Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 123: pūrṇimāmāvāsyāvratāni Die Gelübde von Vollmond und Neumond (Pūrṇimā und Amāvāsyā)

[Anm.: Das im Rohtext vor V1 stehende Kolophon lautet '...dvādaśamāsasthitacaturdaśīvratavarṇanam...' und bezeichnet damit fälschlich das caturdaśī-Gelübde (Thema des vorhergehenden Kapitels 122); das vorliegende Kapitel 123 behandelt Gelübde von Vollmond (V1–81) und Neumond (V82–96) und schließt damit den Zwölf-Tithi-Kalenderzyklus (Kap. 112–123) ab. Zum systematischen Verschiebungsmuster der Kolophone in Kap. 120–123 siehe die Anmerkung zu Kap. 120. – Die Verse 28, 59 und 96 bestehen in der Quelle jeweils nur aus einem einzigen Halbvers.]

sanātana uvāca atha nārada vakṣyāmi śṛṇu pūrṇāvratāni te / yāni kṛtvā naro nārī prāpnuyātsukhasaṃtatim

Sanātana sprach: Nun, Nārada, werde ich verkünden — höre — dir die Gelübde des Vollmonds, durch deren Vollzug Mann oder Frau eine Fülle von Glück erlangt.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
atha nārada vakṣyāmi śṛṇu
nun, Nārada, werde ich verkünden, höre
pūrṇāvratāni te
dir die Gelübde des Vollmonds
yāni kṛtvā naro nārī prāpnuyātsukhasaṃtatim
durch deren Vollzug Mann oder Frau eine Fülle von Glück erlangt

caitrapūrṇā tu viprendra manvādiḥ samudāhṛtā / asyāṃ sānnodakaṃ kuṃbhaṃ pradadyātsomatuṣṭaye

Der Vollmond des Caitra aber, o Fürst der Brahmanen, wird als Manvādi bezeichnet. An diesem gebe man einen Krug samt Speise und Wasser, zur Zufriedenstellung des Mondes.

Wort für Wort
caitrapūrṇā tu viprendra
der Vollmond des Caitra aber, o Fürst der Brahmanen
manvādiḥ samudāhṛtā
wird als Manvādi bezeichnet
asyāṃ sānnodakaṃ kuṃbhaṃ
an diesem einen Krug samt Speise und Wasser
pradadyātsomatuṣṭaye
gebe man, zur Zufriedenstellung des Mondes

vaiśākhyāmapi pūrṇāyāṃ dānaṃ sarvasya sarvadam / yadyaddravyaṃ dadedvipre tattadāpnoti niścitam

Auch am Vollmond des Vaiśākha ist die Spende alles Gewährende; was auch immer man einem Brahmanen gibt, das erlangt man gewiss.

Wort für Wort
vaiśākhyāmapi pūrṇāyāṃ
auch am Vollmond des Vaiśākha
dānaṃ sarvasya sarvadam
ist die Spende alles Gewährende
yadyaddravyaṃ dadedvipre
was auch immer man einem Brahmanen gibt
tattadāpnoti niścitam
das erlangt man gewiss

dharmarājavrataṃ cātra kathitaṃ tanniśāmaya / śṛtānnamudakuṃbhaṃ ca vaiśākhyāṃ vai dvijottame

Auch das Dharmarāja-Gelübde ist hier gelehrt; höre es. Gekochte Speise und einen Wasserkrug, am Vaiśākha, einem besten Brahmanen,

Wort für Wort
dharmarājavrataṃ cātra
auch das Dharmarāja-Gelübde hier
kathitaṃ tanniśāmaya
ist gelehrt; höre es
śṛtānnamudakuṃbhaṃ ca
gekochte Speise und einen Wasserkrug
vaiśākhyāṃ vai dvijottame
am Vaiśākha, einem besten Brahmanen

dadyādgodānaphaladaṃ dharmarājasya tuṣṭaye / atra kṛṣṇājinaṃ dadyātsakhuraṃ ca saśṛṅgakam

gebe man, was die Frucht einer Kuhspende bringt, zur Zufriedenstellung Dharmarājas. Hier gebe man auch ein schwarzes Antilopenfell, samt Huf und Horn,

Wort für Wort
dadyādgodānaphaladaṃ
gebe man, was die Frucht einer Kuhspende bringt
dharmarājasya tuṣṭaye
zur Zufriedenstellung Dharmarājas
atra kṛṣṇājinaṃ dadyāt
hier gebe man ein schwarzes Antilopenfell
sakhuraṃ ca saśṛṅgakam
samt Huf und Horn

tilaiḥ sahasamācchādya vastrairhemnā dvijātaye / yastu kṛṣṇājinaṃ dadyātsatkṛtya vidhipūrvakam

mit Sesam bedeckt, samt Gewändern und Gold, einem Zweifachgeborenen. Wer das schwarze Antilopenfell gibt, wohl bewirtet, vorschriftsgemäß,

Wort für Wort
tilaiḥ sahasamācchādya
mit Sesam bedeckt
vastrairhemnā dvijātaye
samt Gewändern und Gold einem Zweifachgeborenen
yastu kṛṣṇājinaṃ dadyāt
wer das schwarze Antilopenfell gibt
satkṛtya vidhipūrvakam
wohl bewirtet, vorschriftsgemäß

sarvaśāstravide saptadvīpabhūmipradaḥ sa vai / modate viṣṇu loke hi yāvaccandrārkatārakam

einem in allen Śāstras Bewanderten, der wird ja zum Geber der siebenteiligen Erde und freut sich in Viṣṇus Welt, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen.

Wort für Wort
sarvaśāstravide
einem in allen Śāstras Bewanderten
saptadvīpabhūmipradaḥ sa vai
der wird ja zum Geber der siebenteiligen Erde
modate viṣṇuloke hi
und freut sich ja in Viṣṇus Welt
yāvaccandrārkatārakam
solange Mond, Sonne und Sterne bestehen

kuṃbhānsvacchajalaiḥ pūrṇānhiraṇyena samanvitān / yaḥ pradadyāddvijāgryebhyaḥ sa na śocati karhicit

Wer den besten Brahmanen Krüge, gefüllt mit klarem Wasser, versehen mit Gold, gibt, der trauert niemals.

Wort für Wort
kuṃbhānsvacchajalaiḥ pūrṇān
Krüge, mit klarem Wasser gefüllt
hiraṇyena samanvitān
versehen mit Gold
yaḥ pradadyāddvijāgryebhyaḥ
wer den besten Brahmanen gibt
sa na śocati karhicit
der trauert niemals

atha jyeṣṭasya pūrṇāyāṃ vaṭasāvitrikaṃ vratam / sopavāsā vaṭaṃ siṃcetsalilairamṛtopamaiḥ

Am Vollmond des Jyeṣṭha gilt das Vaṭa-Sāvitrī-Gelübde: fastend besprenge man den Banyanbaum mit Wasser, das Ambrosia gleicht,

Wort für Wort
atha jyeṣṭasya pūrṇāyāṃ
am Vollmond des Jyeṣṭha
vaṭasāvitrikaṃ vratam
gilt das Vaṭa-Sāvitrī-Gelübde
sopavāsā vaṭaṃ siṃcet
fastend besprenge man den Banyanbaum
salilairamṛtopamaiḥ
mit Wasser, das Ambrosia gleicht

sṛtreṇa veṣṭayeccaiva saśatāṣṭapradakṣiṇam / tataḥ saṃprārthaddaivīṃ sāvitrīṃ supativratām

und umwickle ihn mit einem Faden, mit hundertacht Umschreitungen; dann bete man zur göttlichen Sāvitrī, der Musterhaften in Gattinnentreue:

Wort für Wort
sṛtreṇa veṣṭayeccaiva
und umwickle ihn mit einem Faden
saśatāṣṭapradakṣiṇam
mit hundertacht Umschreitungen
tataḥ saṃprārthaddaivīṃ
dann bete man zur göttlichen
sāvitrīṃ supativratām
Sāvitrī, der Musterhaften in Gattinnentreue

jagatpūjye jaganmātaḥ sāvitri patidaivate / patyā sahāviyogaṃ me vaṭasthe kuru te namaḥ

„O von der Welt Verehrte, Mutter der Welt, Sāvitrī, du, deren Gottheit der Gatte ist, gewähre mir Untrennbarkeit von meinem Gatten, du im Banyanbaum Weilende — Verehrung sei dir!“

Wort für Wort
jagatpūjye jaganmātaḥ
o von der Welt Verehrte, Mutter der Welt
sāvitri patidaivate
Sāvitrī, du, deren Gottheit der Gatte ist
patyā sahāviyogaṃ me
Untrennbarkeit mit dem Gatten mir
vaṭasthe kuru te namaḥ
gewähre, du im Banyanbaum Weilende, Verehrung sei dir

iti saprārthya yā nārī bhojayitvā pare 'hani / suvāsinīḥ svayaṃ bhuñjyātsā syātsaubhāgyabhāginī

So betend, eine Frau, die am folgenden Tag verheiratete Frauen speist und selbst isst — sie wird eine Teilhaberin des Glücks.

