Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 112: dvādaśamāsacaturthīvratanirūpaṇam Darlegung der Caturthī-Gelübde der zwölf Monate

Titel rekonstruiert (und normalisiert) aus dem Kolophon, der (quellenbedingt versetzt) am Kopf der Datei src_kap113_raw.txt erscheint („...dvādśanāsa caturthīvratānirūpaṇaṃ nāma trayodaśādhikasatatamo 'dhyāyaḥ“ – mit Schreibfehlern in der Quelle: dvādśanāsa statt dvādaśamāsa, vratānirūpaṇaṃ statt vratanirūpaṇaṃ, satatamo statt śatatamo) und inhaltlich eindeutig Kapitel 112 zuzuordnen ist; vgl. Anmerkung zu Kapitel 109. Zusätzlich enthält dieses Kapitel zwei Verse (V11, V40), die in der Quelle nur als Halbvers überliefert sind, sowie eine wörtliche Wiederholung einer Halbzeile (V21/V22).

sanātana uvāca / śṛṇu vipraṃ pravakṣyāmi caturthyāste vratānyaham / yāni kṛtvā narā nāryo 'bhīṣṭānkāmānavāpnuyuḥ

Sanātana sprach: Höre, Brahmane, ich werde die Gelübde des vierten Mondtags (Caturthī) verkünden, durch deren Vollzug Männer und Frauen die gewünschten Wünsche erlangen.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu vipraṃ pravakṣyāmi
höre, Brahmane, ich werde verkünden
caturthyāste vratānyaham
ich die Gelübde des vierten Mondtags
yāni kṛtvā narā nāryo 'bhīṣṭānkāmānavāpnuyuḥ
durch deren Vollzug Männer und Frauen die gewünschten Wünsche erlangen

Der eigentliche Kolophon des vorangehenden Kapitels (111, Tṛtīyā-Vrata) erscheint quellenbedingt versetzt am Kopf dieser Datei und wurde nicht mitübersetzt (vgl. Anmerkung zu Kapitel 109).

caitramāsacaturthyāṃ tu vāsudevasvarūpiṇam / gaṇapaṃ samyagabhyarcya dattvā kāñcanadakṣiṇām

Am vierten Tag des Monats Caitra soll man Gaṇapati, der die Wesensform des Vāsudeva hat, recht verehren und eine goldene Priestergabe geben,

Wort für Wort
caitramāsacaturthyāṃ tu
am vierten Tag des Monats Caitra aber
vāsudevasvarūpiṇam
der die Wesensform des Vāsudeva hat
gaṇapaṃ samyagabhyarcya
Gaṇapati soll man recht verehren
dattvā kāñcanadakṣiṇām
und eine goldene Priestergabe geben

viprāya viṣṇulokaṃ tu gaccheddevanamaskṛtaḥ / vaiśākhasya caturthyāṃ tu prārthyaṃ saṃkarṣaṇāhvayam

dem Brahmanen; so geht man zur Welt Viṣṇus, von den Göttern verehrt. Am vierten Tag des Vaiśākha aber soll man den 'Saṃkarṣaṇa' genannten (Gaṇeśa) bitten,

Wort für Wort
viprāya
dem Brahmanen
viṣṇulokaṃ tu gaccheddevanamaskṛtaḥ
so geht man zur Welt Viṣṇus, von den Göttern verehrt
vaiśākhasya caturthyāṃ tu
am vierten Tag des Vaiśākha aber
prārthyaṃ saṃkarṣaṇāhvayam
soll man den 'Saṃkarṣaṇa' genannten bitten

gṛhasthadvijamukhyebhyaḥ śaṅkhaṃ dattvā vidhānavit / prāpya saṃkarṣaṇaṃ lokaṃ modate bahukalpakam

nachdem man, kundig der Vorschrift, den vorzüglichen Haushalter-Brahmanen eine Muschel gegeben hat, erlangt man die Welt Saṃkarṣaṇas und freut sich viele Kalpas lang.

Wort für Wort
gṛhasthadvijamukhyebhyaḥ
den vorzüglichen Haushalter-Brahmanen
śaṅkhaṃ dattvā vidhānavit
nachdem man, kundig der Vorschrift, eine Muschel gegeben hat
prāpya saṃkarṣaṇaṃ lokaṃ
nachdem man die Welt Saṃkarṣaṇas erlangt hat
modate bahukalpakam
freut man sich viele Kalpas lang

jyeṣṭhamāsacaturthyāṃ tu prārcya pradyumnarūpiṇam / phalaṃ mūlaṃ ca yuthebhyo dattvā svargaṃ labhennaraḥ

Am vierten Tag des Monats Jyeṣṭha, nachdem man den, der die Gestalt des Pradyumna hat, verehrt und Früchte und Wurzeln den Scharen (der Brahmanen) gegeben hat, erlangt der Mensch den Himmel.

Wort für Wort
jyeṣṭhamāsacaturthyāṃ tu
am vierten Tag des Monats Jyeṣṭha aber
prārcya pradyumnarūpiṇam
nachdem man den, der die Gestalt des Pradyumna hat, verehrt hat
phalaṃ mūlaṃ ca yuthebhyo dattvā
nachdem man Früchte und Wurzeln den Scharen gegeben hat
svargaṃ labhennaraḥ
erlangt der Mensch den Himmel

āṣāḍhasya caturthyāṃ tu saṃprapūjyāniruddhakam / yatibhyo 'lābupātrāṇi dattvābhīṣṭaṃ labhennaraḥ

Am vierten Tag des Āṣāḍha, nachdem man den unter dem Namen Aniruddha verehrt und den Asketen Flaschenkürbis-Gefäße gegeben hat, erlangt der Mensch das Gewünschte.

Wort für Wort
āṣāḍhasya caturthyāṃ tu
am vierten Tag des Āṣāḍha aber
saṃprapūjyāniruddhakam
nachdem man den (unter dem Namen) Aniruddha verehrt hat
yatibhyo 'lābupātrāṇi dattvā
nachdem man den Asketen Flaschenkürbis-Gefäße gegeben hat
abhīṣṭaṃ labhennaraḥ
erlangt der Mensch das Gewünschte

caturmūrtivratānyevaṃ kṛtvā dvādaśavatsaram / udyāpanaṃ vidhānena kartavyaṃ phalamicchatā

Nachdem man so die Gelübde der vier Gestalten zwölf Jahre lang vollzogen hat, soll von dem, der die Frucht wünscht, die Abschlussfeier nach Vorschrift vollzogen werden.

Wort für Wort
caturmūrtivratānyevaṃ
die Gelübde der vier Gestalten so
kṛtvā dvādaśavatsaram
nachdem man zwölf Jahre lang vollzogen hat
udyāpanaṃ vidhānena
die Abschlussfeier nach Vorschrift
kartavyaṃ phalamicchatā
soll von dem, der die Frucht wünscht, vollzogen werden

anyajjyeṣṭhacaturthyāṃ tu satīvratamanuttamam / kṛtvā gaṇapatermāturloke modeta tatsamam

Ein anderes: am vierten Tag des Jyeṣṭha das unübertreffliche Satī-Gelübde; nachdem man es vollzogen hat, freut man sich in der Welt der Mutter des Gaṇapati, ihr gleich.

Wort für Wort
anyajjyeṣṭhacaturthyāṃ tu
ein anderes, am vierten Tag des Jyeṣṭha aber
satīvratamanuttamam
das unübertreffliche Satī-Gelübde
kṛtvā gaṇapatermāturloke
nachdem man es vollzogen hat, in der Welt der Mutter des Gaṇapati
modeta tatsamam
freut man sich, ihr gleich

tathā'ṣāḍhacaturthyāṃ tu vratamanyacchubhāvaham / rathantarāhvakalpasya hyādibhūtaṃ dinaṃ yataḥ

Ebenso, am vierten Tag des Āṣāḍha, gibt es ein anderes heilbringendes Gelübde, denn dies ist der Tag, der der Anfang des Rathantara genannten Kalpa ist,

Wort für Wort
tathā'ṣāḍhacaturthyāṃ tu
ebenso am vierten Tag des Āṣāḍha aber
vratamanyacchubhāvaham
gibt es ein anderes heilbringendes Gelübde
rathantarāhvakalpasya
des Rathantara genannten Kalpa
hyādibhūtaṃ dinaṃ yataḥ
denn (dies) ist der Anfangstag

śraddhāpūtena manasā gaṇeśaṃ vidhinā naraḥ / pūjayitvā labheccāpi phalaṃ devādidurgamam

mit von Glauben gereinigtem Geist soll der Mensch Gaṇeśa nach Vorschrift verehren, und so auch die Frucht erlangen, die selbst den Göttern schwer erreichbar ist.

