Sanaka sprach: Ein anderes Gelübde will ich verkünden, genannt 'Fahnenaufrichtung' (dhvajāropaṇa) – heilig, alle Sünde tilgend, Ursache der Freude Viṣṇus.
Wort für Wort
anyadvūtaṃ pravakṣyāmi dhvajāropaṇasaṃjñitam /
ein anderes Gelübde will ich verkünden, genannt 'Fahnenaufrichtung'
sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ viṣṇuprīṇanakāraṇam
heilig, alle Sünde tilgend, Ursache der Freude Viṣṇus
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (17.) Kapitels vorangestellt, gefolgt von einer Trennlinie – ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.]
Wer im Hause Viṣṇus die vortreffliche Fahnenaufrichtung vollzieht, wird von Virañci (Brahmā) und anderen [Göttern] verehrt [?] – wozu noch viele andere Worte?
Wort für Wort
yaḥ kuryādviṣṇubhavane dhvajāropaṇamuttamam /
wer im Hause Viṣṇus die vortreffliche Fahnenaufrichtung vollzieht
saṃpūjyate vigniñcyādyaiḥ kimanyairbahubhāṣitaiḥ
wird von Virañci und anderen verehrt [?] – wozu noch viele andere Worte
[?] 'vigniñcyādyaiḥ' vermutlich für 'virañcyādyaiḥ' ('von Virañci [Brahmā] und anderen') verschrieben. [Anm.: In diesem Kapitel finden sich wiederholt solche überzähligen 'gh/gn'-Einschübe in der Vorlage (vgl. bereits das Kolophon 'lakṣaghmī' für 'lakṣmī'); sie werden im Folgenden jeweils einzeln vermerkt.]
Der Fahnenaufrichtung gleich ist auch das unübertreffliche Bad in der Gaṅgā, oder die Verehrung des Tulasī-Strauches, oder die Verehrung des Śiva-Liṅgam.
Wort für Wort
dhvajāropaṇatulyaṃ syādgaṅgāsnānamanuttamam /
der Fahnenaufrichtung gleich ist das unübertreffliche Bad in der Gaṅgā
athavā tulasūsevā śivaliṅgaprapūjanam
oder die Verehrung des Tulasī[-Strauches], die Verehrung des Śiva-Liṅgam
dhvajastambho ca gāyatryā prokṣaghayedvastrasaṃyutau /
sūryaṃ ca vainateyaṃ ca himāṃśuṃ tatparor'cayet
Die Fahne und den Fahnenpfahl besprenge er mit der Gāyatrī, beide mit Tüchern versehen; die Sonne, den Vainateya (Garuḍa) und den Mond verehre er darauf [?].
Wort für Wort
dhvajastambho ca gāyatryā prokṣaghayedvastrasaṃyutau /
die Fahne und den Pfahl besprenge er mit der Gāyatrī, beide mit Tüchern versehen
sūryaṃ ca vainateyaṃ ca himāṃśuṃ tatparor'cayet
die Sonne, den Vainateya und den Mond verehre er darauf [?]
tato gocarmamātraghaṃ tu sthaṇḍilaṃ copalipya vai /
ādhāyāngiṃ svagṛhyottyā hyājyabhāgādikaṃ kramāt
Danach, nachdem er eine Opferstätte von der Größe einer Kuhhaut ausgestrichen hat, richte er das Feuer ein, gemäß der Vorschrift seines eigenen Gṛhyasūtra, und bringe der Reihe nach die Ājyabhāga-Spenden und dergleichen dar.
Wort für Wort
tato gocarmamātraghaṃ tu sthaṇḍilaṃ copalipya vai /
danach, nachdem er eine Opferstätte von der Größe einer Kuhhaut ausgestrichen hat
ādhāyāngiṃ svagṛhyottyā hyājyabhāgādikaṃ kramāt
richte er das Feuer ein, gemäß der Vorschrift seines Gṛhyasūtra, [und bringe] der Reihe nach die Ājyabhāga-Spenden usw. dar
tataśca vainateyāya svāhe tyaṣṭāhutīstathā /
somo dhenumudutyaṃ ca juhuyācca tato dvija
Danach bringe er dem Vainateya mit [dem Ruf] 'svāhā' ebenso acht Opfergüsse dar; dem Soma [opfere er] eine Kuh[-Gabe, ?], und danach opfere er weiter, o Zweimalgeborener.
