Kapitel 69: nārāyaṇādiviṣṇumantravidhānam
Die Vorschrift der Mantras Nārāyaṇas und anderer Viṣṇu-Gestalten
Das Kapitel setzt unmittelbar die im vorangehenden Kapitel begonnene Darlegung der Mantra-Vorschrift (mantravidhāna) fort und behandelt im Einzelnen: den achtsilbigen Nārāyaṇa-Mantra samt Nyāsa-, Dhyāna-, Japa- und Homa-Regeln (V1-70), die Viṣṇu-Gāyatrī und den zwölfsilbigen Vāsudeva-Mantra mit den vier Vyūha-Gestalten (V70-96), einen achtsilbigen Śrīkara/Garuḍavāhana-Mantra mit Puruṣasūkta-Nyāsa (V97-108), den Varāha-Mantra samt Erd-Meditationen in den fünf Element-Maṇḍalas (V108-134), den Mantra der Erdgöttin Dharaṇī/Vasumatī (V135-145), den zweihundertsilbigen Trailokyamohana-Mantra des Jagannātha mit ausführlicher Wort-für-Wort-Konstruktionsanweisung (V145-177) sowie die Verehrung der Attribut- und Waffengottheiten Viṣṇus/Jagannāthas (Śrīvatsa, Kaustubha, vanamālā, die acht Śaktis, Pāñcajanya, Śārṅga, Sudarśana, Nandaka, Kaumodakī, Aṅkuśa, Musala, Pāśa) mit ihren Einzelmantras (V178-202). Sprecher ist durchgehend Sanatkumāra, der zu Nārada spricht (vgl. V70: 'kathitas tava nārada'). Der im Kolophon der Aufgabenstellung für dieses Kapitel genannte Schlusstitel ('... saptatitamo 'dhyāyaḥ') führt selbst keinen Beschreibungstitel; der obige Titel wurde daher, wie in der Aufgabenstellung vorgesehen, aus dem Inhalt erschlossen, in thematischer Fortführung des im Rohtext als Kopfzeile erhaltenen Titels des VORANGEHENDEN Kapitels ('mantravidhānanirūpaṇa', s. Anm. zu V1). Der Text ist im letzten Drittel (etwa V132, V150-197) an zahlreichen Stellen stark verderbt bzw. in stark komprimierter Mantra-Konstruktionssprache überliefert; einzelne Lesarten bleiben trotz sorgfältiger Analyse unsicher und sind im jeweiligen notes-Feld mit [?] bzw. [Anm.] gekennzeichnet.
Sanatkumāra sprach: Nun werde ich die im Erdenrund schwer erlangbaren Mantras des großen Viṣṇu verkünden, durch deren Erlangen die Menschen rasch ihr eigenes Gewünschtes erreichen.
Wort für Wort
sanatkumāraḥ uvāca
Sanatkumāra sprach
atha vakṣye
nun werde ich verkünden
mahāviṣṇoḥ mantrān
die Mantras des großen Viṣṇu
lokeṣu durlabhān
in den Welten schwer erlangbare
yān prāpya
welche erlangend
mānavāḥ tūrṇam
die Menschen rasch
prāpnuvanti nija-īpsitam
erreichen ihr eigenes Gewünschtes
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext eine Kolophonzeile vorangestellt ("iti ... mantravidhānanirūpaṇaṃ nāma ekonasaptatitamo 'dhyāyaḥ" = "69. Kapitel, betitelt 'Darlegung der Mantra-Vorschrift'"), gefolgt von einer Trennlinie. Diese Ordnungszahl (ekonasaptatitama = 69.) weicht von der Projektzählung dieses Kapitels (69., dessen eigener, im Kolophon am Ende der Quelle nicht mehr erhaltener Sanskrit-Titel laut Aufgabenstellung 'saptatitamo 'dhyāyaḥ' = 70. lauten müsste) um eins ab: Es handelt sich erkennbar um den versetzt überlieferten Schlusskolophon des VORANGEHENDEN Kapitels (samt dessen dort erhaltenem Beschreibungstitel 'mantravidhānanirūpaṇa'), nicht um Inhalt von Vers 1. Er wurde im sa-Feld dokumentiert, aber nicht als Vers übersetzt.]
Durch deren bloße Aussprache [schon] löst sich die Sündenmenge auf; sogar Brahmā und die übrigen (Götter) werden, sobald sie diese (Mantras) kennen, fähig zur Erschaffung der Welt.
Vorangestellt von tāra (Oṃ) und hṛt (namaḥ), im Dativ endend, soll das Wort 'Nārāyaṇa' stehen [ergibt: oṃ namo nārāyaṇāya]; der achtsilbige Manu (Mantra) ist so zu vollziehen (sādhya) - Nārāyaṇa selbst ist dessen Seher (muni).
Wort für Wort
tāra-hṛt-pūrvakam
vorangestellt von tāra (Oṃ) und hṛt (namaḥ)
ṅeṃtam
im Dativ (vierten Fall) endend
nārāyaṇapadam bhavet
das Wort 'Nārāyaṇa' soll entstehen
aṣṭākṣaraḥ manuḥ ca asya
der achtsilbige Mantra hiervon
sādhyaḥ
zu vollziehen
nārāyaṇaḥ muniḥ
Nārāyaṇa (ist) der Seher
[?] Zuordnung von 'sādhyaḥ' und 'muniḥ' im Kompositum nicht eindeutig auflösbar; sinngemäß übertragen.
chandaḥ proktaṃ ca gāyatrī devatā viṣṇukhyayaḥ /
oṃ bījaṃ yaṃ ca tathā śaktirviniyogo 'khilāptaye
Als Versmaß wird Gāyatrī genannt, als Gottheit ist Viṣṇu erklärt; Oṃ ist das Keimwort (bīja), ebenso 'yaṃ' die Kraft (śakti); die Anwendung (viniyoga) dient der Erlangung von allem.
Wort für Wort
chandaḥ proktam ca gāyatrī
als Versmaß wird Gāyatrī genannt
devatā viṣṇu-ākhyātaḥ
die Gottheit ist als Viṣṇu erklärt
oṃ bījam
Oṃ (ist) das Keimwort
yaṃ ca tathā śaktiḥ
und ebenso 'yaṃ' die Kraft
viniyogaḥ akhila-āptaye
die Anwendung dient der Erlangung von allem
[?] 'viṣṇukhyayaḥ' ist eine unklare/verderbte Lesart, vermutlich für 'viṣṇurākhyātaḥ' o.ä. ('als Viṣṇu erklärt'); sinngemäß übertragen.
'Kruddholkāya' (dem zornigen Lichtstrahl) wird als Herz(-Mantra) bezeichnet, 'Maholkāya' (dem großen Lichtstrahl) gilt als Haupt(-Mantra); 'Vīrolkāya' (dem heldenhaften Lichtstrahl) wird als Schopf(-Mantra) genannt, 'Dyulkāya' (dem himmlischen Lichtstrahl) gilt als Panzer(-Mantra).
Wort für Wort
kruddha-ulkāya
dem zornigen Lichtstrahl (Dat.)
hṛt ākhyātam
wird als Herz(-Mantra) bezeichnet
maha-ulkāya śiraḥ smṛtam
'dem großen Lichtstrahl' gilt als Haupt(-Mantra)
vīra-ulkāya śikhā proktā
'dem heldenhaften Lichtstrahl' wird als Schopf(-Mantra) genannt
dyu-ulkāya kavacam matam
'dem himmlischen Lichtstrahl' gilt als Panzer(-Mantra)
'Maholkāya' [sei] auch der Waffen(-Mantra, astra) - so geschieht die fünfteilige Gliederbildung (pañcāṅga); ferner soll man mit den sechs, aus dem Sechs-Glieder-Mantra entstandenen Silben verfahren.
Wort für Wort
maha-ulkāya iti ca astram syāt
'Maholkāya' sei auch der Waffen(-Mantra)
ittham pañcāṅgakalpanā
so geschieht die fünfteilige Gliederbildung
punaḥ ṣaḍaṅgamantra-utthaiḥ
ferner mit den aus dem Sechsgliedmantra entstandenen
ṣaḍ-varṇaiḥ ca samācaret
sechs Silben soll man verfahren
[?] Die Wiederholung des Epithetons 'maholkāya' (bereits in V5 als Haupt-Mantra vergeben) auch für den Waffen-Mantra ist auffällig - möglicherweise Schreib-/OCR-Wiederholungsfehler für ein anderes Epitheton; hier literal wiedergegeben.
Die beiden übrigen Mantrasilben soll man an Bauch (kukṣi) und Rücken (pṛṣṭha) anbringen; darauf soll man mit dem Mantra des Sudarśana(-Diskus) die Absicherung der Himmelsrichtungen (digbandhana) vollziehen.
Wort für Wort
avaśiṣṭau
die beiden übrigen
nyaset kukṣi-pṛṣṭhayoḥ mantravarṇakau
soll man an Bauch und Rücken die zwei Mantrasilben anbringen
sudarśanasya mantreṇa
mit dem Mantra des Sudarśana
kuryāt digbandhanam tataḥ
soll man darauf die Absicherung der Richtungen vollziehen
Ich werde den aus zehn Umkreisungen bestehenden Nyāsa verkünden, die fünffache Erhabenheit (vibhūtipañcaka): Die Wurzelsilben soll man am eigenen Körper anbringen - an der Grundstütze (ādhāra), am Herzen, am Mund...
Wort für Wort
daśāvṛttimayam nyāsam
den aus zehn Umkreisungen bestehenden Nyāsa
vakṣye vibhūtipañcakam
werde ich verkünden, die fünffache Erhabenheit
mūlārṇān svatanau nyasyet
die Wurzelsilben soll man am eigenen Körper anbringen
doḥpanmūleṣu nāsāyāṃ prathamāvṛttirīritā /
gale nābhau hṛdi kucapārśvapṛṣṭeṣu tatparāḥ
An den Wurzeln von Arm und Fuß und an der Nase wird die erste Umkreisung genannt; an Hals, Nabel, Herz sowie an den Seiten der Brust und am Rücken folgen die nächsten (Umkreisungen).
mūrddhāsyanetraśravaṇaghrāṇeṣu ca tṛtīyakāḥ /
doḥpādasaṃdhyaṅguliṣu vedāvṛttyā ca vinyaset
An Scheitel, Mund, Augen, Ohren und Nase (steht) die dritte (Runde); an den Gelenken und Fingern/Zehen von Armen und Füßen soll man mit der vierfachen (veda=4) Umkreisung anbringen.
Danach soll man an den Körperbestandteilen (dhātu) und Lebenshauchen (prāṇa) [und] am Herzen anbringen - an Haupt, Augen, Mund, Herz, Bauch, Schenkeln, Unterschenkeln und beiden Füßen.
