Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 118: dharmarājādidaśamīvratāni Die Daśamī-Gelübde für Dharmarāja und andere Gottheiten (in den zwölf Monaten)

sanātana uvāca / atha te 'haṃ pravakṣyāmi daśamyā vai vratāni ca / yāni kṛtvā naro bhaktyā dharmarājapriyo bhavet

Sanātana sprach: Nun werde ich dir die Gelübde des Daśamī-Tages verkünden, durch deren Vollzug ein Mensch mit Hingabe dem Dharmarāja (Yama) lieb wird.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
atha te ahaṃ pravakṣyāmi
nun werde ich dir verkünden
daśamyāḥ vai vratāni ca
wahrlich die Gelübde des Daśamī-Tages
yāni kṛtvā naro bhaktyā
durch deren Vollzug ein Mensch mit Hingabe
dharmarājapriyo bhavet
dem Dharmarāja lieb wird

caitraśuklada śamyāṃ tu dharmarājaṃ prapūjayet / tatkālasaṃbhavaiḥ puṣpaiḥ phalairgandhādibhistathā

An der hellen Daśamī des Caitra verehre man Dharmarāja mit den zu dieser Zeit vorhandenen Blumen und Früchten, mit Duftstoffen und dergleichen ebenso.

Wort für Wort
caitraśukladaśamyāṃ tu
an der hellen Daśamī des Caitra aber
dharmarājaṃ prapūjayet
verehre man Dharmarāja
tatkālasaṃbhavaiḥ puṣpaiḥ
mit den zu dieser Zeit vorhandenen Blumen
phalaiḥ gandhādibhiḥ tathā
mit Früchten und Duftstoffen und dergleichen ebenso

sopavāso vaikabhakto bhojayitvā dvijottamān / caturddaśatatastebhyaḥ śaktyā dadyācca dakṣiṇām

fastend oder mit einer einzigen Mahlzeit, nachdem man die besten Brahmanen gespeist hat, vierzehn an der Zahl, gebe man ihnen entsprechend dem Vermögen eine Gabe.

Wort für Wort
sopavāso vā ekabhaktaḥ
fastend oder mit einer einzigen Mahlzeit
bhojayitvā dvijottamān
nachdem man die besten Brahmanen gespeist hat
caturdaśa tataḥ tebhyaḥ
vierzehn an der Zahl, danach ihnen
śaktyā dadyāt ca dakṣiṇām
gebe man entsprechend dem Vermögen eine Gabe

[Anm.: 'caturddaśatatastebhyaḥ' im Quelltext unklar, hier als 'caturdaśa tataḥ tebhyaḥ' gelesen.]

evaṃ yaḥ kurute vipra dharmarājaprapūjanam / sa dharmasyājñayāgaccheddevaiḥ sādharmyamacyutaḥ

Wer so, o Brahmane, die Verehrung Dharmarājas vollzieht, der gelangt auf Geheiß des Dharma zur Gleichheit im Wesen mit den unvergänglichen Göttern.

Wort für Wort
evaṃ yaḥ kurute vipra
wer so, o Brahmane, vollzieht
dharmarājaprapūjanam
die Verehrung Dharmarājas
sa dharmasya ājñayā gacchet
der gelangt auf Geheiß des Dharma
devaiḥ sādharmyam acyutaḥ
unvergänglich zur Gleichheit im Wesen mit den Göttern

daśamyāṃ mādhave śukle viṣṇumabhyarcya mānavaḥ / gandhādyairupacāraiśca śvetapuṣpaiḥ sugandhibhiḥ

An der Daśamī des hellen Mādhava (Vaiśākha) verehre der Mensch Viṣṇu mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben, mit weißen, wohlriechenden Blumen,

Wort für Wort
daśamyāṃ mādhave śukle
an der Daśamī des hellen Mādhava
viṣṇum abhyarcya mānavaḥ
verehre der Mensch Viṣṇu
gandhādyaiḥ upacāraiḥ ca
mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben
śvetapuṣpaiḥ sugandhibhiḥ
mit weißen, wohlriechenden Blumen

śataṃ pradakṣiṇāḥ kṛtvā vipransaṃbhojya yatnataḥ / labhate vaiṣṇavaṃ lokaṃ nātra kāryā vicāraṇā

nachdem man hundert Umschreitungen vollzogen und Brahmanen sorgfältig gespeist hat, erlangt man die Welt Viṣṇus - darüber besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
śataṃ pradakṣiṇāḥ kṛtvā
nachdem man hundert Umschreitungen vollzogen hat
viprān saṃbhojya yatnataḥ
und Brahmanen sorgfältig gespeist hat
labhate vaiṣṇavaṃ lokam
erlangt man die Welt Viṣṇus
na atra kāryā vicāraṇā
darüber besteht kein Zweifel

jyeṣṭhe śukladaśamyāṃ tu jāhnavī saritāṃ varā / samāyātā dharāṃ svargāttasmātsā puṇyadā smṛtā

An der hellen Daśamī des Jyeṣṭha aber kam die Jāhnavī (Gaṅgā), die beste der Flüsse, vom Himmel auf die Erde herab; deshalb gilt sie als heilspendend.

