchsten Wahrheit, den Pfad meines Gehörs erreicht hat, gerät mein Geist, der zur Bedeutung der höchsten Wahrheit gelangt ist, in Verwirrung.

Wort für Wort
etasminparamārthajña
da dies, o Kenner der höchsten Wahrheit
mama śrotrapathaṃ gate
den Pfad meines Gehörs erreicht hat
mano vihvalatāmeti
gerät mein Geist in Verwirrung
paramārthārthatāṃ gatam
der zur Bedeutung der höchsten Wahrheit gelangt ist

pūrvameva mahābhāga kapilarṣimahaṃ dvija / praṣṭumabhyudyato gatvā śreyaḥ kintvatra saṃśaye

Schon zuvor, o Hochbeglückter, war ich, o Zweifachgeborener, bereit, zum Weisen Kapila zu gehen, um zu fragen: 'Was ist hier das Heil?' - doch [nun bin ich] im Zweifel.

Wort für Wort
pūrvameva mahābhāga
schon zuvor, o Hochbeglückter
kapilarṣimahaṃ dvija
zum Weisen Kapila, ich, o Zweifachgeborener
praṣṭumabhyudyato gatvā
bereit, zu gehen, um zu fragen
śreyaḥ kintvatra saṃśaye
'was ist das Heil', doch hier im Zweifel

tadantare ca bhavatā yadidaṃ vākyamīritam / tenaiva paramārthārthaṃ tvayi cetaḥ pradhāvati

Und dazwischen wurde von dir dieses Wort geäußert; ebendadurch eilt mein Sinn, [erfüllt] von der Bedeutung der höchsten Wahrheit, zu dir hin.

Wort für Wort
tadantare ca bhavatā
und dazwischen von dir
yadidaṃ vākyamīritam
dieses Wort, das geäußert wurde
tenaiva paramārthārthaṃ
ebendadurch, von der Bedeutung der höchsten Wahrheit
tvayi cetaḥ pradhāvati
eilt mein Sinn zu dir hin

kapilarṣirbhagavataḥ sarvabhūtasya vai kila / viṣṇoraṃśo jaganmohanāśāya samupāgataḥ

Der Weise Kapila ist ja wahrlich ein Teil des Erhabenen, der das Selbst aller Wesen ist, des Viṣṇu, der zur Vernichtung der Verblendung der Welt herabgekommen ist.

Wort für Wort
kapilarṣirbhagavataḥ
der Weise Kapila, des Erhabenen
sarvabhūtasya vai kila
der das Selbst aller Wesen ist, wahrlich
viṣṇoraṃśo jaganmohanāśāya
ein Teil Viṣṇus, zur Vernichtung der Verblendung der Welt
samupāgataḥ
herabgekommen

sa eva bhagavānnūnamasmākaṃ hitakāmyayā / pratyakṣatāmanugatastathaitadbhavatocyate

Eben dieser Erhabene ist gewiss aus Wunsch nach unserem Heil in [diese] Sichtbarkeit eingegangen; so wird dies auch von dir gesagt.'

Wort für Wort
sa eva bhagavānnūnam
eben dieser Erhabene ist gewiss
asmākaṃ hitakāmyayā
aus Wunsch nach unserem Heil
pratyakṣatāmanugatas
in Sichtbarkeit eingegangen
tathaitadbhavatocyate
so wird dies auch von dir gesagt

tanmahyaṃ mohanāśāya yacchreyaḥ paramaṃ dvija / tadvadākhila vijñānajalavīcyujadhirbhavān

'Darum verkünde mir, o Zweifachgeborener, was zur Vernichtung [meiner] Verblendung das höchste Heil ist - du, der [wie] ein Ozean der Wellen allumfassenden Wissens bist.'

Wort für Wort
tanmahyaṃ mohanāśāya
darum verkünde mir, zur Vernichtung der Verblendung
yacchreyaḥ paramaṃ dvija
was das höchste Heil ist, o Zweifachgeborener
tadvadākhila vijñānajalavīcyujadhirbhavān
sage es, du, der ein Ozean der Wellen allumfassenden Wissens bist

brāhmaṇa uvāca bhūyaḥ pṛcchasi kiṃ śreyaḥ paramārthena pṛcchasi / śreyāṃsi paramārthāni hyaśeṣāṇyena bhūpate

Der Brahmane sprach: 'Wiederum fragst du 'was ist Heil' - fragst du [das] im Sinne der höchsten Wahrheit? Die Heilsgüter sind ja als höchste Wahrheiten sämtlich [vorhanden], o Herrscher der Erde.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
bhūyaḥ pṛcchasi kiṃ śreyaḥ
wiederum fragst du, was Heil ist
paramārthena pṛcchasi
fragst du im Sinne der höchsten Wahrheit
śreyāṃsi paramārthāni
die Heilsgüter als höchste Wahrheiten
hyaśeṣāṇyena bhūpate
sind sämtlich [vorhanden], o Herrscher der Erde

devatārādhanaṃ kṛtvā dhanasaṃpadamicchati / putrānicchati rājyaṃ ca śreyastasyaiva tannṛpa

Nachdem er die Gottheit verehrt hat, wünscht [mancher] sich Reichtum an Besitz; [ein anderer] wünscht sich Söhne und Königreich - das ist eben dessen Heil, o König.

Wort für Wort
devatārādhanaṃ kṛtvā
nachdem er die Gottheit verehrt hat
dhanasaṃpadamicchati
wünscht er sich Reichtum an Besitz
putrānicchati rājyaṃ ca
er wünscht sich Söhne und Königreich
śreyastasyaiva tannṛpa
das ist eben dessen Heil, o König

vivakinastu saṃyogaḥ śreyo 'sau paramātmanā / karmayajñādikaṃ śreyaḥ svarlokapaladāyi yat

Für den, der [danach] zu streben wünscht, ist die Vereinigung mit dem höchsten Selbst jenes Heil; [wieder anderes ist] Heil - Opferhandlung und dergleichen, was die Frucht der Himmelswelt verleiht.

Wort für Wort
vivakinastu saṃyogaḥ
für den, der zu streben wünscht, die Vereinigung
śreyo 'sau paramātmanā
jenes ist das Heil, mit dem höchsten Selbst
karmayajñādikaṃ śreyaḥ
Heil ist Opferhandlung und dergleichen
svarlokaphaladāyi yat
was die Frucht der Himmelswelt verleiht

śreyaḥ pradhānaṃ ca phale tadevānabhisaṃhite / ātmā dhyeyaḥ sadā bhūpa yogayuktaistathā paraiḥ

Und das vorzüglichste Heil, ohne [dass man] darauf [noch weiter] die Frucht [im Sinn hätte] - ebendieses ist es. Das Selbst ist stets zu meditieren, o Herrscher, von den im Yoga Geeinten und den übrigen [Höchsten].

Wort für Wort
śreyaḥ pradhānaṃ ca phale
und das vorzüglichste Heil, hinsichtlich der Frucht
tadevānabhisaṃhite
ebendieses ist es, ohne [weiteres] Trachten [danach]
ātmā dhyeyaḥ sadā bhūpa
das Selbst ist stets zu meditieren, o Herrscher
yogayuktaistathā paraiḥ
von den im Yoga Geeinten und den übrigen

śreya stasyaiva saṃyogaḥ śreyo yaḥ paramātmanaḥ / śreyāṃsyevamanekāni śataśo 'tha sahasraśaḥ

Das Heil eben dieses [Strebenden] ist die Vereinigung, welches das Heil des höchsten Selbst ist. So gibt es viele Heilsgüter, zu Hunderten und zu Tausenden.

Wort für Wort
śreya stasyaiva saṃyogaḥ
das Heil eben dieses ist die Vereinigung
śreyo yaḥ paramātmanaḥ
welches das Heil des höchsten Selbst ist
śreyāṃsyevamanekāni
so [gibt es] viele Heilsgüter
śataśo 'tha sahasraśaḥ
zu Hunderten und zu Tausenden

saṃtyatra paramārthāstu na tvete śrūyatāṃ ca me / dharmo 'yaṃ tyajate kiṃ tu paramārtho dhanaṃ yadi

Es gibt hier [also viele, die man] 'höchste Wahrheiten' [nennt], doch diese sind es nicht - höre nun von mir: Wird etwa dieser Rechtsschaffenheit [wegen aufgegeben], wenn der Reichtum [als] höchste Wahrheit [gilt]?