Wort für Wort
iti saprārthya yā nārī
so betend, die Frau, welche
bhojayitvā pare 'hani
nachdem sie am folgenden Tag gespeist hat
suvāsinīḥ svayaṃ bhuñjyāt
verheiratete Frauen (und) selbst isst
sā syātsaubhāgyabhāginī
sie wird eine Teilhaberin des Glücks

āṣāḍhasya tu pūrṇāyāṃ gopadmavratamucyate / caturbhujaṃ mahākāyaṃ jāṃbūnadasamaprabham

Am Vollmond des Āṣāḍha aber wird das Go-Padma-Gelübde genannt: den Vierarmigen, von großer Gestalt, von der Strahlenkraft des Jambū-Goldes,

Wort für Wort
āṣāḍhasya tu pūrṇāyāṃ
am Vollmond des Āṣāḍha aber
gopadmavratamucyate
wird das Go-Padma-Gelübde genannt
caturbhujaṃ mahākāyaṃ
den Vierarmigen, von großer Gestalt
jāṃbūnadasamaprabham
von der Strahlenkraft des Jambū-Goldes

śaṅkhacakragadāpadmaramāgaruḍaśobhitam / sevitaṃ munibhirdevairyakṣagandharvakinnaraiḥ

geschmückt mit Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus, Ramā und Garuḍa, verehrt von Weisen, Göttern, Yakṣas, Gandharvas und Kinnaras,

Wort für Wort
śaṅkhacakragadāpadma-
mit Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus
ramāgaruḍaśobhitam
mit Ramā und Garuḍa geschmückt
sevitaṃ munibhirdevaiḥ
verehrt von Weisen und Göttern
yakṣagandharvakinnaraiḥ
von Yakṣas, Gandharvas und Kinnaras

evaṃvidhaṃ hariṃ tatra snātvā pūjāṃ samācaret / pauruṣeṇaiva sūktena gandhādyairupacārakaiḥ

einen solchen Hari verehre man dort, nachdem man gebadet hat, mit dem Puruṣa-Sūkta selbst, mit Verehrungsgaben wie Duft usw.,

Wort für Wort
evaṃvidhaṃ hariṃ tatra
einen solchen Hari dort
snātvā pūjāṃ samācaret
nachdem man gebadet hat, verehre man
pauruṣeṇaiva sūktena
mit dem Puruṣa-Sūkta selbst
gandhādyairupacārakaiḥ
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.

ācāryaṃ vastrabhūṣādyaistoṣayetsnigdhamānasaḥ / bhojayenmiṣṭapakvānnairdvijānanyāṃśca śaktitaḥ

den Ācārya stelle man mit Gewändern, Schmuck usw. zufrieden, liebevollen Sinnes; man speise mit süßer, gekochter Speise auch andere Brahmanen, nach Vermögen.

Wort für Wort
ācāryaṃ vastrabhūṣādyaiḥ
den Ācārya mit Gewändern, Schmuck usw.
toṣayetsnigdhamānasaḥ
stelle man zufrieden, liebevollen Sinnes
bhojayenmiṣṭapakvānnaiḥ
man speise mit süßer, gekochter Speise
dvijānanyāṃśca śaktitaḥ
auch andere Brahmanen, nach Vermögen

evaṃ kṛtvā vrataṃ vipra prasādātkamalāpateḥ / aihikāmuṣmikānkāmāṃllabhate nātra saṃśayaḥ

Wer so das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane, erlangt durch die Gnade des Gatten der Lotus(göttin) die diesseitigen und jenseitigen Wünsche — daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
evaṃ kṛtvā vrataṃ vipra
wer so das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane
prasādātkamalāpateḥ
durch die Gnade des Gatten der Lotus(göttin)
aihikāmuṣmikānkāmān
die diesseitigen und jenseitigen Wünsche
labhate nātra saṃśayaḥ
erlangt er, daran ist kein Zweifel

kokilāvratamapyatra proktaṃ tadvidhirucyate / pūrṇimāyāṃ samārabhya vrataṃ snāyādbrahirjale

Auch das Kokila-(Kuckucks-)Gelübde ist hier gelehrt; seine Vorschrift wird genannt: am Vollmond beginnend, bade man für das Gelübde im Wasser [?],

Wort für Wort
kokilāvratamapyatra
auch das Kokila-Gelübde ist hier
proktaṃ tadvidhirucyate
gelehrt; seine Vorschrift wird genannt
pūrṇimāyāṃ samārabhya
am Vollmond beginnend
vrataṃ snāyādvahirjale [?]
bade man für das Gelübde im (Freien-)Wasser [?]

[?] „brahirjale“ unklar, vermutlich für „vahirjale“ ('Wasser im Freien') stehend.

pūrṇāntaṃ śrāvaṇe māsi gaurīrūpāṃ ca kokilām / svarṇapakṣāṃ ratnanetrāṃ pravālamukhapaṅkajām

bis zum Vollmond, im Monat Śrāvaṇa, (verehre man) den Kuckuck in Gaurīs Gestalt, mit goldenen Flügeln, Juwelenaugen, korallrotem Schnabel und Lotusgesicht,

Wort für Wort
pūrṇāntaṃ śrāvaṇe māsi
bis zum Vollmond, im Monat Śrāvaṇa
gaurīrūpāṃ ca kokilām
den Kuckuck in Gaurīs Gestalt
svarṇapakṣāṃ ratnanetrāṃ
mit goldenen Flügeln, Juwelenaugen
pravālamukhapaṅkajām
mit korallrotem Schnabel, Lotusgesicht

kastūrīvarṇasaṃyuktāmutpannāṃ nandane vane / cūtacaṃpakavṛkṣasthāṃ kalagītaninādinīm

moschusfarben, im Nandana-Garten entstanden, auf einem Mango- oder Campaka-Baum sitzend, mit süßem Gesang tönend,

Wort für Wort
kastūrīvarṇasaṃyuktām
moschusfarben
utpannāṃ nandane vane
im Nandana-Garten entstanden
cūtacaṃpakavṛkṣasthāṃ
auf einem Mango- oder Campaka-Baum sitzend
kalagītaninādinīm
mit süßem Gesang tönend

cintayetpārvatīṃ devīṃ kokilārūpadhāriṇīm / gandhādyaiḥ pratyahaṃ prārccellikhitāṃ varṇakaiḥ paṭe

denke man an die Göttin Pārvatī, die die Kuckucksgestalt trägt; täglich verehre man sie mit Duft usw., auf einem Tuch mit Farben gemalt,

Wort für Wort
cintayetpārvatīṃ devīṃ
denke man an die Göttin Pārvatī
kokilārūpadhāriṇīm
die die Kuckucksgestalt trägt
gandhādyaiḥ pratyahaṃ prārcet
täglich verehre man mit Duft usw.
likhitāṃ varṇakaiḥ paṭe
auf einem Tuch mit Farben gemalt

tato vratānte haimīṃ vā tilapiṣṭamayīṃ dvija / dadyādviprāya mantreṇa bhaktyā sasvarṇadakṣiṇām

dann, am Ende des Gelübdes, eine goldene oder aus Sesammehl gefertigte (Bildgestalt), o Zweifachgeborener, gebe man einem Brahmanen mit Mantra, mit Hingabe, samt goldener Ehrengabe,

Wort für Wort
tato vratānte haimīṃ vā
dann, am Ende des Gelübdes, eine goldene oder
tilapiṣṭamayīṃ dvija
aus Sesammehl gefertigte, o Zweifachgeborener
dadyādviprāya mantreṇa
gebe man einem Brahmanen mit Mantra
bhaktyā sasvarṇadakṣiṇām
mit Hingabe, samt goldener Ehrengabe

devīṃ caitrarathotpanne kokile haravallabhe / saṃpūjya dattā viprāya sarvasaukhyakarī bhava

„Göttin, im Caitraratha(-Garten) entstanden, im Kuckuck, du dem Hara Liebe“ — verehrt und dem Brahmanen gegeben, werde eine Bewirkerin allen Glücks.

Wort für Wort
devīṃ caitrarathotpanne
die Göttin, im Caitraratha entstanden
kokile haravallabhe
im Kuckuck, du dem Hara Liebe
saṃpūjya dattā viprāya
verehrt und dem Brahmanen gegeben
sarvasaukhyakarī bhava
werde eine Bewirkerin allen Glücks

dvijaṃ suvāsinīstriṃśadekāṃ vā bhojayettataḥ / vastrādidakṣiṇāṃ śaktyā datvā natvā visarjayet

dann speise man dreißig verheiratete Frauen oder eine, samt Brahmanen; nachdem man nach Vermögen Ehrengabe von Gewand usw. gegeben und sich verneigt hat, entlasse man sie.

Wort für Wort
dvijaṃ suvāsinīstriṃśadekāṃ vā
einen Brahmanen, dreißig verheiratete Frauen oder eine
bhojayettataḥ
speise man dann
vastrādidakṣiṇāṃ śaktyā datvā
nach Vermögen Ehrengabe von Gewand usw. gegeben
natvā visarjayet
und sich verneigt, entlasse man sie

evaṃ yā kurute nārī kokilāvratamuttam / sā labhetsukhasaubhāgyaṃ saptajanmasunārada

Die Frau, die so das vortreffliche Kokila-Gelübde vollzieht, die erlangt sieben Geburten lang Glück und Wohlergehen, o Nārada.