Wort für Wort
jyeṣṭhe śukladaśamyāṃ tu
an der hellen Daśamī des Jyeṣṭha aber
jāhnavī saritāṃ varā
die Jāhnavī, die beste der Flüsse
samāyātā dharāṃ svargāt
kam vom Himmel auf die Erde herab
tasmāt sā puṇyadā smṛtā
deshalb gilt sie als heilspendend

jyeṣṭhaḥ śukladalaṃ hasto budhaśca daśamīḥ tithiḥ / garānandavyatīpātāḥ kanyenduvṛṣabhāskarāḥ

Der Jyeṣṭha, die helle Mondphase, das Nakṣatra Hasta, der Wochentag Budha (Merkur) und die Tithi Daśamī, die Yogas Gara, Ānanda, Vyatīpāta, der Mond in der Jungfrau (Kanyā) und die Sonne im Stier (Vṛṣabha) -

Wort für Wort
jyeṣṭhaḥ śukladalaṃ hastaḥ
der Jyeṣṭha, die helle Mondphase, das Nakṣatra Hasta
budhaḥ ca daśamī tithiḥ
der Wochentag Budha und die Tithi Daśamī
gara-ānanda-vyatīpātāḥ
die Yogas Gara, Ānanda, Vyatīpāta
kanyā-indu-vṛṣa-bhāskarāḥ
der Mond in der Jungfrau und die Sonne im Stier

daśayogaḥ samākhyāto mahāpuṇyatamo dvija / harate daśa pāpāni tasmāddaśaharaḥ smṛtaḥ

diese Zehn-Konstellation wird so genannt, höchst heilig, o Zweifachgeborener; sie nimmt zehn Sünden hinweg, deshalb gilt sie als 'Daśahara' (die Zehn-Wegnehmende).

Wort für Wort
daśayogaḥ samākhyātaḥ
die Zehn-Konstellation wird so genannt
mahāpuṇyatamo dvija
höchst heilig, o Zweifachgeborener
harate daśa pāpāni
sie nimmt zehn Sünden hinweg
tasmāt daśaharaḥ smṛtaḥ
deshalb gilt sie als 'Daśahara'

asyāṃ yo jāhnavīṃ prāpya snāti saṃprītamānasaḥ / vidhinā jāhnavītoye sa yāti harimandiram

Wer an diesem Tag die Jāhnavī erreicht und mit erfreutem Sinn vorschriftsmäßig im Wasser der Jāhnavī badet, der gelangt zum Tempel Haris.

Wort für Wort
asyāṃ yo jāhnavīṃ prāpya
wer an diesem Tag die Jāhnavī erreicht
snāti saṃprītamānasaḥ
und mit erfreutem Sinn badet
vidhinā jāhnavītoye
vorschriftsmäßig im Wasser der Jāhnavī
sa yāti harimandiram
der gelangt zum Tempel Haris

āṣāḍhaśukladaśamī puṇyā manvā dikaiḥ smṛtā / tasyāṃ snānaṃ japo dānaṃ homo vā svargatipradāḥ

Die helle Daśamī des Āṣāḍha gilt als heilig, von Manu und anderen erwähnt; an ihr sind Bad, Gebetsmurmeln, Gabe oder Feueropfer den Himmelsweg gewährend.

Wort für Wort
āṣāḍhaśukladaśamī
die helle Daśamī des Āṣāḍha
puṇyā manvādikaiḥ smṛtā
gilt als heilig, von Manu und anderen erwähnt
tasyāṃ snānaṃ japo dānam
an ihr Bad, Gebetsmurmeln, Gabe
homo vā svargatipradāḥ
oder Feueropfer, den Himmelsweg gewährend

[Anm.: 'manvā dikaiḥ' im Quelltext, hier als 'manu-ādikaiḥ' gelesen.]

śrāvaṇe śukladaśamī sarvāśāparipūrtidā / asyāṃ śivārcanaṃ śastaṃ gandhādyai rupacārakaiḥ

Die helle Daśamī des Śrāvaṇa erfüllt alle Wünsche; an ihr ist die Verehrung Śivas mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben vortrefflich.

Wort für Wort
śrāvaṇe śukladaśamī
die helle Daśamī des Śrāvaṇa
sarvāśāparipūrtidā
erfüllt alle Wünsche
asyāṃ śivārcanaṃ śastam
an ihr ist die Verehrung Śivas vortrefflich
gandhādyaiḥ upacārakaiḥ
mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben

tatropavāso naktaṃ vā dvijānāṃ bhojanaṃ japaḥ / hemno dāna ca dhenvādeḥ sarvapāpapraṇāśanam

dort vollziehe man Fasten oder eine Nachtmahlzeit, das Speisen der Brahmanen, Gebetsmurmeln, sowie die Gabe von Gold, einer Kuh und dergleichen - dies vernichtet alle Sünde.

Wort für Wort
tatra upavāso naktaṃ vā
dort Fasten oder eine Nachtmahlzeit
dvijānāṃ bhojanaṃ japaḥ
das Speisen der Brahmanen, Gebetsmurmeln
hemnaḥ dānaṃ ca dhenvādeḥ
sowie die Gabe von Gold, einer Kuh und dergleichen
sarvapāpapraṇāśanam
dies vernichtet alle Sünde

atho nabhasyaśuklāyāṃ daśamyāṃ dvijasattama / vrataṃ daśāvatārākhyaṃ tatra snānaṃ jalāśaye

Nun, an der hellen Daśamī des Nabhasya, o bester Zweifachgeborener, gibt es das Gelübde mit Namen Daśāvatāra; dabei erfolgt ein Bad in einem Gewässer,

Wort für Wort
atho nabhasyaśuklāyām
nun, an der hellen [Daśamī] des Nabhasya
daśamyāṃ dvijasattama
an der Daśamī, o bester Zweifachgeborener
vrataṃ daśāvatārākhyam
gibt es das Gelübde mit Namen Daśāvatāra
tatra snānaṃ jalāśaye
dabei ein Bad in einem Gewässer

kṛtvā saṃdhyādiniyamaṃ devarṣipitṛtarpaṇam / tato daśāvatārāṇi samabhyarcetsa māhitaḥ

nachdem man die Dämmerungsriten und die übrigen Pflichten sowie die Wasserspende für Götter, Ṛṣis und Ahnen vollzogen hat; danach verehre man mit gesammeltem Geist die zehn Avatāras,

Wort für Wort
kṛtvā saṃdhyādiniyamam
nachdem man die Dämmerungsriten und die übrigen Pflichten vollzogen hat
devarṣipitṛtarpaṇam
sowie die Wasserspende für Götter, Ṛṣis und Ahnen
tato daśāvatārāṇi
danach die zehn Avatāras
samabhyarcet samāhitaḥ
verehre man mit gesammeltem Geist

[Anm.: 'sa māhitaḥ' im Quelltext, wohl für 'samāhitaḥ' ('mit gesammeltem Geist').]

matsyaṃ kūrmaṃ varāhaṃ ca narasiṃhaṃ trivikramam / rāmaṃ rāmaṃ ca kṛṣṇaṃ ca bauddhaṃ kalkinameva ca

Matsya (Fisch), Kūrma (Schildkröte), Varāha (Eber) und Narasiṃha (Mannlöwe), Trivikrama, Rāma und Rāma und Kṛṣṇa, Buddha und ebenso Kalkin.