Wort für Wort
dhātu-prāṇeṣu hṛdaye
an Körperbestandteilen, Lebenshauchen, am Herzen
vinyaset tadanantaram
soll man danach anbringen
śiraḥ-netra-āsya-hṛt-kukṣi-sorū-jaṅghā-pada-dvaye
an Haupt, Augen, Mund, Herz, Bauch, Schenkeln, Unterschenkeln, beiden Füßen
[?] Wortgrenzen von 'śironetrāsyahṛtkukṣisorujaṅghāpadadvaye' im Kompositum unsicher segmentiert; sinngemäß aufgelöst.
Der Weise soll die Silben des Mantra einzeln, der Reihe nach, anbringen; an Herz, Schultern, Schenkeln und Füßen soll er die vier, den Veden entsprechenden Silben des Manu anbringen.
Wort für Wort
ekaikaśaḥ nyaset varṇān mantrasya
einzeln soll man die Silben des Mantra anbringen
kramataḥ sudhīḥ
der Reihe nach, der Weise
nyaset hṛt-aṃsa-ūru-padeṣu
soll anbringen an Herz, Schultern, Schenkeln, Füßen
An den Stellen von Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotos [soll man anbringen] mit der jeweils eigenen Handgeste (mudrā), und die übrigen (Silben) - dies ist der vorzügliche Nyāsa, genannt 'der Käfig der Herrlichkeit' (vibhūtipañjara).
Wort für Wort
cakra-śaṅkha-gadā-ambhoja-padeṣu
an den Stellen von Diskus, Muschelhorn, Keule, Lotos
sva-sva-mudrayā
mit der jeweils eigenen Handgeste
śeṣān ca
und die übrigen (Silben)
nyāsavaryaḥ ayam vibhūtipañjara-abhidhaḥ
dies ist der vorzügliche, 'Käfig der Herrlichkeit' genannte Nyāsa
nyasenmūlārṇamekaikaṃ sacandraṃ tārasampuṭam /
athavā vai namontena nyasedityapare jaguḥ
Man soll jede einzelne Wurzelsilbe, versehen mit dem Mondbindu und umschlossen vom Praṇava (tāra), anbringen; oder aber, wie andere sagen, solle man mit der auf 'namaḥ' endenden (Form) anbringen.
Wort für Wort
nyaset mūlārṇam ekaikam
man soll jede einzelne Wurzelsilbe anbringen
sacandram tārasampuṭam
mit Mondbindu versehen, vom Praṇava umschlossen
athavā vai namaḥ-antena nyaset
oder aber solle man mit der auf 'namaḥ' endenden Form anbringen
Danach soll man den Tattva-Nyāsa vollziehen, zur Verwirklichung des Viṣṇu-Seins; der achtsilbige (Mantra) wird von den früheren Weisen als aus der Wesenheit der acht Urstoffe (prakṛtis) bestehend erklärt.
Wort für Wort
tattvanyāsam tataḥ kuryāt
danach soll man den Tattva-Nyāsa vollziehen
viṣṇubhāvaprasiddhaye
zur Verwirklichung des Viṣṇu-Seins
aṣṭārṇaḥ aṣṭaprakṛti-ātmā
der achtsilbige, aus der Wesenheit der acht Urstoffe (bestehende)
gaditaḥ pūrvasūribhiḥ
wird von den früheren Weisen erklärt
[?] 'dhiṣṇubhāva' vermutlich verderbt für 'viṣṇubhāva' ('Viṣṇu-Sein'); so übertragen.
pṛthivyādīni bhūtāni tato 'hṝṅkārameva ca /
mahāṃśca prakṛtiścaivetyaṣṭau prakṛtayo matāḥ
Erde und die übrigen Elemente, sodann das Ich-Bewusstsein (ahaṃkāra), die Ur-Intelligenz (mahat) und die Urnatur (prakṛti) selbst - so gelten die acht Urstoffe (prakṛtis).
Wort für Wort
pṛthivī-ādīni bhūtāni
Erde und die übrigen Elemente
tataḥ ahaṃkāram eva ca
sodann das Ich-Bewusstsein
mahān ca prakṛtiḥ ca eva
die Ur-Intelligenz und die Urnatur selbst
iti aṣṭau prakṛtayaḥ matāḥ
so gelten die acht Urstoffe
[Anm.: 'hṝṅkārameva' im Quelltext ist eine OCR-Verderbnis für 'ahaṃkārameva'.]
An Fuß, Geschlechtsorgan, Herz, Mund, Scheitel, Brust und an der Herzensstelle - mit einer (Silbe je Ort) soll der beste Sādhaka die Durchdringung des ganzen Körpers bewirken.
Wort für Wort
pāde liṅge hṛdi mukhe
an Fuß, Geschlechtsorgan, Herz, Mund
mūrdhni vakṣasi hṛtsthale
an Scheitel, Brust, Herzensstelle
sarvāṅge vyāpakam kuryāt
am ganzen Körper soll er die Durchdringung bewirken
Beginnend mit der dem Herzen vorangehenden ersten Mantrasilbe, endend mit '...ātmane' am Herzen - indem man jeweils den entsprechenden Namen ausspricht, soll der Weise ihn an der jeweiligen Stelle anbringen.
Wort für Wort
mantra-arṇa-hṛt-para-ādyam
beginnend mit der dem Herzen vorangehenden Mantrasilbe
ātmane hṛdaya-antimam
endend mit '...ātmane' am Herzen
tat-tat-nāma samuccāryya
indem man jeweils den entsprechenden Namen ausspricht
nyaset tat-tat-sthale budhaḥ
soll der Weise an der jeweiligen Stelle anbringen
[?] Kompositum stark verdichtet, Wortgrenzen unsicher; sinngemäß übertragen.
ayaṃ tattvābhidho nyāsaḥ sarvanyāsottamottamaḥ /
mūrtīnyaṃseddvādaśa vai dvādaśādityasaṃyutāḥ
Dies ist der 'Tattva' genannte Nyāsa, der beste unter allen Nyāsas; man soll die zwölf (Viṣṇu-)Gestalten anbringen, die mit den zwölf Ādityas (Sonnen) verbunden sind.
Beginnend mit den Silben des zwölfsilbigen (Namens), verbunden mit den zwölf Ādityas [wird diese Anbringung vollzogen]; dieser achtsilbige Manu aber wird als aus der Wesenheit der acht Urstoffe bestehend genannt.
Wort für Wort
dvādaśākṣara-varṇa-ādyāḥ
beginnend mit den Silben des zwölfsilbigen (Namens)
dvādaśa-āditya-saṃyutāḥ
verbunden mit den zwölf Ādityas
aṣṭārṇaḥ ayam manuḥ ca
dieser achtsilbige Manu aber
aṣṭaprakṛti-ātmā samīritaḥ
wird als aus der Wesenheit der acht Urstoffe bestehend genannt
[Anm.: Der Bezug zwischen den beiden Vershälften (Zwölfsilbiges vs. achtsilbiger Kern-Manu) ist im Quelltext nicht eindeutig verknüpft; vermutlich Nebeneinanderstellung zweier verschiedener Nyāsa-Bezugssysteme.]
tāsāmātmacatuṣkasya yogādarkākṣaro bhavet /
lalāṭakukṣihṛtkaṇṭhadakṣapārśvāṃsakeṣu ca
Durch die Verbindung von deren (der acht Urstoffe) je vierfacher Eigenschaft entsteht die den Sonnengöttern entsprechende Silbenzahl (zwölf); an Stirn, Bauch, Herz, Hals, an der rechten Seite und Schulter...
Wort für Wort
tāsām ātmacatuṣkasya yogāt
durch die Verbindung von deren vierfacher Eigenschaft
arka-akṣaraḥ bhavet
entsteht die den Sonnen entsprechende Silbenzahl
lalāṭa-kukṣi-hṛt-kaṇṭha
an Stirn, Bauch, Herz, Hals
dakṣa-pārśva-aṃsakeṣu ca
und an rechter Seite und Schulter
[?] Die zahlensymbolische Herleitung 'arkākṣaraḥ' (12-silbig) aus 'ātmacatuṣka' bleibt im Detail unklar; literal übertragen.
gale ca vāmapārśvāṃ sagalapṛṣṭeṣvanantaram /
kakudyapi nyasenmantrī mūrtīrdvādaśa vai kramāt
...am Hals, an der linken Seite und Schulter, danach an Hals(-Rücken) und Rücken, sowie auch am Nacken soll der Mantra-Kundige der Reihe nach die zwölf Gestalten anbringen.
vāmanaṃ ca tathādraṇa pūṣṇā śrīdharameva ca /
hṛṣīkeśaṃ nyasetpaścātparjanyena samanvitam
Und Vāmana ebenso mit [unklare Lesart], mit Pūṣan (verbunden) Śrīdhara; danach soll man Hṛṣīkeśa anbringen, verbunden mit Parjanya.
Wort für Wort
vāmanam ca tathā [?]
und Vāmana ebenso mit [unklar]
pūṣṇā śrīdharam eva ca
mit Pūṣan Śrīdhara
hṛṣīkeśam nyaset paścāt
danach soll man Hṛṣīkeśa anbringen
parjanyena samanvitam
verbunden mit Parjanya
[?] 'tathādraṇa' ist eine verderbte Lesart für den bei Vāmana zu erwartenden Āditya-Namen (denkbar 'śakreṇa' = mit Śakra/Indra, thematisch passend zur Vāmana-Legende); hier als Lücke belassen.
Danach soll der Kluge mit dem (gleichen) Mantra die Durchdringung (vyāpaka-nyāsa) vollziehen; [beginnend mit] 'dhruvaḥ', [dann] 'kirīṭa', 'keyūra', am Ende von 'hāra' [und dann] 'makara' ebenso...
Wort für Wort
vyāpakam vinyaset paścāt
danach soll man die Durchdringung anbringen
kirīṭamanunā sudhīḥ
mit dem Kirīṭa-Mantra der Kluge
dhruvaḥ kirīṭa keyūra
'dhruvaḥ', 'kirīṭa', 'keyūra'
hāra-ante makaram iti ca
am Ende von 'hāra', 'makara' ebenso
[?] Die Konstruktionsformel der Schmuck-Einzelmantras (Krone, Armreif, Kette, Makara-Ohrring) ist stark komprimiert; literal wiedergegeben.
kuṇḍalānte cakraśaṃ khagadāṃbhojapadeṣu svasvamudrayā /
pītāṃbarānte śrīvatsāṃkitavakṣaḥsthaleti ca
Am Ende von 'kuṇḍala' (Ohrring), an den Stellen von 'cakra-śaṅkha-gadā' [und] 'ambhoja' (Lotos) in der Hand, mit der jeweils eigenen Handgeste; am Ende von 'pītāmbara' (gelbes Gewand) [und] an der mit Śrīvatsa gezeichneten Brust ebenso.
