Die Weisen sprachen: Wohlgetan, o Sūta, du Hochbeglückter! Von dir, dem überaus Mitfühlenden, wurde uns die vortreffliche Größe der Gaṅgā vorgetragen, die die ganze Flut der Sünde hinwegnimmt.
Wort für Wort
sādhu sūta mahābhāga tvayātikaruṇātmanā /
wohlgetan, o Sūta, du Hochbeglückter, von dir, dem überaus Mitfühlenden
śrāvitaṃ sarvapāpaughaṃ gaṅgāmāhātmyamuttamam
wurde uns die vortreffliche Größe der Gaṅgā vorgetragen, die die ganze Flut der Sünde hinwegnimmt
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (15.) Kapitels vorangestellt, gefolgt von einer Trennlinie -- ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.] [?] 'sarvapāpanghaṃ' im Quelltext -- als 'sarvapāpaughaṃ' gedeutet; 'gaṅgāmāhātmya muttamam' als Sandhi von 'gaṅgāmāhātmyam uttamam'.
Sūta sprach: Höret, all ihr Weisen! Was von Nārada, dem göttlichen Weisen, wiederum gefragt wurde und wie [Sanaka] antwortete -- eben dies will ich verkünden.
Wort für Wort
śṛṇudhvamṛṣayaḥ sarve nāradena surarṣiṇā /
höret, all ihr Weisen! was von Nārada, dem göttlichen Weisen
pṛṣṭaṃ punaryathā prāha pravakṣyāmi tathaiva tat
wiederum gefragt wurde und wie [Sanaka] antwortete -- eben dies will ich verkünden
Nachdem er die vortreffliche Größe der Gaṅgā, reich an mancherlei Erzählungen und Geschichten, vernommen hatte, fragte der Sohn Brahmās wiederum mit Sorgfalt dies:
Wort für Wort
nānākhyānetihāsāḍhyaṃ gaṅgāmāhātmyamuttamam /
die vortreffliche Größe der Gaṅgā, reich an mancherlei Erzählungen und Geschichten
śrutvā brahmasuto bhūyaḥ pṛṣṭavānidamādarāt
nachdem er sie vernommen hatte, fragte der Sohn Brahmās wiederum mit Sorgfalt dies
Nārada sprach: Ach, überaus glückbringend, die alleinige Essenz guten Werkes, habe ich vernommen -- heilig, von unverhüllter Bedeutung: die Größe der Gaṅgā, die Sünde vernichtend, von dir, o mitleidsvoller Muni, nach Wunsch vorgetragen.
ye sādhavaḥ sādhu bhajanti viṣṇuṃ svārthaṃ parārthaṃ ca yatanta eva /
nānopadeśaiḥ suvimugdhacittaṃ prabodhayanti prasabhaṃ prasannam
Diejenigen Guten, die Viṣṇu recht verehren und sich sowohl um das eigene wie um das fremde Wohl bemühen, sie erwecken mit mancherlei Belehrungen gewaltsam das gänzlich verblendete, doch heitere Gemüt [der Menschen].
Wort für Wort
ye sādhavaḥ sādhu bhajanti viṣṇuṃ svārthaṃ parārthaṃ ca yatanta eva /
die Guten, die Viṣṇu recht verehren und sich um das eigene wie um das fremde Wohl bemühen
Darum verkünde die Gelübde Haris, durch deren Vollzug Viṣṇu Freude erlangt; er, der Mitleidsvolle, verleiht denen, die ihn verehren, Hingabe -- die Erlösung aber ist, wie bekannt, nur ihre Dienerin.
Mukunda verleiht denen, die ihm ergeben, dem Gelübde, der Verehrung und der Meditation hingegeben sind, die Erlösung; im Dienst unter den Hingegebenen, so erwägt er, bedarf es für niemandes Bhakti-Yoga großer Mühe.