Wort für Wort
saṃtyatra paramārthāstu
es gibt hier höchste Wahrheiten, doch
na tvete śrūyatāṃ ca me
diese sind es nicht, höre von mir
dharmo 'yaṃ tyajate kiṃ tu
wird etwa diese Rechtsschaffenheit aufgegeben
paramārtho dhanaṃ yadi
wenn Reichtum die höchste Wahrheit [ist]

vyayaścakriyata kasmātkāmaprāptyupalakṣaṇaḥ / mutraścetparamārthākhyaḥ so 'pyanyasya nareśvara

Warum wird [dann] Ausgabe getätigt, die [doch nur] als Kennzeichen der Erlangung von Begierde [dient]? Wenn [dieser Reichtum, einmal] als 'höchste Wahrheit' bezeichnet, verausgabt [ist], so ist auch er [nur Mittel] für einen anderen [Zweck], o Herr der Menschen.

Wort für Wort
vyayaścakriyata kasmāt
warum wird Ausgabe getätigt
kāmaprāptyupalakṣaṇaḥ
als Kennzeichen der Erlangung von Begierde
mutraścetparamārthākhyaḥ
wenn [er], die höchste Wahrheit genannt, [verausgabt ist] [?]
so 'pyanyasya nareśvara
so ist auch er [nur Mittel] für einen anderen, o Herr der Menschen

[?: „mutraścetparamārthākhyaḥ“ unsicher überliefert; als „mukto ced paramārthākhyaḥ“ gedeutet.]

paramārthabhūtaḥ so 'nyasya paramārtho hi naḥ pitā / evaṃ na paramārtho 'sti jagatyatra carācare

Dieser, der [einem] als höchste Wahrheit gilt, [dient] einem anderen; [denn wie man sagt] 'unser Vater ist die höchste Wahrheit für uns' - so gibt es demnach keine [absolute] höchste Wahrheit in dieser beweglichen und unbeweglichen Welt.

Wort für Wort
paramārthabhūtaḥ so 'nyasya
dieser, der als höchste Wahrheit gilt, [dient] einem anderen
paramārtho hi naḥ pitā
denn 'unser Vater ist die höchste Wahrheit'
evaṃ na paramārtho 'sti
so gibt es keine höchste Wahrheit
jagatyatra carācare
in dieser beweglichen und unbeweglichen Welt

paramārtho hi kāryāṇi karaṇānāmaśeṣataḥ / rājyādiprāptiratroktā paramārthatayā yadi

Denn die höchste Wahrheit [wäre dann] die Wirkungen der [jeweiligen] Ursachen, ausnahmslos; wenn hier die Erlangung von Königreich und dergleichen als höchste Wahrheit bezeichnet wird -

Wort für Wort
paramārtho hi kāryāṇi
die höchste Wahrheit [wäre] die Wirkungen
karaṇānāmaśeṣataḥ
der Ursachen, ausnahmslos
rājyādiprāptiratroktā
die Erlangung von Königreich und dergleichen wird hier genannt
paramārthatayā yadi
als höchste Wahrheit, wenn [dies gilt]

paramārthā bhavantyatra na bhavanti ca vai tataḥ / ṛgyajuḥsāmaniṣpādyaṃ yajñakarma mataṃ tava

so gibt es hier 'höchste Wahrheiten' und [zugleich] gibt es sie nicht; [zum Beispiel gilt] dir das durch Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda vollzogene Opferwerk als [höchste Wahrheit].

Wort für Wort
paramārthā bhavantyatra
'höchste Wahrheiten' gibt es hier
na bhavanti ca vai tataḥ
und es gibt sie auch nicht
ṛgyajuḥsāmaniṣpādyaṃ
das durch Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda vollzogene
yajñakarma mataṃ tava
Opferwerk gilt dir [als höchste Wahrheit]

paramārthabhūtaṃ tatrāpi śrūyatāṃ gadato mama / yattu niṣpādyate kāryaṃ mṛdā kāraṇabhūtayā

Auch darin, was zur höchsten Wahrheit wird, höre von mir, der ich [es] darlege: Was als Wirkung durch den Ton, der die [wirkende] Ursache ist, hervorgebracht wird,

Wort für Wort
paramārthabhūtaṃ tatrāpi
auch darin, was zur höchsten Wahrheit wird
śrūyatāṃ gadato mama
höre von mir, der ich darlege
yattu niṣpādyate kāryaṃ
was als Wirkung hervorgebracht wird
mṛdā kāraṇabhūtayā
durch den Ton, der die Ursache ist

tatkāraṇānugamanājjāyate nṛpa mṛnmayam / evaṃ vināśibhirdravyaiḥ samidājyakuśādibhiḥ

das entsteht, o König, dem Verfolgen der Ursache gemäß, als Tönernes. Ebenso durch vergängliche Stoffe wie Brennholz, Schmalz, Kuśa-Gras und dergleichen

Wort für Wort
tatkāraṇānugamanāj
dem Verfolgen der Ursache gemäß
jāyate nṛpa mṛnmayam
entsteht, o König, das Tönerne
evaṃ vināśibhirdravyaiḥ
ebenso durch vergängliche Stoffe
samidājyakuśādibhiḥ
Brennholz, Schmalz, Kuśa-Gras und dergleichen

niṣpādyate kriyā yā tu sā bhavitrī vināśinī / anāśī paramārthastu prājñairabhyupagamyate

wird die Handlung vollzogen, die [dann selbst] vergänglich sein wird; als höchste Wahrheit aber wird von den Weisen [nur] das Unvergängliche anerkannt.

Wort für Wort
niṣpādyate kriyā yā tu
wird die Handlung vollzogen, die
sā bhavitrī vināśinī
selbst vergänglich sein wird
anāśī paramārthastu
als höchste Wahrheit aber das Unvergängliche
prājñairabhyupagamyate
wird von den Weisen anerkannt

yattuṃ nāśi na saṃdeho nāśidravyopapāditam / tadevāpaladaṃ karma paramārtho mato mama

Was aber vergänglich ist - zweifellos [ist es] durch vergängliche Stoffe Bewirktes; ebendiese Tat, die keine [weitere] Frucht gibt, gilt mir als höchste Wahrheit.

Wort für Wort
yattuṃ nāśi na saṃdeho
was aber vergänglich ist, zweifellos
nāśidravyopapāditam
durch vergängliche Stoffe bewirkt
tadevāpaladaṃ karma
ebendiese fruchtlose Tat
paramārtho mato mama
gilt mir als höchste Wahrheit

muktisādhanabhūtatvātparamārtho na sādhanam / dhyānamevātmano bhūpaparamārthārthaśabditam

Weil sie das Mittel zur Erlösung ist, ist die höchste Wahrheit [selbst] kein [weiteres] Mittel [zu etwas anderem]; eben die Meditation über das Selbst, o Herrscher, wird mit dem Wort 'höchste Wahrheit' bezeichnet.

Wort für Wort
muktisādhanabhūtatvāt
weil sie das Mittel zur Erlösung ist
paramārtho na sādhanam
ist die höchste Wahrheit kein [weiteres] Mittel
dhyānamevātmano bhūpa
eben die Meditation über das Selbst, o Herrscher
paramārthārthaśabditam
wird mit dem Wort 'höchste Wahrheit' bezeichnet

bhedakāri parebhyastu paramārtho na bhedavān / paramārthātmanoryogaḥ paramārtha itīṣyate

Was Unterschiede zu anderen [Dingen] bewirkt, das ist [gerade] keine höchste Wahrheit; die höchste Wahrheit hat keinen Unterschied [in sich]. Die Vereinigung von höchster Wahrheit und Selbst wird als 'höchste Wahrheit' bezeichnet.

Wort für Wort
bhedakāri parebhyastu
was Unterschiede zu anderen bewirkt
paramārtho na bhedavān
die höchste Wahrheit hat keinen Unterschied
paramārthātmanoryogaḥ
die Vereinigung von höchster Wahrheit und Selbst
paramārtha itīṣyate
wird als 'höchste Wahrheit' bezeichnet

mithyaitadanyaddravyaṃ hi naitaddravyamayaṃ yataḥ / tasmācchreyāṃsyaśeṣāṇi nṛpaitāni na saṃśayaḥ

Falsch ist dieses andere [vermeintliche] Ding, denn dieser [Purusha] ist ja kein Ding. Darum sind, o König, alle diese [oben genannten Heilsgüter] nicht [die wahren Heilsgüter] - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
mithyaitadanyaddravyaṃ hi
falsch ist dieses andere Ding, denn
naitaddravyamayaṃ yataḥ
dieser ist ja kein Ding
tasmācchreyāṃsyaśeṣāṇi
darum sind alle Heilsgüter
nṛpaitāni na saṃśayaḥ
o König, [nicht wahr], daran kein Zweifel

paramārthastu bhūpāla saṃkṣepācchrūyatāṃ mama / eko vyāpī samaḥ śuddho nirguṇa prakṛteḥ paraḥ

Die höchste Wahrheit aber, o Herrscher der Erde, höre in Kürze von mir: [Sie ist] eins, alldurchdringend, gleichmäßig, rein, eigenschaftslos, jenseits der Urnatur;

Wort für Wort
paramārthastu bhūpāla
die höchste Wahrheit aber, o Herrscher der Erde
saṃkṣepācchrūyatāṃ mama
höre in Kürze von mir
eko vyāpī samaḥ śuddho
eins, alldurchdringend, gleichmäßig, rein
nirguṇa prakṛteḥ paraḥ
eigenschaftslos, jenseits der Urnatur

janmavṛddhyādirahita ātmā sarvagato nṛpa / parijñānamayo sadbhirnāmajātyādibhivibhuḥ

frei von Geburt, Wachstum und dergleichen; das Selbst ist allgegenwärtig, o König, von lauter Erkenntnis bestehend, für die Redlichen allmächtig, [aber ohne wahre] Namen, Geburtsklasse und dergleichen.

