Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 94: vāyupurāṇānukramaṇam Zusammenfassung des Vāyu-Purāṇa

Brahmā fasst gegenüber Marīci/Nārada Umfang und Inhalt des Vāyu-Purāṇa zusammen (24.000 Verse, zwei Teile), einschließlich einer ausführlichen Würdigung der Narmadā (Revā) und ihrer Tīrthas. Der am Kopf der Quelldatei stehende Kolophon gehört, wie in den Nachbarkapiteln, verschoben zum vorhergehenden Kapitel (vgl. Anm. zu V1).

brahmovāca / śṛṇu vipra pravakṣyāmi purāṇaṃ vāyavīyakam / yasmiñcchrute labhaddhāma rudrasya paramātmanaḥ

Brahmā sprach: Höre, o Brahmane, ich will [dir] das Purāṇa verkünden, das Vāyavīya genannt wird, bei dessen Hören man die Stätte (dhāma) Rudras, des höchsten Selbst, erlangt.

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
śṛṇu vipra pravakṣyāmi
höre, o Brahmane, ich will verkünden
purāṇaṃ vāyavīyakam
das Purāṇa namens Vāyavīya
yasmiñcchrute labhet dhāma
bei dessen Hören man die Stätte erlangt
rudrasya paramātmanaḥ
Rudras, des höchsten Selbst

Anm.: Vor dem eigentlichen Versbeginn steht im Quelltext die Zeile "iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne caturthapāde viṣṇupurāṇānukramaṇīnirūpaṇaṃ nāma caturnavatitamo 'dhyāyaḥ". Dies ist ein verschobener Kolophon: er gehört inhaltlich zum ABSCHLUSS des VORHERGEHENDEN Kapitels (Zusammenfassung des Viṣṇu-Purāṇa, Kap. 93), trägt aber fälschlich die Nummer des vorliegenden Kapitels (94). Das tatsächliche Kapitel 94 (dieses Kapitel) behandelt, wie der Vers-Inhalt zeigt, das Vāyu-Purāṇa. Der Kolophon wurde daher nicht als Vers übersetzt, sondern hier vermerkt (vgl. gleiches Muster in Kap. 90-93 und 95-102).

caturviṃśatisāhasraṃ tatpurāṇaṃ prakīrtitam / śvetakalpaprasaṃgena dharmānatrāha mārutaḥ

Vierundzwanzigtausend [Verse] umfassend wird jenes Purāṇa gepriesen; im Zusammenhang mit dem Śveta-Kalpa hat darin Māruta (der Windgott) die Dharmas verkündet.

Wort für Wort
caturviṃśatisāhasraṃ
vierundzwanzigtausend [Verse]
tatpurāṇaṃ prakīrtitam
jenes Purāṇa wird gepriesen
śvetakalpaprasaṃgena
im Zusammenhang mit dem Śveta-Kalpa
dharmān atra āha mārutaḥ
die Dharmas hat darin Māruta (Vāyu) verkündet

tadbāyavīyanuditaṃ bhāgadvayasamanvitam / sargādilakṣaṇaṃ yatra proktaṃ vipra savistaram

Jenes Vāyavīya wird dargelegt, aus zwei Teilen (Bhāgas) bestehend, worin, o Brahmane, ausführlich die Merkmale der Schöpfung u.a. verkündet werden.

Wort für Wort
tad vāyavīyam uditaṃ
jenes Vāyavīya wird dargelegt
bhāgadvayasamanvitam
aus zwei Teilen (Bhāgas) bestehend
sargādilakṣaṇaṃ yatra
worin die Merkmale der Schöpfung u.a.
proktaṃ vipra savistaram
ausführlich verkündet werden, o Brahmane

Anm.: Quelltext "tadbāyavīyanuditaṃ" – vermutlich Verschreibung für "tadvāyavīyamuditaṃ" (b/v-Verwechslung); so übersetzt.

manvantareṣu vaṃśāśca rājñāṃ ye yatra kīrtitāḥ / gayāsurasya hananaṃ vistarādyatra kīrtitam

Und die Dynastien der Könige in den Manvantaras, die dort gepriesen werden, sowie die Tötung des Gayāsura, die dort ausführlich geschildert wird.