Wort für Wort
matsyaṃ kūrmaṃ varāhaṃ ca
Matsya, Kūrma und Varāha
narasiṃhaṃ trivikramam
Narasiṃha, Trivikrama
rāmaṃ rāmaṃ ca kṛṣṇaṃ ca
Rāma und Rāma und Kṛṣṇa
bauddhaṃ kalkinam eva ca
Buddha und ebenso Kalkin

daśamūrtistu sauvarṇīḥ pūjayitvā vidhānataḥ / daśabhyo vipravaryebhyo dadyātsatkṛtya nārada

nachdem man die zehn goldenen Gestalten vorschriftsmäßig verehrt hat, gebe man sie, nachdem man sie geehrt hat, zehn vorzüglichen Brahmanen, o Nārada.

Wort für Wort
daśamūrtiḥ tu sauvarṇīḥ
die zehn goldenen Gestalten aber
pūjayitvā vidhānataḥ
nachdem man sie vorschriftsmäßig verehrt hat
daśabhyo vipravaryebhyaḥ
zehn vorzüglichen Brahmanen
dadyāt satkṛtya nārada
gebe man, nachdem man sie geehrt hat, o Nārada

upavāsaṃ caikabhaktaṃ kṛtvā saṃbhojya vāḍavān / visṛjya paścādbhuñjīta svayaṃ sveṣṭaiḥ samāhitaḥ

Nachdem man Fasten oder eine einzige Mahlzeit vollzogen und die Brahmanen gespeist hat, esse man danach nach der Entlassung selbst, mit gesammeltem Geist, zusammen mit den eigenen Lieben.

Wort für Wort
upavāsaṃ ca ekabhaktam
Fasten oder eine einzige Mahlzeit
kṛtvā saṃbhojya vāḍavān
vollzogen und die Brahmanen gespeist habend
visṛjya paścāt bhuñjīta
esse man danach nach der Entlassung
svayaṃ sveṣṭaiḥ samāhitaḥ
selbst, mit gesammeltem Geist, zusammen mit den Lieben

bhaktyā kṛtvā vrataṃ tvetadbhuktvā bhogānihottamān / vimānena vrajedante viṣṇulokaṃ sanātanam

Wer dieses Gelübde mit Hingabe vollzieht, der geht, nachdem er hier vorzügliche Genüsse genossen hat, am Ende in einem Himmelswagen in die ewige Welt Viṣṇus ein.

Wort für Wort
bhaktyā kṛtvā vrataṃ tu etat
wer dieses Gelübde mit Hingabe vollzieht
bhuktvā bhogān iha uttamān
nachdem er hier vorzügliche Genüsse genossen hat
vimānena vrajet ante
geht er am Ende in einem Himmelswagen ein
viṣṇulokaṃ sanātanam
in die ewige Welt Viṣṇus

āśvine śukladaśamī vijayā sā prakīrtitā / caturgomayapiṇḍāni prātarnyasya gṛhāṅgaṇe

Im Āśvina wird die helle Daśamī 'Vijayā' genannt; vier Klumpen Kuhdung lege man am Morgen im Hof des Hauses nieder,

Wort für Wort
āśvine śukladaśamī
im Āśvina die helle Daśamī
vijayā sā prakīrtitā
wird 'Vijayā' genannt
caturgomayapiṇḍāni
vier Klumpen Kuhdung
prātaḥ nyasya gṛhāṅgaṇe
lege man am Morgen im Hof des Hauses nieder

cakravālasvarūpeṇa tanmadhye rāmalakṣmaṇau / tathā bharataśatrughnau pūjayeccaturo 'pi hi

in kreisförmiger Anordnung; in deren Mitte verehre man Rāma und Lakṣmaṇa sowie Bharata und Śatrughna, alle vier zusammen.

Wort für Wort
cakravālasvarūpeṇa
in kreisförmiger Anordnung
tanmadhye rāmalakṣmaṇau
in deren Mitte Rāma und Lakṣmaṇa
tathā bharataśatrughnau
sowie Bharata und Śatrughna
pūjayet caturo api hi
verehre man alle vier zusammen

sapidhānāsu pātrīṣu gomayīṣu catasṛṣṭa / kinnaṃ dhānyaṃ saraupyaṃ tu dhṛtvā dhautāṃśukāvṛtam

In vier zugedeckten Schälchen aus Kuhdung lege man Getreide samt Silber hinein, mit gewaschenem Tuch bedeckt,

Wort für Wort
sapidhānāsu pātrīṣu
in zugedeckten Schälchen
gomayīṣu catasṛṣu
aus Kuhdung, in vieren
kiñcit dhānyaṃ sa-raupyaṃ tu
etwas Getreide samt Silber
dhṛtvā dhautāṃśukāvṛtam
hineingelegt, mit gewaschenem Tuch bedeckt

[Anm.: 'kinnaṃ dhānyaṃ' unklar, evtl. 'kiṃcid annaṃ dhānyaṃ' ('etwas Speise[getreide]'); 'catasṛṣṭa' wohl für 'catasṛṣu' ('in vier').]

pitṛmātṛbhrātṛputrajāyā bhṛtyasamanvitam / saṃpūjyaṃ gandhapuṣpādyairnaivedyaiśca vidhānataḥ

zusammen mit Vater, Mutter, Bruder, Sohn, Gattin und Dienern soll man sie vorschriftsmäßig mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen sowie mit Speiseopfern verehren.

