Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 122: caturdaśīvratāni Die Gelübde des vierzehnten Mondtags (Caturdaśī)

[Anm.: Das im Rohtext vor V1 stehende Kolophon lautet '...dvādaśamāsasthitatrayodaśīvratakathanam...' und bezeichnet damit fälschlich das trayodaśī-Gelübde (Thema des vorhergehenden Kapitels 121); das vorliegende Kapitel 122 behandelt durchgehend Gelübde der caturdaśī. Zum systematischen Verschiebungsmuster der Kolophone in Kap. 120–123 siehe die Anmerkung zu Kap. 120. – Vers 79 besteht in der Quelle nur aus einem einzigen Halbvers; das Kapitel endet damit.]

sanātana uvāca śṛṇu nārada vakṣyāmi caturdaśyā vratāni te / yāni kṛtvā naro loke sarvānkāmānavāpnuyāt

Sanātana sprach: Höre, Nārada, ich werde dir die Gelübde der Caturdaśī verkünden, durch deren Vollzug ein Mensch in der Welt alle Wünsche erlangt.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich werde verkünden
caturdaśyā vratāni te
dir die Gelübde der Caturdaśī
yāni kṛtvā naro loke sarvānkāmānavāpnuyāt
durch deren Vollzug ein Mensch in der Welt alle Wünsche erlangt

caitraśukla caturdaśyāṃ kuṅkumāgarucandanaiḥ / gandhādyairvastramaṇibhiḥ kāryāryā mahatī śive

An der hellen Caturdaśī des Caitra ist mit Safran, Aloeholz und Sandel, mit Duftstoffen usw., Gewändern und Juwelen eine große Verehrung für Śivā (die Göttin) zu vollziehen,

Wort für Wort
caitraśukla caturdaśyāṃ
an der hellen Caturdaśī des Caitra
kuṅkumāgarucandanaiḥ
mit Safran, Aloeholz und Sandel
gandhādyairvastramaṇibhiḥ
mit Duftstoffen usw., Gewändern und Juwelen
kāryāryā mahatī śive [?]
ist eine große Verehrung für Śivā zu vollziehen [?]

[?] „āryā“ hier unklar, sinngemäß als 'Verehrung' der Göttin gedeutet.

vitānadhvajachatrāṇi datvā pūjyāśca mātaraḥ / evaṃ kṛtvārcanaṃ vipra sopavāso 'thavaikabhuk

nachdem man Baldachine, Banner und Schirme dargebracht hat, sind auch die Mütter zu verehren. Wer so die Verehrung vollzieht, o Brahmane, fastend oder nur eine Mahlzeit einnehmend,

Wort für Wort
vitānadhvajachatrāṇi datvā
nachdem man Baldachine, Banner und Schirme dargebracht hat
pūjyāśca mātaraḥ
sind auch die Mütter zu verehren
evaṃ kṛtvārcanaṃ vipra
wer so die Verehrung vollzieht, o Brahmane
sopavāso 'thavaikabhuk
fastend oder nur eine Mahlzeit einnehmend

aśvamedhādhikaṃ puṇyaṃ labhate mānavo bhuvi / atraiva damanārcāṃ ca kārayedgandhapuṣpakaiḥ

der Mensch erlangt auf Erden ein Verdienst, das das Pferdeopfer übertrifft. Ebenfalls hier lasse man die Damana-Verehrung mit Duft und Blumen vollziehen,

Wort für Wort
aśvamedhādhikaṃ puṇyaṃ
ein Verdienst, das das Pferdeopfer übertrifft
labhate mānavo bhuvi
erlangt der Mensch auf Erden
atraiva damanārcāṃ ca
ebenfalls hier auch die Damana-Verehrung
kārayedgandhapuṣpakaiḥ
lasse man mit Duft und Blumen vollziehen

samarpayetsupūrṇāyāṃ śivāya śivarūpiṇe / rādhakṛṣṇaca turddaśyāṃ sopavāso niśāgame

und übergebe (die Damana-Pflanze) dem Śiva, dem Śiva-gestaltigen. An der dunklen Caturdaśī des Rādha (Vaiśākha), fastend, bei Anbruch der Nacht,

Wort für Wort
samarpayetsupūrṇāyāṃ [?]
übergebe man (an der ganz vollen) [?]
śivāya śivarūpiṇe
dem Śiva, dem Śiva-gestaltigen
rādhakṛṣṇacaturddaśyāṃ
an der dunklen Caturdaśī des Rādha
sopavāso niśāgame
fastend, bei Anbruch der Nacht

[?] „supūrṇāyāṃ“ ('an der ganz vollen') passt inhaltlich schwer zum Caturdaśī-Kontext; Bedeutung unsicher.

liṅgamabhyarcayeccaivaṃ snātvā dhautāṃbaraḥ sudhīḥ / gandhādyairupacāraiśca bilvapatraiśca sarvataḥ

verehre der Kluge, nachdem er gebadet hat, mit gewaschenem Gewand, das Liṅga, mit Verehrungsgaben wie Duft usw. und mit Bilva-Blättern von allen Seiten,

Wort für Wort
liṅgamabhyarcayeccaivaṃ
verehre man so das Liṅga
snātvā dhautāṃbaraḥ sudhīḥ
der Kluge, gebadet, mit gewaschenem Gewand
gandhādyairupacāraiśca
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
bilvapatraiśca sarvataḥ
und mit Bilva-Blättern von allen Seiten

datvā mantraṃ dvijāgryāya bhuñjīta ca pare 'hani / evameva tu kṛṣṇāsu sarvāsu dvijasattama

nachdem man dem besten der Brahmanen (eine Gabe) mit Mantra gegeben hat, esse man am folgenden Tag; ebenso an allen dunklen (Caturdaśīs), o Bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
datvā mantraṃ dvijāgryāya
nachdem man dem besten der Brahmanen mit Mantra gegeben hat
bhuñjīta ca pare 'hani
esse man am folgenden Tag
evameva tu kṛṣṇāsu
ebenso an den dunklen (Caturdaśīs)
sarvāsu dvijasattama
an allen, o Bester der Zweifachgeborenen

śivavrataṃ prakartavyaṃ dhanasaṃtānamicchatā / rādhaśuklacaturdaśyāṃ śrīnṛsiṃhavrataṃ caret

ist das Śiva-Gelübde zu vollziehen von dem, der sich Reichtum und Nachkommenschaft wünscht. An der hellen Caturdaśī des Rādha vollziehe man das Śrī-Nṛsiṃha-Gelübde,

Wort für Wort
śivavrataṃ prakartavyaṃ
ist das Śiva-Gelübde zu vollziehen
dhanasaṃtānamicchatā
von dem, der sich Reichtum und Nachkommenschaft wünscht
rādhaśuklacaturdaśyāṃ
an der hellen Caturdaśī des Rādha
śrīnṛsiṃhavrataṃ caret
vollziehe man das Śrī-Nṛsiṃha-Gelübde

upavāsavidhānena śakto 'śaktastathaikabhuk / niśāgame tu saṃpūjya nṛsiṃhaṃ daityasūdanam

nach der Fastenvorschrift, wer dazu fähig ist; wer nicht fähig ist, nehme ebenso nur eine Mahlzeit. Bei Anbruch der Nacht aber, nachdem man Nṛsiṃha, den Vernichter der Daityas, verehrt hat,

Wort für Wort
upavāsavidhānena śaktaḥ
wer dazu fähig ist, nach der Fastenvorschrift
aśaktastathaikabhuk
wer nicht fähig ist, ebenso nur eine Mahlzeit
niśāgame tu saṃpūjya
bei Anbruch der Nacht aber, nachdem man verehrt hat
nṛsiṃhaṃ daityasūdanam
Nṛsiṃha, den Vernichter der Daityas

upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ snānaiḥ pañcāmṛtādibhiḥ / tataḥ kṣamāpayeddevaṃ mantreṇānena nārada

mit sechzehn Verehrungsgaben, mit Bädern aus den fünf Ambrosia-Substanzen usw.; dann bitte man den Gott mit diesem Mantra um Vergebung, o Nārada:

