Sanandana sprach: Nun werde ich dir, o Nārada, in Kürze die Grammatik verkünden, in Form fertiger (Wort-)Gestalten, sogleich den 'Mund des Veda'.
Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach
atha vyākaraṇaṃ vakṣye
nun werde ich die Grammatik verkünden
saṃkṣepāttava nārada
in Kürze, dir, o Nārada
siddharūpaprabandhena
in der Darstellung fertiger Wortformen
mukhaṃ vedasya sāṃpratam
den 'Mund des Veda', sogleich
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvitīyapāde eka pañcāśattamo 'dhyāyaḥ“ samt Trennlinie voraus – der Schlusskolophon des vorangehenden (50.) Kapitels. Diese Zeile wurde nicht in den Vers-Text (sa) übernommen, da sie erkennbar nicht zu V.1 gehört.]
Ein Wort, o Brahmane, endet auf sup oder tiṅ; der sup(-Endungen) gibt es sieben Kasus (vibhakti); (die Endungen) su, au, jas werden als der erste (Kasus, Nominativ) bezeichnet; dieser hat die Bedeutung des bloßen Nominalstamms (prātipadika).
saṃbodhane ca liṅgādāvukte karmaṇi kartari / arthāvatprātipadikaṃ dhātupratyayavārjitam
Und in der Anrede (saṃbodhana), am (Genus-)Wortanfang genannt, beim Objekt (karman) oder Subjekt (kartṛ) verwendet, ist der bedeutungstragende Nominalstamm, frei von Verbalwurzel und Suffix, das Prātipadika.
Wort für Wort
saṃbodhane ca
und in der Anrede
liṅgādāvukte
am (Genus-)Wortanfang genannt
karmaṇi kartari
beim Objekt, beim Subjekt
arthāvatprātipadikaṃ
das bedeutungstragende Prātipadika
dhātupratyayavārjitam
frei von Verbalwurzel und Suffix
[?: Struktur des sūtraartigen Verses, insbesondere „liṅgādāvukte“, bleibt unsicher.]
(Die Endungen) am, au, śas seien der zweite Kasus (Akkusativ); jenes, worauf sich die Handlung richtet, ist das karman (Objekt), und was gemacht wird; der zweite Kasus wird beim Objekt genannt, sowie bei Wörtern, die mit 'antarā' (dazwischen) verbunden sind.
(Die Endungen) ṭā, bhyām, bhis seien der dritte Kasus (Instrumental), gebraucht beim Mittel (karaṇa) und beim Handelnden (kartṛ); wodurch etwas bewirkt wird, das ist das karaṇa; wer handelt, der ist der kartā.
(Die Endungen) ṅe, bhyām, bhyas seien der vierte Kasus (Dativ), gebraucht beim Kāraka der Übergabe (saṃpradāna); für wen man den Wunsch zu geben hegt, oder wem etwas gefällt, das ist das saṃpradāna.
pañcamī syānṅasibhyāṃbhyo hyapādāne ca kārake / yato 'paiti samādatte apadatte ca yaṃ yataḥ
(Die Endungen) ṅasi, bhyām, bhyas seien der fünfte Kasus (Ablativ), gebraucht beim Kāraka der Trennung (apādāna); woher etwas weggeht, wovon man wegnimmt, oder wovon man sich entfernt — das ist es.
ṅasosāmaśca ṣaṣṭhī syātsvāmisaṃbandhamukhyake / ṅyoḥsupaḥ saptamī tu syātsā cādhikaraṇe bhavet
(Die Endungen) ṅas, os, ām seien der sechste Kasus (Genitiv), gebraucht beim Besitzverhältnis, das durch die Herr-Beziehung gekennzeichnet ist; (die Endungen) ṅi, os, sup seien der siebte Kasus (Lokativ); dieser gilt beim Kāraka des Ortes (adhikaraṇa).
Auch beim (Ort der) Stütze (ādhāra), o Herr der Brahmanen, durch den Gebrauch bei Verben mit der Bedeutung 'schützen'; was gewünscht oder nicht gewünscht ist (im Sinn des Meidens), das gilt als apādāna.
Wort für Wort
ādhāre cāpi viprendra
auch beim Ort der Stütze, o Herr der Brahmanen
rakṣārthānāṃ prayogataḥ
durch den Gebrauch bei Verben der Bedeutung 'schützen'
īpsitaṃ cānīpsitaṃ yat
was gewünscht oder ungewünscht ist
tadapādānakaṃ smṛtam
das gilt als apādāna
[?: Bezug der zweiten Vershälfte zum apādāna-Kāraka (statt zum unmittelbar vorangehenden Lokativ) unklar; evtl. Zusatzregel.]
Der fünfte Kasus steht in Verbindung mit 'pari' und 'ā', wenn 'außer' gemeint ist, und bei anderer Himmelsrichtung; bei Verbindung mit diesen (Präpositionen, karmapravacanīya) steht der zweite Kasus.
Wort für Wort
pañcamī paryaṇaṅyoge
der fünfte Kasus bei Verbindung mit 'pari' und 'ā'
itararte 'nyadiṅmukhe
wenn 'außer' gemeint ist, und bei anderer Richtung
lakṣaṇetthaṃbhūto 'bhirabhāge cānupariprati / antareṣu sahārthe ca hīne hyupaśca kathyate
Bei 'Kennzeichen' und 'So-Beschaffenheit' (steht 'abhi'); bei 'Anteil' 'anu', 'pari', 'prati'; bei 'antara' (Zwischenraum) und in der Bedeutung 'zusammen mit', sowie bei 'Mangel' wird auch 'upa' genannt.
Wort für Wort
lakṣaṇetthaṃbhūto 'bhi
bei 'Kennzeichen' und 'So-Beschaffenheit' steht 'abhi'
rabhāge cānupariprati
bei 'Anteil' 'anu', 'pari', 'prati'
antareṣu sahārthe ca
bei 'antara' und in der Bedeutung 'zusammen mit'
hīne hyupaśca kathyate
bei 'Mangel' wird auch 'upa' genannt
[?: Dichte Liste von Bedeutungsregeln für karmapravacanīya-Partikeln; Einzelzuordnung teils unsicher.]
dvitīyā ca caturthī syāñceṣṭāyāṃ gatikarmaṇi / aprāṇiṣu vibhaktī dve manyakarmaṇyanādare
Der zweite und der vierte Kasus stehen bei Wunsch und bei der Zielbewegungshandlung; bei nicht Beseelten gibt es zwei Kasus beim Objekt von 'meinen' (manyate) und bei Geringschätzung.
