Nārada sprach: Alles ist von dir dargelegt worden, o Weiser, kundig des wahren Sinnes (der Dinge). Jetzt möchte ich das Merkmal des Zustandes der Weltzeitalter (Yugas) hören.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
ākhyātaṃ bhavatā sarvaṃ
alles ist von dir dargelegt worden
mune tattvārtha kovida
o Weiser, kundig des wahren Sinnes
idānīṃ śrotumicchāmi
jetzt möchte ich hören
yugānāṃ sthitilakṣaṇam
das Merkmal des Zustandes der Weltzeitalter
[Anm.: Im Quelltext geht der eigentlichen Rede des Nārada unmittelbar die Kolophonzeile „iti śrī bṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde viṣṇumāhātmye catvāriṃśo 'dhyāyaḥ“ voraus – offenbar der versehentlich hierher verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (39.) Kapitels. Sie wurde nicht in den Vers-Text (sa) aufgenommen, da sie erkennbar keinen Bestandteil von V.1 bildet.]
Sanaka sprach: Gut, gut, o hochweiser Weiser, der du der Welt Nutzen bringst! Ich will die Pflichten (Dharmas) der Weltzeitalter darlegen, die allen Welten zum Nutzen gereichen.
kṛtaṃ tretā dvāparaṃ ca kaliśceti caturyugam / divyairdvādaśabhirjñeyaṃ vatsaraistatra sattama
Kṛta, Tretā, Dvāpara und Kali – so besteht das Vierergespann der Weltzeitalter; es ist, o Trefflicher, mit zwölftausend göttlichen Jahren zu erkennen.
Wort für Wort
kṛtaṃ tretā dvāparaṃ ca
Kṛta, Tretā und Dvāpara
kaliśceti caturyugam
und Kali – so das Vierergespann der Weltzeitalter
divyairdvādaśabhirjñeyaṃ
mit zwölf(tausend) göttlichen [Jahren] zu erkennen
vatsaraistatra sattama
mit Jahren, dabei, o Trefflicher
[?] (Die genaue Zahl der Jahre wird hier nicht ausdrücklich genannt, sondern nur „divyair dvādaśabhir vatsaraiḥ“, wörtlich „mit zwölf göttlichen Jahren“; nach gängiger Lehre sind hiermit die zwölftausend Götterjahre des Mahāyuga gemeint.)
saṃdhyāsandhyāṃśayuktāni yugāni sadṛśāni vai / kālato veditavyāni ityuktaṃ tattvādarśibhiḥ
Die Weltzeitalter, versehen mit Dämmerung und Dämmerungsanteil, sind einander der Zeitdauer nach gleichartig zu erkennen – so ist es von den die Wahrheit Schauenden gesagt worden.
Wort für Wort
saṃdhyāsandhyāṃśayuktāni
versehen mit Dämmerung und Dämmerungsanteil
yugāni sadṛśāni vai
die Weltzeitalter sind gleichartig
kālato veditavyāni
der Zeitdauer nach zu erkennen
ityuktaṃ tattvādarśibhiḥ
so ist es von den die Wahrheit Schauenden gesagt worden
Zuerst, so sagt man, kommt das Kṛtayuga, danach die Ordnung der Tretā; dann, so sagt man, das Dvāpara, und Kali kennt man der Reihe nach als das letzte.
Götter, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen – im Kṛtayuga waren sie [als voneinander verschiedene, einander feindliche Wesen] nicht vorhanden [?], o Brahmane; alle wurden als gottgleich betrachtet.
Wort für Wort
devadānavagandharvā
Götter, Dānavas, Gandharvas
yakṣarākṣasapannagāḥ
Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen
nāsankṛtayuge vipra [?]
waren im Kṛtayuge nicht [als Gegensätze vorhanden] [?], o Brahmane
sarve devasamāḥ smṛtāḥ
alle wurden als gottgleich betrachtet
[?] (Die Wortfolge „nāsankṛtayuge“ ist als Sandhi von „na āsan kṛtayuge“ – „sie waren nicht im Kṛtayuga“ – gedeutet; der Sinn scheint zu sein, dass im Kṛtayuga keine feindliche Unterscheidung zwischen diesen Wesensklassen bestand, sondern alle als gottgleich galten.)
sarve hṛṣṭāśca dharmiṣṭā na tatra krayavikrayau / vedānāṃ ca vibhāgaśca na yuge kṛtasaṃjñake
Alle waren freudig und dem Dharma zugetan; Kauf und Verkauf gab es dort nicht; auch keine Einteilung der Veden gab es in dem Zeitalter, das Kṛta genannt wird.
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras waren ihrem eigenen (Stand-)Brauch hingegeben, stets auf Nārāyaṇa ausgerichtet, der Askese und Meditation zugewandt.
Frei von den Fehlern wie Begierde und dergleichen, den Tugenden wie Gleichmut und dergleichen hingegeben, mit auf die Verwirklichung des Dharma gerichtetem Sinn, ohne Missgunst und ohne Heuchelei.
Wort für Wort
kāmādidoṣanirmuktāḥ
frei von den Fehlern wie Begierde und dergleichen
śamādiguṇatatparāḥ
den Tugenden wie Gleichmut und dergleichen hingegeben
dharmasādhanacittāśca
mit auf die Verwirklichung des Dharma gerichtetem Sinn
Alle waren der Wahrhaftigkeit der Rede zugetan, den Pflichten der vier Lebensstufen (Āśramas) folgend, vollkommen im Vedenstudium, in allen Lehrschriften bewandert.
