Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 40: nāmamāhātmyam Die Größe des (göttlichen) Namens

nārada uvāca / ākhyātaṃ bhavatā sarvaṃ mune tattvārtha kovida / idānīṃ śrotumicchāmi yugānāṃ sthitilakṣaṇam

Nārada sprach: Alles ist von dir dargelegt worden, o Weiser, kundig des wahren Sinnes (der Dinge). Jetzt möchte ich das Merkmal des Zustandes der Weltzeitalter (Yugas) hören.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
ākhyātaṃ bhavatā sarvaṃ
alles ist von dir dargelegt worden
mune tattvārtha kovida
o Weiser, kundig des wahren Sinnes
idānīṃ śrotumicchāmi
jetzt möchte ich hören
yugānāṃ sthitilakṣaṇam
das Merkmal des Zustandes der Weltzeitalter

[Anm.: Im Quelltext geht der eigentlichen Rede des Nārada unmittelbar die Kolophonzeile „iti śrī bṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde viṣṇumāhātmye catvāriṃśo 'dhyāyaḥ“ voraus – offenbar der versehentlich hierher verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (39.) Kapitels. Sie wurde nicht in den Vers-Text (sa) aufgenommen, da sie erkennbar keinen Bestandteil von V.1 bildet.]

sanaka uvāca / sādhu sādhu mahāprājña mune lokopakāraka / yugadharmānprabakṣyāmi sarvalokopakārakān

Sanaka sprach: Gut, gut, o hochweiser Weiser, der du der Welt Nutzen bringst! Ich will die Pflichten (Dharmas) der Weltzeitalter darlegen, die allen Welten zum Nutzen gereichen.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
sādhu sādhu mahāprājña
gut, gut, o hochweiser
mune lokopakāraka
o Weiser, der der Welt Nutzen bringt
yugadharmānprabakṣyāmi
ich will die Pflichten der Weltzeitalter darlegen
sarvalokopakārakān
die allen Welten zum Nutzen gereichen

dharmo vivṛddhimāyāti kāle kasmiṃściduttama / tathā vināsamāyāti dharṃma eva mahītale

Der Dharma erfährt zu mancher Zeit, o Trefflicher, Zuwachs; ebenso geht der Dharma selbst auf Erden auch wieder zugrunde.

Wort für Wort
dharmo vivṛddhimāyāti
der Dharma erfährt Zuwachs
kāle kasmiṃściduttama
zu mancher Zeit, o Trefflicher
tathā vināsamāyāti
ebenso geht er zugrunde
dharṃma eva mahītale
eben der Dharma auf Erden

kṛtaṃ tretā dvāparaṃ ca kaliśceti caturyugam / divyairdvādaśabhirjñeyaṃ vatsaraistatra sattama

Kṛta, Tretā, Dvāpara und Kali – so besteht das Vierergespann der Weltzeitalter; es ist, o Trefflicher, mit zwölftausend göttlichen Jahren zu erkennen.

Wort für Wort
kṛtaṃ tretā dvāparaṃ ca
Kṛta, Tretā und Dvāpara
kaliśceti caturyugam
und Kali – so das Vierergespann der Weltzeitalter
divyairdvādaśabhirjñeyaṃ
mit zwölf(tausend) göttlichen [Jahren] zu erkennen
vatsaraistatra sattama
mit Jahren, dabei, o Trefflicher

[?] (Die genaue Zahl der Jahre wird hier nicht ausdrücklich genannt, sondern nur „divyair dvādaśabhir vatsaraiḥ“, wörtlich „mit zwölf göttlichen Jahren“; nach gängiger Lehre sind hiermit die zwölftausend Götterjahre des Mahāyuga gemeint.)

saṃdhyāsandhyāṃśayuktāni yugāni sadṛśāni vai / kālato veditavyāni ityuktaṃ tattvādarśibhiḥ

Die Weltzeitalter, versehen mit Dämmerung und Dämmerungsanteil, sind einander der Zeitdauer nach gleichartig zu erkennen – so ist es von den die Wahrheit Schauenden gesagt worden.

Wort für Wort
saṃdhyāsandhyāṃśayuktāni
versehen mit Dämmerung und Dämmerungsanteil
yugāni sadṛśāni vai
die Weltzeitalter sind gleichartig
kālato veditavyāni
der Zeitdauer nach zu erkennen
ityuktaṃ tattvādarśibhiḥ
so ist es von den die Wahrheit Schauenden gesagt worden

ādye kṛtayugaṃ prāhustatastretāvidhānakam / tataśca dvāparaṃ prāhuḥ kalimantyaṃ viduḥ kramāt

Zuerst, so sagt man, kommt das Kṛtayuga, danach die Ordnung der Tretā; dann, so sagt man, das Dvāpara, und Kali kennt man der Reihe nach als das letzte.

Wort für Wort
ādye kṛtayugaṃ prāhuḥ
zuerst, sagt man, das Kṛtayuga
tatastretāvidhānakam
danach die Ordnung der Tretā
tataśca dvāparaṃ prāhuḥ
dann, sagt man, das Dvāpara
kalimantyaṃ viduḥ kramāt
und Kali kennt man der Reihe nach als das letzte

devadānavagandharvā yakṣarākṣasapannagāḥ / nāsankṛtayuge vipra sarve devasamāḥ smṛtāḥ

Götter, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen – im Kṛtayuga waren sie [als voneinander verschiedene, einander feindliche Wesen] nicht vorhanden [?], o Brahmane; alle wurden als gottgleich betrachtet.

Wort für Wort
devadānavagandharvā
Götter, Dānavas, Gandharvas
yakṣarākṣasapannagāḥ
Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen
nāsankṛtayuge vipra [?]
waren im Kṛtayuge nicht [als Gegensätze vorhanden] [?], o Brahmane
sarve devasamāḥ smṛtāḥ
alle wurden als gottgleich betrachtet

[?] (Die Wortfolge „nāsankṛtayuge“ ist als Sandhi von „na āsan kṛtayuge“ – „sie waren nicht im Kṛtayuga“ – gedeutet; der Sinn scheint zu sein, dass im Kṛtayuga keine feindliche Unterscheidung zwischen diesen Wesensklassen bestand, sondern alle als gottgleich galten.)

sarve hṛṣṭāśca dharmiṣṭā na tatra krayavikrayau / vedānāṃ ca vibhāgaśca na yuge kṛtasaṃjñake

Alle waren freudig und dem Dharma zugetan; Kauf und Verkauf gab es dort nicht; auch keine Einteilung der Veden gab es in dem Zeitalter, das Kṛta genannt wird.

Wort für Wort
sarve hṛṣṭāśca dharmiṣṭā
alle waren freudig und dem Dharma zugetan
na tatra krayavikrayau
Kauf und Verkauf gab es dort nicht
vedānāṃ ca vibhāgaśca
und keine Einteilung der Veden
na yuge kṛtasaṃjñake
gab es in dem Zeitalter, das Kṛta heißt

brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāḥ svācāratatparāḥ / sadā nārāyaṇaparāstapodhyānaparāyaṇāḥ

Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras waren ihrem eigenen (Stand-)Brauch hingegeben, stets auf Nārāyaṇa ausgerichtet, der Askese und Meditation zugewandt.

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras
svācāratatparāḥ
ihrem eigenen Brauch hingegeben
sadā nārāyaṇaparāḥ
stets auf Nārāyaṇa ausgerichtet
tapodhyānaparāyaṇāḥ
der Askese und Meditation zugewandt

kāmādidoṣanirmuktāḥ śamādiguṇatatparāḥ / dharmasādhanacittāśca gatāsūyā adāṃbhikāḥ

Frei von den Fehlern wie Begierde und dergleichen, den Tugenden wie Gleichmut und dergleichen hingegeben, mit auf die Verwirklichung des Dharma gerichtetem Sinn, ohne Missgunst und ohne Heuchelei.

Wort für Wort
kāmādidoṣanirmuktāḥ
frei von den Fehlern wie Begierde und dergleichen
śamādiguṇatatparāḥ
den Tugenden wie Gleichmut und dergleichen hingegeben
dharmasādhanacittāśca
mit auf die Verwirklichung des Dharma gerichtetem Sinn
gatāsūyā adāṃbhikāḥ
ohne Missgunst und ohne Heuchelei

satyavākyaratāḥ sarve caturāśramadharmiṇaḥ / vedādhyayanasaṃpannāḥ sarvaśāstravicakṣaṇāḥ

Alle waren der Wahrhaftigkeit der Rede zugetan, den Pflichten der vier Lebensstufen (Āśramas) folgend, vollkommen im Vedenstudium, in allen Lehrschriften bewandert.

Wort für Wort
satyavākyaratāḥ sarve
alle waren der Wahrhaftigkeit der Rede zugetan
caturāśramadharmiṇaḥ
den Pflichten der vier Lebensstufen folgend
vedādhyayanasaṃpannāḥ
vollkommen im Vedenstudium
sarvaśāstravicakṣaṇāḥ
in allen Lehrschriften bewandert

caturāśramayuktena karmaṇā kālayoninā / akāmaphalasaṃyogāḥ prayānti paramāṃ gatim

Durch das mit den vier Lebensstufen verbundene, aus der Zeit entstehende Werk gelangen sie, ohne nach der Frucht (des Werks) zu verlangen, zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
caturāśramayuktena karmaṇā
durch das mit den vier Lebensstufen verbundene Werk
kālayoninā
das aus der Zeit entstehende
akāmaphalasaṃyogāḥ
ohne Verlangen nach der Frucht
prayānti paramāṃ gatim
gelangen sie zum höchsten Ziel

nārāyaṇaḥ kṛtayuge śuklavarṇaḥ sunirmalaḥ / tretādharmānpravakṣyāmi śṛṇuṣva susamāhitaḥ

Im Kṛtayuga ist Nārāyaṇa weißer Farbe, ganz makellos; nun will ich die Pflichten der Tretā darlegen – höre wohlgesammelt zu.

Wort für Wort
nārāyaṇaḥ kṛtayuge
Nārāyaṇa im Kṛtayuga
śuklavarṇaḥ sunirmalaḥ
weißer Farbe, ganz makellos
tretādharmānpravakṣyāmi
ich will die Pflichten der Tretā darlegen
śṛṇuṣva susamāhitaḥ
höre wohlgesammelt zu

dharmaḥ pāṇḍuratāṃ yāti tretāyāṃ munisattama / haristu raktātāṃ yāti kiñcitkleśānvitā janāḥ

In der Tretā, o bester der Weisen, geht der Dharma zu bleicher Farbe über; Hari aber geht zu roter Farbe über, und die Menschen sind von ein wenig Trübsal begleitet.

Wort für Wort
dharmaḥ pāṇḍuratāṃ yāti
der Dharma geht zu bleicher Farbe über
tretāyāṃ munisattama
in der Tretā, o bester der Weisen
haristu raktātāṃ yāti
Hari aber geht zu roter Farbe über
kiñcitkleśānvitā janāḥ
die Menschen sind von ein wenig Trübsal begleitet

kriyāyogaratāḥ sarve yajñakarmasu niṣṭitāḥ / satyavratā dhyānaparāḥ sadādhyānaparāyaṇāḥ

Alle sind dem Übungsweg der (rituellen) Handlung zugetan, fest gegründet in den Opferhandlungen, wahrhaftig in ihrem Gelübde, der Meditation zugewandt, stets der Meditation hingegeben.

Wort für Wort
kriyāyogaratāḥ sarve
alle sind dem Übungsweg der Handlung zugetan
yajñakarmasu niṣṭitāḥ
fest gegründet in den Opferhandlungen
satyavratā dhyānaparāḥ
wahrhaftig im Gelübde, der Meditation zugewandt
sadādhyānaparāyaṇāḥ
stets der Meditation hingegeben

dvipādo vartate dharmo dvāpare ca munīśvara / hariḥ pītatvamāyāti vedaścāpi vibhajyate

Im Dvāpara, o Herr der Weisen, besteht der Dharma nur noch auf zwei Füßen; Hari geht zu gelber Farbe über, und auch der Veda wird eingeteilt.

