Kapitel 112: dvādaśamāsacaturthīvratanirūpaṇam
Darlegung der Caturthī-Gelübde der zwölf Monate
Titel rekonstruiert (und normalisiert) aus dem Kolophon, der (quellenbedingt versetzt) am Kopf der Datei src_kap113_raw.txt erscheint („...dvādśanāsa caturthīvratānirūpaṇaṃ nāma trayodaśādhikasatatamo 'dhyāyaḥ“ – mit Schreibfehlern in der Quelle: dvādśanāsa statt dvādaśamāsa, vratānirūpaṇaṃ statt vratanirūpaṇaṃ, satatamo statt śatatamo) und inhaltlich eindeutig Kapitel 112 zuzuordnen ist; vgl. Anmerkung zu Kapitel 109. Zusätzlich enthält dieses Kapitel zwei Verse (V11, V40), die in der Quelle nur als Halbvers überliefert sind, sowie eine wörtliche Wiederholung einer Halbzeile (V21/V22).
Sanātana sprach: Höre, Brahmane, ich werde die Gelübde des vierten Mondtags (Caturthī) verkünden, durch deren Vollzug Männer und Frauen die gewünschten Wünsche erlangen.
Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu vipraṃ pravakṣyāmi
höre, Brahmane, ich werde verkünden
caturthyāste vratānyaham
ich die Gelübde des vierten Mondtags
yāni kṛtvā narā nāryo 'bhīṣṭānkāmānavāpnuyuḥ
durch deren Vollzug Männer und Frauen die gewünschten Wünsche erlangen
Der eigentliche Kolophon des vorangehenden Kapitels (111, Tṛtīyā-Vrata) erscheint quellenbedingt versetzt am Kopf dieser Datei und wurde nicht mitübersetzt (vgl. Anmerkung zu Kapitel 109).
viprāya viṣṇulokaṃ tu gaccheddevanamaskṛtaḥ / vaiśākhasya caturthyāṃ tu prārthyaṃ saṃkarṣaṇāhvayam
dem Brahmanen; so geht man zur Welt Viṣṇus, von den Göttern verehrt. Am vierten Tag des Vaiśākha aber soll man den 'Saṃkarṣaṇa' genannten (Gaṇeśa) bitten,
Wort für Wort
viprāya
dem Brahmanen
viṣṇulokaṃ tu gaccheddevanamaskṛtaḥ
so geht man zur Welt Viṣṇus, von den Göttern verehrt
nachdem man, kundig der Vorschrift, den vorzüglichen Haushalter-Brahmanen eine Muschel gegeben hat, erlangt man die Welt Saṃkarṣaṇas und freut sich viele Kalpas lang.
Wort für Wort
gṛhasthadvijamukhyebhyaḥ
den vorzüglichen Haushalter-Brahmanen
śaṅkhaṃ dattvā vidhānavit
nachdem man, kundig der Vorschrift, eine Muschel gegeben hat
jyeṣṭhamāsacaturthyāṃ tu prārcya pradyumnarūpiṇam / phalaṃ mūlaṃ ca yuthebhyo dattvā svargaṃ labhennaraḥ
Am vierten Tag des Monats Jyeṣṭha, nachdem man den, der die Gestalt des Pradyumna hat, verehrt und Früchte und Wurzeln den Scharen (der Brahmanen) gegeben hat, erlangt der Mensch den Himmel.
Wort für Wort
jyeṣṭhamāsacaturthyāṃ tu
am vierten Tag des Monats Jyeṣṭha aber
prārcya pradyumnarūpiṇam
nachdem man den, der die Gestalt des Pradyumna hat, verehrt hat
phalaṃ mūlaṃ ca yuthebhyo dattvā
nachdem man Früchte und Wurzeln den Scharen gegeben hat
āṣāḍhasya caturthyāṃ tu saṃprapūjyāniruddhakam / yatibhyo 'lābupātrāṇi dattvābhīṣṭaṃ labhennaraḥ
Am vierten Tag des Āṣāḍha, nachdem man den unter dem Namen Aniruddha verehrt und den Asketen Flaschenkürbis-Gefäße gegeben hat, erlangt der Mensch das Gewünschte.
