Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 35: viṣṇusevāprabhāvaḥ Die Macht des Dienstes an Viṣṇu

iti śrībṛhannārādīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde jñānanirūpaṇa nāma pañcatriṃśo 'dhyāyaḥ // sanaka uvāca / vedamāleḥ sutau proktau yāvubhau munisattama / yajñamālī sumālī ca tayoḥ karmādhunocyata

Sanaka sprach: Zwei Söhne des Vedamālī wurden genannt, o Bester der Weisen, nämlich Yajñamālī und Sumālī; von deren beider Taten sei nun berichtet.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
vedamāleḥ sutau proktau
die beiden Söhne des Vedamālī wurden genannt
yāvubhau munisattama
welche beide, o Bester der Weisen
yajñamālī sumālī ca
Yajñamālī und Sumālī
tayoḥ karma adhunā ucyate
von deren beider Tun wird jetzt berichtet

[Anm.: Der Vers wird im Quelltext durch das fehlplatzierte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels ('...jñānanirūpaṇa nāma pañcatriṃśo 'dhyāyaḥ') eingeleitet, bevor der eigentliche Vers 1 beginnt. Zudem liest die Handschrift 'karmādhunocyata' statt korrektem 'karmādhunocyate'.]

tayorādyo yajñamālī vibheda pitṛsaṃcitam / dhanaṃ dvidhā kaniṣṭasya bhāgamekaṃ dadau tadā

Von den beiden teilte der ältere, Yajñamālī, das vom Vater angehäufte Vermögen in zwei Teile; einen Teil davon gab er dem Jüngeren.

Wort für Wort
tayoḥ ādyaḥ yajñamālī
von den beiden der Ältere, Yajñamālī,
vibheda pitṛsaṃcitam dhanam
teilte das vom Vater angehäufte Vermögen
dvidhā
in zwei Teile
kaniṣṭasya bhāgam ekaṃ dadau tadā
gab dann dem Jüngeren einen Anteil

sumālī ca dhanaṃ sarvaṃ vyasanābhirakataḥ sadā / apādānā dibhiścaiva nāśayāmāsa bho dvija

Sumālī aber, der stets den Lastern ergeben war, vernichtete das ganze Vermögen durch Trinkgelage [?] und dergleichen, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
sumālī ca
Sumālī aber
dhanaṃ sarvaṃ
das ganze Vermögen
vyasanābhirataḥ sadā
der stets den Lastern ergeben war
apādānādibhiḥ caiva
durch Trinkgelage [?] und dergleichen
nāśayāmāsa bho dvija
vernichtete er, o Zweifachgeborener

[?] Unsichere Lesung von 'apādānādibhiḥ' (vermutlich verderbt aus 'āpānādibhiḥ' = 'durch Zechgelage u.ä.').

gītavādyarato nityaṃ madyapānarato 'bhavat / veśyāvibhramalubdho 'sau paradārato 'bhavat

Stets dem Gesang und Saitenspiel ergeben, wurde er dem Weingenuss ergeben; begierig nach dem Liebesspiel mit Dirnen, wandte er sich fremden Frauen zu.

Wort für Wort
gītavādyarataḥ nityaṃ
stets dem Gesang und Instrumentalspiel ergeben
madyapānarataḥ abhavat
wurde er dem Weingenuss ergeben
veśyāvibhramalubdhaḥ asau
begierig nach dem Liebesspiel mit Dirnen
paradārataḥ abhavat
wurde er den Frauen anderer zugetan

sarvasminnāśamāyāte hiraṇye pitṛsaṃcite / apahṛtya paraṃ dravyaṃ vārastrīnirato 'bhavat

Als alles vom Vater angesammelte Gold zugrunde gegangen war, raubte er fremdes Gut und wurde den Freudenmädchen ergeben.

Wort für Wort
sarvasmin nāśam āyāte
als alles zugrunde gegangen war
hiraṇye pitṛsaṃcite
an dem vom Vater angehäuften Gold
apahṛtya paraṃ dravyaṃ
nachdem er fremdes Gut geraubt hatte
vārastrīnirataḥ abhavat
wurde er den Buhlerinnen ergeben

dṛṣṭvā sumālinaḥ śūlaṃ yajñamālī mahāmatiḥ / babhūva duḥkhito 'tyarthaṃ bhrātaraṃ cedamabravīt

Als der hochgesinnte Yajñamālī das Elend [?] Sumālīs sah, wurde er über die Maßen betrübt und sprach zu seinem Bruder folgendermaßen.

Wort für Wort
dṛṣṭvā sumālinaḥ śūlam
als er das Elend [?] Sumālīs sah
yajñamālī mahāmatiḥ
der hochgesinnte Yajñamālī
babhūva duḥkhitaḥ atyartham
wurde über die Maßen betrübt
bhrātaraṃ ca idam abravīt
und sprach zu seinem Bruder Folgendes

[?] 'śūlam' unklar - wörtlich 'Pfahl/Stechen', hier wohl übertragen als 'Elend, Verderben' Sumālīs verstanden.

alamamatyantakaṣṭena vṛttenāsmatkule 'nuja / tvameka eva duṣṭātmā mahāpāparato 'bhavaḥ

Genug mit diesem überaus schändlichen Lebenswandel in unserer Familie, jüngerer Bruder! Du allein, von böser Seele, bist der großen Sünde ergeben geworden.

Wort für Wort
alam atyantakaṣṭena vṛttena
genug mit dem überaus schändlichen Lebenswandel
asmatkule anuja
in unserer Familie, jüngerer Bruder
tvam eka eva duṣṭātmā
du allein, von böser Seele,
mahāpāparataḥ abhavaḥ
bist der großen Sünde ergeben geworden

evaṃ nivārayantaṃ taṃ bahuśo jyeṣṭasodaram / haniṣyāmīti niścitya khaḍgahastaḥ kace 'grahīt

Den so wiederholt mahnenden älteren Bruder ergriff er, entschlossen 'Ich werde dich töten', mit dem Schwert in der Hand, bei den Haaren.