Wort für Wort
pitṛmātṛbhrātṛputrajāyā
mit Vater, Mutter, Bruder, Sohn, Gattin
bhṛtyasamanvitam
und zusammen mit Dienern
saṃpūjyaṃ gandhapuṣpādyaiḥ
soll man verehren mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen
naivedyaiḥ ca vidhānataḥ
sowie mit Speiseopfern, vorschriftsmäßig

namaskṛtyātha bhuñjīta dvijānsaṃbhojya pūjitān / evaṃ kṛtvā vidhānaṃ tu naro varṣaṃ suravānvitaḥ

Nachdem man sich verneigt hat, esse man dann, nachdem man verehrte Brahmanen gespeist hat. Wer so das Ritual vollzieht, der wird ein Jahr lang mit den Göttern vereint,

Wort für Wort
namaskṛtya atha bhuñjīta
nachdem man sich verneigt hat, esse man dann
dvijān saṃbhojya pūjitān
nachdem man verehrte Brahmanen gespeist hat
evaṃ kṛtvā vidhānaṃ tu
wer so das Ritual vollzieht
naro varṣaṃ suravānvitaḥ
wird als Mensch ein Jahr lang mit den Göttern vereint

dhanadhānyasamṛddhaśca niścitaṃ jāyate dvija / athāpārāhnasamaye navamyāṃ saṃnimantritām

und wird gewiss reich an Reichtum und Getreide, o Zweifachgeborener. Nun, zur Nachmittagszeit an der (vorangehenden) Navamī, nachdem man [den Śamī-Baum] eingeladen hat,

Wort für Wort
dhanadhānyasamṛddhaḥ ca
und reich an Reichtum und Getreide
niścitaṃ jāyate dvija
wird er gewiss, o Zweifachgeborener
atha apārāhnasamaye
nun zur Nachmittagszeit
navamyāṃ saṃnimantritām
an der Navamī, nachdem man eingeladen hat

pūrvadikṣu śamīṃ vipra gatvā tanmūlajāṃ mṛdam / gṛhītvā svagṛhaṃ prāpya gītavāditraniḥsvanaiḥ

gehe man, o Brahmane, in östliche Richtung zum Śamī-Baum, nehme die an seiner Wurzel gewachsene Erde und komme, sie ergreifend, mit den Klängen von Gesang und Musikinstrumenten zum eigenen Haus zurück,

Wort für Wort
pūrvadikṣu śamīṃ vipra
in östliche Richtung zum Śamī-Baum, o Brahmane
gatvā tanmūlajāṃ mṛdam
gegangen, die an seiner Wurzel gewachsene Erde
gṛhītvā svagṛhaṃ prāpya
ergriffen habend, zum eigenen Haus gelangend
gītavāditraniḥsvanaiḥ
mit den Klängen von Gesang und Musikinstrumenten

saṃpūjya tāṃ vidhānena sajjīkṛtya svakaṃ balam / nirgatya pūrvadvāreṇa grāmādbrahiranākulaḥ

nachdem man ihn vorschriftsmäßig verehrt und die eigene Streitmacht bereitgemacht hat, gehe man ungestört durch das östliche Tor aus dem Dorf hinaus,

Wort für Wort
saṃpūjya tāṃ vidhānena
nachdem man sie (die Erde/den Baum) vorschriftsmäßig verehrt hat
sajjīkṛtya svakaṃ balam
und die eigene Streitmacht bereitgemacht hat
nirgatya pūrvadvāreṇa
durch das östliche Tor hinausgehend
grāmāt bahiḥ anākulaḥ
ungestört aus dem Dorf hinaus

tataḥ śatrupratikṛtiṃ nirmitāṃ patrakādibhiḥ / manasā kalpitāṃ vāpi svarṇaṃ puṃravaṃśareṇa vai

danach durchbohre man ein Abbild des Feindes, das aus Blättern und dergleichen gefertigt oder auch im Geiste vorgestellt ist, mit einem goldenen [?] Bambuspfeil,

Wort für Wort
tataḥ śatrupratikṛtim
danach ein Abbild des Feindes
nirmitāṃ patrakādibhiḥ
das aus Blättern und dergleichen gefertigt ist
manasā kalpitāṃ vā api
oder auch im Geiste vorgestellt
svarṇaṃ puṃvaṃśaśareṇa vai
mit einem goldenen Bambuspfeil [?]

[Anm.: 'puṃravaṃśareṇa' unklar, evtl. 'puṃvaṃśa-śareṇa' ('mit einem Pfeil aus männlichem Bambus') [?].]

vidhyediti bhṛśaṃ prītaḥ prāpnuyātsvagṛhaṃ niśi / evaṃ kṛtavidhirvāpi gacchedvā śatrunigrahe

'ich durchbohre dich!' - so [rufend], sehr erfreut, kehre man nachts zum eigenen Haus zurück. Wer so das Ritual vollzogen hat, ziehe auch aus zur Bezwingung des Feindes,

Wort für Wort
vidhye iti bhṛśaṃ prītaḥ
'ich durchbohre [dich]!' - so, sehr erfreut
prāpnuyāt svagṛhaṃ niśi
kehre man nachts zum eigenen Haus zurück
evaṃ kṛtavidhiḥ vā api
wer so das Ritual vollzogen hat, auch
gacchet vā śatrunigrahe
ziehe aus zur Bezwingung des Feindes

eṣaivaṃ daśamī vipra vidhinā'caritā sadā / dhanaṃ jayaṃ sutān gāśca gajāśvaṃ vāpyajāvikam

diese so vollzogene Daśamī, o Brahmane, stets vorschriftsmäßig vollzogen, gewährt Reichtum, Sieg, Söhne, Kühe sowie Elefanten, Pferde oder Ziegen und Schafe;