Wort für Wort
kuṇḍala-ante
am Ende von 'kuṇḍala'
cakra-śaṅkha-gadā-ambhoja-padeṣu sva-sva-mudrayā
an den Stellen von Diskus, Muschelhorn, Keule, Lotos, mit eigener Handgeste
pīta-ambara-ante
am Ende von 'pītāmbara'
śrīvatsa-aṃkita-vakṣaḥsthale iti ca
und an der mit Śrīvatsa gezeichneten Brust
[Anm.: Diese Zeile übernimmt fälschlich einen Teil der Wortfolge aus V14 (Wiederholungs-/Zeilensprungfehler der Quelle); Übersetzung folgt dem tatsächlich vorliegenden Wortlaut.]
Danach spreche man das Paar der mit Śrī und Bhūmi verbundenen eigenen Lichtwesenheiten (jyotis); [und schließe] mit 'dīptikarāya', bis hin zu 'sahasrādityatejase' (der Glut von tausend Sonnen).
Wort für Wort
śrī-bhūmi-sahita-sva-ātma-jyotiḥ-dvayam
das Paar der mit Śrī und Bhūmi verbundenen eigenen Licht(wesenheiten)
Endend auf 'namaḥ', mit fünf (bāṇa) und sechs Silben - so wird der Kirīṭa-Mantra genannt. Nachdem man so die Nyāsa-Regel vollzogen hat, soll man den erhabenen Nārāyaṇa meditieren.
Wort für Wort
namaḥ-antaḥ bāṇa-ṣaṭ-varṇaiḥ
endend auf 'namaḥ', mit fünf und sechs Silben
kirīṭamanuḥ īritaḥ
wird der Kirīṭa-Mantra genannt
evam nyāsavidhim kṛtvā
nachdem man so die Nyāsa-Regel vollzogen hat
dhyāyet nārāyaṇam vibhum
soll man den erhabenen Nārāyaṇa meditieren
[?] Zahlensymbolik 'bāṇaṣaḍvarṇaiḥ' (Pfeil=5, sechs) im Detail unsicher.
...mit Śrīvatsa auf der Brust, mit strahlendem Kaustubha-Juwel am Hals geschmückt, mit Halskette, Armreifen, Armbändern und Schulterspangen, gelbgewandet - so gedenke man seiner.
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ vidhivanniyatendriyaḥ /
prathamena tu lakṣeṇa svātmaśuddhirbhaved dhruvam
Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal je Silbe, vorschriftsmäßig, mit gezügelten Sinnen; durch die erste Hunderttausend(-Rezitation) allein wird gewiss die Reinigung des eigenen Selbst erlangt.
Wort für Wort
varṇalakṣam japet mantram
man rezitiere den Mantra hunderttausendmal je Silbe
Durch das Rezitieren von zwei Hunderttausend erlangt man die Reinigung des Mantra; durch dreimal hunderttausendmaliges Rezitieren gelangt man in die Himmelswelt (svarloka).
viṣṇoḥ samīpamāpnoti vedalakṣajapānnaraḥ /
tathā ca nirmalaṃ jñānaṃ pañcalakṣajapādbhavet
Durch viermal hunderttausendmaliges Rezitieren erlangt der Mensch die Nähe Viṣṇus; ebenso entsteht durch fünfmal hunderttausendmaliges Rezitieren makelloses Wissen.
Wort für Wort
viṣṇoḥ samīpam āpnoti
die Nähe Viṣṇus erlangt
veda-lakṣa-japāt naraḥ
durch viermal hunderttausendmaliges Rezitieren der Mensch
tathā ca nirmalam jñānam
und ebenso makelloses Wissen
pañca-lakṣa-japāt bhavet
entsteht durch fünfmal hunderttausendmaliges Rezitieren
Durch sechsmal hunderttausend(-maliges Rezitieren) erlangt der Mantra-Kundige feste Gesinnung in Viṣṇu; durch siebenmal hunderttausendmaliges Rezitieren erlangt der Mantra-Kundige Wesensgleichheit (sārūpya) mit Viṣṇu.
Wort für Wort
lakṣaṣaṣṭena ca āpnoti
durch sechsmal hunderttausend erlangt
mantrī viṣṇau sthirām matim
der Mantra-Kundige feste Gesinnung in Viṣṇu
sapta-lakṣa-japāt mantrī
durch siebenmal hunderttausendmaliges Rezitieren der Mantra-Kundige
viṣṇoḥ sārūpyam āpnuyāt
erlangt Wesensgleichheit mit Viṣṇu
[Anm.: Im Quelltext steht 'viṣṇau1sthirā' mit eingestreuter Ziffer '1' - offensichtlicher OCR-Fehler; als 'viṣṇau sthirāṃ' gelesen.]
Rezitiert der Mantra-Kundige achtmal hunderttausendmal, erlangt er das Erlöschen (nirvāṇa); nachdem er so rezitiert hat, soll der Weise darauf ein Zehntel (davon als Opferzahl) mit Lotosblüten...
Wort für Wort
aṣṭalakṣam japet mantrī
rezitiert der Mantra-Kundige achtmal hunderttausendmal
...mit Honig getränkt, in das geweihte Feuer opfern; von 'Maṇḍūka' bis zum Höchsten Prinzip (para-tattva) reichend, soll man sorgfältig auf dem Sitz (pīṭha) verehren.
Wort für Wort
madhu-āktaiḥ prajuhuyāt
mit Honig getränkt soll man opfern
saṃskṛte havyavāhane
in das geweihte Feuer
maṇḍūkāt paratatva-antam
von 'Maṇḍūka' bis zum Höchsten Prinzip
pīṭhe saṃpūjya yatnataḥ
auf dem Sitz sorgfältig verehrend
[?] 'maṇḍūkāt' (etwa 'vom Frosch [-Symbol] an') als Bezeichnung einer Stufe der Sitz-Gottheiten ist unklar überliefert; literal übertragen.
Tāra (Oṃ), 'namaḥ', 'bhagavate', 'viṣṇave', [dann] 'sarvabhūta...', danach '...tadātmane', 'vāsudevāya' [und] 'sarvātmā' - so spreche man das Wort.
Wort für Wort
tāraḥ namaḥ
Tāra, 'namaḥ'
bhagavate viṣṇave
'bhagavate', 'viṣṇave'
sarvabhūta[-tattva-ātmane] tataḥ
'sarvabhūta[tattvātmane]', danach
tat-ātmane vāsudevāya sarvātmā iti padam vadet
'tadātmane', 'vāsudevāya', 'sarvātmā' - so spreche man das Wort
[?] Der Wortlaut dieses (vermutlich den Pīṭha-Mantra einleitenden) Konstruktionsverses ist an mehreren Stellen verderbt ('sarvabhū tataḥ / tātmane') überliefert; sinngemäß rekonstruiert.
Am Ende von 'saṃyoga-yoga-padma', [dann] 'pīṭhāya', mit hṛt (namaḥ) als Abschluss - so ist der aus 26 Silben bestehende Pīṭha-Mantra; mit diesem weise man den Sitz (āsana) zu.
Nachdem man mit dem Wurzelmantra die Gestalt gedanklich fixiert hat, soll man ihn darin einladen und verehren; zunächst soll man die Glieder(-Gottheiten) der Mantras verehren, auch an den Staubgefäßen (des Lotos).
prāgādidigdale vāsudevaṃ saṃkarṣaṇaṃ tathā /
pradyumnamaniruddhaṃ ca śaktīḥ koṇeṣvathārcayet
An den Blütenblättern der Himmelsrichtungen, beginnend im Osten, [verehre man] Vāsudeva, sodann Saṃkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha; die Śaktis (Kräfte) verehre man sodann in den Zwischenrichtungen.
Wort für Wort
prāk-ādi-dig-dale
an den Blütenblättern der Richtungen, beginnend im Osten
vāsudevam saṃkarṣaṇam tathā
Vāsudeva, sodann Saṃkarṣaṇa
pradyumnam aniruddham ca
Pradyumna und Aniruddha
śaktīḥ koṇeṣu atha arcayet
die Śaktis verehre man sodann in den Zwischenrichtungen
caturbhujāḥ śaṅkhacakragadāṃbhaghojadharā ime /
sitakāñcanagodugdhadūrvāvarṇāśca śaktayaḥ
Diese (vier Gestalten) sind vierarmig, Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotos tragend; die Śaktis aber haben die Farben Weiß, Gold, Kuhmilch(-weiß) und Dūrvā-Gras(-grün).
An den Blattspitzen (der Lotosblüten) verehre man Diskus, Muschelhorn, Keule, Lotos [und] Kaustubha-Juwel, sowie Keule(-Stößel), Schwert und Waldblumengirlande der Reihe nach.
Rot, gelblich-golden, dunkel, schwarz, weiß, hellfarben [seien diese]; safranfarben verehre man draußen, an der Vorderseite, den Herrn der Vögel (Garuḍa).
An beiden Seiten verehre man danach die Schätze Śaṅkha [und] Padma der Reihe nach, die wie Perle und Rubin scheinen; im Westen verehre man die Standarte (dhvaja).
Den roten Vighna(-Gott) im Südosten, den dunklen Ārya im Südwesten (Rākṣasa-Richtung); die dunkle Durgā in der Windrichtung (Nordwesten), den gelben Heerführer (Senānī) in der Īśāna(-Nordost)-Richtung.
Die Weltenhüter (Lokapālas), versehen mit ihren Waffen, verehre der Weise außerhalb; wer so, umgeben von diesen Umhüllungen (āvaraṇa), den unvergänglichen Viṣṇu verehrt...
...genießt hier alle Genüsse [und] geht am Ende zum Reich Viṣṇus ein. Zur Erlangung von Feldern, Getreide und Gold gedenke man der Dhāraṇī (Erdgöttin).
Man denke sich die Göttin (Dhāraṇī) dunkel wie Dūrvā-Gras-Blätter, eine Reisähre (śāli-mañjarī) haltend; ebenso denke man an die Göttin Bhāratī (Sarasvatī), die Vīṇā und Buch trägt.
Wer sich selbst als den überaus furchtbaren Gott Narasiṃha meditiert und die Waffe mit dem Mantra beschwört, kehrt zurück, nachdem er die Feinde erschlagen hat.
Wort für Wort
nārasiṃham iva ātmānam devam
sich selbst als den Gott Narasiṃha
dhyātvā atibhairavam
meditierend, den überaus furchtbaren
śastram saṃmantrya mantreṇa
die Waffe mit dem Mantra beschwörend
śatrūn hatvā nivartate
nachdem er die Feinde erschlagen hat, kehrt er zurück
Der Sādhaka, nachdem er den Mantra mit dem Narasiṃha-Samen (bīja) verbunden und hundertacht Mal rezitiert hat, [besprengt mit dem] durch die linke Hand beschworenen (Wasser)...
...immer wieder besprenge er mit Wasser; selbst ein Schlangengebissener bleibt am Leben. Und verbunden mit dem Garuḍa(-Mantra), rezitiere man dann mit dem fünfsilbigen (Mantra).
