Nārada sprach: Was ist jenes Lobpreis, o Hochgesegneter? Wodurch wurde Janārdana zufriedengestellt? Was für eine Gnadengabe erhielt Uttaṅka, der fromme Mann?
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
kim tat stotraṃ mahābhāga
was ist jenes Lobpreis, o Hochgesegneter,
kathaṃ tuṣṭo janārdanaḥ
wodurch wurde Janārdana zufriedengestellt
uttaṅkaḥ puṇyapuruṣaḥ
Uttaṅka, der fromme Mann,
kīdṛśaṃ labdhavān varam
was für eine Gnadengabe erhielt er
[Anm.: Der Vers wird im Quelltext durch das fehlplatzierte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels ('...viṣṇumāhātmye saptatriṃśo 'dhyāyaḥ') eingeleitet, bevor der eigentliche Vers 1 beginnt.]
Sanaka sprach: Uttaṅka aber, der Brahmane, der Meditation über Hari hingegeben, pries da, nachdem er die Größe des Fußwaschwassers gesehen hatte, voller Hingabe.
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
uttaṅkaḥ tu tadā vipraḥ
Uttaṅka aber, der Brahmane, da,
haridhyānaparāyaṇaḥ
der Meditation über Hari hingegeben,
pādodakasya māhātmyaṃ dṛṣṭvā
nachdem er die Größe des Fußwaschwassers gesehen hatte,
Uttaṅka sprach: Ich verneige mich vor Nārāyaṇa, dem Uranfänglichen Gott, der Wohnstatt der Welt, dem einzigen Freund der Welt; den mit Diskus, Lotus, Bogen und Schwert Bewaffneten, den Großen, den Vernichter der Not derer, die seiner gedenken - ich nehme Zuflucht zu ihm.
Wort für Wort
uttaṅkaḥ uvāca
Uttaṅka sprach:
nato 'smi nārāyaṇam ādidevaṃ
ich verneige mich vor Nārāyaṇa, dem Uranfänglichen Gott,
jagannivāsaṃ jagadekabandhum
der Wohnstatt der Welt, dem einzigen Freund der Welt,
cakrābjaśārṅgīasidharaṃ mahāntaṃ
der Diskus, Lotus, Bogen und Schwert trägt, den Großen,
smṛtārtinighnaṃ śaraṇaṃ prapadye
den Vernichter der Not derer, die seiner gedenken - ich nehme Zuflucht
Vor dem Uranfänglichen Gott, vor Viṣṇu, verneige ich mich: aus dessen Nabel-Lotus entstanden [?] der Schöpfer diese Gesamtheit der Welten erschafft, und dessen aus Zorn entstandener Rudra das Weltall vernichtet.
Wort für Wort
yannābhijātābjaprabhavaḥ vidhātā
der aus dem Lotus seines Nabels entstandene Schöpfer [?]
sṛjati amuṃ lokasamuñcayaṃ ca
erschafft diese Gesamtheit der Welten
yatkrodhajaḥ hanti jagat ca rudraḥ
und dessen aus Zorn entstandener Rudra das Weltall vernichtet
tam ādidevaṃ praṇato 'smi viṣṇum
vor diesem Uranfänglichen Gott, vor Viṣṇu, verneige ich mich
[?] 'yannibhijābja' unsichere Lesung, hier als 'yannābhijātābja' ('aus dem Lotus seines Nabels entstanden') gedeutet.
Ich bin dem Gemahl der Lotusgöttin ergeben, dessen Augen wie Lotusblütenblätter gedehnt sind, dem von wunderbarer Kraft, der alleinigen Ursache von allem, dem durch das Vedānta Erkennbaren, dem Puruṣa, dem Uralten, dem Hort des Lichtglanzes - Viṣṇu.
Wort für Wort
padmāpatiṃ padmadalāyatākṣaṃ
dem Gemahl der Lotusgöttin, dessen Augen wie Lotusblätter gedehnt sind,
vicitravīryaṃ nikhilaikahetum
dem von wunderbarer Kraft, der alleinigen Ursache von allem,
vedāntavedyaṃ puruṣaṃ purāṇaṃ
dem durch das Vedānta Erkennbaren, dem Puruṣa, dem Uralten,
Der unvergängliche Ātman, der Allgegenwärtige, mit Namen Acyuta, von der Natur der Erkenntnis, die Zuflucht der Erkenntniskundigen, allein durch Erkenntnis Erkennbare, der herrliche, anfanglose - er, von der Gestalt des Einzelnen und des Gesamten [?], möge gnädig sein.
