Kapitel 123: pūrṇimāmāvāsyāvratāni
Die Gelübde von Vollmond und Neumond (Pūrṇimā und Amāvāsyā)
[Anm.: Das im Rohtext vor V1 stehende Kolophon lautet '...dvādaśamāsasthitacaturdaśīvratavarṇanam...' und bezeichnet damit fälschlich das caturdaśī-Gelübde (Thema des vorhergehenden Kapitels 122); das vorliegende Kapitel 123 behandelt Gelübde von Vollmond (V1–81) und Neumond (V82–96) und schließt damit den Zwölf-Tithi-Kalenderzyklus (Kap. 112–123) ab. Zum systematischen Verschiebungsmuster der Kolophone in Kap. 120–123 siehe die Anmerkung zu Kap. 120. – Die Verse 28, 59 und 96 bestehen in der Quelle jeweils nur aus einem einzigen Halbvers.]
Sanātana sprach: Nun, Nārada, werde ich verkünden — höre — dir die Gelübde des Vollmonds, durch deren Vollzug Mann oder Frau eine Fülle von Glück erlangt.
Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
atha nārada vakṣyāmi śṛṇu
nun, Nārada, werde ich verkünden, höre
pūrṇāvratāni te
dir die Gelübde des Vollmonds
yāni kṛtvā naro nārī prāpnuyātsukhasaṃtatim
durch deren Vollzug Mann oder Frau eine Fülle von Glück erlangt
caitrapūrṇā tu viprendra manvādiḥ samudāhṛtā / asyāṃ sānnodakaṃ kuṃbhaṃ pradadyātsomatuṣṭaye
Der Vollmond des Caitra aber, o Fürst der Brahmanen, wird als Manvādi bezeichnet. An diesem gebe man einen Krug samt Speise und Wasser, zur Zufriedenstellung des Mondes.
Wort für Wort
caitrapūrṇā tu viprendra
der Vollmond des Caitra aber, o Fürst der Brahmanen
sarvaśāstravide saptadvīpabhūmipradaḥ sa vai / modate viṣṇu loke hi yāvaccandrārkatārakam
einem in allen Śāstras Bewanderten, der wird ja zum Geber der siebenteiligen Erde und freut sich in Viṣṇus Welt, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen.
jagatpūjye jaganmātaḥ sāvitri patidaivate / patyā sahāviyogaṃ me vaṭasthe kuru te namaḥ
„O von der Welt Verehrte, Mutter der Welt, Sāvitrī, du, deren Gottheit der Gatte ist, gewähre mir Untrennbarkeit von meinem Gatten, du im Banyanbaum Weilende — Verehrung sei dir!“
Wort für Wort
jagatpūjye jaganmātaḥ
o von der Welt Verehrte, Mutter der Welt
sāvitri patidaivate
Sāvitrī, du, deren Gottheit der Gatte ist
patyā sahāviyogaṃ me
Untrennbarkeit mit dem Gatten mir
vaṭasthe kuru te namaḥ
gewähre, du im Banyanbaum Weilende, Verehrung sei dir
den Ācārya stelle man mit Gewändern, Schmuck usw. zufrieden, liebevollen Sinnes; man speise mit süßer, gekochter Speise auch andere Brahmanen, nach Vermögen.
Wer so das Gelübde vollzogen hat, o Brahmane, erlangt durch die Gnade des Gatten der Lotus(göttin) die diesseitigen und jenseitigen Wünsche — daran ist kein Zweifel.
pūrṇāntaṃ śrāvaṇe māsi gaurīrūpāṃ ca kokilām / svarṇapakṣāṃ ratnanetrāṃ pravālamukhapaṅkajām
bis zum Vollmond, im Monat Śrāvaṇa, (verehre man) den Kuckuck in Gaurīs Gestalt, mit goldenen Flügeln, Juwelenaugen, korallrotem Schnabel und Lotusgesicht,
dann, am Ende des Gelübdes, eine goldene oder aus Sesammehl gefertigte (Bildgestalt), o Zweifachgeborener, gebe man einem Brahmanen mit Mantra, mit Hingabe, samt goldener Ehrengabe,
dann speise man dreißig verheiratete Frauen oder eine, samt Brahmanen; nachdem man nach Vermögen Ehrengabe von Gewand usw. gegeben und sich verneigt hat, entlasse man sie.
Wort für Wort
dvijaṃ suvāsinīstriṃśadekāṃ vā
einen Brahmanen, dreißig verheiratete Frauen oder eine
Am Vollmond des Śrāvaṇa ist der Beginn des Vedastudiums überliefert; mit den Yajus-(Formeln) ist dort die Wasserspende für Götter, Weise und Ahnen zu vollziehen,
ṛṣīṇāṃ pūjanaṃ cāpi svaśākhoktavidhānataḥ / bahavṛcaistu caturdvaśyāṃ sāmagairbhādrage kare
sowie auch die Verehrung der Weisen, nach der in der eigenen Schule gelehrten Vorschrift; von den Ṛgveda-Anhängern aber an der Caturdaśī, von den Sāmaveda-Sängern im Monat Bhādra(pada),
Wort für Wort
ṛṣīṇāṃ pūjanaṃ cāpi
auch die Verehrung der Weisen
svaśākhoktavidhānataḥ
nach der in der eigenen Schule gelehrten Vorschrift
siddhārthākṣatarājikāśca vidhṛtā raktāṃśukāṃśe sitāḥ kausuṃbhena ca tantunātha salilaiḥ prakṣālya kāṃsye dhṛtāḥ / gandhādyairabhipūjya devanikarānsaṃprārthya viṣṇvādikānbadhnīyāddvijahastataḥ pramudito natvā prakoṣṭhe svake
Weiße Senfkörner, ungeschälter Reis und schwarze Senfkörner, in ein Stück roten Stoffes gehüllt, oder weiße, mit Färberdistel-Farbe (gefärbte), mit Wasser gewaschen und in einem Bronzegefäß gehalten — nachdem man sie mit Duft usw. verehrt und die von Viṣṇu angeführte Schar der Götter gebeten hat, binde man sich (die Schutzschnur), erfreut, sich verneigend, aus der Hand eines Brahmanen an das eigene Handgelenk.
Wort für Wort
siddhārthākṣatarājikāśca vidhṛtā
weiße Senfkörner, ungeschälter Reis und schwarze Senfkörner, gehalten
raktāṃśukāṃśe sitāḥ kausuṃbhena ca
in rotem Stoffstück, oder weiße, mit Färberdistel-Farbe
tantunātha salilaiḥ prakṣālya kāṃsye dhṛtāḥ [?]
mit Wasser gewaschen, in einem Bronzegefäß gehalten [?]
nachdem man mit Duft usw. verehrt und die Schar der Götter, Viṣṇu voran, gebeten hat
badhnīyāddvijahastataḥ pramudito natvā prakoṣṭhe svake
binde man sich, erfreut, sich verneigend, aus der Hand eines Brahmanen an das eigene Handgelenk
[?] Der Vers ist in einem langen, teils unklaren Kompositum überliefert; insbesondere „tantunātha“ bleibt unsicher (wörtl. 'Herr des Fadens'); die Übersetzung ist sinngemäß rekonstruiert.
tatastu dakṣiṇāṃ datvā dvijebhyo 'dhyāyamācaret / visṛjya ca ṛṣīnsapta dhārayedbrahmasūtrakam
dann, nachdem man den Brahmanen eine Ehrengabe gegeben hat, vollziehe man das Studium; und nachdem man die sieben Ṛṣis entlassen hat, trage man die heilige Schnur,
kṛte hyasminvrate vipra vārṣikaṃ karmaṃ vaidikam / vismṛtaṃ vidhihīnaṃ ca na kṛtaṃ sukṛtaṃ bhavet
Wenn dieses Gelübde vollzogen ist, o Brahmane, wird das jährliche vedische Ritual, auch wenn es vergessen, vorschriftswidrig oder gar nicht vollzogen wurde, dennoch als wohlvollzogen gelten.
Wort für Wort
kṛte hyasminvrate vipra
wenn dieses Gelübde vollzogen ist, o Brahmane
vārṣikaṃ karmaṃ vaidikam
das jährliche vedische Ritual
vismṛtaṃ vidhihīnaṃ ca
auch wenn vergessen oder vorschriftswidrig
na kṛtaṃ sukṛtaṃ bhavet
oder nicht vollzogen, wird (dennoch) wohlvollzogen
in der Nacht, nachdem man nahe dem Gott geschlafen hat, in der letzten Nachtwache aufgestanden, nach Vollzug der Morgenriten, Asche und Rudrākṣa tragend, dann,
in einem dieser Krüge sei das Bildpaar samt Gewand aufzustellen; nachdem man es mit den fünf Ambrosia-Substanzen und mit reinem Wasser gebadet hat, verehre man es,
Wort für Wort
tatraikasminghaṭe sthāpyaṃ
in einem dieser Krüge sei aufzustellen
savastraṃ pratimādvayam
das Bildpaar samt Gewand
pañcāmṛtena saṃsrāpya
nachdem man es mit den fünf Ambrosia-Substanzen gebadet hat
prātaḥ snātvā vidhānena saṃpūjya suranāyakam / gandhādyaiṃrupacāraistu naivedyānāṃ ca rāśibhiḥ
morgens, nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat, verehre man den Führer der Götter mit Verehrungsgaben wie Duft usw. und mit Haufen von Speiseopfern,
Wort für Wort
prātaḥ snātvā vidhānena
morgens, nachdem man sich vorschriftsmäßig gebadet hat
tato nimantritānviprānsaṃbhojya vidhivaddvija / samāgatāṃstathaivānyāndīnānāthāṃśca bhojayet
dann, nachdem man eingeladene Brahmanen vorschriftsmäßig gespeist hat, o Zweifachgeborener, speise man ebenso auch andere Versammelte, sowie Arme und Herrenlose.
Wort für Wort
tato nimantritānviprān
dann die eingeladenen Brahmanen
saṃbhojya vidhivaddvija
nachdem man vorschriftsmäßig gespeist hat, o Zweifachgeborener
hunderttausend, die Hälfte davon, zehntausend, tausend oder auch nur hundert; nachdem man reichlich Milchreis, vermischt mit Ghee und Zucker, gekocht hat,
tato 'ruṇodaye snātvā tāṃ mūrtiṃ guraver'payet / asyāṃ rātrau mahālakṣmīrvarābhayakarāṃbujā
dann, bei Morgendämmerung, nachdem man gebadet hat, übergebe man jene Bildgestalt dem Guru. „In dieser Nacht wandert die große Lakṣmī, mit Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Handhaltung, mit Lotushänden,
Wort für Wort
tato 'ruṇodaye snātvā
dann, bei Morgendämmerung, gebadet
tāṃ mūrtiṃ guraver'payet
übergebe man jene Bildgestalt dem Guru
asyāṃ rātrau mahālakṣmīḥ
in dieser Nacht (wandert) die große Lakṣmī
varābhayakarāṃbujā
mit Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Handhaltung, mit Lotushänden
kārtikyāṃ pūrṇimāyāṃ tu kuryātkārtikadarśanam / vipratvalabdhaye bhūyaḥ sarvaśatrujayāya ca
Am Vollmond des Kārtika aber vollziehe man den 'Kārtika-Anblick', zur Erlangung der Brahmanenschaft (in künftiger Geburt) und zum Sieg über alle Feinde,
ebenfalls hier ist durch das Lampenspenden das Tripura-Fest zu vollziehen, bei Anbruch der Nacht, o Bester der Zweifachgeborenen, das allen Lebewesen Glück bringt.
Wort für Wort
atraiva dīpadānena
ebenfalls hier durch das Lampenspenden
vidheyastripurotsavaḥ
ist das Tripura-Fest zu vollziehen
niśāmukhe dvijaśreṣṭha
bei Anbruch der Nacht, o Bester der Zweifachgeborenen
kīṭāḥ pataṅgā maśakāśca vṛkṣā jale sthale ye vicaranti jīvāḥ / dṛṣṭvā pradīpānnahi te 'pi janminaḥ punaśca muktiṃ hi labhanta eva ca
Würmer, Insekten und Mücken, Bäume, und die Lebewesen, die im Wasser oder auf dem Land umherwandeln — auch sie, die Geborenen, erlangen, nachdem sie die Lampen erblickt haben, wahrlich keine weitere Geburt mehr, sondern wahrlich die Erlösung.
Wort für Wort
kīṭāḥ pataṅgā maśakāśca vṛkṣā
Würmer, Insekten, Mücken und Bäume
jale sthale ye vicaranti jīvāḥ
die Lebewesen, die im Wasser oder auf dem Land umherwandeln
dṛṣṭvā pradīpānnahi te 'pi janminaḥ
auch sie, die Geborenen, erlangen, nachdem sie die Lampen erblickt haben, keine (weitere) Geburt mehr
mit vorzüglicher Speise, Früchten, Gemüse, mit Opfergaben an Feuer und Brahmanen. Nachdem man so die Götter verehrt hat, sei eine Lampe außerhalb des Hauses zu geben,
snāyātsarvauṃṣadhijalairdhārayecca navāṃśuke / dṛṣṭvā ca maṅgalaṃ dravyaṃ spṛṣṭvā natvā tator'cayet
bade mit Wasser aller Heilkräuter und trage neue Gewänder; nachdem man ein glückverheißendes Ding erblickt und berührt und sich verneigt hat, verehre man dann,
Wort für Wort
snāyātsarvauṣadhijalaiḥ
bade mit Wasser aller Heilkräuter
dhārayecca navāṃśuke
und trage neue Gewänder
dṛṣṭvā ca maṅgalaṃ dravyaṃ
nachdem man ein glückverheißendes Ding erblickt hat
Hari, Indra, den Mond, und die durch Puṣya zu Verehrenden [?], mit Verehrungsgaben wie Duft usw.; nachdem man das Feueropfer vollzogen hat, befriedige man die Brahmanen mit dem Genuss von Milchreis.
Wort für Wort
harisakrendupuṣyejyān [?]
Hari, Indra, den Mond, (und die durch) Puṣya (zu Verehrenden) [?]
gandhādyairupacārakaiḥ
mit Verehrungsgaben wie Duft usw.
vidhāya homaṃ viprāṃśca
nachdem man das Feueropfer vollzogen hat, und die Brahmanen
tarpayetpāyasāśanaiḥ
befriedige man mit dem Genuss von Milchreis
[?] „puṣyejyān“ unklar in genauer Referenz (evtl. eine mit dem Nakṣatra Puṣya verbundene Gottheit).
saṃcayaṃ sarvakāṣṭhānāmupalānāṃ ca kārayet / tatrāgniṃ vidhivaddhrutvā rakṣoghnairmantravistaraiḥ
man lasse eine Anhäufung aller Hölzer und Dungfladen [?] machen; dort, nachdem man vorschriftsgemäß Feuer geopfert hat, mit den ausführlichen, Dämonen abwehrenden Mantras,
Wort für Wort
saṃcayaṃ sarvakāṣṭhānām
eine Anhäufung aller Hölzer
upalānāṃ ca kārayet [?]
und Dungfladen [?] lasse man machen
tatrāgniṃ vidhivaddhrutvā
dort, nachdem man vorschriftsgemäß Feuer geopfert hat
rakṣoghnairmantravistaraiḥ
mit den ausführlichen, Dämonen abwehrenden Mantras
[?] „upalānām“ hier vermutlich im Sinn von getrockneten Kuhdungfladen (üblichem Brennmaterial beim Holikā-Feuer) verstanden.