Wort für Wort
manvantareṣu vaṃśāśca
und die Dynastien in den Manvantaras
rājñāṃ ye yatra kīrtitāḥ
der Könige, die dort gepriesen werden
gayāsurasya hananaṃ
die Tötung des Gayāsura
vistarādyatra kīrtitam
die dort ausführlich geschildert wird

māsānāṃ caiva māhātmyaṃ māghasyoktaṃ phalādhikam / dānadharmā rājadharmā vistareṇoditā stathā

Auch die Größe (Māhātmya) der Monate, [besonders] des Māgha, wird mit besonderem Verdienst genannt; die Pflichten des Schenkens und die Pflichten der Könige werden ebenso ausführlich dargelegt.

Wort für Wort
māsānāṃ caiva māhātmyaṃ
und auch die Größe der Monate
māghasya uktaṃ phalādhikam
des Māgha wird mit besonderem Verdienst genannt
dānadharmā rājadharmā
die Pflichten des Schenkens, die Pflichten der Könige
vistareṇa uditā tathā
werden ebenso ausführlich dargelegt

Anm.: Quelltext "stathā" – Verschreibung für "tathā"; so übersetzt.

bhūpātālakakubvyomacāriṇāṃ yatra nirṇayaḥ / vratādīnāṃ ca pūrvo 'yaṃ vibhāgaḥ samudāhṛtaḥ

Worin die Bestimmung derer erfolgt, die sich auf der Erde, in der Unterwelt, in den Himmelsrichtungen und im Luftraum bewegen, sowie der Gelübde u.a. – so wird dieser erste Teil (Bhāga) dargelegt.

Wort für Wort
bhūpātālakakubvyomacāriṇāṃ
derer, die sich auf Erde, Unterwelt, Himmelsrichtungen und Luftraum bewegen
yatra nirṇayaḥ
worin die Bestimmung [erfolgt]
vratādīnāṃ ca
und der Gelübde u.a.
pūrvo 'yaṃ vibhāgaḥ samudāhṛtaḥ
so wird dieser erste Teil dargelegt

uttare tasya bhāgetu narmadātīrthavarṇanam / śivasya saṃhitoktā vai vistareṇa munīśvara

In dessen zweitem Teil aber [erfolgt] die Beschreibung der Pilgerstätten der Narmadā; die Saṃhitā Śivas wird darin, o Fürst der Weisen, fürwahr ausführlich dargelegt.

Wort für Wort
uttare tasya bhāge tu
in dessen zweitem (späterem) Teil aber
narmadātīrthavarṇanam
die Beschreibung der Pilgerstätten der Narmadā
śivasya saṃhitā uktā vai
die Saṃhitā Śivas wird fürwahr dargelegt
vistareṇa munīśvara
ausführlich, o Fürst der Weisen

yo devaḥ sarvadevānāṃ durvijñeyaḥ sanātanaḥ / sa tu sarvātmanā yasyāstīre tiṣṭhati saṃtatam

Der Gott, der unter allen Göttern schwer zu erkennen und ewig ist, er weilt mit seinem ganzen Wesen beständig an deren [der Narmadā] Ufer.

Wort für Wort
yo devaḥ sarvadevānāṃ
der Gott, der unter allen Göttern
durvijñeyaḥ sanātanaḥ
schwer zu erkennen [und] ewig [ist]
sa tu sarvātmanā
er aber mit seinem ganzen Wesen
yasyāstīre tiṣṭhati saṃtatam
weilt beständig an deren Ufer

idaṃ brahmā hārīridaṃ sākṣāccedaṃ paro haraḥ / idaṃ brahma nirākāraṃ kaivalyaṃ narmadājalam

Dies ist Brahmā, dies ist Hari, und dies ist leibhaftig der höchste Hara; dies, das Wasser der Narmadā, ist das gestaltlose Brahman, die Alleinheit (Kaivalya).

