Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 41: jagadutpattivarṇanam Die Schilderung der Entstehung der Welt

śrīnārada uvāca / kutaḥ sṛṣṭamidaṃ brahmañjagatsthāvarajaṅgamam / pralaye ca kamabhyeti tanme brūhi sanandana

Der ehrwürdige Nārada sprach: Woher, o Brahmane, ist diese Welt der beweglichen und unbeweglichen Dinge erschaffen? Und wohin geht sie bei der Weltauflösung (Pralaya) ein? Das sage mir, Sanandana.

Wort für Wort
śrīnārada uvāca
Der ehrwürdige Nārada sprach
kutaḥ sṛṣṭamidaṃ brahman
woher, o Brahmane, ist dies erschaffen
jagatsthāvarajaṅgamam
die Welt der unbeweglichen und beweglichen Dinge
pralaye ca kamabhyeti
und wohin geht sie bei der Weltauflösung ein
tanme brūhi sanandana
das sage mir, Sanandana

[Anm.: Im Quelltext geht der eigentlichen Rede des Nārada unmittelbar die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde nāmamahātmyannāma ekacatvāriṃśo 'dhyāyaḥ“ voraus – offenbar der versehentlich hierher verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (41.) Kapitels („Die Größe des (Gottes-)Namens“). Sie wurde nicht in den Vers-Text (sa) aufgenommen, da sie erkennbar keinen Bestandteil von V.1 bildet. Mit diesem Vers beginnt zugleich der zweite Pāda: Die Rahmenerzählung setzt sich zunächst mit Nārada und Sanandana fort (wie in den vorigen Kapiteln), doch ab V.5 berichtet Sanandana dem Nārada als „itihāsa“ die Geschichte des Zwiegesprächs zwischen Bhṛgu und Bharadvāja (ab V.6/7), sodass eine dreifache Rahmung entsteht: Sanandana erzählt Nārada, wie einst Bhṛgu dem Bharadvāja lehrte.]

sasāgaraḥ sagaganaḥ saśailaḥ sabalāhakaḥ / sabhūmiḥ sāgnipavano loko 'yaṃ kena nirmitaḥ

Diese Welt mit ihren Ozeanen, mit dem Himmel, mit den Bergen, mit den Wolken, mit der Erde, mit Feuer und Wind – von wem wurde sie gebildet?

Wort für Wort
sasāgaraḥ sagaganaḥ
mit ihren Ozeanen, mit dem Himmel
saśailaḥ sabalāhakaḥ
mit den Bergen, mit den Wolken
sabhūmiḥ sāgnipavanaḥ
mit der Erde, mit Feuer und Wind
loko 'yaṃ kena nirmitaḥ
von wem wurde diese Welt gebildet

kathaṃ sṛṣṭāni bhūtāni kathaṃ varṇavibhaktayaḥ / śaucāśaucaṃ kathaṃ teṣāṃ dharmādharmavidhiḥ katham

Wie wurden die Wesen erschaffen, wie die Einteilung der Stände (Varṇas)? Wie ist deren Reinheit und Unreinheit, wie die Ordnung von Dharma und Adharma?

Wort für Wort
kathaṃ sṛṣṭāni bhūtāni
wie wurden die Wesen erschaffen
kathaṃ varṇavibhaktayaḥ
wie die Einteilung der Stände
śaucāśaucaṃ kathaṃ teṣāṃ
wie ist deren Reinheit und Unreinheit
dharmādharmavidhiḥ katham
wie die Ordnung von Recht und Unrecht

kīdṛśo jīvatāṃ jīvaḥ kva vā gacchanti ye mṛtāḥ / asmāllokādamuṃ lokaṃ sarvaṃ śaṃsatu me bhavān

Von welcher Art ist die Seele (Jīva) der Lebenden? Und wohin gehen die Verstorbenen von dieser Welt in jene Welt? Das alles möge Euer Ehrwürden mir verkünden.

Wort für Wort
kīdṛśo jīvatāṃ jīvaḥ
von welcher Art ist die Seele der Lebenden
kva vā gacchanti ye mṛtāḥ
und wohin gehen die, die gestorben sind
asmāllokādamuṃ lokaṃ
von dieser Welt in jene Welt
sarvaṃ śaṃsatu me bhavān
das alles möge Euer Ehrwürden mir verkünden

sanandana uvāca / śṛṇu nārada vakṣyāmi cetihāsaṃ purātanam / bhṛguṇābhihitaṃ śāstraṃ bharadvājāya pṛcchate

Sanandana sprach: Höre, Nārada, ich will dir eine uralte Geschichte (Itihāsa) erzählen – die Lehre (Śāstra), die Bhṛgu dem fragenden Bharadvāja verkündet hat.

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich will verkünden
ca itihāsaṃ purātanam
und eine uralte Geschichte
bhṛguṇābhihitaṃ śāstraṃ
die von Bhṛgu verkündete Lehre
bharadvājāya pṛcchate
dem fragenden Bharadvāja

kailāsaśikhare dṛṣṭvā dīpyamānaṃ mahaujasam / bhṛgumaharṣimāsīnaṃ bharadvājo 'nvapṛcchata

Als er auf dem Gipfel des Kailāsa den großen Seher Bhṛgu sitzen sah, der von großer Macht erstrahlte, befragte ihn Bharadvāja.

Wort für Wort
kailāsaśikhare dṛṣṭvā
als er auf dem Gipfel des Kailāsa sah
dīpyamānaṃ mahaujasam
den von großer Macht Erstrahlenden
bhṛgumaharṣimāsīnaṃ
den sitzenden großen Seher Bhṛgu
bharadvājo 'nvapṛcchata
befragte ihn Bharadvāja

bharadvāja uvāca / kathaṃ jīvo vicarati nānāyoniṣu saṃtatam / kathaṃ muktiśca saṃsārājjāyate tasya mānada

Bharadvāja sprach: Wie wandert die Seele (Jīva) unaufhörlich in den mannigfachen Mutterschößen (Geburten) umher? Und wie kommt für sie die Befreiung (Mukti) aus dem Weltkreislauf (Saṃsāra) zustande, o du Ehrenspender?

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
kathaṃ jīvo vicarati
wie wandert die Seele umher
nānāyoniṣu saṃtatam
unaufhörlich in mannigfachen Mutterschößen
kathaṃ muktiśca saṃsārāt
und wie die Befreiung aus dem Weltkreislauf
jāyate tasya mānada
kommt für sie zustande, o Ehrenspender

yaśca nārāyaṇaḥ sraṣṭā svayaṃbhūrbhagavansvayam / sevyasevakabhāvena vartete iti tau sadā

Und der Nārāyaṇa, welcher der Schöpfer, der Erhabene, der Selbstexistente (Svayambhū) selbst ist – wie stehen dieser und (die Seele) allezeit im Verhältnis von Herrn und Diener zueinander?

Wort für Wort
yaśca nārāyaṇaḥ sraṣṭā
und der Nārāyaṇa, der Schöpfer
svayaṃbhūrbhagavansvayam
der Erhabene, der Selbstexistente selbst
sevyasevakabhāvena
im Verhältnis von zu Dienendem und Diener
vartete iti tau sadā
so stehen die beiden allezeit

praviśanti laye sarve yamīśaṃ sacarācarāḥ / lokānāṃ ramaṇaḥ so 'yaṃ nirguṇaśca nirañjanaḥ

In welchen Herrn (Īśa) gehen bei der Weltauflösung alle beweglichen und unbeweglichen Wesen ein – er, der der Beglücker der Welten, eigenschaftslos (nirguṇa) und makellos (nirañjana) ist?

Wort für Wort
praviśanti laye sarve
bei der Weltauflösung gehen alle ein
yamīśaṃ sacarācarāḥ
in welchen Herrn, die beweglichen und unbeweglichen (Wesen)
lokānāṃ ramaṇaḥ so 'yaṃ
er, der Beglücker der Welten
nirguṇaśca nirañjanaḥ
eigenschaftslos und makellos

[Anm.: Der Vers schließt syntaktisch an V.8 an und bildet mit ihm eine zusammenhängende Frage.]

anīrdaśyo 'pratarkyaśca kathaṃ jñāyeta kairmune / kathamenaṃ parātmānaṃ kālaśaktiduranvayam

Wie kann er, der Unbeschreibliche und Unausdenkbare, erkannt werden, und von wem, o Weiser? Wie (kann man) diesen höchsten Geist (erkennen), der mit der Macht der Zeit nur schwer zu erfassen ist?

Wort für Wort
anīrdaśyo 'pratarkyaśca
der Unbeschreibliche und Unausdenkbare
kathaṃ jñāyeta kairmune
wie könnte er erkannt werden, und von wem, o Weiser
kathamenaṃ parātmānaṃ
wie diesen höchsten Geist
kālaśaktiduranvayam
der mit der Macht der Zeit schwer zu erfassen ist

atarkyacaritaṃ vedāḥ stuvanti kathamādarāt / jīvo jīvatvamullaṅghya kathaṃ brahma samanvayāt

Wie preisen die Veden mit Ehrfurcht ihn, dessen Wirken jenseits des Denkens liegt? Wie gelangt die Seele, indem sie ihr Seelesein überschreitet, zur Vereinigung mit dem Brahman?

Wort für Wort
atarkyacaritaṃ vedāḥ
ihn, dessen Wirken undenkbar ist, die Veden
stuvanti kathamādarāt
wie preisen sie mit Ehrfurcht
jīvo jīvatvamullaṅghya
die Seele, ihr Seelesein überschreitend
kathaṃ brahma samanvayāt
wie zur Vereinigung mit dem Brahman

etadicchāmyahaṃ śrotuṃ tanme brūhi kṛpānirgha / evaṃ sa bhagavānpṛṣṭo bharadvājena saṃśayam

Dies möchte ich hören; das verkünde mir, o Schatz des Erbarmens [?]. So wurde jener Erhabene von Bharadvāja über seinen Zweifel befragt.

Wort für Wort
etadicchāmyahaṃ śrotuṃ
dies möchte ich hören
tanme brūhi kṛpānirgha
das sage mir, o Erbarmensreicher [?]
evaṃ sa bhagavānpṛṣṭo
so wurde jener Erhabene befragt
bharadvājena saṃśayam
von Bharadvāja über den Zweifel

[?] („kṛpānirgha“ ist im Text unklar/verderbt – vermutlich verschrieben aus einer Anrede wie „kṛpānidhe“, „o Schatz des Erbarmens“, so hier wiedergegeben.)

maharṣirbrahmasaṃkāśaḥ sarvaṃ tasmai tato 'bravīt / bhṛguruvāca / mānaso nāma yaḥ pūrvo viśruto ve maharṣibhiḥ

Der große Seher, dem Brahman gleich an Glanz, sprach ihm daraufhin alles aus. Bhṛgu sprach: Es gibt den, der „Mānasa“ (der Geistgeborene) genannt wird, den Ersten, der unter den großen Sehern wahrhaftig bekannt ist.

Wort für Wort
maharṣirbrahmasaṃkāśaḥ
der große Seher, dem Brahman gleich
sarvaṃ tasmai tato 'bravīt
sprach ihm daraufhin alles aus
bhṛguruvāca
Bhṛgu sprach
mānaso nāma yaḥ pūrvo
der ‘Mānasa’ genannte, der Erste
viśruto ve maharṣibhiḥ
wahrhaftig bekannt bei den großen Sehern

anādinidhano devastathā tebhyo 'jarāmaraḥ / avyakta iti vikhyātaḥ śāśvato 'thākṣayo 'vyayaḥ

Jener Gott, ohne Anfang und Ende, ebenso ihnen gegenüber alterslos und unsterblich, ist als „der Unmanifeste“ (Avyakta) bekannt, ewig, unvergänglich und unwandelbar.

