Höre, mein Kind Marīci, du (sollst hören) das Purāṇa mit Namen Kūrma, das dem Lakṣmī-Kalpa entsprechend erzählt ist, worin Hari in Gestalt einer Schildkröte (erscheint).
Wort für Wort
śṛṇu vatsa marīce tvaṃ
höre, mein Kind Marīci, du
purāṇaṃ kūrmasaṃjñakam
das Purāṇa mit Namen Kūrma
lakṣmīkalpānucaritaṃ
dem Lakṣmī-Kalpa entsprechend erzählt
yatra kūrmavapurhariḥ
worin Hari in Schildkröten-Gestalt (ist)
[Anm.: Der Erzähler Brahmā redet hier — wie auch in V38 des folgenden Kap. 108 — seinen Sohn ausdrücklich als „Marīci“ an; die vorliegende Purāṇa-Übersicht ist demnach als an Marīci gerichtet dargestellt, von dem sie laut Kap. 104,17f. über weitere Glieder (u.a. Nārada, Vyāsa) tradiert wurde.]
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ māhātmyaṃ ca pṛthakpṛthak / indradyumnaprasaṃgena prāharṣibhyo dayānvitaḥ
und die Herrlichkeit von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, je einzeln, im Zusammenhang mit (König) Indradyumna, von Mitleid erfüllt den vorzüglichen Weisen (verkündet).
Es (zählt) siebzehntausend (Verse), ist schön viergeteilt (in vier Saṃhitās), glückverheißend; worin einst die brahmischen mannigfaltigen Dharmas verkündet wurden, o Weiser.
nānanākathāprasaṃgena nṛṇāṃ sadgatidāyakāḥ / tatra pūrvavibhāge tu purāṇopakramaḥ purā
durch den Zusammenhang mancherlei Erzählungen, den Menschen den guten Zustand gewährend; dort im vorderen Teil aber (steht) zuvor der Beginn des Purāṇa.
Wort für Wort
nānanākathāprasaṃgena
durch den Zusammenhang mancherlei Erzählungen [Anm.]
nṛṇāṃ sadgatidāyakāḥ
den Menschen den guten Zustand gewährend
tatra pūrvavibhāge tu
dort im vorderen Teil aber
purāṇopakramaḥ purā
(steht) zuvor der Beginn des Purāṇa
[Anm.: „nānanākathā“ vermutlich Schreibfehler für „nānākathā“ (mancherlei Erzählung).]
das Zwiegespräch zwischen Lakṣmī und Indradyumna, die Erzählung der Schildkröte mit der Schar der Weisen, die Erzählung vom Verhalten der Kasten und Lebensstufen, die Verkündung der Entstehung der Welt.
Wort für Wort
lakṣmīndradyumnasaṃvādaḥ
das Zwiegespräch zwischen Lakṣmī und Indradyumna
kūrṃmarṣigaṇasaṃkathā
die Erzählung der Schildkröte mit der Weisenschar
varṇāśramācārakathā
die Erzählung vom Verhalten der Kasten und Lebensstufen
die Berechnung der Zeit in Kürze, am Ende der Auflösung der Lobpreis des Herrn; dann in Kürze die Schöpfung und ebenso die Geschichte Śaṅkaras (Śivas).
die Entstehung der Götter und (anderer Wesen), dann die Zerstörung von Dakṣas Opfer, danach die Geschichte von Dakṣas Schöpfung, (und) die Verkündung von Kaśyapas Geschlecht.
die Erzählung vom Geschlecht des Atri, die glückverheißende Geschichte Kṛṣṇas, das Zwiegespräch zwischen Mārtaṇḍa (der Sonne) und Kṛṣṇa, die Erzählung von Vyāsa und den Pāṇḍavas.
Wort für Wort
ātreyavaṃśakathanaṃ
die Erzählung vom Geschlecht des Atri
kṛṣṇasyaṃ caritaṃ śubham
die glückverheißende Geschichte Kṛṣṇas [?]
mārtaṇḍakṛṣṇasaṃvādo
das Zwiegespräch zwischen Mārtaṇḍa und Kṛṣṇa
vyāsapāṇḍavasaṃkathā
die Erzählung von Vyāsa und den Pāṇḍavas
[?] „kṛṣṇasyaṃ“ ist grammatisch unklar (erwartbar wäre „kṛṣṇasya“); sinngemäß als Genitiv gedeutet.
und die Beschreibung der drei Welten, die Darstellung der Veda-Zweige; in ihrem hinteren Teil aber (steht) zuvor die ‚von Īśvara Gesungene' (Gītaiśvarī).
Wort für Wort
trailokyavarṇanaṃ caiva
und auch die Beschreibung der drei Welten
vedaśākhānirūpaṇam
die Darstellung der Veda-Zweige
uttare 'syā vibhāge tu
in ihrem hinteren Teil aber
purā gītaiśvarī tataḥ
zuvor die „Gītaiśvarī“ [?]
[?] „gītaiśvarī“ nicht sicher als eigener Abschnittsname identifiziert; sinngemäß als „von Īśvara Gesungene“ gedeutet.
durch dessen Befolgung man, nachdem man hier die Sünde abgeschüttelt hat, zum Himmel gelangt; im dritten (Viertel) wird der vierfache Lebenserwerb der Vaiśya-Kaste genannt.
durch den der Herr der Śrī (Viṣṇu) zufriedengestellt wird, der das Heil der Menschen mehrt; in deren fünftem Viertel wird dann der aus Vermischung entstandene Lebenserwerb genannt.
Wort für Wort
yayā saṃtuṣyati śrīśo
durch den der Herr der Śrī zufriedengestellt wird
nṛṇāṃ śreyovivarddhanaḥ
der das Heil der Menschen mehrt
pañcame 'syāstataḥ pāde
in deren fünftem Viertel dann
vṛttiḥ saṃkarajoditā
wird der aus Vermischung entstandene Lebenserwerb genannt
tṛtīyātroditā saurī nṝṇāṃ kāryavidhāyinī / ṣoḍhā ṣaṭkarmasirddhi bodhayantī ca kāminām
die dritte hier genannte ist die Saurī, die den Menschen die (rechten) Handlungen vorschreibt, sechsfach, die den Begehrenden den Erfolg der sechs Handlungen lehrt.
Sie werden der Reihe nach mit sechs-, vier- (und) zweitausend (Versen) verkündet.
Wort für Wort
tāḥ kramāt
sie der Reihe nach
ṣaṭcaturdvīṣusāhasrāḥ
mit sechs-, vier- und zweitausend
parikīrtitāḥ
werden verkündet
[Anm.: Halbvers; die genannten Zahlen (6000, 4000, 2000) ergeben zusammen nur drei Angaben für die vier zuvor genannten Saṃhitās (brāhmī, bhāgavatī, saurī, vaiṣṇavī) und summieren sich nicht auf die in V3 genannten 17.000 Verse — vermutlich Textverderbnis oder Lückenhaftigkeit der Überlieferung; nicht redaktionell korrigiert.]