Wort für Wort
dvipādo vartate dharmo
der Dharma besteht auf zwei Füßen
dvāpare ca munīśvara
im Dvāpara, o Herr der Weisen
hariḥ pītatvamāyāti
Hari geht zu gelber Farbe über
vedaścāpi vibhajyate
und auch der Veda wird eingeteilt

asatyaniratāścāpi kecittatra dvijottamāḥ / brāhmaṇādyāśca varṇāḥ syuḥ kecidrāgādidurguṇāḥ

Manche der vortrefflichen Brahmanen sind dort auch der Unwahrhaftigkeit ergeben; die Stände, angefangen mit den Brahmanen, sind manche von Leidenschaft und ähnlichen schlechten Eigenschaften.

Wort für Wort
asatyaniratāścāpi
und auch der Unwahrhaftigkeit ergeben
kecittatra dvijottamāḥ
manche der vortrefflichen Brahmanen dort
brāhmaṇādyāśca varṇāḥ syuḥ
die Stände, angefangen mit den Brahmanen, sind
kecidrāgādidurguṇāḥ
manche von Leidenschaft und ähnlichen schlechten Eigenschaften

kecitsvargāpavargārthaṃ viprayajñānprakurvate / keciddhanādikāmāśca kecitkalmaṣacetasaḥ

Manche vollziehen die Opfer der Brahmanen um des Himmels und der Erlösung willen, manche aus Verlangen nach Reichtum und dergleichen, manche mit befleckter Gesinnung.

Wort für Wort
kecitsvargāpavargārthaṃ
manche um des Himmels und der Erlösung willen
viprayajñānprakurvate
vollziehen die Opfer der Brahmanen
keciddhanādikāmāśca
manche aus Verlangen nach Reichtum und dergleichen
kecitkalmaṣacetasaḥ
manche mit befleckter Gesinnung

dharmādharmauṃ samau syātāṃ dvāpare viprasattama / adharmasya prabhāveṇa kṣīyante ca prajāstathā

Dharma und Adharma sind im Dvāpara, o bester der Brahmanen, einander gleich; und durch die Übermacht des Adharma schwinden die Geschöpfe dahin.

Wort für Wort
dharmādharmauṃ samau syātāṃ
Dharma und Adharma sind einander gleich
dvāpare viprasattama
im Dvāpara, o bester der Brahmanen
adharmasya prabhāveṇa
durch die Übermacht des Adharma
kṣīyante ca prajāstathā
und so schwinden die Geschöpfe dahin

alpāyuṣo bhaviṣyanti keciñcāpi munīśvara / kecitpuṇyaratān dṛṣṭvā asūyāṃ vipra kurvate

Manche werden, o Herr der Weisen, auch von kurzer Lebensspanne sein; manche üben, o Brahmane, Missgunst, wenn sie die dem Verdienst Zugetanen sehen.

Wort für Wort
alpāyuṣo bhaviṣyanti
werden von kurzer Lebensspanne sein
keciñcāpi munīśvara
manche auch, o Herr der Weisen
kecitpuṇyaratān dṛṣṭvā
manche, wenn sie die dem Verdienst Zugetanen sehen
asūyāṃ vipra kurvate
üben Missgunst, o Brahmane

kalisthitiṃ pravakṣyāmi tacchṛṇuṣva samāhitaḥ / dharmaḥ kaliyuge prāpte pādenaikena vartate

Ich will nun den Zustand des Kali darlegen – höre dies gesammelten Sinnes: Wenn das Kaliyuga eingetreten ist, besteht der Dharma nur noch auf einem einzigen Fuß.

Wort für Wort
kalisthitiṃ pravakṣyāmi
ich will den Zustand des Kali darlegen
tacchṛṇuṣva samāhitaḥ
höre dies gesammelten Sinnes
dharmaḥ kaliyuge prāpte
wenn das Kaliyuga eingetreten ist, der Dharma
pādenaikena vartate
besteht nur noch auf einem einzigen Fuß

tāmasaṃ yugamāsādya hariḥ kṛṣṇatvameti ca / yaḥ kaścidapi dharmātmā yajñācārānkaroti ca

Wenn er das von Finsternis (Tamas) geprägte Zeitalter erreicht, geht Hari zu schwarzer Farbe über; und wer immer auch, dharmagesinnt, die Opferbräuche vollzieht,

Wort für Wort
tāmasaṃ yugamāsādya
wenn er das von Finsternis geprägte Zeitalter erreicht
hariḥ kṛṣṇatvameti ca
geht Hari zu schwarzer Farbe über
yaḥ kaścidapi dharmātmā
und wer immer auch, dharmagesinnt
yajñācārānkaroti ca
die Opferbräuche vollzieht

yaḥ kaścidapi puṇyātmā kriyāyogarato bhavet / naraṃ dharmarataṃ dṛṣṭvā sarve 'sūyāṃ prakurvate

wer immer auch, verdienstvoller Seele, dem Übungsweg der (rituellen) Handlung zugetan sei – wenn sie den dem Dharma zugetanen Mann sehen, üben alle Missgunst.

Wort für Wort
yaḥ kaścidapi puṇyātmā
wer immer auch, verdienstvoller Seele
kriyāyogarato bhavet
dem Übungsweg der Handlung zugetan sei
naraṃ dharmarataṃ dṛṣṭvā
den dem Dharma zugetanen Mann sehend
sarve 'sūyāṃ prakurvate
üben alle Missgunst

vratācārāḥ praṇaśyanti jñānayajñādayastathā / upadravā bhaviṣyanti hyadharmasya pravatanāt

Die Gelübdebräuche gehen zugrunde, ebenso Erkenntnisopfer und dergleichen; Plagen werden entstehen aus der Verbreitung [?] des Unrechts.

Wort für Wort
vratācārāḥ praṇaśyanti
die Gelübdebräuche gehen zugrunde
jñānayajñādayastathā
ebenso Erkenntnisopfer und dergleichen
upadravā bhaviṣyanti
Plagen werden entstehen
hyadharmasya pravatanāt [?]
aus der Verbreitung [?] des Unrechts

[?] (Im Quelltext „pravatanāt“ statt des erwartbaren „pravartanāt“ – als Verschreibung aufgefasst.)

asūyāniratāḥ sarve daṃbhācāraparāyaṇāḥ / prajāścālpāyuṣaḥ sarvā bhaviṣyanti kalau yuge

Alle sind der Missgunst ergeben, dem Brauch der Heuchelei hingegeben; alle Geschöpfe werden im Kaliyuga von kurzer Lebensspanne sein.

Wort für Wort
asūyāniratāḥ sarve
alle sind der Missgunst ergeben
daṃbhācāraparāyaṇāḥ
dem Brauch der Heuchelei hingegeben
prajāścālpāyuṣaḥ sarvā
alle Geschöpfe von kurzer Lebensspanne
bhaviṣyanti kalau yuge
werden sie sein im Kaliyuga

nārada uvāca / yugadharmāḥ samākhyātāstvayā saṃkṣepato mune / kaliṃ vistarato brūhi tvaṃ hi dharmavidāṃ varaḥ

Nārada sprach: Die Pflichten der Weltzeitalter sind von dir, o Weiser, im Überblick dargelegt worden; sprich mir vom Kali ausführlich, denn du bist der Beste der Dharmakenner.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
yugadharmāḥ samākhyātāḥ
die Pflichten der Weltzeitalter sind dargelegt worden
tvayā saṃkṣepato mune
von dir, o Weiser, im Überblick
kaliṃ vistarato brūhi
sprich vom Kali ausführlich
tvaṃ hi dharmavidāṃ varaḥ
denn du bist der Beste der Dharmakenner

brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāścamunisattama / kimāhārāḥ kimācārāḥ bhaviṣyanti kalau yuge

Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, o bester der Weisen – von welcher Nahrung, von welchem Brauch werden sie im Kaliyuga sein?

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras
ca munisattama
und, o bester der Weisen
kimāhārāḥ kimācārāḥ
von welcher Nahrung, von welchem Brauch
bhaviṣyanti kalau yuge
werden sie sein im Kaliyuga

sanaka uvāca / śṛṇuṣva muniśārdūla sarvalokopakāraka / kalidharmānpravakṣyāmi vistareṇa yathātatham

Sanaka sprach: Höre, o Tiger unter den Weisen, der du der Welt Nutzen bringst; ich will die Pflichten des Kali ausführlich darlegen, so wie sie wirklich sind.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
śṛṇuṣva muniśārdūla
höre, o Tiger unter den Weisen
sarvalokopakāraka
der du der Welt Nutzen bringst
kalidharmānpravakṣyāmi
ich will die Pflichten des Kali darlegen
vistareṇa yathātatham
ausführlich, so wie sie wirklich sind

sarve dharmā vinaśyanti kṛṣṇe kṛṣṇatvamāgate / tasmātkalirmahāghoraḥ sarvapātakasaṃkaraḥ

Alle Dharmas gehen zugrunde, wenn Kṛṣṇa (das Zeitalter) die Schwärze angenommen hat; darum ist Kali höchst schrecklich, eine Vermengung aller Sünden.

Wort für Wort
sarve dharmā vinaśyanti
alle Dharmas gehen zugrunde
kṛṣṇe kṛṣṇatvamāgate
wenn Kṛṣṇa die Schwärze angenommen hat
tasmātkalirmahāghoraḥ
darum ist Kali höchst schrecklich
sarvapātakasaṃkaraḥ
eine Vermengung aller Sünden

brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrā dharmaparāṅmukhāḥ / ghore kaliyuge prāpte dvijā vedaparāṅmukhāḥ

Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras werden, wenn das schreckliche Kaliyuga eingetreten ist, dem Dharma den Rücken kehren, die Zweifachgeborenen dem Veda den Rücken kehren.

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrā
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras
dharmaparāṅmukhāḥ
dem Dharma den Rücken kehrend
ghore kaliyuge prāpte
wenn das schreckliche Kaliyuga eingetreten ist
dvijā vedaparāṅmukhāḥ
die Zweifachgeborenen dem Veda den Rücken kehrend

vyājadharmaratāḥ sarve asūyāniratāstathā / vṛthāhṝṅkāraduṣṭāśca satyahīnāśca paṇḍitāḥ

Alle sind einem betrügerischen Scheindharma zugetan, ebenso der Missgunst ergeben; von eitlem Hochmut [?] verdorben, und die Gelehrten ohne Wahrhaftigkeit.

Wort für Wort
vyājadharmaratāḥ sarve
alle sind einem betrügerischen Scheindharma zugetan
asūyāniratāstathā
ebenso der Missgunst ergeben
vṛthāhṝṅkāraduṣṭāśca [?]
von eitlem Hochmut [?] verdorben
satyahīnāśca paṇḍitāḥ
und die Gelehrten ohne Wahrhaftigkeit

[?] (Quelltext „vṛthāhṝṅkāra“ als vṛthāhaṅkāra – „eitler Hochmut/Stolz“ – aufgefasst.)

ahamevādhika iti sarve 'pi vivadanti ca / adharmalolupāḥ sarvale tathā vaitaṃhikā narāḥ

„Ich allein bin überlegen“ – so streiten alle miteinander; alle sind dem Unrecht gierig ergeben, und die Menschen sind ebenso unbeständig/betrügerisch [?].