Durch das mit den vier Lebensstufen verbundene, aus der Zeit entstehende Werk gelangen sie, ohne nach der Frucht (des Werks) zu verlangen, zum höchsten Ziel.
Wort für Wort
caturāśramayuktena karmaṇā
durch das mit den vier Lebensstufen verbundene Werk
In der Tretā, o bester der Weisen, geht der Dharma zu bleicher Farbe über; Hari aber geht zu roter Farbe über, und die Menschen sind von ein wenig Trübsal begleitet.
Alle sind dem Übungsweg der (rituellen) Handlung zugetan, fest gegründet in den Opferhandlungen, wahrhaftig in ihrem Gelübde, der Meditation zugewandt, stets der Meditation hingegeben.
Manche der vortrefflichen Brahmanen sind dort auch der Unwahrhaftigkeit ergeben; die Stände, angefangen mit den Brahmanen, sind manche von Leidenschaft und ähnlichen schlechten Eigenschaften.
Wort für Wort
asatyaniratāścāpi
und auch der Unwahrhaftigkeit ergeben
kecittatra dvijottamāḥ
manche der vortrefflichen Brahmanen dort
brāhmaṇādyāśca varṇāḥ syuḥ
die Stände, angefangen mit den Brahmanen, sind
kecidrāgādidurguṇāḥ
manche von Leidenschaft und ähnlichen schlechten Eigenschaften
Manche vollziehen die Opfer der Brahmanen um des Himmels und der Erlösung willen, manche aus Verlangen nach Reichtum und dergleichen, manche mit befleckter Gesinnung.
Wort für Wort
kecitsvargāpavargārthaṃ
manche um des Himmels und der Erlösung willen
viprayajñānprakurvate
vollziehen die Opfer der Brahmanen
keciddhanādikāmāśca
manche aus Verlangen nach Reichtum und dergleichen
Ich will nun den Zustand des Kali darlegen – höre dies gesammelten Sinnes: Wenn das Kaliyuga eingetreten ist, besteht der Dharma nur noch auf einem einzigen Fuß.
tāmasaṃ yugamāsādya hariḥ kṛṣṇatvameti ca / yaḥ kaścidapi dharmātmā yajñācārānkaroti ca
Wenn er das von Finsternis (Tamas) geprägte Zeitalter erreicht, geht Hari zu schwarzer Farbe über; und wer immer auch, dharmagesinnt, die Opferbräuche vollzieht,
Wort für Wort
tāmasaṃ yugamāsādya
wenn er das von Finsternis geprägte Zeitalter erreicht
wer immer auch, verdienstvoller Seele, dem Übungsweg der (rituellen) Handlung zugetan sei – wenn sie den dem Dharma zugetanen Mann sehen, üben alle Missgunst.
Nārada sprach: Die Pflichten der Weltzeitalter sind von dir, o Weiser, im Überblick dargelegt worden; sprich mir vom Kali ausführlich, denn du bist der Beste der Dharmakenner.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
yugadharmāḥ samākhyātāḥ
die Pflichten der Weltzeitalter sind dargelegt worden
Sanaka sprach: Höre, o Tiger unter den Weisen, der du der Welt Nutzen bringst; ich will die Pflichten des Kali ausführlich darlegen, so wie sie wirklich sind.
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras werden, wenn das schreckliche Kaliyuga eingetreten ist, dem Dharma den Rücken kehren, die Zweifachgeborenen dem Veda den Rücken kehren.
Alle sind einem betrügerischen Scheindharma zugetan, ebenso der Missgunst ergeben; von eitlem Hochmut [?] verdorben, und die Gelehrten ohne Wahrhaftigkeit.
Wort für Wort
vyājadharmaratāḥ sarve
alle sind einem betrügerischen Scheindharma zugetan
asūyāniratāstathā
ebenso der Missgunst ergeben
vṛthāhṝṅkāraduṣṭāśca [?]
von eitlem Hochmut [?] verdorben
satyahīnāśca paṇḍitāḥ
und die Gelehrten ohne Wahrhaftigkeit
[?] (Quelltext „vṛthāhṝṅkāra“ als vṛthāhaṅkāra – „eitler Hochmut/Stolz“ – aufgefasst.)
„Ich allein bin überlegen“ – so streiten alle miteinander; alle sind dem Unrecht gierig ergeben, und die Menschen sind ebenso unbeständig/betrügerisch [?].
Wort für Wort
ahamevādhika iti
„ich allein bin überlegen“, so
sarve 'pi vivadanti ca
streiten alle miteinander
adharmalolupāḥ sarve [?]
alle sind dem Unrecht gierig ergeben [?]
tathā vaitaṃhikā narāḥ [?]
und ebenso die unbeständigen/betrügerischen [?] Menschen
[?] (Die Lesungen „sarvale“ und „vaitaṃhikāḥ“ sind im Quelltext unklar/korrupt; „sarvale“ wurde sinngemäß zu „sarve“ gestellt, „vaitaṃhikāḥ“ bleibt ein unsicher gedeutetes, mutmaßlich verderbtes Wort, hier versuchsweise als „unbeständig/betrügerisch“ wiedergegeben.)