Wort für Wort
āṣāḍhasya caturthyāṃ tu
am vierten Tag des Āṣāḍha aber
saṃprapūjyāniruddhakam
nachdem man den (unter dem Namen) Aniruddha verehrt hat
yatibhyo 'lābupātrāṇi dattvā
nachdem man den Asketen Flaschenkürbis-Gefäße gegeben hat
Nachdem man so die Gelübde der vier Gestalten zwölf Jahre lang vollzogen hat, soll von dem, der die Frucht wünscht, die Abschlussfeier nach Vorschrift vollzogen werden.
Wort für Wort
caturmūrtivratānyevaṃ
die Gelübde der vier Gestalten so
kṛtvā dvādaśavatsaram
nachdem man zwölf Jahre lang vollzogen hat
udyāpanaṃ vidhānena
die Abschlussfeier nach Vorschrift
kartavyaṃ phalamicchatā
soll von dem, der die Frucht wünscht, vollzogen werden
anyajjyeṣṭhacaturthyāṃ tu satīvratamanuttamam / kṛtvā gaṇapatermāturloke modeta tatsamam
Ein anderes: am vierten Tag des Jyeṣṭha das unübertreffliche Satī-Gelübde; nachdem man es vollzogen hat, freut man sich in der Welt der Mutter des Gaṇapati, ihr gleich.
Wort für Wort
anyajjyeṣṭhacaturthyāṃ tu
ein anderes, am vierten Tag des Jyeṣṭha aber
satīvratamanuttamam
das unübertreffliche Satī-Gelübde
kṛtvā gaṇapatermāturloke
nachdem man es vollzogen hat, in der Welt der Mutter des Gaṇapati
tathā'ṣāḍhacaturthyāṃ tu vratamanyacchubhāvaham / rathantarāhvakalpasya hyādibhūtaṃ dinaṃ yataḥ
Ebenso, am vierten Tag des Āṣāḍha, gibt es ein anderes heilbringendes Gelübde, denn dies ist der Tag, der der Anfang des Rathantara genannten Kalpa ist,
mit von Glauben gereinigtem Geist soll der Mensch Gaṇeśa nach Vorschrift verehren, und so auch die Frucht erlangen, die selbst den Göttern schwer erreichbar ist.
Wort für Wort
śraddhāpūtena manasā
mit von Glauben gereinigtem Geist
gaṇeśaṃ vidhinā naraḥ
Gaṇeśa nach Vorschrift der Mensch
pūjayitvā labheccāpi
nachdem er verehrt hat, erlangt er auch
phalaṃ devādidurgamam
die Frucht, die selbst den Göttern schwer erreichbar ist
Am vierten Tag des Śrāvaṇa aber, bei aufgehendem Mond entstehend, o Weiser...
Wort für Wort
śrāvaṇasya caturthyāṃ tu
am vierten Tag des Śrāvaṇa aber
jāti candrodaye mune
bei aufgehendem Mond entstehend, o Weiser
V11 ist im Quelltext (wie auch V40) nur mit einer einzigen Halbzeile überliefert; der zweite Halbvers fehlt in der Quelle (vgl. dieselbe Anomalie in Kapitel 110, V20).
soll der Beste der Vorschriftkundigen dem Gaṇeśa Ehrenwasser geben; man stelle sich ihn vor als den Dickbäuchigen, Vierarmigen, Dreiäugigen, von roter Farbe,
reich geschmückt mit vielerlei Juwelen, mit heiterem Antlitz, soll man sich ihn vorstellen; mit allen Ehrenerweisungen, angefangen mit der Herbeirufung, soll man ihn verehren.
