Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 20: mārgaśīrṣaśuklaikādaśīmāsārabhya paurṇimāparyantaṃ pañcarātrivratam Das vom hellen Ekādaśī-Tag des Mārgaśīrṣa-Monats bis zum Vollmond reichende fünfnächtige Gelübde

iti śrabṛhannāradīyaparāṇe pūrvabhāge prathamapāde sumatibhūpakathāvarṇanaṃ nāma viṃśa'dhyāyaḥ sanaka uvāca anyadvūtaṃ pravakṣyāmi śṛṇu nārada tattvataḥ / durlabhaṃ sarvalokeṣu vikhyātaṃ haripañcakam

Sanaka sprach: Ein anderes Gelübde will ich nun verkünden, höre es, Nārada, der Wahrheit gemäß [?] – ein in allen Welten schwer zu erlangendes, wohlbekanntes: das „fünffache Hari-Gelübde“ (Haripañcaka).

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
anyad vrataṃ [?] pravakṣyāmi
ein anderes Gelübde will ich verkünden
śṛṇu nārada tattvataḥ
höre, Nārada, der Wahrheit gemäß
durlabhaṃ sarvalokeṣu vikhyātaṃ
in allen Welten schwer zu erlangen, wohlbekannt
haripañcakam
das fünffache Hari-Gelübde

[Anm.: Der Vers beginnt im Quelltext mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels (Quellzählung: „zwanzigstes Kapitel“, betitelt sumatibhūpakathāvarṇana); erst danach beginnt mit „sanaka uvāca“ der eigentliche Vers 1 dieses Kapitels; nur dieser wurde übersetzt.] [?: „anyadvūtaṃ“ wohl verschrieben für „anyad vrataṃ“ (‚ein anderes Gelübde‘).]

nārīṇāṃ ca narāṇāṃ ca sarvaduḥkhanivāraṇam / dharmakāmārthamokṣāṇāṃ nidānaṃ munisattama

Es beseitigt alles Leid der Frauen und der Männer; es ist, o Bester der Weisen, der Urgrund von Dharma, Kāma, Artha und Mokṣa.

Wort für Wort
nārīṇāṃ ca narāṇāṃ ca
der Frauen und der Männer
sarvaduḥkhanivāraṇam
die Beseitigung allen Leids
dharmakāmārthamokṣāṇāṃ nidānaṃ
der Urgrund von Recht, Begehren, Besitz und Erlösung
munisattama
o Bester der Weisen

sarvābhīṣṭapradaṃ caiva sarvavrataphalapradam / mārgaśīrṣe site pakṣe daśamyāṃ niyatendriyaḥ

Es gewährt zugleich alles Erwünschte und die Frucht aller Gelübde. In der hellen Monatshälfte des Mārgaśīrṣa, am zehnten Tag, mit gezügelten Sinnen,

Wort für Wort
sarvābhīṣṭapradaṃ caiva
und es gewährt alles Erwünschte
sarvavrataphalapradam
es gewährt die Frucht aller Gelübde
mārgaśīrṣe site pakṣe
im Mārgaśīrṣa, in der hellen Monatshälfte
daśamyāṃ niyatendriyaḥ
am zehnten Tag, mit gezügelten Sinnen

kuryātsnānādikaṃ karma dantadhāvanapūrvakama / kṛtvā devārcanaṃ samyaktathā pañca mahādhvarān

vollziehe man das Bad und die übrigen Handlungen, zunächst die Zahnreinigung; nachdem man sodann die Götterverehrung recht vollzogen hat, ebenso die fünf großen Opfer,

Wort für Wort
kuryāt snānādikaṃ karma
vollziehe man das Bad und die übrigen Handlungen
dantadhāvanapūrvakam
zunächst mit der Zahnreinigung
kṛtvā devārcanaṃ samyak
nachdem man die Götterverehrung recht vollzogen hat
tathā pañca mahādhvarān
ebenso die fünf großen Opfer

ekāśī ca bhavettasmin dine niyamamāsthitāḥ / tataḥ prātaḥ samutthāya hyekādaśyāṃ munīśvaraḥ

sei man an jenem Tag Einmal-Essender [d.h. nur einmal essend] und den Gelübderegeln zugewandt. Dann, am Morgen aufgestanden, an der Ekādaśī, o Fürst der Weisen –