Wort für Wort
upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ
mit sechzehn Verehrungsgaben
snānaiḥ pañcāmṛtādibhiḥ
mit Bädern aus den fünf Ambrosia-Substanzen usw.
tataḥ kṣamāpayeddevaṃ
dann bitte man den Gott um Vergebung
mantreṇānena nārada
mit diesem Mantra, o Nārada

tatpahāṭakakeśānta jvalatpāvakalocana / vajrādhikanakhasparśadivyasiṃha namo 'stu ta

„Du, dessen Haarenden wie geglühtes Gold sind, dessen Auge wie loderndes Feuer ist, dessen Krallenberührung den Blitz übertrifft, du göttlicher Löwe, Verehrung sei dir.“

Wort für Wort
taptahāṭakakeśānta [?]
du, dessen Haarenden wie geglühtes Gold sind [?]
jvalatpāvakalocana
dessen Auge wie loderndes Feuer ist
vajrādhikanakhasparśa
dessen Krallenberührung den Blitz übertrifft
divyasiṃha namo 'stu te
du göttlicher Löwe, Verehrung sei dir

[?] „tatpahāṭakakeśānta“ unklar, vermutlich verderbt für „taptahāṭakakeśānta“ ('dessen Haarenden wie geglühtes Gold sind'); „namo 'stu ta“ vermutlich für „namo 'stu te“.

iti saṃprārthya deveśaṃ vratī syātsthaṇḍileśayaḥ / jitendriyo jitakrodhaḥ sarvabhogavivarjjitaḥ

So den Gott der Götter bittend, liege der Gelübdehaltende auf bloßem Boden, die Sinne beherrschend, den Zorn beherrschend, aller Genüsse entsagend.

Wort für Wort
iti saṃprārthya deveśaṃ
so den Gott der Götter bittend
vratī syātsthaṇḍileśayaḥ
liege der Gelübdehaltende auf bloßem Boden
jitendriyo jitakrodhaḥ
die Sinne beherrschend, den Zorn beherrschend
sarvabhogavivarjjitaḥ
aller Genüsse entsagend

evaṃ yaḥ kurute vipra vidhivadvratamuttamam / varṣe varṣe sa labhate bhuktabhogo hareḥ padam

Wer so, o Brahmane, vorschriftsmäßig das vortreffliche Gelübde Jahr für Jahr vollzieht, der erlangt, nachdem er die Genüsse genossen hat, das Reich Haris.

Wort für Wort
evaṃ yaḥ kurute vipra
wer so, o Brahmane, vollzieht
vidhivadvratamuttamam
vorschriftsmäßig das vortreffliche Gelübde
varṣe varṣe sa labhate
Jahr für Jahr, der erlangt
bhuktabhogo hareḥ padam
nachdem er die Genüsse genossen hat, das Reich Haris

oṅkāreśvarayātrā ca kāryātraiva munīśvara / durlabhaṃ vārcanaṃ tatra darśanaṃ pāpanāśanam

Auch die Pilgerfahrt zu Oṅkāreśvara ist ebenfalls hier zu vollziehen, o Herr der Weisen. Schwer erlangbar ist dort die Verehrung, schon der Anblick vernichtet Sünde.

Wort für Wort
oṅkāreśvarayātrā ca
auch die Pilgerfahrt zu Oṅkāreśvara
kāryātraiva munīśvara
ist ebenfalls hier zu vollziehen, o Herr der Weisen
durlabhaṃ vārcanaṃ tatra
schwer erlangbar ist dort die Verehrung
darśanaṃ pāpanāśanam
schon der Anblick vernichtet Sünde

kimatra bahunoktena pūjādhyānajapekṣaṇam / yadbhavettatsamuddiṣṭaṃ jñānamokṣapradaṃ nṛṇām

Was nützt hier viel Gerede? Verehrung, Meditation, Murmelgebet und Betrachtung — was auch immer davon geschieht, ist gelehrt als das den Menschen Erkenntnis und Erlösung Gewährende.

Wort für Wort
kimatra bahunoktena
was nützt hier viel Gerede
pūjādhyānajapekṣaṇam
Verehrung, Meditation, Murmelgebet, Betrachtung
yadbhavettatsamuddiṣṭaṃ
was auch immer davon geschieht, ist gelehrt
jñānamokṣapradaṃ nṛṇām
als das den Menschen Erkenntnis und Erlösung Gewährende

atra liṅgavrataṃ cāpi karttavyaṃ pāpanāśanam / pañcāmṛtaistu saṃsnāpya liṅgamālipya kuṅkumaiḥ

Hier ist auch das Liṅga-Gelübde zu vollziehen, das Sünde vernichtet: nachdem man das Liṅga mit den fünf Ambrosia-Substanzen gebadet und mit Safran bestrichen hat,

Wort für Wort
atra liṅgavrataṃ cāpi
hier ist auch das Liṅga-Gelübde
karttavyaṃ pāpanāśanam
zu vollziehen, das Sünde vernichtet
pañcāmṛtaistu saṃsnāpya
nachdem man mit den fünf Ambrosia-Substanzen gebadet hat
liṅgamālipya kuṅkumaiḥ
das Liṅga mit Safran bestrichen

naivedyaiśca phalairdhūpairdīpairvastravibhūṣaṇaiḥ / evaṃ yaḥ pūjayetpaiṣṭaṃ liṅgaṃ sarvārthasiddhidam

mit Speiseopfern, Früchten, Räucherwerk, Lampen, Gewändern und Schmuck — wer so das aus Mehlteig geformte Liṅga verehrt, das die Erfüllung aller Ziele gewährt,

Wort für Wort
naivedyaiśca phalairdhūpaiḥ
mit Speiseopfern, Früchten, Räucherwerk
dīpairvastravibhūṣaṇaiḥ
mit Lampen, Gewändern und Schmuck
evaṃ yaḥ pūjayetpaiṣṭaṃ
wer so das aus Mehlteig geformte verehrt
liṅgaṃ sarvārthasiddhidam
Liṅga, das die Erfüllung aller Ziele gewährt

bhuktiṃ muktiṃ sa labhate mahādevaprasādataḥ / jyeṣṭhaśuklacaturdaśyāṃ divā pañcatapā niśaḥ

der erlangt Genuss und Erlösung durch Mahādevas Gnade. An der hellen Caturdaśī des Jyeṣṭha übe man tagsüber die Fünffeuer-Askese, in der Nacht

Wort für Wort
bhuktiṃ muktiṃ sa labhate
Genuss und Erlösung erlangt er
mahādevaprasādataḥ
durch Mahādevas Gnade
jyeṣṭhaśuklacaturdaśyāṃ
an der hellen Caturdaśī des Jyeṣṭha
divā pañcatapā niśaḥ
tagsüber die Fünffeuer-Askese, in der Nacht

mukhe dadeddhemadhenuṃ rudravratamidaṃ smṛtam / śuciśuklacaturdaśyāṃ śivaṃ saṃpūjya mānavaḥ

gebe man (dem Brahmanen) eine goldene Kuh als Gabe; dies ist als das Rudra-Gelübde überliefert. An der hellen Caturdaśī des Śuci (Āṣāḍha), nachdem der Mensch Śiva verehrt hat,