Wort für Wort
nānāratnavibhūṣāḍhyaṃ
reich geschmückt mit vielerlei Juwelen
prasannāsyaṃ vicintayet
mit heiterem Antlitz soll man sich (ihn) vorstellen
sukhaṃ svapyānniśāyāṃ tu bhūmāveva kṛtārcanaḥ / vratasyāsya prabhāveṇa kāmānmanasi cintitān
soll man in der Nacht behaglich schlafen, auf dem Boden, nachdem man die Verehrung vollzogen hat; durch die Kraft dieses Gelübdes (erlangt man) die im Geist gedachten Wünsche,
Wort für Wort
sukhaṃ svapyānniśāyāṃ tu
soll man in der Nacht behaglich schlafen
bhūmāveva kṛtārcanaḥ
auf dem Boden, nachdem man die Verehrung vollzogen hat
das manche wünschen, o Götterweiser; dessen Vorschrift verkünde ich dir: nachdem man einen goldenen Gaṇapa angefertigt hat, auf einem Kupfergefäß stehend,
und dem der Vorschrift kundigen Lehrer ehrenvoll darreichen; nachdem man eine Opfergabe bereitet hat, soll man Ehrenwasser geben, während (die Sonne) aufgeht; danach, nachdem man den Vighneśa samt Bildnis und Ausstattung gebeten hat, o Weiser,
Wort für Wort
ācāryāya vidhijñāya
dem der Vorschrift kundigen Lehrer
satkṛtya vinivedayet
ehrenvoll soll man darreichen
upahāraṃ prakalpyātha
nachdem man eine Opfergabe bereitet hat
dadyādarghaṃ samudyate
soll man Ehrenwasser geben, während (die Sonne) aufgeht
tataḥ saṃprārathya vighneśamūrtiṃ sopaskarāṃ mune
danach, nachdem man den Vighneśa samt Bildnis und Ausstattung gebeten hat, o Weiser
bhuktveha bhogānakhilān lokaṃ gaṇapatervrajet / atha bhādracaturthyāṃ tu bahulādhenusaṃjñakam
nachdem man hier alle Genüsse genossen hat, gelangt man zur Welt des Gaṇapati. Nun, am vierten Tag des Bhādra, gibt es das 'Bahulā-Kuh' genannte (Gelübde),
pūjanī yo 'tra yatnena sraggandhayavasādibhiḥ / tataḥ pradakṣiṇīkṛtya śaktaśceddānamācaret
das mit Bemühen, mit Girlanden, Duftstoffen, Grasfutter und dergleichen verehrt werden soll; danach, nachdem man die Umschreitung vollzogen hat, soll man, wenn man dazu fähig ist, die Gabe vollziehen,
Wort für Wort
pūjanī yo 'tra yatnena
das hierbei mit Bemühen verehrt werden soll
sraggandhayavasādibhiḥ
mit Girlanden, Duftstoffen, Grasfutter und dergleichen
tataḥ pradakṣiṇīkṛtya
danach, nachdem man die Umschreitung vollzogen hat
soll man, nachdem man das Gelübde vollzogen und die Abschlussfeier gehalten hat, eine milchgebende Kuh geben; durch die Kraft dieses Gelübdes, nachdem man entzückende Genüsse genossen hat,
Wort für Wort
vrataṃ kṛtvā samudyāpya
nachdem man das Gelübde vollzogen und die Abschlussfeier gehalten hat
mit allen Ehrenerweisungen, angefangen mit der Herbeirufung, ist die Verehrung zu vollziehen; mit gesammeltem Geist soll man den Siddhivināyaka meditieren,
Wort für Wort
āvāhanādibhiḥ sarvaiḥ
mit allen, angefangen mit der Herbeirufung
upacāraiḥ samarcanam
mit Ehrenerweisungen ist die Verehrung (zu vollziehen)
sarveśvarāyāgastyasya patraṃ prītivivarddhanam / dūrvāyugmaṃ tato gṛhya gandhapuṣpākṣatairyutam
dem Herrn aller das Agastya-Blatt, das die Liebe mehrt; danach, nachdem man ein Paar Dūrvā-Gras genommen hat, verbunden mit Duftstoffen, Blumen und ungeschältem Reis,
Wort für Wort
sarveśvarāyāgastyasya patraṃ
dem Herrn aller das Agastya-Blatt
prītivivarddhanam
das die Liebe mehrt
dūrvāyugmaṃ tato gṛhya
danach, nachdem man ein Paar Dūrvā-Gras genommen hat
gandhapuṣpākṣatairyutam
verbunden mit Duftstoffen, Blumen und ungeschältem Reis
pūjāṃ nivedayedbhaktiyukto modakapañcakam / ācamayya namaskṛtya saṃprārthya ca visarjjayet
soll man, von Hingabe erfüllt, die Verehrung darbringen, samt fünf Modaka; nachdem man Sippgurgelwasser gereicht, sich verneigt und gebeten hat, soll man die Gottheit entlassen.