Wort für Wort
evaṃ nivārayantaṃ taṃ
den so wiederholt zurückhaltenden/mahnenden [Bruder]
bahuśaḥ jyeṣṭasodaram
den älteren Bruder, vielfach
haniṣyāmi iti niścitya
mit dem Entschluss 'ich werde töten'
khaḍgahastaḥ kace agrahīt
ergriff er, das Schwert in der Hand, bei den Haaren

tato mahāravo jajñe nagare bhṛśadāruṇaḥ / babandhurnāgarāścainaṃ kupitāste sumālinam

Da erhob sich in der Stadt ein gewaltiger, überaus schrecklicher Lärm; die zornigen Städter fesselten diesen Sumālī.

Wort für Wort
tataḥ mahāravaḥ jajñe
da entstand ein gewaltiger Lärm
nagare bhṛśadāruṇaḥ
in der Stadt, überaus schrecklich
babandhuḥ nāgarāḥ ca enaṃ
und die Städter fesselten ihn
kupitāḥ te sumālinam
die erzürnten Bürger, den Sumālī

yajñamālī hyameyātmā paurānsaṃprārthya duḥkhitaḥ / bandhanānmocayāmāsa bhrātṛsnehavimohitaḥ

Yajñamālī aber, von unermesslicher Seele, bat betrübt die Bürger und befreite ihn, von Bruderliebe verblendet, aus der Fessel.

Wort für Wort
yajñamālī hi ameyātmā
Yajñamālī aber, von unermesslicher Seele,
paurān saṃprārthya duḥkhitaḥ
bat betrübt die Bürger
bandhanāt mocayāmāsa
und befreite ihn aus der Fessel
bhrātṛsnehavimohitaḥ
von Bruderliebe verblendet

yajñamālī punaścāpi bibhide svadhanaṃ dvidhā / ādade svayamarddhaṃ ca dadāvarddhaṃ yavīyase

Yajñamālī teilte wiederum sein eigenes Vermögen in zwei Hälften; die eine Hälfte nahm er selbst, die andere Hälfte gab er dem Jüngeren.

Wort für Wort
yajñamālī punaḥ ca api
Yajñamālī wiederum
bibhide svadhanaṃ dvidhā
teilte sein eigenes Vermögen zweifach
ādade svayam ardhaṃ ca
nahm selbst eine Hälfte
dadau ardhaṃ yavīyase
gab die andere Hälfte dem Jüngeren

sumālī tvatimūḍhātmā taddhanaṃ cāpi nārada / mūrkhaiḥ pāraṃvaḍacaṇḍālairbubhuje ca sahoddhataḥ

Sumālī aber, ganz und gar verblendeten Sinnes, o Nārada, genoss auch jenes Vermögen zusammen mit Toren, Grenzgesindel [?] und Caṇḍālas, überheblich.

Wort für Wort
sumālī tu atimūḍhātmā
Sumālī aber, ganz verblendeten Sinnes,
taddhanaṃ ca api nārada
auch jenes Vermögen, o Nārada,
mūrkhaiḥ pāraṃvaḍacaṇḍālaiḥ
mit Toren und Grenzgesindel-Caṇḍālas [?]
bubhuje ca sahoddhataḥ
genoss er, überheblich, zusammen mit ihnen

[?] 'pāraṃvaḍacaṇḍālaiḥ' unklare Lesung, wohl Bezeichnung für niedriges/ausgestoßenes Gesindel.

asatāmupabhogāya durjanānāṃ vibhūtayaḥ / picumandaḥ phalāḍhyo 'pi kākairevopabhujyate

Zum Genuss der Bösen sind die Reichtümer der Übeltäter bestimmt; auch der fruchtreiche Niembaum wird eben nur von Krähen genossen.

Wort für Wort
asatām upabhogāya
zum Genuss der Bösen
durjanānāṃ vibhūtayaḥ
sind die Reichtümer der Übeltäter bestimmt
picumandaḥ phalāḍhyaḥ api
auch der fruchtreiche Niembaum
kākaiḥ eva upabhujyate
wird eben nur von Krähen genossen

bhrātrā dattaṃ dhanaṃ tañca sumālī nāśayanmune / madyapānapramattaśca gomāṃsā dīnyabhakṣayat

Und jenes vom Bruder gegebene Vermögen vernichtete Sumālī, o Muni; vom Weingenuss berauscht, verzehrte er Rindfleisch und dergleichen.

Wort für Wort
bhrātrā dattaṃ dhanaṃ tat ca
und jenes vom Bruder gegebene Vermögen
sumālī nāśayan mune
vernichtend, o Muni, Sumālī
madyapānapramattaḥ ca
und vom Weingenuss berauscht
gomāṃsādīni abhakṣayat
verzehrte er Rindfleisch und dergleichen

tyakto bandhujanaiḥ sarvaiścāṇḍālastrīsamanvitaḥ / rājñāpi bādhito vipraprapede nirjanaṃ vanam

Von allen Verwandten verlassen, mit einer Caṇḍāla-Frau verbunden, auch vom König bedrängt, o Brahmane, begab er sich in den menschenleeren Wald.

Wort für Wort
tyaktaḥ bandhujanaiḥ sarvaiḥ
von allen Verwandten verlassen
cāṇḍālastrīsamanvitaḥ
mit einer Caṇḍāla-Frau verbunden
rājñā api bādhitaḥ vipra
auch vom König bedrängt, o Brahmane,
prapede nirjanaṃ vanam
begab er sich in den menschenleeren Wald

yajñamālī sudhīrvipra sadā dharmarato 'bhavet / avāritaṃ dadāvannaṃ satsaṅgagatakalmaṣaḥ

Yajñamālī, klugen Sinnes, o Brahmane, war stets der Rechtschaffenheit ergeben; unaufhörlich gab er Speise, durch den Umgang mit den Guten von seiner Sünde befreit.