Wort für Wort
śraddhāpūtena manasā
mit von Glauben gereinigtem Geist
gaṇeśaṃ vidhinā naraḥ
Gaṇeśa nach Vorschrift der Mensch
pūjayitvā labheccāpi
nachdem er verehrt hat, erlangt er auch
phalaṃ devādidurgamam
die Frucht, die selbst den Göttern schwer erreichbar ist

śrāvaṇasya caturthyāṃ tu jāti candrodaye mune

Am vierten Tag des Śrāvaṇa aber, bei aufgehendem Mond entstehend, o Weiser...

Wort für Wort
śrāvaṇasya caturthyāṃ tu
am vierten Tag des Śrāvaṇa aber
jāti candrodaye mune
bei aufgehendem Mond entstehend, o Weiser

V11 ist im Quelltext (wie auch V40) nur mit einer einzigen Halbzeile überliefert; der zweite Halbvers fehlt in der Quelle (vgl. dieselbe Anomalie in Kapitel 110, V20).

gaṇeśāya pradadyācca hyarghyaṃ vidhividāṃvaraḥ / lambodaraṃ caturbāhuṃ trinetraṃ raktavarṇakam

soll der Beste der Vorschriftkundigen dem Gaṇeśa Ehrenwasser geben; man stelle sich ihn vor als den Dickbäuchigen, Vierarmigen, Dreiäugigen, von roter Farbe,

Wort für Wort
gaṇeśāya pradadyācca hyarghyaṃ
und dem Gaṇeśa soll man Ehrenwasser geben
vidhividāṃvaraḥ
der Beste der Vorschriftkundigen
lambodaraṃ caturbāhuṃ
den Dickbäuchigen, Vierarmigen
trinetraṃ raktavarṇakam
den Dreiäugigen, von roter Farbe

nānāratnavibhūṣāḍhyaṃ prasannāsyaṃ vicintayet / āvāhanādibhiḥ sarvairupacāraiḥ samarcayet

reich geschmückt mit vielerlei Juwelen, mit heiterem Antlitz, soll man sich ihn vorstellen; mit allen Ehrenerweisungen, angefangen mit der Herbeirufung, soll man ihn verehren.

Wort für Wort
nānāratnavibhūṣāḍhyaṃ
reich geschmückt mit vielerlei Juwelen
prasannāsyaṃ vicintayet
mit heiterem Antlitz soll man sich (ihn) vorstellen
āvāhanādibhiḥ sarvaiḥ
mit allen, angefangen mit der Herbeirufung
upacāraiḥ samarcayet
soll man ihn mit Ehrenerweisungen verehren

naivedyaṃ modakaṃ dadyādgaṇeśaprītidāyakam / evaṃ vrataṃ vidhāyātha bhuktvā modakameva ca

Als Speiseopfergabe soll man Modaka geben, die Gaṇeśas Liebe verleihen; nachdem man so das Gelübde vollzogen und Modaka gegessen hat,

Wort für Wort
naivedyaṃ modakaṃ dadyāt
als Speiseopfergabe soll man Modaka geben
gaṇeśaprītidāyakam
die Gaṇeśas Liebe verleihen
evaṃ vrataṃ vidhāyātha
nachdem man so das Gelübde vollzogen hat
bhuktvā modakameva ca
und Modaka gegessen hat

sukhaṃ svapyānniśāyāṃ tu bhūmāveva kṛtārcanaḥ / vratasyāsya prabhāveṇa kāmānmanasi cintitān

soll man in der Nacht behaglich schlafen, auf dem Boden, nachdem man die Verehrung vollzogen hat; durch die Kraft dieses Gelübdes (erlangt man) die im Geist gedachten Wünsche,

Wort für Wort
sukhaṃ svapyānniśāyāṃ tu
soll man in der Nacht behaglich schlafen
bhūmāveva kṛtārcanaḥ
auf dem Boden, nachdem man die Verehrung vollzogen hat
vratasyāsya prabhāveṇa
durch die Kraft dieses Gelübdes
kāmānmanasi cintitān
die im Geist gedachten Wünsche

labdhvā leke paraṃ cāpi gaṇeśapadamāpnuyāt / nānena sadṛśaṃ cānyadvratamasti jagattraye

nachdem man sie erlangt hat, in dieser Welt und auch danach den Zustand Gaṇeśas; kein diesem gleiches anderes Gelübde gibt es in den drei Welten.

Wort für Wort
labdhvā leke paraṃ cāpi
nachdem man sie erlangt hat, in dieser Welt und auch darüber hinaus
gaṇeśapadamāpnuyāt
erlangt man den Zustand Gaṇeśas
nānena sadṛśaṃ cānyad
kein diesem gleiches anderes
vratamasti jagattraye
Gelübde gibt es in den drei Welten

tasmātkāryaṃ prayatnena sarvānkāmānabhīpsatā / athāsminneva divase dūrvāgaṇapati vratam

Daher soll es mit Bemühen vollzogen werden von dem, der alle Wünsche begehrt. Nun, an eben diesem Tag, gibt es das Dūrvā-Gaṇapati-Gelübde,

Wort für Wort
tasmātkāryaṃ prayatnena
daher soll es mit Bemühen vollzogen werden
sarvānkāmānabhīpsatā
von dem, der alle Wünsche begehrt
athāsminneva divase
nun, an eben diesem Tag
dūrvāgaṇapati vratam
gibt es das Dūrvā-Gaṇapati-Gelübde

kecidicchanti devarṣe tadvidhānaṃ vadāmi te / haimaṃ nirmāya gaṇapaṃ tāmrapātropari sthitam

das manche wünschen, o Götterweiser; dessen Vorschrift verkünde ich dir: nachdem man einen goldenen Gaṇapa angefertigt hat, auf einem Kupfergefäß stehend,

Wort für Wort
kecidicchanti devarṣe
das manche wünschen, o Götterweiser
tadvidhānaṃ vadāmi te
dessen Vorschrift verkünde ich dir
haimaṃ nirmāya gaṇapaṃ
nachdem man einen goldenen Gaṇapa angefertigt hat
tāmrapātropari sthitam
auf einem Kupfergefäß stehend

veṣṭitaṃ raktavastreṇa sarvatobhadramaṇḍale / pūjayedraktakusumaiḥ patrikābhiśca pañcabhiḥ

umhüllt mit rotem Gewand, auf einem 'Sarvatobhadra'-Diagramm, soll man mit roten Blumen und mit fünf Blattarten verehren,

Wort für Wort
veṣṭitaṃ raktavastreṇa
umhüllt mit rotem Gewand
sarvatobhadramaṇḍale
auf einem 'Sarvatobhadra'-Diagramm
pūjayedraktakusumaiḥ
soll man mit roten Blumen verehren
patrikābhiśca pañcabhiḥ
und mit fünf Blattarten

bilvapatramapāmārgaṃ śamī dūrvā haripriyā / ābhiranyaśca kusumairabhyarcya phalamodakaiḥ

Bilva-Blatt, Apāmārga, Śamī, Dūrvā, (und) Tulasī, die Harī liebe; mit diesen und anderen Blumen, sowie mit Früchten und Modaka soll man verehren,

Wort für Wort
bilvapatramapāmārgaṃ
Bilva-Blatt, Apāmārga
śamī dūrvā haripriyā
Śamī, Dūrvā, (und) die Harī liebe (Tulasī)
ābhiranyaśca kusumaiḥ
mit diesen und anderen Blumen
abhyarcya phalamodakaiḥ
soll man verehren, sowie mit Früchten und Modaka

ācāryāya vidhijñāya satkṛtya vinivedayet / upahāraṃ prakalpyātha dadyādarghaṃ samudyate / tataḥ saṃprārathya vighneśamūrtiṃ sopaskarāṃ mune

und dem der Vorschrift kundigen Lehrer ehrenvoll darreichen; nachdem man eine Opfergabe bereitet hat, soll man Ehrenwasser geben, während (die Sonne) aufgeht; danach, nachdem man den Vighneśa samt Bildnis und Ausstattung gebeten hat, o Weiser,

Wort für Wort
ācāryāya vidhijñāya
dem der Vorschrift kundigen Lehrer
satkṛtya vinivedayet
ehrenvoll soll man darreichen
upahāraṃ prakalpyātha
nachdem man eine Opfergabe bereitet hat
dadyādarghaṃ samudyate
soll man Ehrenwasser geben, während (die Sonne) aufgeht
tataḥ saṃprārathya vighneśamūrtiṃ sopaskarāṃ mune
danach, nachdem man den Vighneśa samt Bildnis und Ausstattung gebeten hat, o Weiser

ācāryāya vidhijñāya satkṛtya vinivedayet / kṛtvaivaṃ pañca varṣāṇi samupāsya yathāvidhi

soll man es dem der Vorschrift kundigen Lehrer ehrenvoll darreichen. Nachdem man so fünf Jahre lang der Vorschrift gemäß verehrt hat,