Der Vogel (Garuḍa) erscheint sichtbar [und] gewährt den gewünschten Wunsch. Verbunden mit dem Gaṇapati(-Mantra) rezitiere man hunderttausendmal, bei Milchdiät (payovrata).
dadhimadhvājyayuktāni mṛtyuṃ jayati sādhakaḥ /
śanaiśvara dine samyak spṛṣṭvā śvatthaṃ ca pāṇinā
...vermischt mit Quark, Honig und Ghee, besiegt der Sādhaka den Tod. Am Tage des Śani (Saturn), nachdem er ordnungsgemäß mit der Hand den Aśvattha(-Baum) berührt hat...
...und hundertacht Mal rezitiert hat, besiegt er im Kampf den vorzeitigen Tod. Nachdem er fünfundzwanzigmal rezitiert hat, trinke man täglich morgens das Wasser.
[Dadurch wird man] frei von aller Sünde, weise und krankheitsfrei. Nachdem man einen Wasserkrug vorschriftsmäßig aufgestellt und mit reinem Wasser gefüllt hat...
japtvāyutaṃ tatastenābhiṣekaḥ sarvaroganut /
candrasūryoparāge tu hyupoṣyāṣṭasahasrakam
...und zehntausendmal rezitiert hat, [wirkt] die Besprengung damit heilend gegen alle Krankheiten. Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis aber, nach dem Fasten, achttausendmal (rezitierend)...
Wort für Wort
japtvā ayutam
zehntausendmal rezitiert
tataḥ tena abhiṣekaḥ sarvaroganut
damit ist die Besprengung heilend gegen alle Krankheiten
...nachdem der beste Sādhaka die Brāhmī(-Pflanze bzw. das damit versetzte) Ghee berührt und den Mantra rezitiert hat, trinke er es; er erlangt Gedächtniskraft, Dichtkunst und Redegewandtheit - daran ist kein Zweifel.
vāsudevapadaṃ ṅeṃtaṃ dhīmahīti tato vadet /
tanno viṣṇuḥ pracovarṇānsaṃvadeñcodayāditi
Das Wort 'Vāsudeva', im Dativ endend, [dann] 'dhīmahi' spreche man darauf; 'tan no viṣṇuḥ' [und] die Silben von 'pracodayāt' spreche man abschließend zusammen.
Dies ist die genannte Viṣṇu-Gāyatrī, die Vernichterin aller Sünden. [Nun folgt ein weiterer Mantra:] Tāra (Oṃ), hṛt (namaḥ), 'bhagavate', im Dativ endend, 'vāsudevāya' - so wird er verkündet.
Der zwölfsilbige große Mantra gewährt Genuss und Erlösung; für Frauen und Śūdras (wird) dieser ohne Praṇava, für die Zweimalgeborenen aber mit Praṇava (verwendet).
candrākṣivedapañcarṇaiḥ samastenāṅgakalpanam /
mūrdhni bhāle dṛśorāsye gale dorhṛdaye punaḥ
Mit den Silben, die der Zahl von Mond(1), Auge(2), Veda(4) [und] fünf entsprechen, geschieht insgesamt die Gliederbildung: an Scheitel, Stirn, Augen, Mund, Hals, Armen, wiederum am Herzen...
Wort für Wort
candra-akṣi-veda-pañca-arṇaiḥ
mit den Silben(zahlen) Mond, Auge, Veda, fünf
samastena aṅgakalpanam
geschieht insgesamt die Gliederbildung
mūrdhni bhāle dṛśoḥ āsye
an Scheitel, Stirn, Augen, Mund
gale doḥ hṛdaye punaḥ
an Hals, Armen, wiederum am Herzen
[?] Die Zahlenfolge 'candra-akṣi-veda-pañca' (1-2-4-5) als Silbenzuweisung der einzelnen Aṅga-Mantras bleibt im Detail unsicher.
...am Bauch, Nabel, Geschlechtsglied, an beiden Knien, ebenso an beiden Füßen soll man der Reihe nach die Mantrasilben anbringen - dies wird der 'Schöpfungs-Nyāsa' genannt.
Wort für Wort
kukṣau nābhau dhvaje
am Bauch, Nabel, Geschlechtsglied
jānudvaye pādadvaye tathā
an beiden Knien, ebenso an beiden Füßen
nyaset kramāt mantravarṇān
soll man der Reihe nach die Mantrasilben anbringen
Danach soll man den Tattva-Nyāsa vollziehen, der in allen Tantras geheim gehalten wird: Jīva (Einzelseele), Prāṇa (Lebenshauch), ebenso Citta (Denksinn), das Herzlotos, die Sonnenscheibe...
Wort für Wort
tattvanyāsam tataḥ kuryāt
danach soll man den Tattva-Nyāsa vollziehen
sarvatantreṣu gopitam
der in allen Tantras geheim gehalten wird
jīvam prāṇam tathā cittam
Jīva, Prāṇa, ebenso Citta
hṛtpadmam sūryamaṇḍalam
das Herzlotos, die Sonnenscheibe
[Anm.: 'bīvaṃ' im Quelltext ist OCR-Verderbnis für 'jīvaṃ'.]
nārāyaṇaṃ cakramatastattvāni dvādaśaiva tu /
mūlārṇahṛtparāyādyamātmane hṛdayāntimam
...Nārāyaṇa [und] den Diskus - dies sind die zwölf Tattvas (Wesenheiten). Der Nyāsa besteht aus der Wurzelsilbe, beginnend mit dem, was dem Herzen vorangeht, bis '...ātmane', endend am Herzen.
Wort für Wort
nārāyaṇam cakram
Nārāyaṇa und den Diskus
ataḥ tattvāni dvādaśa eva tu
dies sind die zwölf Tattvas
mūlārṇa-hṛt-para-ādyam
die Wurzelsilbe, beginnend mit dem dem Herzen Vorangehenden
Nachdem man den Namen des jeweiligen Prinzips ausgesprochen hat, bringe man ihn der Reihe nach an Scheitel usw. an; auch hier gilt die zuvor genannte Meditation. Die Rezitationszahl des Manu beträgt zwölfmal hunderttausend.
Wort für Wort
tattve nāma samuccāryya
den Namen des Prinzips aussprechend
nyaset mūrdha-ādiṣu kramāt
bringe man der Reihe nach an Scheitel usw. an
pūrvoktam dhyānam atra api
auch hier die zuvor genannte Meditation
bhānu-lakṣa-japaḥ manoḥ
zwölfmal hunderttausendmalige Rezitation des Mantra
Von dieser (Zahl) einen Teil (Zehntel) opfere man mit Ghee-getränkten Sesamkörnern im Feuer; auf dem zuvor genannten Sitz fixiere der Mantra-Kundige mit dem Wurzelmantra die Gestalt (gedanklich)...
Die Śaktis, beginnend mit Śānti, sind wie zuvor in den Haupt- und Zwischenrichtungen zu verehren; in der dritten Umhüllung (āvaraṇa) sind die genannten zwölf Gestalten zu verehren.
Indra und die übrigen, mit ihren Waffen versehen, verehre man im (äußersten) Erdhaus; so, mit diesen Umhüllungen versehen, wer den unvergänglichen Viṣṇu verehrt...
...erlangt man hier alle Ziele [und] geht am Ende ins Reich Viṣṇus ein. Von dem 'Puruṣottama' genannten Viṣṇu gibt es eine vierfache Unterscheidung (der Formen).
Tāra (Oṃ), Kāma(-bīja), Ramā(-bīja), danach, im Dativ endend, soll 'Puruṣottama' stehen; [dann] 'varma', 'astrāṇi', bis 'agnipriya' - so lautet der Mantra, dessen Silbenzahl der von Feuer und Mond entspricht.
Wort für Wort
tāraḥ kāmaḥ ramā
Tāra, Kāma(-Bīja), Ramā(-Bīja)
paścāt ṅeṃtaḥ syāt puruṣottamaḥ
danach, im Dativ endend, 'Puruṣottama'
varma-astrāṇi agnipriya-antaḥ
'varma', 'astrāṇi', endend mit 'agnipriya'
mantraḥ vahni-indu-varṇavān
der Mantra mit der Silbenzahl von Feuer und Mond
[?] Die Zahlenangabe 'vahnīnduvarṇavān' (Feuer=3, Mond=1) ist als genaue Silbenzahl unsicher (13? 31?).
Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das genannte Versmaß, sodann die Gottheit ist der 'Puruṣottama' genannte; Bīja und Śakti sind hier die beiden Smara(Kāma)-Silben.
Wort für Wort
brahmā muniḥ syāt
Brahmā ist der Seher
gāyatrī chandaḥ proktaḥ
Gāyatrī wird als Versmaß genannt
atha devatā puruṣottamasaṃjñaḥ
sodann die Gottheit, der 'Puruṣottama' genannte
atra bīja-śaktī smara-dve [?]
hier Bīja und Śakti, die beiden Smara(-Silben) [?]
bhūcandraikarasākṣyakṣimantravarṇorvibhāgataḥ /
kṛtvāṅgāni tato dhyāyedvidhivatpuruṣottamam
Nach der Aufteilung der Mantrasilben [entsprechend der Zahlen von] Erde, Mond, [Geschmack], Auge usw. vollziehe man die Gliederbildung und meditiere danach vorschriftsmäßig über Puruṣottama.
Wort für Wort
bhū-candra-eka-rasa-akṣi-mantravarṇoḥ
[Zahlen von] Erde, Mond, eins, Geschmack, Auge - der Mantrasilben
vibhāgataḥ kṛtvā aṅgāni
nach Aufteilung die Glieder bildend
tataḥ dhyāyet vidhivat
danach meditiere man vorschriftsmäßig
puruṣottamam
über Puruṣottama
[?] Vers stark verderbt bzw. unklar überliefert ('bhūcandraikarasākṣyakṣi...'); Übersetzung sinngemäß, Einzellesarten unsicher.
nṛtyaddevāṅganāvṛndakvaṇatkiṅkiṇinūpure /
lasanmāṇikyavedyāṃ tu dītpārkāyutatejasi
...wo Scharen tanzender Götterfrauen mit klingenden Glöckchen an den Fußspangen sind, auf einem strahlenden Rubin-Altar, in einem Glanz gleich zehntausend leuchtenden Sonnen...
Wort für Wort
nṛtyat-devāṅganā-vṛnda
Scharen tanzender Götterfrauen
kvaṇat-kiṅkiṇi-nūpure
mit klingenden Glöckchen an den Fußspangen
lasan-māṇikya-vedyām tu
auf einem strahlenden Rubin-Altar
dīpta-arka-ayuta-tejasi
in einem Glanz gleich zehntausend leuchtenden Sonnen
...der von den Juwelenspitzen der Kronen der Götterscharen überstrahlt wird [meditiere man]. Man rezitiere den Mantra neunhunderttausendmal [und] opfere ein Zehntel davon.