Wort für Wort
pūjāṃ nivedayedbhaktiyuktaḥ
soll man, von Hingabe erfüllt, die Verehrung darbringen
modakapañcakam
samt fünf Modaka
ācamayya namaskṛtya
nachdem man Sippgurgelwasser gereicht und sich verneigt hat
Nun, zur Beseitigung dieses Fehlers, soll man den überlieferten Mantra rezitieren: 'Der Löwe tötete Prasena, den Löwen erschlug Jāmbavat; o Kind, weine nicht, dies ist ja dein Syamantaka-Juwel.'
Wort für Wort
atha taddoṣanāśāya
nun, zur Beseitigung dieses Fehlers
mantraṃ paurāṇikaṃ paṭhet
soll man den überlieferten Mantra rezitieren
siṃhaḥ prasenamamadhītsiṃho jāṃbavatā hataḥ
der Löwe tötete Prasena, den Löwen erschlug Jāmbavat
sakumāraka mā rodīstava hyeṣa syamantakaḥ
o Kind, weine nicht, dies ist ja dein Syamantaka-Juwel
'möge jener Herr der Kaparda-Scharen durch diese dargebrachten Gaben erfreut sein.' Am vierten dunklen Tag des Kārtika ist das 'Karaka' genannte Gelübde überliefert,
Wort für Wort
kapardigaṇanātho 'sau
jener Herr der Kaparda-Scharen
prīyatāṃ taiḥ samarpitaiḥ
möge durch diese dargebrachten (Gaben) erfreut sein
hierbei liegt die Berechtigung allein bei den Frauen; seine Vorschrift wird nun dargelegt: gebadet und geschmückt soll die Frau den Herrn der Scharen verehren,
Wort für Wort
strīṇāmevādhikāro 'tra
hierbei liegt die Berechtigung allein bei den Frauen
devo me prīyatāmevamuccāryyātha samarpayet / suvāsinībhyo viprebhyo yathākāmaṃ ca sādaram
unter den Worten 'möge der Gott mir gnädig sein' soll sie dies aussprechend darbringen; verheirateten Frauen und Brahmanen soll sie sodann, nach Belieben und mit Ehrerbietung,
tataścandrodaye rātrau dattvārghaṃ vidhipūrvakam / bhuñjīta miṣṭamannaṃ ca vratasya paripūrtaye
geben; danach, bei Mondaufgang, in der Nacht, nachdem sie nach Vorschrift Ehrenwasser gegeben hat, soll sie süße Speise essen, zur Vollendung des Gelübdes.
Wort für Wort
tataścandrodaye rātrau
danach, bei Mondaufgang, in der Nacht
dattvārghaṃ vidhipūrvakam
nachdem sie nach Vorschrift Ehrenwasser gegeben hat
Nachdem eine Frau dieses Gelübde sechzehn oder zwölf Jahre lang vollzogen hat, soll sie nun, nachdem sie ein Gastgeschenk übergeben hat, dieses Gelübde abschließen.
vidyate bhuvaneṣvanyattasmānnityamiti sthitiḥ / ūrjjaśuklacaturthyāṃ tu nāgavratamudāhṛtam
gibt es kein anderes in den Welten; deshalb ist es für immer (zu vollziehen), so lautet die Festsetzung. Am vierten hellen Tag des Ūrja wird das Schlangen-Gelübde gelehrt;
Wort für Wort
vidyate bhuvaneṣvanyat
gibt es (kein) anderes in den Welten
tasmānnityamiti sthitiḥ
deshalb ist es für immer (zu vollziehen), so lautet die Festsetzung
am Morgen, nachdem man das Gelübde gelobt hat, soll man das reine (Getränk aus dem Kuhhorn) [?] trinken, und danach am Mittag, nach dem Baden, Śaṅkhapāla und die übrigen Schlangen
Wort für Wort
prātarvrataṃ tu saṃkalpya
am Morgen, nachdem man das Gelübde gelobt hat
dhenuśṛñjagalaṃ [?] śuci
das reine (Getränk aus dem Kuhhorn) [?]