Wort für Wort
mukhe dadeddhemadhenuṃ
gebe man als Gabe eine goldene Kuh
rudravratamidaṃ smṛtam
dies ist als das Rudra-Gelübde überliefert
śuciśuklacaturdaśyāṃ
an der hellen Caturdaśī des Śuci
śivaṃ saṃpūjya mānavaḥ
nachdem der Mensch Śiva verehrt hat

deśakālodbhavaiḥ puṣpaiḥ sarvasaṃpadamāpnuyāt / nabhaḥ śuklacaturdaśyāṃ pavitrāropaṇaṃ matam

mit Blumen, die an Ort und Zeit entstanden sind, erlangt er allen Wohlstand. An der hellen Caturdaśī des Nabhas (Śrāvaṇa) gilt das Anlegen der heiligen Schnur als gelehrt,

Wort für Wort
deśakālodbhavaiḥ puṣpaiḥ
mit Blumen, die an Ort und Zeit entstanden sind
sarvasaṃpadamāpnuyāt
erlangt er allen Wohlstand
nabhaḥ śuklacaturdaśyāṃ
an der hellen Caturdaśī des Nabhas
pavitrāropaṇaṃ matam
gilt das Anlegen der heiligen Schnur als gelehrt

tatsvaśākhoktavidhinā kartavyaṃ dvijasattama / śatābhimantritaṃ kṛtvā tato devyai nivedayet

das nach der in der eigenen (vedischen) Schule gelehrten Vorschrift zu vollziehen ist, o Bester der Zweifachgeborenen; nachdem man die Schnur hundertfach geweiht hat, übergebe man sie der Göttin,

Wort für Wort
tatsvaśākhoktavidhinā
nach der in der eigenen Schule gelehrten Vorschrift
kartavyaṃ dvijasattama
ist es zu vollziehen, o Bester der Zweifachgeborenen
śatābhimantritaṃ kṛtvā
nachdem man es hundertfach geweiht hat
tato devyai nivedayet
übergebe man es dann der Göttin

pavitrāropaṇaṃ kṛtvā naro nāryathavā yadi / mahādevyāḥ prasādena bhuktiṃ muktimavāpnuyāt

Wer, sei es Mann oder Frau, das Anlegen der heiligen Schnur vollzogen hat, der erlangt durch die Gnade der großen Göttin Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
pavitrāropaṇaṃ kṛtvā
nachdem man das Anlegen der heiligen Schnur vollzogen hat
naro nāryathavā yadi
sei es Mann oder Frau
mahādevyāḥ prasādena
durch die Gnade der großen Göttin
bhuktiṃ muktimavāpnuyāt
erlangt man Genuss und Erlösung

bhādraśuklacaturdaśyāmanantavratamuttamam / karttavyamekabhuktaṃ hi godhūmaprasthapiṣṭakam

An der hellen Caturdaśī des Bhādra(pada) ist das vortreffliche Ananta-Gelübde zu vollziehen: nur eine Mahlzeit, nämlich einen Kuchen aus einem Prastha Weizenmehl,

Wort für Wort
bhādraśuklacaturdaśyām
an der hellen Caturdaśī des Bhādra
anantavratamuttamam
das vortreffliche Ananta-Gelübde
karttavyamekabhuktaṃ hi
ist zu vollziehen, nur eine Mahlzeit
godhūmaprasthapiṣṭakam
nämlich einen Kuchen aus einem Prastha Weizenmehl

vipācya śarkarājyāktamanantāya nivedayet / gandhādyaiḥ prāk samabhyarcyaḥ kārpāsaṃ paṭṭajaṃ tu vā

gebacken, mit Zucker und Ghee versehen, bringe man Ananta dar; nachdem man ihn zuvor mit Duft usw. verehrt hat, fertige man einen Faden aus Baumwolle oder Seide,

Wort für Wort
vipācya śarkarājyāktam
gebacken, mit Zucker und Ghee versehen
anantāya nivedayet
bringe man Ananta dar
gandhādyaiḥ prāk samabhyarcya
nachdem man zuvor mit Duft usw. verehrt hat
kārpāsaṃ paṭṭajaṃ tu vā
einen Faden aus Baumwolle oder Seide

caturdaśagranthiyutaṃ sūtraṃ kṛtvā suśobhanam / tataḥ purāṇamuttārya sūtraṃ kṣiptvā jalāśayeṃ

mit vierzehn Knoten versehen, sehr schön; dann, nachdem man den alten (Faden) abgelegt hat, werfe man den alten Faden in ein Gewässer,

Wort für Wort
caturdaśagranthiyutaṃ
mit vierzehn Knoten versehen
sūtraṃ kṛtvā suśobhanam
einen sehr schönen Faden gefertigt
tataḥ purāṇamuttārya
dann, nachdem man den alten abgelegt hat
sūtraṃ kṣiptvā jalāśaye
den (alten) Faden in ein Gewässer geworfen

nibaghnīyānnavaṃ nārī vāme dakṣe pumānbhuje / vipācya piṣṭapakvaṃ tatpradadyāddakṣiṇānvitam

und binde den neuen: eine Frau am linken, ein Mann am rechten Arm; nachdem man den Mehlkuchen gebacken hat, gebe man ihn samt Ehrengabe,

Wort für Wort
nibaghnīyānnavaṃ nārī
binde den neuen (Faden), eine Frau
vāme dakṣe pumānbhuje
am linken (Arm), ein Mann am rechten Arm
vipācya piṣṭapakvaṃ
nachdem man den Mehlkuchen gebacken hat
tatpradadyāddakṣiṇānvitam
gebe man ihn samt Ehrengabe

svayaṃ ca tanmitaṃ cādyādevaṃ kuryādvratottamam / dvisaptavarṣaparyantaṃ tata udyāpayetsudhīḥ

und esse selbst davon maßvoll; so vollziehe man das vortreffliche Gelübde; vierzehn Jahre lang, danach vollziehe der Kluge die Abschlussfeier,

Wort für Wort
svayaṃ ca tanmitaṃ cādyāt
und esse selbst davon maßvoll
evaṃ kuryādvratottamam
so vollziehe man das vortreffliche Gelübde
dvisaptavarṣaparyantaṃ
vierzehn Jahre lang
tata udyāpayetsudhīḥ
danach vollziehe der Kluge die Abschlussfeier

maṇḍalaṃ sarvatobhadraṃ dhānyavarṇaiḥ prakalpya ca / suśobhane nyasettatra kalaśaṃ tāmrajaṃ mune

indem man ein 'Sarvatobhadra'-Maṇḍala aus Getreidekörnern gestaltet, und darauf, an schön geschmückter Stelle, einen kupfernen Krug aufstellt, o Weiser,

Wort für Wort
maṇḍalaṃ sarvatobhadraṃ
ein 'Sarvatobhadra'-Maṇḍala
dhānyavarṇaiḥ prakalpya ca
aus Getreidekörnern gestaltend
suśobhane nyasettatra
an schön geschmückter Stelle stelle man dort auf
kalaśaṃ tāmrajaṃ mune
einen kupfernen Krug, o Weiser

tasyopari nyaseddhaimīmanantapratimāṃ śubhām / pītapaṭṭāṃśukācchannāṃ tatra tāṃ vidhinā yajet

auf ihn stelle man eine goldene, glückverheißende Ananta-Bildgestalt, bedeckt mit gelbem Seidengewand, und verehre sie dort vorschriftsmäßig,

Wort für Wort
tasyopari nyased
auf ihn stelle man
dhaimīmanantapratimāṃ śubhām
eine goldene, glückverheißende Ananta-Bildgestalt
pītapaṭṭāṃśukācchannāṃ
bedeckt mit gelbem Seidengewand
tatra tāṃ vidhinā yajet
verehre sie dort vorschriftsmäßig

gaṇeśaṃ mātṛkāḥ kheṭāṃllokapāṃśca yajetpṛthak / tato homaṃ haviṣyeṇa kṛtvā pūrṇāhutiṃ caret

man verehre einzeln Gaṇeśa, die Mütter, die Planeten und die Weltenhüter; dann vollziehe man das Feueropfer mit Opferspeise und vollziehe die Vollendungsopferung,

