Kapitel 109: dvādaśamāsapratipadvratanirūpaṇam
Darlegung der Pratipad-Gelübde der zwölf Monate
Titel rekonstruiert aus dem Kolophon, der (quellenbedingt versetzt) am Kopf der Datei src_kap110_raw.txt erscheint („...dvādaśamāsapratipadvratanirūpaṇaṃ nāma daśottaraśatatamo 'dhyāyaḥ“) und inhaltlich eindeutig Kapitel 109 zuzuordnen ist; dieses durchgängige Verschiebungsmuster (Kolophon von Kapitel N erscheint am Kopf der Rohdatei von Kapitel N+1) betrifft alle sechs bearbeiteten Kapitel und wurde, wie im bisherigen Projekt üblich, nicht in den Vers-Text von V1 aufgenommen.
Nārada sprach: Das gesamte Purāṇa-Sūtra habe ich aus deinem Mund gehört, o Herr, so wie es von Brahmā Parameṣṭhin dem Marīci verkündet wurde.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
purāṇasūtramakhilaṃ śrutaṃ tava mukhādvibho
das gesamte Purāṇa-Sūtra habe ich vollständig aus deinem Mund gehört, o Herr
marūcaye yathā proktaṃ
so wie es dem Marīci verkündet wurde
brahmaṇā parameṣṭhinā
von Brahmā Parameṣṭhin
Der eigentliche Kolophon des VORANGEHENDEN Kapitels (108, „brahmāṇḍapurāṇānukramaṇīnirūpaṇam“, hier fälschlich als „navottaraśatatamo 'dhyāyaḥ“ = 109. Kapitel bezeichnet) steht in der Quelldatei irrtümlich VOR dieser Verszeile (Kolophon-Verschiebung, durchgängiges Muster in diesem Textkorpus). Er wurde hier nicht mitübersetzt, da er nicht zu Kapitel 109 gehört.
yasminmāse tu yā puṇyā tithiryena uvāsitā / yadvidhānaṃ ca pūjādestatsarvaṃ vada sāṃpratam
In welchem Monat welcher heilige Tithi ist, von wem er verehrt [?, uvāsitā wohl für upāsitā] wurde, und welches die Vorschrift der Verehrung usw. ist – das alles sage mir jetzt.
Wort für Wort
yasminmāse tu yā puṇyā tithiḥ
in welchem Monat welcher heilige Tithi ist
yena uvāsitā
von wem er verehrt [?] wurde
yadvidhānaṃ ca pūjādeḥ
und welches die Vorschrift der Verehrung usw. ist
tatsarvaṃ vada sāṃpratam
das alles sage jetzt
uvāsitā ist morphologisch auffällig; vermutlich Fehlschreibung/-lesung für upāsitā („verehrt“).
Sanātana sprach: Höre, Nārada, ich werde dir die Gelübde der Tithis einzeln verkünden, gemäß der Reihenfolge der Tithi-Herren, die alle Vollkommenheit bewirken.
Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich werde verkünden
tithīnāṃ te vrataṃ pṛthak
dir die Gelübde der Tithis einzeln
tithīśānukramādeva sarvasiddhividhāyakam
gemäß der Reihenfolge der Tithi-Herren, die alle Vollkommenheit bewirken
vatsarādau vasaṃtādau balirājye tathaiva ca / pūrvaviddhaiva kartavyā pratipatsarvadā budhaiḥ
Am Beginn des Jahres, am Beginn des Frühlings, sowie auch im Reich Balis soll die Pratipad von den Weisen stets als die 'vorher berührte' (mit dem Vortag verbundene) begangen werden.