Wort für Wort
idaṃ brahmā hāriḥ idaṃ
dies ist Brahmā, dies ist Hari
sākṣāt ca idaṃ paro haraḥ
und dies ist leibhaftig der höchste Hara
idaṃ brahma nirākāraṃ
dies ist das gestaltlose Brahman
kaivalyaṃ narmadājalam
die Alleinheit – das Wasser der Narmadā

dhruvaṃ lokahitārthāya śivena svaśarīrataḥ / śaktiḥ kāpi saridṛpā reveyamavatāritā

Fürwahr, zum Wohle der Welt wurde von Śiva aus seinem eigenen Körper eine gewisse Śakti in Flussgestalt herabgeführt – diese Revā (Narmadā).

Wort für Wort
dhruvaṃ lokahitārthāya
fürwahr, zum Wohle der Welt
śivena svaśarīrataḥ
von Śiva aus seinem eigenen Körper
śaktiḥ kāpi saridrūpā [?]
eine gewisse Śakti in Flussgestalt [?]
revā iyam avatāritā
diese Revā wurde herabgeführt

Anm.: Quelltext "saridṛpā" – vermutlich Verschreibung für "saridrūpā" ("in Flussgestalt"); so übersetzt [?].

ye vasaṃtyuttare kūle rudrasyānucarā hi te / vasaṃti yāmyatīre ye lokaṃ te yānti vaiṣṇavam

Die am nördlichen Ufer wohnen, sind fürwahr Rudras Gefolgsleute; die am südlichen Ufer wohnen, gelangen in die Welt Viṣṇus.

Wort für Wort
ye vasaṃti uttare kūle
die am nördlichen Ufer wohnen
rudrasyānucarā hi te
sind fürwahr Rudras Gefolgsleute
vasaṃti yāmyatīre ye
die am südlichen (Yama-)Ufer wohnen
lokaṃ te yānti vaiṣṇavam
gelangen in die Welt Viṣṇus

oṅkāreśvaramārabhyayāvatpaścimasāgaraḥ / saṃgamāḥ pañca ca triṃśannadīnāṃ pāpanāśanī

Von Oṅkāreśvara angefangen bis zum westlichen Meer gibt es fünfunddreißig Flusszusammenflüsse, [die Narmadā ist] sündenvernichtend.

Wort für Wort
oṅkāreśvaramārabhya
von Oṅkāreśvara angefangen
yāvat paścimasāgaraḥ
bis zum westlichen Meer
saṃgamāḥ pañca ca triṃśat
fünfunddreißig Zusammenflüsse
nadīnāṃ pāpanāśanī
der Flüsse, [die Narmadā ist] sündenvernichtend

daśaikamuttare tīre trayoviṃśatirdakṣiṇe / pañcatriṃśattamaḥ prokto revāsāgarasagamaḥ

Elf am nördlichen Ufer, dreiundzwanzig am südlichen; der fünfunddreißigste wird genannt der Zusammenfluss der Revā mit dem Meer.

Wort für Wort
daśaikam uttare tīre
elf am nördlichen Ufer
trayoviṃśatirdakṣiṇe
dreiundzwanzig am südlichen [Ufer]
pañcatriṃśattamaḥ proktaḥ
der fünfunddreißigste wird genannt
revāsāgarasagamaḥ
der Zusammenfluss der Revā mit dem Meer

saṃgamaiḥ sahitānyeva revātīradvaye 'pi ca / catuḥśatāni tīrthāni prasiddhāni ca saṃti hi

Zusammen mit [diesen] Zusammenflüssen gibt es an beiden Ufern der Revā fürwahr vierhundert berühmte Pilgerstätten.

Wort für Wort
saṃgamaiḥ sahitāni eva
zusammen mit den Zusammenflüssen
revātīradvaye 'pi ca
auch an beiden Ufern der Revā
catuḥśatāni tīrthāni
vierhundert Pilgerstätten (Tīrthas)
prasiddhāni ca saṃti hi
gibt es fürwahr, berühmte

ṣaṣṭitīrthasahasrāṇi ṣaṣṭikoṭyo munīśvara / saṃti cānyāni revāyāstīrayugme pade pade

Sechzigtausend Tīrthas und sechzig Koṭis [gibt es], o Fürst der Weisen, und noch andere, an jedem einzelnen Ort an beiden Ufern der Revā.