Darum werden im Kaliyuga alle von sehr kurzer Lebensspanne sein; wegen der Kürze der Lebensspanne der Menschen gibt es kein Erlernen von Wissen (mehr), o Brahmane.
Wort für Wort
ataḥ svalpāyuṣaḥ sarve
darum werden alle von sehr kurzer Lebensspanne sein
Ebenso werden die Stände, angefangen mit den Brahmanen, untereinander vermengt; von Begierde und Zorn beherrscht, verblendet, von nutzloser Qual gepeinigt.
śavavāhābhaviṣyanti śūdrāṇāṃ ca dvijātayaḥ / dharmastrīṣvapi gacchanti patayo jāradharmiṇaḥ
Die Zweifachgeborenen werden zu Leichenträgern der Śūdras werden; und selbst gegenüber ihren rechtmäßigen Ehefrauen verhalten sich die Ehemänner wie Ehebrecher.
Wort für Wort
śavavāhābhaviṣyanti
werden zu Leichenträgern werden
śūdrāṇāṃ ca dvijātayaḥ
der Śūdras, die Zweifachgeborenen
dharmastrīṣvapi gacchanti
selbst gegenüber ihren rechtmäßigen Ehefrauen verhalten sich
Sie leben von Fischfleisch und quälen [?] sogar (Wesen ohne) Lebensunterhalt; im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane, sind alle Menschen der Sünde ergeben.
Wort für Wort
matsyāmiṣeṇa jīvanti
sie leben von Fischfleisch
duhṝntaścāpyajīvikām [?]
und quälen [?] sogar (Wesen ohne) Lebensunterhalt
ghore kaliyuge vipra
im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane
sarve pāparatā janāḥ
sind alle Menschen der Sünde ergeben
[?] (Quelltext „duhṝntaścāpyajīvikām“ ist unklar/korrupt; sinngemäß als eine Form von „duhyantaḥ/druhyantaḥ ca api ajīvikām“ – „sie schädigen/quälen selbst das, was keinen Lebensunterhalt hat“ – gedeutet.)
Der Missgunst gegenüber den Rechtschaffenen ergeben [?], treiben sie Spott (mit ihnen); an Flussufern werden sie mit Hacken Kräuter/Heilpflanzen anpflanzen.
Wort für Wort
satāmasūyāniratāṃ [?]
der Missgunst gegenüber den Rechtschaffenen ergeben [?]
upahāsaṃ prakurvate
treiben sie Spott
sarittīreṣu kuddālaiḥ
an Flussufern mit Hacken
vāpayiṣyanti cauṣadhīḥ
werden sie Kräuter/Heilpflanzen anpflanzen
[?] (Quelltext „niratāṃ“, Akkusativ, statt des grammatisch erwartbaren Nominativ Plural „niratāḥ“; sinngemäß als Nominativ Plural aufgefasst.)
Brahmanen, die den Dharma verkaufen, und Frauen, die ihre Scham(-Teile) verkaufen; andere, die den Veda verkaufen, Zweifachgeborene, die dem Brauch der Śūdras zugetan sind.
Wort für Wort
dharmavikrayiṇo viprāḥ
Brahmanen, die den Dharma verkaufen
striyaśca bhagavikrayāḥ
und Frauen, die ihre Scham(-Teile) verkaufen
vedavikrayakāścānye
andere, die den Veda verkaufen
śūdrācāraratā dvijāḥ
Zweifachgeborene, die dem Brauch der Śūdras zugetan sind
Den Brauch des Dharma aufgebend, in eitle Reden verstrickt, vollziehen die Zweifachgeborenen um der Heuchelei willen Handlungen wie das Ahnenopfer und dergleichen.
Wort für Wort
dharmācāraṃ parityajya
den Brauch des Dharma aufgebend
vṛthāvādairviṣajjitāḥ
in eitle Reden verstrickt
dvijāḥ kurvanti daṃbhārthaṃ
vollziehen die Zweifachgeborenen um der Heuchelei willen
Ebenso vollziehen die Brahmanen nicht mehr die Verrichtungen wie Bad, Reinheit und dergleichen; die niedrigsten der Menschen geben ihre Gaben nur an Unwürdige.
Wort für Wort
na kurvanti tathā viprāḥ
ebenso vollziehen die Brahmanen nicht
snānaśaucādikāḥ kriyāḥ
die Verrichtungen wie Bad, Reinheit und dergleichen
apātreṣveva dānāni
nur an Unwürdige ihre Gaben
prayacchanti narādhamāḥ
geben die niedrigsten der Menschen
[Anm.: Die zweite Vershälfte wiederholt wörtlich die zweite Hälfte von V.46 (Dittographie im Quelltext).]
sādhunindāparāścaiva vipranindāparāstathā / na kasyāpi mano vipra viṣṇubhaktiparaṃ bhavet
Der Verleumdung der Rechtschaffenen ergeben, ebenso der Verleumdung der Brahmanen; niemandes Sinn, o Brahmane, wird auf die Hingabe zu Viṣṇu gerichtet sein.
