Titel dem im Aufgabentext angegebenen Kolophon entnommen. [Anm.: Dieser Kolophon-Wortlaut steht, wie im gesamten Kapitelbereich 56–61 dieses Projekts, nicht am Ende dieses Kapitels, sondern – mit der gegenüber der Projektzählung um eins erhöhten Sanskrit-Ordnungszahl „aṣṭapañcāśattama“ (58.) – am Kopf der folgenden Quelldatei (Kapitel 58); die im Kopf DIESER Datei stehende Kolophonzeile gehört spiegelbildlich zum vorangehenden 56. Kapitel. Siehe die entsprechende Anmerkung im Kapitel-Datensatz von Kapitel 56 bzw. 61.] Das Kapitel schildert die wunderbare, aus der Askese des Vyāsa und seiner durch die Apsaras Ghṛtācī geweckten Begierde hervorgehende Geburt Śukas aus dem Reibholz (V.1–36), seine vedische und yogische Ausbildung bei Bṛhaspati (V.37–47) sowie den Aufbruch zu König Janaka von Mithilā, um die Erlösungslehre zu erfragen, und seinen ersten Abend am dortigen Königshof (V.48–72).
Nārada sprach: Durch die Gelegenheit meines Studiums als Anūcāna (Vedakundiger) habe ich alle Vedāṅgas, kurz und ausführlich zugleich, aus deinem Lotusmund vernommen.
Wort für Wort
anūcānaprasaṃgena
durch die Gelegenheit des Vedastudiums (als Anūcāna)
vedāṅgāny akhilāni ca
alle Vedāṅgas auch
śrutāni tvanmukhāṃbhojāt
wurden gehört aus deinem Lotusmund
samāsavyāsayogataḥ
in kurzer und ausführlicher Form zugleich
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext eine Kolophonzeile vorangestellt („iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvitīyapāde saṅkṣiptacchandovarṇanaṃ nāma saptapañcāśattamo 'dhyāyaḥ“), gefolgt von einer Trennlinie. Diese Zeile ist der versetzt überlieferte Schlusskolophon des vorangehenden 56. Kapitels (dessen Titel „saṅkṣiptacchandovarṇanam“ dort als Kapiteltitel verwendet wurde); sie wurde im sa-Feld dokumentiert, jedoch nicht in die Übersetzung einbezogen.]
Verkünde mir ausführlich die Entstehung Śukas, o Hochgesinnter. Sanandana sprach: Einst, so heißt es, auf dem Gipfel des Meru, in dem sogenannten Karṇikāra-Wäldchen,
Wort für Wort
śukotpattiṃ samācakṣva
verkünde die Entstehung Śukas
vistareṇa mahāmate
ausführlich, o Hochgesinnter
meruśṛṅge kila purā
auf dem Gipfel des Meru, einst, so heißt es
karṇikāravanāyate
in dem sogenannten Karṇikāra-Wäldchen
[?: „karṇikāravanāyate“ ist ungewöhnlich gebildet; wohl verderbt für einen Lokativ wie „karṇikāravanākhye“ (in dem sogenannten Karṇikāra-Wäldchen) – sinngemäß übersetzt.]
verweilte der große Gott [Śiva], umgeben von den irdischen Scharen der Bhūtas, und auch die Göttin, die Tochter des Bergkönigs [Pārvatī], befand sich einst dort.
Wort für Wort
vijahāra mahodevo
es spielte/verweilte der große Gott
bhaumair bhūtagaṇair vṛtaḥ
umgeben von den irdischen Scharen der Bhūtas
śailarājasutā caiva
und auch die Tochter des Bergkönigs
devī tatrābhavat purā
die Göttin war einst dort
[?: „bhaumaibhūtagaṇaivṛtaḥ“ unsicher segmentiert, wohl „bhaumair bhūtagaṇair vṛtaḥ“ gelesen.]
Er, der Beste der Selbstbeherrschten, übte, den Sinn fest haltend, Askese um eines Sohnes willen, sich an Agni, Erde, Wind sowie den Luftraum von allen Seiten wendend.