Wort für Wort
yajñamālī sudhīḥ vipra
Yajñamālī, klugen Sinnes, o Brahmane,
sadā dharmarataḥ abhavet
war stets der Rechtschaffenheit ergeben
avāritaṃ dadau annaṃ
gab unaufhörlich Speise
satsaṅgagatakalmaṣaḥ
durch den Umgang mit den Guten von Sünde befreit

pitrā kṛtāni sarvāṇi taḍāgādīni sattama / apālayatprayatnena sadā dharmaparāyaṇaḥ

Alle vom Vater angelegten Teiche und dergleichen, o Bester, schützte er mit Eifer, stets der Pflichterfüllung hingegeben.

Wort für Wort
pitrā kṛtāni sarvāṇi
alle vom Vater angelegten
taḍāgādīni sattama
Teiche und dergleichen, o Bester,
apālayat prayatnena
schützte er mit Eifer
sadā dharmaparāyaṇaḥ
stets der Pflicht hingegeben

viśrāṇitaṃ dhanaṃ sarvaṃ yajñamālermahātmanaḥ / satpātradānaniṣṭasya dharmamārgapravartinaḥ

Das ganze Vermögen des hochherzigen Yajñamālī, der stets der Gabe an würdige Empfänger ergeben war und auf dem Pfad des Dharma wandelte, wurde verschenkt.

Wort für Wort
viśrāṇitaṃ dhanaṃ sarvaṃ
verschenkt wurde das ganze Vermögen
yajñamāleḥ mahātmanaḥ
des hochherzigen Yajñamālī
satpātradānaniṣṭasya
der der Gabe an würdige Empfänger ergeben war
dharmamārgapravartinaḥ
der auf dem Pfad des Dharma wandelte

aho sadupabhogāya sajjanānāṃ vibhūtayaḥ / kalpavṛkṣaphalaṃ sarvamamaraireva bhujyate

Wahrlich, zum Genuss der Guten sind die Reichtümer der Rechtschaffenen bestimmt; die Frucht des Wunschbaumes wird ja gänzlich nur von den Unsterblichen genossen.

Wort für Wort
aho sadupabhogāya
wahrlich, zum Genuss der Guten
sajjanānāṃ vibhūtayaḥ
sind die Reichtümer der Rechtschaffenen bestimmt
kalpavṛkṣaphalaṃ sarvam
die Frucht des Wunschbaumes, ganz und gar,
amaraiḥ eva bhujyate
wird nur von den Unsterblichen genossen

dhanaṃ viśrāṇya dharmārthaṃ yajñamālī mahāmatiḥ / nityaṃ viṣṇugṛhe samyakparicaryyāparo 'bhavat

Nachdem er sein Vermögen um des Dharma willen verschenkt hatte, wurde der hochgesinnte Yajñamālī stets im Hause Viṣṇus dem rechten Dienst ergeben.

Wort für Wort
dhanaṃ viśrāṇya dharmārthaṃ
nachdem er sein Vermögen um des Dharma willen verschenkt hatte
yajñamālī mahāmatiḥ
der hochgesinnte Yajñamālī
nityaṃ viṣṇugṛhe
stets im Hause Viṣṇus
samyak paricaryāparaḥ abhavat
wurde dem rechten Dienst ergeben

kālena gacchatā tau tu vṛddhabhāvamupāgatau / yajñamālī sumālī ca hyekakāle mṛtāvubhau

Im Verlauf der Zeit erreichten die beiden das Greisenalter; Yajñamālī und Sumālī starben beide zur selben Zeit.

Wort für Wort
kālena gacchatā tau tu
im Verlauf der Zeit aber gelangten die beiden
vṛddhabhāvam upāgatau
zum Zustand des Greisenalters
yajñamālī sumālī ca
Yajñamālī und Sumālī
hi ekakāle mṛtau ubhau
starben beide zur selben Zeit

haripūjāratasyāsya yajñamālimahātmanaḥ / hariḥ saṃpreṣayāmāsa vimānaṃ pārṣadā vṛtam

Für diesen der Hari-Verehrung ergebenen hochherzigen Yajñamālī sandte Hari einen von seinem Gefolge umgebenen Himmelswagen.

Wort für Wort
haripūjāratasya asya
für diesen, der der Hari-Verehrung ergeben war,
yajñamālimahātmanaḥ
den hochherzigen Yajñamālī
hariḥ saṃpreṣayāmāsa
sandte Hari
vimānaṃ pārṣadāvṛtam
einen von seinem Gefolge umgebenen Himmelswagen

divyaṃ vimānamāruhya yajñamālī mahāmatiḥ / pūjyamānaḥ suragaṇaiḥ stūyamāno munīśvaraiḥ

Der hochgesinnte Yajñamālī bestieg den himmlischen Wagen, von den Scharen der Götter verehrt, von den Fürsten der Weisen gepriesen.

Wort für Wort
divyaṃ vimānam āruhya
nachdem er den himmlischen Wagen bestiegen hatte
yajñamālī mahāmatiḥ
der hochgesinnte Yajñamālī
pūjyamānaḥ suragaṇaiḥ
von den Scharen der Götter verehrt
stūyamānaḥ munīśvaraiḥ
von den Fürsten der Weisen gepriesen

gandharvairgīyamānaśca sevitaścāpsarogaṇaiḥ / kāmadhenvā puṣyamāṇaścitrābharaṇabhūṣitaḥ

Von den Gandharvas besungen und von den Scharen der Apsaras umsorgt, von der Wunschkuh gepflegt [?], mit bunten Schmuckstücken geschmückt.