Wort für Wort
ahamevādhika iti
„ich allein bin überlegen“, so
sarve 'pi vivadanti ca
streiten alle miteinander
adharmalolupāḥ sarve [?]
alle sind dem Unrecht gierig ergeben [?]
tathā vaitaṃhikā narāḥ [?]
und ebenso die unbeständigen/betrügerischen [?] Menschen

[?] (Die Lesungen „sarvale“ und „vaitaṃhikāḥ“ sind im Quelltext unklar/korrupt; „sarvale“ wurde sinngemäß zu „sarve“ gestellt, „vaitaṃhikāḥ“ bleibt ein unsicher gedeutetes, mutmaßlich verderbtes Wort, hier versuchsweise als „unbeständig/betrügerisch“ wiedergegeben.)

ataḥ svalpāyuṣaḥ sarve bhaviṣyanti kalau yuge / alpāyuṣṭvānmanuṣyāṇāṃ na vidyāgrahaṇaṃ dvija

Darum werden im Kaliyuga alle von sehr kurzer Lebensspanne sein; wegen der Kürze der Lebensspanne der Menschen gibt es kein Erlernen von Wissen (mehr), o Brahmane.

Wort für Wort
ataḥ svalpāyuṣaḥ sarve
darum werden alle von sehr kurzer Lebensspanne sein
bhaviṣyanti kalau yuge
sein werden im Kaliyuga
alpāyuṣṭvānmanuṣyāṇāṃ
wegen der Kürze der Lebensspanne der Menschen
na vidyāgrahaṇaṃ dvija
gibt es kein Erlernen von Wissen, o Brahmane

vidyāgrahaṇaśūnyatvādadharmo vartate punaḥ / vyātkrameṇa prajāḥ sarvā mniyante pāpatatparāḥ

Weil das Erlernen von Wissen entfällt, herrscht wieder das Unrecht; der Ordnung zuwider [?] sterben alle Geschöpfe, der Sünde ergeben.

Wort für Wort
vidyāgrahaṇaśūnyatvāt
weil das Erlernen von Wissen entfällt
adharmo vartate punaḥ
herrscht wieder das Unrecht
vyātkrameṇa prajāḥ sarvā [?]
der Ordnung zuwider [?] alle Geschöpfe
mniyante pāpatatparāḥ [?]
sterben [?], der Sünde ergeben

[?] (Quelltext „vyātkrameṇa“ als vyatikrameṇa – „der Ordnung zuwider/regelwidrig“ – und „mniyante“ als mriyante – „sie sterben“ – aufgefasst.)

brāhmaṇādyāstathā varṇāḥ saṃkīryante parasparam / kāmakrodhaparā mūḍhā vṛthāsaṃtāpapīḍitāḥ

Ebenso werden die Stände, angefangen mit den Brahmanen, untereinander vermengt; von Begierde und Zorn beherrscht, verblendet, von nutzloser Qual gepeinigt.

Wort für Wort
brāhmaṇādyāstathā varṇāḥ
ebenso die Stände, angefangen mit den Brahmanen
saṃkīryante parasparam
werden untereinander vermengt
kāmakrodhaparā mūḍhā
von Begierde und Zorn beherrscht, verblendet
vṛthāsaṃtāpapīḍitāḥ
von nutzloser Qual gepeinigt

śūdratulyā bhaviṣyanti sarve varṇā kalau yuge / uttamā nīcatāṃ yānti nīcāścottamatāṃ tathā

Alle Stände werden im Kaliyuga den Śūdras gleich sein; die Höchsten sinken zur Niedrigkeit herab, die Niedrigen ebenso steigen zur Höhe empor.

Wort für Wort
śūdratulyā bhaviṣyanti
werden den Śūdras gleich sein
sarve varṇā kalau yuge
alle Stände im Kaliyuga
uttamā nīcatāṃ yānti
die Höchsten sinken zur Niedrigkeit herab
nīcāścottamatāṃ tathā
die Niedrigen ebenso zur Höhe empor

rājano dravyaniratāstathā hyanyāyavarttinaḥ / pīḍayanti prajāścaiva karairatyarthayojitaiḥ

Die Könige, dem (fremden) Besitz zugetan und dem Unrecht folgend, quälen die Untertanen mit übermäßig auferlegten Steuern.

Wort für Wort
rājano dravyaniratāḥ
die Könige, dem Besitz zugetan
tathā hyanyāyavarttinaḥ
und dem Unrecht folgend
pīḍayanti prajāścaiva
sie quälen die Untertanen
karairatyarthayojitaiḥ
mit übermäßig auferlegten Steuern

śavavāhābhaviṣyanti śūdrāṇāṃ ca dvijātayaḥ / dharmastrīṣvapi gacchanti patayo jāradharmiṇaḥ

Die Zweifachgeborenen werden zu Leichenträgern der Śūdras werden; und selbst gegenüber ihren rechtmäßigen Ehefrauen verhalten sich die Ehemänner wie Ehebrecher.

Wort für Wort
śavavāhābhaviṣyanti
werden zu Leichenträgern werden
śūdrāṇāṃ ca dvijātayaḥ
der Śūdras, die Zweifachgeborenen
dharmastrīṣvapi gacchanti
selbst gegenüber ihren rechtmäßigen Ehefrauen verhalten sich
patayo jāradharmiṇaḥ
die Ehemänner wie Ehebrecher

dviṣanti pitaraṃ putrā bhartāraṃ ca striyo 'khilāḥ / paristrīnirataḥ sarve paradravyaparāyaṇāḥ

Die Söhne hassen den Vater, und alle Frauen den Gatten; alle sind fremden Frauen zugetan, dem fremden Besitz hingegeben.

Wort für Wort
dviṣanti pitaraṃ putrā
die Söhne hassen den Vater
bhartāraṃ ca striyo 'khilāḥ
und alle Frauen den Gatten
paristrīnirataḥ sarve
alle sind fremden Frauen zugetan
paradravyaparāyaṇāḥ
dem fremden Besitz hingegeben

matsyāmiṣeṇa jīvanti duhṝntaścāpyajīvikām / ghore kaliyuge vipra sarve pāparatā janāḥ

Sie leben von Fischfleisch und quälen [?] sogar (Wesen ohne) Lebensunterhalt; im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane, sind alle Menschen der Sünde ergeben.

Wort für Wort
matsyāmiṣeṇa jīvanti
sie leben von Fischfleisch
duhṝntaścāpyajīvikām [?]
und quälen [?] sogar (Wesen ohne) Lebensunterhalt
ghore kaliyuge vipra
im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane
sarve pāparatā janāḥ
sind alle Menschen der Sünde ergeben

[?] (Quelltext „duhṝntaścāpyajīvikām“ ist unklar/korrupt; sinngemäß als eine Form von „duhyantaḥ/druhyantaḥ ca api ajīvikām“ – „sie schädigen/quälen selbst das, was keinen Lebensunterhalt hat“ – gedeutet.)

satāmasūyāniratāṃ upahāsaṃ prakurvate / sarittīreṣu kuddālairvāpayiṣyanti cauṣadhīḥ

Der Missgunst gegenüber den Rechtschaffenen ergeben [?], treiben sie Spott (mit ihnen); an Flussufern werden sie mit Hacken Kräuter/Heilpflanzen anpflanzen.

Wort für Wort
satāmasūyāniratāṃ [?]
der Missgunst gegenüber den Rechtschaffenen ergeben [?]
upahāsaṃ prakurvate
treiben sie Spott
sarittīreṣu kuddālaiḥ
an Flussufern mit Hacken
vāpayiṣyanti cauṣadhīḥ
werden sie Kräuter/Heilpflanzen anpflanzen

[?] (Quelltext „niratāṃ“, Akkusativ, statt des grammatisch erwartbaren Nominativ Plural „niratāḥ“; sinngemäß als Nominativ Plural aufgefasst.)

pṛthvī niṣphalatāṃ yāti bījaṃ puṣpaṃ vinaśyati / veśyālāvaṃyaśīleṣu spṛhā kurvanti yoṣitaḥ

Die Erde wird unfruchtbar, Samenkorn und Blüte gehen zugrunde; die Frauen entwickeln Verlangen nach dem Wesen der Schönheit von Freudenmädchen.

Wort für Wort
pṛthvī niṣphalatāṃ yāti
die Erde wird unfruchtbar
bījaṃ puṣpaṃ vinaśyati
Samenkorn und Blüte gehen zugrunde
veśyālāvaṃyaśīleṣu
nach dem Wesen der Schönheit von Freudenmädchen
spṛhā kurvanti yoṣitaḥ
entwickeln die Frauen Verlangen

dharmavikrayiṇo viprāḥ striyaśca bhagavikrayāḥ / vedavikrayakāścānye śūdrācāraratā dvijāḥ

Brahmanen, die den Dharma verkaufen, und Frauen, die ihre Scham(-Teile) verkaufen; andere, die den Veda verkaufen, Zweifachgeborene, die dem Brauch der Śūdras zugetan sind.

Wort für Wort
dharmavikrayiṇo viprāḥ
Brahmanen, die den Dharma verkaufen
striyaśca bhagavikrayāḥ
und Frauen, die ihre Scham(-Teile) verkaufen
vedavikrayakāścānye
andere, die den Veda verkaufen
śūdrācāraratā dvijāḥ
Zweifachgeborene, die dem Brauch der Śūdras zugetan sind

sādhūnāṃ vidhavānāṃ ca vittānya paharanti ca / na vratāni cariṣyanti brāhmaṇā dravyalolupāḥ

Sie rauben das Vermögen der Rechtschaffenen und der Witwen; die Brahmanen, gierig nach Besitz, werden keine Gelübde mehr vollziehen.

Wort für Wort
sādhūnāṃ vidhavānāṃ ca
der Rechtschaffenen und der Witwen
vittānya paharanti ca [?]
rauben sie das Vermögen [?]
na vratāni cariṣyanti
sie werden keine Gelübde mehr vollziehen
brāhmaṇā dravyalolupāḥ
die Brahmanen, gierig nach Besitz

[?] (Quelltext „vittānya paharanti“ als vittāni apaharanti – „sie rauben das Vermögen“ – aufgefasst.)

dharmācāraṃ parityajya vṛthāvādairviṣajjitāḥ / dvijāḥ kurvanti daṃbhārthaṃ pitṛśrāddhādikāḥ kriyāḥ

Den Brauch des Dharma aufgebend, in eitle Reden verstrickt, vollziehen die Zweifachgeborenen um der Heuchelei willen Handlungen wie das Ahnenopfer und dergleichen.

Wort für Wort
dharmācāraṃ parityajya
den Brauch des Dharma aufgebend
vṛthāvādairviṣajjitāḥ
in eitle Reden verstrickt
dvijāḥ kurvanti daṃbhārthaṃ
vollziehen die Zweifachgeborenen um der Heuchelei willen
pitṛśrāddhādikāḥ kriyāḥ
Handlungen wie das Ahnenopfer und dergleichen

apātreṣveva dānāni prayacchanti narādhamāḥ / dugdhalobhanimittena goṣu prītiṃ ca kurvate

Die niedrigsten der Menschen geben ihre Gaben nur an Unwürdige; nur aus Gier nach der Milch entwickeln sie Zuneigung zu den Kühen.

Wort für Wort
apātreṣveva dānāni
nur an Unwürdige ihre Gaben
prayacchanti narādhamāḥ
geben die niedrigsten der Menschen
dugdhalobhanimittena
nur aus Gier nach der Milch
goṣu prītiṃ ca kurvate
entwickeln sie Zuneigung zu den Kühen

na kurvanti tathā viprāḥ snānaśaucādikāḥ kriyāḥ / apātreṣveva dānāni prayacchanti narādhamāḥ

Ebenso vollziehen die Brahmanen nicht mehr die Verrichtungen wie Bad, Reinheit und dergleichen; die niedrigsten der Menschen geben ihre Gaben nur an Unwürdige.

