Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 79: kṛṣṇamantranirūpaṇam Die Darlegung des Kṛṣṇa-Mantras

sūta uvāca / śrutvā tu nārado viprāḥ kumāravacanaṃ muniḥ / yatpapraccha punastacca yuṣmabhyaṃ pravadāmyaham

Sūta sprach: Nachdem aber der Weise Nārada, o ihr Brahmanen, die Rede des Kumāra (Sanatkumāra) vernommen hatte, [fragte er weiter] – was er da wiederum fragte, das werde ich euch nun verkünden.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
śrutvā tu nārado viprāḥ
nachdem aber Nārada, o Brahmanen
kumāravacanaṃ muniḥ
der Weise die Rede des Kumāra [gehört hatte]
yatpapraccha punastacca
und was er wiederum fragte, das
yuṣmabhyaṃ pravadāmyaham
werde ich euch verkünden

[Anm.: Dem eigentlichen Vers geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde hanumaccaritraṃ nāma ekonāśītitamo 'dhyāyaḥ“ samt Trennlinie voraus – dies ist der Schlusskolophon des vorangehenden, dort als 79. („ekonāśītitama“) gezählten Kapitels „Hanumaccaritram“. Diese Zeile gehört nicht zum eigentlichen Vers 1 und wurde daher nicht in das sa-Feld übernommen. Das vorliegende, hier projektintern als Kapitel 79 geführte Kapitel trägt laut Aufgabenstellung den eigenen Schlusskolophon „...kṛṣṇamantranirūpaṇaṃ nāmāśītitamo 'dhyāyaḥ“ (dort das 80., traditionell gezählte Kapitel).]

kārtavīryasya kavacaṃ tathā hanumato 'pi ca / caritaṃ ca mahatpuṇyaṃ śrutvā bhūyo 'bravīdvacaḥ

Nachdem er die Schutzrüstung (Kavaca) des Kārtavīrya sowie auch die überaus heilige Geschichte (Carita) Hanumats gehört hatte, sprach er [Nārada] abermals ein Wort.

Wort für Wort
kārtavīryasya kavacaṃ
die Schutzrüstung des Kārtavīrya
tathā hanumato 'pi ca
und ebenso auch [die] des Hanumat
caritaṃ ca mahatpuṇyaṃ
und die überaus heilige Geschichte
śrutvā bhūyo 'bravīdvacaḥ
nachdem er [dies] gehört hatte, sprach er abermals ein Wort

nārada uvāca / sādhu sādhu muniśreṣṭha tvayātikaruṇātmanā / śrāvitaṃ caritaṃ puṇyaṃ śivasya ca hanūmataḥ

Nārada sprach: Vortrefflich, vortrefflich, o bester der Weisen! Von dir, der du von überaus mitleidsvollem Wesen bist, wurde die heilige Geschichte des gütigen Hanumat zu Gehör gebracht.

Wort für Wort
sādhu sādhu muniśreṣṭha
vortrefflich, vortrefflich, o bester der Weisen
tvayātikaruṇātmanā
von dir, der du von überaus mitleidsvollem Wesen bist
śrāvitaṃ caritaṃ puṇyaṃ
wurde die heilige Geschichte zu Gehör gebracht
śivasya ca hanūmataḥ
des gütigen [?] Hanumat

[?: „śivasya“ kann als Eigenname (Śiva) oder als Adjektiv „gütig, heilbringend“ zu „hanūmataḥ“ gedeutet werden; hier als Adjektiv übersetzt, da Hanumat traditionell als Aṃśa Rudra-Śivas gilt und im Vers kein eigener Śiva-Bezug ersichtlich ist.]

tantrasyāṃsya kramaprāptaṃ kathanīyaṃ ca yattvayā / tatprabrūhi mahābhāga kiṃ pṛṣṭvānyadvidāṃvara

Das, was der Reihe nach [noch] zu diesem Lehrwerk (Tantra) gehört und von dir zu verkünden ist – das sage mir, o Hochbeglückter! Was gäbe es sonst noch zu fragen, o Bester der Kundigen?

Wort für Wort
tantrasyāṃsya kramaprāptaṃ
was der Reihe nach zu diesem Tantra gehört
kathanīyaṃ ca yattvayā
und von dir zu verkünden ist
tatprabrūhi mahābhāga
das sage mir, o Hochbeglückter
kiṃ pṛṣṭvānyadvidāṃvara
was gäbe es sonst noch zu fragen, o Bester der Kundigen

sanatkumāra uvāca / atha vakṣye kṛṣṇamantrānbhuktimuktiphalapradān / brahmādyā yānsamārādhya sṛṣṭyādikaraṇe kṣamāḥ

Sanatkumāra sprach: Nun werde ich die Kṛṣṇa-Mantras verkünden, die als Frucht Genuss (Bhukti) und Erlösung (Mukti) gewähren, durch deren rechte Verehrung Brahmā und die anderen [Götter] fähig wurden, Schöpfung und die übrigen [Weltvorgänge] zu bewirken.

Wort für Wort
atha vakṣye kṛṣṇamantrān
nun werde ich die Kṛṣṇa-Mantras verkünden
bhuktimuktiphalapradān
die als Frucht Genuss und Erlösung gewähren
brahmādyā yānsamārādhya
durch deren Verehrung Brahmā und die übrigen [Götter]
sṛṣṭyādikaraṇe kṣamāḥ
fähig wurden zum Bewirken von Schöpfung und dem Übrigen

kāmaḥ kṛṣṇapadaṃ ṅataṃ govindaṃ ca tathāvidham / gopījanapadaṃ paścādvallabhāyāgnisuṃdarī

[Die Keimsilbe] Kāma [steht am Anfang], [dann] das Wort ‚Kṛṣṇa‘ im Dativ, und ebenso das Wort ‚Govinda‘ [im Dativ]; danach das Wort ‚Gopījana‘, [dann] ‚vallabhā‘ [im Dativ] und [zuletzt] ‚Agnisundarī‘, [d.h. Svāhā].

Wort für Wort
kāmaḥ
[die Keimsilbe] Kāma (klīṃ)
kṛṣṇapadaṃ ṅataṃ
das Wort ‚Kṛṣṇa‘ im Dativ (kṛṣṇāya)
govindaṃ ca tathāvidham
und ebenso ‚Govinda‘ [im Dativ] (govindāya)
gopījanapadaṃ paścāt
danach das Wort ‚Gopījana‘
vallabhāya
‚vallabhā‘ im Dativ
agnisuṃdarī
[die Silbe] Agnisundarī, d.h. Svāhā

[Anm.: Der Vers kodiert in der üblichen Mantroddhāra-Technik den achtzehnsilbigen Mantra „klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā“; vgl. V.7f., wo dieser Mantra ausdrücklich als aṣṭādaśārṇaḥ (achtzehnsilbig) bezeichnet wird.]

aṣṭādaśārṇo mantro 'yaṃ durgādhiṣṭhātṛdaivataḥ / nārado 'sya muniśchando gāyatrī devatā punaḥ

Dieser achtzehnsilbige Mantra hat eine über [alle] Bedrängnis gebietende Gottheit; sein Seher (Ṛṣi) ist der Weise Nārada, [sein] Versmaß die Gāyatrī, die Gottheit aber [wird] weiter [genannt].

Wort für Wort
aṣṭādaśārṇo mantro 'yaṃ
dieser achtzehnsilbige Mantra
durgādhiṣṭhātṛdaivataḥ
[hat] eine über Bedrängnis gebietende Gottheit
nārado 'sya muniśchandaḥ
sein Seher [ist] der Weise Nārada, [sein] Versmaß
gāyatrī devatā punaḥ
[ist] die Gāyatrī, die Gottheit aber [folgt] weiter

[?: „durgādhiṣṭhātṛdaivataḥ“ wörtlich „dessen Gottheit Gebieter(in) über Bedrängnis (durga) ist“ – hier nicht als Eigenname der Göttin Durgā gedeutet, da V.8 als Gottheit ausdrücklich Śrī Kṛṣṇa nennt, sondern als Beschreibung der schützenden Macht des Mantra.]

śrīkṛṣṇaḥ paramātmā ca kāmo bījaṃ prakīrtitam / svāhā śaktirniyogastu caturvargaprasiddhaye

Śrī Kṛṣṇa, das Höchste Selbst (Paramātmā), [ist die Gottheit]; Kāma wird als Keimsilbe (Bīja) verkündet; Svāhā [ist] die Kraftsilbe (Śakti); die Anwendung (Niyoga) [dient] der Erlangung der vier Daseinsziele (Caturvarga).

Wort für Wort
śrīkṛṣṇaḥ paramātmā ca
Śrī Kṛṣṇa, das Höchste Selbst, [ist die Gottheit]
kāmo bījaṃ prakīrtitam
Kāma wird als Keimsilbe verkündet
svāhā śaktiḥ
Svāhā [ist] die Kraftsilbe
niyogastu caturvargaprasiddhaye
die Anwendung aber [dient] der Erlangung der vier Daseinsziele

ṛṣiṃ śirasi vaktre tu chandaśca hṛdi devatām / guhye bījaṃ padoḥ śaktiṃ nyasetsādhakasattamaḥ

Den Seher (Ṛṣi) setze man am Haupt ein, das Versmaß (Chandas) am Mund, die Gottheit am Herzen, die Keimsilbe (Bīja) am Geheimort (Guhya), die Kraftsilbe (Śakti) an den beiden Füßen – so [verfahre] der beste der Übenden (Sādhaka).

Wort für Wort
ṛṣiṃ śirasi
den Seher am Haupt
vaktre tu chandaḥ
am Mund aber das Versmaß
ca hṛdi devatām
und am Herzen die Gottheit
guhye bījaṃ
am Geheimort die Keimsilbe
padoḥ śaktiṃ nyaset
an den Füßen setze er die Kraftsilbe ein
sādhakasattamaḥ
der beste der Übenden

yugevadābdhi nigamairdvābhyāṃ varṇairmanūdbhavaiḥ / pañcāṅgāni pravinyasya tattvanyāsaṃ samācaret

Nachdem er, entsprechend den [Zahlen von] Zeitaltern, Veden und Weltmeeren [je vier] sowie den heiligen Überlieferungen (Nigama) und mit den beiden aus Manu entstandenen Lauten [?] die fünf Glieder (Pañcāṅga) eingesetzt hat, vollziehe er die Einsetzung der Wesensprinzipien (Tattva-Nyāsa).

Wort für Wort
yugevadābdhi nigamair
gemäß [den Zahlen von] Zeitaltern, Veden, Weltmeeren und heiligen Überlieferungen [?]
dvābhyāṃ varṇairmanūdbhavaiḥ
mit den beiden aus Manu entstandenen Lauten [?]
pañcāṅgāni pravinyasya
nachdem er die fünf Glieder eingesetzt hat
tattvanyāsaṃ samācaret
vollziehe er die Einsetzung der Wesensprinzipien

[?: Die genaue zahlensymbolische Bedeutung von „yugevadābdhi nigamairdvābhyāṃ varṇairmanūdbhavaiḥ“ bleibt unsicher; die Lesart wirkt an „yugevadābdhi“ möglicherweise verderbt (denkbar wäre „yugavedābdhi“, mit Yuga=4, Veda=4, Abdhi/Weltmeer=4 als Zahlwörter zur Kennzeichnung von Silben- bzw. Wiederholungszahlen der Aṅga-Mantras). Obige Wiedergabe ist die plausibelste Rekonstruktion.]

hṛdantimādikāntārṇamaparādyāni cātmane / matyantāni ca tatvāni jīvādyāni nyasetkramāt

[Mit den Mantra-Silben,] die auf ‚Herz‘ enden, vom Anfang bis zum Ende reichend, sowie den übrigen [Silben] für sich selbst [verwendend], setze man der Reihe nach die mit Jīva beginnenden, mit Mati endenden Wesensprinzipien (Tattvas) ein.

Wort für Wort
hṛdantimādikāntārṇam
[die Silben,] die auf ‚Herz‘ enden, vom Anfang bis zum Ende reichend
aparādyāni cātmane
und die übrigen [Silben], für sich selbst [verwendet]
matyantāni ca tatvāni
die mit Mati endenden Wesensprinzipien
jīvādyāni nyasetkramāt
setze man, mit Jīva beginnend, der Reihe nach ein

[?: Die syntaktische Verknüpfung von „hṛdantimādikāntārṇam aparādyāni cātmane“ ist verdichtet und lässt mehrere Lesarten zu; obige Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung als Übergangsvers zur folgenden Tattva-Aufzählung (V.12f.).]

jīvaṃ prāṇaṃ matimahṝṅkāraṃ manastathaiva ca / śabdaṃ sparśaṃ rūparasau gandhaṃ śrotraṃ tvacaṃ tathā

Jīva (Einzelseele), Prāṇa (Lebensatem), Mati (Verstand), Ahaṃkāra (Ichbewusstsein) und ebenso Manas (Denksinn); [ferner] Śabda (Ton), Sparśa (Tastempfindung) und Rūpa (Form) sowie Rasa (Geschmack), Gandha (Geruch), Śrotra (Gehör) und ebenso Tvac (Tastsinn) —

Wort für Wort
jīvaṃ prāṇaṃ matimahṝṅkāraṃ
Jīva, Prāṇa, Mati und Ahaṃkāra
manastathaiva ca
und ebenso Manas
śabdaṃ sparśaṃ rūparasau
Śabda, Sparśa, Rūpa und Rasa
gandhaṃ śrotraṃ tvacaṃ tathā
Gandha, Śrotra und ebenso Tvac

netraṃ ca rasanāṅghrāṇaṃ vācaṃ pāṇiṃ padendriyam / pāyuṃ śiśnamathākāśaṃ vāyuṃ vahniṃ jalaṃ mahīm

— Netra (Auge), Rasanā (Zunge) und Ghrāṇa (Geruchssinn), Vāc (Sprachorgan), Pāṇi (Hand) und Pada (Fuß) als Sinnesorgan, Pāyu (After) und Śiśna (Zeugungsorgan), sodann Ākāśa (Äther), Vāyu (Wind), Vahni (Feuer), Jala (Wasser) und Mahī (Erde) —

Wort für Wort
netraṃ ca rasanāṅghrāṇaṃ
Netra, Rasanā und Ghrāṇa
vācaṃ pāṇiṃ padendriyam
Vāc, Pāṇi und Pada als Sinnesorgan
pāyuṃ śiśnamathākāśaṃ
Pāyu, Śiśna, sodann Ākāśa
vāyuṃ vahniṃ jalaṃ mahīm
Vāyu, Vahni, Jala und Mahī

jīvaṃ prāṇaṃ ca sarvāge matyāditritayaṃ hṛdi / mūrddhāsyahṛdguhya pādeṣvatha śabdādikānnyaset

— Jīva und Prāṇa [setze man] über den ganzen Körper [verteilt] ein, die mit Mati beginnende Dreiheit [Mati, Ahaṃkāra, Manas] am Herzen; sodann setze man Śabda und die übrigen [Tanmātras] an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen ein.

Wort für Wort
jīvaṃ prāṇaṃ ca sarvāge
Jīva und Prāṇa über den ganzen Körper
matyāditritayaṃ hṛdi
die mit Mati beginnende Dreiheit am Herzen
mūrddhāsyahṛdguhya pādeṣu
an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen
atha śabdādikānnyaset
setze man sodann Śabda und die übrigen ein

[?: „sarvāge“ als Lokativ von „sarvāṅga“ (am ganzen Körper) gedeutet.]

karṇādisvasvasthāneṣu śrotrādīnīndriyāṇi ca / tathā vāgādīndriyāṇi svasvasthānaṣu vinyaset

Die Wahrnehmungsorgane (Indriyas), beginnend mit Śrotra (Gehör), setze man an ihren jeweils eigenen Orten ein, beginnend mit dem Ohr; ebenso setze man die Handlungsorgane, beginnend mit Vāc (Sprache), an ihren jeweils eigenen Orten ein.

Wort für Wort
karṇādisvasvasthāneṣu
an ihren eigenen Orten, beginnend mit dem Ohr
śrotrādīnīndriyāṇi ca
die Sinnesorgane, beginnend mit Śrotra
tathā vāgādīndriyāṇi
ebenso die Handlungsorgane, beginnend mit Vāc
svasvasthānaṣu vinyaset
setze man an ihren jeweils eigenen Orten ein

mūddhasyahṛdguhyapādeṣvākāśādīnnyasettataḥ / hṛtpuṇḍarīkamarkenduhnibiṃbānyanukramāt

Sodann setze man Ākāśa und die übrigen [Elemente] an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen ein; [und stelle sich] der Reihe nach die Scheiben von Sonne, Mond [und Feuer] im Lotus des Herzens (Hṛtpuṇḍarīka) vor.

Wort für Wort
mūddhasyahṛdguhyapādeṣu
an Scheitel, Mund, Herz, Geheimort und Füßen
ākāśādīnnyasettataḥ
setze man sodann Ākāśa und die übrigen ein
hṛtpuṇḍarīka
im Lotus des Herzens
arkenduhnibiṃbānyanukramāt
[stelle man sich] der Reihe nach die Scheiben von Sonne, Mond [und Feuer] vor [?]

[?: „arkenduhnibiṃbāni“ ist unsicher überliefert; vermutlich verderbt für „arkendu-vahni-bimbāni“ (Scheiben von Sonne, Mond und Feuer).]

dviṣaṭhyaṣṭadaśakalāvyāptāni ca tathā mataḥ / bhūtāṣṭāṃ gākṣipadagairvarṇaiḥ pragvinnyaseddhṛdi

[Diese Scheiben seien] durchdrungen von den [Strahlen-]Ziffern zwölf, sechzehn [und] zehn [?] – so ist es gelehrt; mit den acht Elementlauten sowie den Lauten von ‚Gā‘, ‚Kṣi‘ und ‚Pada‘ [?] setze man wie zuvor am Herzen ein.

Wort für Wort
dviṣaṭhyaṣṭadaśakalāvyāptāni
durchdrungen von den Ziffern [12], 16 [und] 10 [?]
ca tathā mataḥ
und so ist es gelehrt
bhūtāṣṭāṃ gākṣipadagair varṇaiḥ
mit den acht Elementlauten und den Lauten von ‚Gā‘, ‚Kṣi‘, ‚Pada‘ [?]
pragvinnyaseddhṛdi
setze man wie zuvor am Herzen ein

[?: Die Zahlwörter „dviṣaṭhyaṣṭadaśa“ sind unsicher überliefert und wurden als Anspielung auf die traditionellen Kalā-Zahlen von Sonne (12), Mond (16) und Feuer (10) gedeutet; ebenso ist „bhūtāṣṭāṃ gākṣipadagair“ nicht sicher aufzulösen – „bhūtāṣṭa“ (die acht Elemente bzw. Elementlaute) erscheint plausibel, „gākṣipadagaiḥ“ bleibt unklar.]

athākāśādisthaleṣu vāsudevādikāṃstataḥ / vāsudevaḥ saṃkarṣaṇaḥ pradyumnaścāniruddhakaḥ

Danach setze man an den Orten von Ākāśa und den übrigen [Elementen] die mit Vāsudeva beginnenden [Gottheiten] ein: Vāsudeva, Saṃkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha —

Wort für Wort
athākāśādisthaleṣu
danach an den Orten von Ākāśa und den übrigen
vāsudevādikāṃstataḥ
die mit Vāsudeva beginnenden [Gottheiten]
vāsudevaḥ saṃkarṣaṇaḥ
Vāsudeva, Saṃkarṣaṇa
pradyumnaścāniruddhakaḥ
Pradyumna und Aniruddha

nārāyaṇaśca kramaśaḥ parameṣṭhyādibhiryutāḥ / parameṣṭhipumāñcchau caviśvanivṛttisarvakāḥ

— und Nārāyaṇa, der Reihe nach, verbunden mit Parameṣṭhin und den übrigen [Gestalten]: Parameṣṭhin, Pumān, [Śambhu], Viśva, Nivṛtti und Sarva [?].

Wort für Wort
nārāyaṇaśca kramaśaḥ
und Nārāyaṇa, der Reihe nach
parameṣṭhyādibhiryutāḥ
verbunden mit Parameṣṭhin und den übrigen
parameṣṭhipumāñcchau ca
Parameṣṭhin, Pumān [und Śambhu (?)]
viśvanivṛttisarvakāḥ
Viśva, Nivṛtti und Sarva

[?: „parameṣṭhipumāñcchau caviśvanivṛttisarvakāḥ“ ist als Namensreihe nur mit Unsicherheit aufzulösen; die Namen Parameṣṭhin, Pumān, Viśva, Nivṛtti und Sarva sind einigermaßen deutlich erkennbar, während „chau“ unklar bleibt (hier probeweise als Rudra-/Śambhu-Bezeichnung gedeutet).]

śvetānilāgnyaṃbubhūmivarṇaiḥ prāgvatpravinyaset / svabījādyaṃ kopatatvaṃ nṛsiṃhaṃ vyāpakena ca

Mit den [den Elementen zugeordneten] Farben – Weiß, [Grau], Rot, [Weiß] und [Gelb, für Äther, Wind, Feuer, Wasser und Erde] – setze man wie zuvor ein; [dann] die eigene Keimsilbe am Anfang, das Zorn-Prinzip (Kopa-Tattva) [und] Nṛsiṃha mit der alldurchdringenden [Silbe].

Wort für Wort
śvetānilāgnyaṃbubhūmivarṇaiḥ
mit den Farben [von Äther,] Wind, Feuer, Wasser [und] Erde
prāgvatpravinyaset
setze man wie zuvor ein
svabījādyaṃ kopatatvaṃ
[dann] die eigene Keimsilbe am Anfang, das Zorn-Prinzip
nṛsiṃhaṃ vyāpakena ca
und Nṛsiṃha mit der alldurchdringenden [Silbe]

[?: Die Zuordnung „śvetānilāgnyaṃbubhūmivarṇaiḥ“ zu den fünf Elementen (Ākāśa=weiß, Vāyu=grau/rauchfarben, Agni=rot, Jala=weiß, Bhūmi=gelb) folgt der gängigen tantrischen Farbsymbolik, ist im Vers selbst aber nicht vollständig ausbuchstabiert.]

prāgvadvinyasya sarvāge tattvanyāso 'yamīritaḥ / makārādyā ādyavarṇāḥ sarve syuścandrabhūṣitāḥ

Nachdem man so wie zuvor über den ganzen Körper eingesetzt hat, ist dies die Einsetzung der Wesensprinzipien (Tattva-Nyāsa) genannt worden. Die mit ‚Ma‘ beginnenden Anfangslaute [der Tattva-Namen] sollen alle mit dem Mondzeichen [dem Anusvāra] versehen sein.

Wort für Wort
prāgvadvinyasya sarvāge
nachdem man wie zuvor über den ganzen Körper eingesetzt hat
tattvanyāso 'yamīritaḥ
ist dies die Einsetzung der Wesensprinzipien genannt worden
makārādyā ādyavarṇāḥ
die mit ‚Ma‘ beginnenden Anfangslaute
sarve syuścandrabhūṣitāḥ
sollen alle mit dem Mondzeichen versehen sein

vāsudevādikā jñeyā ṅeṃtāḥ sādhakasattamaiḥ / prāṇāyāmaṃ tataḥ kṛtvā pūrakumbhakarecakaiḥ

Die mit Vāsudeva beginnenden [Namen] sind von den besten Übenden als mit der Dativendung versehen zu erkennen. Danach vollziehe man die Atemkontrolle (Prāṇāyāma) mittels Einatmen (Pūraka), Anhalten (Kumbhaka) und Ausatmen (Recaka),

Wort für Wort
vāsudevādikā jñeyā
die mit Vāsudeva beginnenden [Namen] sind zu erkennen
ṅeṃtāḥ sādhakasattamaiḥ
als mit der Dativendung versehen, von den besten Übenden
prāṇāyāmaṃ tataḥ kṛtvā
danach vollziehe man die Atemkontrolle
pūrakumbhakarecakaiḥ
mittels Einatmen, Anhalten und Ausatmen

caturbhiḥ ṣaḍbhardvābhyāṃ ca mūlamantreṇa mantravit / kecidāhurihācāryāḥ prāṇāyāmottaraṃ punaḥ

— der Mantra-Kundige [vollziehe dies] mit vier, sechs und zwei [Wiederholungen] des Wurzelmantra. Manche Lehrmeister sagen hierzu, man solle danach abermals die Atemkontrolle [wiederholen].

Wort für Wort
caturbhiḥ ṣaḍbhardvābhyāṃ ca
mit vier, sechs und zwei [Wiederholungen]
mūlamantreṇa mantravit
des Wurzelmantra, der Mantra-Kundige
kecidāhurihācāryāḥ
manche Lehrmeister sagen hierzu
prāṇāyāmottaraṃ punaḥ
man solle danach abermals die Atemkontrolle [wiederholen]

pīṭhanyāsaṃ vidhāyātha nyāsānanyānsamācaret / daśatattvādi vinyasya vakṣyamāṇavidhānataḥ

Nachdem man sodann die Sitz-Einsetzung (Pīṭha-Nyāsa) vollzogen hat, vollziehe man die übrigen Einsetzungen (Nyāsas), indem man die zehn Wesensprinzipien (Daśatattva) und das Weitere gemäß der nun zu schildernden Vorschrift einsetzt.

Wort für Wort
pīṭhanyāsaṃ vidhāyātha
nachdem man sodann die Sitz-Einsetzung vollzogen hat
nyāsānanyānsamācaret
vollziehe man die übrigen Einsetzungen
daśatattvādi vinyasya
indem man die zehn Wesensprinzipien und das Weitere einsetzt
vakṣyamāṇavidhānataḥ
gemäß der nun zu schildernden Vorschrift

mūrtipañjaranāmānaṃ pūrvoktaṃ vinyasedbudhaḥ / sarvāṅge vyāpakaṃ kṛtvā kirīṭamanunā sudhīḥ

Der Weise setze die zuvor genannte, ‚Gestalt-Käfig‘ (Mūrtipañjara) benannte [Einsetzung] ein; nachdem er über den ganzen Körper die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat, [setze] der Kluge mit dem Kirīṭa-Mantra [die Krone] ein.

Wort für Wort
mūrtipañjaranāmānaṃ
die ‚Gestalt-Käfig‘ benannte [Einsetzung]
pūrvoktaṃ vinyasedbudhaḥ
setze der Weise, wie zuvor genannt, ein
sarvāṅge vyāpakaṃ kṛtvā
nachdem er über den ganzen Körper die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat
kirīṭamanunā sudhīḥ
[setze] der Kluge mit dem Kirīṭa-Mantra [die Krone ein]

tatastārapuṭaṃ mantraṃ vyāpayya karayostriśaḥ / pañcāṅgulīṣu karayoḥ pañcāṅgaṃ vinyasettataḥ

Danach, nachdem man den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten (Tārapuṭa) Mantra dreifach über beide Hände ausgebreitet hat, setze man sodann die fünf Glieder (Pañcāṅga) an den fünf Fingern beider Hände ein.

Wort für Wort
tatastārapuṭaṃ mantraṃ
danach den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra
vyāpayya karayostriśaḥ
nachdem man ihn dreifach über beide Hände ausgebreitet hat
pañcāṅgulīṣu karayoḥ
an den fünf Fingern beider Hände
pañcāṅgaṃ vinyasettataḥ
setze man sodann die fünf Glieder ein

triśo mūlena mūrddhādipādāntaṃ vyāpakaṃ nyaset / sakṛdvyāpayya tāreṇa mantranyāsaṃ tataścaret

Dreifach setze man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung] vom Scheitel bis zu den Füßen ein; nachdem man sie einmal mit der Praṇava-Silbe ausgebreitet hat, vollziehe man danach die Mantra-Einsetzung [an den Körperteilen].

Wort für Wort
triśo mūlena
dreifach mit dem Wurzelmantra
mūrddhādipādāntaṃ vyāpakaṃ nyaset
setze man die alldurchdringende [Einsetzung] vom Scheitel bis zu den Füßen ein
sakṛdvyāpayya tāreṇa
nachdem man sie einmal mit der Praṇava-Silbe ausgebreitet hat
mantranyāsaṃ tataścaret
vollziehe man danach die Mantra-Einsetzung

śirolalāṭe bhrūmadhye karṇayoścakṣuṣostathā / ghrāṇayorvadane kaṇṭhe hṛdi nābhau tathā punaḥ

An Scheitel, Stirn, zwischen den Augenbrauen, an beiden Ohren und ebenso an beiden Augen, an beiden Nasenflügeln, am Mund, am Hals, am Herzen und ferner am Nabel —

Wort für Wort
śirolalāṭe bhrūmadhye
an Scheitel, Stirn, zwischen den Augenbrauen
karṇayoścakṣuṣostathā
an beiden Ohren und ebenso an beiden Augen
ghrāṇayorvadane kaṇṭhe
an beiden Nasenflügeln, am Mund, am Hals
hṛdi nābhau tathā punaḥ
am Herzen und ferner am Nabel

kaṭyāṃ liṅge jānunośca pādayorvinyasetkramāt / hṛdantānmantravarṇāṃśca tato mūrdhni dhruvaṃ nyaset

— an der Hüfte, am Geschlechtsorgan, an beiden Knien und an den Füßen setze man der Reihe nach die mit ‚Herz‘ endenden Mantra-Laute ein; danach setze man sie beständig am Scheitel ein.

Wort für Wort
kaṭyāṃ liṅge jānunośca
an der Hüfte, am Geschlechtsorgan, an beiden Knien
pādayorvinyasetkramāt
und an den Füßen setze man der Reihe nach ein
hṛdantānmantravarṇāṃśca
die mit ‚Herz‘ endenden Mantra-Laute
tato mūrdhni dhruvaṃ nyaset
danach setze man sie beständig am Scheitel ein

punarnayanayorāsye hṛdi guhye ca pādayoḥ / vinyaseddhṛdayāntāni manoḥ pañcapadāni ca

Wiederum setze man an den beiden Augen, am Mund, am Herzen, am Geheimort und an den Füßen die fünf, mit ‚Herz‘ endenden Glied-Worte (Pañcāṅga) des Mantra ein.

Wort für Wort
punarnayanayorāsye
wiederum an den beiden Augen, am Mund
hṛdi guhye ca pādayoḥ
am Herzen, am Geheimort und an den Füßen
vinyaseddhṛdayāntāni
setze man die mit ‚Herz‘ endenden [Glieder] ein
manoḥ pañcapadāni ca
die fünf Glied-Worte des Mantra

bhūyo munyādikaṃ nyasya pañcāṅgaṃ pūrvavannyaset / atha vakṣye mahāguhyaṃ sarvanyāsottamottamam

Nachdem man wiederum den Seher (Muni) und die übrigen [Aṅgas] eingesetzt hat, setze man die fünf Glieder (Pañcāṅga) wie zuvor ein. Nun werde ich das höchst Geheime verkünden, die beste unter allen vorzüglichen Einsetzungen (Nyāsas).

Wort für Wort
bhūyo munyādikaṃ nyasya
nachdem man wiederum den Seher und die übrigen eingesetzt hat
pañcāṅgaṃ pūrvavannyaset
setze man die fünf Glieder wie zuvor ein
atha vakṣye mahāguhyaṃ
nun werde ich das höchst Geheime verkünden
sarvanyāsottamottamam
die beste unter allen vorzüglichen Einsetzungen

yasya vijñānamātreṇa jīvanmukto bhavennaraḥ / aṇimādyaṣṭasiddhīnāmīśvaraḥ syānna saṃśayaḥ

Durch dessen bloßes Erkennen wird der Mensch schon zu Lebzeiten erlöst (Jīvanmukta); er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā – daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
yasya vijñānamātreṇa
durch dessen bloßes Erkennen
jīvanmukto bhavennaraḥ
wird der Mensch schon zu Lebzeiten erlöst
aṇimādyaṣṭasiddhīnāmīśvaraḥ syāt
er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā
na saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel

yasyārādhanato mantrī kṛṣṇasaṃnidhyatāṃ vrajet / tārādyābhirvyāhṛtibhiḥ saṃpuṭaṃ vinyasenmanum

Durch dessen Verehrung gelangt der Mantra-Kundige in die Nähe (Sāṃnidhya) Kṛṣṇas. Mit den, mit der Praṇava-Silbe beginnenden Vyāhṛtis [bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ] umhüllt (Saṃpuṭa), setze man den Mantra ein.

Wort für Wort
yasyārādhanato mantrī
durch dessen Verehrung der Mantra-Kundige
kṛṣṇasaṃnidhyatāṃ vrajet
gelangt in die Nähe Kṛṣṇas
tārādyābhirvyāhṛtibhiḥ
mit den, mit der Praṇava-Silbe beginnenden Vyāhṛtis
saṃpuṭaṃ vinyasenmanum
umhüllt setze man den Mantra ein

mantreṇa puṭitāṃścāpi praṇavādyāṃstato nyaset / gāyatryā puṭutaṃ mantraṃ vinyasenmātṛkāsthale

Und die mit der Praṇava-Silbe beginnenden [Vyāhṛtis], mit dem [Wurzel-]Mantra umhüllt, setze man danach ein. Den mit der Gāyatrī umhüllten Mantra setze man am Ort der Mātṛkā [des Alphabets] ein.