Wort für Wort
gandharvaiḥ gīyamānaḥ ca
von den Gandharvas besungen
sevitaḥ ca apsarogaṇaiḥ
und von den Scharen der Apsaras bedient
kāmadhenvā puṣyamāṇaḥ
von der Wunschkuh versorgt [?]
citrābharaṇabhūṣitaḥ
mit bunten Schmuckstücken geschmückt

[?] 'kāmadhenvā puṣyamāṇaḥ' - Sinn 'von der Wunschkuh genährt/verwöhnt' unsicher.

komalaistulasīmālyairbhūṣitastejasāṃ nidhiḥ / gacchanviṣṇupadaṃ divyaṃmanujaṃ pathi dṛṣṭavān

Mit weichen Tulasī-Girlanden geschmückt, ein Hort der Glanzkräfte, sah er, während er zum himmlischen Reich Viṣṇus zog, auf dem Weg einen Menschen.

Wort für Wort
komalaiḥ tulasīmālyaiḥ bhūṣitaḥ
mit weichen Tulasī-Kränzen geschmückt
tejasāṃ nidhiḥ
ein Hort der Glanzkräfte
gacchan viṣṇupadaṃ divyam
während er zum himmlischen Reich Viṣṇus zog
manujaṃ pathi dṛṣṭavān
sah er auf dem Weg einen Menschen

tāhyamānaṃ yamabhaṭaiḥ kṣuttṛḍbhyāṃ paripīḍitam / pretabhūtaṃ vivastraṃ ca duḥkhitaṃ pāśaveṣṭitam / itastataḥ prādhāvantaṃ vilapantamanāthavat

[Er sah einen Menschen], der von Yamas Häschern geschlagen [?], von Hunger und Durst gequält, zu einem Gespenst geworden, unbekleidet, elend, mit Stricken umschlungen war, der hierhin und dorthin lief und wie ein Verlassener wehklagte,

Wort für Wort
tāḍyamānaṃ yamabhaṭaiḥ
von Yamas Häschern geschlagen [?]
kṣuttṛḍbhyāṃ paripīḍitam
von Hunger und Durst gequält
pretabhūtaṃ vivastraṃ ca
zu einem Gespenst geworden und unbekleidet
duḥkhitaṃ pāśaveṣṭitam
elend, mit Stricken umschlungen
itastataḥ prādhāvantam
hierhin und dorthin laufend
vilapantam anāthavat
wehklagend wie ein Herrenloser

[Anm.: V26-V27 bilden zusammen eine ungewöhnliche Sechs-Pāda-Einheit (drei Halbverse in V26, ein Pāda in V27) statt der üblichen Vier-Pāda-Struktur; im Quelltext offenbar durch fehlerhafte Verszählung zerteilt.] [?] 'tāhyamānam' unsichere Lesung, vermutlich für 'tāḍyamānam' ('geschlagen') oder 'vāhyamānam' ('fortgeschleppt').

krośantaṃ ca sudantaṃ ca dṛṣṭvā manasi vivyathe

der schrie und weinte [?] - als er ihn erblickte, erschrak er in seinem Herzen.

Wort für Wort
krośantaṃ ca
schreiend
rudantaṃ ca
und weinend [?]
dṛṣṭvā
als er ihn sah
manasi vivyathe
erschrak er in seinem Herzen

[Anm.: Fortsetzung/Abschluss des in V26 begonnenen Satzes, siehe dortige Anmerkung.] [?] 'sudantam' unsichere Lesung, vermutlich verderbt aus 'rudantam' ('weinend').

yajñamālīdayāyukto viṣṇudūtānsamīpagān / ko 'yaṃ bhaṭairbādhyamānaḥ ityapṛcchatkṛtāñjaliḥ

Yajñamālī, von Mitleid erfüllt, fragte die nahestehenden Boten Viṣṇus mit gefalteten Händen: 'Wer ist dieser, der von den Häschern bedrängt wird?'

Wort für Wort
yajñamālī dayāyuktaḥ
Yajñamālī, von Mitleid erfüllt,
viṣṇudūtān samīpagān
die nahestehenden Boten Viṣṇus
kaḥ ayaṃ bhaṭaiḥ bādhyamānaḥ
'wer ist dieser, der von den Häschern bedrängt wird'
iti apṛcchat kṛtāñjaliḥ
so fragte er, mit gefalteten Händen

atha te haridūtāstaṃ yajñamālimahaujasam / asau sumālī bhrātā te pāpātmeti samabruvan

Da sprachen jene Boten Haris zu dem gewaltig-glänzenden Yajñamālī: 'Das ist dein Bruder Sumālī, ein Sünder' - so sprachen sie.

Wort für Wort
atha te haridūtāḥ
da sprachen jene Boten Haris
taṃ yajñamālimahaujasam
zu jenem gewaltig-glänzenden Yajñamālī
asau sumālī bhrātā te
'das ist dein Bruder Sumālī'
pāpātmā iti samabruvan
'ein Sünder' - so sprachen sie

yajñamālī samākarṇya vyākhyātaṃ viṣṇukiṅkaraiḥ / manasā duḥkhamāpannaḥ punaḥ papraccha nārada

Als Yajñamālī vernommen hatte, was ihm die Diener Viṣṇus erklärt hatten, geriet er im Herzen in Kummer und fragte wiederum, o Nārada:

Wort für Wort
yajñamālī samākarṇya
als Yajñamālī vernommen hatte
vyākhyātaṃ viṣṇukiṅkaraiḥ
das von den Dienern Viṣṇus Erklärte
manasā duḥkham āpannaḥ
in Kummer geraten im Herzen
punaḥ papraccha nārada
fragte er wiederum, o Nārada

kathamasya bhavenmokṣaḥ sāṃcitaiḥ pāpasaṃcayaiḥ / tadupāyaṃbadadhvaṃ me yūyaṃ hi mamabāndhavāḥ

Wie könnte für diesen, der mit angehäuften Sündenmassen beladen ist, Erlösung entstehen? Nennt mir das Mittel dazu, denn ihr seid ja meine Wohltäter.