Wort für Wort
anādinidhano devaḥ
der Gott ohne Anfang und Ende
tathā tebhyo 'jarāmaraḥ
ebenso, ihnen gegenüber, alterslos und unsterblich
avyakta iti vikhyātaḥ
als ‘der Unmanifeste’ bekannt
śāśvato 'thākṣayo 'vyayaḥ
ewig, unvergänglich und unwandelbar

yataḥ sṛṣṭāni bhūtāni jāyante ca mriyanti ca / so 'mṛjatprathamaṃ devo mahāntaṃ nāma nāmataḥ

Er, aus dem die erschaffenen Wesen geboren werden und sterben, jener Gott schuf [?] zuerst das, was mit dem Namen „Mahat“ (das Große) benannt wird.

Wort für Wort
yataḥ sṛṣṭāni bhūtāni
aus dem die erschaffenen Wesen
jāyante ca mriyanti ca
geboren werden und sterben
so 'mṛjatprathamaṃ devo
jener Gott schuf zuerst [?]
mahāntaṃ nāma nāmataḥ
das mit Namen ‘Mahat’ Benannte

[?] („amṛjat“ ist grammatisch auffällig; vermutlich verschrieben aus „asṛjat“, „er schuf“, so hier übersetzt.)

ākāśamiti vikhyātaṃ sarvabhūtadharaḥ prabhuḥ / ākāśādabhavadvāri salilādagnimārutau

Es ist als „Ākāśa“ (Raum/Äther) bekannt, der Herr, der aller Wesen Träger ist. Aus dem Äther entstand das Wasser, aus dem Wasser Feuer und Wind.

Wort für Wort
ākāśamiti vikhyātaṃ
als ‘Äther’ bekannt
sarvabhūtadharaḥ prabhuḥ
der Herr, der Träger aller Wesen
ākāśādabhavadvāri
aus dem Äther entstand das Wasser
salilādagnimārutau
aus dem Wasser Feuer und Wind

agnimārutasaṃyogāttataḥ samabhavanmahī / tatastejo mayaṃ divyaṃ padmaṃ sṛṣṭaṃ svayaṃbhuvā

Aus der Verbindung von Feuer und Wind entstand danach die Erde. Danach wurde von dem Selbstexistenten (Svayambhū) eine göttliche, aus Glanz (Tejas) bestehende Lotosblume geschaffen.

Wort für Wort
agnimārutasaṃyogāttataḥ
aus der Verbindung von Feuer und Wind danach
samabhavanmahī
entstand die Erde
tatastejo mayaṃ divyaṃ
danach eine göttliche, aus Glanz bestehende
padmaṃ sṛṣṭaṃ svayaṃbhuvā
Lotosblume, geschaffen von dem Selbstexistenten

tasmātpadmātsamabhavadvrahmā vedamayo vidhiḥ / ahṝṅkāra iti khyātaḥ sarvabhūtātmabhūtakṛt

Aus jener Lotosblume entstand Brahmā, der aus den Veden bestehende Ordner (Vidhi), bekannt als „Ahaṃkāra“ [?] (das Ich-Prinzip), der Schöpfer, der zum Selbst aller Wesen wird.

Wort für Wort
tasmātpadmātsamabhavad
aus jener Lotosblume entstand
vrahmā vedamayo vidhiḥ
Brahmā, der aus den Veden bestehende Ordner
ahṝṅkāra iti khyātaḥ
als ‘Ahaṃkāra’ bekannt [?]
sarvabhūtātmabhūtakṛt
der Schöpfer, der zum Selbst aller Wesen wird

[?] („ahṝṅkāra“ ist die im Quelltext gegebene, offenkundig verschriebene Schreibung für „ahaṃkāra“; die Schreibweise wird im „sa“-Feld unverändert belassen.)

brahmā vai sa mahātejā ya ete pañca dhātavaḥ / śailāstasyāsthisaṃdhāstu medo masiṃ ca medinī

Jener Brahmā ist fürwahr von großem Glanz, [und ihm gehören] diese fünf Elemente: Die Berge sind seine Knochengelenke, Fett und Fleisch [?] aber ist die Erde.

Wort für Wort
brahmā vai sa mahātejā
jener Brahmā ist fürwahr von großem Glanz
ya ete pañca dhātavaḥ
dem diese fünf Elemente (gehören)
śailāstasyāsthisaṃdhāstu
die Berge sind seine Knochengelenke
medo masiṃ ca medinī
Fett und Fleisch [?] aber ist die Erde

[?] („medo masiṃ ca medinī“ ist grammatisch und lexikalisch unklar/verderbt; vermutlich ist „medo māṃsaṃ ca medinī“ – „Fett und Fleisch aber ist die Erde“ – gemeint, so hier übersetzt.)

samudrāstasya rudhiramākāśamudaraṃ tathā / pavanaścaiva niśvāsastejo 'gnirnimnagāḥ śirāḥ

Die Ozeane sind sein Blut, der Äther ebenso sein Bauch; der Wind ist sein Atem, sein Glanz das Feuer, die (ins Tal) fließenden Flüsse seine Adern.

Wort für Wort
samudrāstasya rudhiram
die Ozeane sind sein Blut
ākāśamudaraṃ tathā
und ebenso der Äther sein Bauch
pavanaścaiva niśvāsaḥ
und der Wind ist sein Atem
tejo 'gnirnimnagāḥ śirāḥ
sein Glanz das Feuer, die abwärts fließenden (Flüsse) seine Adern

agnīṣomau ca candrākārai nayane tasya viśrute / nabhaścordhvaśirastasya kṣitiḥ padau bhujau diśaḥ

Agni und Soma, Mond und Sonne [?], sind, wie bekannt, seine beiden Augen; der Himmel ist sein oberes Haupt, die Erde seine Füße, seine Arme die Himmelsrichtungen.

Wort für Wort
agnīṣomau ca candrākārai
Agni und Soma, Mond und Sonne [?]
nayane tasya viśrute
sind bekanntlich seine beiden Augen
nabhaścordhvaśirastasya
der Himmel ist sein oberes Haupt
kṣitiḥ padau bhujau diśaḥ
die Erde seine Füße, seine Arme die Himmelsrichtungen

[?] („candrākārai“ ist unklar; vermutlich verschrieben aus „candrārkau“, „Mond und Sonne“, worauf sich die Übersetzung stützt.)

durvijñeyo hyacintyātmā siddhairapi na saṃśayaḥ / sa eṣa bhagavānviṣṇurananta iti viśrutaḥ

Er ist schwer zu erkennen, sein Wesen unausdenklich – auch für die Siddhas, ohne Zweifel. Er, das ist eben der Erhabene Viṣṇu, bekannt als „Ananta“ (der Endlose).

Wort für Wort
durvijñeyo hyacintyātmā
schwer zu erkennen, sein Wesen unausdenklich
siddhairapi na saṃśayaḥ
auch für die Siddhas, ohne Zweifel
sa eṣa bhagavānviṣṇuḥ
er, das ist der Erhabene Viṣṇu
ananta iti viśrutaḥ
bekannt als ‘der Endlose’

sarvabhūtātmabhūtastho durvijñeyo 'kṛtātmabhiḥ / ahṝṅkārasya yaḥ sraṣṭā sarvabhūtabhaghavāyavai / tataḥ samabhavadviśvaṃ pṛṣṭo 'haṃ yadiha tvayā

Er, der als das Selbst aller Wesen in ihnen weilt, ist schwer zu erkennen für die, deren Selbst nicht geläutert ist; er, der Schöpfer des Ahaṃkāra, der wahrlich der Herr aller Wesen [?] ist – aus ihm entstand danach das Weltall. Das ist es, wonach du mich hier gefragt hast.

Wort für Wort
sarvabhūtātmabhūtastho
der als Selbst in allen Wesen weilt
durvijñeyo 'kṛtātmabhiḥ
schwer zu erkennen für die Ungeläuterten
ahṝṅkārasya yaḥ sraṣṭā
er, der Schöpfer des Ahaṃkāra
sarvabhūtabhaghavāyavai
der wahrlich der Herr aller Wesen ist [?]
tataḥ samabhavadviśvaṃ
aus ihm entstand danach das Weltall
pṛṣṭo 'haṃ yadiha tvayā
das ist, wonach du mich hier gefragt hast

[Anm.: Der Vers besteht im Quelltext aus drei Pādas (Halbversen) statt der üblichen zwei Zeilen (vier Pādas) – vermutlich Textstörung/Auslassung. – [?] „sarvabhūtabhaghavāyavai“ ist offenkundig verderbt; vermutlich ist „sarvabhūtabhagavān vai“ („der Herr aller Wesen wahrlich“) gemeint, worauf sich die Übersetzung stützt.]

bhagdvāja uvāca / gaganasya diśāṃ caiva bhūtalasvānilasya ca / kānyatra parimāṇāni saṃśayaṃ chindhi tattvataḥ

Bharadvāja [?] sprach: Welches sind hierbei die Maße des Himmels, der Himmelsrichtungen, der Erdoberfläche und des Windes? Zerschneide meinen Zweifel der Wahrheit gemäß!

Wort für Wort
bhagdvāja uvāca
Bharadvāja [?] sprach
gaganasya diśāṃ caiva
des Himmels und der Himmelsrichtungen
bhūtalasvānilasya ca
der Erdoberfläche und des Windes
kānyatra parimāṇāni
welches sind hierbei die Maße
saṃśayaṃ chindhi tattvataḥ
zerschneide den Zweifel der Wahrheit gemäß

[?] („bhagdvāja“ ist im Quelltext eine verschriebene Form von „bharadvāja“; die Schreibweise wird im „sa“-Feld unverändert belassen.)

bhṛguruvāca / anantametadākāśaṃ siddhadaivatasovitam / ramyaṃ nānāśrayākīrṇaṃ yasyāṃ to nādhigamyate

Bhṛgu sprach: Dieser Äther ist unendlich, von Siddhas und Göttern bewohnt, lieblich, erfüllt von mannigfachen Aufenthaltsorten, dessen Ende [?] nicht erreicht wird.

Wort für Wort
bhṛguruvāca
Bhṛgu sprach
anantametadākāśaṃ
dieser Äther ist unendlich
siddhadaivatasovitam
von Siddhas und Göttern bewohnt
ramyaṃ nānāśrayākīrṇaṃ
lieblich, erfüllt von mannigfachen Aufenthaltsorten
yasyāṃ to nādhigamyate
dessen Ende [?] nicht erreicht wird

[?] („yasyāṃ to nādhigamyate“ ist unklar/verderbt; vermutlich ist „yasyānto nādhigamyate“, „dessen Ende nicht erreicht wird“, gemeint, worauf sich die Übersetzung stützt.)

ūrdhvaṃ gateradhastāttu candrādityau na paśyataḥ / tatra devāḥ svayaṃ dīptā bhāskarābhāgnivarcasaḥ

Für den, der nach oben gegangen ist, erblicken von dort unten aus Mond und Sonne nichts mehr [?]; dort strahlen die Götter selbst, von sonnengleichem Glanz und dem Leuchten des Feuers.

Wort für Wort
ūrdhvaṃ gateradhastāttu
für den nach oben Gegangenen, von unten aus
candrādityau na paśyataḥ
erblicken Mond und Sonne nichts mehr [?]
tatra devāḥ svayaṃ dīptā
dort leuchten die Götter selbst
bhāskarābhāgnivarcasaḥ
von sonnengleichem Glanz und Feuerschein

[?] (Die genaue Bedeutung von „ūrdhvaṃ gateradhastāttu candrādityau na paśyataḥ“ bleibt unsicher; hier so gedeutet, dass jenseits einer bestimmten Höhe Mond und Sonne nach unten hin nichts mehr wahrnehmen bzw. nicht mehr wahrgenommen werden.)

te cāpyantaṃ na paśyanti nabhasaḥ prathitaujasaḥ / durgamatvādanantatvāditi me vada mānada

Auch sie, obwohl von weitberühmter Macht, sehen das Ende des Himmels nicht – wegen seiner Unzugänglichkeit und Unendlichkeit. Sage mir dies, o Ehrenspender [?].