Wenn Kṛṣṇa (das Zeitalter) die Schwärze angenommen hat, schlagen die bösen, nach Reichtum gierigen Diener des Königs sogar die opfernden Brahmanen, die Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
yajvinaśca dvijānaiva
und die opfernden Brahmanen, die Zweifachgeborenen, selbst
Dem Umgang mit Śūdra-Frauen ergeben, gierig nach dem Umgang mit Witwen, dem Genuss der Speise der Śūdras zugetan – so werden im Kali die Zweifachgeborenen sein.
na cadvijātiśuśrūṣāṃ kurvanti caraṇodbhavāḥ / dvijātidharmāngṛhṇanti pākhaṇḍaliṅgino 'dhamāḥ
Die vom Fuß (des Puruṣa) Entsprungenen (die Śūdras) leisten den Zweifachgeborenen keinen Dienst mehr; die niedrigsten, mit dem äußeren Zeichen der Häresie versehen, maßen sich die Pflichten der Zweifachgeborenen an.
Wort für Wort
na cadvijātiśuśrūṣāṃ kurvanti
sie leisten den Zweifachgeborenen keinen Dienst mehr
caraṇodbhavāḥ
die vom Fuß Entsprungenen (die Śūdras)
dvijātidharmāngṛhṇanti
sie maßen sich die Pflichten der Zweifachgeborenen an
pākhaṇḍaliṅgino 'dhamāḥ
die niedrigsten, mit dem äußeren Zeichen der Häresie
Die Zweifachgeborenen, ihren eigenen Brauch aufgebend und von anderen zubereitete Speise genießend, werden bösen Sinnes sein; ebenso werden Śūdras zu Wanderasketen.
Wort für Wort
dvijāḥ svācāramutsṛjya ca [?]
die Zweifachgeborenen, ihren eigenen Brauch aufgebend [?]
parapākānnabhojinaḥ
und von anderen zubereitete Speise genießend
bhaviṣyanti durātmānaḥ
werden sie bösen Sinnes sein
śūdrāḥ pravrajitāstathā
ebenso werden Śūdras zu Wanderasketen
[?] (Quelltext ohne Worttrennung „dvijāḥsvācāramutḥsṛjyacaparapākānnabhojinaḥ“ und „bhaviṣyantidurātmānaḥ“; als dvijāḥ svācāram utsṛjya ca para-pākānna-bhojinaḥ bhaviṣyanti durātmānaḥ aufgefasst.)
Von Bestechung Lebende wird es dort im Kali geben, o Weiser; die des Dharma Entbehrenden [?], Häretiker, Kāpālikas (Schädelträger-Asketen), niedrigste Bettelmönche.
Wort für Wort
utkocajīvinastatra
von Bestechung Lebende wird es dort geben
bhaviṣyanti kalau mune
im Kali, o Weiser
dharmaṭīnāstu pāṣaṇḍā [?]
die des Dharma Entbehrenden [?], Häretiker
kāpālā bhikṣavo 'dhamāḥ
Kāpālikas, niedrigste Bettelmönche
[?] (Quelltext „dharmaṭīnāstu“ verderbt; sinngemäß als dharmahīnāstu – „die des Dharma Entbehrenden“ – gedeutet.)
Während die Zweifachgeborenen, o bester der Zweifachgeborenen, von der Natur sind, den Dharma zu zerstören, werden die Śūdras, den höchsten Sitz besteigend, den Dharma lehren.
Wort für Wort
dharmavidhvaṃsaśīlānāṃ dvijānāṃ
während die Zweifachgeborenen von der Natur sind, den Dharma zu zerstören
Von geringem Besitz, mit nichtigem (äußerem) Zeichen, von eitlem Hochmut [?] verdorben – die niedrigsten Menschen werden zu Räubern fremden Vermögens werden.
Wort für Wort
alpadravyā vṛthāliṅgā
von geringem Besitz, mit nichtigem Zeichen
vṛthāhṝṅkāradūṣitāḥ [?]
von eitlem Hochmut [?] verdorben
hartāraṃ paravittānāṃ
zu Räubern fremden Vermögens
bhavitāro narādhamāḥ
werden die niedrigsten Menschen werden
[?] (Quelltext „vṛthāhṝṅkāra“ wie in V.31 als vṛthāhaṅkāra aufgefasst.)
Stets auf das Annehmen von Gaben bedacht, von einer Natur, die die Welt auf den Irrweg führt; alle sind der Selbstlobpreisung ergeben, ebenso der Verleumdung anderer.
Wort für Wort
pratigrahaparā nityaṃ
stets auf das Annehmen von Gaben bedacht
jagadunmārgaśīlinaḥ
von einer Natur, die die Welt auf den Irrweg führt
Die Menschen werden, o Brahmane, im Kali zu Verrätern an denen, die ihnen vertrauen, grausam, des mitleidsvollen Dharma bar, und Freunde des Unrechts sein.
saptavarṣāṣṭavarṣāśca yuvāno 'taḥ pare jarā / svakarmatyāginaḥ sarve kṛtaghnābhinnavṛttayaḥ
Mit sieben oder acht Jahren sind sie schon jung erwachsen, danach folgt sogleich das Greisenalter; alle geben ihr eigenes (Stand-)Werk auf, sind undankbar, von gleichbleibend (schlechtem) Wandel.