Wort für Wort
katham asya bhavet mokṣaḥ
wie könnte für ihn Erlösung entstehen
sāṃcitaiḥ pāpasaṃcayaiḥ
bei den angehäuften Sündenmassen
tat upāyaṃ vadadhvaṃ me
nennt mir das Mittel dazu
yūyaṃ hi mama bāndhavāḥ
denn ihr seid ja meine Wohltäter

sakhyaṃ sāptapadīnaṃ syādityāhurdharmakovidāḥ / satāṃ sāptapadī maitrī satsatāṃ tripadī tathā

'Die Freundschaft entsteht nach sieben gemeinsamen Schritten', so sagen die Kenner des Dharma; unter Guten entsteht die Freundschaft nach sieben Schritten, unter Guten und wiederum Guten schon nach drei Schritten.

Wort für Wort
sakhyaṃ sāptapadīnaṃ syāt
die Freundschaft entstehe nach sieben Schritten
iti āhuḥ dharmakovidāḥ
so sagen die Kenner des Dharma
satāṃ sāptapadī maitrī
unter Guten entsteht die Freundschaft nach sieben Schritten
satsatāṃ tripadī tathā
unter besonders Guten ebenso schon nach drei Schritten

satsatāmapi ye saṃtasteṣāṃ maitraghī pade pade

Diejenigen aber, die selbst unter den Guten wahrhaft gut sind - unter ihnen entsteht Freundschaft bei jedem einzelnen Schritt.

Wort für Wort
satsatām api ye santaḥ
die aber, die selbst unter den Guten wahrhaft gut sind
teṣāṃ maitrī pade pade
für sie entsteht Freundschaft bei jedem Schritt

[Anm.: V33 besteht nur aus einem einzelnen Pāda (statt vier) und bildet inhaltlich den Abschluss der in V32 begonnenen Aufzählung (sieben Schritte / drei Schritte / jeder Schritt) - vermutlich fehlerhafte Verstrennung in der Quelle. 'maitraghī' ist wohl verderbt für 'maitrī'.]

tasmānme bāndhavā yūyaṃ māṃ netuṃ samupāgatāḥ / yato 'yaṃ mama bhrātāpi mucyate tadihocyatām

Deshalb seid ihr meine Freunde, die ihr gekommen seid, um mich zu geleiten; sagt mir daher hier, wodurch auch dieser mein Bruder befreit werden kann.

Wort für Wort
tasmāt me bāndhavāḥ yūyaṃ
deshalb seid ihr meine Freunde
māṃ netuṃ samupāgatāḥ
die ihr gekommen seid, um mich zu geleiten
yataḥ ayaṃ mama bhrātā api
wodurch auch dieser mein Bruder
mucyate tat iha ucyatām
befreit werden könnte - das sage man hier

yajñamālivacaḥ śrutvā viṣṇudūtā dayālavaḥ / punaḥ smitāmukhāḥ procuryajñamāliharipriyam

Als sie Yajñamālīs Worte gehört hatten, sprachen die mitleidsvollen Boten Viṣṇus wiederum mit lächelndem Antlitz zu Yajñamālī, dem Hari-Lieben.

Wort für Wort
yajñamālivacaḥ śrutvā
nachdem sie Yajñamālīs Worte gehört hatten
viṣṇudūtā dayālavaḥ
die mitleidsvollen Boten Viṣṇus
punaḥ smitāmukhāḥ procuḥ
sprachen wiederum mit lächelndem Antlitz
yajñamāliharipriyam
zu Yajñamālī, dem Hari-Lieben

viṣṇudūtā ūcuḥ / yajñamālinmahābhāga nārāyaṇaparāyaṇa / upāyaṃ tava vakṣyāmaḥ sumālipremamuktidam

Die Boten Viṣṇus sprachen: O Yajñamālī, Hochgesegneter, dem Nārāyaṇa Ergebener! Wir werden dir das Mittel verkünden, das aus Liebe zu Sumālī die Befreiung bringt.

Wort für Wort
viṣṇudūtāḥ ūcuḥ
die Boten Viṣṇus sprachen:
yajñamālin mahābhāga
o Yajñamālī, Hochgesegneter,
nārāyaṇaparāyaṇa
dem Nārāyaṇa Ergebener,
upāyaṃ tava vakṣyāmaḥ
wir werden dir das Mittel verkünden,
sumālipremamuktidam
das aus Liebe zu Sumālī die Befreiung gibt

kṛtaṃ yatsumahatkarma tvayā prāktanajanmani / pravakṣyāmaḥ samāsena tacchraṇuṣva samāhitaḥ

Die überaus große Tat, die du in einem früheren Leben vollbracht hast, werden wir zusammenfassend verkünden; höre sie aufmerksam.

Wort für Wort
kṛtaṃ yat sumahat karma
die überaus große Tat, die vollbracht wurde,
tvayā prāktanajanmani
von dir in einem früheren Leben,
pravakṣyāmaḥ samāsena
werden wir zusammenfassend verkünden
tat śṛṇuṣva samāhitaḥ
höre sie aufmerksam

purā tvaṃ vaiśyajātīyo nāmnā viśvaṅghabharaḥ smṛtaḥ / tvayā kṛtāni pāpāni ahantyagaṇitāni vai

Einst warst du von der Kaste der Vaiśyas, mit Namen Viśvaṅghabhara genannt; von dir wurden zahllose, unzählige Sünden begangen [?].

Wort für Wort
purā tvaṃ vaiśyajātīyaḥ
einst warst du von der Kaste der Vaiśyas
nāmnā viśvaṅghabharaḥ smṛtaḥ
mit Namen Viśvaṅghabhara genannt
tvayā kṛtāni pāpāni
von dir wurden Sünden begangen
bahūni agaṇitāni vai
zahllose, unzählige [?]