Wort für Wort
dvitīyā ca caturthī syāt
der zweite und der vierte Kasus stehen
ceṣṭāyāṃ gatikarmaṇi
bei Wunsch, bei der Zielbewegungshandlung
aprāṇiṣu vibhaktī dve
bei nicht Beseelten gibt es zwei Kasus
manyakarmaṇyanādare
beim Objekt von 'meinen' und bei Geringschätzung
[?: Verssinn, insbesondere „ceṣṭāyāṃ gatikarmaṇi“, unsicher.]
Bei Verbindung mit 'namaḥ', 'svasti', 'svadhā', 'svāhā', 'alam', 'vaṣaṭ' wird (der vierte Kasus) genannt; ebenso der vierte Kasus in der Bedeutung 'zu diesem Zweck', bei Wörtern mit dem Sinn des Infinitivs (tum) oder eines Zustands.
Wort für Wort
namaḥsvastisvadhāsvāhālaṃvaṣaḍyoga īritā
bei Verbindung mit namaḥ, svasti, svadhā, svāhā, alam, vaṣaṭ wird er genannt
caturthī caiva tādarthye
ebenso der vierte Kasus in der Bedeutung 'zu diesem Zweck'
tumarthādbhāvavācinaḥ
bei Wörtern mit der Bedeutung des Infinitivs oder eines Zustands
Der dritte Kasus steht bei Verbindung mit 'saha', bei Tadel, bei einem Körperteil, bei einem Attribut; der siebte Kasus steht bei Zeit und Zustand; bei Verbindung mit diesen (steht) auch der sechste Kasus.
Wort für Wort
tṛtīyā sahayoge syāt
der dritte Kasus steht bei Verbindung mit 'saha'
kutsiteṃ'ge viśeṣaṇe
bei Tadel, bei einem Körperteil, bei einem Attribut
svāmīśvarodhipatibhiḥ sākṣidāyādasūtakaiḥ / nirdhāraṇe dve vibhaktī ṣaṣṭī hetuprayogake
Bei (Wörtern wie) 'Herr', 'Gebieter', 'Oberherr', 'Zeuge', 'Erbe', 'Geburtsbefleckung' (verbunden) gibt es bei der Bestimmung (nirdhāraṇa) zwei Kasus; der sechste Kasus steht auch beim Gebrauch des Grundes (hetu).
smṛtyarthakarmaṇi tathā karoteḥ pratiyatnake / hiṃsārthānāṃ prayoge ca kṛtikarmaṇi kartari
Ebenso beim Objekt (des Verbs) mit der Bedeutung 'sich erinnern', bei 'kṛ' im Sinn der Anstrengung, beim Gebrauch der Verben mit der Bedeutung 'verletzen', sowie beim Objekt von Kṛti(-Bildungen) und beim Handelnden.
Wort für Wort
smṛtyarthakarmaṇi tathā
ebenso beim Objekt des Verbs der Bedeutung 'erinnern'
karoteḥ pratiyatnake
bei 'kṛ' im Sinn der Anstrengung
hiṃsārthānāṃ prayoge ca
beim Gebrauch der Verben der Bedeutung 'verletzen'
kṛtikarmaṇi kartari
beim Objekt von Kṛti-Bildungen und beim Handelnden
[?: Fortsetzung der Kontexte des sechsten Kasus aus V15 angenommen.]
na kartṛkarmaṇoḥ ṣaṣṭī niṣṭādipratipādikā / etā vai dvividhā jñeyāḥ subādiṣu vibhaktiṣu / bhūvādiṣu tiṅateṣu lakārā daśa vai smṛtāḥ
Der sechste Kasus gilt nicht beim Subjekt und Objekt, wenn das Prātipadika mit niṣṭhā (Partizip Perfekt Passiv) usw. beginnt. Diese sind zweifach zu erkennen bei den sup-Endungen usw.; bei den mit tiṅ endenden Formen von 'bhū' usw. gelten zehn Lakāras (Tempus-/Modus-Kategorien).
Wort für Wort
na kartṛkarmaṇoḥ ṣaṣṭī
der sechste Kasus gilt nicht beim Subjekt und Objekt
ta āteṃ'te prathamo madhvaḥ se āthe dhve tathottamaḥ / e vahe maha ādeśā jñeyā hyanye liṅādiṣu
(Die Endungen) ta, āte, te (bilden) den ersten (Person); se, āthe, dhve ebenso den mittleren; e, vahe, mahe sind als die weiteren Ersatzformen bei liṅ (Optativ) usw. zu erkennen — dies (gilt) für das Ātmanepada.
Wird (das Verb) mit einem Nomen gebraucht, so ist es die 'erste Person' (im pāṇinischen Sinn: 3. Person); die 'mittlere Person' wird bei 'yuṣmad' (du) genannt, die 'letzte Person' bei 'asmad' (ich).
Die mit 'bhū' beginnenden Wurzeln werden (Verbalwurzeln) genannt, sowie ebenso die auf 'san' usw. endenden abgeleiteten Wurzeln; der Lakāra 'laṭ' steht in der Gegenwart, (ein weiterer Lakāra) ebenso in der nicht-heutigen Vergangenheit.
Wort für Wort
bhūvādyā dhātavaḥ proktāḥ
die mit 'bhū' beginnenden Wurzeln werden genannt
sanādyantāstathā tataḥ
sowie die auf 'san' usw. endenden abgeleiteten Wurzeln
laḍīrito vartamāne
der Laṭ steht in der Gegenwart
bhūte 'nadyatane tathā
und ebenso in der nicht-heutigen Vergangenheit
[?: „laḍīrito“ unklar analysiert; Bezug zur nicht-heutigen Vergangenheit unsicher.]
māsmayoge ca laṅ vācyo loḍāśiṣi ca dhātutaḥ / vidhyādau syādāśiṣi ca liṅito dvividho mune
Bei Verbindung mit 'mā' und 'sma' ist 'laṅ' (Imperfekt) zu verwenden, sowie 'loṭ' (Imperativ) und (der Lakāra für den) Segenswunsch, ausgehend von der Wurzel; bei Vorschrift usw. sowie beim Segenswunsch (steht) der 'liṅ' (Optativ), (dieser ist) zweifach, o Weiser.
Wort für Wort
māsmayoge ca laṅ vācyo
bei Verbindung mit 'mā' und 'sma' ist 'laṅ' zu verwenden
liḍatīte parokṣe syāt śvastane luṅ bhaviṣyati / syādanadyatane ḷṭū ca bhaviṣyati tu dhātutaḥ
'Liṭ' (Perfekt) steht bei Vergangenem außer Sichtweite; 'luṅ' bei ('morgigem') Zukünftigem; 'lṛṭ' steht bei nicht-heutigem Zukünftigem, ausgehend von der Wurzel.