Wort für Wort
ācāryāya vidhijñāya
dem der Vorschrift kundigen Lehrer
satkṛtya vinivedayet
ehrenvoll soll man (es) darreichen
kṛtvaivaṃ pañca varṣāṇi
nachdem man so fünf Jahre lang
samupāsya yathāvidhi
der Vorschrift gemäß verehrt hat

Die Halbzeile ācāryāya vidhijñāya satkṛtya vinivedayet wiederholt sich wortgleich aus V21; vermutlich eine Dittographie im Quelltext.

bhuktveha bhogānakhilān lokaṃ gaṇapatervrajet / atha bhādracaturthyāṃ tu bahulādhenusaṃjñakam

nachdem man hier alle Genüsse genossen hat, gelangt man zur Welt des Gaṇapati. Nun, am vierten Tag des Bhādra, gibt es das 'Bahulā-Kuh' genannte (Gelübde),

Wort für Wort
bhuktveha bhogānakhilān
nachdem man hier alle Genüsse genossen hat
lokaṃ gaṇapatervrajet
gelangt man zur Welt des Gaṇapati
atha bhādracaturthyāṃ tu
nun, am vierten Tag des Bhādra aber
bahulādhenusaṃjñakam
gibt es das 'Bahulā-Kuh' genannte (Gelübde)

pūjanī yo 'tra yatnena sraggandhayavasādibhiḥ / tataḥ pradakṣiṇīkṛtya śaktaśceddānamācaret

das mit Bemühen, mit Girlanden, Duftstoffen, Grasfutter und dergleichen verehrt werden soll; danach, nachdem man die Umschreitung vollzogen hat, soll man, wenn man dazu fähig ist, die Gabe vollziehen,

Wort für Wort
pūjanī yo 'tra yatnena
das hierbei mit Bemühen verehrt werden soll
sraggandhayavasādibhiḥ
mit Girlanden, Duftstoffen, Grasfutter und dergleichen
tataḥ pradakṣiṇīkṛtya
danach, nachdem man die Umschreitung vollzogen hat
śaktaśceddānamācaret
soll man, wenn man fähig ist, die Gabe vollziehen

aśaktaḥ puretāṃ tu namaskṛtya visarjayet / pañcābdaṃ vādaśābdaṃ vā ṣoḍaśābdamathāpi vā

der Unfähige aber soll sie unter Verneigung entlassen; fünf Jahre oder zwölf Jahre oder auch sechzehn Jahre lang

Wort für Wort
aśaktaḥ puretāṃ tu
der Unfähige aber sie
namaskṛtya visarjayet
unter Verneigung soll er entlassen
pañcābdaṃ vādaśābdaṃ vā
fünf Jahre oder zwölf Jahre
ṣoḍaśābdamathāpi vā
oder auch sechzehn Jahre

vrataṃ kṛtvā samudyāpya dhenuṃ dadyātpayasvinīm / prabhāveṇa vratasyāsya bhuktvā bhogānmanoramān

soll man, nachdem man das Gelübde vollzogen und die Abschlussfeier gehalten hat, eine milchgebende Kuh geben; durch die Kraft dieses Gelübdes, nachdem man entzückende Genüsse genossen hat,

Wort für Wort
vrataṃ kṛtvā samudyāpya
nachdem man das Gelübde vollzogen und die Abschlussfeier gehalten hat
dhenuṃ dadyātpayasvinīm
soll man eine milchgebende Kuh geben
prabhāveṇa vratasyāsya
durch die Kraft dieses Gelübdes
bhuktvā bhogānmanoramān
nachdem man entzückende Genüsse genossen hat

satkṛto devatāvṛndairgolokaṃ samavāpnuyāt / atha śukla caturthyāṃ tu siddhavaināyakavratam

geehrt von den Scharen der Götter, erlangt man Goloka. Nun, am vierten hellen Tag, gibt es das Siddhavaināyaka-Gelübde;

Wort für Wort
satkṛto devatāvṛndaiḥ
geehrt von den Scharen der Götter
golokaṃ samavāpnuyāt
erlangt man Goloka
atha śukla caturthyāṃ tu
nun, am vierten hellen Tag aber
siddhavaināyakavratam
gibt es das Siddhavaināyaka-Gelübde

āvāhanādibhiḥ sarvairupacāraiḥ samarcanam / ekāgramānaso bhūtvā dhyāyetsiddhivināyakam

mit allen Ehrenerweisungen, angefangen mit der Herbeirufung, ist die Verehrung zu vollziehen; mit gesammeltem Geist soll man den Siddhivināyaka meditieren,

Wort für Wort
āvāhanādibhiḥ sarvaiḥ
mit allen, angefangen mit der Herbeirufung
upacāraiḥ samarcanam
mit Ehrenerweisungen ist die Verehrung (zu vollziehen)
ekāgramānaso bhūtvā
mit gesammeltem Geist
dhyāyetsiddhivināyakam
soll man den Siddhivināyaka meditieren

ekadantaṃ śūrpakarṇaṃ gajavaktraṃ caturbhujam / pāśāṅkuśadharaṃ devaṃ taptakāñcanasannibham

den Einzahnigen, Worfelohrigen, Elefantengesichtigen, Vierarmigen, den Gott, der Schlinge und Elefantenhaken trägt, dem geglühten Gold gleich,

Wort für Wort
ekadantaṃ śūrpakarṇaṃ
den Einzahnigen, Worfelohrigen
gajavaktraṃ caturbhujam
den Elefantengesichtigen, Vierarmigen
pāśāṅkuśadharaṃ devaṃ
den Gott, der Schlinge und Elefantenhaken trägt
taptakāñcanasannibham
dem geglühten Gold gleich

ekaviṃśati patrāṇi caikaviṃśatināmabhiḥ / samarpayedbhaktiyuktastāni nāmāni vai śṛṇu

einundzwanzig Blätter soll man mit einundzwanzig Namen, von Hingabe erfüllt, darbringen; höre nun diese Namen:

Wort für Wort
ekaviṃśati patrāṇi
einundzwanzig Blätter
caikaviṃśatināmabhiḥ
mit einundzwanzig Namen
samarpayedbhaktiyuktaḥ
soll man, von Hingabe erfüllt, darbringen
tāni nāmāni vai śṛṇu
höre nun diese Namen

sumukhāya śamīpatraṃ gaṇādhīśāya bhṛṅgajam / umāputrāya bailvaṃ tu dūrvāṃ gajamukhāya ca

Dem Sumukha das Śamī-Blatt, dem Gaṇādhīśa das Bhṛṅgarāja-Blatt, dem Sohn Umās das Bilva-Blatt, Dūrvā aber dem Elefantengesichtigen,

Wort für Wort
sumukhāya śamīpatraṃ
dem Sumukha das Śamī-Blatt
gaṇādhīśāya bhṛṅgajam
dem Gaṇādhīśa das Bhṛṅgarāja-Blatt
umāputrāya bailvaṃ tu
dem Sohn Umās aber das Bilva-Blatt
dūrvāṃ gajamukhāya ca
und Dūrvā dem Elefantengesichtigen

laṃbodarāya badarīṃ dhattūraṃ harasūnave / śūrpakarṇāya tulasīṃ vakratuṇḍāya śiṃbijam

dem Dickbäuchigen das Badarī-Blatt, Dhattūra dem Sohn Haras, dem Worfelohrigen Tulasī, dem Krummrüssligen das Bohnenblatt,

Wort für Wort
laṃbodarāya badarīṃ
dem Dickbäuchigen das Badarī-Blatt
dhattūraṃ harasūnave
Dhattūra dem Sohn Haras
śūrpakarṇāya tulasīṃ
dem Worfelohrigen Tulasī
vakratuṇḍāya śiṃbijam
dem Krummrüssligen das Bohnenblatt

guhāgrajāyāpāmārgamekadantāya bārhatam / herambāya tu siṃdūraṃ catirhetre [?] ca patrajam

dem älteren Bruder Guhas Apāmārga, dem Einzahnigen das Brinjal-Blatt, Heramba aber Vermillon, und dem [?] Blattwerk,

Wort für Wort
guhāgrajāyāpāmārgam
dem älteren Bruder Guhas Apāmārga
ekadantāya bārhatam
dem Einzahnigen das Brinjal-Blatt
herambāya tu siṃdūraṃ
Heramba aber Vermillon
catirhetre [?] ca patrajam
und dem [?] Blattwerk

catirhetre ist unklar überliefert (Name der 21. Gottheit fehlt eindeutig); mit [?] markiert.

sarveśvarāyāgastyasya patraṃ prītivivarddhanam / dūrvāyugmaṃ tato gṛhya gandhapuṣpākṣatairyutam

dem Herrn aller das Agastya-Blatt, das die Liebe mehrt; danach, nachdem man ein Paar Dūrvā-Gras genommen hat, verbunden mit Duftstoffen, Blumen und ungeschältem Reis,

Wort für Wort
sarveśvarāyāgastyasya patraṃ
dem Herrn aller das Agastya-Blatt
prītivivarddhanam
das die Liebe mehrt
dūrvāyugmaṃ tato gṛhya
danach, nachdem man ein Paar Dūrvā-Gras genommen hat
gandhapuṣpākṣatairyutam
verbunden mit Duftstoffen, Blumen und ungeschältem Reis

pūjāṃ nivedayedbhaktiyukto modakapañcakam / ācamayya namaskṛtya saṃprārthya ca visarjjayet

soll man, von Hingabe erfüllt, die Verehrung darbringen, samt fünf Modaka; nachdem man Sippgurgelwasser gereicht, sich verneigt und gebeten hat, soll man die Gottheit entlassen.