Wort für Wort
dhārayan sa tapas tepe
er übte, den Sinn haltend, Askese
putrārthaṃ sunisaṃttamaḥ
um eines Sohnes willen, der Beste der Beherrschten
agner bhūmes tathā vāyor
an Agni, Erde, sowie Wind
antarikṣasya cābhitaḥ
und an den Luftraum, von allen Seiten
[?: „sunisaṃttamaḥ“ unklar überliefert, evtl. für „suniyatātmā“ o.ä. (der wohlbeherrschte) stehend; sinngemäß als „Bester der Beherrschten“ übersetzt.]
vīryeṇa saṃmataḥ putro mama bhūyāditi sma ha / saṃkalpenātha so 'nena duṣprāpamakagṛtātmabhiḥ
‚Ein durch Kraft angesehener Sohn möge mir werden' – so dachte er. Mit diesem Entschluss strebte er nach dem, was von denen mit ungezügeltem Sinn schwer zu erlangen ist.
Wort für Wort
vīryeṇa saṃmataḥ putro
ein durch Kraft angesehener Sohn
mama bhūyād iti sma ha
möge mir werden – so dachte er
saṃkalpenātha so 'nena
mit diesem Entschluss nun
duṣprāpam akṛtātmabhiḥ
das Schwer-zu-Erlangende von denen mit ungezügeltem Sinn
[?: „akagṛtātmabhiḥ“ unsicher; wohl „akṛtātmabhiḥ“ (von denen mit ungezügeltem Sinn) gelesen.]
varayāmāsa deveśamāsthitastapa uttamam / atiṣṭanmārutāhāraḥ śataṃ kila samāḥ prabhuḥ
Er erwählte zu diesem Zweck den Herrn der Götter [Śiva], indem er sich der höchsten Askese hingab. Der Herr [Vyāsa] verharrte, nur von Luft sich nährend, hundert Jahre lang, so heißt es.
ārādhayanmahādevaṃ bahurūpamumāpatim / tatra brahmarṣayaścaiva sarve devarṣayastathā
während er den großen Gott Umāpati [Śiva], der viele Gestalten annimmt, verehrte. Dort waren auch alle Brahmarṣis sowie ebenso die Devarṣis versammelt,
viśvā vasuśca gandharvaḥ siddhāścāpsarāsāṃgaṇāḥ / tatra rudro mahādevaḥ karṇikāramayīṃ śubhām
sowie der Gandharva Viśvāvasu, die Siddhas und die Scharen der Apsaras. Dort trug der große Gott Rudra einen schönen, aus Karṇikāra-Blüten gewundenen Kranz,
Wort für Wort
viśvāvasuś ca gandharvaḥ
und der Gandharva Viśvāvasu
siddhāś cāpsarasāṃ gaṇāḥ
die Siddhas und die Scharen der Apsaras
tatra rudro mahādevaḥ
dort war der große Gott Rudra
karṇikāramayīṃ śubhām
mit einem schönen, aus Karṇikāra-Blüten gemachten [Kranz]
[?: „viśvā vasuśca gandharvaḥ“ wohl für den Gandharvennamen „Viśvāvasu“ verlesen.]
– diesen Kranz tragend, erstrahlte er wie der herbstliche Mond. In jenem göttlichen, lieblichen Wald, der von Göttern und göttlichen Sehern erfüllt war,
– dies erschien selbst den drei Welten wie ein Wunder. Und seine Jaṭās (Haarflechten) glühten durch seinen Glanz gleich den Flammenzungen des Feuers (Vaiśvānara),
Nachdem der göttliche Vyāsa, der Sohn der Satyavatī, so den Gnadenerweis erlangt hatte, ergriff er sodann das Reibholz (araṇi) und rieb, um Feuer zu entzünden.
Wort für Wort
evaṃ labdhvā varaṃ devo
nachdem er so den Gnadenerweis erlangt hatte, der göttliche
Sie aber, Ghṛtācī, die sehr Liebliche, nachdem sie Vyāsa da von Liebe erregten Sinnes gemacht hatte, näherte sich ihm, indem sie zu einer Papageienhenne wurde.