Wort für Wort
gaṇeśaṃ mātṛkāḥ kheṭān
Gaṇeśa, die Mütter, die Planeten
lokapāṃśca yajetpṛthak
und die Weltenhüter verehre man einzeln
tato homaṃ haviṣyeṇa kṛtvā
dann, nachdem man das Feueropfer mit Opferspeise vollzogen hat
pūrṇāhutiṃ caret
vollziehe man die Vollendungsopferung

śayyāṃ sopaskarāṃ dhenuṃ pratimāṃ ca dvijottama / pradadyādgurave bhaktyā dvijānanyāṃścaturdaśa

und gebe ein Lager samt Zubehör, eine Kuh und die Bildgestalt, o Bester der Zweifachgeborenen, mit Hingabe dem Guru, sowie vierzehn andere Brahmanen,

Wort für Wort
śayyāṃ sopaskarāṃ dhenuṃ
ein Lager samt Zubehör, eine Kuh
pratimāṃ ca dvijottama
und die Bildgestalt, o Bester der Zweifachgeborenen
pradadyādgurave bhaktyā
gebe man mit Hingabe dem Guru
dvijānanyāṃścaturdaśa
sowie vierzehn andere Brahmanen

saṃbhojya miṣṭapakvānnairdakṣiṇābhiḥ pratoṣayet / evaṃ yaḥ kurute 'nantavrataṃ pratyakṣamādarāt

gespeist mit süßer, gekochter Speise, stelle man sie mit Ehrengaben zufrieden. Wer so das Ananta-Gelübde tatsächlich mit Ehrerbietung vollzieht,

Wort für Wort
saṃbhojya miṣṭapakvānnaiḥ
nachdem man mit süßer, gekochter Speise gespeist hat
dakṣiṇābhiḥ pratoṣayet
stelle man mit Ehrengaben zufrieden
evaṃ yaḥ kurute 'nantavrataṃ
wer so das Ananta-Gelübde vollzieht
pratyakṣamādarāt
tatsächlich, mit Ehrerbietung

so 'pyanantaprasādena jāyate bhuktimuktibhāk / kadalīvratamapyatra tadvidhānaṃ ca me śṛṇu

der wird durch Anantas Gnade Teilhaber von Genuss und Erlösung. Auch das Kadalī-(Bananenbaum-)Gelübde ist hier gelehrt; höre auch seine Vorschrift von mir:

Wort für Wort
so 'pyanantaprasādena
der wird auch durch Anantas Gnade
jāyate bhuktimuktibhāk
Teilhaber von Genuss und Erlösung
kadalīvratamapyatra
auch das Kadalī-Gelübde ist hier
tadvidhānaṃ ca me śṛṇu
höre auch seine Vorschrift von mir

naro vā yadi vā nārī raṃbhāmupavanasthitām / snātvā saṃpūjayedgandhapuṣpadhānyāṅkurādibhiḥ

Ob Mann oder Frau, nachdem man gebadet hat, verehre man einen im Garten stehenden Bananenbaum mit Duft, Blumen, Getreidekeimen usw.,

Wort für Wort
naro vā yadi vā nārī
ob Mann oder Frau
raṃbhāmupavanasthitām
einen im Garten stehenden Bananenbaum
snātvā saṃpūjayed
nachdem man gebadet hat, verehre man
gandhapuṣpadhānyāṅkurādibhiḥ
mit Duft, Blumen, Getreidekeimen usw.

dadhidūrvākṣatairddvīpairvastrapakkānnasaṃ cathaiḥ / evaṃ saṃpūjya mantreṇa tataḥ saṃprārthayerdvatī

mit Dickmilch, Dūrvā-Gras, ungeschältem Reis, [?] Gewand und gekochter Speise; so, nachdem man mit dem Mantra verehrt hat, bete dann der Gelübdehaltende:

Wort für Wort
dadhidūrvākṣataiḥ
mit Dickmilch, Dūrvā-Gras, ungeschältem Reis
[unklar] vastrapakkānnaiḥ [?]
(unklar), Gewand und gekochter Speise [?]
evaṃ saṃpūjya mantreṇa
so, nachdem man mit dem Mantra verehrt hat
tataḥ saṃprārthayedvratī
dann bete der Gelübdehaltende

[?] „ddvīpairvastrapakkānnasaṃ cathaiḥ“ teilweise korrupt überliefert; Sinn nur ungefähr erschließbar.

apsaro marakanyābhirnāgakanyābhirārcite / śarīrārogyalāvaṇyaṃ dehi devi namo 'stu te

„Du, die von Apsaras, Menschen-Mädchen [?] und Schlangenmädchen Verehrte, gib mir Körpergesundheit und Anmut, o Göttin, Verehrung sei dir!“

Wort für Wort
apsaromarakanyābhiḥ [?]
von Apsaras (und) Menschen-Mädchen [?]
nāgakanyābhirārcite
und von Schlangenmädchen Verehrte
śarīrārogyalāvaṇyaṃ dehi
gib mir Körpergesundheit und Anmut
devi namo 'stu te
o Göttin, Verehrung sei dir

[?] „marakanyābhir“ unklar; versuchsweise als 'Menschen-Mädchen' gedeutet.

iti saṃprārthyaṃ kanyāstu catasro vā suvāsinīḥ / saṃbhojyāṃ śukasidvarakajjalālaktacarcitāḥ

so bittend, speise man vier Mädchen oder verheiratete Frauen, bestrichen mit [?] Papageiengrün, Zinnober, Ruß und Lack,

Wort für Wort
iti saṃprārthya
so bittend
kanyāstu catasro vā suvāsinīḥ
vier Mädchen oder verheiratete Frauen
saṃbhojyāḥ
seien zu speisen
śukasidvarakajjalālaktacarcitāḥ [?]
bestrichen mit (mancherlei kosmetischen Farben) [?]

[?] Die Aufzählung der kosmetischen Farbstoffe ist in Teilen korrupt überliefert; sinngemäß als bunte kosmetische Bemalung gedeutet.

namaskṛtya nijaṃ gehaṃ samāpya niyamaṃ vrajet / evaṃ kṛte vrate vipra labdhvā saubhāgyamuttamam

nachdem man sich verneigt hat, gehe man, das Gelübde beendend, in das eigene Haus. Wenn das Gelübde so vollzogen ist, o Brahmane, nachdem man höchstes Glück erlangt hat,

Wort für Wort
namaskṛtya nijaṃ gehaṃ
nachdem man sich verneigt hat, in das eigene Haus
samāpya niyamaṃ vrajet
das Gelübde beendend, gehe man
evaṃ kṛte vrate vipra
wenn das Gelübde so vollzogen ist, o Brahmane
labdhvā saubhāgyamuttamam
nachdem man höchstes Glück erlangt hat

iha loke vimānena svargaloke vrajetparam / iṣakṛṣṇacaturddaśyāṃ viṣaśastrāṃbuvahnibhiḥ

gehe man hienieden mit einem Himmelswagen zum höchsten Himmelsreich ein. An der dunklen Caturdaśī des Iṣa (gedenke man) derer, die durch Gift, Waffe, Wasser und Feuer,