Wort für Wort
saptavarṣāṣṭavarṣāśca
mit sieben oder acht Jahren
yuvāno 'taḥ pare jarā
sind sie jung erwachsen, danach folgt das Greisenalter
Mit dem Wort sprechen sie von Dharma, während sie im Herzen nach Sünde gierig sind; berauscht von Reichtum, Bildung und Jugend, sind sie allem Leid hingegeben.
vyādhitaskaradurbhikṣaiḥ pīḍitā atimāṃyinaḥ / prapuṣyanti vṛthaivāmī na vicārya ca duṣkṛtam
Von Krankheit, Dieben und Hungersnot gepeinigt, überaus trügerisch [?], mästen sich diese vergeblich, ohne ihre Missetat zu bedenken.
Wort für Wort
vyādhitaskaradurbhikṣaiḥ
von Krankheit, Dieben und Hungersnot
pīḍitā atimāṃyinaḥ [?]
gepeinigt, überaus trügerisch [?]
prapuṣyanti vṛthaivāmī
mästen sich diese vergeblich
na vicārya ca duṣkṛtam
ohne ihre Missetat zu bedenken
[?] (Quelltext „atimāṃyinaḥ“ als atimāyinaḥ – „überaus trügerisch/hinterlistig“ – aufgefasst; das Verb „prapuṣyanti“ hier wörtlich mit „sich mästen/gedeihen“ wiedergegeben.)
Wenn der Kali eingetreten ist, werden die Könige von der Art der Mleccha(-Barbaren) sein, und die Śūdras werden dem Betteln zugetan sein; die Zweifachgeborenen (aber) im Dienst an jenen (Königen).
na śiṣyo na guruḥ kaścinna putro lana pitā tathā / na bhāryā na patiścaiva bhavitāro 'tra saṃkare
In dieser Vermischung (der Stände) wird es keinen Schüler mehr geben und keinen Lehrer, keinen Sohn und ebenso keinen Vater, keine Gattin und keinen Ehemann.
Wort für Wort
na śiṣyo na guruḥ kaścin
es wird keinen Schüler mehr geben und keinen Lehrer
na putro lana pitā tathā [?]
keinen Sohn und ebenso keinen [?] Vater
na bhāryā na patiścaiva
keine Gattin und keinen Ehemann
bhavitāro 'tra saṃkare
wird es geben in dieser Vermischung
[Anm.: Das Wort „lana“ vor „pitā“ ist im Quelltext unklar/verderbt (offenbar entstellte Wiederholung von „na“); es wurde bei der Übersetzung als bedeutungslose Verschreibung behandelt.]
kalau gate bhaviṣyanti dhanāḍhyā api yācakāḥ / rasa vikrayiṇaścāpi bhaviṣyanti dvijātayaḥ
Wenn der Kali gekommen ist, werden sogar Reiche zu Bettlern werden; und die Zweifachgeborenen werden zu Verkäufern von Säften (Essenzen, Genussmitteln) werden.
In den Mantel des Dharma gehüllt, das Gewand von Weisen tragend, werden die Zweifachgeborenen dem Verkauf des nicht Verkäuflichen ergeben sein und ebenso zu verbotenen Frauen gehen.
Wort für Wort
dharmakañcukasaṃvītā
in den Mantel des Dharma gehüllt
muniveṣadharā dvijāḥ
das Gewand von Weisen tragend, die Zweifachgeborenen
Der Verleumdung des Veda ergeben, ebenso Verächter der Dharma-Lehrschriften – von der Lebensweise der Śūdras allein leben die Zweifachgeborenen, die der Hölle Würdigen, o Weiser.
Wort für Wort
vedanindāparāścaiva
der Verleumdung des Veda ergeben
dharmaśāstravinindukāḥ
und Verächter der Dharma-Lehrschriften
śūdravṛttyaiva jīvanti
von der Lebensweise der Śūdras allein leben sie
narakārhā dvijā mune
die Zweifachgeborenen, die der Hölle Würdigen, o Weiser
Von der Furcht vor Dürre ergriffen, den Blick unablässig an den Himmel geheftet, werden im Kali alle Sterblichen von der Furcht vor Hunger geängstigt sein.
Von Begierde gequält, von kleinem Körperwuchs, gierig und dem Unrecht ergeben – im Kali werden alle von geringem Glück sein, aber zahlreiche Nachkommen haben.
Wort für Wort
kāmārtā hrasvadehāśca
von Begierde gequält, von kleinem Körperwuchs
lubdhāścādharmatatparāḥ
gierig und dem Unrecht ergeben
kalau sarve bhaviṣyanti
im Kali werden alle sein
svalpabhāgyā bahuprajāḥ
von geringem Glück, aber mit zahlreichen Nachkommen
Die Frauen, nur auf die eigene Ernährung bedacht, von hurenhaftem [?] Wesen der Verführung, missachten das Wort des Gatten und sind stets auf das Haus eines anderen aus.
Von schlechtem Wesen werden sie stets Verlangen nach Männern von verdorbenem Wesen entwickeln; von unrechtem Wandel werden die Frauen guter Familien gegenüber Männern sein.
Wort für Wort
duḥśīlā duṣṭaśīleṣu
von schlechtem Wesen, gegenüber Männern von verdorbenem Wesen
Von der Furcht vor Dieben und dergleichen geängstigt, errichten sie hölzerne Vorrichtungen [?]; von Hungersnot und Steuerlast überaus heimgesucht sind die Menschen.