Wort für Wort
mantreṇa puṭitāṃścāpi
und mit dem Mantra umhüllt
praṇavādyāṃstato nyaset
setze man die mit der Praṇava-Silbe beginnenden [Vyāhṛtis] danach ein
gāyatryā puṭutaṃ mantraṃ
den mit der Gāyatrī umhüllten Mantra
vinyasenmātṛkāsthale
setze man am Ort der Mātṛkā ein

mantreṇa puṭitāṃ tāṃ ca gāyatrīṃ vinyasetkramāt / mātṛkāpuṭitaṃ mūlaṃ vinyasetsādhakottamaḥ

Und jene mit dem [Wurzel-]Mantra umhüllte Gāyatrī setze man der Reihe nach ein; den mit der Mātṛkā umhüllten Wurzelmantra setze der beste der Übenden ein.

Wort für Wort
mantreṇa puṭitāṃ tāṃ ca
und jene [mit dem Mantra] umhüllte
gāyatrīṃ vinyasetkramāt
Gāyatrī setze man der Reihe nach ein
mātṛkāpuṭitaṃ mūlaṃ
den mit der Mātṛkā umhüllten Wurzelmantra
vinyasetsādhakottamaḥ
setze der beste der Übenden ein

mūlena puṭitāṃ caiva mātṛkāṃ vinyasetkramāt / tṛcaṃ na mātṛkāvarṇānpūrvaṃ tattatsthale sudhīḥ

Und die mit dem Wurzelmantra umhüllte Mātṛkā setze man der Reihe nach ein: nicht die einzelnen Mātṛkā-Laute [für sich], sondern der Kluge [setze sie] zuvor, je zu dritt [gruppiert?], an ihren jeweiligen Orten ein.

Wort für Wort
mūlena puṭitāṃ caiva
und die mit dem Wurzelmantra umhüllte
mātṛkāṃ vinyasetkramāt
Mātṛkā setze man der Reihe nach ein
tṛcaṃ na mātṛkāvarṇān
nicht [nur] die einzelnen Mātṛkā-Laute, sondern zu dritt [?]
pūrvaṃ tattatsthale sudhīḥ
setze der Kluge zuvor an ihren jeweiligen Orten [ein]

[?: „tṛcaṃ na mātṛkāvarṇānpūrvaṃ“ ist syntaktisch verdichtet und schwer eindeutig aufzulösen; „tṛcam“ (dreiergruppig) wurde probeweise auf eine gruppenweise, nicht einzelweise Setzung der Mātṛkā-Laute bezogen.]

vinyasennyāsaṣaṭkaṃ ca ṣoḍhā nyāso 'yamīritaḥ / anena nyāsavaryeṇa sākṣātkṛṣṇasamo bhavet

So setze man die sechsfache Einsetzung (Nyāsaṣaṭka) ein; diese Einsetzung wird als die ‚Sechsfache‘ (Ṣoḍhā) bezeichnet. Durch diese vorzüglichste Einsetzung wird man Kṛṣṇa unmittelbar gleich.

Wort für Wort
vinyasennyāsaṣaṭkaṃ ca
so setze man die sechsfache Einsetzung ein
ṣoḍhā nyāso 'yamīritaḥ
diese Einsetzung wird als die sechsfache bezeichnet
anena nyāsavaryeṇa
durch diese vorzüglichste Einsetzung
sākṣātkṛṣṇasamo bhavet
wird man Kṛṣṇa unmittelbar gleich

nyāsena puṭitaṃ dṛṣṭvā siddhagandharvakinnarāḥ / devā api namantyenaṃ kiṃpunarmānavā bhuvi

Wenn sie den [Übenden], von dieser Einsetzung umhüllt, erblicken, verneigen sich die Siddhas, Gandharvas und Kinnaras, ja sogar die Götter vor ihm – wie viel mehr erst die Menschen auf Erden!

Wort für Wort
nyāsena puṭitaṃ dṛṣṭvā
wenn sie [ihn], von dieser Einsetzung umhüllt, erblicken
siddhagandharvakinnarāḥ
die Siddhas, Gandharvas und Kinnaras
devā api namantyenaṃ
selbst die Götter verneigen sich vor ihm
kiṃpunarmānavā bhuvi
wie viel mehr erst die Menschen auf Erden

sudarśanasya mantreṇa kuryāddigbandhanaṃ tataḥ / devaṃ dhyāyansvahṛdaye sarvābhīṣṭapradāyakam

Mit dem Mantra des Sudarśana[-Diskus] vollziehe man sodann die Verschließung der Himmelsrichtungen (Digbandhana), indem man den alle Wünsche erfüllenden Gott im eigenen Herzen visualisiert.

Wort für Wort
sudarśanasya mantreṇa
mit dem Mantra des Sudarśana
kuryāddigbandhanaṃ tataḥ
vollziehe man sodann die Verschließung der Himmelsrichtungen
devaṃ dhyāyansvahṛdaye
indem man den Gott im eigenen Herzen visualisiert
sarvābhīṣṭapradāyakam
den alle Wünsche erfüllenden

utphullakusumavrātanamraśākhairvaradrumaiḥ / sasmeyamañjarīvṛndavallarīveṣṭitaiḥ śubhaiḥ

[Man gedenke des Vṛndāvana,] dessen vortreffliche Bäume, mit voll erblühten Blütenbüscheln beladen, die Zweige neigen – umschlungen von lieblichen, wie lächelnd blühenden Ranken voller Blütentrauben,

Wort für Wort
utphullakusumavrāta
mit voll erblühten Blütenbüscheln
namraśākhairvaradrumaiḥ
durch vortreffliche Bäume mit geneigten Zweigen
sasmeyamañjarīvṛnda
voller lächelnd blühender Blütentrauben
vallarīveṣṭitaiḥ śubhaiḥ
umschlungen von lieblichen Ranken

galatparāgadhūlibhiḥ surabhīkṛtadiṅmukhaḥ / smarecchiśiritaṃ vṛndāvanaṃ mantrīsamāhitaḥ

— dessen Himmelsrichtungen von herabrieselndem Blütenstaub duftend gemacht sind: der gesammelte Mantra-Kundige gedenke des kühlen Vṛndāvana.

Wort für Wort
galatparāgadhūlibhiḥ
durch herabrieselnden Blütenstaub
surabhīkṛtadiṅmukhaḥ
dessen Himmelsrichtungen duftend gemacht sind
smarecchiśiritaṃ vṛndāvanaṃ
gedenke man des kühlen Vṛndāvana
mantrīsamāhitaḥ
der gesammelte Mantra-Kundige

unmīlannavakañjālivigalanmadhusaṃcayaiḥ / lubdhāntaḥ karaṇairguñjaddvirephapaṭalaiḥ śubham

[Man gedenke des Vṛndāvana,] das lieblich ist durch Scharen von Bienen, deren Inneres von der aus den sich öffnenden frischen Lotusblüten herabtröpfelnden Honigfülle begehrlich gefesselt ist und die summend umherschwirren —

Wort für Wort
unmīlannavakañjāli
aus den sich öffnenden frischen Lotusblüten
vigalanmadhusaṃcayaiḥ
durch die herabtröpfelnde Honigfülle
lubdhāntaḥ karaṇairguñjad
mit begehrlich gefesseltem Inneren, summend
dvirephapaṭalaiḥ śubham
lieblich durch Bienenscharen

marālaparabhṛtkīrakapotanikarairmuhuḥ / mukharīkṛtamānṛtyanmāyūrakulamañjulam

— das durch die Scharen von Schwänen, Kuckucken, Papageien und Tauben immer wieder ertönend gemacht wird und durch die tanzenden Scharen der Pfauen lieblich ist,

Wort für Wort
marālaparabhṛtkīrakapotanikarair
durch Scharen von Schwänen, Kuckucken, Papageien und Tauben
muhuḥ mukharīkṛtam
immer wieder ertönend gemacht
nṛtyanmāyūrakula
durch die tanzende Pfauenschar
mañjulam
lieblich

kālindyā lolakallolavipruṣairmandavāhibhiḥ / unnidrāṃburuhavrātarajobhirdhūsaraiḥ śivaiḥ

— das von den sanft wehenden Tröpfchen der wogenden Wellen der Kālindī [Yamunā] und von dem grauen, wohltuenden Blütenstaub der voll erblühten Lotusscharen [durchweht wird],

Wort für Wort
kālindyā lolakallolavipruṣair
durch die Tröpfchen der wogenden Wellen der Kālindī
mandavāhibhiḥ
die sanft wehen
unnidrāṃburuhavrātarajobhir
durch den Blütenstaub der voll erblühten Lotusscharen
dhūsaraiḥ śivaiḥ
grau, wohltuend

pradīpita smarairgoṣṭhasuṃdarīmṛduvāsasām / vilolanaparaiḥ saṃsevitaṃ vā tairnirantaram

— das von jenen [Winden] beständig durchweht wird, die von Liebesbegierde (Smara) entzündet sind und eifrig damit beschäftigt sind, die zarten Gewänder der schönen Frauen der Kuhhirtensiedlung zu bewegen.

Wort für Wort
pradīpita smarair
von Liebesbegierde entzündet
goṣṭhasuṃdarīmṛduvāsasām
der zarten Gewänder der schönen Frauen der Kuhhirtensiedlung
vilolanaparaiḥ
eifrig um deren Bewegung bemüht
saṃsevitaṃ vā tairnirantaram
davon [von diesen Winden] beständig durchweht

smarettadante gīrvāṇabhūruhaṃ sumanoharam / tadadhaḥ svarṇavedyāṃ ca ratnapīṭhamanuttamam

An dessen Rand gedenke man des überaus bezaubernden Götterbaumes (Wunschbaum); darunter, auf einem goldenen Altar, [gedenke man] des unübertrefflichen Juwelensitzes —

Wort für Wort
smarettadante
an dessen Rand gedenke man
gīrvāṇabhūruhaṃ sumanoharam
des überaus bezaubernden Götterbaumes
tadadhaḥ svarṇavedyāṃ ca
darunter, auf einem goldenen Altar
ratnapīṭhamanuttamam
des unübertrefflichen Juwelensitzes

ratnakuṭṭimapīṭhe 'sminnaruṇaṃ kamalaṃ smaret / aṣṭapatraṃ ca tanmadhye mukundaṃ saṃsmaretsthitam

— auf diesem mit Juwelen ausgelegten Sitz gedenke man des rötlichen Lotus mit acht Blütenblättern, und inmitten desselben gedenke man Mukundas, der [dort] thront.

Wort für Wort
ratnakuṭṭimapīṭhe 'sminn
auf diesem mit Juwelen ausgelegten Sitz
aruṇaṃ kamalaṃ smaret
gedenke man des rötlichen Lotus
aṣṭapatraṃ ca tanmadhye
mit acht Blütenblättern, und inmitten desselben
mukundaṃ saṃsmaretsthitam
gedenke man Mukundas, der [dort] thront

phullendīvarakāntaṃ ca kekibarhāvataṃsakam / pītāṃśukaṃ candramukhaṃ sarasīruhanetrakam

[Man gedenke seiner,] der die Schönheit einer voll erblühten blauen Lotusblüte hat, geschmückt mit einer Pfauenfeder als Ohrschmuck, in gelbes Gewand gekleidet, mit mondgleichem Antlitz und lotusgleichen Augen,

Wort für Wort
phullendīvarakāntaṃ ca
der die Schönheit einer voll erblühten blauen Lotusblüte hat
kekibarhāvataṃsakam
geschmückt mit einer Pfauenfeder als Ohrschmuck
pītāṃśukaṃ candramukhaṃ
in gelbes Gewand gekleidet, mit mondgleichem Antlitz
sarasīruhanetrakam
mit lotusgleichen Augen

kaustubhodbhāsitāṅgaṃ ca śrīvatsāṃkaṃ subhūṣitam / vrajastrīnetrakamalābhyarcitaṃ gogaṇāvṛtam

— dessen Glieder vom Kaustubha-Juwel erstrahlen, der mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen und trefflich geschmückt ist, der von den Lotusaugen der Frauen Vrajas verehrt wird und von Kuhherden umgeben ist,

Wort für Wort
kaustubhodbhāsitāṅgaṃ ca
dessen Glieder vom Kaustubha-Juwel erstrahlen
śrīvatsāṃkaṃ subhūṣitam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, trefflich geschmückt
vrajastrīnetrakamalābhyarcitaṃ
von den Lotusaugen der Frauen Vrajas verehrt
gogaṇāvṛtam
von Kuhherden umgeben

gopavṛndayutaṃ vaṃśīṃ vādayantaṃ smaretsudhīḥ / evaṃ dhyātvā japedādāvayutadvitayaṃ budhaḥ

— der von der Schar der Hirten (Gopas) begleitet wird und die Flöte (Vaṃśī) spielt: dessen gedenke der Kluge. So habe man meditiert, und der Weise murmle (Japa) zu Beginn zweimal zehntausend Mal.

Wort für Wort
gopavṛndayutaṃ vaṃśīṃ
der von der Gopa-Schar begleitet, die Flöte
vādayantaṃ smaretsudhīḥ
spielt: dessen gedenke der Kluge
evaṃ dhyātvā
so habe man meditiert
japedādāvayutadvitayaṃ budhaḥ
der Weise murmle zu Beginn zweimal zehntausend Mal

juhuyādaruṇāṃbhojaistaddaśāṃśaṃ samāhitaḥ / japetpaścānmantrasiddhyai bhūtalakṣaṃ samāhitaḥ

Mit gesammeltem Geist opfere man mit rötlichen Lotusblüten den zehnten Teil davon [d.h. zweitausend Mal]; danach murmle man mit gesammeltem Geist zur Erlangung der Mantra-Vollendung hunderttausend Mal.

Wort für Wort
juhuyādaruṇāṃbhojais
man opfere mit rötlichen Lotusblüten
taddaśāṃśaṃ samāhitaḥ
den zehnten Teil davon, mit gesammeltem Geist
japetpaścānmantrasiddhyai
danach murmle man zur Erlangung der Mantra-Vollendung
bhūtalakṣaṃ samāhitaḥ
hunderttausend Mal, mit gesammeltem Geist

aruṇaiḥ kamalaihutvā sarvasiddhīśvaro bhavet / pūrvokte vaiṣṇave pīṭhe mūrtiṃ saṃkalpya mūlataḥ

Nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat, wird man zum Herrn aller Siddhis. Auf dem zuvor genannten vaiṣṇavischen Sitz stelle man sich, ausgehend vom Wurzelmantra, die [göttliche] Gestalt vor,

Wort für Wort
aruṇaiḥ kamalaihutvā
nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat
sarvasiddhīśvaro bhavet
wird man zum Herrn aller Siddhis
pūrvokte vaiṣṇave pīṭhe
auf dem zuvor genannten vaiṣṇavischen Sitz
mūrtiṃ saṃkalpya mūlataḥ
stelle man sich, vom Wurzelmantra ausgehend, die Gestalt vor

tasyāmāvāhya cābhyarcedgopījanamanoharam / mukhe veṇuṃ samabhyarcya vanamālāṃ ca kaustubham

— und in ihr rufe man [die Gottheit] herbei (Āvāhana) und verehre den, der das Herz der Hirtenmädchen (Gopījana) bezaubert; man verehre die Flöte am Mund sowie den Waldblumenkranz (Vanamālā) und das Kaustubha-Juwel,

Wort für Wort
tasyāmāvāhya
und in ihr, nachdem man [die Gottheit] herbeigerufen hat
cābhyarcedgopījanamanoharam
verehre man den, der das Herz der Hirtenmädchen bezaubert
mukhe veṇuṃ samabhyarcya
man verehre die Flöte am Mund
vanamālāṃ ca kaustubham
sowie den Waldblumenkranz und das Kaustubha-Juwel

śrīvatsaṃ ca hṛdi prārcya tataḥ puṣpāñjaliṃ kṣipet / tataḥ śvetāṃ ca tulasīṃ śuklacandanapaṅkilām

— und nachdem man das Śrīvatsa-Zeichen am Herzen verehrt hat, streue man sodann eine Hand voll Blüten aus; danach [opfere man] weißes Tulasī-Laub, das mit weißem Sandelbrei benetzt ist,

Wort für Wort
śrīvatsaṃ ca hṛdi prārcya
nachdem man das Śrīvatsa-Zeichen am Herzen verehrt hat
tataḥ puṣpāñjaliṃ kṣipet
streue man sodann eine Hand voll Blüten aus
tataḥ śvetāṃ ca tulasīṃ
danach [opfere man] weißes Tulasī-Laub
śuklacandanapaṅkilām
das mit weißem Sandelbrei benetzt ist

raktāṃ ca tulasīṃ raktañcadanāktāṃ krasātsudhīḥ / arpayeddakṣiṇe jadvayamaśvāriyugmakam

— und rotes Tulasī-Laub, mit rotem Sandel benetzt, [opfere] der Kluge der Reihe nach; er weihe zur Rechten ein Wasser-Paar und ein Paar Blüten der ‚Pferdefeindin‘ [wohl der Arka-Pflanze].

Wort für Wort
raktāṃ ca tulasīṃ
und rotes Tulasī-Laub
raktacandanāktāṃ krasāt sudhīḥ
mit rotem Sandel benetzt, [opfere] der Kluge der Reihe nach [?]
arpayeddakṣiṇe jadvayam
er weihe zur Rechten ein Wasser-Paar
aśvāriyugmakam
und ein Paar [Blüten] der ‚Pferdefeindin‘ [?]

[?: „krasāt“ ist unklar, vermutlich verderbt für „kramāt“ (der Reihe nach). „aśvāriyugmakam“ (‚Paar der Pferdefeindin‘) ist unsicher gedeutet als Blüten der Arka-Pflanze (Calotropis gigantea), die wegen ihres für Pferde giftigen Milchsafts auch „Aśvamāraka“ heißt; vgl. das Synonym „hayamāradvayena“ in V.56.]

hayamāradvayenaiva hṛdi mūrdhni tathā punaḥ / padmadvayaṃ ca vidhivattataḥ śīrṣe samarpayet

Mit eben diesem Paar der ‚Pferdetöterin‘ [-Blüten weihe man] am Herzen und ebenso wiederum am Scheitel; danach weihe man vorschriftsmäßig ein Lotuspaar am Haupt.

Wort für Wort
hayamāradvayenaiva
mit eben diesem Paar der ‚Pferdetöterin‘
hṛdi mūrdhni tathā punaḥ
am Herzen und ebenso wiederum am Scheitel
padmadvayaṃ ca vidhivat
und ein Lotuspaar vorschriftsmäßig
tataḥ śīrṣe samarpayet
weihe man danach am Haupt

tulasīdvayamaṃbhojadvayamaśvāriyugmakam / tataḥ sarvāṇi puṣpāṇi sarvāṅgeṣu samarpayet

Ein Tulasī-Paar, ein Lotus-Paar, ein Paar [Blüten] der ‚Pferdefeindin‘ – danach weihe man alle übrigen Blüten über den ganzen Körper [verteilt].

Wort für Wort
tulasīdvayamaṃbhojadvayam
ein Tulasī-Paar, ein Lotus-Paar
aśvāriyugmakam
ein Paar [Blüten] der ‚Pferdefeindin‘
tataḥ sarvāṇi puṣpāṇi
danach alle Blüten
sarvāṅgeṣu samarpayet
weihe man über den ganzen Körper [verteilt]

dakṣiṇe vāsudevākhyaṃ svacchaṃ caitanyamavyayam / vāme ca rukmiṇīṃ tadūnnityāṃ raktāṃ rajoguṇām

Zur Rechten [visualisiere man] das mit ‚Vāsudeva‘ bezeichnete, reine, unvergängliche Bewusstsein; und zur Linken Rukmiṇī, die diesem [gegenüber untergeordnete], ewige, rote, von der Beschaffenheit des Rajas [geprägte Gestalt].

Wort für Wort
dakṣiṇe vāsudevākhyaṃ
zur Rechten das mit ‚Vāsudeva‘ bezeichnete
svacchaṃ caitanyamavyayam
reine, unvergängliche Bewusstsein
vāme ca rukmiṇīṃ tadūnnityāṃ
und zur Linken Rukmiṇī, die diesem untergeordnete, ewige [?]
raktāṃ rajoguṇām
rote, von der Beschaffenheit des Rajas

[?: „tadūnnityāṃ“ ist unsicher; wörtlich etwa „diesem gegenüber vermindert, [doch] ewig“ – vermutlich Ausdruck der Vorstellung von der Śakti (Rukmiṇī) als dem Vyūha untergeordneter, aber gleichwohl ewiger Kraft.]

evaṃ saṃpūjya gopālaṃ kuryādāvaraṇārcanam / yajeddāmasudāmau ca vasudāmaṃ ca kiṅkiṇīm

Nachdem man Gopāla so verehrt hat, vollziehe man die Verehrung des [göttlichen] Gefolges (Āvaraṇārcana); man verehre Dāma und Sudāma sowie Vasudāma und Kiṅkiṇī —

Wort für Wort
evaṃ saṃpūjya gopālaṃ
nachdem man Gopāla so verehrt hat
kuryādāvaraṇārcanam
vollziehe man die Verehrung des Gefolges
yajeddāmasudāmau ca
man verehre Dāma und Sudāma
vasudāmaṃ ca kiṅkiṇīm
sowie Vasudāma und Kiṅkiṇī

pūrvādyāśāsu dāmādyā ṅeṃnamontadhruvādikāḥ / agninairṛtivāyvīśakoṇeṣu hṛdayādikān

— in den Himmelsrichtungen, beginnend mit Osten, [verehre man] die mit Dāma beginnenden [Gefährten], jeweils fest mit den Endungen ‚-e‘, ‚namaḥ‘ und dergleichen [versehen]; in den Zwischenrichtungen Feuer, Nairṛti, Vāyu und Īśāna [verehre man] die mit ‚Herz‘ [beginnenden Glieder].

Wort für Wort
pūrvādyāśāsu dāmādyā
in den mit Osten beginnenden Himmelsrichtungen die mit Dāma beginnenden [Gefährten]
ṅeṃnamontadhruvādikāḥ
fest mit den Endungen ‚-e‘, ‚namaḥ‘ u.dgl. [versehen]
agninairṛtivāyvīśakoṇeṣu
in den Zwischenrichtungen Feuer, Nairṛti, Vāyu und Īśāna
hṛdayādikān
die mit ‚Herz‘ beginnenden [Glieder]

dikṣvastrāṇi samabhyarcya patreṣu mahiṣīryajet / rukmiṇī satyabhāmā ca nāgnajityabhidhā punaḥ

Nachdem man die Waffen (Astras) in den Himmelsrichtungen verehrt hat, verehre man an den Blütenblättern [des Lotus] die [acht] Gemahlinnen (Mahiṣīs): Rukmiṇī, Satyabhāmā und die mit Namen Nāgnajitī,

Wort für Wort
dikṣvastrāṇi samabhyarcya
nachdem man die Waffen in den Himmelsrichtungen verehrt hat
patreṣu mahiṣīryajet
verehre man an den Blütenblättern die Gemahlinnen
rukmiṇī satyabhāmā ca
Rukmiṇī, Satyabhāmā
nāgnajityabhidhā punaḥ
und die mit Namen Nāgnajitī

suvindā mitravindā ca lakṣmaṇā carkṣajā tataḥ / suśīlā ca lasadramyacitritāṃbarabhūṣaṇā

— Suvindā, Mitravindā, Lakṣmaṇā, sodann die aus dem [Bären-Geschlecht der] Ṛkṣa Geborene [Jāmbavatī], sowie Suśīlā, geschmückt mit prächtigen, bunt gemusterten Gewändern.

Wort für Wort
suvindā mitravindā ca
Suvindā, Mitravindā
lakṣmaṇā carkṣajā tataḥ
Lakṣmaṇā, sodann die aus Ṛkṣa Geborene
suśīlā ca
und Suśīlā
lasadramyacitritāṃbarabhūṣaṇā
geschmückt mit prächtigen, bunt gemusterten Gewändern

tato yajeddalāgreṣu vasudevañca devakīm / nandagopaṃ yaśodāṃ ca balabhadraṃ subhadrikām

Danach verehre man an den Blattspitzen [des Lotus] Vasudeva und Devakī, Nandagopa und Yaśodā, Balabhadra und Subhadrā —

Wort für Wort
tato yajeddalāgreṣu
danach verehre man an den Blattspitzen
vasudevañca devakīm
Vasudeva und Devakī
nandagopaṃ yaśodāṃ ca
Nandagopa und Yaśodā
balabhadraṃ subhadrikām
Balabhadra und Subhadrā

gopānūgopīśca govindavilīnamatilocanān / jñānamudrābhayakarau pitarau pītapāṇḍurau

— die Hirten und Hirtinnen, deren Augen und Sinn ganz in Govinda versunken sind; [dann] die beiden Eltern [Nanda und Yaśodā], deren Hände die Geste des Wissens und der Furchtlosigkeit zeigen, gelb bzw. bleich [gekleidet],

Wort für Wort
gopānūgopīśca
die Hirten und Hirtinnen
govindavilīnamatilocanān
deren Sinn und Augen in Govinda versunken sind
jñānamudrābhayakarau
deren Hände die Geste des Wissens und der Furchtlosigkeit zeigen
pitarau pītapāṇḍurau
die beiden Eltern, gelb bzw. bleich [gekleidet]

divyamālyāṃbarālepabhūṣaṇe mātarau punaḥ / dhārayantyau caruṃ caiva pāyasīṃ pūrṇapātrikām

— die beiden Mütter [Devakī und Yaśodā], geschmückt mit göttlichen Blumenkränzen, Gewändern, Salben und Schmuck, die eine Opferspeise sowie ein volles Gefäß mit Milchreis tragen,

Wort für Wort
divyamālyāṃbarālepabhūṣaṇe
geschmückt mit göttlichen Blumenkränzen, Gewändern, Salben und Schmuck
mātarau punaḥ
die beiden Mütter, ferner
dhārayantyau caruṃ caiva
die eine Opferspeise tragen
pāyasīṃ pūrṇapātrikām
und ein volles Gefäß mit Milchreis

aruṇaśyāmale hāramaṇikuṃ ḍalamaṇḍite / balaḥ śaṅkhendudhavalo muśalaṃ lāṅgalaṃ dadhat

— rötlich-dunkel [gefärbt], geschmückt mit Halsketten und Ohrjuwelen; Balabhadra, weiß wie Muschel und Mond, der Keule und Pflug trägt,

Wort für Wort
aruṇaśyāmale
rötlich-dunkel [gefärbt]
hāramaṇikuṃḍalamaṇḍite
geschmückt mit Halsketten und Ohrjuwelen
balaḥ śaṅkhendudhavalo
Balabhadra, weiß wie Muschel und Mond
muśalaṃ lāṅgalaṃ dadhat
der Keule und Pflug trägt

hālālolo nīlavāsā halavānekakuṇḍalaḥ / kalā yā śyāmalā bhadrā subhadrā bhadrabhūṣaṇā

— vom Hālā-Wein taumelnd, in blaues Gewand gekleidet, den Pflug tragend, mit einem einzelnen Ohrring; [und] die dunkle Strahlenpartikel (Kalā), Bhadrā, [d.h.] Subhadrā, geschmückt mit glückverheißendem Schmuck,

Wort für Wort
hālālolo nīlavāsā
vom Hālā-Wein taumelnd, in blaues Gewand gekleidet
halavānekakuṇḍalaḥ
den Pflug tragend, mit einem einzelnen Ohrring
kalā yā śyāmalā bhadrā
die dunkle Strahlenpartikel, die glückverheißende
subhadrā bhadrabhūṣaṇā
Subhadrā, geschmückt mit glückverheißendem Schmuck

varābhayayutā pītavasanā rūḍhayauvanā / veṇuvīṇāhemayaṣṭiśaṅkhaśṛṅgādipāṇayaḥ

— [Subhadrā,] mit den Gesten der Gabe und Furchtlosigkeit, in gelbes Gewand gekleidet, in vollerblühter Jugend; [die Hirten tragen] Flöte, Vīṇā, goldenen Stab, Muschelhorn, Büffelhorn und dergleichen in ihren Händen,

Wort für Wort
varābhayayutā
mit den Gesten der Gabe und Furchtlosigkeit
pītavasanā rūḍhayauvanā
in gelbes Gewand gekleidet, in vollerblühter Jugend
veṇuvīṇāhemayaṣṭi
Flöte, Vīṇā, goldener Stab
śaṅkhaśṛṅgādipāṇayaḥ
Muschelhorn, Büffelhorn u.dgl. in den Händen

gopā gopyaśca vividhaprābhṛtānnakarāṃbujāḥ / mandāradīṃśca tadbāhye pūjayetkalpapādapān

— die Hirten und Hirtinnen, deren Lotushände mannigfaltige Gaben und Speisen [darbringen]. Außerhalb davon verehre man die Wunschbäume, beginnend mit dem Mandāra-Baum,

Wort für Wort
gopā gopyaśca
die Hirten und Hirtinnen
vividhaprābhṛtānnakarāṃbujāḥ
deren Lotushände mannigfaltige Gaben und Speisen [darbringen]
mandāradīṃśca tadbāhye
außerhalb davon die mit Mandāra beginnenden [Bäume]
pūjayetkalpapādapān
verehre man die Wunschbäume

mandāraśca tathā saṃtānako vai pārijātakaḥ / kalpadrumastataḥ paścāddhvaricandanasaṃjñakaḥ

— Mandāra sowie Saṃtānaka, ferner Pārijātaka, [dann] Kalpadruma und schließlich den mit Namen ‚Hari-Sandelbaum‘ benannten [Baum].

Wort für Wort
mandāraśca tathā saṃtānako
Mandāra sowie Saṃtānaka
vai pārijātakaḥ
und Pārijātaka
kalpadrumastataḥ paścāt
dann Kalpadruma und schließlich
dhvaricandanasaṃjñakaḥ
den mit Namen ‚Hari-Sandelbaum‘ benannten [Baum]

madhye dikṣu samabhyarcya bahiḥ śakrādikānyajet / tadastrāṇi ca saṃpūjya yajetkṛṣṇāṣṭakena ca

Nachdem man in der Mitte in den Himmelsrichtungen [die Gottheiten] verehrt hat, verehre man außen Indra (Śakra) und die übrigen Weltenhüter; nachdem man auch deren Waffen verehrt hat, verehre man [Kṛṣṇa] mit dem Kṛṣṇāṣṭaka.

Wort für Wort
madhye dikṣu samabhyarcya
nachdem man in der Mitte in den Himmelsrichtungen verehrt hat
bahiḥ śakrādikānyajet
verehre man außen Indra und die übrigen
tadastrāṇi ca saṃpūjya
nachdem man auch deren Waffen verehrt hat
yajetkṛṣṇāṣṭakena ca
verehre man [Kṛṣṇa] mit dem Kṛṣṇāṣṭaka

kṛṣṇaṃ ca vāsudevaṃ ca devakīnandanaṃ tathā / nārāyaṇaṃ yaduśreṣṭhaṃ vārṣṇeyaṃ dharmapālakam

Kṛṣṇa, Vāsudeva und ebenso den Sohn der Devakī, Nārāyaṇa, den Besten der Yadus, den Vṛṣṇi-Sprössling (Vārṣṇeya), den Beschützer der Rechtsordnung (Dharma),

Wort für Wort
kṛṣṇaṃ ca vāsudevaṃ ca
Kṛṣṇa und Vāsudeva
devakīnandanaṃ tathā
und ebenso den Sohn der Devakī
nārāyaṇaṃ yaduśreṣṭhaṃ
Nārāyaṇa, den Besten der Yadus
vārṣṇeyaṃ dharmapālakam
den Vṛṣṇi-Sprössling, den Beschützer der Rechtsordnung

asurākrāntabhūbhārahāriṇaṃ pūjayettataḥ / ebhirāvaraṇaiḥ pūjā kartavyāsukhairiṇaḥ

— und den, der die von Dämonen bedrängte Last der Erde hinwegnimmt, verehre man sodann. Mit diesen Umhüllungsgottheiten (Āvaraṇas) ist die Verehrung von denen zu vollziehen, die nach Glückseligkeit verlangen.

Wort für Wort
asurākrāntabhūbhārahāriṇaṃ
den, der die von Dämonen bedrängte Last der Erde hinwegnimmt
pūjayettataḥ
verehre man sodann
ebhirāvaraṇaiḥ pūjā
mit diesen Umhüllungsgottheiten [ist] die Verehrung
kartavyāsukhairiṇaḥ
von denen zu vollziehen, die nach Glückseligkeit verlangen [?]

[?: „kartavyāsukhairiṇaḥ“ ist unsicher überliefert; hier probeweise als „kartavyā sukhaiṣiṇaḥ“ (von denen zu vollziehen, die nach Glückseligkeit verlangen) gedeutet.]

saṃsārasāgarotthīrtyai sarvakāmāptaye budhaḥ / evaṃ pūjādibhiḥ siddhā bhavadvaiśravaṇo yamaḥ

— zur Errettung aus dem Ozean des Weltenkreislaufs (Saṃsāra) und zur Erlangung aller Wünsche [vollziehe] der Weise [diese Verehrung]. So werden durch solche Verehrung selbst [Götter wie] Yama einem Vaiśravaṇa [Kubera] gleich.

