Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 17: mārgaśīrṣapaurṇimāyāṃ lakṣmīnārāyaṇavratam Das Lakṣmī-Nārāyaṇa-Gelübde am Vollmond des Mārgaśīrṣa

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde vratākhyāne mārgaśīrṣaśukladvādaśīvratakathanaṃ nāma satpadaśo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ sanaka uvāca anyadvratavaraṃ vakṣya śṛṇuṣva munisattama / sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ sarvaduḥkhanibarhaṇam

Sanaka sprach: Vernimm, o Bester der Weisen, ein anderes vortreffliches Gelübde, das ich [nun] verkünden will [?] – heilig, alle Sünde tilgend und alles Leid vernichtend.

Wort für Wort
anyadvratavaraṃ vakṣya śṛṇuṣva munisattama /
ein anderes vortreffliches Gelübde will ich verkünden [?] – höre, o Bester der Weisen
sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ sarvaduḥkhanibarhaṇam
heilig, alle Sünde tilgend, alles Leid vernichtend

[?] 'vakṣya' für erwartetes 'vakṣye' (1. Pers. Sg. Fut., „ich werde sagen“). [Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (16.) Kapitels vorangestellt, gefolgt von einer Trennlinie – ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.]

brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ śūdrāṇāṃ yoṣitāṃ tathā / samastakāmaphaladaṃ sarvavratamyaphalapradam

[Es ist ein Gelübde] für Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras sowie für Frauen, das alle Wünsche erfüllt und die höchste Frucht aller Gelübde gewährt [?].

Wort für Wort
brāhmaṇakṣatriyaviśāṃ śūdrāṇāṃ yoṣitāṃ tathā /
für Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, für Śūdras und ebenso für Frauen
samastakāmaphaladaṃ sarvavratamyaphalapradam
alle Wünsche erfüllend, die höchste Frucht aller Gelübde gewährend [?]

[?] 'sarvavratamyaphalapradam' unklar/korrupt überliefert; sinngemäß als 'sarvavratāgryaphalapradam' ('die höchste Frucht aller Gelübde gewährend') gedeutet.

duḥsvanpanāśane dharmyaṃ duṣṭagrahanivāraṇam / sarvalokeṣu vikhyātaṃ pūrṇimāvratamam / yena cīrṇena pāpānāṃ rāśikoṭiḥra praśāmyati

Fromm ist es zur Vernichtung böser Träume [?] und zur Abwehr schlimmer Planeteneinflüsse; in allen Welten berühmt ist dieses Vollmond-Gelübde, durch dessen Vollzug ganze Scharen von Sünden zur Ruhe kommen.

Wort für Wort
duḥsvanpanāśane dharmyaṃ duṣṭagrahanivāraṇam /
fromm zur Vernichtung böser Träume [?], zur Abwehr schlimmer Planeten(einflüsse)
sarvalokeṣu vikhyātaṃ pūrṇimāvratamam /
in allen Welten berühmt [ist] dieses Vollmond-Gelübde
yena cīrṇena pāpānāṃ rāśikoṭiḥra praśāmyati
durch dessen Vollzug Scharen von Sünden zur Ruhe kommen

[?] 'duḥsvanpanāśane' für 'duḥsvapnanāśane' ('zur Vernichtung böser Träume'), vermutlich Buchstabenvertauschung. [Anm.: 'pūrṇimāvratamam' und 'rāśikoṭiḥra' zeigen überzählige Silben (-am, -ra), wohl Verschreibungen der Vorlage.]

mārgaśīrṣe sitepakṣe pūrṇāyāṃ niyataḥ śuciḥ / snānaṃ kuryādyathācāraṃ dantadhāvanapūrvakam

Im Monat Mārgaśīrṣa, in der hellen Monatshälfte, am Vollmondtag, soll er, beherrscht und rein, sich nach der Sitte waschen, zuerst mit dem Reinigen der Zähne.

