Sanātana sprach: Nun werde ich, o Fürst der Brahmanen, die Gelübde des Navamī-Tages verkünden, durch deren Vollzug die Menschen in der Welt die gewünschte Frucht erlangen.
aśaktaścaikabhaktaṃ vai madhyāhnotsavataḥ param / viprānsaṃbhojya miṣṭānnai rāmaprīti sumācaret
Wer nicht imstande ist, vollziehe nur eine Mahlzeit, nach dem Mittagsfest; nachdem man Brahmanen mit Süßspeisen gespeist hat, bewirke man gut die Freude Rāmas.
Wort für Wort
aśaktaḥ ca ekabhaktaṃ vai
wer nicht imstande ist, wahrlich nur eine Mahlzeit
sraggandhavasranamanaivedyaiścatuḥṣṭistu yoginīḥ / atraiva bhadrakālo tu yoginīnāṃ mahābalā
mit Girlanden, Duftstoffen, Gewändern und Speiseopfern verehre man die vierundsechzig Yoginīs; ebendort ist auch Bhadrakālī, die Mächtigste der Yoginīs,
Wort für Wort
sraggandhavastranaivedyaiḥ
mit Girlanden, Duftstoffen, Gewändern und Speiseopfern
catuḥṣaṣṭiṃ tu yoginīḥ
die vierundsechzig Yoginīs
atra eva bhadrakālī tu
ebendort aber Bhadrakālī
yoginīnāṃ mahābalā
die Mächtigste der Yoginīs
[Anm.: 'catuḥṣṭistu' im Quelltext, wohl für 'catuḥṣaṣṭiṃ tu'; 'bhadrakālo' wohl für 'bhadrakālī'.]
rādhe navamyāṃ dalayoścaṇḍikāṃ yastu pūjayet / vidhinā sa vimānena devataiḥ saha modate
An der Navamī des Vaiśākha [Text unsicher] mit zwei Blättern [?] wer die Caṇḍikā verehrt, der freut sich vorschriftsmäßig, in einem Himmelswagen fahrend, zusammen mit den Göttern.
Wort für Wort
rādhe [?] navamyāṃ dalayoḥ [?]
an der Navamī des [Vaiśākha?], mit zwei Blättern [?]
caṇḍikāṃ yaḥ tu pūjayet
wer die Caṇḍikā verehrt
vidhinā sa vimānena
der [freut sich] vorschriftsmäßig, in einem Himmelswagen
devataiḥ saha modate
zusammen mit den Göttern freut er sich
[Anm.: 'rādhe' im Quelltext unklar - da dieser Vers zwischen Caitra (V2) und Jyeṣṭha (V9) steht, vermutlich Verschreibung eines Monatsnamens (Vaiśākha) [?]; 'dalayoḥ' ('der zwei Blätter') ebenfalls unsicher, evtl. Bezug auf Bilva-Blätter [?].]
nachdem man mit eigener Hingabe eine Gabe gegeben hat, esse man Reisspeise mit Milch. Dieses Umā-Gelübde, o Brahmane, wer es vorschriftsmäßig als Mensch vollzieht,
Wort für Wort
svabhaktyā dakṣiṇāṃ datvā
nachdem man mit eigener Hingabe eine Gabe gegeben hat
der erlangt, nachdem er hier vorzügliche Genüsse genossen hat, am Ende den Weg zum Himmel. Im Monat Āṣāḍha, o Fürst der Brahmanen, wer es in beiden Monatshälften vollzieht, o Zweifachgeborener,
Wort für Wort
sa bhuktvā iha varān bhogān
der, nachdem er hier vorzügliche Genüsse genossen hat
ante svargagatiṃ labhet
erlangt am Ende den Weg zum Himmel
āṣāḍhe māsi viprendra
im Monat Āṣāḍha, o Fürst der Brahmanen
yaḥ kuryāt pakṣayoḥ dvija
wer es in beiden Monatshälften vollzieht, o Zweifachgeborener
naktaṃ caindrīṃ samabhyarcyedairāvatagatāṃ sitām / sa bhavedvai valoke tu bhogabhāragdevayānagaḥ
nachtens verehre man die Indrāṇī (Caindrī), die auf Airāvata reitende, weiße Göttin; der gelangt wahrlich in [Indras] Welt, mit Genüssen beladen, auf einem Götterwagen fahrend.
Wort für Wort
naktaṃ caindrīṃ samabhyarcyet
nachtens verehre man die Indrāṇī (Caindrī)
airāvatagatāṃ sitām
die auf Airāvata reitende, weiße
sa bhavet vai [indra]loke tu
der gelangt wahrlich in [Indras] Welt [?]
bhogabhāraḍ devayānagaḥ
mit Genüssen beladen, auf einem Götterwagen fahrend
[Anm.: 'valoke' im Quelltext unklar, vermutlich für 'indraloke' oder 'svaloke' [?].]