Wort für Wort
caurādibhayabhītāśca
von der Furcht vor Dieben und dergleichen geängstigt
kāṣṭayantrāṇi kurvate [?]
errichten sie hölzerne Vorrichtungen [?]
durbhikṣakarapīḍābhiḥ
von Hungersnot und Steuerlast
atīvopadrutā janāḥ
überaus heimgesucht sind die Menschen
[?] (Sinn von „kāṣṭayantrāṇi“, wörtlich „hölzerne Vorrichtungen/Mechanismen“, im Kontext unsicher – vermutlich Schutzvorrichtungen oder Fallen gegen Diebe gemeint.)
Sie werden, leidgeplagt, in ein Land ziehen, das reich an Weizen- und Gerstenspeise ist; [dort], das Herz auf Untätigkeit [?] gerichtet, sprechen sie [nur noch] wohlklingende Worte [?].
Wort für Wort
godhūmānnayavānnāḍhye deśe
in ein Land, reich an Weizen- und Gerstenspeise
yāsyanti duḥkhitāḥ
werden sie ziehen, leidgeplagt
nidhāya hṛdyakarmaṇi [?]
das Herz auf Untätigkeit gerichtet [?]
prerayanti vacaḥ śubham [?]
sprechen sie wohlklingende Worte [?]
[?] (Der zweite Halbvers ist im Quelltext unklar/korrupt; „hṛdyakarmaṇi“ wurde versuchsweise als „hṛdi akarmaṇi“ – „das Herz auf Untätigkeit gerichtet“ – gedeutet, der Gesamtsinn bleibt unsicher.)
Die Menschen pflegen Verwandtschaft(-sbande) nur so lange, bis ihr eigenes Anliegen erreicht ist; selbst die Bettelmönche sind von den Banden der Zuneigung wie Freundschaft gefesselt.
Wort für Wort
svakāryasiddhiparyantaṃ
nur so lange, bis das eigene Anliegen erreicht ist
bandhutāṃ kurvate janāḥ
pflegen die Menschen Verwandtschaft
bhikṣavaścāva
und sogar die Bettelmönche
mitrādisnehasaṃbandhayantritāḥ
von den Banden der Zuneigung wie Freundschaft gefesselt
Wenn die Zweifachgeborenen dem Gespräch mit Häretikern ergeben, mit häretischen Menschen verbunden sein werden, dann wird der Kali zu Zuwachs gelangen.
yadā prajā na yakṣyanti na hoṣyanti dvijātayaḥ / tadaiva tu kalervṛddhiranumeyā vicakṣaṇaiḥ
Wenn die Geschöpfe nicht mehr opfern, die Zweifachgeborenen nicht mehr das Feueropfer darbringen werden, dann eben ist von den Klugen der Zuwachs des Kali zu erschließen.
Wort für Wort
yadā prajā na yakṣyanti
wenn die Geschöpfe nicht mehr opfern
na hoṣyanti dvijātayaḥ
die Zweifachgeborenen nicht mehr das Feueropfer darbringen
Es wird ein Zuwachs des Unrechts geben, sogar Kindestod [?], o Zweifachgeborener; wenn alle Dharmas untergegangen sind, verfällt die Welt der Glanzlosigkeit.
Wort für Wort
adharmavṛddhirbhavitā
es wird ein Zuwachs des Unrechts geben
bāsamṛtyurapi dvijā [?]
sogar Kindestod [?], o Zweifachgeborener
sarvadharmeṣu naṣṭeṣu
wenn alle Dharmas untergegangen sind
yāti niḥśrīkatāṃ jagat
verfällt die Welt der Glanzlosigkeit
[?] (Quelltext „bāsamṛtyurapi“ unklar; sinngemäß als bāla-mṛtyur api – „sogar Kindestod“ – gedeutet.)
evaṃ kaleḥ svarūpaṃ te kathitaṃ viprasattama / haribhaktiparāneṣa na kalirbādhate kvacit
So ist dir, o bester der Brahmanen, das eigentliche Wesen des Kali dargelegt worden; diejenigen aber, die der Hingabe zu Hari zugetan sind, beeinträchtigt dieser Kali nirgends.
Wort für Wort
evaṃ kaleḥ svarūpaṃ
so das eigentliche Wesen des Kali
te kathitaṃ viprasattama
ist dir dargelegt worden, o bester der Brahmanen
haribhaktiparāneṣa
diejenigen aber, die der Hingabe zu Hari zugetan sind
Ferner: Im Kṛtayuga [ist es die Askese] [?], in der Tretā allein die Meditation; im Dvāpara nennt man allein das Opfer, im Kaliyuga allein die Gabe.
Wort für Wort
tataḥ paraṃ kṛtayuge [?]
ferner, im Kṛtayuga [die Askese, ergänzt] [?]
tretāyāṃ dhyānameva ca
in der Tretā allein die Meditation
dvāpare yajñamevāhuḥ
im Dvāpara nennt man allein das Opfer
dānamekaṃ kalau yuge
allein die Gabe im Kaliyuga
[Anm.: Der erste Halbvers ist im Quelltext verderbt/dittographisch („tretāyuge tretāyāṃ“ doppelt, das für das Kṛtayuga zu erwartende Stichwort – üblicherweise „tapas“, Askese – fehlt). Sinngemäß ergänzt nach dem bekannten Schema kṛte tapaḥ, tretāyāṃ dhyānam/jñānam, dvāpare yajñaḥ, kalau dānam.]