„Von den Blut-Trinkern [Dämonen] in Furcht versetzt, wurdest du, Holī, von den Törichten gemacht; deshalb werde ich dich verehren; sei, o Wesen, Gewährerin des Gedeihens.“
so, mit diesem Mantra entzündend, dann durch das Hineinwerfen von Holz usw., und nach dem Umschreiten, ist das Fest mit dem Klang von Gesang und Instrumentalmusik zu vollziehen,
Wort für Wort
iti mantreṇa sandīpya
so, mit diesem Mantra entzündend
kāṣṭhādikṣepaṇaistataḥ
durch das Hineinwerfen von Holz usw. dann
parikramya
und nach dem Umschreiten
utsavaḥ kāryyo gītavāditraniḥsvanaiḥ
ist das Fest mit dem Klang von Gesang und Instrumentalmusik zu vollziehen
Diese Holikā ist ja eine Rākṣasī, die dem Prahlāda Furcht einflößte; dann verbrennt man sie so mit Holz usw., mit Gesang und glückverheißenden Klängen.
Wort für Wort
holikā rākṣasī ceyaṃ
diese Holikā ist ja eine Rākṣasī
prahlādabhayadāyinī
die dem Prahlāda Furcht einflößte
tatastāṃ pradahṝntyevaṃ
dann verbrennt man sie so
kāṣṭhādyairgītamaṅgalaiḥ
mit Holz usw., mit Gesang und glückverheißenden (Klängen)
Dies ist die Verbrennung des Jahres, nach anderer Ansicht die Verbrennung des Kāma (Liebesgottes); so wisse, o Fürst der Brahmanen: die Auffassung in der Welt ist mannigfach.
pakṣānte dve pṛthagvaive tato 'māvratamucyate / pṛthakchṛṇuṣva me vipra pitṝṇāmativallabham
Am Ende der beiden Monatshälften gibt es zwei getrennt (zu behandelnde Tage); dann wird das Neumond-Gelübde genannt: höre einzeln von mir, o Brahmane, das den Ahnen sehr Liebe,
Am Neumond des Jyeṣṭha ist ein Gelübde der Sāvitrī gelehrt, wessen [?], o Nārada — dessen Vorschrift wird auch hier wie beim Vollmond des Jyeṣṭha verkündet.
Wort für Wort
jyeṣṭhāmāyāṃ vrataṃ proktaṃ
am Neumond des Jyeṣṭha ist ein Gelübde gelehrt
sāvitryāḥ kasya nārada [?]
der Sāvitrī, wessen [?], o Nārada
vidhānaṃ jyeṣṭhapūrṇāvat
dessen Vorschrift wie beim Vollmond des Jyeṣṭha
ihāpi parikīrtitam
wird auch hier verkündet
[?] „kasya“ ('wessen') unklar im Satzbau; möglicherweise Textverderbnis.
śucau nabhasi bhādre ca māse pūrṇāntike dvija / pitṛśrāddhaṃ dānahomasurārcānantyaśnute
Im Śuci, im Nabhas und im Bhādra-Monat, jeweils am Ende des Halbmonats, o Zweifachgeborener, erlangen Ahnen-Śrāddha, Spende, Feueropfer und Götterverehrung Unendlichkeit an Frucht.
Wort für Wort
śucau nabhasi bhādre ca māse
im Śuci, im Nabhas und im Bhādra-Monat
pūrṇāntike dvija
jeweils am Ende des Halbmonats, o Zweifachgeborener
bhādradarśe 'parāhne tu tilakṣetrasamudbhavān / viriñcimanunāmantrya huṃphaṭ chinnānkuśān dvija
Am Neumond des Bhādra, in der Nachmittagszeit aber, die aus einem Sesamfeld entstandenen [?] Kuśa-Halme, mit dem Viriñci-Mantra angerufen, mit „Hum Phaṭ“ abgeschnitten, o Zweifachgeborener,
Wort für Wort
bhādradarśe 'parāhne tu
am Neumond des Bhādra, in der Nachmittagszeit aber
tilakṣetrasamudbhavān [?]