Wort für Wort
ātmākṣaraḥ sarvagataḥ acyutākhyaḥ
der unvergängliche Ātman, der Allgegenwärtige, mit Namen Acyuta,
jñānātmakaḥ jñānavidāṃ śaraṇyaḥ
von der Natur der Erkenntnis, die Zuflucht der Erkenntniskundigen,
jñānaikavedyaḥ bhagavān anādiḥ
allein durch Erkenntnis erkennbar, der herrliche, anfanglose,
prasīdatāṃ vyaṣṭisamaṣṭirūpaḥ
er, von der Gestalt des Einzelnen und des Gesamten [?], möge gnädig sein
[?] 'vyaṣṭisa praṣṭirupaḥ' unsichere Lesung, hier als 'vyaṣṭisamaṣṭirūpaḥ' gedeutet.
Der von unendlicher Kraft, frei von der Klasse der [materiellen] Eigenschaften, doch von der Natur der Eigenschaften, der Vortrefflichste der Erkenntniskundigen; der Ewige, der Vernichter der Not derer, die sich ihm ergeben, die höchste Seele, der Ozean des Mitleids - er möge mir der Gnadenspender sein.
Wort für Wort
anantavīryaḥ guṇajātihīnaḥ
der von unendlicher Kraft, frei von der Klasse der Eigenschaften,
guṇātmakaḥ jñānavidāṃ variṣṭhaḥ
doch von der Natur der Eigenschaften, der Vortrefflichste der Erkenntniskundigen,
nityaḥ prapannārtiharaḥ parātmā
der Ewige, der Vernichter der Not derer, die sich ergeben, die höchste Seele,
dayāṃbudhiḥ me varadaḥ tu bhūyāt
der Ozean des Mitleids, er möge mir der Gnadenspender sein
Der du durch die Unterschiede von grob, fein und dergleichen in die Welt, wie sie deinem eigenen Werk gemäß ist, eingegangen bist - du allein bist all dies, von unendlichem Wesenskern; über dich hinaus gibt es nichts, o höchste Seele.
Wort für Wort
yaḥ sthūlasūkṣmādiviśeṣabhedaiḥ
der du durch die Unterschiede von grob, fein und dergleichen
jagat yathāvat svakṛtaṃ praviṣṭaḥ
in die Welt, wie sie deinem eigenen Werk gemäß ist, eingegangen bist
tvam eva tat sarvam anantasāraṃ
du allein bist all dies, von unendlichem Wesenskern
Jene deine reine Gestalt, die den Sinnen unzugängliche, frei von Māyā, frei von der Klasse der Eigenschaften, makellos, unbefleckt, unermesslich, die als die höchste Wirklichkeit bezeichnet wird - diese erblicken die Wahrhaftigen.
Wort für Wort
agocaraṃ yat tava śuddharūpaṃ
jene deine reine Gestalt, die den Sinnen unzugängliche,
māyāvihīnaṃ guṇajātihīnam
frei von Māyā, frei von der Klasse der Eigenschaften,
nirañjanaṃ nirmalam aprameyaṃ
makellos, unbefleckt, unermesslich,
paśyanti santaḥ paramārthasaṃjñam
erblicken die Wahrhaftigen, die als die höchste Wirklichkeit bezeichnet wird
Wie durch das eine Gold allein die Schmuckstücke zum Zustand der Verschiedenheit gelangen, nur durch den Unterschied der Erscheinungsform - ebenso erscheint der eine Herr über alle als der Eine, wie geteilt, die [in Wahrheit ungeteilte] Seele [?].
Wort für Wort
ekena hemnā eva vibhūṣaṇāni
durch das eine Gold allein gelangen die Schmuckstücke
yātāni bhedatvam upādhibhedāt
zum Zustand der Verschiedenheit, nur durch den Unterschied der Erscheinungsform
tathaiva sarveśvaraḥ eka eva
ebenso erscheint der eine Herr über alle, einzig,
pradṛśyate bhinna iva ātmā
wie geteilt, die [in Wahrheit ungeteilte] Seele [?]