Wort für Wort
ekāśī ca bhavet tasmin dine
und einmal-essend sei man an jenem Tag [?]
niyamamāsthitāḥ
den Gelübderegeln zugewandt
tataḥ prātaḥ samutthāya
dann, am Morgen aufgestanden
hi ekādaśyāṃ munīśvaraḥ
an der Ekādaśī, o Fürst der Weisen

[?: „ekāśī“ (ekāśin, ‚einmal Essender‘) im Quelltext unklar geschrieben; sinngemäß übersetzt.]

snānaṃ kṛtvā yathācāraṃ hariṃ caivāryadṛhe / snāpayeddevadeveśaṃ pañcāmṛtavidhānataḥ

– nachdem man das Bad der Sitte gemäß vollzogen hat, bade man Hari, den Gott der Götter, im heiligen Haus [Tempel], mittels der fünf Nektargaben (Pañcāmṛta).

Wort für Wort
snānaṃ kṛtvā yathācāraṃ
nachdem man das Bad der Sitte gemäß vollzogen hat
hariṃ ca eva āryagṛhe [?]
und Hari, im heiligen Haus (Tempel)
snāpayet devadeveśaṃ
bade man den Gott der Götter
pañcāmṛtavidhānataḥ
mittels der Vorschrift der fünf Nektargaben

[?: „āryadṛhe“ im Quelltext wohl verschrieben für „āryagṛhe“ (‚im heiligen Haus‘, Tempel).]

arcayetparayā bhaktyā gandhapuṣpādibhiḥ ṛmāt / dhūpairdīpeśca naivaidyaistāmbūlaiśca pradakṣiṇaiḥ

Man verehre ihn mit höchster Hingabe, mit Duftstoffen, Blumen und anderem, der Reihe nach, mit Räucherwerk, Lampen, Speiseopfern, Betelgaben und Umwandlungen.

Wort für Wort
arcayet parayā bhaktyā
man verehre mit höchster Hingabe
gandhapuṣpādibhiḥ kramāt [?]
mit Duftstoffen, Blumen usw., der Reihe nach
dhūpaiḥ dīpaiśca naivedyaiḥ
mit Räucherwerk, Lampen und Speiseopfern
tāmbūlaiśca pradakṣiṇaiḥ
und mit Betelgaben und Umwandlungen

[?: „ṛmāt“ im Quelltext wohl verschrieben für „kramāt“ (‚der Reihe nach‘); „naivaidyaiḥ“ für „naivedyaiḥ“ (Speiseopfer).]

saṃpūjya devadeveśamimaṃ mantramudīrayet /. namaste ghajñānarupāya jñānadāya namo 'stute

Nachdem man den Gott der Götter verehrt hat, spreche man diesen Spruch: „Verehrung dir, der du in Gestalt des großen Wissens bist [?], dem Geber der Erkenntnis – Verehrung sei dir!“

Wort für Wort
saṃpūjya devadeveśam
nachdem man den Gott der Götter verehrt hat
imaṃ mantram udīrayet
spreche man diesen Spruch
namaste mahājñānarūpāya [?]
Verehrung dir, der du in Gestalt des großen Wissens bist
jñānadāya namo 'stu te
dem Geber der Erkenntnis, Verehrung sei dir

[?: „ghajñānarupāya“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „mahājñānarūpāya“ (‚in Gestalt des großen Wissens‘) wiedergegeben; „namo 'stute“ als „namo 'stu te“ aufgelöst.]

namaste sravaparupāya sarvasiddhipradāyine / evaṃ praṇamya deveśaṃ vāsudevaṃ janārjanam

„Verehrung dir, der du in Gestalt von allem bist [?], dem Geber aller Vollkommenheit!“ – nachdem man so den Herrn der Götter, Vāsudeva Janārdana, verehrt hat,

Wort für Wort
namaste sarvarūpāya [?]
Verehrung dir, der du in Gestalt von allem bist
sarvasiddhipradāyine
dem Geber aller Vollkommenheit
evaṃ praṇamya deveśaṃ
nachdem man so den Herrn der Götter verehrt hat
vāsudevaṃ janārdanam
Vāsudeva Janārdana

