Sūta sprach: Nachdem aber der Weise Nārada, o ihr Brahmanen, die Rede des Kumāra (Sanatkumāra) vernommen hatte, [fragte er weiter] – was er da wiederum fragte, das werde ich euch nun verkünden.
Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
śrutvā tu nārado viprāḥ
nachdem aber Nārada, o Brahmanen
kumāravacanaṃ muniḥ
der Weise die Rede des Kumāra [gehört hatte]
yatpapraccha punastacca
und was er wiederum fragte, das
yuṣmabhyaṃ pravadāmyaham
werde ich euch verkünden
[Anm.: Dem eigentlichen Vers geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde hanumaccaritraṃ nāma ekonāśītitamo 'dhyāyaḥ“ samt Trennlinie voraus – dies ist der Schlusskolophon des vorangehenden, dort als 79. („ekonāśītitama“) gezählten Kapitels „Hanumaccaritram“. Diese Zeile gehört nicht zum eigentlichen Vers 1 und wurde daher nicht in das sa-Feld übernommen. Das vorliegende, hier projektintern als Kapitel 79 geführte Kapitel trägt laut Aufgabenstellung den eigenen Schlusskolophon „...kṛṣṇamantranirūpaṇaṃ nāmāśītitamo 'dhyāyaḥ“ (dort das 80., traditionell gezählte Kapitel).]
kārtavīryasya kavacaṃ tathā hanumato 'pi ca / caritaṃ ca mahatpuṇyaṃ śrutvā bhūyo 'bravīdvacaḥ
Nachdem er die Schutzrüstung (Kavaca) des Kārtavīrya sowie auch die überaus heilige Geschichte (Carita) Hanumats gehört hatte, sprach er [Nārada] abermals ein Wort.
Wort für Wort
kārtavīryasya kavacaṃ
die Schutzrüstung des Kārtavīrya
tathā hanumato 'pi ca
und ebenso auch [die] des Hanumat
caritaṃ ca mahatpuṇyaṃ
und die überaus heilige Geschichte
śrutvā bhūyo 'bravīdvacaḥ
nachdem er [dies] gehört hatte, sprach er abermals ein Wort
Nārada sprach: Vortrefflich, vortrefflich, o bester der Weisen! Von dir, der du von überaus mitleidsvollem Wesen bist, wurde die heilige Geschichte des gütigen Hanumat zu Gehör gebracht.
Wort für Wort
sādhu sādhu muniśreṣṭha
vortrefflich, vortrefflich, o bester der Weisen
tvayātikaruṇātmanā
von dir, der du von überaus mitleidsvollem Wesen bist
śrāvitaṃ caritaṃ puṇyaṃ
wurde die heilige Geschichte zu Gehör gebracht
śivasya ca hanūmataḥ
des gütigen [?] Hanumat
[?: „śivasya“ kann als Eigenname (Śiva) oder als Adjektiv „gütig, heilbringend“ zu „hanūmataḥ“ gedeutet werden; hier als Adjektiv übersetzt, da Hanumat traditionell als Aṃśa Rudra-Śivas gilt und im Vers kein eigener Śiva-Bezug ersichtlich ist.]
tantrasyāṃsya kramaprāptaṃ kathanīyaṃ ca yattvayā / tatprabrūhi mahābhāga kiṃ pṛṣṭvānyadvidāṃvara
Das, was der Reihe nach [noch] zu diesem Lehrwerk (Tantra) gehört und von dir zu verkünden ist – das sage mir, o Hochbeglückter! Was gäbe es sonst noch zu fragen, o Bester der Kundigen?
Wort für Wort
tantrasyāṃsya kramaprāptaṃ
was der Reihe nach zu diesem Tantra gehört
kathanīyaṃ ca yattvayā
und von dir zu verkünden ist
tatprabrūhi mahābhāga
das sage mir, o Hochbeglückter
kiṃ pṛṣṭvānyadvidāṃvara
was gäbe es sonst noch zu fragen, o Bester der Kundigen
Sanatkumāra sprach: Nun werde ich die Kṛṣṇa-Mantras verkünden, die als Frucht Genuss (Bhukti) und Erlösung (Mukti) gewähren, durch deren rechte Verehrung Brahmā und die anderen [Götter] fähig wurden, Schöpfung und die übrigen [Weltvorgänge] zu bewirken.
Wort für Wort
atha vakṣye kṛṣṇamantrān
nun werde ich die Kṛṣṇa-Mantras verkünden
bhuktimuktiphalapradān
die als Frucht Genuss und Erlösung gewähren
brahmādyā yānsamārādhya
durch deren Verehrung Brahmā und die übrigen [Götter]
sṛṣṭyādikaraṇe kṣamāḥ
fähig wurden zum Bewirken von Schöpfung und dem Übrigen
kāmaḥ kṛṣṇapadaṃ ṅataṃ govindaṃ ca tathāvidham / gopījanapadaṃ paścādvallabhāyāgnisuṃdarī
[Die Keimsilbe] Kāma [steht am Anfang], [dann] das Wort ‚Kṛṣṇa‘ im Dativ, und ebenso das Wort ‚Govinda‘ [im Dativ]; danach das Wort ‚Gopījana‘, [dann] ‚vallabhā‘ [im Dativ] und [zuletzt] ‚Agnisundarī‘, [d.h. Svāhā].
Wort für Wort
kāmaḥ
[die Keimsilbe] Kāma (klīṃ)
kṛṣṇapadaṃ ṅataṃ
das Wort ‚Kṛṣṇa‘ im Dativ (kṛṣṇāya)
govindaṃ ca tathāvidham
und ebenso ‚Govinda‘ [im Dativ] (govindāya)
gopījanapadaṃ paścāt
danach das Wort ‚Gopījana‘
vallabhāya
‚vallabhā‘ im Dativ
agnisuṃdarī
[die Silbe] Agnisundarī, d.h. Svāhā
[Anm.: Der Vers kodiert in der üblichen Mantroddhāra-Technik den achtzehnsilbigen Mantra „klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā“; vgl. V.7f., wo dieser Mantra ausdrücklich als aṣṭādaśārṇaḥ (achtzehnsilbig) bezeichnet wird.]
Dieser achtzehnsilbige Mantra hat eine über [alle] Bedrängnis gebietende Gottheit; sein Seher (Ṛṣi) ist der Weise Nārada, [sein] Versmaß die Gāyatrī, die Gottheit aber [wird] weiter [genannt].
Wort für Wort
aṣṭādaśārṇo mantro 'yaṃ
dieser achtzehnsilbige Mantra
durgādhiṣṭhātṛdaivataḥ
[hat] eine über Bedrängnis gebietende Gottheit
nārado 'sya muniśchandaḥ
sein Seher [ist] der Weise Nārada, [sein] Versmaß
gāyatrī devatā punaḥ
[ist] die Gāyatrī, die Gottheit aber [folgt] weiter
[?: „durgādhiṣṭhātṛdaivataḥ“ wörtlich „dessen Gottheit Gebieter(in) über Bedrängnis (durga) ist“ – hier nicht als Eigenname der Göttin Durgā gedeutet, da V.8 als Gottheit ausdrücklich Śrī Kṛṣṇa nennt, sondern als Beschreibung der schützenden Macht des Mantra.]
śrīkṛṣṇaḥ paramātmā ca kāmo bījaṃ prakīrtitam / svāhā śaktirniyogastu caturvargaprasiddhaye
Śrī Kṛṣṇa, das Höchste Selbst (Paramātmā), [ist die Gottheit]; Kāma wird als Keimsilbe (Bīja) verkündet; Svāhā [ist] die Kraftsilbe (Śakti); die Anwendung (Niyoga) [dient] der Erlangung der vier Daseinsziele (Caturvarga).
Wort für Wort
śrīkṛṣṇaḥ paramātmā ca
Śrī Kṛṣṇa, das Höchste Selbst, [ist die Gottheit]
kāmo bījaṃ prakīrtitam
Kāma wird als Keimsilbe verkündet
svāhā śaktiḥ
Svāhā [ist] die Kraftsilbe
niyogastu caturvargaprasiddhaye
die Anwendung aber [dient] der Erlangung der vier Daseinsziele
Den Seher (Ṛṣi) setze man am Haupt ein, das Versmaß (Chandas) am Mund, die Gottheit am Herzen, die Keimsilbe (Bīja) am Geheimort (Guhya), die Kraftsilbe (Śakti) an den beiden Füßen – so [verfahre] der beste der Übenden (Sādhaka).
Nachdem er, entsprechend den [Zahlen von] Zeitaltern, Veden und Weltmeeren [je vier] sowie den heiligen Überlieferungen (Nigama) und mit den beiden aus Manu entstandenen Lauten [?] die fünf Glieder (Pañcāṅga) eingesetzt hat, vollziehe er die Einsetzung der Wesensprinzipien (Tattva-Nyāsa).
[?: Die genaue zahlensymbolische Bedeutung von „yugevadābdhi nigamairdvābhyāṃ varṇairmanūdbhavaiḥ“ bleibt unsicher; die Lesart wirkt an „yugevadābdhi“ möglicherweise verderbt (denkbar wäre „yugavedābdhi“, mit Yuga=4, Veda=4, Abdhi/Weltmeer=4 als Zahlwörter zur Kennzeichnung von Silben- bzw. Wiederholungszahlen der Aṅga-Mantras). Obige Wiedergabe ist die plausibelste Rekonstruktion.]
hṛdantimādikāntārṇamaparādyāni cātmane / matyantāni ca tatvāni jīvādyāni nyasetkramāt
[Mit den Mantra-Silben,] die auf ‚Herz‘ enden, vom Anfang bis zum Ende reichend, sowie den übrigen [Silben] für sich selbst [verwendend], setze man der Reihe nach die mit Jīva beginnenden, mit Mati endenden Wesensprinzipien (Tattvas) ein.
Wort für Wort
hṛdantimādikāntārṇam
[die Silben,] die auf ‚Herz‘ enden, vom Anfang bis zum Ende reichend
aparādyāni cātmane
und die übrigen [Silben], für sich selbst [verwendet]
matyantāni ca tatvāni
die mit Mati endenden Wesensprinzipien
jīvādyāni nyasetkramāt
setze man, mit Jīva beginnend, der Reihe nach ein
[?: Die syntaktische Verknüpfung von „hṛdantimādikāntārṇam aparādyāni cātmane“ ist verdichtet und lässt mehrere Lesarten zu; obige Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung als Übergangsvers zur folgenden Tattva-Aufzählung (V.12f.).]
Jīva (Einzelseele), Prāṇa (Lebensatem), Mati (Verstand), Ahaṃkāra (Ichbewusstsein) und ebenso Manas (Denksinn); [ferner] Śabda (Ton), Sparśa (Tastempfindung) und Rūpa (Form) sowie Rasa (Geschmack), Gandha (Geruch), Śrotra (Gehör) und ebenso Tvac (Tastsinn) —
jīvaṃ prāṇaṃ ca sarvāge matyāditritayaṃ hṛdi / mūrddhāsyahṛdguhya pādeṣvatha śabdādikānnyaset
— Jīva und Prāṇa [setze man] über den ganzen Körper [verteilt] ein, die mit Mati beginnende Dreiheit [Mati, Ahaṃkāra, Manas] am Herzen; sodann setze man Śabda und die übrigen [Tanmātras] an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen ein.
Wort für Wort
jīvaṃ prāṇaṃ ca sarvāge
Jīva und Prāṇa über den ganzen Körper
matyāditritayaṃ hṛdi
die mit Mati beginnende Dreiheit am Herzen
mūrddhāsyahṛdguhya pādeṣu
an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen
atha śabdādikānnyaset
setze man sodann Śabda und die übrigen ein
[?: „sarvāge“ als Lokativ von „sarvāṅga“ (am ganzen Körper) gedeutet.]
karṇādisvasvasthāneṣu śrotrādīnīndriyāṇi ca / tathā vāgādīndriyāṇi svasvasthānaṣu vinyaset
Die Wahrnehmungsorgane (Indriyas), beginnend mit Śrotra (Gehör), setze man an ihren jeweils eigenen Orten ein, beginnend mit dem Ohr; ebenso setze man die Handlungsorgane, beginnend mit Vāc (Sprache), an ihren jeweils eigenen Orten ein.
Sodann setze man Ākāśa und die übrigen [Elemente] an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen ein; [und stelle sich] der Reihe nach die Scheiben von Sonne, Mond [und Feuer] im Lotus des Herzens (Hṛtpuṇḍarīka) vor.
Wort für Wort
mūddhasyahṛdguhyapādeṣu
an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen
ākāśādīnnyasettataḥ
setze man sodann Ākāśa und die übrigen ein
hṛtpuṇḍarīka
im Lotus des Herzens
arkenduhnibiṃbānyanukramāt
[stelle man sich] der Reihe nach die Scheiben von Sonne, Mond [und Feuer] vor [?]
[?: „arkenduhnibiṃbāni“ ist unsicher überliefert; vermutlich verderbt für „arkendu-vahni-bimbāni“ (Scheiben von Sonne, Mond und Feuer).]
dviṣaṭhyaṣṭadaśakalāvyāptāni ca tathā mataḥ / bhūtāṣṭāṃ gākṣipadagairvarṇaiḥ pragvinnyaseddhṛdi
[Diese Scheiben seien] durchdrungen von den [Strahlen-]Ziffern zwölf, sechzehn [und] zehn [?] – so ist es gelehrt; mit den acht Elementlauten sowie den Lauten von ‚Gā‘, ‚Kṣi‘ und ‚Pada‘ [?] setze man wie zuvor am Herzen ein.
Wort für Wort
dviṣaṭhyaṣṭadaśakalāvyāptāni
durchdrungen von den Ziffern [12], 16 [und] 10 [?]
ca tathā mataḥ
und so ist es gelehrt
bhūtāṣṭāṃ gākṣipadagair varṇaiḥ
mit den acht Elementlauten und den Lauten von ‚Gā‘, ‚Kṣi‘, ‚Pada‘ [?]
pragvinnyaseddhṛdi
setze man wie zuvor am Herzen ein
[?: Die Zahlwörter „dviṣaṭhyaṣṭadaśa“ sind unsicher überliefert und wurden als Anspielung auf die traditionellen Kalā-Zahlen von Sonne (12), Mond (16) und Feuer (10) gedeutet; ebenso ist „bhūtāṣṭāṃ gākṣipadagair“ nicht sicher aufzulösen – „bhūtāṣṭa“ (die acht Elemente bzw. Elementlaute) erscheint plausibel, „gākṣipadagaiḥ“ bleibt unklar.]
Danach setze man an den Orten von Ākāśa und den übrigen [Elementen] die mit Vāsudeva beginnenden [Gottheiten] ein: Vāsudeva, Saṃkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha —
— und Nārāyaṇa, der Reihe nach, verbunden mit Parameṣṭhin und den übrigen [Gestalten]: Parameṣṭhin, Pumān, [Śambhu], Viśva, Nivṛtti und Sarva [?].
Wort für Wort
nārāyaṇaśca kramaśaḥ
und Nārāyaṇa, der Reihe nach
parameṣṭhyādibhiryutāḥ
verbunden mit Parameṣṭhin und den übrigen
parameṣṭhipumāñcchau ca
Parameṣṭhin, Pumān [und Śambhu (?)]
viśvanivṛttisarvakāḥ
Viśva, Nivṛtti und Sarva
[?: „parameṣṭhipumāñcchau caviśvanivṛttisarvakāḥ“ ist als Namensreihe nur mit Unsicherheit aufzulösen; die Namen Parameṣṭhin, Pumān, Viśva, Nivṛtti und Sarva sind einigermaßen deutlich erkennbar, während „chau“ unklar bleibt (hier probeweise als Rudra-/Śambhu-Bezeichnung gedeutet).]
śvetānilāgnyaṃbubhūmivarṇaiḥ prāgvatpravinyaset / svabījādyaṃ kopatatvaṃ nṛsiṃhaṃ vyāpakena ca
Mit den [den Elementen zugeordneten] Farben – Weiß, [Grau], Rot, [Weiß] und [Gelb, für Äther, Wind, Feuer, Wasser und Erde] – setze man wie zuvor ein; [dann] die eigene Keimsilbe am Anfang, das Zorn-Prinzip (Kopa-Tattva) [und] Nṛsiṃha mit der alldurchdringenden [Silbe].
Wort für Wort
śvetānilāgnyaṃbubhūmivarṇaiḥ
mit den Farben [von Äther,] Wind, Feuer, Wasser [und] Erde
prāgvatpravinyaset
setze man wie zuvor ein
svabījādyaṃ kopatatvaṃ
[dann] die eigene Keimsilbe am Anfang, das Zorn-Prinzip
nṛsiṃhaṃ vyāpakena ca
und Nṛsiṃha mit der alldurchdringenden [Silbe]
[?: Die Zuordnung „śvetānilāgnyaṃbubhūmivarṇaiḥ“ zu den fünf Elementen (Ākāśa=weiß, Vāyu=grau/rauchfarben, Agni=rot, Jala=weiß, Bhūmi=gelb) folgt der gängigen tantrischen Farbsymbolik, ist im Vers selbst aber nicht vollständig ausbuchstabiert.]
Nachdem man so wie zuvor über den ganzen Körper eingesetzt hat, ist dies die Einsetzung der Wesensprinzipien (Tattva-Nyāsa) genannt worden. Die mit ‚Ma‘ beginnenden Anfangslaute [der Tattva-Namen] sollen alle mit dem Mondzeichen [dem Anusvāra] versehen sein.
Wort für Wort
prāgvadvinyasya sarvāge
nachdem man wie zuvor über den ganzen Körper eingesetzt hat
tattvanyāso 'yamīritaḥ
ist dies die Einsetzung der Wesensprinzipien genannt worden
Die mit Vāsudeva beginnenden [Namen] sind von den besten Übenden als mit der Dativendung versehen zu erkennen. Danach vollziehe man die Atemkontrolle (Prāṇāyāma) mittels Einatmen (Pūraka), Anhalten (Kumbhaka) und Ausatmen (Recaka),
Wort für Wort
vāsudevādikā jñeyā
die mit Vāsudeva beginnenden [Namen] sind zu erkennen
ṅeṃtāḥ sādhakasattamaiḥ
als mit der Dativendung versehen, von den besten Übenden
caturbhiḥ ṣaḍbhardvābhyāṃ ca mūlamantreṇa mantravit / kecidāhurihācāryāḥ prāṇāyāmottaraṃ punaḥ
— der Mantra-Kundige [vollziehe dies] mit vier, sechs und zwei [Wiederholungen] des Wurzelmantra. Manche Lehrmeister sagen hierzu, man solle danach abermals die Atemkontrolle [wiederholen].
Wort für Wort
caturbhiḥ ṣaḍbhardvābhyāṃ ca
mit vier, sechs und zwei [Wiederholungen]
mūlamantreṇa mantravit
des Wurzelmantra, der Mantra-Kundige
kecidāhurihācāryāḥ
manche Lehrmeister sagen hierzu
prāṇāyāmottaraṃ punaḥ
man solle danach abermals die Atemkontrolle [wiederholen]
Nachdem man sodann die Sitz-Einsetzung (Pīṭha-Nyāsa) vollzogen hat, vollziehe man die übrigen Einsetzungen (Nyāsas), indem man die zehn Wesensprinzipien (Daśatattva) und das Weitere gemäß der nun zu schildernden Vorschrift einsetzt.
Wort für Wort
pīṭhanyāsaṃ vidhāyātha
nachdem man sodann die Sitz-Einsetzung vollzogen hat
nyāsānanyānsamācaret
vollziehe man die übrigen Einsetzungen
daśatattvādi vinyasya
indem man die zehn Wesensprinzipien und das Weitere einsetzt
Der Weise setze die zuvor genannte, ‚Gestalt-Käfig‘ (Mūrtipañjara) benannte [Einsetzung] ein; nachdem er über den ganzen Körper die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat, [setze] der Kluge mit dem Kirīṭa-Mantra [die Krone] ein.
Wort für Wort
mūrtipañjaranāmānaṃ
die ‚Gestalt-Käfig‘ benannte [Einsetzung]
pūrvoktaṃ vinyasedbudhaḥ
setze der Weise, wie zuvor genannt, ein
sarvāṅge vyāpakaṃ kṛtvā
nachdem er über den ganzen Körper die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat
kirīṭamanunā sudhīḥ
[setze] der Kluge mit dem Kirīṭa-Mantra [die Krone ein]
Danach, nachdem man den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten (Tārapuṭa) Mantra dreifach über beide Hände ausgebreitet hat, setze man sodann die fünf Glieder (Pañcāṅga) an den fünf Fingern beider Hände ein.
Wort für Wort
tatastārapuṭaṃ mantraṃ
danach den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra
vyāpayya karayostriśaḥ
nachdem man ihn dreifach über beide Hände ausgebreitet hat
Dreifach setze man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung] vom Scheitel bis zu den Füßen ein; nachdem man sie einmal mit der Praṇava-Silbe ausgebreitet hat, vollziehe man danach die Mantra-Einsetzung [an den Körperteilen].