Wort für Wort
liḍatīte parokṣe syāt
'Liṭ' steht bei Vergangenem außer Sichtweite
śvastane luṅ bhaviṣyati
'luṅ' bei (morgigem) Zukünftigem
syādanadyatane ḷṭū ca
und 'lṛṭ' steht bei nicht-heutigem Zukünftigem
bhaviṣyati tu dhātutaḥ
im Futur, von der Wurzel aus
[?: Die Zuordnung der Lakāras (insbes. luṅ als „śvastana/Zukunft“) weicht von der klassischen Grammatik ab; wörtlich wie im Text übersetzt.]
'Luṅ' steht in der Vergangenheit, bei tip und sya, und für die (hypothetische) Handlung wird 'lṛṅ' (Konditional) genannt. Erkenne nun das erwiesene Beispiel, beginnend mit der Lautverbindung (saṃhitā) und so fort.
Wort für Wort
bhūte luṅ tipasyapau ca
'luṅ' in der Vergangenheit, bei tip und sya
kriyāyāṃ ḷṅ prakīrtitaḥ
für die (hypothetische) Handlung wird 'lṛṅ' genannt
(Weitere Beispiele): gaṅgodakam (aus gaṅgā + udakam), tavalkāraḥ, ṛṇārṇam (aus ṛṇa + arṇam), o Fürst der Weisen, śītārtaḥ (aus śīta + ārtaḥ), o Bester der Weisen, sendraḥ (aus sa + indraḥ), saukāraḥ ebenso.
Wort für Wort
gaṅgodakaṃ
gaṅgodakam (gaṅgā + udakam)
tavalkāra
tavalkāraḥ
ṛṇārṇaṃ ca munīśvara
ṛṇārṇam (ṛṇa + arṇam), o Fürst der Weisen
śītārtaśca muniśreṣṭha
śītārtaḥ (śīta + ārtaḥ), o Bester der Weisen
seṃdraḥ saukāra ityapi
sendraḥ (sa + indraḥ), saukāraḥ ebenso
[?: „tavalkāraḥ“ und „saukāraḥ“ nicht sicher aufzulösen; „//ṭha“ im Quelltext offenbar ein OCR-Artefakt ohne erkennbaren Sinn und daher unübersetzt gelassen.]
hare 'va viṣṇo 'vetyeṣādasomādapyamī adhāḥ / śaurī etau viṣṇu imau durge amū no arjunaḥ
(Weitere Beispiele, u. a. zu Sandhi und Pronomina): hare 'va (Hare + iva), viṣṇo 've, ity eṣāt, asomāt (a + somāt), api amī, adhāḥ; śaurī, etau (diese beiden), viṣṇu imau (Viṣṇū + imau), durge, amū (jene beiden), naḥ, arjunaḥ.
Wort für Wort
hare 'va viṣṇo 'vetyeṣād
hare 'va (Hare+iva), viṣṇo 've, ity eṣāt
asomādapyamī adhāḥ
asomāt (a+somāt), api amī, adhāḥ
śaurī etau viṣṇu imau
śaurī, etau, viṣṇu imau (Viṣṇū+imau)
durge amū no arjunaḥ
durge, amū, naḥ, arjunaḥ
[Anm.: Vers besteht aus einer Kette schwer auflösbarer Sandhi- und Beispielformen zu Pronomina und Götternamen; Einzelauflösungen bleiben teils spekulativ.]
So verbleiben diese (Vokale) in ihrer ursprünglichen Form (prakṛti), o Bester der Weisen: 'ṣaḍ atra' (sechs hier), 'ṣaṇmātaraḥ' (sechs Mütter), vākśūraḥ, vāgdhasti.
Wort für Wort
ā evaṃ ca prakṛtyaite
so verbleiben diese in ihrer ursprünglichen Form
tiṣṭanti munisattama
o Bester der Weisen
ṣaḍatra ṣaṇmātaraśca
'sechs hier', 'sechs Mütter'
vākchuro vāgdhasrithā
vākśūraḥ, vāgdhasti
[?: „vākchuro“ und „vāgdhasrithā“ nicht sicher aufgelöst.]
(Beispiele für Konsonanten-Sandhi mit dem Namen Hari): 'hariḥ śete' (Hari liegt), 'vibhuś cintyaḥ' (der Alldurchdringende ist zu bedenken), 'tac cheṣaḥ' (dessen Rest), yañcaraḥ; ebenso 'praśnas tv atha', 'hariḥ ṣaṣṭhaḥ' (Hari als sechster), kṛṣṇaṣṭīkataḥ ebenso.
Wort für Wort
hariḥśete vibhuścintyas
hariḥ śete, vibhuś cintyaḥ
taccheṣo yañcarastanthā
tac cheṣaḥ, yañcaraḥ, ebenso
praśnastvatha hariḥṣaṣṭhaḥ
praśnas tv atha, hariḥ ṣaṣṭhaḥ
kṛṣṇaṣṭīkata ityapi
kṛṣṇaṣṭīkataḥ ebenso
[Anm.: Reihe von Beispielen zum Konsonanten-saṃdhi, v. a. Visarga vor Zischlaut; mehrere Einzelformen (yañcaraḥ, kṛṣṇaṣṭīkataḥ) bleiben unsicher.]
samyaṅ ananta, uṅ gacchāya — ich verehre Kṛṣṇa, o Fürst der Weisen; 'tejāṃsi maṃsyate' (er wird die Energien erwägen), gaṅgā, 'hariś chettā' (Hari, der Durchtrenner), maraḥ śivaḥ.
Wort für Wort
samyaṅṅanantoṅgacchāyā
samyaṅ ananta, uṅ gacchāya
kṛṣṇaṃ vande munīśvara
ich verehre Kṛṣṇa, o Fürst der Weisen
tejāṃsi maṃsyate gaṅgā
tejāṃsi maṃsyate, gaṅgā
hariśchettā maraḥśivaḥ
hariś chettā, maraḥ śivaḥ
[Anm.: Weitere, teils unsichere Sandhi-Beispiele, u. a. zu Nasal- und Zischlaut-Verbindungen.]
rāma kāmyaḥ kṛpa pūjyo hariḥ pūjyor'cya eva hi / romo dṛṣṭo 'balā atra suptā iṣṭā imā yataḥ
'Rāma' ist begehrenswert, 'Kṛpa' verehrungswürdig, 'Hari' verehrungswürdig, zu verehren, fürwahr; 'romaḥ dṛṣṭaḥ' (das Haar wurde gesehen), 'abalāḥ atra suptāḥ' (die Frauen schlafen hier), 'iṣṭāḥ imāḥ yataḥ' (von wo diese geliebt sind).
Wort für Wort
rāma kāmyaḥ kṛpa pūjyo
Rāma ist begehrenswert, Kṛpa verehrungswürdig
hariḥ pūjyor'cya eva hi
Hari verehrungswürdig, zu verehren, fürwahr
romo dṛṣṭo 'balā atra
romaḥ dṛṣṭaḥ, abalāḥ atra
suptā iṣṭā imā yataḥ
suptāḥ, iṣṭāḥ imāḥ, yataḥ
[?: Verssinn als Kette von Beispielsätzen, insbesondere zur a-/ā-Assimilation, rekonstruiert.]