Wort für Wort
te cāpyantaṃ na paśyanti
auch sie sehen das Ende nicht
nabhasaḥ prathitaujasaḥ
des Himmels, obwohl von weitberühmter Macht
durgamatvādanantatvāt
wegen (seiner) Unzugänglichkeit und Unendlichkeit
iti me vada mānada
so sage mir, o Ehrenspender [?]

[Anm.: Die Schlussformel „iti me vada mānada“ („sage mir dies, o Ehrenspender“) ist an dieser Stelle auffällig, da sie eigentlich eine an Bhṛgu gerichtete Bitte Bharadvājas darstellt (vgl. V.7), hier aber innerhalb von Bhṛgus eigener Antwortrede steht. Möglicherweise liegt eine Textstörung/Verschiebung vor; die Übersetzung folgt dem Wortlaut, ohne den Widerspruch aufzulösen.]

upariṣṭopariṣṭāttu pjvaladbhiḥ svayaṃprabhaghaiḥ / niruddhametadākāśaṃ hyaprameyaṃ surairapi

Schicht um Schicht [?] ist dieser Äther von lodernden [?], selbstleuchtenden [?] (Wesen) eingeschlossen – unermesslich sogar für die Götter.

Wort für Wort
upariṣṭopariṣṭāttu
Schicht um Schicht
pjvaladbhiḥ svayaṃprabhaghaiḥ
von lodernden, selbstleuchtenden (Wesen) [?]
niruddhametadākāśaṃ
ist dieser Äther eingeschlossen
hyaprameyaṃ surairapi
unermesslich, auch für die Götter

[?] („pjvaladbhiḥ“ ist offenkundig aus „prajvaladbhiḥ“, „lodernd“, verschrieben; „svayaṃprabhaghaiḥ“ vermutlich aus „svayaṃprabhaiḥ“, „selbstleuchtend“. Die Schreibweisen werden im „sa“-Feld unverändert belassen.)

prathivyante samudrāstu samudrānte tamaḥ smṛtam / tamasoṃ'te jalaṃ prāhurjalasyānte 'gnireva ca

Am Ende der Erde sind die Ozeane; am Ende der Ozeane, so lehrt man, ist die Finsternis (Tamas). Am Ende der Finsternis, so sagt man, ist das Wasser; am Ende des Wassers eben das Feuer.

Wort für Wort
prathivyante samudrāstu
am Ende der Erde sind die Ozeane
samudrānte tamaḥ smṛtam
am Ende der Ozeane, so lehrt man, ist die Finsternis
tamasoṃ'te jalaṃ prāhuḥ
am Ende der Finsternis, sagt man, ist das Wasser
jalasyānte 'gnireva ca
am Ende des Wassers eben das Feuer

rasātalānte salilaṃ jalānte pannagādhipāḥ / tadante punarākāśamākāśānte punarjalam

Am Ende von Rasātala (der Unterwelt) ist Wasser; am Ende des Wassers die Herrscher der Schlangen (Nāgas); an deren Ende wiederum der Äther, am Ende des Äthers wiederum Wasser.

Wort für Wort
rasātalānte salilaṃ
am Ende von Rasātala ist Wasser
jalānte pannagādhipāḥ
am Ende des Wassers die Herrscher der Schlangen
tadante punarākāśam
an deren Ende wiederum der Äther
ākāśānte punarjalam
am Ende des Äthers wiederum Wasser

evamantaṃ bhagavataḥ pramāṇaṃ salilasya ca / agnimārutatoyebhyo durjñeyaṃ daivatairapi

So ist das Ende (Ausmaß) des Erhabenen [d.h. des Äthers] und des Wassers – ausgehend von Feuer, Wind und Wasser [?] – auch für die Götter schwer zu erkennen.

Wort für Wort
evamantaṃ bhagavataḥ
so ist das Ende des Erhabenen
pramāṇaṃ salilasya ca
das Ausmaß, und (das) des Wassers
agnimārutatoyebhyo
ausgehend von Feuer, Wind und Wasser [?]
durjñeyaṃ daivatairapi
schwer zu erkennen, auch für die Götter

[?] (Der Bezug von „agnimārutatoyebhyaḥ“ innerhalb der Konstruktion bleibt syntaktisch unsicher; hier als ablativische Angabe – ‘ausgehend von Feuer, Wind, Wasser’ – wiedergegeben.)

agnimārutatoyānāṃ varṇā kṣititalasya ca / ākāśasadṛśā hyete bhidyante tattvadaśanāt

Die Farben von Feuer, Wind und Wasser sowie der Erdoberfläche gleichen dem Äther [d.h. sind an sich formlos]; sie werden erst durch das Schauen ihres wahren Wesens (Tattva) unterschieden.

Wort für Wort
agnimārutatoyānāṃ varṇā
die Farben von Feuer, Wind und Wasser
kṣititalasya ca
und der Erdoberfläche
ākāśasadṛśā hyete
diese gleichen ja dem Äther
bhidyante tattvadaśanāt
sie werden unterschieden durch das Schauen ihres wahren Wesens

paṭhanti caiva munayaḥ śāstreṣu vividheṣu ca / trailokye sāgare caiva pramāṇaṃ vihitaṃ yathā

Und die Weisen lesen auch in den mannigfachen Lehrwerken (Śāstras), wie das Maß der drei Welten und des Ozeans festgesetzt worden ist.

Wort für Wort
paṭhanti caiva munayaḥ
und die Weisen lesen auch
śāstreṣu vividheṣu ca
in den mannigfachen Lehrwerken
trailokye sāgare caiva
der drei Welten und des Ozeans
pramāṇaṃ vihitaṃ yathā
wie das Maß festgesetzt worden ist

adṛśyo yastvagamyo yaḥ kaḥ pramāṇa mudīrayet / siddhānāṃ devatānāṃ ca parimītā yadā gatiḥ

Er, der unsichtbar und unerreichbar ist – wer könnte (für ihn) ein Maß angeben, wenn schon der Wirkungsbereich (Gati) der Siddhas und der Götter begrenzt ist?

Wort für Wort
adṛśyo yastvagamyo yaḥ
er, der unsichtbar und unerreichbar ist
kaḥ pramāṇa mudīrayet
wer könnte ein Maß angeben
siddhānāṃ devatānāṃ ca
der Siddhas und der Götter
parimītā yadā gatiḥ
wenn (schon) ihr Wirkungsbereich begrenzt ist

tadāgaṇyamanantasya nāmānanteti viśrutam / nāmadheyānurupasya mānasasya mahātmanaḥ

Dann (zeigt sich) die Unzählbarkeit des Endlosen (Ananta); daher ist der Name „Ananta“ bekannt – [der Name] des großmütigen Mānasa, dessen Namen seinem Wesen entspricht.

Wort für Wort
tadāgaṇyamanantasya
dann die Unzählbarkeit des Endlosen
nāmānanteti viśrutam
daher ist der Name ‘Ananta’ bekannt
nāmadheyānurupasya
dessen Namen (seinem Wesen) entspricht
mānasasya mahātmanaḥ
des großmütigen Mānasa

yadā tu divyaṃ yadrūpaṃ hrasate varddhate punaḥ / ko 'nyastadvedituṃ śakyo yo 'pi syāttadvidho 'paraḥ

Wenn aber seine göttliche Gestalt sich verkleinert und wieder vergrößert – wer anderes wäre imstande, dies zu erkennen, es sei denn, es gäbe einen anderen von gleicher Art?

Wort für Wort
yadā tu divyaṃ yadrūpaṃ
wenn aber die göttliche Gestalt
hrasate varddhate punaḥ
sich verkleinert und wieder vergrößert
ko 'nyastadvedituṃ śakyo
wer anderes wäre imstande, dies zu erkennen
yo 'pi syāttadvidho 'paraḥ
es sei denn, es gäbe einen von gleicher Art

tataḥ puṣkarataḥ saṣṭaḥ sarvajño mūrtimānprabhuḥ / brahmā dharmamayaḥ pūrvaḥ prajāpatiranuttamaḥ

Danach wurde aus dem Lotos (Puṣkara) der allwissende, verkörperte Herr [?] erschaffen: Brahmā, der aus Dharma bestehende, der Erste, der unübertreffliche Herr der Geschöpfe (Prajāpati).

Wort für Wort
tataḥ puṣkarataḥ saṣṭaḥ
danach wurde aus dem Lotos erschaffen [?]
sarvajño mūrtimānprabhuḥ
der allwissende, verkörperte Herr
brahmā dharmamayaḥ pūrvaḥ
Brahmā, der aus Dharma bestehende, der Erste
prajāpatiranuttamaḥ
der unübertreffliche Herr der Geschöpfe

[?] („saṣṭaḥ“ ist vermutlich verschrieben aus „sṛṣṭaḥ“, „erschaffen“, so hier übersetzt.)

bharadvāja uvāca / puṣkaro yadi saṃbhūto jyeṣṭaṃ bhavati puṣkaram / brahmāṇaṃ pūrvajaṃ cāha bhavānsaṃdeha eva me

Bharadvāja sprach: Wenn (Brahmā) aus dem Lotos entstanden ist, so ist der Lotos der Ältere; und doch nennst du Brahmā den „Erstgeborenen“ – eben dies ist mein Zweifel.

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
puṣkaro yadi saṃbhūto
wenn (Brahmā) aus dem Lotos entstanden ist
jyeṣṭaṃ bhavati puṣkaram
so ist der Lotos der Ältere
brahmāṇaṃ pūrvajaṃ cāha
und doch nennst du Brahmā den Erstgeborenen
bhavānsaṃdeha eva me
eben das ist mein Zweifel, Ehrwürden

bhṛguruvāca / mānasasyeha yā mūrtirbrahmatvaṃ samupāgatā / tasyāsanavidhānārthaṃ pṛthivī padmamucyate

Bhṛgu sprach: Die Gestalt (Mūrti) des Mānasa, die hier den Zustand des Brahmā-Seins erlangt hat – um ihr einen Sitz (Āsana) zu bereiten, wird die Erde „Lotos“ genannt.

Wort für Wort
bhṛguruvāca
Bhṛgu sprach
mānasasyeha yā mūrtir
die Gestalt des Mānasa, die hier
brahmatvaṃ samupāgatā
den Zustand des Brahmā-Seins erlangt hat
tasyāsanavidhānārthaṃ
zum Zweck der Bereitung eines Sitzes für sie
pṛthivī padmamucyate
wird die Erde ‘Lotos’ genannt

karṇikā tasya padmasya merurgaganamucchritaḥ / tasya madhye sthito lokānsṛjatyeṣa jagadvidhiḥ

Die Blütenkelchmitte (Karṇikā) jenes Lotos ist der Meru, hoch in den Himmel aufragend. In dessen Mitte weilend, erschafft dieser Ordner der Welt (Jagad-vidhi) die Welten.

Wort für Wort
karṇikā tasya padmasya
die Blütenkelchmitte jenes Lotos
merurgaganamucchritaḥ
ist der Meru, hoch in den Himmel aufragend
tasya madhye sthito
in dessen Mitte weilend
lokānsṛjatyeṣa jagadvidhiḥ
erschafft dieser Ordner der Welt die Welten

bharadvāja uvāca / prajāvisargaṃ vividhaṃ kathaṃ sa sṛjati prabhuḥ / merumadhye sthito brahmā tadvahirdvijasattama

Bharadvāja sprach: Wie erschafft jener Herr die mannigfache Aussendung der Geschöpfe (Prajā-visarga), da doch Brahmā, in der Mitte des Meru weilend, [Dinge erschafft, die] außerhalb davon [liegen], o Bester der Zweifachgeborenen?