Wort für Wort
evaṃ yā kurute nārī
die Frau, die so vollzieht
kokilāvratamuttamam
das vortreffliche Kokila-Gelübde
sā labhetsukhasaubhāgyaṃ
die erlangt Glück und Wohlergehen
saptajanmasu nārada
sieben Geburten lang, o Nārada

atha śrāvaṇapūrṇāyāṃ vedopākaraṇaṃ smṛtam / yajurbhistatra karttavyaṃ devarṣipitṛtarpaṇam

Am Vollmond des Śrāvaṇa ist der Beginn des Vedastudiums überliefert; mit den Yajus-(Formeln) ist dort die Wasserspende für Götter, Weise und Ahnen zu vollziehen,

Wort für Wort
atha śrāvaṇapūrṇāyāṃ
am Vollmond des Śrāvaṇa
vedopākaraṇaṃ smṛtam
ist der Beginn des Vedastudiums überliefert
yajurbhistatra karttavyaṃ
mit den Yajus-(Formeln) ist dort zu vollziehen
devarṣipitṛtarpaṇam
die Wasserspende für Götter, Weise und Ahnen

ṛṣīṇāṃ pūjanaṃ cāpi svaśākhoktavidhānataḥ / bahavṛcaistu caturdvaśyāṃ sāmagairbhādrage kare

sowie auch die Verehrung der Weisen, nach der in der eigenen Schule gelehrten Vorschrift; von den Ṛgveda-Anhängern aber an der Caturdaśī, von den Sāmaveda-Sängern im Monat Bhādra(pada),

Wort für Wort
ṛṣīṇāṃ pūjanaṃ cāpi
auch die Verehrung der Weisen
svaśākhoktavidhānataḥ
nach der in der eigenen Schule gelehrten Vorschrift
bahvṛcaistu caturdaśyāṃ
von den Ṛgveda-Anhängern aber an der Caturdaśī
sāmagairbhādrage kare [?]
von den Sāmaveda-Sängern im Monat Bhādra [?]

rakṣāvidhānaṃ ca tathā kartavyaṃ vidhipūrvakam

und ebenso ist die Schutzbindung vorschriftsgemäß zu vollziehen.

Wort für Wort
rakṣāvidhānaṃ ca tathā
und ebenso die Schutzbindung
kartavyaṃ vidhipūrvakam
ist vorschriftsgemäß zu vollziehen

[Anm.: Dieser Vers besteht in der Quelle nur aus einer einzigen Zeile (Halbvers).]

siddhārthākṣatarājikāśca vidhṛtā raktāṃśukāṃśe sitāḥ kausuṃbhena ca tantunātha salilaiḥ prakṣālya kāṃsye dhṛtāḥ / gandhādyairabhipūjya devanikarānsaṃprārthya viṣṇvādikānbadhnīyāddvijahastataḥ pramudito natvā prakoṣṭhe svake

Weiße Senfkörner, ungeschälter Reis und schwarze Senfkörner, in ein Stück roten Stoffes gehüllt, oder weiße, mit Färberdistel-Farbe (gefärbte), mit Wasser gewaschen und in einem Bronzegefäß gehalten — nachdem man sie mit Duft usw. verehrt und die von Viṣṇu angeführte Schar der Götter gebeten hat, binde man sich (die Schutzschnur), erfreut, sich verneigend, aus der Hand eines Brahmanen an das eigene Handgelenk.

Wort für Wort
siddhārthākṣatarājikāśca vidhṛtā
weiße Senfkörner, ungeschälter Reis und schwarze Senfkörner, gehalten
raktāṃśukāṃśe sitāḥ kausuṃbhena ca
in rotem Stoffstück, oder weiße, mit Färberdistel-Farbe
tantunātha salilaiḥ prakṣālya kāṃsye dhṛtāḥ [?]
mit Wasser gewaschen, in einem Bronzegefäß gehalten [?]
gandhādyairabhipūjya devanikarānsaṃprārthya viṣṇvādikān
nachdem man mit Duft usw. verehrt und die Schar der Götter, Viṣṇu voran, gebeten hat
badhnīyāddvijahastataḥ pramudito natvā prakoṣṭhe svake
binde man sich, erfreut, sich verneigend, aus der Hand eines Brahmanen an das eigene Handgelenk

[?] Der Vers ist in einem langen, teils unklaren Kompositum überliefert; insbesondere „tantunātha“ bleibt unsicher (wörtl. 'Herr des Fadens'); die Übersetzung ist sinngemäß rekonstruiert.

tatastu dakṣiṇāṃ datvā dvijebhyo 'dhyāyamācaret / visṛjya ca ṛṣīnsapta dhārayedbrahmasūtrakam

dann, nachdem man den Brahmanen eine Ehrengabe gegeben hat, vollziehe man das Studium; und nachdem man die sieben Ṛṣis entlassen hat, trage man die heilige Schnur,

Wort für Wort
tatastu dakṣiṇāṃ datvā
dann, nachdem man eine Ehrengabe gegeben hat
dvijebhyo 'dhyāyamācaret
den Brahmanen, vollziehe man das Studium
visṛjya ca ṛṣīnsapta
und nachdem man die sieben Ṛṣis entlassen hat
dhārayedbrahmasūtrakam
trage man die heilige Schnur

rañjitaṃ kuṅkumādyaiśca navīnaṃ nirmitaṃ svayam / śaktyā saṃbhojya viprāgryānekabhuktaṃ samācaret

gefärbt mit Safran usw., neu und selbst gefertigt; nachdem man nach Vermögen die besten Brahmanen gespeist hat, übe man selbst nur eine Mahlzeit.

Wort für Wort
rañjitaṃ kuṅkumādyaiśca
gefärbt mit Safran usw.
navīnaṃ nirmitaṃ svayam
neu, selbst gefertigt
śaktyā saṃbhojya viprāgryān
nachdem man nach Vermögen die besten Brahmanen gespeist hat
ekabhuktaṃ samācaret
übe man selbst nur eine Mahlzeit

kṛte hyasminvrate vipra vārṣikaṃ karmaṃ vaidikam / vismṛtaṃ vidhihīnaṃ ca na kṛtaṃ sukṛtaṃ bhavet

Wenn dieses Gelübde vollzogen ist, o Brahmane, wird das jährliche vedische Ritual, auch wenn es vergessen, vorschriftswidrig oder gar nicht vollzogen wurde, dennoch als wohlvollzogen gelten.

Wort für Wort
kṛte hyasminvrate vipra
wenn dieses Gelübde vollzogen ist, o Brahmane
vārṣikaṃ karmaṃ vaidikam
das jährliche vedische Ritual
vismṛtaṃ vidhihīnaṃ ca
auch wenn vergessen oder vorschriftswidrig
na kṛtaṃ sukṛtaṃ bhavet
oder nicht vollzogen, wird (dennoch) wohlvollzogen

prauṣṭhapadyāṃ paurṇamāsyāmumāmāheśvaravratam / ekabhuktaśca yastāṃ tu śivaṃ saṃpūjya yatnataḥ

Am Vollmond des Prauṣṭhapada (gilt) das Umā-Maheśvara-Gelübde: wer, nur eine Mahlzeit einnehmend, an ihm Śiva mit Bemühen verehrt,

Wort für Wort
prauṣṭhapadyāṃ paurṇamāsyām
am Vollmond des Prauṣṭhapada
umāmāheśvaravratam
gilt das Umā-Maheśvara-Gelübde
ekabhuktaśca yastāṃ tu
wer, nur eine Mahlzeit einnehmend, an ihm
śivaṃ saṃpūjya yatnataḥ
Śiva mit Bemühen verehrt

kṛtāñjaliḥ prārthayecchvaḥ kariṣye ca vrataṃ prabho / evaṃ vijñāpya devaṃ tu gṛhṇīyādvratamuttamam

mit gefalteten Händen bete er: „Morgen werde ich das Gelübde vollziehen, o Herr.“ So den Gott bittend, nehme man das vortreffliche Gelübde auf sich,

Wort für Wort
kṛtāñjaliḥ prārthayecchvaḥ
mit gefalteten Händen bete er: morgen
kariṣye ca vrataṃ prabho
werde ich das Gelübde vollziehen, o Herr
evaṃ vijñāpya devaṃ tu
so den Gott bittend
gṛhṇīyādvratamuttamam
nehme man das vortreffliche Gelübde auf sich

rātrau devāntike suptvā utthāyāparayāmake / kṛtamaitrādinityastu bhasmarudrākṣadhṛk tataḥ

in der Nacht, nachdem man nahe dem Gott geschlafen hat, in der letzten Nachtwache aufgestanden, nach Vollzug der Morgenriten, Asche und Rudrākṣa tragend, dann,