Wort für Wort
vatsarādau vasaṃtādau
am Beginn des Jahres, am Beginn des Frühlings
balirājye tathaiva ca
und ebenso im Reich Balis
pūrvaviddhaiva kartavyā
soll (sie) als die vorher berührte begangen werden
tatra kāryā mahāśāntiḥ sarvakalmaṣanāśinī / sarvotpātapraśamanī kaliduṣkṛtahāriṇī
Dort soll die große Friedenszeremonie (Mahāśānti) vollzogen werden, die alle Verunreinigung vernichtet, alle Unglückszeichen besänftigt und die schlechten Taten des Kali-Zeitalters hinwegnimmt.
Wort für Wort
tatra kāryā mahāśāntiḥ
dort soll die große Friedenszeremonie vollzogen werden
sarvakalmaṣanāśinī
die alle Verunreinigung vernichtet
sarvotpātapraśamanī
die alle Unglückszeichen besänftigt
kaliduṣkṛtahāriṇī
die die schlechten Taten des Kali-Zeitalters hinwegnimmt
tasyāmādau tu saṃpūjyo brahmā vahnivapurdharaḥ / pādyārdhyapuṣpadhūpaiśca vastrālaṅkārabhojanaiḥ
An diesem (Tag) soll zuerst Brahmā, der die Gestalt des Feuers trägt, verehrt werden, mit Fußwasser, Ehrenwasser, Blumen und Räucherwerk, sowie mit Gewändern, Schmuck und Speise.
Wort für Wort
tasyāmādau tu saṃpūjyo
an diesem (Tag) soll zuerst verehrt werden
brahmā vahnivapurdharaḥ
Brahmā, der die Gestalt des Feuers trägt
pādyārdhyapuṣpadhūpaiśca
mit Fußwasser, Ehrenwasser, Blumen und Räucherwerk
Mit Feueropfern, Opfergaben und Geschenken, sowie mit der Sättigung von Brahmanen; danach soll den (anderen) Göttern der Reihe nach je einzeln Verehrung dargebracht werden.
kṛtvoṅkāra namaskāraṃ kuśodakatilākṣataiḥ / savastraṃ sahiraṇyaṃ ca tato dadyāddijātaye
Nachdem man mit der Silbe Oṃ die Verneigung vollzogen hat, mit Kuśagras, Wasser, Sesam und ungeschältem Reis, soll man danach dem Zweifachgeborenen (eine Gabe) mit Gewand und Gold geben.
(Man gebe) dem Vedakundigen die Priestergabe, zur Vollendung des Gelübdes. So wird durch diese besondere Verehrung das Gelübde 'Sauri' (der Sonne/Savitṛ zugehörig [?]) genannt.
Wort für Wort
dakṣiṇāṃ vedaviduṣe
die Priestergabe dem Vedakundigen
vratasaṃpūrtihetave
zur Vollendung des Gelübdes
evaṃ pūjāviśeṣeṇa
so durch diese besondere Verehrung
vrataṃ syātsaurisaṃjñakam
wird das Gelübde 'Sauri' [?] genannt
saurisaṃjñakam ist unklar; Bezug entweder zu Sūrya/Savitṛ (Sonne, passend zum Sonnenaufgangs-Ritus aus V5) oder zu Śani (Sauri = Sohn der Sonne, Saturn); mit [?] markiert.
Es gewährt den Menschen Gesundheit, o Brahmane, an eben diesem Tag, o Weiser. Auch das 'Wissens-Gelübde' (Vidyāvrata) wird für eben diesen Tithi gelehrt.
tilakaṃ nāma ca proktaṃ kṛṣṇenājātaśatrave / atha jyeṣṭhe site pakṣe pakṣatyāṃ [?] divasodaye
Und es wird 'Tilaka' genannt, wie es von Kṛṣṇa dem Ajātaśatru (Yudhiṣṭhira) verkündet wurde. Nun, im Monat Jyeṣṭha, in der hellen Monatshälfte, am ersten Tag [?] bei Tagesanbruch...
