Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 37: viṣṇumāhātmyam Die Größe Viṣṇus

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge viṣṇumāhātmye saptatriṃśo 'dhyāyaḥ // nārada uvāca / kintatstotraṃ mahābhāga kathaṃ tuṣṭo janārdanaḥ / uktaṅkaḥ puṇyapuruṣaḥ kīdṛśaṃ labdhavānvaram

Nārada sprach: Was ist jenes Lobpreis, o Hochgesegneter? Wodurch wurde Janārdana zufriedengestellt? Was für eine Gnadengabe erhielt Uttaṅka, der fromme Mann?

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
kim tat stotraṃ mahābhāga
was ist jenes Lobpreis, o Hochgesegneter,
kathaṃ tuṣṭo janārdanaḥ
wodurch wurde Janārdana zufriedengestellt
uttaṅkaḥ puṇyapuruṣaḥ
Uttaṅka, der fromme Mann,
kīdṛśaṃ labdhavān varam
was für eine Gnadengabe erhielt er

[Anm.: Der Vers wird im Quelltext durch das fehlplatzierte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels ('...viṣṇumāhātmye saptatriṃśo 'dhyāyaḥ') eingeleitet, bevor der eigentliche Vers 1 beginnt.]

sanaka uvāca / uttaṅkastu tadā vipro haridhyānaparāyaṇaḥ / pādodakasya māhātmyaṃ dṛṣṭvā tuṣṭāva bhaktitaḥ

Sanaka sprach: Uttaṅka aber, der Brahmane, der Meditation über Hari hingegeben, pries da, nachdem er die Größe des Fußwaschwassers gesehen hatte, voller Hingabe.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
uttaṅkaḥ tu tadā vipraḥ
Uttaṅka aber, der Brahmane, da,
haridhyānaparāyaṇaḥ
der Meditation über Hari hingegeben,
pādodakasya māhātmyaṃ dṛṣṭvā
nachdem er die Größe des Fußwaschwassers gesehen hatte,
tuṣṭāva bhaktitaḥ
pries er voller Hingabe

uttaṅka uvāca / nato 'smi nārāyaṇamādidevaṃ jagannivāsaṃ jagadekabandhum / cakrābjaśārṅgīsidharaṃ mahāntaṃ smṛtārtinighnaṃ śaraṇaṃ prapadye

Uttaṅka sprach: Ich verneige mich vor Nārāyaṇa, dem Uranfänglichen Gott, der Wohnstatt der Welt, dem einzigen Freund der Welt; den mit Diskus, Lotus, Bogen und Schwert Bewaffneten, den Großen, den Vernichter der Not derer, die seiner gedenken - ich nehme Zuflucht zu ihm.

Wort für Wort
uttaṅkaḥ uvāca
Uttaṅka sprach:
nato 'smi nārāyaṇam ādidevaṃ
ich verneige mich vor Nārāyaṇa, dem Uranfänglichen Gott,
jagannivāsaṃ jagadekabandhum
der Wohnstatt der Welt, dem einzigen Freund der Welt,
cakrābjaśārṅgīasidharaṃ mahāntaṃ
der Diskus, Lotus, Bogen und Schwert trägt, den Großen,
smṛtārtinighnaṃ śaraṇaṃ prapadye
den Vernichter der Not derer, die seiner gedenken - ich nehme Zuflucht

yannibhijābja prabhavo vidhātā sṛjatyamuṃ lokasamuñcayaṃ ca / yatkrodhajo hṝnti jagañca rudrastamādidevaṃ praṇato 'smi viṣṇum

Vor dem Uranfänglichen Gott, vor Viṣṇu, verneige ich mich: aus dessen Nabel-Lotus entstanden [?] der Schöpfer diese Gesamtheit der Welten erschafft, und dessen aus Zorn entstandener Rudra das Weltall vernichtet.

Wort für Wort
yannābhijātābjaprabhavaḥ vidhātā
der aus dem Lotus seines Nabels entstandene Schöpfer [?]
sṛjati amuṃ lokasamuñcayaṃ ca
erschafft diese Gesamtheit der Welten
yatkrodhajaḥ hanti jagat ca rudraḥ
und dessen aus Zorn entstandener Rudra das Weltall vernichtet
tam ādidevaṃ praṇato 'smi viṣṇum
vor diesem Uranfänglichen Gott, vor Viṣṇu, verneige ich mich

[?] 'yannibhijābja' unsichere Lesung, hier als 'yannābhijātābja' ('aus dem Lotus seines Nabels entstanden') gedeutet.

padmāpatiṃ padmadalāyatākṣaṃ vicitravīryaṃ nikhilaikahetum / vedāntavedyaṃ pukuṣaṃ purāṇaṃ taijonidhiṃ viṣṇumahaṃ prapannaḥ

Ich bin dem Gemahl der Lotusgöttin ergeben, dessen Augen wie Lotusblütenblätter gedehnt sind, dem von wunderbarer Kraft, der alleinigen Ursache von allem, dem durch das Vedānta Erkennbaren, dem Puruṣa, dem Uralten, dem Hort des Lichtglanzes - Viṣṇu.

Wort für Wort
padmāpatiṃ padmadalāyatākṣaṃ
dem Gemahl der Lotusgöttin, dessen Augen wie Lotusblätter gedehnt sind,
vicitravīryaṃ nikhilaikahetum
dem von wunderbarer Kraft, der alleinigen Ursache von allem,
vedāntavedyaṃ puruṣaṃ purāṇaṃ
dem durch das Vedānta Erkennbaren, dem Puruṣa, dem Uralten,
taijonidhiṃ viṣṇum ahaṃ prapannaḥ
dem Hort des Lichtglanzes, Viṣṇu, bin ich ergeben

ātmākṣaraḥ sarvagato 'cyutākhyo jñānātmako jñānavidāṃ śaraṇyaḥ / jñānaikavedyo bhagavānanādiḥ prasīdatāṃ vyaṣṭisa praṣṭirupaḥ

Der unvergängliche Ātman, der Allgegenwärtige, mit Namen Acyuta, von der Natur der Erkenntnis, die Zuflucht der Erkenntniskundigen, allein durch Erkenntnis Erkennbare, der herrliche, anfanglose - er, von der Gestalt des Einzelnen und des Gesamten [?], möge gnädig sein.

Wort für Wort
ātmākṣaraḥ sarvagataḥ acyutākhyaḥ
der unvergängliche Ātman, der Allgegenwärtige, mit Namen Acyuta,
jñānātmakaḥ jñānavidāṃ śaraṇyaḥ
von der Natur der Erkenntnis, die Zuflucht der Erkenntniskundigen,
jñānaikavedyaḥ bhagavān anādiḥ
allein durch Erkenntnis erkennbar, der herrliche, anfanglose,
prasīdatāṃ vyaṣṭisamaṣṭirūpaḥ
er, von der Gestalt des Einzelnen und des Gesamten [?], möge gnädig sein

[?] 'vyaṣṭisa praṣṭirupaḥ' unsichere Lesung, hier als 'vyaṣṭisamaṣṭirūpaḥ' gedeutet.

anantavīyo guṇajātihīnāṃ guṇātmako jñānavidāṃ varaṣṭaḥ / nityaḥ prapannārti haraḥ parātmā dayāṃbudhirme varadastu bhaghūyāt

Der von unendlicher Kraft, frei von der Klasse der [materiellen] Eigenschaften, doch von der Natur der Eigenschaften, der Vortrefflichste der Erkenntniskundigen; der Ewige, der Vernichter der Not derer, die sich ihm ergeben, die höchste Seele, der Ozean des Mitleids - er möge mir der Gnadenspender sein.