Wort für Wort
iha loke vimānena
hienieden mit einem Himmelswagen
svargaloke vrajetparam
gehe man in das höchste Himmelsreich ein
iṣakṛṣṇacaturddaśyāṃ
an der dunklen Caturdaśī des Iṣa
viṣaśastrāṃbuvahnibhiḥ
durch Gift, Waffe, Wasser und Feuer

sarpaśvāpadavajrādyairhatānāṃ brahmaghātinām / caturddaśyāṃ kriyāśrāddhamekoddiṣṭavidhānataḥ

durch Schlangen, wilde Tiere, den Blitz usw. Getöteter sowie der Brahmanenmörder; an der Caturdaśī vollziehe man für sie das Śrāddha-Ritual nach der Vorschrift für die 'einzeln Gewidmeten',

Wort für Wort
sarpaśvāpadavajrādyaiḥ
durch Schlangen, wilde Tiere, den Blitz usw.
hatānāṃ brahmaghātinām
der Getöteten, der Brahmanenmörder
caturddaśyāṃ kriyāśrāddham
an der Caturdaśī vollziehe man das Śrāddha-Ritual
ekoddiṣṭavidhānataḥ
nach der Vorschrift für die 'einzeln Gewidmeten'

kartavyaṃ vipravargaṃ ca bhojayenmiṣṭapakvakaiḥ / tarpaṇaṃ ca gavāṃ grāsaṃ baliṃ caiva śvakākayoḥ

und speise die Schar der Brahmanen mit süßer, gekochter Speise; man vollziehe auch die Wasserspende, gebe Kühen einen Bissen und opfere Hund und Krähe,

Wort für Wort
kartavyaṃ vipravargaṃ ca
es sei zu vollziehen, und die Schar der Brahmanen
bhojayenmiṣṭapakvakaiḥ
speise man mit süßer, gekochter Speise
tarpaṇaṃ ca gavāṃ grāsaṃ
die Wasserspende, und Kühen einen Bissen
baliṃ caiva śvakākayoḥ
und opfere Hund und Krähe

kṛtvā camya svayaṃ paścādbhuñjīyādbandhubhiḥ saha / evaṃ yaḥ kurute vipra śrāddhaṃ saṃpannadakṣiṇam

und nachdem man sich rituell gespült hat, esse man selbst danach mit den Verwandten. Wer so, o Brahmane, das Śrāddha mit vollständigen Ehrengaben vollzieht,

Wort für Wort
kṛtvā camya svayaṃ
nachdem man selbst rituell gespült hat
paścādbhuñjīyādbandhubhiḥ saha
esse man danach mit den Verwandten
evaṃ yaḥ kurute vipra
wer so, o Brahmane, vollzieht
śrāddhaṃ saṃpannadakṣiṇam
das Śrāddha mit vollständigen Ehrengaben

sa uddhṛtya pitṝngaccheddevalokaṃ sanātanam / iṣaśukla caturddaśyāṃ dharmarājaṃ dvijottama

der errettet seine Ahnen und geht ein in die ewige Götterwelt. An der hellen Caturdaśī des Iṣa (verehre man), o Bester der Zweifachgeborenen, Dharmarāja,

Wort für Wort
sa uddhṛtya pitṝn
der, nachdem er seine Ahnen errettet hat
gaccheddevalokaṃ sanātanam
geht ein in die ewige Götterwelt
iṣaśukla caturddaśyāṃ
an der hellen Caturdaśī des Iṣa
dharmarājaṃ dvijottama
(verehre man) Dharmarāja, o Bester der Zweifachgeborenen

gandhādyaiḥ samyagabhyarcya sauvarṇaṃ bhojya vāṅavam / dadyāttasmai dharmarājastrāyate bhuvi nārada

recht verehrt mit Duft usw.; ein goldenes Bild [?] speise man und gebe es ihm; Dharmarāja errettet (den Geber) auf Erden, o Nārada.

Wort für Wort
gandhādyaiḥ samyagabhyarcya
recht verehrt mit Duft usw.
sauvarṇaṃ bhojya vāṅavam [?]
ein goldenes (Bild), zu speisen [?]
dadyāttasmai
gebe man ihm
dharmarājastrāyate bhuvi nārada
Dharmarāja errettet (ihn) auf Erden, o Nārada

[?] „bhojya vāṅavam“ unklar; die genaue Natur der hier gespendeten goldenen Gabe bleibt unsicher.

evaṃ yaḥ kurute dharmapratimādānamuttamam / sa bhuktveha varānbhogāndivaṃ dharmājñayā vrajet

Wer so die vortreffliche Spende der Dharma-Bildgestalt vollzieht, der geht, nachdem er hienieden vortreffliche Genüsse genossen hat, auf Dharmas Geheiß in den Himmel ein.

Wort für Wort
evaṃ yaḥ kurute
wer so vollzieht
dharmapratimādānamuttamam
die vortreffliche Spende der Dharma-Bildgestalt
sa bhuktveha varānbhogān
der, nachdem er hienieden vortreffliche Genüsse genossen hat
divaṃ dharmājñayā vrajet
geht auf Dharmas Geheiß in den Himmel ein

ūrjjakṛṣṇacaturddaśyāṃ tailābhyaṅgaṃ vidhūdaye / kṛtvā snātvārcayeddharmaṃ narakādabhayaṃ labhet

An der dunklen Caturdaśī des Ūrja, vor Sonnenaufgang [?] eine Ölsalbung vollziehend, dann badend, verehre man Dharma und erlangt Furchtlosigkeit vor der Hölle.

Wort für Wort
ūrjjakṛṣṇacaturddaśyāṃ
an der dunklen Caturdaśī des Ūrja
tailābhyaṅgaṃ vidhūdaye [?]
eine Ölsalbung (bei Mondaufgang) [?]
kṛtvā snātvārcayeddharmaṃ
vollziehend, badend, verehre man Dharma
narakādabhayaṃ labhet
und erlangt Furchtlosigkeit vor der Hölle

[?] „vidhūdaye“ (wörtl. 'bei Mondaufgang') passt bei einer dunklen Caturdaśī schlecht; vermutlich ist die Zeit vor Sonnenaufgang gemeint.

pradoṣe tailadīpāṃstu dīpayedyamatuṣṭaye / catuṣpathe gṛhādbrāhmapradeśe vā samāhitaḥ

In der Abenddämmerung entzünde man Öllampen zur Zufriedenstellung Yamas, an einer Kreuzung, außerhalb des Hauses, oder an einem heiligen Ort, gesammelten Sinnes,

Wort für Wort
pradoṣe tailadīpāṃstu
in der Abenddämmerung Öllampen
dīpayedyamatuṣṭaye
entzünde man zur Zufriedenstellung Yamas
catuṣpathe gṛhādbahiḥ
an einer Kreuzung, außerhalb des Hauses
brāhmapradeśe vā samāhitaḥ
oder an einem heiligen Ort, gesammelten Sinnes

vatsare hemalaṃbyākhye māsi śrīmati kārtike / śuklapakṣe caturddaśyāmaruṇābhyudayaṃ prati

im Jahr namens Hemalambin, im glücklichen Monat Kārtika, in der hellen Monatshälfte, an der Caturdaśī, bei anbrechender Morgendämmerung,

Wort für Wort
vatsare hemalaṃbyākhye
im Jahr namens Hemalambin
māsi śrīmati kārtike
im glücklichen Monat Kārtika
śuklapakṣe caturddaśyām
in der hellen Monatshälfte, an der Caturdaśī
aruṇābhyudayaṃ prati
bei anbrechender Morgendämmerung

[Anm.: 'Hemalambin' ist ein Jahresname des 60-Jahre-Zyklus; seine Nennung hier für ein allgemein gültiges Gelübde ist exemplarisch zu verstehen.]

snātvā viśveśvaro devo devaiḥ saha munīśvara / maṇikarṇika tīrthe ca tripuṇḍraṃ bhasmanā dadhat

badend — der Gott Viśveśvara mit den Göttern, o Herr der Weisen — an der Tīrtha Maṇikarṇikā, das dreifache Aschezeichen mit Asche tragend,