Wort für Wort
tilakaṃ nāma ca proktaṃ
und es wird 'Tilaka' genannt
kṛṣṇenājātaśatrave
von Kṛṣṇa dem Ajātaśatru (verkündet)
atha jyeṣṭhe site pakṣe
nun, im Monat Jyeṣṭha, in der hellen Monatshälfte
pakṣatyāṃ [?] divasodaye
am ersten Tag [?] bei Tagesanbruch
pakṣatyāṃ ist morphologisch unklar; vermutlich verderbt für pratipadi („am ersten Tag“), analog zu den Parallelformulierungen der übrigen Verse.
soll man den lieblichen, im Göttergarten wachsenden Oleander (Karavīra) verehren, der mit rotem Faden umwunden ist [?], mit Duftstoffen, Räucherwerk und Salben.
Wort für Wort
devodyānabhavaṃ hṛdyaṃ
den lieblichen, im Göttergarten entstandenen
karavīraṃ samarcayet
Oleander soll man verehren
raktatanturīdhānaṃ [?]
der mit rotem Faden umwunden ist [?]
gandhadhūpavilepanaiḥ
mit Duftstoffen, Räucherwerk und Salben
raktatanturīdhānaṃ ist unklar überliefert; sinngemäß mit „mit rotem Faden versehen/umwunden“ wiedergegeben, mit [?] markiert.
und mit den gekeimten sieben Getreidearten, mit Orangen [?] und Zedratfrüchten (Bījapūraka); nachdem man ihn mit ungeschältem Reis und Wasser besprengt hat, bitte man ihn mit folgendem Mantra um Verzeihung:
Wort für Wort
prarūḍhasaptadhānyaiśca
und mit den gekeimten sieben Getreidearten
nāragairbījapūrakaiḥ [?]
mit Orangen [?] und Zedratfrüchten
abhyukṣyākṣatatoyena
nachdem man mit ungeschältem Reis und Wasser besprengt hat
mantreṇetthaṃ kṣamāpayet
bitte man mit folgendem Mantra um Verzeihung
nāragaiḥ ist wohl verkürzt/verderbt für nāraṅgaiḥ („Orangen“); mit [?] markiert.
'Oh Karavīra, Wohnstatt des Stieres [?], Verehrung dir, Liebling der Sonne, der du den Göttern wie Indra (dem Blitzträger), Mṛḍa (Śiva) und Durgā stets lieb bist.'
Wort für Wort
karavīra vṛṣāvāsa [?]
oh Karavīra, Wohnstatt des Stieres [?]
namaste bhānuvallabha
Verehrung dir, Liebling der Sonne
daṃbholimṛḍadurgādi-
den Göttern wie Indra, Mṛḍa und Durgā
devānāṃ satataṃ priya
stets lieb
vṛṣāvāsa („Wohnstatt des Stieres“) ist als Beiname des Oleanders unklar; mit [?] markiert.
Mit dem im Veda verkündeten, mit 'ā kṛṣṇena...' beginnenden Mantra bitte man so um Verzeihung. Nachdem man so mit Hingabe verehrt und dem Brahmanen die Priestergabe gegeben hat,
Wort für Wort
ākṛṣṇeneti vedokta-
mit dem im Veda verkündeten, mit 'ā kṛṣṇena' (beginnenden)
soll man danach die Umschreitung vollziehen und danach zu seinem eigenen Haus gehen. Am Pratipad der hellen Hälfte des Monats Nabhas (gibt es ein Gelübde), das Reichtum und Weisheit verleiht,
die höchste Grundlage von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa ist dieses Gelübde. Beginnend mit einem Montag, o Zweifachgeborener, dauert es dreieinhalb Monate,
bis zur dunklen 'bhūtā' [?] genannten (Tithi) im Kārtika, soll man, dem Gelübde hingegeben, fasten. An der Vollmondnacht soll man Śiva verehren, verbunden mit goldenem Bambus(gerät) [?],
Wort für Wort
kārtikāsitabhūtāyām [?]
bis zur dunklen 'bhūtā' (Tithi) im Kārtika [?]
