Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 16: mārgaśīrṣaśukladvādaśīvratakathanam Die Erzählung vom Gelübde der Dvādaśī in der hellen Monatshälfte des Mārgaśīrṣa

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde gaṅgāmāhātmye bhagīrathagaṅgānayanaṃ nāma ṣoḍaṣo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ ṛṣaya ūcuḥ sādhu sūta mahābhāga tvayātikaruṇātmanā / śrāvitaṃ sarvapāpaughaṃ gaṅgāmāhātmyamuttamam

Die Weisen sprachen: Wohlgetan, o Sūta, du Hochbeglückter! Von dir, dem überaus Mitfühlenden, wurde uns die vortreffliche Größe der Gaṅgā vorgetragen, die die ganze Flut der Sünde hinwegnimmt.

Wort für Wort
sādhu sūta mahābhāga tvayātikaruṇātmanā /
wohlgetan, o Sūta, du Hochbeglückter, von dir, dem überaus Mitfühlenden
śrāvitaṃ sarvapāpaughaṃ gaṅgāmāhātmyamuttamam
wurde uns die vortreffliche Größe der Gaṅgā vorgetragen, die die ganze Flut der Sünde hinwegnimmt

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (15.) Kapitels vorangestellt, gefolgt von einer Trennlinie -- ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.] [?] 'sarvapāpanghaṃ' im Quelltext -- als 'sarvapāpaughaṃ' gedeutet; 'gaṅgāmāhātmya muttamam' als Sandhi von 'gaṅgāmāhātmyam uttamam'.

śrutvā tu gaṅgāmāhātmyaṃ nārado devadarśanaḥ / kiṃ papraccha punaḥ sūta sanakaṃ munisattamam

Nachdem er die Größe der Gaṅgā vernommen hatte, Nārada, der Gottschauende -- was fragte er wiederum, o Sūta, den Sanaka, den besten der Munis?

Wort für Wort
śrutvā tu gaṅgāmāhātmyaṃ nārado devadarśanaḥ /
nachdem er die Größe der Gaṅgā vernommen hatte, Nārada, der Gottschauende
kiṃ papraccha punaḥ sūta sanakaṃ munisattamam
was fragte er wiederum, o Sūta, den Sanaka, den besten der Munis

sūta uvāca śṛṇudhvamṛṣayaḥ sarve nāradena surarṣiṇā / pṛṣṭaṃ punaryathā prāha pravakṣyāmi tathaiva tat

Sūta sprach: Höret, all ihr Weisen! Was von Nārada, dem göttlichen Weisen, wiederum gefragt wurde und wie [Sanaka] antwortete -- eben dies will ich verkünden.

Wort für Wort
śṛṇudhvamṛṣayaḥ sarve nāradena surarṣiṇā /
höret, all ihr Weisen! was von Nārada, dem göttlichen Weisen
pṛṣṭaṃ punaryathā prāha pravakṣyāmi tathaiva tat
wiederum gefragt wurde und wie [Sanaka] antwortete -- eben dies will ich verkünden

nānākhyānetihāsāḍhyaṃ gaṅgāmāhātmyamuttamam / śrutvā brahmasuto bhūyaḥ pṛṣṭavānidamādarāt

Nachdem er die vortreffliche Größe der Gaṅgā, reich an mancherlei Erzählungen und Geschichten, vernommen hatte, fragte der Sohn Brahmās wiederum mit Sorgfalt dies:

Wort für Wort
nānākhyānetihāsāḍhyaṃ gaṅgāmāhātmyamuttamam /
die vortreffliche Größe der Gaṅgā, reich an mancherlei Erzählungen und Geschichten
śrutvā brahmasuto bhūyaḥ pṛṣṭavānidamādarāt
nachdem er sie vernommen hatte, fragte der Sohn Brahmās wiederum mit Sorgfalt dies

nārada uvāca aho 'tidhanyaṃ sukṛtaikasāraṃ śrutaṃ mayā puṇyamasaṃvṛtārtham / gāṅgeyamāhātmyamaghapraṇāśi tvatto mune kāruṇikādabhīṣṭam

Nārada sprach: Ach, überaus glückbringend, die alleinige Essenz guten Werkes, habe ich vernommen -- heilig, von unverhüllter Bedeutung: die Größe der Gaṅgā, die Sünde vernichtend, von dir, o mitleidsvoller Muni, nach Wunsch vorgetragen.

Wort für Wort
aho 'tidhanyaṃ sukṛtaikasāraṃ śrutaṃ mayā puṇyamasaṃvṛtārtham /
ach, überaus glückbringend, die alleinige Essenz guten Werkes, heilig, von unverhüllter Bedeutung, habe ich vernommen
gāṅgeyamāhātmyamaghapraṇāśi tvatto mune kāruṇikādabhīṣṭam
die Größe der Gaṅgā, die Sünde vernichtend, von dir, o mitleidsvoller Muni, nach Wunsch [vorgetragen]

ye sādhavaḥ sādhu bhajanti viṣṇuṃ svārthaṃ parārthaṃ ca yatanta eva / nānopadeśaiḥ suvimugdhacittaṃ prabodhayanti prasabhaṃ prasannam

Diejenigen Guten, die Viṣṇu recht verehren und sich sowohl um das eigene wie um das fremde Wohl bemühen, sie erwecken mit mancherlei Belehrungen gewaltsam das gänzlich verblendete, doch heitere Gemüt [der Menschen].

Wort für Wort
ye sādhavaḥ sādhu bhajanti viṣṇuṃ svārthaṃ parārthaṃ ca yatanta eva /
die Guten, die Viṣṇu recht verehren und sich um das eigene wie um das fremde Wohl bemühen
nānopadeśaiḥ suvimugdhacittaṃ prabodhayanti prasabhaṃ prasannam
sie erwecken mit mancherlei Belehrungen gewaltsam das gänzlich verblendete, [doch] heitere Gemüt

tataḥ samākhyāhi harervratāni kṛtaiśca yaiḥ prītimupaiti viṣṇuḥ / dadāti bhaktiṃ bhajatāṃ dayālurmuktistu tasyā viditā hi dāsī

Darum verkünde die Gelübde Haris, durch deren Vollzug Viṣṇu Freude erlangt; er, der Mitleidsvolle, verleiht denen, die ihn verehren, Hingabe -- die Erlösung aber ist, wie bekannt, nur ihre Dienerin.

Wort für Wort
tataḥ samākhyāhi harervratāni kṛtaiśca yaiḥ prītimupaiti viṣṇuḥ /
darum verkünde die Gelübde Haris, durch deren Vollzug Viṣṇu Freude erlangt
dadāti bhaktiṃ bhajatāṃ dayālurmuktistu tasyā viditā hi dāsī
der Mitleidsvolle verleiht denen, die ihn verehren, Hingabe -- die Erlösung aber ist, wie bekannt, nur ihre Dienerin

dadāti muktiṃ bhajatāṃ mukundo vratārcanadhyānaparāyaṇānām / bhaktānusevāsu mahāprayāsaṃ vimṛśya kasyāpi na bhaktiyogam

Mukunda verleiht denen, die ihm ergeben, dem Gelübde, der Verehrung und der Meditation hingegeben sind, die Erlösung; im Dienst unter den Hingegebenen, so erwägt er, bedarf es für niemandes Bhakti-Yoga großer Mühe.

Wort für Wort
dadāti muktiṃ bhajatāṃ mukundo vratārcanadhyānaparāyaṇānām /
Mukunda verleiht denen, die ihm ergeben, dem Gelübde, der Verehrung und Meditation hingegeben, die Erlösung
bhaktānusevāsu mahāprayāsaṃ vimṛśya kasyāpi na bhaktiyogam
im Dienst unter den Hingegebenen bedarf es, wie er erwägt, für niemandes Bhakti-Yoga großer Mühe [?]

[?] Der zweite Halbvers ('bhaktānusevāsu mahāprayāsaṃ vimṛśya kasyāpi na bhaktiyogam') ist syntaktisch schwierig und wurde sinngemäß gedeutet: die Hingabe (bhaktiyoga) erfordert im Dienst unter Gottergebenen für niemanden große Mühe.

pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca yatkarma hareastoṣaṇam / tadākhyāhi muniśreṣṭha viṣṇubhakto 'si mānada

Welches Werk, sei es des weltlichen Wirkens oder der Weltentsagung, Hari erfreut -- dies verkünde, o bester der Munis, du Verehrer Viṣṇus, o Ehrenspender.

Wort für Wort
pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca yatkarma hareastoṣaṇam /
welches Werk, des weltlichen Wirkens oder der Weltentsagung, Hari erfreut [?]
tadākhyāhi muniśreṣṭha viṣṇubhakto 'si mānada
dies verkünde, o bester der Munis, du Verehrer Viṣṇus, o Ehrenspender

[?] 'harito ṣaṇam' im Quelltext -- als 'hareḥ toṣaṇam' ('was Hari erfreut') gedeutet.

sanaka uvāca sādhu sādhu muniśreṣṭha bhaktastvaṃ puruṣottameḥ / bhūyo bhūyo yataḥ pṛcchescaritraṃ śārṅgadhanvanaḥ

Sanaka sprach: Gut, gut, bester der Munis! Ein Hingegebener des höchsten Menschen bist du, da du immer wieder nach der Geschichte dessen fragst, der den Bogen Śārṅga trägt.

Wort für Wort
sādhu sādhu muniśreṣṭha bhaktastvaṃ puruṣottameḥ /
gut, gut, bester der Munis! ein Hingegebener des höchsten Menschen bist du
bhūyo bhūyo yataḥ pṛcchescaritraṃ śārṅgadhanvanaḥ
da du immer wieder nach der Geschichte dessen fragst, der den Bogen Śārṅga trägt

vratāni te pravakṣyāmi lokopakṛtimanti ca / prasīdati hariryaistu prayacchatyabhayaṃ tathā

Ich will dir die Gelübde verkünden, die auch der Welt nützen, durch welche Hari sich wohlgesonnen zeigt und ebenso Furchtlosigkeit gewährt.

Wort für Wort
vratāni te pravakṣyāmi lokopakṛtimanti ca /
ich will dir die Gelübde verkünden, die auch der Welt nützen
prasīdati hariryaistu prayacchatyabhayaṃ tathā
durch welche Hari sich wohlgesonnen zeigt und ebenso Furchtlosigkeit gewährt

yasya prasanno bhagavānyajñaliṅgo janārdanaḥ / ihāmutra sukhaṃ tasya tapovṛddhiśca jāyate

Wem der erhabene Janārdana, dessen Wesen das Opfer ist, wohlgesonnen ist, dem entsteht Glück hier und im Jenseits, sowie Zunahme der Askese.