Wort für Wort
pūjāṃ nivedayedbhaktiyuktaḥ
soll man, von Hingabe erfüllt, die Verehrung darbringen
modakapañcakam
samt fünf Modaka
ācamayya namaskṛtya
nachdem man Sippgurgelwasser gereicht und sich verneigt hat
saṃprārthya ca visarjjayet
und gebeten hat, soll man (sie) entlassen

vināyakasya pratimāṃ haimīṃ sopaskarāṃ mune / nivedayecca gurave dvijebhyo dakṣiṇāṃ dadet

Ein goldenes Abbild des Vināyaka, samt Ausstattung, o Weiser, soll man dem Lehrer darreichen und den Brahmanen die Priestergabe geben.

Wort für Wort
vināyakasya pratimāṃ haimīṃ
ein goldenes Abbild des Vināyaka
sopaskarāṃ mune
samt Ausstattung, o Weiser
nivedayecca gurave
soll man dem Lehrer darreichen
dvijebhyo dakṣiṇāṃ dadet
und den Brahmanen die Priestergabe geben

evaṃ kṛtārcano bhaktyā pañca varṣāṇi nārada / upāsya labhate kāmānaihikāmuṣmikān śubhān

So, wenn man mit Hingabe fünf Jahre lang die Verehrung vollzogen hat, o Nārada, erlangt man die diesseitigen und jenseitigen heilvollen Wünsche.

Wort für Wort
evaṃ kṛtārcano bhaktyā
so, wenn man mit Hingabe die Verehrung vollzogen hat
pañca varṣāṇi nārada
fünf Jahre lang, o Nārada
upāsya labhate kāmān
durch die Verehrung erlangt man die Wünsche
aihikāmuṣmikān śubhān
die diesseitigen und jenseitigen, heilvollen

asyāṃ caturthyāṃ śaśinaṃ na paśyecca kadācana / paśyan mithyābhiśāpa tu labhate nātra saṃśayaḥ

An diesem vierten Tag soll man niemals den Mond ansehen; wer ihn ansieht, erhält eine falsche Verleumdung – daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
asyāṃ caturthyāṃ śaśinaṃ
an diesem vierten Tag den Mond
na paśyecca kadācana
soll man niemals ansehen
paśyan mithyābhiśāpa tu
wer ihn ansieht, aber eine falsche Verleumdung
labhate nātra saṃśayaḥ
erhält – daran ist kein Zweifel

atha taddoṣanāśāya mantraṃ paurāṇikaṃ paṭhet / siṃhaḥ prasenamamadhītsiṃho jāṃbavatā hataḥ / sakumāraka mā rodīstava hyeṣa syamantakaḥ

Nun, zur Beseitigung dieses Fehlers, soll man den überlieferten Mantra rezitieren: 'Der Löwe tötete Prasena, den Löwen erschlug Jāmbavat; o Kind, weine nicht, dies ist ja dein Syamantaka-Juwel.'

Wort für Wort
atha taddoṣanāśāya
nun, zur Beseitigung dieses Fehlers
mantraṃ paurāṇikaṃ paṭhet
soll man den überlieferten Mantra rezitieren
siṃhaḥ prasenamamadhītsiṃho jāṃbavatā hataḥ
der Löwe tötete Prasena, den Löwen erschlug Jāmbavat
sakumāraka mā rodīstava hyeṣa syamantakaḥ
o Kind, weine nicht, dies ist ja dein Syamantaka-Juwel

iṣaśuklacaturthyāṃ tu kaparddīśaṃ vināyakam

Am vierten hellen Tag des Iṣa aber (soll man) den Kaparddīśa genannten Vināyaka (verehren)...

Wort für Wort
iṣaśuklacaturthyāṃ tu
am vierten hellen Tag des Iṣa aber
kaparddīśaṃ vināyakam
den Kaparddīśa genannten Vināyaka

Wie bei V11 ist auch V40 im Quelltext nur mit einer einzigen Halbzeile überliefert; der zweite Halbvers fehlt in der Quelle.

pauruṣiṇa tu sūktena pūjayedupacārakaiḥ / akāraṇānmuṣṭigatāṃstaṇḍulānsakaparddikān

mit dem Puruṣa-Sūkta und mit Ehrenerweisungen verehren; ungerupfte, in der Handvoll befindliche Reiskörner samt kleinen Muscheln,

Wort für Wort
pauruṣiṇa tu sūktena
mit dem Puruṣa-Sūkta aber
pūjayedupacārakaiḥ
soll man mit Ehrenerweisungen verehren
akāraṇānmuṣṭigatān
ungerupfte, in der Handvoll befindliche
taṇḍulānsakaparddikān
Reiskörner samt kleinen Muscheln

viprāya baṭave dadyādgandhapuṣpārcitāya ca / taṇḍulā vaiśvadaivatyā haradaivatyamiśritāḥ

soll man dem mit Duftstoffen und Blumen verehrten Brahmanenschüler geben; die Reiskörner, den Viśvedevas geweiht, vermischt mit der Śiva-Gottheit,

Wort für Wort
viprāya baṭave dadyāt
soll man dem Brahmanenschüler geben
gandhapuṣpārcitāya ca
der mit Duftstoffen und Blumen verehrt wurde
taṇḍulā vaiśvadaivatyā
die Reiskörner, den Viśvedevas geweiht
haradaivatyamiśritāḥ
vermischt mit der Śiva-Gottheit

kapardigaṇanātho 'sau prīyatāṃ taiḥ samarpitaiḥ / caturthyāṃ kārtike kṛṣṇe karakākhyaṃ vrataṃ smṛtam

'möge jener Herr der Kaparda-Scharen durch diese dargebrachten Gaben erfreut sein.' Am vierten dunklen Tag des Kārtika ist das 'Karaka' genannte Gelübde überliefert,

Wort für Wort
kapardigaṇanātho 'sau
jener Herr der Kaparda-Scharen
prīyatāṃ taiḥ samarpitaiḥ
möge durch diese dargebrachten (Gaben) erfreut sein
caturthyāṃ kārtike kṛṣṇe
am vierten dunklen Tag des Kārtika
karakākhyaṃ vrataṃ smṛtam
ist das 'Karaka' genannte Gelübde überliefert

strīṇāmevādhikāro 'tra tadvidhānamudīryate / pūjayecca gaṇādhīśaṃ snātā strīsamalaṅkṛtā

hierbei liegt die Berechtigung allein bei den Frauen; seine Vorschrift wird nun dargelegt: gebadet und geschmückt soll die Frau den Herrn der Scharen verehren,

Wort für Wort
strīṇāmevādhikāro 'tra
hierbei liegt die Berechtigung allein bei den Frauen
tadvidhānamudīryate
seine Vorschrift wird dargelegt
pūjayecca gaṇādhīśaṃ
und den Herrn der Scharen soll (sie) verehren
snātā strīsamalaṅkṛtā
gebadet, die geschmückte Frau

tadagre pūrṇapakvānnaṃ vinyasetkarakāndaśa / samarpya devadevāya bhaktyā prayatamānasā

vor ihm soll sie zehn volle, mit gekochter Speise gefüllte Krüge aufstellen, und mit gesammeltem Geist und Hingabe dem Gott der Götter darbringen,

Wort für Wort
tadagre pūrṇapakvānnaṃ
vor ihm volle, mit gekochter Speise (gefüllte)
vinyasetkarakāndaśa
soll sie zehn Krüge aufstellen
samarpya devadevāya
nachdem sie dem Gott der Götter dargebracht hat
bhaktyā prayatamānasā
mit Hingabe, mit gesammeltem Geist

devo me prīyatāmevamuccāryyātha samarpayet / suvāsinībhyo viprebhyo yathākāmaṃ ca sādaram

unter den Worten 'möge der Gott mir gnädig sein' soll sie dies aussprechend darbringen; verheirateten Frauen und Brahmanen soll sie sodann, nach Belieben und mit Ehrerbietung,

Wort für Wort
devo me prīyatāmevam
'möge der Gott mir gnädig sein' – so
uccāryyātha samarpayet
soll sie aussprechend darbringen
suvāsinībhyo viprebhyo
verheirateten Frauen und Brahmanen
yathākāmaṃ ca sādaram
nach Belieben und mit Ehrerbietung

tataścandrodaye rātrau dattvārghaṃ vidhipūrvakam / bhuñjīta miṣṭamannaṃ ca vratasya paripūrtaye

geben; danach, bei Mondaufgang, in der Nacht, nachdem sie nach Vorschrift Ehrenwasser gegeben hat, soll sie süße Speise essen, zur Vollendung des Gelübdes.