upoṣyaṃ vratatatparaḥ
soll man, dem Gelübde hingegeben, fasten
pūrṇāyāṃ śivamabhyarcya
an der Vollmondnacht soll man Śiva verehren
suvarṇa vaṃśasaṃyutam [?]
verbunden mit goldenem Bambus(gerät) [?]
asitabhūtāyām und vaṃśasaṃyutam sind unklar überliefert; möglicherweise Bezug auf ein Bambus-Gefäß für das im folgenden Vers genannte vāyana (Gastgeschenk); mit [?] markiert.
ein sehr verdienstvolles Gastgeschenk, das die Liebe der Gottheit mehrt, soll man, nachdem man es feierlich gelobt hat, dem Brahmanen geben, zur Mehrung des Reichtums, o Herr der Weisen.
Wort für Wort
vāyanaṃ sumahatpuṇyaṃ
ein sehr verdienstvolles Gastgeschenk
devatāprītivardhakam
das die Liebe der Gottheit mehrt
dadyādviprāya saṃkalpya
soll man, nachdem man es gelobt hat, dem Brahmanen geben
Am Pratipad der hellen Hälfte des Bhādra(pada) gibt es ein Gelübde mit Namen 'das Größte'; manche nennen es das Gelübde 'Mauna' (Schweigen); dabei wird Śiva verehrt.
naivedyaṃ tu pacenmaunī ṣoḍaśatriguṇāni ca / phalāni piṣṭapakvāni dadyādviprāya ṣoḍaśa
Der Schweigende soll die Speiseopfergabe kochen, sechzehnfach dreifach [?], und soll dem Brahmanen sechzehn aus Mehl gebackene Früchte (Gebäcke) geben.
Wort für Wort
naivedyaṃ tu pacenmaunī
der Schweigende soll die Speiseopfergabe kochen
ṣoḍaśatriguṇāni ca [?]
sechzehnfach dreifach [?]
phalāni piṣṭapakvāni
aus Mehl gebackene Früchte (Gebäcke)
dadyādviprāya ṣoḍaśa
soll er dem Brahmanen sechzehn geben
ṣoḍaśatriguṇāni ist unklar („sechzehn (mal) drei Bestandteile“ o.ä.); mit [?] markiert.
weitere sechzehn werden vom Gott mit sechzehnfacher Wesenheit [?] verzehrt; nachdem man, kundig der Vorschrift, den goldenen Śiva auf einem Wassertopf verehrt hat,
Wort für Wort
devāya ṣoḍaśānyāni
weitere sechzehn für den Gott
bhujyante ṣoḍaśātmanā [?]
werden von der sechzehnfachen Wesenheit [?] verzehrt
sauvarṇaṃ śivamabhyarcya
nachdem man den goldenen Śiva verehrt hat
kumbhopari vidhānavit
auf einem Wassertopf, kundig der Vorschrift
ṣoḍaśātmanā ist unklar; evtl. Bezug auf eine sechzehnfache Erscheinungsform der Gottheit; mit [?] markiert.