Wort für Wort
anantavīryaḥ guṇajātihīnaḥ
der von unendlicher Kraft, frei von der Klasse der Eigenschaften,
guṇātmakaḥ jñānavidāṃ variṣṭhaḥ
doch von der Natur der Eigenschaften, der Vortrefflichste der Erkenntniskundigen,
nityaḥ prapannārtiharaḥ parātmā
der Ewige, der Vernichter der Not derer, die sich ergeben, die höchste Seele,
dayāṃbudhiḥ me varadaḥ tu bhūyāt
der Ozean des Mitleids, er möge mir der Gnadenspender sein

[?] 'bhaghūyāt' verlesen für 'bhūyāt'.

yaḥ sthūlasūkṣmādiviśeṣabhedaurjagadyathāvatsvakṛtaṃ praviṣṭaḥ / tvameva tatsarvamanantasāraṃ tvattaḥ paraṃ nāsti yataḥ parātman

Der du durch die Unterschiede von grob, fein und dergleichen in die Welt, wie sie deinem eigenen Werk gemäß ist, eingegangen bist - du allein bist all dies, von unendlichem Wesenskern; über dich hinaus gibt es nichts, o höchste Seele.

Wort für Wort
yaḥ sthūlasūkṣmādiviśeṣabhedaiḥ
der du durch die Unterschiede von grob, fein und dergleichen
jagat yathāvat svakṛtaṃ praviṣṭaḥ
in die Welt, wie sie deinem eigenen Werk gemäß ist, eingegangen bist
tvam eva tat sarvam anantasāraṃ
du allein bist all dies, von unendlichem Wesenskern
tvattaḥ paraṃ nāsti yataḥ parātman
über dich hinaus gibt es nichts, o höchste Seele

agocaraṃ yattava śuddharūraṃ māyāvihīnaṃ guṇajātihīnam / nirañjanaṃ nirmalamaprameyaṃ paśyanti santaḥ paramārthasaṃjñam

Jene deine reine Gestalt, die den Sinnen unzugängliche, frei von Māyā, frei von der Klasse der Eigenschaften, makellos, unbefleckt, unermesslich, die als die höchste Wirklichkeit bezeichnet wird - diese erblicken die Wahrhaftigen.

Wort für Wort
agocaraṃ yat tava śuddharūpaṃ
jene deine reine Gestalt, die den Sinnen unzugängliche,
māyāvihīnaṃ guṇajātihīnam
frei von Māyā, frei von der Klasse der Eigenschaften,
nirañjanaṃ nirmalam aprameyaṃ
makellos, unbefleckt, unermesslich,
paśyanti santaḥ paramārthasaṃjñam
erblicken die Wahrhaftigen, die als die höchste Wirklichkeit bezeichnet wird

ekena hemraiva vibhūṣaṇāni yātāni bhedatvamupādhibhedāt / tathaiva sarveṣvara eka eva pradṛśyate bhinna ivārivalātmā

Wie durch das eine Gold allein die Schmuckstücke zum Zustand der Verschiedenheit gelangen, nur durch den Unterschied der Erscheinungsform - ebenso erscheint der eine Herr über alle als der Eine, wie geteilt, die [in Wahrheit ungeteilte] Seele [?].

Wort für Wort
ekena hemnā eva vibhūṣaṇāni
durch das eine Gold allein gelangen die Schmuckstücke
yātāni bhedatvam upādhibhedāt
zum Zustand der Verschiedenheit, nur durch den Unterschied der Erscheinungsform
tathaiva sarveśvaraḥ eka eva
ebenso erscheint der eine Herr über alle, einzig,
pradṛśyate bhinna iva ātmā
wie geteilt, die [in Wahrheit ungeteilte] Seele [?]

[?] 'arivalātmā' unsichere Lesung, hier sinngemäß als 'iva ātmā' gedeutet.

yanmāyayā mohitacetasastaṃ paśyanti nātmānamapi prasiddham / ta eva māyārahitāstadeva pasaayanti sarvātmakamātmarupam

Diejenigen, deren Denken durch dessen Māyā verwirrt ist, sehen ihn nicht, obwohl er als der wohlbekannte Ātman da ist; eben diese, wenn sie frei von Māyā sind, erblicken eben ihn, den Alles-Selbst, von der Gestalt des Ātman.

Wort für Wort
yanmāyayā mohitacetasaḥ
diejenigen, deren Denken durch dessen Māyā verwirrt ist,
taṃ paśyanti na ātmānam api prasiddham
sehen ihn nicht, obwohl er als der wohlbekannte Ātman da ist
ta eva māyārahitāḥ tadeva
eben diese, wenn frei von Māyā, eben ihn
paśyanti sarvātmakam ātmarūpam
erblicken sie, den Alles-Selbst, von der Gestalt des Ātman

vibhuṃ jyotiranaupamyaṃ viṣṇusaṃjñaṃ namāmyaham / samastametadudbhūtaṃ yato yatra pratiṣṭitam

Ich verneige mich vor dem Alldurchdringenden, dem unvergleichlichen Licht, das den Namen Viṣṇu trägt, aus dem all dies entstanden ist und worin es gegründet ist.

Wort für Wort
vibhuṃ jyotiḥ anaupamyaṃ
vor dem Alldurchdringenden, dem unvergleichlichen Licht,
viṣṇusaṃjñaṃ namāmi aham
das den Namen Viṣṇu trägt, verneige ich mich
samastam etat udbhūtaṃ yataḥ
aus dem all dies entstanden ist
yatra pratiṣṭitam
und worin es gegründet ist

yataścaitanyamāyātaṃ yadrūpaṃ tasya vai namaḥ / aprameyamanādāramādhārādheyarūpakam

Vor dessen Gestalt, aus der das Bewusstsein hervorgegangen ist, sei Verehrung - der unermesslichen, trägerlosen [?], die die Gestalt von Träger und Getragenem zugleich hat.

Wort für Wort
yataḥ caitanyam āyātaṃ
aus dem das Bewusstsein hervorgegangen ist,
yadrūpaṃ tasya vai namaḥ
dessen Gestalt sei fürwahr Verehrung
aprameyam anādhāram
der unermesslichen, trägerlosen [?]
ādhārādheyarūpakam
die die Gestalt von Träger und Getragenem hat

[?] 'anādāram' verlesen für 'anādhāram' ('trägerlos').

paramānandacinmātraṃ vāsudevaṃ nato 'smyaham / hṛdguhānilayaṃ devaṃ yogibhiḥ parisevitam

Ich verneige mich vor Vāsudeva, dem höchsten Glückseligkeits-Bewusstsein allein, dem Gott, der in der Höhle des Herzens wohnt, dem von den Yogins Verehrten.