[?: „sravaparupāya“ im Quelltext stark verschrieben, sinngemäß als „sarvarūpāya“ (‚der du Gestalt von allem bist‘) wiedergegeben; „janārjanam“ verschrieben für „janārdanam“.]

vakṣyamāṇena mantreṇa hyupavāsaṃ samarpayet / pañcarātraṃ nirāhāro hyadyaprabhṛti keśava

widme man ihm mit dem sogleich zu sprechenden Spruch das Fasten: „Fünf Nächte lang, ohne Nahrung, von heute an, o Keśava –

Wort für Wort
vakṣyamāṇena mantreṇa
mit dem sogleich zu sprechenden Spruch
hi upavāsaṃ samarpayet
widme man das Fasten
pañcarātraṃ nirāhāraḥ
fünf Nächte lang, ohne Nahrung
hi adyaprabhṛti keśava
von heute an, o Keśava

tvadajñayā jagatsvāminmamābhīṣṭaprado bhava / evaṃ samapya devasya upavāsaṃ jitendriyaḥ

– auf dein Geheiß, o Herr der Welt: sei du der Gewährer meiner Wünsche!“ Nachdem man so das Fasten dem Gott dargebracht hat, mit gezügelten Sinnen,

Wort für Wort
tvadajñayā jagatsvāmin
auf dein Geheiß, o Herr der Welt
mama abhīṣṭapradaḥ bhava
sei du der Gewährer meiner Wünsche
evaṃ samarpya devasya
nachdem man so dem Gott dargebracht hat
upavāsaṃ jitendriyaḥ
das Fasten, mit gezügelten Sinnen

[?: „samapya“ im Quelltext verschrieben für „samarpya“ (‚dargebracht habend‘).]

rātrau jāgaraṇaṃ kuryādekādaśyāmatho dvija / dvādaśyāṃ ca trayodaśyāṃ caturdaśyāṃ jitendriyaḥ

halte man in der Nacht die Nachtwache, an der Ekādaśī, o Zweifachgeborener, und [ebenso] an der Dvādaśī, an der Trayodaśī und an der Caturdaśī, mit gezügelten Sinnen,

Wort für Wort
rātrau jāgaraṇaṃ kuryāt
halte man in der Nacht die Nachtwache
ekādaśyām atho dvija
an der Ekādaśī, o Zweifachgeborener
dvādaśyāṃ ca trayodaśyāṃ
und an der Dvādaśī und an der Trayodaśī
caturdaśyāṃ jitendriyaḥ
an der Caturdaśī, mit gezügelten Sinnen

paurṇanamāsyāṃ ca karttavyamevaṃ viṣṇvarcanaṃ mune / ekādaśyāṃ paurṇamāsyāṃ karttavyaṃ jāgaraṃ tathā

und ebenso an der Vollmondnacht – so ist, o Weiser, die Verehrung Viṣṇus zu vollziehen; an der Ekādaśī [und] an der Vollmondnacht ist ebenso die Nachtwache zu halten.

Wort für Wort
paurṇamāsyāṃ ca karttavyam
und an der Vollmondnacht ist zu vollziehen
evaṃ viṣṇvarcanaṃ mune
so die Verehrung Viṣṇus, o Weiser
ekādaśyāṃ paurṇamāsyāṃ
an der Ekādaśī, an der Vollmondnacht
karttavyaṃ jāgaraṃ tathā
ist ebenso die Nachtwache zu halten

[?: „paurṇanamāsyāṃ“ im Quelltext verschrieben für „paurṇamāsyāṃ“ (Vollmondtag).]

pañcāmṛtādipūjā tu sāmānyā dinapañcasu / kṣīreṇa snāpayedviṣṇuṃ paurṇamāsyāṃ tu śaktitaḥ / tilahomaśca karttavyastiladānaṃ tathaiva ca

Die Verehrung mit den fünf Nektargaben und anderem ist an allen fünf Tagen gleichermaßen [zu vollziehen]; an der Vollmondnacht aber bade man Viṣṇu nach Vermögen mit Milch, und ebenso sind das Sesam-Feueropfer und die Sesam-Gabe zu vollziehen.