Wort für Wort
eṣā evaṃ daśamī vipra
diese so [vollzogene] Daśamī, o Brahmane
vidhinā ācaritā sadā
stets vorschriftsmäßig vollzogen
dhanaṃ jayaṃ sutān gāḥ ca
Reichtum, Sieg, Söhne und Kühe
gajāśvaṃ vā api ajāvikam
sowie Elefanten, Pferde oder Ziegen und Schafe

dadyādiha śarīrānte svargatiṃ cāpi nārada / daśamyāṃ kārtike śukle sārvabhaumavrataṃ caret

sie gewährt hier alles und am Ende des Körpers auch den Himmelsweg, o Nārada. An der Daśamī des hellen Kārtika vollziehe man das Sārvabhauma-Gelübde;

Wort für Wort
dadyāt iha śarīrānte
sie gewährt hier, am Ende des Körpers
svargatiṃ ca api nārada
auch den Himmelsweg, o Nārada
daśamyāṃ kārtike śukle
an der Daśamī des hellen Kārtika
sārvabhaumavrataṃ caret
vollziehe man das Sārvabhauma-Gelübde

kṛtopavāso vaikāśī niśīthe 'pūpakādibhiḥ / daśadikṣu baliṃ dadyād gṛhadvāpi purādbrahiḥ

nachdem man gefastet hat [?], gebe man um Mitternacht mit Kuchen und dergleichen ein Opfer in den zehn Himmelsrichtungen, entweder vom Haus oder außerhalb der Stadt.

Wort für Wort
kṛtopavāsaḥ [?]
nachdem man gefastet hat [?]
niśīthe apūpakādibhiḥ
um Mitternacht mit Kuchen und dergleichen
daśadikṣu baliṃ dadyāt
gebe man in den zehn Himmelsrichtungen ein Opfer
gṛhāt vā api purāt bahiḥ
entweder vom Haus oder außerhalb der Stadt

[Anm.: 'vaikāśī' im Quelltext unklar [?]; 'gṛhadvāpi purādbrahiḥ' gelesen als 'gṛhāt vā api purāt bahiḥ'.]

maṇḍale 'ṣṭadale kḷpte goviḍliptadharātale / mantrairebhirdvijaśreṣṭha gaṇeśādikṛtārcanaḥ

In einem errichteten achtblättrigen Ritualdiagramm, auf einem mit Kuhdung bestrichenen Boden, mit diesen Mantras, o bester Zweifachgeborener, nachdem man die Verehrung, beginnend mit Gaṇeśa, vollzogen hat,

Wort für Wort
maṇḍale aṣṭadale kḷpte
in einem errichteten achtblättrigen Ritualdiagramm
goviḍliptadharātale
auf einem mit Kuhdung bestrichenen Boden
mantraiḥ ebhiḥ dvijaśreṣṭha
mit diesen Mantras, o bester Zweifachgeborener
gaṇeśādikṛtārcanaḥ
nachdem man die Verehrung, beginnend mit Gaṇeśa, vollzogen hat

yo me pūrvagataḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / tamindro devarā jo 'dya nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Osten gebunden ist, durch böse Tat hier begangen - die möge heute Indra, der Götterkönig, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me pūrvagataḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Osten gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
tam indro devarājaḥ adya
die möge heute Indra, der Götterkönig
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo me vahnigataḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / tejorājo 'tha vahnistaṃ nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Feuer gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge nun der König des Glanzes, Vahni (Agni), vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me vahnigataḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Feuer gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
tejorājaḥ atha vahniḥ
der König des Glanzes, Vahni, nun
taṃ nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge sie vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo me dakṣagataḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / taṃ yamaḥ pretarājo vai nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Süden gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge Yama, der König der Verstorbenen, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me dakṣagataḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Süden gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
taṃ yamaḥ pretarājo vai
die möge Yama, der König der Verstorbenen
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo me nairṛtigaḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / rakṣorājo nairṛtistaṃ nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Südwesten gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge Nairṛta, der König der Rākṣasas, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me nairṛtigaḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Südwesten gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
rakṣorājo nairṛtiḥ taṃ
der König der Rākṣasas, Nairṛta, die
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge er vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo me paścimagaḥ pāpmā pāpakenehakarmaṇā / yādaḥ patistaṃ varuṇo nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Westen gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge Varuṇa, der Herr der Wasserwesen, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me paścimagaḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Westen gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
yādaḥpatiḥ taṃ varuṇaḥ
der Herr der Wasserwesen, Varuṇa, die
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge er vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo me vāyugataḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / vāyustaṃ marutāṃ rājo nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Nordwesten gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge Vāyu, der König der Marut, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me vāyugataḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Nordwesten gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
vāyuḥ taṃ marutāṃ rājā
Vāyu, der König der Marut, die
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge er vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo me saumyagataḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / somastamṛkṣayakṣeśo nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Norden gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge Soma, der Herr der Sternbilder und Yakṣas, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me saumyagataḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Norden gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
somaḥ tam ṛkṣayakṣeśaḥ
Soma, der Herr der Sternbilder und Yakṣas, die
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge er vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo ma īśagataḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / īśāno bhūtanāthastaṃ nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir im Nordosten gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge Īśāna, der Herr der Wesen, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me īśagataḥ pāpmā
welche Sünde von mir im Nordosten gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
īśāno bhūtanāthaḥ taṃ
Īśāna, der Herr der Wesen, die
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge er vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo maṃ ūrddhvagataḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / brahmā prajāpatīśastaṃ nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir nach oben gebunden ist, durch böse Tat hier - die möge Brahmā, der Herr der Prajāpatis, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo māṃ ūrdhvagataḥ pāpmā
welche Sünde von mir nach oben gebunden ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
brahmā prajāpatīśaḥ taṃ
Brahmā, der Herr der Prajāpatis, die
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge er vernichten, der alle Wünsche gewährt

yo me 'dhaḥsaṃsthitaḥ pāpmā pāpakeneha karmaṇā / ananto nāgarājastaṃ nāśayatvakhileṣṭadaḥ

'Welche Sünde von mir unten befindlich ist, durch böse Tat hier - die möge Ananta, der König der Schlangen, vernichten, der alle Wünsche gewährt.'