Wort für Wort
tataśca vainateyāya svāhe tyaṣṭāhutīstathā /
danach bringe er dem Vainateya mit 'svāhā' ebenso acht Opfergüsse dar
somo dhenumudutyaṃ ca juhuyācca tato dvija
dem Soma [opfere er] eine Kuh[-Gabe, ?], und opfere danach weiter, o Zweimalgeborener
[?] 'somo dhenumudutyaṃ' textlich unklar/korrupt überliefert; sinngemäß als Opfergabe an Soma gedeutet.
tato maṅgalavādyaiśca sūktapāṭhaiśca śaubhanam /
nṛtyaiśca ratotraghapaṭhanairnayedviṣṇavālaye dhvajam
Dann geleite er, mit Glück verheißenden Musikinstrumenten, der Rezitation von Sūkta-Hymnen, auf schöne Weise, mit Tänzen und der Rezitation von Loblied-Hymnen, die Fahne zum Tempel Viṣṇus.
Wort für Wort
tato maṅgalavādyaiśca sūktapāṭhaiśca śaubhanam /
dann, mit Glück verheißenden Musikinstrumenten, der Rezitation von Sūkta-Hymnen, auf schöne Weise
Mit Duftstoffen, Blumen, ungeschältem Reis, mit bezauberndem Räucherwerk und Lampen, mit Speisen, Genüssen und anderen Opfergaben verehre er den Gott, ihn, Hari.
Durch den dies ganze All entstanden ist, in dem alles gegründet ist, und in den es ebenso wieder vergehen wird – ihm, dem Keśava, bin ich zugeflüchtet.
Wort für Wort
yenedamakhilaṃ jātaṃ yatra sarvaṃ pratiṣṭitam /
durch den dies ganze All entstanden ist, in dem alles gegründet ist
layameṣyati yatraivaṃ taṃ prapanno 'smi keśavam
in den es ebenso wieder vergehen wird – ihm, dem Keśava, bin ich zugeflüchtet
na jānanti paraṃ bhāvaṃ yasya brahmādayaḥ surāḥ /
yoginoyaṃ na paśyanti taṃ vandaṃ jñānarupuṇam
Dessen höheres Wesen selbst die Götter, angefangen mit Brahmā, nicht kennen, den auch die Yogis nicht schauen – ihn, den Wissensgestaltigen, verehre ich.
Wort für Wort
na jānanti paraṃ bhāvaṃ yasya brahmādayaḥ surāḥ /
dessen höheres Wesen selbst die Götter, angefangen mit Brahmā, nicht kennen
yoginoyaṃ na paśyanti taṃ vandaṃ jñānarupuṇam
den auch die Yogis nicht schauen – ihn, den Wissensgestaltigen, verehre ich
Dessen Ohren alle Himmelsrichtungen sind, dessen Augen die Sonne und der Mond sind, durch den Ṛk, Sāman und Yajus [bestehen] – ihn, den Brahman-Gestaltigen, verehre ich.
Aus dessen Mund die Brahmanen entstanden, aus dessen Armen die Könige wurden, aus dessen Schenkel die Vaiśyas entstanden, aus dessen Füßen der Śūdra geboren wurde,
Wort für Wort
yanmukhādvāhmaṇā jātā yadvāhorabhavannṛpāḥ /
aus dessen Mund die Brahmanen entstanden, aus dessen Armen die Könige wurden
Den Gott, der auf dem Milchozean ruht, den Endlosen, den Unbesiegten, den den guten Gläubigen liebevoll Zugetanen, Viṣṇu, der nur durch Hingabe erreichbar ist – ihn verehre ich.
Wort für Wort
kṣīrabdhi śāyinaṃ devamananta maparājitam /
den Gott, der auf dem Milchozean ruht, den Endlosen, den Unbesiegten
sadbhaktavatsalaṃ viṣṇuṃ bhaktigamyaṃ namāmyaham
den den guten Gläubigen liebevoll Zugetanen, Viṣṇu, der nur durch Hingabe erreichbar ist – ihn verehre ich
pṛthivyādīni bhūtāni tanmātrāṇīṃndriyāṇi ca /
sūkṣmāsūkṣyāṇi yenāsaṃstaṃ vande sarvatomukham
Die Elemente, angefangen mit der Erde, die Tanmātras und die Sinnesorgane, die subtilen und groben [Dinge], durch den sie entstanden sind – ihn, den Allseitigen, verehre ich.