Was man im Kṛtayuga durch zehn Jahre (erlangt), und was in der Tretā durch ein Jahr, und was im Dvāpara durch einen Monat, das (erlangt man) im Kali durch einen Tag und eine Nacht.
Was man durch Meditieren im Kṛtayuga, durch Opfern mit Opfern [?] in der Tretā, durch Verehren im Dvāpara erlangt, das erlangt man im Kali, indem man Keśava (im Kīrtana) besingt.
Wort für Wort
dhyāyankṛte
meditierend im Kṛtayuga
jayanyajñaistretāyāṃ [?]
opfernd mit Opfern [?] in der Tretā
dvāparer'cayan
im Dvāpara verehrend
yadāpnoti tadāpnoti
was man erlangt, das erlangt man
kalau saṃkīrtya keśavam
im Kali, indem man Keśava besingt
[?] (Quelltext „jayanyajñaiḥ“ als yajan yajñaiḥ – „opfernd mit Opfern“ – gedeutet; vermutlich Verschreibung von y zu j.)
harināmaparā ye tu ghore kaliyuge dvija / ta eva kṛtakṛtyāśca na kalirbādhate hi tān
Diejenigen aber, o Brahmane, die im schrecklichen Kaliyuge dem Namen Haris zugetan sind, eben sie haben ihr Ziel erreicht, und der Kali beeinträchtigt sie gewiss nicht.
haripūjāparā ye ca harināmaparāyaṇāḥ / ta eva śivatulyāśca nātra kāryā vicāraṇā
Diejenigen, die der Verehrung Haris zugetan und dem Namen Haris hingegeben sind, eben sie sind Śiva gleich – hierüber ist keine Überlegung anzustellen.
Wort für Wort
haripūjāparā ye ca
diejenigen, die der Verehrung Haris zugetan sind
harināmaparāyaṇāḥ
und dem Namen Haris hingegeben
ta eva śivatulyāśca
eben sie sind Śiva gleich
nātra kāryā vicāraṇā
hierüber ist keine Überlegung anzustellen
[Anm.: Vor dem eigentlichen Versbeginn steht im Quelltext ein isolierter, offenbar bedeutungsloser Punkt („.“) auf eigener Zeile – vermutlich ein OCR-Artefakt.]
Wer, wenn das schreckliche Kaliyuga eingetreten ist, über Viṣṇu meditiert, der die Stütze der gesamten Welt ist, von der Gestalt der höchsten Wirklichkeit, der versinkt nicht (im Leid).
Für die im Veda genannten Werke, die im Kali mit dem Fehler des Zuwenig oder Zuviel behaftet sind, ist hierbei allein das Gedenken an Hari das, was Vollständigkeit bewirkt.
Wort für Wort
nyūnātiriktadoṣāṇāṃ
die mit dem Fehler des Zuwenig oder Zuviel behaftet sind
mahādeva virūpākṣa gaṅgādhara mṛḍāvyaya / itthaṃ vadanti ye vipra te kṛtārthā na saṃśayaḥ
„Mahādeva, Ungestaltäugiger, Träger der Gaṅgā, unvergänglicher Mṛḍa“ – die, o Brahmane, dies so sprechen, haben ihr Ziel erreicht, daran ist kein Zweifel.
Im Weltenlauf sind Söhne, Gattin, Reichtum und dergleichen für die Menschen leicht zu erlangen; im schrecklichen Kaliyuge aber, o Brahmane, ist die Hingabe an Hari [?] schwer zu erlangen.
Wort für Wort
saṃsāre sulabhāḥ puṃsāṃ
im Weltenlauf für die Menschen leicht zu erlangen
putradāradhanādayaḥ
Söhne, Gattin, Reichtum und dergleichen
ghore kaliyuge vipra
im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane
haribhaktastu durlabhā [?]
die Hingabe an Hari [?] aber ist schwer zu erlangen
[?] (Quelltext „haribhaktastu“, maskulin, während „durlabhā“ feminin ist; vermutlich ist „haribhaktistu“ – die feminine Form „Hingabe an Hari“ – gemeint.)
karmaśraddhāvihīnā ye pāṣaṇḍā vedanindakāḥ / adharmaniratā naiva narakārhā harismṛteḥ
Diejenigen, die des Vertrauens in die (rituellen) Werke bar sind, Häretiker, Schmäher des Veda, dem Unrecht ergeben – sie sind, kraft des Gedenkens an Hari, keineswegs der Hölle würdig.
Wort für Wort
karmaśraddhāvihīnā ye
diejenigen, die des Vertrauens in die Werke bar sind
Für die Menschen, die außerhalb des Weges des Veda stehen [?], von sündigem Werk, deren Geist der Reinheit entbehrt, gibt es Sühne einzig durch den Namen Haris.
Wort für Wort
vedamārgabahiṣṭānāṃ [?]
für die außerhalb des Weges des Veda Stehenden [?]
janānāṃ pāpakarmaṇām
die Menschen von sündigem Werk
manaḥ śuddhivihīnānāṃ
deren Geist der Reinheit entbehrt
harināmnaiva niṣkṛtiḥ
gibt es Sühne einzig durch den Namen Haris
[?] (Quelltext „vedamārgabahiṣṭānāṃ“ als vedamārga-bahiṣṭhānām/bahiṣkṛtānām – „die außerhalb des Weges des Veda stehen“ – aufgefasst.)