Wort für Wort
mārgaśīrṣe sitepakṣe pūrṇāyāṃ niyataḥ śuciḥ /
im Mārgaśīrṣa, in der hellen Monatshälfte, am Vollmondtag, beherrscht und rein
snānaṃ kuryādyathācāraṃ dantadhāvanapūrvakam
vollziehe er das Bad der Sitte gemäß, zuerst mit dem Zähneputzen

śukłāmbaradharaḥ śuddho gṛhamāgagatya vāgyataḥ / prakṣālya pādāvācamya smaratrārāyaṇaṃ prabhum

Weiß gekleidet, rein, nach Hause zurückgekehrt [?], schweigend, wasche er sich die Füße, spüle den Mund aus und gedenke des Herrn Nārāyaṇa.

Wort für Wort
śukłāmbaradharaḥ śuddho gṛhamāgagatya vāgyataḥ /
weiß gekleidet, rein, nach Hause gekommen [?], schweigend
prakṣālya pādāvācamya smaratrārāyaṇaṃ prabhum
die Füße gewaschen, den Mund gespült, des Herrn Nārāyaṇa gedenkend [?]

[?] 'gṛhamāgagatya' korrupt für 'gṛham āgatya'; 'smaratrārāyaṇaṃ' vermutlich für 'smaran nārāyaṇaṃ' verschrieben.

nityaṃ devārcanaṃ kṛtvā paśvātsaṃkalpapūrvakam / lakṣmī nārāyaṇaṃ devamarcayedbhaktibhāvataḥ

Nachdem er die tägliche Verehrung der Gottheit vollzogen hat, verehre er darauf, dem Gelübde-Entschluss (saṃkalpa) vorausgehend, den Gott Lakṣmī-Nārāyaṇa mit hingebungsvoller Gesinnung.

Wort für Wort
nityaṃ devārcanaṃ kṛtvā paśvātsaṃkalpapūrvakam /
nachdem er die tägliche Gottesverehrung vollzogen hat, danach, dem Gelübdeentschluss vorausgehend
lakṣmī nārāyaṇaṃ devamarcayedbhaktibhāvataḥ
verehre er den Gott Lakṣmī-Nārāyaṇa aus hingebungsvoller Gesinnung

[Anm.: 'paśvāt' für 'paścāt' ('danach'), vermutlich Verschreibung.]

āvāhanāsanādyaiśca gandhapuṣpādibhirvratī / namo nārāyaṇāyeti pūjayedbhaktitatparaḥ

Mit Anrufung, Sitzdarbringung und dergleichen sowie mit Duftstoffen, Blumen und anderem soll der Gelübdehaltende, der Hingabe zugetan, [ihn] mit [der Formel] 'namo nārāyaṇāya' verehren.

Wort für Wort
āvāhanāsanādyaiśca gandhapuṣpādibhirvratī /
mit Anrufung, Sitzdarbringung usw. sowie mit Duftstoffen, Blumen usw., der Gelübdehaltende
namo nārāyaṇāyeti pūjayedbhaktitatparaḥ
verehre er, der Hingabe zugetan, mit [der Formel] 'namo nārāyaṇāya'

gītairvādyaiśca nṛtyaiśca purāṇapaṭhanādibhiḥ / stotrairvārādhayeddevaṃ vratakṛtsusamāhitaḥ

Mit Gesängen, Musik und Tänzen, mit dem Lesen von Purāṇas und dergleichen oder mit Loblieder soll der das Gelübde Vollziehende, wohl gesammelt, den Gott verehren.

Wort für Wort
gītairvādyaiśca nṛtyaiśca purāṇapaṭhanādibhiḥ /
mit Gesängen, Musik und Tänzen, mit dem Lesen von Purāṇas usw.
stotrairvārādhayeddevaṃ vratakṛtsusamāhitaḥ
oder mit Lobliedern verehre der Gelübdehaltende, wohlgesammelt, den Gott

devasya purataḥ kṛtvā sthaṇḍilaṃ caturastrakam / aratnimātraṃ tatrāngiṃ sthāpayedgṛhyamārgataḥ / ājyabhāgāntarpayantaṃ kṛtvā puruṣasūktataḥ / caraṇā ca tilaiśvāpi ghṛtena juhuyāttathā

Vor dem Gott lege er eine viereckige Opferstätte an; dort richte er, der häuslichen Ritualtradition folgend, ein Feuer von der Größe einer Elle ein. Nachdem er [das Feuer] bis zu den Ājyabhāga-Spenden gesättigt und mit dem Puruṣasūkta [die Opferung] vollzogen hat [?], opfere er ebenso den Opferbrei [?], mit Sesam und mit Ghee.