Wort für Wort
snātvā viśveśvaro devo
badend, der Gott Viśveśvara
devaiḥ saha munīśvara
mit den Göttern, o Herr der Weisen
maṇikarṇika tīrthe ca
an der Tīrtha Maṇikarṇikā
tripuṇḍraṃ bhasmanā dadhat
das dreifache Aschezeichen mit Asche tragend

svātmānaṃ svayamabhyarcya cakre pāśupatavratam / tatastatra mahāpūjāṃ liṅge gandhādibhiścaret

verehrte er selbst sich selbst und vollzog das Pāśupata-Gelübde; dann vollziehe man dort die große Verehrung des Liṅga mit Duft usw.,

Wort für Wort
svātmānaṃ svayamabhyarcya
sich selbst selbst verehrend
cakre pāśupatavratam
vollzog er das Pāśupata-Gelübde
tatastatra mahāpūjāṃ
dann dort die große Verehrung
liṅge gandhādibhiścaret
vollziehe man am Liṅga mit Duft usw.

droṇapuṣpairbilvadalairarkapuṣpaiśca ketakaiḥ / puṣpaiḥ phalairmiṣṭapakvairnaivedyairvividhairapi

mit Droṇa-Blüten, Bilva-Blättern, Arka-Blüten und Ketakī-Blüten, mit Blumen, süßen gekochten Früchten und auch mit mancherlei Speiseopfern,

Wort für Wort
droṇapuṣpairbilvadalaiḥ
mit Droṇa-Blüten, Bilva-Blättern
arkapuṣpaiśca ketakaiḥ
und Arka-Blüten und Ketakī-Blüten
puṣpaiḥ phalairmiṣṭapakvaiḥ
mit Blumen, süßen gekochten Früchten
naivedyairvividhairapi
und auch mit mancherlei Speiseopfern

evaṃ kṛtvaikabhuktaṃ tu vrataṃ viśveśatoṣaṇam / labhate vāñchitānkāmānihāmutra ca nārada

wer so, nur eine Mahlzeit einnehmend, das Viśveśa erfreuende Gelübde vollzieht, erlangt die gewünschten Wünsche hienieden und im Jenseits, o Nārada.

Wort für Wort
evaṃ kṛtvaikabhuktaṃ tu
wer so, nur eine Mahlzeit einnehmend
vrataṃ viśveśatoṣaṇam
das Viśveśa erfreuende Gelübde (vollzieht)
labhate vāñchitānkāmān
erlangt die gewünschten Wünsche
ihāmutra ca nārada
hienieden und im Jenseits, o Nārada

brahmakūrcavrataṃ cātra kartavyamṛddhimicchatā / sopavāsaḥ pañcagavyaṃ pibedrātrau jitendriyaḥ

Auch das Brahmakūrca-Gelübde ist hier von dem zu vollziehen, der sich Gedeihen wünscht: fastend trinke man in der Nacht die fünf Kuhprodukte, sinnbeherrscht,

Wort für Wort
brahmakūrcavrataṃ cātra
auch das Brahmakūrca-Gelübde ist hier
kartavyamṛddhimicchatā
zu vollziehen von dem, der sich Gedeihen wünscht
sopavāsaḥ pañcagavyaṃ
fastend, die fünf Kuhprodukte
pibedrātrau jitendriyaḥ
trinke man in der Nacht, sinnbeherrscht

kapilāyāstu gomūtraṃ kṛṣṇāyā gomayaṃ tathā / śvetāyāḥ kṣīramuditaṃ raktāyāśca tathā dadhi

und zwar Kuhurin von einer braunen (Kuh), ebenso Kuhdung von einer schwarzen, Milch von einer weißen, bekanntermaßen, und ebenso Dickmilch von einer roten,

Wort für Wort
kapilāyāstu gomūtraṃ
Kuhurin von einer braunen (Kuh)
kṛṣṇāyā gomayaṃ tathā
ebenso Kuhdung von einer schwarzen
śvetāyāḥ kṣīramuditaṃ
Milch von einer weißen, bekanntermaßen
raktāyāśca tathā dadhi
und ebenso Dickmilch von einer roten

gṛhītvā karburāyāśca ghṛtamekatra melayet / kuśāṃ bunā tataḥ prātaḥ snātvā santarpyaṃ devatāḥ

und Ghee von einer buntscheckigen (Kuh) genommen, vermische man alles an einem Ort; mit Kuśa-Wasser [?] dann, am Morgen, nach dem Bad, seien die Götter zu befriedigen,

Wort für Wort
gṛhītvā karburāyāśca ghṛtam
und Ghee von einer buntscheckigen (Kuh) genommen
ekatra melayet
vermische man an einem Ort
kuśāmbunā tataḥ prātaḥ [?]
mit Kuśa-Wasser, dann am Morgen [?]
snātvā santarpyaṃ devatāḥ
nach dem Bad seien die Götter zu befriedigen

[?] „kuśāṃ bunā“ vermutlich verschrieben für „kuśāmbunā“ ('mit Kuśa-Wasser').

brahmaṇāṃstoṣayitvā ca bhuñjīyādvāgyataḥ svayam / brahmakūrcavrataṃ hyetatsarvapātakanāśanam

und nachdem man die Brahmanen zufriedengestellt hat, esse man selbst, schweigend. Dieses Brahmakūrca-Gelübde vernichtet ja alle Sünden.

Wort für Wort
brahmaṇāṃstoṣayitvā ca
und nachdem man die Brahmanen zufriedengestellt hat
bhuñjīyādvāgyataḥ svayam
esse man selbst, schweigend
brahmakūrcavrataṃ hyetat
dieses Brahmakūrca-Gelübde ja
sarvapātakanāśanam
vernichtet alle Sünden

yacca bālye kṛtaṃ pāpaṃ kaumāre vārddhake 'pi yat / brahmakūrcopavāsena tatkṣaṇādeva naśyati

Und was auch immer an Sünde in der Kindheit, in der Jugend oder auch im Alter begangen wurde, vergeht durch das Brahmakūrca-Fasten augenblicklich.

Wort für Wort
yacca bālye kṛtaṃ pāpaṃ
und was in der Kindheit an Sünde begangen wurde
kaumāre vārddhake 'pi yat
in der Jugend oder auch im Alter
brahmakūrcopavāsena
durch das Brahmakūrca-Fasten
tatkṣaṇādeva naśyati
vergeht dies augenblicklich

pāṣāṇavratamapyatra proktaṃ tacchṛṇu nārada / sopavāso divā naktaṃ pāṣāṇākārapiṣṭacakam

Auch das Pāṣāṇa-(Stein-)Gelübde ist hier gelehrt; höre es, o Nārada: fastend, Tag und Nacht, fertige man ein steinförmiges Gebäck aus Mehl,

Wort für Wort
pāṣāṇavratamapyatra
auch das Pāṣāṇa-Gelübde ist hier
proktaṃ tacchṛṇu nārada
gelehrt; höre es, o Nārada
sopavāso divā naktaṃ
fastend, Tag und Nacht
pāṣāṇākārapiṣṭacakam
ein steinförmiges Gebäck aus Mehl

prārcya gandhādibhirgauṃrīṃ ghṛtapaṅkvamupāharet / vratametaccaritvā tu yathoktaṃ dvijasattama

und nachdem man Gaurī mit Duft usw. verehrt hat, opfere man es, in Ghee gebacken. Wer dieses Gelübde vollzogen hat, wie es gelehrt wurde, o Bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
prārcya gandhādibhirgaurīṃ
nachdem man Gaurī mit Duft usw. verehrt hat
ghṛtapaṅkvamupāharet
opfere man es, in Ghee gebacken
vratametaccaritvā tu
wer dieses Gelübde aber vollzogen hat
yathoktaṃ dvijasattama
wie es gelehrt wurde, o Bester der Zweifachgeborenen

aiśvaryasaukhyasaubhāgyarūpāṇi prāpnuyānnaraḥ / mārgaśuklacaturdaśyāmekabhuktaḥ puroditam

der Mensch erlangt Herrschaft, Glück, Wohlergehen und schöne Gestalt. An der hellen Caturdaśī des Mārgaśīrṣa, nur eine Mahlzeit einnehmend, wie zuvor gesagt,