Mukunda verleiht denen, die ihm ergeben, dem Gelübde, der Verehrung und Meditation hingegeben, die Erlösung
bhaktānusevāsu mahāprayāsaṃ vimṛśya kasyāpi na bhaktiyogam
im Dienst unter den Hingegebenen bedarf es, wie er erwägt, für niemandes Bhakti-Yoga großer Mühe [?]
[?] Der zweite Halbvers ('bhaktānusevāsu mahāprayāsaṃ vimṛśya kasyāpi na bhaktiyogam') ist syntaktisch schwierig und wurde sinngemäß gedeutet: die Hingabe (bhaktiyoga) erfordert im Dienst unter Gottergebenen für niemanden große Mühe.
pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca yatkarma hareastoṣaṇam /
tadākhyāhi muniśreṣṭha viṣṇubhakto 'si mānada
Welches Werk, sei es des weltlichen Wirkens oder der Weltentsagung, Hari erfreut -- dies verkünde, o bester der Munis, du Verehrer Viṣṇus, o Ehrenspender.
Wort für Wort
pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca yatkarma hareastoṣaṇam /
welches Werk, des weltlichen Wirkens oder der Weltentsagung, Hari erfreut [?]
tadākhyāhi muniśreṣṭha viṣṇubhakto 'si mānada
dies verkünde, o bester der Munis, du Verehrer Viṣṇus, o Ehrenspender
[?] 'harito ṣaṇam' im Quelltext -- als 'hareḥ toṣaṇam' ('was Hari erfreut') gedeutet.
Sanaka sprach: Gut, gut, bester der Munis! Ein Hingegebener des höchsten Menschen bist du, da du immer wieder nach der Geschichte dessen fragst, der den Bogen Śārṅga trägt.
Durch welches Mittel auch immer -- diejenigen, die der Verehrung Haris hingegeben sind, gelangen zum höchsten Ort; so haben es die großen Weisen erklärt.
Wort für Wort
yena kenāpyupāyena haripūjāparāyaṇāḥ /
durch welches Mittel auch immer -- die der Verehrung Haris Hingegebenen
prayānti paramaṃ sthānamiti prāhurmaharṣayaḥ
gelangen zum höchsten Ort; so haben es die großen Weisen erklärt
mārgaśīrṣe site pakṣe dvādaśyāṃ jalaśāyinam /
upoṣito 'rcayetsamyaṅ naraḥ śraddhāsamanvitaḥ
Im Monat Mārgaśīrṣa, in der hellen Monatshälfte, am zwölften Tag, soll der Mensch, fastend, den auf dem Wasser Ruhenden recht verehren, von Glauben erfüllt.
Wort für Wort
mārgaśīrṣe site pakṣe dvādaśyāṃ jalaśāyinam /
im Monat Mārgaśīrṣa, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag, den auf dem Wasser Ruhenden
upoṣito 'rcayetsamyaṅ naraḥ śraddhāsamanvitaḥ
soll der Mensch, fastend, recht verehren, von Glauben erfüllt
Nachdem er gebadet, weiße Gewänder trägt, zuvor die Zähne gereinigt hat -- mit Duftstoff, Blüten und ungeschältem Reis, mit Räucherwerk und Lampen, denen die Speiseopfer vorangehen --
Wort für Wort
snātvā śuklāmbaradharo dantadhāvanapūrvakam /
nachdem er gebadet, weiße Gewänder trägt, zuvor die Zähne gereinigt hat
gandhapuṣpākṣatairdhūpair dīpairnaivedyapūrvakaiḥ
mit Duftstoff, Blüten und ungeschältem Reis, mit Räucherwerk und Lampen, denen die Speiseopfer vorangehen
Dreimal täglich soll er ihn mit Hingabe verehren, zusammen mit der großen Lakṣmī; wiederum am Morgen aufstehend, nachdem er die vorgeschriebenen Verrichtungen ausgeführt hat,
Wort für Wort
trikālaṃ pūjayedbhaktyā mahālakṣmyā samanvitam /
dreimal täglich soll er ihn mit Hingabe verehren, zusammen mit der großen Lakṣmī
punaḥ kalye samutthāya kṛtvā karma yathocitam
wiederum am Morgen aufstehend, nachdem er die vorgeschriebenen Verrichtungen ausgeführt hat
paramānnapradānena mama syādiṣṭadāyakaḥ /
brahmaṇānbhojayetpaścācchaktito bandhubhiḥ saha
durch die Gabe dieser vortrefflichen Speise möge er mir der Gewährer des Erwünschten sein.' Danach soll er, nach Vermögen, Brahmanen zusammen mit ihren Verwandten speisen.