Wort für Wort
janmavṛddhyādirahita
frei von Geburt, Wachstum und dergleichen
ātmā sarvagato nṛpa
das Selbst ist allgegenwärtig, o König
parijñānamayo sadbhir
von lauter Erkenntnis bestehend, für die Redlichen
nāmajātyādibhivibhuḥ
allmächtig, [jenseits von] Namen, Geburtsklasse und dergleichen

[?: Verssinn unsicher überliefert; „nāmajātyādibhivibhuḥ“ sinngemäß als 'jenseits von Namen, Geburtsklasse und dergleichen' gedeutet.]

na yogavānna yukto 'bhūnnaiva pārthivaḥ yokṣyati / tasyātmaparadeheṣu sato 'pyekamayaṃ hi tat

Es ist weder mit Yoga verbunden, noch ist es [je] verbunden gewesen, noch wird es, o Herrscher, [je] verbunden werden; obwohl es im eigenen und im fremden Körper existiert, ist es doch ein Einziges.

Wort für Wort
na yogavānna yukto 'bhūn
es ist nicht mit Yoga verbunden, war nicht verbunden
naiva pārthivaḥ yokṣyati
und wird nicht verbunden werden, o Herrscher
tasyātmaparadeheṣu
in seinem eigenen und im fremden Körper
sato 'pyekamayaṃ hi tat
obwohl existierend, ist es doch ein Einziges

vijñānaṃ paramārtho 'sau vetti no 'tathyadarśanaḥ / veṇuraṅghravibhedena bhedaḥ ṣaṅjādisaṃjñitaḥ

Diese Erkenntnis ist die höchste Wahrheit; wer falsche Anschauung hat, erkennt [sie] nicht. Durch die Unterschiede der Löcher der Flöte [entsteht] der als 'Ṣaḍja' und so weiter bezeichnete Unterschied [der Töne] -

Wort für Wort
vijñānaṃ paramārtho 'sau
diese Erkenntnis ist die höchste Wahrheit
vetti no 'tathyadarśanaḥ
wer falsche Anschauung hat, erkennt sie nicht
veṇuraṅghravibhedena
durch die Unterschiede der Löcher der Flöte
bhedaḥ ṣaṅjādisaṃjñitaḥ
der als Ṣaḍja usw. bezeichnete Unterschied

abhedo vyāpino vāyostathā tasya mahātmanaḥ / ekatvaṃ rūpabhedaśca vāhyakarmapravṛttijaḥ

[dabei besteht] Nicht-Unterschiedenheit des alldurchdringenden Windes. Ebenso [gilt] für jenen Großen Geist [das Selbst]: Einheit [besteht], und der Unterschied der Erscheinungsform entsteht aus dem Wirken der äußeren Handlung.

Wort für Wort
abhedo vyāpino vāyos
Nicht-Unterschiedenheit des alldurchdringenden Windes
tathā tasya mahātmanaḥ
ebenso für jenen Großen Geist
ekatvaṃ rūpabhedaśca
Einheit, und der Unterschied der Erscheinungsform
vāhyakarmapravṛttijaḥ
entsteht aus dem Wirken der äußeren Handlung

devādibhedamadhyāste nāstyevācaraṇo hi saḥ / śṛṇvatra bhūpa prāgvṛttaṃ yadgītamṛbhuṇā bhavet

Es nimmt den Unterschied von Gott und so weiter an [nur scheinbar], denn es selbst ist ohne [eigenes] Handeln. Höre hierzu, o Herrscher, eine frühere Begebenheit, die [einst] von Ṛbhu besungen wurde.

Wort für Wort
devādibhedamadhyāste
es nimmt den Unterschied von Gott und so weiter an
nāstyevācaraṇo hi saḥ
denn es selbst ist ohne Handeln
śṛṇvatra bhūpa prāgvṛttaṃ
höre hierzu, o Herrscher, eine frühere Begebenheit
yadgītamṛbhuṇā bhavet
die von Ṛbhu besungen wurde

avabodhaṃ janayato nidādhasya dvijanmanaḥ / ṛbhurnāmābavatputro brahmaṇaḥ parameṣṭinaḥ

[Wie er] dem zweifachgeborenen Nidāgha Erkenntnis erweckte. Es gab [einst] einen mit Namen Ṛbhu, den Sohn Brahmās, des höchsten Herrschers,

Wort für Wort
avabodhaṃ janayato
der Erkenntnis erweckte
nidādhasya dvijanmanaḥ
dem zweifachgeborenen Nidāgha
ṛbhurnāmābavatputro
es gab einen mit Namen Ṛbhu, einen Sohn
brahmaṇaḥ parameṣṭinaḥ
Brahmās, des höchsten Herrschers

vijñāta tattvasadbhāvo nisargādeva bhūpate / tasya śiṣyo nidāgho 'bhūtpulastyatanayaḥ purā

der von Natur aus die wahre Wesenheit der Wirklichkeit erkannt hatte, o König. Dessen Schüler war einst Nidāgha, der Sohn des Pulastya.

Wort für Wort
vijñāta tattvasadbhāvo
der die wahre Wesenheit der Wirklichkeit erkannt hatte
nisargādeva bhūpate
von Natur aus, o König
tasya śiṣyo nidāgho 'bhūt
dessen Schüler war Nidāgha
pulastyatanayaḥ purā
der Sohn des Pulastya, einst

prādādaśeṣavijñānaṃ sa tasmai parayā mudā / avāptajñāna tattvasya na tasyādvaitavāsanā

Er [Ṛbhu] gab jenem [Nidāgha] mit höchster Freude vollständiges Wissen; [doch] obwohl [Nidāgha] die Wahrheit des Wissens erlangt hatte, hatte er keine [feste] Prägung der Nicht-Zweiheit.

Wort für Wort
prādādaśeṣavijñānaṃ
er gab vollständiges Wissen
sa tasmai parayā mudā
er jenem mit höchster Freude
avāptajñāna tattvasya
obwohl er die Wahrheit des Wissens erlangt hatte
na tasyādvaitavāsanā
hatte er keine Prägung der Nicht-Zweiheit

sa ṛbhustarkayāmāsa nidāghasya nareśvara / devikāyāstaṭe vīra nāgaraṃ nāma vai puram

Jener Ṛbhu bedachte [dies] hinsichtlich Nidāghas, o Herrscher der Menschen. Am Ufer der Devikā, o Held, [lag] eine Stadt namens Nāgara,

Wort für Wort
sa ṛbhustarkayāmāsa
jener Ṛbhu bedachte
nidāghasya nareśvara
hinsichtlich Nidāghas, o Herrscher der Menschen
devikāyāstaṭe vīra
am Ufer der Devikā, o Held
nāgaraṃ nāma vai puram
eine Stadt namens Nāgara

samṛddhamatiramyaṃ ca pulastyena niveśitam / ramyopavanaparyantaṃ sa tasminpārthavottama

blühend und überaus reizvoll, von Pulastya gegründet, mit reizvollen Gärten an ihrem Rand; in dieser [Stadt], o Bester der Herrscher,

Wort für Wort
samṛddhamatiramyaṃ ca
blühend und überaus reizvoll
pulastyena niveśitam
von Pulastya gegründet
ramyopavanaparyantaṃ
mit reizvollen Gärten an ihrem Rand
sa tasminpārthavottama
in dieser, o Bester der Herrscher

nidādhanāmāyogajñastasya śiṣyo 'bhavatpurā / divye varṣasahasre tu samatīte 'sya tatpuram

wohnte Nidāgha, [Ṛbhu] als Schüler zugeteilt, [dieser aber] des Yoga unkundig. Als [nun] tausend göttliche Jahre vergangen waren,