Wort für Wort
triśo mūlena
dreifach mit dem Wurzelmantra
mūrddhādipādāntaṃ vyāpakaṃ nyaset
setze man die alldurchdringende [Einsetzung] vom Scheitel bis zu den Füßen ein
sakṛdvyāpayya tāreṇa
nachdem man sie einmal mit der Praṇava-Silbe ausgebreitet hat
An Scheitel, Stirn, zwischen den Augenbrauen, an beiden Ohren und ebenso an beiden Augen, an beiden Nasenflügeln, am Mund, am Hals, am Herzen und ferner am Nabel —
kaṭyāṃ liṅge jānunośca pādayorvinyasetkramāt / hṛdantānmantravarṇāṃśca tato mūrdhni dhruvaṃ nyaset
— an der Hüfte, am Geschlechtsorgan, an beiden Knien und an den Füßen setze man der Reihe nach die mit ‚Herz‘ endenden Mantra-Laute ein; danach setze man sie beständig am Scheitel ein.
Wort für Wort
kaṭyāṃ liṅge jānunośca
an der Hüfte, am Geschlechtsorgan, an beiden Knien
punarnayanayorāsye hṛdi guhye ca pādayoḥ / vinyaseddhṛdayāntāni manoḥ pañcapadāni ca
Wiederum setze man an den beiden Augen, am Mund, am Herzen, am Geheimort und an den Füßen die fünf, mit ‚Herz‘ endenden Glied-Worte (Pañcāṅga) des Mantra ein.
Nachdem man wiederum den Seher (Muni) und die übrigen [Aṅgas] eingesetzt hat, setze man die fünf Glieder (Pañcāṅga) wie zuvor ein. Nun werde ich das höchst Geheime verkünden, die beste unter allen vorzüglichen Einsetzungen (Nyāsas).
Wort für Wort
bhūyo munyādikaṃ nyasya
nachdem man wiederum den Seher und die übrigen eingesetzt hat
Durch dessen bloßes Erkennen wird der Mensch schon zu Lebzeiten erlöst (Jīvanmukta); er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā – daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
yasya vijñānamātreṇa
durch dessen bloßes Erkennen
jīvanmukto bhavennaraḥ
wird der Mensch schon zu Lebzeiten erlöst
aṇimādyaṣṭasiddhīnāmīśvaraḥ syāt
er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā
Durch dessen Verehrung gelangt der Mantra-Kundige in die Nähe (Sāṃnidhya) Kṛṣṇas. Mit den, mit der Praṇava-Silbe beginnenden Vyāhṛtis [bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ] umhüllt (Saṃpuṭa), setze man den Mantra ein.
Wort für Wort
yasyārādhanato mantrī
durch dessen Verehrung der Mantra-Kundige
kṛṣṇasaṃnidhyatāṃ vrajet
gelangt in die Nähe Kṛṣṇas
tārādyābhirvyāhṛtibhiḥ
mit den, mit der Praṇava-Silbe beginnenden Vyāhṛtis
Und die mit der Praṇava-Silbe beginnenden [Vyāhṛtis], mit dem [Wurzel-]Mantra umhüllt, setze man danach ein. Den mit der Gāyatrī umhüllten Mantra setze man am Ort der Mātṛkā [des Alphabets] ein.
Wort für Wort
mantreṇa puṭitāṃścāpi
und mit dem Mantra umhüllt
praṇavādyāṃstato nyaset
setze man die mit der Praṇava-Silbe beginnenden [Vyāhṛtis] danach ein
mantreṇa puṭitāṃ tāṃ ca gāyatrīṃ vinyasetkramāt / mātṛkāpuṭitaṃ mūlaṃ vinyasetsādhakottamaḥ
Und jene mit dem [Wurzel-]Mantra umhüllte Gāyatrī setze man der Reihe nach ein; den mit der Mātṛkā umhüllten Wurzelmantra setze der beste der Übenden ein.
Und die mit dem Wurzelmantra umhüllte Mātṛkā setze man der Reihe nach ein: nicht die einzelnen Mātṛkā-Laute [für sich], sondern der Kluge [setze sie] zuvor, je zu dritt [gruppiert?], an ihren jeweiligen Orten ein.
Wort für Wort
mūlena puṭitāṃ caiva
und die mit dem Wurzelmantra umhüllte
mātṛkāṃ vinyasetkramāt
Mātṛkā setze man der Reihe nach ein
tṛcaṃ na mātṛkāvarṇān
nicht [nur] die einzelnen Mātṛkā-Laute, sondern zu dritt [?]
pūrvaṃ tattatsthale sudhīḥ
setze der Kluge zuvor an ihren jeweiligen Orten [ein]
[?: „tṛcaṃ na mātṛkāvarṇānpūrvaṃ“ ist syntaktisch verdichtet und schwer eindeutig aufzulösen; „tṛcam“ (dreiergruppig) wurde probeweise auf eine gruppenweise, nicht einzelweise Setzung der Mātṛkā-Laute bezogen.]
vinyasennyāsaṣaṭkaṃ ca ṣoḍhā nyāso 'yamīritaḥ / anena nyāsavaryeṇa sākṣātkṛṣṇasamo bhavet
So setze man die sechsfache Einsetzung (Nyāsaṣaṭka) ein; diese Einsetzung wird als die ‚Sechsfache‘ (Ṣoḍhā) bezeichnet. Durch diese vorzüglichste Einsetzung wird man Kṛṣṇa unmittelbar gleich.
Wort für Wort
vinyasennyāsaṣaṭkaṃ ca
so setze man die sechsfache Einsetzung ein
ṣoḍhā nyāso 'yamīritaḥ
diese Einsetzung wird als die sechsfache bezeichnet
nyāsena puṭitaṃ dṛṣṭvā siddhagandharvakinnarāḥ / devā api namantyenaṃ kiṃpunarmānavā bhuvi
Wenn sie den [Übenden], von dieser Einsetzung umhüllt, erblicken, verneigen sich die Siddhas, Gandharvas und Kinnaras, ja sogar die Götter vor ihm – wie viel mehr erst die Menschen auf Erden!
Wort für Wort
nyāsena puṭitaṃ dṛṣṭvā
wenn sie [ihn], von dieser Einsetzung umhüllt, erblicken
Mit dem Mantra des Sudarśana[-Diskus] vollziehe man sodann die Verschließung der Himmelsrichtungen (Digbandhana), indem man den alle Wünsche erfüllenden Gott im eigenen Herzen visualisiert.
Wort für Wort
sudarśanasya mantreṇa
mit dem Mantra des Sudarśana
kuryāddigbandhanaṃ tataḥ
vollziehe man sodann die Verschließung der Himmelsrichtungen
[Man gedenke des Vṛndāvana,] dessen vortreffliche Bäume, mit voll erblühten Blütenbüscheln beladen, die Zweige neigen – umschlungen von lieblichen, wie lächelnd blühenden Ranken voller Blütentrauben,
[Man gedenke des Vṛndāvana,] das lieblich ist durch Scharen von Bienen, deren Inneres von der aus den sich öffnenden frischen Lotusblüten herabtröpfelnden Honigfülle begehrlich gefesselt ist und die summend umherschwirren —
— das durch die Scharen von Schwänen, Kuckucken, Papageien und Tauben immer wieder ertönend gemacht wird und durch die tanzenden Scharen der Pfauen lieblich ist,
Wort für Wort
marālaparabhṛtkīrakapotanikarair
durch Scharen von Schwänen, Kuckucken, Papageien und Tauben
— das von den sanft wehenden Tröpfchen der wogenden Wellen der Kālindī [Yamunā] und von dem grauen, wohltuenden Blütenstaub der voll erblühten Lotusscharen [durchweht wird],
Wort für Wort
kālindyā lolakallolavipruṣair
durch die Tröpfchen der wogenden Wellen der Kālindī
mandavāhibhiḥ
die sanft wehen
unnidrāṃburuhavrātarajobhir
durch den Blütenstaub der voll erblühten Lotusscharen
— das von jenen [Winden] beständig durchweht wird, die von Liebesbegierde (Smara) entzündet sind und eifrig damit beschäftigt sind, die zarten Gewänder der schönen Frauen der Kuhhirtensiedlung zu bewegen.
Wort für Wort
pradīpita smarair
von Liebesbegierde entzündet
goṣṭhasuṃdarīmṛduvāsasām
der zarten Gewänder der schönen Frauen der Kuhhirtensiedlung
smarettadante gīrvāṇabhūruhaṃ sumanoharam / tadadhaḥ svarṇavedyāṃ ca ratnapīṭhamanuttamam
An dessen Rand gedenke man des überaus bezaubernden Götterbaumes (Wunschbaum); darunter, auf einem goldenen Altar, [gedenke man] des unübertrefflichen Juwelensitzes —
ratnakuṭṭimapīṭhe 'sminnaruṇaṃ kamalaṃ smaret / aṣṭapatraṃ ca tanmadhye mukundaṃ saṃsmaretsthitam
— auf diesem mit Juwelen ausgelegten Sitz gedenke man des rötlichen Lotus mit acht Blütenblättern, und inmitten desselben gedenke man Mukundas, der [dort] thront.
phullendīvarakāntaṃ ca kekibarhāvataṃsakam / pītāṃśukaṃ candramukhaṃ sarasīruhanetrakam
[Man gedenke seiner,] der die Schönheit einer voll erblühten blauen Lotusblüte hat, geschmückt mit einer Pfauenfeder als Ohrschmuck, in gelbes Gewand gekleidet, mit mondgleichem Antlitz und lotusgleichen Augen,
Wort für Wort
phullendīvarakāntaṃ ca
der die Schönheit einer voll erblühten blauen Lotusblüte hat
kekibarhāvataṃsakam
geschmückt mit einer Pfauenfeder als Ohrschmuck
pītāṃśukaṃ candramukhaṃ
in gelbes Gewand gekleidet, mit mondgleichem Antlitz
kaustubhodbhāsitāṅgaṃ ca śrīvatsāṃkaṃ subhūṣitam / vrajastrīnetrakamalābhyarcitaṃ gogaṇāvṛtam
— dessen Glieder vom Kaustubha-Juwel erstrahlen, der mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen und trefflich geschmückt ist, der von den Lotusaugen der Frauen Vrajas verehrt wird und von Kuhherden umgeben ist,
Wort für Wort
kaustubhodbhāsitāṅgaṃ ca
dessen Glieder vom Kaustubha-Juwel erstrahlen
śrīvatsāṃkaṃ subhūṣitam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, trefflich geschmückt
— der von der Schar der Hirten (Gopas) begleitet wird und die Flöte (Vaṃśī) spielt: dessen gedenke der Kluge. So habe man meditiert, und der Weise murmle (Japa) zu Beginn zweimal zehntausend Mal.
Wort für Wort
gopavṛndayutaṃ vaṃśīṃ
der von der Gopa-Schar begleitet, die Flöte
vādayantaṃ smaretsudhīḥ
spielt: dessen gedenke der Kluge
evaṃ dhyātvā
so habe man meditiert
japedādāvayutadvitayaṃ budhaḥ
der Weise murmle zu Beginn zweimal zehntausend Mal
Mit gesammeltem Geist opfere man mit rötlichen Lotusblüten den zehnten Teil davon [d.h. zweitausend Mal]; danach murmle man mit gesammeltem Geist zur Erlangung der Mantra-Vollendung hunderttausend Mal.
Wort für Wort
juhuyādaruṇāṃbhojais
man opfere mit rötlichen Lotusblüten
taddaśāṃśaṃ samāhitaḥ
den zehnten Teil davon, mit gesammeltem Geist
japetpaścānmantrasiddhyai
danach murmle man zur Erlangung der Mantra-Vollendung
Nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat, wird man zum Herrn aller Siddhis. Auf dem zuvor genannten vaiṣṇavischen Sitz stelle man sich, ausgehend vom Wurzelmantra, die [göttliche] Gestalt vor,
Wort für Wort
aruṇaiḥ kamalaihutvā
nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat
sarvasiddhīśvaro bhavet
wird man zum Herrn aller Siddhis
pūrvokte vaiṣṇave pīṭhe
auf dem zuvor genannten vaiṣṇavischen Sitz
mūrtiṃ saṃkalpya mūlataḥ
stelle man sich, vom Wurzelmantra ausgehend, die Gestalt vor
tasyāmāvāhya cābhyarcedgopījanamanoharam / mukhe veṇuṃ samabhyarcya vanamālāṃ ca kaustubham
— und in ihr rufe man [die Gottheit] herbei (Āvāhana) und verehre den, der das Herz der Hirtenmädchen (Gopījana) bezaubert; man verehre die Flöte am Mund sowie den Waldblumenkranz (Vanamālā) und das Kaustubha-Juwel,
Wort für Wort
tasyāmāvāhya
und in ihr, nachdem man [die Gottheit] herbeigerufen hat
cābhyarcedgopījanamanoharam
verehre man den, der das Herz der Hirtenmädchen bezaubert
śrīvatsaṃ ca hṛdi prārcya tataḥ puṣpāñjaliṃ kṣipet / tataḥ śvetāṃ ca tulasīṃ śuklacandanapaṅkilām
— und nachdem man das Śrīvatsa-Zeichen am Herzen verehrt hat, streue man sodann eine Hand voll Blüten aus; danach [opfere man] weißes Tulasī-Laub, das mit weißem Sandelbrei benetzt ist,
Wort für Wort
śrīvatsaṃ ca hṛdi prārcya
nachdem man das Śrīvatsa-Zeichen am Herzen verehrt hat
raktāṃ ca tulasīṃ raktañcadanāktāṃ krasātsudhīḥ / arpayeddakṣiṇe jadvayamaśvāriyugmakam
— und rotes Tulasī-Laub, mit rotem Sandel benetzt, [opfere] der Kluge der Reihe nach; er weihe zur Rechten ein Wasser-Paar und ein Paar Blüten der ‚Pferdefeindin‘ [wohl der Arka-Pflanze].
Wort für Wort
raktāṃ ca tulasīṃ
und rotes Tulasī-Laub
raktacandanāktāṃ krasāt sudhīḥ
mit rotem Sandel benetzt, [opfere] der Kluge der Reihe nach [?]
arpayeddakṣiṇe jadvayam
er weihe zur Rechten ein Wasser-Paar
aśvāriyugmakam
und ein Paar [Blüten] der ‚Pferdefeindin‘ [?]
[?: „krasāt“ ist unklar, vermutlich verderbt für „kramāt“ (der Reihe nach). „aśvāriyugmakam“ (‚Paar der Pferdefeindin‘) ist unsicher gedeutet als Blüten der Arka-Pflanze (Calotropis gigantea), die wegen ihres für Pferde giftigen Milchsafts auch „Aśvamāraka“ heißt; vgl. das Synonym „hayamāradvayena“ in V.56.]
Mit eben diesem Paar der ‚Pferdetöterin‘ [-Blüten weihe man] am Herzen und ebenso wiederum am Scheitel; danach weihe man vorschriftsmäßig ein Lotuspaar am Haupt.
Zur Rechten [visualisiere man] das mit ‚Vāsudeva‘ bezeichnete, reine, unvergängliche Bewusstsein; und zur Linken Rukmiṇī, die diesem [gegenüber untergeordnete], ewige, rote, von der Beschaffenheit des Rajas [geprägte Gestalt].
Wort für Wort
dakṣiṇe vāsudevākhyaṃ
zur Rechten das mit ‚Vāsudeva‘ bezeichnete
svacchaṃ caitanyamavyayam
reine, unvergängliche Bewusstsein
vāme ca rukmiṇīṃ tadūnnityāṃ
und zur Linken Rukmiṇī, die diesem untergeordnete, ewige [?]
raktāṃ rajoguṇām
rote, von der Beschaffenheit des Rajas
[?: „tadūnnityāṃ“ ist unsicher; wörtlich etwa „diesem gegenüber vermindert, [doch] ewig“ – vermutlich Ausdruck der Vorstellung von der Śakti (Rukmiṇī) als dem Vyūha untergeordneter, aber gleichwohl ewiger Kraft.]
evaṃ saṃpūjya gopālaṃ kuryādāvaraṇārcanam / yajeddāmasudāmau ca vasudāmaṃ ca kiṅkiṇīm
Nachdem man Gopāla so verehrt hat, vollziehe man die Verehrung des [göttlichen] Gefolges (Āvaraṇārcana); man verehre Dāma und Sudāma sowie Vasudāma und Kiṅkiṇī —
— in den Himmelsrichtungen, beginnend mit Osten, [verehre man] die mit Dāma beginnenden [Gefährten], jeweils fest mit den Endungen ‚-e‘, ‚namaḥ‘ und dergleichen [versehen]; in den Zwischenrichtungen Feuer, Nairṛti, Vāyu und Īśāna [verehre man] die mit ‚Herz‘ [beginnenden Glieder].
Wort für Wort
pūrvādyāśāsu dāmādyā
in den mit Osten beginnenden Himmelsrichtungen die mit Dāma beginnenden [Gefährten]
ṅeṃnamontadhruvādikāḥ
fest mit den Endungen ‚-e‘, ‚namaḥ‘ u.dgl. [versehen]
agninairṛtivāyvīśakoṇeṣu
in den Zwischenrichtungen Feuer, Nairṛti, Vāyu und Īśāna
dikṣvastrāṇi samabhyarcya patreṣu mahiṣīryajet / rukmiṇī satyabhāmā ca nāgnajityabhidhā punaḥ
Nachdem man die Waffen (Astras) in den Himmelsrichtungen verehrt hat, verehre man an den Blütenblättern [des Lotus] die [acht] Gemahlinnen (Mahiṣīs): Rukmiṇī, Satyabhāmā und die mit Namen Nāgnajitī,
Wort für Wort
dikṣvastrāṇi samabhyarcya
nachdem man die Waffen in den Himmelsrichtungen verehrt hat
suvindā mitravindā ca lakṣmaṇā carkṣajā tataḥ / suśīlā ca lasadramyacitritāṃbarabhūṣaṇā
— Suvindā, Mitravindā, Lakṣmaṇā, sodann die aus dem [Bären-Geschlecht der] Ṛkṣa Geborene [Jāmbavatī], sowie Suśīlā, geschmückt mit prächtigen, bunt gemusterten Gewändern.
Wort für Wort
suvindā mitravindā ca
Suvindā, Mitravindā
lakṣmaṇā carkṣajā tataḥ
Lakṣmaṇā, sodann die aus Ṛkṣa Geborene
suśīlā ca
und Suśīlā
lasadramyacitritāṃbarabhūṣaṇā
geschmückt mit prächtigen, bunt gemusterten Gewändern
— die Hirten und Hirtinnen, deren Augen und Sinn ganz in Govinda versunken sind; [dann] die beiden Eltern [Nanda und Yaśodā], deren Hände die Geste des Wissens und der Furchtlosigkeit zeigen, gelb bzw. bleich [gekleidet],
Wort für Wort
gopānūgopīśca
die Hirten und Hirtinnen
govindavilīnamatilocanān
deren Sinn und Augen in Govinda versunken sind
jñānamudrābhayakarau
deren Hände die Geste des Wissens und der Furchtlosigkeit zeigen
— die beiden Mütter [Devakī und Yaśodā], geschmückt mit göttlichen Blumenkränzen, Gewändern, Salben und Schmuck, die eine Opferspeise sowie ein volles Gefäß mit Milchreis tragen,
Wort für Wort
divyamālyāṃbarālepabhūṣaṇe
geschmückt mit göttlichen Blumenkränzen, Gewändern, Salben und Schmuck
— vom Hālā-Wein taumelnd, in blaues Gewand gekleidet, den Pflug tragend, mit einem einzelnen Ohrring; [und] die dunkle Strahlenpartikel (Kalā), Bhadrā, [d.h.] Subhadrā, geschmückt mit glückverheißendem Schmuck,
Wort für Wort
hālālolo nīlavāsā
vom Hālā-Wein taumelnd, in blaues Gewand gekleidet
halavānekakuṇḍalaḥ
den Pflug tragend, mit einem einzelnen Ohrring
kalā yā śyāmalā bhadrā
die dunkle Strahlenpartikel, die glückverheißende
subhadrā bhadrabhūṣaṇā
Subhadrā, geschmückt mit glückverheißendem Schmuck
— [Subhadrā,] mit den Gesten der Gabe und Furchtlosigkeit, in gelbes Gewand gekleidet, in vollerblühter Jugend; [die Hirten tragen] Flöte, Vīṇā, goldenen Stab, Muschelhorn, Büffelhorn und dergleichen in ihren Händen,
Wort für Wort
varābhayayutā
mit den Gesten der Gabe und Furchtlosigkeit
pītavasanā rūḍhayauvanā
in gelbes Gewand gekleidet, in vollerblühter Jugend
— die Hirten und Hirtinnen, deren Lotushände mannigfaltige Gaben und Speisen [darbringen]. Außerhalb davon verehre man die Wunschbäume, beginnend mit dem Mandāra-Baum,
Wort für Wort
gopā gopyaśca
die Hirten und Hirtinnen
vividhaprābhṛtānnakarāṃbujāḥ
deren Lotushände mannigfaltige Gaben und Speisen [darbringen]
mandāradīṃśca tadbāhye
außerhalb davon die mit Mandāra beginnenden [Bäume]
madhye dikṣu samabhyarcya bahiḥ śakrādikānyajet / tadastrāṇi ca saṃpūjya yajetkṛṣṇāṣṭakena ca
Nachdem man in der Mitte in den Himmelsrichtungen [die Gottheiten] verehrt hat, verehre man außen Indra (Śakra) und die übrigen Weltenhüter; nachdem man auch deren Waffen verehrt hat, verehre man [Kṛṣṇa] mit dem Kṛṣṇāṣṭaka.