Im Monat Śrāvaṇa, o Fürst der Brahmanen, wer eine Nachtmahlzeit einhält oder in beiden Monatshälften fastet, der verehre die jungfräuliche Caṇḍikā (Kaumārī),
so, die Sünde hinwegnehmende, mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk und Lampen, mit vielfältigen Speiseopfern und ebenso mit dem Speisen junger Mädchen.
am Nachmittag soll an ihr die Verehrung des Śamī-Baumes in östlicher Richtung vollzogen werden, o Zweifachgeborener; danach in der Nacht, in der ersten Nachtwache, verehre man Schwert, Bogen, Pfeile, Keule,
Wort für Wort
aparāhne śamīpūjā
am Nachmittag die Verehrung des Śamī-Baumes
kāryā asyāṃ prāgdiśi dvija
soll an ihr in östlicher Richtung vollzogen werden, o Zweifachgeborener
Wer so Durgā verehrt, die Vernichterin des schlechten Zustandes der Menschen, der erlangt, nachdem er hier vorzügliche Genüsse genossen hat, am Ende den Himmelsweg.
Wort für Wort
evaṃ yaḥ pūjayet durgām
wer so Durgā verehrt
nṝṇāṃ durgatināśinīm
die Vernichterin des schlechten Zustandes der Menschen
kārtike śuklanavamī yākṣayā sā prakīrtatā / tasyāmaśvatthamūle vai tarppaṇaṃ samyagācaret
Im Kārtika wird die helle Navamī, die 'unvergängliche' (Akṣayā), so genannt; an ihr vollziehe man wahrlich am Fuß des Aśvattha-Baumes recht die Wasserspende (Tarpaṇa)
devānāṃ ca ṛṣīṇāṃ ca pitṝṇāṃ cāpi nārada / svaśākhoktaistathā mantraiḥ sūryāyārghyaṃ tator'payet
für die Götter, die Ṛṣis und auch die Ahnen, o Nārada, mit den in der eigenen vedischen Schule vorgeschriebenen Mantras; danach übergebe man der Sonne ein Ehrengeschenk (Arghya).
Wort für Wort
devānāṃ ca ṛṣīṇāṃ ca
für die Götter und die Ṛṣis
pitṝṇāṃ ca api nārada
und auch die Ahnen, o Nārada
svaśākhoktaiḥ tathā mantraiḥ
mit den in der eigenen vedischen Schule vorgeschriebenen Mantras
tato dvijānbhojayitvā miṣṭānnena munūśvara / svayaṃ bhuktvā ca vihareddvijebhyo dattadakṣiṇaḥ
Danach, nachdem man die Brahmanen mit Süßspeise gespeist hat, o Herr der Weisen, esse man auch selbst und ergehe sich, nachdem man den Brahmanen eine Gabe gegeben hat.
Wer so mit Hingabe Gebetsmurmeln, Gabe, Brahmanenverehrung und Feueropfer vollzieht - alles wird unvergänglich, so heißt es von den Kennern der Vorschrift.
Wort für Wort
evaṃ yaḥ kurute bhaktyā
wer so mit Hingabe vollzieht
japadānaṃ dvijārcanam
Gebetsmurmeln, Gabe, Brahmanenverehrung
homaṃ ca sarvam akṣayyaṃ bhavet
und Feueropfer - alles wird unvergänglich
iti vidhervidaḥ [?]
so [heißt es] von den Vorschriftskundigen [?]
[Anm.: 'vidhervayaḥ' im Quelltext unklar, vermutlich für 'vidhervidaḥ' ('von den Vorschriftskundigen') [?].]
gandhādyaiḥ so 'śvamedhasya phalabhāṅnātra saṃśayaḥ / pauṣe śuklanavamyāṃ tu mahāmāyāṃ prapūjayet
mit Duftstoffen und dergleichen, der erlangt Anteil an der Frucht eines Pferdeopfers - daran ist kein Zweifel. Im Pauṣa an der hellen Navamī aber verehre man Mahāmāyā,
Wort für Wort
gandhādyaiḥ sa aśvamedhasya
mit Duftstoffen und dergleichen, der [erlangt] eines Pferdeopfers
ekabhaktaparo vipra vājapeyaphalāptaye / māghamāse tu vā śuklā navamī lokapūjitā
einer einzigen Mahlzeit ergeben, o Brahmane, zur Erlangung der Frucht eines Vājapeya-Opfers. Im Monat Māgha aber ist die helle Navamī, von der Welt verehrt,