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
prajāvisargaṃ vividhaṃ
die mannigfache Aussendung der Geschöpfe
kathaṃ sa sṛjati prabhuḥ
wie erschafft jener Herr (sie)
merumadhye sthito brahmā
da doch Brahmā, in der Mitte des Meru weilend
tadvahirdvijasattama
(Dinge erschafft, die) außerhalb davon (liegen), o Bester der Zweifachgeborenen

bhṛguruvāca / prajāvisargaṃ vividhaṃ mānaso manasāsṛjat / saṃrakṣaṇārthaṃ bhūtānāṃ sṛṣṭaṃ prathamato jalam

Bhṛgu sprach: Mānasa erschuf die mannigfache Aussendung der Geschöpfe mit dem Geist (Manas). Zum Schutz der Wesen wurde zuallererst das Wasser erschaffen.

Wort für Wort
bhṛguruvāca
Bhṛgu sprach
prajāvisargaṃ vividhaṃ
die mannigfache Aussendung der Geschöpfe
mānaso manasāsṛjat
erschuf Mānasa mit dem Geist
saṃrakṣaṇārthaṃ bhūtānāṃ
zum Schutz der Wesen
sṛṣṭaṃ prathamato jalam
wurde zuallererst das Wasser erschaffen

yatprāṇāḥ sarvabhūtānāṃ sṛṣṭaṃ prathamato jalam / yatprāṇāḥ sarvabhūtānāṃ varddhante yena ca prajāḥ

Das Wasser, wodurch [gleichsam] die Lebenshauche aller Wesen sind, wurde zuallererst erschaffen – das, wodurch die Lebenshauche aller Wesen [bestehen] und wodurch die Geschöpfe wachsen.

Wort für Wort
yatprāṇāḥ sarvabhūtānāṃ
wodurch die Lebenshauche aller Wesen (sind)
sṛṣṭaṃ prathamato jalam
wurde zuallererst das Wasser erschaffen
yatprāṇāḥ sarvabhūtānāṃ
wodurch die Lebenshauche aller Wesen (bestehen)
varddhante yena ca prajāḥ
und wodurch die Geschöpfe wachsen

[Anm.: Der zweite Halbvers wiederholt fast wörtlich die Formel „yatprāṇāḥ sarvabhūtānāṃ“ aus der ersten Vershälfte sowie den Ausdruck „sṛṣṭaṃ prathamato jalam“ aus dem vorangehenden Vers 42 – vermutlich eine Dittographie im Überlieferungstext.]

parityaktāśca na śyanti tenadaṃ sarvamāvṛttam / pṛthivī parvatā meghā mūrtimantaśca ye pare / sarvaṃ tadvāruṇaṃ jñeyamāpastastaṃbhire punaḥ

Und von ihm verlassen, bestehen (die Wesen) nicht mehr; durch dieses (Wasser) ist alles durchdrungen. Die Erde, die Berge, die Wolken und was es sonst noch an verkörperten Dingen gibt – dies alles ist als wässriger Natur (Vāruṇa) zu erkennen; die Wasser haben sich wiederum verfestigt.

Wort für Wort
parityaktāśca na śyanti
und (von ihm) verlassen, bestehen sie nicht mehr
tenadaṃ sarvamāvṛttam
durch dieses (Wasser) ist alles durchdrungen
pṛthivī parvatā meghā
die Erde, die Berge, die Wolken
mūrtimantaśca ye pare
und was es sonst an verkörperten Dingen gibt
sarvaṃ tadvāruṇaṃ jñeyam
dies alles ist als wässriger Natur zu erkennen
āpastastaṃbhire punaḥ
die Wasser haben sich wiederum verfestigt

[Anm.: Der Vers besteht im Quelltext aus drei vollen Zeilen statt der üblichen zwei – vermutlich Textstörung bzw. Zusammenziehung zweier Verse.]

bharadvāja uvāca / kathaṃ salilamutpannaṃ kathaṃ caivāgnimārutau / kathaṃ vā medinī sṛṣṭetyatra me saṃśayo mahān

Bharadvāja sprach: Wie entstand das Wasser? Und wie Feuer und Wind? Wie aber wurde die Erde erschaffen? Hierin liegt mein großer Zweifel.

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
kathaṃ salilamutpannaṃ
wie entstand das Wasser
kathaṃ caivāgnimārutau
und wie Feuer und Wind
kathaṃ vā medinī sṛṣṭā
wie aber wurde die Erde erschaffen
ityatra me saṃśayo mahān
darin liegt mein großer Zweifel

bhṛguruvāca / brahmakalpe purā brahman brahmarṣīṇāṃ samāgame / lokasaṃbhavasaṃdehaḥ samutpanno mahātmanām

Bhṛgu sprach: Einst, im Brahmā-Kalpa, o Brahmane, entstand bei einer Zusammenkunft der Brahmarṣis unter den Großmütigen ein Zweifel über die Entstehung der Welt.

Wort für Wort
bhṛguruvāca
Bhṛgu sprach
brahmakalpe purā brahman
einst, im Brahmā-Kalpa, o Brahmane
brahmarṣīṇāṃ samāgame
bei einer Zusammenkunft der Brahmarṣis
lokasaṃbhavasaṃdehaḥ
ein Zweifel über die Entstehung der Welt
samutpanno mahātmanām
entstand unter den Großmütigen

te 'tiṣṭandhyānamālaṃbya maunamāsthāya niścalāḥ / tyaktāhārāḥ sparddhamānā divyaṃ virṣaśataṃ dvijāḥ

Sie, die Zweifachgeborenen, verharrten, sich der Meditation hingebend, Schweigen bewahrend, unbeweglich, der Nahrung entsagend, miteinander wetteifernd, hundert göttliche Jahre [?] lang.

Wort für Wort
te 'tiṣṭandhyānamālaṃbya
sie verharrten, sich der Meditation hingebend
maunamāsthāya niścalāḥ
Schweigen bewahrend, unbeweglich
tyaktāhārāḥ sparddhamānā
der Nahrung entsagend, miteinander wetteifernd
divyaṃ virṣaśataṃ dvijāḥ
die Zweifachgeborenen, hundert göttliche Jahre [?] lang

[?] („virṣaśataṃ“ ist vermutlich verschrieben aus „varṣaśataṃ“, „hundert Jahre“, so hier übersetzt.)

teṣāṃ brahmamayī vāṇī sarveṣāṃ śrotramāgamat / divyā sarasvatī tatra saṃbabhūva nabhastalāt

Ihnen allen erreichte eine aus dem Brahman bestehende Stimme das Ohr; eine göttliche Sarasvatī (Rede) entstand dort aus der Fläche des Himmels.

Wort für Wort
teṣāṃ brahmamayī vāṇī
ihnen (erreichte) eine aus dem Brahman bestehende Stimme
sarveṣāṃ śrotramāgamat
erreichte aller Ohr
divyā sarasvatī tatra
eine göttliche Sarasvatī dort
saṃbabhūva nabhastalāt
entstand aus der Fläche des Himmels

purāstimitamākāśamanantamacalopamam / naṣṭacandrārkapavanaṃ prasuptamiva saṃbabhau

Einst war der Äther reglos, unendlich, einem Unbeweglichen gleich; ohne Mond, Sonne und Wind erschien er wie eingeschlafen.

Wort für Wort
purāstimitamākāśam
einst war der Äther reglos
anantamacalopamam
unendlich, einem Unbeweglichen gleich
naṣṭacandrārkapavanaṃ
ohne Mond, Sonne und Wind
prasuptamiva saṃbabhau
erschien er wie eingeschlafen

tataḥ salilamutpannaṃ tamasīva tamaḥ param / tasmāñca salilotpīḍādudatiṣṭata mārutaḥ

Dann entstand das Wasser, wie höchste Finsternis in der Finsternis; und aus dem Andrängen (Utpīḍa) jenes Wassers erhob sich der Wind.

Wort für Wort
tataḥ salilamutpannaṃ
dann entstand das Wasser
tamasīva tamaḥ param
wie höchste Finsternis in der Finsternis
tasmāñca salilotpīḍāt
und aus dem Andrängen jenes Wassers
udatiṣṭata mārutaḥ
erhob sich der Wind

yathābhavanamacchidraṃ niḥśabdamiva lakṣyate / tañcābhasā pūryamāṇaṃ saśabdaṃ kurute 'nilaḥ

So wie ein Haus ohne Öffnung als geräuschlos erscheint, jenes aber, wenn es mit Wasser gefüllt wird, der Wind zum Tönen bringt –

Wort für Wort
yathābhavanamacchidraṃ
so wie ein Haus ohne Öffnung
niḥśabdamiva lakṣyate
als geräuschlos erscheint
tañcābhasā pūryamāṇaṃ
jenes aber, mit Wasser gefüllt
saśabdaṃ kurute 'nilaḥ
zum Tönen bringt der Wind

[Anm.: Der Gedanke wird als Gleichnis über V.52 hinweg fortgeführt (unvollständiger Satz, der erst im folgenden Vers seine Fortsetzung – ‘so auch...’ – findet).]

tathā salilasaṃruddhe nabhasoṃ'taṃ nirantare / bhittvārṇavatalaṃ vāyuḥ samutpatati ghoṣavān

– ebenso, als der Äther ohne Zwischenraum von Wasser umschlossen war, durchbrach der Wind die Oberfläche des Ozeans und stieg mit Getöse empor.

Wort für Wort
tathā salilasaṃruddhe
ebenso, als (er) von Wasser umschlossen war
nabhasoṃ'taṃ nirantare
der Äther, ohne Zwischenraum
bhittvārṇavatalaṃ vāyuḥ
durchbrach der Wind die Oberfläche des Ozeans
samutpatati ghoṣavān
und stieg mit Getöse empor

eṣu vā carate vāyurarṇavotpīḍasaṃbhavaḥ / ākāśasthānamāsādya praśāntiṃ nādhigacchati

Dieser Wind, entstanden aus dem Andrängen des Ozeans, bewegt sich unter diesen (Elementen); und obwohl er den Ort des Äthers erreicht hat, kommt er nicht zur Ruhe.

Wort für Wort
eṣu vā carate vāyur
dieser Wind bewegt sich unter diesen (Elementen)
arṇavotpīḍasaṃbhavaḥ
entstanden aus dem Andrängen des Ozeans
ākāśasthānamāsādya
obwohl er den Ort des Äthers erreicht hat
praśāntiṃ nādhigacchati
kommt er nicht zur Ruhe

tasminvāyvambusaṃgharṣe dīptatejā mahābalaḥ / prādurāsīdūrdhvaśikhaḥ kṛtvā nistimiraṃ tamaḥ

Bei jener Reibung von Wind und Wasser erschien ein Wesen von loderndem Glanz und großer Kraft, mit aufwärts gerichteter Flamme, das die Finsternis licht machte (die Dunkelheit vertrieb).

Wort für Wort
tasminvāyvambusaṃgharṣe
bei jener Reibung von Wind und Wasser
dīptatejā mahābalaḥ
von loderndem Glanz und großer Kraft
prādurāsīdūrdhvaśikhaḥ
erschien es, mit aufwärts gerichteter Flamme
kṛtvā nistimiraṃ tamaḥ
nachdem es die Finsternis licht gemacht hatte

agniḥ pavanasaṃyuktaḥ khaṃ samākṣipate jalam / tadagnivāyusaṃparkāddhanatvamupapadyate

Das Feuer, mit dem Wind verbunden, zieht den Äther und das Wasser zusammen; durch jene Berührung von Feuer und Wind kommt Festigkeit (Ghanatva) zustande.