Wort für Wort
paramānnapradānena mama syādiṣṭadāyakaḥ /
'durch die Gabe dieser vortrefflichen Speise möge er mir der Gewährer des Erwünschten sein'
brahmaṇānbhojayetpaścācchaktito bandhubhiḥ saha
danach soll er, nach Vermögen, Brahmanen zusammen mit ihren Verwandten speisen
mantreṇānena viprāya dattvā vai dānamuttamam /
dvijāṃśca bhojayecchaktyā svayamadyātsabāndhavaḥ
Nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen die vortreffliche Gabe gegeben hat, soll er nach Vermögen Zweifachgeborene speisen und selbst zusammen mit den Verwandten essen.
Wort für Wort
mantreṇānena viprāya dattvā vai dānamuttamam /
nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen die vortreffliche Gabe gegeben hat
dvijāṃśca bhojayecchaktyā svayamadyātsabāndhavaḥ
soll er nach Vermögen Zweifachgeborene speisen und selbst zusammen mit den Verwandten essen
[?] 'bhojeyacchaktyā' im Quelltext -- als 'bhojayecchaktyā' gedeutet.
Nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen, von Hingabe erfüllt, die Gabe gegeben hat, soll er nach Vermögen Brahmanen speisen, indem er des Herrn Mādhava gedenkt.
Wort für Wort
mantreṇānena viprāya dattvā bhaktisamanvitaḥ /
nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen, von Hingabe erfüllt, die Gabe gegeben hat
sadakṣiṇaṃ ca viprāya dadyādvai taṇḍulāḍhakam /
prāṇarupī mahāviṣṇuḥ prāṇadaḥ sarvavallabhaḥ
Ein Āḍhaka Reiskörner gebe er, samt Gebühr, dem Brahmanen: 'Der große Viṣṇu, von der Gestalt des Lebensatems, der Geber des Lebensatems, der allen Liebe --
Wort für Wort
sadakṣiṇaṃ ca viprāya dadyādvai taṇḍulāḍhakam /
ein Āḍhaka Reiskörner gebe er, samt Gebühr, dem Brahmanen
prāṇarupī mahāviṣṇuḥ prāṇadaḥ sarvavallabhaḥ
'der große Viṣṇu, von der Gestalt des Lebensatems, der Geber des Lebensatems, der allen Liebe'
droṇakṣīreṇa deveśaṃ snāpayedbhaktisaṃyutaḥ /
jāgaraṃ tatra kartavyaṃ trikālārcanasaṃyutam
mit einer Droṇa-Maß Milch bade er, von Hingabe erfüllt, den Gott der Götter; die Nachtwache soll dort gehalten werden, verbunden mit dreimaliger Verehrung.
Wort für Wort
droṇakṣīreṇa deveśaṃ snāpayedbhaktisaṃyutaḥ /
mit einer Droṇa-Maß Milch bade er, von Hingabe erfüllt, den Gott der Götter
jāgaraṃ tatra kartavyaṃ trikālārcanasaṃyutam
die Nachtwache soll dort gehalten werden, verbunden mit dreimaliger Verehrung
Am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Āṣāḍha soll der Gelübdehalter, fastend, die Sinne bezähmend, den Vāmana mit dem früher genannten Maß an Milch baden.