Wort für Wort
devasya purataḥ kṛtvā sthaṇḍilaṃ caturastrakam /
vor dem Gott eine viereckige Opferstätte anlegend
aratnimātraṃ tatrāngiṃ sthāpayedgṛhyamārgataḥ /
richte er dort ein Feuer von der Größe einer Elle ein, der häuslichen Ritualtradition folgend [?]
ājyabhāgāntarpayantaṃ kṛtvā puruṣasūktataḥ /
nachdem er [es] bis zu den Ājya-Spenden gesättigt, mit dem Puruṣasūkta, vollzogen hat [?]
caraṇā ca tilaiśvāpi ghṛtena juhuyāttathā
opfere er ebenso den Opferbrei [?], mit Sesam und mit Ghee

[?] Vers stark verderbt überliefert, besonders 'tatrāngiṃ' (für 'tatrāgniṃ'?), 'ājyabhāgāntarpayantaṃ' und 'caraṇā' (für 'caruṃ'?); sinngemäß rekonstruiert.

ekavāraṃ dvivāraṃ vātrivāraṃ vāpi śaktitaḥ / homaṃ kuryātprayatnena sarvapāpanivṛttaye

Einmal, zweimal oder auch dreimal, je nach Vermögen, soll er eifrig das Feueropfer vollziehen, zur Beseitigung aller Sünden.

Wort für Wort
ekavāraṃ dvivāraṃ vātrivāraṃ vāpi śaktitaḥ /
einmal, zweimal oder auch dreimal, je nach Vermögen
homaṃ kuryātprayatnena sarvapāpanivṛttaye
vollziehe er eifrig das Feueropfer zur Beseitigung aller Sünden

prāyaścittā dikaṃ sarvaṃ svagṛhyoktavidhānataḥ / samāpya homaṃ vidhivacchāntisūktaṃ japedrudhaḥ

Nachdem er alle Sühnehandlungen und dergleichen gemäß der in seiner Gṛhyasūtra-Tradition festgelegten Ordnung sowie das Feueropfer vorschriftsmäßig vollendet hat, rezitiere der Weise [?] das Śānti-Sūkta.

Wort für Wort
prāyaścittā dikaṃ sarvaṃ svagṛhyoktavidhānataḥ /
alle Sühnehandlungen und dergleichen gemäß der Ordnung seines eigenen Gṛhyasūtra
samāpya homaṃ vidhivacchāntisūktaṃ japedrudhaḥ
nachdem er das Feueropfer vorschriftsmäßig vollendet hat, rezitiere der Weise [?] das Śānti-Sūkta

[?] 'japedrudhaḥ' vermutlich für 'japed budhaḥ' ('der Weise möge rezitieren') verschrieben.

paścāddevaṃ samāgatya punaḥ pūjāṃ prakalpayet / tathopavāsaṃ devāya hyarpayedbhaktisaṃyutaḥ

Danach trete er wieder zum Gott hin und vollziehe erneut die Verehrung; ebenso widme er, von Hingabe erfüllt, dem Gott das Fasten.

Wort für Wort
paścāddevaṃ samāgatya punaḥ pūjāṃ prakalpayet /
danach, zum Gott hingetreten, vollziehe er erneut die Verehrung
tathopavāsaṃ devāya hyarpayedbhaktisaṃyutaḥ
ebenso widme er, von Hingabe erfüllt, dem Gott das Fasten

paurṇamāsyāṃ nirāhāraḥ sthitvā deva tavājñayā / bhokṣyāmi puṇḍarīkākṣa pare 'hli śaraṇaṃ bhava

'Am Vollmondtag will ich ohne Speise verharren; auf dein Geheiß, o Gott, werde ich am folgenden Tag essen, o Lotusäugiger – sei [meine] Zuflucht!'