Wort für Wort
rātrau devāntike suptvā
in der Nacht, nahe dem Gott geschlafen
utthāyāparayāmake
in der letzten Nachtwache aufgestanden
kṛtamaitrādinityastu
nach Vollzug der Morgenriten
bhasmarudrākṣadhṛk tataḥ
Asche und Rudrākṣa tragend, dann

pūjayecchaṅkaraṃ samyagupacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ / bilvapatraiḥ sugandhāḍhyerṃnaivedyairdhūpadīpakaiḥ

verehre man Śaṅkara recht mit den mancherlei Verehrungsgaben, mit Bilva-Blättern, reich an Wohlgeruch, mit Speiseopfern, Räucherwerk und Lampen,

Wort für Wort
pūjayecchaṅkaraṃ samyak
verehre man Śaṅkara recht
upacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ
mit mancherlei Verehrungsgaben
bilvapatraiḥ sugandhāḍhyaiḥ
mit Bilva-Blättern, reich an Wohlgeruch
naivedyairdhūpadīpakaiḥ
mit Speiseopfern, Räucherwerk und Lampen

tataścopavasedvidvānāpradoṣaṃ vindhūdaye / punaḥ saṃpūjya tatraiva rātrau jāgaraṇaṃ caret

und dann faste der Weise bis zur Abenddämmerung, bei Mondaufgang; wiederum verehrend, halte man ebendort in der Nacht eine Wache ab,

Wort für Wort
tataścopavasedvidvān
und dann faste der Weise
āpradoṣaṃ vindhūdaye
bis zur Abenddämmerung, bei Mondaufgang
punaḥ saṃpūjya tatraiva
wiederum verehrend, ebendort
rātrau jāgaraṇaṃ caret
halte man in der Nacht eine Wache ab

evaṃ pañcadaśābdāntaṃ kṛtvā vratamatandritaḥ / varṣe varṣe tadutsarge vidadhyādvidhipūrvakam

so, fünfzehn Jahre lang, unermüdlich das Gelübde vollziehend, Jahr für Jahr; bei dessen Beendigung vollziehe man vorschriftsgemäß:

Wort für Wort
evaṃ pañcadaśābdāntaṃ
so, fünfzehn Jahre lang
kṛtvā vratamatandritaḥ
das Gelübde unermüdlich vollziehend
varṣe varṣe tadutsarge
Jahr für Jahr, bei dessen Beendigung
vidadhyādvidhipūrvakam
vollziehe man vorschriftsgemäß

umāyāśca maheśasya sauvarṇī pratimādvayam / haimā raupyā mṛnmayāśca ghaṭāḥ pañcadaśottamāḥ

ein Paar goldener Bildgestalten von Umā und Maheśa, sowie fünfzehn vortreffliche Krüge aus Gold, Silber oder Ton,

Wort für Wort
umāyāśca maheśasya
von Umā und Maheśa
sauvarṇī pratimādvayam
ein Paar goldener Bildgestalten
haimā raupyā mṛnmayāśca
aus Gold, Silber oder Ton
ghaṭāḥ pañcadaśottamāḥ
fünfzehn vortreffliche Krüge

tatraikasminghaṭe sthāpyaṃ savastraṃ pratimādvayam / pañcāmṛtena saṃsrāpya jalaiḥ śuddhaistator'cayet

in einem dieser Krüge sei das Bildpaar samt Gewand aufzustellen; nachdem man es mit den fünf Ambrosia-Substanzen und mit reinem Wasser gebadet hat, verehre man es,

Wort für Wort
tatraikasminghaṭe sthāpyaṃ
in einem dieser Krüge sei aufzustellen
savastraṃ pratimādvayam
das Bildpaar samt Gewand
pañcāmṛtena saṃsrāpya
nachdem man es mit den fünf Ambrosia-Substanzen gebadet hat
jalaiḥ śuddhaistator'cayet
und mit reinem Wasser, verehre man es

upacāraiḥ ṣoḍaśabhistataḥ pañcadaśa dvijān / bhojayeccaiva miṣṭānnairdadyāttebhyaśca dakṣiṇām

mit sechzehn Verehrungsgaben; dann speise man fünfzehn Brahmanen mit süßer Speise und gebe ihnen Ehrengaben.

Wort für Wort
upacāraiḥ ṣoḍaśabhistataḥ
mit sechzehn Verehrungsgaben, dann
pañcadaśa dvijān bhojayeccaiva
speise man auch fünfzehn Brahmanen
miṣṭānnairdadyāttebhyaśca
mit süßer Speise, und gebe ihnen
dakṣiṇām
Ehrengaben

kuṃbhamekaikamīśasya mūrtyāḍhyaṃ guraver'payet / evaṃ kṛtvā vrataṃ caiva umāmāheśvarābhidham

je einen Krug des Herrn, reich (mit der Bildgestalt versehen), übergebe man dem Guru. Wer so das Umā-Maheśvara genannte Gelübde vollzogen hat,

Wort für Wort
kuṃbhamekaikamīśasya
je einen Krug des Herrn
mūrtyāḍhyaṃ guraver'payet
reich (mit der Bildgestalt), übergebe man dem Guru
evaṃ kṛtvā vrataṃ caiva
wer so das Gelübde vollzogen hat
umāmāheśvarābhidham
das 'Umā-Maheśvara' genannte

jāyate bhuvi vikhyāto nidhānaṃ sarvasaṃpadām / athāsminneva divase śakravratamapi smṛtam

der wird auf Erden berühmt, ein Schatzhaus allen Wohlstands. An eben diesem Tag ist auch das Śakra-(Indra-)Gelübde überliefert:

Wort für Wort
jāyate bhuvi vikhyātaḥ
der wird auf Erden berühmt
nidhānaṃ sarvasaṃpadām
ein Schatzhaus allen Wohlstands
athāsminneva divase
an eben diesem Tag
śakravratamapi smṛtam
ist auch das Śakra-Gelübde überliefert

prātaḥ snātvā vidhānena saṃpūjya suranāyakam / gandhādyaiṃrupacāraistu naivedyānāṃ ca rāśibhiḥ

morgens, nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat, verehre man den Führer der Götter mit Verehrungsgaben wie Duft usw. und mit Haufen von Speiseopfern,

Wort für Wort
prātaḥ snātvā vidhānena
morgens, nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat
saṃpūjya suranāyakam
verehre man den Führer der Götter
gandhādyairupacāraistu
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
naivedyānāṃ ca rāśibhiḥ
und mit Haufen von Speiseopfern

tato nimantritānviprānsaṃbhojya vidhivaddvija / samāgatāṃstathaivānyāndīnānāthāṃśca bhojayet

dann, nachdem man eingeladene Brahmanen vorschriftsmäßig gespeist hat, o Zweifachgeborener, speise man ebenso auch andere Versammelte, sowie Arme und Herrenlose.

Wort für Wort
tato nimantritānviprān
dann die eingeladenen Brahmanen
saṃbhojya vidhivaddvija
nachdem man vorschriftsmäßig gespeist hat, o Zweifachgeborener
samāgatāṃstathaivānyān
ebenso auch andere Versammelte
dīnānāthāṃśca bhojayet
und Arme und Herrenlose speise man

etacchakravrataṃ vipra kartavyaṃ prativārṣikam / rājñā vā dhaninānyena dhānyaniṣpattimicchatā

Dieses Śakra-Gelübde, o Brahmane, ist jährlich zu vollziehen, vom König oder einem anderen Reichen, der sich reichen Getreideertrag wünscht.

Wort für Wort
etacchakravrataṃ vipra
dieses Śakra-Gelübde, o Brahmane
kartavyaṃ prativārṣikam
ist jährlich zu vollziehen
rājñā vā dhaninānyena
vom König oder einem anderen Reichen
dhānyaniṣpattimicchatā
der sich Getreideertrag wünscht

āśvine māsi pūrṇāyāṃ vrataṃ kojāgarābhidham / tena snātvā vidhānena sopavāso jitendriyaḥ

Im Monat Āśvina, am Vollmond, gilt das Kojāgara genannte Gelübde: nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat, fastend, sinnbeherrscht,

Wort für Wort
āśvine māsi pūrṇāyāṃ
im Monat Āśvina, am Vollmond
vrataṃ kojāgarābhidham
gilt das Kojāgara genannte Gelübde
tena snātvā vidhānena
damit vorschriftsmäßig gebadet
sopavāso jitendriyaḥ
fastend, sinnbeherrscht

lakṣmīmabhyarcya sauvarṇīṃ ghaṭe saṃsthāpya tāmraje / mṛnmaye vā savastrāntāmupacāraiḥ pṛthagvidham

verehre man eine goldene Lakṣmī, aufgestellt in einem kupfernen oder tönernen Krug, samt Gewand, mit mancherlei Verehrungsgaben,

Wort für Wort
lakṣmīmabhyarcya sauvarṇīṃ
verehre man eine goldene Lakṣmī
ghaṭe saṃsthāpya tāmraje
aufgestellt in einem kupfernen Krug
mṛnmaye vā savastrāntām
oder tönernen, samt Gewand
upacāraiḥ pṛthagvidham
mit mancherlei Verehrungsgaben

tataḥ sāyantane kāle 'bhyudite tārakādhipe / haimānraupyānmṛnmayānvā ghṛtapūrṇānpradīpayet

dann, zur Abendzeit, wenn der Herr der Sterne aufgegangen ist, entzünde man goldene, silberne oder tönerne, mit Ghee gefüllte Lampen,