Wort für Wort
āṣāḍhaśukladvādaśyāmupavāsī jitendriyaḥ /
am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Āṣāḍha, fastend, die Sinne bezähmend
vāmanaṃ pūrvamānena snāpayetpayasā vratī
soll der Gelübdehalter den Vāmana mit dem früher genannten Maß an Milch baden
namaste vāmanāyeti dūrvājyāṣṭottaraṃ śatam /
hutvā ca jāgaraṃ kuryādvāmanaṃ cārcayetpunaḥ
'Verehrung dir, Vāmana!' -- so sprechend, opfere er hundertacht Opfergaben von Dūrvā-Gras und Ghee, und halte die Nachtwache; er verehre Vāmana wiederum.
Wort für Wort
namaste vāmanāyeti dūrvājyāṣṭottaraṃ śatam /
'Verehrung dir, Vāmana!' -- so sprechend, [opfere er] hundertacht [Opfergaben] von Dūrvā-Gras und Ghee
hutvā ca jāgaraṃ kuryādvāmanaṃ cārcayetpunaḥ
nachdem er geopfert hat, halte er die Nachtwache; er verehre Vāmana wiederum
'Vāmana ist der Geber der Einsicht, der Opferpriester; in den Dingen weilend ist Vāmana allzeit; Vāmana ist der Erretter aus diesem Dasein -- Verehrung, Verehrung dem Vāmana!'
Wort für Wort
vāmano buddhido hotā dravyastho vāmanaḥ sadā /
'Vāmana ist der Geber der Einsicht, der Opferpriester; in den Dingen weilend ist Vāmana allzeit'
vāmanastārako 'smācca vāmanāya namo namaḥ
'Vāmana ist der Erretter aus diesem Dasein -- Verehrung, Verehrung dem Vāmana!'
Nachdem er so den Dickmilchreis gegeben hat, speise er nach Vermögen Zweifachgeborene; wer dies so vollzieht, erlangt die Frucht von hundert Agniṣṭoma-Opfern.
Wort für Wort
anena dattvā dadhyannaṃ śaktito bhojayeddvijān /
nachdem er so den Dickmilchreis gegeben hat, speise er nach Vermögen Zweifachgeborene
kṛtvaivaṃ agniṣṭomānāṃ śatasya phalamāpnuyāt
wer dies so vollzieht, erlangt die Frucht von hundert Agniṣṭoma-Opfern [?]
[?] 'vamagriṣṭomānāṃ' im Quelltext unklar -- als 'agniṣṭomānāṃ' gedeutet.
namo 'stu śrīdharāyeti gandhādyaiḥ pūjayetkramāt /
juhuyātpṛṣadājyena śatamaṣṭottaraṃ mune
Mit 'Namo 'stu Śrīdharāya' verehre er ihn der Reihe nach mit Duftstoff und anderem; er opfere mit geronnener Milch und Ghee hundertacht Opfergaben, o Muni.
Wort für Wort
namo 'stu śrīdharāyeti gandhādyaiḥ pūjayetkramāt /
mit 'Namo 'stu Śrīdharāya' verehre er ihn der Reihe nach mit Duftstoff und anderem
juhuyātpṛṣadājyena śatamaṣṭottaraṃ mune
er opfere mit geronnener Milch und Ghee hundertacht Opfergaben, o Muni
Nachdem er so Glück verleihend gegeben hat, speise der Gelübdehalter nach Vermögen Brahmanen; wer so handelt, erlangt die Frucht von tausend Aśvamedha-Opfern.
jāgarādīni nirvartya dadyādātmavide tataḥ /
sārdhāḍhakaṃ ca godhūmāndakṣiṇāṃ hema śaktitaḥ
Nachdem er die Nachtwache und die übrigen Riten vollzogen hat, gebe er sodann dem Seelenkundigen anderthalb Āḍhaka Weizen, samt Gebühr und, nach Vermögen, Gold.