Wort für Wort
pañcāmṛtādipūjā tu
die Verehrung mit den fünf Nektargaben und anderem aber
sāmānyā dinapañcasu
ist gleichermaßen an den fünf Tagen
kṣīreṇa snāpayed viṣṇuṃ
mit Milch bade man Viṣṇu
paurṇamāsyāṃ tu śaktitaḥ
an der Vollmondnacht aber nach Vermögen
tilahomaśca karttavyaḥ
und das Sesam-Feueropfer ist zu vollziehen
tiladānaṃ tathaiva ca
und ebenso die Sesam-Gabe

[Anm.: Dieser Vers hat im Quelltext drei statt der üblichen zwei Zeilen (sechs statt vier Pādas); vollständig übersetzt.]

tataḥ ṣaṣṭe dine prātpe nirvatyaṃ svāśramakriyām / saṃprāśya pañcagavyaṃ ca pūjayedvidhibaddharim

Dann, am sechsten Tag, vollziehe man am Morgen die eigenen Āśrama-Pflichten, nehme die fünf Kuhgaben (Pañcagavya) zu sich und verehre Hari nach Vorschrift.

Wort für Wort
tataḥ ṣaṣṭe dine prātaḥ
dann, am sechsten Tag, am Morgen
nirvartya svāśramakriyām
nachdem man die eigenen Āśrama-Pflichten vollzogen hat
saṃprāśya pañcagavyaṃ ca
und die fünf Kuhgaben zu sich genommen habend
pūjayed vidhivat harim
verehre man Hari nach Vorschrift

[?: „prātpe“ im Quelltext verschrieben für „prātaḥ“ (‚am Morgen‘); „nirvatyaṃ“ für „nirvartya“; „vidhibaddharim“ für „vidhivaddharim“ (‚Hari nach Vorschrift‘).]

brāhmaṇānbhojayetpaścādvibhave satyavāritam / tataḥ svabandhubhiḥ sārddhaṃ svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ

danach speise man Brahmanen, nach Vermögen, wie es sich gebührt [?]; dann esse man selbst, mit den eigenen Verwandten zusammen, schweigend.

Wort für Wort
brāhmaṇān bhojayet paścāt
danach speise man Brahmanen
vibhave sati yathocitam [?]
nach Vermögen, wie es sich gebührt
tataḥ svabandhubhiḥ sārddhaṃ
dann mit den eigenen Verwandten zusammen
svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ
esse man selbst, schweigend

[?: „vibhave satyavāritam“ im Quelltext unklar/verschrieben; sinngemäß als „vibhave sati yathocitam“ (‚nach Vermögen, wie es sich gebührt‘) übersetzt.]

evaṃ paupādimāseṣu kārttikānteṣu nārada / śuklapakṣe vrataṃ kuryātpūrvamivavidhinā naraḥ

So soll der Mensch, o Nārada, in den Monaten von Pauṣa bis Kārttika, in der hellen Monatshälfte, das Gelübde vollziehen, der Vorschrift gemäß, wie zuvor.

Wort für Wort
evaṃ pauṣādimāseṣu [?]
so in den mit Pauṣa beginnenden Monaten
kārttikānteṣu nārada
bis Kārttika reichend, o Nārada
śuklapakṣe vrataṃ kuryāt
soll man in der hellen Monatshälfte das Gelübde vollziehen
pūrvam iva vidhinā naraḥ
der Mensch, der Vorschrift gemäß, wie zuvor

[?: „paupādimāseṣu“ im Quelltext verschrieben für „pauṣādimāseṣu“ (‚in den mit Pauṣa beginnenden Monaten‘).]

evaṃ saṃvatsaraṃ kāryaṃ vrataṃ pāpapraṇāśanam / punaḥ prātpe mārgaśīrṣe kuryādudyapanaṃ vratī

So ist das Gelübde, das die Sünde vernichtet, ein Jahr lang zu vollziehen; wenn dann wieder der Mārgaśīrṣa gekommen ist, vollziehe der Gelübdehalter die Abschlussfeier (Udyāpana).