Wort für Wort
sā tu kṛtvā tadā vyāsaṃ
sie aber, nachdem sie da Vyāsa gemacht hatte
kāmasaṃvignamānasam
von Liebe erregten Sinnes
śukībhūyā mahāramyā
zu einer Papageienhenne werdend, die sehr Liebliche
ghṛtācī samupāgamat
Ghṛtācī näherte sich
[?: Satzbau ungewöhnlich – „sā ... ghṛtācī“ rahmt den Vers; sinngemäß: Ghṛtācī, die Vyāsa in Liebesaufruhr versetzt hatte, näherte sich ihm in Gestalt einer Papageienhenne.]
sa tu mahatā nigṛhṇan hṛcchayaṃ muniḥ / na śaśāka niyantuṃ taṃ vyāsaḥ pravisṛtaṃ manaḥ
Er aber, der Muni [Vyāsa], vermochte, obwohl er mit großer Anstrengung das im Herzen wohnende Verlangen zu bezähmen suchte, sein Denken, das sich ganz ausgebreitet hatte, nicht zu zügeln.
Wort für Wort
sa tu mahatā nigṛhṇan
er aber, mit großer Kraft bezähmend
hṛcchayaṃ muniḥ
das im Herzen wohnende Verlangen, der Muni
na śaśāka niyantuṃ taṃ
vermochte nicht, es zu zügeln
vyāsaḥ pravisṛtaṃ manaḥ
Vyāsa, sein ausgebreitetes Denken
[?: Erster Pāda metrisch unvollständig (wohl ein Wort ausgefallen, z.B. „yatnena“); sinngemäß ergänzt übersetzt.]
Und da sein Sinn von der Gestalt der Ghṛtācī, die er sich vorstellte, fortgerissen war, geschah es, obwohl er, o Weiser, sich mit Mühe in dieser Absicht zurückzuhalten suchte.
Wort für Wort
bhāvitvāñ caiva bhāvyasya
und da sein Sinn erfüllt war von dem Vorzustellenden
ghṛtācyā vapuṣā hṛtam
durch die Gestalt der Ghṛtācī fortgerissen
yatnān niyacchataś cāpi mune
obwohl er, o Weiser, sich mit Mühe zurückzuhalten suchte
etac cikīrṣayā
in dieser Absicht
[?: Vers stark verderbt überliefert (Metrum unregelmäßig, Syntax unklar); die Übersetzung gibt nur den ungefähren Sinn wieder – Vyāsas Geist wird durch die Vorstellung von Ghṛtācīs Gestalt fortgerissen, trotz seines Bemühens um Beherrschung.]
so an Gestalt wurde Śuka geboren, wie lodernd vor Glanz, indem er, o Fürst der Brahmanen, eine wunderbare, unübertreffliche Schönheit der Gestalt und Farbe trug.
Ihn wusch, nachdem sie herangetreten war, die Gaṅgā, die Beste der Flüsse, die auf dem Rücken des Meru in eigener Gestalt erschienen war, mit ihrem eigenen Wasser, o Nārada.
Sowohl das Bewegliche als auch das Unbewegliche der Welt wurde freudig erregt. Ihn – der große Herr [Śiva] von großem Glanz zusammen mit der Göttin, aus eigener Freude,
brachte den eben geborenen Sohn des Muni gemäß der Vorschrift zur Initiation herbei. Der mächtige Herr der Götter gab ihm dabei wunderbaren, göttlichen Anblick.
Wort für Wort
jātamātraṃ muneḥ putraṃ
den eben geborenen Sohn des Muni
vidhinopānayat tadā
führte er da gemäß der Vorschrift heran
tasya deveśvaraḥ śakto
ihm gab der mächtige Herr der Götter
divyam adbhutadarśanam
einen göttlichen, wunderbaren Anblick
[?: Konstruktion zwischen V34 und V35 eng verschränkt; „śakto“ hier als Beiname des mächtigen Śiva gefasst, nicht sicher.]
umkreisten ihn rechtsherum, ebenso Papageien und Blauracken, o Nārada – ihn, der da, im Reibholz entstanden, göttliche Geburt erlangt hatte, den großen Muni.