Wort für Wort
saṃsārasāgarotthīrtyai
zur Errettung aus dem Ozean des Weltenkreislaufs
sarvakāmāptaye budhaḥ
und zur Erlangung aller Wünsche [vollziehe] der Weise [dies]
evaṃ pūjādibhiḥ siddhā
so werden durch solche Verehrung
bhavadvaiśravaṇo yamaḥ
selbst Yama einem Vaiśravaṇa gleich

[?: „bhavadvaiśravaṇo yamaḥ“ wörtlich „Yama wird zu Vaiśravaṇa“ – als hyperbolische Aussage über die reichtumsbringende Wirkung der Verehrung gedeutet.]

trikālapūjanaṃ cāsya vakṣye sarvārthasiddhidam / śrīmadudyānasaṃvītihemabhūratnamaṇḍape

Nun werde ich die dreimal-tägliche Verehrung (Trikālapūjā) dieses [Gottes] verkünden, die alle Ziele erfüllt: [Man denke sich Kṛṣṇa] in einem prächtigen, von Gärten umgebenen Pavillon aus goldenem Boden und Juwelen,

Wort für Wort
trikālapūjanaṃ cāsya
nun die dreimal-tägliche Verehrung dieses [Gottes]
vakṣye sarvārthasiddhidam
werde ich verkünden, die alle Ziele erfüllt
śrīmadudyānasaṃvīti
in einem von prächtigen Gärten umgebenen
hemabhūratnamaṇḍape
Pavillon aus goldenem Boden und Juwelen

lasatkalpadrumādhastharatnābjapīṭhasaṃsthitam / sutrāmaratnasaṃkāśaṃ guḍasnigdhālakaṃ śiśum

— thronend unter einem strahlenden Wunschbaum auf einem Juwelen-Lotus-Sitz, [ihn als] strahlend wie das Juwel Indras, mit glänzenden, wie in Zuckersirup getränkten Locken, als Kind [visualisierend],

Wort für Wort
lasatkalpadrumādhastha
unter einem strahlenden Wunschbaum
ratnābjapīṭhasaṃsthitam
auf einem Juwelen-Lotus-Sitz thronend
sutrāmaratnasaṃkāśaṃ
strahlend wie das Juwel Indras
guḍasnigdhālakaṃ śiśum
mit wie in Zuckersirup glänzenden Locken, als Kind

calatkanakakuṇḍalollasitacārugaṇḍasthalaṃ sughoṇadharamadbhutasmitamukhāṃvutaṃ sundaram / sphuradvimalaratnayukkanakasūtranaddha dadhatsuvarṇaparimaṇḍitaṃ subhagapaiṇḍarīkaṃ nakham

— dessen liebliche Wangenflächen von schaukelnden goldenen Ohrringen erstrahlen, der eine schöne Nase trägt und dessen Mund von wunderbarem Lächeln [erfüllt und] schön ist; der [Fuß-]Ringe aus funkelnden, reinen Juwelen an goldenen Schnüren trägt, dessen Zehennägel golden umrandet und lieblich weiß-rötlich sind [wie Lotusblätter],

Wort für Wort
calatkanakakuṇḍalollasitacārugaṇḍasthalaṃ
dessen liebliche Wangenflächen von schaukelnden goldenen Ohrringen erstrahlen
sughoṇadharamadbhutasmitamukhāṃvutaṃ sundaram
der eine schöne Nase trägt, dessen Mund von wunderbarem Lächeln [erfüllt] und schön ist
sphuradvimalaratnayukkanakasūtranaddha
der [Ringe] aus funkelnden, reinen Juwelen an goldenen Schnüren trägt
suvarṇaparimaṇḍitaṃ subhagapaiṇḍarīkaṃ nakham
dessen golden umrandete Zehennägel lieblich weiß-rötlich sind [wie Lotusblätter]

samuddhūsarorasthale dhenudhūlyā supuṣṭāṅgamaṣṭāpadākalpadīptam / kaṭīlasthale cārujaṅghāntayugmaṃ pinaddhaṃ kvaṇatkiṅkiṇījāladāmnā

— [dessen] gewölbte Brust mit dem Staub der Kühe [bedeckt ist], dessen wohlgenährte Glieder von goldenem Schmuck erstrahlen; an der Hüfte, [wo] das schöne Beinpaar [endet], mit einem klingenden Netz von Glöckchen umgürtet,

Wort für Wort
samuddhūsarorasthale
auf der gewölbten Brust
dhenudhūlyā supuṣṭāṅgam
mit Kuhstaub [bedeckt], mit wohlgenährten Gliedern
aṣṭāpadākalpadīptam
von goldenem Schmuck erstrahlend
kaṭīlasthale cārujaṅghāntayugmaṃ pinaddhaṃ kvaṇatkiṅkiṇījāladāmnā
an der Hüfte, [wo] das schöne Beinpaar [endet], mit klingendem Glöckchennetz umgürtet

hasantaṃ hasadvandhujīvaprasūnaprabhāpāṇipādāṃbujodārakāntyā / dadhānaṃ karo dakṣiṇe pāyasānna suhaiyaṅgavīnaṃ tathā vāmahaste

— lachend, mit der herrlichen Schönheit von Händen und Füßen, gleich Lotusblüten, [die] den Glanz lachender Bandhujīva-Blüten [haben]; in der rechten Hand Milchreis und feine frische Butter haltend, ebenso in der linken Hand,

Wort für Wort
hasantaṃ
lachend
hasadvandhujīvaprasūnaprabhāpāṇipādāṃbujodārakāntyā
mit der herrlichen, dem Glanz lachender Bandhujīva-Blüten gleichenden Schönheit der lotusgleichen Hände und Füße
dadhānaṃ karo dakṣiṇe pāyasānna
in der rechten Hand Milchreis haltend
suhaiyaṅgavīnaṃ tathā vāmahaste
und feine frische Butter ebenso in der linken Hand

lasadgopagopīgavāṃ vṛndamadhye sthitaṃ vāsavādyaiḥ surairarcitāndhrim / mahābhārabhūtāmarārātiyūthāṃstataḥ pūtanādīnnihṝntuṃ pravṛttam

— inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend, dessen Füße von Indra (Vāsava) und den anderen Göttern verehrt werden; [ihn, der] sich anschickt, sodann die zu schwerer Last [der Erde] gewordenen Scharen der Götterfeinde sowie Pūtanā und die übrigen [Dämonen] zu vernichten.

Wort für Wort
lasadgopagopīgavāṃ vṛndamadhye sthitaṃ
inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend
vāsavādyaiḥ surairarcitāndhrim
dessen Füße von Indra und den anderen Göttern verehrt werden
mahābhārabhūtāmarārātiyūthāṃstataḥ
die zu schwerer Last gewordenen Scharen der Götterfeinde sodann
pūtanādīnnihṝntuṃ pravṛttam
der sich anschickt, Pūtanā und die übrigen zu vernichten

evaṃ dhyātvārccayeddevaṃ pūrvavatsthiramānasaḥ / dadhnā guḍena naivedyaṃ datvā daśaśataṃ japet

So, mit festem Geist, verehre man, nach vorherigem Meditieren, den Gott wie zuvor; nachdem man eine Opferspeise aus Quark und Zucker dargebracht hat, murmle man tausend Mal.

Wort für Wort
evaṃ dhyātvārccayeddevaṃ
so, nachdem man meditiert hat, verehre man den Gott
pūrvavatsthiramānasaḥ
wie zuvor, mit festem Geist
dadhnā guḍena naivedyaṃ datvā
nachdem man eine Opferspeise aus Quark und Zucker dargebracht hat
daśaśataṃ japet
murmle man tausend Mal

madhyandine yajedevaṃ viśiṣyarūpadhāriṇam / nāradādyairmunigaṇaiḥ suravṛndaiśca pūjitam

Zur Mittagszeit verehre man ihn so, [nun] in besonderer Gestalt, verehrt von den Weisenscharen, angeführt von Nārada, und von Götterscharen,

Wort für Wort
madhyandine yajedevaṃ
zur Mittagszeit verehre man ihn so
viśiṣyarūpadhāriṇam
der [nun] eine besondere Gestalt trägt
nāradādyairmunigaṇaiḥ
von den Weisenscharen, angeführt von Nārada
suravṛndaiśca pūjitam
und von Götterscharen verehrt

lasadgopagopīgavāṃ vṛndamadhyastitaṃ sāṃdrameghaprabhaṃsuṃndarāṅgam / śikhaṇḍicchadāpīḍamabjāyatākṣaṃ lasañcillikaṃ pūrṇacadrānanaṃ ca

— inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend, dessen schöne Glieder den Glanz dichter Gewitterwolken haben, geschmückt mit einem Diadem aus Pfauenfedern, mit lotusgleich-weiten Augen, mit glänzenden Augenbrauen und einem Antlitz gleich dem Vollmond,

Wort für Wort
lasadgopagopīgavāṃ vṛndamadhyastitaṃ
inmitten der leuchtenden Scharen von Hirten, Hirtinnen und Kühen stehend
sāṃdrameghaprabhaṃsuṃndarāṅgam
dessen schöne Glieder den Glanz dichter Gewitterwolken haben
śikhaṇḍicchadāpīḍamabjāyatākṣaṃ
geschmückt mit einem Diadem aus Pfauenfedern, mit lotusgleich-weiten Augen
lasañcillikaṃ pūrṇacadrānanaṃ ca
mit glänzenden Augenbrauen und einem Antlitz gleich dem Vollmond

calatkuṇḍalollāsigaṇḍasthalaśrībharaṃ sundaraṃ mandahāsaṃ sunāsam / sukārtasvarābhāṃbaraṃ divyabhūṣaṃ kvaṇatkiṅkiṇījālamattānulepam

— dessen Wangenpracht von schaukelnden Ohrringen erstrahlt, schön, sanft lächelnd, mit schöner Nase; in ein Gewand von der Farbe feinen Goldes [gekleidet], mit himmlischem Schmuck, mit einem klingenden Netz von Glöckchen und berauschender Salbe,

Wort für Wort
calatkuṇḍalollāsigaṇḍasthalaśrībharaṃ
dessen Wangenpracht von schaukelnden Ohrringen erstrahlt
sundaraṃ mandahāsaṃ sunāsam
schön, sanft lächelnd, mit schöner Nase
sukārtasvarābhāṃbaraṃ divyabhūṣaṃ
in ein Gewand von der Farbe feinen Goldes [gekleidet], mit himmlischem Schmuck
kvaṇatkiṅkiṇījālamattānulepam
mit klingendem Glöckchennetz und berauschender Salbe

veṇuṃ dhamantaṃ svakare dadhānaṃ savye daraṃ yaṣṭimudāraveṣam / dakṣe tathaivepsitadānadakṣaṃ dhyātvārcayennandajamindirāptyai

— die Flöte blasend, in der eigenen linken Hand Muschelhorn und Hirtenstab tragend, von erhabener Gestalt, ebenso mit der rechten [Hand] geschickt im Gewähren der erwünschten Gaben: [so] meditiere man über den Sohn Nandas und verehre ihn, um Indirā [Glücksgöttin] zu erlangen.

Wort für Wort
veṇuṃ dhamantaṃ svakare
die Flöte blasend, in der eigenen Hand
dadhānaṃ savye daraṃ yaṣṭimudāraveṣam
in der linken Hand Muschelhorn und Hirtenstab tragend, von erhabener Gestalt
dakṣe tathaivepsitadānadakṣaṃ
ebenso mit der rechten [Hand] geschickt im Gewähren der erwünschten Gaben
dhyātvārcayennandajamindirāptyai
meditiere man über den Sohn Nandas und verehre ihn, um Indirā zu erlangen

evaṃ dhyātvārcayetkṛṣṇaṃ pūrvavadvaiṣṇavottamaḥ / apūpapāyasānnādyairnaivaidyaṃ parikalpayet

So meditierend verehre der beste der Vaiṣṇavas Kṛṣṇa wie zuvor; er bereite die Opferspeise (Naivedya) aus Kuchen, Milchreis und dergleichen,

Wort für Wort
evaṃ dhyātvārcayetkṛṣṇaṃ
so meditierend verehre man Kṛṣṇa
pūrvavadvaiṣṇavottamaḥ
wie zuvor, der beste der Vaiṣṇavas
apūpapāyasānnādyair
aus Kuchen, Milchreis und dergleichen
naivaidyaṃ parikalpayet
bereite er die Opferspeise

hutvā cāṣṭattaraśataṃ payo 'naiḥ sarpiṣāplutaiḥ / svasvadikṣu baliṃ dadyāddiśedācamanaṃ tataḥ

— und nachdem er hundertundacht Mal mit in Ghee getränkten Milchreiskörnern geopfert hat, gebe er in den jeweiligen Himmelsrichtungen ein Speiseopfer (Bali) und reiche danach das Mundspülwasser (Ācamana).

Wort für Wort
hutvā cāṣṭattaraśataṃ
und nachdem er hundertundacht Mal geopfert hat
payo 'naiḥ sarpiṣāplutaiḥ
mit in Ghee getränkten Milchreiskörnern
svasvadikṣu baliṃ dadyāt
gebe er in den jeweiligen Himmelsrichtungen ein Speiseopfer
diśedācamanaṃ tataḥ
und reiche danach das Mundspülwasser

aṣṭttarasahasraṃ ca prajapenmantramuttamam / ahno madhye yajedevaṃ yaḥ kṛṣṇaṃ vaiṣṇavottamaḥ

Und er murmle tausendundacht Mal den vorzüglichen Mantra. Wer, als bester der Vaiṣṇavas, Kṛṣṇa so zur Mittagszeit verehrt —

Wort für Wort
aṣṭttarasahasraṃ ca
und tausendundacht Mal
prajapenmantramuttamam
murmle er den vorzüglichen Mantra
ahno madhye yajedevaṃ
wer ihn so zur Mittagszeit verehrt
yaḥ kṛṣṇaṃ vaiṣṇavottamaḥ
wer, als bester der Vaiṣṇavas, Kṛṣṇa [verehrt]

devāḥ sarve namasyanti lokānāṃ vallabho naraḥ / medhāyuḥśrīkāntiyuktaḥ putraiḥ pautraiśca varddhate

— dem verneigen sich alle Götter, er wird zum Liebling der Welten, ausgestattet mit Weisheit, langem Leben, Glanz und Schönheit, und er mehrt sich mit Söhnen und Enkeln.

Wort für Wort
devāḥ sarve namasyanti
dem verneigen sich alle Götter
lokānāṃ vallabho naraḥ
er wird zum Liebling der Welten
medhāyuḥśrīkāntiyuktaḥ
ausgestattet mit Weisheit, langem Leben, Glanz und Schönheit
putraiḥ pautraiśca varddhate
und er mehrt sich mit Söhnen und Enkeln

tṛtīyakālapūjāyāmasti kālavikalpanā / sāyāhne niśi vetyatra vadantyeke vipaścitaḥ

Bei der Verehrung zur dritten Tageszeit besteht eine Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Zeit: ‚am Abend‘ oder ‚in der Nacht‘ – so sagen manche der Kundigen hierzu.

Wort für Wort
tṛtīyakālapūjāyām
bei der Verehrung zur dritten Tageszeit
asti kālavikalpanā
besteht eine Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Zeit
sāyāhne niśi vetyatra
‚am Abend‘ oder ‚in der Nacht‘ hierzu
vadantyeke vipaścitaḥ
so sagen manche der Kundigen

daśākṣareṇa cedrātrau sāyāhne 'ṣṭādaśārṇataḥ / ubhayīmubhayenaiva kuryādityapare jaguḥ

Wenn in der Nacht [verehrt wird, verwende man] den zehnsilbigen [Mantra], am Abend hingegen den achtzehnsilbigen; beide [Verehrungen] solle man mit beiden [Mantras] vollziehen – so sagten andere [Gelehrte].

Wort für Wort
daśākṣareṇa cedrātrau
wenn in der Nacht, mit dem zehnsilbigen [Mantra]
sāyāhne 'ṣṭādaśārṇataḥ
am Abend hingegen mit dem achtzehnsilbigen
ubhayīmubhayenaiva kuryāt
beide [Verehrungen] solle man mit beiden [Mantras] vollziehen
ityapare jaguḥ
so sagten andere

sāyāhne dvāravatyāṃ tu citrodyānopaśobhite / aṣṭasāhasrasaṃkhyātairbhavanairupamaṇḍite

Am Abend [visualisiere man Kṛṣṇa] in Dvāravatī, die von bunten Gärten verschönert und mit achttausend Palästen geschmückt ist,

Wort für Wort
sāyāhne dvāravatyāṃ tu
am Abend aber in Dvāravatī
citrodyānopaśobhite
die von bunten Gärten verschönert ist
aṣṭasāhasrasaṃkhyātair
mit achttausend gezählten
bhavanairupamaṇḍite
Palästen geschmückt

haṃsasārasasaṃkīrṇakamalotpalaśālibhiḥ / sarobhirnīlāṃbhobhiḥ parīte bhavanottame

— [die Stadt,] die von Seen umgeben ist, welche voll von Schwänen und Kranichen sind und reich an Lotus- und Seerosenblüten, mit blauem Wasser; im vorzüglichsten Palast [dieser Stadt],

Wort für Wort
haṃsasārasasaṃkīrṇa
voll von Schwänen und Kranichen
kamalotpalaśālibhiḥ
reich an Lotus- und Seerosenblüten
sarobhirnīlāṃbhobhiḥ parīte
umgeben von Seen mit blauem Wasser
bhavanottame
im vorzüglichsten Palast

udyatpradyotanodyotadyutau śrīmaṇimaṇḍale / hemāṃbhojāsanāsīnaṃ kṛṣṇaṃ trailokyamohanam

— im prächtigen Juwelenrund, dessen Glanz dem eines aufgehenden Lichtes gleicht, [visualisiere man] Kṛṣṇa, sitzend auf einem goldenen Lotusthron, der die drei Welten betört,

Wort für Wort
udyatpradyotanodyotadyutau
dessen Glanz dem eines aufgehenden Lichtes gleicht
śrīmaṇimaṇḍale
im prächtigen Juwelenrund
hemāṃbhojāsanāsīnaṃ
sitzend auf einem goldenen Lotusthron
kṛṣṇaṃ trailokyamohanam
Kṛṣṇa, der die drei Welten betört

munivṛndaiḥ parivṛtamātmatattvavinirṇaye / tebhyo munibhyaḥ svaṃ dhāma diśantaṃ paramakṣaram

— umgeben von Scharen von Weisen, [in Besprechung] über die Bestimmung des Selbst-Prinzips (Ātmatattva), der jenen Weisen sein eigenes, unvergängliches, höchstes Reich (Dhāma) weist,

Wort für Wort
munivṛndaiḥ parivṛtam
umgeben von Scharen von Weisen
ātmatattvavinirṇaye
bei der Bestimmung des Selbst-Prinzips
tebhyo munibhyaḥ
jenen Weisen
svaṃ dhāma diśantaṃ paramakṣaram
der sein eigenes, unvergängliches, höchstes Reich weist

unnidredīvaraśyāmaṃ padmapatrāyatekṣaṇam / snigdhaṃ kuntalasaṃbhinnakirīṭavanamālinam

— dunkel wie eine voll erblühte blaue Lotusblüte, mit Augen, weit wie Lotusblätter, glänzend, mit einer von den Locken durchsetzten Krone, geschmückt mit einem Waldblumenkranz,

Wort für Wort
unnidredīvaraśyāmaṃ
dunkel wie eine voll erblühte blaue Lotusblüte
padmapatrāyatekṣaṇam
mit Augen, weit wie Lotusblätter
snigdhaṃ kuntalasaṃbhinnakirīṭa
glänzend, mit einer von den Locken durchsetzten Krone
vanamālinam
geschmückt mit einem Waldblumenkranz

cāruprasannavadanaṃ sphuranmakarakuṇḍalam / śrīvatsavakṣasaṃ bhrājatkaustubhaṃ sumanoharam

— mit schönem, heiterem Antlitz, mit blitzenden Makara-Ohrringen, mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, mit strahlendem, überaus bezauberndem Kaustubha-Juwel,

Wort für Wort
cāruprasannavadanaṃ
mit schönem, heiterem Antlitz
sphuranmakarakuṇḍalam
mit blitzenden Makara-Ohrringen
śrīvatsavakṣasaṃ
mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust
bhrājatkaustubhaṃ sumanoharam
mit strahlendem, überaus bezauberndem Kaustubha-Juwel

kāśmīrakapiśoraskaṃ pītakauśeyavāsasam / hārakeyūrakaṭakakaṭisūtrairalaṅkṛtam

— dessen Brust safranfarben [gesalbt] ist, in gelbes Seidengewand gekleidet, geschmückt mit Halsketten, Armreifen, Handgelenkschmuck und Hüftgürtel,

Wort für Wort
kāśmīrakapiśoraskaṃ
dessen Brust safranfarben [gesalbt] ist
pītakauśeyavāsasam
in gelbes Seidengewand gekleidet
hārakeyūrakaṭakakaṭisūtrair
mit Halsketten, Armreifen, Handgelenkschmuck und Hüftgürtel
alaṅkṛtam
geschmückt

hṛtaviśvaṃbharābhūribhāraṃ muditamānasam / śaṅkhacakragadāpadmarājadbhujacatuṣṭayam

— der die überreiche Last der Erdenträgerin hinweggenommen hat, freudigen Sinnes, dessen vier Arme von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlen.

Wort für Wort
hṛtaviśvaṃbharābhūribhāraṃ
der die überreiche Last der Erdenträgerin hinweggenommen hat
muditamānasam
freudigen Sinnes
śaṅkhacakragadāpadmarājad
von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlend
bhujacatuṣṭayam
mit vier Armen

evaṃ dhyātvārcayenmantrī syādaṅgaiḥ prathamāvṛttiḥ / dvitīyā mahiṣībhistu tṛtīyāyāṃ samarcayet

So meditierend verehre der Mantra-Kundige [ihn]; die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern (Aṅgas), die zweite mit den Gemahlinnen (Mahiṣīs), in der dritten [Runde] verehre man [das übrige Gefolge].

Wort für Wort
evaṃ dhyātvārcayenmantrī
so meditierend verehre der Mantra-Kundige
syādaṅgaiḥ prathamāvṛttiḥ
die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern
dvitīyā mahiṣībhistu
die zweite aber mit den Gemahlinnen
tṛtīyāyāṃ samarcayet
in der dritten [Runde] verehre man [das Übrige]

nāradaṃ parvataṃ jiṣṇuṃ niśaṭhoddhavadārukān / viṣvaksenaṃ ca śaineyaṃ dikṣvagre vinatāsutam

Nārada, Parvata, Jiṣṇu [Arjuna], Niśaṭha, Uddhava und Dāruka, Viṣvaksena und den Śaineya [Sātyaki], [sowie] Garuḍa, den Sohn der Vinatā, an vorderster Stelle in den Himmelsrichtungen —

Wort für Wort
nāradaṃ parvataṃ jiṣṇuṃ
Nārada, Parvata, Jiṣṇu
niśaṭhoddhavadārukān
Niśaṭha, Uddhava und Dāruka
viṣvaksenaṃ ca śaineyaṃ
Viṣvaksena und den Śaineya
dikṣvagre vinatāsutam
an vorderster Stelle in den Himmelsrichtungen, den Sohn der Vinatā [Garuḍa]

lokapālaiśca vajrādyaiḥ pūjayedvaiṣṇavottamaḥ / evaṃ saṃpūjya vidhivatpāyasaṃ vinivedayet

— und mit den Weltenhütern, [deren Waffen] beginnend mit dem Vajra [Indras], verehre der beste der Vaiṣṇavas. Nachdem er so vorschriftsmäßig verehrt hat, opfere er Milchreis dar.

Wort für Wort
lokapālaiśca vajrādyaiḥ
und mit den Weltenhütern, beginnend mit dem Vajra
pūjayedvaiṣṇavottamaḥ
verehre der beste der Vaiṣṇavas
evaṃ saṃpūjya vidhivat
nachdem er so vorschriftsmäßig verehrt hat
pāyasaṃ vinivedayet
opfere er Milchreis dar

tarpayitvā khaṇḍamiśradugdhabuddhyā jalairiha / japedaṣṭaśataṃ mantrī bhāvayanpuruṣottamam

Nachdem er hier mit Wasser, das er sich als mit Zuckerkandis vermischte Milch vorstellt, ein Trankopfer dargebracht hat, murmle der Mantra-Kundige hundertundacht Mal, indem er den Höchsten Puruṣa visualisiert.

Wort für Wort
tarpayitvā khaṇḍamiśradugdhabuddhyā
nachdem er, in der Vorstellung als mit Zuckerkandis vermischte Milch
jalairiha
mit Wasser hier ein Trankopfer dargebracht hat
japedaṣṭaśataṃ mantrī
murmle der Mantra-Kundige hundertundacht Mal
bhāvayanpuruṣottamam
indem er den Höchsten Puruṣa visualisiert

pūjāsu homaṃ sarvāsu kuryānmadhyandine 'thavā / āsanādarghyaparyantaṃ kṛtvā stutvā nametsudhīḥ

Bei allen Verehrungen vollziehe man das Feueropfer (Homa), oder [nur] zur Mittagszeit; nachdem der Kluge [die Verehrung] vom Sitz-Anbieten bis zum Ehrenwasser (Arghya) vollzogen hat, preise er [den Gott] und verneige sich.

Wort für Wort
pūjāsu homaṃ sarvāsu
bei allen Verehrungen das Feueropfer
kuryānmadhyandine 'thavā
vollziehe man, oder [nur] zur Mittagszeit
āsanādarghyaparyantaṃ kṛtvā
nachdem er [die Verehrung] vom Sitz-Anbieten bis zum Ehrenwasser vollzogen hat
stutvā nametsudhīḥ
preise der Kluge [den Gott] und verneige sich

samarthātmānamudvāsya svīyahṛtsarasīruhe / vinyasya tanmayo bhūtvā punarātmānamarcayet

Nachdem er den machtvollen [Gott aus dem Ritualbild] entlassen und in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, verehre er, mit ihm eins geworden, wiederum sich selbst.

Wort für Wort
samarthātmānamudvāsya
nachdem er den machtvollen [Gott] entlassen hat
svīyahṛtsarasīruhe
in den Lotus des eigenen Herzens
vinyasya tanmayo bhūtvā
nachdem er ihn eingesetzt hat, mit ihm eins geworden
punarātmānamarcayet
verehre er wiederum sich selbst

sāyāhne vāsudevaṃ yo nityamevaṃ samarcayet / sarvānkāmānavāpyānte sa yāti paramāṃ gatim

Wer Vāsudeva am Abend beständig so verehrt, der erlangt alle [seine] Wünsche und geht am Ende zum höchsten Ziel ein.

Wort für Wort
sāyāhne vāsudevaṃ yo
wer Vāsudeva am Abend
nityamevaṃ samarcayet
beständig so verehrt
sarvānkāmānavāpyānte
der erlangt alle Wünsche und geht am Ende
sa yāti paramāṃ gatim
zum höchsten Ziel ein

rātrau cenmadanākrāntacetasaṃ nandanandanam / yajedrāsapariśrāntaṃ gopīmaṇḍalamadhyagam

Wenn man aber in der Nacht [verehrt], verehre man den Sohn Nandas, dessen Sinn von Liebesbegierde überwältigt ist, ermattet vom Reigentanz (Rāsa), inmitten des Kreises der Hirtenmädchen weilend,

Wort für Wort
rātrau cenmadanākrāntacetasaṃ
wenn aber in der Nacht, [verehre man] den, dessen Sinn von Liebesbegierde überwältigt ist
nandanandanam
den Sohn Nandas
yajedrāsapariśrāntaṃ
man verehre den vom Reigentanz Ermatteten
gopīmaṇḍalamadhyagam
inmitten des Kreises der Hirtenmädchen weilend

vikasatkundakahlāramallikākusumodgataiḥ / rajobhirdhūsarairmandamārutaiḥ śiśirīkṛte

— [den Vṛndāvana-Hain, den man sich vorstelle,] gekühlt von sanften Winden, grau vom Blütenstaub der sich öffnenden Kunda-, Kahlāra- und Mallikā-Blüten,

Wort für Wort
vikasatkundakahlāramallikākusumodgataiḥ
aus den sich öffnenden Kunda-, Kahlāra- und Mallikā-Blüten hervortretend
rajobhirdhūsarair
grau vom Blütenstaub
mandamārutaiḥ
mit sanften Winden
śiśirīkṛte
gekühlt

unmīlannavakairavālivigalanmādhvīkalabdhāntaraṃ bhrāmyanmattamilindagītalalite sanmallikojjṛmbhite / pīyūṣāṃśukarairviśālitaharitprānte smaroddīpane kālindīpulināṅgaṇe smitamukhaṃ veṇuṃ raṇantaṃ muhuḥ

— im Sandbett-Gefilde der Kālindī, erweitert durch die nektargleichen Strahlen des Mondes über den grünen Rand hin, das die Liebesbegierde entfacht: dessen Inneres von dem aus frisch sich öffnenden Nachtlotusblüten hervortretenden Honig erfüllt ist, umhergaumelnd vom Gesang trunkener Bienen lieblich, voller aufblühender Mallikā-Blüten – [dort visualisiere man Kṛṣṇa] mit lächelndem Antlitz, immer wieder die Flöte ertönen lassend,

Wort für Wort
unmīlannavakairavālivigalanmādhvīkalabdhāntaraṃ
dessen Inneres von dem aus frisch sich öffnenden Nachtlotusblüten hervortretenden Honig erfüllt ist
bhrāmyanmattamilindagītalalite sanmallikojjṛmbhite
lieblich vom Gesang umhergaumelnder trunkener Bienen, voller aufblühender Mallikā-Blüten
pīyūṣāṃśukarairviśālitaharitprānte smaroddīpane
erweitert durch die nektargleichen Strahlen des Mondes über den grünen Rand, die Liebesbegierde entfachend
kālindīpulināṅgaṇe smitamukhaṃ veṇuṃ raṇantaṃ muhuḥ
im Sandbett-Gefilde der Kālindī, mit lächelndem Antlitz, immer wieder die Flöte ertönen lassend

antastoyalasannavāṃbudaghaṭāsaṃghaṭṭakāratviṣaṃ cañcañcillikamaṃbujāyatadṛśaṃ bimbādharaṃ sundaram / māyūracchadabaddhamaulivilasaddhaṃmillamālaṃ calaṃ dīpyatkuṇḍalaratnaraśmivilasadgaṇḍadvayodbāsitam

— dessen Glanz dem Anblick einer frischen, mit funkelndem Wasser im Innern gefüllten Gewitterwolke gleicht, mit beweglichen Augenbrauen, mit lotusgleich-weiten, schönen Augen und korallenroten Lippen; dessen Haupt mit einem aus Pfauenfedern gebundenen, beweglichen Diadem [samt einer schimmernden Federgirlande [?]] geschmückt ist, dessen beide Wangen von den Strahlen leuchtender Juwelen-Ohrringe erhellt sind,

Wort für Wort
antastoyalasannavāṃbudaghaṭāsaṃghaṭṭakāratviṣaṃ
dessen Glanz dem Anblick einer frischen, innen mit funkelndem Wasser gefüllten Gewitterwolke gleicht
cañcañcillikamaṃbujāyatadṛśaṃ bimbādharaṃ sundaram
mit beweglichen Augenbrauen, lotusgleich-weiten, schönen Augen und korallenroten Lippen
māyūracchadabaddhamaulivilasaddhaṃmillamālaṃ calaṃ
dessen Haupt mit einem aus Pfauenfedern gebundenen, beweglichen Diadem samt schimmernder Federgirlande [?] geschmückt ist
dīpyatkuṇḍalaratnaraśmivilasadgaṇḍadvayodbāsitam
dessen beide Wangen von den Strahlen leuchtender Juwelen-Ohrringe erhellt sind

[?: „māyūracchadabaddhamaulivilasaddhaṃmillamālaṃ“ – das Wort „haṃmillamālā“ ist unsicher; möglicherweise Bezeichnung eines Feder- oder Perlenschmucks am Diadem, hier probeweise als „schimmernde Federgirlande“ wiedergegeben.]

kāñcīnūpurahārakaṅkaṇalasatkeyūrabhūṣānvitaṃ gopīnāṃ dvitayāṃ tare sulalitaṃ vanyaprasūnasrajam / anyonyaṃ vinibaddhagopadayitādorvallivītaṃ lasadrāsakrīḍanalolupaṃ manasijākrāntaṃ mukundaṃ bhavet

— geschmückt mit Hüftgürtel, Fußringen, Halsketten, Armreifen und leuchtenden Oberarmspangen; man stelle sich Mukunda vor, der zwischen einem Paar Hirtenmädchen [steht], mit einem lieblichen Kranz aus Waldblumen, umschlungen von den ranken-gleichen Armen der einander und ihn wechselseitig umfassenden geliebten Hirtinnen, begierig nach dem leuchtenden Reigenspiel, von Liebesbegierde überwältigt.