Wort für Wort
evaṃ saṃvatsaraṃ kāryaṃ
so ist ein Jahr lang zu vollziehen
vrataṃ pāpapraṇāśanam
das Gelübde, das die Sünde vernichtet
punaḥ prāpte mārgaśīrṣe
wenn wieder der Mārgaśīrṣa gekommen ist
kuryād udyāpanaṃ vratī
vollziehe der Gelübdehalter die Abschlussfeier

[?: „prātpe“ im Quelltext verschrieben für „prāpte“ (‚gekommen‘); „udyapanaṃ“ für „udyāpanaṃ“ (Abschlussfeier).]

dvija / ekādaśyāṃ nirāhāro bhavetpūrvamiva dvija / dvādaśyāṃ pañcagavyaṃ ca prāśayetsusamāhitaḥ

An der Ekādaśī bleibe man wie zuvor ohne Nahrung, o Zweifachgeborener; an der Dvādaśī nehme man mit gesammeltem Sinn die fünf Kuhgaben (Pañcagavya) zu sich.

Wort für Wort
ekādaśyāṃ nirāhāro bhavet
an der Ekādaśī bleibe man ohne Nahrung
pūrvam iva dvija
wie zuvor, o Zweifachgeborener
dvādaśyāṃ pañcagavyaṃ ca
an der Dvādaśī die fünf Kuhgaben
prāśayet susamāhitaḥ
nehme man zu sich, mit gesammeltem Sinn

[Anm.: Im Quelltext steht unmittelbar nach der Versmarkierung „V19“ das isolierte, offenbar dittographische Wortfragment „dvija /“, das am Ende der folgenden Zeile („...pūrvamiva dvija /“) nochmals erscheint; im sa-Feld literal in eckigen Klammern belassen, in der Übersetzung nicht doppelt wiedergegeben.]

gandhapuṣpā dibhiḥ samyagdevadevaṃ janārdanam / abhyarcyopāyanaṃ dadyādrūhyaṇāya jitendriyaḥ

Nachdem man den Gott der Götter, Janārdana, mit Duftstoffen, Blumen und anderem recht verehrt hat, gebe man, mit gezügelten Sinnen, dem Brahmanen ein Geschenk (Upāyana):

Wort für Wort
gandhapuṣpādibhiḥ samyak
mit Duftstoffen, Blumen und anderem recht
devadevaṃ janārdanam
den Gott der Götter, Janārdana
abhyarcya upāyanaṃ dadyāt
nachdem man verehrt hat, gebe man ein Geschenk
brāhmaṇāya jitendriyaḥ [?]
dem Brahmanen, mit gezügelten Sinnen

[?: „rūhyaṇāya“ im Quelltext stark verschrieben für „brāhmaṇāya“ (‚dem Brahmanen‘).]

pāyasaṃ madhusaṃmiśraṃ ghṛtayuktaṃ phalānvitam / sugandhaja lasaṃyuktaṃ pūrṇakumbhaṃ sadakṣiṇam

– Milchreis, mit Honig vermischt, mit Ghee versehen und mit Früchten versehen, [dazu] einen mit duftendem Wasser gefüllten, vollen Krug samt Gabe (Dakṣiṇā),

Wort für Wort
pāyasaṃ madhusaṃmiśraṃ
Milchreis, mit Honig vermischt
ghṛtayuktaṃ phalānvitam
mit Ghee versehen, mit Früchten versehen
sugandhajalasaṃyuktaṃ
mit duftendem Wasser versehen
pūrṇakumbhaṃ sadakṣiṇam
einen vollen Krug, samt Gabe

vastreṇācchāditaṃ kumbhaṃ pañcarantasamanvitam / dadyādadhyātmaviduṣe brāhmaṇāya munīśvara

den mit einem Tuch bedeckten Krug, mit fünf Juwelen versehen – man gebe [ihn] dem der Selbsterkenntnis (Adhyātma) kundigen Brahmanen, o Fürst der Weisen.