pītvā snātvātha madhyāhne
nachdem man getrunken und gebadet hat, am Mittag
śaṅkhapālādipannagān
Śaṅkhapāla und die übrigen Schlangen
dhenuśṛñjagalam ist unklar überliefert, wohl verderbt aus dhenuśṛṅgajalam („Wasser/Getränk aus dem Kuhhorn“) o.ä.; mit [?] markiert.
und Śeṣa, herbeigerufen, mit vorzüglichen Ehrenerweisungen verehren; mit Milch soll man die Sättigung vollziehen – dies ist als Nāga-Gelübde überliefert.
mārgaśuklacaturthyāṃ tu varṣaṃ yāvanmunīśvarā [?] / kṣapayedekabhaktena naktenātha dvitīyakam
Am vierten hellen Tag des Mārga(śīrṣa), o Herr der Weisen [?], soll man ein Jahr lang verbringen: im ersten Viertel mit einer Mahlzeit, im zweiten mit einer Nachtmahlzeit,
Wort für Wort
mārgaśuklacaturthyāṃ tu
am vierten hellen Tag des Mārga aber
varṣaṃ yāvanmunīśvara [?]
ein Jahr lang, o Herr der Weisen [?]
kṣapayedekabhaktena
soll man verbringen mit einer Mahlzeit
naktenātha dvitīyakam
und danach im zweiten (Viertel) mit einer Nachtmahlzeit
munīśvarā weist eine ungewöhnliche Endung auf (statt vokativ munīśvara); mit [?] markiert.
samāpya ca tato 'syānte vratasnāto mahāvratī / kārayeddhemaghaṭitaṃ bhūgaṇermūṣakaṃ ratham
Und nachdem er es beendet hat, soll der große Gelübdehaltende am Ende dessen, nach dem Gelübdebad, einen aus Gold gefertigten Wagen mit der Maus des Bhūgaṇa (Gaṇeśa) anfertigen lassen,
Wort für Wort
samāpya ca tato 'syānte
und nachdem er es beendet hat, am Ende dessen
vratasnāto mahāvratī
nach dem Gelübdebad, der große Gelübdehaltende
kārayeddhemaghaṭitaṃ
soll er einen aus Gold gefertigten anfertigen lassen
der Unfähige (fertige ihn) nur mit Farben; einen weißen Lotus mit schönen Blättern; darauf soll er einen Wassertopf stellen, verbunden mit einem Kupfergefäß,
pūrayettaṇḍalaiḥ śubhraistasyopari gaṇeśvaram / nyasedvastrayugācchannaṃ gandhādyaiḥ pūjayecca tam
diesen soll er mit weißen Reiskörnern füllen; darauf soll er den Gaṇeśvara aufstellen, bedeckt mit einem Gewandpaar, und ihn mit Duftstoffen und dergleichen verehren.
Modaka soll man als Speiseopfergabe bereiten, mit den Worten 'möge Gaṇeśa erfreut sein'; die Nachtwache soll man mit angenehmer Musik und dergleichen und mit Purāṇa-Erzählungen vollziehen.
Wort für Wort
naivedyaṃ modakaṃ kalpyaṃ
Modaka soll man als Speiseopfergabe bereiten
gaṇeśaḥ prīyatāmiti
mit den Worten 'möge Gaṇeśa erfreut sein'
jāgarairśītavādyādyaiḥ
die Nachtwache mit angenehmer Musik und dergleichen
Am reinen Morgen, nachdem man gebadet hat, soll man das Feueropfer nach Vorschrift vollziehen, mit Sesam, Reis, Gerste, weißem Senf und Ghee, samt Zuckerstücken,
Wort für Wort
prabhāte vimale snātvā
am reinen Morgen, nachdem man gebadet hat
homaṃ kṛtvā vidhānataḥ
soll man das Feueropfer nach Vorschrift vollziehen
soll man, beginnend mit Oṃ, mit 'ge namaḥ' endend, jeweils ins Feuer opfern; mit dem Namen 'Vakratuṇḍa', mit 'ge' (beginnend) und mit 'varma' endend, hundertacht Mal,
tato vyāhṛtibhiḥ śaktyā hutvā pūrṇāhutiṃ caret / dikpālānpūjayitvā ca brāhmaṇānbhojayettataḥ
danach, nachdem man mit den Vyāhṛtis geopfert hat, soll man nach Kraft die Vollopfergabe vollziehen; nachdem man die Weltenhüter verehrt hat, soll man danach Brahmanen speisen,
Wort für Wort
tato vyāhṛtibhiḥ śaktyā
danach mit den Vyāhṛtis, nach Kraft
hutvā pūrṇāhutiṃ caret
nachdem man geopfert hat, soll man die Vollopfergabe vollziehen
anyobhyo 'pi yathāśakti bhūyasīṃ ca tato dadet / praṇamya dakṣiṇīkṛtya pravisṛjya dvijottamām [?]