Wort für Wort
jāgarādīni nirvartya dadyādātmavide tataḥ /
nachdem er die Nachtwache und die übrigen Riten vollzogen hat, gebe er sodann dem Seelenkundigen
sārdhāḍhakaṃ ca godhūmāndakṣiṇāṃ hema śaktitaḥ
anderthalb Āḍhaka Weizen, samt Gebühr und, nach Vermögen, Gold
[?] 'jāgarādīnini' im Quelltext -- als 'jāgarādīni' gedeutet.
Am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Kārtika, fastend, die Sinne bezähmend, bade er ihn mit einem Āḍhaka-Maß Milch und ebenso mit ebenso viel Ghee.
Wort für Wort
dvādaśyāṃ kārtike śukle upavāsī jitendriyaḥ /
am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Kārtika, fastend, die Sinne bezähmend
kṣīreṇāḍhakamānena snāpayedvai tathā ghṛtena
bade er ihn mit einem Āḍhaka-Maß Milch und ebenso mit ebenso viel Ghee [?]
[?] 'kṣīreṇākaḍhakamānena dandhā vājyena tāvatā' im Quelltext unklar/verderbt überliefert; sinngemäß als 'mit einem Āḍhaka-Maß Milch und ebenso viel Ghee' gedeutet.
Er opfere wiederum hundertacht Opfergaben mit Sesam und Ghee; Speise, versehen mit den fünf Arten von Genussmitteln, gebe er mit Hingabe dem Brahmanen.
Wort für Wort
punaraṣṭottaraśataṃ juhuyātsaghṛtaistilaiḥ /
er opfere wiederum hundertacht Opfergaben mit Sesam und Ghee
pañcabhakṣyayutaṃ cānnaṃ dadyādviprāya bhaktitaḥ
Speise, versehen mit den fünf Arten von Genussmitteln, gebe er mit Hingabe dem Brahmanen
Nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dem hausväterlichen, vedenkundigen Brahmanen gegeben hat, gebe er die Gebühr nach Vermögen und speise auch andere Brahmanen.
Wort für Wort
anena dattvā dānaṃ ca śrotriyāya kuṭumbine /
nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dem hausväterlichen, vedenkundigen Brahmanen gegeben hat
dakṣiṇāñca yathāśaktyā brāhmaṇāṃśvāpi bhojayet
gebe er die Gebühr nach Vermögen und speise auch andere Brahmanen
Nachdem der Gelübdehalter das Gelübde ein volles Jahr vollzogen hat, soll er die Abschlussfeier vollziehen, an der Dvādaśī der hellen Monatshälfte des Mārgaśīrṣa, o Herr der Munis.
Wort für Wort
pūrṇaṃ saṃvatsaraṃ kṛtvā kuryādudyāpanaṃ vratī /
nachdem der Gelübdehalter das Gelübde ein volles Jahr vollzogen hat, soll er die Abschlussfeier vollziehen
mārgaśīrṣāsite pakṣe dvādaśyāṃ ca munīśvara
an der Dvādaśī der hellen Monatshälfte des Mārgaśīrṣa, o Herr der Munis
Nachdem er sich am Morgen der Sitte gemäß gewaschen hat, zuvor die Zähne gereinigt, weiße Kränze und Gewänder tragend, mit weißer duftender Salbe gesalbt,
Wort für Wort
snātvā prātaryathācāraṃ dantadhāvanapūrvakam /
nachdem er sich am Morgen der Sitte gemäß gewaschen hat, zuvor die Zähne gereinigt
śuklamālyāmbaradharaḥ śuklagandhānulepanaḥ
weiße Kränze und Gewänder tragend, mit weißer duftender Salbe gesalbt
Der hingebungsvolle Gelübdehalter soll ein Bild des Gottes Lakṣmī-Nārāyaṇa anfertigen lassen, sei es aus Gold, aus Silber, oder auch aus Kupfer, o Zweifachgeborener,
Wort für Wort
lakṣmīnārāyaṇaṃ devaṃ kārayedbhaktimānvratī /
der hingebungsvolle Gelübdehalter soll ein Bild des Gottes Lakṣmī-Nārāyaṇa anfertigen lassen
hemnā vā rājatenāpi tathā tāmreṇa vā dvija
sei es aus Gold, aus Silber, oder auch aus Kupfer, o Zweifachgeborener
sthāpayetpratimāṃ tāṃ ca kumbhopari susaṃyamī /
tanmūlyaṃ vā dvijaśreṣṭha kāñcanaṃ ca svaśaktitaḥ
und dieses Bildnis stelle er, wohlbeherrscht, oben auf den Krug; oder er gebe dessen Wert in Gold, o bester der Zweifachgeborenen, nach eigenem Vermögen.