Wort für Wort
yasya prasanno bhagavānyajñaliṅgo janārdanaḥ /
wem der erhabene Janārdana, dessen Wesen das Opfer ist, wohlgesonnen ist
ihāmutra sukhaṃ tasya tapovṛddhiśca jāyate
dem entsteht Glück hier und im Jenseits, sowie Zunahme der Askese

yena kenāpyupāyena haripūjāparāyaṇāḥ / prayānti paramaṃ sthānamiti prāhurmaharṣayaḥ

Durch welches Mittel auch immer -- diejenigen, die der Verehrung Haris hingegeben sind, gelangen zum höchsten Ort; so haben es die großen Weisen erklärt.

Wort für Wort
yena kenāpyupāyena haripūjāparāyaṇāḥ /
durch welches Mittel auch immer -- die der Verehrung Haris Hingegebenen
prayānti paramaṃ sthānamiti prāhurmaharṣayaḥ
gelangen zum höchsten Ort; so haben es die großen Weisen erklärt

mārgaśīrṣe site pakṣe dvādaśyāṃ jalaśāyinam / upoṣito 'rcayetsamyaṅ naraḥ śraddhāsamanvitaḥ

Im Monat Mārgaśīrṣa, in der hellen Monatshälfte, am zwölften Tag, soll der Mensch, fastend, den auf dem Wasser Ruhenden recht verehren, von Glauben erfüllt.

Wort für Wort
mārgaśīrṣe site pakṣe dvādaśyāṃ jalaśāyinam /
im Monat Mārgaśīrṣa, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag, den auf dem Wasser Ruhenden
upoṣito 'rcayetsamyaṅ naraḥ śraddhāsamanvitaḥ
soll der Mensch, fastend, recht verehren, von Glauben erfüllt

snātvā śuklāmbaradharo dantadhāvanapūrvakam / gandhapuṣpākṣatairdhūpair dīpairnaivedyapūrvakaiḥ

Nachdem er gebadet, weiße Gewänder trägt, zuvor die Zähne gereinigt hat -- mit Duftstoff, Blüten und ungeschältem Reis, mit Räucherwerk und Lampen, denen die Speiseopfer vorangehen --

Wort für Wort
snātvā śuklāmbaradharo dantadhāvanapūrvakam /
nachdem er gebadet, weiße Gewänder trägt, zuvor die Zähne gereinigt hat
gandhapuṣpākṣatairdhūpair dīpairnaivedyapūrvakaiḥ
mit Duftstoff, Blüten und ungeschältem Reis, mit Räucherwerk und Lampen, denen die Speiseopfer vorangehen

vāgyato bhaktibhāvena muniśreṣṭhārcayeddharim / keśavāya namastubhyamiti viṣṇuṃ ca pūjayet

schweigend, mit hingebungsvollem Sinn, soll er, o bester der Munis, Hari verehren; mit 'Keśavāya namas tubhyam' soll er Viṣṇu verehren.

Wort für Wort
vāgyato bhaktibhāvena muniśreṣṭhārcayeddharim /
schweigend, mit hingebungsvollem Sinn, soll er, o bester der Munis, Hari verehren
keśavāya namastubhyamiti viṣṇuṃ ca pūjayet
mit 'Keśavāya namas tubhyam' soll er Viṣṇu verehren

aṣṭottaraśataṃ hutvā vahnau ghṛtatilāhutīḥ / rātrau jāgaraṇaṃ kuryācchālagrāmasamīpataḥ

Nachdem er hundertacht Opfergaben aus Ghee und Sesam ins Feuer geopfert hat, soll er die Nachtwache in der Nähe des Śālagrāma halten.

Wort für Wort
aṣṭottaraśataṃ hutvā vahnau ghṛtatilāhutīḥ /
nachdem er hundertacht Opfergaben aus Ghee und Sesam ins Feuer geopfert hat
rātrau jāgaraṇaṃ kuryācchālagrāmasamīpataḥ
soll er die Nachtwache in der Nähe des Śālagrāma halten

[?] 'vanhau' im Quelltext für 'vahnau'.

snāpayetprasthapayasā nārāyaṇamanāmayam / gītairvādyaiśca naivedyairbhakṣyairbhojyaiśca keśavam

Er soll den makellosen Nārāyaṇa mit einem Prastha Milch baden, den Keśava mit Gesängen, Musik, Speiseopfern, Ess- und Genusswaren [verehren].

Wort für Wort
snāpayetprasthapayasā nārāyaṇamanāmayam /
er soll den makellosen Nārāyaṇa mit einem Prastha Milch baden
gītairvādyaiśca naivedyairbhakṣyairbhojyaiśca keśavam
den Keśava mit Gesängen, Musik, Speiseopfern, Ess- und Genusswaren [verehren]

trikālaṃ pūjayedbhaktyā mahālakṣmyā samanvitam / punaḥ kalye samutthāya kṛtvā karma yathocitam

Dreimal täglich soll er ihn mit Hingabe verehren, zusammen mit der großen Lakṣmī; wiederum am Morgen aufstehend, nachdem er die vorgeschriebenen Verrichtungen ausgeführt hat,

Wort für Wort
trikālaṃ pūjayedbhaktyā mahālakṣmyā samanvitam /
dreimal täglich soll er ihn mit Hingabe verehren, zusammen mit der großen Lakṣmī
punaḥ kalye samutthāya kṛtvā karma yathocitam
wiederum am Morgen aufstehend, nachdem er die vorgeschriebenen Verrichtungen ausgeführt hat

pūrvavatpūjayedevaṃ vāgyato niyataḥ śuciḥ / pāyasaṃ ghṛtasaṃmiśraṃ nālikeraphalānvitam

soll er so verehren wie zuvor, schweigend, beherrscht, rein; [er bereite] Milchreis, mit Ghee vermischt, versehen mit Kokosnussfrucht,

Wort für Wort
pūrvavatpūjayedevaṃ vāgyato niyataḥ śuciḥ /
soll er so verehren wie zuvor, schweigend, beherrscht, rein
pāyasaṃ ghṛtasaṃmiśraṃ nālikeraphalānvitam
[er bereite] Milchreis, mit Ghee vermischt, versehen mit Kokosnussfrucht

[?] 'pūjayedvevaṃ' im Quelltext -- als 'pūjayed evaṃ' gedeutet.

mantreṇānena viprāya dadyādbhaktyā sadakṣiṇam / keśavaḥ keśihā devaḥ sarvasaṃpatpradāyakaḥ

und gebe dies mit diesem Mantra dem Brahmanen, mit Hingabe, samt der Gebühr: 'Keśava, der Gott, der Keśin erschlug, der Spender allen Wohlstands --

Wort für Wort
mantreṇānena viprāya dadyādbhaktyā sadakṣiṇam /
und gebe es mit diesem Mantra dem Brahmanen, mit Hingabe, samt Gebühr
keśavaḥ keśihā devaḥ sarvasaṃpatpradāyakaḥ
'Keśava, der Gott, der Keśin erschlug, der Spender allen Wohlstands'

paramānnapradānena mama syādiṣṭadāyakaḥ / brahmaṇānbhojayetpaścācchaktito bandhubhiḥ saha

durch die Gabe dieser vortrefflichen Speise möge er mir der Gewährer des Erwünschten sein.' Danach soll er, nach Vermögen, Brahmanen zusammen mit ihren Verwandten speisen.

Wort für Wort
paramānnapradānena mama syādiṣṭadāyakaḥ /
'durch die Gabe dieser vortrefflichen Speise möge er mir der Gewährer des Erwünschten sein'
brahmaṇānbhojayetpaścācchaktito bandhubhiḥ saha
danach soll er, nach Vermögen, Brahmanen zusammen mit ihren Verwandten speisen

nārāyaṇaparo bhūtvā svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ / iti yaḥ kurute bhaktyā keśavārcanamuttamam

Ganz Nārāyaṇa ergeben, esse er selbst schweigend. Wer so mit Hingabe die vortreffliche Verehrung des Keśava vollzieht,

Wort für Wort
nārāyaṇaparo bhūtvā svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ /
ganz Nārāyaṇa ergeben, esse er selbst schweigend
iti yaḥ kurute bhaktyā keśavārcanamuttamam
wer so mit Hingabe die vortreffliche Verehrung des Keśava vollzieht

sa paiṇḍarīkayajñasya phalamaṣṭaguṇaṃ labhet / pauṣamāse site pakṣe dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ

der erlangt die achtfache Frucht des Pauṇḍarīka-Opfers. Im Monat Pauṣa, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend,

Wort für Wort
sa paiṇḍarīkayajñasya phalamaṣṭaguṇaṃ labhet /
der erlangt die achtfache Frucht des Pauṇḍarīka-Opfers
pauṣamāse site pakṣe dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ
im Monat Pauṣa, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend

namo nārāyaṇāyeti pūjayetprayato harim / payasā snāpya naivedyaṃ pāyasaṃ ca samarpayet

soll er mit 'Namo Nārāyaṇāya' Hari verehren, geläutert; er bade ihn mit Milch und bringe Milchreis als Speiseopfer dar.

Wort für Wort
namo nārāyaṇāyeti pūjayetprayato harim /
soll er mit 'Namo Nārāyaṇāya' Hari verehren, geläutert
payasā snāpya naivedyaṃ pāyasaṃ ca samarpayet
er bade ihn mit Milch und bringe Milchreis als Speiseopfer dar

rātrau jāgaraṇaṃ kuryāttrikālārcanatatparaḥ / dhūpairdīpaiśca naivedyairgandhaiḥ puṣpairmanoramaiḥ

Er halte die Nachtwache, der dreimaligen Verehrung hingegeben, mit Räucherwerk und Lampen, mit Speiseopfern, mit Duftstoffen und lieblichen Blüten.

Wort für Wort
rātrau jāgaraṇaṃ kuryāttrikālārcanatatparaḥ /
er halte die Nachtwache, der dreimaligen Verehrung hingegeben
dhūpairdīpaiśca naivedyairgandhaiḥ puṣpairmanoramaiḥ
mit Räucherwerk und Lampen, mit Speiseopfern, mit Duftstoffen und lieblichen Blüten

[?] 'kuryātrrikālārcanatatparaḥ' im Quelltext -- als 'kuryāt trikālārcanatatparaḥ' gedeutet.

tūryaiśca gītavādyādyaiḥ stotraiścāpyaryayeddharim / kṛśarānnaṃ ca viprāya dadyātsaghṛtadakṣiṇam

mit Musikinstrumenten, Gesängen und dergleichen, sowie mit Lobliedern soll er Hari verehren; Gemüsereis gebe er dem Brahmanen samt Ghee und Gebühr.