Wort für Wort
tataścandrodaye rātrau
danach, bei Mondaufgang, in der Nacht
dattvārghaṃ vidhipūrvakam
nachdem sie nach Vorschrift Ehrenwasser gegeben hat
bhuñjīta miṣṭamannaṃ ca
soll sie süße Speise essen
vratasya paripūrtaye
zur Vollendung des Gelübdes

yadvā kṣīreṇa karakaṃ pūrṇaṃ toyena vā mune / sapūgākṣataratnāḍhyaṃ dvijāya pratipādayet

Oder, o Weiser, einen mit Milch oder mit Wasser gefüllten Krug, reich an Betelnuss, ungeschältem Reis und Juwelen, soll sie dem Brahmanen übergeben.

Wort für Wort
yadvā kṣīreṇa karakaṃ
oder, mit Milch, einen Krug
pūrṇaṃ toyena vā mune
gefüllt, oder mit Wasser, o Weiser
sapūgākṣataratnāḍhyaṃ
reich an Betelnuss, ungeschältem Reis und Juwelen
dvijāya pratipādayet
soll sie dem Brahmanen übergeben

etatkṛtvā vrataṃ nārī ṣoḍaśadvādaśābdakam / upāyanaṃ vidhāyātha vratametadvisarjjayet

Nachdem eine Frau dieses Gelübde sechzehn oder zwölf Jahre lang vollzogen hat, soll sie nun, nachdem sie ein Gastgeschenk übergeben hat, dieses Gelübde abschließen.

Wort für Wort
etatkṛtvā vrataṃ nārī
nachdem die Frau dieses Gelübde vollzogen hat
ṣoḍaśadvādaśābdakam
sechzehn oder zwölf Jahre lang
upāyanaṃ vidhāyātha
nachdem sie sodann ein Gastgeschenk übergeben hat
vratametadvisarjjayet
soll sie dieses Gelübde abschließen

yāvajjīvaṃ tu vā nāryā kāryyaṃ saubhāgyavāñchayā / vratenānena sadṛśaṃ strīṇāṃ saubhāgyadāyakam

Oder es soll lebenslang von der Frau vollzogen werden, aus Verlangen nach Eheglück; diesem Gelübde gleich, den Frauen Eheglück verleihend,

Wort für Wort
yāvajjīvaṃ tu vā nāryā
oder lebenslang von der Frau
kāryyaṃ saubhāgyavāñchayā
soll es vollzogen werden, aus Verlangen nach Eheglück
vratenānena sadṛśaṃ
diesem Gelübde gleich
strīṇāṃ saubhāgyadāyakam
den Frauen Eheglück verleihend

vidyate bhuvaneṣvanyattasmānnityamiti sthitiḥ / ūrjjaśuklacaturthyāṃ tu nāgavratamudāhṛtam

gibt es kein anderes in den Welten; deshalb ist es für immer (zu vollziehen), so lautet die Festsetzung. Am vierten hellen Tag des Ūrja wird das Schlangen-Gelübde gelehrt;

Wort für Wort
vidyate bhuvaneṣvanyat
gibt es (kein) anderes in den Welten
tasmānnityamiti sthitiḥ
deshalb ist es für immer (zu vollziehen), so lautet die Festsetzung
ūrjjaśuklacaturthyāṃ tu
am vierten hellen Tag des Ūrja aber
nāgavratamudāhṛtam
wird das Schlangen-Gelübde gelehrt

prātarvrataṃ tu saṃkalpya dhenuśṛñjagalaṃ [?] śuci / pītvā snātvātha madhyāhne śaṅkhapālādipannagān

am Morgen, nachdem man das Gelübde gelobt hat, soll man das reine (Getränk aus dem Kuhhorn) [?] trinken, und danach am Mittag, nach dem Baden, Śaṅkhapāla und die übrigen Schlangen

Wort für Wort
prātarvrataṃ tu saṃkalpya
am Morgen, nachdem man das Gelübde gelobt hat
dhenuśṛñjagalaṃ [?] śuci
das reine (Getränk aus dem Kuhhorn) [?]
pītvā snātvātha madhyāhne
nachdem man getrunken und gebadet hat, am Mittag
śaṅkhapālādipannagān
Śaṅkhapāla und die übrigen Schlangen

dhenuśṛñjagalam ist unklar überliefert, wohl verderbt aus dhenuśṛṅgajalam („Wasser/Getränk aus dem Kuhhorn“) o.ä.; mit [?] markiert.

śeṣaṃ cāhvāmapūrvaistu pūjayedupacārakaiḥ / kṣīreṇāpyāyanaṃ kuryādetannāgavrataṃ smṛtam

und Śeṣa, herbeigerufen, mit vorzüglichen Ehrenerweisungen verehren; mit Milch soll man die Sättigung vollziehen – dies ist als Nāga-Gelübde überliefert.

Wort für Wort
śeṣaṃ cāhvāmapūrvaistu
und Śeṣa, herbeigerufen, mit vorzüglichen
pūjayedupacārakaiḥ
soll man mit Ehrenerweisungen verehren
kṣīreṇāpyāyanaṃ kuryāt
mit Milch soll man die Sättigung vollziehen
etannāgavrataṃ smṛtam
dies ist als Nāga-Gelübde überliefert

evaṅkṛte tu viprendra nṛbhirnāgavrate śubhe / viṣāṇi naśyantyacirānna daśanti ca pannagāḥ

Wenn dieses heilvolle Nāga-Gelübde von den Menschen so vollzogen wurde, o Fürst der Brahmanen, vergehen Gifte rasch, und Schlangen beißen nicht.

Wort für Wort
evaṅkṛte tu viprendra
wenn dies so vollzogen wurde, o Fürst der Brahmanen
nṛbhirnāgavrate śubhe
von den Menschen, bei dem heilvollen Nāga-Gelübde
viṣāṇi naśyantyacirān
vergehen Gifte rasch
na daśanti ca pannagāḥ
und Schlangen beißen nicht

mārgaśuklacaturthyāṃ tu varṣaṃ yāvanmunīśvarā [?] / kṣapayedekabhaktena naktenātha dvitīyakam

Am vierten hellen Tag des Mārga(śīrṣa), o Herr der Weisen [?], soll man ein Jahr lang verbringen: im ersten Viertel mit einer Mahlzeit, im zweiten mit einer Nachtmahlzeit,

Wort für Wort
mārgaśuklacaturthyāṃ tu
am vierten hellen Tag des Mārga aber
varṣaṃ yāvanmunīśvara [?]
ein Jahr lang, o Herr der Weisen [?]
kṣapayedekabhaktena
soll man verbringen mit einer Mahlzeit
naktenātha dvitīyakam
und danach im zweiten (Viertel) mit einer Nachtmahlzeit

munīśvarā weist eine ungewöhnliche Endung auf (statt vokativ munīśvara); mit [?] markiert.

ayācitopavāsābhyāṃ tṛtīyakacaturthake / evaṃ krameṇa vidhivaccatvāryabdāni mānavaḥ

im dritten mit unerbettelter Nahrung, im vierten mit Fasten; so soll der Mensch der Reihe nach, nach Vorschrift, vier Jahre verbringen.

Wort für Wort
ayācitopavāsābhyāṃ
mit unerbettelter (Nahrung) und mit Fasten
tṛtīyakacaturthake
im dritten und im vierten (Viertel)
evaṃ krameṇa vidhivat
so der Reihe nach, nach Vorschrift
catvāryabdāni mānavaḥ
vier Jahre soll der Mensch (verbringen)

samāpya ca tato 'syānte vratasnāto mahāvratī / kārayeddhemaghaṭitaṃ bhūgaṇermūṣakaṃ ratham

Und nachdem er es beendet hat, soll der große Gelübdehaltende am Ende dessen, nach dem Gelübdebad, einen aus Gold gefertigten Wagen mit der Maus des Bhūgaṇa (Gaṇeśa) anfertigen lassen,

Wort für Wort
samāpya ca tato 'syānte
und nachdem er es beendet hat, am Ende dessen
vratasnāto mahāvratī
nach dem Gelübdebad, der große Gelübdehaltende
kārayeddhemaghaṭitaṃ
soll er einen aus Gold gefertigten anfertigen lassen
bhūgaṇermūṣakaṃ ratham
Wagen mit der Maus des Bhūgaṇa

aśakto varṇakaireva śubhraṃ cābjaṃ supatrakam / tasyopari ghaṭaṃ sthāpya tāmrapātreṇa saṃyutam

der Unfähige (fertige ihn) nur mit Farben; einen weißen Lotus mit schönen Blättern; darauf soll er einen Wassertopf stellen, verbunden mit einem Kupfergefäß,

Wort für Wort
aśakto varṇakaireva
der Unfähige nur mit Farben
śubhraṃ cābjaṃ supatrakam
einen weißen Lotus mit schönen Blättern
tasyopari ghaṭaṃ sthāpya
darauf, nachdem er einen Wassertopf gestellt hat
tāmrapātreṇa saṃyutam
verbunden mit einem Kupfergefäß

pūrayettaṇḍalaiḥ śubhraistasyopari gaṇeśvaram / nyasedvastrayugācchannaṃ gandhādyaiḥ pūjayecca tam

diesen soll er mit weißen Reiskörnern füllen; darauf soll er den Gaṇeśvara aufstellen, bedeckt mit einem Gewandpaar, und ihn mit Duftstoffen und dergleichen verehren.