Wort für Wort
sthāpayetpratimāṃ tāṃ ca kumbhopari susaṃyamī /
und dieses Bildnis stelle er, wohlbeherrscht, oben auf den Krug
tanmūlyaṃ vā dvijaśreṣṭha kāñcanaṃ ca svaśaktitaḥ
oder er gebe dessen Wert in Gold, o bester der Zweifachgeborenen, nach eigenem Vermögen
tataḥ prātaḥ samutthāya prātaḥ kṛtyaṃ samāpya ca /
tilahomānvyāhṛtibhiḥ sahasraṃ ca hunedvijaiḥ
Dann, am Morgen aufstehend und die morgendlichen Verrichtungen beendet, opfere er, zusammen mit Brahmanen, tausend Sesam-Opfergaben mit den heiligen Vyāhṛti-Sprüchen.
Wort für Wort
tataḥ prātaḥ samutthāya prātaḥ kṛtyaṃ samāpya ca /
dann, am Morgen aufstehend und die morgendlichen Verrichtungen beendet
tilahomānvyāhṛtibhiḥ sahasraṃ ca hunedvijaiḥ
opfere er, zusammen mit Brahmanen, tausend Sesam-Opfergaben mit den Vyāhṛti-Sprüchen [?]
[?] 'tilahomānvyāhṛtibhiḥ sahasraṃra kāvyeddvijaiḥ' im Quelltext verderbt -- sinngemäß als 'tilahomān vyāhṛtibhiḥ sahasraṃ ca hunedvijaiḥ' gedeutet.
dadyāddvādaśaviprebhyo dadhyannaṃ pāyasaṃ tathā /
apūpairdaśabhiryuktaṃ saghṛtaṃ ca sadakṣiṇam
Er gebe zwölf Brahmanen Dickmilchreis und ebenso Milchreis, verbunden mit zehn Kuchen, samt Ghee und Gebühr.
Wort für Wort
dadyāddvādaśaviprebhyo dadhyannaṃ pāyasaṃ tathā /
er gebe zwölf Brahmanen Dickmilchreis und ebenso Milchreis
apūpairdaśabhiryuktaṃ saghṛtaṃ ca sadakṣiṇam
verbunden mit zehn Kuchen, samt Ghee und Gebühr
[Anm.: Im Quelltext erscheint 'pāyasaṃ' doppelt ('dadhyannaṃ pāyasaṃ pāyasaṃ tathā') -- offenkundige Dittographie; hier auf ein Vorkommen gekürzt wiedergegeben.]
'Gott der Götter, Herr der Welt, dessen Gestalt die Gnade für die Hingegebenen ist -- nimm diese Gabe an, o Kṛṣṇa, und sei der Gewährer alles Erwünschten.'