[?] 'arivalātmā' unsichere Lesung, hier sinngemäß als 'iva ātmā' gedeutet.
yanmāyayā mohitacetasastaṃ paśyanti nātmānamapi prasiddham / ta eva māyārahitāstadeva pasaayanti sarvātmakamātmarupam
Diejenigen, deren Denken durch dessen Māyā verwirrt ist, sehen ihn nicht, obwohl er als der wohlbekannte Ātman da ist; eben diese, wenn sie frei von Māyā sind, erblicken eben ihn, den Alles-Selbst, von der Gestalt des Ātman.
Wort für Wort
yanmāyayā mohitacetasaḥ
diejenigen, deren Denken durch dessen Māyā verwirrt ist,
taṃ paśyanti na ātmānam api prasiddham
sehen ihn nicht, obwohl er als der wohlbekannte Ātman da ist
ta eva māyārahitāḥ tadeva
eben diese, wenn frei von Māyā, eben ihn
paśyanti sarvātmakam ātmarūpam
erblicken sie, den Alles-Selbst, von der Gestalt des Ātman
Ich verneige mich vor dem Alldurchdringenden, dem unvergleichlichen Licht, das den Namen Viṣṇu trägt, aus dem all dies entstanden ist und worin es gegründet ist.
Wort für Wort
vibhuṃ jyotiḥ anaupamyaṃ
vor dem Alldurchdringenden, dem unvergleichlichen Licht,
yataścaitanyamāyātaṃ yadrūpaṃ tasya vai namaḥ / aprameyamanādāramādhārādheyarūpakam
Vor dessen Gestalt, aus der das Bewusstsein hervorgegangen ist, sei Verehrung - der unermesslichen, trägerlosen [?], die die Gestalt von Träger und Getragenem zugleich hat.
Wort für Wort
yataḥ caitanyam āyātaṃ
aus dem das Bewusstsein hervorgegangen ist,
yadrūpaṃ tasya vai namaḥ
dessen Gestalt sei fürwahr Verehrung
aprameyam anādhāram
der unermesslichen, trägerlosen [?]
ādhārādheyarūpakam
die die Gestalt von Träger und Getragenem hat
[?] 'anādāram' verlesen für 'anādhāram' ('trägerlos').
paramānandacinmātraṃ vāsudevaṃ nato 'smyaham / hṛdguhānilayaṃ devaṃ yogibhiḥ parisevitam
Ich verneige mich vor Vāsudeva, dem höchsten Glückseligkeits-Bewusstsein allein, dem Gott, der in der Höhle des Herzens wohnt, dem von den Yogins Verehrten.
Wort für Wort
paramānandacinmātraṃ
vor dem höchsten Glückseligkeits-Bewusstsein allein
Ich verneige mich vor ihm, dem Ursprung der Yogas, der in der Silbe OM Wohnenden, dem von der Natur des Urlauts, dem Samen des Urlauts, von der Natur des Praṇava, dem Unvergänglichen.
Ich preise ihn, das reine Sein, das Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit, den mit der scharfen Diskusscheibe Bewaffneten, den Alterslosen, den Zeugen, dessen Wesen jenseits von Wort und Denken liegt.
Wort für Wort
sadbhāvaṃ saccidānandaṃ
das reine Sein, das Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit,
taṃ vande tigmacakriṇam
ihn preise ich, den mit scharfer Diskusscheibe Bewaffneten,
nirañjanamanantākhyaṃ viṣṇurupaṃ nato 'smyaham / indriyāṇi mano buddhiḥ sattvaṃ tejo balaṃ dhṛtiḥ
Ich verneige mich vor der makellosen, 'der Unendliche' genannten Gestalt Viṣṇus. Die Sinnesorgane, der Geist, der Verstand, das Sattva, der Glanz, die Kraft, die Standhaftigkeit -
Wort für Wort
nirañjanam anantākhyaṃ
vor der makellosen, 'der Unendliche' genannten
viṣṇurūpaṃ nato 'smi aham
Gestalt Viṣṇus verneige ich mich
indriyāṇi mano buddhiḥ
die Sinnesorgane, der Geist, der Verstand,
sattvaṃ tejo balaṃ dhṛtiḥ
das Sattva, der Glanz, die Kraft, die Standhaftigkeit
vāsudevātmakānyāhuḥ kṣetraṃ kṣetra jñameva ca / vidyāvidyātmakaṃ prāhuḥ parātparataraṃ tathā
- diese nennt man von der Natur Vāsudevas; ebenso das Feld und den Feldkenner; man bezeichnet ihn als von der Natur des Wissens und des Nichtwissens, und ebenso als den, der jenseits des Höchsten ist.