Wort für Wort
tataḥ sāyantane kāle
dann, zur Abendzeit
'bhyudite tārakādhipe
wenn der Herr der Sterne aufgegangen ist
haimānraupyānmṛnmayānvā
goldene, silberne oder tönerne
ghṛtapūrṇānpradīpayet
mit Ghee gefüllte, entzünde man

lakṣaṃ tadardhamayutaṃ sahasraṃ śatameva vā / ghṛtaśarkarasaṃmiśraṃ vipācya bahu pāyasam

hunderttausend, die Hälfte davon, zehntausend, tausend oder auch nur hundert; nachdem man reichlich Milchreis, vermischt mit Ghee und Zucker, gekocht hat,

Wort für Wort
lakṣaṃ tadardhamayutaṃ
hunderttausend, die Hälfte davon, zehntausend
sahasraṃ śatameva vā
tausend oder auch nur hundert
ghṛtaśarkarasaṃmiśraṃ
vermischt mit Ghee und Zucker
vipācya bahu pāyasam
nachdem man reichlich Milchreis gekocht hat

bahupātreṣu saṃsthāpya kaumudyāṃ śītadīdhiteḥ / yāmamātre gate rātryā lakṣmyai tadvinivedayet

in vielen Gefäßen aufgestellt, im Mondlicht des Kühlstrahligen, wenn eine Nachtwache vergangen ist, bringe man dies der Lakṣmī dar,

Wort für Wort
bahupātreṣu saṃsthāpya
in vielen Gefäßen aufgestellt
kaumudyāṃ śītadīdhiteḥ
im Mondlicht des Kühlstrahligen (Mondes)
yāmamātre gate rātryā
wenn eine Nachtwache der Nacht vergangen ist
lakṣmyai tadvinivedayet
bringe man dies der Lakṣmī dar

tataḥ saṃbhojayettena viprānbhaktyā tataśca taiḥ / sahaiva jāgaraṃ kuryyānnṛtyagītasumaṅgalaiḥ

dann speise man damit mit Hingabe die Brahmanen, und mit ihnen zusammen halte man Nachtwache, mit Tanz, Gesang und glückverheißenden (Klängen),

Wort für Wort
tataḥ saṃbhojayettena
dann speise man damit
viprānbhaktyā tataśca
die Brahmanen mit Hingabe, und dann
taiḥ sahaiva jāgaraṃ kuryāt
mit ihnen zusammen halte man Nachtwache
nṛtyagītasumaṅgalaiḥ
mit Tanz, Gesang und glückverheißenden (Klängen)

tato 'ruṇodaye snātvā tāṃ mūrtiṃ guraver'payet / asyāṃ rātrau mahālakṣmīrvarābhayakarāṃbujā

dann, bei Morgendämmerung, nachdem man gebadet hat, übergebe man jene Bildgestalt dem Guru. „In dieser Nacht wandert die große Lakṣmī, mit Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Handhaltung, mit Lotushänden,

Wort für Wort
tato 'ruṇodaye snātvā
dann, bei Morgendämmerung, gebadet
tāṃ mūrtiṃ guraver'payet
übergebe man jene Bildgestalt dem Guru
asyāṃ rātrau mahālakṣmīḥ
in dieser Nacht (wandert) die große Lakṣmī
varābhayakarāṃbujā
mit Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Handhaltung, mit Lotushänden

niśīthe carate loke ko jāgartiṃ dharātale / tasmai vittaṃ prayacchāmi jāgrate pūjakāya me

wandert um Mitternacht durch die Welt (und fragt): „Wer wacht auf der Erde?“ Dem gebe ich Reichtum, dem wachenden Verehrer von mir.“

Wort für Wort
niśīthe carate loke
um Mitternacht wandert sie durch die Welt
ko jāgartiṃ dharātale
wer wacht auf der Erde
tasmai vittaṃ prayacchāmi
dem gebe ich Reichtum
jāgrate pūjakāya me
dem wachenden Verehrer von mir

varṣe varṣe kṛtaṃ caitadvrataṃ lakṣmīpratoṣaṇam / samṛddhimaihikīṃ dadyāddvehānte pāralaukikīm

Dieses Jahr für Jahr vollzogene, Lakṣmī erfreuende Gelübde gewährt diesseitigen Wohlstand und nach dem Ende des Körpers den jenseitigen.

Wort für Wort
varṣe varṣe kṛtaṃ caitat
dieses Jahr für Jahr vollzogene
vrataṃ lakṣmīpratoṣaṇam
Gelübde, das Lakṣmī erfreut
samṛddhimaihikīṃ dadyāt
gewährt diesseitigen Wohlstand
dehānte pāralaukikīm
und nach dem Ende des Körpers den jenseitigen

kārtikyāṃ pūrṇimāyāṃ tu kuryātkārtikadarśanam / vipratvalabdhaye bhūyaḥ sarvaśatrujayāya ca

Am Vollmond des Kārtika aber vollziehe man den 'Kārtika-Anblick', zur Erlangung der Brahmanenschaft (in künftiger Geburt) und zum Sieg über alle Feinde,

Wort für Wort
kārtikyāṃ pūrṇimāyāṃ tu
am Vollmond des Kārtika aber
kuryātkārtikadarśanam
vollziehe man den 'Kārtika-Anblick'
vipratvalabdhaye bhūyaḥ
zur (wiederholten) Erlangung der Brahmanenschaft
sarvaśatrujayāya ca
und zum Sieg über alle Feinde

atraiva dīpadānena vidheyastripurotsavaḥ / niśāmukhe dvijaśreṣṭha sarvajīvasukhāvahaḥ

ebenfalls hier ist durch das Lampenspenden das Tripura-Fest zu vollziehen, bei Anbruch der Nacht, o Bester der Zweifachgeborenen, das allen Lebewesen Glück bringt.

Wort für Wort
atraiva dīpadānena
ebenfalls hier durch das Lampenspenden
vidheyastripurotsavaḥ
ist das Tripura-Fest zu vollziehen
niśāmukhe dvijaśreṣṭha
bei Anbruch der Nacht, o Bester der Zweifachgeborenen
sarvajīvasukhāvahaḥ
das allen Lebewesen Glück bringt

kīṭāḥ pataṅgā maśakāśca vṛkṣā jale sthale ye vicaranti jīvāḥ / dṛṣṭvā pradīpānnahi te 'pi janminaḥ punaśca muktiṃ hi labhanta eva ca

Würmer, Insekten und Mücken, Bäume, und die Lebewesen, die im Wasser oder auf dem Land umherwandeln — auch sie, die Geborenen, erlangen, nachdem sie die Lampen erblickt haben, wahrlich keine weitere Geburt mehr, sondern wahrlich die Erlösung.

Wort für Wort
kīṭāḥ pataṅgā maśakāśca vṛkṣā
Würmer, Insekten, Mücken und Bäume
jale sthale ye vicaranti jīvāḥ
die Lebewesen, die im Wasser oder auf dem Land umherwandeln
dṛṣṭvā pradīpānnahi te 'pi janminaḥ
auch sie, die Geborenen, erlangen, nachdem sie die Lampen erblickt haben, keine (weitere) Geburt mehr
punaśca muktiṃ hi labhanta eva ca
sondern wahrlich die Erlösung

atra candrodaye vipra saṃpūjyāḥ kṛttikāśca ṣaṭ

Hier, bei Mondaufgang, o Brahmane, sind die sechs Kṛttikās (Plejaden) zu verehren,

Wort für Wort
atra candrodaye vipra
hier, bei Mondaufgang, o Brahmane
saṃpūjyāḥ kṛttikāśca ṣaṭ
sind die sechs Kṛttikās zu verehren

[Anm.: Dieser Vers besteht in der Quelle nur aus einer einzigen Zeile (Halbvers).]

kārtikeyastathā khaḍgī varuṇaśca hutāśanaḥ / gandhapuṣpaistathā dhūpadīpairnaivedyevistaraiḥ

ebenso Kārttikeya, der Schwertträger [?], Varuṇa und Agni, mit Duft und Blumen, sowie mit Räucherwerk, Lampen und reichlichen Speiseopfern,

Wort für Wort
kārtikeyastathā khaḍgī [?]
ebenso Kārttikeya, der Schwertträger [?]
varuṇaśca hutāśanaḥ
und Varuṇa und Agni
gandhapuṣpaistathā
mit Duft und Blumen
dhūpadīpairnaivedyevistaraiḥ
sowie mit Räucherwerk, Lampen und reichlichen Speiseopfern

[?] „khaḍgī“ unklar in seinem genauen Bezug (Epitheton Kārttikeyas oder eine weitere zu verehrende Gestalt).

paramānnaiḥ phalaiḥ śākairvahnibrāhmaṇatarpaṇaiḥ / evaṃ devānsamabhyarcya dīpo deyo gṛhādbahiḥ

mit vorzüglicher Speise, Früchten, Gemüse, mit Opfergaben an Feuer und Brahmanen. Nachdem man so die Götter verehrt hat, sei eine Lampe außerhalb des Hauses zu geben,

Wort für Wort
paramānnaiḥ phalaiḥ śākaiḥ
mit vorzüglicher Speise, Früchten, Gemüse
vahnibrāhmaṇatarpaṇaiḥ
mit Opfergaben an Feuer und Brahmanen
evaṃ devānsamabhyarcya
nachdem man so die Götter verehrt hat
dīpo deyo gṛhādbahiḥ
sei eine Lampe außerhalb des Hauses zu geben

dīpopānte tathā gartaścaturasro manoharaḥ / caturddaṃśāṅgulaḥ kāryaḥ secyaścadanavāriṇā

und neben der Lampe sei eine viereckige, anmutige Grube zu machen, von vier [?] Fingerbreiten, zu besprengen mit Sandelwasser,

Wort für Wort
dīpopānte tathā gartaḥ
und neben der Lampe eine Grube
caturasro manoharaḥ
viereckig, anmutig
caturddaṃśāṅgulaḥ kāryaḥ [?]
von vier Fingerbreiten zu machen [?]
secyaścadanavāriṇā
zu besprengen mit Sandelwasser

[?] Genaue Maßangabe („caturddaṃśāṅgulaḥ“) unklar.

gavāṃ kṣīreṇa saṃpūrya haimaṃ tatra vinikṣipet / muktānetrasamāyuktaṃ matsyaṃ sarvāṅgaśobhanam

nachdem man sie mit Kuhmilch gefüllt hat, lege man dort einen goldenen Fisch hinein, mit Perlenaugen versehen, an allen Gliedern schön,

Wort für Wort
gavāṃ kṣīreṇa saṃpūrya
nachdem man sie mit Kuhmilch gefüllt hat
haimaṃ tatra vinikṣipet
lege man dort einen goldenen (Fisch) hinein
muktānetrasamāyuktaṃ
mit Perlenaugen versehen
matsyaṃ sarvāṅgaśobhanam
einen Fisch, an allen Gliedern schön

mahāmatsyāya ca nama iti mantraṃ samuccaran / gandhādyaistatra saṃpūjya dvijāya pratipādayet

und spreche den Mantra: „Verehrung dem großen Fisch“; nachdem man dort mit Duft usw. verehrt hat, übergebe man ihn einem Brahmanen.

Wort für Wort
mahāmatsyāya ca nama iti
'Verehrung dem großen Fisch' so
mantraṃ samuccaran
den Mantra sprechend
gandhādyaistatra saṃpūjya
nachdem man dort mit Duft usw. verehrt hat
dvijāya pratipādayet
übergebe man ihn einem Brahmanen

kṣīrasāgaradānaṃ te mayoktaṃ dvijasattama / dānasyāsya prabhāveṇa modate harisannidhau

Die Milchmeer-Spende ist dir von mir gelehrt worden, o Bester der Zweifachgeborenen. Durch die Macht dieser Spende freut man sich in Haris Nähe.

Wort für Wort
kṣīrasāgaradānaṃ te
die Milchmeer-Spende dir
mayoktaṃ dvijasattama
von mir gelehrt, o Bester der Zweifachgeborenen
dānasyāsya prabhāveṇa
durch die Macht dieser Spende
modate harisannidhau
freut man sich in Haris Nähe

atra kṛttvā vṛṣotsargaṃ vrataṃ naktaṃ ca nārada / rudralokamavāpnoti nātra kāryā vicāraṇā

Wer hier die Stier-Freilassung vollzieht und dabei das Nachtspeise-Gelübde, erlangt Rudras Welt — daran ist nicht zu zweifeln.

Wort für Wort
atra kṛttvā vṛṣotsargaṃ
wer hier die Stier-Freilassung vollzieht
vrataṃ naktaṃ ca nārada
und das Nachtspeise-Gelübde, o Nārada
rudralokamavāpnoti
erlangt Rudras Welt
nātra kāryā vicāraṇā
daran ist nicht zu zweifeln

mārgaśīrṣyā pūrṇimāyāṃ svarṇāḍhyaṃ lavaṇāḍhakam / devaṃ viprāya śāntāya sarvakāmasamṛddhaye

Am Vollmond des Mārgaśīrṣa gebe man ein Āḍhaka Salz, reich an Gold, einem friedvollen Brahmanen, zur Erfüllung aller Wünsche.

Wort für Wort
mārgaśīrṣyā pūrṇimāyāṃ
am Vollmond des Mārgaśīrṣa
svarṇāḍhyaṃ lavaṇāḍhakam
ein Āḍhaka Salz, reich an Gold
devaṃ viprāya śāntāya
(gebe man dem) Gott, einem friedvollen Brahmanen
sarvakāmasamṛddhaye
zur Erfüllung aller Wünsche

idaṃ jagatpurā lakṣmyā tyaktamāsīttato hariḥ / purandaraśca somaśca tathā tiṣyo bṛhaspatiḥ

Diese Welt war einst von Lakṣmī verlassen; dann Hari, Purandara, Soma, ebenso Tiṣya und Bṛhaspati,

Wort für Wort
idaṃ jagatpurā lakṣmyā
diese Welt war einst von Lakṣmī
tyaktamāsīttato hariḥ
verlassen; dann Hari
purandaraśca somaśca
und Purandara und Soma
tathā tiṣyo bṛhaspatiḥ
ebenso Tiṣya und Bṛhaspati

pañcaite puṣyayuktāyāṃ paurṇamāsyāṃ jagadbalāt / alaṅkṛtaṃ punaścakuḥ saubhāgyotsavakelibhiḥ

diese fünf machten am mit dem Nakṣatra Puṣya verbundenen Vollmond, mit Kraft, die Welt wieder geschmückt, durch das Fest-Spiel des Glücks,

Wort für Wort
pañcaite puṣyayuktāyāṃ
diese fünf, am mit Puṣya verbundenen
paurṇamāsyāṃ jagadbalāt
Vollmond, mit Kraft, die Welt
alaṅkṛtaṃ punaścakuḥ
machten wieder geschmückt
saubhāgyotsavakelibhiḥ
durch das Fest-Spiel des Glücks

tasmānnaraḥ puṣyayoge sarvasaubhāgyavṛddhaye / gaurasarṣapakalkena samālabhya svakāṃ tanum

deshalb salbe der Mensch, bei der Puṣya-Konjunktion, zur Mehrung allen Glücks, seinen eigenen Körper mit weißer Senfkörnerpaste,

Wort für Wort
tasmānnaraḥ puṣyayoge
deshalb der Mensch, bei der Puṣya-Konjunktion
sarvasaubhāgyavṛddhaye
zur Mehrung allen Glücks
gaurasarṣapakalkena
mit weißer Senfkörnerpaste
samālabhya svakāṃ tanum
salbe seinen eigenen Körper

snāyātsarvauṃṣadhijalairdhārayecca navāṃśuke / dṛṣṭvā ca maṅgalaṃ dravyaṃ spṛṣṭvā natvā tator'cayet

bade mit Wasser aller Heilkräuter und trage neue Gewänder; nachdem man ein glückverheißendes Ding erblickt und berührt und sich verneigt hat, verehre man dann,

Wort für Wort
snāyātsarvauṣadhijalaiḥ
bade mit Wasser aller Heilkräuter
dhārayecca navāṃśuke
und trage neue Gewänder
dṛṣṭvā ca maṅgalaṃ dravyaṃ
nachdem man ein glückverheißendes Ding erblickt hat
spṛṣṭvā natvā tator'cayet
berührt, sich verneigt, verehre man dann

hariśakrendupuṣyejyāngandhādyarupacārakaiḥ / vidhāya homaṃ viprāṃśca tarpayetpāyasāśanaiḥ

Hari, Indra, den Mond, und die durch Puṣya zu Verehrenden [?], mit Verehrungsgaben wie Duft usw.; nachdem man das Feueropfer vollzogen hat, befriedige man die Brahmanen mit dem Genuss von Milchreis.

Wort für Wort
harisakrendupuṣyejyān [?]
Hari, Indra, den Mond, (und die durch) Puṣya (zu Verehrenden) [?]
gandhādyairupacārakaiḥ
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
vidhāya homaṃ viprāṃśca
nachdem man das Feueropfer vollzogen hat, und die Brahmanen
tarpayetpāyasāśanaiḥ
befriedige man mit dem Genuss von Milchreis

[?] „puṣyejyān“ unklar in genauer Referenz (evtl. eine mit dem Nakṣatra Puṣya verbundene Gottheit).

etatkṛtvā vrataṃ vipra ramāprītivivarddhanam / alakṣmīnāśanaṃ caiva modateha paratra ca

Wer dieses Gelübde vollzieht, o Brahmane, das die Liebe der Ramā mehrt und das Unglück vernichtet, freut sich hienieden und im Jenseits.

Wort für Wort
etatkṛtvā vrataṃ vipra
wer dieses Gelübde vollzieht, o Brahmane
ramāprītivivarddhanam
das die Liebe der Ramā mehrt
alakṣmīnāśanaṃ caiva
und das Unglück vernichtet
modateha paratra ca
freut sich hienieden und im Jenseits

paurṇamāsyāṃ tato mādhyāṃ tilakārpāsakaṃbalam / ratnāni kañcukoṣṇīṣapādatrāṇāni vā dhanam

Am folgenden Vollmond, dem des Māgha, spende man Sesam, Baumwolle, eine Decke, Juwelen, ein Hemd, einen Turban, Schuhe oder Geld,

Wort für Wort
paurṇamāsyāṃ tato mādhyāṃ
am folgenden Vollmond, dem des Māgha
tilakārpāsakaṃbalam
Sesam, Baumwolle, eine Decke
ratnāni kañcukoṣṇīṣa-
Juwelen, ein Hemd, einen Turban
pādatrāṇāni vā dhanam
Schuhe oder Geld

datvā pramodate svarge dānaṃ vittānusārataḥ / yastvatra śaṅkaraṃ devaṃ pūjayedvidhipūrvakam

und freut sich, nachdem man gegeben hat, im Himmel — die Spende je nach Vermögen. Wer hier den Gott Śaṅkara vorschriftsgemäß verehrt,

Wort für Wort
datvā pramodate svarge
nachdem man gegeben hat, freut man sich im Himmel
dānaṃ vittānusārataḥ
die Spende je nach Vermögen
yastvatra śaṅkaraṃ devaṃ
wer hier den Gott Śaṅkara
pūjayedvidhipūrvakam
vorschriftsgemäß verehrt

so 'śvamedhaphalaṃ prāpyaviṣṇuloke mahīyate / phaālgune pūrṇimāyāṃ tu holikāpūjanaṃ matam

der erlangt die Frucht des Pferdeopfers und wird in Viṣṇus Welt erhaben. Am Vollmond des Phālguna aber gilt die Verehrung der Holikā als gelehrt:

Wort für Wort
so 'śvamedhaphalaṃ prāpya
der, nachdem er die Frucht des Pferdeopfers erlangt hat
viṣṇuloke mahīyate
wird in Viṣṇus Welt erhaben
phālgune pūrṇimāyāṃ tu
am Vollmond des Phālguna aber
holikāpūjanaṃ matam
gilt die Verehrung der Holikā als gelehrt

saṃcayaṃ sarvakāṣṭhānāmupalānāṃ ca kārayet / tatrāgniṃ vidhivaddhrutvā rakṣoghnairmantravistaraiḥ

man lasse eine Anhäufung aller Hölzer und Dungfladen [?] machen; dort, nachdem man vorschriftsgemäß Feuer geopfert hat, mit den ausführlichen, Dämonen abwehrenden Mantras,

Wort für Wort
saṃcayaṃ sarvakāṣṭhānām
eine Anhäufung aller Hölzer
upalānāṃ ca kārayet [?]
und Dungfladen [?] lasse man machen
tatrāgniṃ vidhivaddhrutvā
dort, nachdem man vorschriftsgemäß Feuer geopfert hat
rakṣoghnairmantravistaraiḥ
mit den ausführlichen, Dämonen abwehrenden Mantras

[?] „upalānām“ hier vermutlich im Sinn von getrockneten Kuhdungfladen (üblichem Brennmaterial beim Holikā-Feuer) verstanden.

asṛkpābhayasaṃtrastaiḥ kṛtā tvaṃ holi bāliśaiḥ / atastvāṃ pūjayiṣyāmi bhūte bhūtipradā bhava

„Von den Blut-Trinkern [Dämonen] in Furcht versetzt, wurdest du, Holī, von den Törichten gemacht; deshalb werde ich dich verehren; sei, o Wesen, Gewährerin des Gedeihens.“

Wort für Wort
asṛkpābhayasaṃtrastaiḥ
von den Blut-Trinkern in Furcht versetzt
kṛtā tvaṃ holi bāliśaiḥ
wurdest du, Holī, von den Törichten gemacht
atastvāṃ pūjayiṣyāmi
deshalb werde ich dich verehren
bhūte bhūtipradā bhava
sei, o Wesen, Gewährerin des Gedeihens

iti mantreṇa sandīpya kāṣṭhādikṣepaṇaistataḥ / parikramyotsavaḥ kāryyo gītavāditraniḥsvanaiḥ

so, mit diesem Mantra entzündend, dann durch das Hineinwerfen von Holz usw., und nach dem Umschreiten, ist das Fest mit dem Klang von Gesang und Instrumentalmusik zu vollziehen,

Wort für Wort
iti mantreṇa sandīpya
so, mit diesem Mantra entzündend
kāṣṭhādikṣepaṇaistataḥ
durch das Hineinwerfen von Holz usw. dann
parikramya
und nach dem Umschreiten
utsavaḥ kāryyo gītavāditraniḥsvanaiḥ
ist das Fest mit dem Klang von Gesang und Instrumentalmusik zu vollziehen

holikā rākṣasī ceyaṃ prahlādabhayadāyinī / tatastāṃ pradahṝntyevaṃ kāṣṭhādyairgītamaṅgalaiḥ

Diese Holikā ist ja eine Rākṣasī, die dem Prahlāda Furcht einflößte; dann verbrennt man sie so mit Holz usw., mit Gesang und glückverheißenden Klängen.

Wort für Wort
holikā rākṣasī ceyaṃ
diese Holikā ist ja eine Rākṣasī
prahlādabhayadāyinī
die dem Prahlāda Furcht einflößte
tatastāṃ pradahṝntyevaṃ
dann verbrennt man sie so
kāṣṭhādyairgītamaṅgalaiḥ
mit Holz usw., mit Gesang und glückverheißenden (Klängen)

saṃvatsarasya dāho 'yaṃ kāmadāho matāntare / iti jānīhi viprendra loke sthitiranekadhā

Dies ist die Verbrennung des Jahres, nach anderer Ansicht die Verbrennung des Kāma (Liebesgottes); so wisse, o Fürst der Brahmanen: die Auffassung in der Welt ist mannigfach.

Wort für Wort
saṃvatsarasya dāho 'yaṃ
dies ist die Verbrennung des Jahres
kāmadāho matāntare
die Verbrennung des Kāma, nach anderer Ansicht
iti jānīhi viprendra
so wisse, o Fürst der Brahmanen
loke sthitiranekadhā
die Auffassung in der Welt ist mannigfach

pakṣānte dve pṛthagvaive tato 'māvratamucyate / pṛthakchṛṇuṣva me vipra pitṝṇāmativallabham

Am Ende der beiden Monatshälften gibt es zwei getrennt (zu behandelnde Tage); dann wird das Neumond-Gelübde genannt: höre einzeln von mir, o Brahmane, das den Ahnen sehr Liebe,

Wort für Wort
pakṣānte dve pṛthagvaive
am Ende der beiden Monatshälften, zwei getrennt
tato 'māvratamucyate
dann wird das Neumond-Gelübde genannt
pṛthakchṛṇuṣva me vipra
höre einzeln von mir, o Brahmane
pitṝṇāmativallabham
das den Ahnen sehr Liebe

caitravaiśākhayostatra darśe pitṛsamarcanam / pārvaṇena vidhānena śrāddhaṃ vittānusārataḥ

im Caitra und Vaiśākha ist dort, am Neumond, die Ahnenverehrung zu vollziehen, nach der Pārvaṇa-Vorschrift, das Śrāddha, nach Vermögen,

Wort für Wort
caitravaiśākhayostatra
im Caitra und Vaiśākha dort
darśe pitṛsamarcanam
am Neumond die Ahnenverehrung
pārvaṇena vidhānena
nach der Pārvaṇa-Vorschrift
śrāddhaṃ vittānusārataḥ
das Śrāddha, nach Vermögen

dvijānāṃ bhojanaṃ dānaṃ gavādīnāṃ viśeṣataḥ / sarvamāseṣvamāyāṃ vai bahupuṇyapradaṃ yataḥ

die Speisung der Brahmanen, die Spende von Kühen usw. insbesondere; in allen Monaten am Neumond ist dies ja reich an Verdienst gewährend.

Wort für Wort
dvijānāṃ bhojanaṃ dānaṃ
die Speisung der Brahmanen, die Spende
gavādīnāṃ viśeṣataḥ
von Kühen usw. insbesondere
sarvamāseṣvamāyāṃ vai
in allen Monaten am Neumond ja
bahupuṇyapradaṃ yataḥ
ist reich an Verdienst gewährend

jyeṣṭhāmāyāṃ vrataṃ proktaṃ sāvitryāḥ kasya nārada / vidhānaṃ jyeṣṭhapūrṇāvadihāpi parikīrtitam

Am Neumond des Jyeṣṭha ist ein Gelübde der Sāvitrī gelehrt, wessen [?], o Nārada — dessen Vorschrift wird auch hier wie beim Vollmond des Jyeṣṭha verkündet.

Wort für Wort
jyeṣṭhāmāyāṃ vrataṃ proktaṃ
am Neumond des Jyeṣṭha ist ein Gelübde gelehrt
sāvitryāḥ kasya nārada [?]
der Sāvitrī, wessen [?], o Nārada
vidhānaṃ jyeṣṭhapūrṇāvat
dessen Vorschrift wie beim Vollmond des Jyeṣṭha
ihāpi parikīrtitam
wird auch hier verkündet

[?] „kasya“ ('wessen') unklar im Satzbau; möglicherweise Textverderbnis.