Wort für Wort
paramānandacinmātraṃ
vor dem höchsten Glückseligkeits-Bewusstsein allein
vāsudevaṃ nato 'smi aham
vor Vāsudeva verneige ich mich
hṛdguhānilayaṃ devaṃ
dem Gott, der in der Höhle des Herzens wohnt,
yogibhiḥ parisevitam
dem von den Yogins Verehrten

yogānāmādibhūtaṃ taṃ namāmi praṇavasthitam / nādātmakaṃ nādabījaṃ praṇavātmakamavyayam

Ich verneige mich vor ihm, dem Ursprung der Yogas, der in der Silbe OM Wohnenden, dem von der Natur des Urlauts, dem Samen des Urlauts, von der Natur des Praṇava, dem Unvergänglichen.

Wort für Wort
yogānām ādibhūtaṃ taṃ
vor ihm, dem Ursprung der Yogas,
namāmi praṇavasthitam
verneige ich mich, der in OM wohnt,
nādātmakaṃ nādabījaṃ
von der Natur des Urlauts, dem Samen des Urlauts,
praṇavātmakam avyayam
von der Natur des Praṇava, dem Unvergänglichen

sadbhaghāvaṃ sañcidānandaṃ taṃ vande tigmacakriṇam / ajaraṃ sākṣiṇaṃ tvasya hyavāṅmanasagocaram

Ich preise ihn, das reine Sein, das Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit, den mit der scharfen Diskusscheibe Bewaffneten, den Alterslosen, den Zeugen, dessen Wesen jenseits von Wort und Denken liegt.

Wort für Wort
sadbhāvaṃ saccidānandaṃ
das reine Sein, das Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit,
taṃ vande tigmacakriṇam
ihn preise ich, den mit scharfer Diskusscheibe Bewaffneten,
ajaraṃ sākṣiṇaṃ tu asya
den Alterslosen, den Zeugen, dessen
avāṅmanasagocaram
Wesen jenseits von Wort und Denken liegt

nirañjanamanantākhyaṃ viṣṇurupaṃ nato 'smyaham / indriyāṇi mano buddhiḥ sattvaṃ tejo balaṃ dhṛtiḥ

Ich verneige mich vor der makellosen, 'der Unendliche' genannten Gestalt Viṣṇus. Die Sinnesorgane, der Geist, der Verstand, das Sattva, der Glanz, die Kraft, die Standhaftigkeit -

Wort für Wort
nirañjanam anantākhyaṃ
vor der makellosen, 'der Unendliche' genannten
viṣṇurūpaṃ nato 'smi aham
Gestalt Viṣṇus verneige ich mich
indriyāṇi mano buddhiḥ
die Sinnesorgane, der Geist, der Verstand,
sattvaṃ tejo balaṃ dhṛtiḥ
das Sattva, der Glanz, die Kraft, die Standhaftigkeit

vāsudevātmakānyāhuḥ kṣetraṃ kṣetra jñameva ca / vidyāvidyātmakaṃ prāhuḥ parātparataraṃ tathā

- diese nennt man von der Natur Vāsudevas; ebenso das Feld und den Feldkenner; man bezeichnet ihn als von der Natur des Wissens und des Nichtwissens, und ebenso als den, der jenseits des Höchsten ist.

Wort für Wort
vāsudevātmakāni āhuḥ
diese nennt man von der Natur Vāsudevas
kṣetraṃ kṣetrajñam eva ca
ebenso das Feld und den Feldkenner
vidyāvidyātmakaṃ prāhuḥ
man bezeichnet ihn als von der Natur des Wissens und des Nichtwissens
parātparataraṃ tathā
und ebenso als den, der jenseits des Höchsten ist

anādinidhanaṃ śāntaṃ sarvadhātāramacyutam / ye prapannā mahātmānasteṣāṃ muktirhi śāśvatī

Ihn, der ohne Anfang und Ende, den Ruhigen, den Erhalter von allem, den Unvergänglichen - die hochherzigen Seelen, die sich ihm ergeben haben, für sie ist die Erlösung wahrlich ewig.

Wort für Wort
anādinidhanaṃ śāntaṃ
den ohne Anfang und Ende, den Ruhigen,
sarvadhātāram acyutam
den Erhalter von allem, den Unvergänglichen
ye prapannā mahātmānaḥ
die hochherzigen Seelen, die sich ergeben haben,
teṣāṃ muktiḥ hi śāśvatī
für sie ist die Erlösung wahrlich ewig

varaṃ vareṇyaṃ varadaṃ purāṇaṃ sanātanaṃ sarvagataṃ samastam / nato 'smi bhūyo 'pi nato 'smi bhūyo 'pi nato 'smi bhūyaḥ

Vor dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswerten, dem Gnadenspender, dem Uralten, dem Ewigen, dem Alldurchdringenden, dem All-Umfassenden verneige ich mich; wieder verneige ich mich, und wieder verneige ich mich, immer wieder.

Wort für Wort
varaṃ vareṇyaṃ varadaṃ
vor dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswerten, dem Gnadenspender,
purāṇaṃ sanātanaṃ sarvagataṃ samastam
dem Uralten, dem Ewigen, dem Alldurchdringenden, dem All-Umfassenden
nato 'smi bhūyo 'pi nato 'smi
verneige ich mich, wieder verneige ich mich,
bhūyo 'pi nato 'smi bhūyaḥ
und wieder verneige ich mich, immer wieder

yatpāda toyaṃ bhaghavarogavaidyo yatpādapāṃśurvimalatvasiddhyai / yannāma duṣkarmanivāraṇāyacaya tamaprameyaṃ puruṣaṃ bhajāmi

Ich verehre jenen unermesslichen Puruṣa, dessen Fußwasser der Arzt für die Krankheit des Daseins ist, dessen Fußstaub zur Erlangung der Reinheit dient, und dessen Name zur Abwehr schlechter Taten dient.

Wort für Wort
yatpādatoyaṃ bhavarogavaidyaḥ
dessen Fußwasser der Arzt für die Krankheit des Daseins ist,
yatpādapāṃśuḥ vimalatvasiddhyai
dessen Fußstaub zur Erlangung der Reinheit dient,
yannāma duṣkarmanivāraṇāya ca
und dessen Name zur Abwehr schlechter Taten dient,
tam aprameyaṃ puruṣaṃ bhajāmi
jenen unermesslichen Puruṣa verehre ich

[?] 'bhaghavarogavaidyo' verlesen für 'bhavarogavaidyaḥ'; am Pādaende 'nivāraṇāyacaya' liest sich als 'nivāraṇāya ca' mit überzähliger Silbe.

sadrūpaṃ tamasadrūpaṃ sadasadrūpamavyayam / tattadvilakṣaṇaṃ śreṣṭhaṃ śreṣṭhācchraṣṭhataraṃ bhaje

Ich verehre ihn, der die Gestalt des Seienden, die Gestalt des Nichtseienden und die Gestalt von Sein-und-Nichtsein zugleich hat, den Unvergänglichen, den von all dem Verschiedenen, den Vortrefflichsten, den Vortrefflicheren als das Vortreffliche.