Wort für Wort
paurṇamāsyāṃ nirāhāraḥ sthitvā deva tavājñayā /
'Am Vollmondtag will ich ohne Speise verharren, auf dein Geheiß, o Gott,'
bhokṣyāmi puṇḍarīkākṣa pare 'hli śaraṇaṃ bhava
'werde ich am folgenden Tag essen, o Lotusäugiger – sei [meine] Zuflucht!'

iti vijñāpya devāyahyarghyaṃ dadyāttathaindave / jānubhyāmavanīṃ gagatvā śuklapuṣpākṣatānvitaḥ

Nachdem er dies dem Gott mitgeteilt hat, gebe er auch dem Mond ein Ehrengeschenk; mit den Knien die Erde berührend [?], versehen mit weißen Blumen und ungeschältem Reis.

Wort für Wort
iti vijñāpya devāyahyarghyaṃ dadyāttathaindave /
nachdem er dies dem Gott mitgeteilt hat, gebe er ebenso dem Mond ein Ehrengeschenk
jānubhyāmavanīṃ gagatvā śuklapuṣpākṣatānvitaḥ
mit den Knien die Erde berührend [?], versehen mit weißen Blumen und ungeschältem Reis

[?] 'gagatvā' für 'gatvā' ('gegangen'), überzählige Silbe.

kṣīrodārṇavasaṃbhūta aghatrigotrasamudbhaghava / grahāṇārghyaṃ mayā dattaṃ rohiṇīnāyaka prabho / evamarghyaṃ pradāyendoḥ prārthayetprāñjalistataḥ

'[O du,] entstanden aus dem Milchmeer, entstanden aus dem Geschlecht des Atri [?], dir, dem Planeten, ist von mir ein Ehrengeschenk dargebracht, o Gebieter der Rohiṇī, o Herr!' – Nachdem er so dem Mond das Ehrengeschenk dargebracht hat, bete er darauf mit gefalteten Händen.

Wort für Wort
kṣīrodārṇavasaṃbhūta aghatrigotrasamudbhaghava /
'[O du,] entstanden aus dem Milchmeer, entstanden aus dem Geschlecht des Atri [?]'
grahāṇārghyaṃ mayā dattaṃ rohiṇīnāyaka prabho /
'dir, dem Planeten, ist von mir ein Ehrengeschenk dargebracht, o Gebieter der Rohiṇī, o Herr!'
evamarghyaṃ pradāyendoḥ prārthayetprāñjalistataḥ
nachdem er so dem Mond das Ehrengeschenk dargebracht hat, bete er darauf mit gefalteten Händen

[?] 'aghatrigotrasamudbhaghava' korrupt für 'atrigotrasamudbhava' ('aus dem Atri-Geschlecht entstanden'). [Anm.: Im gesamten Kapitel finden sich mehrfach solche überzähligen 'gh/gn'-Einschübe (vgl. auch das Kolophon 'lakṣaghmī' für 'lakṣmī'), wohl ein wiederkehrender Verschreibungs-/OCR-Fehler der Vorlage.]

tiṣṭanpūrvamukho bhūtvā paśyanninduṃ ca nārada

Stehend, das Gesicht nach Osten gerichtet, den Mond betrachtend, o Nārada –

Wort für Wort
tiṣṭanpūrvamukho bhūtvā paśyanninduṃ ca nārada
stehend, das Gesicht nach Osten gerichtet, den Mond betrachtend, o Nārada

[Anm.: Dieser Vers überliefert nur eine Vershälfte (zwei Pādas statt der üblichen vier); die zweite Hälfte fehlt im Quelltext.]

namaḥ śukłāṃśave tubhyaṃ dvijarājāya te namaḥ / rohiṇīpataye tubhyaṃ lakṣmībhrātre namo 'stu te

'Verehrung dir, dem Weißstrahligen! Verehrung dir, dem König der Zweimalgeborenen! Dem Gemahl der Rohiṇī, dir, dem Bruder der Lakṣmī, sei Verehrung!'