Wort für Wort
tūryaiśca gītavādyādyaiḥ stotraiścāpyaryayeddharim /
mit Musikinstrumenten [?], Gesängen und dergleichen, sowie mit Lobliedern soll er Hari verehren
kṛśarānnaṃ ca viprāya dadyātsaghṛtadakṣiṇam
Gemüsereis gebe er dem Brahmanen samt Ghee und Gebühr

[?] 'tṛṇaiśca' im Quelltext -- als 'tūryaiśca' ('mit Musikinstrumenten') gedeutet.

sarvātmā sarvalokeśaḥ sarvavyāpī sanātanaḥ / nārāyaṇaḥ prasannaḥ syātkṛśarānnapradānataḥ

Nārāyaṇa, die Seele von allem, der Herr aller Welten, alldurchdringend, ewig, werde zufriedengestellt durch die Gabe des Gemüsereises.

Wort für Wort
sarvātmā sarvalokeśaḥ sarvavyāpī sanātanaḥ /
die Seele von allem, der Herr aller Welten, alldurchdringend, ewig
nārāyaṇaḥ prasannaḥ syātkṛśarānnapradānataḥ
Nārāyaṇa werde zufriedengestellt durch die Gabe des Gemüsereises

mantreṇānena viprāya dattvā vai dānamuttamam / dvijāṃśca bhojayecchaktyā svayamadyātsabāndhavaḥ

Nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen die vortreffliche Gabe gegeben hat, soll er nach Vermögen Zweifachgeborene speisen und selbst zusammen mit den Verwandten essen.

Wort für Wort
mantreṇānena viprāya dattvā vai dānamuttamam /
nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen die vortreffliche Gabe gegeben hat
dvijāṃśca bhojayecchaktyā svayamadyātsabāndhavaḥ
soll er nach Vermögen Zweifachgeborene speisen und selbst zusammen mit den Verwandten essen

[?] 'bhojeyacchaktyā' im Quelltext -- als 'bhojayecchaktyā' gedeutet.

evaṃ saṃpūjayedbhaktyā devaṃ nārāyaṇaṃ prabhum / agniṣṭomāṣṭakaphalaṃ sa saṃpūrṇamavāpnuyāt

Wer so mit Hingabe den Gott Nārāyaṇa, den Herrn, verehrt, der erlangt die volle achtfache Frucht des Agniṣṭoma-Opfers.

Wort für Wort
evaṃ saṃpūjayedbhaktyā devaṃ nārāyaṇaṃ prabhum /
wer so mit Hingabe den Gott Nārāyaṇa, den Herrn, verehrt
agniṣṭomāṣṭakaphalaṃ sa saṃpūrṇamavāpnuyāt
der erlangt die volle achtfache Frucht des Agniṣṭoma-Opfers

māghasya śukladvādaśyāṃ pūrvavatsamupoṣitaḥ / namaste mādhavāyeti hutvāṣṭau ca ghṛtāhutīḥ

Am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Māgha, wie zuvor fastend, spreche er 'Namas te Mādhavāya' und opfere acht Ghee-Opfergaben.

Wort für Wort
māghasya śukladvādaśyāṃ pūrvavatsamupoṣitaḥ /
am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Māgha, wie zuvor fastend
namaste mādhavāyeti hutvāṣṭau ca ghṛtāhutīḥ
spreche er 'Namas te Mādhavāya' und opfere acht Ghee-Opfergaben

pūrvamānena payasā snāpayenmādhavaṃ tadā / puṣpagandhākṣatairarcetsāvadhānena cetasā

Mit dem früher genannten Maß an Milch bade er da Mādhava; mit Blüten, Duftstoff und ungeschältem Reis verehre er ihn mit aufmerksamem Sinn.

Wort für Wort
pūrvamānena payasā snāpayenmādhavaṃ tadā /
mit dem früher genannten Maß an Milch bade er da Mādhava
puṣpagandhākṣatairarcetsāvadhānena cetasā
mit Blüten, Duftstoff und ungeschältem Reis verehre er ihn mit aufmerksamem Sinn

rātrau jāgaraṇaṃ kuryātpūrvavadbhaktisaṃyutaḥ / kalyakarma ca nirvartya mādhavaṃ punararcayet

Er halte die Nachtwache wie zuvor, von Hingabe erfüllt; nachdem er die morgendlichen Verrichtungen vollzogen hat, verehre er Mādhava wiederum.

Wort für Wort
rātrau jāgaraṇaṃ kuryātpūrvavadbhaktisaṃyutaḥ /
er halte die Nachtwache wie zuvor, von Hingabe erfüllt
kalyakarma ca nirvartya mādhavaṃ punararcayet
nachdem er die morgendlichen Verrichtungen vollzogen hat, verehre er Mādhava wiederum

[?] 'bhaghaktisaṃyutaḥ' im Quelltext -- als 'bhaktisaṃyutaḥ' gedeutet.

prasthaṃ tilānāṃ viprāya dadyādvai mantrapūrvakam / sadakṣiṇaṃ savastrañca sarvapāpavimuktaye

Ein Prastha Sesam gebe er dem Brahmanen, mit Mantra-Spruch, samt Gebühr und Gewand, zur Befreiung von aller Sünde.

Wort für Wort
prasthaṃ tilānāṃ viprāya dadyādvai mantrapūrvakam /
ein Prastha Sesam gebe er dem Brahmanen, mit Mantra-Spruch
sadakṣiṇaṃ savastrañca sarvapāpavimuktaye
samt Gebühr und Gewand, zur Befreiung von aller Sünde

mādhavaḥ sarvabhūtātmā sarvakarmaphalapradaḥ / tiladānena mahatā sarvānkāmānprayacchatu

Mādhava, die Seele aller Wesen, der Gewährer der Frucht allen Handelns, möge durch die große Gabe des Sesams alle Wünsche gewähren.

Wort für Wort
mādhavaḥ sarvabhūtātmā sarvakarmaphalapradaḥ /
Mādhava, die Seele aller Wesen, der Gewährer der Frucht allen Handelns
tiladānena mahatā sarvānkāmānprayacchatu
möge durch die große Gabe des Sesams alle Wünsche gewähren

mantreṇānena viprāya dattvā bhaktisamanvitaḥ / brahmaṇānbhojayecchaktyā saṃsmaranmādhavaṃ prabhum

Nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen, von Hingabe erfüllt, die Gabe gegeben hat, soll er nach Vermögen Brahmanen speisen, indem er des Herrn Mādhava gedenkt.

Wort für Wort
mantreṇānena viprāya dattvā bhaktisamanvitaḥ /
nachdem er mit diesem Mantra dem Brahmanen, von Hingabe erfüllt, die Gabe gegeben hat
brahmaṇānbhojayecchaktyā saṃsmaranmādhavaṃ prabhum
soll er nach Vermögen Brahmanen speisen, indem er des Herrn Mādhava gedenkt

evaṃ yaḥ kurute bhaktyā tiladāne vrataṃ mune / vājapeyaśatasyāsau saṃpūrṇaṃ phalamāpnuyāt

Wer so mit Hingabe das Gelübde der Sesamgabe vollzieht, o Muni, der erlangt die volle Frucht von hundert Vājapeya-Opfern.

Wort für Wort
evaṃ yaḥ kurute bhaktyā tiladāne vrataṃ mune /
wer so mit Hingabe das Gelübde der Sesamgabe vollzieht, o Muni
vājapeyaśatasyāsau saṃpūrṇaṃ phalamāpnuyāt
der erlangt die volle Frucht von hundert Vājapeya-Opfern

phālgunasya site pakṣe dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ / govindāya namastubhyamiti saṃpūjayedvratī

In der hellen Monatshälfte des Phālguna, am Dvādaśī-Tag fastend, soll der Gelübdehalter mit 'Govindāya namas tubhyam' ihn verehren.

Wort für Wort
phālgunasya site pakṣe dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ /
in der hellen Monatshälfte des Phālguna, am Dvādaśī-Tag fastend
govindāya namastubhyamiti saṃpūjayedvratī
soll der Gelübdehalter mit 'Govindāya namas tubhyam' ihn verehren

[?] 'phaālgunasya' im Quelltext für 'phālgunasya'.

aṣṭottaraśataṃ hutvā ghṛtamiśratilāhutīḥ / pūrvamānena payasā govindaṃ snāpayecchuciḥ

Nachdem er hundertacht mit Ghee vermischte Sesam-Opfergaben geopfert hat, soll er, rein, den Govinda mit dem früher genannten Maß an Milch baden.

Wort für Wort
aṣṭottaraśataṃ hutvā ghṛtamiśratilāhutīḥ /
nachdem er hundertacht mit Ghee vermischte Sesam-Opfergaben geopfert hat
pūrvamānena payasā govindaṃ snāpayecchuciḥ
soll er, rein, den Govinda mit dem früher genannten Maß an Milch baden

[?] 'aṣṭottagaraśataṃ dṛtvā' im Quelltext -- als 'aṣṭottaraśataṃ hutvā' gedeutet.

rātrau jāgaraṇaṃ kuryāttrikālaṃ pūjayettathā / prātaḥ kṛtyaṃ samāpyātha govindaṃ pūjayetpunaḥ

Er halte die Nachtwache und verehre ebenso dreimal täglich; nachdem er am Morgen die Verrichtungen beendet hat, verehre er Govinda wiederum.

Wort für Wort
rātrau jāgaraṇaṃ kuryāttrikālaṃ pūjayettathā /
er halte die Nachtwache und verehre ebenso dreimal täglich
prātaḥ kṛtyaṃ samāpyātha govindaṃ pūjayetpunaḥ
nachdem er am Morgen die Verrichtungen beendet hat, verehre er Govinda wiederum

vrīhyāḍhakaṃ ca viprāya dadyādvastraṃ sadakṣiṇam / namo govinda sarveśa gopikājanavallabha

Ein Āḍhaka Reis gebe er dem Brahmanen, samt Gewand und Gebühr: 'Verehrung, o Govinda, Herr von allem, dem Geliebten der Gopī-Frauen --

Wort für Wort
vrīhyāḍhakaṃ ca viprāya dadyādvastraṃ sadakṣiṇam /
ein Āḍhaka Reis gebe er dem Brahmanen, samt Gewand und Gebühr
namo govinda sarveśa gopikājanavallabha
'Verehrung, o Govinda, Herr von allem, dem Geliebten der Gopī-Frauen'

anena dhānyadānena prīto bhava jagadguro / evaṃ kṛtvā vrataṃ samyak sarvapāpavivarjitaḥ

durch diese Getreidegabe sei zufrieden, o Lehrer der Welt.' Wer so das Gelübde recht vollzieht, von aller Sünde befreit,

Wort für Wort
anena dhānyadānena prīto bhava jagadguro /
'durch diese Getreidegabe sei zufrieden, o Lehrer der Welt'
evaṃ kṛtvā vrataṃ samyak sarvapāpavivarjitaḥ
wer so das Gelübde recht vollzieht, von aller Sünde befreit

gomedhamakhajaṃ puṇyaṃ sampūrṇaṃ labhate naraḥ / caitramāse site pakṣe dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ

der Mensch erlangt das volle Verdienst, das aus dem Gomedha-Opfer entsteht. Im Monat Caitra, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend,

Wort für Wort
gomedhamakhajaṃ puṇyaṃ sampūrṇaṃ labhate naraḥ /
der Mensch erlangt das volle Verdienst, das aus dem Gomedha-Opfer entsteht
caitramāse site pakṣe dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ
im Monat Caitra, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend

namo 'stu viṣṇave tubhyamiti pūrvavadarcayet / kṣīreṇa snāpayedviṣṇuṃ pūrvamānena śaktitaḥ

spreche er 'Namo 'stu Viṣṇave tubhyam' und verehre wie zuvor; mit Milch bade er, nach Vermögen, den Viṣṇu mit dem früher genannten Maß.