Wort für Wort
pradakṣiṇam avartanta
sie umkreisten ihn rechtsherum
śukāś cāṣāś ca nārada
Papageien und Blauracken, o Nārada
āraṇe yas tadā divyaṃ
der da im Reibholz göttliche
prāpya janma mahāmuniḥ
Geburt erlangt hatte, der große Muni
[?: „cāṣāḥ“ = Blauracken (cāṣa-Vögel); ein Wortspiel mit Śukas eigenem Namen (Papagei) liegt nahe.]
Eben dort wohnte der Kluge, gelübdetreu und gesammelten Sinnes. Den eben Geborenen suchten die Veden samt ihren Geheimlehren und Zusammenfassungen auf,
upādhyāyaṃ dvijaśreṣṭha dharmamevānucintayan / so 'dhītya vedānakhilānsarahasyānsasaṃgrahān
als Lehrer, o Bester der Zweimalgeborenen, indem er einzig dem Dharma nachsann. Nachdem er alle Veden samt ihren Geheimlehren und Zusammenfassungen studiert hatte,
sowie die Itihāsas vollständig und die Vedaśāstras von allen Seiten – nachdem er dem Lehrer die Abschlussgabe (Dakṣiṇā) gegeben hatte, kehrte der große Muni zurück,
und begann, als Brahmacārin gesammelten Sinnes, strenge Askese; schon in seiner Kindheit war er, von sehr großer Askesekraft, den Göttern und Sehern [ein Gegenstand der Verehrung],
Wort für Wort
ugraṃ tapaḥ samārebhe
er begann strenge Askese
brahmacārī samāhitaḥ
als Brahmacārin, gesammelten Sinnes
devatānām ṛṣīṇāṃ ca
der Götter und der Seher
bālye 'pi sumahātapāḥ
schon in der Kindheit, von sehr großer Askesekraft
würdig der Beratung und der Verehrung durch Wissen und ebenso durch Askese; doch sein Denken fand keine Freude an den Lebensstadien (Āśramas), o Fürst der Muni,
Wort für Wort
saṃmantraṇīyo mānyaś ca
würdig der Beratung und der Verehrung
jñānena tapasā tathā
durch Wissen und ebenso durch Askese
na tv asya ramate buddhi
doch sein Denken fand keine Freude
rāśrameṣu munīśvara
an den Lebensstadien, o Fürst der Muni
[?: „saṃmatraṇīyo janyaśca“ unsicher – wohl „saṃmantraṇīyo mānyaś ca“ (würdig der Beratung und der Verehrung) gelesen.]
triṣu gārhasthyamūleṣu mokṣadharmānudarśinaḥ / sa mokṣamanucintyaiva śukaḥ pitaramabhyagāt
– an den drei Āśramas, die im Hausstand wurzeln –, da er auf die Erlösungslehre ausgerichtet war. Einzig über die Erlösung nachsinnend, ging Śuka zu seinem Vater,
prāhābhivādya ca tadā śreyor'thī vinayānvitaḥ / mokṣadharmeṣu kuśalo bhagavān prabravītu me
und sprach, nachdem er ihn ehrerbietig gegrüßt hatte, nach dem höchsten Heil verlangend und voller Demut: ‚Möge der Erhabene, der in den Erlösungslehren kundig ist, mir diese verkünden,
sa te vakṣyati mokṣārthaṃ nikhilena narādhipaḥ / piturniyogādagamajjanakaṃ methakhilaṃ nṛpam
‚Er, der Herr der Menschen, wird dir das Wesen der Erlösung vollständig darlegen.' Auf Geheiß des Vaters ging er zu Janaka, dem in allem kundigen König von Mithilā,
Wort für Wort
sa te vakṣyati mokṣārthaṃ
er wird dir das Wesen der Erlösung darlegen
nikhilena narādhipaḥ
vollständig, der Herr der Menschen
piturniyogād agamaj
auf Geheiß des Vaters ging er
janakaṃ methākhilaṃ nṛpam
zu Janaka, dem in allem kundigen König
[?: „methakhilaṃ“ unsicher, wohl mit „mithilā“ und „akhila“ (vollständig kundig) zusammenhängend, verkürzt überliefert.]