Wort für Wort
vāsudevātmakāni āhuḥ
diese nennt man von der Natur Vāsudevas
kṣetraṃ kṣetrajñam eva ca
ebenso das Feld und den Feldkenner
vidyāvidyātmakaṃ prāhuḥ
man bezeichnet ihn als von der Natur des Wissens und des Nichtwissens
anādinidhanaṃ śāntaṃ sarvadhātāramacyutam / ye prapannā mahātmānasteṣāṃ muktirhi śāśvatī
Ihn, der ohne Anfang und Ende, den Ruhigen, den Erhalter von allem, den Unvergänglichen - die hochherzigen Seelen, die sich ihm ergeben haben, für sie ist die Erlösung wahrlich ewig.
varaṃ vareṇyaṃ varadaṃ purāṇaṃ sanātanaṃ sarvagataṃ samastam / nato 'smi bhūyo 'pi nato 'smi bhūyo 'pi nato 'smi bhūyaḥ
Vor dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswerten, dem Gnadenspender, dem Uralten, dem Ewigen, dem Alldurchdringenden, dem All-Umfassenden verneige ich mich; wieder verneige ich mich, und wieder verneige ich mich, immer wieder.
Wort für Wort
varaṃ vareṇyaṃ varadaṃ
vor dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswerten, dem Gnadenspender,
purāṇaṃ sanātanaṃ sarvagataṃ samastam
dem Uralten, dem Ewigen, dem Alldurchdringenden, dem All-Umfassenden
Ich verehre jenen unermesslichen Puruṣa, dessen Fußwasser der Arzt für die Krankheit des Daseins ist, dessen Fußstaub zur Erlangung der Reinheit dient, und dessen Name zur Abwehr schlechter Taten dient.
Wort für Wort
yatpādatoyaṃ bhavarogavaidyaḥ
dessen Fußwasser der Arzt für die Krankheit des Daseins ist,
yatpādapāṃśuḥ vimalatvasiddhyai
dessen Fußstaub zur Erlangung der Reinheit dient,
yannāma duṣkarmanivāraṇāya ca
und dessen Name zur Abwehr schlechter Taten dient,
tam aprameyaṃ puruṣaṃ bhajāmi
jenen unermesslichen Puruṣa verehre ich
[?] 'bhaghavarogavaidyo' verlesen für 'bhavarogavaidyaḥ'; am Pādaende 'nivāraṇāyacaya' liest sich als 'nivāraṇāya ca' mit überzähliger Silbe.
Ich verehre ihn, der die Gestalt des Seienden, die Gestalt des Nichtseienden und die Gestalt von Sein-und-Nichtsein zugleich hat, den Unvergänglichen, den von all dem Verschiedenen, den Vortrefflichsten, den Vortrefflicheren als das Vortreffliche.
Wort für Wort
sadrūpaṃ tamasadrūpaṃ
die Gestalt des Seienden und die Gestalt des Nichtseienden
sadasadrūpam avyayam
die Gestalt von Sein-und-Nichtsein, den Unvergänglichen
tattadvilakṣaṇaṃ śreṣṭhaṃ
den von all dem Verschiedenen, den Vortrefflichsten,
śreṣṭhāt śreṣṭhataraṃ bhaje
den Vortrefflicheren als das Vortreffliche, verehre ich
nirañjanaṃ nirākāraṃ pūrṇamākāśamadhyagam / paraṃ ca vidyāvidyābhyāṃ hṛdaṃbujanivāsinam
Den Makellosen, Gestaltlosen, Vollkommenen, in der Mitte des Äthers Weilenden, den jenseits von Wissen und Nichtwissen Stehenden, den im Lotus des Herzens Wohnenden -
Wort für Wort
nirañjanaṃ nirākāraṃ
den Makellosen, Gestaltlosen,
pūrṇam ākāśamadhyagam
den Vollkommenen, in der Mitte des Äthers Weilenden,
paraṃ ca vidyāvidyābhyāṃ
und den jenseits von Wissen und Nichtwissen Stehenden,
svaprakāśamanirdeṣyaṃ mahatāṃ ca mahattaram / aṇoraṇīyāṃsamajaṃ sarvopādhivivarjitam
- den Selbstleuchtenden, Unbeschreiblichen, den Größer-als-die-Großen, den Kleiner-als-das-Kleine, den Ungeborenen, den von allen Erscheinungsformen Freien -
- ihn, der ewig die höchste Glückseligkeit, das höchste, ewige Brahman ist, mit dem Namen Viṣṇu, die Wohnstatt der Welt - zu ihm bin ich als Zuflucht gegangen.