Wort für Wort
sadrūpaṃ tamasadrūpaṃ
die Gestalt des Seienden und die Gestalt des Nichtseienden
sadasadrūpam avyayam
die Gestalt von Sein-und-Nichtsein, den Unvergänglichen
tattadvilakṣaṇaṃ śreṣṭhaṃ
den von all dem Verschiedenen, den Vortrefflichsten,
śreṣṭhāt śreṣṭhataraṃ bhaje
den Vortrefflicheren als das Vortreffliche, verehre ich

nirañjanaṃ nirākāraṃ pūrṇamākāśamadhyagam / paraṃ ca vidyāvidyābhyāṃ hṛdaṃbujanivāsinam

Den Makellosen, Gestaltlosen, Vollkommenen, in der Mitte des Äthers Weilenden, den jenseits von Wissen und Nichtwissen Stehenden, den im Lotus des Herzens Wohnenden -

Wort für Wort
nirañjanaṃ nirākāraṃ
den Makellosen, Gestaltlosen,
pūrṇam ākāśamadhyagam
den Vollkommenen, in der Mitte des Äthers Weilenden,
paraṃ ca vidyāvidyābhyāṃ
und den jenseits von Wissen und Nichtwissen Stehenden,
hṛdambujanivāsinam
den im Lotus des Herzens Wohnenden

svaprakāśamanirdeṣyaṃ mahatāṃ ca mahattaram / aṇoraṇīyāṃsamajaṃ sarvopādhivivarjitam

- den Selbstleuchtenden, Unbeschreiblichen, den Größer-als-die-Großen, den Kleiner-als-das-Kleine, den Ungeborenen, den von allen Erscheinungsformen Freien -

Wort für Wort
svaprakāśam anirdeṣyaṃ
den Selbstleuchtenden, Unbeschreiblichen,
mahatāṃ ca mahattaram
und den Größer-als-die-Großen,
aṇoḥ aṇīyāṃsam ajaṃ
den Kleiner-als-das-Kleine, den Ungeborenen,
sarvopādhivivarjitam
den von allen Erscheinungsformen Freien

yannityaṃ paramānandaṃ paraṃ brahma sanātanam / viṣṇusaṃjñaṃ jagaddhāma tamasmi śaraṇaṃ gataḥ

- ihn, der ewig die höchste Glückseligkeit, das höchste, ewige Brahman ist, mit dem Namen Viṣṇu, die Wohnstatt der Welt - zu ihm bin ich als Zuflucht gegangen.

Wort für Wort
yannityaṃ paramānandaṃ
der ewig die höchste Glückseligkeit ist,
paraṃ brahma sanātanam
das höchste, ewige Brahman,
viṣṇusaṃjñaṃ jagaddhāma
mit dem Namen Viṣṇu, die Wohnstatt der Welt,
tam asmi śaraṇaṃ gataḥ
zu ihm bin ich als Zuflucht gegangen

yaṃ bhajanti kriyāniṣṭāyaṃ paśyanti ca yoginaḥ / pūjyātpūjyataraṃ śāntaṃ gato 'smi śaraṇaṃ prabhum

Ich bin zu jenem Herrn als Zuflucht gegangen, den die dem Handeln Ergebenen verehren [?] und den die Yogins erblicken, den Ruhigen, den Verehrungswürdigeren als das Verehrungswürdige.

Wort für Wort
yaṃ bhajanti kriyāniṣṭhāḥ
den die dem Handeln Ergebenen verehren [?]
yaṃ paśyanti ca yoginaḥ
und den die Yogins erblicken
pūjyāt pūjyataraṃ śāntaṃ
den Verehrungswürdigeren als das Verehrungswürdige, den Ruhigen,
gato 'smi śaraṇaṃ prabhum
zu diesem Herrn bin ich als Zuflucht gegangen

[?] 'kriyāniṣṭāyaṃ' unsichere Lesung, hier als 'kriyāniṣṭhāḥ' gedeutet.

yaṃ na paśyanti vidvāṃso ya etadvyāvya tiṣṭati / sarvasmādadhikaṃ nityaṃ nato 'smi vibhumavyayam

Vor dem selbst die Weisen nicht ganz sehen, obgleich er, dies alles durchdringend, dasteht - vor ihm, dem stets über alles Erhabenen, dem Alldurchdringenden, Unvergänglichen, verneige ich mich.

Wort für Wort
yaṃ na paśyanti vidvāṃsaḥ
den selbst die Weisen nicht ganz sehen,
yaḥ etat vyāpya tiṣṭhati
der, dies alles durchdringend, dasteht,
sarvasmāt adhikaṃ nityaṃ
vor ihm, dem stets über alles Erhabenen,
nato 'smi vibhum avyayam
verneige ich mich, dem Alldurchdringenden, Unvergänglichen

antaḥ karaṇasaṃyogājjīva ityucyate ca yaḥ / avidyākārya rahitaḥ paramātmeti gīyate

Der, welcher durch die Verbindung mit dem inneren Organ als 'Jīva' bezeichnet wird - derselbe, frei von den Wirkungen der Unwissenheit, wird als 'höchster Ātman' besungen.

Wort für Wort
antaḥkaraṇasaṃyogāt
durch die Verbindung mit dem inneren Organ
jīva iti ucyate ca yaḥ
wird er als 'Jīva' bezeichnet, welcher
avidyākāryarahitaḥ
frei von den Wirkungen der Unwissenheit
paramātmā iti gīyate
als 'höchster Ātman' besungen wird

sarvātmakaṃ sarvahetuṃ sravakarmaphalappadam / varaṃ vareṇyamajanaṃ praṇato 'smi parātparam

Vor dem Alles-Selbst, der Ursache von allem, dem Spender der Frucht aller Taten, dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswertesten, dem Ungeborenen, dem über das Höchste Hinausgehenden verneige ich mich.

Wort für Wort
sarvātmakaṃ sarvahetuṃ
vor dem Alles-Selbst, der Ursache von allem,
sarvakarmaphalapradam
dem Spender der Frucht aller Taten,
varaṃ vareṇyam ajanaṃ
dem Vortrefflichsten, dem Erwählenswertesten, dem Ungeborenen,
praṇato 'smi parātparam
verneige ich mich, dem über das Höchste Hinausgehenden

sarvajñaṃ sarvagaṃ śāntaṃ sarvāntayā miṇaṃ harim / jñānātmakaṃ jñānanidhiṃ jñānasaṃsthaṃ vibhuṃ bhaje

Ich verehre Hari, den Allwissenden, den Allgegenwärtigen, den Ruhigen, den in allem innewohnenden Lenker, von der Natur der Erkenntnis, den Hort der Erkenntnis, den in der Erkenntnis Gegründeten, den Alldurchdringenden.