'Viṣṇuḥ nabhyaḥ', 'raviḥ ayam' (dies ist die Sonne), gīḥ phalam, 'prātar acyutaḥ' (am Morgen der Unwandelbare); 'bhaktaiḥ vadyaḥ api antarātmā' (von den Anhängern zu preisen auch die innere Seele); 'bho bho' (he, he!), 'eṣa hariḥ' (dies ist Hari), ebenso; 'eṣa śārṅgī' (dieser Bogenträger), 'sa eṣa rāmaḥ' (eben dieser ist Rāma) — so wird die Lautverbindung (saṃhitā) an Beispielen dargelegt.
Wort für Wort
viṣṇurnabhyo ravirayaṃ gī
Viṣṇuḥ nabhyaḥ, raviḥ ayam, gīḥ
phalaṃ prātaracyutaḥ
phalam, prātar acyutaḥ
bhaktairvadyo 'pyantarātmā
bhaktaiḥ vadyaḥ, api antarātmā
bho bho eṣa haristathā
bho bho, eṣa hariḥ, ebenso
eṣa śārṅgī saiṣa rāmaḥ
eṣa śārṅgī, sa eṣa rāmaḥ
saṃhitaivaṃ prakīrtitā
so wird die Lautverbindung dargelegt
[Anm.: Die eingefügte Klammer „)( “ im Quelltext ist ein OCR-Artefakt ohne erkennbaren Sinn und wurde nicht übersetzt. Mehrere Einzelbeispiele („nabhyaḥ“, „gīḥ phalam“) bleiben unsicher.]
rāmeṇābhihitaṃ karomi satataṃ rāmaṃ bhaje sāḍharam / rāmeṇāpahṛtaṃ samastaduritaṃ rāmāya tubhyaṃ namaḥ / rāmānmuktimabhīpsitā mama sadā rāmasya dāso 'smyaham / rāme rañjat me manaḥ suviśadaṃ he rāma tubhyaṃ namaḥ
Was durch Rāma verkündet ward, das tue ich; stets verehre ich Rāma mit Hingabe. Von Rāma wurde alles Unheil hinweggenommen; dir, Rāma, sei Verehrung! Aus Rāma erhofft meine (Seele) stets die Erlösung; ich bin der Diener Rāmas. In Rāma erfreut sich mein Gemüt, ganz lauter; o Rāma, dir sei Verehrung!
Wort für Wort
rāmeṇābhihitaṃ karomi
was durch Rāma verkündet ward, das tue ich
satataṃ rāmaṃ bhaje sāḍharam
stets verehre ich Rāma mit Hingabe
rāmeṇāpahṛtaṃ samastaduritaṃ
von Rāma wurde alles Unheil hinweggenommen
rāmāya tubhyaṃ namaḥ
dir, Rāma, sei Verehrung
rāmānmuktimabhīpsitā mama sadā
aus Rāma erhofft meine (Seele) stets die Erlösung
rāmasya dāso 'smyaham
ich bin der Diener Rāmas
rāme rañjat me manaḥ suviśadaṃ
in Rāma erfreut sich mein Gemüt, ganz lauter
he rāma tubhyaṃ namaḥ
o Rāma, dir sei Verehrung
[Anm.: Der Vers exemplifiziert – in Form eines andächtigen Lobpreises (stotra) – die acht Kasusformen (aṣṭau vibhaktayaḥ) am Beispiel des Namens Rāma: rāmeṇa (Instr.), rāmam (Akk., in 'rāmaṃ bhaje'), rāmeṇa (Instr.), rāmāya (Dat.), rāmāt (Abl.), rāmasya (Gen.), rāme (Lok.), he rāma (Vok.). „sāḍharam“ [?] bleibt unsicher.]
suśrīrbhānuḥ svayaṃbhūśca kartā rau gaustu nauriti / anaṅghāngodhugliṭ ca dve trayaścatvāra eva ca
'Suśrīḥ', 'bhānuḥ' (Sonne), 'svayaṃbhūḥ' (Selbstentstandener), 'kartā' — bei 'rai' (Reichtum), 'gauḥ' (Kuh) aber, 'nauḥ' (Schiff) — so; anaṅgha, 'godhuk' (Kuhmelker), 'liṭ' — zwei, drei und auch vier.
Wort für Wort
suśrīrbhānuḥ svayaṃbhūśca
suśrīḥ, bhānuḥ, svayaṃbhūḥ
kartā rau gaustu nauriti
kartā, bei 'rai', 'gauḥ' aber, 'nauḥ' — so
anaṅghāngodhugliṭ ca
anaṅgha, godhuk, liṭ
dve trayaścatvāra eva ca
zwei, drei und auch vier
[Anm.: Liste von Nominalstamm-Beispielen (u. a. auf -an, -o, -u endend) zur Illustration unregelmäßiger Deklinationsklassen; „anaṅgha“ nicht sicher aufgelöst.]
'Pratyañc' (nach Westen gewandt), 'pumān' (Mann), 'mahān' (groß), 'dhīmān' (klug), 'vidvān' (wissend) — sechs; pipaṭhīḥ und 'doḥ' (Arm); 'uśanā' (Uśanas), diese beiden im Maskulinum: 'rakta', lavi, rāmakāḥ.
Wort für Wort
pratyaṅ pumānmahān dhīmān
pratyañc, pumān, mahān, dhīmān
vidvānṣaṭ pipaṭhīśca doḥ
vidvān — sechs; pipaṭhīḥ und 'doḥ'
uśanāsāviṃme puṃsi
uśanā, diese beiden im Maskulinum
syāraktalavirāmakāḥ
'rakta', lavi, rāmakāḥ
[?: Mehrere Nominalstamm-Beispiele (pipaṭhīḥ, lavi, rāmakāḥ) nicht sicher aufgelöst; der Vers zählt vermutlich Beispiele für Stämme auf -an/-as im Maskulinum auf.]
[Anm.: Die Formenreihe „gavāk gavāṅ goak goṅgok goṅ“ ist offensichtlich schwer verderbt (vermutlich Kasusformen von 'go', Kuh, vor verschiedenen Anlauten); eine sichere Auflösung ist nicht möglich.]
dīvyaddhanuśca pipaṭhīḥ payo 'daḥsumumāṃsi ca / guṇadravya kriyāyogāṃsriliṅgāṃśca kati bruve
'Dīvyat' (spielend), 'dhanus' (Bogen) ebenso, pipaṭhīḥ, 'payaḥ' (Milch), 'adaḥ' (jenes), su, māṃsi — (Beispiele für) Eigenschaft, Substanz und Handlungsverbindung; wie viele der drei Genera soll ich nennen?