Wort für Wort
pūrayettaṇḍalaiḥ śubhraiḥ
soll er mit weißen Reiskörnern füllen
tasyopari gaṇeśvaram
darauf den Gaṇeśvara
nyasedvastrayugācchannaṃ
soll er aufstellen, bedeckt mit einem Gewandpaar
gandhādyaiḥ pūjayecca tam
und ihn mit Duftstoffen und dergleichen verehren

naivedyaṃ modakaṃ kalpyaṃ gaṇeśaḥ prīyatāmiti / jāgarairśītavādyādyaiḥ purāṇākhyānakaiścaret

Modaka soll man als Speiseopfergabe bereiten, mit den Worten 'möge Gaṇeśa erfreut sein'; die Nachtwache soll man mit angenehmer Musik und dergleichen und mit Purāṇa-Erzählungen vollziehen.

Wort für Wort
naivedyaṃ modakaṃ kalpyaṃ
Modaka soll man als Speiseopfergabe bereiten
gaṇeśaḥ prīyatāmiti
mit den Worten 'möge Gaṇeśa erfreut sein'
jāgarairśītavādyādyaiḥ
die Nachtwache mit angenehmer Musik und dergleichen
purāṇākhyānakaiścaret
und mit Purāṇa-Erzählungen soll man vollziehen

prabhāte vimale snātvā homaṃ kṛtvā vidhānataḥ / tilavrīhiyavaśvetasurṣapājyaiḥ sakhaṇḍakaiḥ

Am reinen Morgen, nachdem man gebadet hat, soll man das Feueropfer nach Vorschrift vollziehen, mit Sesam, Reis, Gerste, weißem Senf und Ghee, samt Zuckerstücken,

Wort für Wort
prabhāte vimale snātvā
am reinen Morgen, nachdem man gebadet hat
homaṃ kṛtvā vidhānataḥ
soll man das Feueropfer nach Vorschrift vollziehen
tilavrīhiyavaśvetasurṣapājyaiḥ
mit Sesam, Reis, Gerste, weißem Senf und Ghee
sakhaṇḍakaiḥ
samt Zuckerstücken

gaṇo gaṇādhipaścaiva kūṣmāṇḍastripurāntakaḥ / laṃbodaraikadantau ca rukmadaṃṣṭraśca vighnapaḥ

Gaṇa, Gaṇādhipa, Kūṣmāṇḍa, Tripurāntaka, Lambodara und Ekadanta, Rukmadaṃṣṭra und Vighnapa,

Wort für Wort
gaṇo gaṇādhipaścaiva
Gaṇa und Gaṇādhipa
kūṣmāṇḍastripurāntakaḥ
Kūṣmāṇḍa, Tripurāntaka
laṃbodaraikadantau ca
Lambodara und Ekadanta
rukmadaṃṣṭraśca vighnapaḥ
Rukmadaṃṣṭra und Vighnapa

brahmā yamo 'tha varuṇaḥ somasūryahutāśanāḥ / gandhamādī parameṣṭhītyevaṃ ṣoḍaśanāmabhiḥ

Brahmā, Yama, Varuṇa, Soma, Sūrya, Hutāśana, Gandhamādin, Parameṣṭhin – mit diesen sechzehn Namen

Wort für Wort
brahmā yamo 'tha varuṇaḥ
Brahmā, Yama, und Varuṇa
somasūryahutāśanāḥ
Soma, Sūrya, Hutāśana (Feuer)
gandhamādī parameṣṭhī
Gandhamādin, Parameṣṭhin
ityevaṃ ṣoḍaśanāmabhiḥ
mit diesen sechzehn Namen

praṇavādyairṅeṃnamoṃ'taiḥ pratyekaṃ dahane hunet / vakratuṇḍeti ṅeṃtena barmāntenāṣṭayukchatam

soll man, beginnend mit Oṃ, mit 'ge namaḥ' endend, jeweils ins Feuer opfern; mit dem Namen 'Vakratuṇḍa', mit 'ge' (beginnend) und mit 'varma' endend, hundertacht Mal,

Wort für Wort
praṇavādyairṅeṃnamoṃ'taiḥ
beginnend mit Oṃ, mit 'ge namaḥ' endend
pratyekaṃ dahane hunet
soll man jeweils ins Feuer opfern
vakratuṇḍeti ṅeṃtena
mit dem Namen 'Vakratuṇḍa', mit 'ge'
barmāntenāṣṭayukchatam
mit 'varma' endend, hundertacht Mal

tato vyāhṛtibhiḥ śaktyā hutvā pūrṇāhutiṃ caret / dikpālānpūjayitvā ca brāhmaṇānbhojayettataḥ

danach, nachdem man mit den Vyāhṛtis geopfert hat, soll man nach Kraft die Vollopfergabe vollziehen; nachdem man die Weltenhüter verehrt hat, soll man danach Brahmanen speisen,

Wort für Wort
tato vyāhṛtibhiḥ śaktyā
danach mit den Vyāhṛtis, nach Kraft
hutvā pūrṇāhutiṃ caret
nachdem man geopfert hat, soll man die Vollopfergabe vollziehen
dikpālānpūjayitvā ca
und nachdem man die Weltenhüter verehrt hat
brāhmaṇānbhojayettataḥ
soll man danach Brahmanen speisen

catutviṃśatisaṃkhyākān modakaiḥ pāyasaistathā / savatsāṃ gāṃ tato dadyādācāryāya sadakṣiṇām

vierundzwanzig an der Zahl, mit Modaka und ebenso mit Milchreis; danach soll man dem Lehrer eine Kuh mit Kalb, samt Priestergabe, geben.

Wort für Wort
catutviṃśatisaṃkhyākān
vierundzwanzig an der Zahl
modakaiḥ pāyasaistathā
mit Modaka und ebenso mit Milchreis
savatsāṃ gāṃ tato dadyāt
danach soll man eine Kuh mit Kalb geben
ācāryāya sadakṣiṇām
dem Lehrer, samt Priestergabe

anyobhyo 'pi yathāśakti bhūyasīṃ ca tato dadet / praṇamya dakṣiṇīkṛtya pravisṛjya dvijottamām [?]

auch den anderen nach Kraft, und danach soll man eine reichliche Gabe geben; nachdem man sich verneigt, mit der Priestergabe geehrt und die vorzügliche (Kuh) [?] entlassen hat,

Wort für Wort
anyobhyo 'pi yathāśakti
auch den anderen, nach Kraft
bhūyasīṃ ca tato dadet
und danach soll man eine reichliche (Gabe) geben
praṇamya dakṣiṇīkṛtya
nachdem man sich verneigt und mit der Priestergabe geehrt hat
pravisṛjya dvijottamām [?]
nachdem man die vorzügliche (Kuh) [?] entlassen hat

dvijottamām (feminin) ist auffällig, da 'dvijottama' (bester Brahmane) gewöhnlich maskulin steht; möglicherweise Bezug auf die zuvor genannte Kuh (gām) oder Verschreibung für dhenūttamām („die vorzüglichste Kuh“); mit [?] markiert.

bandhubhiḥ saha bhuñjīta svayaṃ ca prītamānasaḥ / etadvrataṃ naraḥ kṛtvā bhuktvā bhogānihottamān

soll man zusammen mit den Verwandten essen, selbst frohen Sinnes. Nachdem der Mensch dieses Gelübde vollzogen und hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat,

Wort für Wort
bandhubhiḥ saha bhuñjīta
zusammen mit den Verwandten soll man essen
svayaṃ ca prītamānasaḥ
selbst auch, frohen Sinnes
etadvrataṃ naraḥ kṛtvā
nachdem der Mensch dieses Gelübde vollzogen hat
bhuktvā bhogānihottamān
nachdem er hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat

sāyujyaṃ labhate viṣṇorgaṇeśasya prasādataḥ / kecidvaravrataṃ nāma prāhuretasya nārada

erlangt man die Sāyujya (Vereinigung) mit Viṣṇu, durch die Gnade Gaṇeśas. Manche nennen dies das 'Vara'-Gelübde, o Nārada,