soll man all dies zusammen mit einer Kuh dem Lehrer übergeben. Nachdem man dieses Gelübde vollzogen hat, o Brahmane – das Gelübde des Gottes der Götter, des Dreizackträgers (Śiva) –,
Wort für Wort
tatsarvaṃ dhenusahitam
all dies zusammen mit einer Kuh
ācāryyāya pradāpayet
soll man dem Lehrer übergeben
idaṃ kṛtvā vrataṃ vipra
nachdem man dieses Gelübde vollzogen hat, o Brahmane
deva devasya śūlinaḥ
das Gelübde des Gottes der Götter, des Dreizackträgers
gelangt man nach vierzehn Jahren, am Ende des Körpers, nachdem man die Genüsse genossen hat, zu Śiva. Am Pratipad der hellen Hälfte des Āśvina, nachdem der Mensch das Aśoka-Gelübde vollzogen hat,
Wort für Wort
caturdaśābdaṃ dehāntaṃ
nach vierzehn Jahren, am Ende des Körpers
bhuktabhogaḥ śivaṃ vrajet
gelangt man, die Genüsse genossen habend, zu Śiva
āśvine sitapakṣatyāṃ
am Pratipad der hellen Hälfte des Āśvina
katvāśokavrataṃ naraḥ
nachdem der Mensch das Aśoka-Gelübde vollzogen hat
aśoko jāyate vipradhanadhānyasamanvitaḥ / aśokapūjanaṃ tatra kāryaṃ niyamatatparaiḥ
wird er kummerlos geboren, o Brahmane, ausgestattet mit Reichtum und Getreide. Dabei soll von den der Regel Ergebenen die Verehrung des Aśoka-Baumes vollzogen werden.
Am Ende des Gelübdes, im zwölften Jahr, nachdem er ein Bildnis des Aśoka-Baumes dem Lehrer mit Hingabe dargebracht hat, wird er in der Welt Śivas geehrt.
Wort für Wort
vratānte dvādaśe varṣe
am Ende des Gelübdes, im zwölften Jahr
mūrtiṃ cāśokaśākhinaḥ
ein Bildnis des Aśoka-Baumes
samarpya gurave bhaktyā
nachdem er es dem Lehrer mit Hingabe dargebracht hat
An eben diesem Pratipad soll man das Neunnächtige (Navarātra) beginnen. Am Vormittag soll man die Göttin verehren, nachdem man zuvor einen Wassertopf aufgestellt hat.
Nachdem man die Keimlingsaussaat mit Gerste, vermischt mit Weizen, vorgenommen hat, soll man danach täglich eine einzige, unerbettelte Mahlzeit einnehmen.
(oder) nach Kraft fasten, Verehrung, Rezitation, Murmelgebet und dergleichen (vollziehen); die im Mārkaṇḍeya-Purāṇa verkündete Dreiheit der Erzählungen, o Zweifachgeborener,
Wort für Wort
upavāsaṃ yathāśakti
(oder) nach Kraft fasten
pūjāpāṭhajapādikam
Verehrung, Rezitation, Murmelgebet und dergleichen
paṭhanīyaṃ navadinaṃ bhuktimuktī abhīpsatā / kumārīpūjanaṃ tatra praśastaṃ bhojanādibhiḥ
soll neun Tage lang von dem rezitiert werden, der Genuss und Erlösung erlangen will. Die Verehrung der Jungfrauen ist dabei gepriesen, mit Speisung und dergleichen.
So, wenn er das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane, wird der Mensch zum Sitz aller Vollkommenheit auf Erden, durch die Gnade Durgās – daran ist kein Zweifel.
Nun, am Pratipad der hellen Hälfte des Ūrja (Kārtika), soll man das im Navarātra beschriebene (Gelübde) vollziehen, besonders aber das 'Annakūṭa' genannte, welches die Liebe Viṣṇus mehrt.
sarvapākaiḥ sardadohaiḥ [?] sarvaiḥ sarvārthasiddhaye / kartavyamannakūṭaṃ tu govarddhanasamarcane
mit allen gekochten Speisen, mit aller Kuhmilch [?], mit allem, zur Erlangung aller Ziele; der Annakūṭa (Speiseberg) soll bei der Verehrung des Govardhana-Berges dargebracht werden.