Wort für Wort
nidādhanāmāyogajñas
Nidāgha mit Namen, des Yoga unkundig
tasya śiṣyo 'bhavatpurā
war einst dessen Schüler
divye varṣasahasre tu
als tausend göttliche Jahre
samatīte 'sya tatpuram
vergangen waren, [zu] dessen Stadt

jagāma sa ṛbhuḥ śiṣyaṃ nidāghamavalokitum / sa tasya vaiśvadevanti dvārālokanagocaraḥ

ging jener Ṛbhu zu [dessen Stadt], um den Schüler Nidāgha zu besuchen. Er [Nidāgha] war nach [der Zeremonie] des Vaiśvadeva-Opfers im Bereich der Türbeobachtung [an der Tür stehend] -

Wort für Wort
jagāma sa ṛbhuḥ śiṣyaṃ
jener Ṛbhu ging, den Schüler
nidāghamavalokitum
Nidāgha zu besuchen
sa tasya vaiśvadevanti
er, nach dessen Vaiśvadeva-Opfer
dvārālokanagocaraḥ
im Bereich der Türbeobachtung

sthita stena gṛhītārtho nijaveśma praveśitaḥ / prakṣālitāṅghripāṇiṃ ca kṛtāsanaparigraham

dort stehend, wurde er [Ṛbhu] von ihm [erkannt und] sein Anliegen verstanden, [und er wurde] in sein eigenes Haus hineingeführt; nachdem [Nidāgha Ṛbhus] Füße und Hände gewaschen und einen Sitz eingenommen hatte,

Wort für Wort
sthita stena gṛhītārtho
dort stehend, von ihm sein Anliegen verstanden
nijaveśma praveśitaḥ
in [dessen] eigenes Haus hineingeführt
prakṣālitāṅghripāṇiṃ ca
und Füße und Hände gewaschen
kṛtāsanaparigraham
und einen Sitz eingenommen

uvāca sa dvijaśreṣṭho bhujyatāmiti sādaram / ṛbhuruvāca bho vipravarya bhoktavyaṃ yadatra bhavato gṛhe

sprach jener beste der Zweifachgeborenen [Nidāgha] ehrerbietig: 'Speise!' Ṛbhu sprach: 'He, bester der Brahmanen, was auch immer in deinem Haus zu essen ist,

Wort für Wort
uvāca sa dvijaśreṣṭho
es sprach jener beste der Zweifachgeborenen
bhujyatāmiti sādaram
ehrerbietig: 'speise!'
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
bho vipravarya bhoktavyaṃ
he, bester der Brahmanen, was zu essen ist
yadatra bhavato gṛhe
was in deinem Haus [ist]

tatkathyatāṃ kadanneṣu na prītiḥ satataṃ mama / nidāgha uvāca saktuyāvakavrīhīnāmapūpānāṃ ca me gṛhe

das sage mir; an schlechter Speise habe ich niemals Gefallen.' Nidāgha sprach: 'Von Mehlspeise, Gerstenbrei, Reis, und Fladenbrot [ist] in meinem Haus,

Wort für Wort
tatkathyatāṃ kadanneṣu
das sage mir; an schlechter Speise
na prītiḥ satataṃ mama
habe ich niemals Gefallen
nidāgha uvāca
Nidāgha sprach
saktuyāvakavrīhīnāmapūpānāṃ ca me gṛhe
von Mehlspeise, Gerstenbrei, Reis und Fladenbrot in meinem Haus

yadrocate dvijaśreṣṭha tāvadbhuṅkṣva yathecchayā / ṛbhuruvāca kadannāni dijaitāni miṣṭamannaṃ prayaccha me

was dir beliebt, o bester der Zweifachgeborenen, davon iss nach Belieben.' Ṛbhu sprach: 'Das sind schlechte Speisen, o Zweifachgeborener; gib mir süße Speise,

Wort für Wort
yadrocate dvijaśreṣṭha
was dir beliebt, o bester der Zweifachgeborenen
tāvadbhuṅkṣva yathecchayā
davon iss nach Belieben
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
kadannāni dijaitāni
dies sind schlechte Speisen, o Zweifachgeborener
miṣṭamannaṃ prayaccha me
gib mir süße Speise

saṃyāvapāyasādīni cekṣukā rasavanti ca / nidāgha uvāca gṛhe śālini madgehe yatkiñcidati śobhanam

Kuchengebäck, Milchreis und dergleichen, sowie Zuckerrohrsaft-haltige [Speisen].' Nidāgha sprach: 'In [meinem] Haus, o Verehrter, in meinem Haus [gebe ich dir], was auch immer besonders gut [ist].

Wort für Wort
saṃyāvapāyasādīni
Kuchengebäck, Milchreis und dergleichen
cekṣukā rasavanti ca
und Zuckerrohrsaft-haltige [Speisen]
nidāgha uvāca
Nidāgha sprach
gṛhe śālini madgehe
im Haus, o Verehrter, in meinem Haus
yatkiñcidati śobhanam
was auch immer besonders gut ist

bhojyeṣu sādhanaṃ miṣṭaṃ tenāsyānnaṃ prasādhaya / ityuktā tena sā patnī miṣṭamannaṃ dvijasya tat

Unter den Speisen [ist ihm] Süßes das Rechte; damit bereite für ihn die Speise.' So von ihm angewiesen, bereitete jene seine Gattin für diesen Zweifachgeborenen jene süße Speise,

Wort für Wort
bhojyeṣu sādhanaṃ miṣṭaṃ
unter den Speisen [ist] Süßes das Rechte
tenāsyānnaṃ prasādhaya
damit bereite für ihn die Speise
ityuktā tena sā patnī
so von ihm angewiesen, jene seine Gattin
miṣṭamannaṃ dvijasya tat
jene süße Speise für den Zweifachgeborenen

prasādhitavatī tadvai bharturvacanagauravāt / na bhuktavantamicchāto miṣṭamannaṃ mahāmunim

aus Achtung vor dem Wort ihres Gatten. [Als sie sah, dass] der große Weise die süße Speise nicht [ganz] essen wollte,

Wort für Wort
prasādhitavatī tadvai
bereitete sie diese
bharturvacanagauravāt
aus Achtung vor dem Wort ihres Gatten
na bhuktavantamicchāto
als sie sah, dass er nicht essen wollte
miṣṭamannaṃ mahāmunim
die süße Speise, der große Weise

nidāghaḥ prāhabhūpāla praśrayāvanataḥ sthitaḥ / nidāgha uvāca api te paramā tṛptirutpannā puṣṭireva

o Herrscher, sprach Nidāgha, ehrerbietig sich verneigend, dastehend. Nidāgha sprach: 'Ist wohl höchste Sättigung [und] Stärkung bei dir entstanden?

Wort für Wort
nidāghaḥ prāhabhūpāla
sprach Nidāgha, o Herrscher
praśrayāvanataḥ sthitaḥ
ehrerbietig sich verneigend, dastehend
nidāgha uvāca
Nidāgha sprach
api te paramā tṛptirutpannā puṣṭireva
ist wohl höchste Sättigung und Stärkung bei dir entstanden

api te mānasaṃ svasthamāhāreṇa kṛtaṃ dvija / kva nivāsī bhavānvipra kva vā gantuṃ samudyataḥ

Ist wohl dein Geist durch die Speise wohlbefindlich geworden, o Zweifachgeborener? Wo wohnst du, o Brahmane, und wohin bist du aufzubrechen bereit?

Wort für Wort
api te mānasaṃ svasthamāhāreṇa kṛtaṃ dvija
ist wohl dein Geist durch die Speise wohlbefindlich geworden, o Zweifachgeborener
kva nivāsī bhavānvipra
wo wohnst du, o Brahmane
kva vā gantuṃ samudyataḥ
und wohin bist du aufzubrechen bereit

āgamyate ca bhavatā yatastaśca nivedyatām / ṛmuruvāca kṣudhitasya ca bhukte 'nne tṛptirbrahmanvijāyate

Und von wo du gekommen bist, das möge [ebenfalls] mitgeteilt werden.' Ṛbhu sprach: 'Für den Hungrigen entsteht, wenn Speise gegessen wurde, o Brahmane, Sättigung;

Wort für Wort
āgamyate ca bhavatā yatastaśca nivedyatām
und von wo du gekommen bist, das möge mitgeteilt werden
ṛmuruvāca
Ṛbhu sprach
kṣudhitasya ca bhukte 'nne
für den Hungrigen, wenn Speise gegessen wurde
tṛptirbrahmanvijāyate
entsteht Sättigung, o Brahmane

na me kṣudhā bhavettṝptiḥ kasmānmāṃ dvija pṛcchati / vahninā pārthivenādau dagdhe vai kṣurāpīśvaḥ

mir aber gibt es keinen Hunger - wie [könnte es dann] Sättigung [geben]? Warum fragst du mich, o Zweifachgeborener? Wenn zuvor durch das irdische Feuer [die Nahrung verzehrt und dadurch Hunger entstanden ist] -

Wort für Wort
na me kṣudhā bhavettṝptiḥ
mir aber gibt es keinen Hunger, [wie dann] Sättigung
kasmānmāṃ dvija pṛcchati
warum fragst du mich, o Zweifachgeborener
vahninā pārthivenādau
durch das irdische Feuer zuvor
dagdhe vai kṣurāpīśvaḥ
wenn [die Nahrung] verzehrt ist [?]