praṣṭuṃ dharmasya niṣṭāṃ vai mokṣasya ca parāyaṇam / uktaśca mānuṣeṇa tvaṃ tathā gacchetyavismitaḥ
um den Grund des Dharma und das Endziel der Erlösung zu erfragen. Und obwohl er nur von einem Menschen zu ihm gesandt wurde, sprach er dennoch, ohne Erstaunen: ‚So gehe ich.'
Wort für Wort
praṣṭuṃ dharmasya niṣṭāṃ vai
um den Grund/Bestand des Dharma zu erfragen
mokṣasya ca parāyaṇam
und das Endziel der Erlösung
uktaś ca mānuṣeṇa tvaṃ
und du bist von einem Menschen [angesprochen worden]
tathā gaccheti avismitaḥ
‚so gehe ich', ohne erstaunt zu sein
[?: Zusammenhang zwischen den beiden Halbversen unsicher; sinngemäß als Ausdruck von Śukas Gleichmut gedeutet, dass er trotz der Weisung eines menschlichen (nicht göttlichen) Lehrers ungestaunt gehorcht.]
na prabhāveṇa gantavyamantarikṣacareṇa vai / ārjavenaiva gantavyaṃ na sukhāya kṣaṇāttvayā
‚Nicht mit übernatürlicher Macht sollst du gehen, indem du durch den Luftraum wandelst; einzig mit Aufrichtigkeit sollst du gehen, nicht nur zum eigenen Vergnügen, im Augenblick.'
Wort für Wort
na prabhāveṇa gantavyam
nicht mit Macht sollst du gehen
antarikṣacareṇa vai
indem du durch den Luftraum wandelst
ārjavenaiva gantavyaṃ
einzig mit Aufrichtigkeit sollst du gehen
na sukhāya kṣaṇāt tvayā
nicht zum eigenen Vergnügen, im Augenblick, von dir
na draṣṭavyā viśeṣā hi viśeṣā hi prasaṃginaḥ / ahṝṅkāro na kartavyo yājye tasminnarādhipe
‚Denn man soll keine ablehnenden Unterschiede sehen – Unterschiede haften nur äußerlich an; kein Ich-Dünkel soll gegenüber jenem verehrungswürdigen Herrscher der Menschen aufkommen.'
Wort für Wort
na draṣṭavyā viśeṣā hi
denn man soll keine Unterschiede sehen
viśeṣā hi prasaṃginaḥ
Unterschiede haften nur äußerlich an
ahaṃkāro na kartavyo
kein Ich-Dünkel soll gemacht werden
yājye tasminnarādhipe
gegenüber jenem verehrungswürdigen Herrscher der Menschen
[?: „prasaṃginaḥ“ sinngemäß als ‚nur äußerlich anhaftend, unwesentlich' gedeutet.]
Obwohl er die Kraft besaß, mit den Füßen durch den Luftraum die Erde samt ihren Meeren zu durchschreiten, überschritt er dennoch auch die Länder samt ihren Bergen und erreichte das Bhārata-Land.