[?] Lesung 'ahantyagaṇitāni' unklar, hier als 'bahūny agaṇitāni' ('zahllose') gedeutet.

sukarmavāsanāhīno mātāpitrorvirodhakṛt / ekadā bandhubhistyaktaḥ śokasaṃtāpapīḍitaḥ

Ohne die Anlage zu guten Taten, ein Widersacher von Vater und Mutter, wurde er einst von seinen Verwandten verlassen, von Kummer und Schmerz gequält.

Wort für Wort
sukarmavāsanāhīnaḥ
ohne die Anlage zu guten Taten
mātāpitroḥ virodhakṛt
ein Widersacher von Vater und Mutter
ekadā bandhubhiḥ tyaktaḥ
einst von den Verwandten verlassen
śokasaṃtāpapīḍitaḥ
von Kummer und Schmerz gequält

kṣudhāgnināpi saṃtaptaḥ prāptavānharimandiram / tadā vṛṣṭirabhūttatra tatsthānaṃ paṅkilaṃ hyabhūta

Auch vom Feuer des Hungers gepeinigt, gelangte er zum Tempel Haris; da fiel dort Regen, und jener Ort wurde schlammig.

Wort für Wort
kṣudhāgninā api saṃtaptaḥ
auch vom Feuer des Hungers gepeinigt
prāptavān harimandiram
gelangte er zum Tempel Haris
tadā vṛṣṭiḥ abhūt tatra
da fiel dort Regen
tatsthānaṃ paṅkilaṃ hi abhūta
jener Ort wurde nämlich schlammig

dīrīkṛtastvayā paṅkastatsthāne sthātumicchayā / upalepanatāṃ prāptaṃ tatsthānaṃ viṣṇumandire

Von dir wurde der Schlamm beseitigt [?], aus dem Wunsch, an jenem Ort zu verweilen; jener Ort im Viṣṇu-Tempel gelangte dadurch zum Zustand der Bestreichung mit Lehm.

Wort für Wort
dūrīkṛtaḥ tvayā paṅkaḥ
von dir wurde der Schlamm beseitigt [?]
tatsthāne sthātum icchayā
aus dem Wunsch, an jenem Ort zu verweilen
upalepanatāṃ prāptaṃ
gelangte zum Zustand des Bestreichens mit Lehm
tatsthānaṃ viṣṇumandire
jener Ort im Viṣṇu-Tempel

[?] 'dīrīkṛtaḥ' vermutlich verlesen für 'dūrīkṛtaḥ' ('beseitigt').

tvayoṣitaṃ tu tadgātrau tasmindevālaye dvija / daṃśitaścaiva sarpeṇa prāptaṃ pañcatvameva ca / tena puṇyaprabhāvena upalepakṛtena ca / viprajanma tvayā prāptaṃ hari bhaktistathācalā

Als du aber dort verweiltest [?], in jenem Gotteshaus, o Zweifachgeborener, wurdest du von einer Schlange gebissen und gelangtest zum Tode. Durch die Kraft dieses Verdienstes, das durch das Bestreichen mit Lehm erworben wurde, erlangtest du die Geburt als Brahmane, und ebenso ward deine Hingabe an Hari unerschütterlich.

Wort für Wort
tvayā uṣitaṃ tu tadgātre
als du aber dort verweiltest [?]
tasmin devālaye dvija
in jenem Gotteshaus, o Zweifachgeborener,
daṃśitaḥ caiva sarpeṇa
und wurdest von einer Schlange gebissen
prāptaṃ pañcatvam eva ca
und gelangtest zum Tode
tena puṇyaprabhāvena
durch die Kraft dieses Verdienstes
upalepakṛtena ca
das durch das Bestreichen mit Lehm erworben wurde
viprajanma tvayā prāptaṃ
erlangtest du die Geburt als Brahmane
hari bhaktiḥ tathā acalā
und ebenso ward die Hingabe an Hari unerschütterlich

[Anm.: V42 umfasst laut Reparaturhinweis acht Pādas (statt der üblichen vier) - vermutlich zwei ursprünglich getrennte Verse, die im Quelltext fehlerhaft zusammengezogen wurden.] [?] 'tadgātrau' unsichere Lesung, Sinn vermutlich 'dort verweilend'.

kalpakoṭiśataṃ sāgraṃ saṃprāpya harisannidhim / vasādya jñānamāsādya paraṃ mokṣaṃ gamiṣyasi

Nachdem du die Nähe Haris für hundert Koṭi Weltzeitalter und darüber erlangt und dort gewohnt hast [?], wirst du, nachdem du Erkenntnis erlangt hast, zur höchsten Erlösung gelangen.

Wort für Wort
kalpakoṭiśataṃ sāgraṃ
für hundert Koṭi Weltzeitalter und darüber
saṃprāpya harisannidhim
nachdem du die Nähe Haris erlangt hast
vasa adya jñānam āsādya
wohne dort [?], und nachdem du Erkenntnis erlangt hast
paraṃ mokṣaṃ gamiṣyasi
wirst du zur höchsten Erlösung gelangen

[?] 'vasādya' unsichere Lesung/Analyse (vielleicht 'vasitvā ca', 'nachdem du gewohnt hast').

anujaṃ pātakiśreṣṭhaṃ tvaṃ samuddharttamicchasi / upāyaṃ tava vakṣyāmastaṃ nibodha mahāmate

Du willst deinen jüngeren Bruder, den größten der Sünder, erretten; wir werden dir das Mittel dazu verkünden - vernimm es, o Hochgesinnter.

Wort für Wort
anujaṃ pātakiśreṣṭhaṃ
den jüngeren Bruder, den Ersten unter den Sündern,
tvaṃ samuddharttum icchasi
du willst erretten
upāyaṃ tava vakṣyāmaḥ
wir werden dir das Mittel verkünden
taṃ nibodha mahāmate
vernimm es, o Hochgesinnter

gocarmamātrabhūmestu upalepanajaṃ phalam / dattvoddhara mahābhāga bhrātaraṃ kṛpayānvitaḥ

Die aus dem Bestreichen mit Lehm eines Bodens von nur einer Kuhhaut Größe erwachsene Verdienstfrucht - gib sie ihm und errette, o Hochgesegneter, von Mitleid erfüllt, deinen Bruder.