Wort für Wort
agniḥ pavanasaṃyuktaḥ
das mit dem Wind verbundene Feuer
khaṃ samākṣipate jalam
zieht den Äther und das Wasser zusammen
tadagnivāyusaṃparkāt
durch jene Berührung von Feuer und Wind
ghanatvamupapadyate
kommt Festigkeit zustande

tasyākāśaṃ nipatitaḥ snehāttiṣṭati yo 'paraḥ / sa saṃghātatvamāpanno bhūmitvamanugacchati

Von jenem (Gemenge) fällt (ein Teil) in den Äther; jener andere Teil, der aufgrund seiner Ölhaftigkeit (Sneha) fest steht, gelangt, zu einem Aggregatzustand (Saṃghāta) geworden, in den Zustand der Erde.

Wort für Wort
tasyākāśaṃ nipatitaḥ
davon (ein Teil,) in den Äther gefallen
snehāttiṣṭati yo 'paraḥ
jener andere, der aufgrund von Ölhaftigkeit fest steht
sa saṃghātatvamāpanno
dieser, zu einem Aggregatzustand geworden
bhūmitvamanugacchati
gelangt in den Zustand der Erde

rasānāṃ sarvagandhānāṃ snehānāṃ prāṇināṃ tathā / bhūmiryo niriyaṃ jñeyā yasyāḥ sarvaṃ prasūyate

Als Ursprung [?] der Geschmäcker, aller Düfte, der öligen Substanzen und ebenso der Lebewesen ist die Erde zu erkennen, aus der alles hervorgebracht wird.

Wort für Wort
rasānāṃ sarvagandhānāṃ
der Geschmäcker, aller Düfte
snehānāṃ prāṇināṃ tathā
der öligen Substanzen und ebenso der Lebewesen
bhūmiryo niriyaṃ jñeyā
die Erde ist als (deren) Ursprung zu erkennen [?]
yasyāḥ sarvaṃ prasūyate
aus der alles hervorgebracht wird

[?] („bhūmiryo niriyaṃ jñeyā“ ist grammatisch unstimmig – das Maskulinum „yaḥ“ passt nicht zum Femininum „bhūmiḥ“; „niriyaṃ“ wird hier sinngemäß als ‘Ursprung, Quelle’ gedeutet.)

bharadvāja uvāca / ya ete dhātavaḥ pañca rakṣyā yānasṛjatprabhuḥ / āvṛtā yairime lokā mahābhūtābhisaṃjñitaiḥ

Bharadvāja sprach: Diese fünf Elemente, die zu bewahren sind, die der Herr erschaffen hat, durch die – mit dem Namen „Mahābhūtas“ (große Elemente) bezeichnet – diese Welten umhüllt sind –

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
ya ete dhātavaḥ pañca
diese fünf Elemente
rakṣyā yānasṛjatprabhuḥ
die zu bewahren sind, die der Herr erschaffen hat
āvṛtā yairime lokā
durch die diese Welten umhüllt sind
mahābhūtābhisaṃjñitaiḥ
die mit dem Namen ‘große Elemente’ bezeichnet werden

yadāsṛjatsahasrāṇi bhūtānāṃ sa mahāmatiḥ / paścātteṣveva bhūtatvaṃ kathaṃ samupapadyate

– wenn jener Großmütige Tausende von Geschöpfen (Bhūtas) erschuf, wie kommt es dann, dass gerade in ihnen [nachträglich] der Zustand des Elements (Bhūtatva) zustande kommt?

Wort für Wort
yadāsṛjatsahasrāṇi
als er Tausende erschuf
bhūtānāṃ sa mahāmatiḥ
von Geschöpfen, jener Großmütige
paścātteṣveva bhūtatvaṃ
wie kommt danach gerade in ihnen der Elementzustand
kathaṃ samupapadyate
wie kommt er zustande

bhṛguruvāca / amitāni mahāṣṭāni yānti bhūtāni saṃbhavam / atasteṣāṃ mahābhūtaśabdo 'yamupapadyate

Bhṛgu sprach: Zahllose, gewaltige Geschöpfe [?] gehen in die Existenz (Saṃbhava) ein; daher kommt ihnen diese Bezeichnung „Mahābhūta“ (großes Element) zu.

Wort für Wort
bhṛguruvāca
Bhṛgu sprach
amitāni mahāṣṭāni
zahllose, gewaltige [?]
yānti bhūtāni saṃbhavam
Geschöpfe gehen in die Existenz ein
atasteṣāṃ mahābhūtaśabdo
daher kommt ihnen die Bezeichnung ‘Mahābhūta’
'yamupapadyate
diese zu

[?] („mahāṣṭāni“ ist lexikalisch unklar; sinngemäß hier als ‘gewaltig, groß (an Zahl)’ wiedergegeben.)

ceṣṭā vāyuḥ khamākāśamūṣmāgniḥ salilaṃ dravaḥ / pṛthivī cātra saṃghātaḥ śarīraṃ pāñcabhautikam

Bewegung (Ceṣṭā) ist der Wind, der Hohlraum ist der Äther, Hitze (Ūṣman) ist das Feuer, das Flüssige (Drava) ist das Wasser, und die Festigkeit (Saṃghāta) hierbei ist die Erde – der Körper besteht aus diesen fünf Elementen.

Wort für Wort
ceṣṭā vāyuḥ
Bewegung ist der Wind
khamākāśamūṣmāgniḥ
der Hohlraum ist der Äther, Hitze das Feuer
salilaṃ dravaḥ
das Flüssige ist das Wasser
pṛthivī cātra saṃghātaḥ
und die Festigkeit hierbei ist die Erde
śarīraṃ pāñcabhautikam
der Körper besteht aus den fünf Elementen

ityataḥ pañcabhiryuktairyuktaṃ sthāvarajaṅgamam / śrotre ghrāṇo rasaḥ sparśo dṛṣṭiścendriyasaṃjñitāḥ

So ist, durch diese fünf verbundenen (Elemente) verbunden, alles Bewegliche und Unbewegliche. Gehör, Geruch, Geschmack, Tastsinn und Gesicht werden als die Sinne (Indriyas) bezeichnet.

Wort für Wort
ityataḥ pañcabhiryuktair
so, durch diese fünf verbundenen
yuktaṃ sthāvarajaṅgamam
ist verbunden alles Bewegliche und Unbewegliche
śrotre ghrāṇo rasaḥ sparśo
Gehör, Geruch, Geschmack, Tastsinn
dṛṣṭiścendriyasaṃjñitāḥ
und Gesicht werden Sinne genannt

bharadvāja uvāca / pañcabhiryadi bhūtaistu yuktāḥ sthāvarajaṅgamāḥ / sthāvarāṇāṃ na dṛśyante śarīre pañca dhātavaḥ

Bharadvāja sprach: Wenn Bewegliches und Unbewegliches durch die fünf Elemente verbunden ist, warum werden dann im Körper der Unbeweglichen (Pflanzen) die fünf Elemente nicht wahrgenommen?

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
pañcabhiryadi bhūtaistu
wenn durch die fünf Elemente
yuktāḥ sthāvarajaṅgamāḥ
Bewegliches und Unbewegliches verbunden ist
sthāvarāṇāṃ na dṛśyante
werden bei den Unbeweglichen nicht wahrgenommen
śarīre pañca dhātavaḥ
im Körper die fünf Elemente

anūṣmaṇāmaceṣṭānāṃ ghanānāṃ caiva tattvataḥ / vṛkṣāṇāṃ nopalabhyante śarīre pañca dhātavaḥ

Bei den Bäumen, die ohne Hitze, ohne Bewegung und, der Wahrheit gemäß, fest sind, werden im Körper die fünf Elemente nicht wahrgenommen.

Wort für Wort
anūṣmaṇāmaceṣṭānāṃ
bei den ohne Hitze, ohne Bewegung (seienden)
ghanānāṃ caiva tattvataḥ
und, der Wahrheit gemäß, den festen
vṛkṣāṇāṃ nopalabhyante
bei den Bäumen werden nicht wahrgenommen
śarīre pañca dhātavaḥ
im Körper die fünf Elemente

va śṛṇvanti na paśyanti na gandharasavedinaḥ / na ca sparśaṃ hi jānanti te kathaṃ pañca dhātavaḥ

Sie hören nicht [?], sie sehen nicht, sie nehmen weder Duft noch Geschmack wahr, und sie kennen auch nicht den Tastsinn – wie (sollten sie also) die fünf Elemente (haben)?

Wort für Wort
va śṛṇvanti na paśyanti
sie hören nicht [?], sie sehen nicht
na gandharasavedinaḥ
sie nehmen weder Duft noch Geschmack wahr
na ca sparśaṃ hi jānanti
und sie kennen auch nicht den Tastsinn
te kathaṃ pañca dhātavaḥ
wie (sollten sie also) die fünf Elemente (haben)

[?] („va śṛṇvanti“ ist vermutlich verschrieben aus „na śṛṇvanti“, „sie hören nicht“, so hier übersetzt, im Einklang mit den folgenden Negationen.)

adravatvādanignitvādabhūmitvādavāyutaḥ / ākāśasyāprameyatvādṛkṣāṇāṃ nāsti bhautikam

Wegen (ihrer) Nicht-Flüssigkeit, Nicht-Feuerhaftigkeit, Nicht-Erdhaftigkeit, wegen (des Fehlens von) Wind und wegen der Unwahrnehmbarkeit des Äthers gibt es bei den Bäumen kein Elementarhaftes.

Wort für Wort
adravatvādanignitvāt
wegen der Nicht-Flüssigkeit, der Nicht-Feuerhaftigkeit
abhūmitvādavāyutaḥ
wegen der Nicht-Erdhaftigkeit, wegen (des Fehlens von) Wind
ākāśasyāprameyatvād
wegen der Unwahrnehmbarkeit des Äthers
ṛkṣāṇāṃ nāsti bhautikam
gibt es bei den Bäumen kein Elementarhaftes

bhṛguruvāca / ghanānāmapi vṛkṣaṇāmākāśo 'sti na saṃśayaḥ / teṣāṃ puṣpapalavyaktirnityaṃ samupapadyate

Bhṛgu sprach: Auch in den festen Bäumen ist Äther vorhanden, ohne Zweifel; (denn) bei ihnen kommt beständig das Hervortreten von Blüte und Frucht [?] zustande.

Wort für Wort
bhṛguruvāca
Bhṛgu sprach
ghanānāmapi vṛkṣaṇāmākāśo 'sti
auch in den festen Bäumen ist Äther vorhanden
na saṃśayaḥ
ohne Zweifel
teṣāṃ puṣpapalavyaktir
bei ihnen das Hervortreten von Blüte und Frucht [?]
nityaṃ samupapadyate
kommt beständig zustande

[?] („puṣpapalavyaktiḥ“ – vermutlich verschrieben aus „puṣpaphalavyaktiḥ“, „Hervortreten von Blüte und Frucht“, so hier übersetzt.)

ūṣmato mlāyate parṇaṃ tvakphalaṃ puṣpameva ca / mlāyate śīryate cāpi sparśastenātra vidyate

Von Hitze welkt das Blatt, die Rinde, die Frucht und auch die Blüte; sie welken und zerfallen auch – dadurch ist hier der Tastsinn (bei den Bäumen) erwiesen.

Wort für Wort
ūṣmato mlāyate parṇaṃ
von Hitze welkt das Blatt
tvakphalaṃ puṣpameva ca
die Rinde, die Frucht und auch die Blüte
mlāyate śīryate cāpi
sie welken und zerfallen auch
sparśastenātra vidyate
dadurch ist hier der Tastsinn vorhanden

vāyyagnyaśaninirdhoṣaiḥ phalaṃ puṣpaṃ viśīryate / śrotreṇa gṛhyate śabdastasmācchṛṇvanti pādapāḥ

Durch das Dröhnen von Wind, Feuer und Blitzschlag zerfällt Frucht und Blüte; durch das Gehör (Śrotra) wird der Schall wahrgenommen – deshalb hören die Bäume (Pādapas).