[?: Vers stark verderbt überliefert („dagdhe vai kṣurāpīśvaḥ“); Sinn sinngemäß als Hinweis auf die Entstehung von Hunger durch das Verdauungsfeuer gedeutet.]

bhavatyaṃbhasi ca kṣīṇe nṛṇāṃ tṛṣṇāsamudbhavaḥ / kṣuttṛṣṇe dehadharmākhye na mamaite yato dvija

und wenn das Wasser [im Körper] geschwunden ist, entsteht bei den Menschen Durst. Hunger und Durst, als Eigenschaften des Körpers bezeichnet, sind nicht die meinigen, da [ich kein Körper bin], o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
bhavatyaṃbhasi ca kṣīṇe
und wenn das Wasser geschwunden ist
nṛṇāṃ tṛṣṇāsamudbhavaḥ
entsteht bei den Menschen Durst
kṣuttṛṣṇe dehadharmākhye
Hunger und Durst, als Eigenschaften des Körpers bezeichnet
na mamaite yato dvija
sind nicht die meinigen, o Zweifachgeborener

tataḥ kṣutsaṃbhavābhāvāttṛptirastyeva me sadā / manasaḥ svasthatā tuṣṭiścittadharmāvimau dvija

Darum, weil es bei mir kein Entstehen von Hunger gibt, besteht bei mir stets Sättigung. Das Wohlbefinden des Geistes und die Zufriedenheit - diese beiden sind Eigenschaften des Denkens, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
tataḥ kṣutsaṃbhavābhāvāt
darum, weil es kein Entstehen von Hunger gibt
tṛptirastyeva me sadā
besteht bei mir stets Sättigung
manasaḥ svasthatā tuṣṭiś
das Wohlbefinden des Geistes und die Zufriedenheit
cittadharmāvimau dvija
diese beiden sind Eigenschaften des Denkens, o Zweifachgeborener

cetaso yasya yatpṛṣṭaṃ pumānebhirna yujyate / kva nivāsastavetyuktaṃ kva gantāsi ca yattvayā

Was von dir hinsichtlich des Denkens gefragt wurde - der [wahre] Mensch ist mit diesen [Eigenschaften des Denkens] nicht verbunden. 'Wo ist dein Wohnsitz' - das wurde gesagt, und 'wohin wirst du gehen' - das [wurde] von dir [gefragt];

Wort für Wort
cetaso yasya yatpṛṣṭaṃ
was hinsichtlich des Denkens gefragt wurde
pumānebhirna yujyate
der Mensch ist mit diesen nicht verbunden
kva nivāsastavetyuktaṃ
'wo ist dein Wohnsitz', das wurde gesagt
kva gantāsi ca yattvayā
und 'wohin wirst du gehen', das von dir

kutaścāgamyate tvetātrritaye 'pi nibodha me / pumānsavargato vyāpītyākāśavadayaṃ yataḥ

'und woher kommst du' - auch hierzu, bei diesen dreien [Fragen], vernimm von mir: Der [wahre] Mensch ist allgegenwärtig, alldurchdringend, wie der Äther, weil er eben [so beschaffen ist].

Wort für Wort
kutaścāgamyate tvetātrritaye 'pi nibodha me
und woher kommst du - auch hierzu, bei diesen dreien, vernimm von mir
pumānsavargato vyāpī
der Mensch ist allgegenwärtig, alldurchdringend
tyākāśavadayaṃ yataḥ
wie der Äther, weil er eben so ist

kutaḥ kutra kva gantāsītyetadapyarthavatkatham / so 'haṃ gantā na cāgantā naikadeśaniketanaḥ

'Woher, wo, wohin wirst du gehen' - wie könnte auch dies sinnvoll sein? Ich bin weder ein Gehender noch ein Kommender, [ich habe] keine Wohnstatt an einem einzelnen Ort.

Wort für Wort
kutaḥ kutra kva gantāsītyetadapyarthavatkatham
'woher, wo, wohin wirst du gehen' - wie könnte auch dies sinnvoll sein
so 'haṃ gantā na cāgantā
ich bin weder ein Gehender noch ein Kommender
naikadeśaniketanaḥ
keine Wohnstatt an einem einzelnen Ort

tvaṃ cānye ca na ca tvaṃ tvaṃ nānye naivāhamapyaham / miṣṭanne miṣṭamityeṣā jihvā sā me kṛtā tava

Du und die anderen [sind mir nicht verschieden], und [doch bist] du nicht du, [und] die anderen [sind] nicht [verschieden von dir]; auch ich bin nicht [einmal wirklich] 'ich'. 'In der süßen Speise [ist] Süße' - das ist [nur] die Zunge; diese wurde von mir [erwähnt, um] dir [zu zeigen, was Geschmack ist].

Wort für Wort
tvaṃ cānye ca na ca tvaṃ
du und die anderen, und [doch bist] du nicht
tvaṃ nānye naivāhamapyaham
du, nicht die anderen, auch ich bin nicht ich
miṣṭanne miṣṭamityeṣā
'in der süßen Speise Süße' - das ist
jihvā sā me kṛtā tava
diese Zunge, von mir dir [gezeigt]

kiṃ vakṣyatīti tatrāpi śrūyatāṃ dvijasattamā / miṣṭameva yadāmiṣṭaṃ tadevodvegakāraṇam

Was [die Zunge] wohl sagen wird, höre auch hierzu, o bester der Zweifachgeborenen: Eben das Süße, wenn es [einem] widerwärtig wird, wird zur Ursache des Überdrusses.

Wort für Wort
kiṃ vakṣyatīti tatrāpi
was sie wohl sagen wird, auch hierzu
śrūyatāṃ dvijasattamā
höre, o bester der Zweifachgeborenen
miṣṭameva yadāmiṣṭaṃ
eben das Süße, wenn es widerwärtig [wird]
tadevodvegakāraṇam
wird eben das zur Ursache des Überdrusses

amiṣṭaṃ jāyate miṣṭaṃ miṣṭādudvijate janaḥ / ādimadhyāvasāneṣu kimannaṃ rucikāraṇam

Aus Unschmackhaftem wird Schmackhaftes, und vor Schmackhaftem ekelt sich der Mensch [irgendwann]. In Anfang, Mitte und Ende - was ist da an der Speise die Ursache des Wohlgeschmacks?

Wort für Wort
amiṣṭaṃ jāyate miṣṭaṃ
aus Unschmackhaftem wird Schmackhaftes
miṣṭādudvijate janaḥ
und vor Schmackhaftem ekelt sich der Mensch
ādimadhyāvasāneṣu
in Anfang, Mitte, Ende
kimannaṃ rucikāraṇam
was ist an der Speise die Ursache des Wohlgeschmacks

mṛṇmayaṃ hi mṛdā yadvadgṛhaṃ liptaṃ sthirībhavet / pārthivo 'yaṃ tathā dehaḥ pārthivaiḥ paramāṇubhiḥ

So wie ein tönernes Haus, mit Ton beschmiert, fest wird, so [besteht] dieser irdische Körper aus irdischen Atomen.

Wort für Wort
mṛṇmayaṃ hi mṛdā yadvad
so wie ein tönernes [Haus] mit Ton
gṛhaṃ liptaṃ sthirībhavet
beschmiert, fest wird
pārthivo 'yaṃ tathā dehaḥ
so [besteht] dieser irdische Körper
pārthivaiḥ paramāṇubhiḥ
aus irdischen Atomen

yavagodhūmamudgādir ghṛtaṃ tailaṃ payo dadhi / guḍaḥ phalānīti tathā pārthivāḥ paramāṇavaḥ

Gerste, Weizen, Mungbohne und dergleichen, Ghee, Öl, Milch, Joghurt, Zucker[rohr], Früchte - ebenso [sind dies] irdische Atome.