Wort für Wort
namo 'stu viṣṇave tubhyamiti pūrvavadarcayet /
spreche er 'Namo 'stu Viṣṇave tubhyam' und verehre wie zuvor
kṣīreṇa snāpayedviṣṇuṃ pūrvamānena śaktitaḥ
mit Milch bade er, nach Vermögen, den Viṣṇu mit dem früher genannten Maß

tathaiva snāpayedvipra ghṛtaprasthena sādanam / kṛtvā jāgaraṇaṃ rātrau pūjayetpūrvavadvratī

Ebenso soll er, o Brahmane, das Bildnis mit einem Prastha Ghee baden; nachdem er die Nachtwache gehalten hat, verehre der Gelübdehalter wie zuvor.

Wort für Wort
tathaiva snāpayedvipra ghṛtaprasthena sādanam /
ebenso soll er, o Brahmane, das Bildnis [?] mit einem Prastha Ghee baden
kṛtvā jāgaraṇaṃ rātrau pūjayetpūrvavadvratī
nachdem er die Nachtwache gehalten hat, verehre der Gelübdehalter wie zuvor

[?] 'sādanam' hier sinngemäß als das verehrte Götterbild/dessen Sitz gedeutet.

tataḥ kalye samutthāya prātaḥ kṛtyaṃ samāpya ca / aṣṭottaraśataṃ hutvā madhvājyatilamiśritam

Dann, am Morgen aufstehend und die morgendlichen Verrichtungen beendet, opfere er hundertacht Opfergaben, mit Honig, Ghee und Sesam vermischt.

Wort für Wort
tataḥ kalye samutthāya prātaḥ kṛtyaṃ samāpya ca /
dann, am Morgen aufstehend und die morgendlichen Verrichtungen beendet
aṣṭottaraśataṃ hutvā madhvājyatilamiśritam
opfere er hundertacht Opfergaben, mit Honig, Ghee und Sesam vermischt

[?] 'tatakaḥ' im Quelltext für 'tataḥ'.

sadakṣiṇaṃ ca viprāya dadyādvai taṇḍulāḍhakam / prāṇarupī mahāviṣṇuḥ prāṇadaḥ sarvavallabhaḥ

Ein Āḍhaka Reiskörner gebe er, samt Gebühr, dem Brahmanen: 'Der große Viṣṇu, von der Gestalt des Lebensatems, der Geber des Lebensatems, der allen Liebe --

Wort für Wort
sadakṣiṇaṃ ca viprāya dadyādvai taṇḍulāḍhakam /
ein Āḍhaka Reiskörner gebe er, samt Gebühr, dem Brahmanen
prāṇarupī mahāviṣṇuḥ prāṇadaḥ sarvavallabhaḥ
'der große Viṣṇu, von der Gestalt des Lebensatems, der Geber des Lebensatems, der allen Liebe'

taṇḍulāḍhakadānena prīyatāṃ me janārdanaḥ / evaṃ kṛtvā naro bhaktyā sarvapāpavivarjitaḥ

durch diese Gabe des Reis-Āḍhaka möge mir Janārdana wohlgesonnen sein.' Der Mensch, der dies mit Hingabe getan hat, von aller Sünde befreit,

Wort für Wort
taṇḍulāḍhakadānena prīyatāṃ me janārdanaḥ /
'durch diese Gabe des Reis-Āḍhaka möge mir Janārdana wohlgesonnen sein'
evaṃ kṛtvā naro bhaktyā sarvapāpavivarjitaḥ
der Mensch, der dies mit Hingabe getan hat, von aller Sünde befreit

atyagniṣṭomayajñasya phalamaṣṭaguṇaṃ labhet / vaiśākhaśukladvādaśyāmupoṣya madhusūdanam

erlangt die achtfache Frucht des Atyagniṣṭoma-Opfers. Am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Vaiśākha, fastend, den Madhusūdana verehrend:

Wort für Wort
atyagniṣṭomayajñasya phalamaṣṭaguṇaṃ labhet /
erlangt die achtfache Frucht des Atyagniṣṭoma-Opfers
vaiśākhaśukladvādaśyāmupoṣya madhusūdanam
am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Vaiśākha, fastend, den Madhusūdana [verehrend]

[?] 'atyangiṣṭomayajñasya' im Quelltext -- als 'atyagniṣṭomayajñasya' gedeutet.

droṇakṣīreṇa deveśaṃ snāpayedbhaktisaṃyutaḥ / jāgaraṃ tatra kartavyaṃ trikālārcanasaṃyutam

mit einer Droṇa-Maß Milch bade er, von Hingabe erfüllt, den Gott der Götter; die Nachtwache soll dort gehalten werden, verbunden mit dreimaliger Verehrung.

Wort für Wort
droṇakṣīreṇa deveśaṃ snāpayedbhaktisaṃyutaḥ /
mit einer Droṇa-Maß Milch bade er, von Hingabe erfüllt, den Gott der Götter
jāgaraṃ tatra kartavyaṃ trikālārcanasaṃyutam
die Nachtwache soll dort gehalten werden, verbunden mit dreimaliger Verehrung

namaste madhuhantre ca juhuyācchaktito ghṛtam / aṣṭottaraśataṃ proccya vidhivanmadhusūdanam

'Verehrung dir, dem Töter des Madhu!' -- so opfere er nach Vermögen Ghee, hundertacht Opfergaben aussprechend, vorschriftsgemäß, dem Madhusūdana.

Wort für Wort
namaste madhuhantre ca juhuyācchaktito ghṛtam /
'Verehrung dir, dem Töter des Madhu!' -- so opfere er nach Vermögen Ghee
aṣṭottaraśataṃ proccya vidhivanmadhusūdanam
hundertacht Opfergaben aussprechend, vorschriftsgemäß, dem Madhusūdana [?]

[?] 'prorcya' und 'vidhivanmadhusūdanam' im Quelltext unklar -- als 'proccya' bzw. 'vidhivat madhusūdanam' gedeutet.

vipāpo hyaśvamedhānāmaṣṭānāṃ phalamāpnuyāt / jyeṣṭhamāse site pakṣe dvādaśyāmupavāsakṛt

Von Sünde befreit, erlangt er die Frucht von acht Aśvamedha-Opfern. Im Monat Jyeṣṭha, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend,

Wort für Wort
vipāpo hyaśvamedhānāmaṣṭānāṃ phalamāpnuyāt /
von Sünde befreit, erlangt er die Frucht von acht Aśvamedha-Opfern
jyeṣṭhamāse site pakṣe dvādaśyāmupavāsakṛt
im Monat Jyeṣṭha, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend

kṣīreṇāḍhakamānena snāpayedyastrivikramam / namastrivikramāyeti pūjayedbhaktisaṃyutaḥ

soll er mit einem Āḍhaka-Maß Milch den Trivikrama baden; mit 'Namas Trivikramāya' verehre er ihn, von Hingabe erfüllt.

Wort für Wort
kṣīreṇāḍhakamānena snāpayedyastrivikramam /
soll er mit einem Āḍhaka-Maß Milch den Trivikrama baden
namastrivikramāyeti pūjayedbhaktisaṃyutaḥ
mit 'Namas Trivikramāya' verehre er ihn, von Hingabe erfüllt

juhuyātpāyasenaiva hyaṣṭottaraśatāhutīḥ / kṛtvā jāgaraṇaṃ rātrau punaḥ pūjāṃ prakalpayet

Er opfere mit Milchreis hundertacht Opfergaben; nachdem er die Nachtwache gehalten hat, vollziehe er wiederum die Verehrung.

Wort für Wort
juhuyātpāyasenaiva hyaṣṭottaraśatāhutīḥ /
er opfere mit Milchreis hundertacht Opfergaben
kṛtvā jāgaraṇaṃ rātrau punaḥ pūjāṃ prakalpayet
nachdem er die Nachtwache gehalten hat, vollziehe er wiederum die Verehrung

apūpaviṃśatiṃ dattvā brāhmaṇāya sadakṣiṇam / devadeva jagannātha prasīda parameśvara

Zwanzig Kuchen gebe er dem Brahmanen, samt Gebühr: 'O Gott der Götter, Herr der Welt, sei gnädig, höchster Herr --

Wort für Wort
apūpaviṃśatiṃ dattvā brāhmaṇāya sadakṣiṇam /
zwanzig Kuchen gebe er dem Brahmanen, samt Gebühr
devadeva jagannātha prasīda parameśvara
'o Gott der Götter, Herr der Welt, sei gnädig, höchster Herr'

upāyanaṃ ca saṃgṛhya mamābhīṣṭaprado bhava / brāhmaṇānbhojayecchaktyā svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ

nimm diese Gabe entgegen und sei mir der Gewährer des Erwünschten.' Er speise Brahmanen nach Vermögen und esse selbst schweigend.

Wort für Wort
upāyanaṃ ca saṃgṛhya mamābhīṣṭaprado bhava /
'nimm diese Gabe entgegen und sei mir der Gewährer des Erwünschten'
brāhmaṇānbhojayecchaktyā svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ
er speise Brahmanen nach Vermögen und esse selbst schweigend

evaṃ yaḥ kurute vipra vrataṃ traivikramaṃ param / so 'ṣṭānāṃ naramedhānāṃ vipāpaḥ phalamāpnuyāt

Wer, o Brahmane, so das höchste Gelübde des Trivikrama vollzieht, der erlangt, von Sünde befreit, die Frucht von acht Naramedha-Opfern.

Wort für Wort
evaṃ yaḥ kurute vipra vrataṃ traivikramaṃ param /
wer, o Brahmane, so das höchste Gelübde des Trivikrama vollzieht
so 'ṣṭānāṃ naramedhānāṃ vipāpaḥ phalamāpnuyāt
der erlangt, von Sünde befreit, die Frucht von acht Naramedha-Opfern

āṣāḍhaśukladvādaśyāmupavāsī jitendriyaḥ / vāmanaṃ pūrvamānena snāpayetpayasā vratī

Am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Āṣāḍha soll der Gelübdehalter, fastend, die Sinne bezähmend, den Vāmana mit dem früher genannten Maß an Milch baden.