Wort für Wort
vṛndāraka-vrāta-kirīṭa-agra-ratna-abhicarcite
der von den Kronen-Juwelenspitzen der Götterscharen überstrahlt wird
Der Seher dieses achtsilbigen (Mantra) ist Vyāsa, Paṅkti wird als Versmaß genannt; als Gottheit wird Hari, genannt 'Śrīkāra', erklärt, der Gewährer aller Wünsche.
Wort für Wort
aṣṭārṇaḥ asya muniḥ vyāsaḥ
der Seher dieses achtsilbigen (Mantra) ist Vyāsa
paṅktiḥ chandaḥ udāhṛtam
Paṅkti wird als Versmaß genannt
śrīkāra-ākhyaḥ hariḥ proktaḥ devatā
als Gottheit wird der 'Śrīkāra' genannte Hari erklärt
'Bhīṣayat' zweimal sei das Herz(-Mantra); 'Trāsayat' zweimal das Haupt(-Mantra); 'Śikhā' sei das Paar 'pramardayat'; 'Panzer' sei das Paar 'pradhvaṃsayat'.
'Astra' (Waffen-Mantra) sei das Paar 'rakṣat'; alle enden auf 'hum' - so werden sie verkündet. Am Scheitel, an beiden Augen, an Hals, Herz, am Nabelort...
...und an den beiden Paaren von Schenkeln und Unterschenkeln soll man die Mantrasilben der Reihe nach anbringen. Danach vollziehe man den Nyāsa mit den im Puruṣasūkta genannten Mantras.
Wort für Wort
ūru-jaṅghā-yugmeṣu
an den beiden Paaren von Schenkeln und Unterschenkeln
mantravarṇān kramāt nyaset
soll man die Mantrasilben der Reihe nach anbringen
Am Mund bringe man diesen Spruch an: 'brāhmaṇo 'sya mukham āsīt' (der Brahmane war sein Mund); an beiden Armen ebenso 'bāhū rājanyaḥ' (die Arme wurden zum Kṣatriya).
Wort für Wort
mukhe nyaset
am Mund bringe man an
brāhmaṇaḥ asya mukham āsīt
'der Brahmane war sein Mund' - diesen Spruch
imam manum
diesen Spruch
bāhuyugme tathā bāhū rājanyaḥ iti vinyaset
an beiden Armen ebenso 'die Arme wurden zum Kṣatriya' bringe man an
'Ūrū tad asya yad vaiśyaḥ' (seine Schenkel wurden zum Vaiśya) bringe man an beiden Schenkeln an; an beiden Füßen bringe der Mantra-Kundige an: 'padbhyāṃ śūdro ajāyata' (aus den Füßen entstand der Śūdra).
Diskus, Muschelhorn, Keule [und] Lotos bringe man dann an den Fingerspitzen der Hände an. Nachdem man so die Nyāsa-Regel vollzogen hat, meditiere man in dem zuvor genannten Pavillon...
...über den Gott, der auf Tārkṣya (Garuḍa) ruht, der auf einem rötlichen Lotossitz thront, in der zuvor genannten Gestalt, 'Śrīkara', den die Welt Bezaubernden.
Nachdem er so meditiert hat, verehre (rezitiere) der Mantra-Kundige achtmal hunderttausendmal [und opfere] ein Zehntel davon mit roten Lotosblüten und Opferhölzern, die von Bilva und den Milchbäumen stammen.
Wort für Wort
dhyātvā evam pūjayet
so meditierend verehre man
aṣṭalakṣam mantrī daśāṃśataḥ
der Mantra-Kundige achtmal hunderttausend, ein Zehntel davon
Man verehre ihn auf dem Viṣṇu-Sitz, nachdem man mit dem Wurzelmantra die Gestalt fixiert hat - den Erhabenen, zusammen mit den Gliedmantras, Umhüllungen, Weltenhütern und deren Waffen.
Wort für Wort
pūjayet vaiṣṇave pīṭhe
man verehre auf dem Viṣṇu-Sitz
mūrtim saṃkalpya mūlataḥ
die Gestalt mit dem Wurzelmantra fixierend
aṅga-āvaraṇa-dikpāla-hetibhiḥ sahitam
zusammen mit Gliedmantras, Umhüllungen, Weltenhütern, Waffen
So, wenn der Manu vollendet ist, führe der Mantra-Kundige die Anwendungen wie zuvor aus. [Nun folgt ein neuer Mantra:] Tāra (Oṃ), hṛt (namaḥ), 'bhagavate', im Dativ endend, danach das Wort 'varāha'.
Wort für Wort
ittham siddhe manau mantrī
so, wenn der Manu vollendet ist, der Mantra-Kundige
rūpāya bhūrbhuvaḥ svaḥ syāllohitakāmikā ca ye /
bhūpatitvaṃ ca me dehi dadāpaya śucipriyā
'Rūpāya', 'bhūr bhuvaḥ svaḥ' sollen es sein, 'lohitākṣāya' und was die Wunschgewährerin angeht: 'bhūpatitvaṃ ca me dehi' (verleihe mir Herrschaft über die Erde), 'dadāpaya', 'śucipriyā' (die Reinheit Liebende).
Wort für Wort
rūpāya bhūḥ bhuvaḥ svaḥ syāt
'rūpāya', 'bhūr bhuvaḥ svaḥ' sollen es sein
lohitākṣāya [?] ca ye kāmikāḥ
'lohitākṣāya' [?] und was Wunschgewährung betrifft
bhūpatitvam ca me dehi
'verleihe mir Herrschaft über die Erde'
dadāpaya śucipriyā
'dadāpaya', 'śucipriyā'
[?] Wortlaut dieser Mantra-Konstruktion ('lohitakāmikā ca ye') unsicher/verderbt überliefert; sinngemäß aufgelöst.
Dieser Mantra hat die Silbenzahl von Rāma(3) und Agni(3), sein Seher gilt als Bhārgava (aus Bhṛgus Geschlecht); das Versmaß ist Anuṣṭubh, als Gottheit wird Ādivarāha (der Ur-Eber) verkündet.
Wort für Wort
rāma-agni-varṇaḥ mantraḥ ayam
dieser Mantra hat die Silbenzahl von Rāma und Agni
'Ekadaṃṣṭrāya' (dem Einzahnigen) gilt als Herz(-Mantra); [unklare Lesart] gilt als Haupt(-Mantra); 'tejo 'dhipataye' ist der Schopf(-Mantra), und 'viśvarūpāya' ist der Panzer(-Mantra).
Wort für Wort
ekadaṃṣṭrāya hṛdayam
'dem Einzahnigen' - das Herz(-Mantra)
vyomolkāyaga [?] śiraḥ smṛtam
[unklar] gilt als Haupt(-Mantra)
śikhā tejaḥ-adhipataye
der Schopf(-Mantra) 'dem Herrn der Glut'
viśvarūpāya varma ca
und 'dem Allgestaltigen' der Panzer(-Mantra)
[?] 'vyomolkāyaga' ist eine unklare/verderbte Lesart für das Haupt(-Mantra)-Epitheton.
Und 'mahādaṃṣṭrāya' (dem Großzahnigen) sei der Waffen(-Mantra) - so bilde man die fünf Glieder. Oder aber mit den Silben(zahlen) Berg, sechs, sieben, Pfeil, Vasu(acht)...
Wort für Wort
mahādaṃṣṭrāya ca astram syāt
und 'dem Großzahnigen' sei der Waffen(-Mantra)
pañcāṅgam iti kalpayet
so bilde man die fünf Glieder
athavā giri-ṣaṭ-sapta-bāṇaiḥ
oder aber mit den Zahlen Berg, sechs, sieben, Pfeil
vasubhiḥ akṣaraiḥ
mit den Silben(zahlen) der Vasus (acht)
[?] Die Zahlwort-Aufzählung 'girisaṭsaptabāṇairvasubhiḥ' ist im genauen Bezug unklar; literal übertragen.
[Mit den Bīja-Silben] Āṃ Hrīṃ, golden gefärbt, unterhalb des Knies bis zum Nabel weiß-strahlend; [in seinen Händen] Wunschgewährungs- und Schutzgeste, Keule, Muschelhorn, Diskus, Speer, Schwert und Schild...
Wort für Wort
āṃ hrīṃ svarṇanibham
Āṃ Hrīṃ, golden gefärbt
jānvoḥ adhaḥ nābheḥ sitaprabham
unterhalb der Knie bis zum Nabel weiß-strahlend
iṣṭa-abhīti-gadā-śaṅkha-cakra
Wunschgewährungs- und Schutzgeste, Keule, Muschelhorn, Diskus
dadhataṃ ca karairdaṃṣṭrāgralasaddharaṇiṃ smaret /
evaṃ dhyātvā japellakṣaṃ daśāṃśaṃ sarasīruhaiḥ
...tragend in den Händen, und die an der Spitze seines Stoßzahns leuchtende Erde - so gedenke man seiner. Nachdem man so meditiert hat, rezitiere man hunderttausendmal [und opfere] ein Zehntel mit Lotosblüten.
Wort für Wort
dadhatam ca karaiḥ
und in den Händen tragend
daṃṣṭrā-agra-lasat-dharaṇim smaret
die an der Stoßzahnspitze leuchtende Erde - so gedenke man
...mit Honig getränkt, opfere man auf dem zuvor genannten Viṣṇu-Sitz; nachdem man mit dem Wurzelmantra die Gestalt fixiert hat, verehre man darin den Erhabenen.
Zur Vollendung von Glied(-Mantras), Umhüllung, Weltenhütern, Waffen und Yantra; allein durch die Rezitation, mit den Umhüllungen, gewährt er Reichtum, Getreide, Land [und] Glanz.
Wort für Wort
aṅga-āvaraṇa-dikpāla-heti-yantra-prasiddhaye
zur Vollendung von Glied-Mantras, Umhüllung, Weltenhütern, Waffen, Yantra
An einem Sonntag [unklare genaue Zeitbestimmung], an der achten Tithi der hellen Monatshälfte, in den fünf Kuhprodukten (Pañcagavya), nachdem man einen reinen Stein hineingelegt hat, berühre man ihn und rezitiere zehntausendmal.
Wort für Wort
siṃha-arke [?]
am 'Löwen-Sonnentag' [?]
sitapakṣasya aṣṭamyām
an der achten Tithi der hellen Monatshälfte
gavyeṣu pañcasu
in den fünf Kuhprodukten
śilām śuddhām vinikṣipya spṛṣṭvā tām ayutam japet
einen reinen Stein hineingelegt, ihn berührend, zehntausendmal rezitiere man
[?] 'siṃhārke' (etwa 'am Sonnentag des Löwen') als genaue Zeit-/Wochentagsangabe unsicher.
Danach, nach Norden gewandt, zeichne der Mantra-Kundige mit jenem Stein auf den Boden; er wehrt die von Bhūtas, Pretas, Schlangen, Dieben und dergleichen verursachte Bedrängnis ab.