auch den anderen nach Kraft, und danach soll man eine reichliche Gabe geben; nachdem man sich verneigt, mit der Priestergabe geehrt und die vorzügliche (Kuh) [?] entlassen hat,
Wort für Wort
anyobhyo 'pi yathāśakti
auch den anderen, nach Kraft
bhūyasīṃ ca tato dadet
und danach soll man eine reichliche (Gabe) geben
praṇamya dakṣiṇīkṛtya
nachdem man sich verneigt und mit der Priestergabe geehrt hat
pravisṛjya dvijottamām [?]
nachdem man die vorzügliche (Kuh) [?] entlassen hat
dvijottamām (feminin) ist auffällig, da 'dvijottama' (bester Brahmane) gewöhnlich maskulin steht; möglicherweise Bezug auf die zuvor genannte Kuh (gām) oder Verschreibung für dhenūttamām („die vorzüglichste Kuh“); mit [?] markiert.
bandhubhiḥ saha bhuñjīta svayaṃ ca prītamānasaḥ / etadvrataṃ naraḥ kṛtvā bhuktvā bhogānihottamān
soll man zusammen mit den Verwandten essen, selbst frohen Sinnes. Nachdem der Mensch dieses Gelübde vollzogen und hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat,
Wort für Wort
bandhubhiḥ saha bhuñjīta
zusammen mit den Verwandten soll man essen
svayaṃ ca prītamānasaḥ
selbst auch, frohen Sinnes
etadvrataṃ naraḥ kṛtvā
nachdem der Mensch dieses Gelübde vollzogen hat
bhuktvā bhogānihottamān
nachdem er hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat
und ebenso einen Brahmanen mit Modaka speisen und eine Priestergabe geben. Wenn dies so vollzogen wurde, o Weiser, wird der Gelübdehaltende zum Gefäß des Wohlstands.
māghakṛṣṇacaturthyāṃ tu saṃkaṣṭavratamucyate / tatropavāsaṃ saṃkalpya vratī niyamapūrvakam
Am vierten dunklen Tag des Māgha wird das 'Saṃkaṣṭa'-Gelübde genannt; dabei soll der Gelübdehaltende, nachdem er das Fasten gelobt hat, nach den Regeln,
und Modaka als Speiseopfergabe, sowie mit Zucker versehenes zerstoßenes Sesamgebäck; danach Ehrenwasser in einem Kupfergefäß, vermischt mit rotem Sandel,
sakuśaṃ ca sadūrvaṃ ca puṣpākṣatasamanvitam / saśamīpatradadhi ca kṛtvā candrāya dāpayet
mit Kuśagras, mit Dūrvā-Gras, verbunden mit Blumen und ungeschältem Reis, mit Śamī-Blatt und Quark – nachdem man dies zubereitet hat, soll man es dem Mond darreichen,
Wort für Wort
sakuśaṃ ca sadūrvaṃ ca
mit Kuśagras und mit Dūrvā-Gras
puṣpākṣatasamanvitam
verbunden mit Blumen und ungeschältem Reis
saśamīpatradadhi ca
mit Śamī-Blatt und Quark
kṛtvā candrāya dāpayet
nachdem man es zubereitet hat, soll man es dem Mond darreichen
Nachdem man so dem Gaṇeśa das himmlische, sündenvertilgende Ehrenwasser gegeben hat, soll man nach Kraft die vorzüglichsten Brahmanen speisen und selbst auf deren Geheiß essen.