Wort für Wort
madhye dikṣu samabhyarcya
nachdem man in der Mitte in den Himmelsrichtungen verehrt hat
kṛṣṇaṃ ca vāsudevaṃ ca devakīnandanaṃ tathā / nārāyaṇaṃ yaduśreṣṭhaṃ vārṣṇeyaṃ dharmapālakam
Kṛṣṇa, Vāsudeva und ebenso den Sohn der Devakī, Nārāyaṇa, den Besten der Yadus, den Vṛṣṇi-Sprössling (Vārṣṇeya), den Beschützer der Rechtsordnung (Dharma),
Wort für Wort
kṛṣṇaṃ ca vāsudevaṃ ca
Kṛṣṇa und Vāsudeva
devakīnandanaṃ tathā
und ebenso den Sohn der Devakī
nārāyaṇaṃ yaduśreṣṭhaṃ
Nārāyaṇa, den Besten der Yadus
vārṣṇeyaṃ dharmapālakam
den Vṛṣṇi-Sprössling, den Beschützer der Rechtsordnung
— und den, der die von Dämonen bedrängte Last der Erde hinwegnimmt, verehre man sodann. Mit diesen Umhüllungsgottheiten (Āvaraṇas) ist die Verehrung von denen zu vollziehen, die nach Glückseligkeit verlangen.
Wort für Wort
asurākrāntabhūbhārahāriṇaṃ
den, der die von Dämonen bedrängte Last der Erde hinwegnimmt
pūjayettataḥ
verehre man sodann
ebhirāvaraṇaiḥ pūjā
mit diesen Umhüllungsgottheiten [ist] die Verehrung
kartavyāsukhairiṇaḥ
von denen zu vollziehen, die nach Glückseligkeit verlangen [?]
[?: „kartavyāsukhairiṇaḥ“ ist unsicher überliefert; hier probeweise als „kartavyā sukhaiṣiṇaḥ“ (von denen zu vollziehen, die nach Glückseligkeit verlangen) gedeutet.]
— zur Errettung aus dem Ozean des Weltenkreislaufs (Saṃsāra) und zur Erlangung aller Wünsche [vollziehe] der Weise [diese Verehrung]. So werden durch solche Verehrung selbst [Götter wie] Yama einem Vaiśravaṇa [Kubera] gleich.
Wort für Wort
saṃsārasāgarotthīrtyai
zur Errettung aus dem Ozean des Weltenkreislaufs
sarvakāmāptaye budhaḥ
und zur Erlangung aller Wünsche [vollziehe] der Weise [dies]
evaṃ pūjādibhiḥ siddhā
so werden durch solche Verehrung
bhavadvaiśravaṇo yamaḥ
selbst Yama einem Vaiśravaṇa gleich
[?: „bhavadvaiśravaṇo yamaḥ“ wörtlich „Yama wird zu Vaiśravaṇa“ – als hyperbolische Aussage über die reichtumsbringende Wirkung der Verehrung gedeutet.]
Nun werde ich die dreimal-tägliche Verehrung (Trikālapūjā) dieses [Gottes] verkünden, die alle Ziele erfüllt: [Man denke sich Kṛṣṇa] in einem prächtigen, von Gärten umgebenen Pavillon aus goldenem Boden und Juwelen,
Wort für Wort
trikālapūjanaṃ cāsya
nun die dreimal-tägliche Verehrung dieses [Gottes]
— thronend unter einem strahlenden Wunschbaum auf einem Juwelen-Lotus-Sitz, [ihn als] strahlend wie das Juwel Indras, mit glänzenden, wie in Zuckersirup getränkten Locken, als Kind [visualisierend],
Wort für Wort
lasatkalpadrumādhastha
unter einem strahlenden Wunschbaum
ratnābjapīṭhasaṃsthitam
auf einem Juwelen-Lotus-Sitz thronend
sutrāmaratnasaṃkāśaṃ
strahlend wie das Juwel Indras
guḍasnigdhālakaṃ śiśum
mit wie in Zuckersirup glänzenden Locken, als Kind
— dessen liebliche Wangenflächen von schaukelnden goldenen Ohrringen erstrahlen, der eine schöne Nase trägt und dessen Mund von wunderbarem Lächeln [erfüllt und] schön ist; der [Fuß-]Ringe aus funkelnden, reinen Juwelen an goldenen Schnüren trägt, dessen Zehennägel golden umrandet und lieblich weiß-rötlich sind [wie Lotusblätter],
Wort für Wort
calatkanakakuṇḍalollasitacārugaṇḍasthalaṃ
dessen liebliche Wangenflächen von schaukelnden goldenen Ohrringen erstrahlen
sughoṇadharamadbhutasmitamukhāṃvutaṃ sundaram
der eine schöne Nase trägt, dessen Mund von wunderbarem Lächeln [erfüllt] und schön ist
sphuradvimalaratnayukkanakasūtranaddha
der [Ringe] aus funkelnden, reinen Juwelen an goldenen Schnüren trägt
suvarṇaparimaṇḍitaṃ subhagapaiṇḍarīkaṃ nakham
dessen golden umrandete Zehennägel lieblich weiß-rötlich sind [wie Lotusblätter]
— [dessen] gewölbte Brust mit dem Staub der Kühe [bedeckt ist], dessen wohlgenährte Glieder von goldenem Schmuck erstrahlen; an der Hüfte, [wo] das schöne Beinpaar [endet], mit einem klingenden Netz von Glöckchen umgürtet,
Wort für Wort
samuddhūsarorasthale
auf der gewölbten Brust
dhenudhūlyā supuṣṭāṅgam
mit Kuhstaub [bedeckt], mit wohlgenährten Gliedern
hasantaṃ hasadvandhujīvaprasūnaprabhāpāṇipādāṃbujodārakāntyā / dadhānaṃ karo dakṣiṇe pāyasānna suhaiyaṅgavīnaṃ tathā vāmahaste
— lachend, mit der herrlichen Schönheit von Händen und Füßen, gleich Lotusblüten, [die] den Glanz lachender Bandhujīva-Blüten [haben]; in der rechten Hand Milchreis und feine frische Butter haltend, ebenso in der linken Hand,
— inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend, dessen Füße von Indra (Vāsava) und den anderen Göttern verehrt werden; [ihn, der] sich anschickt, sodann die zu schwerer Last [der Erde] gewordenen Scharen der Götterfeinde sowie Pūtanā und die übrigen [Dämonen] zu vernichten.
Wort für Wort
lasadgopagopīgavāṃ vṛndamadhye sthitaṃ
inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend
vāsavādyaiḥ surairarcitāndhrim
dessen Füße von Indra und den anderen Göttern verehrt werden
mahābhārabhūtāmarārātiyūthāṃstataḥ
die zu schwerer Last gewordenen Scharen der Götterfeinde sodann
pūtanādīnnihṝntuṃ pravṛttam
der sich anschickt, Pūtanā und die übrigen zu vernichten
So, mit festem Geist, verehre man, nach vorherigem Meditieren, den Gott wie zuvor; nachdem man eine Opferspeise aus Quark und Zucker dargebracht hat, murmle man tausend Mal.
Wort für Wort
evaṃ dhyātvārccayeddevaṃ
so, nachdem man meditiert hat, verehre man den Gott
pūrvavatsthiramānasaḥ
wie zuvor, mit festem Geist
dadhnā guḍena naivedyaṃ datvā
nachdem man eine Opferspeise aus Quark und Zucker dargebracht hat
lasadgopagopīgavāṃ vṛndamadhyastitaṃ sāṃdrameghaprabhaṃsuṃndarāṅgam / śikhaṇḍicchadāpīḍamabjāyatākṣaṃ lasañcillikaṃ pūrṇacadrānanaṃ ca
— inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend, dessen schöne Glieder den Glanz dichter Gewitterwolken haben, geschmückt mit einem Diadem aus Pfauenfedern, mit lotusgleich-weiten Augen, mit glänzenden Augenbrauen und einem Antlitz gleich dem Vollmond,
Wort für Wort
lasadgopagopīgavāṃ vṛndamadhyastitaṃ
inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend
sāṃdrameghaprabhaṃsuṃndarāṅgam
dessen schöne Glieder den Glanz dichter Gewitterwolken haben
śikhaṇḍicchadāpīḍamabjāyatākṣaṃ
geschmückt mit einem Diadem aus Pfauenfedern, mit lotusgleich-weiten Augen
lasañcillikaṃ pūrṇacadrānanaṃ ca
mit glänzenden Augenbrauen und einem Antlitz gleich dem Vollmond
— dessen Wangenpracht von schaukelnden Ohrringen erstrahlt, schön, sanft lächelnd, mit schöner Nase; in ein Gewand von der Farbe feinen Goldes [gekleidet], mit himmlischem Schmuck, mit einem klingenden Netz von Glöckchen und berauschender Salbe,
Wort für Wort
calatkuṇḍalollāsigaṇḍasthalaśrībharaṃ
dessen Wangenpracht von schaukelnden Ohrringen erstrahlt
sundaraṃ mandahāsaṃ sunāsam
schön, sanft lächelnd, mit schöner Nase
sukārtasvarābhāṃbaraṃ divyabhūṣaṃ
in ein Gewand von der Farbe feinen Goldes [gekleidet], mit himmlischem Schmuck
kvaṇatkiṅkiṇījālamattānulepam
mit klingendem Glöckchennetz und berauschender Salbe
— die Flöte blasend, in der eigenen linken Hand Muschelhorn und Hirtenstab tragend, von erhabener Gestalt, ebenso mit der rechten [Hand] geschickt im Gewähren der erwünschten Gaben: [so] meditiere man über den Sohn Nandas und verehre ihn, um Indirā [Glücksgöttin] zu erlangen.
Wort für Wort
veṇuṃ dhamantaṃ svakare
die Flöte blasend, in der eigenen Hand
dadhānaṃ savye daraṃ yaṣṭimudāraveṣam
in der linken Hand Muschelhorn und Hirtenstab tragend, von erhabener Gestalt
dakṣe tathaivepsitadānadakṣaṃ
ebenso mit der rechten [Hand] geschickt im Gewähren der erwünschten Gaben
dhyātvārcayennandajamindirāptyai
meditiere man über den Sohn Nandas und verehre ihn, um Indirā zu erlangen
— und nachdem er hundertundacht Mal mit in Ghee getränkten Milchreiskörnern geopfert hat, gebe er in den jeweiligen Himmelsrichtungen ein Speiseopfer (Bali) und reiche danach das Mundspülwasser (Ācamana).
Wort für Wort
hutvā cāṣṭattaraśataṃ
und nachdem er hundertundacht Mal geopfert hat
payo 'naiḥ sarpiṣāplutaiḥ
mit in Ghee getränkten Milchreiskörnern
svasvadikṣu baliṃ dadyāt
gebe er in den jeweiligen Himmelsrichtungen ein Speiseopfer
— dem verneigen sich alle Götter, er wird zum Liebling der Welten, ausgestattet mit Weisheit, langem Leben, Glanz und Schönheit, und er mehrt sich mit Söhnen und Enkeln.
Wort für Wort
devāḥ sarve namasyanti
dem verneigen sich alle Götter
lokānāṃ vallabho naraḥ
er wird zum Liebling der Welten
medhāyuḥśrīkāntiyuktaḥ
ausgestattet mit Weisheit, langem Leben, Glanz und Schönheit
Bei der Verehrung zur dritten Tageszeit besteht eine Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Zeit: ‚am Abend‘ oder ‚in der Nacht‘ – so sagen manche der Kundigen hierzu.
Wort für Wort
tṛtīyakālapūjāyām
bei der Verehrung zur dritten Tageszeit
asti kālavikalpanā
besteht eine Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Zeit
Wenn in der Nacht [verehrt wird, verwende man] den zehnsilbigen [Mantra], am Abend hingegen den achtzehnsilbigen; beide [Verehrungen] solle man mit beiden [Mantras] vollziehen – so sagten andere [Gelehrte].
Wort für Wort
daśākṣareṇa cedrātrau
wenn in der Nacht, mit dem zehnsilbigen [Mantra]
sāyāhne 'ṣṭādaśārṇataḥ
am Abend hingegen mit dem achtzehnsilbigen
ubhayīmubhayenaiva kuryāt
beide [Verehrungen] solle man mit beiden [Mantras] vollziehen
— [die Stadt,] die von Seen umgeben ist, welche voll von Schwänen und Kranichen sind und reich an Lotus- und Seerosenblüten, mit blauem Wasser; im vorzüglichsten Palast [dieser Stadt],
— im prächtigen Juwelenrund, dessen Glanz dem eines aufgehenden Lichtes gleicht, [visualisiere man] Kṛṣṇa, sitzend auf einem goldenen Lotusthron, der die drei Welten betört,
Wort für Wort
udyatpradyotanodyotadyutau
dessen Glanz dem eines aufgehenden Lichtes gleicht
— umgeben von Scharen von Weisen, [in Besprechung] über die Bestimmung des Selbst-Prinzips (Ātmatattva), der jenen Weisen sein eigenes, unvergängliches, höchstes Reich (Dhāma) weist,
Wort für Wort
munivṛndaiḥ parivṛtam
umgeben von Scharen von Weisen
ātmatattvavinirṇaye
bei der Bestimmung des Selbst-Prinzips
tebhyo munibhyaḥ
jenen Weisen
svaṃ dhāma diśantaṃ paramakṣaram
der sein eigenes, unvergängliches, höchstes Reich weist
— dunkel wie eine voll erblühte blaue Lotusblüte, mit Augen, weit wie Lotusblätter, glänzend, mit einer von den Locken durchsetzten Krone, geschmückt mit einem Waldblumenkranz,
Wort für Wort
unnidredīvaraśyāmaṃ
dunkel wie eine voll erblühte blaue Lotusblüte
padmapatrāyatekṣaṇam
mit Augen, weit wie Lotusblätter
snigdhaṃ kuntalasaṃbhinnakirīṭa
glänzend, mit einer von den Locken durchsetzten Krone
— mit schönem, heiterem Antlitz, mit blitzenden Makara-Ohrringen, mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, mit strahlendem, überaus bezauberndem Kaustubha-Juwel,
Wort für Wort
cāruprasannavadanaṃ
mit schönem, heiterem Antlitz
sphuranmakarakuṇḍalam
mit blitzenden Makara-Ohrringen
śrīvatsavakṣasaṃ
mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust
bhrājatkaustubhaṃ sumanoharam
mit strahlendem, überaus bezauberndem Kaustubha-Juwel
— der die überreiche Last der Erdenträgerin hinweggenommen hat, freudigen Sinnes, dessen vier Arme von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlen.
Wort für Wort
hṛtaviśvaṃbharābhūribhāraṃ
der die überreiche Last der Erdenträgerin hinweggenommen hat
muditamānasam
freudigen Sinnes
śaṅkhacakragadāpadmarājad
von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlend
So meditierend verehre der Mantra-Kundige [ihn]; die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern (Aṅgas), die zweite mit den Gemahlinnen (Mahiṣīs), in der dritten [Runde] verehre man [das übrige Gefolge].
Wort für Wort
evaṃ dhyātvārcayenmantrī
so meditierend verehre der Mantra-Kundige
syādaṅgaiḥ prathamāvṛttiḥ
die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern
nāradaṃ parvataṃ jiṣṇuṃ niśaṭhoddhavadārukān / viṣvaksenaṃ ca śaineyaṃ dikṣvagre vinatāsutam
Nārada, Parvata, Jiṣṇu [Arjuna], Niśaṭha, Uddhava und Dāruka, Viṣvaksena und den Śaineya [Sātyaki], [sowie] Garuḍa, den Sohn der Vinatā, an vorderster Stelle in den Himmelsrichtungen —
Wort für Wort
nāradaṃ parvataṃ jiṣṇuṃ
Nārada, Parvata, Jiṣṇu
niśaṭhoddhavadārukān
Niśaṭha, Uddhava und Dāruka
viṣvaksenaṃ ca śaineyaṃ
Viṣvaksena und den Śaineya
dikṣvagre vinatāsutam
an vorderster Stelle in den Himmelsrichtungen, den Sohn der Vinatā [Garuḍa]
— und mit den Weltenhütern, [deren Waffen] beginnend mit dem Vajra [Indras], verehre der beste der Vaiṣṇavas. Nachdem er so vorschriftsmäßig verehrt hat, opfere er Milchreis dar.
Nachdem er hier mit Wasser, das er sich als mit Zuckerkandis vermischte Milch vorstellt, ein Trankopfer dargebracht hat, murmle der Mantra-Kundige hundertundacht Mal, indem er den Höchsten Puruṣa visualisiert.
Wort für Wort
tarpayitvā khaṇḍamiśradugdhabuddhyā
nachdem er, in der Vorstellung als mit Zuckerkandis vermischte Milch
Bei allen Verehrungen vollziehe man das Feueropfer (Homa), oder [nur] zur Mittagszeit; nachdem der Kluge [die Verehrung] vom Sitz-Anbieten bis zum Ehrenwasser (Arghya) vollzogen hat, preise er [den Gott] und verneige sich.
Wort für Wort
pūjāsu homaṃ sarvāsu
bei allen Verehrungen das Feueropfer
kuryānmadhyandine 'thavā
vollziehe man, oder [nur] zur Mittagszeit
āsanādarghyaparyantaṃ kṛtvā
nachdem er [die Verehrung] vom Sitz-Anbieten bis zum Ehrenwasser vollzogen hat
Nachdem er den machtvollen [Gott aus dem Ritualbild] entlassen und in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, verehre er, mit ihm eins geworden, wiederum sich selbst.
Wort für Wort
samarthātmānamudvāsya
nachdem er den machtvollen [Gott] entlassen hat
svīyahṛtsarasīruhe
in den Lotus des eigenen Herzens
vinyasya tanmayo bhūtvā
nachdem er ihn eingesetzt hat, mit ihm eins geworden
Wenn man aber in der Nacht [verehrt], verehre man den Sohn Nandas, dessen Sinn von Liebesbegierde überwältigt ist, ermattet vom Reigentanz (Rāsa), inmitten des Kreises der Hirtenmädchen weilend,
Wort für Wort
rātrau cenmadanākrāntacetasaṃ
wenn aber in der Nacht, [verehre man] den, dessen Sinn von Liebesbegierde überwältigt ist
— [den Vṛndāvana-Hain, den man sich vorstelle,] gekühlt von sanften Winden, grau vom Blütenstaub der sich öffnenden Kunda-, Kahlāra- und Mallikā-Blüten,
Wort für Wort
vikasatkundakahlāramallikākusumodgataiḥ
aus den sich öffnenden Kunda-, Kahlāra- und Mallikā-Blüten hervortretend
— im Sandbett-Gefilde der Kālindī, erweitert durch die nektargleichen Strahlen des Mondes über den grünen Rand hin, das die Liebesbegierde entfacht: dessen Inneres von dem aus frisch sich öffnenden Nachtlotusblüten hervortretenden Honig erfüllt ist, umhergaumelnd vom Gesang trunkener Bienen lieblich, voller aufblühender Mallikā-Blüten – [dort visualisiere man Kṛṣṇa] mit lächelndem Antlitz, immer wieder die Flöte ertönen lassend,
Wort für Wort
unmīlannavakairavālivigalanmādhvīkalabdhāntaraṃ
dessen Inneres von dem aus frisch sich öffnenden Nachtlotusblüten hervortretenden Honig erfüllt ist
— dessen Glanz dem Anblick einer frischen, mit funkelndem Wasser im Innern gefüllten Gewitterwolke gleicht, mit beweglichen Augenbrauen, mit lotusgleich-weiten, schönen Augen und korallenroten Lippen; dessen Haupt mit einem aus Pfauenfedern gebundenen, beweglichen Diadem [samt einer schimmernden Federgirlande [?]] geschmückt ist, dessen beide Wangen von den Strahlen leuchtender Juwelen-Ohrringe erhellt sind,
Wort für Wort
antastoyalasannavāṃbudaghaṭāsaṃghaṭṭakāratviṣaṃ
dessen Glanz dem Anblick einer frischen, innen mit funkelndem Wasser gefüllten Gewitterwolke gleicht
dessen Haupt mit einem aus Pfauenfedern gebundenen, beweglichen Diadem samt schimmernder Federgirlande [?] geschmückt ist
dīpyatkuṇḍalaratnaraśmivilasadgaṇḍadvayodbāsitam
dessen beide Wangen von den Strahlen leuchtender Juwelen-Ohrringe erhellt sind
[?: „māyūracchadabaddhamaulivilasaddhaṃmillamālaṃ“ – das Wort „haṃmillamālā“ ist unsicher; möglicherweise Bezeichnung eines Feder- oder Perlenschmucks am Diadem, hier probeweise als „schimmernde Federgirlande“ wiedergegeben.]