Wort für Wort
dīvyaddhanuśca pipaṭhīḥ
'dīvyat', 'dhanus' ebenso, pipaṭhīḥ
payo 'daḥsumumāṃsi ca
'payaḥ', 'adaḥ', su, māṃsi
guṇadravya kriyāyogāṃ
Beispiele für Eigenschaft, Substanz, Handlungsverbindung
sriliṅgāṃśca kati bruve
wie viele der drei Genera soll ich nennen
[?: Mehrere Einzelformen (pipaṭhīḥ, su, māṃsi) unsicher; Gesamtsinn als Ankündigung der folgenden Genus-Beispiele gedeutet.]
satyānāga, ebenso im Maskulinum 'mata' (Meinung), 'bhramara' (Biene), 'dīrghapāt' (Langfüßiger); dhanākṛ, somau und agarhastavi, grathāsvarṇan, 'bahu' (viel).
Wort für Wort
satyānāgyāstathā puṃso
satyānāga, ebenso im Maskulinum
matabhramaradīrghapāt
'mata', 'bhramara', 'dīrghapāt'
dhanākṛsomau cāgarhastavi
dhanākṛ, somau und agarhastavi
rgrathāsvarṇanbahū
grathāsvarṇan, 'bahu'
[Anm.: Dieser Vers ist besonders stark verderbt überliefert; eine verlässliche Auflösung der Einzelformen ist nicht möglich, sie werden daher literal wiedergegeben.]
rimapavviṣādvajātānaho tathā sarvaṃ viśvobhaye cobhau anyāntaretarāṇi ca
rima, pavvi, viṣād, vajāta, anaho ebenso; 'sarvam' (alles), 'viśvam' (All), 'ubhaye' (beide, Pl.), 'ca ubhau' (und beide, Du.), 'anya' (anderer), 'itaretara' (der eine wie der andere) — auch dies.
Wort für Wort
rimapavviṣādvajātānaho tathā
rima, pavvi, viṣād, vajāta, anaho, ebenso
sarvaṃ viśvobhaye cobhau
'sarvam', 'viśvam', 'ubhaye', 'ca ubhau'
anyāntaretarāṇi ca
'anya', 'itaretara' — auch dies
[Anm.: Erste Vershälfte stark verderbt und nicht sicher auflösbar; zweite Hälfte listet erkennbar Pronominalstämme (sarva, viśva, ubhaya, ubha, anya, itaretara).]
Und Taddhita(-Suffixe) in der Bedeutung 'Nachkomme von': 'Pāṇḍavāḥ' (Pāṇḍu-Söhne), Śraidharaḥ ebenso, 'Gārgyaḥ' (Nachkomme des Garga), 'Nāḍāyanaḥ', 'Ātreyaḥ' (Nachkomme des Atri), 'Gāṅgeyaḥ' (Sohn der Gaṅgā), 'Paitṛṣvasrīyaḥ' (Sohn der Vaterschwester).
Wort für Wort
taddhitāścāpyapatyārthe
und Taddhita-Suffixe in der Bedeutung 'Nachkomme von'
In der Bedeutung 'diese Gottheit betreffend': 'aidram' (Indra betreffend), 'brāhmam' (Brahmā betreffend), 'haviḥ' (Opferspende), 'bali' (Opfergabe); bei Verbindung mit einer Handlung, beim Objekt und Subjekt: dhairiyaḥ, ebenso 'kauṅkumam' (aus Safran bestehend).
Wort für Wort
devatārthe cedamarthe
in der Bedeutung 'diese Gottheit betreffend'
hyaidraṃ brāhmo havirbalī
'aidram', 'brāhmam', 'haviḥ', 'bali'
kriyāyujoḥ karmakartror
bei Verbindung mit einer Handlung, beim Objekt und Subjekt
In der Bedeutung 'entstanden aus' aber: 'kānīnaḥ' (vorehelich Geborener), 'kṣatriyaḥ' (Krieger), 'vaidikaḥ' (vedisch), 'svakaḥ' (eigen); in eigentlicher Bedeutung: 'cauraḥ' (Dieb) aber; in der Bedeutung 'gleichwie': 'candravat' (mondgleich) — 'er betrachtet das Gesicht'.
Wort für Wort
bhavādyarthe tu kānīnaḥ
in der Bedeutung 'entstanden aus' aber: 'kānīnaḥ'
kṣatriyo vaidikaḥ svakaḥ
'kṣatriyaḥ', 'vaidikaḥ', 'svakaḥ'
svārthe caurastu tulyārthe
in eigentlicher Bedeutung 'cauraḥ', in der Bedeutung 'gleichwie'
brāhmaṇatvaṃ brāhmaṇatā bhāve brāhmaṇyameva ca / gomāndhanī ca dhanavānastyarthe pramitau kiyān
'Brāhmaṇatvam', 'brāhmaṇatā', in der Bedeutung des abstrakten Zustands, ebenso 'brāhmaṇyam' (alle: Brahmanentum); 'gomān' (kuhbesitzend), 'dhanī' und 'dhanavān' (reich) in der Bedeutung 'besitzend'; bei Maßangabe: 'kiyān' (wie groß/viel).
Wort für Wort
brāhmaṇatvaṃ brāhmaṇatā
'Brāhmaṇatvam', 'brāhmaṇatā'
bhāve brāhmaṇyameva ca
in der Bedeutung des abstrakten Zustands, ebenso 'brāhmaṇyam'
gomāndhanī ca dhanavān
'gomān', 'dhanī' und 'dhanavān'
astyarthe pramitau kiyān
in der Bedeutung 'besitzend', bei Maßangabe 'kiyān'
jātārthe tundilaḥ śraddhāluraunnattye tu danturaḥ / sragvī tapasvī medhāvī māyāvyastyartha eva ca
In der Bedeutung 'von Natur aus (so)': 'tundilaḥ' (dickbäuchig), 'śraddhāluḥ' (gläubig); in der Bedeutung 'Erhabenheit' aber: 'danturaḥ' (mit vorstehenden Zähnen); 'sragvī' (bekränzt), 'tapasvī' (asketisch), 'medhāvī' (klug), 'māyāvī' (illusionskundig) — in der Bedeutung 'besitzend' ebenso.
Wort für Wort
jātārthe tundilaḥ śraddhālur
in der Bedeutung 'von Natur aus': 'tundilaḥ', 'śraddhāluḥ'
vācālaścaiva vācāṭo bahukutsitabhāṣiṇi / īṣadaparisamāptau kalpavdeśīya eva ca
'Vācālaḥ' und 'vācāṭaḥ' (geschwätzig) in der Bedeutung 'viel und tadelnswert redend'; in der Bedeutung 'ein wenig, nicht ganz vollendet': die Suffixe '-kalpa' und '-deśīya' ebenso.