Wort für Wort
na kurvanti tathā viprāḥ
ebenso vollziehen die Brahmanen nicht
snānaśaucādikāḥ kriyāḥ
die Verrichtungen wie Bad, Reinheit und dergleichen
apātreṣveva dānāni
nur an Unwürdige ihre Gaben
prayacchanti narādhamāḥ
geben die niedrigsten der Menschen

[Anm.: Die zweite Vershälfte wiederholt wörtlich die zweite Hälfte von V.46 (Dittographie im Quelltext).]

sādhunindāparāścaiva vipranindāparāstathā / na kasyāpi mano vipra viṣṇubhaktiparaṃ bhavet

Der Verleumdung der Rechtschaffenen ergeben, ebenso der Verleumdung der Brahmanen; niemandes Sinn, o Brahmane, wird auf die Hingabe zu Viṣṇu gerichtet sein.

Wort für Wort
sādhunindāparāścaiva
der Verleumdung der Rechtschaffenen ergeben
vipranindāparāstathā
ebenso der Verleumdung der Brahmanen ergeben
na kasyāpi mano vipra
niemandes Sinn, o Brahmane
viṣṇubhaktiparaṃ bhavet
wird auf die Hingabe zu Viṣṇu gerichtet sein

yajvinaśca dvijānaiva dhanārtharājakiṅkarāḥ / tāḍayanti dvijānduṣṭāḥ kṛṣṇe kṛṣṇatvamāgate

Wenn Kṛṣṇa (das Zeitalter) die Schwärze angenommen hat, schlagen die bösen, nach Reichtum gierigen Diener des Königs sogar die opfernden Brahmanen, die Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
yajvinaśca dvijānaiva
und die opfernden Brahmanen, die Zweifachgeborenen, selbst
dhanārtharājakiṅkarāḥ
die nach Reichtum gierigen Diener des Königs
tāḍayanti dvijānduṣṭāḥ
die bösen (Diener) schlagen die Zweifachgeborenen
kṛṣṇe kṛṣṇatvamāgate
wenn Kṛṣṇa die Schwärze angenommen hat

dānahīnā narāḥ sarve ghore kaliyuge mune / pratigrahaṃ prakurvanti patitānāmapi dvijāḥ

Alle Menschen sind im schrecklichen Kaliyuga ohne (Bereitschaft zur) Gabe, o Weiser; die Zweifachgeborenen nehmen sogar von Gefallenen Gaben an.

Wort für Wort
dānahīnā narāḥ sarve
alle Menschen sind ohne Bereitschaft zur Gabe
ghore kaliyuge mune
im schrecklichen Kaliyuge, o Weiser
pratigrahaṃ prakurvanti
sie nehmen Gaben an
patitānāmapi dvijāḥ
die Zweifachgeborenen sogar von Gefallenen

kaleḥ prathamapāde 'pi viṃnindanti hariṃ narāḥ / yugānte ca harernāma naivakaścidvadiṣyati

Schon im ersten Viertel des Kali verleumden die Menschen Hari; und am Ende des Zeitalters wird niemand mehr den Namen Haris aussprechen.

Wort für Wort
kaleḥ prathamapāde 'pi
schon im ersten Viertel des Kali
viṃnindanti hariṃ narāḥ [?]
verleumden die Menschen Hari [?]
yugānte ca harernāma
und am Ende des Zeitalters den Namen Haris
naivakaścidvadiṣyati
wird niemand mehr aussprechen

[?] (Quelltext „viṃnindanti“ als vinindanti aufgefasst.)

śūdrastrīsaṃganiratā vidhavāsaṃgalolupāḥ / śūdrānnabhoganiratā bhaviṣyanti kalau dvijāḥ

Dem Umgang mit Śūdra-Frauen ergeben, gierig nach dem Umgang mit Witwen, dem Genuss der Speise der Śūdras zugetan – so werden im Kali die Zweifachgeborenen sein.

Wort für Wort
śūdrastrīsaṃganiratā
dem Umgang mit Śūdra-Frauen ergeben
vidhavāsaṃgalolupāḥ
gierig nach dem Umgang mit Witwen
śūdrānnabhoganiratā
dem Genuss der Speise der Śūdras zugetan
bhaviṣyanti kalau dvijāḥ
so werden im Kali die Zweifachgeborenen sein

vihāya vedasanmārgaṃ kupathācārasaṃgatāḥ / pāṣaṇḍāścabhaviśaṣyanticaturāśramanindakāḥ

Den rechten Weg des Veda verlassend, dem Brauch des Irrwegs verbunden, werden sie zu Häretikern (Pāṣaṇḍas), die die vier Lebensstufen verhöhnen.

Wort für Wort
vihāya vedasanmārgaṃ
den rechten Weg des Veda verlassend
kupathācārasaṃgatāḥ
dem Brauch des Irrwegs verbunden
pāṣaṇḍāścabhaviśaṣyanti [?]
sie werden zu Häretikern (Pāṣaṇḍas) [?]
caturāśramanindakāḥ
die die vier Lebensstufen verhöhnen

[?] (Quelltext „pāṣaṇḍāścabhaviśaṣyanticaturāśramanindakāḥ“ verderbt/zusammengeschrieben; als pāṣaṇḍāś ca bhaviṣyanti caturāśramanindakāḥ aufgefasst.)

na cadvijātiśuśrūṣāṃ kurvanti caraṇodbhavāḥ / dvijātidharmāngṛhṇanti pākhaṇḍaliṅgino 'dhamāḥ

Die vom Fuß (des Puruṣa) Entsprungenen (die Śūdras) leisten den Zweifachgeborenen keinen Dienst mehr; die niedrigsten, mit dem äußeren Zeichen der Häresie versehen, maßen sich die Pflichten der Zweifachgeborenen an.

Wort für Wort
na cadvijātiśuśrūṣāṃ kurvanti
sie leisten den Zweifachgeborenen keinen Dienst mehr
caraṇodbhavāḥ
die vom Fuß Entsprungenen (die Śūdras)
dvijātidharmāngṛhṇanti
sie maßen sich die Pflichten der Zweifachgeborenen an
pākhaṇḍaliṅgino 'dhamāḥ
die niedrigsten, mit dem äußeren Zeichen der Häresie

kāṣāyaparivītāśca jaṭilā bhasmadhūlitāḥ / śūdrādharmānpravakṣyantī kūṭayuktaparāyaṇāḥ

In safranfarbene Gewänder gehüllt, mit Flechtenhaar, mit Asche bestäubt, werden die Śūdras die Dharmas lehren, dem Betrug hingegeben.

Wort für Wort
kāṣāyaparivītāśca
in safranfarbene Gewänder gehüllt
jaṭilā bhasmadhūlitāḥ
mit Flechtenhaar, mit Asche bestäubt
śūdrādharmānpravakṣyanti [?]
werden die Śūdras die Dharmas lehren [?]
kūṭayuktaparāyaṇāḥ
dem Betrug hingegeben

[?] (Quelltext „pravakṣyantī“ mit überlangem ī, als pravakṣyanti aufgefasst.)

dvijāḥsvācāramutḥsṛjyacaparapākānnabhojinaḥ / bhaviṣyantidurātmānaḥ śūdrāḥ pravrajitāstathā

Die Zweifachgeborenen, ihren eigenen Brauch aufgebend und von anderen zubereitete Speise genießend, werden bösen Sinnes sein; ebenso werden Śūdras zu Wanderasketen.

Wort für Wort
dvijāḥ svācāramutsṛjya ca [?]
die Zweifachgeborenen, ihren eigenen Brauch aufgebend [?]
parapākānnabhojinaḥ
und von anderen zubereitete Speise genießend
bhaviṣyanti durātmānaḥ
werden sie bösen Sinnes sein
śūdrāḥ pravrajitāstathā
ebenso werden Śūdras zu Wanderasketen

[?] (Quelltext ohne Worttrennung „dvijāḥsvācāramutḥsṛjyacaparapākānnabhojinaḥ“ und „bhaviṣyantidurātmānaḥ“; als dvijāḥ svācāram utsṛjya ca para-pākānna-bhojinaḥ bhaviṣyanti durātmānaḥ aufgefasst.)

utkocajīvinastatra bhaviṣyanti kalau mune / dharmaṭīnāstu pāṣaṇḍā kāpālā bhikṣavo 'dhamāḥ

Von Bestechung Lebende wird es dort im Kali geben, o Weiser; die des Dharma Entbehrenden [?], Häretiker, Kāpālikas (Schädelträger-Asketen), niedrigste Bettelmönche.

Wort für Wort
utkocajīvinastatra
von Bestechung Lebende wird es dort geben
bhaviṣyanti kalau mune
im Kali, o Weiser
dharmaṭīnāstu pāṣaṇḍā [?]
die des Dharma Entbehrenden [?], Häretiker
kāpālā bhikṣavo 'dhamāḥ
Kāpālikas, niedrigste Bettelmönche

[?] (Quelltext „dharmaṭīnāstu“ verderbt; sinngemäß als dharmahīnāstu – „die des Dharma Entbehrenden“ – gedeutet.)

dharmavidhvaṃsaśīlānāṃ dvijānāṃ dvijasattama / śūdrā dharmānpravakṣyantihyadhiruhyottamāsanam

Während die Zweifachgeborenen, o bester der Zweifachgeborenen, von der Natur sind, den Dharma zu zerstören, werden die Śūdras, den höchsten Sitz besteigend, den Dharma lehren.

Wort für Wort
dharmavidhvaṃsaśīlānāṃ dvijānāṃ
während die Zweifachgeborenen von der Natur sind, den Dharma zu zerstören
dvijasattama
o bester der Zweifachgeborenen
śūdrā dharmānpravakṣyanti
werden die Śūdras den Dharma lehren
hyadhiruhyottamāsanam
den höchsten Sitz besteigend

ete cānyeca bahavo nagnaraktapaṭādikāḥ / pāṣaṇḍāḥ pracāriṣyanti prāyo vedavidūṣakāḥ

Diese und viele andere, Nackte, in rote Gewänder Gekleidete und dergleichen – meist den Veda schmähende Häretiker werden umherziehen.

Wort für Wort
ete cānyeca bahavo
diese und viele andere
nagnaraktapaṭādikāḥ
Nackte, in rote Gewänder Gekleidete und dergleichen
pāṣaṇḍāḥ pracāriṣyanti
Häretiker werden umherziehen
prāyo vedavidūṣakāḥ
meist den Veda schmähend

gītavāditrakuśalāḥ kṣudradharmasamāśrayāḥ / bhaviṣyantikalau prāyo dharmavidhvaṃsakā narāḥ

Kundig in Gesang und Musikinstrumenten, geringfügigen (Sekten-)Lehren anhängend – meist werden im Kali die Menschen Zerstörer des Dharma sein.

Wort für Wort
gītavāditrakuśalāḥ
kundig in Gesang und Musikinstrumenten
kṣudradharmasamāśrayāḥ
geringfügigen (Sekten-)Lehren anhängend
bhaviṣyantikalau prāyo
meist werden sie im Kali sein
dharmavidhvaṃsakā narāḥ
die Menschen Zerstörer des Dharma

alpadravyā vṛthāliṅgā vṛthāhṝṅkāradūṣitāḥ / hartāraṃ paravittānāṃ bhavitāro narādhamāḥ

Von geringem Besitz, mit nichtigem (äußerem) Zeichen, von eitlem Hochmut [?] verdorben – die niedrigsten Menschen werden zu Räubern fremden Vermögens werden.

Wort für Wort
alpadravyā vṛthāliṅgā
von geringem Besitz, mit nichtigem Zeichen
vṛthāhṝṅkāradūṣitāḥ [?]
von eitlem Hochmut [?] verdorben
hartāraṃ paravittānāṃ
zu Räubern fremden Vermögens
bhavitāro narādhamāḥ
werden die niedrigsten Menschen werden

[?] (Quelltext „vṛthāhṝṅkāra“ wie in V.31 als vṛthāhaṅkāra aufgefasst.)

pratigrahaparā nityaṃ jagadunmārgaśīlinaḥ / ātmastutiparāḥ sarve paranindāparāstathā

Stets auf das Annehmen von Gaben bedacht, von einer Natur, die die Welt auf den Irrweg führt; alle sind der Selbstlobpreisung ergeben, ebenso der Verleumdung anderer.