— geschmückt mit Hüftgürtel, Fußringen, Halsketten, Armreifen und leuchtenden Oberarmspangen; man stelle sich Mukunda vor, der zwischen einem Paar Hirtenmädchen [steht], mit einem lieblichen Kranz aus Waldblumen, umschlungen von den ranken-gleichen Armen der einander und ihn wechselseitig umfassenden geliebten Hirtinnen, begierig nach dem leuchtenden Reigenspiel, von Liebesbegierde überwältigt.
Wort für Wort
kāñcīnūpurahārakaṅkaṇalasatkeyūrabhūṣānvitaṃ
geschmückt mit Hüftgürtel, Fußringen, Halsketten, Armreifen und leuchtenden Oberarmspangen
— sich [mit ihnen] drehend, [begleitet] von den Scharen mannigfaltiger, durch die überlieferten [Musiklehren] unterschiedener, überaus lieblicher Tonarten der siebentönigen Tonleiter; dessen schöner Leib vom Klingen des kostbaren, funkelnden Schmuckes [erklingt],
— bei der von der Schar der einander die Hände fassenden Frauen gestalteten Reigen-Vergnügung: [Kṛṣṇa,] der auf mannigfache Weise mit diesem [einen] Leib seine eigene göttliche Gestalt vervielfältigt hat, [dessen Bewegung] gleich dem Gang [des Schattenzeigers] auf einer Sonnenuhr [?] ist.
bei der von der Schar der einander die Hände fassenden Frauen gestalteten Reigen-Vergnügung
maṇiśaṅkugamapyamunā vapuṣā
gleich dem Gang [des Zeigers] auf einer Sonnenuhr [?], mit diesem Leib
bahudhā vihitasvakadivyatanum
der auf mannigfache Weise seine eigene göttliche Gestalt vervielfältigt hat
[?: „maṇiśaṅkugamapyamunā“ ist unsicher; „śaṅku“ (Gnomon/Zeiger einer Sonnenuhr) wurde probeweise als Bildvergleich für die gleichmäßig-kreisende Bewegung gedeutet.]
So meditierend verehre der Mantra-Kundige [ihn]; die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern (Aṅgas). [Es folgt] Śrīkāma zusammen mit den Vokalen und den übrigen [Lauten, verehrt] mit Kalā-Lotusblüten durch den besten der Vaiṣṇavas —
Wort für Wort
evaṃ dhyātvārcayenmantrī
so meditierend verehre der Mantra-Kundige
syādaṅgaiḥ prathamāvṛtiḥ
die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern
śrīkāmaḥ sasvarādyāni
[es folgt] Śrīkāma mit den Vokalen und den übrigen [Lauten]
kalābjairvaiṣṇavottamaḥ
mit Kalā-Lotusblüten, durch den besten der Vaiṣṇavas
[?: Der Übergang zu „śrīkāmaḥ sasvarādyāni kalābjaiḥ“ ist knapp gehalten; vermutlich Vorverweis auf die später (ab V.149ff.) behandelte Kāma-Verehrung mit Vokal- und Silben-Zuordnung.]
yajetkeśavakīrtyādimithunāni ca ṣoḍaśa / indrādyānapi vajrādīnpūjayettadanantaram
— man verehre die sechzehn, mit Keśava-Kīrti beginnenden Paare (Mithuna); danach verehre man auch Indra und die übrigen [Weltenhüter] mit dem Vajra und den übrigen [Waffen].
Wort für Wort
yajetkeśavakīrtyādimithunāni ca ṣoḍaśa
man verehre die sechzehn, mit Keśava-Kīrti beginnenden Paare
indrādyānapi vajrādīn
auch Indra und die übrigen, mit dem Vajra und den übrigen [Waffen]
Nachdem man in die Erde einen breiten, wohlgerundeten, glatten, eine Spanne hohen Pflock eingegraben hat und ihn mit den Füßen umschreitet, wechselseitig mit den Händen [die Nachbarn fassend] – dies eben ist der ‚Kreistanz‘, die Rāsa-Versammlung.
sapūjyaivaṃ ca payasā sasito palasarpiṣā / naivedyamarcayitvā tu caṣakairnṛpasaṃkhyakaiḥ
So verehre man [ihn] mit gezuckerter Milch und einem Maß Ghee; nachdem man die Opferspeise dargebracht hat, [reiche man sie] mit Bechern in königlicher Anzahl [?].
Wort für Wort
sapūjyaivaṃ ca payasā
so verehre man [ihn] mit Milch
sasito palasarpiṣā
gezuckert, und mit einem Pala [Maß] Ghee
naivedyamarcayitvā tu
nachdem man die Opferspeise dargebracht hat
caṣakairnṛpasaṃkhyakaiḥ
mit Bechern in königlicher Anzahl [?]
[?: „palasarpiṣā“ wurde als „mit einem Pala [Gewichtsmaß] Ghee“ gedeutet; „caṣakairnṛpasaṃkhyakaiḥ“ (Becher ‚in königlicher Zahl‘) bleibt unsicher, evtl. Anspielung auf eine feste, traditionell mit Königtum assoziierte Zahl (z. B. sechzehn).]
— beständig [?] weihe der Mantra-Kundige [die Opferspeise] der Reihe nach den [sechzehn] Paaren zu; nachdem er den übrigen [Ritus] wie zuvor vollzogen hat, murmle er tausendmal den Mantra.
Wort für Wort
satataṃ pāpapte (?)
beständig [?, im Quelltext selbst als unsicher markiert]
mantrī mithuneṣvarpayetkramāt
weihe der Mantra-Kundige der Reihe nach den Paaren zu
vidhāya pūrvavaccheṣaṃ
nachdem er den übrigen [Ritus] wie zuvor vollzogen hat
sahasraṃ prajapenmanum
murmle er tausendmal den Mantra
[Anm.: Im Quelltext selbst ist das Wort „pāpapte“ mit einem Fragezeichen „(?)“ als unsichere Lesart gekennzeichnet; seine Bedeutung bleibt daher offen. Die Übersetzung „beständig“ folgt notdürftig dem vorangehenden „satataṃ“.]
stutvā natvā ca saṃprārthya pūjāśeṣaṃ samāpayet / evaṃ yaḥ pūjayetkṛṣṇaṃ sa sasmṛddheḥ padaṃ bhavet
Nachdem man gepriesen, sich verneigt und [seine Wünsche] vorgetragen hat, vollende man den Rest der Verehrung. Wer Kṛṣṇa so verehrt, der erlangt den Zustand des Wohlstands.
Wort für Wort
stutvā natvā ca saṃprārthya
nachdem man gepriesen, sich verneigt und [seine Wünsche] vorgetragen hat
Er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā – daran besteht kein Zweifel. Nachdem er hier mannigfache Genüsse erfahren hat, geht er am Ende in Viṣṇus [höchstes] Reich ein.
Wort für Wort
aṇimādyaṣṭasiddhīnāmīśvaraḥ syāt
er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā
na saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel
bhuktveha vividhānbhogānante
nachdem er hier mannigfache Genüsse erfahren hat, am Ende
Nachdem [der Mantra] so durch Verehrung und dergleichen erfolgreich gemacht worden ist, erlange man im Geiste die gewünschten Dinge; oder der Kluge verehre achtundzwanzig Mal zu den drei Tageszeiten.
Wort für Wort
evaṃ pūjādibhiḥ siddhe
nachdem [der Mantra] so durch Verehrung erfolgreich gemacht worden ist
Das Wort ‚tarpayāmi‘ (ich stille) füge man am Ende des Mantra an, [nach] den eigenen [Götter-]Namen im Dativ; bei den [Formeln] mit Namen im Akkusativ aber vollende man danach wiederum den Rest der Verehrung.
Wort für Wort
tarpayāmipadaṃ yojyaṃ
das Wort ‚tarpayāmi‘ füge man an
mantrānte sveṣu nāmasu
am Ende des Mantra, nach den eigenen [Götter-]Namen [im Dativ]
dvitīyānteṣu tu punaḥ
bei den auf den Akkusativ endenden [Formeln] aber wiederum
pūjāśeṣaṃ samāpayet
vollende man den Rest der Verehrung
[?: Die genaue grammatische Anweisung „dvitīyānteṣu tu punaḥ“ (bei Formen, die auf den zweiten Kasus [Akkusativ] enden) bleibt in ihrer rituellen Anwendung unsicher.]
Nachdem man sich mit jenem Gnadenwasser besprengt hat, trinke man das Wasser; nachdem man jenen [Gott], damit zufriedengestellt, sodann entlassen hat, murmle man, mit ihm eins geworden, den Mantra.
Wort für Wort
abhyukṣyatatprasādādbhiḥ
nachdem man sich mit jenem Gnadenwasser besprengt hat
ātmānaṃ prapabedapaḥ
trinke man selbst das Wasser
tattṛtpastamathodvāsya
nachdem man jenen, damit zufriedengestellt, sodann entlassen hat
atha dravyāṇi kāmyeṣu procyante tarpaṇeṣu ca / tāni proktavidhānānāmāśrityānyatamaṃ bhajet
Nun werden die Substanzen genannt, die bei den auf Wunscherfüllung gerichteten Trankopfern [zu verwenden sind]; man wähle unter diesen, je nach der genannten Vorschrift, eine beliebige aus.
Wort für Wort
atha dravyāṇi kāmyeṣu
nun die Substanzen bei den auf Wunscherfüllung gerichteten
Milchreis, Quarkspeise und Ghee, mit Zuckerrohrsaft [gesüßter] Reis, Kṛsara [Reis mit Hülsenfrüchten], Milch, Quark, Banane, Bananenblüte, Tamarinde und ebenso Rajasvalā [eine Pflanzensubstanz, ?],
Wort für Wort
pāyasaṃ dādhikaṃ cājyaṃ
Milchreis, Quarkspeise und Ghee
gauḍānnaṃ kṛsaraṃ payaḥ
mit Zuckerrohrsaft [gesüßter] Reis, Kṛsara, Milch
dadhīni kadalī mocā
Quark, Banane, Bananenblüte
ciñcā rajasvalā tathā
Tamarinde und ebenso Rajasvalā [?]
[?: „rajasvalā“ ist in dieser Aufzählung von Opferspeisen sicher nicht im gewöhnlichen Sinn (menstruierende Frau) gemeint, sondern bezeichnet vermutlich eine Pflanzen- oder Speisesubstanz (evtl. eine Bezeichnung für rote Zuckerrohrmelasse); die genaue Referenz bleibt unsicher.]
Kuchen, Süßbällchen, geröstete Reiskörner, gequetschter Reis und Frischbutter – dies sind die sechzehn Substanzen, die von Padmaja [Brahmā] und den übrigen [Weisen] genannt wurden.
Wer am Ende mit gerösteten Reiskörnern, zuvor mit gequetschtem Reis und mit Zuckerkandis geweiht, so morgens vierundsiebzig Mal ein Trankopfer darbringt —
Wort für Wort
lājānte pṛthukaṃ prākca
am Ende mit gerösteten Reiskörnern, zuvor mit gequetschtem Reis
dhyātvā kṛṣṇapadaṃ matrī maṇḍalādiṣṭamāpnuyāt / dhāroṣṇapakkapayasā navanītaṃ dadhīni ca
— wer, indem er Kṛṣṇas [Lotus-]Füße meditiert, dies vollzieht, erlangt nach Wunsch die Herrschaft über einen Bezirk (Maṇḍala); [dann bringe man dar] mit frisch, heiß gekochter Milch, mit Frischbutter und mit Quark,
Wort für Wort
dhyātvā kṛṣṇapadaṃ matrī
indem der Mantra-Kundige Kṛṣṇas Füße meditiert
maṇḍalādiṣṭamāpnuyāt
erlangt er die Herrschaft über einen Bezirk nach Wunsch
daugdhāmrāmājyaṃ matsyaṇḍī kṣaudraṃ kīlālameva ca / pūjayennavabhirdravyaiḥ pratyekaṃ ravisaṃkhyayā
— mit süßer Mango-Ghee-Mischung, mit Kandiszucker, mit Honig und ebenso mit gesüßtem Wasser: man verehre mit [diesen] neun Substanzen, jeweils in der Zahl der Sonnen [zwölfmal].
Wort für Wort
daugdhāmrāmājyaṃ matsyaṇḍī
mit süßer Mango-Ghee-Mischung [?], mit Kandiszucker
kṣaudraṃ kīlālameva ca
mit Honig und ebenso mit gesüßtem Wasser
pūjayennavabhirdravyaiḥ
man verehre mit neun Substanzen
pratyekaṃ ravisaṃkhyayā
jeweils in der Zahl der Sonnen [zwölfmal]
[?: „daugdhāmrāmājyaṃ“ (‚milchig-mango-Ghee‘) ist als Kompositum unsicher aufzulösen; sinngemäß als Mischung aus Milch, Mango und Ghee wiedergegeben.]
kiṃ bahūktena sarveṣṭadāyakaṃ tarpaṇaṃ tvidam / sasitopaladhāroṣṇadugdhabuddhyā jalena vai
Was soll viel gesagt sein: dieses Trankopfer gewährt alle Wünsche – schon mit Wasser, das man sich als heiße, mit Zuckerkandis [gesüßte] Frischmilch vorstellt,
So oft der Mantra-Kundige ein Trankopfer darbringt, ebenso oft murmle er den Mantra; durch das Trankopfer allein kann er sämtliche [gewünschten] Zwecke erreichen.
Wort für Wort
yāvatsaṃtarpayenmantrī
so oft der Mantra-Kundige ein Trankopfer darbringt
tāvatsaṃkhyaṃ japenmanum
ebenso oft murmle er den Mantra
tarpaṇenaiva kāryāṇi
durch das Trankopfer allein die [gewünschten] Zwecke
kāmyahomamatho vakṣye sādhakānāṃ hitāya ca / śrīpuṣpairjuhuyānmantrī śriyamicchannininditām
Nun werde ich, zum Wohl der Übenden, das auf Wünsche gerichtete Feueropfer (Kāmya-Homa) verkünden. Der Mantra-Kundige opfere mit Lotusblüten, wenn er tadellosen Wohlstand begehrt,
Wort für Wort
kāmyahomamatho vakṣye
nun werde ich das auf Wünsche gerichtete Feueropfer verkünden
— er opfere mit Ghee und Speise zum Gedeihen der Vorräte an Ghee und Speise; mit Waldblumen [bezaubere man] die Brahmanen, mit Jātī-Blüten die Herrscher der Erde,
Ein in den Kuhställen vollzogenes Feueropfer mit Milchreis und Ghee bewirkt rasch das Wohlergehen der Kühe; [so wird Kṛṣṇa als] Gopāla zum Herrn der Kuhherde.
Indem man Kṛṣṇa im Hirtengewand [?], geschmückt mit einem Netz von Glöckchen, meditiert, stille ihn der Mantra-Kundige mit reinem Wasser, das man sich als Milch vorstellt.
Wort für Wort
śikṣāveṣadharaṃ kṛṣṇaṃ
Kṛṣṇa im Hirtengewand [?] tragend
kiṅkiṇījālaśobhitam
geschmückt mit einem Netz von Glöckchen
dhyātvā pratarpayenmantrī
indem man ihn meditiert, stille ihn der Mantra-Kundige
dugdhabuddhyā śubhairjalaiḥ
mit reinem Wasser, das man sich als Milch vorstellt
[?: „śikṣāveṣadharaṃ“ (‚das Lehr-Gewand tragend‘) ist ungewöhnlich; sinngemäß als Hirtengewand (vgl. „gopaveṣa“ in V.289) gedeutet, die genaue Lesart bleibt aber unsicher.]
Erfreut gewährt er jenem [Übenden] Reichtum, Getreide, Söhne und Ruhm. [Nun folgt das Opfer] entweder mit Brennholzstücken des Brahma-Baumes, oder mit Kuśa-Gras, oder mit Sesam und Reiskörnern,
Wort für Wort
dhanaṃ dhānyaṃ sutānkīrtiṃ
Reichtum, Getreide, Söhne, Ruhm
prītastasmai dadāti saḥ
erfreut gewährt er jenem
brahmavṛkṣasamidbhirvā
oder mit Brennholzstücken des Brahma-Baumes
kuśairvā tilatandulaiḥ
oder mit Kuśa-Gras, oder mit Sesam und Reiskörnern
— der Mantra-Kundige opfere zehntausend Mal, mit den drei Süßstoffen [Honig, Zucker, Ghee] benetzt, im Feuer; so bezaubere er die Brahmanen. Sodann mit [Blüten,] die vom Königsbaum stammen,
— mit diesen Blüten [bezaubere man] die Kṣatriyas, die Vaiśyas mit Kuraṇḍa-Blüten; und mit den vom Pāṭala-Baum stammenden Blüten bezaubere der Kluge die Untersten [Śūdras].
Mit weißen Lotusblüten, roten Lotusblüten, Campaka- und Pāṭala-Blüten, der Reihe nach, nachdem man zehntausend Mal, mit den drei Süßstoffen benetzt, geopfert hat, bezaubere man damit die schönsten Frauen.
Wort für Wort
śvetapadmai raktapapdaiḥ
mit weißen Lotusblüten, roten Lotusblüten
caṃpakaiḥ pāṭalaiḥ kramāt
mit Campaka- und Pāṭala-Blüten, der Reihe nach
hutvāyutaṃ trimadhvāktair
nachdem man zehntausend Mal, mit den drei Süßstoffen benetzt, geopfert hat
Beständig, um Mitternacht, mit den Blüten der ‚Pferdefeindin‘ [Arka], getränkt mit den drei Süßstoffen, bezaubere der Weise die vorzüglichsten Frauen, indem er acht Tage lang [den Ritus] recht durchhält.
Wort für Wort
nityaṃ hayārikusumair
beständig mit den Blüten der ‚Pferdefeindin‘
niśīthe trimadhuplutaiḥ
um Mitternacht, getränkt mit den drei Süßstoffen
varastrīrvaśayetprājñaḥ
bezaubere der Weise die vorzüglichsten Frauen
samyagdhṛtvā dināṣṭakam
indem er acht Tage lang [den Ritus] recht durchhält
Wenn man in der Nacht, mit weißem Senf, benetzt mit den drei Süßstoffen, dreißigtausend Mal täglich, einen Monat lang opfert, wird sogar der Herr der Götter [Indra] unterworfen.
Nachdem man die Gewänder der Hirtinnen herbeigeholt hat, gedenke man Kṛṣṇas, der auf einen Kadamba-Baum gestiegen ist; der Kluge murmle in der Nacht tausendmal [den Mantra], gemäß der [in Zahlwörtern von] Äther und Mond [ausgedrückten Zählung] [?].
Wort für Wort
āhṛtya ballavīvastrāṇy
nachdem man die Gewänder der Hirtinnen herbeigeholt hat
ārūḍhaṃ nīpabhūruhe
gedenke man dessen, der auf einen Kadamba-Baum gestiegen ist
smaretkṛṣṇaṃ japedrātrau
man gedenke Kṛṣṇas und murmle in der Nacht
sahasraṃ khendūhātsudhīḥ
der Kluge tausendmal, gemäß der Zählung von Äther und Mond [?]
[?: „khendūhāt“ (wörtlich ‚von Äther[-Ziffer] und Mond[-Ziffer]‘) folgt vermutlich der Bhūtasaṅkhyā-Zahlensymbolik (kha=0, indu=1), deren genauer Bezug zur Wiederholungszahl hier unsicher bleibt.]
— dadurch kann der Übende sogar Urvaśī [die Apsaras] gewaltsam rasch herbeiziehen. Was soll hier viel gesagt sein: dieser Mantra bewirkt die Unterwerfung von allem.
Nun werde ich das höchste Geheimnis verkünden, das den Menschen die Erlösung gewährt: Man meditiere im Lotus des eigenen Herzens über den allmächtigen Sohn der Devakī,
Wort für Wort
rahasyaṃ paramaṃ cātha
nun das höchste Geheimnis
vakṣye mokṣapradaṃ nṛṇām
werde ich verkünden, das den Menschen die Erlösung gewährt
— hell wie Jasmin und Mond, mit lotusgleichen Augen, der mit seinen Lotushänden Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus trägt, erstrahlend durch einen frischen, leuchtenden Lotusblütenkranz. Ich verehre ihn, den von den besten Weisen zu Erkennenden, lieblich durch [seinen] leuchtenden göttlichen Schmuck, erstrahlend vom Glanz der göttlichen Körpersalbe, den alle Furcht Hinwegnehmenden, in gelbes Gewand [gekleideten], den Bezwinger [Narakas].
Wort für Wort
śrīmatkundendugauraṃ sarasijanayanaṃ
hell wie Jasmin und Mond, mit lotusgleichen Augen
śaṅkhacakre gadābje bibhrāṇaṃ hastapadmair
der mit seinen Lotushänden Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus trägt
navanalinalasanmālayādīpyamānam
erstrahlend durch einen frischen, leuchtenden Lotusblütenkranz
vande vedyaṃ munīndraiḥ
ich verehre ihn, den von den besten Weisen zu Erkennenden
kaṇikamunilasaddivyabhūṣābhirāmaṃ
lieblich durch [seinen] leuchtenden göttlichen Schmuck [?]
erstrahlend vom Glanz der göttlichen Körpersalbe, den alle Furcht Hinwegnehmenden, in gelbes Gewand [gekleideten], den Bezwinger [Narakas] [?]