Wort für Wort
aiśvaryasaukhyasaubhāgyarūpāṇi
Herrschaft, Glück, Wohlergehen, schöne Gestalt
prāpnuyānnaraḥ
erlangt der Mensch
mārgaśuklacaturdaśyām
an der hellen Caturdaśī des Mārgaśīrṣa
ekabhuktaḥ puroditam
nur eine Mahlzeit einnehmend, wie zuvor gesagt

nirāhāro vṛṣaṃ svarṇaṃ prārcya dadyāddvijātaye / pare 'hni prātarutthāya snātvā somaṃ maheśvaram

ohne Nahrung, nachdem man einen goldenen Stier verehrt hat, gebe man ihn einem Zweifachgeborenen; am folgenden Tag, morgens aufgestanden und gebadet, (verehre man) Someśvara,

Wort für Wort
nirāhāro vṛṣaṃ svarṇaṃ
ohne Nahrung, einen goldenen Stier
prārcya dadyāddvijātaye
nachdem man verehrt hat, gebe man einem Zweifachgeborenen
pare 'hni prātarutthāya
am folgenden Tag, morgens aufgestanden
snātvā somaṃ maheśvaram
gebadet, (verehre man) Someśvara

pūjayetkamalaiḥ puṣpairgandhamālyānulepanaiḥ / dvijānsambhojya miṣṭānnaustoṣayeddakṣiṇādibhiḥ

man verehre mit Lotusblumen und Blumen, mit Duft, Girlanden und Salben; nachdem man Brahmanen mit süßer Speise gespeist hat, stelle man sie mit Ehrengaben usw. zufrieden.

Wort für Wort
pūjayetkamalaiḥ puṣpaiḥ
man verehre mit Lotusblumen und Blumen
gandhamālyānulepanaiḥ
mit Duft, Girlanden und Salben
dvijānsambhojya miṣṭānnaiḥ
nachdem man Brahmanen mit süßer Speise gespeist hat
tostoṣayeddakṣiṇādibhiḥ
stelle man mit Ehrengaben usw. zufrieden

etacchivavrataṃ vipra bhuktimuktipradāyakam / kartṛāṇāmupadeṣṭṛāṇāṃ sāhyānāmanumodinām

Dieses Śiva-Gelübde, o Brahmane, gewährt Genuss und Erlösung — den Vollziehenden, den Belehrenden, den Helfenden und den Zustimmenden gleichermaßen.

Wort für Wort
etacchivavrataṃ vipra
dieses Śiva-Gelübde, o Brahmane
bhuktimuktipradāyakam
gewährt Genuss und Erlösung
kartṛāṇāmupadeṣṭṛāṇāṃ
den Vollziehenden, den Belehrenden
sāhyānāmanumodinām
den Helfenden, den Zustimmenden

pauṣaśuklacaturdaśyāṃ virūpākṣavrataṃ smṛtam / kapardīśvarasāṃnidhyaṃ prāpsyāmyatra vicintya ca

An der hellen Caturdaśī des Pauṣa ist das Virūpākṣa-Gelübde überliefert. Mit dem Gedanken: „Ich werde hier die Gegenwart des Kapardīśvara erlangen“,

Wort für Wort
pauṣaśuklacaturdaśyāṃ
an der hellen Caturdaśī des Pauṣa
virūpākṣavrataṃ smṛtam
ist das Virūpākṣa-Gelübde überliefert
kapardīśvarasāṃnidhyaṃ
die Gegenwart des Kapardīśvara
prāpsyāmyatra vicintya ca
mit dem Gedanken: ich werde hier erlangen

snātvāgādhajale vipra virūpākṣaṃ śivaṃ yajet / gandhamālyanamaskāradhūpadīpānnasaṃpadā

nachdem man in tiefem Wasser gebadet hat, o Brahmane, verehre man Virūpākṣa-Śiva, mit dem Reichtum von Duft, Girlande, Verneigung, Räucherwerk, Lampe und Speise,

Wort für Wort
snātvāgādhajale vipra
nachdem man in tiefem Wasser gebadet hat, o Brahmane
virūpākṣaṃ śivaṃ yajet
verehre man Virūpākṣa-Śiva
gandhamālyanamaskāra-
mit Duft, Girlande, Verneigung,
dhūpadīpānnasaṃpadā
Räucherwerk, Lampe und Speise (als Reichtum)

tatsthaṃ dvijātaye dattvā modate divi devavat / māghakṛṣṇacaturddaśyāṃ yamatarpaṇamīritam

und indem man, was dort ist, einem Zweifachgeborenen gibt, freut man sich im Himmel wie ein Gott. An der dunklen Caturdaśī des Māgha ist die Yama-Wasserspende gelehrt,

Wort für Wort
tatsthaṃ dvijātaye dattvā
nachdem man, was dort ist, einem Zweifachgeborenen gegeben hat
modate divi devavat
freut man sich im Himmel wie ein Gott
māghakṛṣṇacaturddaśyāṃ
an der dunklen Caturdaśī des Māgha
yamatarpaṇamīritam
ist die Yama-Wasserspende gelehrt

anarkābhyudite kāle snātvā saṃtarpayedyamam / dvisaptanāmabhiḥ proktaiḥ sarvapāpavimuktaye

zu der Zeit, bevor die Sonne aufgeht, bade man und spende Yama Wasser mit den vierzehn genannten Namen, zur Befreiung von aller Sünde.

Wort für Wort
anarkābhyudite kāle
zu der Zeit, bevor die Sonne aufgeht
snātvā saṃtarpayedyamam
bade man und spende Yama Wasser
dvisaptanāmabhiḥ proktaiḥ
mit den vierzehn genannten Namen
sarvapāpavimuktaye
zur Befreiung von aller Sünde

tiladarbhāṃbubhiḥ kāryaṃ tarppaṇaṃ dvijabhojanam / kṛśarānnaṃ svayaṃ cāpi tadevāśnīta vāgyataḥ

Mit Sesam, Kuśa-Gras und Wasser ist die Wasserspende zu vollziehen, sowie die Speisung von Brahmanen; man esse selbst auch nur Reis-Bohnen-Brei, schweigend.