Wort für Wort
vāyyagnyaśaninirdhoṣaiḥ
durch das Dröhnen von Wind, Feuer und Blitzschlag
phalaṃ puṣpaṃ viśīryate
zerfällt Frucht und Blüte
śrotreṇa gṛhyate śabdas
durch das Gehör wird der Schall wahrgenommen
tasmācchṛṇvanti pādapāḥ
deshalb hören die Bäume

vallī veṣṭayate vṛkṣānsarvataścaiva gacchati / nahyadṛṣṭaśca mārgo 'sti tasmātpaśyanti pādapāḥ

Die Ranke (Vallī) umwindet die Bäume und windet sich allseitig um sie; und ohne Sicht gibt es keinen (rechten) Weg – deshalb sehen die Bäume.

Wort für Wort
vallī veṣṭayate vṛkṣān
die Ranke umwindet die Bäume
sarvataścaiva gacchati
und windet sich allseitig (um sie)
nahyadṛṣṭaśca mārgo 'sti
und ohne Sicht gibt es keinen (rechten) Weg
tasmātpaśyanti pādapāḥ
deshalb sehen die Bäume

puṇyāpuṇyaistathā gadhairdhūpaiśca vividhairapi / arogāḥ puṣpitāḥ saṃti tasmājjighranti pādapāḥ

Durch reine und unreine Düfte [?] sowie durch mannigfachen Weihrauch bleiben sie krankheitsfrei und blühen – deshalb riechen die Bäume.

Wort für Wort
puṇyāpuṇyaistathā gadhaiḥ
durch reine und unreine Düfte [?]
dhūpaiśca vividhairapi
und durch mannigfachen Weihrauch
arogāḥ puṣpitāḥ saṃti
bleiben sie krankheitsfrei und blühen
tasmājjighranti pādapāḥ
deshalb riechen die Bäume

[?] („gadhairdhūpaiśca“ ist offenkundig verschrieben aus „gandhairdhūpaiśca“, „durch Düfte und durch Weihrauch“, so hier übersetzt.)

sukhaduḥkhayorgrahaṇācchinnasya ca virohaṇāt / jīvaṃ paśyāmi vṛkṣāṇāmacaitanyaṃ na vidyate

Aus dem Erfassen von Lust und Leid und aus dem Wiederaustreiben des Abgeschnittenen erkenne ich Leben (Jīva) in den Bäumen; Bewusstlosigkeit ist bei ihnen nicht gegeben.

Wort für Wort
sukhaduḥkhayorgrahaṇāt
aus dem Erfassen von Lust und Leid
chinnasya ca virohaṇāt
und aus dem Wiederaustreiben des Abgeschnittenen
jīvaṃ paśyāmi vṛkṣāṇām
erkenne ich Leben in den Bäumen
acaitanyaṃ na vidyate
Bewusstlosigkeit ist nicht gegeben

tena tajjalamādatte jarayatyagnimārutau / āhārapariṇāmāñca snaho vṛddhiśca jāyate

Durch jenes (Leben) nimmt er (der Baum) das Wasser auf, Feuer und Wind verdauen es; und aus der Umwandlung der Nahrung entstehen Ölhaftigkeit (Sneha) und Wachstum.

Wort für Wort
tena tajjalamādatte
durch jenes (Leben) nimmt er das Wasser auf
jarayatyagnimārutau
Feuer und Wind verdauen es
āhārapariṇāmāñca
und aus der Umwandlung der Nahrung
snaho vṛddhiśca jāyate
entstehen Ölhaftigkeit und Wachstum

jaṅgamānāṃ ca sarveṣāṃ śarīre paṃñca dhātavaḥ / pratyekaśaḥ prabhidyante yaiḥ śarīraṃ viceṣṭate

Und bei allen beweglichen (Wesen) sind im Körper die fünf Elemente einzeln unterscheidbar, durch die der Körper sich bewegt.

Wort für Wort
jaṅgamānāṃ ca sarveṣāṃ
und bei allen beweglichen (Wesen)
śarīre paṃñca dhātavaḥ
sind im Körper die fünf Elemente
pratyekaśaḥ prabhidyante
einzeln unterscheidbar
yaiḥ śarīraṃ viceṣṭate
durch die der Körper sich bewegt

tvak ca māṃsaṃ tathāsthīni majjā snāyuśca pañcamaḥ / ityetadiha saṃghātaṃ śarīre pṛthivīmaye

Haut und Fleisch, ebenso Knochen, Mark und Sehne als Fünftes – dies ist hier im Körper die aus der Erde stammende Zusammenballung.

Wort für Wort
tvak ca māṃsaṃ tathāsthīni
Haut und Fleisch, ebenso Knochen
majjā snāyuśca pañcamaḥ
Mark und Sehne als Fünftes
ityetadiha saṃghātaṃ
dies ist hier die Zusammenballung
śarīre pṛthivīmaye
im Körper, die aus der Erde stammende

tejo hyagnistathā krodhaścakṣuruṣmā tathaiva ca / agnirjanayate yañca pañcāgneyāḥ śarīriṇaḥ

Glanz und Feuer, ebenso Zorn, das Auge, und ebenso Hitze, sowie das, was das Feuer erzeugt – dies sind die fünf feuerhaften (Bestandteile) der verkörperten Wesen.

Wort für Wort
tejo hyagnistathā krodhaḥ
Glanz und Feuer, ebenso Zorn
cakṣuruṣmā tathaiva ca
das Auge und ebenso Hitze
agnirjanayate yañca
und das, was das Feuer erzeugt
pañcāgneyāḥ śarīriṇaḥ
die fünf feuerhaften (Bestandteile) der verkörperten Wesen

śrotraṃ ghrāṇaṃ tathāsyaṃ ca hṛdayaṃ koṣṭameva ca / ākāśātprāṇināmete śarīre pañca dhātavaḥ

Das Gehör, der Geruchssinn, ebenso der Mund, das Herz und die Körperhöhle (Koṣṭha) – diese sind, vom Äther stammend, die fünf Elemente im Körper der Lebewesen.

Wort für Wort
śrotraṃ ghrāṇaṃ tathāsyaṃ ca
das Gehör, der Geruchssinn, ebenso der Mund
hṛdayaṃ koṣṭameva ca
das Herz und die Körperhöhle
ākāśātprāṇināmete
diese, vom Äther stammend, bei den Lebewesen
śarīre pañca dhātavaḥ
die fünf Elemente im Körper

śleṣmā pittamatha svedo vasā śoṇitameva ca / ityāpaḥ pañcadhā dehe bhavanti prāṇināṃ sadā

Schleim, Galle, ferner Schweiß, Fettflüssigkeit (Vasā) und Blut – so tritt das Wasser stets fünffach im Leib der Lebewesen hervor.

Wort für Wort
śleṣmā pittamatha svedo
Schleim, Galle, ferner Schweiß
vasā śoṇitameva ca
Fettflüssigkeit und Blut
ityāpaḥ pañcadhā dehe
so ist das Wasser fünffach im Leib
bhavanti prāṇināṃ sadā
stets vorhanden bei den Lebewesen

prāṇātprīṇayate prāṇī vyānāvdyāyacchate tathā

Durch Prāṇa (den Einatem) wird der Lebende erquickt, und ebenso dehnt er sich durch Vyāna (den Durchatem).

Wort für Wort
prāṇātprīṇayate prāṇī
durch Prāṇa wird der Lebende erquickt
vyānāvdyāyacchate tathā
und ebenso dehnt er sich durch Vyāna

[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer Zeile (zwei Pādas) statt der sonst üblichen zwei Zeilen; der folgende Vers 80 weist dagegen drei Zeilen (sechs Pādas) auf. Die Aufzählung der fünf Prāṇas (Lebenshauche: Prāṇa, Vyāna, Apāna, Samāna, Udāna) verteilt sich somit ungleichmäßig auf V.79–80, vermutlich infolge einer Verschiebung der Versgrenze im Überlieferungstext.]

gacchatyapāno 'dhaścaiva samāno hyadyavasthitaḥ / udānāducchvasitīti pañca (prati)bhadāñca bhāṣate / ityete vāyavaḥ pañca veṣṭayantīhadehinam

Apāna geht abwärts, und Samāna ist in der Mitte [?] befindlich; durch Udāna atmet man aufwärts aus – so werden die fünf (Lebenshauche) mit ihren Unterarten [?] benannt. Diese fünf Lebenshauche also umhüllen hier den Verkörperten.

Wort für Wort
gacchatyapāno 'dhaścaiva
Apāna geht abwärts
samāno hyadyavasthitaḥ
und Samāna ist in der Mitte [?] befindlich
udānāducchvasitīti
durch Udāna atmet man aufwärts aus, so (heißt es)
pañca (prati)bhadāñca bhāṣate
werden die fünf mit ihren Unterarten [?] benannt
ityete vāyavaḥ pañca
diese fünf Lebenshauche also
veṣṭayantīhadehinam
umhüllen hier den Verkörperten

[?] („adyavasthitaḥ“ ist vermutlich verschrieben aus „madhyavasthitaḥ“, „in der Mitte befindlich“. Die Klammer „(prati)“ bei „bhadāñca“ steht bereits so im Quelltext und markiert dort selbst eine unsichere Textstelle – vermutlich „pratibhedān“, „Unterarten“, gemeint.)

bhūmergandhaguṇānvetti rasaṃ cādūbhyaḥ śarīravān / tasya gandhasya vakṣyāmi vistarābhihitānguṇān

Der Verkörperte nimmt von der Erde die Eigenschaft des Duftes wahr, und den Geschmack (nimmt er wahr) aus dem Wasser [?]; von jenem Duft will ich nun die im Einzelnen dargelegten Eigenschaften beschreiben.

Wort für Wort
bhūmergandhaguṇānvetti
er nimmt von der Erde die Eigenschaft des Duftes wahr
rasaṃ cādūbhyaḥ śarīravān
und der Verkörperte (nimmt) den Geschmack aus dem Wasser [?] (wahr)
tasya gandhasya vakṣyāmi
von jenem Duft will ich beschreiben
vistarābhihitānguṇān
die im Einzelnen dargelegten Eigenschaften

[?] („cādūbhyaḥ“ ist vermutlich verschrieben aus „ca adbhyaḥ“, „und aus dem Wasser“, so hier übersetzt.)

iṣṭaścānuṣṭagandhaśca madhuraḥ kaṭureva ca / nirhārī saṃhataḥ snigdho rukṣo viśada eva ca

Angenehm und unangenehm [?] ist der Duft, süß und auch scharf, durchdringend, konzentriert, ölig, trocken und auch klar/leicht.

Wort für Wort
iṣṭaścānuṣṭagandhaśca
angenehm und unangenehm [?] ist der Duft
madhuraḥ kaṭureva ca
süß und auch scharf
nirhārī saṃhataḥ snigdho
durchdringend, konzentriert, ölig
rukṣo viśada eva ca
trocken und auch klar/leicht

[?] („anuṣṭagandhaḥ“ ist vermutlich verschrieben aus „aniṣṭagandhaḥ“, „unangenehmer Duft“, so hier übersetzt; vgl. die in V.83 genannte Neunzahl der Eigenschaften.)

evaṃ navavidho jñeyaḥ pārthivo gandhavistaraḥ / jyotiḥ paśyati cakṣurbhyaḥ sparśaṃ vetti ca vāyunā

So ist die Entfaltung des irdischen Duftes als neunfach zu erkennen. Das Licht(-Element, Jyotis) sieht durch die Augen, und den Tastsinn erkennt es durch den Wind.