Wort für Wort
sāyujyaṃ labhate viṣṇoḥ
erlangt man die Vereinigung mit Viṣṇu
gaṇeśasya prasādataḥ
durch die Gnade Gaṇeśas
kecidvaravrataṃ nāma
manche (nennen es) das 'Vara'-Gelübde
prāhuretasya nārada
so nennen sie dies, o Nārada

vidhānametadevāpi phalaṃ cāpīha tatsamam / pauṣamāsacaturthyāṃ tu vighneśaṃ prārthya bhaktitaḥ

dessen Vorschrift eben diese ist, und dessen Frucht auch hier dieselbe. Am vierten Tag des Monats Pauṣa soll man Vighneśa mit Hingabe bitten,

Wort für Wort
vidhānametadevāpi
dessen Vorschrift eben diese
phalaṃ cāpīha tatsamam
und dessen Frucht auch hier dieselbe
pauṣamāsacaturthyāṃ tu
am vierten Tag des Monats Pauṣa aber
vighneśaṃ prārthya bhaktitaḥ
soll man Vighneśa mit Hingabe bitten

vipraikaṃ bhojayeccaivaṃ modakairdakṣiṇāṃ dadet / evaṃ kṛte mune bhūyādvratī saṃpattibhājanam

und ebenso einen Brahmanen mit Modaka speisen und eine Priestergabe geben. Wenn dies so vollzogen wurde, o Weiser, wird der Gelübdehaltende zum Gefäß des Wohlstands.

Wort für Wort
vipraikaṃ bhojayeccaivaṃ
und ebenso einen Brahmanen soll man speisen
modakairdakṣiṇāṃ dadet
mit Modaka, (und) eine Priestergabe geben
evaṃ kṛte mune
wenn dies so vollzogen wurde, o Weiser
bhūyādvratī saṃpattibhājanam
wird der Gelübdehaltende zum Gefäß des Wohlstands

māghakṛṣṇacaturthyāṃ tu saṃkaṣṭavratamucyate / tatropavāsaṃ saṃkalpya vratī niyamapūrvakam

Am vierten dunklen Tag des Māgha wird das 'Saṃkaṣṭa'-Gelübde genannt; dabei soll der Gelübdehaltende, nachdem er das Fasten gelobt hat, nach den Regeln,

Wort für Wort
māghakṛṣṇacaturthyāṃ tu
am vierten dunklen Tag des Māgha aber
saṃkaṣṭavratamucyate
wird das 'Saṃkaṣṭa'-Gelübde genannt
tatropavāsaṃ saṃkalpya
dabei, nachdem man das Fasten gelobt hat
vratī niyamapūrvakam
soll der Gelübdehaltende, nach den Regeln

candrodayamabhivyāpya tiṣṭhetprayatamānasaḥ / tataścandrodaye prāpte mṛnmayaṃ gaṇanāyakam

bis zum Mondaufgang, mit gesammeltem Geist, verharren; danach, wenn der Mondaufgang eingetreten ist, den tönernen Führer der Scharen,

Wort für Wort
candrodayamabhivyāpya
bis zum Mondaufgang
tiṣṭhetprayatamānasaḥ
soll er, mit gesammeltem Geist, verharren
tataścandrodaye prāpte
danach, wenn der Mondaufgang eingetreten ist
mṛnmayaṃ gaṇanāyakam
den tönernen Führer der Scharen

vidhāya vinyasetpīṭhe sāyudhaṃ ca savāhanam / upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ samabhyarcya vidhānataḥ

nachdem man ihn geformt hat, auf einen Sockel stellen, mit Waffe und Reittier; mit den sechzehn Ehrenerweisungen nach Vorschrift verehren,

Wort für Wort
vidhāya vinyasetpīṭhe
nachdem man ihn geformt hat, soll er auf einen Sockel stellen
sāyudhaṃ ca savāhanam
mit Waffe und Reittier
upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ
mit den sechzehn Ehrenerweisungen
samabhyarcya vidhānataḥ
nach Vorschrift soll er verehren

modakaṃ cāpi naivedyaṃ saguḍaṃ tilakuṭṭakam / tator'ghyaṃ tāmraje pātre raktacandanamiśritam

und Modaka als Speiseopfergabe, sowie mit Zucker versehenes zerstoßenes Sesamgebäck; danach Ehrenwasser in einem Kupfergefäß, vermischt mit rotem Sandel,

Wort für Wort
modakaṃ cāpi naivedyaṃ
und Modaka als Speiseopfergabe
saguḍaṃ tilakuṭṭakam
mit Zucker versehenes zerstoßenes Sesamgebäck
tator'ghyaṃ tāmraje pātre
danach Ehrenwasser in einem Kupfergefäß
raktacandanamiśritam
vermischt mit rotem Sandel

sakuśaṃ ca sadūrvaṃ ca puṣpākṣatasamanvitam / saśamīpatradadhi ca kṛtvā candrāya dāpayet

mit Kuśagras, mit Dūrvā-Gras, verbunden mit Blumen und ungeschältem Reis, mit Śamī-Blatt und Quark – nachdem man dies zubereitet hat, soll man es dem Mond darreichen,

Wort für Wort
sakuśaṃ ca sadūrvaṃ ca
mit Kuśagras und mit Dūrvā-Gras
puṣpākṣatasamanvitam
verbunden mit Blumen und ungeschältem Reis
saśamīpatradadhi ca
mit Śamī-Blatt und Quark
kṛtvā candrāya dāpayet
nachdem man es zubereitet hat, soll man es dem Mond darreichen

gaganārṇavamāṇikya candra dākṣāyaṇīpate / gṛhāṇārghyaṃ mayā dattaṃ gaṇeśapratirūpaka

'O Juwel des Himmelsmeeres, Mond, Gemahl der Tochter Dakṣas, nimm das von mir gegebene Ehrenwasser an, o Ebenbild Gaṇeśas.'

Wort für Wort
gaganārṇavamāṇikya
o Juwel des Himmelsmeeres
candra dākṣāyaṇīpate
o Mond, Gemahl der Tochter Dakṣas
gṛhāṇārghyaṃ mayā dattaṃ
nimm das von mir gegebene Ehrenwasser an
gaṇeśapratirūpaka
o Ebenbild Gaṇeśas

evaṃ dattvā gaṇeśāya divyārghyaṃ pāpanāśanam / śaktyā saṃbhojya viprāgryānsvayaṃ bhuñjīta cājñayā

Nachdem man so dem Gaṇeśa das himmlische, sündenvertilgende Ehrenwasser gegeben hat, soll man nach Kraft die vorzüglichsten Brahmanen speisen und selbst auf deren Geheiß essen.

Wort für Wort
evaṃ dattvā gaṇeśāya
nachdem man so dem Gaṇeśa gegeben hat
divyārghyaṃ pāpanāśanam
das himmlische, sündenvertilgende Ehrenwasser
śaktyā saṃbhojya viprāgryān
nach Kraft, nachdem man die vorzüglichsten Brahmanen gespeist hat
svayaṃ bhuñjīta cājñayā
soll man selbst auf (deren) Geheiß essen

evaṃ kṛtvā vrataṃ vipra saṃkaṣṭākhyaṃ śūbhāvaham / samṛddho dhanadhānyaiḥ syānna ca saṃkaṣṭamāpnuyāt

Wenn man so, o Brahmane, das 'Saṃkaṣṭa' genannte, heilbringende Gelübde vollzogen hat, wird man reich an Besitz und Getreide und gerät nicht in Bedrängnis.