Wort für Wort
pratigrahaparā nityaṃ
stets auf das Annehmen von Gaben bedacht
jagadunmārgaśīlinaḥ
von einer Natur, die die Welt auf den Irrweg führt
ātmastutiparāḥ sarve
alle sind der Selbstlobpreisung ergeben
paranindāparāstathā
ebenso der Verleumdung anderer

viśvastaghātinaḥ krūrā dayādharmavivarjitāḥ / bhaviṣyanti narā vipra kalau cādharmabāndhavāḥ

Die Menschen werden, o Brahmane, im Kali zu Verrätern an denen, die ihnen vertrauen, grausam, des mitleidsvollen Dharma bar, und Freunde des Unrechts sein.

Wort für Wort
viśvastaghātinaḥ krūrā
Verräter an denen, die ihnen vertrauen, grausam
dayādharmavivarjitāḥ
des mitleidsvollen Dharma bar
bhaviṣyanti narā vipra
so werden die Menschen sein, o Brahmane
kalau cādharmabāndhavāḥ
im Kali, und Freunde des Unrechts

paramāyuśca bhavitā tadā varṣāṇi ṣoḍaśa / ghore kaliyuge vipra pañcavarṣā prasūyate

Die höchste Lebensspanne wird dann sechzehn Jahre betragen; im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane, wird (ein Mädchen bereits) mit fünf Jahren gebären.

Wort für Wort
paramāyuśca bhavitā tadā
die höchste Lebensspanne wird dann sein
varṣāṇi ṣoḍaśa
sechzehn Jahre
ghore kaliyuge vipra
im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane
pañcavarṣā prasūyate
(ein Mädchen) mit fünf Jahren gebiert

saptavarṣāṣṭavarṣāśca yuvāno 'taḥ pare jarā / svakarmatyāginaḥ sarve kṛtaghnābhinnavṛttayaḥ

Mit sieben oder acht Jahren sind sie schon jung erwachsen, danach folgt sogleich das Greisenalter; alle geben ihr eigenes (Stand-)Werk auf, sind undankbar, von gleichbleibend (schlechtem) Wandel.

Wort für Wort
saptavarṣāṣṭavarṣāśca
mit sieben oder acht Jahren
yuvāno 'taḥ pare jarā
sind sie jung erwachsen, danach folgt das Greisenalter
svakarmatyāginaḥ sarve
alle geben ihr eigenes Werk auf
kṛtaghnābhinnavṛttayaḥ
undankbar, von gleichbleibend (schlechtem) Wandel

yācakāścadvijā nityaṃ bhaviṣyanti kalau yuge / parāvamānaniratāḥ prahṛṣṭāḥ paraveśmani

Die Zweifachgeborenen werden im Kaliyuga stets Bettler sein, der Herabwürdigung anderer ergeben, sich freuend im Hause anderer.

Wort für Wort
yācakāścadvijā nityaṃ
die Zweifachgeborenen werden stets Bettler sein
bhaviṣyanti kalau yuge
werden sein im Kaliyuga
parāvamānaniratāḥ
der Herabwürdigung anderer ergeben
prahṛṣṭāḥ paraveśmani
sich freuend im Hause anderer

tatraiva nindāniratā vṛthāviśraṃbhiṇo janāḥ / nidāṃ kurvanti satataṃ pitṛmātṛsuteṣu ca

Ebendort der Verleumdung ergeben, die Menschen von nichtigem Vertrauen [?]; ständig üben sie Verleumdung auch gegenüber Vater, Mutter und Kindern.

Wort für Wort
tatraiva nindāniratā
ebendort der Verleumdung ergeben
vṛthāviśraṃbhiṇo janāḥ
die Menschen von nichtigem Vertrauen
nidāṃ kurvanti satataṃ [?]
ständig üben sie Verleumdung [?]
pitṛmātṛsuteṣu ca
auch gegenüber Vater, Mutter und Kindern

[?] (Quelltext „nidāṃ“ als nindāṃ – „Verleumdung“ – aufgefasst.)

vadanti vācā dharmāṃśca cetasā pāpalolupāḥ / dhanavidyāvayomattāḥ sarvaduḥkhaparāyaṇāḥ

Mit dem Wort sprechen sie von Dharma, während sie im Herzen nach Sünde gierig sind; berauscht von Reichtum, Bildung und Jugend, sind sie allem Leid hingegeben.

Wort für Wort
vadanti vācā dharmāṃśca
mit dem Wort sprechen sie von Dharma
cetasā pāpalolupāḥ
während sie im Herzen nach Sünde gierig sind
dhanavidyāvayomattāḥ
berauscht von Reichtum, Bildung und Jugend
sarvaduḥkhaparāyaṇāḥ
allem Leid hingegeben

vyādhitaskaradurbhikṣaiḥ pīḍitā atimāṃyinaḥ / prapuṣyanti vṛthaivāmī na vicārya ca duṣkṛtam

Von Krankheit, Dieben und Hungersnot gepeinigt, überaus trügerisch [?], mästen sich diese vergeblich, ohne ihre Missetat zu bedenken.

Wort für Wort
vyādhitaskaradurbhikṣaiḥ
von Krankheit, Dieben und Hungersnot
pīḍitā atimāṃyinaḥ [?]
gepeinigt, überaus trügerisch [?]
prapuṣyanti vṛthaivāmī
mästen sich diese vergeblich
na vicārya ca duṣkṛtam
ohne ihre Missetat zu bedenken

[?] (Quelltext „atimāṃyinaḥ“ als atimāyinaḥ – „überaus trügerisch/hinterlistig“ – aufgefasst; das Verb „prapuṣyanti“ hier wörtlich mit „sich mästen/gedeihen“ wiedergegeben.)

dharmamārgapraṇetāraṃ tiraskurvanti pāpinaḥ / dharmakārye rataṃ caiva vṛthāviśraṃbhiṇo janāḥ

Die Sünder, Menschen von nichtigem Vertrauen, verhöhnen den, der den Weg des Dharma weist, und ebenso den, der dem Werk des Dharma zugetan ist.

Wort für Wort
dharmamārgapraṇetāraṃ
den, der den Weg des Dharma weist
tiraskurvanti pāpinaḥ
die Sünder verhöhnen
dharmakārye rataṃ caiva
und ebenso den, der dem Werk des Dharma zugetan ist
vṛthāviśraṃbhiṇo janāḥ
die Menschen von nichtigem Vertrauen

bhaviṣyanti kalau prāpte rājāno mlecchajātayaḥ / śūdrā bhaikṣyaratāścaiva teṣāṃ śuśrūṣaṇe dvijāḥ

Wenn der Kali eingetreten ist, werden die Könige von der Art der Mleccha(-Barbaren) sein, und die Śūdras werden dem Betteln zugetan sein; die Zweifachgeborenen (aber) im Dienst an jenen (Königen).

Wort für Wort
bhaviṣyanti kalau prāpte
wenn der Kali eingetreten ist, werden sein
rājāno mlecchajātayaḥ
die Könige von der Art der Mleccha(-Barbaren)
śūdrā bhaikṣyaratāścaiva
und die Śūdras werden dem Betteln zugetan sein
teṣāṃ śuśrūṣaṇe dvijāḥ
die Zweifachgeborenen aber im Dienst an jenen

na śiṣyo na guruḥ kaścinna putro lana pitā tathā / na bhāryā na patiścaiva bhavitāro 'tra saṃkare

In dieser Vermischung (der Stände) wird es keinen Schüler mehr geben und keinen Lehrer, keinen Sohn und ebenso keinen Vater, keine Gattin und keinen Ehemann.

Wort für Wort
na śiṣyo na guruḥ kaścin
es wird keinen Schüler mehr geben und keinen Lehrer
na putro lana pitā tathā [?]
keinen Sohn und ebenso keinen [?] Vater
na bhāryā na patiścaiva
keine Gattin und keinen Ehemann
bhavitāro 'tra saṃkare
wird es geben in dieser Vermischung

[Anm.: Das Wort „lana“ vor „pitā“ ist im Quelltext unklar/verderbt (offenbar entstellte Wiederholung von „na“); es wurde bei der Übersetzung als bedeutungslose Verschreibung behandelt.]

kalau gate bhaviṣyanti dhanāḍhyā api yācakāḥ / rasa vikrayiṇaścāpi bhaviṣyanti dvijātayaḥ

Wenn der Kali gekommen ist, werden sogar Reiche zu Bettlern werden; und die Zweifachgeborenen werden zu Verkäufern von Säften (Essenzen, Genussmitteln) werden.

Wort für Wort
kalau gate bhaviṣyanti
wenn der Kali gekommen ist, werden sie sein
dhanāḍhyā api yācakāḥ
sogar Reiche zu Bettlern
rasa vikrayiṇaścāpi
und auch zu Verkäufern von Säften
bhaviṣyanti dvijātayaḥ
werden die Zweifachgeborenen werden

dharmakañcukasaṃvītā muniveṣadharā dvijāḥ / apaṇyavikrayaratā agamyāgāminastathā

In den Mantel des Dharma gehüllt, das Gewand von Weisen tragend, werden die Zweifachgeborenen dem Verkauf des nicht Verkäuflichen ergeben sein und ebenso zu verbotenen Frauen gehen.

Wort für Wort
dharmakañcukasaṃvītā
in den Mantel des Dharma gehüllt
muniveṣadharā dvijāḥ
das Gewand von Weisen tragend, die Zweifachgeborenen
apaṇyavikrayaratā
dem Verkauf des nicht Verkäuflichen ergeben
agamyāgāminastathā
und ebenso zu verbotenen Frauen gehend

vedanindāparāścaiva dharmaśāstravinindukāḥ / śūdravṛttyaiva jīvanti narakārhā dvijā mune

Der Verleumdung des Veda ergeben, ebenso Verächter der Dharma-Lehrschriften – von der Lebensweise der Śūdras allein leben die Zweifachgeborenen, die der Hölle Würdigen, o Weiser.

Wort für Wort
vedanindāparāścaiva
der Verleumdung des Veda ergeben
dharmaśāstravinindukāḥ
und Verächter der Dharma-Lehrschriften
śūdravṛttyaiva jīvanti
von der Lebensweise der Śūdras allein leben sie
narakārhā dvijā mune
die Zweifachgeborenen, die der Hölle Würdigen, o Weiser

anāvṛṣṭabhayaṃ prāptā gaganāsaktadṛṣṭayaḥ / bhaviṣyanti kalau martyāsarve kṣudbhayakātarāḥ

Von der Furcht vor Dürre ergriffen, den Blick unablässig an den Himmel geheftet, werden im Kali alle Sterblichen von der Furcht vor Hunger geängstigt sein.

Wort für Wort
anāvṛṣṭabhayaṃ prāptā
von der Furcht vor Dürre ergriffen
gaganāsaktadṛṣṭayaḥ
den Blick unablässig an den Himmel geheftet
bhaviṣyanti kalau martyā
im Kali werden die Sterblichen sein
sarve kṣudbhayakātarāḥ
alle von der Furcht vor Hunger geängstigt

kandaparṇaphalāhārāstāpaṃsā iva mānavāḥ / ātmānaṃ tārayiṣyanti anāvṛṣṭyātidukhitāḥ

Von Wurzeln, Blättern und Früchten sich nährend, wie Asketen, werden die Menschen sich selbst hindurchretten, überaus leidgeplagt durch die Dürre.

Wort für Wort
kandaparṇaphalāhārāḥ
von Wurzeln, Blättern und Früchten sich nährend
tāpaṃsā iva mānavāḥ
wie Asketen, die Menschen
ātmānaṃ tārayiṣyanti
werden sich selbst hindurchretten
anāvṛṣṭyātidukhitāḥ
überaus leidgeplagt durch die Dürre

kāmārtā hrasvadehāśca lubdhāścādharmatatparāḥ / kalau sarve bhaviṣyanti svalpabhāgyā bahuprajāḥ

Von Begierde gequält, von kleinem Körperwuchs, gierig und dem Unrecht ergeben – im Kali werden alle von geringem Glück sein, aber zahlreiche Nachkommen haben.