Wort für Wort
pādābhyāṃ śakto 'ntarikṣeṇa
obwohl mit den Füßen fähig, durch den Luftraum
krāntuṃ bhūmiṃ sasāgarām
die Erde samt ihren Meeren zu durchschreiten
sagirīṃś cāpy atikramya
und auch die Länder samt ihren Bergen überschreitend
bhārataṃ varṣam āsadat
erreichte er das Bhārata-Land
[?: „pabhdyāṃ“ unsicher für „pādābhyāṃ“ (mit den Füßen) gelesen; Sinn: Obwohl fähig, im Luftraum zu reisen, ging Śuka gemäß väterlicher Weisung zu Fuß.]
rājadvāraṃ samāsādya dvārapālairnivāritaḥ //ṭa tasthau tatra mahāyogī kṣutpipāsādivarjitaḥ
Nachdem er das Königstor erreicht hatte, wurde er von den Torhütern aufgehalten. Der große Yogin verharrte dort, frei von Hunger, Durst und dergleichen,
Wort für Wort
rājadvāraṃ samāsādya
nachdem er das Königstor erreicht hatte
dvārapālair nivāritaḥ
wurde er von den Torhütern aufgehalten
tasthau tatra mahāyogī
der große Yogin verharrte dort
kṣutpipāsādivarjitaḥ
frei von Hunger, Durst und dergleichen
[Anm.: Im Quelltext folgt hier die Zeichenfolge „//ṭa“ – offenbar ein Satz- bzw. OCR-Artefakt ohne inhaltliche Bedeutung, das nicht in die Übersetzung übernommen wurde.]
führte er ihn sodann in den zweiten Hof des Königspalastes; dort gab es, mit dem Frauengemach (Antaḥpura) verbunden, einen großen Garten, dem [Götter-]Garten Caitraratha gleich,
Wort für Wort
prāveśayat tataḥ kakṣāṃ
er führte ihn sodann in den Hof
dvitīyāṃ rājaveśmanaḥ
den zweiten des Königspalastes
tatrāntaḥpurasaṃbaddhaṃ
dort, mit dem Frauengemach verbunden
mahac caitrarathopamam
einen großen, dem Caitraratha-Garten gleichen [Garten]
[?: „mahaccaitragthopamam“ unsicher, wohl „mahac caitrarathopamam“ gelesen.]
suvibhaktajalākrīḍaṃ ramyaṃ puṣpitapādapam / darśayitvāsane sthāpya rājānaṃ ca vyajijñapat
mit wohlgeordneten Wasserspielplätzen, lieblich, mit blühenden Bäumen – nachdem er ihm dies gezeigt und ihn auf einen Sitz gesetzt hatte, meldete er es dem König.
Wort für Wort
suvibhaktajalākrīḍaṃ
mit wohlgeordneten Wasserspielplätzen
ramyaṃ puṣpitapādapam
lieblich, mit blühenden Bäumen
darśayitvāsane sthāpya
nachdem er es gezeigt und auf einen Sitz gesetzt hatte
śrutvā rājā śukaṃ prāptaṃ vārastrīḥ sa nyayuṅkta ca / sevāyai tasya bhāvasya jñānāya munisatama
Als der König hörte, dass Śuka angekommen war, beauftragte er Kurtisanen (Vārastrī) zu seinem Dienst – um sein inneres Wesen, o Bester der Muni, zu erkunden.
geschickt im Reden und Gespräch, kundig der inneren Gestimmtheit, in allem erfahren – fünfzig an der Zahl bereiteten sie ihm Fußwasser und die übrigen Ehrengaben zu
und erquickten ihn auch mit gutem, dem Ort und der Zeit angemessenem Speisen. Nachdem er, o Lieber, gegessen hatte, zeigten sie ihm sodann den Stadtwald/Lustgarten,
– sie alle, kundig der rechten Wesensart, umsorgten den von edler Wesensart da. Der Sohn des Reibholzes [Śuka] aber war reinen Sinnes, hatte Zorn bezwungen und die Sinne bezähmt,
dhyānastha eva satataṃ na hṛṣyati na kupyati / pādaśaucaṃ tu kṛtvā vai śukaḥ saṃdhyāmupāsya ca
beständig in Versenkung verharrend, freute sich nicht und zürnte nicht. Nachdem Śuka die Fußwaschung vollzogen und die Dämmerungsandacht verrichtet hatte,
nahm der Herr [Śuka] zur Mitternacht, wie es sich gebührt, den Schlaf zu sich. Danach, am Morgen aufstehend, nachdem er sogleich die Morgenreinigung vollzogen hatte,