Wort für Wort
evaṃ dattvā gaṇeśāya
nachdem man so dem Gaṇeśa gegeben hat
divyārghyaṃ pāpanāśanam
das himmlische, sündenvertilgende Ehrenwasser
śaktyā saṃbhojya viprāgryān
nach Kraft, nachdem man die vorzüglichsten Brahmanen gespeist hat
Wenn man so, o Brahmane, das 'Saṃkaṣṭa' genannte, heilbringende Gelübde vollzogen hat, wird man reich an Besitz und Getreide und gerät nicht in Bedrängnis.
Wort für Wort
evaṃ kṛtvā vrataṃ vipra
so, wenn man, o Brahmane, das Gelübde vollzogen hat
māghaśuklacaturthyāṃ tu gaurīvratamanuttamam / tasyāṃ tu gaurī saṃpūjyā saṃyuktā yoginīgaṇaiḥ
Am vierten hellen Tag des Māgha gibt es das unübertreffliche Gaurī-Gelübde; an diesem soll Gaurī verehrt werden, verbunden mit den Scharen der Yoginīs,
pūjyāścāvidhavā nāryastathā viprāḥ suśobhanāḥ / saubhāgyavṛddhaye deyo bhoktavyaṃ bandhubhiḥ saha
und nicht-verwitwete Frauen sollen verehrt werden, ebenso ansehnliche Brahmanen; zur Mehrung des Eheglücks soll gegeben werden, gegessen werden soll zusammen mit den Verwandten.
Von anderen wird es 'Ḍhuṇḍhi-Gelübde' genannt, von manchen als 'Kuṇḍa-Gelübde' überliefert, von anderen 'Lalitā-Gelübde', und wieder von anderen 'Śānti-Gelübde',
Baden, Gabe, Murmelgebet, Feueropfer – alles, was an diesem Tag vollzogen wird, o Weiser, wird durch die Gnade des Elefanten(gesichtigen) stets tausendfach [?].
Wort für Wort
snānaṃ dānaṃ japo homaḥ
Baden, Gabe, Murmelgebet, Feueropfer
sarvamasyāṃ kṛtaṃ mune
alles, was an diesem (Tag) vollzogen wird, o Weiser
bhavetsahasraguṇitaṃ [?]
wird tausendfach [?]
prasādāddantinaḥ sadā
durch die Gnade des Elefanten(gesichtigen), stets
Die Quelle liest bhavetsaha sraguṇitaṃ, wohl verlesen/getrennt für bhavetsahasraguṇitaṃ („wird tausendfach“); mit [?] markiert.
der Verehrung Gaṇeśas hingegeben, mit Gabe, Feueropfer und Verehrung; mit eben aus Sesam bereiteten Opfergaben erlangt man durch dessen Gnade Vollkommenheit.
Wort für Wort
gaṇeśārādhanaparo
der Verehrung Gaṇeśas hingegeben
dānahomaprapūjanaiḥ
mit Gabe, Feueropfer und Verehrung
tilaireva kṛtaiḥ siddhiṃ
mit eben aus Sesam bereiteten (Opfergaben) Vollkommenheit
sauvarṇaṃ gajavaktraṃ ca kṛtvā saṃpūjya yatnataḥ / dvijāgryāya pradātavyaṃ sarvasaṃpatsamṛddhaye
Nachdem man ein goldenes Elefantengesicht angefertigt und mit Bemühen verehrt hat, soll es dem vorzüglichsten Brahmanen gegeben werden, zur Fülle allen Wohlstands.
Wort für Wort
sauvarṇaṃ gajavaktraṃ ca
ein goldenes Elefantengesicht
kṛtvā saṃpūjya yatnataḥ
nachdem man es angefertigt und mit Bemühen verehrt hat
dvijāgryāya pradātavyaṃ
soll es dem vorzüglichsten Brahmanen gegeben werden
In welchem Monat auch immer der vierte Tag mit einem Sonntag zusammenfällt, oder mit einem Dienstag, o Fürst der Brahmanen, dieser gewährt besondere Frucht.
sarvāsu ca caturthīṣu śuklāsvapyasitāsu ca / vighneśa eva deveśaḥ saṃpūjyo bhaktitatparaiḥ
Und bei allen vierten Tagen, sowohl den hellen als auch den dunklen, soll eben Vighneśa, der Gott der Götter, von den der Hingabe Ergebenen verehrt werden.