Wort für Wort
kāñcīnūpurahārakaṅkaṇalasatkeyūrabhūṣānvitaṃ
geschmückt mit Hüftgürtel, Fußringen, Halsketten, Armreifen und leuchtenden Oberarmspangen
gopīnāṃ dvitayāṃ tare sulalitaṃ vanyaprasūnasrajam
zwischen einem Paar Hirtenmädchen, mit einem lieblichen Kranz aus Waldblumen
anyonyaṃ vinibaddhagopadayitādorvallivītaṃ
umschlungen von den ranken-gleichen Armen der einander umfassenden geliebten Hirtinnen
lasadrāsakrīḍanalolupaṃ manasijākrāntaṃ mukundaṃ bhavet
man stelle sich Mukunda vor, begierig nach dem leuchtenden Reigenspiel, von Liebesbegierde überwältigt

vividhaśrutibhinnamanojñatarasvarasaptakamūrchanatānagaṇaiḥ / bhramamāṇamamūbhirudāramaṇisphuṭamaṇḍanasiṃjitacārutanum

— sich [mit ihnen] drehend, [begleitet] von den Scharen mannigfaltiger, durch die überlieferten [Musiklehren] unterschiedener, überaus lieblicher Tonarten der siebentönigen Tonleiter; dessen schöner Leib vom Klingen des kostbaren, funkelnden Schmuckes [erklingt],

Wort für Wort
vividhaśrutibhinnamanojñatarasvarasaptakamūrchanatānagaṇaiḥ
von den Scharen mannigfaltiger, durch die Überlieferungen unterschiedener, überaus lieblicher Tonarten der siebentönigen Tonleiter
bhramamāṇamamūbhiḥ
sich mit ihnen drehend
udāramaṇisphuṭamaṇḍana
mit kostbarem, funkelndem Schmuck
siṃjitacārutanum
dessen schöner Leib erklingt

itaretarabaddhakarapramadāgaṇakalpitarāsavihāravidhau / maṇiśaṅkugamapyamunā vapuṣā bahudhā vihitasvakadivyatanum

— bei der von der Schar der einander die Hände fassenden Frauen gestalteten Reigen-Vergnügung: [Kṛṣṇa,] der auf mannigfache Weise mit diesem [einen] Leib seine eigene göttliche Gestalt vervielfältigt hat, [dessen Bewegung] gleich dem Gang [des Schattenzeigers] auf einer Sonnenuhr [?] ist.

Wort für Wort
itaretarabaddhakarapramadāgaṇakalpitarāsavihāravidhau
bei der von der Schar der einander die Hände fassenden Frauen gestalteten Reigen-Vergnügung
maṇiśaṅkugamapyamunā vapuṣā
gleich dem Gang [des Zeigers] auf einer Sonnenuhr [?], mit diesem Leib
bahudhā vihitasvakadivyatanum
der auf mannigfache Weise seine eigene göttliche Gestalt vervielfältigt hat

[?: „maṇiśaṅkugamapyamunā“ ist unsicher; „śaṅku“ (Gnomon/Zeiger einer Sonnenuhr) wurde probeweise als Bildvergleich für die gleichmäßig-kreisende Bewegung gedeutet.]

evaṃ dhyātvārcayenmantrī syādaṅgaiḥ prathamāvṛtiḥ / śrīkāmaḥ sasvarādyāni kalābjairvaiṣṇavottamaḥ

So meditierend verehre der Mantra-Kundige [ihn]; die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern (Aṅgas). [Es folgt] Śrīkāma zusammen mit den Vokalen und den übrigen [Lauten, verehrt] mit Kalā-Lotusblüten durch den besten der Vaiṣṇavas —

Wort für Wort
evaṃ dhyātvārcayenmantrī
so meditierend verehre der Mantra-Kundige
syādaṅgaiḥ prathamāvṛtiḥ
die erste Verehrungsrunde [erfolge] mit den Gliedern
śrīkāmaḥ sasvarādyāni
[es folgt] Śrīkāma mit den Vokalen und den übrigen [Lauten]
kalābjairvaiṣṇavottamaḥ
mit Kalā-Lotusblüten, durch den besten der Vaiṣṇavas

[?: Der Übergang zu „śrīkāmaḥ sasvarādyāni kalābjaiḥ“ ist knapp gehalten; vermutlich Vorverweis auf die später (ab V.149ff.) behandelte Kāma-Verehrung mit Vokal- und Silben-Zuordnung.]

yajetkeśavakīrtyādimithunāni ca ṣoḍaśa / indrādyānapi vajrādīnpūjayettadanantaram

— man verehre die sechzehn, mit Keśava-Kīrti beginnenden Paare (Mithuna); danach verehre man auch Indra und die übrigen [Weltenhüter] mit dem Vajra und den übrigen [Waffen].

Wort für Wort
yajetkeśavakīrtyādimithunāni ca ṣoḍaśa
man verehre die sechzehn, mit Keśava-Kīrti beginnenden Paare
indrādyānapi vajrādīn
auch Indra und die übrigen, mit dem Vajra und den übrigen [Waffen]
pūjayettadanantaram
verehre man danach

pṛnthu suvṛttaṃ masṛṇaṃ vitastimātronnataṃ kau vinikhanya śaṅkum / ākramya padbhyāmitaretaraistu hastairbhramo 'yaṃ khalu rāsagoṣṭhī

Nachdem man in die Erde einen breiten, wohlgerundeten, glatten, eine Spanne hohen Pflock eingegraben hat und ihn mit den Füßen umschreitet, wechselseitig mit den Händen [die Nachbarn fassend] – dies eben ist der ‚Kreistanz‘, die Rāsa-Versammlung.

Wort für Wort
pṛnthu suvṛttaṃ masṛṇaṃ vitastimātronnataṃ kau vinikhanya śaṅkum
nachdem man in die Erde einen breiten, wohlgerundeten, glatten, eine Spanne hohen Pflock eingegraben hat
ākramya padbhyāmitaretaraistu hastaiḥ
und ihn mit den Füßen umschreitet, wechselseitig mit den Händen [die Nachbarn fassend]
bhramo 'yaṃ khalu rāsagoṣṭhī
dies eben ist der Kreistanz, die Rāsa-Versammlung

sapūjyaivaṃ ca payasā sasito palasarpiṣā / naivedyamarcayitvā tu caṣakairnṛpasaṃkhyakaiḥ

So verehre man [ihn] mit gezuckerter Milch und einem Maß Ghee; nachdem man die Opferspeise dargebracht hat, [reiche man sie] mit Bechern in königlicher Anzahl [?].

Wort für Wort
sapūjyaivaṃ ca payasā
so verehre man [ihn] mit Milch
sasito palasarpiṣā
gezuckert, und mit einem Pala [Maß] Ghee
naivedyamarcayitvā tu
nachdem man die Opferspeise dargebracht hat
caṣakairnṛpasaṃkhyakaiḥ
mit Bechern in königlicher Anzahl [?]

[?: „palasarpiṣā“ wurde als „mit einem Pala [Gewichtsmaß] Ghee“ gedeutet; „caṣakairnṛpasaṃkhyakaiḥ“ (Becher ‚in königlicher Zahl‘) bleibt unsicher, evtl. Anspielung auf eine feste, traditionell mit Königtum assoziierte Zahl (z. B. sechzehn).]

satataṃ pāpapte (?) mantrī mithuneṣvarpayetkramāt / vidhāya pūrvavaccheṣaṃ sahasraṃ prajapenmanum

— beständig [?] weihe der Mantra-Kundige [die Opferspeise] der Reihe nach den [sechzehn] Paaren zu; nachdem er den übrigen [Ritus] wie zuvor vollzogen hat, murmle er tausendmal den Mantra.

Wort für Wort
satataṃ pāpapte (?)
beständig [?, im Quelltext selbst als unsicher markiert]
mantrī mithuneṣvarpayetkramāt
weihe der Mantra-Kundige der Reihe nach den Paaren zu
vidhāya pūrvavaccheṣaṃ
nachdem er den übrigen [Ritus] wie zuvor vollzogen hat
sahasraṃ prajapenmanum
murmle er tausendmal den Mantra

[Anm.: Im Quelltext selbst ist das Wort „pāpapte“ mit einem Fragezeichen „(?)“ als unsichere Lesart gekennzeichnet; seine Bedeutung bleibt daher offen. Die Übersetzung „beständig“ folgt notdürftig dem vorangehenden „satataṃ“.]

stutvā natvā ca saṃprārthya pūjāśeṣaṃ samāpayet / evaṃ yaḥ pūjayetkṛṣṇaṃ sa sasmṛddheḥ padaṃ bhavet

Nachdem man gepriesen, sich verneigt und [seine Wünsche] vorgetragen hat, vollende man den Rest der Verehrung. Wer Kṛṣṇa so verehrt, der erlangt den Zustand des Wohlstands.

Wort für Wort
stutvā natvā ca saṃprārthya
nachdem man gepriesen, sich verneigt und [seine Wünsche] vorgetragen hat
pūjāśeṣaṃ samāpayet
vollende man den Rest der Verehrung
evaṃ yaḥ pūjayetkṛṣṇaṃ
wer Kṛṣṇa so verehrt
sa sasmṛddheḥ padaṃ bhavet
der erlangt den Zustand des Wohlstands

aṇimādyaṣṭasiddhīnāmīśvaraḥ syānna saṃśayaḥ / bhuktveha vividhānbhogānante viṣṇupadaṃ vrajet

Er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā – daran besteht kein Zweifel. Nachdem er hier mannigfache Genüsse erfahren hat, geht er am Ende in Viṣṇus [höchstes] Reich ein.

Wort für Wort
aṇimādyaṣṭasiddhīnāmīśvaraḥ syāt
er wird zum Herrn der acht Siddhis, angefangen mit Aṇimā
na saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel
bhuktveha vividhānbhogānante
nachdem er hier mannigfache Genüsse erfahren hat, am Ende
viṣṇupadaṃ vrajet
geht er in Viṣṇus Reich ein

evaṃ pūjādibhiḥ siddhe manaukāmyāni sādhayet / aṣṭāviṃśativāraṃ vā trikālaṃ pūjayetsudhīḥ

Nachdem [der Mantra] so durch Verehrung und dergleichen erfolgreich gemacht worden ist, erlange man im Geiste die gewünschten Dinge; oder der Kluge verehre achtundzwanzig Mal zu den drei Tageszeiten.

Wort für Wort
evaṃ pūjādibhiḥ siddhe
nachdem [der Mantra] so durch Verehrung erfolgreich gemacht worden ist
manaukāmyāni sādhayet
erlange man im Geiste die gewünschten Dinge
aṣṭāviṃśativāraṃ vā
oder achtundzwanzig Mal
trikālaṃ pūjayetsudhīḥ
verehre der Kluge zu den drei Tageszeiten

svakālavihitān bhūyaḥ parivārāṃśca tarpayet / prātarddadhnā guḍāktena madhyāhne payasā punaḥ

Wiederum stille man das zu den jeweiligen Zeiten vorgeschriebene Gefolge: morgens mit Quark, mit Zucker versetzt, mittags wiederum mit Milch,

Wort für Wort
svakālavihitān bhūyaḥ
wiederum das zu den jeweiligen Zeiten vorgeschriebene
parivārāṃśca tarpayet
Gefolge stille man
prātarddadhnā guḍāktena
morgens mit Quark, mit Zucker versetzt
madhyāhne payasā punaḥ
mittags wiederum mit Milch

navanītayutenātha sāyāhne tarpayetpunaḥ / sasitopalamiśreṇa payasā vaiṣṇavottamaḥ

— mit Frischbutter versehen; und am Abend stille der beste der Vaiṣṇavas wiederum mit Milch, vermischt mit Zuckerkandis.

Wort für Wort
navanītayutenātha
mit Frischbutter versehen
sāyāhne tarpayetpunaḥ
und am Abend stille man wiederum
sasitopalamiśreṇa payasā
mit Milch, vermischt mit Zuckerkandis
vaiṣṇavottamaḥ
der beste der Vaiṣṇavas

tarpayāmipadaṃ yojyaṃ mantrānte sveṣu nāmasu / dvitīyānteṣu tu punaḥ pūjāśeṣaṃ samāpayet

Das Wort ‚tarpayāmi‘ (ich stille) füge man am Ende des Mantra an, [nach] den eigenen [Götter-]Namen im Dativ; bei den [Formeln] mit Namen im Akkusativ aber vollende man danach wiederum den Rest der Verehrung.

Wort für Wort
tarpayāmipadaṃ yojyaṃ
das Wort ‚tarpayāmi‘ füge man an
mantrānte sveṣu nāmasu
am Ende des Mantra, nach den eigenen [Götter-]Namen [im Dativ]
dvitīyānteṣu tu punaḥ
bei den auf den Akkusativ endenden [Formeln] aber wiederum
pūjāśeṣaṃ samāpayet
vollende man den Rest der Verehrung

[?: Die genaue grammatische Anweisung „dvitīyānteṣu tu punaḥ“ (bei Formen, die auf den zweiten Kasus [Akkusativ] enden) bleibt in ihrer rituellen Anwendung unsicher.]

abhyukṣyatatprasādādbhirātmānaṃ prapabedapaḥ / tattṛtpastamathodvāsya tanmayaḥ prajapenmanum

Nachdem man sich mit jenem Gnadenwasser besprengt hat, trinke man das Wasser; nachdem man jenen [Gott], damit zufriedengestellt, sodann entlassen hat, murmle man, mit ihm eins geworden, den Mantra.

Wort für Wort
abhyukṣyatatprasādādbhiḥ
nachdem man sich mit jenem Gnadenwasser besprengt hat
ātmānaṃ prapabedapaḥ
trinke man selbst das Wasser
tattṛtpastamathodvāsya
nachdem man jenen, damit zufriedengestellt, sodann entlassen hat
tanmayaḥ prajapenmanum
murmle man, mit ihm eins geworden, den Mantra

atha dravyāṇi kāmyeṣu procyante tarpaṇeṣu ca / tāni proktavidhānānāmāśrityānyatamaṃ bhajet

Nun werden die Substanzen genannt, die bei den auf Wunscherfüllung gerichteten Trankopfern [zu verwenden sind]; man wähle unter diesen, je nach der genannten Vorschrift, eine beliebige aus.

Wort für Wort
atha dravyāṇi kāmyeṣu
nun die Substanzen bei den auf Wunscherfüllung gerichteten
procyante tarpaṇeṣu ca
Trankopfern werden genannt
tāni proktavidhānāt
diese, gemäß der genannten Vorschrift
āśrityānyatamaṃ bhajet
wähle man eine beliebige davon aus

pāyasaṃ dādhikaṃ cājyaṃ gauḍānnaṃ kṛsaraṃ payaḥ / dadhīni kadalī mocā ciñcā rajasvalā tathā

Milchreis, Quarkspeise und Ghee, mit Zuckerrohrsaft [gesüßter] Reis, Kṛsara [Reis mit Hülsenfrüchten], Milch, Quark, Banane, Bananenblüte, Tamarinde und ebenso Rajasvalā [eine Pflanzensubstanz, ?],

Wort für Wort
pāyasaṃ dādhikaṃ cājyaṃ
Milchreis, Quarkspeise und Ghee
gauḍānnaṃ kṛsaraṃ payaḥ
mit Zuckerrohrsaft [gesüßter] Reis, Kṛsara, Milch
dadhīni kadalī mocā
Quark, Banane, Bananenblüte
ciñcā rajasvalā tathā
Tamarinde und ebenso Rajasvalā [?]

[?: „rajasvalā“ ist in dieser Aufzählung von Opferspeisen sicher nicht im gewöhnlichen Sinn (menstruierende Frau) gemeint, sondern bezeichnet vermutlich eine Pflanzen- oder Speisesubstanz (evtl. eine Bezeichnung für rote Zuckerrohrmelasse); die genaue Referenz bleibt unsicher.]

apūpā modakā lājāḥ pṛthukā navanītakam / dravyaṣoḍaśakaṃ hyetatkathitaṃ padmajādibhiḥ

Kuchen, Süßbällchen, geröstete Reiskörner, gequetschter Reis und Frischbutter – dies sind die sechzehn Substanzen, die von Padmaja [Brahmā] und den übrigen [Weisen] genannt wurden.

Wort für Wort
apūpā modakā lājāḥ
Kuchen, Süßbällchen, geröstete Reiskörner
pṛthukā navanītakam
gequetschter Reis und Frischbutter
dravyaṣoḍaśakaṃ hyetat
dies sind die sechzehn Substanzen
kathitaṃ padmajādibhiḥ
genannt von Padmaja und den übrigen

lājānte pṛthukaṃ prākca samarpya ca sitopalam / catuḥsaptativāraṃ yaḥ prātarevaṃ pratarpayet

Wer am Ende mit gerösteten Reiskörnern, zuvor mit gequetschtem Reis und mit Zuckerkandis geweiht, so morgens vierundsiebzig Mal ein Trankopfer darbringt —

Wort für Wort
lājānte pṛthukaṃ prākca
am Ende mit gerösteten Reiskörnern, zuvor mit gequetschtem Reis
samarpya ca sitopalam
geweiht, und mit Zuckerkandis
catuḥsaptativāraṃ yaḥ
wer vierundsiebzig Mal
prātarevaṃ pratarpayet
morgens so ein Trankopfer darbringt

dhyātvā kṛṣṇapadaṃ matrī maṇḍalādiṣṭamāpnuyāt / dhāroṣṇapakkapayasā navanītaṃ dadhīni ca

— wer, indem er Kṛṣṇas [Lotus-]Füße meditiert, dies vollzieht, erlangt nach Wunsch die Herrschaft über einen Bezirk (Maṇḍala); [dann bringe man dar] mit frisch, heiß gekochter Milch, mit Frischbutter und mit Quark,

Wort für Wort
dhyātvā kṛṣṇapadaṃ matrī
indem der Mantra-Kundige Kṛṣṇas Füße meditiert
maṇḍalādiṣṭamāpnuyāt
erlangt er die Herrschaft über einen Bezirk nach Wunsch
dhāroṣṇapakkapayasā
mit frisch, heiß gekochter Milch
navanītaṃ dadhīni ca
mit Frischbutter und mit Quark

daugdhāmrāmājyaṃ matsyaṇḍī kṣaudraṃ kīlālameva ca / pūjayennavabhirdravyaiḥ pratyekaṃ ravisaṃkhyayā

— mit süßer Mango-Ghee-Mischung, mit Kandiszucker, mit Honig und ebenso mit gesüßtem Wasser: man verehre mit [diesen] neun Substanzen, jeweils in der Zahl der Sonnen [zwölfmal].

Wort für Wort
daugdhāmrāmājyaṃ matsyaṇḍī
mit süßer Mango-Ghee-Mischung [?], mit Kandiszucker
kṣaudraṃ kīlālameva ca
mit Honig und ebenso mit gesüßtem Wasser
pūjayennavabhirdravyaiḥ
man verehre mit neun Substanzen
pratyekaṃ ravisaṃkhyayā
jeweils in der Zahl der Sonnen [zwölfmal]

[?: „daugdhāmrāmājyaṃ“ (‚milchig-mango-Ghee‘) ist als Kompositum unsicher aufzulösen; sinngemäß als Mischung aus Milch, Mango und Ghee wiedergegeben.]

evamaṣṭotaraśataṃsaṃkhyākaṃ tarpaṇaṃ punaḥ / yaḥ kuryādvaiṣṇavaśreṣṭhaḥ pūrvoktaṃ phalamāpnuyāt

Wer so wiederum hundertundacht Trankopfer darbringt, als bester der Vaiṣṇavas, der erlangt die zuvor genannte Frucht.

Wort für Wort
evamaṣṭotaraśataṃsaṃkhyākaṃ
so, in der Zahl von hundertundacht
tarpaṇaṃ punaḥ
wiederum ein Trankopfer
yaḥ kuryādvaiṣṇavaśreṣṭhaḥ
wer als bester der Vaiṣṇavas vollzieht
pūrvoktaṃ phalamāpnuyāt
der erlangt die zuvor genannte Frucht

kiṃ bahūktena sarveṣṭadāyakaṃ tarpaṇaṃ tvidam / sasitopaladhāroṣṇadugdhabuddhyā jalena vai

Was soll viel gesagt sein: dieses Trankopfer gewährt alle Wünsche – schon mit Wasser, das man sich als heiße, mit Zuckerkandis [gesüßte] Frischmilch vorstellt,

Wort für Wort
kiṃ bahūktena
was soll viel gesagt sein
sarveṣṭadāyakaṃ tarpaṇaṃ tvidam
dieses Trankopfer gewährt alle Wünsche
sasitopaladhāroṣṇa
mit Zuckerkandis [gesüßte], heiße, frische
dugdhabuddhyā jalena vai
als Milch vorgestelltem Wasser

kṛṣṇaṃ prataparyan grāmaṃ vrajanprāpnoti sādhakaḥ / dhanavastrāṇi bhojyaṃ ca parivāragaṇaiḥ saha

— [wer] Kṛṣṇa so stillt, erlangt, in [sein Heimat-]Dorf zurückkehrend, als Übender Reichtum, Gewänder und Speise, samt seinem ganzen Gefolge.

Wort für Wort
kṛṣṇaṃ prataparyan
wer Kṛṣṇa so stillt
grāmaṃ vrajanprāpnoti sādhakaḥ
erlangt der Übende, ins Dorf zurückkehrend
dhanavastrāṇi bhojyaṃ ca
Reichtum, Gewänder und Speise
parivāragaṇaiḥ saha
samt seinem ganzen Gefolge

yāvatsaṃtarpayenmantrī tāvatsaṃkhyaṃ japenmanum / tarpaṇenaiva kāryāṇi sādhayedakhilānyapi

So oft der Mantra-Kundige ein Trankopfer darbringt, ebenso oft murmle er den Mantra; durch das Trankopfer allein kann er sämtliche [gewünschten] Zwecke erreichen.

Wort für Wort
yāvatsaṃtarpayenmantrī
so oft der Mantra-Kundige ein Trankopfer darbringt
tāvatsaṃkhyaṃ japenmanum
ebenso oft murmle er den Mantra
tarpaṇenaiva kāryāṇi
durch das Trankopfer allein die [gewünschten] Zwecke
sādhayedakhilānyapi
kann er sämtlich erreichen

kāmyahomamatho vakṣye sādhakānāṃ hitāya ca / śrīpuṣpairjuhuyānmantrī śriyamicchannininditām

Nun werde ich, zum Wohl der Übenden, das auf Wünsche gerichtete Feueropfer (Kāmya-Homa) verkünden. Der Mantra-Kundige opfere mit Lotusblüten, wenn er tadellosen Wohlstand begehrt,

Wort für Wort
kāmyahomamatho vakṣye
nun werde ich das auf Wünsche gerichtete Feueropfer verkünden
sādhakānāṃ hitāya ca
zum Wohl der Übenden
śrīpuṣpairjuhuyānmantrī
der Mantra-Kundige opfere mit Lotusblüten
śriyamicchannininditām
wenn er tadellosen Wohlstand begehrt

sājyenānnena juhuyātghṛtānnasya samṛddhaye / vanyapuṣpairdvijān jātīpuṣpaiśca pṛthivīpatīn

— er opfere mit Ghee und Speise zum Gedeihen der Vorräte an Ghee und Speise; mit Waldblumen [bezaubere man] die Brahmanen, mit Jātī-Blüten die Herrscher der Erde,

Wort für Wort
sājyenānnena juhuyāt
er opfere mit Ghee und Speise
ghṛtānnasya samṛddhaye
zum Gedeihen der Vorräte an Ghee und Speise
vanyapuṣpairdvijān
mit Waldblumen die Brahmanen
jātīpuṣpaiśca pṛthivīpatīn
mit Jātī-Blüten die Herrscher der Erde

asitaiḥ kusumairvaiśyān śūdrānnīlotpalaistathā / vaśayellavaṇaiḥ sarvānaṃbujairyuvatījanam

— mit dunklen Blüten die Vaiśyas, mit blauen Seerosen ebenso die Śūdras; mit Salz bezaubere man alle [Kasten], mit Lotusblüten die jungen Frauen.

Wort für Wort
asitaiḥ kusumairvaiśyān
mit dunklen Blüten die Vaiśyas
śūdrānnīlotpalaistathā
die Śūdras ebenso mit blauen Seerosen
vaśayellavaṇaiḥ sarvān
mit Salz bezaubere man alle
aṃbujairyuvatījanam
mit Lotusblüten die jungen Frauen

gośālāsu kṛto homaḥ pāyasena sasarpiṣā / gavāṃ śāntiṃ karotyāśu gopālo gokuleśvaraḥ

Ein in den Kuhställen vollzogenes Feueropfer mit Milchreis und Ghee bewirkt rasch das Wohlergehen der Kühe; [so wird Kṛṣṇa als] Gopāla zum Herrn der Kuhherde.

Wort für Wort
gośālāsu kṛto homaḥ
ein in den Kuhställen vollzogenes Feueropfer
pāyasena sasarpiṣā
mit Milchreis und Ghee
gavāṃ śāntiṃ karotyāśu
bewirkt rasch das Wohlergehen der Kühe
gopālo gokuleśvaraḥ
[Kṛṣṇa als] Gopāla, Herr der Kuhherde

śikṣāveṣadharaṃ kṛṣṇaṃ kiṅkiṇījālaśobhitam / dhyātvā pratarpayenmantrī dugdhabuddhyā śubhairjalaiḥ

Indem man Kṛṣṇa im Hirtengewand [?], geschmückt mit einem Netz von Glöckchen, meditiert, stille ihn der Mantra-Kundige mit reinem Wasser, das man sich als Milch vorstellt.

Wort für Wort
śikṣāveṣadharaṃ kṛṣṇaṃ
Kṛṣṇa im Hirtengewand [?] tragend
kiṅkiṇījālaśobhitam
geschmückt mit einem Netz von Glöckchen
dhyātvā pratarpayenmantrī
indem man ihn meditiert, stille ihn der Mantra-Kundige
dugdhabuddhyā śubhairjalaiḥ
mit reinem Wasser, das man sich als Milch vorstellt

[?: „śikṣāveṣadharaṃ“ (‚das Lehr-Gewand tragend‘) ist ungewöhnlich; sinngemäß als Hirtengewand (vgl. „gopaveṣa“ in V.289) gedeutet, die genaue Lesart bleibt aber unsicher.]

dhanaṃ dhānyaṃ sutānkīrtiṃ prītastasmai dadāti saḥ / brahmavṛkṣasamidbhirvā kuśairvā tilatandulaiḥ

Erfreut gewährt er jenem [Übenden] Reichtum, Getreide, Söhne und Ruhm. [Nun folgt das Opfer] entweder mit Brennholzstücken des Brahma-Baumes, oder mit Kuśa-Gras, oder mit Sesam und Reiskörnern,

Wort für Wort
dhanaṃ dhānyaṃ sutānkīrtiṃ
Reichtum, Getreide, Söhne, Ruhm
prītastasmai dadāti saḥ
erfreut gewährt er jenem
brahmavṛkṣasamidbhirvā
oder mit Brennholzstücken des Brahma-Baumes
kuśairvā tilatandulaiḥ
oder mit Kuśa-Gras, oder mit Sesam und Reiskörnern

juhuyādayutaṃ mantrī trimadhvāktairhutāśane / vaśaye dbrāhmaṇāṃścātha rājavṛkṣasamudbhavaiḥ

— der Mantra-Kundige opfere zehntausend Mal, mit den drei Süßstoffen [Honig, Zucker, Ghee] benetzt, im Feuer; so bezaubere er die Brahmanen. Sodann mit [Blüten,] die vom Königsbaum stammen,

Wort für Wort
juhuyādayutaṃ mantrī
der Mantra-Kundige opfere zehntausend Mal
trimadhvāktairhutāśane
mit den drei Süßstoffen benetzt, im Feuer
vaśaye dbrāhmaṇāṃścātha
so bezaubere er die Brahmanen
rājavṛkṣasamudbhavaiḥ
mit [Blüten,] die vom Königsbaum stammen

prasūnaiḥ kṣatriyānvaiśyānkuraṇḍakusumaistathā / pāṭalotthaiśca kusumairvaśayedantimānsudhīḥ

— mit diesen Blüten [bezaubere man] die Kṣatriyas, die Vaiśyas mit Kuraṇḍa-Blüten; und mit den vom Pāṭala-Baum stammenden Blüten bezaubere der Kluge die Untersten [Śūdras].

Wort für Wort
prasūnaiḥ kṣatriyān
mit diesen Blüten die Kṣatriyas
vaiśyānkuraṇḍakusumaistathā
die Vaiśyas ebenso mit Kuraṇḍa-Blüten
pāṭalotthaiśca kusumair
und mit den vom Pāṭala-Baum stammenden Blüten
vaśayedantimānsudhīḥ
bezaubere der Kluge die Untersten

śvetapadmai raktapapdaiścaṃpakaiḥ pāṭalaiḥ kramāt / hutvāyutaṃ trimadhvāktairvaśayettadvarāṅganāḥ

Mit weißen Lotusblüten, roten Lotusblüten, Campaka- und Pāṭala-Blüten, der Reihe nach, nachdem man zehntausend Mal, mit den drei Süßstoffen benetzt, geopfert hat, bezaubere man damit die schönsten Frauen.

Wort für Wort
śvetapadmai raktapapdaiḥ
mit weißen Lotusblüten, roten Lotusblüten
caṃpakaiḥ pāṭalaiḥ kramāt
mit Campaka- und Pāṭala-Blüten, der Reihe nach
hutvāyutaṃ trimadhvāktair
nachdem man zehntausend Mal, mit den drei Süßstoffen benetzt, geopfert hat
vaśayettadvarāṅganāḥ
bezaubere man damit die schönsten Frauen

nityaṃ hayārikusumaurniśīthe trimadhuplutaiḥ / varastrīrvaśayetprājñaḥ samyagdhṛtvā dināṣṭakam

Beständig, um Mitternacht, mit den Blüten der ‚Pferdefeindin‘ [Arka], getränkt mit den drei Süßstoffen, bezaubere der Weise die vorzüglichsten Frauen, indem er acht Tage lang [den Ritus] recht durchhält.

Wort für Wort
nityaṃ hayārikusumair
beständig mit den Blüten der ‚Pferdefeindin‘
niśīthe trimadhuplutaiḥ
um Mitternacht, getränkt mit den drei Süßstoffen
varastrīrvaśayetprājñaḥ
bezaubere der Weise die vorzüglichsten Frauen
samyagdhṛtvā dināṣṭakam
indem er acht Tage lang [den Ritus] recht durchhält

ayutatritayaṃ rātrau siddhārthaistrimadhuplutaiḥ / pratyahaṃ juhvato māsātsureśo 'pi vaśībhavet

Wenn man in der Nacht, mit weißem Senf, benetzt mit den drei Süßstoffen, dreißigtausend Mal täglich, einen Monat lang opfert, wird sogar der Herr der Götter [Indra] unterworfen.

Wort für Wort
ayutatritayaṃ rātrau
dreißigtausend Mal in der Nacht
siddhārthaistrimadhuplutaiḥ
mit weißem Senf, benetzt mit den drei Süßstoffen
pratyahaṃ juhvato māsāt
wenn man täglich, einen Monat lang, opfert
sureśo 'pi vaśībhavet
wird sogar der Herr der Götter unterworfen

āhṛtya ballavīvastrāṇyārūḍhaṃ nīpabhūruhe / smaretkṛṣṇaṃ japedrātrau sahasraṃ khendūhātsudhīḥ

Nachdem man die Gewänder der Hirtinnen herbeigeholt hat, gedenke man Kṛṣṇas, der auf einen Kadamba-Baum gestiegen ist; der Kluge murmle in der Nacht tausendmal [den Mantra], gemäß der [in Zahlwörtern von] Äther und Mond [ausgedrückten Zählung] [?].

Wort für Wort
āhṛtya ballavīvastrāṇy
nachdem man die Gewänder der Hirtinnen herbeigeholt hat
ārūḍhaṃ nīpabhūruhe
gedenke man dessen, der auf einen Kadamba-Baum gestiegen ist
smaretkṛṣṇaṃ japedrātrau
man gedenke Kṛṣṇas und murmle in der Nacht
sahasraṃ khendūhātsudhīḥ
der Kluge tausendmal, gemäß der Zählung von Äther und Mond [?]

[?: „khendūhāt“ (wörtlich ‚von Äther[-Ziffer] und Mond[-Ziffer]‘) folgt vermutlich der Bhūtasaṅkhyā-Zahlensymbolik (kha=0, indu=1), deren genauer Bezug zur Wiederholungszahl hier unsicher bleibt.]

haṭhādākarṣayecchīghramurvaśīmapi sādhakaḥ / bahunā kimihoktena mantro 'yaṃ sarvavaśyakṛt

— dadurch kann der Übende sogar Urvaśī [die Apsaras] gewaltsam rasch herbeiziehen. Was soll hier viel gesagt sein: dieser Mantra bewirkt die Unterwerfung von allem.

Wort für Wort
haṭhādākarṣayecchīghram
dadurch kann er gewaltsam rasch herbeiziehen
urvaśīmapi sādhakaḥ
sogar Urvaśī, der Übende
bahunā kimihoktena
was soll hier viel gesagt sein
mantro 'yaṃ sarvavaśyakṛt
dieser Mantra bewirkt die Unterwerfung von allem

rahasyaṃ paramaṃ cātha vakṣye mokṣapradaṃ nṛṇām / dhyāyetsvahṛtsarasije devakīnandanaṃ vibhum

Nun werde ich das höchste Geheimnis verkünden, das den Menschen die Erlösung gewährt: Man meditiere im Lotus des eigenen Herzens über den allmächtigen Sohn der Devakī,

Wort für Wort
rahasyaṃ paramaṃ cātha
nun das höchste Geheimnis
vakṣye mokṣapradaṃ nṛṇām
werde ich verkünden, das den Menschen die Erlösung gewährt
dhyāyetsvahṛtsarasije
man meditiere im Lotus des eigenen Herzens
devakīnandanaṃ vibhum
über den allmächtigen Sohn der Devakī

śrīmatkundendugauraṃ sarasijanayanaṃ śaṅkhacakre gadābje bibhrāṇaṃ hastapadmairnavanalinalasanmālayādīpyamānam / vande vedyaṃ munīndraiḥ kaṇikamunilasaddivyabhūṣābhirāmaṃ divyāṅgālepabhāsaṃ sakalabhayaharaṃ pītavastraṃ nurārim

— hell wie Jasmin und Mond, mit lotusgleichen Augen, der mit seinen Lotushänden Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus trägt, erstrahlend durch einen frischen, leuchtenden Lotusblütenkranz. Ich verehre ihn, den von den besten Weisen zu Erkennenden, lieblich durch [seinen] leuchtenden göttlichen Schmuck, erstrahlend vom Glanz der göttlichen Körpersalbe, den alle Furcht Hinwegnehmenden, in gelbes Gewand [gekleideten], den Bezwinger [Narakas].

Wort für Wort
śrīmatkundendugauraṃ sarasijanayanaṃ
hell wie Jasmin und Mond, mit lotusgleichen Augen
śaṅkhacakre gadābje bibhrāṇaṃ hastapadmair
der mit seinen Lotushänden Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus trägt
navanalinalasanmālayādīpyamānam
erstrahlend durch einen frischen, leuchtenden Lotusblütenkranz
vande vedyaṃ munīndraiḥ
ich verehre ihn, den von den besten Weisen zu Erkennenden
kaṇikamunilasaddivyabhūṣābhirāmaṃ
lieblich durch [seinen] leuchtenden göttlichen Schmuck [?]
divyāṅgālepabhāsaṃ sakalabhayaharaṃ pītavastraṃ nurārim
erstrahlend vom Glanz der göttlichen Körpersalbe, den alle Furcht Hinwegnehmenden, in gelbes Gewand [gekleideten], den Bezwinger [Narakas] [?]

[?: „kaṇikamunilasaddivyabhūṣābhirāmaṃ“ ist als Kompositum unsicher; „kaṇika“ könnte für „kanaka“ (golden) oder eine ähnliche Lesart verderbt sein. „nurārim“ wurde probeweise als Kurzform von „narakāri“ (Bezwinger des Dämonen Naraka, ein gängiges Viṣṇu-Epitheton) gedeutet; beide Lesarten bleiben unsicher.]

evaṃ dhyātvā pumāṃsaṃ sphuṭahṛdayasarojāsanāsīnamādyaṃ sāṃdrāṃbhodācchabiṃbādbhutakanakanibhaṃ saṃjapedarkalakṣam / manvorekaṃ dvitārāntaritamathaḥ hunedarkasāhasramidhmaiḥ kṣīridrūttharyathoktaiḥ samadhughṛtasitenāthavā pāyasena

So meditierend über den uranfänglichen [höchsten] Puruṣa, der auf dem geöffneten Lotus des Herzens thront, [ihn als] von wunderbar goldener Farbe, gleich einer klaren, reinen Wolkenscheibe [des Vollmonds], murmle man hunderttausend Mal [den Mantra]. Danach opfere man mit dem einmal [ausgesprochenen], von zwei Praṇava-Silben eingehüllten Mantra zwölftausend Mal mit Brennhölzern milchhaltiger Bäume, wie vorgeschrieben, oder mit einer Mischung aus Honig und Ghee, mit Zuckerkandis, oder mit Milchreis.

Wort für Wort
evaṃ dhyātvā pumāṃsaṃ
so meditierend über den [höchsten] Puruṣa
sphuṭahṛdayasarojāsanāsīnamādyaṃ
den uranfänglichen, auf dem geöffneten Lotus des Herzens Thronenden
sāṃdrāṃbhodācchabiṃbādbhutakanakanibhaṃ
von wunderbar goldener Farbe, gleich einer klaren, reinen Wolkenscheibe
saṃjapedarkalakṣam
murmle man hunderttausend Mal
manvorekaṃ dvitārāntaritamathaḥ
danach [opfere man] mit dem einmal [ausgesprochenen], von zwei Praṇava-Silben eingehüllten Mantra [?]
hunedarkasāhasramidhmaiḥ kṣīridrūttharyathoktaiḥ
opfere man zwölftausend Mal mit Brennhölzern milchhaltiger Bäume, wie vorgeschrieben
samadhughṛtasitenāthavā pāyasena
oder mit einer Mischung aus Honig und Ghee, mit Zuckerkandis, oder mit Milchreis

[?: „manvorekaṃ dvitārāntaritam“ (wörtlich ‚eines der beiden Mantras, von zwei Sternsilben eingehüllt‘) ist syntaktisch verdichtet; als Anweisung gedeutet, den Mantra einmal, von zwei Praṇava-Silben umschlossen, zu rezitieren.]

evaṃ lokeśvarārādhyaṃ kṛṣṇaṃ svahṛdayāṃbuje / dhyāyannanudinaṃ mantrī trisahasraṃ japenmanum

So, den von den Herren der Welten verehrten Kṛṣṇa im Lotus des eigenen Herzens meditierend, murmle der Mantra-Kundige täglich dreitausend Mal den Mantra.

Wort für Wort
evaṃ lokeśvarārādhyaṃ kṛṣṇaṃ
so den von den Herren der Welten verehrten Kṛṣṇa
svahṛdayāṃbuje
im Lotus des eigenen Herzens
dhyāyannanudinaṃ mantrī
meditierend murmle der Mantra-Kundige täglich
trisahasraṃ japenmanum
dreitausend Mal den Mantra

sāyāhnoktena vidhinā saṃpūjya havanaṃ punaḥ / kṛtvā pūrvoktavidhinā mantrī tadgatamānasaḥ

Nachdem er nach der für den Abend genannten Vorschrift verehrt und wiederum das Feueropfer nach der zuvor genannten Vorschrift vollzogen hat, [verweile] der Mantra-Kundige mit seinem Sinn ganz auf ihn gerichtet.

Wort für Wort
sāyāhnoktena vidhinā saṃpūjya
nachdem er nach der für den Abend genannten Vorschrift verehrt hat
havanaṃ punaḥ
wiederum das Feueropfer
kṛtvā pūrvoktavidhinā
nachdem er nach der zuvor genannten Vorschrift vollzogen hat
mantrī tadgatamānasaḥ
[verweile] der Mantra-Kundige mit seinem Sinn ganz auf ihn gerichtet

evaṃ yo bhajate nityaṃ vidvān gopālanandanam / samuttīrya bhavāṃbhodhiṃ sa yāti paramaṃ padam

Wer so beständig, als Wissender, den Sohn Gopālas [d.h. Kṛṣṇa] verehrt, der überquert den Ozean des Daseins und geht zum höchsten Ort ein.

Wort für Wort
evaṃ yo bhajate nityaṃ
wer so beständig verehrt
vidvān gopālanandanam
als Wissender den Sohn Gopālas
samuttīrya bhavāṃbhodhiṃ
nachdem er den Ozean des Daseins überquert hat
sa yāti paramaṃ padam
geht er zum höchsten Ort ein

madhye keṇeṣu bāhyeṣvanalapurapuṭasyālikhetkarṇikāyāṃ kandarpaṃ sādhyayuktaṃ vivaragataṣaḍarṇadviṣaḥ keśareṣu / śaktiḥ śrīpūrvikāṇidvinavalipimanorakṣarāṇicchadānāṃ madhye varṇāndaśānto daśalipimanuvaryasya vaikaikaśo 'bjam

In der Mitte, an den Außenseiten des feurigen Dreiecks, zeichne man in dessen Fruchtknoten den [Bīja-Laut] Kandarpas zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden (Sādhya); in den Staubfäden [schreibe man] den in Zwischenräumen befindlichen sechssilbigen [Mantra] des Feindes [Kāmas, d.h. Śivas]. Die mit ‚Śrī‘ beginnende Kraftsilbe [schreibe man] inmitten der mit den Ziffern eins-zwei-neun bezifferten Schriftzeichen des Mantra auf den Blütenblättern; die mit ‚zehn‘ endenden Laute des zehnsilbigen Mantra [schreibe man] einzeln auf je ein Blütenblatt des Lotus.

Wort für Wort
madhye keṇeṣu bāhyeṣvanalapurapuṭasyālikhet
in der Mitte, an den Außenseiten des feurigen Dreiecks, zeichne man [?]
karṇikāyāṃ kandarpaṃ sādhyayuktaṃ
in dessen Fruchtknoten den [Bīja-Laut] Kandarpas, zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden
vivaragataṣaḍarṇadviṣaḥ keśareṣu
den in Zwischenräumen befindlichen sechssilbigen [Mantra] des Feindes, in den Staubfäden
śaktiḥ śrīpūrvikāṇidvinavalipimanorakṣarāṇicchadānāṃ madhye
die mit ‚Śrī‘ beginnende Kraftsilbe inmitten der mit den Ziffern eins-zwei-neun bezifferten Schriftzeichen des Mantra auf den Blütenblättern
varṇāndaśānto daśalipimanuvaryasya vaikaikaśo 'bjam
die mit ‚zehn‘ endenden Laute des zehnsilbigen Mantra einzeln auf je ein Blütenblatt des Lotus

[?: V.155–157 beschreiben in stark verdichteter, zahlensymbolischer Yantra-Fachsprache den Aufbau eines Gopāla-Yantra (vgl. das strukturell ähnliche Yantra in V.187ff.); zahlreiche Einzelausdrücke („keṇeṣu“, „vivaragataṣaḍarṇadviṣaḥ“, „aṇidvinavalipi“) sind nicht mit Sicherheit aufzulösen. Obige Übersetzung gibt die plausibelste Gesamtdeutung wieder.]

bhūsadmanābhivṛtamasragamanmathena gorocanāvilikhitaṃ tapanīyasūcyā / paṭṭe hiraṇyaracite gulikīkṛtaṃ tadgopālayantramakhilārthadametaduktam

[Dieses Diagramm,] umgeben von einer Umrandung aus Erdenwohnstätten [?] und mit einem Blumenkranz [geschmückt], von Kāmadeva [bewirkt], mit Gorocanā mittels einer goldenen Nadel gezeichnet, auf eine aus Gold gefertigte Platte [übertragen] und zu einer Kugel geformt – dies ist das ‚Gopāla-Yantra‘ genannt, das alle Ziele gewährt.

Wort für Wort
bhūsadmanābhivṛtamasragamanmathena
umgeben von einer Umrandung aus Erdenwohnstätten [?] und mit einem Blumenkranz, von Kāmadeva [bewirkt]
gorocanāvilikhitaṃ tapanīyasūcyā
mit Gorocanā mittels einer goldenen Nadel gezeichnet
paṭṭe hiraṇyaracite gulikīkṛtaṃ
auf eine aus Gold gefertigte Platte [übertragen] und zu einer Kugel geformt
tadgopālayantramakhilārthadametaduktam
dies ist das ‚Gopāla-Yantra‘ genannt, das alle Ziele gewährt

[?: „bhūsadmanābhivṛtam“ (‚umgeben von einer Umrandung aus Erdenwohnstätten‘) ist unsicher; möglicherweise Bezug auf die äußere Bhūpura-Umrandung des Yantra.]

saṃyātasiktamabhijaptamimaṃ mahadbhirdhāryaṃ jagattrayavaśīkaraṇaikadakṣam / rakṣāyaśaḥ sutamahīdhanadhānyalakṣmīsaubhāgyalipsubhirajasramanarghyavīryam

Dieses [Yantra], besprengt und mit Mantras geweiht, soll von den Großen getragen werden; einzig geschickt darin, die drei Welten zu bezaubern, von unschätzbarer Kraft, [soll es] beständig von denen getragen werden, die nach Schutz, Ruhm, Söhnen, Land, Reichtum, Getreide, Glücksgöttin und Wohlergehen verlangen.

Wort für Wort
saṃyātasiktamabhijaptamimaṃ
dieses, besprengt und mit Mantras geweiht
mahadbhirdhāryaṃ
soll von den Großen getragen werden
jagattrayavaśīkaraṇaikadakṣam
einzig geschickt darin, die drei Welten zu bezaubern
rakṣāyaśaḥ sutamahīdhanadhānyalakṣmīsaubhāgyalipsubhirajasramanarghyavīryam
von unschätzbarer Kraft, beständig von denen zu tragen, die nach Schutz, Ruhm, Söhnen, Land, Reichtum, Getreide, Lakṣmī und Wohlergehen verlangen

smarastrivikramākrāntaścākrīṣṭyāya hṛdityasau / ṣaḍakṣaro 'yaṃ saṃproktaḥ sarvasiddhikaro manuḥ

‚Smara‘ [die Keimsilbe Klīṃ], von der [Silbe] ‚Trivikrama‘ durchdrungen [?], ‚für das Spiel‘ [im Dativ], ‚im Herzen‘ – so [lautet] dieser sechssilbige, alle Siddhis bewirkende Mantra, wie er verkündet wird.

Wort für Wort
smarastrivikramākrāntaścākrīṣṭyāya
‚Smara‘, von ‚Trivikrama‘ durchdrungen [?], ‚für das Spiel‘ [im Dativ]
hṛdityasau
‚im Herzen‘ – so [lautet] dieser [Mantra]
ṣaḍakṣaro 'yaṃ saṃproktaḥ
dieser sechssilbige [Mantra] wird verkündet
sarvasiddhikaro manuḥ
der alle Siddhis bewirkende Mantra

[?: Die Mantroddhāra-Formel in V.158 ist stark verdichtet und lässt sich nicht mit Sicherheit zum vollständigen Wortlaut des sechssilbigen Mantra auflösen; insbesondere „trivikramākrāntaḥ“ bleibt unklar.]

kroḍaḥ śāntīnduvahnyāḍhyo māyā bīja prakīrtatam / govindavahnicandrāḍhyo manuḥ śrībījamīritam

‚Kroḍa‘, verbunden mit ‚Śānti‘, ‚Indu‘ [Mond] und ‚Vahni‘ [Feuer] – so wird die Māyā-Keimsilbe verkündet. ‚Govinda‘, verbunden mit ‚Vahni‘ und ‚Candra‘ – so wird der aus der Śrī-Keimsilbe [bestehende] Mantra genannt.

Wort für Wort
kroḍaḥ śāntīnduvahnyāḍhyo
‚Kroḍa‘, verbunden mit ‚Śānti‘, ‚Indu‘ und ‚Vahni‘
māyā bīja prakīrtatam
so wird die Māyā-Keimsilbe verkündet
govindavahnicandrāḍhyo
‚Govinda‘, verbunden mit ‚Vahni‘ und ‚Candra‘
manuḥ śrībījamīritam
so wird der aus der Śrī-Keimsilbe [bestehende] Mantra genannt

[?: V.159 kodiert nach der in der Mantra-Śāstra-Literatur üblichen Bīja-Kodierungstechnik vermutlich die Silben Hrīṃ (Māyā-Bīja) und Śrīṃ (Śrī-Bīja); die genaue phonetische Auflösung der Codewörter „kroḍa“, „śānti“, „vahni“ usw. zu einzelnen Lauten ist ohne das zugrundeliegende Schlüsselschema nicht mit Sicherheit möglich.]

ābhyāmaṣṭādaśaklipaḥ syādviṃśatyakṣaro manuḥ / śālagrāme maṇau yantre maṇḍale pratimāsu vā

Mit diesen beiden [Keimsilben] zusammen mit dem achtzehnsilbigen [Mantra] ergibt sich der zwanzigsilbige Mantra; [dieser sei verehrt] im Śālagrāma-Stein, im Juwel, im Diagramm, im [geometrischen] Kreis oder in [Götter-]Bildnissen.

Wort für Wort
ābhyāmaṣṭādaśaklipaḥ
mit diesen beiden [Keimsilben] zusammen mit dem achtzehnsilbigen [Mantra]
syādviṃśatyakṣaro manuḥ
ergibt sich der zwanzigsilbige Mantra
śālagrāme maṇau yantre
im Śālagrāma-Stein, im Juwel, im Diagramm
maṇḍale pratimāsu vā
im [geometrischen] Kreis oder in [Götter-]Bildnissen

nityaṃ pūjā hareḥ kāryā na tu kevalabhūtale / evaṃ yo bhajante kṛṣṇaṃ sa yāti paramāṃ gatim

Die tägliche Verehrung Haris ist zu vollziehen, nicht [nur] auf bloßem Erdboden. Wer Kṛṣṇa so verehrt, der geht zum höchsten Ziel ein.

Wort für Wort
nityaṃ pūjā hareḥ kāryā
die tägliche Verehrung Haris ist zu vollziehen
na tu kevalabhūtale
nicht [nur] auf bloßem Erdboden
evaṃ yo bhajante kṛṣṇaṃ
wer Kṛṣṇa so verehrt
sa yāti paramāṃ gatim
der geht zum höchsten Ziel ein

viṃśārṇasya munirbrahmā gāyatrī chanda īritam / kṛṣṇaśca devatā kāmo bījaṃ śaktirdviṭho budhaiḥ

Von diesem zwanzigsilbigen [Mantra] ist Brahmā der Seher, die Gāyatrī wird als Versmaß genannt, Kṛṣṇa die Gottheit, Kāma die Keimsilbe, [und] die Kraftsilbe wird von den Kundigen als die des ‚Feindes‘ bezeichnet.

Wort für Wort
viṃśārṇasya munirbrahmā
von diesem zwanzigsilbigen [Mantra] ist Brahmā der Seher
gāyatrī chanda īritam
die Gāyatrī wird als Versmaß genannt
kṛṣṇaśca devatā kāmo bījaṃ
Kṛṣṇa die Gottheit, Kāma die Keimsilbe
śaktirdviṭho budhaiḥ
die Kraftsilbe des ‚Feindes‘ [?], von den Kundigen [so bezeichnet]

[?: „śaktirdviṭho“ (‚die Kraftsilbe des Feindes‘) bleibt in der Zuordnung zu einer bestimmten Silbe unsicher.]

rāmāgnivedavedābdhernetrārṇairaṅgakalpanam / mūlena vyāpakaṃ kṛtvā manunā puṭitānatha

Mit den Silbenzahlen von Rāma, Feuer, Veda, [nochmals] Veda, Weltmeer und Auge gestalte man die [sechs] Glieder (Aṅgas); nachdem man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat, [setze man] die mit dem Wurzelmantra umhüllten [Silben ein],

Wort für Wort
rāmāgnivedavedābdhernetrārṇair
mit den Silbenzahlen von Rāma, Feuer, Veda, Veda, Weltmeer und Auge
aṅgakalpanam
gestalte man die Glieder
mūlena vyāpakaṃ kṛtvā
nachdem man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung] vollzogen hat
manunā puṭitānatha
[setze man] die mit dem Mantra umhüllten [Silben] danach ein

[?: Die Zahlwörter „rāma“ (3), „agni“ (3), „veda“ (4), „abdhi“ (4) und „netra“ (2) dienen vermutlich der zahlensymbolischen Angabe der Silbenzahlen der sechs Aṅga-Mantras; die genaue Zuordnung bleibt unsicher.]

mātṛkārṇānnyasettattatsthāneṣu susamāhitaḥ / daśatattvāni vinyasya mūlena vyāpakaṃ caret

— setze man die Mātṛkā-Laute mit gesammeltem Geist an den jeweiligen Orten ein; nachdem man die zehn Wesensprinzipien eingesetzt hat, vollziehe man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung].

Wort für Wort
mātṛkārṇānnyasettattatsthāneṣu
setze man die Mātṛkā-Laute an den jeweiligen Orten ein
susamāhitaḥ
mit gesammeltem Geist
daśatattvāni vinyasya
nachdem man die zehn Wesensprinzipien eingesetzt hat
mūlena vyāpakaṃ caret
vollziehe man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung]

mantranyāsaṃ tataḥ kuryāddevatābhāvasiddhaye / śīrṣe lalāṭe bhrūmadhye netrayoḥ karṇayostathā

Danach vollziehe man die Mantra-Einsetzung zur Erlangung des Gottheit-Zustandes: am Scheitel, an der Stirn, zwischen den Augenbrauen, an beiden Augen und ebenso an beiden Ohren,

Wort für Wort
mantranyāsaṃ tataḥ kuryāt
danach vollziehe man die Mantra-Einsetzung
devatābhāvasiddhaye
zur Erlangung des Gottheit-Zustandes
śīrṣe lalāṭe bhrūmadhye
am Scheitel, an der Stirn, zwischen den Augenbrauen
netrayoḥ karṇayostathā
an beiden Augen und ebenso an beiden Ohren

nasorvakre ca cibuke kaṇṭhe dormūlake hṛdi / udare nābhideśe ca liṅge mūlasaroruhe

— an beiden Nasenflügeln, am Mund, am Kinn, am Hals, an der Schulterwurzel, am Herzen, am Bauch, am Nabelbereich, am Geschlechtsorgan und an der ‚Wurzel-Lotus‘ [dem Mūlādhāra],

Wort für Wort
nasorvakre ca cibuke
an beiden Nasenflügeln, am Mund, am Kinn
kaṇṭhe dormūlake hṛdi
am Hals, an der Schulterwurzel, am Herzen
udare nābhideśe ca
am Bauch, am Nabelbereich
liṅge mūlasaroruhe
am Geschlechtsorgan, an der ‚Wurzel-Lotus‘

kaṭyāṃ jānvorjaṅghayośca gulphayoḥ pādayoḥ kramāt / nyaseddhṛdantānmantrāṇāṃ sṛṣṭinyāso 'yamīritaḥ

— an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln, an beiden Fußknöcheln und an den Füßen setze man der Reihe nach die mit ‚Herz‘ endenden Mantra-[Laute] ein. Dies wird die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ (Sṛṣṭinyāsa) genannt.

Wort für Wort
kaṭyāṃ jānvorjaṅghayośca
an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln
gulphayoḥ pādayoḥ kramāt
an beiden Fußknöcheln und an den Füßen, der Reihe nach
nyaseddhṛdantānmantrāṇāṃ
setze man die mit ‚Herz‘ endenden Mantra-Laute ein
sṛṣṭinyāso 'yamīritaḥ
dies wird die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt

hṛdaye codare nābhau liṅge mūlasaroruhe / kaṭyāṃ jānvorjaṅghayośca gulphayoḥ pādayostathā

Am Herzen, am Bauch, am Nabel, am Geschlechtsorgan, an der ‚Wurzel-Lotus‘, an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln und ebenso an beiden Fußknöcheln und Füßen —

Wort für Wort
hṛdaye codare nābhau
am Herzen, am Bauch, am Nabel
liṅge mūlasaroruhe
am Geschlechtsorgan, an der ‚Wurzel-Lotus‘
kaṭyāṃ jānvorjaṅghayośca
an der Hüfte, an beiden Knien, an beiden Unterschenkeln
gulphayoḥ pādayostathā
und ebenso an beiden Fußknöcheln und Füßen

mūrdhni kapole bhrūmadhye netrayoḥ karṇayornasoḥ / vadane cibuke kaṇṭhe dormūle vinyasetkramāt

— am Scheitel, an der Wange, zwischen den Augenbrauen, an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase, am Mund, am Kinn, am Hals und an der Schulterwurzel setze man der Reihe nach ein

Wort für Wort
mūrdhni kapole bhrūmadhye
am Scheitel, an der Wange, zwischen den Augenbrauen
netrayoḥ karṇayornasoḥ
an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase
vadane cibuke kaṇṭhe
am Mund, am Kinn, am Hals
dormūle vinyasetkramāt
an der Schulterwurzel setze man der Reihe nach ein

namotānmantravarṇāṃśca sthitinyāso 'yamīritaḥ / pādayorgulphayoścaiva jaṅghayorjānunostathā

— die auf ‚namaḥ‘ endenden Mantra-Laute. Dies wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ (Sthitinyāsa) genannt. An den Füßen, an beiden Fußknöcheln, an beiden Unterschenkeln und ebenso an beiden Knien —

Wort für Wort
namotānmantravarṇāṃśca
die auf ‚namaḥ‘ endenden Mantra-Laute
sthitinyāso 'yamīritaḥ
dies wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ genannt
pādayorgulphayoścaiva
an den Füßen, an beiden Fußknöcheln
jaṅghayorjānunostathā
an beiden Unterschenkeln und ebenso an beiden Knien

kaṭyāṃ mūle dhvaje nābhau jaṭhare hṛdaye punaḥ / dormūle kaṇṭhadeśe ca cibuke vadane nasoḥ

— an der Hüfte, an der Wurzel [Mūlādhāra], am Geschlechtsglied, am Nabel, am Bauch, wiederum am Herzen, an der Schulterwurzel, am Halsbereich, am Kinn, am Mund, an der Nase,

Wort für Wort
kaṭyāṃ mūle dhvaje nābhau
an der Hüfte, an der Wurzel, am Geschlechtsglied, am Nabel
jaṭhare hṛdaye punaḥ
am Bauch, wiederum am Herzen
dormūle kaṇṭhadeśe ca
an der Schulterwurzel, am Halsbereich
cibuke vadane nasoḥ
am Kinn, am Mund, an der Nase

karṇayornetrayoścaiva bhrūmadhye niṭile tathā / mūrdhni nyasenmantravarṇānsaṃhārākhyo 'yamīritaḥ

— an beiden Ohren, ebenso an beiden Augen, zwischen den Augenbrauen, an der Stirn und am Scheitel setze man die Mantra-Laute ein [in umgekehrter Richtung]. Dies wird die ‚Auflösungs-Einsetzung‘ (Saṃhāranyāsa) genannt.

Wort für Wort
karṇayornetrayoścaiva
an beiden Ohren, ebenso an beiden Augen
bhrūmadhye niṭile tathā
zwischen den Augenbrauen und an der Stirn
mūrdhni nyasenmantravarṇān
am Scheitel setze man die Mantra-Laute ein
saṃhārākhyo 'yamīritaḥ
dies wird die ‚Auflösungs-Einsetzung‘ genannt

punaḥ sṛṣṭisthitinyāsau vidhāya vaiṣṇavottamaḥ / mūrtipañjaranāmānaṃ vinyasetpūrvavattataḥ

Nachdem der beste der Vaiṣṇavas wiederum die Schöpfungs- und Erhaltungs-Einsetzung vollzogen hat, setze er danach wie zuvor die ‚Gestalt-Käfig‘-Einsetzung ein.

Wort für Wort
punaḥ sṛṣṭisthitinyāsau
wiederum die Schöpfungs- und Erhaltungs-Einsetzung
vidhāya vaiṣṇavottamaḥ
nachdem der beste der Vaiṣṇavas vollzogen hat
mūrtipañjaranāmānaṃ
die ‚Gestalt-Käfig‘-Einsetzung
vinyasetpūrvavattataḥ
setze er danach wie zuvor ein

punaḥ ṣaḍaṅgaṃ kṛtvātha dhyāyetkṛṣṇaṃ hṛdaṃbuje / dvāravatyāṃ sahasrārkabhāsvarairbhavanottamaiḥ

Nachdem man wiederum die sechs Glieder (Ṣaḍaṅga) vollzogen hat, meditiere man Kṛṣṇa im Lotus des Herzens, in Dvāravatī, [einer Stadt] mit vorzüglichen Palästen, strahlend wie tausend Sonnen,

Wort für Wort
punaḥ ṣaḍaṅgaṃ kṛtvātha
nachdem man wiederum die sechs Glieder vollzogen hat
dhyāyetkṛṣṇaṃ hṛdaṃbuje
meditiere man Kṛṣṇa im Lotus des Herzens
dvāravatyāṃ
in Dvāravatī
sahasrārkabhāsvarairbhavanottamaiḥ
mit vorzüglichen, wie tausend Sonnen strahlenden Palästen

analpaiḥ kalpavṛkṣaiśca parīte maṇimaṇḍape / jvaladratna mayastaṃbhadvāratoraṇakuḍyake

— umgeben von zahlreichen Wunschbäumen, in einem Juwelenpavillon mit Säulen, Türen, Bogentoren und Wänden aus glühenden Edelsteinen,

Wort für Wort
analpaiḥ kalpavṛkṣaiśca parīte
umgeben von zahlreichen Wunschbäumen
maṇimaṇḍape
in einem Juwelenpavillon
jvaladratnamayastaṃbha
mit Säulen aus glühenden Edelsteinen
dvāratoraṇakuḍyake
mit Türen, Bogentoren und Wänden [ebenso]

phullapraphullasañcitravitānālaṃbimauktike / padmarāgasthalīrājadratnasaṃghaiśca madhyataḥ

— mit einem Baldachin, geschmückt mit an Perlenschnüren hängenden, voll erblühten Blüten, inmitten eines Bodens aus Rubinen und funkelnden Edelsteinscharen,

Wort für Wort
phullapraphullasañcitravitānālaṃbimauktike
mit einem Baldachin, geschmückt mit an Perlenschnüren hängenden, voll erblühten Blüten
padmarāgasthalī
auf einem Boden aus Rubinen
rājadratnasaṃghaiśca
und funkelnden Edelsteinscharen
madhyataḥ
inmitten

anāratagaladratnadhārāḍhyasvastastaroradhaḥ / ratnapradīpāvalibhiḥ pradīpitadigantare

— unter einem Wunschbaum, reich an unaufhörlich herabströmenden Juwelenbächen, [in einer Halle,] deren Himmelsrand von Reihen juwelenbesetzter Lampen erhellt ist,

Wort für Wort
anāratagaladratnadhārāḍhyasvastastaroradhaḥ
unter einem Wunschbaum, reich an unaufhörlich herabströmenden Juwelenbächen
ratnapradīpāvalibhiḥ
von Reihen juwelenbesetzter Lampen
pradīpitadigantare
erhellt an ihrem Himmelsrand

udyadādityasaṃkāśamaṇisiṃhāsanāṃbuje / samāsīno 'cyuto dhyeyo drutahāṭakasannibhaḥ

— [dort] sitzend auf einem juwelenbesetzten Löwenthron in Lotusform, der dem Glanz der aufgehenden Sonne gleicht: [so] ist der Unvergängliche zu meditieren, wie geschmolzenes Gold anzuschauen,

Wort für Wort
udyadādityasaṃkāśamaṇisiṃhāsanāṃbuje
auf einem juwelenbesetzten Löwenthron in Lotusform, der dem Glanz der aufgehenden Sonne gleicht
samāsīno 'cyuto dhyeyo
dort sitzend, ist der Unvergängliche zu meditieren
drutahāṭakasannibhaḥ
wie geschmolzenes Gold anzuschauen

samānoditacandrārkataḍitkoṭisamadyutiḥ / sarvāṅgasuṃdaraḥ saumyaḥ sarvābharaṇabhūṣitaḥ

— von einem Glanz gleich dem gemeinsam aufgehenden Mond, Sonne und Millionen von Blitzen, an allen Gliedern schön, sanftmütig, mit allem Schmuck geziert,

Wort für Wort
samānoditacandrārkataḍitkoṭisamadyutiḥ
von einem Glanz gleich dem gemeinsam aufgehenden Mond, Sonne und Millionen von Blitzen
sarvāṅgasuṃdaraḥ saumyaḥ
an allen Gliedern schön, sanftmütig
sarvābharaṇabhūṣitaḥ
mit allem Schmuck geziert

pītavāsāḥ śaṅkhacakragadāṃbhojalasatkaraḥ / anāhatocchaladratnadhāraughakalaśaṃ spṛśan

— in gelbes Gewand [gekleidet], dessen Hände von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlen, der einen Krug berührt, aus dem ununterbrochen ein Strom von Juwelen emporquillt,

Wort für Wort
pītavāsāḥ
in gelbes Gewand gekleidet
śaṅkhacakragadāṃbhojalasatkaraḥ
dessen Hände von Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus erstrahlen
anāhatocchaladratnadhāraughakalaśaṃ
einen Krug, aus dem ununterbrochen ein Strom von Juwelen emporquillt
spṛśan
berührend

vāmapādāṃbujāgreṇa muṣṇatā pallavacchavim / rukmiṇīsatyabhāme 'sya mūrdhni ratnaughadhārayā

— dessen linke Lotusfuß-Spitze den Glanz zarter Sprossen übertrifft; an seinem Haupt [stehen] Rukmiṇī und Satyabhāmā mit einem Strom von Juwelenfluten,

Wort für Wort
vāmapādāṃbujāgreṇa
mit der Spitze des linken Lotusfußes
muṣṇatā pallavacchavim
der den Glanz zarter Sprossen übertrifft
rukmiṇīsatyabhāme 'sya mūrdhni
Rukmiṇī und Satyabhāmā an seinem Haupt
ratnaughadhārayā
mit einem Strom von Juwelenfluten

siṃcantyau dakṣavāmasthe svadosthakalaśotthayā / nāgnajitī sunandā ca diśantyau kalaśau tayoḥ

— die beiden, zur Rechten und zur Linken stehend, ihn besprengend mit [Wasser,] das aus dem in ihren Armen gehaltenen Krug hervorquillt; Nāgnajitī und Sunandā reichen jenen beiden ihre Krüge dar,

Wort für Wort
siṃcantyau dakṣavāmasthe
die beiden, zur Rechten und zur Linken stehend, besprengend
svadosthakalaśotthayā
mit dem aus dem in ihren Armen gehaltenen Krug hervorquellenden [Wasser]
nāgnajitī sunandā ca
Nāgnajitī und Sunandā
diśantyau kalaśau tayoḥ
reichen jenen beiden ihre Krüge dar

tābhyāṃ ca dakṣavāmasthamitravindāsulakṣmaṇe / ratnanadyāḥ samuddhṛtya ratnapūrṇauṃ ghaṭau tayoḥ

— und Mitravindā und Sulakṣmaṇā, zur Rechten und zur Linken jener beiden [stehend], reichen ihnen, nachdem sie [Wasser] aus dem Juwelenstrom geschöpft haben, deren mit Juwelen gefüllte Krüge,

Wort für Wort
tābhyāṃ ca dakṣavāmasthamitravindāsulakṣmaṇe
und Mitravindā und Sulakṣmaṇā, zur Rechten und zur Linken jener beiden
ratnanadyāḥ samuddhṛtya
nachdem sie [Wasser] aus dem Juwelenstrom geschöpft haben
ratnapūrṇauṃ ghaṭau tayoḥ
reichen ihnen deren mit Juwelen gefüllte Krüge

jāṃbavatī suśīlā ca diśantyau dakṣavāmake / bahiḥ ṣoḍaśa sāhasrasaṃkhyākāḥ paritaḥ priyāḥ

— und Jāmbavatī und Suśīlā reichen [sie] zur Rechten und zur Linken; außerhalb [der acht Hauptgemahlinnen mögen] die sechzehntausend an Zahl [gezählten] Geliebten ringsum [visualisiert werden],

Wort für Wort
jāṃbavatī suśīlā ca
und Jāmbavatī und Suśīlā
diśantyau dakṣavāmake
reichen [sie] zur Rechten und zur Linken
bahiḥ ṣoḍaśa sāhasrasaṃkhyākāḥ
außerhalb, in der Zahl von sechzehntausend
paritaḥ priyāḥ
ringsum die Geliebten

dhyeyāḥ kanakaratnaughadhārāyukkalaśojvalāḥ / tadbahiścāṣṭanidhāyaḥ pūrayanto dhanairdharām

— zu meditieren, strahlend mit Krügen, aus denen Ströme von Gold und Juwelen fließen; außerhalb davon die acht Schätze (Nidhis), die die Erde mit Reichtümern erfüllen,

Wort für Wort
dhyeyāḥ kanakaratnaughadhārāyukkalaśojvalāḥ
zu meditieren, strahlend mit Krügen, aus denen Ströme von Gold und Juwelen fließen
tadbahiścāṣṭanidhāyaḥ
außerhalb davon die acht Schätze
pūrayanto dhanairdharām
die die Erde mit Reichtümern erfüllen

tadbahirvṛṣṇayaḥ sarve purovacca svarādayaḥ / evaṃ dhyātvā japellakṣapañcakaṃ taddaśāṃśataḥ

— außerhalb davon alle Vṛṣṇis, und wie zuvor [die Waffen-Gottheiten] und die übrigen. So meditierend murmle man fünfmal hunderttausend [Mal den Mantra], und den zehnten Teil davon [als Feueropfer].

