Sanaka sprach: Zwei Söhne des Vedamālī wurden genannt, o Bester der Weisen, nämlich Yajñamālī und Sumālī; von deren beider Taten sei nun berichtet.
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
vedamāleḥ sutau proktau
die beiden Söhne des Vedamālī wurden genannt
yāvubhau munisattama
welche beide, o Bester der Weisen
yajñamālī sumālī ca
Yajñamālī und Sumālī
tayoḥ karma adhunā ucyate
von deren beider Tun wird jetzt berichtet
[Anm.: Der Vers wird im Quelltext durch das fehlplatzierte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels ('...jñānanirūpaṇa nāma pañcatriṃśo 'dhyāyaḥ') eingeleitet, bevor der eigentliche Vers 1 beginnt. Zudem liest die Handschrift 'karmādhunocyata' statt korrektem 'karmādhunocyate'.]
alamamatyantakaṣṭena vṛttenāsmatkule 'nuja / tvameka eva duṣṭātmā mahāpāparato 'bhavaḥ
Genug mit diesem überaus schändlichen Lebenswandel in unserer Familie, jüngerer Bruder! Du allein, von böser Seele, bist der großen Sünde ergeben geworden.
Yajñamālī, klugen Sinnes, o Brahmane, war stets der Rechtschaffenheit ergeben; unaufhörlich gab er Speise, durch den Umgang mit den Guten von seiner Sünde befreit.
Das ganze Vermögen des hochherzigen Yajñamālī, der stets der Gabe an würdige Empfänger ergeben war und auf dem Pfad des Dharma wandelte, wurde verschenkt.
Wahrlich, zum Genuss der Guten sind die Reichtümer der Rechtschaffenen bestimmt; die Frucht des Wunschbaumes wird ja gänzlich nur von den Unsterblichen genossen.
[Er sah einen Menschen], der von Yamas Häschern geschlagen [?], von Hunger und Durst gequält, zu einem Gespenst geworden, unbekleidet, elend, mit Stricken umschlungen war, der hierhin und dorthin lief und wie ein Verlassener wehklagte,
Wort für Wort
tāḍyamānaṃ yamabhaṭaiḥ
von Yamas Häschern geschlagen [?]
kṣuttṛḍbhyāṃ paripīḍitam
von Hunger und Durst gequält
pretabhūtaṃ vivastraṃ ca
zu einem Gespenst geworden und unbekleidet
duḥkhitaṃ pāśaveṣṭitam
elend, mit Stricken umschlungen
itastataḥ prādhāvantam
hierhin und dorthin laufend
vilapantam anāthavat
wehklagend wie ein Herrenloser
[Anm.: V26-V27 bilden zusammen eine ungewöhnliche Sechs-Pāda-Einheit (drei Halbverse in V26, ein Pāda in V27) statt der üblichen Vier-Pāda-Struktur; im Quelltext offenbar durch fehlerhafte Verszählung zerteilt.] [?] 'tāhyamānam' unsichere Lesung, vermutlich für 'tāḍyamānam' ('geschlagen') oder 'vāhyamānam' ('fortgeschleppt').
'Die Freundschaft entsteht nach sieben gemeinsamen Schritten', so sagen die Kenner des Dharma; unter Guten entsteht die Freundschaft nach sieben Schritten, unter Guten und wiederum Guten schon nach drei Schritten.
Wort für Wort
sakhyaṃ sāptapadīnaṃ syāt
die Freundschaft entstehe nach sieben Schritten
iti āhuḥ dharmakovidāḥ
so sagen die Kenner des Dharma
satāṃ sāptapadī maitrī
unter Guten entsteht die Freundschaft nach sieben Schritten
satsatāṃ tripadī tathā
unter besonders Guten ebenso schon nach drei Schritten
Diejenigen aber, die selbst unter den Guten wahrhaft gut sind - unter ihnen entsteht Freundschaft bei jedem einzelnen Schritt.
Wort für Wort
satsatām api ye santaḥ
die aber, die selbst unter den Guten wahrhaft gut sind
teṣāṃ maitrī pade pade
für sie entsteht Freundschaft bei jedem Schritt
[Anm.: V33 besteht nur aus einem einzelnen Pāda (statt vier) und bildet inhaltlich den Abschluss der in V32 begonnenen Aufzählung (sieben Schritte / drei Schritte / jeder Schritt) - vermutlich fehlerhafte Verstrennung in der Quelle. 'maitraghī' ist wohl verderbt für 'maitrī'.]
Die Boten Viṣṇus sprachen: O Yajñamālī, Hochgesegneter, dem Nārāyaṇa Ergebener! Wir werden dir das Mittel verkünden, das aus Liebe zu Sumālī die Befreiung bringt.
Von dir wurde der Schlamm beseitigt [?], aus dem Wunsch, an jenem Ort zu verweilen; jener Ort im Viṣṇu-Tempel gelangte dadurch zum Zustand der Bestreichung mit Lehm.