Wort für Wort
sarvajñaṃ sarvagaṃ śāntaṃ
den Allwissenden, den Allgegenwärtigen, den Ruhigen,
sarvāntaryāmiṇaṃ harim
den in allem innewohnenden Lenker, Hari,
jñānātmakaṃ jñānanidhiṃ
von der Natur der Erkenntnis, den Hort der Erkenntnis,
jñānasaṃsthaṃ vibhuṃ bhaje
den in der Erkenntnis Gegründeten, den Alldurchdringenden, verehre ich

[?] 'sarvāntayāmiṇaṃ' verlesen für 'sarvāntaryāmiṇaṃ'.

namāmyahaṃ vedanidhiṃ murāriṃ vedānta vijñānasuniścitārtham / sūryeduvatprojjvalane tramindraṃ ravagasvarupaṃ vapatisvarūpam

Ich verneige mich vor Murāri, dem Hort der Veden, dessen Sinn durch die Erkenntnis des Vedānta sicher erwiesen ist, der wie Sonne und Mond leuchtend ist, dem Herrscher des Glanzes, von der Gestalt von Sonne und Feuer, von der Gestalt des Prajāpati [?].

Wort für Wort
namāmi ahaṃ vedanidhiṃ murārim
ich verneige mich vor Murāri, dem Hort der Veden,
vedāntavijñānasuniścitārtham
dessen Sinn durch die Erkenntnis des Vedānta sicher erwiesen ist,
sūryenduvat prajjvalanam [?]
der leuchtend ist wie Sonne und Mond [?]
tejaḥ-indraṃ ravi-agni-svarūpaṃ prajāpatisvarūpam [?]
den Herrscher des Glanzes, von der Gestalt von Sonne und Feuer, von der Gestalt des Prajāpati [?]

[Anm.: Der zweite Halbvers ('sūryeduvatprojjvalane tramindraṃ ravagasvarupaṃ vapatisvarūpam') ist im Quelltext stark verderbt/unmetrisch überliefert; die Übersetzung ist eine sinngemäße Vermutung [?] auf Basis der erkennbaren Wortbestandteile (sūrya/indu 'Sonne/Mond', ujjvalana 'Leuchten', -indra, -svarūpa 'von [...] Gestalt').]

sarveśvaraṃ sarvagataṃ mahāntaṃ vedātmakaṃ vedavidāṃvariṣṭam / taṃvāṅmano 'cintyamanantaśaktiṃ jñānaikavedyaṃ puruṣaṃ bhajāmi

Ich verehre den Puruṣa, den Herrn über alles, den Alldurchdringenden, den Großen, von der Natur der Veden, den Vortrefflichsten der Vedakundigen, den für Wort und Denken Unvorstellbaren, den von unendlicher Macht, den allein durch Erkenntnis Erkennbaren.

Wort für Wort
sarveśvaraṃ sarvagataṃ mahāntaṃ
den Herrn über alles, den Alldurchdringenden, den Großen,
vedātmakaṃ vedavidāṃ variṣṭam
von der Natur der Veden, den Vortrefflichsten der Vedakundigen,
taṃ vāṅmanasaḥ acintyam anantaśaktiṃ
den für Wort und Denken Unvorstellbaren, den von unendlicher Macht,
jñānaikavedyaṃ puruṣaṃ bhajāmi
den allein durch Erkenntnis Erkennbaren, den Puruṣa, verehre ich

indrāgnikālāsurapāśivāyusomeṣamārttaṇḍapurandarādyaiḥ / yaḥ pāti lokānparipūrṇabhāvastamaprameyaṃ śaraṇaṃ prapadye

Durch die Gestalten von Indra, Agni, Kāla, Asura [?], Pāśin (Varuṇa), Vāyu, Soma, Īśa, Mārtaṇḍa, Purandara und andere schützt er, von vollkommenem Wesen, die Welten - zu ihm, dem Unermesslichen, nehme ich Zuflucht.

Wort für Wort
indrāgnikālāsurapāśivāyu-
durch Indra, Agni, Kāla, Asura, Pāśin (Varuṇa), Vāyu,
soma-īśa-mārtaṇḍa-purandara-ādyaiḥ
Soma, Īśa, Mārtaṇḍa, Purandara und andere Gestalten
yaḥ pāti lokān paripūrṇabhāvaḥ
der, von vollkommenem Wesen, die Welten schützt
tam aprameyaṃ śaraṇaṃ prapadye
zu ihm, dem Unermesslichen, nehme ich Zuflucht

[?] Die Aufzählung 'indrāgnikālāsurapāśivāyusomeṣamārttaṇḍapurandarādyaiḥ' ist im Kompositum unsicher zu trennen; hier als Reihe von Götternamen (Indra, Agni, Kāla, Asura/Pāśin-Varuṇa, Vāyu, Soma, Īśa, Mārtaṇḍa, Purandara u.a.) gedeutet, in deren Gestalt Viṣṇu die Welten schützt.

sahasraśīrṣaṃ ca sahasrapādaṃ sahasrabāhuḥ ca sahasranetram / samastayajñaiḥ parijuṣṭamādyaṃ nato 'smi tuṣṭipradamugravīryam

Vor dem mit tausend Häuptern, tausend Füßen, tausend Armen und tausend Augen, dem durch alle Opfer Verehrten, dem Uranfänglichen, dem Freude-Spendenden, dem von schrecklicher Kraft verneige ich mich.

Wort für Wort
sahasraśīrṣaṃ ca sahasrapādaṃ
vor dem mit tausend Häuptern und tausend Füßen,
sahasrabāhuḥ ca sahasranetram
mit tausend Armen und tausend Augen,
samastayajñaiḥ parijuṣṭam ādyaṃ
dem durch alle Opfer Verehrten, dem Uranfänglichen,
nato 'smi tuṣṭipradam ugravīryam
verneige ich mich, dem Freude-Spendenden, von schrecklicher Kraft

kālātmakaṃ kālavibhāgahetuṃ guṇatrayātītamahaṃ guṇajñam / guṇapriyaṃ kāmadamastasaṃgamatīndriyaṃ viśvabhaghujaṃ vitṛṣṇam

Ich verehre den von der Natur der Zeit, die Ursache der Zeiteinteilung, den jenseits der drei Guṇas Stehenden, den Kenner der Guṇas, den den Eigenschaften Zugeneigten, den Wunscherfüllenden, den von Anhaftung Freien, den Übersinnlichen, den Genießer des Alls, den Begierdelosen.

Wort für Wort
kālātmakaṃ kālavibhāgahetuṃ
den von der Natur der Zeit, die Ursache der Zeiteinteilung,
guṇatrayātītam ahaṃ guṇajñam
den jenseits der drei Guṇas Stehenden verehre ich, den Kenner der Guṇas,
guṇapriyaṃ kāmadam astasaṃgam
den den Eigenschaften Zugeneigten, den Wunscherfüllenden, den von Anhaftung Freien,
atīndriyaṃ viśvabhujaṃ vitṛṣṇam
den Übersinnlichen, den Genießer des Alls, den Begierdelosen

nirīhamagryaṃ manasāpyagamyaṃ manomayaṃ cānnamayaṃ nirūḍham / vijñānabhedaṃ pratipannakalpaṃ na vāṅmayaṃ prāṇamayaṃ bhajāmi

Ich verehre den Begierdelosen, den Vorzüglichsten, den auch dem Denken Unzugänglichen, den aus Geist und aus Speise Bestehenden, den fest Gegründeten, den scheinbar an der Unterscheidung der Erkenntnis Teilhabenden [?], nicht bloß aus Wort, sondern aus Lebensatem Bestehenden.