Wort für Wort
yavagodhūmamudgādir
Gerste, Weizen, Mungbohne und dergleichen
ghṛtaṃ tailaṃ payo dadhi
Ghee, Öl, Milch, Joghurt
guḍaḥ phalānīti tathā
Zucker, Früchte, ebenso
pārthivāḥ paramāṇavaḥ
[sind dies] irdische Atome

tadetadbhavatā jñātvā miṣṭāmiṣṭavicāri yat / tanmanaḥ śamanālabi kāryaṃ prāpyaṃ hi muktaye

Nachdem du dies erkannt hast, [solltest du] das, was [zwischen] süß und unschmackhaft unterscheidet - dieses Denken -, indem du Ruhe zugrunde legst, [beherrschen]; denn zur Erlösung ist [dies] zu erlangen.

Wort für Wort
tadetadbhavatā jñātvā
nachdem du dies erkannt hast
miṣṭāmiṣṭavicāri yat
was zwischen süß und unschmackhaft unterscheidet
tanmanaḥ śamanālabi
dieses Denken, Ruhe zugrunde legend [?]
kāryaṃ prāpyaṃ hi muktaye
ist zu tun, [dies] ist zu erlangen, denn zur Erlösung

[?: „śamanālabi“ unsicher überliefert; als „śamam ālambya“ (Ruhe zugrunde legend) gedeutet.]

ityākarṇya vacastasya paramārthāśritaṃ nṛpa / praṇipatya mahābhāgo nidāgho vākyamabravīt

Nachdem er, o König, dieses seiner Rede, die sich auf die höchste Wahrheit stützte, vernommen hatte, sprach der Hochbeglückte Nidāgha, sich niederwerfend, [dieses] Wort:

Wort für Wort
ityākarṇya vacastasya
nachdem er dieses seiner Rede vernommen hatte
paramārthāśritaṃ nṛpa
die sich auf die höchste Wahrheit stützte, o König
praṇipatya mahābhāgo
sich niederwerfend, der Hochbeglückte
nidāgho vākyamabravīt
Nidāgha sprach das Wort

prasīda maddhitārthāya kathyatāṃ yastvamāgataḥ / naṣṭo mohastavākarṇya vacāṃsyetāni me dvija

'Sei gnädig, zu meinem Wohle; sage, wer du bist, der [du zu mir] gekommen bist. Vernichtet ist meine Verblendung, nachdem ich diese deine Worte gehört habe, o Zweifachgeborener.'

Wort für Wort
prasīda maddhitārthāya
sei gnädig, zu meinem Wohle
kathyatāṃ yastvamāgataḥ
sage, wer du bist, der gekommen ist
naṣṭo mohastavākarṇya
vernichtet ist meine Verblendung, gehört habend
vacāṃsyetāni me dvija
diese deine Worte, o Zweifachgeborener

ṛbhuruvāca ṛbhurasmi tavācāryaḥ prajñādānāya te dvija / ihāgato 'haṃ dāsyāmi paramārthaṃ subodhitam

Ṛbhu sprach: 'Ich bin Ṛbhu, dein Lehrer, [gekommen], um dir Weisheit zu schenken, o Zweifachgeborener. Hierher gekommen, werde ich [dir] die höchste Wahrheit, wohlverständlich [dargelegt], geben.

Wort für Wort
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
ṛbhurasmi tavācāryaḥ
ich bin Ṛbhu, dein Lehrer
prajñādānāya te dvija
um dir Weisheit zu schenken, o Zweifachgeborener
ihāgato 'haṃ dāsyāmi
hierher gekommen, werde ich geben
paramārthaṃ subodhitam
die höchste Wahrheit, wohlverständlich

eka evamidaṃ viddhi na bhedi sakalaṃ jagat / vāsudevābhidheyasya svarupaṃ parātmanaḥ

Wisse, dass diese ganze Welt ein Einziges ist, nicht unterschieden - [dies ist] die wahre Wesensform des höchsten Selbst, das mit dem Namen Vāsudeva bezeichnet wird.'

Wort für Wort
eka evamidaṃ viddhi
wisse, dass dies ein Einziges ist
na bhedi sakalaṃ jagat
die ganze Welt nicht unterschieden
vāsudevābhidheyasya
des mit dem Namen Vāsudeva bezeichneten
svarupaṃ parātmanaḥ
die wahre Wesensform des höchsten Selbst

brahmaṇa uvāca tathetyuktvā nidādhena praṇipātapuraḥ saram / pūjitaḥ parayā bhaktyānicchitaḥ prayayau vibhuḥ

[Der Erzähler sprach:] 'So sei es', sprechend, von Nidāgha, dem eine Niederwerfung vorausging, mit höchster Hingabe verehrt, ging der Mächtige [Ṛbhu], ohne dass jener es wollte, fort.

Wort für Wort
tathetyuktvā nidādhena
'so sei es', von Nidāgha sprechend
praṇipātapuraḥsaram
dem eine Niederwerfung vorausging
pūjitaḥ parayā bhaktyā
mit höchster Hingabe verehrt
nicchitaḥ prayayau vibhuḥ
ohne dass jener es wollte, ging der Mächtige fort

[Anm.: Sprecherzuordnung im Quelltext „brahmaṇa uvāca“ – da der Vers reine Erzählung, keine direkte Rede enthält, vermutlich Verschreibung für die Rahmenerzählung (Sanandana/Sūta); so behandelt. „nicchitaḥ“ unsicher überliefert, als „anicchataḥ“ (ohne dass jener es wollte) gedeutet.]

punavaṣasahasrante samāyāto nareśvara / nidāghajñānadānāya tadeva nagaraṃ guruḥ

Wiederum, nach Ablauf von tausend Jahren, kam, o Herrscher der Menschen, der Lehrer zu ebendieser Stadt, um Nidāgha [weiteres] Wissen zu schenken.

Wort für Wort
punavaṣasahasrante
wiederum, nach Ablauf von tausend Jahren
samāyāto nareśvara
kam er, o Herrscher der Menschen
nidāghajñānadānāya
um Nidāgha Wissen zu schenken
tadeva nagaraṃ guruḥ
der Lehrer zu ebendieser Stadt

nagarasya bahiḥ so 'tha nidāghaṃ dṛṣṭavān munim / mahābalaparīvāre puraṃ viśati pārthive

Außerhalb der Stadt sah er da den Weisen Nidāgha, während der Herrscher, umgeben von großer Streitmacht, in die Stadt einzog,

Wort für Wort
nagarasya bahiḥ so 'tha
außerhalb der Stadt da
nidāghaṃ dṛṣṭavān munim
sah er den Weisen Nidāgha
mahābalaparīvāre
umgeben von großer Streitmacht
puraṃ viśati pārthive
während der Herrscher in die Stadt einzog

dūrasthitaṃ mahābhāge janasaṃmardavarjakam / kṣutkṣāmakaṇṭhamāyāntamaraṇyātsasamitkuśam

[ihn,] fernab stehend, das Gedränge der Menschen meidend, o Hochbeglückter, mit vor Hunger geschwächter Kehle, aus dem Wald kommend, mit Brennholz und Kuśa-Gras [beladen].

Wort für Wort
dūrasthitaṃ mahābhāge
fernab stehend, o Hochbeglückter
janasaṃmardavarjakam
das Gedränge der Menschen meidend
kṣutkṣāmakaṇṭhamāyāntam
mit vor Hunger geschwächter Kehle kommend
araṇyātsasamitkuśam
aus dem Wald, mit Brennholz und Kuśa-Gras

dṛṣṭvā nidāghaṃ sa ṛbhurupāgatyābhivādya ca / uvāca kasmādekāntaṃ sthīyata bhavatā dvija

Als er den Nidāgha sah, trat jener Ṛbhu heran, begrüßte ihn und sprach: 'Warum verweilst du, o Zweifachgeborener, an einem einsamen Ort?'

Wort für Wort
dṛṣṭvā nidāghaṃ sa ṛbhur
als er den Nidāgha sah, jener Ṛbhu
upāgatyābhivādya ca
herantretend und begrüßend
uvāca kasmādekāntaṃ
sprach: warum an einem einsamen [Ort]
sthīyata bhavatā dvija
verweilst du, o Zweifachgeborener

// nidāgha uvāca bho vipra janasaṃmarddo mahāneṣa janeśvare / pravivakṣau pure ramye tenātra sthīyate mayā

Nidāgha sprach: 'He, Brahmane, groß ist dieses Gedränge der Leute, da der Herrscher der Menschen in die reizvolle Stadt einzuziehen wünscht; darum verweile ich hier.'