Wort für Wort
kāmārtā hrasvadehāśca
von Begierde gequält, von kleinem Körperwuchs
lubdhāścādharmatatparāḥ
gierig und dem Unrecht ergeben
kalau sarve bhaviṣyanti
im Kali werden alle sein
svalpabhāgyā bahuprajāḥ
von geringem Glück, aber mit zahlreichen Nachkommen

striyaḥ svapoṣaṇaparā veśyā lāvaṇyaśīlikāḥ / pativākyamanādṛtya sadānyagṛhatatparāḥ

Die Frauen, nur auf die eigene Ernährung bedacht, von hurenhaftem [?] Wesen der Verführung, missachten das Wort des Gatten und sind stets auf das Haus eines anderen aus.

Wort für Wort
striyaḥ svapoṣaṇaparā
die Frauen, nur auf die eigene Ernährung bedacht
veśyā lāvaṇyaśīlikāḥ
von hurenhaftem Wesen der Verführung
pativākyamanādṛtya
das Wort des Gatten missachtend
sadānyagṛhatatparāḥ
stets auf das Haus eines anderen aus

duḥśīlā duṣṭaśīleṣu kariṣyinti sadā spṛhām / asadvṛttā bhaviṣyanti puruṣeṣu kulāṅganāḥ

Von schlechtem Wesen werden sie stets Verlangen nach Männern von verdorbenem Wesen entwickeln; von unrechtem Wandel werden die Frauen guter Familien gegenüber Männern sein.

Wort für Wort
duḥśīlā duṣṭaśīleṣu
von schlechtem Wesen, gegenüber Männern von verdorbenem Wesen
kariṣyinti sadā spṛhām
werden sie stets Verlangen entwickeln
asadvṛttā bhaviṣyanti
von unrechtem Wandel werden sein
puruṣeṣu kulāṅganāḥ
gegenüber Männern die Frauen guter Familien

caurādibhayabhītāśca kāṣṭayantrāṇi kurvate / durbhikṣakarapīḍābhiratīvopadrutā janāḥ

Von der Furcht vor Dieben und dergleichen geängstigt, errichten sie hölzerne Vorrichtungen [?]; von Hungersnot und Steuerlast überaus heimgesucht sind die Menschen.

Wort für Wort
caurādibhayabhītāśca
von der Furcht vor Dieben und dergleichen geängstigt
kāṣṭayantrāṇi kurvate [?]
errichten sie hölzerne Vorrichtungen [?]
durbhikṣakarapīḍābhiḥ
von Hungersnot und Steuerlast
atīvopadrutā janāḥ
überaus heimgesucht sind die Menschen

[?] (Sinn von „kāṣṭayantrāṇi“, wörtlich „hölzerne Vorrichtungen/Mechanismen“, im Kontext unsicher – vermutlich Schutzvorrichtungen oder Fallen gegen Diebe gemeint.)

godhūmānnayavānnāḍhye deśe yāsyanti duḥkhitāḥ / nidhāya hṛdyakarmaṇi prerayanti vacaḥ śubham

Sie werden, leidgeplagt, in ein Land ziehen, das reich an Weizen- und Gerstenspeise ist; [dort], das Herz auf Untätigkeit [?] gerichtet, sprechen sie [nur noch] wohlklingende Worte [?].

Wort für Wort
godhūmānnayavānnāḍhye deśe
in ein Land, reich an Weizen- und Gerstenspeise
yāsyanti duḥkhitāḥ
werden sie ziehen, leidgeplagt
nidhāya hṛdyakarmaṇi [?]
das Herz auf Untätigkeit gerichtet [?]
prerayanti vacaḥ śubham [?]
sprechen sie wohlklingende Worte [?]

[?] (Der zweite Halbvers ist im Quelltext unklar/korrupt; „hṛdyakarmaṇi“ wurde versuchsweise als „hṛdi akarmaṇi“ – „das Herz auf Untätigkeit gerichtet“ – gedeutet, der Gesamtsinn bleibt unsicher.)

svakāryasiddhiparyantaṃ bandhutāṃ kurvate janāḥ / bhikṣavaścāva mitrādisnehasaṃbandhayantritāḥ

Die Menschen pflegen Verwandtschaft(-sbande) nur so lange, bis ihr eigenes Anliegen erreicht ist; selbst die Bettelmönche sind von den Banden der Zuneigung wie Freundschaft gefesselt.

Wort für Wort
svakāryasiddhiparyantaṃ
nur so lange, bis das eigene Anliegen erreicht ist
bandhutāṃ kurvate janāḥ
pflegen die Menschen Verwandtschaft
bhikṣavaścāva
und sogar die Bettelmönche
mitrādisnehasaṃbandhayantritāḥ
von den Banden der Zuneigung wie Freundschaft gefesselt

annopādhinimittena śiṣyāngṛhṇanti bhikṣavaḥ

Um der Speise willen als Vorwand nehmen die Bettelmönche Schüler an.

Wort für Wort
annopādhinimittena
um der Speise willen als Vorwand
śiṣyāngṛhṇanti bhikṣavaḥ
nehmen die Bettelmönche Schüler an

[Anm.: Dieser Vers besteht im Quelltext nur aus einer einzigen Halbverszeile (pāda); die zweite Hälfte fehlt.]

ubhābhyāmatha pāṇibhyāṃ śiraḥkaṇḍūyanaṃ striyaḥ / kurvantyo gurubhartṛāṇāmājñāmullaṅghayanti ca

Und die Frauen, sich mit beiden Händen zugleich das Haupt kratzend, übertreten dabei die Weisung ihrer Lehrer und Gatten.

Wort für Wort
ubhābhyāmatha pāṇibhyāṃ
mit beiden Händen zugleich
śiraḥkaṇḍūyanaṃ striyaḥ kurvantyo
die Frauen, sich das Haupt kratzend
gurubhartṛāṇāmājñāṃ
die Weisung ihrer Lehrer und Gatten
ullaṅghayanti ca
übertreten sie auch

pāṣaṇḍālāpaniratāḥ pāṣaṇḍajanasaṃginaḥ / yadā dvijā bhaviṣyanti tadā vṛddhiṃ kalirvrajet

Wenn die Zweifachgeborenen dem Gespräch mit Häretikern ergeben, mit häretischen Menschen verbunden sein werden, dann wird der Kali zu Zuwachs gelangen.

Wort für Wort
pāṣaṇḍālāpaniratāḥ
dem Gespräch mit Häretikern ergeben
pāṣaṇḍajanasaṃginaḥ
mit häretischen Menschen verbunden
yadā dvijā bhaviṣyanti
wenn die Zweifachgeborenen sein werden
tadā vṛddhiṃ kalirvrajet
dann wird der Kali zu Zuwachs gelangen

yadā prajā na yakṣyanti na hoṣyanti dvijātayaḥ / tadaiva tu kalervṛddhiranumeyā vicakṣaṇaiḥ

Wenn die Geschöpfe nicht mehr opfern, die Zweifachgeborenen nicht mehr das Feueropfer darbringen werden, dann eben ist von den Klugen der Zuwachs des Kali zu erschließen.

Wort für Wort
yadā prajā na yakṣyanti
wenn die Geschöpfe nicht mehr opfern
na hoṣyanti dvijātayaḥ
die Zweifachgeborenen nicht mehr das Feueropfer darbringen
tadaiva tu kalervṛddhiḥ
dann eben der Zuwachs des Kali
anumeyā vicakṣaṇaiḥ
ist von den Klugen zu erschließen

adharmavṛddhirbhavitā bāsamṛtyurapi dvijā / sarvadharmeṣu naṣṭeṣu yāti niḥśrīkatāṃ jagat

Es wird ein Zuwachs des Unrechts geben, sogar Kindestod [?], o Zweifachgeborener; wenn alle Dharmas untergegangen sind, verfällt die Welt der Glanzlosigkeit.

Wort für Wort
adharmavṛddhirbhavitā
es wird ein Zuwachs des Unrechts geben
bāsamṛtyurapi dvijā [?]
sogar Kindestod [?], o Zweifachgeborener
sarvadharmeṣu naṣṭeṣu
wenn alle Dharmas untergegangen sind
yāti niḥśrīkatāṃ jagat
verfällt die Welt der Glanzlosigkeit

[?] (Quelltext „bāsamṛtyurapi“ unklar; sinngemäß als bāla-mṛtyur api – „sogar Kindestod“ – gedeutet.)

evaṃ kaleḥ svarūpaṃ te kathitaṃ viprasattama / haribhaktiparāneṣa na kalirbādhate kvacit

So ist dir, o bester der Brahmanen, das eigentliche Wesen des Kali dargelegt worden; diejenigen aber, die der Hingabe zu Hari zugetan sind, beeinträchtigt dieser Kali nirgends.

Wort für Wort
evaṃ kaleḥ svarūpaṃ
so das eigentliche Wesen des Kali
te kathitaṃ viprasattama
ist dir dargelegt worden, o bester der Brahmanen
haribhaktiparāneṣa
diejenigen aber, die der Hingabe zu Hari zugetan sind
na kalirbādhate kvacit
beeinträchtigt dieser Kali nirgends

tataḥ paraṃ kṛtayuge tretāyuge tretāyāṃ dhyānameva ca / dvāpare yajñamevāhurdānamekaṃ kalau yuge

Ferner: Im Kṛtayuga [ist es die Askese] [?], in der Tretā allein die Meditation; im Dvāpara nennt man allein das Opfer, im Kaliyuga allein die Gabe.

Wort für Wort
tataḥ paraṃ kṛtayuge [?]
ferner, im Kṛtayuga [die Askese, ergänzt] [?]
tretāyāṃ dhyānameva ca
in der Tretā allein die Meditation
dvāpare yajñamevāhuḥ
im Dvāpara nennt man allein das Opfer
dānamekaṃ kalau yuge
allein die Gabe im Kaliyuga

[Anm.: Der erste Halbvers ist im Quelltext verderbt/dittographisch („tretāyuge tretāyāṃ“ doppelt, das für das Kṛtayuga zu erwartende Stichwort – üblicherweise „tapas“, Askese – fehlt). Sinngemäß ergänzt nach dem bekannten Schema kṛte tapaḥ, tretāyāṃ dhyānam/jñānam, dvāpare yajñaḥ, kalau dānam.]

yatkṛte daśabhirvarṣaistretāyāṃ śaradā ca yat / dvāpare yañca māsena hyahorātreṇa tatkalau

Was man im Kṛtayuga durch zehn Jahre (erlangt), und was in der Tretā durch ein Jahr, und was im Dvāpara durch einen Monat, das (erlangt man) im Kali durch einen Tag und eine Nacht.

Wort für Wort
yatkṛte daśabhirvarṣaiḥ
was man im Kṛtayuga durch zehn Jahre erlangt
tretāyāṃ śaradā ca yat
und was in der Tretā durch ein Jahr
dvāpare yañca māsena
und was im Dvāpara durch einen Monat
hyahorātreṇa tatkalau
das durch einen Tag und eine Nacht im Kali

dhyāyankṛte jayanyajñaistretāyāṃ dvāparer'cayan / yadāpnoti tadāpnoti kalau saṃkīrtya keśavam

Was man durch Meditieren im Kṛtayuga, durch Opfern mit Opfern [?] in der Tretā, durch Verehren im Dvāpara erlangt, das erlangt man im Kali, indem man Keśava (im Kīrtana) besingt.