Wort für Wort
nirīham agryaṃ manasā api agamyaṃ
den Begierdelosen, den Vorzüglichsten, den auch dem Denken Unzugänglichen,
manomayaṃ ca annamayaṃ nirūḍham
den aus Geist und aus Speise Bestehenden, den fest Gegründeten,
vijñānabhedaṃ pratipannakalpaṃ
den scheinbar an der Unterscheidung der Erkenntnis Teilhabenden [?],
na vāṅmayaṃ prāṇamayaṃ bhajāmi
nicht bloß aus Wort, sondern aus Lebensatem Bestehenden, verehre ich

[?] 'vijñānabhedaṃ pratipannakalpaṃ' unsichere Deutung; Anspielung auf die Kośa-Lehre (Hüllen aus Speise, Lebensatem, Geist, Erkenntnis, Glückseligkeit) vermutet.

na yasya rūpaṃ na balaprabhāvo na yasya karmāṇi na yatpramāṇam / jānanti devā kamalodbhavādyastoṣyāmyahaṃ taṃ kathamātmarūpam

Dessen Gestalt nicht, dessen Kraft und Macht nicht, dessen Taten nicht, dessen Ausmaß nicht einmal die Götter kennen, angefangen mit dem aus dem Lotus Entsprungenen - wie sollte ich ihn preisen, der von der Natur des Selbst ist?

Wort für Wort
na yasya rūpaṃ na balaprabhāvaḥ
dessen Gestalt nicht, dessen Kraft und Macht nicht,
na yasya karmāṇi na yatpramāṇam
dessen Taten nicht, dessen Ausmaß nicht
jānanti devāḥ kamalodbhavādyāḥ
kennen die Götter, angefangen mit dem aus dem Lotus Entsprungenen,
toṣyāmi ahaṃ taṃ katham ātmarūpam
wie sollte ich ihn preisen, der von der Natur des Selbst ist

saṃsārasidhau patitaṃ kadaryaṃ mohākulaṃ kāmaśatena baddham / akīrtibhājaṃ piśunaṃ kṛtaghnaṃ sadāśuciṃ pāparataṃ pramanyum / dayāṃbudhe pāhi bhayākulaṃ māṃ punaḥ punastvāṃ śaraṇaṃ prapadye

Rette mich, den in den Ozean des Saṃsāra Gefallenen, den Geizigen, den von Verwirrung Erfüllten, den durch hundertfaches Begehren Gefesselten, den der Schande Anheimgefallenen, den Niederträchtigen, den Undankbaren, den stets Unreinen, den der Sünde Ergebenen, den Zornigen, o Ozean des Mitleids - mich, den von Furcht Erfüllten; immer wieder nehme ich Zuflucht zu dir.

Wort für Wort
saṃsārasindhau patitaṃ kadaryaṃ
den in den Ozean des Saṃsāra Gefallenen, den Geizigen,
mohākulaṃ kāmaśatena baddham
den von Verwirrung Erfüllten, den durch hundertfaches Begehren Gefesselten,
akīrtibhājaṃ piśunaṃ kṛtaghnaṃ
den der Schande Anheimgefallenen, den Niederträchtigen, den Undankbaren,
sadāśuciṃ pāparataṃ pramanyum
den stets Unreinen, den der Sünde Ergebenen, den Zornigen,
dayāṃbudhe pāhi bhayākulaṃ māṃ
o Ozean des Mitleids, rette mich, den von Furcht Erfüllten,
punaḥ punaḥ tvāṃ śaraṇaṃ prapadye
immer wieder nehme ich Zuflucht zu dir

iti prasāditastena dayālasuḥ kamalāpatiḥ / pratyakṣatāmagāttasya bhagavāṃstejasāṃ nidhiḥ

Solchermaßen von ihm besänftigt, wurde der mitleidsvolle Gemahl der Lotusgöttin, der herrliche, der Hort der Glanzkräfte, für ihn sichtbar.

Wort für Wort
iti prasāditaḥ tena
solchermaßen von ihm besänftigt,
dayāluḥ kamalāpatiḥ
der mitleidsvolle Gemahl der Lotusgöttin
pratyakṣatām agāt tasya
wurde für ihn sichtbar
bhagavān tejasāṃ nidhiḥ
der herrliche, der Hort der Glanzkräfte

atasī puṣpasaṃkāśaṃ phullapaṅkajalocanan / kirīṭinaṃ kuṇḍalinaṃ hārakeyūrabhūṣitam

Von der Farbe der Leinblüte, mit Augen wie aufgeblühte Lotusblüten; mit Diadem, mit Ohrringen, mit Halskette und Armreifen geschmückt -

Wort für Wort
atasīpuṣpasaṃkāśaṃ
von der Farbe der Leinblüte,
phullapaṅkajalocanam
mit Augen wie aufgeblühte Lotusblüten,
kirīṭinaṃ kuṇḍalinaṃ
mit Diadem, mit Ohrringen,
hārakeyūrabhūṣitam
mit Halskette und Armreifen geschmückt

śrīvatsakaustubhadharaṃ hemayajñopavītinanam / nāsāvinyastamuktā bhavardhamānatanucchavim

- den Śrīvatsa und den Kaustubha Tragenden, mit goldener Opferschnur bekleidet, dessen Körperglanz durch den Glanz der in der Nase eingesetzten Perle noch zunahm [?] -

Wort für Wort
śrīvatsakaustubhadharaṃ
den Śrīvatsa und den Kaustubha Tragenden,
hemayajñopavītinam
mit goldener Opferschnur bekleidet,
nāsāvinyastamuktābhā
durch den Glanz der in der Nase eingesetzten Perle
vardhamānatanucchavim
dessen Körperglanz noch zunahm [?]

[?] 'nāsāvinyastamuktā bhavardhamānatanucchavim' unsicher segmentiert, hier als 'nāsāvinyastamuktābhā vardhamānatanucchaviḥ' gedeutet.

pītāṃbaradharaṃ devaṃ vanamālāvibhūṣimat / tulasīkomaladalairarcitāṅghniṃ mahādyutim

Den gelbgewandeten Gott, mit dem Waldblumenkranz geschmückt, dessen Füße mit den weichen Blättern der Tulasī verehrt wurden, von großem Glanz -

Wort für Wort
pītāmbaradharaṃ devaṃ
den gelbgewandeten Gott,
vanamālāvibhūṣitam
mit dem Waldblumenkranz geschmückt,
tulasīkomaladalaiḥ
mit den weichen Blättern der Tulasī
arcitāṅghriṃ mahādyutim
dessen Füße verehrt wurden, von großem Glanz

kiṅkiṇīnūpurā dyaiśca śobhitaṃ garuḍadhvajam / dṛṣṭvā nānāma viprendro daṇḍavatkṣitimaṇḍale

- mit Glöckchen, Fußringen und dergleichen geschmückt, mit dem Garuḍa-Banner - als der Fürst der Brahmanen ihn sah, verneigte er sich stabartig ausgestreckt auf der Erde.