Wort für Wort
āṣāḍhaśukladvādaśyāmupavāsī jitendriyaḥ /
am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Āṣāḍha, fastend, die Sinne bezähmend
vāmanaṃ pūrvamānena snāpayetpayasā vratī
soll der Gelübdehalter den Vāmana mit dem früher genannten Maß an Milch baden

namaste vāmanāyeti dūrvājyāṣṭottaraṃ śatam / hutvā ca jāgaraṃ kuryādvāmanaṃ cārcayetpunaḥ

'Verehrung dir, Vāmana!' -- so sprechend, opfere er hundertacht Opfergaben von Dūrvā-Gras und Ghee, und halte die Nachtwache; er verehre Vāmana wiederum.

Wort für Wort
namaste vāmanāyeti dūrvājyāṣṭottaraṃ śatam /
'Verehrung dir, Vāmana!' -- so sprechend, [opfere er] hundertacht [Opfergaben] von Dūrvā-Gras und Ghee
hutvā ca jāgaraṃ kuryādvāmanaṃ cārcayetpunaḥ
nachdem er geopfert hat, halte er die Nachtwache; er verehre Vāmana wiederum

sadakṣiṇaṃ ca dadhyannaṃ nālikeraphalānvitam / bhaktyā pradadyādviprāya vāmanārcanaśīline

Dickmilchreis samt Gebühr, versehen mit Kokosnussfrucht, gebe er mit Hingabe dem Brahmanen, der der Verehrung des Vāmana zugetan ist.

Wort für Wort
sadakṣiṇaṃ ca dadhyannaṃ nālikeraphalānvitam /
Dickmilchreis samt Gebühr, versehen mit Kokosnussfrucht
bhaktyā pradadyādviprāya vāmanārcanaśīline
gebe er mit Hingabe dem Brahmanen, der der Verehrung des Vāmana zugetan ist

vāmano buddhido hotā dravyastho vāmanaḥ sadā / vāmanastārako 'smācca vāmanāya namo namaḥ

'Vāmana ist der Geber der Einsicht, der Opferpriester; in den Dingen weilend ist Vāmana allzeit; Vāmana ist der Erretter aus diesem Dasein -- Verehrung, Verehrung dem Vāmana!'

Wort für Wort
vāmano buddhido hotā dravyastho vāmanaḥ sadā /
'Vāmana ist der Geber der Einsicht, der Opferpriester; in den Dingen weilend ist Vāmana allzeit'
vāmanastārako 'smācca vāmanāya namo namaḥ
'Vāmana ist der Erretter aus diesem Dasein -- Verehrung, Verehrung dem Vāmana!'

[?] 'vuddhido' im Quelltext für 'buddhido'.

anena dattvā dadhyannaṃ śaktito bhojayeddvijān / kṛtvaivaṃ agniṣṭomānāṃ śatasya phalamāpnuyāt

Nachdem er so den Dickmilchreis gegeben hat, speise er nach Vermögen Zweifachgeborene; wer dies so vollzieht, erlangt die Frucht von hundert Agniṣṭoma-Opfern.

Wort für Wort
anena dattvā dadhyannaṃ śaktito bhojayeddvijān /
nachdem er so den Dickmilchreis gegeben hat, speise er nach Vermögen Zweifachgeborene
kṛtvaivaṃ agniṣṭomānāṃ śatasya phalamāpnuyāt
wer dies so vollzieht, erlangt die Frucht von hundert Agniṣṭoma-Opfern [?]

[?] 'vamagriṣṭomānāṃ' im Quelltext unklar -- als 'agniṣṭomānāṃ' gedeutet.

śrāvaṇasya site pakṣe dvādaśyāmupavāsakṛt / kṣīreṇa madhumiśreṇa snāpayecchrīdharaṃ vratī

In der hellen Monatshälfte des Śrāvaṇa, am Dvādaśī-Tag fastend, soll der Gelübdehalter den Śrīdhara mit Milch, mit Honig vermischt, baden.

Wort für Wort
śrāvaṇasya site pakṣe dvādaśyāmupavāsakṛt /
in der hellen Monatshälfte des Śrāvaṇa, am Dvādaśī-Tag fastend
kṣīreṇa madhumiśreṇa snāpayecchrīdharaṃ vratī
soll der Gelübdehalter den Śrīdhara mit Milch, mit Honig vermischt, baden

namo 'stu śrīdharāyeti gandhādyaiḥ pūjayetkramāt / juhuyātpṛṣadājyena śatamaṣṭottaraṃ mune

Mit 'Namo 'stu Śrīdharāya' verehre er ihn der Reihe nach mit Duftstoff und anderem; er opfere mit geronnener Milch und Ghee hundertacht Opfergaben, o Muni.

Wort für Wort
namo 'stu śrīdharāyeti gandhādyaiḥ pūjayetkramāt /
mit 'Namo 'stu Śrīdharāya' verehre er ihn der Reihe nach mit Duftstoff und anderem
juhuyātpṛṣadājyena śatamaṣṭottaraṃ mune
er opfere mit geronnener Milch und Ghee hundertacht Opfergaben, o Muni

kṛtvā ca jāgaraṃ rātrau punaḥ pūjāṃ prakalpayet / dātavyaṃ caiva viprāya kṣīrāḍhakamanuttamam

Nachdem er die Nachtwache gehalten hat, vollziehe er wiederum die Verehrung; zu geben ist auch dem Brahmanen ein vortreffliches Āḍhaka-Maß Milch,

Wort für Wort
kṛtvā ca jāgaraṃ rātrau punaḥ pūjāṃ prakalpayet /
nachdem er die Nachtwache gehalten hat, vollziehe er wiederum die Verehrung
dātavyaṃ caiva viprāya kṣīrāḍhakamanuttamam
zu geben ist auch dem Brahmanen ein vortreffliches Āḍhaka-Maß Milch

dakṣiṇāṃ ca savastrāṃ vai pradadyāddhemakuṇḍale / mantreṇānena viprendra sarvakāmārthasiddhaye

samt Gebühr und Gewand gebe er goldene Ohrringe, mit diesem Mantra, o Fürst der Brahmanen, zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele:

Wort für Wort
dakṣiṇāṃ ca savastrāṃ vai pradadyāddhemakuṇḍale /
samt Gebühr und Gewand gebe er goldene Ohrringe
mantreṇānena viprendra sarvakāmārthasiddhaye
mit diesem Mantra, o Fürst der Brahmanen, zur Erfüllung aller Wünsche und Ziele

[?] 'viprendru' und 'sarvakāmāśrasiddhaye' im Quelltext -- als 'viprendra' bzw. 'sarvakāmārthasiddhaye' gedeutet.

kṣīrābdhiśāyindeveśa ramākānta jagatpate / kṣīradānena suprīto bhava sarvasukhapradaḥ

'O Gott der Götter, der im Milchozean ruht, Gemahl der Ramā, Herr der Welt -- durch die Milchgabe sei wohl zufrieden, du Geber allen Glücks.'

Wort für Wort
kṣīrābdhiśāyindeveśa ramākānta jagatpate /
'o Gott der Götter, der im Milchozean ruht, Gemahl der Ramā, Herr der Welt'
kṣīradānena suprīto bhava sarvasukhapradaḥ
'durch die Milchgabe sei wohl zufrieden, du Geber allen Glücks'

sukhaṃ pradattvādviprāṃśca bhojayecchaktito vratī / evaṃ kṛtvāśvamedhānāṃ sahasrasya phalaṃ labhet

Nachdem er so Glück verleihend gegeben hat, speise der Gelübdehalter nach Vermögen Brahmanen; wer so handelt, erlangt die Frucht von tausend Aśvamedha-Opfern.

Wort für Wort
sukhaṃ pradattvādviprāṃśca bhojayecchaktito vratī /
nachdem er so Glück verleihend gegeben hat [?], speise der Gelübdehalter nach Vermögen Brahmanen
evaṃ kṛtvāśvamedhānāṃ sahasrasya phalaṃ labhet
wer so handelt, erlangt die Frucht von tausend Aśvamedha-Opfern

[?] 'sukhapradattvādviprāṃśca' im Quelltext unklar -- als 'sukhaṃ pradattvāt' + 'viprāṃśca' gedeutet.

māsi bhādrapade śukle dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ / snāpayeddroṇapayasā hṛṣīkeśaṃ jagadgurum

Im Monat Bhādrapada, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend, bade er den Hṛṣīkeśa, den Lehrer der Welt, mit einer Droṇa-Maß Milch.

Wort für Wort
māsi bhādrapade śukle dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ /
im Monat Bhādrapada, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend
snāpayeddroṇapayasā hṛṣīkeśaṃ jagadgurum
bade er den Hṛṣīkeśa, den Lehrer der Welt, mit einer Droṇa-Maß Milch

hṛṣīkeśa namastubhyamiti saṃpūjayennaraḥ / caruṇā madhuyuktena śatamaṣṭottaraṃ hunet

'Hṛṣīkeśa, Verehrung dir!' -- so soll der Mensch ihn verehren; mit einem mit Honig versetzten Opferbrei opfere er hundertacht Opfergaben.

Wort für Wort
hṛṣīkeśa namastubhyamiti saṃpūjayennaraḥ /
'Hṛṣīkeśa, Verehrung dir!' -- so soll der Mensch ihn verehren
caruṇā madhuyuktena śatamaṣṭottaraṃ hunet
mit einem mit Honig versetzten Opferbrei opfere er hundertacht Opfergaben

jāgarādīni nirvartya dadyādātmavide tataḥ / sārdhāḍhakaṃ ca godhūmāndakṣiṇāṃ hema śaktitaḥ

Nachdem er die Nachtwache und die übrigen Riten vollzogen hat, gebe er sodann dem Seelenkundigen anderthalb Āḍhaka Weizen, samt Gebühr und, nach Vermögen, Gold.

Wort für Wort
jāgarādīni nirvartya dadyādātmavide tataḥ /
nachdem er die Nachtwache und die übrigen Riten vollzogen hat, gebe er sodann dem Seelenkundigen
sārdhāḍhakaṃ ca godhūmāndakṣiṇāṃ hema śaktitaḥ
anderthalb Āḍhaka Weizen, samt Gebühr und, nach Vermögen, Gold

[?] 'jāgarādīnini' im Quelltext -- als 'jāgarādīni' gedeutet.

hṛṣīkeśa namastubhyaṃ sarvalokaikahetave / mahyaṃ sarvasukhaṃ dehi godhūmasya pradānataḥ

'Hṛṣīkeśa, Verehrung dir, du alleinige Ursache aller Welten -- gewähre mir alles Glück durch die Gabe des Weizens.'

Wort für Wort
hṛṣīkeśa namastubhyaṃ sarvalokaikahetave /
'Hṛṣīkeśa, Verehrung dir, du alleinige Ursache aller Welten'
mahyaṃ sarvasukhaṃ dehi godhūmasya pradānataḥ
'gewähre mir alles Glück durch die Gabe des Weizens'

bhojayedbrāhmaṇāñśaktyā svayaṃ cāśnītavāgyataḥ / sarvapāpavinirmukto brahmamedhaphalaṃ labhet

Er speise Brahmanen nach Vermögen und esse selbst schweigend; von aller Sünde befreit, erlangt er die Frucht des Brahmamedha-Opfers.

Wort für Wort
bhojayedbrāhmaṇāñśaktyā svayaṃ cāśnītavāgyataḥ /
er speise Brahmanen nach Vermögen und esse selbst schweigend
sarvapāpavinirmukto brahmamedhaphalaṃ labhet
von aller Sünde befreit, erlangt er die Frucht des Brahmamedha-Opfers

āśvine māsi śuklāyāṃ dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ / padmanābhaṃ ca payasā snāpayedbhaktitaḥ śuciḥ

Im Monat Āśvina, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend, soll er, rein, den Padmanābha mit Hingabe mit Milch baden.

Wort für Wort
āśvine māsi śuklāyāṃ dvādaśyāṃ samupoṣitaḥ /
im Monat Āśvina, in der hellen Monatshälfte, am Dvādaśī-Tag fastend
padmanābhaṃ ca payasā snāpayedbhaktitaḥ śuciḥ
soll er, rein, den Padmanābha mit Hingabe mit Milch baden

namaste padmanābhāya homaṃ kuryātsvaśaktitaḥ / tilabrīhiyavājyaiśca pūjayecca vidhānataḥ

'Verehrung dir, Padmanābha!' -- er vollziehe das Feueropfer nach eigenem Vermögen; mit Sesam, Reis, Gerste und Ghee verehre er nach Vorschrift.

Wort für Wort
namaste padmanābhāya homaṃ kuryātsvaśaktitaḥ /
'Verehrung dir, Padmanābha!' -- er vollziehe das Feueropfer nach eigenem Vermögen
tilabrīhiyavājyaiśca pūjayecca vidhānataḥ
mit Sesam, Reis, Gerste und Ghee verehre er nach Vorschrift

jāgaraṃ niśi nirvartya punaḥ pūjāṃ samācaret / dadyādviprāya kuḍavaṃ madhunastu sadakṣiṇam

Nachdem er die Nachtwache vollzogen hat, vollziehe er wiederum die Verehrung; er gebe dem Brahmanen ein Kuḍava-Maß Honig, samt Gebühr.

Wort für Wort
jāgaraṃ niśi nirvartya punaḥ pūjāṃ samācaret /
nachdem er die Nachtwache vollzogen hat, vollziehe er wiederum die Verehrung
dadyādviprāya kuḍavaṃ madhunastu sadakṣiṇam
er gebe dem Brahmanen ein Kuḍava-Maß Honig, samt Gebühr

padmanābha namastubhyaṃ sarvalokapitāmaha / madhudānena suprīto bhava sarvasukhapradaḥ

'Padmanābha, Verehrung dir, Urgroßvater aller Welten! Durch die Honiggabe sei wohl zufrieden, du Geber allen Glücks.'

Wort für Wort
padmanābha namastubhyaṃ sarvalokapitāmaha /
'Padmanābha, Verehrung dir, Urgroßvater aller Welten'
madhudānena suprīto bhava sarvasukhapradaḥ
'durch die Honiggabe sei wohl zufrieden, du Geber allen Glücks'

[?] 'padmanābhagha' im Quelltext für 'padmanābha'.

evaṃ yaḥ kurute bhaktyā padmanābhavrataṃ sudhīḥ / brahmamedhasahasrasya phalamāpnoti niścitam

Wer so mit Hingabe, klugen Sinnes, das Padmanābha-Gelübde vollzieht, der erlangt gewiss die Frucht von tausend Brahmamedha-Opfern.

Wort für Wort
evaṃ yaḥ kurute bhaktyā padmanābhavrataṃ sudhīḥ /
wer so mit Hingabe, klugen Sinnes, das Padmanābha-Gelübde vollzieht
brahmamedhasahasrasya phalamāpnoti niścitam
der erlangt gewiss die Frucht von tausend Brahmamedha-Opfern

dvādaśyāṃ kārtike śukle upavāsī jitendriyaḥ / kṣīreṇāḍhakamānena snāpayedvai tathā ghṛtena

Am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Kārtika, fastend, die Sinne bezähmend, bade er ihn mit einem Āḍhaka-Maß Milch und ebenso mit ebenso viel Ghee.

Wort für Wort
dvādaśyāṃ kārtike śukle upavāsī jitendriyaḥ /
am Dvādaśī-Tag der hellen Monatshälfte des Kārtika, fastend, die Sinne bezähmend
kṣīreṇāḍhakamānena snāpayedvai tathā ghṛtena
bade er ihn mit einem Āḍhaka-Maß Milch und ebenso mit ebenso viel Ghee [?]

[?] 'kṣīreṇākaḍhakamānena dandhā vājyena tāvatā' im Quelltext unklar/verderbt überliefert; sinngemäß als 'mit einem Āḍhaka-Maß Milch und ebenso viel Ghee' gedeutet.

namo dāmodarāyeti snāpayedbhaktibhāvataḥ / aṣṭottaraśataṃ hutvā madhvājyāktatilāhutīḥ

Mit 'Namo Dāmodarāya' bade er ihn, von hingebungsvollem Sinn; nachdem er hundertacht mit Honig und Ghee benetzte Sesam-Opfergaben geopfert hat,

Wort für Wort
namo dāmodarāyeti snāpayedbhaktibhāvataḥ /
mit 'Namo Dāmodarāya' bade er ihn, von hingebungsvollem Sinn
aṣṭottaraśataṃ hutvā madhvājyāktatilāhutīḥ
nachdem er hundertacht mit Honig und Ghee benetzte Sesam-Opfergaben geopfert hat

[?] 'maghvājyāktatilāhutīḥ' im Quelltext -- als 'madhvājyāktatilāhutīḥ' gedeutet.

jāgaraṃ niyataḥ kuryāttrikālārcanatatparaḥ / prātaḥ saṃpūjayeddevaṃ padmapuṣpairmanoramaiḥ

halte er, beherrscht, die Nachtwache, der dreimaligen Verehrung hingegeben; am Morgen verehre er den Gott mit lieblichen Lotosblüten.

Wort für Wort
jāgaraṃ niyataḥ kuryāttrikālārcanatatparaḥ /
halte er, beherrscht, die Nachtwache, der dreimaligen Verehrung hingegeben
prātaḥ saṃpūjayeddevaṃ padmapuṣpairmanoramaiḥ
am Morgen verehre er den Gott mit lieblichen Lotosblüten

punaraṣṭottaraśataṃ juhuyātsaghṛtaistilaiḥ / pañcabhakṣyayutaṃ cānnaṃ dadyādviprāya bhaktitaḥ

Er opfere wiederum hundertacht Opfergaben mit Sesam und Ghee; Speise, versehen mit den fünf Arten von Genussmitteln, gebe er mit Hingabe dem Brahmanen.

Wort für Wort
punaraṣṭottaraśataṃ juhuyātsaghṛtaistilaiḥ /
er opfere wiederum hundertacht Opfergaben mit Sesam und Ghee
pañcabhakṣyayutaṃ cānnaṃ dadyādviprāya bhaktitaḥ
Speise, versehen mit den fünf Arten von Genussmitteln, gebe er mit Hingabe dem Brahmanen

dāmodara jagannātha sarvakāraṇakāraṇa / trāhimāṃ kṛpayā deva śaraṇāgatapālakaḥ

'Dāmodara, Herr der Welt, Ursache aller Ursachen -- errette mich mit Erbarmen, o Gott, Beschützer der Schutzsuchenden.'

Wort für Wort
dāmodara jagannātha sarvakāraṇakāraṇa /
'Dāmodara, Herr der Welt, Ursache aller Ursachen'
trāhimāṃ kṛpayā deva śaraṇāgatapālakaḥ
'errette mich mit Erbarmen, o Gott, Beschützer der Schutzsuchenden'

[?] 'śāraṇāgatapālakaḥ' im Quelltext für 'śaraṇāgatapālakaḥ'.

anena dattvā dānaṃ ca śrotriyāya kuṭumbine / dakṣiṇāñca yathāśaktyā brāhmaṇāṃśvāpi bhojayet

Nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dem hausväterlichen, vedenkundigen Brahmanen gegeben hat, gebe er die Gebühr nach Vermögen und speise auch andere Brahmanen.

Wort für Wort
anena dattvā dānaṃ ca śrotriyāya kuṭumbine /
nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dem hausväterlichen, vedenkundigen Brahmanen gegeben hat
dakṣiṇāñca yathāśaktyā brāhmaṇāṃśvāpi bhojayet
gebe er die Gebühr nach Vermögen und speise auch andere Brahmanen

evaṃ kṛtvā vrataṃ samyagaśnīyādbandhubhiḥ saha / aśvamedhasahasrāṇāṃ dviguṇaṃ phalamaśnute

Wer so das Gelübde recht vollzogen hat, esse zusammen mit den Verwandten; er genießt die zweifache Frucht von tausend Aśvamedha-Opfern.

Wort für Wort
evaṃ kṛtvā vrataṃ samyagaśnīyādbandhubhiḥ saha /
wer so das Gelübde recht vollzogen hat, esse zusammen mit den Verwandten
aśvamedhasahasrāṇāṃ dviguṇaṃ phalamaśnute
er genießt die zweifache Frucht von tausend Aśvamedha-Opfern

[?] 'aśrīyādvūndhubhiḥ' im Quelltext -- als 'aśnīyādbandhubhiḥ' gedeutet; 'aśvamegha' als 'aśvamedha' gelesen.

evaṃ kuryādvratī yastu dvādaśīvratamuttamam / saṃvatsaraṃ muniśreṣṭha sa yāti paramaṃ padam

Wer als Gelübdehalter so das vortreffliche Dvādaśī-Gelübde ein Jahr lang vollzieht, o bester der Munis, der geht ein zum höchsten Ort.

Wort für Wort
evaṃ kuryādvratī yastu dvādaśīvratamuttamam /
wer als Gelübdehalter so das vortreffliche Dvādaśī-Gelübde vollzieht
saṃvatsaraṃ muniśreṣṭha sa yāti paramaṃ padam
ein Jahr lang, o bester der Munis, der geht ein zum höchsten Ort

ekamāse dvimāse vā yaḥ kuryādbhaktitatparaḥ / tattatphalamavāpnoti prāpnoti ca hareḥ padam

Wer es, der Hingabe ergeben, einen Monat oder zwei Monate vollzieht, erlangt die jeweils entsprechende Frucht und erlangt auch die Stätte Haris.