Wort für Wort
dūrīkṛtaḥ tvayā paṅkaḥ
von dir wurde der Schlamm beseitigt [?]
tatsthāne sthātum icchayā
aus dem Wunsch, an jenem Ort zu verweilen
upalepanatāṃ prāptaṃ
gelangte zum Zustand des Bestreichens mit Lehm
tatsthānaṃ viṣṇumandire
jener Ort im Viṣṇu-Tempel
[?] 'dīrīkṛtaḥ' vermutlich verlesen für 'dūrīkṛtaḥ' ('beseitigt').
tvayoṣitaṃ tu tadgātrau tasmindevālaye dvija / daṃśitaścaiva sarpeṇa prāptaṃ pañcatvameva ca / tena puṇyaprabhāvena upalepakṛtena ca / viprajanma tvayā prāptaṃ hari bhaktistathācalā
Als du aber dort verweiltest [?], in jenem Gotteshaus, o Zweifachgeborener, wurdest du von einer Schlange gebissen und gelangtest zum Tode. Durch die Kraft dieses Verdienstes, das durch das Bestreichen mit Lehm erworben wurde, erlangtest du die Geburt als Brahmane, und ebenso ward deine Hingabe an Hari unerschütterlich.
Wort für Wort
tvayā uṣitaṃ tu tadgātre
als du aber dort verweiltest [?]
tasmin devālaye dvija
in jenem Gotteshaus, o Zweifachgeborener,
daṃśitaḥ caiva sarpeṇa
und wurdest von einer Schlange gebissen
prāptaṃ pañcatvam eva ca
und gelangtest zum Tode
tena puṇyaprabhāvena
durch die Kraft dieses Verdienstes
upalepakṛtena ca
das durch das Bestreichen mit Lehm erworben wurde
viprajanma tvayā prāptaṃ
erlangtest du die Geburt als Brahmane
hari bhaktiḥ tathā acalā
und ebenso ward die Hingabe an Hari unerschütterlich
[Anm.: V42 umfasst laut Reparaturhinweis acht Pādas (statt der üblichen vier) - vermutlich zwei ursprünglich getrennte Verse, die im Quelltext fehlerhaft zusammengezogen wurden.] [?] 'tadgātrau' unsichere Lesung, Sinn vermutlich 'dort verweilend'.
Nachdem du die Nähe Haris für hundert Koṭi Weltzeitalter und darüber erlangt und dort gewohnt hast [?], wirst du, nachdem du Erkenntnis erlangt hast, zur höchsten Erlösung gelangen.
Wort für Wort
kalpakoṭiśataṃ sāgraṃ
für hundert Koṭi Weltzeitalter und darüber
saṃprāpya harisannidhim
nachdem du die Nähe Haris erlangt hast
vasa adya jñānam āsādya
wohne dort [?], und nachdem du Erkenntnis erlangt hast
Die aus dem Bestreichen mit Lehm eines Bodens von nur einer Kuhhaut Größe erwachsene Verdienstfrucht - gib sie ihm und errette, o Hochgesegneter, von Mitleid erfüllt, deinen Bruder.
Wort für Wort
gocarmamātrabhūmeḥ tu
eines Bodens von nur der Größe einer Kuhhaut
upalepanajaṃ phalam
die aus dem Bestreichen mit Lehm entstandene Frucht
Sumālī aber, der Hochgesegnete, verweilte voller Freude in Viṣṇus Welt und gelangte, nachdem er wieder zur Erde zurückgekehrt war, zum Stand eines Brahmanen.
Wort für Wort
sumālī tu mahābhāgaḥ
Sumālī aber, der Hochgesegnete,
viṣṇuloke mudānvitaḥ
in Viṣṇus Welt voller Freude
sthitvā bhūmiṃ punaḥ prāpya
nachdem er dort geweilt und wieder die Erde erreicht hatte
vyāharanharināmāni prapede jāhnavītaṭam / tatra snātaśca gaṅgāyāṃ dṛṣṭvā viśveśvaraṃ prabhum
Die Namen Haris aussprechend, begab er sich zum Ufer der Jāhnavī; dort, nachdem er in der Gaṅgā gebadet hatte, sah er den Herrn, den Gebieter des Alls.
avāpa paramaṃ sthānaṃ yogināmapi durlabham / upalepanamāhātmyaṃ kathitaṃ te munīśvara
Er erlangte den höchsten Ort, der selbst für die Yogins schwer erreichbar ist. So wurde dir, o Fürst der Weisen, die Größe des Bestreichens mit Lehm verkündet.
tasya tuṣyanti viprendra brahmaviṣṇumaheśvarāḥ / haribhaktiparāṇāṃ tu saṃgināṃ saṃgamātrataḥ
Mit ihm sind Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara zufrieden, o Fürst der Brahmanen; doch schon durch den bloßen Umgang mit denen, die der Hari-Hingabe verbunden sind,
mucyate sarvapāpebhyo mahāpātakavānapi / haripūjāparāṇāṃ ca harināmaratātmanām
wird selbst, wer schwerer Verbrechen schuldig ist, von allen Sünden befreit - und durch den Umgang mit denen, die der Hari-Verehrung ergeben und deren Sinn dem Hari-Namen zugewandt ist,
diejenigen, die eifrig im Dienst an ihnen sind, gelangen, selbst wenn sie Sünder sind, zum höchsten Ziel.
Wort für Wort
śuśrūṣāniratāḥ yānti
die eifrig im Dienst sind, gelangen
pāpinaḥ api parāṃ gatim
selbst als Sünder zum höchsten Ziel
[Anm.: V61 besteht, wie die Quelle es überliefert, nur aus einem Halbvers (zwei Pādas) und bildet den syntaktischen Abschluss des in V59-V60 begonnenen Satzes; das Kapitel endet hier ohne weiteren Pāda oder Kolophon im Quellausschnitt.]