Wort für Wort
kiṅkiṇīnūpurādyaiḥ ca śobhitaṃ
mit Glöckchen, Fußringen und dergleichen geschmückt,
garuḍadhvajam
mit dem Garuḍa-Banner,
dṛṣṭvā nanāma viprendraḥ
als der Fürst der Brahmanen ihn sah, verneigte er sich
daṇḍavat kṣitimaṇḍale
stabartig ausgestreckt auf der Erde

abhyaṣiñcaddhareḥ pādāvuttaṅko harṣavāribhiḥ / murāre rakṣa rakṣeti vyāharannānyadhīstadā

Uttaṅka besprengte die beiden Füße Haris mit Freudentränen, wobei er, einzig auf ihn gerichteten Sinnes [?], ausrief: 'O Murāri, schütze, schütze!'

Wort für Wort
abhyaṣiñcat hareḥ pādau
er besprengte die beiden Füße Haris
uttaṅkaḥ harṣavāribhiḥ
Uttaṅka, mit Freudentränen,
murāre rakṣa rakṣa iti
'O Murāri, schütze, schütze!' so
vyāharan ananyadhīḥ tadā
ausrufend, einzig auf ihn gerichteten Sinnes [?]

[?] 'anyadhīḥ' vermutlich verkürzt für 'ananyadhīḥ' ('ohne anderen Gedanken, einzig auf Viṣṇu gerichteten Sinnes').

tamutthāpya mahāviṣṇurāliliṅga dayāparaḥ / varaṃ vṛṇuṣva vatseti provāca munipuṅgavam

Nachdem der große Viṣṇu ihn aufgerichtet hatte, umarmte er ihn, von Mitleid erfüllt, und sprach zu dem Besten der Weisen: 'Wähle eine Gnadengabe, mein Kind!'

Wort für Wort
tam utthāpya mahāviṣṇuḥ
nachdem der große Viṣṇu ihn aufgerichtet hatte,
āliliṅga dayāparaḥ
umarmte er ihn, von Mitleid erfüllt,
varaṃ vṛṇuṣva vatsa iti
'wähle eine Gnadengabe, mein Kind!' so
provāca munipuṅgavam
sprach er zu dem Besten der Weisen

asādhyaṃ nāsti kiñcitte prasanne mayi sattama / itīritaṃ samākarṇya hyuttaṅkaścakrapāṇinā / punaḥ praṇamya taṃ prāha devadevaṃ janārddanam

'Nichts ist für dich unerreichbar, wenn ich, o Bester, zufrieden bin.' Als er dies, vom Diskusträger Gesagte, vernommen hatte, verneigte sich Uttaṅka abermals und sprach zu ihm, dem Gott der Götter, Janārdana.

Wort für Wort
asādhyaṃ nāsti kiñcit te
nichts ist für dich unerreichbar,
prasanne mayi sattama
wenn ich, o Bester, zufrieden bin
iti īritaṃ samākarṇya
als er dies Gesagte vernommen hatte,
hi uttaṅkaḥ cakrapāṇinā
Uttaṅka, vom Diskusträger Gesagte,
punaḥ praṇamya taṃ prāha
verneigte sich abermals und sprach zu ihm
devadevaṃ janārdanam
dem Gott der Götter, Janārdana

kiṃ māṃ mohayasīśa tvaṃ kimanyairdeva me varaiḥ / tvayi bhaktirdṛḍhā me 'stu janmajanmāntareṣvapi

Warum verwirrst du mich, o Herr? Was brauche ich, o Gott, mit anderen Gaben? Möge meine Hingabe zu dir fest sein, auch in Geburt um Geburt.

Wort für Wort
kiṃ māṃ mohayasi īśa tvaṃ
warum verwirrst du mich, o Herr,
kim anyaiḥ deva me varaiḥ
was brauche ich, o Gott, mit anderen Gaben,
tvayi bhaktiḥ dṛḍhā me astu
möge meine Hingabe zu dir fest sein,
janmajanmāntareṣu api
auch in Geburt um Geburt

kīṭeṣu pakṣiṣu mṛgeṣu sarīsṛpeṣu rakṣaḥ piśācamanujeṣvapi yatra tatrajajātasya me bhavatu keśava te prasāddāttvayyeva bhaktiracalāvyabhicāraṇī ca

Unter Würmern, Vögeln, wilden Tieren, kriechenden Tieren, unter Rakṣas, Piśācas und Menschen - wo auch immer ich geboren werde, möge mir, o Keśava, durch deine Gnade eben zu dir unerschütterliche und unwandelbare Hingabe zuteilwerden.

Wort für Wort
kīṭeṣu pakṣiṣu mṛgeṣu sarīsṛpeṣu
unter Würmern, Vögeln, wilden Tieren, kriechenden Tieren,
rakṣaḥpiśācamanujeṣu api
unter Rakṣas, Piśācas und Menschen,
yatra tatra jātasya me bhavatu keśava
wo auch immer ich geboren werde, möge mir, o Keśava,
te prasādāt tvayi eva bhaktiḥ
durch deine Gnade eben zu dir Hingabe
acalā avyabhicāriṇī ca
unerschütterlich und unwandelbar zuteilwerden

evamastviti lokeśaḥ śaṅkhaprāntena saṃspṛśan divyajñānaṃ dadau tasmai yogināmapidurlamabhagham

'So sei es!', sprach der Herr der Welt, und indem er ihn mit dem Rand der Muschel berührte, gab er ihm die göttliche Erkenntnis, die selbst für Yogins schwer erlangbar ist.

Wort für Wort
evam astu iti lokeśaḥ
'so sei es!' sprach der Herr der Welt,
śaṅkhaprāntena saṃspṛśan
indem er ihn mit dem Rand der Muschel berührte,
divyajñānaṃ dadau tasmai
gab er ihm die göttliche Erkenntnis,
yoginām api durlabham
die selbst für Yogins schwer erlangbar ist [?]

[?] 'durlamabhagham' unsichere Lesung, hier als 'durlabham' gedeutet.

puḥ stuvantaṃ viprendraṃ devadevo janārddanaḥ idamāha smitamukho hastaṃ tacchirasi nyasan

Zu dem ihn preisenden Fürsten der Brahmanen sprach der Gott der Götter, Janārdana, dies, mit lächelndem Antlitz, indem er die Hand auf dessen Haupt legte.

Wort für Wort
[puḥ, unklar] stuvantaṃ viprendraṃ
zu dem ihn preisenden Fürsten der Brahmanen [?]
devadevo janārdanaḥ
der Gott der Götter, Janārdana,
idam āha smitamukhaḥ
sprach dies, mit lächelndem Antlitz,
hastaṃ tacchirasi nyasan
indem er die Hand auf dessen Haupt legte

[?] Die Silbe 'puḥ' zu Versbeginn ist unklar, vermutlich ein Fragment/Schreibfehler ohne erkennbare grammatische Funktion.