Wort für Wort
ekamāse dvimāse vā yaḥ kuryādbhaktitatparaḥ /
wer es, der Hingabe ergeben, einen Monat oder zwei Monate vollzieht
tattatphalamavāpnoti prāpnoti ca hareḥ padam
erlangt die jeweils entsprechende Frucht und erlangt auch die Stätte Haris

pūrṇaṃ saṃvatsaraṃ kṛtvā kuryādudyāpanaṃ vratī / mārgaśīrṣāsite pakṣe dvādaśyāṃ ca munīśvara

Nachdem der Gelübdehalter das Gelübde ein volles Jahr vollzogen hat, soll er die Abschlussfeier vollziehen, an der Dvādaśī der hellen Monatshälfte des Mārgaśīrṣa, o Herr der Munis.

Wort für Wort
pūrṇaṃ saṃvatsaraṃ kṛtvā kuryādudyāpanaṃ vratī /
nachdem der Gelübdehalter das Gelübde ein volles Jahr vollzogen hat, soll er die Abschlussfeier vollziehen
mārgaśīrṣāsite pakṣe dvādaśyāṃ ca munīśvara
an der Dvādaśī der hellen Monatshälfte des Mārgaśīrṣa, o Herr der Munis

snātvā prātaryathācāraṃ dantadhāvanapūrvakam / śuklamālyāmbaradharaḥ śuklagandhānulepanaḥ

Nachdem er sich am Morgen der Sitte gemäß gewaschen hat, zuvor die Zähne gereinigt, weiße Kränze und Gewänder tragend, mit weißer duftender Salbe gesalbt,

Wort für Wort
snātvā prātaryathācāraṃ dantadhāvanapūrvakam /
nachdem er sich am Morgen der Sitte gemäß gewaschen hat, zuvor die Zähne gereinigt
śuklamālyāmbaradharaḥ śuklagandhānulepanaḥ
weiße Kränze und Gewänder tragend, mit weißer duftender Salbe gesalbt

maṇḍapaṃ kārayeddivyaṃ caturastraṃ suśobhanam / ghaṇṭācāmarasaṃyuktaṃ kiṅkiṇīravaśobhitam

soll er eine herrliche, viereckige, wunderschöne Halle errichten lassen, versehen mit Glocken und Wedeln, geziert vom Klang der Glöckchen,

Wort für Wort
maṇḍapaṃ kārayeddivyaṃ caturastraṃ suśobhanam /
soll er eine herrliche, viereckige, wunderschöne Halle errichten lassen
ghaṇṭācāmarasaṃyuktaṃ kiṅkiṇīravaśobhitam
versehen mit Glocken und Wedeln, geziert vom Klang der Glöckchen

[?] 'suśībhanam' im Quelltext -- als 'suśobhanam' gedeutet.

alaṅkṛtaṃ puṣpamālyairvitānadhvajarājitām / chāditaṃ śuklavastreṇa dīpamālāvibhūṣitam

geschmückt mit Blumenkränzen, geziert von Baldachin und Bannern, überdeckt mit weißem Tuch, geziert mit Lampenreihen.

Wort für Wort
alaṅkṛtaṃ puṣpamālyairvitānadhvajarājitām /
geschmückt mit Blumenkränzen, geziert von Baldachin und Bannern
chāditaṃ śuklavastreṇa dīpamālāvibhūṣitam
überdeckt mit weißem Tuch, geziert mit Lampenreihen

[?] 'vitānaghvajarājitān' im Quelltext -- als 'vitānadhvajarājitām' gedeutet.

tanmadhye sarvatobhadraṃ kuryātsamyagalaṅkṛtam / tasyoparinyasetkumbhāndvādaśāmbuprapūritān

In deren Mitte soll er ein Sarvatobhadra-Diagramm anlegen, recht geschmückt; darüber setze er zwölf wassergefüllte Krüge.

Wort für Wort
tanmadhye sarvatobhadraṃ kuryātsamyagalaṅkṛtam /
in deren Mitte soll er ein Sarvatobhadra-Diagramm anlegen, recht geschmückt
tasyoparinyasetkumbhāndvādaśāmbuprapūritān
darüber setze er zwölf wassergefüllte Krüge

ekena śuklavastreṇa samyaksaṃśodhitena ca / sarvānācchādayetkumbhānpañcaratnasamanvitān

Mit einem einzigen, wohlgereinigten weißen Tuch bedecke er alle Krüge, die mit den fünf Juwelen versehen sind.

Wort für Wort
ekena śuklavastreṇa samyaksaṃśodhitena ca /
mit einem einzigen, wohlgereinigten weißen Tuch
sarvānācchādayetkumbhānpañcaratnasamanvitān
bedecke er alle Krüge, die mit den fünf Juwelen versehen sind

[?] 'śulkavanastreṇa' im Quelltext -- als 'śuklavastreṇa' gedeutet.

lakṣmīnārāyaṇaṃ devaṃ kārayedbhaktimānvratī / hemnā vā rājatenāpi tathā tāmreṇa vā dvija

Der hingebungsvolle Gelübdehalter soll ein Bild des Gottes Lakṣmī-Nārāyaṇa anfertigen lassen, sei es aus Gold, aus Silber, oder auch aus Kupfer, o Zweifachgeborener,

Wort für Wort
lakṣmīnārāyaṇaṃ devaṃ kārayedbhaktimānvratī /
der hingebungsvolle Gelübdehalter soll ein Bild des Gottes Lakṣmī-Nārāyaṇa anfertigen lassen
hemnā vā rājatenāpi tathā tāmreṇa vā dvija
sei es aus Gold, aus Silber, oder auch aus Kupfer, o Zweifachgeborener

[?] 'henmā' im Quelltext für 'hemnā'.

sthāpayetpratimāṃ tāṃ ca kumbhopari susaṃyamī / tanmūlyaṃ vā dvijaśreṣṭha kāñcanaṃ ca svaśaktitaḥ

und dieses Bildnis stelle er, wohlbeherrscht, oben auf den Krug; oder er gebe dessen Wert in Gold, o bester der Zweifachgeborenen, nach eigenem Vermögen.

Wort für Wort
sthāpayetpratimāṃ tāṃ ca kumbhopari susaṃyamī /
und dieses Bildnis stelle er, wohlbeherrscht, oben auf den Krug
tanmūlyaṃ vā dvijaśreṣṭha kāñcanaṃ ca svaśaktitaḥ
oder er gebe dessen Wert in Gold, o bester der Zweifachgeborenen, nach eigenem Vermögen

sarvavrateṣu matimānvittaśāṭhyaṃ vivarjayet / yadi kuryātkṣayaṃ yānti tasyāyurdhanasaṃpadaḥ

Bei allen Gelübden vermeide der Einsichtige jeglichen Geiz bei den Opfergaben; wenn er ihn dennoch übt, schwinden ihm Lebensdauer und Reichtum.

Wort für Wort
sarvavrateṣu matimānvittaśāṭhyaṃ vivarjayet /
bei allen Gelübden vermeide der Einsichtige jeglichen Geiz bei den Opfergaben
yadi kuryātkṣayaṃ yānti tasyāyurdhanasaṃpadaḥ
wenn er ihn dennoch übt, schwinden ihm Lebensdauer und Reichtum

anantaśāyinaṃ devaṃ nārāyaṇamanāmayam / pañcāmṛtena prathamaṃ snāpayedbhaktisaṃyutaḥ

Den Gott, der auf Ananta ruht, den makellosen Nārāyaṇa, bade er zuerst mit den fünf Ambrosia-Ingredienzien, von Hingabe erfüllt.

Wort für Wort
anantaśāyinaṃ devaṃ nārāyaṇamanāmayam /
den Gott, der auf Ananta ruht, den makellosen Nārāyaṇa
pañcāmṛtena prathamaṃ snāpayedbhaktisaṃyutaḥ
bade er zuerst mit den fünf Ambrosia-Ingredienzien, von Hingabe erfüllt

nāmabhiḥ keśavādyaiśca hyupacārānprakalpayet / rātrau jāgaraṇaṃ kuryātpurāṇaśravaṇādibhiḥ

Mit den Namen, angefangen mit Keśava, vollziehe er die einzelnen Ehrbezeugungen; die Nachtwache halte er mit dem Hören von Purāṇas und dergleichen.

Wort für Wort
nāmabhiḥ keśavādyaiśca hyupacārānprakalpayet /
mit den Namen, angefangen mit Keśava, vollziehe er die einzelnen Ehrbezeugungen
rātrau jāgaraṇaṃ kuryātpurāṇaśravaṇādibhiḥ
die Nachtwache halte er mit dem Hören von Purāṇas und dergleichen

jitanidro bhavetsamyaksopavāso jitendriyaḥ / trikālamarcayeddevaṃ yathāvibhavavistaram

Er soll den Schlaf recht bezwingen, fastend, die Sinne bezähmend; dreimal täglich verehre er den Gott, seinem Wohlstand entsprechend ausführlich.

Wort für Wort
jitanidro bhavetsamyaksopavāso jitendriyaḥ /
er soll den Schlaf recht bezwingen, fastend, die Sinne bezähmend
trikālamarcayeddevaṃ yathāvibhavavistaram
dreimal täglich verehre er den Gott, seinem Wohlstand entsprechend ausführlich

tataḥ prātaḥ samutthāya prātaḥ kṛtyaṃ samāpya ca / tilahomānvyāhṛtibhiḥ sahasraṃ ca hunedvijaiḥ

Dann, am Morgen aufstehend und die morgendlichen Verrichtungen beendet, opfere er, zusammen mit Brahmanen, tausend Sesam-Opfergaben mit den heiligen Vyāhṛti-Sprüchen.

Wort für Wort
tataḥ prātaḥ samutthāya prātaḥ kṛtyaṃ samāpya ca /
dann, am Morgen aufstehend und die morgendlichen Verrichtungen beendet
tilahomānvyāhṛtibhiḥ sahasraṃ ca hunedvijaiḥ
opfere er, zusammen mit Brahmanen, tausend Sesam-Opfergaben mit den Vyāhṛti-Sprüchen [?]

[?] 'tilahomānvyāhṛtibhiḥ sahasraṃra kāvyeddvijaiḥ' im Quelltext verderbt -- sinngemäß als 'tilahomān vyāhṛtibhiḥ sahasraṃ ca hunedvijaiḥ' gedeutet.

tataḥ saṃpūjayeddevaṃ gandhapuṣpādibhiḥ kramāt / devasya purataḥ kuryātpurāṇaśravaṇaṃ tataḥ

Dann verehre er den Gott der Reihe nach mit Duftstoff, Blüten und anderem; vor dem Gott lasse er sodann das Hören des Purāṇa stattfinden.