Wort für Wort
udaṅmukhaḥ tataḥ mantrī
danach, nach Norden gewandt, der Mantra-Kundige
tām śilām likhanet bhuvi
zeichne mit jenem Stein auf den Boden
bhūta-preta-ahi-caura-ādi-kṛtām bādhām
die von Bhūtas, Pretas, Schlangen, Dieben u.dgl. verursachte Bedrängnis
Morgens am Freitag hole man Erde vom (zu behandelnden) Feld; nachdem man sie mit dem Wurzelmantra besprochen hat, teile man sie wiederum in drei Teile.
Mit dem einen (Teil) bestreiche man den Herd, mit einem anderen das Kochgefäß; nachdem man (den dritten Teil) in Kuhmilch gut verrührt hat, gebe man gereinigten Reis hinein.
Wenn (die Milch) gut gereinigt ist, koche man, rein an Haar, den Mantra rezitierend, den Reisbrei; nachdem man den Brei vom Feuer genommen hat, gebe man ihn danach vorschriftsmäßig ins Feuer.
Wort für Wort
samyak śuddhe
wenn gut gereinigt
śuciḥ keśe japan mantram
rein an Haar, den Mantra rezitierend
pacet carum
koche man den Reisbrei
avatārya carum paścāt vahnau deyam yathāvidhi
vom Feuer genommen, danach vorschriftsmäßig ins Feuer gebe man ihn
[?] 'śuciḥ keśe' (etwa 'rein am Haar', d.h. mit gebundenem/gereinigtem Haar) unsicher aufgelöst.
Nachdem man mit Räucherwerk, Licht und dergleichen verehrt hat, opfere der Weise darauf den mit Ghee getränkten Brei im geweihten Feuer hundertacht Mal.
Mit aufgehenden Armen, göttlicher Gestalt, die Erde an der weißen Stoßzahnspitze tragend, goldfarben, in der gelben Erd(element)-Scheibe, mit gesammeltem Geist...
...nachdem man so meditiert hat, erlangt man durch die Gnade Varāhas die liebliche Erde. In der Wasser(element)-Scheibe meditiere man über Varāha, schneeweiß gleißend...
Wort für Wort
dhyātvā āpnoti mahīm ramyām
meditierend erlangt man die liebliche Erde
varāhasya prasādataḥ
durch die Gnade Varāhas
vāruṇe maṇḍale dhyāyet vārāham
in der Wasser(element)-Scheibe meditiere man über Varāha
mahopadravaśāntiḥ syātsādhakasya na saṃśayaḥ /
vaśyārthaṃ ca sadā dhyāyedvarhyābhaṃ vahnimaṇḍe
...(dadurch) geschieht die Befriedung großer Übel für den Sādhaka, ohne Zweifel. Zum Zweck der Bezwingung meditiere man stets, pfauenfederfarben, in der Feuer(element)-Scheibe.
So meditiere man zur Vertreibung von Feinden, dunkel gefärbt, in der Wind(element)-Scheibe; in der Himmels(-Äther)scheibe befindlich, klar - der Eber(-Gott), der alle Vollkommenheiten gewährt.
Wort für Wort
dhyāyet evam ripūn cāṭe
so meditiere man zur Vertreibung der Feinde
kṛṣṇābham vāyumaṇḍale
dunkel gefärbt, in der Wind(element)-Scheibe
kha-maṇḍala-gatam svaccham
in der Himmels(-Äther)scheibe befindlich, klar
vārāham sarvasiddhidam
den Eber(-Gott), der alle Vollkommenheiten gewährt
Zur Befriedung von Feinden, Unholden, Planetendämonen, Fluch, Krankheit, Leiden und dergleichen [meditiere man über ihn], verbunden mit [unklar], den Himmelsraum, das Haupt mit dem Bindu geschmückt.
Wort für Wort
śatru-bhūta-graha-kṣveḍā-maya-pīḍā-ādi-śāntaye
zur Befriedung von Feinden, Unholden, Planetendämonen, Fluch, Krankheit, Leiden u.dgl.
bhagvardhīśayutam [?]
verbunden mit [unklar]
vyoma
den Himmelsraum
bindu-bhūṣita-mastakam
das mit dem Bindu geschmückte Haupt
[Anm.: Vers stark verderbt/unklar überliefert ('bhagvardhīśayutaṃ'); sinngemäße Übertragung, Einzellesarten unsicher.]
Der einsilbige Mantra Varāhas ist ein anderer Wunschbaum (kalpadruma); Verehrung, Arghya-Darbringung und alles Übrige vollziehe man bei diesem wie zuvor genannt.
[Beginnend] mit dem linken Ohr [unklar], 'nidrāsyāt' [unklar], 'varāhāya', endend mit hṛt (namaḥ) - so ist dieser, mit Tāra beginnende, aus acht Silben bestehende (Mantra), der Gewährer aller Herrschaft.
Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, 'Vārāha' die genannte Gottheit; entsprechend der Zahl von Mond(1), Ozean(4) [und] Auge(2) gilt die gleichfarbige Gliederhandlung (Nyāsa).
Wort für Wort
brahmā muniḥ syāt
Brahmā ist der Seher
gāyatrī chandaḥ
Gāyatrī das Versmaß
vārāhasaṃjñakaḥ devaḥ
'Vārāha' die genannte Gottheit
candra-abdhi-netraiḥ savarṇa-aṅgakriyā matā
mit den Zahlen Mond, Ozean, Auge gilt die gleichfarbige Gliederhandlung
[?] Zahlensymbolik 'candrābdhinetraiḥ' im Detail unsicher.
dhyānapūjāprayogādi prāgvadasyāpi kalpayet /
praṇavādau ca ṅentaṃ ca bhagavatīti padaṃ tataḥ /
dharaṇidvitayaṃ paścāddharerdvayamudīrayet
Meditation, Verehrung, Anwendung und dergleichen bilde man auch für diesen wie zuvor. Beginnend mit dem Praṇava, und im Dativ endend, [dann] das Wort 'bhagavatī', danach zweimal 'dharaṇi' (Erde), zuletzt spreche man zweimal das Wort 'Hari'.
Wort für Wort
dhyāna-pūjā-prayoga-ādi
Meditation, Verehrung, Anwendung u.dgl.
prāgvat asya api kalpayet
bilde man auch für diesen wie zuvor
praṇava-ādau ca ṅentam ca bhagavatī iti padam tataḥ
beginnend mit dem Praṇava, im Dativ endend, dann das Wort 'bhagavatī'
dharaṇidvitayam paścāt hareḥ dvayam udīrayet
danach zweimal 'dharaṇi', zuletzt zweimal 'Hari' spreche man
[Anm.: Der Vers weist im Quelltext drei Pādas (Halbverse) statt der üblichen zwei auf.]
Der aus neunzehn Silben reiche Mantra endet mit 'vahnipriyā' (der dem Feuer Lieben); Varāha ist sein Seher, Versmaß ist Gāyatrī, seine Unterart beginnend mit Nivṛt.
Die Gottheit ist Dharaṇī (die Erde), das Bīja ist Tāra (Oṃ), die Śakti ist 'vasupriyā'; mit den Silben(zahlen) Rāma(3), Veda(4), Agni(3), Pfeil(5) [und] Auge(2) geschieht die Gliederbildung.
śyāmāṃ citravibhūṣāḍhyāṃ padmasthāṃ tuṅgasustanīm /
nīlāṃbujadvayaṃ śālimañjarīṃ ca śukraṃ karaiḥ
Dunkel, reich an bunten Schmuckstücken, auf einem Lotos thronend, mit hohen schönen Brüsten, in den Händen ein Paar blauer Lotosblüten, eine Reisähre und Weißes...
Wort für Wort
śyāmām citravibhūṣā-āḍhyām
dunkel, reich an bunten Schmuckstücken
padmasthām tuṅgasustanīm
auf einem Lotos thronend, mit hohen schönen Brüsten
nīlāmbujadvayam śālimañjarīm ca
ein Paar blauer Lotosblüten und eine Reisähre
śukram karaiḥ [?]
Weißes in den Händen [?]
[?] 'śukraṃ karaiḥ' (etwa 'Weißes in den Händen') als konkretes Attribut unsicher.
...tragend, in buntem Gewand - so gedenke man der Göttin Dharā (Erde), der Erhabenen. Nachdem man so meditiert hat, rezitiere man hunderttausendmal [und opfere] ein Zehntel mit Milchreis.
...mit Ghee vermischt opfere der Mantra-Kundige; auf dem Viṣṇu-Sitz verehre man sie. Nachdem man mit dem Wurzelmantra die Gestalt fixiert hat, verehre man darin Vasumatī (die Erde).
aṅgāni pūrvamārādhya bhūvahnijalamārutān /
dikpātreṣu ca sampūjya koṇapatreṣu tatkalāḥ
Nachdem man zunächst die Glieder(-Gottheiten) verehrt hat, [verehre man] Erde, Feuer, Wasser und Wind; an den Blattstellen der Himmelsrichtungen verehre man diese, an den Blattstellen der Zwischenrichtungen deren Teilaspekte.
Wort für Wort
aṅgāni pūrvam ārādhya
zunächst die Glieder(-Gottheiten) verehrend
bhū-vahni-jala-mārutān
Erde, Feuer, Wasser, Wind
dikpātreṣu ca sampūjya
an den Blattstellen der Richtungen verehrend
koṇapatreṣu tatkalāḥ
an den Blattstellen der Zwischenrichtungen deren Teilaspekte
So, wenn der Manu vollendet ist, erreiche der Mantra-Kundige sein eigenes Verlangtes; wer die Erde so verehrt, mit Vieh, Juwelen, Gewändern und dergleichen (als Opfergaben)...
Wort für Wort
evam siddhe manau mantrī
so, wenn der Manu vollendet ist, der Mantra-Kundige
sakalānte jagatpaścātkṣobhaṇeti padaṃ vadet /
sarvastrīhṛdayānte tu vidāraṇapadaṃ vadet
...endend auf 'sakala' [und dann] 'jagat', danach spreche man das Wort 'kṣobhaṇa' (Erschütterung); endend auf 'sarvastrīhṛdaya' (alle Frauenherzen) aber spreche man das Wort 'vidāraṇa' (Zerreißung).
tatastribhuvanāntaṃ tu madonmādakareti ca /
surāsurānte manujasuṃdarījanavarṇataḥ
Danach, endend auf 'tribhuvana' (die drei Welten), [spreche man] 'madonmādakara' (den Rausch Erregende); endend auf 'surāsura' (Götter und Dämonen) [folgt] entsprechend der Silbenreihe 'manuja-sundarī-jana'.