Wort für Wort
dhyāyankṛte
meditierend im Kṛtayuga
jayanyajñaistretāyāṃ [?]
opfernd mit Opfern [?] in der Tretā
dvāparer'cayan
im Dvāpara verehrend
yadāpnoti tadāpnoti
was man erlangt, das erlangt man
kalau saṃkīrtya keśavam
im Kali, indem man Keśava besingt

[?] (Quelltext „jayanyajñaiḥ“ als yajan yajñaiḥ – „opfernd mit Opfern“ – gedeutet; vermutlich Verschreibung von y zu j.)

ahorātraṃ harernāma kīrtayanti ca ye narāḥ / kurvanti haripūjāṃ vā na kalirbādhate ca tān

Die Menschen, die Tag und Nacht den Namen Haris singen oder die Verehrung Haris vollziehen – jene beeinträchtigt der Kali nicht.

Wort für Wort
ahorātraṃ harernāma
Tag und Nacht den Namen Haris
kīrtayanti ca ye narāḥ
die Menschen, die singen
kurvanti haripūjāṃ vā
oder die Verehrung Haris vollziehen
na kalirbādhate ca tān
jene beeinträchtigt der Kali nicht

namo nārāyaṇāyeti kīrtayanti ca ye narāḥ / niṣkāmā vā sakāmā vā na kalirbādhate ca tān

Die Menschen, die „Verehrung dem Nārāyaṇa“ singen – ob frei von Verlangen oder von Verlangen erfüllt – jene beeinträchtigt der Kali nicht.

Wort für Wort
namo nārāyaṇāyeti
„Verehrung dem Nārāyaṇa“, so
kīrtayanti ca ye narāḥ
die Menschen, die singen
niṣkāmā vā sakāmā vā
ob frei von Verlangen oder von Verlangen erfüllt
na kalirbādhate ca tān
jene beeinträchtigt der Kali nicht

harināmaparā ye tu ghore kaliyuge dvija / ta eva kṛtakṛtyāśca na kalirbādhate hi tān

Diejenigen aber, o Brahmane, die im schrecklichen Kaliyuge dem Namen Haris zugetan sind, eben sie haben ihr Ziel erreicht, und der Kali beeinträchtigt sie gewiss nicht.

Wort für Wort
harināmaparā ye tu
diejenigen aber, die dem Namen Haris zugetan sind
ghore kaliyuge dvija
im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane
ta eva kṛtakṛtyāśca
eben sie haben ihr Ziel erreicht
na kalirbādhate hi tān
der Kali beeinträchtigt sie gewiss nicht

haripūjāparā ye ca harināmaparāyaṇāḥ / ta eva śivatulyāśca nātra kāryā vicāraṇā

Diejenigen, die der Verehrung Haris zugetan und dem Namen Haris hingegeben sind, eben sie sind Śiva gleich – hierüber ist keine Überlegung anzustellen.

Wort für Wort
haripūjāparā ye ca
diejenigen, die der Verehrung Haris zugetan sind
harināmaparāyaṇāḥ
und dem Namen Haris hingegeben
ta eva śivatulyāśca
eben sie sind Śiva gleich
nātra kāryā vicāraṇā
hierüber ist keine Überlegung anzustellen

[Anm.: Vor dem eigentlichen Versbeginn steht im Quelltext ein isolierter, offenbar bedeutungsloser Punkt („.“) auf eigener Zeile – vermutlich ein OCR-Artefakt.]

samastajagadādhāraṃ paramārthasvarupiṇam / ghore kaliyuge prāpte viṣṇuṃ dhyāyanna sīdati

Wer, wenn das schreckliche Kaliyuga eingetreten ist, über Viṣṇu meditiert, der die Stütze der gesamten Welt ist, von der Gestalt der höchsten Wirklichkeit, der versinkt nicht (im Leid).

Wort für Wort
samastajagadādhāraṃ
der die Stütze der gesamten Welt ist
paramārthasvarupiṇam
von der Gestalt der höchsten Wirklichkeit
ghore kaliyuge prāpte
wenn das schreckliche Kaliyuga eingetreten ist
viṣṇuṃ dhyāyanna sīdati
wer über Viṣṇu meditiert, versinkt nicht

aho ati subhāgyāste sakṛdvai keśavārcakāḥ / ghore kaliyuge prāpte sarvadharmavivarjite

Oh, überaus glücklich sind jene, die auch nur einmal Keśava verehrt haben, wenn das schreckliche, allen Dharmas bare Kaliyuge eingetreten ist.

Wort für Wort
aho ati subhāgyāste
oh, überaus glücklich sind jene
sakṛdvai keśavārcakāḥ
die auch nur einmal Keśava verehrt haben
ghore kaliyuge prāpte
wenn das schreckliche Kaliyuge eingetreten ist
sarvadharmavivarjite
das allen Dharmas bare

nyūnātiriktadoṣāṇāṃ kalau vedoktakarmaṇām / harismaraṇamevātra saṃpūrṇatvavidhāyakam

Für die im Veda genannten Werke, die im Kali mit dem Fehler des Zuwenig oder Zuviel behaftet sind, ist hierbei allein das Gedenken an Hari das, was Vollständigkeit bewirkt.

Wort für Wort
nyūnātiriktadoṣāṇāṃ
die mit dem Fehler des Zuwenig oder Zuviel behaftet sind
kalau vedoktakarmaṇām
für die im Veda genannten Werke im Kali
harismaraṇamevātra
hierbei allein das Gedenken an Hari
saṃpūrṇatvavidhāyakam
ist das, was Vollständigkeit bewirkt

hare keśava govinda vāsudeva jaganmaya / itīrayanti ye nityaṃ nahi tānbādhate kaliḥ

„Hare, Keśava, Govinda, Vāsudeva, der du die Welt durchdringst“ – die dies stets aussprechen, jene beeinträchtigt der Kali nicht.

Wort für Wort
hare keśava govinda
„Hare, Keśava, Govinda
vāsudeva jaganmaya
Vāsudeva, der du die Welt durchdringst“
itīrayanti ye nityaṃ
die dies stets aussprechen
nahi tānbādhate kaliḥ
jene beeinträchtigt der Kali nicht

śiva śaṅkara rudreśa nīlakaṇṭha trilocana / iti jalpanti ye vāpi kalistānnāpi bādhate

„Śiva, Śaṅkara, Herr der Rudras, Blauhalsiger, Dreiäugiger“ – auch die, die dies aussprechen, beeinträchtigt der Kali ebenfalls nicht.

Wort für Wort
śiva śaṅkara rudreśa
„Śiva, Śaṅkara, Herr der Rudras
nīlakaṇṭha trilocana
Blauhalsiger, Dreiäugiger“
iti jalpanti ye vāpi
auch die, die dies aussprechen
kalistānnāpi bādhate
jene beeinträchtigt der Kali ebenfalls nicht

mahādeva virūpākṣa gaṅgādhara mṛḍāvyaya / itthaṃ vadanti ye vipra te kṛtārthā na saṃśayaḥ

„Mahādeva, Ungestaltäugiger, Träger der Gaṅgā, unvergänglicher Mṛḍa“ – die, o Brahmane, dies so sprechen, haben ihr Ziel erreicht, daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
mahādeva virūpākṣa
„Mahādeva, Ungestaltäugiger
gaṅgādhara mṛḍāvyaya
Träger der Gaṅgā, unvergänglicher Mṛḍa“
itthaṃ vadanti ye vipra
die, o Brahmane, dies so sprechen
te kṛtārthā na saṃśayaḥ
haben ihr Ziel erreicht, daran ist kein Zweifel

janārdana jagannāta pītāṃbaradharācyuta / iti vāpyuñcarantīha na ca teṣāṃ kalerbhayam

„Janārdana, Herr der Welt, Träger des gelben Gewands, Unfehlbarer“ – auch die, die dies hier aussprechen, haben keine Furcht vor dem Kali.

Wort für Wort
janārdana jagannāta [?]
„Janārdana, Herr der Welt [?]
pītāṃbaradharācyuta
Träger des gelben Gewands, Unfehlbarer“
iti vāpyuñcarantīha [?]
auch die, die dies hier aussprechen [?]
na ca teṣāṃ kalerbhayam
haben keine Furcht vor dem Kali

[?] (Quelltext „jagannāta“ als jagannātha und „vāpyuñcaranti“ als vā apy uccaranti aufgefasst.)

saṃsāre sulabhāḥ puṃsāṃ putradāradhanādayaḥ / ghore kaliyuge vipra haribhaktastu durlabhā

Im Weltenlauf sind Söhne, Gattin, Reichtum und dergleichen für die Menschen leicht zu erlangen; im schrecklichen Kaliyuge aber, o Brahmane, ist die Hingabe an Hari [?] schwer zu erlangen.

Wort für Wort
saṃsāre sulabhāḥ puṃsāṃ
im Weltenlauf für die Menschen leicht zu erlangen
putradāradhanādayaḥ
Söhne, Gattin, Reichtum und dergleichen
ghore kaliyuge vipra
im schrecklichen Kaliyuge, o Brahmane
haribhaktastu durlabhā [?]
die Hingabe an Hari [?] aber ist schwer zu erlangen

[?] (Quelltext „haribhaktastu“, maskulin, während „durlabhā“ feminin ist; vermutlich ist „haribhaktistu“ – die feminine Form „Hingabe an Hari“ – gemeint.)

karmaśraddhāvihīnā ye pāṣaṇḍā vedanindakāḥ / adharmaniratā naiva narakārhā harismṛteḥ

Diejenigen, die des Vertrauens in die (rituellen) Werke bar sind, Häretiker, Schmäher des Veda, dem Unrecht ergeben – sie sind, kraft des Gedenkens an Hari, keineswegs der Hölle würdig.

Wort für Wort
karmaśraddhāvihīnā ye
diejenigen, die des Vertrauens in die Werke bar sind
pāṣaṇḍā vedanindakāḥ
Häretiker, Schmäher des Veda
adharmaniratā naiva
dem Unrecht ergeben, sind keineswegs
narakārhā harismṛteḥ
der Hölle würdig, kraft des Gedenkens an Hari

vedamārgabahiṣṭānāṃ janānāṃ pāpakarmaṇām / manaḥ śuddhivihīnānāṃ harināmnaiva niṣkṛtiḥ

Für die Menschen, die außerhalb des Weges des Veda stehen [?], von sündigem Werk, deren Geist der Reinheit entbehrt, gibt es Sühne einzig durch den Namen Haris.

Wort für Wort
vedamārgabahiṣṭānāṃ [?]
für die außerhalb des Weges des Veda Stehenden [?]
janānāṃ pāpakarmaṇām
die Menschen von sündigem Werk
manaḥ śuddhivihīnānāṃ
deren Geist der Reinheit entbehrt
harināmnaiva niṣkṛtiḥ
gibt es Sühne einzig durch den Namen Haris

[?] (Quelltext „vedamārgabahiṣṭānāṃ“ als vedamārga-bahiṣṭhānām/bahiṣkṛtānām – „die außerhalb des Weges des Veda stehen“ – aufgefasst.)

daivādhīnaṃ jagatsarvamidaṃ sthāvarajaṅgamam / yathāpreritametena tathaiva kuruteṃ dvija

Diese ganze Welt, das Unbewegliche und Bewegliche, ist dem Schicksal (Daiva) unterworfen; so wie sie von diesem (Schicksal) angetrieben wird, ebenso handelt sie, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
daivādhīnaṃ jagatsarvam
dem Schicksal unterworfen ist diese ganze Welt
idaṃ sthāvarajaṅgamam
das Unbewegliche und Bewegliche
yathāpreritametena
so wie sie von diesem angetrieben wird
tathaiva kuruteṃ dvija
ebenso handelt sie, o Zweifachgeborener

śaktitaḥ sarvakarmāṇi vedoktāni vidhāya ca / samarpayenmahāviṣṇau nārāyaṇaparāyaṇaḥ

Nachdem er, seinen Kräften gemäß, alle im Veda genannten Werke vollzogen hat, möge er sie, dem Nārāyaṇa hingegeben, dem großen Viṣṇu darbringen.