Diese ganze Welt, das Unbewegliche und Bewegliche, ist dem Schicksal (Daiva) unterworfen; so wie sie von diesem (Schicksal) angetrieben wird, ebenso handelt sie, o Zweifachgeborener.
haribhaktiratānāṃ ca pāpabandho na jāyate / ato 'tidurlabhā loke haribhaktirdurātmanām
Und für die der Hingabe an Hari Zugetanen entsteht keine Bindung durch Sünde; darum ist die Hingabe an Hari in der Welt für die Bösgesinnten überaus schwer zu erlangen.
aho hariparā ye tu kalau ghore bhayaṅkare / te subhāgyā mahātmānaḥ satsaṃgara hitā api
Oh, diejenigen, die im schrecklichen, furchterregenden Kali Hari zugetan sind, sie sind glückhafte, großherzige Menschen, auch wenn ihnen der Umgang mit den Guten fehlt [?].
Wort für Wort
aho hariparā ye tu
oh, diejenigen aber, die Hari zugetan sind
kalau ghore bhayaṅkare
im schrecklichen, furchterregenden Kali
te subhāgyā mahātmānaḥ
sie sind glückhafte, großherzige Menschen
satsaṃgara hitā api [?]
auch ohne den Umgang mit den Guten [?]
[?] (Quelltext „satsaṃgara hitā“ unklar/korrupt; sinngemäß als satsaṅga-rahitā api – „auch ohne den Umgang mit den Guten (Satsaṅga)“ – gedeutet.)
Für die, deren Sinn auf das Gedenken an Hari gegründet und dem Namen Śivas zugetan ist, gelangen, wahrlich, o Zweifachgeborener, alle Werke zur Vollständigkeit.
Wort für Wort
harismaraṇaniṣṭānāṃ
für die, deren Sinn auf das Gedenken an Hari gegründet ist
aho bhāgyamaho bhāgyaṃ harināma ratātmanām / tridarśerapi te pūjyāḥ kimanyairbahubhāṣitaiḥ
Oh, welch Glück, oh, welch Glück haben die, deren Sinn dem Namen Haris zugetan ist! Sie sind sogar von den (dreißig) Göttern [?] verehrungswürdig – was bedarf es (noch) vieler anderer Worte?
Wort für Wort
aho bhāgyamaho bhāgyaṃ
oh, welch Glück, oh, welch Glück
harināma ratātmanām
haben die, deren Sinn dem Namen Haris zugetan ist
tridarśerapi te pūjyāḥ [?]
sie sind sogar von den Göttern verehrungswürdig [?]
kimanyairbahubhāṣitaiḥ
was bedarf es vieler anderer Worte
[?] (Quelltext „tridarśerapi“ als tridaśair api – „auch von den dreißig Göttern“ – aufgefasst.)
harernāmaiva nāmaiva nāmaiva mama jīvanam / kalau nāstyeva nāstyeva gatiranyathā
Der Name Haris allein, der Name allein, der Name allein ist mein Leben; im Kali gibt es, gibt es gewiss keinen anderen Zufluchtsweg.
Wort für Wort
harernāmaiva nāmaiva nāmaiva
der Name Haris allein, der Name allein, der Name allein
mama jīvanam
ist mein Leben
kalau nāstyeva nāstyeva
im Kali gibt es, gibt es gewiss nicht
gatiranyathā
einen anderen Zufluchtsweg
[Anm.: Der Vers zitiert erkennbar den berühmten Kehrvers vom „dreifachen Namen“ (vgl. Kali-Santaraṇa-Upaniṣad: harer nāma harer nāma harer nāmaiva kevalam); die zweite Vershälfte ist im Quelltext metrisch verkürzt (nur ein Pāda statt zweier), was auf eine Textverkürzung/-lücke hindeutet.]
Nārada sprach: O Erhabener, Kenner aller Lehrschriften, von dir, von überaus mitleidsvollem Wesen, ist das Licht der Welt, das ewige höchste Brahman, offenbart worden.
O Brahmane, dass diese vielgestaltige Welt als eines einzigen Bewusstseins Offenbarung [dargestellt ist] – dies von dir Gesagte, wie soll ich es begreifen ohne ein Beispiel?
Sanaka sprach: O Brahmane (Nārada), ich möchte der Meditation zugewandt bleiben; befrage Sanandana, wie es dein Wunsch ist. Dieser ist im Vedānta-Lehrwerk bewandert; er, von den höchsten Edlen verehrungswürdig, wird dir (deinen Zweifel) auflösen.
Wort für Wort
brahmannahaṃ dhyānaparo bhaveyaṃ
o Brahmane, ich möchte der Meditation zugewandt bleiben
sanandanaṃ pṛccha yathābhilāṣam
befrage Sanandana, wie es dein Wunsch ist
vedāntaśāstre kuśalastavāyaṃ
dieser ist im Vedānta-Lehrwerk bewandert
nivartayedvā paramāryavandyaḥ
er, von den höchsten Edlen verehrungswürdig, wird (deinen Zweifel) auflösen
[Anm.: Dieser Vers steht im Quelltext in einem längeren (triṣṭubhartigen) Versmaß, abweichend von den vorangehenden Ślokas – wie häufig am formalen Kapitelschluss.]