Ich bin zu jenem Herrn als Zuflucht gegangen, den die dem Handeln Ergebenen verehren [?] und den die Yogins erblicken, den Ruhigen, den Verehrungswürdigeren als das Verehrungswürdige.
Wort für Wort
yaṃ bhajanti kriyāniṣṭhāḥ
den die dem Handeln Ergebenen verehren [?]
yaṃ paśyanti ca yoginaḥ
und den die Yogins erblicken
pūjyāt pūjyataraṃ śāntaṃ
den Verehrungswürdigeren als das Verehrungswürdige, den Ruhigen,
gato 'smi śaraṇaṃ prabhum
zu diesem Herrn bin ich als Zuflucht gegangen
[?] 'kriyāniṣṭāyaṃ' unsichere Lesung, hier als 'kriyāniṣṭhāḥ' gedeutet.
yaṃ na paśyanti vidvāṃso ya etadvyāvya tiṣṭati / sarvasmādadhikaṃ nityaṃ nato 'smi vibhumavyayam
Vor dem selbst die Weisen nicht ganz sehen, obgleich er, dies alles durchdringend, dasteht - vor ihm, dem stets über alles Erhabenen, dem Alldurchdringenden, Unvergänglichen, verneige ich mich.
Wort für Wort
yaṃ na paśyanti vidvāṃsaḥ
den selbst die Weisen nicht ganz sehen,
yaḥ etat vyāpya tiṣṭhati
der, dies alles durchdringend, dasteht,
sarvasmāt adhikaṃ nityaṃ
vor ihm, dem stets über alles Erhabenen,
nato 'smi vibhum avyayam
verneige ich mich, dem Alldurchdringenden, Unvergänglichen
antaḥ karaṇasaṃyogājjīva ityucyate ca yaḥ / avidyākārya rahitaḥ paramātmeti gīyate
Der, welcher durch die Verbindung mit dem inneren Organ als 'Jīva' bezeichnet wird - derselbe, frei von den Wirkungen der Unwissenheit, wird als 'höchster Ātman' besungen.
Vor dem Alles-Selbst, der Ursache von allem, dem Spender der Frucht aller Taten, dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswertesten, dem Ungeborenen, dem über das Höchste Hinausgehenden verneige ich mich.
Wort für Wort
sarvātmakaṃ sarvahetuṃ
vor dem Alles-Selbst, der Ursache von allem,
sarvakarmaphalapradam
dem Spender der Frucht aller Taten,
varaṃ vareṇyam ajanaṃ
dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswertesten, dem Ungeborenen,
praṇato 'smi parātparam
verneige ich mich, dem über das Höchste Hinausgehenden
Ich verehre Hari, den Allwissenden, den Allgegenwärtigen, den Ruhigen, den in allem innewohnenden Lenker, von der Natur der Erkenntnis, den Hort der Erkenntnis, den in der Erkenntnis Gegründeten, den Alldurchdringenden.
Wort für Wort
sarvajñaṃ sarvagaṃ śāntaṃ
den Allwissenden, den Allgegenwärtigen, den Ruhigen,
sarvāntaryāmiṇaṃ harim
den in allem innewohnenden Lenker, Hari,
jñānātmakaṃ jñānanidhiṃ
von der Natur der Erkenntnis, den Hort der Erkenntnis,
jñānasaṃsthaṃ vibhuṃ bhaje
den in der Erkenntnis Gegründeten, den Alldurchdringenden, verehre ich
[?] 'sarvāntayāmiṇaṃ' verlesen für 'sarvāntaryāmiṇaṃ'.
Ich verneige mich vor Murāri, dem Hort der Veden, dessen Sinn durch die Erkenntnis des Vedānta sicher erwiesen ist, der wie Sonne und Mond leuchtend ist, dem Herrscher des Glanzes, von der Gestalt von Sonne und Feuer, von der Gestalt des Prajāpati [?].
Wort für Wort
namāmi ahaṃ vedanidhiṃ murārim
ich verneige mich vor Murāri, dem Hort der Veden,
vedāntavijñānasuniścitārtham
dessen Sinn durch die Erkenntnis des Vedānta sicher erwiesen ist,
den Herrscher des Glanzes, von der Gestalt von Sonne und Feuer, von der Gestalt des Prajāpati [?]