Wort für Wort
nidāgha uvāca
Nidāgha sprach
bho vipra janasaṃmarddo
he, Brahmane, das Gedränge der Leute
mahāneṣa janeśvare
ist groß, da der Herrscher der Menschen
pravivakṣau pure ramye
in die reizvolle Stadt einzuziehen wünscht
tenātra sthīyate mayā
darum verweile ich hier

ṛbhuruvāca narādhipo 'tra katamaḥ katamaścetaro janaḥ / kathyatāṃ me dvijaśreṣṭha tvamabhijño mato mama

Ṛbhu sprach: 'Welcher ist hier der Herrscher der Menschen, und welcher der andere, [gewöhnliche] Mensch? Sage es mir, o bester der Zweifachgeborenen; du giltst mir als kundig.'

Wort für Wort
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
narādhipo 'tra katamaḥ
welcher ist hier der Herrscher der Menschen
katamaścetaro janaḥ
und welcher der andere Mensch
kathyatāṃ me dvijaśreṣṭha
sage es mir, o bester der Zweifachgeborenen
tvamabhijño mato mama
du giltst mir als kundig

nidāgha uvāca yo 'yaṃ gajendramunmattamadriśṛṅgasamucchrayam / adhiruḍho narendro 'yaṃ parito yastathetaraḥ

Nidāgha sprach: 'Dieser hier, der auf den brünstigen Elefantenfürsten, [der] hoch wie ein Berggipfel [ist], hinaufgestiegen ist, [er] ist der Herrscher der Menschen; und wer [ihn] ringsum [begleitet], das ist der andere.'

Wort für Wort
nidāgha uvāca
Nidāgha sprach
yo 'yaṃ gajendramunmattam
dieser, der den brünstigen Elefantenfürsten
adriśṛṅgasamucchrayam
hoch wie ein Berggipfel
adhiruḍho narendro 'yaṃ
bestiegen hat, ist der Herrscher der Menschen
parito yastathetaraḥ
und wer ringsum [begleitet], ist der andere

ṛbhuruvāca etau hi gajarājānau dṛṣṭau hi yugapanmayā / bhavatā nirviśeṣeṇa pṛthagvedopalakṣitau

Ṛbhu sprach: 'Diese beiden nämlich, [wie] zwei Elefantenkönige, habe ich zugleich gesehen; von dir aber wurden sie ohne Unterscheidung, [jedoch] gesondert, durch [dein] Wissen bezeichnet.

Wort für Wort
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
etau hi gajarājānau
diese beiden nämlich, wie zwei Elefantenkönige
dṛṣṭau hi yugapanmayā
habe ich zugleich gesehen
bhavatā nirviśeṣeṇa
von dir ohne Unterscheidung
pṛthagvedopalakṣitau
gesondert durch Wissen bezeichnet

tatkathyatāṃ mahābhāga viśeṣo bhavatānayoḥ / jñātumicchāmyahaṃ ko 'tra gajaḥ ko vā narādhipaḥ

So sage, o Hochbeglückter, den Unterschied zwischen den beiden; ich möchte wissen, wer hier der Elefant und wer der Herrscher der Menschen ist.'

Wort für Wort
tatkathyatāṃ mahābhāga
so sage, o Hochbeglückter
viśeṣo bhavatānayoḥ
den Unterschied von dir zwischen beiden
jñātumicchāmyahaṃ ko 'tra
ich möchte wissen, wer hier
gajaḥ ko vā narādhipaḥ
der Elefant oder wer der Herrscher der Menschen ist

nidādha uvāca gajoyo 'yamadho brahmannuparyasyaiṣa bhūpatiḥ / vāhyavāhakasaṃbandhaṃ ko na jānāti vai dvija

Nidāgha sprach: 'Der Elefant ist der, der unten [ist], o Brahmane; oben auf ihm ist dieser Herrscher der Erde. Die Beziehung von Getragenem und Träger - wer kennte sie nicht, o Zweifachgeborener?'

Wort für Wort
nidādha uvāca
Nidāgha sprach
gajoyo 'yamadho brahmann
der Elefant ist der, der unten ist, o Brahmane
uparyasyaiṣa bhūpatiḥ
oben auf ihm ist dieser Herrscher der Erde
vāhyavāhakasaṃbandhaṃ
die Beziehung von Getragenem und Träger
ko na jānāti vai dvija
wer kennte sie nicht, o Zweifachgeborener

ṛbhuruvāca brahmanyathāhaṃ jānīyāṃ tathā māmavabodhaya / adhaḥ sattvavibhāgaṃ kiṃ kiṃ corddhamabhidhīyate

Ṛbhu sprach: 'O Brahmane, belehre mich so, dass ich [es] verstehen möge: Was wird als die 'unten' [befindliche] Wesenheit bezeichnet, und was als die 'oben' [befindliche]?'

Wort für Wort
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
brahmanyathāhaṃ jānīyāṃ
o Brahmane, so dass ich verstehen möge
tathā māmavabodhaya
so belehre mich
adhaḥ sattvavibhāgaṃ kiṃ
was ist die 'unten' [befindliche] Wesenheit
kiṃ corddhamabhidhīyate
und was wird als 'oben' bezeichnet

brāhmaṇa uvāca ityuktvā sahasāruhya nidāghaḥ prāha taṃ ṛbhum / śrayatāṃ kathayāmyeṣa yanmāṃ tvaṃ paripṛcchasi

[Der Erzähler sprach:] So sprechend, [und] rasch [auf einen erhöhten Platz] hinaufsteigend, sagte Nidāgha zu jenem Ṛbhu: 'Höre, ich werde dir das erklären, wonach du mich fragst.

Wort für Wort
ityuktvā sahasāruhya
so sprechend, rasch hinaufsteigend
nidāghaḥ prāha taṃ ṛbhum
sagte Nidāgha zu jenem Ṛbhu
śrayatāṃ kathayāmyeṣa
höre, ich werde erklären
yanmāṃ tvaṃ paripṛcchasi
wonach du mich fragst

[Anm.: Sprecherzuordnung im Quelltext „brāhmaṇa uvāca“, obwohl der Vers Erzählung in dritter Person ist („nidāghaḥ prāha“); vermutlich Rest der Rahmenerzählung.]

uparyahaṃ yathā rājā tvamadhaḥkuñjaro yathā / avabodhāya te brahmandṛṣṭānto darśito mayā

So wie ich oben [bin], [bin ich] wie der König; du [bist] unten, wie der Elefant. Zu deiner Belehrung, o Brahmane, wurde von mir [dieses] Beispiel gezeigt.'

Wort für Wort
uparyahaṃ yathā rājā
oben, wie ich, wie der König
tvamadhaḥkuñjaro yathā
du unten, wie der Elefant
avabodhāya te brahman
zu deiner Belehrung, o Brahmane
dṛṣṭānto darśito mayā
wurde ein Beispiel von mir gezeigt

ṛbhuruvāca tvaṃ rājeva dvijaśreṣṭha sthito 'haṃ gajavadyadi / tadevaṃ tvaṃ samācakṣva katamastvamahaṃ tathā

Ṛbhu sprach: 'Wenn du, o bester der Zweifachgeborenen, wie der König [oben] stehst, [und] ich wie der Elefant [unten bin] - dann erkläre mir doch: wer [bist] du, und wer [bin] ich demgemäß?'

Wort für Wort
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
tvaṃ rājeva dvijaśreṣṭha
du, wie der König, o bester der Zweifachgeborenen
sthito 'haṃ gajavadyadi
ich stehe, wie der Elefant, wenn
tadevaṃ tvaṃ samācakṣva
dann erkläre du so
katamastvamahaṃ tathā
wer du bist, und wer ich ebenso

brāhmaṇa uvāca ityuktaḥ satvarastasya caraṇāvabhivandya saḥ / nidādhaḥ prāha bhagavannācāryastvamṛbhurmam

[Der Erzähler sprach:] So angesprochen, verehrte er eilends dessen Füße, und Nidāgha sprach: 'O Erhabener, du bist Ṛbhu, mein Lehrer!

Wort für Wort
ityuktaḥ satvarastasya
so angesprochen, eilends dessen
caraṇāvabhivandya saḥ
Füße verehrend, er
nidādhaḥ prāha bhagavannācāryastvamṛbhurmam
Nidāgha sprach: o Erhabener, du bist Ṛbhu, mein Lehrer

nānyasyādvai vasaṃskārasaṃskṛtaṃ mānasaṃ tathā / yathācāryasya tena tvāṃ manye prāptamahaṃ gurum

Bei keinem anderen wird der Geist so durch [dessen] Prägung geprägt, wie durch [den] des Lehrers; darum halte ich dich [für den], den ich als Lehrer erlangt habe.'