Wort für Wort
evaṃ kṛtvā vrataṃ vipra
so, wenn man, o Brahmane, das Gelübde vollzogen hat
saṃkaṣṭākhyaṃ śūbhāvaham
das 'Saṃkaṣṭa' genannte, heilbringende
samṛddho dhanadhānyaiḥ syāt
wird man reich an Besitz und Getreide
na ca saṃkaṣṭamāpnuyāt
und gerät nicht in Bedrängnis

māghaśuklacaturthyāṃ tu gaurīvratamanuttamam / tasyāṃ tu gaurī saṃpūjyā saṃyuktā yoginīgaṇaiḥ

Am vierten hellen Tag des Māgha gibt es das unübertreffliche Gaurī-Gelübde; an diesem soll Gaurī verehrt werden, verbunden mit den Scharen der Yoginīs,

Wort für Wort
māghaśuklacaturthyāṃ tu
am vierten hellen Tag des Māgha aber
gaurīvratamanuttamam
gibt es das unübertreffliche Gaurī-Gelübde
tasyāṃ tu gaurī saṃpūjyā
an diesem aber soll Gaurī verehrt werden
saṃyuktā yoginīgaṇaiḥ
verbunden mit den Scharen der Yoginīs

naraiḥ strībhirviśeṣeṇa kundapuṣpaiḥ sakuṅkumaiḥ / raktasūtre raktapuṣpaistathaivālaktakena ca

besonders von Männern und Frauen, mit Kunda-Blumen samt Safran, mit rotem Faden, mit roten Blumen, sowie auch mit rotem Lack,

Wort für Wort
naraiḥ strībhirviśeṣeṇa
besonders von Männern und Frauen
kundapuṣpaiḥ sakuṅkumaiḥ
mit Kunda-Blumen samt Safran
raktasūtre raktapuṣpaistathaiva
mit rotem Faden, ebenso mit roten Blumen
ālaktakena ca
und auch mit rotem Lack

dhūpairdīpaṃśca balibhiḥ saguḍainārdrakeṇa ca / payasā pāyasenāpi lavaṇena ca pālakaiḥ [?]

mit Räucherwerk, Lichtern und Opfergaben, mit gezuckertem Ingwer, mit Milch, mit Milchreis, mit Salz und mit Spinat [?],

Wort für Wort
dhūpairdīpaṃśca balibhiḥ
mit Räucherwerk, Lichtern und Opfergaben
saguḍainārdrakeṇa ca
mit gezuckertem Ingwer
payasā pāyasenāpi
mit Milch, auch mit Milchreis
lavaṇena ca pālakaiḥ [?]
mit Salz und mit Spinat [?]

pālakaiḥ ist wohl wörtlich „Spinat“, was im Kontext der Opfergaben eher ungewöhnlich ist; mit [?] markiert.

pūjyāścāvidhavā nāryastathā viprāḥ suśobhanāḥ / saubhāgyavṛddhaye deyo bhoktavyaṃ bandhubhiḥ saha

und nicht-verwitwete Frauen sollen verehrt werden, ebenso ansehnliche Brahmanen; zur Mehrung des Eheglücks soll gegeben werden, gegessen werden soll zusammen mit den Verwandten.

Wort für Wort
pūjyāścāvidhavā nāryaḥ
und nicht-verwitwete Frauen sollen verehrt werden
tathā viprāḥ suśobhanāḥ
ebenso ansehnliche Brahmanen
saubhāgyavṛddhaye deyo
zur Mehrung des Eheglücks soll gegeben werden
bhoktavyaṃ bandhubhiḥ saha
gegessen werden soll zusammen mit den Verwandten

idaṃ gaurīvrataṃ vipra saubhāgyārogyavarddhanam / prativarṣaṃ prakarttavyaṃ nārībhiśca naraistathā

Dies ist das Gaurī-Gelübde, o Brahmane, das Eheglück und Gesundheit mehrt; es soll Jahr für Jahr von Frauen und ebenso von Männern vollzogen werden.

Wort für Wort
idaṃ gaurīvrataṃ vipra
dies ist das Gaurī-Gelübde, o Brahmane
saubhāgyārogyavarddhanam
das Eheglück und Gesundheit mehrt
prativarṣaṃ prakarttavyaṃ
es soll Jahr für Jahr vollzogen werden
nārībhiśca naraistathā
von Frauen und ebenso von Männern

ḍhuṇḍhivrataṃ paraiḥ proktaṃ kaiścitkuṇḍavrataṃ smṛtam / lalitāvratamityanyaiḥ śāntivratamathāparaiḥ

Von anderen wird es 'Ḍhuṇḍhi-Gelübde' genannt, von manchen als 'Kuṇḍa-Gelübde' überliefert, von anderen 'Lalitā-Gelübde', und wieder von anderen 'Śānti-Gelübde',

Wort für Wort
ḍhuṇḍhivrataṃ paraiḥ proktaṃ
von anderen wird es 'Ḍhuṇḍhi-Gelübde' genannt
kaiścitkuṇḍavrataṃ smṛtam
von manchen als 'Kuṇḍa-Gelübde' überliefert
lalitāvratamityanyaiḥ
von anderen 'Lalitā-Gelübde'
śāntivratamathāparaiḥ
und wieder von anderen 'Śānti-Gelübde'

snānaṃ dānaṃ japo homaḥ sarvamasyāṃ kṛtaṃ mune / bhavetsahasraguṇitaṃ [?] prasādāddantinaḥ sadā

Baden, Gabe, Murmelgebet, Feueropfer – alles, was an diesem Tag vollzogen wird, o Weiser, wird durch die Gnade des Elefanten(gesichtigen) stets tausendfach [?].

Wort für Wort
snānaṃ dānaṃ japo homaḥ
Baden, Gabe, Murmelgebet, Feueropfer
sarvamasyāṃ kṛtaṃ mune
alles, was an diesem (Tag) vollzogen wird, o Weiser
bhavetsahasraguṇitaṃ [?]
wird tausendfach [?]
prasādāddantinaḥ sadā
durch die Gnade des Elefanten(gesichtigen), stets

Die Quelle liest bhavetsaha sraguṇitaṃ, wohl verlesen/getrennt für bhavetsahasraguṇitaṃ („wird tausendfach“); mit [?] markiert.

caturthyāṃ phaālgune māsi ḍhuṇḍhirājavrataṃ śubham / tilaṣiṣṭairdvijān bhojya svayaṃ cāśnīta mānavaḥ

Am vierten Tag im Monat Phālguna gibt es das heilvolle Ḍhuṇḍhirāja-Gelübde; mit Sesam-Ölkuchen soll der Mensch Brahmanen speisen und selbst essen,

Wort für Wort
caturthyāṃ phaālgune māsi
am vierten Tag im Monat Phālguna
ḍhuṇḍhirājavrataṃ śubham
gibt es das heilvolle Ḍhuṇḍhirāja-Gelübde
tilaṣiṣṭairdvijān bhojya
mit Sesam-Ölkuchen soll er Brahmanen speisen
svayaṃ cāśnīta mānavaḥ
und selbst essen, der Mensch

gaṇeśārādhanaparo dānahomaprapūjanaiḥ / tilaireva kṛtaiḥ siddhiṃ prāpnuyāttatprasādataḥ

der Verehrung Gaṇeśas hingegeben, mit Gabe, Feueropfer und Verehrung; mit eben aus Sesam bereiteten Opfergaben erlangt man durch dessen Gnade Vollkommenheit.

Wort für Wort
gaṇeśārādhanaparo
der Verehrung Gaṇeśas hingegeben
dānahomaprapūjanaiḥ
mit Gabe, Feueropfer und Verehrung
tilaireva kṛtaiḥ siddhiṃ
mit eben aus Sesam bereiteten (Opfergaben) Vollkommenheit
prāpnuyāttatprasādataḥ
erlangt man durch dessen Gnade

sauvarṇaṃ gajavaktraṃ ca kṛtvā saṃpūjya yatnataḥ / dvijāgryāya pradātavyaṃ sarvasaṃpatsamṛddhaye

Nachdem man ein goldenes Elefantengesicht angefertigt und mit Bemühen verehrt hat, soll es dem vorzüglichsten Brahmanen gegeben werden, zur Fülle allen Wohlstands.

Wort für Wort
sauvarṇaṃ gajavaktraṃ ca
ein goldenes Elefantengesicht
kṛtvā saṃpūjya yatnataḥ
nachdem man es angefertigt und mit Bemühen verehrt hat
dvijāgryāya pradātavyaṃ
soll es dem vorzüglichsten Brahmanen gegeben werden
sarvasaṃpatsamṛddhaye
zur Fülle allen Wohlstands

yasminkasminbhavenmāsi caturthī ravivārayuk / sāṃgārakā vā viprendra sā viśeṣaphalapradā

In welchem Monat auch immer der vierte Tag mit einem Sonntag zusammenfällt, oder mit einem Dienstag, o Fürst der Brahmanen, dieser gewährt besondere Frucht.

Wort für Wort
yasminkasminbhavenmāsi
in welchem Monat auch immer
caturthī ravivārayuk
der vierte Tag mit einem Sonntag zusammenfällt
sāṃgārakā vā viprendra
oder mit einem Dienstag, o Fürst der Brahmanen
sā viśeṣaphalapradā
dieser gewährt besondere Frucht

sarvāsu ca caturthīṣu śuklāsvapyasitāsu ca / vighneśa eva deveśaḥ saṃpūjyo bhaktitatparaiḥ

Und bei allen vierten Tagen, sowohl den hellen als auch den dunklen, soll eben Vighneśa, der Gott der Götter, von den der Hingabe Ergebenen verehrt werden.

Wort für Wort
sarvāsu ca caturthīṣu
und bei allen vierten Tagen
śuklāsvapyasitāsu ca
sowohl den hellen als auch den dunklen
vighneśa eva deveśaḥ
eben Vighneśa, der Gott der Götter
saṃpūjyo bhaktitatparaiḥ
soll von den der Hingabe Ergebenen verehrt werden

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