Wort für Wort
pṛthivyādīni bhūtāni tanmātrāṇīṃndriyāṇi ca /
die Elemente, angefangen mit der Erde, die Tanmātras und die Sinnesorgane
sūkṣmāsūkṣyāṇi yenāsaṃstaṃ vande sarvatomukham
die subtilen und groben [Dinge], durch den sie entstanden sind – ihn, den Allseitigen, verehre ich
[Ihm,] dessen höchste Wohnstatt das Brahman [selbst] ist [?], dem Höchsten über alle Welten, dem Eigenschaftslosen, dem höchst Feinen – verneige ich mich wieder und wieder.
Wort für Wort
yadvahya paramaṃ dhāma sarvalokottamottamam /
[ihm,] dessen höchste Wohnstatt das Brahman [ist, ?], dem Höchsten über alle Welten
nirguṇaṃ paramaṃ sūkṣmaṃ praṇato 'sti punaḥ punaḥ
dem Eigenschaftslosen, dem höchst Feinen – verneige ich mich wieder und wieder
Den Unveränderlichen, Ungeborenen, Reinen, den mit Armen nach allen Seiten, den Herrn, den die besten der Yogis als die Ursache aller Ursachen preisen –
Wort für Wort
avikāramajaṃ śuddhaṃ sarvatobāhumīśvaram /.
den Unveränderlichen, Ungeborenen, Reinen, den mit Armen nach allen Seiten, den Herrn
yamāmananti yogāndrāḥ sarvakāraṇakāraṇam
den die besten der Yogis als die Ursache aller Ursachen preisen
[Anm.: Im Quelltext folgt nach 'sarvatobāhumīśvaram' ein überzähliger Punkt ('/.'), ein Interpunktionsartefakt der Vorlage.]
hṛdayastho 'pi dūrastho māyayā mohitātmanām /
jñānināṃ sarvago yastu sa me viṣṇuḥ prasīdatu
Der, obwohl im Herzen weilend, doch für die durch [seine] Māyā Verblendeten fern ist, für die Wissenden aber allgegenwärtig ist – er, Viṣṇu, sei mir gnädig!
Wort für Wort
hṛdayastho 'pi dūrastho māyayā mohitātmanām /
der, obwohl im Herzen weilend, doch für die durch [seine] Māyā Verblendeten fern ist
jñānināṃ sarvago yastu sa me viṣṇuḥ prasīdatu
für die Wissenden aber allgegenwärtig ist – er, Viṣṇu, sei mir gnädig
jñānināṃ karmiṇāṃ caiva tathā bhaktimatāṃ nṛṇām /
gatidātā viśvamṛgyaḥ sa me viṣṇuḥ prasūdatu
Der den Wissenden, den Werktätigen und ebenso den hingebungsvollen Menschen das Ziel verleiht, von der ganzen Welt gesucht – er, Viṣṇu, sei mir gnädig!
Wort für Wort
jñānināṃ karmiṇāṃ caiva tathā bhaktimatāṃ nṛṇām /
den Wissenden, den Werktätigen und ebenso den hingebungsvollen Menschen
gatidātā viśvamṛgyaḥ sa me viṣṇuḥ prasūdatu
der das Ziel verleiht, von der ganzen Welt gesucht – er, Viṣṇu, sei mir gnädig
yamāmanantive santaḥ saccidānandavigraham /
nirguṇaṃ ca guṇādhāraṃ sa me viṣṇuḥ prasīdatu
Den fürwahr die Frommen preisen als die Gestalt von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, als den Eigenschaftslosen und [doch zugleich] den Träger der Eigenschaften – er, Viṣṇu, sei mir gnädig!