Wort für Wort
nānyasyādvai vasaṃskārasaṃskṛtaṃ mānasaṃ tathā
bei keinem anderen wird der Geist so durch Prägung geprägt
yathācāryasya tena tvāṃ
wie durch die des Lehrers, darum dich
manye prāptamahaṃ gurum
halte ich für den erlangten Lehrer

[?: „vasaṃskāra“ unsicher überliefert; als „saṃskāra“ (Prägung) gedeutet.]

ṛbhuruvāca tavopadeśadānāya pūrvaśuśrūṣaṇāttava / gurusnehādṛbhurnāmanidāghaṃ samupāgataḥ

Ṛbhu sprach: 'Um dir Belehrung zu geben, aufgrund deines früheren Dienstes und aus Zuneigung des Lehrers, bin ich, mit Namen Ṛbhu, zu Nidāgha gekommen.

Wort für Wort
ṛbhuruvāca
Ṛbhu sprach
tavopadeśadānāya
um dir Belehrung zu geben
pūrvaśuśrūṣaṇāttava
aufgrund deines früheren Dienstes
gurusnehādṛbhurnāma
aus Zuneigung des Lehrers, mit Namen Ṛbhu
nidāghaṃ samupāgataḥ
bin ich zu Nidāgha gekommen

tadetadupadiṣṭaṃ te saṃkṣepeṇa mahāmate / paramārthasārabhūtaṃ yattadadvaitamaśeṣataḥ

Dies wurde dir nun in Kürze gelehrt, o Großgesinnter - das, was das Wesen des Kerns der höchsten Wahrheit ist: die Nicht-Zweiheit, ohne Rest.'

Wort für Wort
tadetadupadiṣṭaṃ te
dies wurde dir gelehrt
saṃkṣepeṇa mahāmate
in Kürze, o Großgesinnter
paramārthasārabhūtaṃ
das Wesen des Kerns der höchsten Wahrheit
yattadadvaitamaśeṣataḥ
das, was die Nicht-Zweiheit ist, ohne Rest

brāhmaṇa uvāca evamuktvā dadau vidyāṃ nidāghaṃ sa ṛbhurguruḥ / nidāgho 'pyupadeśena tenādvaitaparo 'bhavat

[Der Erzähler sprach:] So sprechend, gab jener Ṛbhu, der Lehrer, dem Nidāgha [dieses] Wissen; und Nidāgha wurde durch jene Belehrung der Nicht-Zweiheit ergeben.

Wort für Wort
evamuktvā dadau vidyāṃ
so sprechend gab er das Wissen
nidāghaṃ sa ṛbhurguruḥ
dem Nidāgha, jener Ṛbhu, der Lehrer
nidāgho 'pyupadeśena
und Nidāgha wurde durch die Belehrung
tenādvaitaparo 'bhavat
der Nicht-Zweiheit ergeben

sarvabhūtānyabhedena dadṛśe sa tadātmanaḥ / tathā brahmatanau muktimavāca paramādvijaḥ

Er sah alle Wesen ohne Unterschied als mit sich selbst [identisch]; so erlangte der höchste Zweifachgeborene die Erlösung im Leib Brahmans.

Wort für Wort
sarvabhūtānyabhedena
alle Wesen ohne Unterschied
dadṛśe sa tadātmanaḥ
sah er als mit sich selbst [identisch]
tathā brahmatanau muktim
so im Leib Brahmans die Erlösung
avāca paramādvijaḥ
erlangte der höchste Zweifachgeborene

tathā tvamapi dharmajña tulyātmaripubāndhavaḥ / bhava sarvagataṃ jñānamātmānamavanīpate

'Ebenso werde auch du, o Kenner der Rechtsordnung, [einer, dem] Selbst, Feind und Verwandter gleich [sind]; sei [du selbst] das allgegenwärtige Wissen, [erkenne dich] als das Selbst, o Herrscher der Erde.'

Wort für Wort
tathā tvamapi dharmajña
ebenso werde auch du, o Kenner der Rechtsordnung
tulyātmaripubāndhavaḥ
[einer, dem] Selbst, Feind, Verwandter gleich sind
bhava sarvagataṃ jñānam
sei das allgegenwärtige Wissen
ātmānamavanīpate
das Selbst, o Herrscher der Erde

sitanīlādibhedena yathaikaṃ dṛśyate nabhaḥ / bhrāntadṛṣṭibhirātmāpi tathaikaḥ sanpṛthak pṛthak

So wie der eine Himmel durch den Unterschied von Weiß, Blau und so weiter [verschieden erscheint] - ebenso erscheint auch das eine Selbst, obwohl es eines ist, für die, deren Blick verwirrt ist, [als] je gesondert.

Wort für Wort
sitanīlādibhedena
durch den Unterschied von Weiß, Blau und so weiter
yathaikaṃ dṛśyate nabhaḥ
wie der eine Himmel erscheint
bhrāntadṛṣṭibhirātmāpi
auch das Selbst, für die, deren Blick verwirrt ist
tathaikaḥ sanpṛthak pṛthak
ebenso, obwohl eines, je gesondert

ekaḥ samastaṃ yadihāsti kiñcittadacyuto nāsti paraṃ tato 'nyat / so 'haṃ sa ca tvaṃ sa ca sarvametadātmāṃsvayaṃ bhātyapabhedamohaḥ

Er, der Eine, [ist] alles, was hier irgendetwas ist; das [ist] der Unvergängliche - es gibt nichts anderes außer ihm. Er [bin] ich, und er [bist] du, und er [ist] dies alles; das Selbst erscheint von selbst [als] die Verblendung falscher Unterscheidung.

Wort für Wort
ekaḥ samastaṃ yadihāsti kiñcit
er, der Eine, [ist] alles, was hier irgendetwas ist
tadacyuto nāsti paraṃ tato 'nyat
das ist der Unvergängliche, es gibt nichts anderes außer ihm
so 'haṃ sa ca tvaṃ sa ca sarvametat
er [bin] ich, und er [bist] du, und er ist dies alles
ātmāṃsvayaṃ bhātyapabhedamohaḥ
das Selbst erscheint von selbst als die Verblendung falscher Unterscheidung

[Anm.: Vers in abweichendem, längerem Versmaß (Triṣṭubh-artig) überliefert; Sandhi „ātmāṃsvayaṃ“ als „ātmā svayaṃ“ aufgelöst.]

sanandana uvāca itīritastena sa rājavaryastatyāja bhedaṃ paramārthadṛṣṭiḥ / sa cāpi jātismaraṇāvabodastatraiva janmanyapavargamāpa

Sanandana sprach: So von jenem angesprochen, gab jener vortreffliche König, [nunmehr] mit dem Blick der höchsten Wahrheit, die [falsche] Unterscheidung auf; und auch er, durch die Erinnerung an frühere Geburten erwacht, erlangte eben in dieser Geburt die Erlösung.

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach
itīritastena sa rājavaryastatyāja bhedaṃ paramārthadṛṣṭiḥ
so von jenem angesprochen, gab jener vortreffliche König, mit dem Blick der höchsten Wahrheit, die Unterscheidung auf
sa cāpi jātismaraṇāvabodastatraiva janmanyapavargamāpa
und auch er, durch die Erinnerung an frühere Geburten erwacht, erlangte eben in dieser Geburt die Erlösung

paramārthādhyātmametattubhyamuktaṃ munīśvara / brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ śrortṛāṇāṃ cāpi muktidam

Diese auf die höchste Wahrheit [bezogene] Lehre vom Selbst wurde dir, o Fürst der Weisen, verkündet - sie, die auch Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras die Erlösung verleiht.

Wort für Wort
paramārthādhyātmametat
diese auf die höchste Wahrheit [bezogene] Lehre vom Selbst
tubhyamuktaṃ munīśvara
wurde dir verkündet, o Fürst der Weisen
brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ
der Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas
śrortṛāṇāṃ cāpi muktidam
und auch der Śūdras [?], die Erlösung verleihend

[?: „śrortṛāṇāṃ“ unsicher überliefert; als „śūdrāṇāṃ“ (der Śūdras) gedeutet.]

yathā pṛṣṭaṃ tvayā brahmaṃstathā te gaditaṃ mayā / brahmajñānamidaṃ śuddhaṃ kimanyatkathayāmi vai

So wie von dir gefragt wurde, o Brahmane, so wurde es dir von mir dargelegt; dies ist die reine Erkenntnis Brahmans - was anderes sollte ich noch sagen?

Wort für Wort
yathā pṛṣṭaṃ tvayā brahmaṃs
so wie von dir gefragt wurde, o Brahmane
tathā te gaditaṃ mayā
so wurde es dir von mir dargelegt
brahmajñānamidaṃ śuddhaṃ
dies ist die reine Erkenntnis Brahmans
kimanyatkathayāmi vai
was anderes sollte ich noch sagen

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