Wort für Wort
vastreṇācchāditaṃ kumbhaṃ
den mit einem Tuch bedeckten Krug
pañcaratnasamanvitam [?]
mit fünf Juwelen versehen
dadyād adhyātmaviduṣe
man gebe [ihn] dem der Selbsterkenntnis Kundigen
brāhmaṇāya munīśvara
dem Brahmanen, o Fürst der Weisen

[?: „pañcarantasamanvitam“ im Quelltext verschrieben für „pañcaratnasamanvitam“ (‚mit fünf Juwelen versehen‘).]

sarvātman sarvabhūteśa sarvavyāpinsanātana / paramānnapradānena suprīto bhava mādhava

[Man spreche dabei:] „O Allseele, Herr aller Wesen, alldurchdringender, ewiger [Gott] – durch diese Gabe der höchsten Speise sei wohl zufrieden, o Mādhava!“

Wort für Wort
sarvātman sarvabhūteśa
o Allseele, Herr aller Wesen
sarvavyāpin sanātana
alldurchdringender, ewiger [Gott]
paramānnapradānena
durch die Gabe der höchsten Speise
suprīto bhava mādhava
sei wohl zufrieden, o Mādhava

anena pāyasaṃ dattvā brāhmaṇānbhojayettataḥ / śaktito bandhubhiḥ sārddhaṃ svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ

Nachdem man so den Milchreis gegeben hat, speise man danach [weitere] Brahmanen; dann esse man, nach Vermögen, mit den Verwandten zusammen, selbst, schweigend.

Wort für Wort
anena pāyasaṃ dattvā
nachdem man so den Milchreis gegeben hat
brāhmaṇān bhojayet tataḥ
speise man danach Brahmanen
śaktito bandhubhiḥ sārddhaṃ
nach Vermögen, mit den Verwandten zusammen
svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ
esse man selbst, schweigend

vratametattu yaḥ kuryāddharipañcakasaṃjñitam / na tasya punarāvṛttirbrahmalokātkadācana

Wer dieses Gelübde vollzieht, das den Namen „Haripañcaka“ trägt, für den gibt es aus der Brahmawelt niemals eine Rückkehr [in den Saṃsāra].

Wort für Wort
vratam etat tu yaḥ kuryāt
wer aber dieses Gelübde vollzieht
haripañcakasaṃjñitam
das ‚Haripañcaka‘ genannt wird
na tasya punarāvṛttiḥ
für den gibt es keine Rückkehr
brahmalokāt kadācana
aus der Brahmawelt, jemals

vratametatprakarttavya micchadbhirmokṣamuttam / samastapāpakāntāradāvānalasamaṃ dvija

Dieses Gelübde ist von denen zu vollziehen, die die höchste Erlösung begehren; es gleicht einem Waldbrand für die ganze Wildnis der Sünden, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
vratam etat prakarttavyam
dieses Gelübde ist zu vollziehen
icchadbhir mokṣam uttamam
von denen, die die höchste Erlösung begehren
samastapāpakāntāra-
für die ganze Wildnis [aller] Sünden
dāvānalasamaṃ dvija
einem Waldbrand gleich, o Zweifachgeborener

gavāṃ koṭisahasrāṇi dattvā yatphalamāpnuyāt / tatphalaṃ labhyate pumbhiretasmā dupavāsataḥ

Die Frucht, die man durch die Gabe von tausend Millionen Kühen erlangt, diese Frucht wird von den Menschen [schon] durch dieses Fasten erlangt.

Wort für Wort
gavāṃ koṭisahasrāṇi dattvā
durch die Gabe von tausend Millionen Kühen
yatphalam āpnuyāt
welche Frucht man erlangen würde
tatphalaṃ labhyate pumbhiḥ
diese Frucht wird von den Menschen erlangt
etasmād upavāsataḥ
durch dieses Fasten

yastvetacchṛṇuyādbhaktyā nārāyaṇaparāyaṇaḥ / sa mucyate mahāghoraiḥ tāpakānāṃ ca koṭibhiḥ

Wer aber dies mit Hingabe hört, ganz Nārāyaṇa ergeben, der wird von den höchst furchtbaren, zehn Millionen Sünden befreit.

Wort für Wort
yastu etat śṛṇuyād bhaktyā
wer aber dies mit Hingabe hört
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
ganz Nārāyaṇa ergeben
sa mucyate mahāghoraiḥ
der wird von den höchst furchtbaren befreit
pātakānāṃ ca koṭibhiḥ [?]
und von zehn Millionen Sünden

[?: „tāpakānāṃ“ im Quelltext verschrieben für „pātakānāṃ“ (‚der Sünden‘).]

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