śucau nabhasi bhādre ca māse pūrṇāntike dvija / pitṛśrāddhaṃ dānahomasurārcānantyaśnute

Im Śuci, im Nabhas und im Bhādra-Monat, jeweils am Ende des Halbmonats, o Zweifachgeborener, erlangen Ahnen-Śrāddha, Spende, Feueropfer und Götterverehrung Unendlichkeit an Frucht.

Wort für Wort
śucau nabhasi bhādre ca māse
im Śuci, im Nabhas und im Bhādra-Monat
pūrṇāntike dvija
jeweils am Ende des Halbmonats, o Zweifachgeborener
pitṛśrāddhaṃ dānahoma-
Ahnen-Śrāddha, Spende, Feueropfer
surārcānantyaśnute
und Götterverehrung erlangen Unendlichkeit

bhādradarśe 'parāhne tu tilakṣetrasamudbhavān / viriñcimanunāmantrya huṃphaṭ chinnānkuśān dvija

Am Neumond des Bhādra, in der Nachmittagszeit aber, die aus einem Sesamfeld entstandenen [?] Kuśa-Halme, mit dem Viriñci-Mantra angerufen, mit „Hum Phaṭ“ abgeschnitten, o Zweifachgeborener,

Wort für Wort
bhādradarśe 'parāhne tu
am Neumond des Bhādra, in der Nachmittagszeit aber
tilakṣetrasamudbhavān [?]
die aus einem Sesamfeld entstandenen [?]
viriñcimanunāmantrya
mit dem Viriñci-Mantra angerufen
huṃphaṭ chinnānkuśān dvija
mit 'Hum Phaṭ' abgeschnittene Kuśa-Halme, o Zweifachgeborener

[?] Der genaue Bezug von „tilakṣetrasamudbhavān“ (auf besonders gesammelte Kuśa-Halme) bleibt unsicher.

sarvadā sarvakāryeṣu yojayedekadāparān / iṣāmāyāṃ viśeṣaṇa pitṝṇāṃ śrāddhatarpaṇam

verwende man stets, bei allen Handlungen, einmal (gesammelt) in der Folge. Am Neumond des Iṣa insbesondere (vollziehe man) das Śrāddha und die Wasserspende für die Ahnen,

Wort für Wort
sarvadā sarvakāryeṣu
stets, bei allen Handlungen
yojayedekadāparān
verwende man einmal (gesammelt) in der Folge
iṣāmāyāṃ viśeṣaṇa
am Neumond des Iṣa insbesondere
pitṝṇāṃ śrāddhatarpaṇam
das Śrāddha und die Wasserspende für die Ahnen

vidheyaṃ jāhnavītoye muktidaṃ ca gayāsthale / ūrjjāmāyāṃ dīpadānaṃ devā gāragṛheṣu ca

zu vollziehen im Wasser der Jāhnavī, Erlösung gewährend, und am Ort Gayā. Am Neumond des Ūrja gilt die Lampenspende an die Götter, in Häusern [?] und

Wort für Wort
vidheyaṃ jāhnavītoye
zu vollziehen im Wasser der Jāhnavī
muktidaṃ ca gayāsthale
Erlösung gewährend, und am Ort Gayā
ūrjjāmāyāṃ dīpadānaṃ
am Neumond des Ūrja die Lampenspende
devā gāragṛheṣu ca [?]
an die Götter, in Häusern [?] und

[?] „gāragṛheṣu“ unklar; evtl. Bezug auf Gotteshäuser oder einen weiteren Ort gemeint.

nadyārāmataḍāgeṣu caityagoṣṭhāpaṇeṣu ca / samarcanaṃ tathā lakṣmyāḥ svarṇaraupye kṛtākṛte

an Flüssen, Gärten, Teichen, an heiligen Bäumen, Kuhställen und Marktplätzen; ebenso die Verehrung der Lakṣmī, sei sie aus Gold oder Silber gefertigt oder ungefertigt,

Wort für Wort
nadyārāmataḍāgeṣu
an Flüssen, Gärten, Teichen
caityagoṣṭhāpaṇeṣu ca
an heiligen Bäumen, Kuhställen und Marktplätzen
samarcanaṃ tathā lakṣmyāḥ
ebenso die Verehrung der Lakṣmī
svarṇaraupye kṛtākṛte
aus Gold oder Silber, gefertigt oder ungefertigt

dyūtaṃ ca varṣaphaladaṃ jaye cāpiparājaye / gavāṃ pūjātra vihitā śṛṅgādyaṅgānurañjanaiḥ

und das Würfelspiel, das die Frucht des Jahres (voraus)gibt, bei Sieg oder auch Niederlage; die Verehrung der Kühe ist hier vorgeschrieben, mit dem Färben der Hörner und anderer Glieder,

Wort für Wort
dyūtaṃ ca varṣaphaladaṃ
und das Würfelspiel, das die Frucht des Jahres gibt
jaye cāpiparājaye
bei Sieg oder auch Niederlage
gavāṃ pūjātra vihitā
die Verehrung der Kühe ist hier vorgeschrieben
śṛṅgādyaṅgānurañjanaiḥ
mit dem Färben der Hörner und anderer Glieder

yavasānnādidānaiśca namaskārapradakṣiṇaiḥ / mārge 'pi pitṛpūjā syācchraddhairbrāhmaṇabhojanaiḥ

mit Spenden von Gerste, Speise usw., mit Verneigung und Umschreitung; auch auf dem Weg findet Ahnenverehrung statt, mit gläubiger Speisung von Brahmanen,

Wort für Wort
yavasānnādidānaiśca
mit Spenden von Gerste, Speise usw.
namaskārapradakṣiṇaiḥ
mit Verneigung und Umschreitung
mārge 'pi pitṛpūjā syāt
auch auf dem Weg findet Ahnenverehrung statt
śraddhairbrāhmaṇabhojanaiḥ
mit gläubiger Speisung von Brahmanen

brahmacaryādi niyamairjapahomārcanādibhiḥ / pauṣe māghe ca viprendra pitṛśrāddhaṃ phalādhikam

mit Enthaltsamkeit und anderen Gelübdepflichten, mit Murmelgebet, Feueropfer, Verehrung usw. Im Pauṣa und im Māgha, o Fürst der Brahmanen, ist das Ahnen-Śrāddha von größerer Frucht,

Wort für Wort
brahmacaryādi niyamaiḥ
mit Enthaltsamkeit und anderen Gelübdepflichten
japahomārcanādibhiḥ
mit Murmelgebet, Feueropfer, Verehrung usw.
pauṣe māghe ca viprendra
im Pauṣa und im Māgha, o Fürst der Brahmanen
pitṛśrāddhaṃ phalādhikam
ist das Ahnen-Śrāddha von größerer Frucht

amāyāṃ karṇapātārkayuktāyāṃ tu gayādhikam / phaālgune kevalaṃ śrāddhaṃ dvijānāṃ bhojanaṃ tathā

am Neumond, der mit Karṇapāta [?] und mit der Sonne verbunden ist, aber ist die Frucht größer als die von Gayā. Im Phālguna genügt allein das Śrāddha, ebenso die Speisung der Brahmanen,

Wort für Wort
amāyāṃ karṇapātārkayuktāyāṃ tu [?]
am Neumond, der mit Karṇapāta und der Sonne verbunden ist, aber [?]
gayādhikam
(ist die Frucht) größer als die von Gayā
phālgune kevalaṃ śrāddhaṃ
im Phālguna genügt allein das Śrāddha
dvijānāṃ bhojanaṃ tathā
ebenso die Speisung der Brahmanen

[?] „karṇapāta“ unklar in seiner genauen astronomischen Bedeutung.

dānādi sarvaphaladaṃ darśe some 'dhikaṃ phalam / itthaṃ saṃkṣepataḥ proktaṃ tithikṛtyaṃ mune tava

Spende usw. gewährt alle Früchte; am Neumond, der mit dem Mond (verbunden ist), ist die Frucht noch größer. So ist dir, o Weiser, in Kürze das an den Tithis zu Vollziehende verkündet worden.

Wort für Wort
dānādi sarvaphaladaṃ
Spende usw. gewährt alle Früchte
darśe some 'dhikaṃ phalam
am Neumond, der mit dem Mond (verbunden ist), ist die Frucht größer
itthaṃ saṃkṣepataḥ proktaṃ
so ist in Kürze verkündet worden
tithikṛtyaṃ mune tava
das an den Tithis zu Vollziehende, o Weiser, dir

sarvatrāpi viśeṣo 'sti sa purāṇāntare sthitaḥ

Überall gibt es auch Besonderheiten; diese sind in einem anderen Purāṇa enthalten.

Wort für Wort
sarvatrāpi viśeṣo 'sti
überall gibt es auch Besonderheiten
sa purāṇāntare sthitaḥ
diese sind in einem anderen Purāṇa enthalten

[Anm.: Dieser Vers besteht in der Quelle nur aus einer einzigen Zeile (Halbvers); das Kapitel — und damit der Zwölf-Tithi-Vrata-Kalenderzyklus der Kap. 112–123 — endet hiermit.]

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