Wort für Wort
devadeva jagannātha bhaktānugrahavigraha /
'Gott der Götter, Herr der Welt, dessen Gestalt die Gnade für die Hingegebenen ist'
gṛhāṇopāyanaṃ kṛṣṇa sarvābhīṣṭaprado bhava
'nimm diese Gabe an, o Kṛṣṇa, und sei der Gewährer alles Erwünschten'
Nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dargebracht hat, bittet er, die Hände gefaltet dastehend; die Knie auf dem Boden aufsetzend, verneigt sich der Gelübdehalter demütig.
Wort für Wort
anenopāyanaṃ dattvā prārthaye māñjaliḥ sthitaḥ /
nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dargebracht hat, bittet er, die Hände gefaltet dastehend
ādhāya jānunī bhūmau vinayāvananato vratī
die Knie auf dem Boden aufsetzend, verneigt sich der Gelübdehalter demütig
namo namaste surarājarāja namo 'stu te devaṃ jagannivāsa /
kuruṣva saṃpūrṇaphalaṃ mamādya namo 'stu tubhyaṃ puruṣottamāya
'Verehrung, Verehrung dir, König der Königsgötter! Verehrung sei dir, o Gott, Wohnstatt der Welt! Bewirke mir heute die volle Frucht -- Verehrung sei dir, o höchster Mensch!'
Wort für Wort
namo namaste surarājarāja namo 'stu te devaṃ jagannivāsa /
'Verehrung, Verehrung dir, König der Königsgötter! Verehrung sei dir, o Gott, Wohnstatt der Welt!'
kuruṣva saṃpūrṇaphalaṃ mamādya namo 'stu tubhyaṃ puruṣottamāya
'bewirke mir heute die volle Frucht -- Verehrung sei dir, o höchster Mensch!'
[?] 'saṃpṛrṇaphalaṃ' im Quelltext -- als 'saṃpūrṇaphalaṃ' gedeutet.
Durch dessen bloßes Gedenken und Namensnennung bei Askese, Opfer und dergleichen Verrichtungen jeglicher Mangel sogleich zur Vollständigkeit gelangt -- ihn, den Unvergänglichen, verehre ich.
Wort für Wort
yasya smṛtyā ca nāmoktyā tapoyajñakriyādiṣu /
durch dessen bloßes Gedenken und Namensnennung bei Askese, Opfer und dergleichen Verrichtungen
nyūnaṃ saṃpūrṇatāṃ yāti sadyo vande tamacyutam
jeglicher Mangel sogleich zur Vollständigkeit gelangt -- ihn, den Unvergänglichen, verehre ich
sarvānkāmānsa āpnoti parasminniha ca nārada /
trisaptakulasaṃyuktaḥ sarvapāpavivarjitaḥ /
prayāti viṣṇubhavanaṃ yatra gatvā na śocati
der erlangt alle Wünsche, hier und im Jenseits, o Nārada; begleitet von einundzwanzig Geschlechtern seiner Familie, von aller Sünde befreit, geht er ein in die Wohnstatt Viṣṇus, wohin gegangen man nicht mehr trauert.
Wort für Wort
sarvānkāmānsa āpnoti parasminniha ca nārada /
der erlangt alle Wünsche, hier und im Jenseits, o Nārada [?]
trisaptakulasaṃyuktaḥ sarvapāpavivarjitaḥ /
begleitet von einundzwanzig Geschlechtern seiner Familie, von aller Sünde befreit [?]
prayāti viṣṇubhavanaṃ yatra gatvā na śocati
geht er ein in die Wohnstatt Viṣṇus, wohin gegangen man nicht mehr trauert [?]
[Anm.: Der Vers besteht aus drei Pādas statt der üblichen zwei -- vermutlich ein überzähliger Halbvers in der Vorlage.] [?] mehrere Wortformen ('sa ānpoti paraghatreha', 'trisatakulasaṃyuktaḥ', 'tapāti', 'yatra yattvā na śocati') im Quelltext unklar/verderbt überliefert, sinngemäß rekonstruiert.