[?: „kaṇikamunilasaddivyabhūṣābhirāmaṃ“ ist als Kompositum unsicher; „kaṇika“ könnte für „kanaka“ (golden) oder eine ähnliche Lesart verderbt sein. „nurārim“ wurde probeweise als Kurzform von „narakāri“ (Bezwinger des Dämonen Naraka, ein gängiges Viṣṇu-Epitheton) gedeutet; beide Lesarten bleiben unsicher.]
So meditierend über den uranfänglichen [höchsten] Puruṣa, der auf dem geöffneten Lotus des Herzens thront, [ihn als] von wunderbar goldener Farbe, gleich einer klaren, reinen Wolkenscheibe [des Vollmonds], murmle man hunderttausend Mal [den Mantra]. Danach opfere man mit dem einmal [ausgesprochenen], von zwei Praṇava-Silben eingehüllten Mantra zwölftausend Mal mit Brennhölzern milchhaltiger Bäume, wie vorgeschrieben, oder mit einer Mischung aus Honig und Ghee, mit Zuckerkandis, oder mit Milchreis.
Wort für Wort
evaṃ dhyātvā pumāṃsaṃ
so meditierend über den [höchsten] Puruṣa
sphuṭahṛdayasarojāsanāsīnamādyaṃ
den uranfänglichen, auf dem geöffneten Lotus des Herzens Thronenden
sāṃdrāṃbhodācchabiṃbādbhutakanakanibhaṃ
von wunderbar goldener Farbe, gleich einer klaren, reinen Wolkenscheibe
saṃjapedarkalakṣam
murmle man hunderttausend Mal
manvorekaṃ dvitārāntaritamathaḥ
danach [opfere man] mit dem einmal [ausgesprochenen], von zwei Praṇava-Silben eingehüllten Mantra [?]
hunedarkasāhasramidhmaiḥ kṣīridrūttharyathoktaiḥ
opfere man zwölftausend Mal mit Brennhölzern milchhaltiger Bäume, wie vorgeschrieben
samadhughṛtasitenāthavā pāyasena
oder mit einer Mischung aus Honig und Ghee, mit Zuckerkandis, oder mit Milchreis
[?: „manvorekaṃ dvitārāntaritam“ (wörtlich ‚eines der beiden Mantras, von zwei Sternsilben eingehüllt‘) ist syntaktisch verdichtet; als Anweisung gedeutet, den Mantra einmal, von zwei Praṇava-Silben umschlossen, zu rezitieren.]
So, den von den Herren der Welten verehrten Kṛṣṇa im Lotus des eigenen Herzens meditierend, murmle der Mantra-Kundige täglich dreitausend Mal den Mantra.
Nachdem er nach der für den Abend genannten Vorschrift verehrt und wiederum das Feueropfer nach der zuvor genannten Vorschrift vollzogen hat, [verweile] der Mantra-Kundige mit seinem Sinn ganz auf ihn gerichtet.
Wort für Wort
sāyāhnoktena vidhinā saṃpūjya
nachdem er nach der für den Abend genannten Vorschrift verehrt hat
havanaṃ punaḥ
wiederum das Feueropfer
kṛtvā pūrvoktavidhinā
nachdem er nach der zuvor genannten Vorschrift vollzogen hat
mantrī tadgatamānasaḥ
[verweile] der Mantra-Kundige mit seinem Sinn ganz auf ihn gerichtet
In der Mitte, an den Außenseiten des feurigen Dreiecks, zeichne man in dessen Fruchtknoten den [Bīja-Laut] Kandarpas zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden (Sādhya); in den Staubfäden [schreibe man] den in Zwischenräumen befindlichen sechssilbigen [Mantra] des Feindes [Kāmas, d.h. Śivas]. Die mit ‚Śrī‘ beginnende Kraftsilbe [schreibe man] inmitten der mit den Ziffern eins-zwei-neun bezifferten Schriftzeichen des Mantra auf den Blütenblättern; die mit ‚zehn‘ endenden Laute des zehnsilbigen Mantra [schreibe man] einzeln auf je ein Blütenblatt des Lotus.
Wort für Wort
madhye keṇeṣu bāhyeṣvanalapurapuṭasyālikhet
in der Mitte, an den Außenseiten des feurigen Dreiecks, zeichne man [?]
karṇikāyāṃ kandarpaṃ sādhyayuktaṃ
in dessen Fruchtknoten den [Bīja-Laut] Kandarpas, zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden
vivaragataṣaḍarṇadviṣaḥ keśareṣu
den in Zwischenräumen befindlichen sechssilbigen [Mantra] des Feindes, in den Staubfäden
die mit ‚zehn‘ endenden Laute des zehnsilbigen Mantra einzeln auf je ein Blütenblatt des Lotus
[?: V.155–157 beschreiben in stark verdichteter, zahlensymbolischer Yantra-Fachsprache den Aufbau eines Gopāla-Yantra (vgl. das strukturell ähnliche Yantra in V.187ff.); zahlreiche Einzelausdrücke („keṇeṣu“, „vivaragataṣaḍarṇadviṣaḥ“, „aṇidvinavalipi“) sind nicht mit Sicherheit aufzulösen. Obige Übersetzung gibt die plausibelste Gesamtdeutung wieder.]
[Dieses Diagramm,] umgeben von einer Umrandung aus Erdenwohnstätten [?] und mit einem Blumenkranz [geschmückt], von Kāmadeva [bewirkt], mit Gorocanā mittels einer goldenen Nadel gezeichnet, auf eine aus Gold gefertigte Platte [übertragen] und zu einer Kugel geformt – dies ist das ‚Gopāla-Yantra‘ genannt, das alle Ziele gewährt.
Wort für Wort
bhūsadmanābhivṛtamasragamanmathena
umgeben von einer Umrandung aus Erdenwohnstätten [?] und mit einem Blumenkranz, von Kāmadeva [bewirkt]
gorocanāvilikhitaṃ tapanīyasūcyā
mit Gorocanā mittels einer goldenen Nadel gezeichnet
paṭṭe hiraṇyaracite gulikīkṛtaṃ
auf eine aus Gold gefertigte Platte [übertragen] und zu einer Kugel geformt
tadgopālayantramakhilārthadametaduktam
dies ist das ‚Gopāla-Yantra‘ genannt, das alle Ziele gewährt
[?: „bhūsadmanābhivṛtam“ (‚umgeben von einer Umrandung aus Erdenwohnstätten‘) ist unsicher; möglicherweise Bezug auf die äußere Bhūpura-Umrandung des Yantra.]
Dieses [Yantra], besprengt und mit Mantras geweiht, soll von den Großen getragen werden; einzig geschickt darin, die drei Welten zu bezaubern, von unschätzbarer Kraft, [soll es] beständig von denen getragen werden, die nach Schutz, Ruhm, Söhnen, Land, Reichtum, Getreide, Glücksgöttin und Wohlergehen verlangen.
Wort für Wort
saṃyātasiktamabhijaptamimaṃ
dieses, besprengt und mit Mantras geweiht
mahadbhirdhāryaṃ
soll von den Großen getragen werden
jagattrayavaśīkaraṇaikadakṣam
einzig geschickt darin, die drei Welten zu bezaubern
‚Smara‘ [die Keimsilbe Klīṃ], von der [Silbe] ‚Trivikrama‘ durchdrungen [?], ‚für das Spiel‘ [im Dativ], ‚im Herzen‘ – so [lautet] dieser sechssilbige, alle Siddhis bewirkende Mantra, wie er verkündet wird.
Wort für Wort
smarastrivikramākrāntaścākrīṣṭyāya
‚Smara‘, von ‚Trivikrama‘ durchdrungen [?], ‚für das Spiel‘ [im Dativ]
hṛdityasau
‚im Herzen‘ – so [lautet] dieser [Mantra]
ṣaḍakṣaro 'yaṃ saṃproktaḥ
dieser sechssilbige [Mantra] wird verkündet
sarvasiddhikaro manuḥ
der alle Siddhis bewirkende Mantra
[?: Die Mantroddhāra-Formel in V.158 ist stark verdichtet und lässt sich nicht mit Sicherheit zum vollständigen Wortlaut des sechssilbigen Mantra auflösen; insbesondere „trivikramākrāntaḥ“ bleibt unklar.]
‚Kroḍa‘, verbunden mit ‚Śānti‘, ‚Indu‘ [Mond] und ‚Vahni‘ [Feuer] – so wird die Māyā-Keimsilbe verkündet. ‚Govinda‘, verbunden mit ‚Vahni‘ und ‚Candra‘ – so wird der aus der Śrī-Keimsilbe [bestehende] Mantra genannt.
Wort für Wort
kroḍaḥ śāntīnduvahnyāḍhyo
‚Kroḍa‘, verbunden mit ‚Śānti‘, ‚Indu‘ und ‚Vahni‘
māyā bīja prakīrtatam
so wird die Māyā-Keimsilbe verkündet
govindavahnicandrāḍhyo
‚Govinda‘, verbunden mit ‚Vahni‘ und ‚Candra‘
manuḥ śrībījamīritam
so wird der aus der Śrī-Keimsilbe [bestehende] Mantra genannt
[?: V.159 kodiert nach der in der Mantra-Śāstra-Literatur üblichen Bīja-Kodierungstechnik vermutlich die Silben Hrīṃ (Māyā-Bīja) und Śrīṃ (Śrī-Bīja); die genaue phonetische Auflösung der Codewörter „kroḍa“, „śānti“, „vahni“ usw. zu einzelnen Lauten ist ohne das zugrundeliegende Schlüsselschema nicht mit Sicherheit möglich.]
Mit diesen beiden [Keimsilben] zusammen mit dem achtzehnsilbigen [Mantra] ergibt sich der zwanzigsilbige Mantra; [dieser sei verehrt] im Śālagrāma-Stein, im Juwel, im Diagramm, im [geometrischen] Kreis oder in [Götter-]Bildnissen.
Wort für Wort
ābhyāmaṣṭādaśaklipaḥ
mit diesen beiden [Keimsilben] zusammen mit dem achtzehnsilbigen [Mantra]
syādviṃśatyakṣaro manuḥ
ergibt sich der zwanzigsilbige Mantra
śālagrāme maṇau yantre
im Śālagrāma-Stein, im Juwel, im Diagramm
maṇḍale pratimāsu vā
im [geometrischen] Kreis oder in [Götter-]Bildnissen
Von diesem zwanzigsilbigen [Mantra] ist Brahmā der Seher, die Gāyatrī wird als Versmaß genannt, Kṛṣṇa die Gottheit, Kāma die Keimsilbe, [und] die Kraftsilbe wird von den Kundigen als die des ‚Feindes‘ bezeichnet.
Wort für Wort
viṃśārṇasya munirbrahmā
von diesem zwanzigsilbigen [Mantra] ist Brahmā der Seher
gāyatrī chanda īritam
die Gāyatrī wird als Versmaß genannt
kṛṣṇaśca devatā kāmo bījaṃ
Kṛṣṇa die Gottheit, Kāma die Keimsilbe
śaktirdviṭho budhaiḥ
die Kraftsilbe des ‚Feindes‘ [?], von den Kundigen [so bezeichnet]
[?: „śaktirdviṭho“ (‚die Kraftsilbe des Feindes‘) bleibt in der Zuordnung zu einer bestimmten Silbe unsicher.]
Mit den Silbenzahlen von Rāma, Feuer, Veda, [nochmals] Veda, Weltmeer und Auge gestalte man die [sechs] Glieder (Aṅgas); nachdem man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat, [setze man] die mit dem Wurzelmantra umhüllten [Silben ein],
Wort für Wort
rāmāgnivedavedābdhernetrārṇair
mit den Silbenzahlen von Rāma, Feuer, Veda, Veda, Weltmeer und Auge
aṅgakalpanam
gestalte man die Glieder
mūlena vyāpakaṃ kṛtvā
nachdem man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat
manunā puṭitānatha
[setze man] die mit dem Mantra umhüllten [Silben] danach ein
[?: Die Zahlwörter „rāma“ (3), „agni“ (3), „veda“ (4), „abdhi“ (4) und „netra“ (2) dienen vermutlich der zahlensymbolischen Angabe der Silbenzahlen der sechs Aṅga-Mantras; die genaue Zuordnung bleibt unsicher.]
— setze man die Mātṛkā-Laute mit gesammeltem Geist an den jeweiligen Orten ein; nachdem man die zehn Wesensprinzipien eingesetzt hat, vollziehe man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung].
Wort für Wort
mātṛkārṇānnyasettattatsthāneṣu
setze man die Mātṛkā-Laute an den jeweiligen Orten ein
susamāhitaḥ
mit gesammeltem Geist
daśatattvāni vinyasya
nachdem man die zehn Wesensprinzipien eingesetzt hat
mūlena vyāpakaṃ caret
vollziehe man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung]
Danach vollziehe man die Mantra-Einsetzung zur Erlangung des Gottheit-Zustandes: am Scheitel, an der Stirn, zwischen den Augenbrauen, an beiden Augen und ebenso an beiden Ohren,
Wort für Wort
mantranyāsaṃ tataḥ kuryāt
danach vollziehe man die Mantra-Einsetzung
devatābhāvasiddhaye
zur Erlangung des Gottheit-Zustandes
śīrṣe lalāṭe bhrūmadhye
am Scheitel, an der Stirn, zwischen den Augenbrauen
nasorvakre ca cibuke kaṇṭhe dormūlake hṛdi / udare nābhideśe ca liṅge mūlasaroruhe
— an beiden Nasenflügeln, am Mund, am Kinn, am Hals, an der Schulterwurzel, am Herzen, am Bauch, am Nabelbereich, am Geschlechtsorgan und an der ‚Wurzel-Lotus‘ [dem Mūlādhāra],
— an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln, an beiden Fußknöcheln und an den Füßen setze man der Reihe nach die mit ‚Herz‘ endenden Mantra-[Laute] ein. Dies wird die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ (Sṛṣṭinyāsa) genannt.
Wort für Wort
kaṭyāṃ jānvorjaṅghayośca
an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln
gulphayoḥ pādayoḥ kramāt
an beiden Fußknöcheln und an den Füßen, der Reihe nach
nyaseddhṛdantānmantrāṇāṃ
setze man die mit ‚Herz‘ endenden Mantra-Laute ein
Am Herzen, am Bauch, am Nabel, am Geschlechtsorgan, an der ‚Wurzel-Lotus‘, an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln und ebenso an beiden Fußknöcheln und Füßen —
Wort für Wort
hṛdaye codare nābhau
am Herzen, am Bauch, am Nabel
liṅge mūlasaroruhe
am Geschlechtsorgan, an der ‚Wurzel-Lotus‘
kaṭyāṃ jānvorjaṅghayośca
an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln
— am Scheitel, an der Wange, zwischen den Augenbrauen, an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase, am Mund, am Kinn, am Hals und an der Schulterwurzel setze man der Reihe nach ein
Wort für Wort
mūrdhni kapole bhrūmadhye
am Scheitel, an der Wange, zwischen den Augenbrauen
netrayoḥ karṇayornasoḥ
an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase
vadane cibuke kaṇṭhe
am Mund, am Kinn, am Hals
dormūle vinyasetkramāt
an der Schulterwurzel setze man der Reihe nach ein
— die auf ‚namaḥ‘ endenden Mantra-Laute. Dies wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ (Sthitinyāsa) genannt. An den Füßen, an beiden Fußknöcheln, an beiden Unterschenkeln und ebenso an beiden Knien —
Wort für Wort
namotānmantravarṇāṃśca
die auf ‚namaḥ‘ endenden Mantra-Laute
sthitinyāso 'yamīritaḥ
dies wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ genannt
pādayorgulphayoścaiva
an den Füßen, an beiden Fußknöcheln
jaṅghayorjānunostathā
an beiden Unterschenkeln und ebenso an beiden Knien
— an der Hüfte, an der Wurzel [Mūlādhāra], am Geschlechtsglied, am Nabel, am Bauch, wiederum am Herzen, an der Schulterwurzel, am Halsbereich, am Kinn, am Mund, an der Nase,
Wort für Wort
kaṭyāṃ mūle dhvaje nābhau
an der Hüfte, an der Wurzel, am Geschlechtsglied, am Nabel
— an beiden Ohren, ebenso an beiden Augen, zwischen den Augenbrauen, an der Stirn und am Scheitel setze man die Mantra-Laute ein [in umgekehrter Richtung]. Dies wird die ‚Auflösungs-Einsetzung‘ (Saṃhāranyāsa) genannt.
Nachdem der beste der Vaiṣṇavas wiederum die Schöpfungs- und Erhaltungs-Einsetzung vollzogen hat, setze er danach wie zuvor die ‚Gestalt-Käfig‘-Einsetzung ein.
Wort für Wort
punaḥ sṛṣṭisthitinyāsau
wiederum die Schöpfungs- und Erhaltungs-Einsetzung
Nachdem man wiederum die sechs Glieder (Ṣaḍaṅga) vollzogen hat, meditiere man Kṛṣṇa im Lotus des Herzens, in Dvāravatī, [einer Stadt] mit vorzüglichen Palästen, strahlend wie tausend Sonnen,
Wort für Wort
punaḥ ṣaḍaṅgaṃ kṛtvātha
nachdem man wiederum die sechs Glieder vollzogen hat
dhyāyetkṛṣṇaṃ hṛdaṃbuje
meditiere man Kṛṣṇa im Lotus des Herzens
dvāravatyāṃ
in Dvāravatī
sahasrārkabhāsvarairbhavanottamaiḥ
mit vorzüglichen, wie tausend Sonnen strahlenden Palästen
— mit einem Baldachin, geschmückt mit an Perlenschnüren hängenden, voll erblühten Blüten, inmitten eines Bodens aus Rubinen und funkelnden Edelsteinscharen,
Wort für Wort
phullapraphullasañcitravitānālaṃbimauktike
mit einem Baldachin, geschmückt mit an Perlenschnüren hängenden, voll erblühten Blüten
— unter einem Wunschbaum, reich an unaufhörlich herabströmenden Juwelenbächen, [in einer Halle,] deren Himmelsrand von Reihen juwelenbesetzter Lampen erhellt ist,
Wort für Wort
anāratagaladratnadhārāḍhyasvastastaroradhaḥ
unter einem Wunschbaum, reich an unaufhörlich herabströmenden Juwelenbächen
— [dort] sitzend auf einem juwelenbesetzten Löwenthron in Lotusform, der dem Glanz der aufgehenden Sonne gleicht: [so] ist der Unvergängliche zu meditieren, wie geschmolzenes Gold anzuschauen,
Wort für Wort
udyadādityasaṃkāśamaṇisiṃhāsanāṃbuje
auf einem juwelenbesetzten Löwenthron in Lotusform, der dem Glanz der aufgehenden Sonne gleicht
samāsīno 'cyuto dhyeyo
dort sitzend, ist der Unvergängliche zu meditieren
— von einem Glanz gleich dem gemeinsam aufgehenden Mond, Sonne und Millionen von Blitzen, an allen Gliedern schön, sanftmütig, mit allem Schmuck geziert,
Wort für Wort
samānoditacandrārkataḍitkoṭisamadyutiḥ
von einem Glanz gleich dem gemeinsam aufgehenden Mond, Sonne und Millionen von Blitzen
— in gelbes Gewand [gekleidet], dessen Hände von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlen, der einen Krug berührt, aus dem ununterbrochen ein Strom von Juwelen emporquillt,
Wort für Wort
pītavāsāḥ
in gelbes Gewand gekleidet
śaṅkhacakragadāṃbhojalasatkaraḥ
dessen Hände von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlen
anāhatocchaladratnadhāraughakalaśaṃ
einen Krug, aus dem ununterbrochen ein Strom von Juwelen emporquillt
— dessen linke Lotusfuß-Spitze den Glanz zarter Sprossen übertrifft; an seinem Haupt [stehen] Rukmiṇī und Satyabhāmā mit einem Strom von Juwelenfluten,
siṃcantyau dakṣavāmasthe svadosthakalaśotthayā / nāgnajitī sunandā ca diśantyau kalaśau tayoḥ
— die beiden, zur Rechten und zur Linken stehend, ihn besprengend mit [Wasser,] das aus dem in ihren Armen gehaltenen Krug hervorquillt; Nāgnajitī und Sunandā reichen jenen beiden ihre Krüge dar,
Wort für Wort
siṃcantyau dakṣavāmasthe
die beiden, zur Rechten und zur Linken stehend, besprengend
svadosthakalaśotthayā
mit dem aus dem in ihren Armen gehaltenen Krug hervorquellenden [Wasser]
tābhyāṃ ca dakṣavāmasthamitravindāsulakṣmaṇe / ratnanadyāḥ samuddhṛtya ratnapūrṇauṃ ghaṭau tayoḥ
— und Mitravindā und Sulakṣmaṇā, zur Rechten und zur Linken jener beiden [stehend], reichen ihnen, nachdem sie [Wasser] aus dem Juwelenstrom geschöpft haben, deren mit Juwelen gefüllte Krüge,
Wort für Wort
tābhyāṃ ca dakṣavāmasthamitravindāsulakṣmaṇe
und Mitravindā und Sulakṣmaṇā, zur Rechten und zur Linken jener beiden
ratnanadyāḥ samuddhṛtya
nachdem sie [Wasser] aus dem Juwelenstrom geschöpft haben
— und Jāmbavatī und Suśīlā reichen [sie] zur Rechten und zur Linken; außerhalb [der acht Hauptgemahlinnen mögen] die sechzehntausend an Zahl [gezählten] Geliebten ringsum [visualisiert werden],
— zu meditieren, strahlend mit Krügen, aus denen Ströme von Gold und Juwelen fließen; außerhalb davon die acht Schätze (Nidhis), die die Erde mit Reichtümern erfüllen,
Wort für Wort
dhyeyāḥ kanakaratnaughadhārāyukkalaśojvalāḥ
zu meditieren, strahlend mit Krügen, aus denen Ströme von Gold und Juwelen fließen
— außerhalb davon alle Vṛṣṇis, und wie zuvor [die Waffen-Gottheiten] und die übrigen. So meditierend murmle man fünfmal hunderttausend [Mal den Mantra], und den zehnten Teil davon [als Feueropfer].
Wort für Wort
tadbahirvṛṣṇayaḥ sarve
außerhalb davon alle Vṛṣṇis
purovacca svarādayaḥ
und wie zuvor [die Waffen-Gottheiten] und die übrigen
evaṃ dhyātvā japellakṣapañcakaṃ
so meditierend murmle man fünfmal hunderttausend Mal
Nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat, verehre man auf dem zuvor genannten Sitz; nachdem man [den Boden] mit Sandelpaste bestrichen hat, zeichne man einen achtblättrigen Lotus,
Wort für Wort
aruṇaiḥ kamalairhutvā
nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat
karṇikāyāṃ ca ṣaṭkoṇaṃ sasādhyaṃ tatra manmatham / śiṣṭaistu saptadaśabhirakṣarairveṣṭayetsvaram
— und im Fruchtknoten ein Sechseck; darin [schreibe man] Manmatha [Kāma] zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden; mit den übrigen siebzehn Lauten umgebe man den Vokal [?],
Wort für Wort
karṇikāyāṃ ca ṣaṭkoṇaṃ
und im Fruchtknoten ein Sechseck
sasādhyaṃ tatra manmatham
darin Manmatha zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden
śiṣṭaistu saptadaśabhirakṣarair
mit den übrigen siebzehn Lauten
veṣṭayetsvaram
umgebe man den Vokal [?]
[?: „śiṣṭaistu saptadaśabhirakṣarairveṣṭayetsvaram“ ist syntaktisch unsicher; „svaram“ (den Vokal/Laut) könnte sich auf einen zentralen Bīja-Laut beziehen, den man mit den übrigen 17 Lauten des Alphabets umgibt.]
— im Osten [schreibe man] die Schutzformel, in den Vāyu-Winkeln ‚Śrī‘, in den übrigen [Winkeln] ‚Saṃvid‘ [Bewusstsein]; an den sechs Verbindungsstellen [schreibe man] ‚Ṣaṭkarṇa‘ [?], in den Staubfäden [je] dreimal drei [Mal],
Wort für Wort
prāgrakṣo 'nilakoṇeṣu śriyaṃ
im Osten die Schutzformel, in den Vāyu-Winkeln ‚Śrī‘
śiṣṭeṣu saṃvidam
in den übrigen [Winkeln] ‚Saṃvid‘
ṣaṭsu saṃdhiṣu ṣaṭkarṇe
an den sechs Verbindungsstellen ‚Ṣaṭkarṇa‘ [?]
kesareṣu triśastriśaḥ
in den Staubfäden je dreimal drei Mal
[?: „ṣaṭkarṇe“ (‚am Sechsohr‘) ist als technischer Ausdruck für eine bestimmte Stelle oder Formel des Yantra nicht sicher aufzulösen.]
— man zeichne die Smara-Gāyatrī [den Kāma-Gāyatrī-Mantra] als Kranz-Mantra auf den acht Blütenblättern; nachdem man die Ṣaṭūṣas [?] aufgezeichnet hat, umgebe man dies außen mit den Mātṛkā-Lauten.
Wort für Wort
vilikhetsmaragāyatrīṃ mālāmantraṃ dalāṣṭake
man zeichne die Smara-Gāyatrī als Kranz-Mantra auf den acht Blütenblättern
ṣaṭūṣaḥ saṃlikhya
nachdem man die Ṣaṭūṣas [?] aufgezeichnet hat
tadbāhye veṣṭayenmātṛkākṣaraiḥ
umgebe man dies außen mit den Mātṛkā-Lauten
[?: „ṣaṭūṣaḥ“ bleibt unklar; möglicherweise Bezug auf die sechs Jahreszeiten oder eine sechsteilige Formel.]
bhūbiṃbaṃ ca likhedbāhye śrīmāyādigvidikṣvapi / bhūgrahaṃ caturasraṃ syādaṣṭavajravibhūṣitam
— und außen zeichne man den Erd-Kreis; ‚Śrī‘ und ‚Māyā‘ [schreibe man] in den Haupt- und Zwischenrichtungen; der Erd-Bereich sei viereckig, geschmückt mit acht Vajra-[Zeichen].
Wort für Wort
bhūbiṃbaṃ ca likhedbāhye
und außen zeichne man den Erd-Kreis
śrīmāyādigvidikṣvapi
‚Śrī‘ und ‚Māyā‘ in den Haupt- und Zwischenrichtungen
syādgāyatrī vāmadevapuṣpabāṇau tu ṅeṃtimau / vidmahedhīmahiyutau tanno 'naṅgaḥ pracodayāt
So lautet die Gāyatrī: ‚Vāmadeva‘ [d.h. Kāmadeva] und ‚Puṣpabāṇa‘, beide im Dativ, verbunden mit ‚vidmahe‘ und ‚dhīmahi‘: ‚Das möge der Körperlose [Anaṅga, Kāma] uns antreiben‘.
Wort für Wort
syādgāyatrī
so lautet die Gāyatrī
vāmadevapuṣpabāṇau tu ṅeṃtimau
‚Vāmadeva‘ [Kāmadeva] und ‚Puṣpabāṇa‘, beide im Dativ
vidmahedhīmahiyutau
verbunden mit ‚vidmahe‘ und ‚dhīmahi‘
tanno 'naṅgaḥ pracodayāt
das möge der Körperlose uns antreiben
[Anm.: Der Vers gibt in der üblichen Mantroddhāra-Form den bekannten Kāmadeva-Gāyatrī-Mantra „kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi tanno 'naṅgaḥ pracodayāt“ wieder.]
Zu Beginn des Murmelns ist die die Menschen erfreuende [Formel] der Gopāla-Mantras zu murmeln; ‚hṛdayam‘ [Herz], [dann] ‚Kāmadevāya‘ im Dativ, [als] die allen Menschen liebe [Formel].
Wort für Wort
japyā japādau
zu Beginn des Murmelns ist zu murmeln
gopālamanūnāṃ janarañjanī
die die Menschen erfreuende [Formel] der Gopāla-Mantras
uktvā sarvajanānte tu saṃmohanapadaṃ tathā / jvala jvala prajvaleti procya sarvajanasya ca
Nachdem man [dies] gesagt hat, [füge man] am Ende das Wort ‚sarvajana‘ [alle Menschen] hinzu, sowie das Wort ‚Saṃmohana‘ [Betörung]; nachdem man ‚jvala jvala prajvala‘ [entflamme, entflamme, entbrenne] gesprochen hat, und wiederum das Wort ‚sarvajanasya‘ [aller Menschen],
Wort für Wort
uktvā sarvajanānte tu
nachdem man [dies] gesagt hat, am Ende [füge man] ‚sarvajana‘ hinzu
hṛdayaṃ mama ca brūyādvaśaṅkuruyugaṃ śiraḥ / prokto madanamantro 'ṣṭacatvāriṃśadbhirakṣaraiḥ
— spreche man ‚hṛdayam‘ [Herz] und ‚mama‘ [mein]; [dann] zweimal ‚vaśaṃ kuru‘ [mache untertan], [und] ‚śiraḥ‘ [Haupt]. So wird der Liebesmantra (Madana-Mantra) mit achtundvierzig Silben verkündet.
Zu Beginn des Murmelns [stehe] die Keimsilbe Smaras [Kāma]: dieser [Mantra] unterwirft die drei Welten. Nachdem man den Sitz wie zuvor verehrt hat, stelle man sich, vom Wurzelmantra ausgehend, die [göttliche] Gestalt vor,
Wort für Wort
japādau smarabījādyo
zu Beginn des Murmelns [stehe] die Keimsilbe Smaras
jagattrayavaśīkaraḥ
dieser [Mantra] unterwirft die drei Welten
pīṭha prāgvatsamabhyarcya
nachdem man den Sitz wie zuvor verehrt hat
mūrti saṃkalpya mūlataḥ
stelle man sich, vom Wurzelmantra ausgehend, die Gestalt vor
— und dorthin rufe man mit Hingabe den Unvergänglichen herbei; nachdem man ihn ‚mit allen Gliedern versehen‘ gemacht hat, verehre man ihn vom Sitz-Anbieten bis zum Schmücken; wiederum verehre man gemäß der Reihenfolge der Einsetzungen,
Wort für Wort
tatrāvāhyācyutaṃ bhaktyā
und dorthin rufe man mit Hingabe den Unvergänglichen herbei
sakalīkṛtya pūjayet
nachdem man ihn ‚mit allen Gliedern versehen‘ gemacht hat, verehre man ihn
āsanādivibhūṣāntaṃ
vom Sitz-Anbieten bis zum Schmücken
punarnyāsakramādyajet
wiederum verehre man gemäß der Reihenfolge der Einsetzungen
— die Schöpfungs- und Erhaltungs-[Einsetzung], die sechs Glieder, die Krone, das Ohrringpaar, Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus, den Blumenkranz sowie Śrīvatsa und Kaustubha,
Wort für Wort
sṛṣṭiṃ sthitiṃ ṣaḍaṅgaṃ ca
die Schöpfungs- und Erhaltungs-[Einsetzung], die sechs Glieder
— indem der beste der Vaiṣṇavas mit Sandelpaste und Blüten sowie mit dem Wurzelmantra verehrt, verehre er der Reihe nach die sechs Glieder in den Winkeln des Sechsecks und [die übrigen Gottheiten] auf den Blütenblättern der Himmelsrichtungen.
Wort für Wort
gandhapuṣpaiḥ samabhyarcya mūlena
mit Sandelpaste und Blüten sowie mit dem Wurzelmantra verehrend
vaiṣṇavottamaḥ
der beste der Vaiṣṇavas
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni
die sechs Glieder in den Winkeln des Sechsecks
digdaleṣu kramādyajet
verehre er der Reihe nach auf den Blütenblättern der Himmelsrichtungen
vāsudevādikānkoṇeṣu tu śāntyādikāṃstataḥ / patrāgragā mahiṣyo 'ṣṭau yajetsādhakasattamaḥ
— die mit Vāsudeva beginnenden [Gottheiten verehre man] in den Winkeln, die mit Śānti beginnenden [Śaktis] danach; an den Blattspitzen verehre der beste der Übenden die acht Gemahlinnen,
Wort für Wort
vāsudevādikānkoṇeṣu tu
die mit Vāsudeva beginnenden [Gottheiten] in den Winkeln aber
— Śaṅkha und Padma, danach die [vollständigen] acht Schätze der Reihe nach; außerhalb davon verehre man auch die Weltenhüter mit dem Vajra und den übrigen [Waffen].
Wort für Wort
śaṅkhapadmau tataḥ
Śaṅkha und Padma, danach
padmānnidhīnaṣṭau kramādyajet
die acht Schätze der Reihe nach verehre man
tadbahirlokapālāṃśca
außerhalb davon auch die Weltenhüter
vajrādyānapi pūjayet
mit dem Vajra und den übrigen [Waffen] verehre man
evaṃ saptāvṛttivṛtaṃ kṛṣṇamabhyarcya cādarāt / prīṇayeddadhikhaṇḍājyamiśreṇa tu payoṃ'dhasā
Nachdem man Kṛṣṇa so mit sieben Verehrungsrunden ehrfürchtig verehrt hat, erfreue man ihn mit einer Mischung aus Quark, Zuckerkandis, Ghee und darunter [gemischter] Milch [als Opferspeise].
Wort für Wort
evaṃ saptāvṛttivṛtaṃ
so mit sieben Verehrungsrunden umgeben
kṛṣṇamabhyarcya cādarāt
nachdem man Kṛṣṇa ehrfürchtig verehrt hat
prīṇayeddadhikhaṇḍājyamiśreṇa
erfreue man ihn mit einer Mischung aus Quark, Zuckerkandis und Ghee
divyopacāraṃ datvātha stutvā natvā ca keśavam / udvāsayetsvahṛdaye parivāragaṇaiḥ saha
Nachdem man göttliche Verehrungsgaben dargebracht, Keśava gepriesen und sich verneigt hat, entlasse man ihn samt seinem ganzen Gefolge in das eigene Herz,
Wort für Wort
divyopacāraṃ datvātha
nachdem man göttliche Verehrungsgaben dargebracht hat
— und nachdem man ihn eingesetzt hat, verehre man sich selbst; mit ihm eins geworden, wandle der Kluge. Die Weihe mit Juwelen, die Meditation und die Verehrung, wie sie hier für den auf dem zwanzigsilbigen [Mantra] beruhenden [Ritus] genannt wurden, sind hiermit dargelegt.
Wort für Wort
nyasyātmānaṃ samabhyarcya
nachdem man ihn eingesetzt hat, verehre man sich selbst
tanmayo viharetsudhīḥ
mit ihm eins geworden, wandle der Kluge
ratnābhiṣekadhyānejyā
die Weihe mit Juwelen, die Meditation und die Verehrung
viṃśatyarṇāśrite ritā
wie sie für den auf dem zwanzigsilbigen [Mantra] beruhenden [Ritus] genannt wurden
tadveśma pūryate ratnaiḥ ravarṇadhānyairanāratam / pṛthvī pṛthvī kare tasya sarvasasyasamākulā
— dessen Haus wird ununterbrochen mit Juwelen und goldfarbenem Getreide gefüllt; die Erde selbst [wird] in seiner Hand [liegen], voll aller Feldfrüchte.
Wort für Wort
tadveśma pūryate ratnaiḥ
dessen Haus wird mit Juwelen gefüllt
ravarṇadhānyairanāratam
und ununterbrochen mit goldfarbenem Getreide
pṛthvī pṛthvī kare tasya
die Erde, die Erde selbst [wird] in seiner Hand [liegen]
— reich beschenkt mit Söhnen und Freunden, geht er am Ende zum höchsten Ziel ein. Nachdem man Govinda im Feuer mit weißen Blüten und Reiskörnern verehrt hat,
— nachdem man, mit Ghee benetzt, zehntausend Mal geopfert hat, trage man die Asche auf dem eigenen Scheitel: dann wird ihm Fülle an Speise und dergleichen zuteil, und in seiner Gewalt [stehen] alle Frauen.
Wort für Wort
ājyāktairayutaṃ hutvā
nachdem man, mit Ghee benetzt, zehntausend Mal geopfert hat
Wer mit gesammeltem Geist mit roten, in den drei Süßstoffen getränkten Lotusblüten hunderttausend Mal opfert, dem wird durch die Gunst Śrīs die Herrschaft Indras zu einem bloßen Grashalm an Bedeutung.
Wort für Wort
raktāṃbhojaistrimadhvaktair
mit roten, in den drei Süßstoffen getränkten Lotusblüten
hunellakṣaṃ samāhitaḥ
wer mit gesammeltem Geist hunderttausend Mal opfert
Solche und ähnliche [magische] Anwendungen vollbringe man mit diesem Mantra. Nun werde ich den ‚König der Mantras‘ verkünden, den zehnsilbigen (Daśārṇa), der alle Siddhis gewährt.
‚Smṛti‘, verbunden mit ‚Sadya‘, ‚Sākṣī‘, ‚Lohita‘, ‚Janavallabhā‘, ‚Pavana‘ [und] am Ende ‚Agnipriya‘ – so wird dieser zehnsilbige (Daśārṇa) Mantra verkündet.
Wort für Wort
smṛtiḥ sadyānvitā
‚Smṛti‘, verbunden mit ‚Sadya‘
sākṣirlohito janavallabhā
‚Sākṣī‘, ‚Lohita‘, ‚Janavallabhā‘
pavano 'gnipriyānto 'yaṃ
‚Pavana‘, am Ende ‚Agnipriya‘ – dieser
daśārṇo mantra īritaḥ
zehnsilbige Mantra wird verkündet
[?: Die Mantroddhāra-Formel in V.214 ist stark verschlüsselt und lässt sich nicht mit Sicherheit zum vollständigen Wortlaut des zehnsilbigen Mantra auflösen. Da V.91 bereits einen „daśākṣara“-Mantra neben dem achtzehnsilbigen erwähnt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um den bekannten Kṛṣṇa-Mantra „kṛṣṇāya govindāya namaḥ“ (10 Silben) handelt; die Zuordnung der einzelnen Codewörter zu dessen Lauten bleibt jedoch unsicher.]
Von diesem [Mantra] ist Nārada der Seher, Virāj das Versmaß, Kṛṣṇa die Gottheit; Kāma die Keimsilbe; die Kraftsilbe wird von den Weisen als ‚Vahnijāyā‘ [die Gattin des Feuers, d.h. Svāhā] bezeichnet.
Wort für Wort
nārado 'sya muniśchando
von diesem [Mantra] ist Nārada der Seher, [sein] Versmaß
virāṭ kṛṣṇo 'sya devatā
Virāj, Kṛṣṇa die Gottheit
kāmo bījaṃ
Kāma die Keimsilbe
vahnijāyā śaktiḥ proktā manīṣibhiḥ
‚Vahnijāyā‘ [Svāhā] wird von den Weisen als Kraftsilbe bezeichnet
— mit diesen [Cakra-Namen], je mit ihren beiden Endungen versehen, [bilde man] die fünf Glieder (Pañcāṅga) des Mantra. Danach, nachdem man den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra dreifach über beide Hände ausgebreitet hat,
Wort für Wort
etairṅeṭhadvayāntaiśca cakraiḥ
mit diesen, je mit ihren beiden Endungen versehenen Cakra[-Namen]
pañcāṅgakaṃ manoḥ
die fünf Glieder des Mantra
tatastārapuṭaṃ mantraṃ
danach den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra
vyāpayya karayostriśaḥ
nachdem man ihn dreifach über beide Hände ausgebreitet hat
— setze man die [mit ‚se‘ beginnenden ?], mit ‚Herz‘ endenden, von der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra-Laute an den Fingergliedern ein, vom rechten Daumen bis zum linken Daumen.
Wort für Wort
seṃdūnhṛdantān
die [mit ‚se‘ beginnenden ?], mit ‚Herz‘ endenden
mantrārṇānpraṇavāntaritānnyaset
Mantra-Laute, von der Praṇava-Silbe eingehüllt, setze man ein
dakṣāṅguṣṭhācca
vom rechten Daumen
vāmāṅguṣṭhāntamaṅguliparvasu
bis zum linken Daumen, an den Fingergliedern
[?: „seṃdūn“ ist unsicher überliefert; die Bedeutung dieses ersten Wortes bleibt offen.]
Dies wird die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt; nun wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ dargelegt: bei der Erhaltungs[-Einsetzung] setze der Kluge [die Laute] vom kleinen Finger der linken Hand beginnend bis zum kleinen Finger [der rechten Hand] ein.
Wort für Wort
sṛṣṭinyāso 'yamuditaḥ
dies wird die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt
sthitinyāso 'dhunocyate
nun wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ dargelegt
nyasedvāmakaniṣṭhādikaniṣṭāntaṃ
setze man vom linken kleinen Finger beginnend bis zum [rechten] kleinen Finger ein
Bei der ‚Auflösungs[-Einsetzung]‘ ebenso setze man vom linken Daumen [beginnend] bis zum rechten Daumen ein. Die Auflösungs[-Einsetzung] (Saṃhṛti) wird als diejenige gepriesen, die die Ansammlung von Fehlern hinwegnimmt.
Wort für Wort
vāmāṅguṣṭhānnyaseddakṣāṃ guṣṭhāntaṃ
vom linken Daumen setze man bis zum rechten Daumen ein
saṃhṛtau tathā
bei der Auflösungs[-Einsetzung] ebenso
saṃhṛtirdeṣasaṃghātahāriṇī
die Auflösungs[-Einsetzung], die die Ansammlung von Fehlern hinwegnimmt [?]
parikīrtitā
wird gepriesen
[?: „deṣasaṃghāta“ wurde als „doṣasaṃghāta“ (Ansammlung von Fehlern) gedeutet; eine Lesart „deśasaṃghāta“ (Ansammlung von Ländern) ist ebenfalls denkbar.]
Die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende Praxis gewährt Wissen und ist für die Brahmacārins von reinem Geist [bestimmt]; die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende Praxis ist für die Hausväter [bestimmt] – so, je nach Wunschziel und dergleichen.
Wort für Wort
vidyāpradaśca sṛṣṭyantaḥ
die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende [Praxis] gewährt Wissen
varṇināṃ śuddhacetasām
für die Brahmacārins von reinem Geist
sthityantaḥ syādgṛhasthānām
die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende ist für die Hausväter
saṃhārānte munīndrāṇāṃ viraktānāṃ ca sarvaśaḥ / punaḥ sthitikrameṇārṇānmanoraṅguliṣu nyaset
Die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende [Praxis ist] für die besten Weisen und für die durchweg Entsagenden [bestimmt]. Wiederum setze man die Laute des Mantra in der Reihenfolge der Erhaltungs[-Einsetzung] an den Fingern ein,
Wort für Wort
saṃhārānte munīndrāṇāṃ
die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende [Praxis ist] für die besten Weisen
viraktānāṃ ca sarvaśaḥ
und für die durchweg Entsagenden
punaḥ sthitikrameṇārṇān
wiederum die Laute in der Reihenfolge der Erhaltungs[-Einsetzung]
punaścakraiśca pūrvoktaiḥ pañcāgaṃ karayornyaset / tato mūlena puṭitānmātṛkārṇānsabindukān
— und wiederum setze man mit den zuvor genannten Cakra[-Namen] die fünf Glieder an beiden Händen ein; danach die mit dem Wurzelmantra umhüllten, mit dem Anusvāra versehenen Mātṛkā-Laute
Wort für Wort
punaścakraiśca pūrvoktaiḥ
und wiederum mit den zuvor genannten Cakra[-Namen]
— setze der ehrfürchtige Kluge an den Orten der Mātṛkā-Einsetzung ein; danach setze man den mit der Praṇava-Silbe umhüllten Wurzelmantra als alldurchdringende [Einsetzung] ein.
Wort für Wort
vinyasenmātṛkānyāsasthāneṣu
setze man an den Orten der Mātṛkā-Einsetzung ein
praṇataḥ sudhīḥ
der ehrfürchtige Kluge
tatastārapuṭaṃ mūlaṃ
danach den mit der Praṇava-Silbe umhüllten Wurzelmantra
Nach der Unterscheidung von Auflösung und Schöpfung setze man die zehn Wesensprinzipien ein; die auf ‚namaḥ‘ endenden Silben-Worte des Wurzelmantra [setze man] für sich selbst [ein],
Wort für Wort
saṃhārasṛṣṭibhedena
nach der Unterscheidung von Auflösung und Schöpfung
daśatattvāni vinyaset
setze man die zehn Wesensprinzipien ein
namontamūlamantrārṇapadāyāmyāni
die auf ‚namaḥ‘ endenden Silben-Worte des Wurzelmantra
— am Mund, am Herzen, am Nabel, am Geschlechtsorgan, an beiden Knien und an den Füßen setze man die von der Praṇava-Silbe eingehüllten, mit ‚Herz‘ endenden Laute des Mantra ein.
Wort für Wort
vadane hṛdaye nābhau
am Mund, am Herzen, am Nabel
liṅge jānvośca pādayoḥ
am Geschlechtsorgan, an beiden Knien und an den Füßen
praṇavāntaritānvarṇānhṛdantān
die von der Praṇava-Silbe eingehüllten, mit ‚Herz‘ endenden Laute
Dies ist die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt worden; höre nun, o Zweifachgeborener, die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘: am Herzen, am Nabel, am Geschlechtsglied, an beiden Knien, an den Füßen, wiederum am Scheitel,
Wort für Wort
sṛṣṭinyāso 'yamākhyātaḥ
dies ist die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt worden
sthitinyāsaṃ śṛṇu dvija
höre nun, o Zweifachgeborener, die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘
hṛdi nābhau dhvaje jānvoḥ
am Herzen, am Nabel, am Geschlechtsglied, an beiden Knien
— an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase [und] am Mund setze man der Reihe nach ein. [Bei der Auflösungs-Einsetzung setze man ein] an den Füßen, an beiden Knien, am Geschlechtsbereich, am Nabel, am Herzen, am Mund, an der Nase,
Wort für Wort
netrayoḥ karṇayorghrāṇe vadane
an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase, am Mund
vinyasetkramāt
setze man der Reihe nach ein
padorjānvorliṅgadeśe nābhau
an den Füßen, an beiden Knien, am Geschlechtsbereich, am Nabel
— an beiden Ohren, an beiden Augen [und] am Scheitel: dies wird die ‚Auflösungs-Einsetzung‘ genannt. Die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende Einsetzung [ist] für die Brahmacārins, die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende für die Hausväter,
Wort für Wort
karṇayornetrayormūrdhni
an beiden Ohren, an beiden Augen, am Scheitel
saṃhārākhyo 'yamīritaḥ
dies wird die ‚Auflösungs-Einsetzung‘ genannt
sṛṣṭyanto varṇināṃnyāsaḥ
die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende Einsetzung [ist] für die Brahmacārins
sthityantogṛhamedhinām
die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende für die Hausväter
yatervairāgyayuktasya saṃhārāntaḥ prakīrtitaḥ / caturddhā varṇināṃ caiva gṛhasthānāṃ ca pañcadhā
— die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende für den von Entsagung erfüllten Asketen wird gepriesen. Vierfach [ist die Einsetzung] für die Brahmacārins, fünffach für die Hausväter,
Wort für Wort
yatervairāgyayuktasya
für den von Entsagung erfüllten Asketen
saṃhārāntaḥ prakīrtitaḥ
wird die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende [Einsetzung] gepriesen
— und dreifach für die Asketen wird diese heilvolle Einsetzung der Reihe nach verkündet. Manche Kundige lehren jedoch, dass auch für den entsagenden Hausvater die mit Auflösung endende [Einsetzung] gelte.
Wort für Wort
yatīnāṃ ca tridhā nyāsaḥ
und dreifach für die Asketen [ist] diese Einsetzung
prokto 'yaṃ kramataḥ śubhaḥ
der Reihe nach als heilvoll verkündet
kecidvirakte gṛhage
manche [lehren], dass für den entsagenden Hausvater
saṃhārāntaṃ vidurbudhāḥ
die mit Auflösung endende [Einsetzung] gelte, so wissen die Kundigen
Danach vollziehe man zur Erlangung des Gewünschten die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung (Vibhūtipañjara-Nyāsa), die aus zehn Wiederholungen des Mantra besteht und die Nähe Kṛṣṇas bewirkt:
Wort für Wort
vibhūtipañjaraṃ nyāsaṃ
die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung
kuryādiṣṭāptaye tataḥ
vollziehe man danach zur Erlangung des Gewünschten
ādhāre ca dhvaje nābhau hṛdi kaṇṭhe mukhe śaye / ūrvośca kandharāyāṃ ca nābhau kukṣau tathā hṛdi
— am Grundort [Mūlādhāra], am Geschlechtsglied, am Nabel, am Herzen, am Hals, am Mund, an der Lagerstätte [?], an beiden Schenkeln, am Nacken, wiederum am Nabel, am Bauch und ebenso am Herzen,
Wort für Wort
ādhāre ca dhvaje nābhau
am Grundort, am Geschlechtsglied, am Nabel
hṛdi kaṇṭhe mukhe śaye
am Herzen, am Hals, am Mund, an der Lagerstätte [?]
ūrvośca kandharāyāṃ ca
an beiden Schenkeln und am Nacken
nābhau kukṣau tathā hṛdi
wiederum am Nabel, am Bauch und ebenso am Herzen
[?: „śaye“ (‚an der Lagerstätte‘) ist als Körperstelle ungewöhnlich; möglicherweise ist eine andere Körperregion gemeint, die Lesart bleibt unsicher.]
— an beiden Brustseiten, an beiden Flanken, an beiden Hüften, am Scheitel, ebenso am Mund, an beiden Augen, an beiden Ohren, an beiden Nasenflügeln und an beiden Wangen,
Wort für Wort
stanayoḥ pārśvayoḥ śroṇyor
an beiden Brustseiten, an beiden Flanken, an beiden Hüften
mastakevadanetathā
am Scheitel, ebenso am Mund
netrayoḥ karṇayornāsāpuṭayośca
an beiden Augen, an beiden Ohren, an beiden Nasenflügeln
evaṃ dakṣiṇadormūsasaṃdhyagreṣvaṅgulīṣu ca / tataḥ śirasi tatpūrvādyāṃśāsu svakalāsu ca
— so an der Wurzel des rechten Armes, an den Gelenkspitzen und an den Fingern; danach am Scheitel und, davor beginnend, an den [zwölf] Himmelsrichtungen samt ihren eigenen [Unter-]Anteilen (Kalās),
Wort für Wort
evaṃ dakṣiṇadormūsasaṃdhyagreṣvaṅgulīṣu ca
so an der Wurzel des rechten Armes, an den Gelenkspitzen und an den Fingern
doṣṇoḥ sakthnoḥ śirokṣyāsyakaṇṭhahṛjjaṭhareṣu ca / mūlādhāre liṅgadeśe jānunoḥ pādayostathā
— an beiden Armen, an beiden Schenkeln, am Scheitel, an den Augen, am Mund, am Hals, am Herzen und am Bauch, am Mūlādhāra, am Geschlechtsbereich, an beiden Knien und ebenso an den Füßen,
Wort für Wort
doṣṇoḥ sakthnoḥ
an beiden Armen, an beiden Schenkeln
śirokṣyāsyakaṇṭhahṛjjaṭhareṣu ca
am Scheitel, an den Augen, am Mund, am Hals, am Herzen und am Bauch
— an den Ohren, den Wangen, den Schultern, der Brust, den Flanken und dem Geschlechtsorgan setze man ein; an beiden Schenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen setze man der Reihe nach ein.
Wort für Wort
śrotragaṇḍāṃsavakṣojapārśvaliṅgeṣu vinyaset
an den Ohren, den Wangen, den Schultern, der Brust, den Flanken und dem Geschlechtsorgan setze man ein
Dies wird die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung genannt, die alle Ziele erfüllt. Durch diese vorzügliche Einsetzung wird man unmittelbar von der Gestalt Kṛṣṇas.
Wort für Wort
vibhūtipañjarākhyo 'yaṃ nyāsaḥ
dies wird die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung genannt
Man setze die zuvor genannte, ‚Gestalt-Käfig‘ benannte Einsetzung ein; danach setze man der Reihe nach die beiden vorzüglichen Einsetzungen, die zehngliedrige und die fünfgliedrige, ein.
Wort für Wort
mūrti pañjaranāmānaṃ nyāsaṃ pūrvoditaṃ nyaset
man setze die zuvor genannte, ‚Gestalt-Käfig‘ benannte Einsetzung ein
tato daśāṅgapañcāṅgau
danach die zehngliedrige und die fünfgliedrige
nyāsavaryauṃ nyase kramāt
die beiden vorzüglichen Einsetzungen setze man der Reihe nach ein
Am Herzen, am Scheitel, am Haarschopf, am ganzen Körper, in den Himmelsrichtungen, an beiden Flanken, an der Hüfte, am Rücken und ebenso [wiederum] am Scheitel setze der beste der Vaiṣṇavas ein.
Wort für Wort
hṛdi mūrdhni śikhāyāṃ ca
am Herzen, am Scheitel, am Haarschopf
sarvāṅge dikṣu pārśvayoḥ
am ganzen Körper, in den Himmelsrichtungen, an beiden Flanken
Wiederum setze man mit gesammeltem Geist die fünf Glieder mit den Cakra[-Namen] wie zuvor ein. Auch die andere, beim achtzehnsilbigen [Mantra] genannte Ansammlung von Einsetzungen ist zu vollziehen.
Wort für Wort
pañcāṅgāni nyasedbhūyaścakraiḥ
wiederum setze man die fünf Glieder mit den Cakra[-Namen] ein
prāgvatsamāhitaḥ
wie zuvor, mit gesammeltem Geist
anyo 'pyaṣṭādaśārṇoktaḥ
auch die andere, beim achtzehnsilbigen [Mantra] genannte
Danach gestalte der Kluge mit dem Kirīṭa-Mantra die alldurchdringende [Einsetzung]; und der beste der Übenden zeige die mit ‚Flöte‘ und ‚Bilva-Frucht‘ beginnenden Handgesten (Mudrās).
Wort für Wort
tataḥ kirīṭamantreṇa
danach mit dem Kirīṭa-Mantra
vyāpakaṃ racayetsudhīḥ
gestalte der Kluge die alldurchdringende [Einsetzung]
veṇubilvādimudrāṃśca
die mit ‚Flöte‘ und ‚Bilva-Frucht‘ beginnenden Mudrās
sudarśanasya mantreṇa kuryāddigbandhanaṃ tataḥ / anaṅguṣṭhāśca ṛjavaḥ karaśākhā bhavanti cet
Mit dem Mantra des Sudarśana vollziehe man danach die Verschließung der Himmelsrichtungen. Wenn die Fingerglieder der Hand, mit Ausnahme des Daumens, gerade gestreckt sind —
Wort für Wort
sudarśanasya mantreṇa
mit dem Mantra des Sudarśana
kuryāddigbandhanaṃ tataḥ
vollziehe man danach die Verschließung der Himmelsrichtungen
— [dies] wird die ‚Herz-Mudrā‘ genannt; ebenso ist [wenn die Hände über den Kopf erhoben werden] die ‚Haupt-Mudrā‘ [gezeigt]. Die Faust aber, bei der der Daumen [in sie] eingeschlossen ist, wird als ‚Haarschopf-Mudrā‘ bezeichnet. Mit den ausgestreckten Fingern beider Hände [verschränkt] wird die ‚Rüstungs-Mudrā‘ bezeichnet.
Wort für Wort
hṛnmudreyaṃ samākhyātā
[dies] wird die ‚Herz-Mudrā‘ genannt
śiromudrā tathā bhavet
ebenso ist die ‚Haupt-Mudrā‘ [gezeigt]
adhoṅguṣṭhā tu yā muṣṭiḥ śikhāmudreyamīritā
die Faust aber, bei der der Daumen eingeschlossen ist, wird als ‚Haarschopf-Mudrā‘ bezeichnet
prasāritakarāṅgulyorvarmamudreyamīritā
mit den ausgestreckten Fingern beider Hände wird die ‚Rüstungs-Mudrā‘ bezeichnet
nārācamuṣṭyā dhṛtabāhuyugmaḥ aṅguṣṭhatarjanyudito dhvanistu / viṣvagvimuktā kathitāstramudrā yatrākṣiṇī tarjanimadhyame ca
Wenn man mit einer zur Pfeilform geballten Faust beide Arme hält, dabei mit Daumen und Zeigefinger ein Schnalzgeräusch erzeugt und [die Hände] nach beiden Seiten hin auseinandergeschleudert werden – [dies] wird als ‚Waffen-Mudrā‘ bezeichnet. Wo [von] den beiden Augen [die Rede ist, geschieht dies] mit Zeigefinger und Mittelfinger,
Wort für Wort
nārācamuṣṭyā dhṛtabāhuyugmaḥ
mit einer zur Pfeilform geballten Faust, beide Arme haltend
aṅguṣṭhatarjanyudito dhvanistu
mit Daumen und Zeigefinger ein Schnalzgeräusch erzeugend
viṣvagvimuktā kathitāstramudrā
nach beiden Seiten auseinandergeschleudert, wird [dies] als ‚Waffen-Mudrā‘ bezeichnet
yatrākṣiṇī tarjanimadhyame ca
wo [von] den beiden Augen [die Rede ist], mit Zeigefinger und Mittelfinger [?]
[?: Der Anschluss von „yatrākṣiṇī tarjanimadhyame ca“ an das Vorhergehende ist syntaktisch unklar; möglicherweise beginnt hier bereits, ohne eigenes Verb, die Beschreibung der (im Folgevers fortgesetzten) Augen- bzw. Mund-Mudrā.]
[Bei der Veṇu-Mudrā, der Flöten-Geste:] der Daumen der linken Hand berühre die Lippe, dessen kleiner Finger [sei gebeugt]; [der Daumen] der rechten Hand sei mit [dem der linken] verbunden, deren kleiner Finger [sei] ausgestreckt.
— Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger seien leicht gekrümmt und bewegt: [so] wird diese ‚Flöten-Mudrā‘ verkündet, die wohlverborgene, Hari liebe [Geste]. Dort werden [die Mudrās für] Blumenkranz, Śrīvatsa und Kaustubha nicht [eigens] genannt, da sie [bereits] als vollendet [enthalten sind].
Wort für Wort
tarjanī madhyamānāmā
Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger
kiñcitsakuñcya cālitā
seien leicht gekrümmt und bewegt
veṇumudreyamuditā suguptā preyasī hareḥ
[so] wird diese ‚Flöten-Mudrā‘ verkündet, die wohlverborgene, Hari liebe [Geste]
nocyante tatra siddhatvānmālāśrīvatsakaustubhāḥ
dort werden Blumenkranz, Śrīvatsa und Kaustubha nicht eigens genannt, da sie als vollendet [enthalten sind]
vāmāṅguṣṭhaṃ samudraṃ tamaparakarāṅguṣṭhakenātha baddhvā saṃpīḍyāgraṃ ca dakṣāṅgulibhirapi ca tāṃ vāmahastāṅgulībhiḥ / gāḍhaṃ baddhvā svakīye hṛdayasarasije sthāpayetkāmabījaṃ proccāryaiṣā tu gopyā sakalasukhakarī vilvamudrā munīndraiḥ
Nachdem man den linken Daumen mit dem Daumen der anderen [rechten] Hand verbunden und dessen Spitze zusammengedrückt hat, und [diese Verbindung] auch mit den Fingern der rechten sowie mit denen der linken Hand fest umschlossen hat, halte man [die so gebildete Geste] fest im Lotus des eigenen Herzens und spreche dabei die Keimsilbe Kāmas laut aus – dies ist die von den besten Weisen [gelehrte], geheim zu haltende ‚Bilva-Mudrā‘, die alles Glück verleiht.
Meditation, Murmeln und die dreimal-tägliche Verehrung des Mantra sind wie zuvor genannt zu vollziehen; für alle [Mantras] wird ein und derselbe Ablauf gelehrt, sei es beim zehnsilbigen oder beim achtzehnsilbigen [Mantra].
Wort für Wort
dhyānaṃ japastrikālārcā
Meditation, Murmeln und die dreimal-tägliche Verehrung
kāryā pūrvoditā manoḥ
des Mantra sind wie zuvor genannt zu vollziehen
sarveṣvekaḥ kramaḥ prokto
für alle wird ein und derselbe Ablauf gelehrt
daśārṇāṣṭādaśārṇayoḥ
beim zehnsilbigen und beim achtzehnsilbigen [Mantra]
So, wenn der Mantra vollendet ist, ist der Mantra-Kundige befähigt, [magische] Anwendungen zu vollziehen. [Man meditiere Kṛṣṇa,] der mit hoch erhobenem, kraftvollem Arm den Berg Govardhana trägt,
Wort für Wort
evaṃ siddhe manau
so, wenn der Mantra vollendet ist
mantrī prayogānkartumarhati
ist der Mantra-Kundige befähigt, Anwendungen zu vollziehen
— dessen Antlitz sich an die mit den Fingern der anderen Hand deutlich hervorgebrachte, klingende Flöte anschmiegt: indem der Kluge so Kṛṣṇa meditiert und den Mantra murmelt, kann er ohne Schirm reisen,
Wort für Wort
anyahastāgulīvyaktasvaravaṃśārpitānanam
dessen Antlitz sich an die mit den Fingern der anderen Hand hervorgebrachte, klingende Flöte anschmiegt
varṣavātāśanibhyo 'pi bhayaṃ tasya na jāyate / moghamedhaughavrātādgagatendraṃ taṃ smaranhunet
— vor Regen, Sturm und Blitzschlag entsteht ihm keine Furcht. Wenn man, ihn als den Herrn des Himmels gedenkend, wegen einer Schar sich vergeblich türmender Wolken opfert,
Wort für Wort
varṣavātāśanibhyo 'pi
vor Regen, Sturm und Blitzschlag
bhayaṃ tasya na jāyate
entsteht ihm keine Furcht
moghamedhaughavrātād
wegen einer Schar sich vergeblich türmender Wolken
— mit zehntausend Salzkörnern, [so] tritt Regenlosigkeit ein, daran besteht kein Zweifel. [Man meditiere ihn,] wie er am Ufer der Yamunā (Arkajā) spielt, durch Untertauchen, Baden und dergleichen,
Wort für Wort
loṇairayutasaṃkhyaiḥ
mit zehntausend Salzkörnern
syādanāvṛṣṭirna saṃśayaḥ
tritt Regenlosigkeit ein, daran besteht kein Zweifel
— besprengt von den Sprühtröpfchen jenes [Wassers] durch die geliebten [Gefährtinnen]: so meditierend opfere man zehntausend Mal mit in Wasser getränkten [Substanzen], oder man vollziehe Wasser-Trankopfer.