Wort für Wort
gocarmamātrabhūmeḥ tu
eines Bodens von nur der Größe einer Kuhhaut
upalepanajaṃ phalam
die aus dem Bestreichen mit Lehm entstandene Frucht
dattvā uddhara mahābhāga
gib sie und errette, o Hochgesegneter,
bhrātaraṃ kṛpayā anvitaḥ
deinen Bruder, von Mitleid erfüllt

evamukto viṣṇudūtairyajñamālī mahāpatiḥ / tatphalaṃ pradadau tasmai bhrātre pāpavimuktaye

So von den Boten Viṣṇus angesprochen, gab der hochherrliche Yajñamālī jene Frucht seinem Bruder, zur Befreiung von der Sünde.

Wort für Wort
evam uktaḥ viṣṇudūtaiḥ
so angesprochen von den Boten Viṣṇus
yajñamālī mahāpatiḥ
der hochherrliche Yajñamālī
tatphalaṃ pradadau tasmai
gab jene Frucht ihm
bhrātre pāpavimuktaye
dem Bruder, zur Befreiung von der Sünde

sumālī bhrātṛdattena puṇyena gatakalmaṣaḥ / babhūva yamadūtāstu taṃ tyaktvā prapalāyitāḥ

Sumālī wurde durch das vom Bruder gegebene Verdienst von seiner Sünde befreit; die Boten Yamas aber verließen ihn und ergriffen die Flucht.

Wort für Wort
sumālī bhrātṛdattena
Sumālī wurde durch das vom Bruder gegebene
puṇyena gatakalmaṣaḥ
Verdienst von seiner Sünde befreit
babhūva yamadūtāḥ tu
die Boten Yamas aber
taṃ tyaktvā prapalāyitāḥ
verließen ihn und flohen

vimānaṃ cāgataṃ sadyaḥ sarvabhogasamanvitam / tadā sumālī svaryānamāruhya mumude mune

Sogleich kam auch ein Himmelswagen, mit allen Genüssen ausgestattet; da bestieg Sumālī den Himmelswagen und freute sich, o Muni.

Wort für Wort
vimānaṃ ca āgataṃ sadyaḥ
und sogleich kam ein Himmelswagen
sarvabhogasamanvitam
mit allen Genüssen ausgestattet
tadā sumālī svaryānam
da bestieg Sumālī den Himmelswagen
āruhya mumude mune
und freute sich, o Muni

tāvubhau bhrātarau vipra suravṛndanamaskṛtau / avāpaturbhṛśaṃ prītiṃ samāliṅgya parasparam

Diese beiden Brüder, o Brahmane, von der Schar der Götter verehrt, erlangten große Freude, indem sie einander umarmten.

Wort für Wort
tau ubhau bhrātarau vipra
diese beiden Brüder, o Brahmane,
suravṛndanamaskṛtau
von der Schar der Götter verehrt
avāpatuḥ bhṛśaṃ prītiṃ
erlangten große Freude
samāliṅgya parasparam
indem sie einander umarmten

yajñamālī sumālī ca stūyamānau maharṣibhiḥ / gīyamānau ca gandharvairviṣṇulokaṃ prajagmatuḥ

Yajñamālī und Sumālī, von den großen Weisen gepriesen und von den Gandharvas besungen, begaben sich zur Welt Viṣṇus.

Wort für Wort
yajñamālī sumālī ca
Yajñamālī und Sumālī
stūyamānau maharṣibhiḥ
von den großen Weisen gepriesen
gīyamānau ca gandharvaiḥ
und von den Gandharvas besungen
viṣṇulokaṃ prajagmatuḥ
begaben sie sich zur Welt Viṣṇus

avāpya harisālokyaṃ sumālī munisattama / yajñamālī coṣatustau kalpamekaṃ mudānvitau

Nachdem sie das Weilen in Haris Welt erlangt hatten, o Bester der Weisen, verweilten Sumālī und Yajñamālī ein Weltzeitalter lang, voller Freude.

Wort für Wort
avāpya harisālokyaṃ
nachdem sie das Weilen in Haris Welt erlangt hatten
sumālī munisattama
Sumālī, o Bester der Weisen,
yajñamālī ca uṣatuḥ tau
und Yajñamālī, sie beide verweilten
kalpam ekaṃ mudā anvitau
ein Weltzeitalter lang, von Freude erfüllt

bhuktvā bhogānbahūṃstatra yajñamālī mahāmatiḥ / tatraiva jñānasaṃpannaḥ paraṃ mokṣamupāgataḥ

Nachdem er dort viele Genüsse erfahren hatte, gelangte der hochgesinnte Yajñamālī, eben dort mit Erkenntnis begabt, zur höchsten Erlösung.

Wort für Wort
bhuktvā bhogān bahūn tatra
nachdem er dort viele Genüsse erfahren hatte
yajñamālī mahāmatiḥ
der hochgesinnte Yajñamālī
tatra eva jñānasaṃpannaḥ
eben dort, mit Erkenntnis begabt,
paraṃ mokṣam upāgataḥ
gelangte zur höchsten Erlösung

sumālī tu mahābhāgo viṣṇuloke mudānvitaḥ / sthitvā bhūmiṃ punaḥ prāpya vipratvaṃ samupāgataḥ

Sumālī aber, der Hochgesegnete, verweilte voller Freude in Viṣṇus Welt und gelangte, nachdem er wieder zur Erde zurückgekehrt war, zum Stand eines Brahmanen.