Wort für Wort
tataḥ tribhuvanāntam tu
danach, endend auf 'tribhuvana', aber
madonmādakara iti ca
'madonmādakara'
surāsurānte
endend auf 'surāsura'
manuja-sundarī-jana-varṇataḥ
entsprechend der Silbenreihe 'manuja-sundarī-jana'
'Manāṃsi' (die Gemüter), [dann] das Paar 'tāpayat' (versengend), danach das Paar 'dīpayat' (entflammend); danach das Paar 'śoṣayat' (austrocknend), danach das Paar 'mārayat' (tötend).
Wiederum das Paar 'stambhayat' (lähmend), danach das Paar 'mohayat' (verwirrend); ebenso das Paar 'drāvayat' (zerschmelzend), danach das Paar 'ākarṣayat' (anziehend).
samastaparamo yena subhagena ca saṃyutam /
sarvasaubhāgyaśabdānte karasarvapadaṃ vadet
...wodurch das Höchste Ganze, verbunden mit dem Holdseligen; endend auf das Wort 'sarvasaubhāgya' (alles Glück) spreche man das Wort 'kara sarva' (bewirkend, alles).
Wort für Wort
samastaparamaḥ yena
wodurch das Höchste Ganze
subhagena ca saṃyutam
verbunden mit dem Holdseligen
sarvasaubhāgya-śabda-ante
endend auf das Wort 'sarvasaubhāgya'
kara-sarva-padam vadet
spreche man das Wort 'kara sarva'
[?] Konstruktion des ersten Halbverses unklar; sinngemäß übertragen.
'Kāmaprada' [gewährend] [unklar], danach das Paar 'hanu' (Kinnbacken); danach mit 'cakra' (Diskus), mit 'gadā' (Keule), danach damit 'khaḍga' (Schwert)...
Wort für Wort
kāmaprada [?]
'kāmaprada' [unklar]
hanuyugam tataḥ
danach das Paar 'hanu'
cakreṇa gadayā paścāt
danach mit Diskus, mit Keule
khaḍgena tadanantaram
danach damit Schwert
[Anm.: Vers stark verderbt/unklar überliefert ('kāmapradādamunbrahmāsendurhanuyugaṃ'); sinngemäße Wiedergabe, Einzellesarten unsicher.]
Mit allen Pfeilen das Paar 'bhedaya' (spalte); mit der Schlinge am Ende das Paar 'kaṭa' [unklar]; mit 'aṅkuśa' (Elefantenstachel) also sprechend, wiederum das Paar 'tāḍaya' (schlage).
Wort für Wort
sarvabāṇaiḥ bhedi-yugam
mit allen Pfeilen das Paar 'bhedaya'
pāśena ante kaṭadvayam [?]
mit der Schlinge am Ende das Paar 'kaṭa' [unklar]
aṅkuśena iti samprocya
mit 'aṅkuśa' also sprechend
tāḍayat-dvitayam punaḥ
wiederum das Paar 'tāḍaya'
[?] 'kaṭadvayam' im Kontext (etwa Hüfte/Seite, oder Eigenname) unklar.
kuruśabdadvayamatho kiṃ tiṣṭasi padaṃ vadet /
tāvadyāvatpadasyānte samāhitamanantaram /
tato me siddhirābhāsya bhavamante ca varma phaṭ
Sodann zweimal das Wort 'kuru' (tue!), [dann] spreche man das Wort 'kiṃ tiṣṭhasi' (was zögerst du?); [dies fortführend] bis zum Ende des Wortes 'tāvad yāvat' (solange als), unmittelbar zusammengefügt; danach 'me siddhiḥ' aussprechend, am Ende 'bhava' und als Panzer(-Silbe) 'phaṭ'.
Wort für Wort
kuruśabdadvayam atho
sodann zweimal das Wort 'kuru'
kim tiṣṭhasi padam vadet
spreche man das Wort 'kiṃ tiṣṭhasi'
tāvat yāvat padasya ante samāhitam anantaram
bis zum Ende des Wortes 'tāvad yāvat', unmittelbar zusammengefügt
tataḥ me siddhiḥ ābhāṣya bhava-ante ca varma phaṭ
danach 'me siddhiḥ' aussprechend, am Ende 'bhava' und Panzer(-Silbe) 'phaṭ'
[Anm.: Im Quelltext liegt dieser Vers als Dreizeiler vor (drei Halbverse statt der üblichen zwei); sinngemäß als zusammenhängende Konstruktionsanweisung übertragen.]
Dieser, auf hṛt (namaḥ) endende große Mantra wird als zweihundertsilbig verkündet; Jaimini wird als sein Seher genannt, und das Versmaß wird als 'unermesslich' bezeichnet.
Wort für Wort
hṛdantaḥ ayam mahāmantraḥ
dieser, auf hṛt endende große Mantra
dviśatārṇaḥ samīritaḥ
wird als zweihundertsilbig verkündet
jaiminiḥ muniḥ asya uktaḥ
Jaimini wird als sein Seher genannt
chandaḥ ca amitam īritam
und das Versmaß wird als 'unermesslich' bezeichnet
puruṣottamatribhuvanonmādakānte 'gnivarma ca /
hṛdayaṃ kīrtitaṃ paścājjagatkṣobhaṇaśabdataḥ
'Puruṣottama' bis 'tribhuvanonmādaka', endend mit der Feuer-Panzer(-Silbe) - dies wird als Herz(-Mantra) genannt; danach, vom Wort 'jagatkṣobhaṇa' an...
...endend mit dem Panzer(-Wort) von 'lakṣmīdayita' - so wird das Haupt(-Mantra) genannt; wiederum der Schopf(-Mantra) [reicht] bis zum Wort '[unklar]'; man spreche das Wort...
Wort für Wort
lakṣmīdayita-varma-antaḥ śiraḥ proktam
endend mit dem Panzer(-Wort) von 'lakṣmīdayita', als Haupt(-Mantra) genannt
śikhā punaḥ
wiederum der Schopf(-Mantra)
manmatha-uttama-śabdānte [?]
bis zum Wort '[unklar]'
maṅgaje padam īrayet [?]
man spreche das Wort [unklar]
[Anm.: Zweite Vershälfte ('manmathotamaśabdānte maṅgaje') unklar/verderbt überliefert; sinngemäße Wiedergabe.]
Nachdem man 'kāmadāya' [und] 'huṃ' ausgesprochen hat, bringe man danach die Silbe 'vama' an; endend auf 'parama', [dann] mit beiden Silben 'bhṛgu' [und] 'karṇa', und danach das Wort 'sarva'...
Endend am Herz(-Wort), nachdem man 'vidāra' [gesprochen hat], spreche man danach das Wort 'raṇa sarva'; danach das Wort 'praharaṇadhara sarva kāmuka tat'...
hanuyugmaṃ ca hṛdayaṃ bandhanāni tato vadet /
ākarṣayadvayaṃ paścānmahābalapadaṃ tataḥ
Das Paar 'hanu' (Kinnbacken) und 'hṛdaya' (Herz), danach spreche man 'bandhanāni' (Fesseln); danach das Paar 'ākarṣaya' (ziehe an), danach das Wort 'mahābala' (große Kraft).
varma cāstraṃ samākhyātaṃ netraṃ syāttadanantaram /
vadetribhuvanaṃ paścāccara sarvajaneti ca
Und der Panzer(-Mantra) [und] der Waffen(-Mantra) sind so genannt; danach folgt der Augen(-Mantra); danach spreche man 'tribhuvana' (die drei Welten) und 'cara sarvajana' (durchwandre alle Wesen).
Wort für Wort
varma ca astram samākhyātam
und der Panzer- und der Waffen(-Mantra) sind so genannt
manāṃsi harayugmānte dārayadvitayaṃ ca me /
vaśamānaya varmānte netramantraḥ samīritaḥ
'Manāṃsi' (die Gemüter), endend mit dem Paar 'hara' (raube), [und] das Paar 'dāraya' (zerreiße), für mich; 'vaśam ānaya' (bringe in meine Gewalt), endend mit dem Panzer(-Mantra) - so wird der Augen-Mantra verkündet.
Die sechs Gliedmantras, mit Tāra beginnend, auf 'phaṭ' [oder] 'namaḥ' endend, werden so verkündet; Tāra, endend auf das Wort 'trailokya', [dann] spreche man das Wort 'mohana'.
'Hṛṣīkeśa' also aussprechend, [beginnend] vom Wort 'apratirūpa' an; unmittelbar nach 'Manmatha' (Kāma) spreche man 'sarvastrīṇāṃ hṛdaya' (das Herz aller Frauen).
[Es folgt] das Wort 'ākarṣaṇa' (Anziehung), 'gaccha āgaccha' (gehe, komme), endend am Herzen; mit diesem vollziehe der Weise den Durchdringungs(-Nyāsa) und gedenke des Jagannātha.
Am lieblichen Ufer des Milchozeans, geschmückt mit Bäumen und Ranken der Götter, gleich dem Netz von Strahlen der aufgehenden Sonne, mit eigenem Glanz die Himmelsrichtungen erleuchtend...
Wort für Wort
kṣīrābdheḥ tu taṭe ramyam
am lieblichen Ufer des Milchozeans
suradruma-latā-añcitam
geschmückt mit Bäumen und Ranken der Götter
udyat-arka-ābhujāla-ābham
gleich dem Strahlennetz der aufgehenden Sonne
svadhāmnā ujvāla-dikmukham
mit eigenem Glanz die Himmelsrichtungen erleuchtend
...duftend nach Reihen von Blüten, summend vom Gesumm der Bienen, den Himmel bestäubt vom Blütenstaub der Lotosblüten, die im himmlischen Wind wogen...
Wort für Wort
prasūna-āvali-saurabhyam
duftend nach Reihen von Blüten
ādyat-madhukara-āravam
summend vom Gesumm der Bienen
divyavāta-uñcalat-kañja-parāga-uddhūlita-ambaram
den vom Blütenstaub der im himmlischen Wind wogenden Lotosblüten bestäubten Himmel
...lieblich durch die Süße des Gesangs der Himmelsfrauen - so denke man sich den Hain; darin, in einem Pavillon mit von der Fülle der Juwelen strahlenden Torbögen...
Wort für Wort
svarvadhū-gīta-mādhurya-abhirāmam
lieblich durch die Süße des Gesangs der Himmelsfrauen
cintayet vanam
so denke man sich den Hain
tadantaḥ maṇisampatti-sphurat-toraṇa-maṇḍape
darin, in einem Pavillon mit von der Fülle der Juwelen strahlenden Torbögen
...mit einem von prächtigen Perlengirlanden schimmernden Baldachin, mit einem Juwelenaltar und dergleichen, der bis zum Himmel reicht, von den Kronenspitzen (der Götter) verehrt...