Wort für Wort
tiladarbhāṃbubhiḥ kāryaṃ
mit Sesam, Kuśa-Gras und Wasser ist zu vollziehen
tarppaṇaṃ dvijabhojanam
die Wasserspende, die Speisung von Brahmanen
kṛśarānnaṃ svayaṃ cāpi
auch selbst nur Reis-Bohnen-Brei
tadevāśnīta vāgyataḥ
esse man, schweigend

antyakṛṣṇacaturdaśyāṃ śivarātrivrataṃ dvija / nirjalaṃ samupoṣyātra divānaktaṃ prapūjayet

An der letzten dunklen Caturdaśī (des Jahres) gilt das Śivarātri-Gelübde, o Zweifachgeborener: völlig wasserlos fastend, verehre man hier bei Tag und Nacht,

Wort für Wort
antyakṛṣṇacaturdaśyāṃ
an der letzten dunklen Caturdaśī
śivarātrivrataṃ dvija
gilt das Śivarātri-Gelübde, o Zweifachgeborener
nirjalaṃ samupoṣyātra
völlig wasserlos fastend, hier
divānaktaṃ prapūjayet
verehre man bei Tag und Nacht

svayaṃbhuvādikaṃ liṅgaṃ pārthivaṃ vā samāhitaḥ / gandhādyairupacāraiśca sāṃbubilvadalādibhiḥ

das selbstentstandene oder ein irdenes Liṅga, gesammelten Sinnes, mit Verehrungsgaben wie Duft usw. und mit Wasser samt Bilva-Blättern usw.,

Wort für Wort
svayaṃbhuvādikaṃ liṅgaṃ
das selbstentstandene Liṅga usw.
pārthivaṃ vā samāhitaḥ
oder ein irdenes, gesammelten Sinnes
gandhādyairupacāraiśca
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
sāṃbubilvadalādibhiḥ
und mit Wasser samt Bilva-Blättern usw.

dhūpairdīpaiśca naivedyaiḥ stotrapāṭhairjapādibhiḥ / tataḥ pare 'hni saṃpūjya punarevopacārakaiḥ

mit Räucherwerk, Lampen und Speiseopfern, mit Lobrezitationen und Murmelgebeten usw.; dann verehre man am folgenden Tag wiederum mit Verehrungsgaben,

Wort für Wort
dhūpairdīpaiśca naivedyaiḥ
mit Räucherwerk, Lampen und Speiseopfern
stotrapāṭhairjapādibhiḥ
mit Lobrezitationen und Murmelgebeten usw.
tataḥ pare 'hni saṃpūjya
dann am folgenden Tag verehrend
punarevopacārakaiḥ
wiederum mit Verehrungsgaben

saṃbhojya viprānmiṣṭānnairvisṛjellabdhadakṣiṇān / evaṃ kṛtvā vrataṃ martyo mahādevaprasādataḥ

und nachdem man Brahmanen mit süßer Speise gespeist hat, entlasse man sie, nachdem sie eine Ehrengabe erhalten haben. Wer so das Gelübde vollzogen hat, der Sterbliche, erlangt durch Mahādevas Gnade,

Wort für Wort
saṃbhojya viprānmiṣṭānnaiḥ
nachdem man Brahmanen mit süßer Speise gespeist hat
visṛjellabdhadakṣiṇān
entlasse man sie, nachdem sie eine Ehrengabe erhalten haben
evaṃ kṛtvā vrataṃ martyaḥ
wer so das Gelübde vollzogen hat, der Sterbliche
mahādevaprasādataḥ
durch Mahādevas Gnade

amartyabhogān labhate daivataiḥ susabhājitaḥ / antyaśuklacaturdaśyāṃ durgāṃ saṃpūjya bhaktitaḥ

erlangt unsterbliche Genüsse, von den Göttern wohl geehrt. An der letzten hellen Caturdaśī (des Jahres), nachdem man Durgā mit Hingabe verehrt hat,

Wort für Wort
amartyabhogān labhate
erlangt unsterbliche Genüsse
daivataiḥ susabhājitaḥ
von den Göttern wohl geehrt
antyaśuklacaturdaśyāṃ
an der letzten hellen Caturdaśī
durgāṃ saṃpūjya bhaktitaḥ
nachdem man Durgā mit Hingabe verehrt hat

gandhādyairupacāraistu viprānsaṃbhojayettataḥ / evaṃ kṛtvā vrataṃ vipra durgāyāścaikabhojanaḥ

mit Verehrungsgaben wie Duft usw., speise man dann Brahmanen. Wer so das Gelübde der Durgā vollzieht, nur eine Mahlzeit einnehmend, o Brahmane,

Wort für Wort
gandhādyairupacāraistu
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
viprānsaṃbhojayettataḥ
speise man dann Brahmanen
evaṃ kṛtvā vrataṃ vipra
wer so das Gelübde vollzieht, o Brahmane
durgāyāścaikabhojanaḥ
der Durgā, nur eine Mahlzeit einnehmend

labhate vāñchitānkāmānihāmutra ca nārada / caitrakṛṣṇacaturdaśyāmupavāsaṃ vidhāya ca

erlangt die gewünschten Wünsche hienieden und im Jenseits, o Nārada. An der dunklen Caturdaśī des Caitra, nachdem man das Fasten vollzogen hat,

Wort für Wort
labhate vāñchitānkāmān
erlangt die gewünschten Wünsche
ihāmutra ca nārada
hienieden und im Jenseits, o Nārada
caitrakṛṣṇacaturdaśyām
an der dunklen Caturdaśī des Caitra
upavāsaṃ vidhāya ca
nachdem man das Fasten vollzogen hat

kedārodakapānena vācimedhaphalaṃ bhavet / udyāpane tu sarvāṃsāṃ sāmānyo vidhirucyate

wird durch das Trinken von Kedāra-Wasser [?] die Frucht des Vājapeya-Opfers [?] erlangt. Für die Abschlussfeier aller dieser Gelübde aber wird eine gemeinsame Vorschrift genannt:

Wort für Wort
kedārodakapānena [?]
durch das Trinken von Kedāra-Wasser [?]
vācimedhaphalaṃ bhavet [?]
wird die Frucht des (Vāja-)Opfers erlangt [?]
udyāpane tu sarvāṃsāṃ
für die Abschlussfeier aller (Gelübde) aber
sāmānyo vidhirucyate
wird eine gemeinsame Vorschrift genannt

[?] „kedārodaka“ vermutlich Wasser von einem Tīrtha namens Kedāra; „vācimedhaphalam“ unklar, evtl. verderbt für „vājapeyaphalam“.

kuṃbhāścaturdaśaivātra sapūgākṣatamodakāḥ / sadakṣiṇāṃśukāstāmrāmṛnmayāścāvraṇā navāḥ

vierzehn Krüge hier, mit Betelnuss, ungeschältem Reis und Süßspeisen versehen, samt Ehrengabe und Gewand, aus Kupfer oder Ton, unversehrt, neu,

Wort für Wort
kuṃbhāścaturdaśaivātra
vierzehn Krüge hier
sapūgākṣatamodakāḥ
mit Betelnuss, ungeschältem Reis und Süßspeisen versehen
sadakṣiṇāṃśukāstāmrā
samt Ehrengabe und Gewand, aus Kupfer
mṛnmayāścāvraṇā navāḥ
oder Ton, unversehrt, neu

tāvanto vaśadaṇḍāśca pavitrāṇyāsanāni ca / pātrāṇi yajñasūtrāṇi tāvatyeva hi kalpayet

ebenso viele Stäbe [?], heilige Gräser, Sitzmatten, Gefäße und Opferschnüre bereite man in ebenso großer Zahl,

Wort für Wort
tāvanto vaśadaṇḍāśca [?]
ebenso viele Stäbe [?]
pavitrāṇyāsanāni ca
heilige Gräser und Sitzmatten
pātrāṇi yajñasūtrāṇi
Gefäße und Opferschnüre
tāvatyeva hi kalpayet
bereite man in ebenso großer Zahl

[?] „vaśadaṇḍāḥ“ unklar; evtl. verschrieben für „vaṃśadaṇḍāḥ“ ('Bambusstäbe').

śeṣaṃ prāguktavatkuryādvittaśāṭhyavivarjjitaḥ

Das Übrige vollziehe man wie zuvor gesagt, frei von Geiz an Vermögen.

Wort für Wort
śeṣaṃ prāguktavatkuryāt
das Übrige vollziehe man wie zuvor gesagt
vittaśāṭhyavivarjjitaḥ
frei von Geiz an Vermögen

[Anm.: Dieser Vers besteht in der Quelle nur aus einer einzigen Zeile (Halbvers); das Kapitel endet hiermit.]

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