[Anm.: Der zweite Halbvers ('sūryeduvatprojjvalane tramindraṃ ravagasvarupaṃ vapatisvarūpam') ist im Quelltext stark verderbt/unmetrisch überliefert; die Übersetzung ist eine sinngemäße Vermutung [?] auf Basis der erkennbaren Wortbestandteile (sūrya/indu 'Sonne/Mond', ujjvalana 'Leuchten', -indra, -svarūpa 'von [...] Gestalt').]
Ich verehre den Puruṣa, den Herrn über alles, den Alldurchdringenden, den Großen, von der Natur der Veden, den Vortrefflichsten der Vedakundigen, den für Wort und Denken Unvorstellbaren, den von unendlicher Macht, den allein durch Erkenntnis Erkennbaren.
Wort für Wort
sarveśvaraṃ sarvagataṃ mahāntaṃ
den Herrn über alles, den Alldurchdringenden, den Großen,
vedātmakaṃ vedavidāṃ variṣṭam
von der Natur der Veden, den Vortrefflichsten der Vedakundigen,
taṃ vāṅmanasaḥ acintyam anantaśaktiṃ
den für Wort und Denken Unvorstellbaren, den von unendlicher Macht,
jñānaikavedyaṃ puruṣaṃ bhajāmi
den allein durch Erkenntnis Erkennbaren, den Puruṣa, verehre ich
Durch die Gestalten von Indra, Agni, Kāla, Asura [?], Pāśin (Varuṇa), Vāyu, Soma, Īśa, Mārtaṇḍa, Purandara und andere schützt er, von vollkommenem Wesen, die Welten - zu ihm, dem Unermesslichen, nehme ich Zuflucht.
Wort für Wort
indrāgnikālāsurapāśivāyu-
durch Indra, Agni, Kāla, Asura, Pāśin (Varuṇa), Vāyu,
soma-īśa-mārtaṇḍa-purandara-ādyaiḥ
Soma, Īśa, Mārtaṇḍa, Purandara und andere Gestalten
yaḥ pāti lokān paripūrṇabhāvaḥ
der, von vollkommenem Wesen, die Welten schützt
tam aprameyaṃ śaraṇaṃ prapadye
zu ihm, dem Unermesslichen, nehme ich Zuflucht
[?] Die Aufzählung 'indrāgnikālāsurapāśivāyusomeṣamārttaṇḍapurandarādyaiḥ' ist im Kompositum unsicher zu trennen; hier als Reihe von Götternamen (Indra, Agni, Kāla, Asura/Pāśin-Varuṇa, Vāyu, Soma, Īśa, Mārtaṇḍa, Purandara u.a.) gedeutet, in deren Gestalt Viṣṇu die Welten schützt.
sahasraśīrṣaṃ ca sahasrapādaṃ sahasrabāhuḥ ca sahasranetram / samastayajñaiḥ parijuṣṭamādyaṃ nato 'smi tuṣṭipradamugravīryam
Vor dem mit tausend Häuptern, tausend Füßen, tausend Armen und tausend Augen, dem durch alle Opfer Verehrten, dem Uranfänglichen, dem Freude-Spendenden, dem von schrecklicher Kraft verneige ich mich.
Wort für Wort
sahasraśīrṣaṃ ca sahasrapādaṃ
vor dem mit tausend Häuptern und tausend Füßen,
sahasrabāhuḥ ca sahasranetram
mit tausend Armen und tausend Augen,
samastayajñaiḥ parijuṣṭam ādyaṃ
dem durch alle Opfer Verehrten, dem Uranfänglichen,
nato 'smi tuṣṭipradam ugravīryam
verneige ich mich, dem Freude-Spendenden, von schrecklicher Kraft
Ich verehre den von der Natur der Zeit, die Ursache der Zeiteinteilung, den jenseits der drei Guṇas Stehenden, den Kenner der Guṇas, den den Eigenschaften Zugeneigten, den Wunscherfüllenden, den von Anhaftung Freien, den Übersinnlichen, den Genießer des Alls, den Begierdelosen.