Wort für Wort
yo me adhaḥsaṃsthitaḥ pāpmā
welche Sünde von mir unten befindlich ist
pāpakena iha karmaṇā
durch böse Tat hier
ananto nāgarājaḥ taṃ
Ananta, der König der Schlangen, die
nāśayatu akhileṣṭadaḥ
möge er vernichten, der alle Wünsche gewährt

ityevaṃ dikṣu daśasu baliṃ datvā samāhitaḥ / kṣetrapālāya tadbāhye kṣipedbalimatandritaḥ

So, mit gesammeltem Geist, nachdem man in den zehn Himmelsrichtungen das Opfer dargebracht hat, werfe man unermüdlich außerhalb dessen dem Feldhüter (Kṣetrapāla) ein Opfer hin.

Wort für Wort
iti evaṃ dikṣu daśasu
so in den zehn Himmelsrichtungen
baliṃ datvā samāhitaḥ
nachdem man mit gesammeltem Geist ein Opfer dargebracht hat
kṣetrapālāya tadbāhye
dem Feldhüter, außerhalb dessen
kṣipet baliṃ atandritaḥ
werfe man unermüdlich ein Opfer hin

evaṃ kṛtavidhiḥ śeṣaṃ niśāyāṃ ninayetsudhīḥ / gītaiḥ sumaṅgalaprāyaiḥ stavapāṭhairjapādibhiḥ

Wer so das Ritual vollzogen hat, der verbringe der Kluge den Rest der Nacht mit hochwillkommenen Liedern, mit Lobpreisungs-Rezitationen, Gebetsmurmeln und dergleichen.

Wort für Wort
evaṃ kṛtavidhiḥ śeṣam
wer so das Ritual vollzogen hat, den Rest
niśāyāṃ ninayet sudhīḥ
verbringe der Kluge der Nacht
gītaiḥ sumaṅgalaprāyaiḥ
mit hochwillkommenen Liedern
stavapāṭhaiḥ japādibhiḥ
mit Lobpreisungs-Rezitationen, Gebetsmurmeln und dergleichen

prātaḥ snātvā samabhyarcya lokapālān dvijottamān / dvādaśābhyarcya saṃbhojya śaktito dakṣiṇāṃ dadet

Am Morgen, nachdem man gebadet, die Weltenhüter (Lokapālas) verehrt und zwölf beste Brahmanen verehrt und gespeist hat, gebe man ihnen entsprechend dem Vermögen eine Gabe.

Wort für Wort
prātaḥ snātvā samabhyarcya
am Morgen, nachdem man gebadet und verehrt hat
lokapālān dvijottamān
die Weltenhüter, die besten Brahmanen
dvādaśa abhyarcya saṃbhojya
zwölf verehrt und gespeist habend
śaktito dakṣiṇāṃ dadet
gebe man entsprechend dem Vermögen eine Gabe

itthaṃ kṛtvā vrataṃ vipra bhogānbhuktaihikāñchubhān / yugaṃ svargasukhaṃ bhuktvā sārvabhaumo nṛpo bhavet

Wer so das Gelübde vollzieht, o Brahmane, genießt glückliche irdische Genüsse, und nachdem er ein Zeitalter (Yuga) lang himmlisches Glück genossen hat, wird er ein Weltherrscher (Sārvabhauma) unter den Königen.

Wort für Wort
ittham kṛtvā vrataṃ vipra
wer so das Gelübde vollzieht, o Brahmane
bhogān bhukta aihikān śubhān
genießt glückliche irdische Genüsse
yugaṃ svargasukhaṃ bhuktvā
nachdem er ein Zeitalter lang himmlisches Glück genossen hat
sārvabhaumo nṛpo bhavet
wird er ein Weltherrscher unter den Königen

mārgaśukladaśamyāṃ tu caredā rogyakaṃ vratam / gandhādyairarcayedviprān daśa taccaraṇodakam

An der hellen Daśamī des Mārga(śīrṣa) aber vollziehe man das Ārogya(-Gesundheits)-Gelübde; man verehre zehn Brahmanen mit Duftstoffen und dergleichen und (trinke) das Wasser von ihren Füßen,

Wort für Wort
mārgaśukladaśamyāṃ tu
an der hellen Daśamī des Mārga(śīrṣa) aber
caret ārogyakaṃ vratam
vollziehe man das Ārogya-Gelübde
gandhādyaiḥ arcayet viprān daśa
verehre man zehn Brahmanen mit Duftstoffen und dergleichen
taccaraṇodakam
das Wasser von ihren Füßen

pītvātha dakṣiṇāṃ datvā visūjedekabhojanaṃ / etatkṛtvā vrataṃ vipra hyārogyaṃ prāpya bhūtale

nachdem man es getrunken und eine Gabe gegeben hat, entlasse man sie nach einer einzigen Mahlzeit. Wer dieses Gelübde vollzieht, o Brahmane, erlangt Gesundheit auf Erden

Wort für Wort
pītvā atha dakṣiṇāṃ datvā
nachdem man es getrunken und eine Gabe gegeben hat
visṛjet ekabhojanam
entlasse man sie nach einer einzigen Mahlzeit
etat kṛtvā vrataṃ vipra
wer dieses Gelübde vollzieht, o Brahmane
hi ārogyaṃ prāpya bhūtale
erlangt Gesundheit auf Erden

dharmarājaprasādena modate divi devavat / pauṣe daśamyāṃ śuklāyāṃ viśvedevān samarcayet

durch die Gnade Dharmarājas und freut sich im Himmel wie ein Gott. An der hellen Daśamī des Pauṣa verehre man die Viśvedevas,

Wort für Wort
dharmarājaprasādena
durch die Gnade Dharmarājas
modate divi devavat
freut man sich im Himmel wie ein Gott
pauṣe daśamyāṃ śuklāyām
an der hellen Daśamī des Pauṣa
viśvedevān samarcayet
verehre man die Viśvedevas

ṛtuṃ dakṣaṃ vasū6nsatyaṃ kālaṃ kāmaṃ muniṃ gurum / vipraṃ rāmaṃ ca daśadhā keśavastānsamāsthitaḥ

Ṛtu, Dakṣa, Vasu, Satya, Kāla, Kāma, Muni, Guru, Vipra und Rāma - in zehnfacher Gestalt; auf diese gestützt verehre man Keśava.