Wort für Wort
vācālaścaiva vācāṭo
'Vācālaḥ' und 'vācāṭaḥ'
bahukutsitabhāṣiṇi
in der Bedeutung 'viel und tadelnswert redend'
īṣadaparisamāptau
in der Bedeutung 'ein wenig, nicht ganz vollendet'
'Vaidyarūpaḥ' (arztgleich) bei 'einst gewesen'; 'dṛṣṭacaraḥ' (schon einmal gesehen) gilt ebenso, o Weiser; bei Überfluss usw.: 'annamayaḥ' (aus Speise bestehend), 'mṛṇmayaḥ' (aus Ton), 'strīmayaḥ' (aus Frauen bestehend) ebenso.
In der Bedeutung 'von Natur aus': 'lajjitaḥ' (beschämt); in der Bedeutung 'sehr': 'śreyān' und 'śreṣṭhaḥ' (besser, best-), o Nārada, 'kṛṣṇataraḥ' (schwärzer), 'śuklatamaḥ' (am weißesten); was nun betrifft die Unveränderlichen (avyaya) hinsichtlich weiterer Benennung —
Wort für Wort
jātārthe lajjito 'tyarthe
in der Bedeutung 'von Natur aus': 'lajjitaḥ'; in der Bedeutung 'sehr'
śreyāñchreṣṭaśca nārada
'śreyān' und 'śreṣṭhaḥ', o Nārada
kṛṣṇataraḥ śuklatamaḥ
'kṛṣṇataraḥ', 'śuklatamaḥ'
kima ākhyānato 'vyayān
was nun die Unveränderlichen betrifft hinsichtlich weiterer Benennung
jānumātraṃ ca nirddhāre bahūnāṃ ca dvayoḥ kramāt / katamaḥ kataraḥ saṃkhyeyaviśeṣāvadhāraṇe
'Jānumātram' (nur knietief), und bei der Bestimmung unter vielen und unter zweien der Reihe nach: 'katamaḥ' (welcher von vielen) und 'kataraḥ' (welcher von zweien) — bei der Bestimmung eines aus mehreren Zählbaren.
'Viṃśaḥ' (zwanzigster) und ebenso 'viṃśatitamaḥ' (der zwanzigste), 'śatatama' (hundertster) und dergleichen; 'dvedhā', 'dvaidhā', 'dvidhā' (zweifach) — die Zahl in der Bedeutung 'Art', o Fürst der Weisen.
Bei der Wiederholung der Handlung: 'pañcakṛtvaḥ' (fünfmal), 'dvis' (zweimal), 'triḥ' (dreimal), 'bahuśaḥ' (vielmals) ebenso; 'dvitayam' (zweifach), 'tritayam' (dreifach) auch, bei der Zahl fürwahr 'dvayam' (Paar), 'trayam' (Dreiheit).
Wort für Wort
kriyāvṛttau pañcakṛtvo
bei der Wiederholung der Handlung: 'pañcakṛtvaḥ'
dvisrirbahuśa ityapi
'dvis', 'triḥ', 'bahuśaḥ' ebenso
dvitayaṃ tritapaṃ cāpi
'dvitayam', 'tritayam' auch
saṃkhyāyāṃ hi dvayaṃ trayam
bei der Zahl fürwahr 'dvayam', 'trayam'
[?: „tritapaṃ“ vermutlich Verschreibung für „tritayaṃ“.]
'Kuṭīraḥ' (Hütte) und śamīraḥ, śuṇḍāraḥ gelten in der Bedeutung 'klein/gering'; traiṇaḥ, pauṣṇaḥ, tuṇḍibhaḥ, 'vṛndārakaḥ' (vortrefflich) und 'kṛṣīvalaḥ' (Ackerbauer).
Wort für Wort
kuṭīraśca śamīraśca
'Kuṭīraḥ' und śamīraḥ
śuṇḍāro 'lpārthake mataḥ
śuṇḍāraḥ gilt in der Bedeutung 'klein/gering'
traiṇaḥ pauṣṇastuṇḍibhaśca
traiṇaḥ, pauṣṇaḥ, tuṇḍibhaḥ
vṛndārakakṛṣīvalau
'vṛndārakaḥ' und 'kṛṣīvalaḥ'
[Anm.: Vers listet vermutlich Wortbildungsbeispiele mit Verkleinerungs- bzw. Sonderbedeutung; mehrere Formen (śamīraḥ, śuṇḍāraḥ, traiṇaḥ, pauṣṇaḥ, tuṇḍibhaḥ) nicht sicher zu deuten.]
kambhaḥ, kamyuḥ, kambaḥ, o Nārada, ketiḥ, kantuḥ, 'kantaka' (Dorn) und 'kampa' (Zittern), śambaḥ ebenso; 'śāntaḥ' (befriedet), 'śāntiḥ' (Friede), śaṃya und aśantau, śaṃyoḥ, haṃyuḥ, śubhaṃyuvat.
Wort für Wort
kaṃbhaśca kaṃyuḥ kaṃvaśca
kambhaḥ, kamyuḥ, kambaḥ
nāradaketiḥ kantuḥ
o Nārada, ketiḥ, kantuḥ
kantakaṃpau śaṃvastathaiva ca
'kantaka' und 'kampa', śambaḥ ebenso
śantaḥ śantiḥ śaṃyaśantau
'śāntaḥ', 'śāntiḥ', śaṃya und aśantau
śaṃyohaṃyuḥ śubhaṃyuvat
śaṃyoḥ, haṃyuḥ, śubhaṃyuvat
[Anm.: Vers listet offenbar Ableitungen von der Silbe „śam“ (Friede, Wohlergehen); zahlreiche Einzelformen sind stark verderbt und nicht sicher aufzulösen.]
acorayañcorayeccoryāt acūcuradacoriṣyadityevaṃ daśa vai gaṇāḥ / prayojake bhāvayati sanīcchāyāṃ bubhūṣati / kriyāsamabhihāre tu paṇḍito bobhūyate mune
'Acorayat' (er stahl), 'corayet' (er möge stehlen), coryāt, 'acūcurat' (er stahl, Aorist), 'acoriṣyat' (er würde stehlen) — so (Formen von 'cur', stehlen). So sind es fürwahr zehn (Verbal-)Klassen (gaṇa). Im Kausativ: 'bhāvayati' (er lässt sein); im Desiderativ, in der Bedeutung 'wünschen': 'bubhūṣati' (er wünscht zu sein); beim Intensiv aber: 'der Kluge' — 'bobhūyate', o Weiser.