Wort für Wort
sumālī tu mahābhāgaḥ
Sumālī aber, der Hochgesegnete,
viṣṇuloke mudānvitaḥ
in Viṣṇus Welt voller Freude
sthitvā bhūmiṃ punaḥ prāpya
nachdem er dort geweilt und wieder die Erde erreicht hatte
vipratvaṃ samupāgataḥ
gelangte er zum Stand eines Brahmanen

atiśuddhe kule jāto guṇavānvedapāragaḥ / sarvasaṃpatsamopeto haribhaktiparāyaṇaḥ

In einer überaus reinen Familie geboren, tugendhaft, ein Meister der Veden, mit allem Wohlstand ausgestattet, der Hari-Hingabe ergeben.

Wort für Wort
atiśuddhe kule jātaḥ
in einer überaus reinen Familie geboren
guṇavān vedapāragaḥ
tugendhaft, ein Meister der Veden
sarvasaṃpatsamopetaḥ
mit allem Wohlstand ausgestattet
haribhaktiparāyaṇaḥ
der Hari-Hingabe ergeben

vyāharanharināmāni prapede jāhnavītaṭam / tatra snātaśca gaṅgāyāṃ dṛṣṭvā viśveśvaraṃ prabhum

Die Namen Haris aussprechend, begab er sich zum Ufer der Jāhnavī; dort, nachdem er in der Gaṅgā gebadet hatte, sah er den Herrn, den Gebieter des Alls.

Wort für Wort
vyāharan harināmāni
die Namen Haris aussprechend
prapede jāhnavītaṭam
begab er sich zum Ufer der Jāhnavī
tatra snātaḥ ca gaṅgāyāṃ
dort, nachdem er in der Gaṅgā gebadet hatte
dṛṣṭvā viśveśvaraṃ prabhum
sah er den Herrn, den Gebieter des Alls

avāpa paramaṃ sthānaṃ yogināmapi durlabham / upalepanamāhātmyaṃ kathitaṃ te munīśvara

Er erlangte den höchsten Ort, der selbst für die Yogins schwer erreichbar ist. So wurde dir, o Fürst der Weisen, die Größe des Bestreichens mit Lehm verkündet.

Wort für Wort
avāpa paramaṃ sthānaṃ
er erlangte den höchsten Ort
yoginām api durlabham
der selbst für Yogins schwer erreichbar ist
upalepanamāhātmyaṃ
die Größe des Bestreichens mit Lehm
kathitaṃ te munīśvara
wurde dir verkündet, o Fürst der Weisen

tasmātsarvaprayatnena saṃpūjyo jagatāṃpatiḥ / akāmādapi ye viṣṇoḥ sakṛtpūjāṃ prakurvate

Deshalb ist mit allem Eifer der Herr der Welten zu verehren; wer auch nur ohne eigenes Verlangen Viṣṇu einmal Verehrung erweist,

Wort für Wort
tasmāt sarvaprayatnena
deshalb mit allem Eifer
saṃpūjyaḥ jagatāṃ patiḥ
ist der Herr der Welten zu verehren
akāmāt api ye viṣṇoḥ
wer auch ohne besonderes Verlangen Viṣṇu gegenüber
sakṛt pūjāṃ prakurvate
einmal Verehrung erweist

na teṣāṃ bhavabandhastu kadācidapi jāyate / haribhaktiratānyastu haribuddhyā samarcayet

für den entsteht niemals eine Bindung an das Dasein. Wer aber der Hari-Hingabe ergeben ist, verehre alles mit dem Gedanken an Hari.

Wort für Wort
na teṣāṃ bhavabandhaḥ tu
für sie entsteht keine Bindung an das Dasein
kadācit api jāyate
jemals
haribhaktirataḥ anyaḥ tu
wer aber anders, der Hari-Hingabe ergeben, ist
haribuddhyā samarcayet
verehre mit dem Gedanken an Hari

tasya tuṣyanti viprendra brahmaviṣṇumaheśvarāḥ / haribhaktiparāṇāṃ tu saṃgināṃ saṃgamātrataḥ

Mit ihm sind Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara zufrieden, o Fürst der Brahmanen; doch schon durch den bloßen Umgang mit denen, die der Hari-Hingabe verbunden sind,

Wort für Wort
tasya tuṣyanti viprendra
mit ihm sind zufrieden, o Fürst der Brahmanen,
brahmaviṣṇumaheśvarāḥ
Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara
haribhaktiparāṇāṃ tu
derer aber, die der Hari-Hingabe ergeben sind,
saṃgināṃ saṃgamātrataḥ
durch den bloßen Umgang mit den Genossen

mucyate sarvapāpebhyo mahāpātakavānapi / haripūjāparāṇāṃ ca harināmaratātmanām

wird selbst, wer schwerer Verbrechen schuldig ist, von allen Sünden befreit - und durch den Umgang mit denen, die der Hari-Verehrung ergeben und deren Sinn dem Hari-Namen zugewandt ist,

Wort für Wort
mucyate sarvapāpebhyaḥ
wird von allen Sünden befreit
mahāpātakavān api
selbst, wer schwerer Verbrechen schuldig ist
haripūjāparāṇāṃ ca
und derer, die der Hari-Verehrung ergeben sind
harināmaratātmanām
deren Sinn dem Namen Haris zugewandt ist

śuśrūṣāniratā yānti pāpino 'pi parāṃ gatim

diejenigen, die eifrig im Dienst an ihnen sind, gelangen, selbst wenn sie Sünder sind, zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
śuśrūṣāniratāḥ yānti
die eifrig im Dienst sind, gelangen
pāpinaḥ api parāṃ gatim
selbst als Sünder zum höchsten Ziel

[Anm.: V61 besteht, wie die Quelle es überliefert, nur aus einem Halbvers (zwei Pādas) und bildet den syntaktischen Abschluss des in V59-V60 begonnenen Satzes; das Kapitel endet hier ohne weiteren Pāda oder Kolophon im Quellausschnitt.]

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