Wort für Wort
ṛtuṃ dakṣaṃ vasūn satyam
Ṛtu, Dakṣa, Vasu, Satya
kālaṃ kāmaṃ muniṃ gurum
Kāla, Kāma, Muni, Guru
vipraṃ rāmaṃ ca daśadhā
Vipra und Rāma, in zehnfacher Gestalt
keśavaḥ tān samāsthitaḥ
auf diese gestützt, Keśava [?]

[Anm.: Im Quelltext 'vasū6nsatyaṃ' mit offenbarem Ziffernartefakt, hier als 'vasūn satyaṃ' gelesen; 'keśavastān samāsthitaḥ' sinngemäß übersetzt.]

svāpayitvā darbhamayānāsaneṣu ca saṃsthitān / gandhairdhūpaistathā dīpairnaivedyaiścāpi nārada

nachdem man sie in Gestalt von Darbha-Gras-Figuren auf Sitzen hat ruhen lassen, verehre man sie mit Duftstoffen, Räucherwerk, ebenso mit Lampen und auch mit Speiseopfern, o Nārada.

Wort für Wort
svāpayitvā darbhamayān
nachdem man sie, aus Darbha-Gras gemacht, hat ruhen lassen
āsaneṣu ca saṃsthitān
und auf Sitzen befindlich
gandhaiḥ dhūpaiḥ tathā dīpaiḥ
mit Duftstoffen, Räucherwerk, ebenso mit Lampen
naivedyaiḥ ca api nārada
und auch mit Speiseopfern, o Nārada

pratyekaṃ dakṣiṇāṃ datvā praṇiyatya visarjayet / dakṣiṇāṃ tāṃ dvijāgryebhyo gurave vā samarpayet

nachdem man jedem einzeln eine Gabe gegeben hat, führe man sie [zur Ruhestätte] und entlasse sie; diese Gabe übergebe man den besten Brahmanen oder dem Lehrer.

Wort für Wort
pratyekaṃ dakṣiṇāṃ datvā
nachdem man jedem einzeln eine Gabe gegeben hat
praṇiyatya visarjayet
führe man sie und entlasse sie
dakṣiṇāṃ tāṃ dvijāgryebhyaḥ
diese Gabe den besten Brahmanen
gurave vā samarpayet
oder dem Lehrer übergebe man

evaṃ kṛtavidhi ścaikabhakto bhogī vratī bhavet / lokadvayasya viprarṣe nātra kāryā vicāraṇā

Wer so das Ritual mit einer einzigen Mahlzeit vollzieht, der wird als Gelübdehalter ein Genießer beider Welten, o Weiser unter den Brahmanen - darüber besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
evaṃ kṛtavidhiḥ ca ekabhaktaḥ
wer so das Ritual mit einer einzigen Mahlzeit vollzieht
bhogī vratī bhavet
wird als Gelübdehalter ein Genießer
lokadvayasya viprarṣe
beider Welten, o Weiser unter den Brahmanen
na atra kāryā vicāraṇā
darüber besteht kein Zweifel

māghaśukladaśamyāṃ tu sopavāso jitendriyaḥ / devāṃnagiraso nāma daśa samyaksamarcayet

An der hellen Daśamī des Māgha aber verehre man, fastend und mit gebändigten Sinnen, recht die zehn Götter mit Namen Aṅgiras,

Wort für Wort
māghaśukladaśamyāṃ tu
an der hellen Daśamī des Māgha aber
sopavāso jitendriyaḥ
fastend und mit gebändigten Sinnen
devān aṅgirasaḥ nāma daśa
die zehn Götter mit Namen Aṅgiras
samyak samarcayet
verehre man recht

[Anm.: 'devāṃnagiraso' im Quelltext unklar, hier als 'devān aṅgirasaḥ' gelesen [?].]

kṛtvā svarṇamayānvipra gandhādyairupacārakaiḥ / ātmā hyāyurmano dakṣo madaḥ prāṇastathaiva ca

nachdem man sie golden gefertigt hat, o Brahmane, mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben: Ātman, Āyus, Manas, Dakṣa, Mada und ebenso Prāṇa,

Wort für Wort
kṛtvā svarṇamayān vipra
nachdem man sie golden gefertigt hat, o Brahmane
gandhādyaiḥ upacārakaiḥ
mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben
ātmā hi āyuḥ manaḥ dakṣaḥ
Ātman, Āyus, Manas, Dakṣa
madaḥ prāṇaḥ tathā eva ca
Mada und ebenso Prāṇa

barhiṣmāṃśca gaviṣṭhaśca dattaḥ satyaśca te daśa / daśa viprānbhojayitvā madhurānnena nārada

Barhiṣmān, Gaviṣṭha, Datta und Satya - dies sind die zehn; nachdem man zehn Brahmanen mit Süßspeise gespeist hat, o Nārada,

Wort für Wort
barhiṣmān ca gaviṣṭhaḥ ca
Barhiṣmān und Gaviṣṭha
dattaḥ satyaḥ ca te daśa
Datta und Satya - dies sind die zehn
daśa viprān bhojayitvā
nachdem man zehn Brahmanen gespeist hat
madhurānnena nārada
mit Süßspeise, o Nārada

mūrtīstebhyaḥ pradadyāttāḥ svargalokāptaye kramāt / antyaśukladaśamyāṃ tu caturdaśaṃ yamānyajet

gebe man ihnen jene Abbilder der Reihe nach zur Erlangung der Himmelswelt. An der hellen Daśamī des letzten (Phālguna) aber verehre man die vierzehn Yamas,