die aus einem Sesamfeld entstandenen [?]
viriñcimanunāmantrya
mit dem Viriñci-Mantra angerufen
huṃphaṭ chinnānkuśān dvija
mit 'Hum Phaṭ' abgeschnittene Kuśa-Halme, o Zweifachgeborener
[?] Der genaue Bezug von „tilakṣetrasamudbhavān“ (auf besonders gesammelte Kuśa-Halme) bleibt unsicher.
verwende man stets, bei allen Handlungen, einmal (gesammelt) in der Folge. Am Neumond des Iṣa insbesondere (vollziehe man) das Śrāddha und die Wasserspende für die Ahnen,
nadyārāmataḍāgeṣu caityagoṣṭhāpaṇeṣu ca / samarcanaṃ tathā lakṣmyāḥ svarṇaraupye kṛtākṛte
an Flüssen, Gärten, Teichen, an heiligen Bäumen, Kuhställen und Marktplätzen; ebenso die Verehrung der Lakṣmī, sei sie aus Gold oder Silber gefertigt oder ungefertigt,
dyūtaṃ ca varṣaphaladaṃ jaye cāpiparājaye / gavāṃ pūjātra vihitā śṛṅgādyaṅgānurañjanaiḥ
und das Würfelspiel, das die Frucht des Jahres (voraus)gibt, bei Sieg oder auch Niederlage; die Verehrung der Kühe ist hier vorgeschrieben, mit dem Färben der Hörner und anderer Glieder,
Wort für Wort
dyūtaṃ ca varṣaphaladaṃ
und das Würfelspiel, das die Frucht des Jahres gibt
mit Spenden von Gerste, Speise usw., mit Verneigung und Umschreitung; auch auf dem Weg findet Ahnenverehrung statt, mit gläubiger Speisung von Brahmanen,
brahmacaryādi niyamairjapahomārcanādibhiḥ / pauṣe māghe ca viprendra pitṛśrāddhaṃ phalādhikam
mit Enthaltsamkeit und anderen Gelübdepflichten, mit Murmelgebet, Feueropfer, Verehrung usw. Im Pauṣa und im Māgha, o Fürst der Brahmanen, ist das Ahnen-Śrāddha von größerer Frucht,
am Neumond, der mit Karṇapāta [?] und mit der Sonne verbunden ist, aber ist die Frucht größer als die von Gayā. Im Phālguna genügt allein das Śrāddha, ebenso die Speisung der Brahmanen,
Wort für Wort
amāyāṃ karṇapātārkayuktāyāṃ tu [?]
am Neumond, der mit Karṇapāta und der Sonne verbunden ist, aber [?]
gayādhikam
(ist die Frucht) größer als die von Gayā
phālgune kevalaṃ śrāddhaṃ
im Phālguna genügt allein das Śrāddha
dvijānāṃ bhojanaṃ tathā
ebenso die Speisung der Brahmanen
[?] „karṇapāta“ unklar in seiner genauen astronomischen Bedeutung.
Spende usw. gewährt alle Früchte; am Neumond, der mit dem Mond (verbunden ist), ist die Frucht noch größer. So ist dir, o Weiser, in Kürze das an den Tithis zu Vollziehende verkündet worden.
Wort für Wort
dānādi sarvaphaladaṃ
Spende usw. gewährt alle Früchte
darśe some 'dhikaṃ phalam
am Neumond, der mit dem Mond (verbunden ist), ist die Frucht größer
Überall gibt es auch Besonderheiten; diese sind in einem anderen Purāṇa enthalten.
Wort für Wort
sarvatrāpi viśeṣo 'sti
überall gibt es auch Besonderheiten
sa purāṇāntare sthitaḥ
diese sind in einem anderen Purāṇa enthalten
[Anm.: Dieser Vers besteht in der Quelle nur aus einer einzigen Zeile (Halbvers); das Kapitel — und damit der Zwölf-Tithi-Vrata-Kalenderzyklus der Kap. 112–123 — endet hiermit.]