Wort für Wort
vilasat-mauktika-uddāma-dāma-rājat-vitānake
mit einem von prächtigen, schimmernden Perlengirlanden (geschmückten) Baldachin
maṇivedi-ādi
Juwelenaltar und dergleichen
viyat
bis zum Himmel (reichend)
kirīṭāgra-samarcite
von den Kronenspitzen (der Götter) verehrt
[?] 'viyat' (Himmel/Raum) syntaktisch im Vers nicht eindeutig verankert; sinngemäß übertragen.
...auf einem himmlischen Löwenthron sitzend, o Brahmane [Nārada] - so gedenke man des Erhabenen; Muschelhorn, Schlinge, Bogen, Keule(-Stößel), Nandaka(-Schwert) [und] Keule...
...und den Elefantenstachel in den Armen tragend, zwischen zwei aneinandergeschmiegten Lotosblüten [seine Waffen haltend]; er blickt mit einem von Leidenschaft strahlenden Blick auf die auf seinem Schoß sitzende Lotos-Glanz(-Göttin).
Wort für Wort
aṅkuśam dadhatam dorbhiḥ
den Elefantenstachel mit den Armen tragend
śliṣṭe kamalayoḥ asi
zwischen zwei aneinandergeschmiegten Lotosblüten
paśyati aṅkasthayā ambhojaśriyā
er blickt auf die auf seinem Schoß sitzende Lotos-Glanz(-Göttin)
Nachdem man so meditiert hat, rezitiere man viermal hunderttausendmal [und opfere] ein Zehntel davon; in einer halbmondförmigen Opfergrube opfere man mit Lotosblüten oder Jasminblüten.
Wort für Wort
dhyātvā evam prajapet lakṣacatuṣkam
so meditierend rezitiere man viermal hunderttausend
'Pakṣirājāya' (dem König der Vögel, Garuḍa) [und] das Paar 'ṭha' - dies wird als Pīṭha-Mantra verkündet. Mit dem Wurzelmantra fixiere man die Gestalt gedanklich und lade (den Gott) darin ein.
vyāpakanyāsamantreṇa tataḥ sampūjya bhaktitaḥ /
śrīvatsahṛdayaṃ tena śrīvatsaṃ stanayoryajet
Mit dem Durchdringungs-Nyāsa-Mantra verehre man danach mit Hingabe; mit dem 'Śrīvatsa-hṛdaya'(-Mantra) verehre man den Śrīvatsa(-Schmuck) an der Brust.
kaustubhāya hṛdantena yajedvakṣasi kaustubham /
pūjayedvanamālāyai hṛdantena gale ca tām
Mit dem auf 'kaustubhāya' [und] hṛt endenden Mantra verehre man den Kaustubha an der Brust; mit dem auf 'vanamālāyai' [und] hṛt endenden Mantra verehre man sie (die Girlande) am Hals.
Wort für Wort
kaustubhāya hṛdantena
mit dem auf 'kaustubhāya' und hṛt endenden (Mantra)
yajet vakṣasi kaustubham
verehre man an der Brust den Kaustubha
pūjayet vanamālāyai hṛdantena
verehre man mit dem auf 'vanamālāyai' und hṛt endenden (Mantra)
karṇikāyāṃ tato 'bhyarcayedvidhivañcāṅgadevatāḥ /
daleṣu pūjayetpaścāllakṣmyādyāvṛttacāmarāḥ
An der Blütenmitte verehre man danach vorschriftsmäßig die Gliedgottheiten; an den Blütenblättern verehre man danach Lakṣmī und die übrigen, mit hin- und herbewegten Wedeln...
Wort für Wort
karṇikāyām tataḥ abhyarcayet vidhivat
an der Blütenmitte verehre man danach vorschriftsmäßig
...leuchtend wie Bandhūka-Blüten, mit von Perlenketten schimmernden Brüsten, mit Augen wie voll erblühte Lotosblüten, in trägem Liebesrausch schwankend...
Lakṣmī, Sarasvatī, Dhṛti, Prīti, danach Kānti, Śānti, Tuṣṭi [und] Puṣṭi - beginnend mit ihrem jeweiligen Samen (bīja), auf den Dativ und 'namaḥ' endend.
Wort für Wort
lakṣmīḥ sarasvatī ca eva
Lakṣmī, Sarasvatī
dhṛtiḥ prītiḥ tataḥ param
Dhṛti, Prīti, danach
kāntiḥ śāntiḥ tuṣṭi-puṣṭi
Kānti, Śānti, Tuṣṭi, Puṣṭi
bīja-ādyāḥ ṅe-namaḥ-antikāḥ
beginnend mit ihrem Samen, auf Dativ und 'namaḥ' endend
'Bhṛgu', 'khadrāḥ' [unklar], mit Anusvāra versehen - so wird das Bīja (Samenmantra) der Göttin genannt; drei kurze (Laute), mit dem (Konsonanten) 'kliṃ' verbunden, ohne alles (Weitere), mit dem Vokal versehen.
Wort für Wort
bhṛguḥ khadrāḥ [?]
'Bhṛgu', 'khadrāḥ' [unklar]
candrāḍhyaḥ
mit Anusvāra (Mondbindu) versehen
devyā bījam udāhṛtam
wird als das Bīja der Göttin genannt
hrasvatrayam klība-sarva-rahita-svara-saṃyutam
drei kurze (Laute), ohne alles Weitere, mit dem Vokal versehen
[Anm.: Verscodierung der Bīja-Silbenbildung ('bhṛguḥ khadrāḥ candrāḍhyo ... hrasvatrayaṃ klībasarvarahitasvarasaṃyutam') stark verdichtet/unklar überliefert; sinngemäße, unsichere Wiedergabe.]
Das Bīja der Göttin ordne man der Reihe nach diesen (Śaktis) voran; an den Blattspitzen verehre man Muschelhorn, Śārṅga(-Bogen), Diskus, Schwert [und] Keule...
Wort für Wort
devyā bījam kramāt āsām ādau
das Bīja der Göttin der Reihe nach diesen voran
ca viniyojayet
und man ordne zu
dalāgreṣu yajet śaṅkham śārṅgam
an den Blattspitzen verehre man Muschelhorn, Śārṅga
...Elefantenstachel, Keule(-Stößel), Schlinge, jeweils einzeln mit ihrer eigenen Handgeste und Mantra; endend auf 'mahājalacarā' (die im großen Wasser Wandelnde) [ist] der Panzer- [und] Waffenmantra, [endend mit] 'vahnivallabhā' (der dem Feuer Lieben).
pāñcajanyā pratārādyo namontaḥ śaṅkhapūjane /
śārṅgāya saśayānte ca varmāstraṃ vahnivallabhā
'Pāñcajanyā', beginnend mit dem (voranstehenden) Praṇava, auf 'namaḥ' endend - bei der Verehrung des Muschelhorns; 'Śārṅgāya', mit '[unklar]' endend - so auch der Panzer- [und] Waffenmantra, [endend mit] 'vahnivallabhā'.
Wort für Wort
pāñcajanyā pratāra-ādyaḥ
'Pāñcajanyā', mit vorangestelltem Praṇava beginnend
śārṅgāya hṛdayaṃ mantro mahādyaḥ śārṅgapūjane /
sudarśanamahānte tu cakrarājapadaṃ vadet
'Śārṅgāya', endend am Herzen, mit 'mahā' beginnend - ist der Mantra bei der Verehrung des Śārṅga(-Bogens); endend auf 'sudarśana-mahā' aber spreche man das Wort 'cakrarāja' (König der Diskusse).
Das Paar 'haya' (Pferd/Ross) [und] 'sarvaduṣṭabhaya' (Furcht aller Bösen) am Ende, [dann] das Paar 'kuru' (tue!); danach das Paar 'chindhi' (zerschneide), danach das Paar 'vidāraya' (zerreiße).
Das Paar 'grasat' (verschlinge die fremden Mantras), wiederum das Paar 'bhakṣayat' (verzehre); das Paar 'trāsayat' (erschrecke die Wesen); Panzer(-Mantra) [endend mit] 'phaṭ' [und] 'vahnisundarī' (die vom Feuer Schöne).
'Sudarśanāya', endend am Herzen - so wird der Mantra bei der Cakra-Verehrung genannt; vom Wort 'mahākhaḍgatīkṣṇa' (scharf wie ein großes Schwert) an spreche man das Paar 'chindhi' [unklar].
Wort für Wort
sudarśanāya hṛdayam
'Sudarśanāya', endend am Herzen
proktaḥ cakrārcane manuḥ
so wird der Mantra bei der Cakra-Verehrung genannt
mahākhaḍgatīkṣṇapadāt
vom Wort 'mahākhaḍgatīkṣṇa' an
chindhi-yugmam [?] samīrayet
spreche man das Paar 'chindhi' [unklar]
[?] 'chiviyugmaṃ' unklare Lesart, vermutlich für 'chindhiyugmaṃ' ('das Paar zerschneide').
sarvāsurāntake paścātprasīdayugaleti ca /
varmāstravahnijāyāntakaumodaki hṛkṣatimaḥ
Danach, endend auf 'sarvāsurāntaka' (Vernichter aller Dämonen), [spreche man] das Paar 'prasīda' (sei gnädig); Panzer- [und] Waffenmantra, endend auf 'vahnijayā', [dann] 'Kaumodakī', am Herzen...
Wort für Wort
sarvāsurāntake paścāt
danach, endend auf 'sarvāsurāntaka'
prasīda-yugala iti ca
das Paar 'prasīda'
varma-astra-vahnijāya-anta
Panzer- und Waffenmantra, endend auf 'vahnijayā'
kaumodaki hṛt-[?]
'Kaumodakī', am Herzen [unklar]
[Anm.: Vers stark verderbt/unklar überliefert ('varmāstravahnijāyāntakaumodaki hṛkṣatimaḥ'); sinngemäße, unsichere Wiedergabe.]
Bei der Kaumodakī-Verehrung wird dies als der alle Ziele erreichende Mantra genannt; vom Wort 'mahāṅkuśa' an [spreche man] das Paar '[unklar]', [endend mit] 'huṃ phaṭ vasupriyā' (die dem Reichtum Lieben).
vajrādyānapi saṃpūjya sarvasiddhīśvaro bhavet /
māsamātraṃ tu kusumaiḥ pūjayitvā hayārijaiḥ
Nachdem man auch die Vajra und die übrigen (Waffen der Weltenhüter) verehrt hat, wird man der Herr aller Vollkommenheiten. Nachdem man aber einen Monat lang mit Blumen, mit den 'Rossfeind'-Blüten, verehrt hat...
Wort für Wort
vajrādyān api saṃpūjya
auch die Vajra und die übrigen verehrend
sarvasiddhīśvaraḥ bhavet
wird man der Herr aller Vollkommenheiten
māsamātram tu kusumaiḥ
einen Monat lang aber mit Blumen
pūjayitvā hayārijaiḥ [?]
verehrt habend, mit den 'Rossfeind'-Blüten [unklar]
[?] 'hayārijaiḥ' ('von den Feinden des Rosses stammend') als Blütenbezeichnung botanisch unklar.