Wort für Wort
mūrtīḥ tebhyaḥ pradadyāt tāḥ
gebe man ihnen jene Abbilder
svargalokāptaye kramāt
zur Erlangung der Himmelswelt, der Reihe nach
antyaśukladaśamyāṃ tu
an der hellen Daśamī des letzten (Monats) aber
caturdaśaṃ yamān yajet
verehre man die vierzehn Yamas

yamaśca dharmarājaśca mṛtyuścaivāntakastathā / vaivasvataśca kālaśca sarvabhūtakṣayastathā

Yama, Dharmarāja, Mṛtyu und ebenso Antaka, Vaivasvata, Kāla und ebenso Sarvabhūtakṣaya,

Wort für Wort
yamaḥ ca dharmarājaḥ ca
Yama und Dharmarāja
mṛtyuḥ ca eva antakaḥ tathā
Mṛtyu und ebenso Antaka
vaivasvataḥ ca kālaḥ ca
Vaivasvata und Kāla
sarvabhūtakṣayaḥ tathā
und ebenso Sarvabhūtakṣaya

audumbaraśca daghnaśca dvau nīlaparameṣṭhinau / vṛkodaraścacitraśca citraguptaścaturdaśa

Audumbara und Daghna, die beiden Nīla und Parameṣṭhin, Vṛkodara und Citra und Citragupta - vierzehn an der Zahl.

Wort für Wort
audumbaraḥ ca daghnaḥ ca
Audumbara und Daghna
dvau nīlaparameṣṭhinau
die beiden Nīla und Parameṣṭhin
vṛkodaraḥ ca citraḥ ca
Vṛkodara und Citra
citraguptaḥ caturdaśa
und Citragupta - vierzehn

gandhādyairupacāraiśca samabhyarcyāthatarpayet / tilāṃbumiśrāñjalibhirdarbhaiḥ pratyekaśastribhiḥ

nachdem man sie mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben verehrt hat, opfere man dann Wasser, mit Sesam vermischt, in Handvoll, jedem einzeln dreimal, mit Darbha-Gras,

Wort für Wort
gandhādyaiḥ upacāraiḥ ca
mit Duftstoffen und den übrigen Ehrengaben
samabhyarcya atha tarpayet
nachdem man verehrt hat, opfere man dann Wasser
tilāṃbumiśrāñjalibhiḥ
mit Sesam vermischtes Wasser in Handvoll
darbhaiḥ pratyekaśaḥ tribhiḥ
mit Darbha-Gras, jedem einzeln dreimal

tataśca dadyātsūryārghaṃ tāmrapātreṇa nārada / raktacandanasaṃmiśratilākṣatayavāṃbubhiḥ

und danach gebe man der Sonne ein Ehrengeschenk (Arghya) in einem kupfernen Gefäß, o Nārada, mit Wasser, vermischt mit rotem Sandelholz, Sesam, ungeschältem Reis und Gerste:

Wort für Wort
tataḥ ca dadyāt sūryārgham
und danach gebe man der Sonne ein Ehrengeschenk
tāmrapātreṇa nārada
in einem kupfernen Gefäß, o Nārada
raktacandanasaṃmiśra-
mit rotem Sandelholz vermischt
tilākṣatayavāṃbubhiḥ
mit Wasser, Sesam, ungeschältem Reis und Gerste

ehi sūryasahasrāṃśo tejorāśe jagatpate / gṛhāṇārghyaṃ mayā dattaṃ bhaktyā māmanukaṃpaya

'Komm, o Sonne mit tausend Strahlen, Ansammlung von Glanz, Herr der Welt! Nimm das von mir mit Hingabe dargebrachte Ehrengeschenk an, erbarme dich meiner!'

Wort für Wort
ehi sūryasahasrāṃśo
komm, o Sonne mit tausend Strahlen
tejorāśe jagatpate
Ansammlung von Glanz, Herr der Welt
gṛhāṇa arghyaṃ mayā dattam
nimm das von mir dargebrachte Ehrengeschenk an
bhaktyā mām anukampaya
erbarme dich meiner mit Hingabe

iti mantreṇa datvārghyaṃ viprānbhojya caturddaśa / raupyāṃ sudakṣiṇāṃ datvā visṛjyāśnīta ca svayam

mit diesem Mantra, nachdem man das Ehrengeschenk gegeben und vierzehn Brahmanen gespeist hat, gebe man eine gute silberne Gabe und esse nach der Entlassung selbst.

Wort für Wort
iti mantreṇa datvā arghyam
mit diesem Mantra, nachdem man das Ehrengeschenk gegeben hat
viprān bhojya caturdaśa
und vierzehn Brahmanen gespeist hat
raupyāṃ sudakṣiṇāṃ datvā
nachdem man eine gute silberne Gabe gegeben hat
visṛjya aśnīta ca svayam
esse man nach der Entlassung selbst

evaṃ kṛtavidhirvipra dharmarājaprasādataḥ / bhuktvā bhogāṃśca putrārthānaihikāndevadurlabhān

Wer so, o Brahmane, das Ritual vollzieht, genießt durch die Gnade Dharmarājas irdische, selbst für Götter schwer erreichbare Genüsse hinsichtlich Söhnen und Reichtum,

Wort für Wort
evaṃ kṛtavidhiḥ vipra
wer so, o Brahmane, das Ritual vollzieht
dharmarājaprasādataḥ
durch die Gnade Dharmarājas
bhuktvā bhogān ca putrārthān
genießt Genüsse hinsichtlich Söhnen und Reichtum
aihikān devadurlabhān
irdische, selbst für Götter schwer erreichbare

vimānavaramāsthāya dehānte viṣṇulokabhāk

und wird, nachdem er in einem vorzüglichen Himmelswagen thront, am Ende des Körpers Anteilhaber an der Welt Viṣṇus.

Wort für Wort
vimānavaram āsthāya
nachdem er in einem vorzüglichen Himmelswagen thront
dehānte viṣṇulokabhāk
wird er am Ende des Körpers Anteilhaber an der Welt Viṣṇus

[Anm.: Vers 66 besteht im Quelltext nur aus einem Halbvers.]

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks