Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 3: bhaktimāhātmyaṃ mṛkaṇḍumuniupākhyānaṃ ca Das Lob der Hingabe und die Erzählung vom Weisen Mṛkaṇḍu

Anm.: Quelle NarP_1,4.1-99 (GRETIL/Sansknet, unkorrigiert). Inhalt: Sanaka lehrt Nārada die Überlegenheit von śraddhā (Glauben) und bhakti (Hingabe) gegenüber Ritual ohne Hingabe, sowie die Bedeutung des satsaṅga (Gemeinschaft mit den Guten) und des rechten Standesbrauchs (V.1-38); auf Nāradas Frage nach den Bhāgavatas (Verehrern) hin erzählt Sanaka die Rahmengeschichte vom Weisen Mṛkaṇḍu (Vater des Mārkaṇḍeya), dessen gewaltige Askese die Götter alarmiert, die daraufhin Viṣṇu um Beistand bitten; Viṣṇu beruhigt sie und erscheint anschließend selbst dem Mṛkaṇḍu inmitten seiner Meditation über Viṣṇus kosmischen Schlaf auf dem Banyanblatt während der Weltauflösung (V.39-83); nach Mṛkaṇḍus Lobpreis gewährt Viṣṇu ihm den Segen, selbst als sein Sohn geboren zu werden (V.84-99) - Vorgeschichte zur Geburt des Mārkaṇḍeya.

sanaka uvāca śraddhāpūrvāḥ sarvadharmā manorathaphalapradāḥ / śraddhayāsādhyate sarvaṃ śraddhayā tuṣyate hariḥ //

Sanaka sprach: Alle Pflichten setzen Glauben (śraddhā) voraus und gewähren die Frucht des Herzenswunsches; durch Glauben wird alles vollbracht, durch Glauben wird Hari zufriedengestellt.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
śraddhāpūrvāḥ sarvadharmāḥ
alle Pflichten setzen Glauben voraus
manorathaphalapradāḥ
gewähren die Frucht des Herzenswunsches
śraddhayā sādhyate sarvaṃ
durch Glauben wird alles vollbracht
śraddhayā tuṣyate hariḥ
durch Glauben wird Hari zufriedengestellt

bhaktirbhaktyaiva karttavyātathā karmāṇi bhaktitaḥ / karmaścaddhāvihīnāni na sidhyantiṃ dvijo tamāḥ //

Hingabe muss eben durch Hingabe geübt werden, ebenso die Werke durch Hingabe; Werke, die des Glaubens entbehren, gelingen nicht, o bester Zweifachgeborener.

Wort für Wort
bhaktiḥ bhaktyā eva karttavyā
Hingabe muss eben durch Hingabe geübt werden
tathā karmāṇi bhaktitaḥ
ebenso die Werke durch Hingabe
karmāṇi śraddhāvihīnāni
Werke, die des Glaubens entbehren
na sidhyanti dvijottama
gelingen nicht, o bester Zweifachgeborener

[?] "dvijo tamāḥ" vermutlich für "dvijottama" (Vok. "o bester Zweifachgeborener").

yathā'loko hi jantūnāṃ ceṣṭākāraṇatāṃ gataḥ / tathaiva sarvasiddhīnāṃ bhaktiḥ paramakāraṇam //

So wie das Licht den Geschöpfen zur Ursache ihres Handelns wird, ebenso ist die Hingabe die höchste Ursache aller Erfolge.

Wort für Wort
yathā ālokaḥ hi jantūnām
so wie das Licht den Geschöpfen
ceṣṭākāraṇatāṃ gataḥ
zur Ursache ihres Handelns wird
tathā eva sarvasiddhīnām
ebenso aller Erfolge
bhaktiḥ paramakāraṇam
ist die Hingabe die höchste Ursache

yathā samasta lokānāṃ jīvanaṃ salilaṃ smṛtam / tathā samastasiddhīnāṃ jīvanaṃ bhaktiriṣyate //

So wie für alle Welten das Wasser als Lebensgrundlage gilt, so gilt die Hingabe als Lebensgrundlage aller Erfolge.

Wort für Wort
yathā samasta lokānām
so wie für alle Welten
jīvanaṃ salilaṃ smṛtam
gilt das Wasser als Lebensgrundlage
tathā samastasiddhīnām
so aller Erfolge
jīvanaṃ bhaktiḥ iṣyate
gilt die Hingabe als Lebensgrundlage

yathā bhūmiṃ samāśritya sarve jīvanti jantavaḥ / tathā bhaktiṃ samāśritya sarvakāryyāṇi sādhayet //

So wie alle Geschöpfe, sich auf die Erde stützend, leben, so vollbringe man, sich auf die Hingabe stützend, alle Vorhaben.

Wort für Wort
yathā bhūmiṃ samāśritya
so wie sich auf die Erde stützend
sarve jīvanti jantavaḥ
leben alle Geschöpfe
tathā bhaktiṃ samāśritya
so sich auf die Hingabe stützend
sarvakāryyāṇi sādhayet
vollbringe man alle Vorhaben

śraddhāvāṃllabhate dharṃmaṃ śraddhāvātarthamāpnuyāt / śraddhayā sādhyate kāmaḥ śraddhāvānmokṣamānpuyāt //

Wer Glauben hat, erlangt die Pflicht; wer Glauben hat, erlangt Reichtum; durch Glauben wird das Verlangen erreicht; wer Glauben hat, erlangt die Erlösung.

Wort für Wort
śraddhāvān labhate dharmam
wer Glauben hat, erlangt die Pflicht
śraddhāvān artham āpnuyāt
wer Glauben hat, erlangt Reichtum
śraddhayā sādhyate kāmaḥ
durch Glauben wird das Verlangen erreicht
śraddhāvān mokṣam āpnuyāt
wer Glauben hat, erlangt die Erlösung

na dānairna tapobhirvā yajñairvā bahudakṣiṇaiḥ / bhaktihīnermuniśceṣṭha tuṣyate bhagavānhariḥ //

Nicht durch Gaben, nicht durch Askese, nicht durch Opfer mit reichen Priestergaben, wenn sie der Hingabe entbehren, o Bester der Weisen, wird der erhabene Hari zufriedengestellt.

Wort für Wort
na dānaiḥ na tapobhiḥ vā
nicht durch Gaben, nicht durch Askese
yajñaiḥ vā bahudakṣiṇaiḥ
oder Opfer mit reichen Priestergaben
bhaktihīnaiḥ muniśreṣṭha
wenn der Hingabe entbehrend, o Bester der Weisen
tuṣyate bhagavān hariḥ
wird der erhabene Hari zufriedengestellt

merumātrasuvarṇānāṃ koṭikoṭisahasraśaḥ / dattā cāpyarthanāśāya yatobhaktivivarjitā //

Selbst wenn man Gold, meru-groß, zu vielen Millionen mal Millionen gegeben hat, geschieht dies doch nur zur Vergeudung des Vermögens, wenn es der Hingabe entbehrt.

Wort für Wort
merumātrasuvarṇānām
von Gold, meru-groß
koṭikoṭisahasraśaḥ dattā
zu Millionen mal Millionen gegeben
ca api arthanāśāya
dient doch nur der Vergeudung des Vermögens
yataḥ bhaktivivarjitā
weil der Hingabe entbehrend

abhaktyā yattapastaptaiḥ kevalaṃ kāyaśoṣaṇam / abhaktyā yaddhutaṃ havyaṃ bhasmani nyastahavyavat //

Askese, die ohne Hingabe geübt wird, ist nur eine Austrocknung des Körpers; eine Opfergabe, die ohne Hingabe dargebracht wird, gleicht einer in Asche geschütteten Opfergabe.

Wort für Wort
abhaktyā yat tapaḥ taptaiḥ
Askese, die ohne Hingabe geübt wird
kevalaṃ kāyaśoṣaṇam
ist nur Austrocknung des Körpers
abhaktyā yat hutaṃ havyam
eine Opfergabe, ohne Hingabe dargebracht
bhasmani nyastahavyavat
gleicht einer in Asche geschütteten Gabe

yatkiñcitkurute karṃmaśraddhayāpyaṇumātrumātrakam /. tannāma jāyate puṃsāṃ śāśvataṃ pratīdāyakam //

Was immer man an Werk, und sei es nur winzig, mit Glauben vollbringt, das wird für die Menschen zu einem ewigen, Frucht gewährenden Verdienst.

Wort für Wort
yat kiñcit kurute karma
was immer man an Werk vollbringt
śraddhayā api aṇumātramātrakam
mit Glauben, und sei es winzig
tat nāma jāyate puṃsām
das wird für die Menschen
śāśvataṃ pratīdāyakam
zu einem ewigen, [Frucht] gewährenden [Verdienst]

[?] "pratīdāyakam" unklare Lesart, sinngemäß als "Frucht/Vertrauen gewährend" gedeutet.

aśvameghasahasraṃ vā karṃma vedoditaṃ kṛtam / tatsarvaṃ niṣphalaṃ brahmanyadi bhaktivivarjitam //

Und wenn man tausend Roßopfer oder im Veda verkündete Werke vollzogen hat - all dies ist fruchtlos, o Brahmane, wenn es der Hingabe entbehrt.

Wort für Wort
aśvameghasahasraṃ vā
oder tausend Roßopfer
karma vedoditaṃ kṛtam
im Veda verkündetes Werk vollzogen
tat sarvaṃ niṣphalaṃ brahman
all dies ist fruchtlos, o Brahmane
yadi bhaktivivarjitam
wenn es der Hingabe entbehrt

haribhaktiḥ parā nṝṇāṃ kāmadhenūpamā smṛtā / tasyāṃ satyāṃ pibantyajñāḥ saṃsāragaralaṃ hyaho //

Die höchste Hingabe an Hari gilt für die Menschen als der Wunschkuh gleich; obwohl sie vorhanden ist, trinken die Toren, ach, das Gift des Daseinskreislaufs.

Wort für Wort
haribhaktiḥ parā nṝṇām
die höchste Hingabe an Hari der Menschen
kāmadhenūpamā smṛtā
gilt als der Wunschkuh gleich
tasyāṃ satyāṃ pibanti ajñāḥ
obwohl sie vorhanden ist, trinken die Toren
saṃsāragaralaṃ hi aho
ach, das Gift des Daseinskreislaufs

asārabhūte saṃsāre sārametadajātmaja / bhagavadbhaktasaṅgaśca haribhaktistitikṣutā //

In diesem wesenlosen Daseinskreislauf ist dies die einzige Substanz, o Sohn des Ungeborenen: die Gemeinschaft mit den Verehrern des Erhabenen und die beständige Hingabe an Hari.

Wort für Wort
asārabhūte saṃsāre
in diesem wesenlosen Daseinskreislauf
sāram etat ajātmaja
ist dies die Substanz, o Sohn des Ungeborenen
bhagavadbhaktasaṅgaḥ ca
und die Gemeinschaft mit den Verehrern des Erhabenen
haribhaktiḥ [?]
und die [beständige] Hingabe an Hari

[Anm.: "ajātmaja" ("Sohn des Ungeborenen/Brahmā") ist eigentlich Sanakas eigenes Epitheton, nicht das des angesprochenen Nārada - im Quelltext hier unklar/inkonsistent verwendet, unverändert übersetzt. [?] "stitikṣutā" unsicher, sinngemäß als "beständige [Hingabe]" gedeutet.]

asūyopetamanasāṃ bhaktidānādikarṃma yat / avehi niṣphalaṃ brahaṃsteṣāṃ dūrataro hariḥ //

Wisse: Die Hingabe-, Gaben- und sonstigen Werke derer, deren Geist von Missgunst erfüllt ist, sind fruchtlos, o Brahmane; ihnen bleibt Hari fern.

Wort für Wort
asūyopetamanasām
derer, deren Geist von Missgunst erfüllt ist
bhaktidānādikarma yat
die Hingabe-, Gaben- und sonstigen Werke
avehi niṣphalaṃ brahman
wisse, sind fruchtlos, o Brahmane
teṣāṃ dūrataraḥ hariḥ
ihnen bleibt Hari fern

pariśriyābhitatpānāṃ dambhācāraratātmanām / mṛṣā tu kurvatāṃ karma teṣāṃ dūrataro hariḥ //

Denen, die nach äußerem Glanz trachten, deren Sinn an heuchlerischem Gebaren Gefallen findet, die ihr Werk verlogen vollziehen - ihnen bleibt Hari fern.

Wort für Wort
pariśriyābhitatpānām
denen, die nach äußerem Glanz trachten
dambhācāraratātmanām
deren Sinn an Heuchelei Gefallen findet
mṛṣā tu kurvatāṃ karma
die aber ihr Werk verlogen vollziehen
teṣāṃ dūrataraḥ hariḥ
ihnen bleibt Hari fern

pṛcchatāṃ ca mahādharṃmānvadatāṃ vai mṛṣā ca tān / dharmeṣvabhaktimanasāṃ teṣāṃ dūrataro hariḥ //

Und denen, die nach den großen Pflichten fragen, sie aber nur zum Schein aussprechen, deren Geist den Pflichten keine Hingabe entgegenbringt - ihnen bleibt Hari fern.

Wort für Wort
pṛcchatāṃ ca mahādharmān
und denen, die nach den großen Pflichten fragen
vadatāṃ vai mṛṣā ca tān
sie aber fürwahr nur zum Schein aussprechen
dharmeṣu abhaktimanasām
deren Geist den Pflichten keine Hingabe entgegenbringt
teṣāṃ dūrataraḥ hariḥ
ihnen bleibt Hari fern

vedapraṇihito dharṃmo dharṃmo vedo nārāyaṇaḥ paraḥ / tatrāśraddhāparā ye tu teṣāṃ dūrataro hariḥ //

Die im Veda begründete Pflicht ist wahre Pflicht, die Pflicht ist der Veda, und Nārāyaṇa ist das Höchste; wer aber diesem ohne Glauben gegenübersteht - ihm bleibt Hari fern.

Wort für Wort
vedapraṇihito dharmaḥ
die im Veda begründete Pflicht
dharmo vedo nārāyaṇaḥ paraḥ
die Pflicht ist der Veda, Nārāyaṇa das Höchste
tatra aśraddhāparāḥ ye tu
wer aber diesem ohne Glauben gegenübersteht
teṣāṃ dūrataraḥ hariḥ
ihnen bleibt Hari fern

yasya dharṃmavihīnāni dinānyāyānti yānti ca / sa lohakārabhastreva śvasannapi na jīvati //

Wessen Tage ohne Pflichterfüllung kommen und gehen - der, obgleich atmend, lebt nicht wirklich, wie ein Schmiedeblasebalg.

Wort für Wort
yasya dharmavihīnāni dināni
wessen Tage ohne Pflichterfüllung
āyānti yānti ca
kommen und gehen
sa lohakārabhastraḥ iva
der wie ein Schmiedeblasebalg
śvasan api na jīvati
lebt, obgleich atmend, nicht wirklich

dharmārthakāmamokṣākhyāḥ puruṣārthāḥ sanātanāḥ / śraddhāvatāṃ hi sidhyanti nānyathā brahmanandana //

Die ewigen, als Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa bezeichneten Menschenziele gelingen fürwahr nur denen, die Glauben haben, nicht anders, o Sohn Brahmās.

Wort für Wort
dharmārthakāmamokṣākhyāḥ
die als Dharma, Artha, Kāma, Mokṣa bezeichneten
puruṣārthāḥ sanātanāḥ
ewigen Menschenziele
śraddhāvatāṃ hi sidhyanti
gelingen fürwahr denen, die Glauben haben
na anyathā brahmanandana
nicht anders, o Sohn Brahmās

svācāramanatikramya haribhaktiparo hi yaḥ / sa yāti viṣṇubhavanaṃ yadvai paśyanti sūrayaḥ //

Wer, ohne den eigenen Brauch zu überschreiten, der Hingabe an Hari ergeben ist, der gelangt fürwahr zu Viṣṇus Wohnstatt, die die Weisen im Geiste erschauen.

Wort für Wort
svācāram anatikramya
ohne den eigenen Brauch zu überschreiten
haribhaktiparo hi yaḥ
wer der Hingabe an Hari ergeben ist
sa yāti viṣṇubhavanam
der gelangt zu Viṣṇus Wohnstatt
yat vai paśyanti sūrayaḥ
die fürwahr die Weisen erschauen

kurvanvedoditāndharṃmānmunīndra svāśramocitān / haridhyānaparoyastu sa yāti paramaṃ padam //

Wer, die im Veda verkündeten, dem eigenen Lebensstand entsprechenden Pflichten vollziehend, o Fürst der Weisen, der Hari-Meditation ergeben ist, der gelangt zum höchsten Ort.

Wort für Wort
kurvan vedoditān dharmān
die im Veda verkündeten Pflichten vollziehend
munīndra svāśramocitān
o Fürst der Weisen, dem eigenen Lebensstand entsprechend
haridhyānaparaḥ yastu
wer aber der Hari-Meditation ergeben ist
sa yāti paramaṃ padam
der gelangt zum höchsten Ort

ācāraprabhavo dharmaḥ dharṃmasya prabhuracyutaḥ / āśramācārayuktena pūjitaḥ sarvadā hariḥ //

Aus dem rechten Brauch entspringt die Pflicht, und der Herr der Pflicht ist der Unvergängliche; durch den, der dem Brauch des Lebensstandes gemäß handelt, wird Hari beständig verehrt.

Wort für Wort
ācāraprabhavo dharmaḥ
aus dem Brauch entspringt die Pflicht
dharmasya prabhuḥ acyutaḥ
der Herr der Pflicht ist der Unvergängliche
āśramācārayuktena
durch den, der dem Brauch des Lebensstandes gemäß handelt
pūjitaḥ sarvadā hariḥ
wird Hari beständig verehrt

yaḥ svācāraparibhraṣṭaḥ sāṅgavedāntago 'pi vā / sa eva patito jñeyo yataḥ karmabahiṣkṛtaḥ //

Wer vom eigenen Brauch abgefallen ist, selbst wenn er die Veden samt Zubehör und Vedānta beherrscht - eben der ist als gefallen zu erkennen, da er aus dem Werk ausgeschlossen ist.

Wort für Wort
yaḥ svācāraparibhraṣṭaḥ
wer vom eigenen Brauch abgefallen ist
sāṅgavedāntagaḥ api vā
selbst wenn er Veden samt Zubehör und Vedānta beherrscht
sa eva patito jñeyaḥ
eben der ist als gefallen zu erkennen
yataḥ karmabahiṣkṛtaḥ
da er aus dem Werk ausgeschlossen ist

haribhaktipari vāpi haridhyānaparo 'pi vā / bhraṣṭo yaḥ svāśramācārātpatitaḥ so 'bhidhīyate //

Auch wer der Hari-Hingabe oder der Hari-Meditation ergeben ist - wer vom Brauch seines eigenen Lebensstandes abgefallen ist, der wird 'gefallen' genannt.

Wort für Wort
haribhaktiparaḥ vā api
auch wer der Hari-Hingabe ergeben ist
haridhyānaparaḥ api vā
oder der Hari-Meditation ergeben ist
bhraṣṭo yaḥ svāśramācārāt
wer vom Brauch des eigenen Lebensstandes abgefallen ist
patitaḥ saḥ abhidhīyate
der wird "gefallen" genannt

vedo vā haribhaktirvā bhaktirvāpi maheśvare / ācārātpatitaṃ mūḍhaṃ na punāti dvijottama //

Weder der Veda, noch die Hari-Hingabe, noch die Hingabe an den großen Herrn läutert den Toren, der vom rechten Brauch abgefallen ist, o Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
vedo vā haribhaktiḥ vā
weder der Veda noch die Hari-Hingabe
bhaktiḥ vā api maheśvare
noch die Hingabe an den großen Herrn
ācārāt patitaṃ mūḍham
den vom Brauch abgefallenen Toren
na punāti dvijottama
läutert nicht, o Bester der Zweifachgeborenen

puṇyakṣetrābhigamanaṃ puṇyatīrthaniṣevaṇam / yajño vā vividho brahmaṃstyaktācāraṃna rakṣati //

Das Aufsuchen heiliger Stätten, das Verweilen an heiligen Pilgerorten, oder mannigfaches Opfer - nichts davon schützt den, der den rechten Brauch aufgegeben hat, o Brahmane.

Wort für Wort
puṇyakṣetrābhigamanam
das Aufsuchen heiliger Stätten
puṇyatīrthaniṣevaṇam
das Verweilen an heiligen Pilgerorten
yajño vā vividho brahman
oder mannigfaches Opfer, o Brahmane
tyaktācāraṃ na rakṣati
schützt nicht den, der den Brauch aufgegeben hat

ācārātprāpyate svarga ācārātprāpyate sukham / ācārātprāpyate mokṣa ācārātkiṃ na labhyate //

Durch rechten Brauch wird der Himmel erlangt, durch Brauch wird Glück erlangt, durch Brauch wird Erlösung erlangt - was wird durch Brauch nicht erlangt?

Wort für Wort
ācārāt prāpyate svargaḥ
durch Brauch wird der Himmel erlangt
ācārāt prāpyate sukham
durch Brauch wird Glück erlangt
ācārāt prāpyate mokṣaḥ
durch Brauch wird Erlösung erlangt
ācārāt kiṃ na labhyate
was wird durch Brauch nicht erlangt

ācārāṇāntu sarveṣāṃ yogānāṃ caiva sattam / haribhaktepari tathā nidānaṃ bhaktiriṣyate //

Von allen Bräuchen und Yogas gilt die Hari-Hingabe als das Beste; so gilt die Hingabe als ihre Grundursache.

Wort für Wort
ācārāṇāṃ tu sarveṣām
von allen Bräuchen aber
yogānāṃ ca eva sattamam
und auch allen Yogas gilt das Beste
haribhaktiḥ parā tathā
so die höchste Hari-Hingabe
nidānaṃ bhaktiḥ iṣyate
gilt die Hingabe als Grundursache

bhaktyaiva pūjyate viṣṇurvāñchitārthaphalapradaḥ / tasmātsamastalokānāṃ bhaktirmāteti gīyate //

Allein durch Hingabe wird Viṣṇu verehrt, der die Frucht des gewünschten Zieles gewährt; deshalb wird die Hingabe als 'Mutter aller Welten' besungen.

Wort für Wort
bhaktyā eva pūjyate viṣṇuḥ
allein durch Hingabe wird Viṣṇu verehrt
vāñchitārthaphalapradaḥ
der die Frucht des gewünschten Zieles gewährt
tasmāt samastalokānām
deshalb aller Welten
bhaktiḥ mātā iti gīyate
wird die Hingabe als "Mutter" besungen

jīvanti jantavaḥ sarve yathā mātarāśritāḥ / tathā bhaktiṃ samāśritya sarve jīvanti dhārṃmikāḥ //

So wie alle Geschöpfe, sich auf die Mutter stützend, leben, so leben alle Rechtschaffenen, sich auf die Hingabe stützend.

Wort für Wort
jīvanti jantavaḥ sarve
alle Geschöpfe leben
yathā mātarāśritāḥ
so wie sich auf die Mutter stützend
tathā bhaktiṃ samāśritya
so sich auf die Hingabe stützend
sarve jīvanti dhārmikāḥ
leben alle Rechtschaffenen

svāśramācārayuktasya haribhaktiryadā bhavet / na tasya triṣu lokeṣu sadṛśo 'styajanandana //

Wenn einem, der dem Brauch seines eigenen Lebensstandes gemäß handelt, Hingabe an Hari zuteilwird, dann gibt es keinen ihm Gleichen in den drei Welten, o Sohn des Ungeborenen.

Wort für Wort
svāśramācārayuktasya
wer dem Brauch des eigenen Lebensstandes gemäß handelt
haribhaktiḥ yadā bhavet
wenn ihm Hingabe an Hari zuteilwird
na tasya triṣu lokeṣu
gibt es keinen ihm in den drei Welten
sadṛśaḥ asti ajanandana
Gleichen, o Sohn des Ungeborenen

bhaktyā sidhyanti karṃmāṇi karṃmāṇi karṃmābhistuṣyate hariḥ / tasmiṃstuṣṭe bhavejjñānaṃ jñānānmokṣamavāpyate //

Durch Hingabe gelingen die Werke, durch die Werke wird Hari mit den Werken zufriedengestellt; wenn er zufrieden ist, entsteht Erkenntnis, durch Erkenntnis wird Erlösung erlangt.

Wort für Wort
bhaktyā sidhyanti karmāṇi
durch Hingabe gelingen die Werke
karmāṇi karmābhiḥ tuṣyate hariḥ
durch die Werke wird Hari mit den Werken zufriedengestellt
tasmin tuṣṭe bhavet jñānam
wenn er zufrieden ist, entsteht Erkenntnis
jñānāt mokṣam avāpyate
durch Erkenntnis wird Erlösung erlangt

bhaktistu bhagavadbhaktasaṅgena khalu jāyate / tatsaṅgaṃ prāpyate pumbhiḥ sukṛtaiḥ pūrvasañcitaiḥ //

Die Hingabe aber entsteht fürwahr durch die Gemeinschaft mit den Verehrern des Erhabenen; diese Gemeinschaft erlangen die Menschen durch früher angehäufte gute Werke.

Wort für Wort
bhaktiḥ tu bhagavadbhaktasaṅgena
die Hingabe aber durch die Gemeinschaft mit den Verehrern
khalu jāyate
entsteht fürwahr
tatsaṅgaṃ prāpyate pumbhiḥ
diese Gemeinschaft erlangen die Menschen
sukṛtaiḥ pūrvasañcitaiḥ
durch früher angehäufte gute Werke

varṇāśramācāraratā bhagavadbhaktilālasāḥ / kāmādidoṣanir muktāste santo lokaśikṣakāḥ //

Die, die am Brauch von Stand und Lebensstadium Gefallen finden und nach Hingabe an den Erhabenen verlangen, frei von den Fehlern wie Begierde und dergleichen - sie sind die Guten, die Lehrer der Welt.

Wort für Wort
varṇāśramācāraratāḥ
die am Brauch von Stand und Lebensstadium Gefallen finden
bhagavadbhaktilālasāḥ
die nach Hingabe an den Erhabenen verlangen
kāmādidoṣanirmuktāḥ
frei von den Fehlern wie Begierde
te santo lokaśikṣakāḥ
sie sind die Guten, die Lehrer der Welt

sastaṅgaḥ paramo brahmanna labhyetākṛtātmanām / yadi labhyeta vijñeyaṃ puṇyaṃ janmāntarārjitam //

Die höchste Gemeinschaft mit den Guten, o Brahmane, wird von denen, deren Selbst ungeläutert ist, nicht erlangt; wenn sie doch erlangt wird, ist dies als in früheren Geburten erworbenes Verdienst zu erkennen.

Wort für Wort
satsaṅgaḥ paramo brahman
die höchste Gemeinschaft mit den Guten, o Brahmane
na labhyeta akṛtātmanām
wird von denen, deren Selbst ungeläutert ist, nicht erlangt
yadi labhyeta vijñeyam
wenn sie doch erlangt wird, ist zu erkennen
puṇyaṃ janmāntarārjitam
als in früheren Geburten erworbenes Verdienst

[?] "sastaṅgaḥ" vermutlich für "satsaṅgaḥ" ("Gemeinschaft mit den Guten").

pūrvārjitāni pāpāni nāśamāyānti yasya vai / satsaṅgatirbhavettasya nānyathā ghaṭate hi sā //

Wessen früher angehäufte Sünden fürwahr zunichte werden, dem wird die Gemeinschaft mit den Guten zuteil; anders kommt sie nicht zustande.

Wort für Wort
pūrvārjitāni pāpāni
die früher angehäuften Sünden
nāśam āyānti yasya vai
wessen [Sünden] fürwahr zunichte werden
satsaṅgatiḥ bhavet tasya
dem wird die Gemeinschaft mit den Guten zuteil
na anyathā ghaṭate hi sā
anders kommt sie fürwahr nicht zustande

ravirhi raśimajālena divā hantibahistamaḥ / santaḥ sūktimarīcyoścāntardhvāntaṃ hi sarvadā //

Die Sonne fürwahr vertreibt tagsüber mit dem Netz ihrer Strahlen die äußere Finsternis; die Guten vertreiben mit den Strahlen ihrer wohlgesprochenen Worte allezeit die innere Finsternis.

Wort für Wort
raviḥ hi raśimajālena
die Sonne fürwahr mit dem Netz ihrer Strahlen
divā hanti bahiḥ tamaḥ
vertreibt tagsüber die äußere Finsternis
santaḥ sūktimarīcyoḥ
die Guten mit den Strahlen ihrer wohlgesprochenen Worte
ca antardhvāntaṃ hi sarvadā
vertreiben allezeit die innere Finsternis

durlabhāḥ puruṣā loke bhagavadbhaktilālasāḥ / teṣāṃ saṅgo bhavedyasya tasya śāntirhi śāśvatī //

Selten sind in der Welt die Menschen, die nach Hingabe an den Erhabenen verlangen; wem die Gemeinschaft mit ihnen zuteilwird, dessen Friede ist fürwahr ewig.

Wort für Wort
durlabhāḥ puruṣā loke
selten sind in der Welt die Menschen
bhagavadbhaktilālasāḥ
die nach Hingabe an den Erhabenen verlangen
teṣāṃ saṅgo bhavet yasya
wem die Gemeinschaft mit ihnen zuteilwird
tasya śāntiḥ hi śāśvatī
dessen Friede ist fürwahr ewig

nārada uvāca kiṃlakṣaṇā bhāgavatāste ca kiṃ karṃma kurvate / teṣāṃ loko bhavetkīdṛktatsarvaṃ brūhi tattvataḥ //

Nārada sprach: Woran sind die Bhāgavatas erkennbar, und was für Werke vollziehen sie? Wie wäre ihr Zustand - sage mir dies alles der Wahrheit gemäß.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
kiṃlakṣaṇā bhāgavatāḥ
woran sind die Bhāgavatas erkennbar
te ca kiṃ karma kurvate
und was für Werke vollziehen sie
teṣāṃ loko bhavet kīdṛk
wie wäre ihr Zustand
tat sarvaṃ brūhi tattvataḥ
sage mir dies alles der Wahrheit gemäß

tvaṃ hi bhakto rameśasya devadevasya citriṇaḥ / etānnigadituṃ śaktastvato nāstyadhiko 'paraḥ //

Denn du bist ein Verehrer des Herrn der Lakṣmī, des Gottes der Götter, des Wunderbaren; du bist fähig, dies darzulegen - es gibt niemand Höheren als dich dafür.

Wort für Wort
tvaṃ hi bhakto rameśasya
denn du bist ein Verehrer des Herrn der Lakṣmī
devadevasya citriṇaḥ
des Gottes der Götter, des Wunderbaren
etān nigadituṃ śaktaḥ
fähig, dies darzulegen
tvato na asti adhikaḥ aparaḥ
es gibt niemand Höheren als dich

sanaka uvāca śṛṇu brahmanparaṃ guhyaṃ mārkaṇḍeyasya dhīmanaḥ ña / yamuvāca jagannātho yoganidrāvimocitaḥ //

Sanaka sprach: Höre, o Brahmane, das höchste Geheimnis des weisen Mārkaṇḍeya, das der Weltenherr sprach, nachdem er aus dem Yoga-Schlaf erwacht war.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
śṛṇu brahman paraṃ guhyam
höre, o Brahmane, das höchste Geheimnis
mārkaṇḍeyasya dhīmataḥ
des weisen Mārkaṇḍeya
yam uvāca jagannāthaḥ
das der Weltenherr sprach
yoganidrāvimocitaḥ
nachdem er aus dem Yoga-Schlaf erwacht war

[Anm.: hier beginnt die Rahmenerzählung um den Weisen Mṛkaṇḍu (Vater des Mārkaṇḍeya).]

yo 'sau viṣṇuḥ paraṃ jyotirdevadevaḥ sanātanaḥ / jagatkarttā śivabrahma svarupavān //

Er, jener Viṣṇu - das höchste Licht, der ewige Gott der Götter, der Weltenschöpfer, dessen Wesen Śiva und Brahman zugleich sind...

Wort für Wort
yaḥ asau viṣṇuḥ paraṃ jyotiḥ
er, jener Viṣṇu, das höchste Licht
devadevaḥ sanātanaḥ
der ewige Gott der Götter
jagatkarttā
der Weltenschöpfer
śivabrahmasvarupavān
dessen Wesen Śiva und Brahman ist

[Anm.: Satz setzt sich über V.43 fort.]

yugānte raudrarupeṇa brahmāṇḍagrāhitaḥ / jagatyekārṇavībhūte naṣṭe sthāvarajaṅgame //

...der am Ende des Zeitalters in schrecklicher Gestalt das Weltenei verschlingt, wenn die Welt zu einem einzigen Ozean geworden, das Bewegliche und Unbewegliche vernichtet ist.

Wort für Wort
yugānte raudrarupeṇa
am Ende des Zeitalters in schrecklicher Gestalt
brahmāṇḍagrāhitaḥ
das Weltenei verschlingend
jagati ekārṇavībhūte
wenn die Welt zu einem Ozean geworden
naṣṭe sthāvarajaṅgame
das Bewegliche und Unbewegliche vernichtet

[?] "brahmāṇḍagrāhitaḥ" unsichere Form, sinngemäß als "das Weltenei ergreifend/verschlingend" gedeutet.

bhagavāneva śeṣātmā śete vaṭadale hariḥ / asaṃkhyātābjajanmādyairābhūṣitatanūrūhaḥ //

...der erhabene Hari selbst, dessen Wesen Śeṣa ist, schläft auf dem Banyanblatt, dessen Körperhaare durch unzählige, mit dem Lotos-Geborenen beginnende Wesen geschmückt sind.

Wort für Wort
bhagavān eva śeṣātmā
der erhabene, dessen Wesen Śeṣa ist
śete vaṭadale hariḥ
schläft Hari auf dem Banyanblatt
asaṃkhyātābjajanmādyaiḥ
durch unzählige, mit dem Lotos-Geborenen beginnende
ābhūṣitatanūrūhaḥ
dessen Körperhaare geschmückt sind

[Anm.: vermutlich Anspielung auf das Motiv, dass in Viṣṇus Körperhaaren/-poren unzählige Universen samt ihren Brahmās enthalten sind.]

pādāṅguṣṭāgraniryātagaṅgāśītāmbupāvanaḥ / sūkṣmātsūkṣmataro devo brahmāṇḍagrāsaṃbṛṃhitaḥ //

...rein durch das aus der Spitze seiner Fußzehe entspringende kühle Gaṅgā-Wasser, der Gott, feiner als das Feinste, erfüllt vom Verschlingen des Welteis.

Wort für Wort
pādāṅguṣṭāgraniryāta-
aus der Spitze seiner Fußzehe entspringend
gaṅgāśītāmbupāvanaḥ
rein durch das kühle Gaṅgā-Wasser
sūkṣmāt sūkṣmataro devaḥ
der Gott, feiner als das Feinste
brahmāṇḍagrāsaṃbṛṃhitaḥ
erfüllt vom Verschlingen des Welteis

vaṭacchade śayāno 'bhūtsarvaśaktisamanvitaḥ / tasminsthāne mahābhāgo nārāyaṇaparāyaṇaḥ / mārkaṇḍeyaḥ sthinastasya līlāḥ paśyanmahe śituḥ //

...lag schlafend auf dem Banyanblatt, mit aller Kraft ausgestattet. An jenem Ort verweilte der hochgesegnete, Nārāyaṇa ergebene Mārkaṇḍeya, stehend, die Spiele jenes großen Herrn erschauend.

Wort für Wort
vaṭacchade śayānaḥ abhūt
lag schlafend auf dem Banyanblatt
sarvaśaktisamanvitaḥ
mit aller Kraft ausgestattet
tasmin sthāne mahābhāgo
an jenem Ort der hochgesegnete
nārāyaṇaparāyaṇaḥ mārkaṇḍeyaḥ sthitaḥ
Nārāyaṇa ergebene Mārkaṇḍeya, stehend
tasya līlāḥ paśyan maheśituḥ
die Spiele jenes großen Herrn erschauend

[Anm.: Vers enthält drei statt zwei Pādas in der Quelle.]

ṛṣaya ūcuḥ tasminkāle mahāghore naṣṭe sthāvarajaṅgame / harirekaḥ sthita iti mune pūrvaṃ hi śuśruma //

Die Weisen sprachen: In jener schrecklichen Zeit, als das Bewegliche und Unbewegliche vernichtet war, war allein Hari übriggeblieben - so haben wir, o Weiser, früher fürwahr gehört.

Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Weisen sprachen
tasmin kāle mahāghore
in jener schrecklichen Zeit
naṣṭe sthāvarajaṅgame
als das Bewegliche und Unbewegliche vernichtet war
hariḥ ekaḥ sthitaḥ iti mune
allein Hari war übrig, o Weiser
pūrvaṃ hi śuśruma
so haben wir früher fürwahr gehört

jagatyekārṇavībhūte naṣṭe sthāvarañjagame / sarvagrastena hariṇā kimarthaṃ so 'vaśeṣitaḥ //

Als die Welt zu einem einzigen Ozean geworden, das Bewegliche und Unbewegliche vernichtet war - weshalb wurde er von Hari, der alles verschlungen hatte, übriggelassen?

Wort für Wort
jagati ekārṇavībhūte
als die Welt zu einem Ozean geworden war
naṣṭe sthāvarajaṅgame
das Bewegliche und Unbewegliche vernichtet
sarvagrastena hariṇā
von Hari, der alles verschlungen hatte
kimarthaṃ so 'vaśeṣitaḥ
weshalb wurde er übriggelassen

paraṃ kautūhalaṃ hyatraṃ varttate 'tīva sūta naḥ / harikīrtisudhāpāne kasyālasyaṃ prajā yate //

Höchste Neugier haben wir, o Sūta, hierbei fürwahr in hohem Maße; wem entstünde beim Trinken des Nektars von Haris Ruhm schon Trägheit?

Wort für Wort
paraṃ kautūhalaṃ hi atra
höchste Neugier fürwahr hierbei
varttate atīva sūta naḥ
haben wir, o Sūta, in hohem Maße
harikīrtisudhāpāne
beim Trinken des Nektars von Haris Ruhm
kasya ālasyaṃ prajāyate
wem entstünde [da] Trägheit

sūta uvāca āsīnmunirmahābhāgo mṛkaṇḍuriti viśrutaḥ / śālagrāme mahātīrthe so 'tapyata mahātapāḥ //

Sūta sprach: Es lebte ein hochgesegneter Weiser, unter dem Namen 'Mṛkaṇḍu' bekannt; im großen Pilgerort Śālagrāma übte er, große Askese vollbringend.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
āsīn muniḥ mahābhāgaḥ
es lebte ein hochgesegneter Weiser
mṛkaṇḍu iti viśrutaḥ
unter dem Namen "Mṛkaṇḍu" bekannt
śālagrāme mahātīrthe
im großen Pilgerort Śālagrāma
so 'tapyata mahātapāḥ
übte er große Askese

yugānāma yutaṃ brahmangṛṇanbrahma sanātanam / nirāhāraḥ kṣamāyuktaḥ satyasandho jitendriyaḥ //

Zehntausend Zeitalter lang, o Brahmane, das ewige Brahman rezitierend, ohne Nahrung, geduldig, der Wahrheit verpflichtet, mit gebändigten Sinnen...

Wort für Wort
yugānām ayutaṃ brahman
zehntausend Zeitalter lang, o Brahmane
gṛṇan brahma sanātanam
das ewige Brahman rezitierend
nirāhāraḥ kṣamāyuktaḥ
ohne Nahrung, geduldig
satyasandho jitendriyaḥ
der Wahrheit verpflichtet, mit gebändigten Sinnen

[Anm.: "//ṭa" nach "sanātanam" im Digitalisat als Formatierungsartefakt entfernt.]

ātmavatsarvabhūtāni paśyanviṣayaniḥspṛhaḥ / sarvabhūtahito dānta statāpa sumahattapaḥ //

...alle Wesen wie sich selbst betrachtend, frei von Verlangen nach Sinnesobjekten, allen Wesen wohlgesinnt, gezähmt, übte er große Askese.

Wort für Wort
ātmavat sarvabhūtāni paśyan
alle Wesen wie sich selbst betrachtend
viṣayaniḥspṛhaḥ
frei von Verlangen nach Sinnesobjekten
sarvabhūtahito dāntaḥ
allen Wesen wohlgesinnt, gezähmt
sa atapat sumahattapaḥ
übte er große Askese

tattāpaḥśaṅkitāḥ sarve devā indrādayastadā / pareśaṃ śaraṇaṃ jagmurnārāyaṇamanāmayam //

Von jener Askese beunruhigt, suchten damals alle Götter, angeführt von Indra, Zuflucht beim höchsten Herrn Nārāyaṇa, dem Leidlosen.

Wort für Wort
tattāpaḥśaṅkitāḥ sarve devāḥ
von jener Askese beunruhigt, alle Götter
indrādayaḥ tadā
angeführt von Indra, damals
pareśaṃ śaraṇaṃ jagmuḥ
suchten Zuflucht beim höchsten Herrn
nārāyaṇam anāmayam
bei Nārāyaṇa, dem Leidlosen

kṣīrābdheruttaraṃ tīraṃ saṃprāpyatrivivaukasaḥ / tuṣṭuvurdevadeveśaṃ pahmanābhaṃ jagadgurum //

Das nördliche Ufer des Milchozeans erreichend, priesen die Himmelsbewohner den Herrn der Götter, den Lotosnabligen, den Weltenlehrer.

Wort für Wort
kṣīrābdheḥ uttaraṃ tīram
das nördliche Ufer des Milchozeans
saṃprāpya divaukasaḥ
erreichend, die Himmelsbewohner
tuṣṭuvur devadeveśam
priesen den Herrn der Götter
padmanābhaṃ jagadgurum
den Lotosnabligen, den Weltenlehrer

devā ūcuḥ nārāyaṇākṣarānanta śaraṇāgatapālaka / mṛkaṇḍutapasā trastānpāhi naḥ śaraṇāgatān //

Die Götter sprachen: O Nārāyaṇa, Unvergänglicher, Unendlicher, Beschützer der Schutzsuchenden - schütze uns, die wir, von Mṛkaṇḍus Askese erschreckt, Zuflucht gesucht haben.

Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
nārāyaṇa akṣara ananta
o Nārāyaṇa, Unvergänglicher, Unendlicher
śaraṇāgatapālaka
Beschützer der Schutzsuchenden
mṛkaṇḍutapasā trastān pāhi
schütze [uns], die von Mṛkaṇḍus Askese Erschreckten
naḥ śaraṇāgatān
uns, die Zuflucht Gesucht Haben

jaya devādhideveśa jaya śaṅkhagadādhara / jayo lokasvarupāya jayo brahmāṇḍahetave //

Heil dir, Herr der Götter der Götter! Heil dir, Träger von Muschelhorn und Keule! Heil dem, dessen Wesen die Welt ist! Heil dem, der die Ursache des Weltenei ist!

Wort für Wort
jaya devādhideveśa
Heil dir, Herr der Götter der Götter
jaya śaṅkhagadādhara
Heil dir, Träger von Muschelhorn und Keule
jayo lokasvarupāya
Heil dem, dessen Wesen die Welt ist
jayo brahmāṇḍahetave
Heil dem, der die Ursache des Weltenei ist

namaste devadeveśa namaste lokapāvana / namaste lokanāthāya namaste lokasākṣiṇe //

Verehrung dir, Herr der Götter der Götter! Verehrung dir, Reiniger der Welt! Verehrung dir, dem Herrn der Welt! Verehrung dir, dem Zeugen der Welt!

Wort für Wort
namaste devadeveśa
Verehrung dir, Herr der Götter der Götter
namaste lokapāvana
Verehrung dir, Reiniger der Welt
namaste lokanāthāya
Verehrung dir, dem Herrn der Welt
namaste lokasākṣiṇe
Verehrung dir, dem Zeugen der Welt

namaste dhyānagamyāya namaste dhyānahetave / namaste dhyānarupāya namaste dhyānapākṣiṇe //

Verehrung dir, dem durch Meditation zu Erreichenden! Verehrung dir, der Ursache der Meditation! Verehrung dir, dessen Gestalt die Meditation ist! Verehrung dir, [?].

Wort für Wort
namaste dhyānagamyāya
Verehrung dir, dem durch Meditation zu Erreichenden
namaste dhyānahetave
Verehrung dir, der Ursache der Meditation
namaste dhyānarupāya
Verehrung dir, dessen Gestalt die Meditation ist
namaste dhyāna-[?]
Verehrung dir, [?]

[?] "dhyānapākṣiṇe" unklar/vermutlich verderbt, nicht sicher deutbar.

keśihantre namastubhyaṃ madhuhantre parātmane / namo bhūmyādirūpāya namaścaitanyarupiṇe //

Dem Töter des Keśin sei Verehrung dir, dem Töter des Madhu, dem höchsten Selbst! Verehrung dem, dessen Gestalt die Erde und die übrigen Elemente sind, Verehrung dem, dessen Wesen das Bewusstsein ist!

Wort für Wort
keśihantre namastubhyam
dem Töter des Keśin sei Verehrung dir
madhuhantre parātmane
dem Töter des Madhu, dem höchsten Selbst
namo bhūmyādirūpāya
Verehrung dem, dessen Gestalt Erde usw. ist
namaścaitanyarupiṇe
Verehrung dem, dessen Wesen Bewusstsein ist

namo jyeṣṭāya śuddhāya nirguṇāya guṇātmane / arupāya svarupāya bahurupāya te namaḥ //

Verehrung dem Ältesten, dem Reinen, dem Eigenschaftslosen, dessen Wesen doch die Guṇas sind! Dem Gestaltlosen, dem in seiner Eigengestalt, dem Vielgestaltigen sei Verehrung dir!

Wort für Wort
namo jyeṣṭāya śuddhāya
Verehrung dem Ältesten, dem Reinen
nirguṇāya guṇātmane
dem Eigenschaftslosen, dessen Wesen die Guṇas sind
arupāya svarupāya
dem Gestaltlosen, dem in Eigengestalt
bahurupāya te namaḥ
dem Vielgestaltigen sei Verehrung dir

namo brahmaṇyadevāya gobrāhmaṇahitāya ca / jagaddhitāya kṛṣṇāya govindāya namonamaḥ //

Verehrung dem den Brahmanen gewogenen Gott, und dem den Kühen und Brahmanen Wohltuenden! Dem der Welt Wohltuenden, Kṛṣṇa, Govinda - Verehrung, immer wieder Verehrung!

Wort für Wort
namo brahmaṇyadevāya
Verehrung dem den Brahmanen gewogenen Gott
gobrāhmaṇahitāya ca
und dem den Kühen und Brahmanen Wohltuenden
jagaddhitāya kṛṣṇāya
dem der Welt Wohltuenden, Kṛṣṇa
govindāya namonamaḥ
Govinda, Verehrung, immer wieder Verehrung

namo hikṣamagarbhāya namo brahmādirupiṇe / namaḥ sūryyādirupāya havyakavyabhuje namaḥ //

Verehrung dem [?], Verehrung dem, dessen Gestalt Brahmā und die anderen Götter sind! Verehrung dem, dessen Gestalt die Sonne und die anderen Gestirne sind, dem Genießer der Havya- und Kavya-Opfergaben, Verehrung!

Wort für Wort
namo [?]-garbhāya
Verehrung dem [?]
namo brahmādirupiṇe
Verehrung dem, dessen Gestalt Brahmā usw. ist
namaḥ sūryyādirupāya
Verehrung dem, dessen Gestalt die Sonne usw. ist
havyakavyabhuje namaḥ
dem Genießer der Havya-/Kavya-Gaben Verehrung

[?] "hikṣamagarbhāya" unklar/vermutlich verderbt, evtl. "kṣamāgarbhāya" ("dessen Inneres die Erde/Geduld ist") - nicht sicher deutbar.

namo nityāya vandyāya sadānandaikarupiṇe / namaḥ smṛtārtināśāya bhūyo bhūyo namo namaḥ //

Verehrung dem Ewigen, dem Verehrungswürdigen, dessen einzige Gestalt die immerwährende Wonne ist! Verehrung dem, der beim Gedenken das Leid vernichtet - immer wieder, immer wieder Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
namo nityāya vandyāya
Verehrung dem Ewigen, dem Verehrungswürdigen
sadānandaikarupiṇe
dessen einzige Gestalt die immerwährende Wonne ist
namaḥ smṛtārtināśāya
Verehrung dem, der beim Gedenken das Leid vernichtet
bhūyo bhūyo namo namaḥ
immer wieder Verehrung, Verehrung

evaṃ devastutiṃ śrutvā bhagavānkamalāpatiḥ / pratyakṣatāmagātteṣāṃ śaṅkacatragadādharaḥ //

Nachdem er so das Lob der Götter vernommen hatte, wurde der erhabene Gemahl der Lotosgöttin, der Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule, ihnen sichtbar.

Wort für Wort
evaṃ devastutiṃ śrutvā
nachdem er so das Lob der Götter vernommen hatte
bhagavān kamalāpatiḥ
der erhabene Gemahl der Lotosgöttin
pratyakṣatām agāt teṣām
wurde ihnen sichtbar
śaṅkhacakragadādharaḥ
der Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule

vikacāmbujapatrākṣaṃ sūryyakoṭisamaprabham / sarvālaṅkārasaṃyuktaṃ śrīvatsāṅkitavakṣasam //

[Er erschien] mit Augen wie aufgeblühte Lotosblätter, von einem Glanz wie zehn Millionen Sonnen, mit allem Schmuck versehen, an dessen Brust das Śrīvatsa-Zeichen prangte.

Wort für Wort
vikacāmbujapatrākṣam
mit Augen wie aufgeblühte Lotosblätter
sūryyakoṭisamaprabham
von einem Glanz wie zehn Millionen Sonnen
sarvālaṅkārasaṃyuktam
mit allem Schmuck versehen
śrīvatsāṅkitavakṣasam
dessen Brust das Śrīvatsa-Zeichen trug

pītāmbaradharaṃ saumyaṃ svarṇayajñopavītinam / stṛyamānaṃ munivaraiḥ pārṣadapravarāvṛttam //

...gelbes Gewand tragend, mild, mit goldener Opferschnur, von den besten Weisen gepriesen, von den vorzüglichsten Begleitern umgeben.

Wort für Wort
pītāmbaradharaṃ saumyam
gelbes Gewand tragend, mild
svarṇayajñopavītinam
mit goldener Opferschnur
stṛyamānaṃ munivaraiḥ
von den besten Weisen gepriesen
pārṣadapravarāvṛttam
von den vorzüglichsten Begleitern umgeben

taṃ dṛṣyvā devasaṃghāste tattejohatatejasaḥ / namaścakrurmudā yuktā aṣṭāṅgauravaniṃ gatāḥ //

Als sie ihn erblickten, deren eigener Glanz von jenem Glanz überstrahlt war, erwiesen die Götterscharen freudvoll Verehrung, indem sie sich mit den acht Gliedern zu Boden warfen.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā devasaṃghāḥ te
als sie ihn erblickten, die Götterscharen
tattejohatatejasaḥ
deren eigener Glanz von jenem Glanz überstrahlt war
namaścakrur mudā yuktāḥ
erwiesen freudvoll Verehrung
aṣṭāṅgena avaniṃ gatāḥ
indem sie sich mit den acht Gliedern zu Boden warfen

tataḥ prasanno bhagavānmeghagaṃbhīranisvanaḥ / uvāca prīṇayandevānnatānindrapurogamān //

Dann sprach der erhabene, mit einer Stimme tief wie Donnergewölk, gnädig gestimmt, zu den sich verneigenden, von Indra angeführten Göttern, sie erfreuend.

Wort für Wort
tataḥ prasanno bhagavān
dann der erhabene, gnädig gestimmt
meghagaṃbhīranisvanaḥ
mit einer Stimme tief wie Donnergewölk
uvāca prīṇayan devān
sprach, die Götter erfreuend
natān indrapurogamān
die sich verneigenden, von Indra angeführten

śrībhagavānuvāca jāne vo mānasaṃ duḥkhaṃ mṛkaṇḍutapasoṅgam / yuṣmānna bādhate devāḥ sa ṛṣiḥ sajjanāgrāṇīḥ //

Der erhabene Herr sprach: Ich kenne euren seelischen Kummer, entstanden aus Mṛkaṇḍus Askese; aber jener Weise, der Erste unter den Guten, wird euch, o Götter, nicht schaden.

Wort für Wort
śrībhagavānuvāca
der erhabene Herr sprach
jāne vo mānasaṃ duḥkham
ich kenne euren seelischen Kummer
mṛkaṇḍutapasaḥ [?]
entstanden aus Mṛkaṇḍus Askese
yuṣmān na bādhate devāḥ
wird euch nicht schaden, o Götter
sa ṛṣiḥ sajjanāgrāṇīḥ
jener Weise, der Erste unter den Guten

[?] "tapasoṅgam" unsicher, sinngemäß als "aus [seiner] Askese entstanden" gedeutet.

saṃpadbhiḥ saṃyutā vāpi vipadbhiścāpi sajjanāḥ / sarvathānyaṃ na bādhante svapne 'pi surasattamāḥ //

Ob mit Wohlergehen oder auch mit Unglück versehen - die Guten schaden keinesfalls einem anderen, nicht einmal im Traum, o Beste der Götter.

Wort für Wort
saṃpadbhiḥ saṃyutā vā api
ob mit Wohlergehen versehen
vipadbhiḥ ca api sajjanāḥ
oder auch mit Unglück, die Guten
sarvathā anyaṃ na bādhante
schaden keinesfalls einem anderen
svapne api surasattamāḥ
nicht einmal im Traum, o Beste der Götter

satataṃ bādhyamāno 'pi viṣayākhyairarātibhiḥ / avidhāyātmano rakṣāmanyāndveṣṭi kathaṃ sudhīḥ //

Wie sollte ein Weiser, auch wenn er beständig von den 'Sinnesobjekte' genannten Feinden bedrängt wird, ohne sich selbst zu schützen, andere hassen?

Wort für Wort
satataṃ bādhyamānaḥ api
auch wenn beständig bedrängt
viṣayākhyaiḥ arātibhiḥ
von den "Sinnesobjekte" genannten Feinden
avidhāya ātmano rakṣām
ohne sich selbst zu schützen
anyān dveṣṭi kathaṃ sudhīḥ
wie sollte ein Weiser andere hassen

tāpatrayābhidhānena bādhyamāno hi mānavaḥ / anyaṃ krīḍayituṃ śaktaḥ kathaṃ bhavati sattamaḥ //

Wie könnte ein Mensch, der fürwahr von den drei sogenannten Leiden bedrängt wird, imstande sein, einen anderen zu quälen - wie sollte er dann noch ein Guter sein?

Wort für Wort
tāpatrayābhidhānena
von den drei sogenannten Leiden
bādhyamāno hi mānavaḥ
der Mensch, der fürwahr bedrängt wird
anyaṃ krīḍayituṃ śaktaḥ
imstande, einen anderen zu quälen
kathaṃ bhavati sattamaḥ
wie sollte er ein Guter sein

karmaṇā manasā vācā bādhate yaḥ sadā parān / nityaṃ kāmādibhiryukto mūḍhadhīḥ procyate tu saḥ //

Wer durch Tat, Gedanke und Wort stets andere bedrängt, stets von Begierde und dergleichen beherrscht - der wird als von törichtem Verstand bezeichnet.

Wort für Wort
karmaṇā manasā vācā
durch Tat, Gedanke und Wort
bādhate yaḥ sadā parān
wer stets andere bedrängt
nityaṃ kāmādibhiryuktaḥ
stets von Begierde und dergleichen beherrscht
mūḍhadhīḥ procyate tu saḥ
der wird als törichten Verstandes bezeichnet

yo lokahitakṛnmartyo gatāsuryo vimatsaraḥ / niḥśaṅgaḥ procyate sadbhirihāmutra ca sattamāḥ //

Der Sterbliche, der der Welt Wohltat erweist, frei vom Anhaften am eigenen Leben, frei von Neid - er wird von den Guten als 'ungebunden' bezeichnet, sowohl hier als auch im Jenseits.

Wort für Wort
yo lokahitakṛt martyo
der Sterbliche, der der Welt Wohltat erweist
gatāsuryo vimatsaraḥ
frei vom Anhaften am Leben, frei von Neid
niḥśaṅgaḥ procyate sadbhiḥ
wird von den Guten als "ungebunden" bezeichnet
iha amutra ca sattamāḥ
hier und im Jenseits, o ihr Besten

saśaṅkaḥ sarvadā duḥkhī niḥśaṅkaḥ sukhamānpuyāt / gacchadhvaṃ svālayaṃ svasthāḥ krīḍayiṣyati vo na saḥ //

Wer Zweifel hegt, ist stets leidvoll; wer frei von Zweifel ist, erlangt Glück. Geht heim, beruhigt - er wird euch nicht quälen.

Wort für Wort
saśaṅkaḥ sarvadā duḥkhī
wer Zweifel hegt, ist stets leidvoll
niḥśaṅkaḥ sukham āpnuyāt
wer frei von Zweifel ist, erlangt Glück
gacchadhvaṃ svālayaṃ svasthāḥ
geht heim, beruhigt
krīḍayiṣyati vo na saḥ
er wird euch nicht quälen

bhavatāṃ rakṣakaścāhaṃ viharadhvaṃ yathāsukham / iti datvā varaṃ teṣāmatasīkusumaprabhaḥ //

Und ich bin euer Beschützer - ergeht euch nach Belieben. So sprechend, ihnen einen Segen gewährend, verschwand der, dessen Glanz dem der Leinblüte gleicht.

Wort für Wort
bhavatāṃ rakṣakaḥ ca ahaṃ
und ich bin euer Beschützer
viharadhvaṃ yathāsukham
ergeht euch nach Belieben
iti datvā varaṃ teṣām
so sprechend, ihnen einen Segen gewährend
atasīkusumaprabhaḥ
der, dessen Glanz der Leinblüte gleicht

[Anm.: Satz setzt sich in V.77 fort.]

paśyatāmeva devānāṃ tatraivāntaradhīyata / tuṣṭātmānaḥ suragaṇāṃ yayurnākaṃ yathāgatam //

Vor den Augen der Götter selbst verschwand er eben dort; mit zufriedenem Gemüt zogen die Götterscharen zum Himmel, so wie sie gekommen waren.

Wort für Wort
paśyatām eva devānām
vor den Augen der Götter selbst
tatra eva antaradhīyata
verschwand er eben dort
tuṣṭātmānaḥ suragaṇāḥ
mit zufriedenem Gemüt die Götterscharen
yayur nākaṃ yathāgatam
zogen zum Himmel, so wie sie gekommen waren

mṛkaṇḍorapi tuṣṭātmā hariḥ pratyakṣatāmagāt / arupaṃ paramaṃ brahmasvaprakāśaṃ nirañjanam //

Auch dem Mṛkaṇḍu wurde der zufriedene Hari sichtbar, der gestaltlose, höchste, selbstleuchtende, makellose Brahman...

Wort für Wort
mṛkaṇḍoḥ api tuṣṭātmā hariḥ
auch dem Mṛkaṇḍu der zufriedene Hari
pratyakṣatām agāt
wurde sichtbar
arupaṃ paramaṃ brahma
der gestaltlose, höchste Brahman
svaprakāśaṃ nirañjanam
selbstleuchtend, makellos

atasīpuṣpasaṃkāśaṃ pītavāsasamacyacutam / divyāyudhadharaṃ dṛṣṭvā mṛkaṇḍurvismito 'bhavat //

...der Leinblüte gleichend, gelbgewandet, den Unvergänglichen; ihn mit göttlichen Waffen versehen erblickend, ward Mṛkaṇḍu erstaunt.

Wort für Wort
atasīpuṣpasaṃkāśam
der Leinblüte gleichend
pītavāsasam acyutam
gelbgewandet, den Unvergänglichen
divyāyudhadharaṃ dṛṣṭvā
ihn mit göttlichen Waffen versehen erblickend
mṛkaṇḍur vismito 'bhavat
ward Mṛkaṇḍu erstaunt

dhyānādunmīlya nayanaṃ apaśyaddharimagrataḥ / prasannavadanaṃ śāntaṃ dhātāraṃ viśvatejasam //

Aus seiner Meditation die Augen öffnend, erblickte er Hari vor sich, mit heiterem Antlitz, friedvoll, den Erhalter, dessen Glanz das All durchdringt.

Wort für Wort
dhyānāt unmīlya nayanam
aus der Meditation die Augen öffnend
apaśyat harim agrataḥ
erblickte er Hari vor sich
prasannavadanaṃ śāntam
mit heiterem Antlitz, friedvoll
dhātāraṃ viśvatejasam
den Erhalter, dessen Glanz das All [durchdringt]

romāñcitaśarīro 'sāvānandāśruvilocanaḥ / nanāma daṇḍavadbhūmau devadeva sanātanam //

Mit von Wonneschauer gesträubtem Körper, die Augen von Freudentränen erfüllt, verneigte er sich, wie ein Stab zu Boden fallend, vor dem ewigen Gott der Götter.

Wort für Wort
romāñcitaśarīro 'sau
mit gesträubtem Körper, dieser
ānandāśruvilocanaḥ
die Augen von Freudentränen erfüllt
nanāma daṇḍavat bhūmau
verneigte sich wie ein Stab auf der Erde
devadeva sanātanam
vor dem ewigen Gott der Götter

aśrubhiḥ kṣālayaṃstasya caraṇau harṣasaṃbhavaiḥ / śirasyañcalimādhāya stotuṃ samupacakrame //

Mit Tränen, die aus Freude entstanden, dessen Füße benetzend, die Hände zum gefalteten Gruß an sein Haupt legend, begann er, ihn zu preisen.

Wort für Wort
aśrubhiḥ kṣālayaṃs tasya caraṇau
mit Tränen dessen Füße benetzend
harṣasaṃbhavaiḥ
die aus Freude entstanden
śirasi añcalim ādhāya
die Hände an sein Haupt legend
stotuṃ samupacakrame
begann er zu preisen

mṛkaṇḍuruvāca namaḥ pareśāya parātmarupiṇe parātparasprātparataḥ parāya / apārapārāya parānukartre namaḥ parebhyaḥ parapāraṇāya //

Mṛkaṇḍu sprach: Verehrung dem höchsten Herrn, dessen Gestalt das höchste Selbst ist, dem Höchsten über dem Höchsten über dem Höchsten! Dem, dessen Grenze unerreichbar ist, dem Urheber des Höchsten sei Verehrung, dem Höchsten unter den Höchsten, dem, der über das Höchste hinausführt!

Wort für Wort
namaḥ pareśāya
Verehrung dem höchsten Herrn
parātmarupiṇe
dessen Gestalt das höchste Selbst ist
parātparasmāt parataḥ parāya
dem Höchsten über dem Höchsten über dem Höchsten
apārapārāya parānukartre
dem, dessen Grenze unerreichbar, dem Urheber des Höchsten
namaḥ parebhyaḥ parapāraṇāya
Verehrung dem Höchsten unter den Höchsten, der über das Höchste hinausführt

[Anm.: dichtes Wortspiel mit "para" ("höher/jenseits"), im Deutschen nicht restlos nachbildbar; sinngemäß wiedergegeben.]

yo nāmajātyādivikalpahīnaḥ śabdādidoṣavyatirekarupaḥ / bahusvarupo 'pi nirañjano yastamīśamīḍhyaṃ paramaṃ bhajāmi //

Ihn, der frei ist von den Unterscheidungen wie Name, Geburtsstand und dergleichen, dessen Wesen jenseits der Fehler von Wort und dergleichen ist, der, obgleich vielgestaltig, doch makellos ist - jenen preiswürdigen höchsten Herrn verehre ich.

Wort für Wort
yo nāmajātyādivikalpahīnaḥ
der frei von den Unterscheidungen wie Name, Geburtsstand ist
śabdādidoṣavyatirekarupaḥ
dessen Wesen jenseits der Fehler von Wort usw. ist
bahusvarupo 'pi nirañjanaḥ
der, obgleich vielgestaltig, makellos ist
tam īśam īḍhyaṃ paramaṃ bhajāmi
jenen preiswürdigen höchsten Herrn verehre ich

devāntavedyaṃ puruṣaṃ purāṇaṃ hiraṇyagarbhādijagatsvarupam / anūpamaṃ bhakti janānukampinaṃ bhajāmi sarveśvaramādimīḍyam //

Den nur am Ende aller Erkenntnis von den Göttern zu erfassenden, uralten Puruṣa, dessen Wesen die Welt mit Hiraṇyagarbha und den anderen Göttern ist, den Unvergleichlichen, den den hingebungsvollen Menschen Mitfühlenden, verehre ich - den Herrn von allem, den von Anbeginn Preiswürdigen.

Wort für Wort
devāntavedyaṃ puruṣaṃ purāṇam
den nur am Ende von den Göttern zu erfassenden, uralten Puruṣa
hiraṇyagarbhādijagatsvarupam
dessen Wesen die Welt mit Hiraṇyagarbha usw. ist
anūpamaṃ bhaktijanānukampinam
den Unvergleichlichen, den Verehrern Mitfühlenden
bhajāmi sarveśvaram ādimīḍyam
verehre ich, den Herrn von allem, von Anbeginn Preiswürdigen

paśyanti yaṃ vītasamastadoṣā dhyānaikaniṣṭhā vigataspṛhāśca / nivṛttamohāḥ paramaṃ pavitraṃ nato 'smi saṃsāranirvarttakaṃ tam //

Ihn, den die von allen Fehlern Freien, allein der Meditation Ergebenen, von Verlangen Freien, von Verblendung Abgekehrten erschauen, den höchsten Reinen - ihm, der dem Daseinskreislauf ein Ende setzt, verneige ich mich.

Wort für Wort
paśyanti yaṃ vītasamastadoṣāḥ
den die von allen Fehlern Freien erschauen
dhyānaikaniṣṭhā vigataspṛhāḥ ca
allein der Meditation Ergebenen, von Verlangen Freien
nivṛttamohāḥ paramaṃ pavitram
von Verblendung Abgekehrten, den höchsten Reinen
nato 'smi saṃsāranirvarttakaṃ tam
ihm, der dem Daseinskreislauf ein Ende setzt, verneige ich mich

smṛtārtināśanaṃ viṣṇuṃ śaraṇāgatapālakam / jagatsevyaṃ jagāddhāma pareśaṃ karuṇākaram //

Ich verneige mich vor Viṣṇu, der beim Gedenken das Leid vernichtet, dem Beschützer der Schutzsuchenden, dem von der Welt zu Verehrenden, der Wohnstatt der Welt, dem höchsten Herrn, dem Quell des Mitgefühls.

Wort für Wort
smṛtārtināśanaṃ viṣṇum
Viṣṇu, der beim Gedenken das Leid vernichtet
śaraṇāgatapālakam
den Beschützer der Schutzsuchenden
jagatsevyaṃ jagaddhāma
den von der Welt zu Verehrenden, die Wohnstatt der Welt
pareśaṃ karuṇākaram
den höchsten Herrn, den Quell des Mitgefühls

evaṃ stutaḥ sa bhagavānviṣṇustena maharṣiṇā / avāpa paramāṃ tuṣṭiṃ śaṅkhacakragadādharaḥ //

So von jenem großen Weisen gepriesen, erlangte der erhabene Viṣṇu, der Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule, höchste Zufriedenheit.

Wort für Wort
evaṃ stutaḥ sa bhagavān viṣṇuḥ
so gepriesen, der erhabene Viṣṇu
tena maharṣiṇā
von jenem großen Weisen
avāpa paramāṃ tuṣṭim
erlangte höchste Zufriedenheit
śaṅkhacakragadādharaḥ
der Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule

ayāliṅgya muniṃ devaścaturbhirdīrghabāhubhiḥ / uvāca paramaṃ prītyā varaṃ baraya suvrata //

Der Gott umarmte den Weisen mit seinen vier langen Armen und sprach mit höchster Zuneigung: 'Erbitte einen Segen, du von gutem Gelübde.'

Wort für Wort
āliṅgya muniṃ devaḥ
der Gott, den Weisen umarmend
caturbhirdīrghabāhubhiḥ
mit seinen vier langen Armen
uvāca paramaṃ prītyā
sprach mit höchster Zuneigung
varaṃ varaya suvrata
erbitte einen Segen, du von gutem Gelübde

[?] "ayāliṅgya" vermutlich für "āliṅgya" ("umarmend").

prīto 'smi tapasā tena stotreṇa ca tavānagha / manasā yadabhipretaṃ varaṃ varaya suvrata //

Ich bin erfreut durch jene deine Askese und durch dein Loblied, o Sündloser; erbitte den Segen, den dein Sinn begehrt, du von gutem Gelübde.

Wort für Wort
prīto 'smi tapasā tena
ich bin erfreut durch jene Askese
stotreṇa ca tava anagha
und durch dein Loblied, o Sündloser
manasā yadabhipretam
was dein Sinn begehrt
varaṃ varaya suvrata
erbitte den Segen, du von gutem Gelübde

mṛkaṇḍurūvāca devadeva jagannātha kṛtārtho 'smi na saṃśayaḥ / tvaddarśanamapuṇyānāṃ durlabhaṃ ca yataḥ smṛtam //

Mṛkaṇḍu sprach: O Gott der Götter, Herr der Welt, ich bin am Ziel, kein Zweifel; denn dein Anblick gilt als den Unverdienstvollen unerreichbar.

Wort für Wort
mṛkaṇḍuruvāca
Mṛkaṇḍu sprach
devadeva jagannātha
o Gott der Götter, Herr der Welt
kṛtārtho 'smi na saṃśayaḥ
ich bin am Ziel, kein Zweifel
tvaddarśanam apuṇyānāṃ durlabham
dein Anblick gilt den Unverdienstvollen als unerreichbar

brahmādyā yaṃ na vaśyanti yoginaḥ saṃśitavratāḥ / dharmiṣṭā dīkṣitāśvāpi vītarāgā vimatsarāḥ //

Den selbst Brahmā und die anderen Götter nicht erschauen, ebensowenig die Yogis von strengem Gelübde, die Rechtschaffenen, selbst die Geweihten, die von Leidenschaft Freien, die Neidlosen...

Wort für Wort
brahmādyā yaṃ na paśyanti
den Brahmā und die anderen nicht erschauen
yoginaḥ saṃśitavratāḥ
die Yogis von strengem Gelübde
dharmiṣṭā dīkṣitāḥ api
die Rechtschaffenen, selbst die Geweihten
vītarāgā vimatsarāḥ
die von Leidenschaft Freien, die Neidlosen

[?] "na vaśyanti" ergibt keinen Sinn, als "na paśyanti" ("nicht erschauen") gedeutet.

taṃ paśyāmi paraṃ dhāma kimato 'nyaṃ varaṃ vṛṇe / etenaiva kṛtārtho 'smi janārdana jagaddharo //

Ihn, den höchsten Glanzort, erschaue ich - was für einen anderen Segen sollte ich da erbitten? Eben dadurch bin ich am Ziel, o Janārdana, Träger der Welt.

Wort für Wort
taṃ paśyāmi paraṃ dhāma
ihn, den höchsten Glanzort, erschaue ich
kimato 'nyaṃ varaṃ vṛṇe
was für einen anderen Segen sollte ich erbitten
etena eva kṛtārtho 'smi
eben dadurch bin ich am Ziel
janārdana jagaddharo
o Janārdana, Träger der Welt

yatrāmasmṛtimātreṇa mahāpātakino 'pi ye / tatpade paramaṃ yānti te dṛṣṭvā kiṣunācyuta //

Wo selbst die, die große Sünder sind, durch bloßes Gedenken zu jenem höchsten Ort gelangen - was erst, wenn sie dich gesehen haben, o Unvergänglicher!

Wort für Wort
yatra smṛtimātreṇa
wo durch bloßes Gedenken
mahāpātakino 'pi ye
selbst die, die große Sünder sind
tatpade paramaṃ yānti
zu jenem höchsten Ort gelangen
te dṛṣṭvā kiṃ punaḥ acyuta
was erst, wenn sie [dich] gesehen haben, o Unvergänglicher

[?] "kiṣunācyuta" verderbt, als "kiṃ punaḥ acyuta" gedeutet.

śrībhagavānuvāca satyatpruktaṃ tvayā brahmānprīno 'smi tava paṇḍita / madṛrśanaṃ hi viphalaṃ na kadācidbhaviṣyati //

Der erhabene Herr sprach: Wahr ist, was du gesprochen hast, o Brahmane; ich bin erfreut über dich, o Gelehrter. Mein Anblick wird fürwahr niemals fruchtlos sein.

Wort für Wort
śrībhagavānuvāca
der erhabene Herr sprach
satyaṃ proktaṃ tvayā brahman
wahr ist, was du gesprochen hast, o Brahmane
prīno 'smi tava paṇḍita
ich bin erfreut über dich, o Gelehrter
maddarśanaṃ hi viphalaṃ na kadācid bhaviṣyati
mein Anblick wird fürwahr niemals fruchtlos sein

viṣṇirbhaktakuṭumbīti vadanti vivudhāḥ sadā / tadeva pālayiṣyāmi majjano nānṛtaṃ vadet //

'Viṣṇu ist der Familienvorstand seiner Verehrer' - so sprechen die Weisen allzeit; eben dies werde ich wahren, damit mein Verehrer dies nicht als Unwahrheit bezeichnen muss.

Wort für Wort
viṣṇurbhaktakuṭumbī iti
"Viṣṇu ist der Familienvorstand seiner Verehrer"
vadanti vibudhāḥ sadā
so sprechen die Weisen allzeit
tadeva pālayiṣyāmi
eben dies werde ich wahren
mama jano na anṛtaṃ vadet
damit mein Verehrer nicht Unwahrheit spreche

tasmāttvattapasātuṣṭo yāsyāmi tava putratām / samastaguṇasaṃyukto dīrghajīvī svarupavān //

Deshalb, erfreut durch deine Askese, werde ich dein Sohn werden - mit allen guten Eigenschaften versehen, langlebig, von schöner Gestalt.

Wort für Wort
tasmāt tvattapasā tuṣṭaḥ
deshalb, erfreut durch deine Askese
yāsyāmi tava putratām
werde ich dein Sohn werden
samastaguṇasaṃyuktaḥ
mit allen guten Eigenschaften versehen
dīrghajīvī svarupavān
langlebig, von schöner Gestalt

mama janma kule yasya katatkulaṃ mokṣagāmi vai / mayi tuṣṭe muniśreṣṭha kimasādhyaṃ jagatraye //

In wessen Geschlecht meine Geburt erfolgt, jenes Geschlecht gelangt fürwahr zur Erlösung; wenn ich zufrieden bin, o Bester der Weisen, was wäre da in den drei Welten unerreichbar?

Wort für Wort
mama janma kule yasya
in wessen Geschlecht meine Geburt [erfolgt]
tatkulaṃ mokṣagāmi vai
jenes Geschlecht gelangt fürwahr zur Erlösung
mayi tuṣṭe muniśreṣṭha
wenn ich zufrieden bin, o Bester der Weisen
kimasādhyaṃ jagatraye
was wäre in den drei Welten unerreichbar

ityuktvā devadevaśo muneratasya samīkṣataḥ / antardadhe mṛkaṇḍuśca tapasaḥ samavartata //

So sprechend, verschwand der Herr der Götter der Götter vor den Augen eben jenes Weisen; und Mṛkaṇḍu kehrte von seiner Askese zurück.

Wort für Wort
ityuktvā devadevaśo
so sprechend, der Herr der Götter der Götter
muner asya samīkṣataḥ
vor den Augen eben jenes Weisen
antardadhe
verschwand er
mṛkaṇḍuḥ ca tapasaḥ samavartata
und Mṛkaṇḍu kehrte von seiner Askese zurück

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