Wort für Wort
tataḥ saṃpūjayeddevaṃ gandhapuṣpādibhiḥ kramāt /
dann verehre er den Gott der Reihe nach mit Duftstoff, Blüten und anderem
devasya purataḥ kuryātpurāṇaśravaṇaṃ tataḥ
vor dem Gott lasse er sodann das Hören des Purāṇa stattfinden

dadyāddvādaśaviprebhyo dadhyannaṃ pāyasaṃ tathā / apūpairdaśabhiryuktaṃ saghṛtaṃ ca sadakṣiṇam

Er gebe zwölf Brahmanen Dickmilchreis und ebenso Milchreis, verbunden mit zehn Kuchen, samt Ghee und Gebühr.

Wort für Wort
dadyāddvādaśaviprebhyo dadhyannaṃ pāyasaṃ tathā /
er gebe zwölf Brahmanen Dickmilchreis und ebenso Milchreis
apūpairdaśabhiryuktaṃ saghṛtaṃ ca sadakṣiṇam
verbunden mit zehn Kuchen, samt Ghee und Gebühr

[Anm.: Im Quelltext erscheint 'pāyasaṃ' doppelt ('dadhyannaṃ pāyasaṃ pāyasaṃ tathā') -- offenkundige Dittographie; hier auf ein Vorkommen gekürzt wiedergegeben.]

devadeva jagannātha bhaktānugrahavigraha / gṛhāṇopāyanaṃ kṛṣṇa sarvābhīṣṭaprado bhava

'Gott der Götter, Herr der Welt, dessen Gestalt die Gnade für die Hingegebenen ist -- nimm diese Gabe an, o Kṛṣṇa, und sei der Gewährer alles Erwünschten.'

Wort für Wort
devadeva jagannātha bhaktānugrahavigraha /
'Gott der Götter, Herr der Welt, dessen Gestalt die Gnade für die Hingegebenen ist'
gṛhāṇopāyanaṃ kṛṣṇa sarvābhīṣṭaprado bhava
'nimm diese Gabe an, o Kṛṣṇa, und sei der Gewährer alles Erwünschten'

anenopāyanaṃ dattvā prārthaye māñjaliḥ sthitaḥ / ādhāya jānunī bhūmau vinayāvananato vratī

Nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dargebracht hat, bittet er, die Hände gefaltet dastehend; die Knie auf dem Boden aufsetzend, verneigt sich der Gelübdehalter demütig.

Wort für Wort
anenopāyanaṃ dattvā prārthaye māñjaliḥ sthitaḥ /
nachdem er mit diesem Spruch die Gabe dargebracht hat, bittet er, die Hände gefaltet dastehend
ādhāya jānunī bhūmau vinayāvananato vratī
die Knie auf dem Boden aufsetzend, verneigt sich der Gelübdehalter demütig

namo namaste surarājarāja namo 'stu te devaṃ jagannivāsa / kuruṣva saṃpūrṇaphalaṃ mamādya namo 'stu tubhyaṃ puruṣottamāya

'Verehrung, Verehrung dir, König der Königsgötter! Verehrung sei dir, o Gott, Wohnstatt der Welt! Bewirke mir heute die volle Frucht -- Verehrung sei dir, o höchster Mensch!'

Wort für Wort
namo namaste surarājarāja namo 'stu te devaṃ jagannivāsa /
'Verehrung, Verehrung dir, König der Königsgötter! Verehrung sei dir, o Gott, Wohnstatt der Welt!'
kuruṣva saṃpūrṇaphalaṃ mamādya namo 'stu tubhyaṃ puruṣottamāya
'bewirke mir heute die volle Frucht -- Verehrung sei dir, o höchster Mensch!'

[?] 'saṃpṛrṇaphalaṃ' im Quelltext -- als 'saṃpūrṇaphalaṃ' gedeutet.

iti saṃprārthayedviprāndevaṃ ca puruṣottamam / dadyādarghyaṃ ca devāya mahālakṣmyā yutāya vai

So bitte er die Brahmanen und den Gott, den höchsten Menschen; er gebe dem Gott, der mit der großen Lakṣmī vereint ist, das Ehrenwasser.

Wort für Wort
iti saṃprārthayedviprāndevaṃ ca puruṣottamam /
so bitte er die Brahmanen und den Gott, den höchsten Menschen
dadyādarghyaṃ ca devāya mahālakṣmyā yutāya vai
er gebe dem Gott, der mit der großen Lakṣmī vereint ist, das Ehrenwasser

[?] 'mahālakṣmīyutāya' im Quelltext -- als 'mahālakṣmyā yutāya' gedeutet.

lakṣmīpate namastubhyaṃ kṣīrārṇavanivāsine / arghyaṃ gṛhāṇa deveśa lakṣmyā ca sahitaḥ prabho

'Gemahl der Lakṣmī, Verehrung dir, der du im Milchozean wohnst -- nimm, o Gott der Götter, das Ehrenwasser an, zusammen mit Lakṣmī, o Herr.'

Wort für Wort
lakṣmīpate namastubhyaṃ kṣīrārṇavanivāsine /
'Gemahl der Lakṣmī, Verehrung dir, der du im Milchozean wohnst'
arghyaṃ gṛhāṇa deveśa lakṣmyā ca sahitaḥ prabho
'nimm, o Gott der Götter, das Ehrenwasser an, zusammen mit Lakṣmī, o Herr'

[?] 'prakṣo' im Quelltext für 'prabho'.

yasya smṛtyā ca nāmoktyā tapoyajñakriyādiṣu / nyūnaṃ saṃpūrṇatāṃ yāti sadyo vande tamacyutam

Durch dessen bloßes Gedenken und Namensnennung bei Askese, Opfer und dergleichen Verrichtungen jeglicher Mangel sogleich zur Vollständigkeit gelangt -- ihn, den Unvergänglichen, verehre ich.

Wort für Wort
yasya smṛtyā ca nāmoktyā tapoyajñakriyādiṣu /
durch dessen bloßes Gedenken und Namensnennung bei Askese, Opfer und dergleichen Verrichtungen
nyūnaṃ saṃpūrṇatāṃ yāti sadyo vande tamacyutam
jeglicher Mangel sogleich zur Vollständigkeit gelangt -- ihn, den Unvergänglichen, verehre ich

iti vijñāpya deveśaṃ tatsarvaṃ saṃyamī vrate / pratimāṃ dakṣiṇāyuktāmācāryāya nivedayet

Nachdem er so dem Gott der Götter all dies dargelegt hat, soll der im Gelübde Beherrschte das Bildnis, samt Gebühr versehen, dem Lehrer übergeben.

Wort für Wort
iti vijñāpya deveśaṃ tatsarvaṃ saṃyamī vrate /
nachdem er so dem Gott der Götter all dies dargelegt hat, der im Gelübde Beherrschte
pratimāṃ dakṣiṇāyuktāmācāryāya nivedayet
soll das Bildnis, samt Gebühr versehen, dem Lehrer übergeben

brāhmaṇānbhojayetpaścācchaktyā dadyācca dakṣiṇām / bhuñjīta vāgyataḥ paścātsvayaṃ bandhujanairvṛtaḥ

Danach speise er Brahmanen nach Vermögen und gebe ihnen die Gebühr; danach esse er selbst schweigend, umgeben von der Schar der Verwandten.

Wort für Wort
brāhmaṇānbhojayetpaścācchaktyā dadyācca dakṣiṇām /
danach speise er Brahmanen nach Vermögen und gebe ihnen die Gebühr
bhuñjīta vāgyataḥ paścātsvayaṃ bandhujanairvṛtaḥ
danach esse er selbst schweigend, umgeben von der Schar der Verwandten

[?] mehrere Wortformen im Quelltext unklar überliefert ('bhojayetpaścīcchaktyā', 'dadyāja dakṣiṇām', 'bevṛjanairvṛtaḥ') -- sinngemäß gedeutet.

sāyaṃ śṛṇuyādviṣṇoḥ kathāṃ vidvajjanaiḥ saha / ityevaṃ kurute yastu manujo dvādaśīvratam

Am Abend höre er zusammen mit gelehrten Männern die Erzählung von Viṣṇu. Wer als Mensch so das Dvādaśī-Gelübde vollzieht,

Wort für Wort
sāyaṃ śṛṇuyādviṣṇoḥ kathāṃ vidvajjanaiḥ saha /
am Abend höre er zusammen mit gelehrten Männern die Erzählung von Viṣṇu
ityevaṃ kurute yastu manujo dvādaśīvratam
wer als Mensch so das Dvādaśī-Gelübde vollzieht

[?] 'āsāyaṃ' im Quelltext -- als 'sāyaṃ' gedeutet.

sarvānkāmānsa āpnoti parasminniha ca nārada / trisaptakulasaṃyuktaḥ sarvapāpavivarjitaḥ / prayāti viṣṇubhavanaṃ yatra gatvā na śocati

der erlangt alle Wünsche, hier und im Jenseits, o Nārada; begleitet von einundzwanzig Geschlechtern seiner Familie, von aller Sünde befreit, geht er ein in die Wohnstatt Viṣṇus, wohin gegangen man nicht mehr trauert.

Wort für Wort
sarvānkāmānsa āpnoti parasminniha ca nārada /
der erlangt alle Wünsche, hier und im Jenseits, o Nārada [?]
trisaptakulasaṃyuktaḥ sarvapāpavivarjitaḥ /
begleitet von einundzwanzig Geschlechtern seiner Familie, von aller Sünde befreit [?]
prayāti viṣṇubhavanaṃ yatra gatvā na śocati
geht er ein in die Wohnstatt Viṣṇus, wohin gegangen man nicht mehr trauert [?]

[Anm.: Der Vers besteht aus drei Pādas statt der üblichen zwei -- vermutlich ein überzähliger Halbvers in der Vorlage.] [?] mehrere Wortformen ('sa ānpoti paraghatreha', 'trisatakulasaṃyuktaḥ', 'tapāti', 'yatra yattvā na śocati') im Quelltext unklar/verderbt überliefert, sinngemäß rekonstruiert.

ya idaṃ śṛṇuyādvipra dvādaśīvratamuttamam / vācayedvāpi sa naro vājapeyaphalaṃ labhet

Wer dies hört, o Brahmane, das vortreffliche Dvādaśī-Gelübde, oder es andere vortragen lässt, jener Mensch erlangt die Frucht des Vājapeya-Opfers.

Wort für Wort
ya idaṃ śṛṇuyādvipra dvādaśīvratamuttamam /
wer dies hört, o Brahmane, das vortreffliche Dvādaśī-Gelübde
vācayedvāpi sa naro vājapeyaphalaṃ labhet
oder es [andere] vortragen lässt, jener Mensch erlangt die Frucht des Vājapeya-Opfers

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