Wort für Wort
śaktitaḥ sarvakarmāṇi
seinen Kräften gemäß alle Werke
vedoktāni vidhāya ca
die im Veda genannten, vollzogen habend
samarpayenmahāviṣṇau
möge er sie dem großen Viṣṇu darbringen
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
dem Nārāyaṇa hingegeben

samarpitāni karmāṇi mahaviṣṇau parātmani / saṃpūrṇatāṃ prayāntyeva harismaraṇamātrataḥ

Die dem großen Viṣṇu, der höchsten Seele, dargebrachten Werke gelangen einzig schon durch das bloße Gedenken an Hari zur Vollständigkeit.

Wort für Wort
samarpitāni karmāṇi
die dargebrachten Werke
mahaviṣṇau parātmani
dem großen Viṣṇu, der höchsten Seele
saṃpūrṇatāṃ prayāntyeva
gelangen einzig zur Vollständigkeit
harismaraṇamātrataḥ
durch das bloße Gedenken an Hari

haribhaktiratānāṃ ca pāpabandho na jāyate / ato 'tidurlabhā loke haribhaktirdurātmanām

Und für die der Hingabe an Hari Zugetanen entsteht keine Bindung durch Sünde; darum ist die Hingabe an Hari in der Welt für die Bösgesinnten überaus schwer zu erlangen.

Wort für Wort
haribhaktiratānāṃ ca
und für die der Hingabe an Hari Zugetanen
pāpabandho na jāyate
entsteht keine Bindung durch Sünde
ato 'tidurlabhā loke
darum ist in der Welt überaus schwer zu erlangen
haribhaktirdurātmanām
die Hingabe an Hari für die Bösgesinnten

aho hariparā ye tu kalau ghore bhayaṅkare / te subhāgyā mahātmānaḥ satsaṃgara hitā api

Oh, diejenigen, die im schrecklichen, furchterregenden Kali Hari zugetan sind, sie sind glückhafte, großherzige Menschen, auch wenn ihnen der Umgang mit den Guten fehlt [?].

Wort für Wort
aho hariparā ye tu
oh, diejenigen aber, die Hari zugetan sind
kalau ghore bhayaṅkare
im schrecklichen, furchterregenden Kali
te subhāgyā mahātmānaḥ
sie sind glückhafte, großherzige Menschen
satsaṃgara hitā api [?]
auch ohne den Umgang mit den Guten [?]

[?] (Quelltext „satsaṃgara hitā“ unklar/korrupt; sinngemäß als satsaṅga-rahitā api – „auch ohne den Umgang mit den Guten (Satsaṅga)“ – gedeutet.)

harismaraṇaniṣṭānāṃ śivanāmaratātmanām / satyaṃ samastakarmāṇi yānti saṃpūrṇatāṃ dvija

Für die, deren Sinn auf das Gedenken an Hari gegründet und dem Namen Śivas zugetan ist, gelangen, wahrlich, o Zweifachgeborener, alle Werke zur Vollständigkeit.

Wort für Wort
harismaraṇaniṣṭānāṃ
für die, deren Sinn auf das Gedenken an Hari gegründet ist
śivanāmaratātmanām
und dem Namen Śivas zugetan
satyaṃ samastakarmāṇi
wahrlich, alle Werke
yānti saṃpūrṇatāṃ dvija
gelangen zur Vollständigkeit, o Zweifachgeborener

aho bhāgyamaho bhāgyaṃ harināma ratātmanām / tridarśerapi te pūjyāḥ kimanyairbahubhāṣitaiḥ

Oh, welch Glück, oh, welch Glück haben die, deren Sinn dem Namen Haris zugetan ist! Sie sind sogar von den (dreißig) Göttern [?] verehrungswürdig – was bedarf es (noch) vieler anderer Worte?

Wort für Wort
aho bhāgyamaho bhāgyaṃ
oh, welch Glück, oh, welch Glück
harināma ratātmanām
haben die, deren Sinn dem Namen Haris zugetan ist
tridarśerapi te pūjyāḥ [?]
sie sind sogar von den Göttern verehrungswürdig [?]
kimanyairbahubhāṣitaiḥ
was bedarf es vieler anderer Worte

[?] (Quelltext „tridarśerapi“ als tridaśair api – „auch von den dreißig Göttern“ – aufgefasst.)

tasmātsamastalokānāṃ hitameva mayocyate / harināmaparānmartyānna kalirbādhartakvacit

Darum wird von mir eben dies zum Nutzen aller Welten gesagt: dem Namen Haris zugetane Sterbliche beeinträchtigt der Kali nirgends.

Wort für Wort
tasmātsamastalokānāṃ
darum für alle Welten
hitameva mayocyate
wird von mir eben dies zum Nutzen gesagt
harināmaparānmartyān
dem Namen Haris zugetane Sterbliche
na kalirbādharta kvacit [?]
beeinträchtigt der Kali nirgends [?]

[?] (Quelltext „bādharta“ als bādhate aufgefasst.)

harernāmaiva nāmaiva nāmaiva mama jīvanam / kalau nāstyeva nāstyeva gatiranyathā

Der Name Haris allein, der Name allein, der Name allein ist mein Leben; im Kali gibt es, gibt es gewiss keinen anderen Zufluchtsweg.

Wort für Wort
harernāmaiva nāmaiva nāmaiva
der Name Haris allein, der Name allein, der Name allein
mama jīvanam
ist mein Leben
kalau nāstyeva nāstyeva
im Kali gibt es, gibt es gewiss nicht
gatiranyathā
einen anderen Zufluchtsweg

[Anm.: Der Vers zitiert erkennbar den berühmten Kehrvers vom „dreifachen Namen“ (vgl. Kali-Santaraṇa-Upaniṣad: harer nāma harer nāma harer nāmaiva kevalam); die zweite Vershälfte ist im Quelltext metrisch verkürzt (nur ein Pāda statt zweier), was auf eine Textverkürzung/-lücke hindeutet.]

sūta uvāca / evaṃ sa nārado viprāḥ sanakena prabodhitaḥ / parāṃ nirvṛttimāpannaḥ punaretaduvāca ha

Sūta sprach: So von Sanaka belehrt, o Brahmanen, gelangte jener Nārada zu höchster Befriedung und sprach darauf wiederum dies:

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
evaṃ sa nārado viprāḥ
so, o Brahmanen, jener Nārada
sanakena prabodhitaḥ
von Sanaka belehrt
parāṃ nirvṛttimāpannaḥ
gelangte zu höchster Befriedung
punaretaduvāca ha
und sprach darauf wiederum dies

nārada uvāca / bhagavansarvaśāstrajña svayātikaruṇātmanā / prakāśitaṃ jagajjyotiḥ paraṃ brahma sanātanam

Nārada sprach: O Erhabener, Kenner aller Lehrschriften, von dir, von überaus mitleidsvollem Wesen, ist das Licht der Welt, das ewige höchste Brahman, offenbart worden.

Wort für Wort
bhagavansarvaśāstrajña
o Erhabener, Kenner aller Lehrschriften
svayātikaruṇātmanā
von dir, von überaus mitleidsvollem Wesen
prakāśitaṃ jagajjyotiḥ
ist offenbart worden das Licht der Welt
paraṃ brahma sanātanam
das ewige höchste Brahman

etadeva paraṃ puṇyametadeva paraṃ tapaḥ / yaḥ smaretpuṇḍarīkākṣaṃ sarvapāpavināśanam

Eben dies ist das höchste Verdienst, eben dies die höchste Askese: dass man des Lotosäugigen gedenke, des Vernichters aller Sünde.

Wort für Wort
etadeva paraṃ puṇyam
eben dies ist das höchste Verdienst
etadeva paraṃ tapaḥ
eben dies die höchste Askese
yaḥ smaretpuṇḍarīkākṣaṃ
dass man des Lotosäugigen gedenke
sarvapāpavināśanam
des Vernichters aller Sünde

brahmannānājagañcaitadekacitsaṃprakāśitam / tvayoktaṃ tatpratīye 'haṃ kathaṃ dṛṣṭāntamantarā

O Brahmane, dass diese vielgestaltige Welt als eines einzigen Bewusstseins Offenbarung [dargestellt ist] – dies von dir Gesagte, wie soll ich es begreifen ohne ein Beispiel?

Wort für Wort
brahmannānājagañcaitad
o Brahmane, diese vielgestaltige Welt
ekacitsaṃprakāśitam
als eines einzigen Bewusstseins Offenbarung
tvayoktaṃ tatpratīye 'haṃ
dies von dir Gesagte, wie soll ich es begreifen
kathaṃ dṛṣṭāntamantarā
wie, ohne ein Beispiel

tasmādyena yathā brahma pratītaṃ bodhitena tu / tadākhyāhi yathā cittaṃ sīdatsthitimavāpnuyāt

Darum lehre mir dies in der Weise, wie durch [deine] Belehrung das Brahman von jemandem begriffen wurde, damit mein wankender Sinn Festigkeit erlange.

Wort für Wort
tasmādyena yathā brahma
darum in der Weise, wie das Brahman
pratītaṃ bodhitena tu
durch Belehrung begriffen wurde
tadākhyāhi
dies lehre mir
yathā cittaṃ sīdatsthitimavāpnuyāt
damit mein wankender Sinn Festigkeit erlange

etacchrutvā vaco viprā nāradasya mahātmanaḥ / sanakaḥ pratyuvācedaṃ smarannārāyaṇaṃ param

Nachdem er, o Brahmanen, dieses Wort des großherzigen Nārada gehört hatte, erwiderte Sanaka dies, sich des höchsten Nārāyaṇa erinnernd:

Wort für Wort
etacchrutvā vaco viprā
nachdem er dieses Wort gehört hatte, o Brahmanen
nāradasya mahātmanaḥ
des großherzigen Nārada
sanakaḥ pratyuvācedaṃ
erwiderte Sanaka dies
smarannārāyaṇaṃ param
sich des höchsten Nārāyaṇa erinnernd

sanaka uvāca / brahmannahaṃ dhyānaparo bhaveyaṃ sanandanaṃ pṛccha yathābhilāṣam / vedāntaśāstre kuśalastavāyaṃ nivartayedvā paramāryavandyaḥ

Sanaka sprach: O Brahmane (Nārada), ich möchte der Meditation zugewandt bleiben; befrage Sanandana, wie es dein Wunsch ist. Dieser ist im Vedānta-Lehrwerk bewandert; er, von den höchsten Edlen verehrungswürdig, wird dir (deinen Zweifel) auflösen.

Wort für Wort
brahmannahaṃ dhyānaparo bhaveyaṃ
o Brahmane, ich möchte der Meditation zugewandt bleiben
sanandanaṃ pṛccha yathābhilāṣam
befrage Sanandana, wie es dein Wunsch ist
vedāntaśāstre kuśalastavāyaṃ
dieser ist im Vedānta-Lehrwerk bewandert
nivartayedvā paramāryavandyaḥ
er, von den höchsten Edlen verehrungswürdig, wird (deinen Zweifel) auflösen

[Anm.: Dieser Vers steht im Quelltext in einem längeren (triṣṭubhartigen) Versmaß, abweichend von den vorangehenden Ślokas – wie häufig am formalen Kapitelschluss.]

itīritaṃ samākarṇya sanakasya sa nāradaḥ / sanandanaṃ mokṣadharmānpraṣṭuṃ samupacakrame

Nachdem er dies, von Sanaka Gesprochene, vernommen hatte, machte sich jener Nārada auf, Sanandana nach den Pflichten der Erlösung zu befragen.

Wort für Wort
itīritaṃ samākarṇya
nachdem er dies Gesprochene vernommen hatte
sanakasya sa nāradaḥ
von Sanaka, jener Nārada
sanandanaṃ mokṣadharmān
Sanandana nach den Pflichten der Erlösung
praṣṭuṃ samupacakrame
machte er sich auf, zu befragen

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