Wort für Wort
acorayañcorayeccoryāt
'acorayat', 'corayet', coryāt
acūcuradacoriṣyadityevaṃ daśa vai gaṇāḥ
'acūcurat', 'acoriṣyat' — so sind es fürwahr zehn Klassen
prayojake bhāvayati sanīcchāyāṃ bubhūṣati
im Kausativ 'bhāvayati', im Desiderativ 'bubhūṣati'
kriyāsamabhihāre tu paṇḍito bobhūyate mune
beim Intensiv aber: 'der Kluge' — 'bobhūyate', o Weiser
Ebenso wird beim 'Yaṅluk' (verkürzten Intensiv) auch 'bobhavīti' gelehrt; 'putrīyati' (er wünscht sich einen Sohn) — so bei 'für sich selbst wünschen' (Ātmanepada-Desiderativ), ebenso beim (Nominal-)Verhalten ('sich wie X benehmen'), o Nārada; bei einer Wurzel mit unbetontem Stummlaut ñ oder ṅ (steht das Ātmanepada), ebenso beim Tausch der Handlung (Reziprozität).
Wort für Wort
tathā yaṅluki bobhavīti ca paṭhyate
ebenso wird beim Yaṅluk auch 'bobhavīti' gelehrt
putrīyatītyātmanīcchāyāṃ tathācāre 'pi nārada
'putrīyati' — beim Für-sich-selbst-Wünschen, ebenso beim Verhalten, o Nārada
anudāttañito dhātoḥ kriyāvinimaye tathā
bei einer Wurzel mit unbetontem ñ/ṅ, ebenso beim Tausch der Handlung
Ebenso bei Wurzeln wie 'ni-viś' usw., o Brahmane, erkenne das Ātmanepada; das Parasmaipada wird von den Grammatikern für die übrigen Wurzeln, beim (aktiven) Handelnden, gelehrt.
Wort für Wort
niviśādestathā vipra
ebenso bei Wurzeln wie 'ni-viś' usw., o Brahmane
vijānīhyātmanepadam
erkenne das Ātmanepada
parasmaipadamākhyātaṃ
das Parasmaipada wird gelehrt
śeṣātkartāri śābdikaiḥ
für die übrigen (Wurzeln), beim Handelnden, von den Grammatikern
Bei einer Wurzel mit dem Stummlaut ñ oder mit Akutakzent (svarita) stehen beide Diathesen (Ubhayapada); und 'ya' (Passiv-Suffix) steht beim unpersönlichen Passiv (bhāva) und beim Passiv des Objekts (karman); und um eine Erleichterung der Handlung oder eine Steigerung anzuzeigen, o Weiser —
Wort für Wort
ñitsvaritetaśca ubhe
bei einer Wurzel mit ñ oder svarita stehen beide (Diathesen)
— wird die Tätigkeit des Handelnden im (grammatischen) Beispiel nicht eigens zum Ausdruck gebracht; dann erlangen die anderen (Kāraka) den Status des Subjekts, siehe: 'der Reisbrei kocht von selbst'.
Wort für Wort
vivakṣyate na vyāpāro
wird die Tätigkeit nicht (eigens) zum Ausdruck gebracht
lakṣye kartustadāpare
im Beispiel des Handelnden, dann die anderen (Kāraka)
'Gut schneidet das Beil' — ebenso 'der Topf kocht' fürwahr, o Weiser. Von einer transitiven Wurzel kommen im unpersönlichen und im Objekt-Gebrauch die l-Suffixe (Personalendungen) ebenso vor.
Wort für Wort
sādhu vāsiśchinattyevaṃ
'gut schneidet das Beil' — ebenso
sthālī pacati vai mune
'der Topf kocht' fürwahr, o Weiser
dhātoḥ sakarmakādbhāve
von einer transitiven Wurzel im unpersönlichen Gebrauch
Für diese (Wurzel), oder bei einer intransitiven, o Brahmane, wird (das Suffix) im unpersönlichen Gebrauch, doch (grammatisch) beim Handelnden stehend, genannt; wenn Wirkung (phala) und Tätigkeit (vyāpāra) in einem einzigen Träger zusammenfallen, ist die Wurzel intransitiv (akarmaka).
Wort für Wort
tasmai vākarmakādvipra
für diese, oder bei einer intransitiven, o Brahmane
bhāve kartari kīrtitaḥ
wird es im unpersönlichen Gebrauch, beim Handelnden stehend, genannt
phalavyāparayorekaniṣṭatāyām
wenn Wirkung und Tätigkeit in einem einzigen Träger zusammenfallen
Fallen diese beiden aber auf verschiedene Träger, wird die Wurzel als transitiv (sakarmaka) bezeichnet; beim untergeordneten Objekt bei Wurzeln wie 'druh' usw., beim Hauptobjekt bei Wurzeln wie 'nī', 'hṛ', 'kṛṣ', 'vah'.
Wort für Wort
dhātustayorddharmibhede
fallen diese beiden aber auf verschiedene Träger
sakarmaka udāhṛtaḥ
wird die Wurzel als transitiv bezeichnet
gauṇe karmaṇi druhyādeḥ
beim untergeordneten Objekt bei Wurzeln wie 'druh' usw.
Bei Wurzeln mit der Bedeutung 'verstehen', 'essen' und 'sprechen', die bereits ein Objekt haben, steht nach eigenem Belieben auch das veranlasste Objekt (bei Kausativbildung); bei den übrigen, mit ṇic (Kausativsuffix) gebildeten Wurzeln, gelten die l-Endungen regulär beim Objekt.
Wort für Wort
buddhibhakṣārthayoḥ śabdakarmakāṇāṃ
bei Wurzeln der Bedeutung 'verstehen', 'essen', 'sprechen', mit Objekt
nijecchayā
nach eigenem Belieben
prayojya karmaṇyanyeṣāṃ
steht auch das veranlasste Objekt; bei den übrigen
ṇyantānāṃ lādayo matāḥ
mit ṇic gebildeten gelten die l-Endungen beim Objekt
phalavyāpārayorddhāturāśraye tu tiṅaḥ smṛtāḥ / phale pradhānaṃ vyāpārastirṅthastu viśeṣaṇam
Von Wirkung und Tätigkeit einer Wurzel gelten die tiṅ-Endungen aber als auf deren Grundlage bezogen; bei der Wirkung steht das Hauptelement, die Tätigkeit hingegen ist nur das nähere Bestimmungsmerkmal.
Wort für Wort
phalavyāparayorddhāturāśraye tu tiṅaḥ smṛtāḥ
von Wirkung und Tätigkeit der Wurzel gelten die tiṅ-Endungen als auf deren Grundlage bezogen
phale pradhānaṃ vyāpāras
bei der Wirkung steht das Hauptelement
tirṅthastu viśeṣaṇam
die Tätigkeit hingegen ist nur das Bestimmungsmerkmal
'Edhitavyam', 'edhanīyam' ('es ist zu gedeihen') — dies ist ein Beispiel für das Kṛtya (Verbaladjektiv der Notwendigkeit); die Kṛtya-Bildungen stehen im unpersönlichen und im Objekt-Gebrauch, die Kṛt-Bildungen (z. B. Partizipien) werden beim Handelnden genannt.