śrībhagavānuvāca ārādhaya kriyāyogairmāṃ sadā dvijasattam / naranārāyaṇasthānaṃ vraja mokṣaṃ gamiṣyasi

Der erhabene Herr sprach: Verehre mich stets durch die Übungen des Handelns, o Bester der Zweifachgeborenen; begib dich zur Stätte von Nara-Nārāyaṇa, dort wirst du zur Erlösung gelangen.

Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach:
ārādhaya kriyāyogaiḥ māṃ
verehre mich durch die Übungen des Handelns
sadā dvijasattama
stets, o Bester der Zweifachgeborenen
naranārāyaṇasthānaṃ vraja
begib dich zur Stätte von Nara-Nārāyaṇa
mokṣaṃ gamiṣyasi
du wirst zur Erlösung gelangen

tvayā kṛtamidaṃ stotraṃ yaḥ paṭhetsatataṃ naraḥ / sarvānkāmānavāpyānte mokṣabhāgī bhavettataḥ

Wer immer diesen von dir verfassten Lobpreis beständig rezitiert, der wird, nachdem er alle Wünsche erlangt hat, am Ende Anteil an der Erlösung haben.

Wort für Wort
tvayā kṛtam idaṃ stotraṃ
diesen von dir verfassten Lobpreis
yaḥ paṭhet satataṃ naraḥ
wer ihn stets rezitiert, der Mensch,
sarvān kāmān avāpya ante
wird, nachdem er alle Wünsche erlangt hat, am Ende
mokṣabhāgī bhavet tataḥ
Anteil an der Erlösung haben

ityuktvā bhādhavo vipraṃ tatraivāntardadhe mune / naranarāyaṇasthānamuttaṅko 'pi tato yayau

Nachdem Mādhava dies zu dem Brahmanen gesagt hatte, verschwand er eben dort, o Muni; und Uttaṅka begab sich darauf zur Stätte von Nara-Nārāyaṇa.

Wort für Wort
iti uktvā mādhavaḥ vipraṃ
nachdem Mādhava dies zu dem Brahmanen gesagt hatte,
tatra eva antardadhe mune
verschwand er eben dort, o Muni
naranārāyaṇasthānam
zur Stätte von Nara-Nārāyaṇa
uttaṅkaḥ api tato yayau
begab sich Uttaṅka darauf

[?] 'bhādhavo' unsichere Lesung, hier als 'mādhavaḥ' (Name Viṣṇus) gedeutet.

kasmādbhaktiḥ sadā kāryā devadevasya cakriṇaḥ / haribhaktiḥ parā proktā sarvakāmapalapradā

Weshalb soll man dem Gott der Götter, dem Diskusträger, stets Hingabe erweisen? Die Hingabe zu Hari wird als höchste bezeichnet, als die Spenderin der Frucht aller Wünsche.

Wort für Wort
kasmāt bhaktiḥ sadā kāryā
weshalb soll man stets Hingabe erweisen
devadevasya cakriṇaḥ
dem Gott der Götter, dem Diskusträger
haribhaktiḥ parā proktā
die Hingabe zu Hari wird als höchste bezeichnet,
sarvakāmaphalapradā
als die Spenderin der Frucht aller Wünsche

utaṅko bhāktibhāvena kriyāyogaparo mune / pūjayanmādhayavaṃ nityaṃ naranārāyaṇāśrame

Uttaṅka, mit hingebungsvollem Sinn, dem Übungsritual ergeben, o Muni, verehrte stets Mādhava in der Einsiedelei von Nara-Nārāyaṇa.

Wort für Wort
uttaṅkaḥ bhaktibhāvena
Uttaṅka, mit hingebungsvollem Sinn,
kriyāyogaparaḥ mune
dem Übungsritual ergeben, o Muni,
pūjayan mādhavaṃ nityaṃ
stets Mādhava verehrend
naranārāyaṇāśrame
in der Einsiedelei von Nara-Nārāyaṇa

jñānavijñānasaṃpannaḥ saṃcchinnadvaitasaṃśayaḥ / āvāpa duravāpaṃ vai tadviṣṇoḥ paramaṃ padam

Mit Wissen und Erkenntnis begabt, von durchtrenntem Zweifel an der Dualität, erlangte er jenen schwer erreichbaren höchsten Sitz Viṣṇus.

Wort für Wort
jñānavijñānasaṃpannaḥ
mit Wissen und Erkenntnis begabt,
saṃcchinnadvaitasaṃśayaḥ
von durchtrenntem Zweifel an der Dualität,
āvāpa duravāpaṃ vai
erlangte er fürwahr den schwer erreichbaren
tadviṣṇoḥ paramaṃ padam
jenen höchsten Sitz Viṣṇus

pūjito namito vāpi saṃsmṛto vāpi mokṣadaḥ / nārāyaṇo jagannātho bhaktānāṃ mānavarddhanaḥ

Sei er verehrt, sei er verneigt, sei er auch nur erinnert - Nārāyaṇa, der Herr der Welt, ist der Erlösung-Spender und der Mehrer der Ehre seiner Verehrer.

Wort für Wort
pūjito namito vāpi
sei er verehrt, sei er verneigt,
saṃsmṛto vāpi mokṣadaḥ
sei er auch nur erinnert - der Erlösung-Spender,
nārāyaṇo jagannāthaḥ
Nārāyaṇa, der Herr der Welt,
bhaktānāṃ mānavardhanaḥ
der Mehrer der Ehre seiner Verehrer

tasmānnārāyaṇaṃ devamanantamaparājitam / ihāmutra sukhaprepsuḥ pūjayedbhaktisaṃyutaḥ

Deshalb verehre, wer sich Glück hier und im Jenseits wünscht, mit Hingabe verbunden, den Gott Nārāyaṇa, den Unendlichen, den Unbesiegten.

Wort für Wort
tasmāt nārāyaṇaṃ devam
deshalb den Gott Nārāyaṇa,
anantam aparājitam
den Unendlichen, den Unbesiegten,
ihāmutra sukhaprepsuḥ
wer sich Glück hier und im Jenseits wünscht,
pūjayet bhaktisaṃyutaḥ
verehre, mit Hingabe verbunden

yaḥ paṭhedidamākhyānaṃ śṛṇuyādvāsamāhitaḥ / so 'pi sarvāghanirmuktaḥ prayāti bhavanaṃ hareḥ

Wer diese Erzählung liest oder aufmerksam anhört, auch der wird, von aller Sünde befreit, zur Wohnstatt Haris gelangen.

Wort für Wort
yaḥ paṭhet idam ākhyānaṃ
wer diese Erzählung liest
śṛṇuyāt vā samāhitaḥ
oder aufmerksam anhört,
so 'pi sarvāghanirmuktaḥ
auch der wird, von aller Sünde befreit,
prayāti bhavanaṃ hareḥ
zur Wohnstatt Haris gelangen

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