Wort für Wort
kālātmakaṃ kālavibhāgahetuṃ
den von der Natur der Zeit, die Ursache der Zeiteinteilung,
guṇatrayātītam ahaṃ guṇajñam
den jenseits der drei Guṇas Stehenden verehre ich, den Kenner der Guṇas,
guṇapriyaṃ kāmadam astasaṃgam
den den Eigenschaften Zugeneigten, den Wunscherfüllenden, den von Anhaftung Freien,
atīndriyaṃ viśvabhujaṃ vitṛṣṇam
den Übersinnlichen, den Genießer des Alls, den Begierdelosen
Ich verehre den Begierdelosen, den Vorzüglichsten, den auch dem Denken Unzugänglichen, den aus Geist und aus Speise Bestehenden, den fest Gegründeten, den scheinbar an der Unterscheidung der Erkenntnis Teilhabenden [?], nicht bloß aus Wort, sondern aus Lebensatem Bestehenden.
Wort für Wort
nirīham agryaṃ manasā api agamyaṃ
den Begierdelosen, den Vorzüglichsten, den auch dem Denken Unzugänglichen,
manomayaṃ ca annamayaṃ nirūḍham
den aus Geist und aus Speise Bestehenden, den fest Gegründeten,
vijñānabhedaṃ pratipannakalpaṃ
den scheinbar an der Unterscheidung der Erkenntnis Teilhabenden [?],
na vāṅmayaṃ prāṇamayaṃ bhajāmi
nicht bloß aus Wort, sondern aus Lebensatem Bestehenden, verehre ich
[?] 'vijñānabhedaṃ pratipannakalpaṃ' unsichere Deutung; Anspielung auf die Kośa-Lehre (Hüllen aus Speise, Lebensatem, Geist, Erkenntnis, Glückseligkeit) vermutet.
na yasya rūpaṃ na balaprabhāvo na yasya karmāṇi na yatpramāṇam / jānanti devā kamalodbhavādyastoṣyāmyahaṃ taṃ kathamātmarūpam
Dessen Gestalt nicht, dessen Kraft und Macht nicht, dessen Taten nicht, dessen Ausmaß nicht einmal die Götter kennen, angefangen mit dem aus dem Lotus Entsprungenen - wie sollte ich ihn preisen, der von der Natur des Selbst ist?
Wort für Wort
na yasya rūpaṃ na balaprabhāvaḥ
dessen Gestalt nicht, dessen Kraft und Macht nicht,
na yasya karmāṇi na yatpramāṇam
dessen Taten nicht, dessen Ausmaß nicht
jānanti devāḥ kamalodbhavādyāḥ
kennen die Götter, angefangen mit dem aus dem Lotus Entsprungenen,
toṣyāmi ahaṃ taṃ katham ātmarūpam
wie sollte ich ihn preisen, der von der Natur des Selbst ist
Rette mich, den in den Ozean des Saṃsāra Gefallenen, den Geizigen, den von Verwirrung Erfüllten, den durch hundertfaches Begehren Gefesselten, den der Schande Anheimgefallenen, den Niederträchtigen, den Undankbaren, den stets Unreinen, den der Sünde Ergebenen, den Zornigen, o Ozean des Mitleids - mich, den von Furcht Erfüllten; immer wieder nehme ich Zuflucht zu dir.
Wort für Wort
saṃsārasindhau patitaṃ kadaryaṃ
den in den Ozean des Saṃsāra Gefallenen, den Geizigen,
mohākulaṃ kāmaśatena baddham
den von Verwirrung Erfüllten, den durch hundertfaches Begehren Gefesselten,
akīrtibhājaṃ piśunaṃ kṛtaghnaṃ
den der Schande Anheimgefallenen, den Niederträchtigen, den Undankbaren,
sadāśuciṃ pāparataṃ pramanyum
den stets Unreinen, den der Sünde Ergebenen, den Zornigen,
dayāṃbudhe pāhi bhayākulaṃ māṃ
o Ozean des Mitleids, rette mich, den von Furcht Erfüllten,
- den Śrīvatsa und den Kaustubha Tragenden, mit goldener Opferschnur bekleidet, dessen Körperglanz durch den Glanz der in der Nase eingesetzten Perle noch zunahm [?] -
Wort für Wort
śrīvatsakaustubhadharaṃ
den Śrīvatsa und den Kaustubha Tragenden,
hemayajñopavītinam
mit goldener Opferschnur bekleidet,
nāsāvinyastamuktābhā
durch den Glanz der in der Nase eingesetzten Perle
vardhamānatanucchavim
dessen Körperglanz noch zunahm [?]