Wort für Wort
edhitavyamedhanīyamiti kṛtye nidarśanam
'edhitavyam', 'edhanīyam' — dies ist ein Beispiel für das Kṛtya
bhāve karmaṇi kṛtyāḥ syuḥ
die Kṛtya-Bildungen stehen im unpersönlichen und im Objekt-Gebrauch
'Kartā', 'kāraka' und dergleichen (sind Beispiele für Kṛt-Bildungen); in der Vergangenheit wird 'bhūta' usw. (als Partizip) genannt; bei Wurzeln wie 'gam' usw. wird das entsprechende Partizip für das Vergangene angezeigt, das Übrige gilt als Partizip der nicht-heutigen (Zeit, allgemein).
Wort für Wort
kartā kāraka ityādyā
'Kartā', 'kāraka' und dergleichen
bhūte bhūtādi kīrtitam
in der Vergangenheit wird 'bhūta' usw. genannt
gamyādigamye nirdiṣṭaṃ
bei Wurzeln wie 'gam' usw. wird (es) für das Vergangene angezeigt
śeṣamadyatane matam
das Übrige gilt als (Partizip) der nicht-heutigen Zeit
[?: Verssinn stark verdichtet; sinngemäß auf Partizipialbildungen bezogen.]
adhisrītyavyayībhāve yathāśakti ca kīrtitam / rāmāśritastatpuruṣe dhānyārtho yūpadāru ca
'Adhi-śrī' (als Beispiel) für den Avyayībhāva(-Kompositum), 'nach Vermögen' (yathāśakti) wird ebenso genannt; 'Rāmāśritaḥ' (der zu Rāma Geflüchtete, Beispiel für den) Tatpuruṣa; ein Kompositum mit der Bedeutung 'Getreide' (als Beispiel), 'yūpadāru' (Opferpfahlholz, ebenso) —
Wort für Wort
adhisrītyavyayībhāve
'adhi-śrī' als Beispiel für den Avyayībhāva
yathāśakti ca kīrtitam
'nach Vermögen' wird ebenso genannt
rāmāśritastatpuruṣe
'Rāmāśritaḥ' beim Tatpuruṣa
dhānyārtho yūpadāru ca
ein Kompositum mit der Bedeutung 'Getreide', 'yūpadāru'
vyāghrabhī rājapuruṣo 'kṣaśaiṇḍo dvigurucyate / pañcagavaṃ daśagrāmī triphaleti tu rūḍhitaḥ
'Vyāghrabhīḥ' (Tigerfurcht, Beispiel für den Tatpuruṣa), 'rājapuruṣaḥ' (Königsmann), akṣaśaiṇḍaḥ — dies wird Dvigu (Kompositum mit Zahlwort) genannt; 'pañcagavam' (Fünfergruppe von Rindern), 'daśagrāmī' (Zehnergruppe von Dörfern), 'triphalā' (Dreifruchtmischung) aber (als Beispiele) durch feste Konvention (rūḍhi).
'Nīlotpalam' (blaue Lotusblume), 'mahāṣaṣṭhī' (die große Sechste, ein Fest) — Beispiele für den Karmadhāraya-Kompositum in gleichbedeutendem Verhältnis; 'abrāhmaṇaḥ' (Nicht-Brahmane) wird nicht durch das Suffix ñi gebildet; 'kumbhakāraḥ' (Töpfer) und dergleichen sind Beispiele für den Kṛt(-Bildungstyp).
Wort für Wort
nīlotpalaṃ mahāṣaṣṭī
'Nīlotpalam', 'mahāṣaṣṭhī'
tulyārthe karmadhārayaḥ
Beispiele für den Karmadhāraya in gleichbedeutendem Verhältnis
abrāhmaṇo na ñi proktaḥ
'abrāhmaṇaḥ' wird nicht durch ñi gebildet
kuṃbhakārādikaḥ kṛtā
'kumbhakāraḥ' und dergleichen sind Beispiele für den Kṛt-Typ
In (auf etwas) anderes bezogener Bedeutung aber, beim Bahuvrīhi-Kompositum: 'ein Dorf, das Wasser erreicht hat', o Zweifachgeborener; 'pañcagu' (fünf Rinder besitzend), 'rūpavadbhāryaḥ' (eine schöne Ehefrau besitzend), madhyāhnaḥ, 'sasuta' (mit Sohn) und dergleichen.
Wort für Wort
anyārthe tu bahuvrīhau
in anderer Bedeutung aber beim Bahuvrīhi
grāmaḥ prāptodako dvija
'ein Dorf, das Wasser erreicht hat', o Zweifachgeborener
pañcagū rūpavadbhāryo
'pañcagu', 'rūpavadbhāryaḥ'
madhyāhnaḥ sasutādikaḥ
madhyāhnaḥ, 'sasuta' und dergleichen
[?: „madhyāhnaḥ“ als Bahuvrīhi-Beispiel unklar (wörtlich 'Mittag'); evtl. Textverderbnis.]
Bei der bloßen Aufzählung (samuccaya): 'verehre den Lehrer und den Herrn'; bei der Nachordnung (anvācaya) steht 'ca' bei beiden der Reihe nach; 'bringe das Almosen und auch die Kuh' — ein einziger Satz sei es bei diesen beiden.
Wort für Wort
samuccaye guruṃ ceśaṃ
bei der Aufzählung: 'verehre den Lehrer und den Herrn'
Bei der wechselseitigen Verbindung (itaretarayoga) aber: 'Rāmakṛṣṇau' (Rāma-und-Kṛṣṇa, Dvandva-Kompositum); bei zusammengefasster Verbindung (samāhāra): 'Rāmakṛṣṇam' (als Neutrum Singular), o Zweifachgeborener; das Brahman aber, obgleich zweifach, wird als das Eine Einzige verehrt.
Wort für Wort
itaretarayoge tu rāmakṛṣṇau samāhṛtau
bei der wechselseitigen Verbindung: 'Rāmakṛṣṇau'
rāmakṛṣṇaṃ dvija dvai dvai
'Rāmakṛṣṇam', o Zweifachgeborener, obgleich zweifach
brahma caikamupāsyate
wird das Brahman als das Eine Einzige verehrt
[?: „dvai dvai“ unsicher, evtl. „dvayor api“ (obgleich beider) gedeutet; die Schlusszeile ist möglicherweise eine abschließende Sentenz statt eines grammatischen Beispiels.]