Wort für Wort
ṣaṣṭitīrthasahasrāṇi
sechzigtausend Tīrthas
ṣaṣṭikoṭyo munīśvara
sechzig Koṭis, o Fürst der Weisen
saṃti ca anyāni
und es gibt noch andere
revāyāstīrayugme pade pade
an beiden Ufern der Revā, an jedem Ort

saṃhiteyaṃ mahāpuṇyā śivasya paramātmanaḥ / narmadācaritaṃ yatra vāyunā parikīrtitam

Diese hochheilige Saṃhitā des Śiva, des höchsten Selbst, worin von Vāyu das Wirken der Narmadā gepriesen wird.

Wort für Wort
saṃhitā iyaṃ mahāpuṇyā
diese hochheilige Saṃhitā
śivasya paramātmanaḥ
des Śiva, des höchsten Selbst
narmadācaritaṃ yatra
worin das Wirken der Narmadā
vāyunā parikīrtitam
von Vāyu gepriesen wird

likhitvedaṃ purāṇaṃ tu guḍadhenusamanvitam / śrāvaṇyāṃ yo dadedbhaktyā brāhmaṇāya kuṭuṃbine

Wer aber, nachdem er dieses Purāṇa niedergeschrieben hat, es, versehen mit einer Kuh aus Zuckerrohrmelasse, am [Vollmondtag des Monats] Śrāvaṇa mit Hingabe einem Brahmanen mit Familie gibt,

Wort für Wort
likhitvā idaṃ purāṇaṃ tu
wer aber, nachdem er dieses Purāṇa niedergeschrieben hat
guḍadhenusamanvitam
versehen mit einer Kuh aus Zuckerrohrmelasse (guḍadhenu)
śrāvaṇyāṃ yo dadet bhaktyā
wer [es] am Śrāvaṇa[-Vollmond] mit Hingabe gibt
brāhmaṇāya kuṭuṃbine
einem Brahmanen mit Familie

rudraloke vasetso 'pi yāvadindrāścaturddaśa / yaḥ śrāvayedvā śṛṇuyādvāyavīyamidaṃ naraḥ

der wird in der Welt Rudras weilen, solange es vierzehn Indras [gibt]; auch der Mensch, der dieses Vāyavīya vortragen lässt oder [selbst] hört,

Wort für Wort
rudraloke vaset so 'pi
auch er wird in der Welt Rudras weilen
yāvad indrāś caturddaśa
solange es vierzehn Indras gibt
yaḥ śrāvayed vā śṛṇuyāt
wer [es] vortragen lässt oder hört
vāyavīyam idaṃ naraḥ
dieses Vāyavīya, der Mensch

niyamena haviṣyāśī sa rudro nātra saṃśayaḥ / yaścānukramaṇīmetāṃ śṛṇoti śrāvayettathā

und dabei nach der Regel nur Opferspeise isst, der wird [selbst zu] Rudra – daran besteht kein Zweifel. Und wer diese Zusammenfassung hört oder vortragen lässt,

Wort für Wort
niyamena haviṣyāśī
nach der Regel nur Opferspeise essend
sa rudro nātra saṃśayaḥ
der wird zu Rudra, daran ist kein Zweifel
yaś ca anukramaṇīm etāṃ
und wer diese Zusammenfassung
śṛṇoti śrāvayet tathā
hört oder ebenso vortragen lässt

so 'pi sarvapurāṇasya phalaṃ śravaṇajaṃ labhet

der erlangt ebenfalls die aus dem Hören des gesamten Purāṇa entstehende Frucht.

Wort für Wort
so 'pi
auch er
sarvapurāṇasya phalaṃ śravaṇajaṃ
die aus dem Hören des ganzen Purāṇa entstehende Frucht
labhet
erlangt

Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (Versende des Kapitels).

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