Wort für Wort
tadbahirvṛṣṇayaḥ sarve
außerhalb davon alle Vṛṣṇis
purovacca svarādayaḥ
und wie zuvor [die Waffen-Gottheiten] und die übrigen
evaṃ dhyātvā japellakṣapañcakaṃ
so meditierend murmle man fünfmal hunderttausend Mal
taddaśāṃśataḥ
und den zehnten Teil davon [als Feueropfer]

aruṇaiḥ kamalairhutvā pīṭhe pūrvodite yajet / vilipya gandhapaṅkena likhedaṣṭadalāṃbujam

Nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat, verehre man auf dem zuvor genannten Sitz; nachdem man [den Boden] mit Sandelpaste bestrichen hat, zeichne man einen achtblättrigen Lotus,

Wort für Wort
aruṇaiḥ kamalairhutvā
nachdem man mit rötlichen Lotusblüten geopfert hat
pīṭhe pūrvodite yajet
verehre man auf dem zuvor genannten Sitz
vilipya gandhapaṅkena
nachdem man mit Sandelpaste bestrichen hat
likhedaṣṭadalāṃbujam
zeichne man einen achtblättrigen Lotus

karṇikāyāṃ ca ṣaṭkoṇaṃ sasādhyaṃ tatra manmatham / śiṣṭaistu saptadaśabhirakṣarairveṣṭayetsvaram

— und im Fruchtknoten ein Sechseck; darin [schreibe man] Manmatha [Kāma] zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden; mit den übrigen siebzehn Lauten umgebe man den Vokal [?],

Wort für Wort
karṇikāyāṃ ca ṣaṭkoṇaṃ
und im Fruchtknoten ein Sechseck
sasādhyaṃ tatra manmatham
darin Manmatha zusammen mit dem Namen des zu Bezaubernden
śiṣṭaistu saptadaśabhirakṣarair
mit den übrigen siebzehn Lauten
veṣṭayetsvaram
umgebe man den Vokal [?]

[?: „śiṣṭaistu saptadaśabhirakṣarairveṣṭayetsvaram“ ist syntaktisch unsicher; „svaram“ (den Vokal/Laut) könnte sich auf einen zentralen Bīja-Laut beziehen, den man mit den übrigen 17 Lauten des Alphabets umgibt.]

prāgrakṣo 'nilakoṇeṣu śriyaṃ śiṣṭeṣu saṃvidam / ṣaṭsu saṃdhiṣu ṣaṭkarṇe kesareṣu triśastriśaḥ

— im Osten [schreibe man] die Schutzformel, in den Vāyu-Winkeln ‚Śrī‘, in den übrigen [Winkeln] ‚Saṃvid‘ [Bewusstsein]; an den sechs Verbindungsstellen [schreibe man] ‚Ṣaṭkarṇa‘ [?], in den Staubfäden [je] dreimal drei [Mal],

Wort für Wort
prāgrakṣo 'nilakoṇeṣu śriyaṃ
im Osten die Schutzformel, in den Vāyu-Winkeln ‚Śrī‘
śiṣṭeṣu saṃvidam
in den übrigen [Winkeln] ‚Saṃvid‘
ṣaṭsu saṃdhiṣu ṣaṭkarṇe
an den sechs Verbindungsstellen ‚Ṣaṭkarṇa‘ [?]
kesareṣu triśastriśaḥ
in den Staubfäden je dreimal drei Mal

[?: „ṣaṭkarṇe“ (‚am Sechsohr‘) ist als technischer Ausdruck für eine bestimmte Stelle oder Formel des Yantra nicht sicher aufzulösen.]

vilikhetsmaragāyatrīṃ mālāmantraṃ dalāṣṭake / ṣaṭūṣaḥ saṃlikhya tadbāhye veṣṭayenmātṛkākṣaraiḥ

— man zeichne die Smara-Gāyatrī [den Kāma-Gāyatrī-Mantra] als Kranz-Mantra auf den acht Blütenblättern; nachdem man die Ṣaṭūṣas [?] aufgezeichnet hat, umgebe man dies außen mit den Mātṛkā-Lauten.

Wort für Wort
vilikhetsmaragāyatrīṃ mālāmantraṃ dalāṣṭake
man zeichne die Smara-Gāyatrī als Kranz-Mantra auf den acht Blütenblättern
ṣaṭūṣaḥ saṃlikhya
nachdem man die Ṣaṭūṣas [?] aufgezeichnet hat
tadbāhye veṣṭayenmātṛkākṣaraiḥ
umgebe man dies außen mit den Mātṛkā-Lauten

[?: „ṣaṭūṣaḥ“ bleibt unklar; möglicherweise Bezug auf die sechs Jahreszeiten oder eine sechsteilige Formel.]

bhūbiṃbaṃ ca likhedbāhye śrīmāyādigvidikṣvapi / bhūgrahaṃ caturasraṃ syādaṣṭavajravibhūṣitam

— und außen zeichne man den Erd-Kreis; ‚Śrī‘ und ‚Māyā‘ [schreibe man] in den Haupt- und Zwischenrichtungen; der Erd-Bereich sei viereckig, geschmückt mit acht Vajra-[Zeichen].

Wort für Wort
bhūbiṃbaṃ ca likhedbāhye
und außen zeichne man den Erd-Kreis
śrīmāyādigvidikṣvapi
‚Śrī‘ und ‚Māyā‘ in den Haupt- und Zwischenrichtungen
bhūgrahaṃ caturasraṃ syāt
der Erd-Bereich sei viereckig
aṣṭavajravibhūṣitam
geschmückt mit acht Vajra-Zeichen

etadyantraṃ hāṭakādipaṭṭeṣvālikhya pūrvavat / saṃskṛtaṃ dhārayedyo vai sor'cyate tridaśairapi

Wer dieses Diagramm auf eine Goldplatte oder dergleichen wie zuvor gezeichnet und geweiht trägt, der wird sogar von den [dreißig] Göttern verehrt.

Wort für Wort
etadyantraṃ hāṭakādipaṭṭeṣvālikhya pūrvavat
wer dieses Diagramm auf eine Goldplatte oder dergleichen wie zuvor gezeichnet
saṃskṛtaṃ dhārayedyo vai
und geweiht trägt
sor'cyate tridaśairapi
der wird sogar von den Göttern verehrt

syādgāyatrī vāmadevapuṣpabāṇau tu ṅeṃtimau / vidmahedhīmahiyutau tanno 'naṅgaḥ pracodayāt

So lautet die Gāyatrī: ‚Vāmadeva‘ [d.h. Kāmadeva] und ‚Puṣpabāṇa‘, beide im Dativ, verbunden mit ‚vidmahe‘ und ‚dhīmahi‘: ‚Das möge der Körperlose [Anaṅga, Kāma] uns antreiben‘.

Wort für Wort
syādgāyatrī
so lautet die Gāyatrī
vāmadevapuṣpabāṇau tu ṅeṃtimau
‚Vāmadeva‘ [Kāmadeva] und ‚Puṣpabāṇa‘, beide im Dativ
vidmahedhīmahiyutau
verbunden mit ‚vidmahe‘ und ‚dhīmahi‘
tanno 'naṅgaḥ pracodayāt
das möge der Körperlose uns antreiben

[Anm.: Der Vers gibt in der üblichen Mantroddhāra-Form den bekannten Kāmadeva-Gāyatrī-Mantra „kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi tanno 'naṅgaḥ pracodayāt“ wieder.]

japyā japādau gopālamanūnāṃ janarañjanī / hṛdayaṃ kāmadevāya ṅeṃtaṃ sarvajanapriyam

Zu Beginn des Murmelns ist die die Menschen erfreuende [Formel] der Gopāla-Mantras zu murmeln; ‚hṛdayam‘ [Herz], [dann] ‚Kāmadevāya‘ im Dativ, [als] die allen Menschen liebe [Formel].

Wort für Wort
japyā japādau
zu Beginn des Murmelns ist zu murmeln
gopālamanūnāṃ janarañjanī
die die Menschen erfreuende [Formel] der Gopāla-Mantras
hṛdayaṃ kāmadevāya ṅeṃtaṃ
‚hṛdayam‘, [dann] ‚Kāmadevāya‘ im Dativ
sarvajanapriyam
die allen Menschen liebe [Formel]

uktvā sarvajanānte tu saṃmohanapadaṃ tathā / jvala jvala prajvaleti procya sarvajanasya ca

Nachdem man [dies] gesagt hat, [füge man] am Ende das Wort ‚sarvajana‘ [alle Menschen] hinzu, sowie das Wort ‚Saṃmohana‘ [Betörung]; nachdem man ‚jvala jvala prajvala‘ [entflamme, entflamme, entbrenne] gesprochen hat, und wiederum das Wort ‚sarvajanasya‘ [aller Menschen],

Wort für Wort
uktvā sarvajanānte tu
nachdem man [dies] gesagt hat, am Ende [füge man] ‚sarvajana‘ hinzu
saṃmohanapadaṃ tathā
und das Wort ‚Saṃmohana‘
jvala jvala prajvaleti procya
nachdem man ‚jvala jvala prajvala‘ gesprochen hat
sarvajanasya ca
und [wiederum] ‚aller Menschen‘

hṛdayaṃ mama ca brūyādvaśaṅkuruyugaṃ śiraḥ / prokto madanamantro 'ṣṭacatvāriṃśadbhirakṣaraiḥ

— spreche man ‚hṛdayam‘ [Herz] und ‚mama‘ [mein]; [dann] zweimal ‚vaśaṃ kuru‘ [mache untertan], [und] ‚śiraḥ‘ [Haupt]. So wird der Liebesmantra (Madana-Mantra) mit achtundvierzig Silben verkündet.

Wort für Wort
hṛdayaṃ mama ca brūyāt
spreche man ‚hṛdayam‘ und ‚mama‘
vaśaṅkuruyugaṃ śiraḥ
zweimal ‚vaśaṃ kuru‘, [und] ‚śiraḥ‘
prokto madanamantro
so wird der Liebesmantra verkündet
'ṣṭacatvāriṃśadbhirakṣaraiḥ
mit achtundvierzig Silben

japādau smarabījādyo jagattrayavaśīkaraḥ / pīṭha prāgvatsamabhyarcya mūrti saṃkalpya mūlataḥ

Zu Beginn des Murmelns [stehe] die Keimsilbe Smaras [Kāma]: dieser [Mantra] unterwirft die drei Welten. Nachdem man den Sitz wie zuvor verehrt hat, stelle man sich, vom Wurzelmantra ausgehend, die [göttliche] Gestalt vor,

Wort für Wort
japādau smarabījādyo
zu Beginn des Murmelns [stehe] die Keimsilbe Smaras
jagattrayavaśīkaraḥ
dieser [Mantra] unterwirft die drei Welten
pīṭha prāgvatsamabhyarcya
nachdem man den Sitz wie zuvor verehrt hat
mūrti saṃkalpya mūlataḥ
stelle man sich, vom Wurzelmantra ausgehend, die Gestalt vor

tatrāvāhyācyutaṃ bhaktyā sakalīkṛtya pūjayet / āsanādivibhūṣāntaṃ punarnyāsakramādyajet

— und dorthin rufe man mit Hingabe den Unvergänglichen herbei; nachdem man ihn ‚mit allen Gliedern versehen‘ gemacht hat, verehre man ihn vom Sitz-Anbieten bis zum Schmücken; wiederum verehre man gemäß der Reihenfolge der Einsetzungen,

Wort für Wort
tatrāvāhyācyutaṃ bhaktyā
und dorthin rufe man mit Hingabe den Unvergänglichen herbei
sakalīkṛtya pūjayet
nachdem man ihn ‚mit allen Gliedern versehen‘ gemacht hat, verehre man ihn
āsanādivibhūṣāntaṃ
vom Sitz-Anbieten bis zum Schmücken
punarnyāsakramādyajet
wiederum verehre man gemäß der Reihenfolge der Einsetzungen

sṛṣṭiṃ sthitiṃ ṣaḍaṅgaṃ ca kirīṭaṃ kuṇḍaladvayam / śaṅkhaṃ cakraṃ gadāṃ padmaṃ mālāṃ śrīvatsakaustubhau

— die Schöpfungs- und Erhaltungs-[Einsetzung], die sechs Glieder, die Krone, das Ohrringpaar, Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus, den Blumenkranz sowie Śrīvatsa und Kaustubha,

Wort für Wort
sṛṣṭiṃ sthitiṃ ṣaḍaṅgaṃ ca
die Schöpfungs- und Erhaltungs-[Einsetzung], die sechs Glieder
kirīṭaṃ kuṇḍaladvayam
die Krone, das Ohrringpaar
śaṅkhaṃ cakraṃ gadāṃ padmaṃ
Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus
mālāṃ śrīvatsakaustubhau
den Blumenkranz sowie Śrīvatsa und Kaustubha

gandhapuṣpaiḥ samabhyarcya mūlena vaiṣṇavottamaḥ / ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni digdaleṣu kramādyajet

— indem der beste der Vaiṣṇavas mit Sandelpaste und Blüten sowie mit dem Wurzelmantra verehrt, verehre er der Reihe nach die sechs Glieder in den Winkeln des Sechsecks und [die übrigen Gottheiten] auf den Blütenblättern der Himmelsrichtungen.

Wort für Wort
gandhapuṣpaiḥ samabhyarcya mūlena
mit Sandelpaste und Blüten sowie mit dem Wurzelmantra verehrend
vaiṣṇavottamaḥ
der beste der Vaiṣṇavas
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni
die sechs Glieder in den Winkeln des Sechsecks
digdaleṣu kramādyajet
verehre er der Reihe nach auf den Blütenblättern der Himmelsrichtungen

vāsudevādikānkoṇeṣu tu śāntyādikāṃstataḥ / patrāgragā mahiṣyo 'ṣṭau yajetsādhakasattamaḥ

— die mit Vāsudeva beginnenden [Gottheiten verehre man] in den Winkeln, die mit Śānti beginnenden [Śaktis] danach; an den Blattspitzen verehre der beste der Übenden die acht Gemahlinnen,

Wort für Wort
vāsudevādikānkoṇeṣu tu
die mit Vāsudeva beginnenden [Gottheiten] in den Winkeln aber
śāntyādikāṃstataḥ
die mit Śānti beginnenden [Śaktis] danach
patrāgragā mahiṣyo 'ṣṭau
die acht Gemahlinnen an den Blattspitzen
yajetsādhakasattamaḥ
verehre der beste der Übenden

tataḥ ṣoḍaśasāhasraṃ sakṛdevārcayetpriyāḥ / indranīlamukundāṃśca karālānandakacchapān

— danach verehre man mit einem Mal die sechzehntausend Geliebten; [ferner] Indranīla, Mukunda, Karāla, Ānanda [und] die Schildkröte [Kacchapa],

Wort für Wort
tataḥ ṣoḍaśasāhasraṃ
danach die sechzehntausend
sakṛdevārcayetpriyāḥ
verehre man mit einem Mal die Geliebten
indranīlamukundāṃśca
Indranīla und Mukunda
karālānandakacchapān
Karāla, Ānanda und die Schildkröte

śaṅkhapadmau tataḥ padmānnidhīnaṣṭau kramādyajet / tadbahirlokapālāṃśca vajrādyānapi pūjayet

— Śaṅkha und Padma, danach die [vollständigen] acht Schätze der Reihe nach; außerhalb davon verehre man auch die Weltenhüter mit dem Vajra und den übrigen [Waffen].

Wort für Wort
śaṅkhapadmau tataḥ
Śaṅkha und Padma, danach
padmānnidhīnaṣṭau kramādyajet
die acht Schätze der Reihe nach verehre man
tadbahirlokapālāṃśca
außerhalb davon auch die Weltenhüter
vajrādyānapi pūjayet
mit dem Vajra und den übrigen [Waffen] verehre man

evaṃ saptāvṛttivṛtaṃ kṛṣṇamabhyarcya cādarāt / prīṇayeddadhikhaṇḍājyamiśreṇa tu payoṃ'dhasā

Nachdem man Kṛṣṇa so mit sieben Verehrungsrunden ehrfürchtig verehrt hat, erfreue man ihn mit einer Mischung aus Quark, Zuckerkandis, Ghee und darunter [gemischter] Milch [als Opferspeise].

Wort für Wort
evaṃ saptāvṛttivṛtaṃ
so mit sieben Verehrungsrunden umgeben
kṛṣṇamabhyarcya cādarāt
nachdem man Kṛṣṇa ehrfürchtig verehrt hat
prīṇayeddadhikhaṇḍājyamiśreṇa
erfreue man ihn mit einer Mischung aus Quark, Zuckerkandis und Ghee
tu payoṃ'dhasā
und darunter [gemischter] Milch

divyopacāraṃ datvātha stutvā natvā ca keśavam / udvāsayetsvahṛdaye parivāragaṇaiḥ saha

Nachdem man göttliche Verehrungsgaben dargebracht, Keśava gepriesen und sich verneigt hat, entlasse man ihn samt seinem ganzen Gefolge in das eigene Herz,

Wort für Wort
divyopacāraṃ datvātha
nachdem man göttliche Verehrungsgaben dargebracht hat
stutvā natvā ca keśavam
Keśava gepriesen und sich verneigt hat
udvāsayetsvahṛdaye
entlasse man ihn in das eigene Herz
parivāragaṇaiḥ saha
samt seinem ganzen Gefolge

nyasyātmānaṃ samabhyarcya tanmayo viharetsudhīḥ / ratnābhiṣekadhyānejyā viṃśatyarṇāśrite ritā

— und nachdem man ihn eingesetzt hat, verehre man sich selbst; mit ihm eins geworden, wandle der Kluge. Die Weihe mit Juwelen, die Meditation und die Verehrung, wie sie hier für den auf dem zwanzigsilbigen [Mantra] beruhenden [Ritus] genannt wurden, sind hiermit dargelegt.

Wort für Wort
nyasyātmānaṃ samabhyarcya
nachdem man ihn eingesetzt hat, verehre man sich selbst
tanmayo viharetsudhīḥ
mit ihm eins geworden, wandle der Kluge
ratnābhiṣekadhyānejyā
die Weihe mit Juwelen, die Meditation und die Verehrung
viṃśatyarṇāśrite ritā
wie sie für den auf dem zwanzigsilbigen [Mantra] beruhenden [Ritus] genannt wurden

evaṃ yo bhajate mantraṃ sa samṛddheḥ padaṃ bhavet / japahomārcanadhyānairyo manuṃ prajapedamum

Wer den Mantra so verehrt, der erlangt den Zustand des Wohlstands. Wer diesen Mantra mit Murmeln, Feueropfer, Verehrung und Meditation vollzieht —

Wort für Wort
evaṃ yo bhajate mantraṃ
wer den Mantra so verehrt
sa samṛddheḥ padaṃ bhavet
der erlangt den Zustand des Wohlstands
japahomārcanadhyānair
mit Murmeln, Feueropfer, Verehrung und Meditation
yo manuṃ prajapedamum
wer diesen Mantra vollzieht

tadveśma pūryate ratnaiḥ ravarṇadhānyairanāratam / pṛthvī pṛthvī kare tasya sarvasasyasamākulā

— dessen Haus wird ununterbrochen mit Juwelen und goldfarbenem Getreide gefüllt; die Erde selbst [wird] in seiner Hand [liegen], voll aller Feldfrüchte.

Wort für Wort
tadveśma pūryate ratnaiḥ
dessen Haus wird mit Juwelen gefüllt
ravarṇadhānyairanāratam
und ununterbrochen mit goldfarbenem Getreide
pṛthvī pṛthvī kare tasya
die Erde, die Erde selbst [wird] in seiner Hand [liegen]
sarvasasyasamākulā
voll aller Feldfrüchte

putrairmitraiḥ susaṃpannaḥ prayātyante parāṃ gatim / vahnāvabhyarcya govindaṃ śuklapuṣpaiḥ satandulaiḥ

— reich beschenkt mit Söhnen und Freunden, geht er am Ende zum höchsten Ziel ein. Nachdem man Govinda im Feuer mit weißen Blüten und Reiskörnern verehrt hat,

Wort für Wort
putrairmitraiḥ susaṃpannaḥ
reich beschenkt mit Söhnen und Freunden
prayātyante parāṃ gatim
geht er am Ende zum höchsten Ziel ein
vahnāvabhyarcya govindaṃ
nachdem man Govinda im Feuer verehrt hat
śuklapuṣpaiḥ satandulaiḥ
mit weißen Blüten und Reiskörnern

ājyāktairayutaṃ hutvā bhasma tanmūrdhni dhārayet / tasyānnādisamṛddhiḥ syāttadūśe sarvayoṣitaḥ

— nachdem man, mit Ghee benetzt, zehntausend Mal geopfert hat, trage man die Asche auf dem eigenen Scheitel: dann wird ihm Fülle an Speise und dergleichen zuteil, und in seiner Gewalt [stehen] alle Frauen.

Wort für Wort
ājyāktairayutaṃ hutvā
nachdem man, mit Ghee benetzt, zehntausend Mal geopfert hat
bhasma tanmūrdhni dhārayet
trage man die Asche auf dem eigenen Scheitel
tasyānnādisamṛddhiḥ syāt
ihm wird Fülle an Speise und dergleichen zuteil
tadūśe sarvayoṣitaḥ
und in seiner Gewalt [stehen] alle Frauen

raktāṃbhojaistrimadhvaktairhunellakṣaṃ samāhitaḥ / śriyā tasyaindramaiśvaryaṃ tṛṇaleśāyate dhruvam

Wer mit gesammeltem Geist mit roten, in den drei Süßstoffen getränkten Lotusblüten hunderttausend Mal opfert, dem wird durch die Gunst Śrīs die Herrschaft Indras zu einem bloßen Grashalm an Bedeutung.

Wort für Wort
raktāṃbhojaistrimadhvaktair
mit roten, in den drei Süßstoffen getränkten Lotusblüten
hunellakṣaṃ samāhitaḥ
wer mit gesammeltem Geist hunderttausend Mal opfert
śriyā tasyaindramaiśvaryaṃ
dem wird durch Śrī die Herrschaft Indras
tṛṇaleśāyate dhruvam
gewiss zu einem bloßen Grashalm

trimadhvaktaiḥ sitaiḥ puṣpairaṣṭottarasahasrakam / yo hunetpratyahaṃ māsātpurodhā nṛpaterbhavet

Wer mit weißen, in den drei Süßstoffen getränkten Blüten tausendundacht Mal täglich, einen Monat lang, opfert, der wird zum Hauspriester eines Königs.

Wort für Wort
trimadhvaktaiḥ sitaiḥ puṣpair
mit weißen, in den drei Süßstoffen getränkten Blüten
aṣṭottarasahasrakam
tausendundacht Mal
yo hunetpratyahaṃ māsāt
wer täglich, einen Monat lang, opfert
purodhā nṛpaterbhavet
der wird zum Hauspriester eines Königs

evamādiprayogāṃśca sādhayenmanunāmunā / mantrarājamatho vakṣye daśārṇaṃ sarvasiddhidam

Solche und ähnliche [magische] Anwendungen vollbringe man mit diesem Mantra. Nun werde ich den ‚König der Mantras‘ verkünden, den zehnsilbigen (Daśārṇa), der alle Siddhis gewährt.

Wort für Wort
evamādiprayogāṃśca
solche und ähnliche Anwendungen
sādhayenmanunāmunā
vollbringe man mit diesem Mantra
mantrarājamatho vakṣye
nun werde ich den ‚König der Mantras‘ verkünden
daśārṇaṃ sarvasiddhidam
den zehnsilbigen, der alle Siddhis gewährt

smṛtiḥ sadyānvitā sākṣirlohito janavallabhā / pavano 'gnipriyānto 'yaṃ daśārṇo mantra īritaḥ

‚Smṛti‘, verbunden mit ‚Sadya‘, ‚Sākṣī‘, ‚Lohita‘, ‚Janavallabhā‘, ‚Pavana‘ [und] am Ende ‚Agnipriya‘ – so wird dieser zehnsilbige (Daśārṇa) Mantra verkündet.

Wort für Wort
smṛtiḥ sadyānvitā
‚Smṛti‘, verbunden mit ‚Sadya‘
sākṣirlohito janavallabhā
‚Sākṣī‘, ‚Lohita‘, ‚Janavallabhā‘
pavano 'gnipriyānto 'yaṃ
‚Pavana‘, am Ende ‚Agnipriya‘ – dieser
daśārṇo mantra īritaḥ
zehnsilbige Mantra wird verkündet

[?: Die Mantroddhāra-Formel in V.214 ist stark verschlüsselt und lässt sich nicht mit Sicherheit zum vollständigen Wortlaut des zehnsilbigen Mantra auflösen. Da V.91 bereits einen „daśākṣara“-Mantra neben dem achtzehnsilbigen erwähnt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um den bekannten Kṛṣṇa-Mantra „kṛṣṇāya govindāya namaḥ“ (10 Silben) handelt; die Zuordnung der einzelnen Codewörter zu dessen Lauten bleibt jedoch unsicher.]

nārado 'sya muniśchando virāṭ kṛṣṇo 'sya devatā / kāmo bījaṃ vahnijāyā śaktiḥ proktā manīṣibhiḥ

Von diesem [Mantra] ist Nārada der Seher, Virāj das Versmaß, Kṛṣṇa die Gottheit; Kāma die Keimsilbe; die Kraftsilbe wird von den Weisen als ‚Vahnijāyā‘ [die Gattin des Feuers, d.h. Svāhā] bezeichnet.

Wort für Wort
nārado 'sya muniśchando
von diesem [Mantra] ist Nārada der Seher, [sein] Versmaß
virāṭ kṛṣṇo 'sya devatā
Virāj, Kṛṣṇa die Gottheit
kāmo bījaṃ
Kāma die Keimsilbe
vahnijāyā śaktiḥ proktā manīṣibhiḥ
‚Vahnijāyā‘ [Svāhā] wird von den Weisen als Kraftsilbe bezeichnet

ācakraṃ ca vicakraṃ ca sucakraṃ tadanantaram / trailokyarakṣaṇaṃ cakramasurāntakagacakrakam

‚Ā-cakra‘, ‚Vi-cakra‘ und danach ‚Su-cakra‘; das ‚die drei Welten schützende Cakra‘ [und] das ‚zu den Dämonen hin gehende, [sie] vernichtende Cakra‘ —

Wort für Wort
ācakraṃ ca vicakraṃ ca
‚Ā-cakra‘ und ‚Vi-cakra‘
sucakraṃ tadanantaram
und danach ‚Su-cakra‘
trailokyarakṣaṇaṃ cakram
das die drei Welten schützende Cakra
asurāntakagacakrakam
und das zu den Dämonen hin gehende, vernichtende Cakra

etairṅeṭhadvayāntaiśca cakraiḥ pañcāṅgakaṃ manoḥ / tatastārapuṭaṃ mantraṃ vyāpayya karayostriśaḥ

— mit diesen [Cakra-Namen], je mit ihren beiden Endungen versehen, [bilde man] die fünf Glieder (Pañcāṅga) des Mantra. Danach, nachdem man den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra dreifach über beide Hände ausgebreitet hat,

Wort für Wort
etairṅeṭhadvayāntaiśca cakraiḥ
mit diesen, je mit ihren beiden Endungen versehenen Cakra[-Namen]
pañcāṅgakaṃ manoḥ
die fünf Glieder des Mantra
tatastārapuṭaṃ mantraṃ
danach den mit der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra
vyāpayya karayostriśaḥ
nachdem man ihn dreifach über beide Hände ausgebreitet hat

seṃdūnhṛdantānmantrārṇānpraṇavāntaritānnyaset / dakṣāṅguṣṭhācca vāmāṅguṣṭhāntamaṅguliparvasu

— setze man die [mit ‚se‘ beginnenden ?], mit ‚Herz‘ endenden, von der Praṇava-Silbe eingehüllten Mantra-Laute an den Fingergliedern ein, vom rechten Daumen bis zum linken Daumen.

Wort für Wort
seṃdūnhṛdantān
die [mit ‚se‘ beginnenden ?], mit ‚Herz‘ endenden
mantrārṇānpraṇavāntaritānnyaset
Mantra-Laute, von der Praṇava-Silbe eingehüllt, setze man ein
dakṣāṅguṣṭhācca
vom rechten Daumen
vāmāṅguṣṭhāntamaṅguliparvasu
bis zum linken Daumen, an den Fingergliedern

[?: „seṃdūn“ ist unsicher überliefert; die Bedeutung dieses ersten Wortes bleibt offen.]

sṛṣṭinyāso 'yamuditaḥ sthitinyāso 'dhunocyate / nyasedvāmakaniṣṭhādikaniṣṭāntaṃ sthitau sudhīḥ

Dies wird die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt; nun wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ dargelegt: bei der Erhaltungs[-Einsetzung] setze der Kluge [die Laute] vom kleinen Finger der linken Hand beginnend bis zum kleinen Finger [der rechten Hand] ein.

Wort für Wort
sṛṣṭinyāso 'yamuditaḥ
dies wird die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt
sthitinyāso 'dhunocyate
nun wird die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘ dargelegt
nyasedvāmakaniṣṭhādikaniṣṭāntaṃ
setze man vom linken kleinen Finger beginnend bis zum [rechten] kleinen Finger ein
sthitau sudhīḥ
bei der Erhaltungs[-Einsetzung], der Kluge

vāmāṅguṣṭhānnyaseddakṣāṃ guṣṭhāntaṃ saṃhṛtau tathā / saṃhṛtirdeṣasaṃghātahāriṇī parikīrtitā

Bei der ‚Auflösungs[-Einsetzung]‘ ebenso setze man vom linken Daumen [beginnend] bis zum rechten Daumen ein. Die Auflösungs[-Einsetzung] (Saṃhṛti) wird als diejenige gepriesen, die die Ansammlung von Fehlern hinwegnimmt.