Wort für Wort
namaḥ śukłāṃśave tubhyaṃ dvijarājāya te namaḥ /
'Verehrung dir, dem Weißstrahligen! Verehrung dir, dem König der Zweimalgeborenen!'
rohiṇīpataye tubhyaṃ lakṣmībhrātre namo 'stu te
'dem Gemahl der Rohiṇī, dir, dem Bruder der Lakṣmī, sei Verehrung!'

tataśca jāgaraṃ kuryātpurāṇaśravaṇādibhiḥ / jitendriyaśca saṃśuddhaḥ pāṣaṇḍālokavarjitaḥ

Danach halte er die Nachtwache, mit dem Anhören von Purāṇas und dergleichen; er halte seine Sinne gezügelt, sei rein und meide den Anblick von Häretikern.

Wort für Wort
tataśca jāgaraṃ kuryātpurāṇaśravaṇādibhiḥ /
danach halte er die Nachtwache, mit dem Anhören von Purāṇas usw.
jitendriyaśca saṃśuddhaḥ pāṣaṇḍālokavarjitaḥ
die Sinne gezügelt, rein, den Anblick von Häretikern meidend

tataḥ prātaḥ prakurvīta svācāraṃ ca yathāvidhi / punaḥ saṃpūjayeddevaṃ yathāvibhavavistaram

Am Morgen darauf vollziehe er seine [täglichen] Bräuche vorschriftsmäßig; wiederum verehre er den Gott, entsprechend seinem Vermögen, in gebührendem Umfang.

Wort für Wort
tataḥ prātaḥ prakurvīta svācāraṃ ca yathāvidhi /
am Morgen darauf vollziehe er seine Bräuche vorschriftsmäßig
punaḥ saṃpūjayeddevaṃ yathāvibhavavistaram
wiederum verehre er den Gott, seinem Vermögen entsprechend, ausführlich

brāhmaṇānbhojayecchaktyā tataśca prayato naraḥ / bandhubhṛtyādibhiḥ sārdhaṃ svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ

Nach Vermögen speise er Brahmanen; danach esse der geläuterte Mann selbst, zusammen mit Verwandten, Dienern und dergleichen, schweigend.

Wort für Wort
brāhmaṇānbhojayecchaktyā tataśca prayato naraḥ /
nach Vermögen speise er Brahmanen; danach der geläuterte Mann
bandhubhṛtyādibhiḥ sārdhaṃ svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ
esse selbst, zusammen mit Verwandten, Dienern usw., schweigend

evaṃ pauṣādimāseṣu pūrṇamāsyāmupoṣitaḥ / arcayedbhaktisaṃyukto nārāyaṇamanāyamam

So soll er, in den Monaten beginnend mit Pauṣa, an jedem Vollmondtag fastend, von Hingabe erfüllt, den makellosen Nārāyaṇa verehren [?].

Wort für Wort
evaṃ pauṣādimāseṣu pūrṇamāsyāmupoṣitaḥ /
so, in den Monaten beginnend mit Pauṣa, an jedem Vollmondtag fastend
arcayedbhaktisaṃyukto nārāyaṇamanāyamam
verehre er, von Hingabe erfüllt, den makellosen Nārāyaṇa [?]

[?] 'anāyamam' vermutlich für 'anāmayam' ('den Makellosen, Heilvollen') verschrieben.

evaṃ saṃvatsaraṃ kṛtvā kārtikyāṃ pūrṇimādine / udyāpanaṃ prakurvīta tadvidhānaṃ vadāmi te

So, nachdem er dies ein Jahr lang vollzogen hat, soll er am Vollmondtag des Kārttika-Monats die Abschlussfeier vollziehen; deren Ordnung will ich dir verkünden.

Wort für Wort
evaṃ saṃvatsaraṃ kṛtvā kārtikyāṃ pūrṇimādine /
so, nachdem er es ein Jahr lang vollzogen hat, am Vollmondtag des Kārttika
udyāpanaṃ prakurvīta tadvidhānaṃ vadāmi te
vollziehe er die Abschlussfeier; deren Ordnung verkünde ich dir

maṇḍapaṃ kārayeddivyaṃ caturastraṃ sumaṅgalam / śobhitaṃ puṣpamālābhirvitānadhvajarājitam

Er lasse einen prächtigen, viereckigen, überaus verheißungsvollen Pavillon errichten, geschmückt mit Blumengirlanden, geziert mit Baldachin und Bannern.