Wort für Wort
yamāmanantive santaḥ saccidānandavigraham /
den fürwahr die Frommen preisen als die Gestalt von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit
nirguṇaṃ ca guṇādhāraṃ sa me viṣṇuḥ prasīdatu
als den Eigenschaftslosen und [doch] den Träger der Eigenschaften – er, Viṣṇu, sei mir gnädig
Nachdem er so [Viṣṇu] gepriesen hat, verneige er sich vor Viṣṇu und verehre die Brahmanen; danach verehre er den Ācārya mit Priestergabe, Gewändern und dergleichen.
Wort für Wort
iti stutvā namedviṣṇuṃ brāhmaṇāṃśca prapūjayet /
nachdem er so [Viṣṇu] gepriesen hat, verneige er sich vor Viṣṇu und verehre die Brahmanen
ācāryaṃ pūjayetpaścāddakṣiṇācchādanādibhiḥ
danach verehre er den Ācārya mit Priestergabe, Gewändern und dergleichen
brāhmaṇānbhojayecchaktyā bhakti bhāvasamanvitaḥ /
putramatrikalatrādyaiḥ svayaṃ ca saha bandhubhiḥ
Nach Vermögen speise er, von hingebungsvoller Gesinnung erfüllt, die Brahmanen, zusammen mit Söhnen, Freunden, Gattin und dergleichen sowie selbst mit den Verwandten.
Wort für Wort
brāhmaṇānbhojayecchaktyā bhakti bhāvasamanvitaḥ /
nach Vermögen speise er, von hingebungsvoller Gesinnung erfüllt, die Brahmanen
putramatrikalatrādyaiḥ svayaṃ ca saha bandhubhiḥ
zusammen mit Söhnen, Freunden, Gattin und dergleichen sowie selbst mit den Verwandten
Er vollziehe, o Brahmane, das Fastenbrechen, Nārāyaṇa ganz ergeben. Wer aber dieses Werk vollzieht, die vortreffliche Fahnenaufrichtung – dessen Verdienstfrucht will ich verkünden; höre wohlgesammelt zu.
Wort für Wort
kurvīta pāraṇaṃ vipra nārāyaṇaparāyaṇaḥ /
er vollziehe, o Brahmane, das Fastenbrechen, Nārāyaṇa ganz ergeben
yastvetatkarma kurvīta dhvajāropaṇamuttamam /
wer aber dieses Werk vollzieht, die vortreffliche Fahnenaufrichtung
tasya puṇyaphalaṃ vakṣye śṛṇuṣva susamāhitaḥ
dessen Verdienstfrucht will ich verkünden; höre wohlgesammelt zu
Selbst wer mit einer Todesünde behaftet ist, oder mit allen [Arten von] Sünden behaftet, wird, nachdem er im Hause Viṣṇus eine Fahne errichtet hat, von allen Sünden befreit.
Wort für Wort
mahāpātakayukto vā yukto vā sarvapātakaiḥ /
selbst wer mit einer Todesünde behaftet ist, oder mit allen Sünden behaftet
dhvajaṃ viṣṇugṛhe kṛtvā mucyate sarvapātakaiḥ
wird, nachdem er im Hause Viṣṇus eine Fahne errichtet hat, von allen Sünden befreit
Die im Hause Viṣṇus aufgerichtete Fahne schüttelt, indem sie ihr eigenes Tuch schüttelt, alle Sünden ihres Stifters ab – binnen der Hälfte eines Augenblicks.
Wort für Wort
āropito dhvajo viṣṇugṛhe dhunvanpaṭaṃ svakam /
die im Hause Viṣṇus aufgerichtete Fahne, indem sie ihr eigenes Tuch schüttelt
kartuḥ sarvāṇi pāpāni dhunoti nimiṣārddhataḥ
schüttelt alle Sünden ihres Stifters ab, binnen der Hälfte eines Augenblicks
Wer aber, nachdem er im Hause Viṣṇus eine Fahne aufgerichtet hat, sie beständig pflegt – der gelangt auf dem Götterpfad zum Himmel, ebenso wie König Sumati.
Wort für Wort
yastvā ropya gṛhe viṣṇordhvajaṃ nityamupācaret /
wer aber, nachdem er im Hause Viṣṇus eine Fahne aufgerichtet hat, sie beständig pflegt
sa devayānena divaṃ yātīva sumatirnṛpaḥ
der gelangt auf dem Götterpfad zum Himmel, ebenso wie König Sumati