Wort für Wort
evaṃ navavidho jñeyaḥ
so ist als neunfach zu erkennen
pārthivo gandhavistaraḥ
die Entfaltung des irdischen Duftes
jyotiḥ paśyati cakṣurbhyaḥ
das Licht sieht durch die Augen
sparśaṃ vetti ca vāyunā
und den Tastsinn erkennt es durch den Wind

śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca rasaścāpi guṇāḥ smṛtāḥ / rasajñānaṃ tu vakṣyāmi tanme nigadataḥ śṛṇu

Schall, Tastsinn, Form und auch Geschmack werden als (dessen) Eigenschaften überliefert. Nun will ich die Kenntnis des Geschmacks darlegen – höre mir zu, wie ich es verkünde.

Wort für Wort
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca
Schall, Tastsinn und Form
rasaścāpi guṇāḥ smṛtāḥ
und auch Geschmack werden als Eigenschaften überliefert
rasajñānaṃ tu vakṣyāmi
nun will ich die Kenntnis des Geschmacks darlegen
tanme nigadataḥ śṛṇu
höre mir zu, wie ich es verkünde

raso bahuvidhaḥ prokta ṛṣibhiḥ prathitātmabhiḥ / madhuro lavaṇastiktaḥ kaṣāyo 'mlaḥ kaṭustathā

Der Geschmack wird von den Sehern, deren Wesen weitberühmt ist, als vielfältig bezeichnet: süß, salzig, bitter, herb/zusammenziehend, sauer und ebenso scharf.

Wort für Wort
raso bahuvidhaḥ prokta
der Geschmack wird als vielfältig bezeichnet
ṛṣibhiḥ prathitātmabhiḥ
von den Sehern, deren Wesen weitberühmt ist
madhuro lavaṇastiktaḥ
süß, salzig, bitter
kaṣāyo 'mlaḥ kaṭustathā
herb, sauer und ebenso scharf

eṣa ṣaḍidhavistāro raso vārimayaḥ smṛtaḥ / śabdaḥ sparśaśca rūpaśca triguṇaṃ jyotirucyate

Dies ist die sechsfache Entfaltung des Geschmacks, der als aus Wasser bestehend überliefert wird. Schall, Tastsinn und Form – mit diesen drei Eigenschaften wird das Licht(-Element) bezeichnet.

Wort für Wort
eṣa ṣaḍidhavistāro
dies ist die sechsfache Entfaltung
raso vārimayaḥ smṛtaḥ
des Geschmacks, der als aus Wasser bestehend gilt
śabdaḥ sparśaśca rūpaśca
Schall, Tastsinn und Form
triguṇaṃ jyotirucyate
mit diesen drei Eigenschaften wird das Licht bezeichnet

jyotiḥ paśyati rūpāṇi rūpaṃ ca bahudhā smṛtam / hrasvo dīrdhastathā sthūlaścaturasro 'ṇuvṛttavān

Das Licht(-Element) sieht Formen (Rūpas), und die Form wird als vielfältig überliefert: kurz, lang, ferner grob, viereckig, und (von) feinem-runden (Wesen).

Wort für Wort
jyotiḥ paśyati rūpāṇi
das Licht sieht Formen
rūpaṃ ca bahudhā smṛtam
und die Form wird als vielfältig überliefert
hrasvo dīrdhastathā sthūlaḥ
kurz, lang, ferner grob
caturasro 'ṇuvṛttavān
viereckig und von feinem-rundem (Wesen)

śuklaḥ kṛṣṇastathā rakto nīlaḥ pīto 'ruṇastathā / kaṭhinaścikkaṇaḥ ślakṣṇaḥ picchilo mṛdu dāruṇaḥ

Weiß, schwarz, ferner rot, blau, gelb und ebenso rotbraun; hart, glänzend, glatt, schlüpfrig, weich, rau.

Wort für Wort
śuklaḥ kṛṣṇastathā raktaḥ
weiß, schwarz, ferner rot
nīlaḥ pīto 'ruṇastathā
blau, gelb und ebenso rotbraun
kaṭhinaścikkaṇaḥ ślakṣṇaḥ
hart, glänzend, glatt
picchilo mṛdu dāruṇaḥ
schlüpfrig, weich, rau

evaṃ ṣoḍaśavistāro jyotīrupaguṇaḥ smṛtaḥ / tatraikaguṇamākāśaṃ śabda ityeva tatsmṛtam

So ist die Entfaltung der Eigenschaften des Licht(-Elements) als sechzehnfach überliefert. Darunter hat der Äther eine einzige Eigenschaft – als „Schall“ wird er eben überliefert.

Wort für Wort
evaṃ ṣoḍaśavistāro
so ist die sechzehnfache Entfaltung
jyotīrupaguṇaḥ smṛtaḥ
der Eigenschaften des Licht(-Elements) überliefert
tatraikaguṇamākāśaṃ
darunter hat der Äther eine einzige Eigenschaft
śabda ityeva tatsmṛtam
als ‘Schall’ wird er eben überliefert

tasya śabdasya vakṣyāmi vistaraṃ vividhātmakam / ṣaḍjo ṛṣabhagāndhārau madhyamodhaivatastathā

Von jenem Schall will ich die mannigfaltige Entfaltung beschreiben: Ṣaḍja, Ṛṣabha und Gāndhāra, Madhyama und ebenso Dhaivata,

Wort für Wort
tasya śabdasya vakṣyāmi
von jenem Schall will ich beschreiben
vistaraṃ vividhātmakam
die mannigfaltige Entfaltung
ṣaḍjo ṛṣabhagāndhārau
Ṣaḍja, Ṛṣabha und Gāndhāra
madhyamodhaivatastathā
Madhyama und ebenso Dhaivata

pañcamaścāpi vijñeyastathā cāpi niṣādavān / eṣa saptavidhaḥ prokto guṇa ākāśasaṃbhavaḥ

Und Pañcama ist ebenfalls zu erkennen, und ebenso auch Niṣāda. Dies ist die als siebenfach bezeichnete, aus dem Äther entstandene Eigenschaft.

Wort für Wort
pañcamaścāpi vijñeyas
und Pañcama ist ebenfalls zu erkennen
tathā cāpi niṣādavān
und ebenso auch Niṣāda
eṣa saptavidhaḥ prokto
dies wird als siebenfach bezeichnet
guṇa ākāśasaṃbhavaḥ
die aus dem Äther entstandene Eigenschaft

aiśvaryyeṇa tu sarvatra sthito 'pi payahādiṣu / mṛdaṅgabherīśaṅkhānāṃ stanayitno rathasya ca

Obwohl er durch (seine) Herrschermacht überall gegenwärtig ist, auch in Wasser und dergleichen [?] – (so erscheint er als der Klang) der Mṛdaṅga-Trommeln, der Bherī-Trommeln, der Muschelhörner, des Donners und des Wagens.

Wort für Wort
aiśvaryyeṇa tu sarvatra
durch (seine) Herrschermacht aber überall
sthito 'pi payahādiṣu
gegenwärtig, auch in Wasser und dergleichen [?]
mṛdaṅgabherīśaṅkhānāṃ
der Mṛdaṅga-Trommeln, Bherī-Trommeln, Muschelhörner
stanayitno rathasya ca
des Donners und des Wagens

[?] („payahādiṣu“ ist unklar/verderbt; sinngemäß als ‘in Wasser und dergleichen’ wiedergegeben.)

evaṃ bahuvidhākāraḥ śabda ākāśasaṃbhavaḥ / vāyavyastu guṇaḥ sparśaḥ sparśaśca bahudhā smṛtaḥ

So hat der aus dem Äther entstandene Schall vielfältige Gestalt. Die dem Wind eigene Eigenschaft aber ist der Tastsinn; und auch der Tastsinn wird als mannigfaltig überliefert.

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhākāraḥ
so, von vielfältiger Gestalt
śabda ākāśasaṃbhavaḥ
ist der aus dem Äther entstandene Schall
vāyavyastu guṇaḥ sparśaḥ
die dem Wind eigene Eigenschaft aber ist der Tastsinn
sparśaśca bahudhā smṛtaḥ
und der Tastsinn wird als mannigfaltig überliefert

uṣṇaḥ śītaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ snigdho viśada eva ca / tathā kharo mṛduḥ ślakṣṇo lavurgurutaro 'pi ca

Heiß, kalt, angenehm, unangenehm, ölig und auch klar/leicht; ferner rau, weich, glatt, leicht und auch schwerer.

Wort für Wort
uṣṇaḥ śītaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ
heiß, kalt, angenehm, unangenehm
snigdho viśada eva ca
ölig und auch klar/leicht
tathā kharo mṛduḥ ślakṣṇo
ferner rau, weich, glatt
lavurgurutaro 'pi ca
leicht [?] und auch schwerer

[?] („lavu“ ist vermutlich verschrieben aus „laghu“, „leicht“, so hier übersetzt; vgl. die in V.95 genannte Elfzahl der Eigenschaften.)

śabdasparśau tu vijñeyau dviguṇau vāyurityuta / evamekādaśavidho vāyavyo guṇa ucyate

Schall und Tastsinn aber sind als die zwei (ererbten) Eigenschaften des Windes zu erkennen, wird gesagt. So wird die dem Wind eigene Eigenschaft als elffach bezeichnet.

Wort für Wort
śabdasparśau tu vijñeyau
Schall und Tastsinn aber sind zu erkennen
dviguṇau vāyurityuta
als die zwei Eigenschaften des Windes, wird gesagt
evamekādaśavidho
so als elffach
vāyavyo guṇa ucyate
wird die dem Wind eigene Eigenschaft bezeichnet

ākāśajaṃ śabdamāhurebhirvāyuguṇaiḥ saha / avyāhataiścetayate naveti viṣamā gatiḥ

Den aus dem Äther entstandenen Schall nennt man, zusammen mit diesen Eigenschaften des Windes, unbehindert; er wird als neunfach [?] erkannt – uneinheitlich ist sein Verlauf.

Wort für Wort
ākāśajaṃ śabdamāhur
den aus dem Äther entstandenen Schall nennt man
ebhirvāyuguṇaiḥ saha
zusammen mit diesen Eigenschaften des Windes
avyāhataiścetayate
er wird als unbehindert erkannt
naveti viṣamā gatiḥ
als neunfach [?]; uneinheitlich ist sein Verlauf

[?] (Die Angabe „nava“, ‘neun’, lässt sich mit den vorher genannten Zahlen – ein Äther-Schall, elf Wind-Eigenschaften – nicht ohne Weiteres in Einklang bringen; der Vers bleibt inhaltlich unsicher.)

āpyāyante ca te nityaṃ dhātavastaistu dhātubhiḥ / āpo 'gnirmāruścaiva nityaṃ jāgrati dehiṣu

Und jene Elemente werden stets durch diese (ihre) Elemente genährt; Wasser, Feuer und Wind [?] sind stets wach in den Verkörperten.

Wort für Wort
āpyāyante ca te nityaṃ
und jene werden stets genährt
dhātavastaistu dhātubhiḥ
die Elemente durch diese (ihre) Elemente
āpo 'gnirmāruścaiva
Wasser, Feuer und Wind [?]
nityaṃ jāgrati dehiṣu
sind stets wach in den Verkörperten

[?] („māruḥ“ ist vermutlich verkürzt/verschrieben aus „mārutaḥ“, „Wind“, so hier übersetzt.)

mūlamete śarīrasya vyāpya prāṇāniha sthitāḥ / pārthivaṃ dhātumāsādya yathā ceṣṭayate balī

Diese sind die Wurzel des Körpers; die Lebenshauche (Prāṇas) weilen hier, ihn durchdringend; nachdem der Starke (die Lebenskraft) das irdische Element erreicht hat, bringt er es in Bewegung.

Wort für Wort
mūlamete śarīrasya
diese sind die Wurzel des Körpers
vyāpya prāṇāniha sthitāḥ
die Lebenshauche weilen hier, (ihn) durchdringend
pārthivaṃ dhātumāsādya
nachdem er das irdische Element erreicht hat
yathā ceṣṭayate balī
bringt der Starke es entsprechend in Bewegung

śrito mūrddhānamagnistu śarīraṃ paripālayet / prāṇo mūrddhani vāgnau ca vartamāno viceṣṭate

Das Feuer aber, im Haupt (Mūrdhan) wohnend, möge den Körper beschützen; der Prāṇa, im Haupt oder im Feuer weilend, bewirkt Bewegung.