Wort für Wort
tacchīkarajalāsāraiḥ sicyamānaṃ priyājanaiḥ
besprengt von den Sprühtröpfchen jenes Wassers durch die geliebten [Gefährtinnen]
— [dann] entsteht selbst außerhalb der [Regen-]Jahreszeit gewaltiger Regen, daran besteht kein Zweifel hierbei. [Für den,] der von brennendem Fieber, Bewusstseinstrübung, Pocken und dergleichen gequält ist —
Wort für Wort
vṛṣṭirbhavatyakāle 'pi mahatī
gewaltiger Regen entsteht selbst außerhalb der [Regen-]Jahreszeit
nātra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel
sadāhamohairārtasya
der von brennendem Fieber und Bewusstseinstrübung gequält ist
— murmle man, eben diesen [Gott] am Scheitel [des Kranken] gedenkend: augenblicklich tritt Besänftigung ein. Oder [man meditiere ihn], auf Garuḍa reitend, begleitet von Pradyumna und Bala[rāma],
Wort für Wort
amumeva smaranmūrdhni japet
murmle man, eben diesen [Gott] am Scheitel gedenkend
— den Unvergänglichen, der durch sein eigenes [göttliches] Fieber das [krankmachende] Fieber zermalmt hat und dafür gepriesen wird: indem man ihn meditiert und den Mantra am Scheitel [des Kranken] murmelt, wird der Fiebernde vom Fieber befreit.
Wort für Wort
nijajvaraniṣpiṣṭajvarābhiṣṭutamacyutam
den Unvergänglichen, der durch sein eigenes Fieber das Fieber zermalmt hat und dafür gepriesen wird
dhyātvā mūrdhni japenmantraṃ
indem man ihn meditiert und den Mantra am Scheitel murmelt
— so meditierend und im Feuer verehrend, opfere man mit den vorgeschriebenen, vier Finger[breit langen Holzstücken] zusammen mit Amṛtā-Wurzelstücken zehntausend Mal, zur Besänftigung des Fiebers.
Wort für Wort
dhyātvaivamagnāvabhyarcya
so meditierend und im Feuer verehrend
yathoktaiścaturaṅgulaiḥ
mit den vorgeschriebenen, vier Finger [langen Holzstücken]
— [man meditiere] Hari, wie er, von Pfeilen durchbohrt, dem Bhīṣma dessen Schmerz hinwegnahm: so meditierend murmle man, den Leidenden mit beiden Händen berührend, zur Besänftigung des Fiebers.
Wort für Wort
śilīmukhavinirbhinnabhīṣmatāpaharaṃ harim
Hari, der, von Pfeilen durchbohrt, dem Bhīṣma dessen Schmerz hinwegnahm
— man meditiere, wie [Kṛṣṇa] dem Sāṃdīpani dessen [verstorbenen] Sohn [wiederbrachte], und opfere, [ihn so meditierend], zehntausend Mal mit den vorgeschriebenen Amṛtā-Stücken, zur Abwendung eines vorzeitigen Todes.
sapārthaṃ mṛtaputrāyārpayantaṃ ca dvijanmane / sutaṃ dhyātvā japellakṣaṃ putrapautrādivṛddhaye
— [oder man meditiere], wie er, zusammen mit Pārtha, dem Brahmanen, dessen Sohn tot war, den Sohn zurückgab: so meditierend murmle man hunderttausend Mal, zur Mehrung von Söhnen, Enkeln und dergleichen.
Wort für Wort
sapārthaṃ mṛtaputrāyārpayantaṃ ca dvijanmane
wie er, zusammen mit Pārtha, dem Brahmanen, dessen Sohn tot war, den Sohn zurückgab
sutaṃ dhyātvā japellakṣaṃ
so den Sohn meditierend murmle man hunderttausend Mal
Nachdem man mit den in Honigsaft getränkten Früchten des Putrajīva-Baumes zehntausend Mal geopfert hat, im mit dessen Holz entfachten Feuer, erlangt man langlebige Söhne.
Wort für Wort
putrajīvaphalairhutvāyutaṃ
nachdem man mit den Früchten des Putrajīva-Baumes zehntausend Mal geopfert hat
Nachdem man nachts einen mit dem Wasser des Milchbaumes ganz gefüllten Krug verehrt hat, besprenge man, nachdem man morgens zehntausend Mal gemurmelt hat, die Frau zwölf Tage lang [damit].
Wort für Wort
kṣīradruktvāthasaṃpūrṇamabhyarcya kalaśaṃ niśi
nachdem man nachts einen mit dem Wasser des Milchbaumes ganz gefüllten Krug verehrt hat
prātarjjaptvāyutaṃ
nachdem man morgens zehntausend Mal gemurmelt hat
nārīmabhiṣiñceddiṣaḍdinam
besprenge man die Frau zwölf Tage lang [damit]
[?: „kṣīradruktvā“ (‚mit [Wasser des] Milchbaumes‘) und „diṣaḍdinam“ (‚zwölf Tage‘, wörtlich ‚zweimal sechs Tage‘) sind knapp und nicht mit letzter Sicherheit aufzulösen.]
evaṃ kṛte tu vandhyāpi labhetputrāṃścirāyuṣaḥ / prātarvācaṃyamāśvatthadalasaṃpuṭakaṃ jalam
Wenn dies so vollzogen wird, erlangt sogar eine unfruchtbare Frau langlebige Söhne. Morgens, mit zurückgehaltener Sprache, [trinke sie] Wasser, das in einer aus einem Aśvattha-Blatt gefalteten Schale [aufgefangen wurde],
Wort für Wort
evaṃ kṛte tu vandhyāpi
wenn dies so vollzogen wird, erlangt sogar eine unfruchtbare Frau
labhetputrāṃścirāyuṣaḥ
langlebige Söhne
prātarvācaṃyamāśvatthadalasaṃpuṭakaṃ jalam
morgens, mit zurückgehaltener Sprache, Wasser in einer aus einem Aśvattha-Blatt gefalteten Schale
— hundertundacht Mal [damit] gemurmelt, trinke die nach einem Sohn Verlangende dies einen Monat lang; so erlangt sogar eine unfruchtbare Frau einen mit allen guten Merkmalen ausgestatteten Sohn.
Wort für Wort
aṣṭottaraśataṃ japtaṃ
hundertundacht Mal gemurmelt
māsaṃ putrārthinī pibet
trinke die nach einem Sohn Verlangende dies einen Monat lang
Um die von dem eigenen Feind, dem König von Kāśī, entsandte Zauberdämonin (Kṛtyā) zu besiegen, und indem man sich Hari vorstellt, wie er mit seiner Glut dessen Stadt verbrennt,
Wort für Wort
jitvā kṛtyāṃ kāśirājapreṣitāṃ ca nijāriṇaḥ
um die von dem eigenen Feind, dem König von Kāśī, entsandte Kṛtyā zu besiegen
— opfere der Mantra-Kundige sieben Tage lang mit gut in Öl getränktem Senf: gewiss wird [die Kṛtyā], erzürnt, ebendiesem den Urheber des Kṛtyā-Zaubers vernichten.
[Man meditiere ihn,] wie er im heiligen, von Jujube-Bäumen (Badarī) bewachsenen göttlichen Einsiedlerhain weilt und mit seinen Lotushänden den Leib des [Dämonen] Ghaṇṭākarṇa berührt,
— so meditierend opfere man hunderttausend Mal mit Sesamkörnern, getränkt in den drei Süßstoffen: selbst wer mit schwerster Sünde behaftet ist, wird so augenblicklich rein.
Hari gedenkend, wie er Rukmin und Bala[rāma], die dem Würfelspiel verfallen waren, [gegeneinander] aufhetzte: zur Entzweiung zweier [Personen, die man] anfeinden [will], opfere man Kügelchen aus Kuhmist,
Wort für Wort
dyūtāsaktau rukmibalau
Rukmin und Bala[rāma], die dem Würfelspiel verfallen waren
dveṣayantaṃ hariṃ smaran
gedenkend, wie Hari sie [gegeneinander] aufhetzte
juhuyādiṣṭayordviṣṭyai
zur Entzweiung zweier [Personen], die man anfeinden will, opfere man
— täglich tausend Mal, sieben Tage lang; [so] entzweie man die Feinde untereinander. [Oder man meditiere ihn,] auf Garuḍa reitend, mit lodernden, feuermündigen Pfeilen niederregnend,
uccāṭanaṃ bhavatyeva śatrūṇāṃ saptabhirdinaiḥ / dhyāyannutkṣiptavatsaṃ tu kapitthaphalahāriṇam
So geschieht binnen sieben Tagen die Vertreibung (Uccāṭana) der Feinde. [Oder man meditiere ihn,] wie er ein Kalb emporschleudert, um die Frucht des Kapittha-Baumes herabzuholen,
Wort für Wort
uccāṭanaṃ bhavatyeva
so geschieht die Vertreibung
śatrūṇāṃ saptabhirdinaiḥ
der Feinde binnen sieben Tagen
dhyāyannutkṣiptavatsaṃ tu
oder man meditiere ihn, wie er ein Kalb emporschleudert
— [so] murmle man zehntausend Mal: [dann] vertreibt man augenblicklich den Feind. [Oder man meditiere ihn,] wie er selbst den Kaṃsa niederwirft, [ihn] vom Podest herabstürzend,
— wie er den leblosen Kaṃsa an sich heranzieht: so meditierend murmle man diesen Mantra. Mit Brennholzstücken, gewonnen von dem Baum, der dem Geburtsgestirn des Feindes zugeordnet ist, opfere man in der Nacht zehntausend Mal —
Wort für Wort
kaṃsātmānaṃ vyakarṣantaṃ gatāsuṃ
wie er den leblosen Kaṃsa an sich heranzieht
taṃ japenmanum
so [meditierend] murmle man diesen Mantra
ripujanmarkṣavṛkṣotthasamidbhirayutaṃ niśi
mit Brennholzstücken vom Baum des Geburtsgestirns des Feindes, zehntausend Mal, in der Nacht
[?: „ripujanmarkṣavṛkṣotthasamidbhiḥ“ wurde als „mit Brennholzstücken vom Baum des Geburts-Nakṣatra (janma-ṛkṣa) des Feindes“ gedeutet, gemäß der traditionellen Zuordnung bestimmter Bäume zu den Mondhäusern.]
— so opfere man: selbst ein gewaltiger Widersacher geht dann dem Untergang entgegen. Oder man opfere mit in Niṃba-Öl getränkten [Substanzen], [gewonnen] aus wildwachsendem Getreide [?],
Wort für Wort
juhuyādevamugro 'pi
so opfere man: selbst ein gewaltiger [Widersacher]
sapatno nidhanaṃ vrajet
geht dann dem Untergang entgegen
athavā niṃbatailāktair
oder mit in Niṃba-Öl getränkten [Substanzen]
hunedhobhirakṣajaiḥ
opfere man, [gewonnen] aus wildwachsendem Getreide [?]
[?: „hunedhobhirakṣajaiḥ“ ist unsicher überliefert; die Bedeutung des zweiten Wortbestandteils bleibt offen, probeweise als „aus wildwachsendem Getreide“ gedeutet.]
— zehntausend Mal, diszipliniert, in der Nacht: so tötet man bald die Feinde. Mit Blättern der Niśā und des [Baumes] Iṣṭa, mit den drei Gewürzen und mit Baumwollsamen, in der Nacht —
Wort für Wort
ayutaṃ niyato rātrau
zehntausend Mal, diszipliniert, in der Nacht
mārayedacirādarīn
tötet man bald die Feinde
niśādiṣṭadalavyoṣakārpāsāsthikarairniśi
mit Blättern der Niśā und des Iṣṭa, mit den drei Gewürzen und mit Baumwollsamen, in der Nacht [?]
[?: „niśādiṣṭadalavyoṣakārpāsāsthikaraiḥ“ ist eine stark verdichtete Aufzählung von Zutaten, deren einzelne Bestandteile („niśā“ – Kurkuma? –, „iṣṭa“, „vyoṣa“ – die drei Gewürze –, „kārpāsāsthi“ – Baumwollsamen) nicht mit letzter Sicherheit zu identifizieren sind.]
hunederaṇḍatailāktaiḥ śmaśāne ripuśāntaye / na śastaṃ māraṇaṃ karma kuryyāñcedayutaṃ hunet
— opfere man, in Rizinusöl getränkt, auf dem Leichenverbrennungsplatz, zur Vernichtung des Feindes. Das Tötungsritual (Māraṇa) ist nicht empfehlenswert; wenn man es dennoch vollzieht, opfere man zehntausend Mal,
Wort für Wort
hunederaṇḍatailāktaiḥ
opfere man, in Rizinusöl getränkt
śmaśāne ripuśāntaye
auf dem Leichenverbrennungsplatz, zur Vernichtung des Feindes
na śastaṃ māraṇaṃ karma
das Tötungsritual ist nicht empfehlenswert
kuryyāñcedayutaṃ hunet
wenn man es dennoch vollzieht, opfere man zehntausend Mal
— oder man opfere ebenso oft mit Milchreis, mit besänftigtem Sinn, zur Wiedergutmachung. [Oder man meditiere] Kṛṣṇa, wie er den Pārijāta-Baum raubt: so meditierend murmle man hunderttausend Mal den Mantra —
Wort für Wort
pāyasairvā hunettāvacchāntaye
oder man opfere ebenso oft mit Milchreis, zur Wiedergutmachung
sarvatraiva jayastasya na kadāpi parājayaḥ / vyākhyāmudrākaraṃ kṛṣṇaṃ rathasthaṃ bhāvayañjapet
— [dann ist] ihm überall der Sieg [gewiss], niemals eine Niederlage. Man meditiere und murmle, Kṛṣṇa auf dem Wagen stehend, mit der Lehr-Geste (Vyākhyāmudrā) in der Hand,
— wie er dem Pārtha den Sinn des Gesangs [der Bhagavadgītā] weist: zur Mehrung der Rechtsordnung opfere der gute Mensch hunderttausend Mal mit in Honig getränkten Pāvāśa-Blüten, zur Erlangung von Wissen.
Wort für Wort
pārthe diśantaṃ gītārthaṃ
wie er dem Pārtha den Sinn des Gesangs weist
dharmavṛddhyai sumānavaḥ
zur Mehrung der Rechtsordnung, der gute Mensch
pāvāśapuṣpairmadhvaktair
mit in Honig getränkten Pāvāśa-Blüten [?]
lakṣaṃ vidyāptayehunet
opfere hunderttausend Mal, zur Erlangung von Wissen
[?: „pāvāśapuṣpaiḥ“ (‚Pāvāśa-Blüten‘) ist als Pflanzenname nicht sicher zu identifizieren.]
Zum Schutz von Reich, Stadt, Dorf und Besitz sowie auch des eigenen Körpers [meditiere man ihn], die Allgestalt (Viśvarūpa) tragend, von einem Glanz gleich Millionen aufgehender Sonnen,
Wort für Wort
rāṣṭrapūrgrāmavastūnāṃ
von Reich, Stadt, Dorf und Besitz
śarīrasyāpi rakṣaṇe
und auch zum Schutz des eigenen Körpers
viśvarūpadhara
die Allgestalt tragend
prodyadbhānukoṭisamaprabham
von einem Glanz gleich Millionen aufgehender Sonnen
— Kṛṣṇa, dessen Wesen Feuer und Soma [zugleich] ist, mit dem Glanz geschmolzenen Goldes, dessen Antlitz und Lotusfüße von Sonne und Feuer erleuchtet sind, mit göttlichem Schmuck,
Wort für Wort
agrīṣomātmakaṃ kṛṣṇaṃ
Kṛṣṇa, dessen Wesen Feuer und Soma ist
drutacāmīkaraprabham
mit dem Glanz geschmolzenen Goldes
arkāgnidyotitāsyāṅghriṃ
dessen Antlitz und Lotusfüße von Sonne und Feuer erleuchtet sind
— der mannigfache Waffen trägt und den ganzen Raum des Weltalls einnimmt: so meditierend murmle man mit gesammeltem Geist hunderttausend Mal den Mantra zum Schutz.
Wort für Wort
nānāyudhadharaṃ prāptaṃ
der mannigfache Waffen trägt
viśvākāśāvakāśakam
und den ganzen Raum des Weltalls einnimmt
dhyātvā lakṣa japenmantraṃ
so meditierend murmle man hunderttausend Mal den Mantra
— [wer dies] tausend [Tage lang, je einen] Kreis [bildend, vollzieht], bezaubert als Mantra-Kundiger selbst redegewaltige Brahmanen; mit Jātī-Blüten [bezaubere er] die Kṣatriyas, indem er ihn im Hirtengewand gedenkt,
Wort für Wort
sahasramaṇḍalānmantrī
der Mantra-Kundige, [nach] tausend [Tagen, je einen] Kreis [vollendend]
— indem man den am Spiel erfreuten Kṛṣṇa meditiert, bezaubere man mit roten Blüten der ‚Pferdefeindin‘ die der Vaiśya-Kaste Angehörigen, und, indem man ihn gedenkt, die Śūdras mit blauen Seerosen,
Wort für Wort
dhyāyan krīḍārataṃ kṛṣṇaṃ
indem man den am Spiel erfreuten Kṛṣṇa meditiert
raktairaśvāripuṣpakaiḥ
mit roten Blüten der ‚Pferdefeindin‘
vaśayedvaiśyajātīyān
bezaubere man die der Vaiśya-Kaste Angehörigen
śūdrānnīlotpalaiḥ smaran
und, ihn gedenkend, die Śūdras mit blauen Seerosen
— [oder indem man ihn meditiert als] am Gesang und Tanz erfreut, opfere man mit weißen Blüten, mit Ghee und Reiskörnern, täglich, sieben Tage lang, und trage die Asche auf der Stirn und dem Scheitel —
Wort für Wort
gītanṛtyarataṃ
am Gesang und Tanz erfreut
śvetapuṣpaiḥ sājyaiśca tandulaiḥ
mit weißen Blüten, mit Ghee und Reiskörnern
hutvānvahaṃ saptadinaṃ
opfere man täglich, sieben Tage lang
bhasma bhāle ca mūrddhani
und trage die Asche auf der Stirn und dem Scheitel
dhārayanvaśayetkāntāṃ sāpi tadvatpatiṃ dhruvam / tāṃbūlaṃ kusumaṃ vāsoṃ'janaṃ candanameva ca
— so trägt man sie und bezaubert die Geliebte; auch sie [wird] ebenso gewiss den Gatten [bezaubern]. Betelbissen, Blüten, Gewand, Augensalbe und ebenso Sandelpaste —
Wort für Wort
dhārayanvaśayetkāntāṃ
so trägt man sie und bezaubert die Geliebte
sāpi tadvatpatiṃ dhruvam
auch sie [wird] ebenso gewiss den Gatten [bezaubern]
vṛndāraṇyasthitaṃ dhyāyanballavīsaṃyutaṃ harim / apāmārgasamidbhistu hutvā tu vaśayejjagat
Indem man Hari meditiert, wie er im Vṛndā-Wald weilt, von den Hirtinnen begleitet, und mit Brennholzstücken des Apāmārga-Krauts opfert, bezaubert man die ganze Welt.
Wort für Wort
vṛndāraṇyasthitaṃ dhyāyan
indem man ihn meditiert, wie er im Vṛndā-Wald weilt
ballavīsaṃyutaṃ harim
Hari, von den Hirtinnen begleitet
apāmārgasamidbhistu hutvā tu
und mit Brennholzstücken des Apāmārga-Krauts opfert
saṃprāpya sadguror dīkṣāṃ kṛṣṇaṃ yo vidhināmunā / arcayedvaiṣṇavaśreṣṭhaḥ so 'ṣṭasiddhīśvaro bhavet
Wer, nachdem er die Einweihung von einem wahren Lehrer erlangt hat, Kṛṣṇa nach dieser Vorschrift verehrt, der wird, als bester der Vaiṣṇavas, zum Herrn der acht Siddhis.
Wort für Wort
saṃprāpya sadguror dīkṣāṃ
nachdem er die Einweihung von einem wahren Lehrer erlangt hat
Durch dessen bloßen Anblick werden, wie überliefert wird, [selbst geschickte] Redner glanzlos; in seinem Munde wohnt Sarasvatī [die Göttin der Beredsamkeit], und in seinem Haus [weilen] Versammlungsteilnehmer.
Wort für Wort
tasya darśanamātreṇa
durch dessen bloßen Anblick
vādino niṣprabhāḥ smṛtāḥ
werden Redner, wie überliefert wird, glanzlos
vasetsarasvatī vakre
in seinem Munde wohnt Sarasvatī
gṛhe cāpi sabhāsadaḥ
und in seinem Haus [weilen] Versammlungsteilnehmer
Nachdem er mannigfache Genüsse erfahren hat, geht er am Ende in Viṣṇus [höchstes] Reich ein.
Wort für Wort
bhuktvā nānāvidhānbhogān
nachdem er mannigfache Genüsse erfahren hat
ante viṣṇupadaṃ vrajet
geht er am Ende in Viṣṇus Reich ein
[Anm.: Dieser Vers besteht im vorliegenden Quelltext nur aus einer einzigen Vers-Halbzeile (Pāda) anstelle der sonst üblichen zwei; eine zweite Halbzeile sowie der am Kapitelende zu erwartende Schlusskolophon („iti śrībṛhannāradīyapurāṇe ... kṛṣṇamantranirūpaṇaṃ nāmāśītitamo 'dhyāyaḥ“) fehlen in der Vorlage. Der Vers wurde unverändert, wie im Quelltext vorgefunden, übersetzt.]