[?] 'nāsāvinyastamuktā bhavardhamānatanucchavim' unsicher segmentiert, hier als 'nāsāvinyastamuktābhā vardhamānatanucchaviḥ' gedeutet.
- mit Glöckchen, Fußringen und dergleichen geschmückt, mit dem Garuḍa-Banner - als der Fürst der Brahmanen ihn sah, verneigte er sich stabartig ausgestreckt auf der Erde.
Wort für Wort
kiṅkiṇīnūpurādyaiḥ ca śobhitaṃ
mit Glöckchen, Fußringen und dergleichen geschmückt,
garuḍadhvajam
mit dem Garuḍa-Banner,
dṛṣṭvā nanāma viprendraḥ
als der Fürst der Brahmanen ihn sah, verneigte er sich
Nachdem der große Viṣṇu ihn aufgerichtet hatte, umarmte er ihn, von Mitleid erfüllt, und sprach zu dem Besten der Weisen: 'Wähle eine Gnadengabe, mein Kind!'
'Nichts ist für dich unerreichbar, wenn ich, o Bester, zufrieden bin.' Als er dies, vom Diskusträger Gesagte, vernommen hatte, verneigte sich Uttaṅka abermals und sprach zu ihm, dem Gott der Götter, Janārdana.
kīṭeṣu pakṣiṣu mṛgeṣu sarīsṛpeṣu rakṣaḥ piśācamanujeṣvapi yatra tatrajajātasya me bhavatu keśava te prasāddāttvayyeva bhaktiracalāvyabhicāraṇī ca
Unter Würmern, Vögeln, wilden Tieren, kriechenden Tieren, unter Rakṣas, Piśācas und Menschen - wo auch immer ich geboren werde, möge mir, o Keśava, durch deine Gnade eben zu dir unerschütterliche und unwandelbare Hingabe zuteilwerden.
Wort für Wort
kīṭeṣu pakṣiṣu mṛgeṣu sarīsṛpeṣu
unter Würmern, Vögeln, wilden Tieren, kriechenden Tieren,
rakṣaḥpiśācamanujeṣu api
unter Rakṣas, Piśācas und Menschen,
yatra tatra jātasya me bhavatu keśava
wo auch immer ich geboren werde, möge mir, o Keśava,
'So sei es!', sprach der Herr der Welt, und indem er ihn mit dem Rand der Muschel berührte, gab er ihm die göttliche Erkenntnis, die selbst für Yogins schwer erlangbar ist.
Wort für Wort
evam astu iti lokeśaḥ
'so sei es!' sprach der Herr der Welt,
śaṅkhaprāntena saṃspṛśan
indem er ihn mit dem Rand der Muschel berührte,
divyajñānaṃ dadau tasmai
gab er ihm die göttliche Erkenntnis,
yoginām api durlabham
die selbst für Yogins schwer erlangbar ist [?]
[?] 'durlamabhagham' unsichere Lesung, hier als 'durlabham' gedeutet.
Zu dem ihn preisenden Fürsten der Brahmanen sprach der Gott der Götter, Janārdana, dies, mit lächelndem Antlitz, indem er die Hand auf dessen Haupt legte.
Wort für Wort
[puḥ, unklar] stuvantaṃ viprendraṃ
zu dem ihn preisenden Fürsten der Brahmanen [?]
devadevo janārdanaḥ
der Gott der Götter, Janārdana,
idam āha smitamukhaḥ
sprach dies, mit lächelndem Antlitz,
hastaṃ tacchirasi nyasan
indem er die Hand auf dessen Haupt legte
[?] Die Silbe 'puḥ' zu Versbeginn ist unklar, vermutlich ein Fragment/Schreibfehler ohne erkennbare grammatische Funktion.
Der erhabene Herr sprach: Verehre mich stets durch die Übungen des Handelns, o Bester der Zweifachgeborenen; begib dich zur Stätte von Nara-Nārāyaṇa, dort wirst du zur Erlösung gelangen.
Weshalb soll man dem Gott der Götter, dem Diskusträger, stets Hingabe erweisen? Die Hingabe zu Hari wird als höchste bezeichnet, als die Spenderin der Frucht aller Wünsche.
Sei er verehrt, sei er verneigt, sei er auch nur erinnert - Nārāyaṇa, der Herr der Welt, ist der Erlösung-Spender und der Mehrer der Ehre seiner Verehrer.