Wort für Wort
śrito mūrddhānamagnistu
das Feuer aber, im Haupt wohnend
śarīraṃ paripālayet
möge den Körper beschützen
prāṇo mūrddhani vāgnau ca
der Prāṇa, im Haupt oder im Feuer
vartamāno viceṣṭate
weilend, bewirkt (er) Bewegung

sa jantuḥ sarvabhūtātmā puruṣaḥ sa sanātanaḥ / mano buddhirahṝṅkāro bhūtāni viṣayaśca saḥ

Jenes Lebewesen ist das Selbst aller Wesen, der ewige Puruṣa; er ist Geist (Manas), Verstand (Buddhi), Ich-Prinzip (Ahaṃkāra) [?], die Elemente und die Sinnesobjekte.

Wort für Wort
sa jantuḥ sarvabhūtātmā
jenes Lebewesen ist das Selbst aller Wesen
puruṣaḥ sa sanātanaḥ
der ewige Puruṣa
mano buddhirahṝṅkāro
Geist, Verstand, Ich-Prinzip [?]
bhūtāni viṣayaśca saḥ
er (ist) die Elemente und die Sinnesobjekte

[?] („ahṝṅkāra“ – wie bereits in V.18 und V.23 – ist die im Quelltext gegebene verschriebene Form von „ahaṃkāra“.)

evaṃ tviha sa sarvatra prāṇaistu paripālyate / pṛṣṭatastu samānena svāṃ svāṃ gatimupāśritaḥ

So wird er hier überall durch die Lebenshauche geschützt; von hinten aber, durch Samāna, hat (jeder Hauch) seinen jeweils eigenen Wirkungsbereich (Gati) inne.

Wort für Wort
evaṃ tviha sa sarvatra
so wird er hier überall
prāṇaistu paripālyate
durch die Lebenshauche geschützt
pṛṣṭatastu samānena
von hinten aber, durch Samāna
svāṃ svāṃ gatimupāśritaḥ
hat er seinen jeweils eigenen Wirkungsbereich inne

vastimūlaṃ gudaṃ caiva pāvakaṃ samupāśritaḥ / vahanmūtraṃ purīṣaṃ vāpyapānaḥ parivartate

Sich auf die Wurzel der Blase, auf den After und auf das Feuer stützend, bewegt sich Apāna, indem er Urin und Kot fortträgt.

Wort für Wort
vastimūlaṃ gudaṃ caiva
auf die Wurzel der Blase und auf den After
pāvakaṃ samupāśritaḥ
und auf das Feuer sich stützend
vahanmūtraṃ purīṣaṃ vā
Urin oder Kot forttragend
apānaḥ parivartate
bewegt sich Apāna

prayatne karmaniyame yaca ekastriṣu vartate / udāna iti taṃ prāhuradhyātmajñānakovidāḥ

Der, welcher bei Anstrengung und bei der Regelung der Handlung als einer unter dreien wirkt – ihn nennen die in der Erkenntnis des inneren Selbst Bewanderten „Udāna“.

Wort für Wort
prayatne karmaniyame
bei Anstrengung, bei der Regelung der Handlung
yaca ekastriṣu vartate
der, welcher als einer unter dreien wirkt
udāna iti taṃ prāhur
den nennen sie ‘Udāna’
adhyātmajñānakovidāḥ
die in der Erkenntnis des inneren Selbst Bewanderten

saṃdhiṣvapi ca sarveṣu saṃniviṣṭastathānilaḥ / śarīreṣu manuṣyāṇāṃ vyāna ityupadiśyate

Und jener Wind, der auch in allen Gelenken eingelassen ist, wird in den Körpern der Menschen als „Vyāna“ gelehrt.

Wort für Wort
saṃdhiṣvapi ca sarveṣu
und auch in allen Gelenken
saṃniviṣṭastathānilaḥ
jener eingelassene Wind
śarīreṣu manuṣyāṇāṃ
in den Körpern der Menschen
vyāna ityupadiśyate
wird er als ‘Vyāna’ gelehrt

bāhuṣvagnistu vitataḥ samānena samīritaḥ / rasānvāru doṣāṃśca vartayannati ceṣṭate

Das Feuer aber, in den Armen ausgebreitet und durch Samāna angetrieben, bewirkt, indem es die Säfte, den Wind-(Humor) [?] und die (übrigen) Körpersäfte (Doṣas) umlaufen lässt, außerordentliche Wirksamkeit.

Wort für Wort
bāhuṣvagnistu vitataḥ
das Feuer aber, in den Armen ausgebreitet
samānena samīritaḥ
durch Samāna angetrieben
rasānvāru doṣāṃśca
die Säfte, den Wind(-Humor) [?] und die Körpersäfte
vartayannati ceṣṭate
umlaufen lassend, wirkt es außerordentlich

[?] („rasānvāru doṣāṃśca“ ist unklar; „vāru“ wird hier sinngemäß als ‘Wind(-Humor)’, im Sinn von „vāyu“, gedeutet, im Zusammenhang mit den drei Körpersäften – Doṣas – der altindischen Medizin.)

apānaprāṇayormadhye prāṇāpānasamīhitaḥ / samanvitastvadhiṣṭānaṃ samyak pacati pāvakaḥ

Zwischen Apāna und Prāṇa, angetrieben durch das Zusammenwirken von Prāṇa und Apāna, verdaut das Feuer, mit seinem Sitz (Adhiṣṭhāna) vereint, ordnungsgemäß (die Nahrung).

Wort für Wort
apānaprāṇayormadhye
zwischen Apāna und Prāṇa
prāṇāpānasamīhitaḥ
angetrieben durch das Zusammenwirken von Prāṇa und Apāna
samanvitastvadhiṣṭānaṃ
mit seinem Sitz vereint
samyak pacati pāvakaḥ
verdaut das Feuer ordnungsgemäß

āspaṃhi pāyuparyantamante syādgudasaṃjñite / retastasmātprajāyante sarvasrotāṃsi dehinām

Sein Sitz [?] nämlich reicht bis zum After, an dessen Ende das mit „Guda“ (Mastdarm) Bezeichnete liegt; von dort werden der Same und sämtliche Körperkanäle (Srotas) der Verkörperten hervorgebracht.

Wort für Wort
āspaṃhi pāyuparyantam
sein Sitz [?] reicht bis zum After
ante syādgudasaṃjñite
an dessen Ende das ‘Guda’ genannte (liegt)
retastasmātprajāyante
von dort werden Same
sarvasrotāṃsi dehinām
und sämtliche Körperkanäle der Verkörperten hervorgebracht

[?] („āspaṃhi“ ist unklar/verderbt; vermutlich verschrieben aus „āsthānaṃ hi“, „der Sitz nämlich“, so hier sinngemäß übersetzt.)

prāṇānāṃ sannipātāśca sannipātaḥ prajāyate / ūṣmā cāgirīti jñeyo yo 'nnaṃ pacati dehinām

Und die Zusammenkünfte der Lebenshauche ergeben (eine) Zusammenkunft [?]; und die Hitze ist als „Agni“ (Feuer) zu erkennen, welche die Speise der Verkörperten verdaut.

Wort für Wort
prāṇānāṃ sannipātāśca
und die Zusammenkünfte der Lebenshauche
sannipātaḥ prajāyate
ergeben eine Zusammenkunft [?]
ūṣmā cāgirīti jñeyo
und die Hitze ist als Agni zu erkennen [?]
yo 'nnaṃ pacati dehinām
welche die Speise der Verkörperten verdaut

[Anm.: „sannipātāśca sannipātaḥ“ wiederholt denselben Wortstamm unmittelbar hintereinander – vermutlich eine Dittographie im Überlieferungstext. – [?] „cāgirīti“ ist vermutlich verschrieben aus „cāgnir iti“, „und als Agni“, so hier übersetzt.]

agnivegavahaḥ prāṇo gudānte pratihanyate / sa ūrdhvamāgamya punaḥ samutkṣipati pāvakam

Der Prāṇa, der die Kraft des Feuers trägt, wird am Ende des Mastdarms zurückgestoßen; er, wieder nach oben gelangt, facht das Feuer von neuem an.

Wort für Wort
agnivegavahaḥ prāṇo
der Prāṇa, der die Kraft des Feuers trägt
gudānte pratihanyate
wird am Ende des Mastdarms zurückgestoßen
sa ūrdhvamāgamya punaḥ
er, wieder nach oben gelangt
samutkṣipati pāvakam
facht das Feuer (von neuem) an

pakvāśayastvadho nābhyā ūrdhvamāmāśayaḥ smṛtaḥ / nābhimūle śarīrasya sarve prāṇāśca saṃsthitāḥ

Der Behälter des Verdauten (Pakvāśaya) ist unterhalb des Nabels; oberhalb wird der Behälter des Unverdauten (Āmāśaya) überliefert. An der Wurzel des Nabels des Körpers sind alle Lebenshauche vereint.

Wort für Wort
pakvāśayastvadho nābhyā
der Behälter des Verdauten ist unterhalb des Nabels
ūrdhvamāmāśayaḥ smṛtaḥ
oberhalb wird der Behälter des Unverdauten überliefert
nābhimūle śarīrasya
an der Wurzel des Nabels des Körpers
sarve prāṇāśca saṃsthitāḥ
sind alle Lebenshauche vereint

prasthitā hṛdayātsarve tiryagūrdhdamadhastathā / vahṝntyannarasānnāḍyo daśaprāṇapracoditāḥ

Alle vom Herzen ausgehend, quer, aufwärts und ebenso abwärts, tragen die von den zehn Lebenshauchen angetriebenen Kanäle (Nāḍīs) den Speisesaft.

Wort für Wort
prasthitā hṛdayātsarve
alle vom Herzen ausgehend
tiryagūrdhdamadhastathā
quer, aufwärts und ebenso abwärts
vahṝntyannarasānnāḍyo
die Kanäle tragen den Speisesaft
daśaprāṇapracoditāḥ
angetrieben von den zehn Lebenshauchen

eṣa mārgo 'pi yogānāṃ yena gacchanti tatpadam / jitaklamāḥ samā dhīrā mūrddhanyātmānamādadhan

Dies ist auch der Weg der Yogins, auf dem sie – die Ermüdung überwunden habend, gleichmütig, standhaft – zu jenem (höchsten) Zustand gelangen, indem sie das Selbst im Haupt (Mūrdhan) verankern.

Wort für Wort
eṣa mārgo 'pi yogānāṃ
dies ist auch der Weg der Yogins
yena gacchanti tatpadam
auf dem sie zu jenem Zustand gelangen
jitaklamāḥ samā dhīrā
die Ermüdung überwunden habend, gleichmütig, standhaft
mūrddhanyātmānamādadhan
indem sie das Selbst im Haupt verankern

evaṃ sarveṣu vihitaprāṇāpāneṣu dehinām / tasminsamidhyate nityamagniḥ sthālyāmivāhitaḥ

So, wenn Prāṇa und Apāna bei allen Verkörperten (in dieser Weise) geordnet sind, wird in jenem (Leib) das Feuer stets entfacht, wie eines, das in einem Kochtopf (Sthālī) untergebracht ist.

Wort für Wort
evaṃ sarveṣu vihita-
so, wenn bei allen (Verkörperten) geordnet sind
prāṇāpāneṣu dehinām
Prāṇa und Apāna, bei den Verkörperten
tasminsamidhyate nityam
in jenem wird stets entfacht
agniḥ sthālyāmivāhitaḥ
das Feuer, wie eines, das in einem Kochtopf untergebracht ist

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