Wort für Wort
vāmāṅguṣṭhānnyaseddakṣāṃ guṣṭhāntaṃ
vom linken Daumen setze man bis zum rechten Daumen ein
saṃhṛtau tathā
bei der Auflösungs[-Einsetzung] ebenso
saṃhṛtirdeṣasaṃghātahāriṇī
die Auflösungs[-Einsetzung], die die Ansammlung von Fehlern hinwegnimmt [?]
parikīrtitā
wird gepriesen

[?: „deṣasaṃghāta“ wurde als „doṣasaṃghāta“ (Ansammlung von Fehlern) gedeutet; eine Lesart „deśasaṃghāta“ (Ansammlung von Ländern) ist ebenfalls denkbar.]

vidyāpradaśca sṛṣṭyanto varṇināṃ śuddhacetasām / sthityantaḥ syādgṛhasthānāmevaṃ kāmyādirūpataḥ

Die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende Praxis gewährt Wissen und ist für die Brahmacārins von reinem Geist [bestimmt]; die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende Praxis ist für die Hausväter [bestimmt] – so, je nach Wunschziel und dergleichen.

Wort für Wort
vidyāpradaśca sṛṣṭyantaḥ
die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende [Praxis] gewährt Wissen
varṇināṃ śuddhacetasām
für die Brahmacārins von reinem Geist
sthityantaḥ syādgṛhasthānām
die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende ist für die Hausväter
evaṃ kāmyādirūpataḥ
so, je nach Wunschziel und dergleichen

saṃhārānte munīndrāṇāṃ viraktānāṃ ca sarvaśaḥ / punaḥ sthitikrameṇārṇānmanoraṅguliṣu nyaset

Die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende [Praxis ist] für die besten Weisen und für die durchweg Entsagenden [bestimmt]. Wiederum setze man die Laute des Mantra in der Reihenfolge der Erhaltungs[-Einsetzung] an den Fingern ein,

Wort für Wort
saṃhārānte munīndrāṇāṃ
die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende [Praxis ist] für die besten Weisen
viraktānāṃ ca sarvaśaḥ
und für die durchweg Entsagenden
punaḥ sthitikrameṇārṇān
wiederum die Laute in der Reihenfolge der Erhaltungs[-Einsetzung]
manoraṅguliṣu nyaset
des Mantra setze man an den Fingern ein

punaścakraiśca pūrvoktaiḥ pañcāgaṃ karayornyaset / tato mūlena puṭitānmātṛkārṇānsabindukān

— und wiederum setze man mit den zuvor genannten Cakra[-Namen] die fünf Glieder an beiden Händen ein; danach die mit dem Wurzelmantra umhüllten, mit dem Anusvāra versehenen Mātṛkā-Laute

Wort für Wort
punaścakraiśca pūrvoktaiḥ
und wiederum mit den zuvor genannten Cakra[-Namen]
pañcāgaṃ karayornyaset
setze man die fünf Glieder an beiden Händen ein
tato mūlena puṭitān
danach die mit dem Wurzelmantra umhüllten
mātṛkārṇānsabindukān
Mātṛkā-Laute, mit dem Anusvāra versehen

vinyasenmātṛkānyāsasthāneṣu praṇataḥ sudhīḥ / tatastārapuṭaṃ mūlaṃ vyāpakatvena vinyaset

— setze der ehrfürchtige Kluge an den Orten der Mātṛkā-Einsetzung ein; danach setze man den mit der Praṇava-Silbe umhüllten Wurzelmantra als alldurchdringende [Einsetzung] ein.

Wort für Wort
vinyasenmātṛkānyāsasthāneṣu
setze man an den Orten der Mātṛkā-Einsetzung ein
praṇataḥ sudhīḥ
der ehrfürchtige Kluge
tatastārapuṭaṃ mūlaṃ
danach den mit der Praṇava-Silbe umhüllten Wurzelmantra
vyāpakatvena vinyaset
setze man als alldurchdringende [Einsetzung] ein

saṃhārasṛṣṭibhedena daśatattvāni vinyaset / namontamūlamantrārṇapadāyāmyāni cātmane

Nach der Unterscheidung von Auflösung und Schöpfung setze man die zehn Wesensprinzipien ein; die auf ‚namaḥ‘ endenden Silben-Worte des Wurzelmantra [setze man] für sich selbst [ein],

Wort für Wort
saṃhārasṛṣṭibhedena
nach der Unterscheidung von Auflösung und Schöpfung
daśatattvāni vinyaset
setze man die zehn Wesensprinzipien ein
namontamūlamantrārṇapadāyāmyāni
die auf ‚namaḥ‘ endenden Silben-Worte des Wurzelmantra
cātmane
für sich selbst

matyantāni ca tattvāni pṛthivyādyāni ca kramāt / pṛthvī jalaṃ tathā vahnirvāyurākāśameva ca

— die mit Mati endenden Wesensprinzipien, und der Reihe nach die mit Erde beginnenden [Elemente]: Erde, Wasser, ebenso Feuer, Wind und Äther,

Wort für Wort
matyantāni ca tattvāni
die mit Mati endenden Wesensprinzipien
pṛthivyādyāni ca kramāt
und der Reihe nach die mit Erde beginnenden
pṛthvī jalaṃ tathā vahnir
Erde, Wasser, ebenso Feuer
vāyurākāśameva ca
Wind und Äther

ahṝṅkāro mahattatvaṃ prakṛtiṃ puruṣaṃ param / pravinyasenmastake ca netrayoḥ śrotrayornasoḥ

— Ahaṃkāra, das Mahat-Prinzip, Prakṛti [und] den höchsten Puruṣa setze man ein, am Scheitel, an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase,

Wort für Wort
ahṝṅkāro mahattatvaṃ
Ahaṃkāra, das Mahat-Prinzip
prakṛtiṃ puruṣaṃ param
Prakṛti und den höchsten Puruṣa
pravinyasenmastake ca
setze man ein, am Scheitel
netrayoḥ śrotrayornasoḥ
an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase

vadane hṛdaye nābhau liṅge jānvośca pādayoḥ / praṇavāntaritānvarṇānhṛdantānvijyasenmanoḥ

— am Mund, am Herzen, am Nabel, am Geschlechtsorgan, an beiden Knien und an den Füßen setze man die von der Praṇava-Silbe eingehüllten, mit ‚Herz‘ endenden Laute des Mantra ein.

Wort für Wort
vadane hṛdaye nābhau
am Mund, am Herzen, am Nabel
liṅge jānvośca pādayoḥ
am Geschlechtsorgan, an beiden Knien und an den Füßen
praṇavāntaritānvarṇānhṛdantān
die von der Praṇava-Silbe eingehüllten, mit ‚Herz‘ endenden Laute
vijyasenmanoḥ
des Mantra setze man ein

sṛṣṭinyāso 'yamākhyātaḥ sthitinyāsaṃ śṛṇu dvija / hṛdi nābhau dhvaje jānvoḥ pādayormastake punaḥ

Dies ist die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt worden; höre nun, o Zweifachgeborener, die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘: am Herzen, am Nabel, am Geschlechtsglied, an beiden Knien, an den Füßen, wiederum am Scheitel,

Wort für Wort
sṛṣṭinyāso 'yamākhyātaḥ
dies ist die ‚Schöpfungs-Einsetzung‘ genannt worden
sthitinyāsaṃ śṛṇu dvija
höre nun, o Zweifachgeborener, die ‚Erhaltungs-Einsetzung‘
hṛdi nābhau dhvaje jānvoḥ
am Herzen, am Nabel, am Geschlechtsglied, an beiden Knien
pādayormastake punaḥ
an den Füßen, wiederum am Scheitel

netrayoḥ karṇayorghrāṇe vadane vinyasetkramāt / padorjānvorliṅgadeśe nābhau hṛdi mukhe nasoḥ

— an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase [und] am Mund setze man der Reihe nach ein. [Bei der Auflösungs-Einsetzung setze man ein] an den Füßen, an beiden Knien, am Geschlechtsbereich, am Nabel, am Herzen, am Mund, an der Nase,

Wort für Wort
netrayoḥ karṇayorghrāṇe vadane
an beiden Augen, an beiden Ohren, an der Nase, am Mund
vinyasetkramāt
setze man der Reihe nach ein
padorjānvorliṅgadeśe nābhau
an den Füßen, an beiden Knien, am Geschlechtsbereich, am Nabel
hṛdi mukhe nasoḥ
am Herzen, am Mund, an der Nase

karṇayornetrayormūrdhni saṃhārākhyo 'yamīritaḥ / sṛṣṭyanto varṇināṃnyāsaḥ sthityantogṛhamedhinām

— an beiden Ohren, an beiden Augen [und] am Scheitel: dies wird die ‚Auflösungs-Einsetzung‘ genannt. Die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende Einsetzung [ist] für die Brahmacārins, die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende für die Hausväter,

Wort für Wort
karṇayornetrayormūrdhni
an beiden Ohren, an beiden Augen, am Scheitel
saṃhārākhyo 'yamīritaḥ
dies wird die ‚Auflösungs-Einsetzung‘ genannt
sṛṣṭyanto varṇināṃnyāsaḥ
die mit der Schöpfungs[-Einsetzung] endende Einsetzung [ist] für die Brahmacārins
sthityantogṛhamedhinām
die mit der Erhaltungs[-Einsetzung] endende für die Hausväter

yatervairāgyayuktasya saṃhārāntaḥ prakīrtitaḥ / caturddhā varṇināṃ caiva gṛhasthānāṃ ca pañcadhā

— die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende für den von Entsagung erfüllten Asketen wird gepriesen. Vierfach [ist die Einsetzung] für die Brahmacārins, fünffach für die Hausväter,

Wort für Wort
yatervairāgyayuktasya
für den von Entsagung erfüllten Asketen
saṃhārāntaḥ prakīrtitaḥ
wird die mit der Auflösungs[-Einsetzung] endende [Einsetzung] gepriesen
caturddhā varṇināṃ caiva
vierfach für die Brahmacārins
gṛhasthānāṃ ca pañcadhā
und fünffach für die Hausväter

yatīnāṃ ca tridhā nyāsaḥ prokto 'yaṃ kramataḥ śubhaḥ / kecidvirakte gṛhage saṃhārāntaṃ vidurbudhāḥ

— und dreifach für die Asketen wird diese heilvolle Einsetzung der Reihe nach verkündet. Manche Kundige lehren jedoch, dass auch für den entsagenden Hausvater die mit Auflösung endende [Einsetzung] gelte.

Wort für Wort
yatīnāṃ ca tridhā nyāsaḥ
und dreifach für die Asketen [ist] diese Einsetzung
prokto 'yaṃ kramataḥ śubhaḥ
der Reihe nach als heilvoll verkündet
kecidvirakte gṛhage
manche [lehren], dass für den entsagenden Hausvater
saṃhārāntaṃ vidurbudhāḥ
die mit Auflösung endende [Einsetzung] gelte, so wissen die Kundigen

vibhūtipañjaraṃ nyāsaṃ kuryādiṣṭāptaye tataḥ / manordaśāvṛttimayaṃ kṛṣṇasāṃnidhyakārakam

Danach vollziehe man zur Erlangung des Gewünschten die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung (Vibhūtipañjara-Nyāsa), die aus zehn Wiederholungen des Mantra besteht und die Nähe Kṛṣṇas bewirkt:

Wort für Wort
vibhūtipañjaraṃ nyāsaṃ
die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung
kuryādiṣṭāptaye tataḥ
vollziehe man danach zur Erlangung des Gewünschten
manordaśāvṛttimayaṃ
die aus zehn Wiederholungen des Mantra besteht
kṛṣṇasāṃnidhyakārakam
und die Nähe Kṛṣṇas bewirkt

ādhāre ca dhvaje nābhau hṛdi kaṇṭhe mukhe śaye / ūrvośca kandharāyāṃ ca nābhau kukṣau tathā hṛdi

— am Grundort [Mūlādhāra], am Geschlechtsglied, am Nabel, am Herzen, am Hals, am Mund, an der Lagerstätte [?], an beiden Schenkeln, am Nacken, wiederum am Nabel, am Bauch und ebenso am Herzen,

Wort für Wort
ādhāre ca dhvaje nābhau
am Grundort, am Geschlechtsglied, am Nabel
hṛdi kaṇṭhe mukhe śaye
am Herzen, am Hals, am Mund, an der Lagerstätte [?]
ūrvośca kandharāyāṃ ca
an beiden Schenkeln und am Nacken
nābhau kukṣau tathā hṛdi
wiederum am Nabel, am Bauch und ebenso am Herzen

[?: „śaye“ (‚an der Lagerstätte‘) ist als Körperstelle ungewöhnlich; möglicherweise ist eine andere Körperregion gemeint, die Lesart bleibt unsicher.]

stanayoḥ pārśvayoḥ śroṇyormastakevadanetathā / netrayoḥ karṇayornāsāpuṭayośca kapolayoḥ

— an beiden Brustseiten, an beiden Flanken, an beiden Hüften, am Scheitel, ebenso am Mund, an beiden Augen, an beiden Ohren, an beiden Nasenflügeln und an beiden Wangen,

Wort für Wort
stanayoḥ pārśvayoḥ śroṇyor
an beiden Brustseiten, an beiden Flanken, an beiden Hüften
mastakevadanetathā
am Scheitel, ebenso am Mund
netrayoḥ karṇayornāsāpuṭayośca
an beiden Augen, an beiden Ohren, an beiden Nasenflügeln
kapolayoḥ
und an beiden Wangen

evaṃ dakṣiṇadormūsasaṃdhyagreṣvaṅgulīṣu ca / tataḥ śirasi tatpūrvādyāṃśāsu svakalāsu ca

— so an der Wurzel des rechten Armes, an den Gelenkspitzen und an den Fingern; danach am Scheitel und, davor beginnend, an den [zwölf] Himmelsrichtungen samt ihren eigenen [Unter-]Anteilen (Kalās),

Wort für Wort
evaṃ dakṣiṇadormūsasaṃdhyagreṣvaṅgulīṣu ca
so an der Wurzel des rechten Armes, an den Gelenkspitzen und an den Fingern
tataḥ śirasi
danach am Scheitel
tatpūrvādyāṃśāsu
und, davor beginnend, an den Himmelsrichtungen
svakalāsu ca
samt ihren eigenen Anteilen

doṣṇoḥ sakthnoḥ śirokṣyāsyakaṇṭhahṛjjaṭhareṣu ca / mūlādhāre liṅgadeśe jānunoḥ pādayostathā

— an beiden Armen, an beiden Schenkeln, am Scheitel, an den Augen, am Mund, am Hals, am Herzen und am Bauch, am Mūlādhāra, am Geschlechtsbereich, an beiden Knien und ebenso an den Füßen,

Wort für Wort
doṣṇoḥ sakthnoḥ
an beiden Armen, an beiden Schenkeln
śirokṣyāsyakaṇṭhahṛjjaṭhareṣu ca
am Scheitel, an den Augen, am Mund, am Hals, am Herzen und am Bauch
mūlādhāre liṅgadeśe
am Mūlādhāra, am Geschlechtsbereich
jānunoḥ pādayostathā
an beiden Knien und ebenso an den Füßen

śrotragaṇḍāṃsavakṣojapārśvaliṅgeṣu vinyaset / ūrvorjānvorjaṅghayośca pādayorvinyasetkramāt

— an den Ohren, den Wangen, den Schultern, der Brust, den Flanken und dem Geschlechtsorgan setze man ein; an beiden Schenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen setze man der Reihe nach ein.

Wort für Wort
śrotragaṇḍāṃsavakṣojapārśvaliṅgeṣu vinyaset
an den Ohren, den Wangen, den Schultern, der Brust, den Flanken und dem Geschlechtsorgan setze man ein
ūrvorjānvorjaṅghayośca
an beiden Schenkeln, Knien und Unterschenkeln
pādayorvinyasetkramāt
und an den Füßen setze man der Reihe nach ein

vibhūtipañjarākhyo 'yaṃ nyāsaḥ sarvārthasiddhidaḥ / anena nyāsavaryeṇa sākṣātkṛṣṇatanurbhavet

Dies wird die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung genannt, die alle Ziele erfüllt. Durch diese vorzügliche Einsetzung wird man unmittelbar von der Gestalt Kṛṣṇas.

Wort für Wort
vibhūtipañjarākhyo 'yaṃ nyāsaḥ
dies wird die ‚Herrlichkeits-Käfig‘-Einsetzung genannt
sarvārthasiddhidaḥ
die alle Ziele erfüllt
anena nyāsavaryeṇa
durch diese vorzügliche Einsetzung
sākṣātkṛṣṇatanurbhavet
wird man unmittelbar von der Gestalt Kṛṣṇas

mūrti pañjaranāmānaṃ nyāsaṃ pūrvoditaṃ nyaset / tato daśāṅgapañcāṅgau nyāsavaryauṃ nyase kramāt

Man setze die zuvor genannte, ‚Gestalt-Käfig‘ benannte Einsetzung ein; danach setze man der Reihe nach die beiden vorzüglichen Einsetzungen, die zehngliedrige und die fünfgliedrige, ein.

Wort für Wort
mūrti pañjaranāmānaṃ nyāsaṃ pūrvoditaṃ nyaset
man setze die zuvor genannte, ‚Gestalt-Käfig‘ benannte Einsetzung ein
tato daśāṅgapañcāṅgau
danach die zehngliedrige und die fünfgliedrige
nyāsavaryauṃ nyase kramāt
die beiden vorzüglichen Einsetzungen setze man der Reihe nach ein

hṛdi mūrdhni śikhāyāṃ ca sarvāṅge dikṣu pārśvayoḥ / kaṭyāṃ pṛṣṭhe tathā mūrdhni vinyasedvaiṣṇavottamaḥ

Am Herzen, am Scheitel, am Haarschopf, am ganzen Körper, in den Himmelsrichtungen, an beiden Flanken, an der Hüfte, am Rücken und ebenso [wiederum] am Scheitel setze der beste der Vaiṣṇavas ein.

Wort für Wort
hṛdi mūrdhni śikhāyāṃ ca
am Herzen, am Scheitel, am Haarschopf
sarvāṅge dikṣu pārśvayoḥ
am ganzen Körper, in den Himmelsrichtungen, an beiden Flanken
kaṭyāṃ pṛṣṭhe tathā mūrdhni
an der Hüfte, am Rücken und ebenso am Scheitel
vinyasedvaiṣṇavottamaḥ
setze der beste der Vaiṣṇavas ein

pañcāṅgāni nyasedbhūyaścakraiḥ prāgvatsamāhitaḥ / anyo 'pyaṣṭādaśārṇoktaḥ kartavyo nyāsasaṃcayaḥ

Wiederum setze man mit gesammeltem Geist die fünf Glieder mit den Cakra[-Namen] wie zuvor ein. Auch die andere, beim achtzehnsilbigen [Mantra] genannte Ansammlung von Einsetzungen ist zu vollziehen.

Wort für Wort
pañcāṅgāni nyasedbhūyaścakraiḥ
wiederum setze man die fünf Glieder mit den Cakra[-Namen] ein
prāgvatsamāhitaḥ
wie zuvor, mit gesammeltem Geist
anyo 'pyaṣṭādaśārṇoktaḥ
auch die andere, beim achtzehnsilbigen [Mantra] genannte
kartavyo nyāsasaṃcayaḥ
Ansammlung von Einsetzungen ist zu vollziehen

tataḥ kirīṭamantreṇa vyāpakaṃ racayetsudhīḥ / veṇubilvādimudrāṃśca darśayetsādhakottamaḥ

Danach gestalte der Kluge mit dem Kirīṭa-Mantra die alldurchdringende [Einsetzung]; und der beste der Übenden zeige die mit ‚Flöte‘ und ‚Bilva-Frucht‘ beginnenden Handgesten (Mudrās).

Wort für Wort
tataḥ kirīṭamantreṇa
danach mit dem Kirīṭa-Mantra
vyāpakaṃ racayetsudhīḥ
gestalte der Kluge die alldurchdringende [Einsetzung]
veṇubilvādimudrāṃśca
die mit ‚Flöte‘ und ‚Bilva-Frucht‘ beginnenden Mudrās
darśayetsādhakottamaḥ
zeige der beste der Übenden

sudarśanasya mantreṇa kuryāddigbandhanaṃ tataḥ / anaṅguṣṭhāśca ṛjavaḥ karaśākhā bhavanti cet

Mit dem Mantra des Sudarśana vollziehe man danach die Verschließung der Himmelsrichtungen. Wenn die Fingerglieder der Hand, mit Ausnahme des Daumens, gerade gestreckt sind —

Wort für Wort
sudarśanasya mantreṇa
mit dem Mantra des Sudarśana
kuryāddigbandhanaṃ tataḥ
vollziehe man danach die Verschließung der Himmelsrichtungen
anaṅguṣṭhāśca ṛjavaḥ
mit Ausnahme des Daumens gerade gestreckt
karaśākhā bhavanti cet
wenn die Fingerglieder der Hand sind

hṛnmudreyaṃ samākhyātā śiromudrā tathā bhavet / adhoṅguṣṭhā tu yā muṣṭiḥ śikhāmudreyamīritā / prasāritakarāṅgulyorvarmamudreyamīritā

— [dies] wird die ‚Herz-Mudrā‘ genannt; ebenso ist [wenn die Hände über den Kopf erhoben werden] die ‚Haupt-Mudrā‘ [gezeigt]. Die Faust aber, bei der der Daumen [in sie] eingeschlossen ist, wird als ‚Haarschopf-Mudrā‘ bezeichnet. Mit den ausgestreckten Fingern beider Hände [verschränkt] wird die ‚Rüstungs-Mudrā‘ bezeichnet.

Wort für Wort
hṛnmudreyaṃ samākhyātā
[dies] wird die ‚Herz-Mudrā‘ genannt
śiromudrā tathā bhavet
ebenso ist die ‚Haupt-Mudrā‘ [gezeigt]
adhoṅguṣṭhā tu yā muṣṭiḥ śikhāmudreyamīritā
die Faust aber, bei der der Daumen eingeschlossen ist, wird als ‚Haarschopf-Mudrā‘ bezeichnet
prasāritakarāṅgulyorvarmamudreyamīritā
mit den ausgestreckten Fingern beider Hände wird die ‚Rüstungs-Mudrā‘ bezeichnet

nārācamuṣṭyā dhṛtabāhuyugmaḥ aṅguṣṭhatarjanyudito dhvanistu / viṣvagvimuktā kathitāstramudrā yatrākṣiṇī tarjanimadhyame ca

Wenn man mit einer zur Pfeilform geballten Faust beide Arme hält, dabei mit Daumen und Zeigefinger ein Schnalzgeräusch erzeugt und [die Hände] nach beiden Seiten hin auseinandergeschleudert werden – [dies] wird als ‚Waffen-Mudrā‘ bezeichnet. Wo [von] den beiden Augen [die Rede ist, geschieht dies] mit Zeigefinger und Mittelfinger,

Wort für Wort
nārācamuṣṭyā dhṛtabāhuyugmaḥ
mit einer zur Pfeilform geballten Faust, beide Arme haltend
aṅguṣṭhatarjanyudito dhvanistu
mit Daumen und Zeigefinger ein Schnalzgeräusch erzeugend
viṣvagvimuktā kathitāstramudrā
nach beiden Seiten auseinandergeschleudert, wird [dies] als ‚Waffen-Mudrā‘ bezeichnet
yatrākṣiṇī tarjanimadhyame ca
wo [von] den beiden Augen [die Rede ist], mit Zeigefinger und Mittelfinger [?]

[?: Der Anschluss von „yatrākṣiṇī tarjanimadhyame ca“ an das Vorhergehende ist syntaktisch unklar; möglicherweise beginnt hier bereits, ohne eigenes Verb, die Beschreibung der (im Folgevers fortgesetzten) Augen- bzw. Mund-Mudrā.]

oṣṭhe vāmakarāṅguṣṭo lagnastasya kaniṣṭikā / dakṣiṇāṅguṣṭasaṃsaktā tatkaniṣṭhā prasāritā

[Bei der Veṇu-Mudrā, der Flöten-Geste:] der Daumen der linken Hand berühre die Lippe, dessen kleiner Finger [sei gebeugt]; [der Daumen] der rechten Hand sei mit [dem der linken] verbunden, deren kleiner Finger [sei] ausgestreckt.

Wort für Wort
oṣṭhe vāmakarāṅguṣṭho lagnaḥ
der Daumen der linken Hand berühre die Lippe
tasya kaniṣṭikā
dessen kleiner Finger [sei gebeugt]
dakṣiṇāṅguṣṭhasaṃsaktā
[der Daumen] der rechten Hand sei damit verbunden
tatkaniṣṭhā prasāritā
deren kleiner Finger sei ausgestreckt

tarjanī madhyamānāmā kiñcitsakuñcya cālitā / veṇumudreyamuditā suguptā preyasī hareḥ / nocyante tatra siddhatvānmālāśrīvatsakaustubhāḥ

— Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger seien leicht gekrümmt und bewegt: [so] wird diese ‚Flöten-Mudrā‘ verkündet, die wohlverborgene, Hari liebe [Geste]. Dort werden [die Mudrās für] Blumenkranz, Śrīvatsa und Kaustubha nicht [eigens] genannt, da sie [bereits] als vollendet [enthalten sind].

Wort für Wort
tarjanī madhyamānāmā
Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger
kiñcitsakuñcya cālitā
seien leicht gekrümmt und bewegt
veṇumudreyamuditā suguptā preyasī hareḥ
[so] wird diese ‚Flöten-Mudrā‘ verkündet, die wohlverborgene, Hari liebe [Geste]
nocyante tatra siddhatvānmālāśrīvatsakaustubhāḥ
dort werden Blumenkranz, Śrīvatsa und Kaustubha nicht eigens genannt, da sie als vollendet [enthalten sind]

vāmāṅguṣṭhaṃ samudraṃ tamaparakarāṅguṣṭhakenātha baddhvā saṃpīḍyāgraṃ ca dakṣāṅgulibhirapi ca tāṃ vāmahastāṅgulībhiḥ / gāḍhaṃ baddhvā svakīye hṛdayasarasije sthāpayetkāmabījaṃ proccāryaiṣā tu gopyā sakalasukhakarī vilvamudrā munīndraiḥ

Nachdem man den linken Daumen mit dem Daumen der anderen [rechten] Hand verbunden und dessen Spitze zusammengedrückt hat, und [diese Verbindung] auch mit den Fingern der rechten sowie mit denen der linken Hand fest umschlossen hat, halte man [die so gebildete Geste] fest im Lotus des eigenen Herzens und spreche dabei die Keimsilbe Kāmas laut aus – dies ist die von den besten Weisen [gelehrte], geheim zu haltende ‚Bilva-Mudrā‘, die alles Glück verleiht.

Wort für Wort
vāmāṅguṣṭhaṃ samudraṃ tamaparakarāṅguṣṭhakenātha baddhvā
nachdem man den linken Daumen mit dem Daumen der anderen Hand verbunden hat
saṃpīḍyāgraṃ ca dakṣāṅgulibhirapi ca tāṃ vāmahastāṅgulībhiḥ
und dessen Spitze mit den Fingern der rechten sowie der linken Hand zusammengedrückt hat
gāḍhaṃ baddhvā svakīye hṛdayasarasije sthāpayetkāmabījaṃ proccārya
fest verbunden, halte man [sie] im Lotus des eigenen Herzens und spreche dabei die Keimsilbe Kāmas laut aus
eṣā tu gopyā sakalasukhakarī vilvamudrā munīndraiḥ
dies ist die von den besten Weisen [gelehrte], geheim zu haltende, alles Glück verleihende ‚Bilva-Mudrā‘

kāyena manasā vācā yatpāpaṃ samupārjitam / mudrāyā jñāna mātreṇa sarvaṃ nāśamupaiṣyati

Was an Sünde durch Körper, Geist und Wort erworben wurde, das alles geht, allein durch das Wissen um diese Mudrā, zugrunde.

Wort für Wort
kāyena manasā vācā
durch Körper, Geist und Wort
yatpāpaṃ samupārjitam
was an Sünde erworben wurde
mudrāyā jñāna mātreṇa
allein durch das Wissen um diese Mudrā
sarvaṃ nāśamupaiṣyati
geht das alles zugrunde

dhyānaṃ japastrikālārcā kāryā pūrvoditā manoḥ / sarveṣvekaḥ kramaḥ prokto daśārṇāṣṭādaśārṇayoḥ

Meditation, Murmeln und die dreimal-tägliche Verehrung des Mantra sind wie zuvor genannt zu vollziehen; für alle [Mantras] wird ein und derselbe Ablauf gelehrt, sei es beim zehnsilbigen oder beim achtzehnsilbigen [Mantra].

Wort für Wort
dhyānaṃ japastrikālārcā
Meditation, Murmeln und die dreimal-tägliche Verehrung
kāryā pūrvoditā manoḥ
des Mantra sind wie zuvor genannt zu vollziehen
sarveṣvekaḥ kramaḥ prokto
für alle wird ein und derselbe Ablauf gelehrt
daśārṇāṣṭādaśārṇayoḥ
beim zehnsilbigen und beim achtzehnsilbigen [Mantra]

evaṃ siddhe manau mantrī prayogānkartumarhati / uddaṇḍabāhudordaṃhadhṛtagovarddhanācalam

So, wenn der Mantra vollendet ist, ist der Mantra-Kundige befähigt, [magische] Anwendungen zu vollziehen. [Man meditiere Kṛṣṇa,] der mit hoch erhobenem, kraftvollem Arm den Berg Govardhana trägt,

Wort für Wort
evaṃ siddhe manau
so, wenn der Mantra vollendet ist
mantrī prayogānkartumarhati
ist der Mantra-Kundige befähigt, Anwendungen zu vollziehen
uddaṇḍabāhudordaṃha
mit hoch erhobenem, kraftvollem Arm
dhṛtagovarddhanācalam
den Berg Govardhana tragend

anyahastāgulīvyaktasvaravaṃśārpitānanam / dhyāyankṛṣṇaṃ japenmantraṃ vrajecchatraṃ vinā sudhīḥ

— dessen Antlitz sich an die mit den Fingern der anderen Hand deutlich hervorgebrachte, klingende Flöte anschmiegt: indem der Kluge so Kṛṣṇa meditiert und den Mantra murmelt, kann er ohne Schirm reisen,

Wort für Wort
anyahastāgulīvyaktasvaravaṃśārpitānanam
dessen Antlitz sich an die mit den Fingern der anderen Hand hervorgebrachte, klingende Flöte anschmiegt
dhyāyankṛṣṇaṃ japenmantraṃ
indem man Kṛṣṇa meditiert und den Mantra murmelt
vrajecchatraṃ vinā sudhīḥ
kann der Kluge ohne Schirm reisen

varṣavātāśanibhyo 'pi bhayaṃ tasya na jāyate / moghamedhaughavrātādgagatendraṃ taṃ smaranhunet

— vor Regen, Sturm und Blitzschlag entsteht ihm keine Furcht. Wenn man, ihn als den Herrn des Himmels gedenkend, wegen einer Schar sich vergeblich türmender Wolken opfert,

Wort für Wort
varṣavātāśanibhyo 'pi
vor Regen, Sturm und Blitzschlag
bhayaṃ tasya na jāyate
entsteht ihm keine Furcht
moghamedhaughavrātād
wegen einer Schar sich vergeblich türmender Wolken
gagatendraṃ taṃ smaranhunet
ihn als Herrn des Himmels gedenkend, opfere man

loṇairayutasaṃkhyaiḥ syādanāvṛṣṭirna saṃśayaḥ / krīḍantamarkajātīre majjanasnāpanādibhiḥ

— mit zehntausend Salzkörnern, [so] tritt Regenlosigkeit ein, daran besteht kein Zweifel. [Man meditiere ihn,] wie er am Ufer der Yamunā (Arkajā) spielt, durch Untertauchen, Baden und dergleichen,

Wort für Wort
loṇairayutasaṃkhyaiḥ
mit zehntausend Salzkörnern
syādanāvṛṣṭirna saṃśayaḥ
tritt Regenlosigkeit ein, daran besteht kein Zweifel
krīḍantamarkajātīre
wie er am Ufer der Yamunā spielt
majjanasnāpanādibhiḥ
durch Untertauchen, Baden und dergleichen

tacchīkarajalāsāraiḥ sicyamānaṃ priyājanaiḥ / dhyātvāyutaṃ payaḥ siktairhunedvā nīratarpaṇaiḥ

— besprengt von den Sprühtröpfchen jenes [Wassers] durch die geliebten [Gefährtinnen]: so meditierend opfere man zehntausend Mal mit in Wasser getränkten [Substanzen], oder man vollziehe Wasser-Trankopfer.