Wort für Wort
maṇḍapaṃ kārayeddivyaṃ caturastraṃ sumaṅgalam /
er lasse einen prächtigen, viereckigen, überaus verheißungsvollen Pavillon errichten
śobhitaṃ puṣpamālābhirvitānadhvajarājitam
geschmückt mit Blumengirlanden, geziert mit Baldachin und Bannern

bahudāpasamākīrṇaṃ kiṅkiṇījālaśobhitam / darpaṇṇaiścāmaraiścaiva kalaśaiśca samāvṛtam

reich mit vielen Lampen versehen [?], geschmückt mit einem Netz von Glöckchen, umgeben von Spiegeln, Yakschweif-Wedeln und Wasserkrügen.

Wort für Wort
bahudāpasamākīrṇaṃ kiṅkiṇījālaśobhitam /
reich mit vielen Lampen versehen [?], geschmückt mit einem Netz von Glöckchen
darpaṇṇaiścāmaraiścaiva kalaśaiśca samāvṛtam
umgeben von Spiegeln, Yakschweif-Wedeln und Wasserkrügen

[?] 'bahudāpasamākīrṇaṃ' vermutlich für 'bahudīpasamākīrṇam' ('reich mit vielen Lampen versehen') verschrieben.

tanmadhye sarvatobhadraṃ pañcavarṇavirājitam / jalapūrṇaṃ tataḥ kumbhaṃ nyasettasyopari dvija

In dessen Mitte [male er] ein Sarvatobhadra-Diagramm, glänzend in fünf Farben; darauf stelle er einen mit Wasser gefüllten Krug, o Zweimalgeborener.

Wort für Wort
tanmadhye sarvatobhadraṃ pañcavarṇavirājitam /
in dessen Mitte ein Sarvatobhadra-Diagramm, glänzend in fünf Farben
jalapūrṇaṃ tataḥ kumbhaṃ nyasettasyopari dvija
darauf stelle er einen mit Wasser gefüllten Krug, o Zweimalgeborener

pidhāya kumbhaṃ vastreṇa susūkṣmeṇāti śobhitam / henmā vā rajatenāpi tathā tānmeṇa vā dvija / lakṣmīnārāyaṇaṃ devaṃ kṛtvā tasyopari nyaset

Nachdem er den Krug mit einem sehr feinen, überaus schönen Tuch bedeckt hat, aus Gold oder auch aus Silber oder ebenso aus Kupfer [gefertigt] [?], setze er darauf ein Bildnis des Gottes Lakṣmī-Nārāyaṇa.

Wort für Wort
pidhāya kumbhaṃ vastreṇa susūkṣmeṇāti śobhitam /
nachdem er den Krug mit einem sehr feinen, überaus schönen Tuch bedeckt hat
henmā vā rajatenāpi tathā tānmeṇa vā dvija /
aus Gold oder auch aus Silber oder ebenso aus Kupfer, o Zweimalgeborener [?]
lakṣmīnārāyaṇaṃ devaṃ kṛtvā tasyopari nyaset
setze er darauf ein Bildnis des Gottes Lakṣmī-Nārāyaṇa

[?] 'henmā' und 'tānmeṇa' als 'hemnā' ('aus Gold') und 'tāmreṇa' ('aus Kupfer') gedeutet.

pañcāmṛtena saṃsnāpyābhyarcyagandhādibhiḥ kramāt / bhakṣmairbhojyādinaivedyairbhaktitaḥ saṃyatendriyaḥ

Nachdem er [das Bildnis] mit den fünf Nektarsubstanzen gebadet und der Reihe nach mit Duftstoffen und dergleichen verehrt hat, [bringe er es dar] mit Speisen, Genüssen und anderen Opfergaben, voller Hingabe und mit gezügelten Sinnen.

Wort für Wort
pañcāmṛtena saṃsnāpyābhyarcyagandhādibhiḥ kramāt /
nachdem er [es] mit den fünf Nektarsubstanzen gebadet und der Reihe nach mit Duftstoffen usw. verehrt hat
bhakṣmairbhojyādinaivedyairbhaktitaḥ saṃyatendriyaḥ
mit Speisen, Genüssen und anderen Opfergaben, voller Hingabe, mit gezügelten Sinnen

jāgaraṃ ca tathā kuryārtsamyakchraraddhāsamanvitaḥ / pare 'hni prātarvidhiva tpūrvavadviṣṇumarcayet

Ebenso soll er, mit rechtem Glauben erfüllt, die Nachtwache halten; am folgenden Tag, am Morgen, verehre er wie zuvor vorschriftsmäßig Viṣṇu.

Wort für Wort
jāgaraṃ ca tathā kuryārtsamyakchraraddhāsamanvitaḥ /
ebenso halte er, mit rechtem Glauben erfüllt, die Nachtwache
pare 'hni prātarvidhiva tpūrvavadviṣṇumarcayet
am folgenden Tag, am Morgen, verehre er vorschriftsmäßig, wie zuvor, Viṣṇu

ācāryāya pradātavyā pratimā dakṣaghiṇānvitā / brāhmaṇānbhojayecchaktyā vibhave satyavāritam

Dem Lehrer (Ācārya) soll das Bildnis, versehen mit einer Priestergabe, übergeben werden; Brahmanen speise er nach Vermögen, seinem Reichtum entsprechend [?].

Wort für Wort
ācāryāya pradātavyā pratimā dakṣaghiṇānvitā /
dem Lehrer soll das Bildnis, versehen mit einer Priestergabe, übergeben werden
brāhmaṇānbhojayecchaktyā vibhave satyavāritam
Brahmanen speise er nach Vermögen, seinem Reichtum entsprechend [?]

[?] 'vibhave satyavāritam' unklar überliefert; sinngemäß als 'entsprechend seinem Vermögen, wie es sich gehört' gedeutet.

tiladānaṃ prakurvīta yathāśaktyā samāhitaḥ / kuryādrangau ca vidhivatilahomaṃ vicakṣiṇaḥ

Er vollziehe, gesammelt, nach Vermögen die Gabe von Sesam; der Kluge vollziehe ebenso, als [dazugehörigen] Ritus [?], vorschriftsmäßig das Sesam-Feueropfer.

Wort für Wort
tiladānaṃ prakurvīta yathāśaktyā samāhitaḥ /
die Gabe von Sesam vollziehe er, gesammelt, nach Vermögen
kuryādrangau ca vidhivatilahomaṃ vicakṣiṇaḥ
der Kluge vollziehe ebenso [als Begleitritus, ?] vorschriftsmäßig das Sesam-Feueropfer

[?] 'kuryādrangau' unklar überliefert, sinngemäß als 'kuryādaṅgaṃ' ('er vollziehe als [Begleit-]Ritus') gedeutet.

evaṃ kṛtvā naraḥ samyak lakṣmīnārāyaṇavratam / iha bhuktvā mahābhogānputraghapautraghasamanvitaḥ

Wer so ordnungsgemäß das Lakṣmī-Nārāyaṇa-Gelübde vollzogen hat, genießt hier [auf Erden] große Genüsse, begleitet von Söhnen und Enkeln,

Wort für Wort
evaṃ kṛtvā naraḥ samyak lakṣmīnārāyaṇavratam /
wer so ordnungsgemäß das Lakṣmī-Nārāyaṇa-Gelübde vollzogen hat
iha bhuktvā mahābhogānputraghapautraghasamanvitaḥ
genießt hier große Genüsse, begleitet von Söhnen und Enkeln

sarvapāpavinirmuktaḥ kulāyutasamanvitaḥ / prayāti viṣṇubhavanaṃ yogināmapi durlabham

und gelangt, von aller Sünde befreit, begleitet von zehntausend [Angehörigen] seines Geschlechts, zur Wohnstatt Viṣṇus, die selbst für Yogis schwer erreichbar ist.

Wort für Wort
sarvapāpavinirmuktaḥ kulāyutasamanvitaḥ /
von aller Sünde befreit, begleitet von zehntausend [Angehörigen] seines Geschlechts
prayāti viṣṇubhavanaṃ yogināmapi durlabham
gelangt er zur Wohnstatt Viṣṇus, die selbst für Yogis schwer erreichbar ist

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