Wort für Wort
sarvapākaiḥ sardadohaiḥ [?]
mit allen gekochten Speisen, mit aller Kuhmilch [?]
sarvaiḥ sarvārthasiddhaye
mit allem, zur Erlangung aller Ziele
kartavyamannakūṭaṃ tu
der Annakūṭa (Speiseberg) soll dargebracht werden
govarddhanasamarcane
bei der Verehrung des Govardhana-Berges
sardadohaiḥ ist unklar, vermutlich verderbt für sarvadohaiḥ („mit aller Milch [der Kühe]“); mit [?] markiert.
sāyaṃ gobhiḥ saha śrīmadgovarddhanadharādharam / samarcya dakṣiṇīkṛtya bhuktimuktī samāpnuyāt
Am Abend soll man, zusammen mit den Kühen, den erhabenen Träger des Govardhana-Berges verehren, und nachdem man ihn mit der Priestergabe geehrt hat, erlangt man Genuss und Erlösung.
Wort für Wort
sāyaṃ gobhiḥ saha
am Abend, zusammen mit den Kühen
śrīmadgovarddhanadharādharam
den erhabenen Träger des Govardhana-Berges
samarcya dakṣiṇīkṛtya
nachdem man ihn verehrt und mit der Priestergabe geehrt hat
Nun, am ersten Tag der hellen Hälfte des Mārga(śīrṣa), gibt es das unübertreffliche 'Reichtums-Gelübde'; nachts Verehrung Viṣṇus mit Feueropfern, (dabei) einen goldenen Feuergott (Agni),
Durch das Feuer von seinen Sünden verbrannt, wird er in der Welt Viṣṇus geehrt. Am Pratipad der hellen Hälfte des Pauṣa, nachdem er die Sonne (Bhānu) mit Hingabe verehrt hat,
erlangt der Sterbliche, der das Gelübde der Einmahlzeit hält, die Welt der Sonne. Am ersten Tag der hellen Hälfte des Māgha (soll man) das Feuer, den leibhaftigen Maheśvara (Śiva),
Wort für Wort
ekabhaktavrato martyo
der Sterbliche, der das Gelübde der Einmahlzeit hält
bhānulokamavāpnuyāt
erlangt die Welt der Sonne
māghaśukladyadivase [?]
am ersten Tag der hellen Hälfte des Māgha [?]
vahniṃ sākṣānmaheśvaram
das Feuer, den leibhaftigen Maheśvara
māghaśukladyadivase liest sich unregelmäßig für māghaśuklādidivase („am ersten Tag der hellen Hälfte des Māgha“); mit [?] markiert.
nach Vorschrift verehren; so wird man reich auf Erden geboren. Nun, am Beginn der hellen Hälfte des Phālguna, (soll man) den Gott der Götter, den Himmelsgewandeten (Digambara, Śiva),
svasāyujyaṃ pradiśati bhaktyā samyaksamarcitaḥ / vaiśākhe tu sitādyāyāṃ viṣṇuṃ viśvavihāriṇam
Er gewährt die Vereinigung mit sich selbst (Sāyujya), wenn er mit Hingabe recht verehrt wird. Am ersten Tag der hellen Hälfte des Vaiśākha aber (soll man) Viṣṇu, der im All umherwandelt,
nach Vorschrift verehren, und der Gelübdehaltende soll Brahmanen speisen. Ebenso soll man am ersten Tag der hellen Hälfte des Śuci (Āṣāḍha) Brahmā, den Lehrer der Welten,
Wort für Wort
samabhyarcya vidhānena
nach Vorschrift verehren
viprānsaṃbhojayedvratī [?]
und der Gelübdehaltende [?] soll Brahmanen speisen
evaṃ śucisitādyāyāṃ
ebenso am ersten Tag der hellen Hälfte des Śuci
brahmāṇaṃ jagatāṃ gurum
Brahmā, den Lehrer der Welten
vatī steht vermutlich für vratī („der Gelübdehaltende“); mit [?] markiert.
vrateṣveteṣu sarveṣu brahmacaryaṃ vidhīyate / bhojane tu haviṣyānnaṃ sāmānyata udāhṛtam
Bei all diesen Gelübden wird Keuschheit (Brahmacarya) vorgeschrieben; bei der Speisung aber wird im Allgemeinen geopferte/geweihte Speise (Haviṣyānna) genannt.