Wort für Wort
tacchīkarajalāsāraiḥ sicyamānaṃ priyājanaiḥ
besprengt von den Sprühtröpfchen jenes Wassers durch die geliebten [Gefährtinnen]
dhyātvāyutaṃ
so meditierend, zehntausend Mal
payaḥ siktairhunedvā
opfere man mit in Wasser getränkten [Substanzen]
nīratarpaṇaiḥ
oder mit Wasser-Trankopfern

vṛṣṭirbhavatyakāle 'pi mahatī nātra saṃśayaḥ / sadāhamohairārtasya visphoṭakajvarādibhiḥ

— [dann] entsteht selbst außerhalb der [Regen-]Jahreszeit gewaltiger Regen, daran besteht kein Zweifel hierbei. [Für den,] der von brennendem Fieber, Bewusstseinstrübung, Pocken und dergleichen gequält ist —

Wort für Wort
vṛṣṭirbhavatyakāle 'pi mahatī
gewaltiger Regen entsteht selbst außerhalb der [Regen-]Jahreszeit
nātra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel
sadāhamohairārtasya
der von brennendem Fieber und Bewusstseinstrübung gequält ist
visphoṭakajvarādibhiḥ
von Pocken, Fieber und dergleichen

amumeva smaranmūrdhni japecchāntirbhavetkṣaṇāt / athavā garuḍārūḍhaṃ pradyumnabalasaṃyutam

— murmle man, eben diesen [Gott] am Scheitel [des Kranken] gedenkend: augenblicklich tritt Besänftigung ein. Oder [man meditiere ihn], auf Garuḍa reitend, begleitet von Pradyumna und Bala[rāma],

Wort für Wort
amumeva smaranmūrdhni japet
murmle man, eben diesen [Gott] am Scheitel gedenkend
chāntirbhavetkṣaṇāt
augenblicklich tritt Besänftigung ein
athavā garuḍārūḍhaṃ
oder auf Garuḍa reitend
pradyumnabalasaṃyutam
begleitet von Pradyumna und Bala[rāma]

nijajvaraniṣpiṣṭajvarābhiṣṭutamacyutam / dhyātvā mūrdhni japenmantraṃ jvaramukto bhavejjvarī

— den Unvergänglichen, der durch sein eigenes [göttliches] Fieber das [krankmachende] Fieber zermalmt hat und dafür gepriesen wird: indem man ihn meditiert und den Mantra am Scheitel [des Kranken] murmelt, wird der Fiebernde vom Fieber befreit.

Wort für Wort
nijajvaraniṣpiṣṭajvarābhiṣṭutamacyutam
den Unvergänglichen, der durch sein eigenes Fieber das Fieber zermalmt hat und dafür gepriesen wird
dhyātvā mūrdhni japenmantraṃ
indem man ihn meditiert und den Mantra am Scheitel murmelt
jvaramukto bhavejjvarī
wird der Fiebernde vom Fieber befreit

dhyātvaivamagnāvabhyarcya yathoktaiścaturaṅgulaiḥ / juhuyādamṛtākhaṇḍairayutaṃ jvaraśāntaye

— so meditierend und im Feuer verehrend, opfere man mit den vorgeschriebenen, vier Finger[breit langen Holzstücken] zusammen mit Amṛtā-Wurzelstücken zehntausend Mal, zur Besänftigung des Fiebers.

Wort für Wort
dhyātvaivamagnāvabhyarcya
so meditierend und im Feuer verehrend
yathoktaiścaturaṅgulaiḥ
mit den vorgeschriebenen, vier Finger [langen Holzstücken]
juhuyādamṛtākhaṇḍairayutaṃ
opfere man mit Amṛtā-Stücken zehntausend Mal
jvaraśāntaye
zur Besänftigung des Fiebers

śilīmukhavinirbhinnabhīṣmatāpaharaṃ harim / dhyātvā japetspṛśannārtaṃ pāṇibhyāṃ jvaraśāntaye

— [man meditiere] Hari, wie er, von Pfeilen durchbohrt, dem Bhīṣma dessen Schmerz hinwegnahm: so meditierend murmle man, den Leidenden mit beiden Händen berührend, zur Besänftigung des Fiebers.

Wort für Wort
śilīmukhavinirbhinnabhīṣmatāpaharaṃ harim
Hari, der, von Pfeilen durchbohrt, dem Bhīṣma dessen Schmerz hinwegnahm
dhyātvā japet
so meditierend murmle man
spṛśannārtaṃ pāṇibhyāṃ
den Leidenden mit beiden Händen berührend
jvaraśāntaye
zur Besänftigung des Fiebers

sāṃdīpanāya dadataṃ putraṃ dhyātvāyutaṃ hunet / yathoktairamṛtākhaṇḍairapamṛtyunivṛttaye

— man meditiere, wie [Kṛṣṇa] dem Sāṃdīpani dessen [verstorbenen] Sohn [wiederbrachte], und opfere, [ihn so meditierend], zehntausend Mal mit den vorgeschriebenen Amṛtā-Stücken, zur Abwendung eines vorzeitigen Todes.

Wort für Wort
sāṃdīpanāya dadataṃ putraṃ
dem Sāṃdīpani dessen Sohn wiedergebend
dhyātvāyutaṃ hunet
so meditierend opfere man zehntausend Mal
yathoktairamṛtākhaṇḍair
mit den vorgeschriebenen Amṛtā-Stücken
apamṛtyunivṛttaye
zur Abwendung eines vorzeitigen Todes

sapārthaṃ mṛtaputrāyārpayantaṃ ca dvijanmane / sutaṃ dhyātvā japellakṣaṃ putrapautrādivṛddhaye

— [oder man meditiere], wie er, zusammen mit Pārtha, dem Brahmanen, dessen Sohn tot war, den Sohn zurückgab: so meditierend murmle man hunderttausend Mal, zur Mehrung von Söhnen, Enkeln und dergleichen.

Wort für Wort
sapārthaṃ mṛtaputrāyārpayantaṃ ca dvijanmane
wie er, zusammen mit Pārtha, dem Brahmanen, dessen Sohn tot war, den Sohn zurückgab
sutaṃ dhyātvā japellakṣaṃ
so den Sohn meditierend murmle man hunderttausend Mal
putrapautrādivṛddhaye
zur Mehrung von Söhnen, Enkeln und dergleichen

putrajīvaphalairhutvāyutaṃ madhurasaṃplutaiḥ / tatkāṣṭhairedhite vahnau sutāndīrghāyuṣo labhet

Nachdem man mit den in Honigsaft getränkten Früchten des Putrajīva-Baumes zehntausend Mal geopfert hat, im mit dessen Holz entfachten Feuer, erlangt man langlebige Söhne.

Wort für Wort
putrajīvaphalairhutvāyutaṃ
nachdem man mit den Früchten des Putrajīva-Baumes zehntausend Mal geopfert hat
madhurasaṃplutaiḥ
in Honigsaft getränkt
tatkāṣṭhairedhite vahnau
im mit dessen Holz entfachten Feuer
sutāndīrghāyuṣo labhet
erlangt man langlebige Söhne

kṣīradruktvāthasaṃpūrṇamabhyarcya kalaśaṃ niśi / prātarjjaptvāyutaṃ nārīmabhiṣiñceddiṣaḍdinam

Nachdem man nachts einen mit dem Wasser des Milchbaumes ganz gefüllten Krug verehrt hat, besprenge man, nachdem man morgens zehntausend Mal gemurmelt hat, die Frau zwölf Tage lang [damit].

Wort für Wort
kṣīradruktvāthasaṃpūrṇamabhyarcya kalaśaṃ niśi
nachdem man nachts einen mit dem Wasser des Milchbaumes ganz gefüllten Krug verehrt hat
prātarjjaptvāyutaṃ
nachdem man morgens zehntausend Mal gemurmelt hat
nārīmabhiṣiñceddiṣaḍdinam
besprenge man die Frau zwölf Tage lang [damit]

[?: „kṣīradruktvā“ (‚mit [Wasser des] Milchbaumes‘) und „diṣaḍdinam“ (‚zwölf Tage‘, wörtlich ‚zweimal sechs Tage‘) sind knapp und nicht mit letzter Sicherheit aufzulösen.]

evaṃ kṛte tu vandhyāpi labhetputrāṃścirāyuṣaḥ / prātarvācaṃyamāśvatthadalasaṃpuṭakaṃ jalam

Wenn dies so vollzogen wird, erlangt sogar eine unfruchtbare Frau langlebige Söhne. Morgens, mit zurückgehaltener Sprache, [trinke sie] Wasser, das in einer aus einem Aśvattha-Blatt gefalteten Schale [aufgefangen wurde],

Wort für Wort
evaṃ kṛte tu vandhyāpi
wenn dies so vollzogen wird, erlangt sogar eine unfruchtbare Frau
labhetputrāṃścirāyuṣaḥ
langlebige Söhne
prātarvācaṃyamāśvatthadalasaṃpuṭakaṃ jalam
morgens, mit zurückgehaltener Sprache, Wasser in einer aus einem Aśvattha-Blatt gefalteten Schale

aṣṭottaraśataṃ japtaṃ māsaṃ putrārthinī pibet / sarvalakṣaṇasaṃpannaṃ vandhyāpi labhate sutam

— hundertundacht Mal [damit] gemurmelt, trinke die nach einem Sohn Verlangende dies einen Monat lang; so erlangt sogar eine unfruchtbare Frau einen mit allen guten Merkmalen ausgestatteten Sohn.

Wort für Wort
aṣṭottaraśataṃ japtaṃ
hundertundacht Mal gemurmelt
māsaṃ putrārthinī pibet
trinke die nach einem Sohn Verlangende dies einen Monat lang
sarvalakṣaṇasaṃpannaṃ
mit allen guten Merkmalen ausgestattet
vandhyāpi labhate sutam
erlangt sogar eine unfruchtbare Frau einen Sohn

jitvā kṛtyāṃ kāśirājapreṣitāṃ ca nijāriṇaḥ / tejasā tasya nagaraṃ dahṝntaṃ bhāvayanharim

Um die von dem eigenen Feind, dem König von Kāśī, entsandte Zauberdämonin (Kṛtyā) zu besiegen, und indem man sich Hari vorstellt, wie er mit seiner Glut dessen Stadt verbrennt,

Wort für Wort
jitvā kṛtyāṃ kāśirājapreṣitāṃ ca nijāriṇaḥ
um die von dem eigenen Feind, dem König von Kāśī, entsandte Kṛtyā zu besiegen
tejasā tasya nagaraṃ dahṝntaṃ
wie er mit seiner Glut dessen Stadt verbrennt
bhāvayanharim
indem man sich Hari vorstellt

hunetsaptadinaṃ mantrī susnehāktaiśca sarṣapaiḥ / kṛtyākartāramevāsmai kupitā nāśayeddhruvam

— opfere der Mantra-Kundige sieben Tage lang mit gut in Öl getränktem Senf: gewiss wird [die Kṛtyā], erzürnt, ebendiesem den Urheber des Kṛtyā-Zaubers vernichten.

Wort für Wort
hunetsaptadinaṃ mantrī
opfere der Mantra-Kundige sieben Tage lang
susnehāktaiśca sarṣapaiḥ
mit gut in Öl getränktem Senf
kṛtyākartāramevāsmai
dem Urheber des Kṛtyā-Zaubers, ebendiesem
kupitā nāśayeddhruvam
wird [die Kṛtyā], erzürnt, gewiss vernichten

badarīdrumasaṃkīrṇe sthitaṃ divyāśrame śubhe / spṛśantaṃ karapadmābhyāṃ ghaṇṭākarṇakalevaram

[Man meditiere ihn,] wie er im heiligen, von Jujube-Bäumen (Badarī) bewachsenen göttlichen Einsiedlerhain weilt und mit seinen Lotushänden den Leib des [Dämonen] Ghaṇṭākarṇa berührt,

Wort für Wort
badarīdrumasaṃkīrṇe sthitaṃ
wie er im von Jujube-Bäumen bewachsenen weilt
divyāśrame śubhe
im heiligen, göttlichen Einsiedlerhain
spṛśantaṃ karapadmābhyāṃ
mit seinen Lotushänden berührend
ghaṇṭākarṇakalevaram
den Leib des Ghaṇṭākarṇa

dhyātvaivaṃ juhuyāllakṣaṃ tilaistrimadhurāplutaiḥ / mahāpāpayuto 'pyevaṃ pūto bhavati tatkṣaṇāt

— so meditierend opfere man hunderttausend Mal mit Sesamkörnern, getränkt in den drei Süßstoffen: selbst wer mit schwerster Sünde behaftet ist, wird so augenblicklich rein.

Wort für Wort
dhyātvaivaṃ juhuyāllakṣaṃ
so meditierend opfere man hunderttausend Mal
tilaistrimadhurāplutaiḥ
mit Sesamkörnern, getränkt in den drei Süßstoffen
mahāpāpayuto 'pyevaṃ
selbst wer mit schwerster Sünde behaftet ist
pūto bhavati tatkṣaṇāt
wird so augenblicklich rein

dyūtāsaktau rukmibalau dveṣayantaṃ hariṃ smaran / juhuyādiṣṭayordviṣṭyai gulikā gomayodbhavāḥ

Hari gedenkend, wie er Rukmin und Bala[rāma], die dem Würfelspiel verfallen waren, [gegeneinander] aufhetzte: zur Entzweiung zweier [Personen, die man] anfeinden [will], opfere man Kügelchen aus Kuhmist,

Wort für Wort
dyūtāsaktau rukmibalau
Rukmin und Bala[rāma], die dem Würfelspiel verfallen waren
dveṣayantaṃ hariṃ smaran
gedenkend, wie Hari sie [gegeneinander] aufhetzte
juhuyādiṣṭayordviṣṭyai
zur Entzweiung zweier [Personen], die man anfeinden will, opfere man
gulikā gomayodbhavāḥ
Kügelchen aus Kuhmist

nityaṃ sahasraṃ saptāhānmitho vidveṣayedarīn / varṣantaṃ garuḍārūḍhaṃ jvaladagnimukhaiḥ śaraiḥ

— täglich tausend Mal, sieben Tage lang; [so] entzweie man die Feinde untereinander. [Oder man meditiere ihn,] auf Garuḍa reitend, mit lodernden, feuermündigen Pfeilen niederregnend,

Wort für Wort
nityaṃ sahasraṃ saptāhān
täglich tausend Mal, sieben Tage lang
mitho vidveṣayedarīn
entzweie man die Feinde untereinander
varṣantaṃ garuḍārūḍhaṃ
auf Garuḍa reitend, niederregnend
jvaladagnimukhaiḥ śaraiḥ
mit lodernden, feuermündigen Pfeilen

dhāvantaṃ ripusaṃghātamanudhāvatamacyutam / dhyātvā saptasahasraṃ tu japenmantramananyadhīḥ

— den Unvergänglichen, der der fliehenden Schar der Feinde nacheilt: so meditierend murmle man, mit ungeteiltem Sinn, siebentausend Mal den Mantra.

Wort für Wort
dhāvantaṃ ripusaṃghātam
der fliehenden Schar der Feinde
anudhāvatamacyutam
der Unvergängliche, der nacheilt
dhyātvā saptasahasraṃ tu
so meditierend siebentausend Mal
japenmantramananyadhīḥ
murmle man den Mantra mit ungeteiltem Sinn

uccāṭanaṃ bhavatyeva śatrūṇāṃ saptabhirdinaiḥ / dhyāyannutkṣiptavatsaṃ tu kapitthaphalahāriṇam

So geschieht binnen sieben Tagen die Vertreibung (Uccāṭana) der Feinde. [Oder man meditiere ihn,] wie er ein Kalb emporschleudert, um die Frucht des Kapittha-Baumes herabzuholen,

Wort für Wort
uccāṭanaṃ bhavatyeva
so geschieht die Vertreibung
śatrūṇāṃ saptabhirdinaiḥ
der Feinde binnen sieben Tagen
dhyāyannutkṣiptavatsaṃ tu
oder man meditiere ihn, wie er ein Kalb emporschleudert
kapitthaphalahāriṇam
um die Frucht des Kapittha-Baumes herabzuholen

prajapedayutaṃ śatrumuñcāṭayati tatkṣaṇāt / ātmānaṃ kaṃsamathanaṃ dhyāyanmañcānnipātitam

— [so] murmle man zehntausend Mal: [dann] vertreibt man augenblicklich den Feind. [Oder man meditiere ihn,] wie er selbst den Kaṃsa niederwirft, [ihn] vom Podest herabstürzend,

Wort für Wort
prajapedayutaṃ
so murmle man zehntausend Mal
śatrumuñcāṭayati tatkṣaṇāt
vertreibt man augenblicklich den Feind
ātmānaṃ kaṃsamathanaṃ
er selbst, der Kaṃsa niederwirft
dhyāyanmañcānnipātitam
meditierend, [ihn] vom Podest herabstürzend

kaṃsātmānaṃ vyakarṣantaṃ gatāsuṃ taṃ japenmanum / ripujanmarkṣavṛkṣotthasamidbhirayutaṃ niśi

— wie er den leblosen Kaṃsa an sich heranzieht: so meditierend murmle man diesen Mantra. Mit Brennholzstücken, gewonnen von dem Baum, der dem Geburtsgestirn des Feindes zugeordnet ist, opfere man in der Nacht zehntausend Mal —

Wort für Wort
kaṃsātmānaṃ vyakarṣantaṃ gatāsuṃ
wie er den leblosen Kaṃsa an sich heranzieht
taṃ japenmanum
so [meditierend] murmle man diesen Mantra
ripujanmarkṣavṛkṣotthasamidbhirayutaṃ niśi
mit Brennholzstücken vom Baum des Geburtsgestirns des Feindes, zehntausend Mal, in der Nacht

[?: „ripujanmarkṣavṛkṣotthasamidbhiḥ“ wurde als „mit Brennholzstücken vom Baum des Geburts-Nakṣatra (janma-ṛkṣa) des Feindes“ gedeutet, gemäß der traditionellen Zuordnung bestimmter Bäume zu den Mondhäusern.]

juhuyādevamugro 'pi sapatno nidhanaṃ vrajet / athavā niṃbatailāktairhunedhobhirakṣajaiḥ

— so opfere man: selbst ein gewaltiger Widersacher geht dann dem Untergang entgegen. Oder man opfere mit in Niṃba-Öl getränkten [Substanzen], [gewonnen] aus wildwachsendem Getreide [?],

Wort für Wort
juhuyādevamugro 'pi
so opfere man: selbst ein gewaltiger [Widersacher]
sapatno nidhanaṃ vrajet
geht dann dem Untergang entgegen
athavā niṃbatailāktair
oder mit in Niṃba-Öl getränkten [Substanzen]
hunedhobhirakṣajaiḥ
opfere man, [gewonnen] aus wildwachsendem Getreide [?]

[?: „hunedhobhirakṣajaiḥ“ ist unsicher überliefert; die Bedeutung des zweiten Wortbestandteils bleibt offen, probeweise als „aus wildwachsendem Getreide“ gedeutet.]

ayutaṃ niyato rātrau mārayedacirādarīn / niśādiṣṭadalavyoṣakārpāsāsthikarairniśi

— zehntausend Mal, diszipliniert, in der Nacht: so tötet man bald die Feinde. Mit Blättern der Niśā und des [Baumes] Iṣṭa, mit den drei Gewürzen und mit Baumwollsamen, in der Nacht —

Wort für Wort
ayutaṃ niyato rātrau
zehntausend Mal, diszipliniert, in der Nacht
mārayedacirādarīn
tötet man bald die Feinde
niśādiṣṭadalavyoṣakārpāsāsthikarairniśi
mit Blättern der Niśā und des Iṣṭa, mit den drei Gewürzen und mit Baumwollsamen, in der Nacht [?]

[?: „niśādiṣṭadalavyoṣakārpāsāsthikaraiḥ“ ist eine stark verdichtete Aufzählung von Zutaten, deren einzelne Bestandteile („niśā“ – Kurkuma? –, „iṣṭa“, „vyoṣa“ – die drei Gewürze –, „kārpāsāsthi“ – Baumwollsamen) nicht mit letzter Sicherheit zu identifizieren sind.]

hunederaṇḍatailāktaiḥ śmaśāne ripuśāntaye / na śastaṃ māraṇaṃ karma kuryyāñcedayutaṃ hunet

— opfere man, in Rizinusöl getränkt, auf dem Leichenverbrennungsplatz, zur Vernichtung des Feindes. Das Tötungsritual (Māraṇa) ist nicht empfehlenswert; wenn man es dennoch vollzieht, opfere man zehntausend Mal,

Wort für Wort
hunederaṇḍatailāktaiḥ
opfere man, in Rizinusöl getränkt
śmaśāne ripuśāntaye
auf dem Leichenverbrennungsplatz, zur Vernichtung des Feindes
na śastaṃ māraṇaṃ karma
das Tötungsritual ist nicht empfehlenswert
kuryyāñcedayutaṃ hunet
wenn man es dennoch vollzieht, opfere man zehntausend Mal

pāyasairvā hunettāvacchāntaye śāntamānasaḥ / pārijātaharaṃ kṛṣṇaṃ dhyāyan lakṣaṃ japenmanum

— oder man opfere ebenso oft mit Milchreis, mit besänftigtem Sinn, zur Wiedergutmachung. [Oder man meditiere] Kṛṣṇa, wie er den Pārijāta-Baum raubt: so meditierend murmle man hunderttausend Mal den Mantra —

Wort für Wort
pāyasairvā hunettāvacchāntaye
oder man opfere ebenso oft mit Milchreis, zur Wiedergutmachung
śāntamānasaḥ
mit besänftigtem Sinn
pārijātaharaṃ kṛṣṇaṃ dhyāyan
Kṛṣṇa meditierend, wie er den Pārijāta-Baum raubt
lakṣaṃ japenmanum
murmle man hunderttausend Mal den Mantra

sarvatraiva jayastasya na kadāpi parājayaḥ / vyākhyāmudrākaraṃ kṛṣṇaṃ rathasthaṃ bhāvayañjapet

— [dann ist] ihm überall der Sieg [gewiss], niemals eine Niederlage. Man meditiere und murmle, Kṛṣṇa auf dem Wagen stehend, mit der Lehr-Geste (Vyākhyāmudrā) in der Hand,

Wort für Wort
sarvatraiva jayastasya
ihm ist überall der Sieg [gewiss]
na kadāpi parājayaḥ
niemals eine Niederlage
vyākhyāmudrākaraṃ kṛṣṇaṃ
Kṛṣṇa mit der Lehr-Geste in der Hand
rathasthaṃ bhāvayañjapet
auf dem Wagen stehend, meditiere und murmle man

pārthe diśantaṃ gītārthaṃ dharmavṛddhyai sumānavaḥ / pāvāśapuṣpairmadhvaktairlakṣaṃ vidyāptayehunet

— wie er dem Pārtha den Sinn des Gesangs [der Bhagavadgītā] weist: zur Mehrung der Rechtsordnung opfere der gute Mensch hunderttausend Mal mit in Honig getränkten Pāvāśa-Blüten, zur Erlangung von Wissen.

Wort für Wort
pārthe diśantaṃ gītārthaṃ
wie er dem Pārtha den Sinn des Gesangs weist
dharmavṛddhyai sumānavaḥ
zur Mehrung der Rechtsordnung, der gute Mensch
pāvāśapuṣpairmadhvaktair
mit in Honig getränkten Pāvāśa-Blüten [?]
lakṣaṃ vidyāptayehunet
opfere hunderttausend Mal, zur Erlangung von Wissen

[?: „pāvāśapuṣpaiḥ“ (‚Pāvāśa-Blüten‘) ist als Pflanzenname nicht sicher zu identifizieren.]

rāṣṭrapūrgrāmavastūnāṃ śarīrasyāpi rakṣaṇe / viśvarūpadhara prodyadbhānukoṭisamaprabham

Zum Schutz von Reich, Stadt, Dorf und Besitz sowie auch des eigenen Körpers [meditiere man ihn], die Allgestalt (Viśvarūpa) tragend, von einem Glanz gleich Millionen aufgehender Sonnen,

Wort für Wort
rāṣṭrapūrgrāmavastūnāṃ
von Reich, Stadt, Dorf und Besitz
śarīrasyāpi rakṣaṇe
und auch zum Schutz des eigenen Körpers
viśvarūpadhara
die Allgestalt tragend
prodyadbhānukoṭisamaprabham
von einem Glanz gleich Millionen aufgehender Sonnen

agrīṣomātmakaṃ kṛṣṇaṃ drutacāmīkaraprabham / arkāgnidyotitāsyāṅghriṃpraṅkaja divyabhūṣaṇam

— Kṛṣṇa, dessen Wesen Feuer und Soma [zugleich] ist, mit dem Glanz geschmolzenen Goldes, dessen Antlitz und Lotusfüße von Sonne und Feuer erleuchtet sind, mit göttlichem Schmuck,

Wort für Wort
agrīṣomātmakaṃ kṛṣṇaṃ
Kṛṣṇa, dessen Wesen Feuer und Soma ist
drutacāmīkaraprabham
mit dem Glanz geschmolzenen Goldes
arkāgnidyotitāsyāṅghriṃ
dessen Antlitz und Lotusfüße von Sonne und Feuer erleuchtet sind
praṅkaja divyabhūṣaṇam
mit göttlichem Schmuck

nānāyudhadharaṃ prāptaṃ viśvākāśāvakāśakam / dhyātvā lakṣa japenmantraṃ rakṣaṇāya samāhitaḥ

— der mannigfache Waffen trägt und den ganzen Raum des Weltalls einnimmt: so meditierend murmle man mit gesammeltem Geist hunderttausend Mal den Mantra zum Schutz.

Wort für Wort
nānāyudhadharaṃ prāptaṃ
der mannigfache Waffen trägt
viśvākāśāvakāśakam
und den ganzen Raum des Weltalls einnimmt
dhyātvā lakṣa japenmantraṃ
so meditierend murmle man hunderttausend Mal den Mantra
rakṣaṇāya samāhitaḥ
mit gesammeltem Geist, zum Schutz

raktairvanyaprasūnairyo dinādau pūjayeddharim / dinamadhyoktavidhinā japedaṣṭottaraṃ śatam

Wer Hari zu Tagesbeginn mit roten Waldblüten verehrt und zur Tagesmitte nach der genannten Vorschrift hundertundacht Mal murmelt —

Wort für Wort
raktairvanyaprasūnairyo
wer mit roten Waldblüten
dinādau pūjayeddharim
zu Tagesbeginn Hari verehrt
dinamadhyoktavidhinā
zur Tagesmitte nach der genannten Vorschrift
japedaṣṭottaraṃ śatam
hundertundacht Mal murmelt

sahasramaṇḍalānmantrī vaśayenmukharāndvijān / jātipuṣpaiḥ kṣatriyāṃśca gopaveṣadharaṃ smaran

— [wer dies] tausend [Tage lang, je einen] Kreis [bildend, vollzieht], bezaubert als Mantra-Kundiger selbst redegewaltige Brahmanen; mit Jātī-Blüten [bezaubere er] die Kṣatriyas, indem er ihn im Hirtengewand gedenkt,

Wort für Wort
sahasramaṇḍalānmantrī
der Mantra-Kundige, [nach] tausend [Tagen, je einen] Kreis [vollendend]
vaśayenmukharāndvijān
bezaubert selbst redegewaltige Brahmanen
jātipuṣpaiḥ kṣatriyāṃśca
mit Jātī-Blüten die Kṣatriyas
gopaveṣadharaṃ smaran
indem er ihn im Hirtengewand gedenkt

dhyāyan krīḍārataṃ kṛṣṇaṃ raktairaśvāripuṣpakaiḥ / vaśayedvaiśyajātīyān śūdrānnīlotpalaiḥ smaran

— indem man den am Spiel erfreuten Kṛṣṇa meditiert, bezaubere man mit roten Blüten der ‚Pferdefeindin‘ die der Vaiśya-Kaste Angehörigen, und, indem man ihn gedenkt, die Śūdras mit blauen Seerosen,

Wort für Wort
dhyāyan krīḍārataṃ kṛṣṇaṃ
indem man den am Spiel erfreuten Kṛṣṇa meditiert
raktairaśvāripuṣpakaiḥ
mit roten Blüten der ‚Pferdefeindin‘
vaśayedvaiśyajātīyān
bezaubere man die der Vaiśya-Kaste Angehörigen
śūdrānnīlotpalaiḥ smaran
und, ihn gedenkend, die Śūdras mit blauen Seerosen

gītanṛtyarataṃ śvetapuṣpaiḥ sājyaiśca tandulaiḥ / hutvānvahaṃ saptadinaṃ bhasma bhāle ca mūrddhani

— [oder indem man ihn meditiert als] am Gesang und Tanz erfreut, opfere man mit weißen Blüten, mit Ghee und Reiskörnern, täglich, sieben Tage lang, und trage die Asche auf der Stirn und dem Scheitel —

Wort für Wort
gītanṛtyarataṃ
am Gesang und Tanz erfreut
śvetapuṣpaiḥ sājyaiśca tandulaiḥ
mit weißen Blüten, mit Ghee und Reiskörnern
hutvānvahaṃ saptadinaṃ
opfere man täglich, sieben Tage lang
bhasma bhāle ca mūrddhani
und trage die Asche auf der Stirn und dem Scheitel

dhārayanvaśayetkāntāṃ sāpi tadvatpatiṃ dhruvam / tāṃbūlaṃ kusumaṃ vāsoṃ'janaṃ candanameva ca

— so trägt man sie und bezaubert die Geliebte; auch sie [wird] ebenso gewiss den Gatten [bezaubern]. Betelbissen, Blüten, Gewand, Augensalbe und ebenso Sandelpaste —

Wort für Wort
dhārayanvaśayetkāntāṃ
so trägt man sie und bezaubert die Geliebte
sāpi tadvatpatiṃ dhruvam
auch sie [wird] ebenso gewiss den Gatten [bezaubern]
tāṃbūlaṃ kusumaṃ vāsoṃ'janaṃ
Betelbissen, Blüten, Gewand, Augensalbe
candanameva ca
und ebenso Sandelpaste

sahasraṃ manunā japtaṃ dadyādyasmai narāya ca / so 'cirādeṣa vaśagaḥ saputrapaśubāndhavaḥ

— mit dem Mantra tausendmal [damit] besprochen, gebe man einem beliebigen Menschen: der wird alsbald untertan, samt Söhnen, Vieh und Verwandten.

Wort für Wort
sahasraṃ manunā japtaṃ
mit dem Mantra tausendmal besprochen
dadyādyasmai narāya ca
gebe man einem beliebigen Menschen
so 'cirādeṣa vaśagaḥ
der wird alsbald untertan
saputrapaśubāndhavaḥ
samt Söhnen, Vieh und Verwandten

vṛndāraṇyasthitaṃ dhyāyanballavīsaṃyutaṃ harim / apāmārgasamidbhistu hutvā tu vaśayejjagat

Indem man Hari meditiert, wie er im Vṛndā-Wald weilt, von den Hirtinnen begleitet, und mit Brennholzstücken des Apāmārga-Krauts opfert, bezaubert man die ganze Welt.

Wort für Wort
vṛndāraṇyasthitaṃ dhyāyan
indem man ihn meditiert, wie er im Vṛndā-Wald weilt
ballavīsaṃyutaṃ harim
Hari, von den Hirtinnen begleitet
apāmārgasamidbhistu hutvā tu
und mit Brennholzstücken des Apāmārga-Krauts opfert
vaśayejjagat
bezaubert man die ganze Welt

saṃprāpya sadguror dīkṣāṃ kṛṣṇaṃ yo vidhināmunā / arcayedvaiṣṇavaśreṣṭhaḥ so 'ṣṭasiddhīśvaro bhavet

Wer, nachdem er die Einweihung von einem wahren Lehrer erlangt hat, Kṛṣṇa nach dieser Vorschrift verehrt, der wird, als bester der Vaiṣṇavas, zum Herrn der acht Siddhis.

Wort für Wort
saṃprāpya sadguror dīkṣāṃ
nachdem er die Einweihung von einem wahren Lehrer erlangt hat
kṛṣṇaṃ yo vidhināmunā
wer Kṛṣṇa nach dieser Vorschrift
arcayedvaiṣṇavaśreṣṭhaḥ
verehrt, als bester der Vaiṣṇavas
so 'ṣṭasiddhīśvaro bhavet
der wird zum Herrn der acht Siddhis

tasya darśanamātreṇa vādino niṣprabhāḥ smṛtāḥ / vasetsarasvatī vakre gṛhe cāpi sabhāsadaḥ

Durch dessen bloßen Anblick werden, wie überliefert wird, [selbst geschickte] Redner glanzlos; in seinem Munde wohnt Sarasvatī [die Göttin der Beredsamkeit], und in seinem Haus [weilen] Versammlungsteilnehmer.

Wort für Wort
tasya darśanamātreṇa
durch dessen bloßen Anblick
vādino niṣprabhāḥ smṛtāḥ
werden Redner, wie überliefert wird, glanzlos
vasetsarasvatī vakre
in seinem Munde wohnt Sarasvatī
gṛhe cāpi sabhāsadaḥ
und in seinem Haus [weilen] Versammlungsteilnehmer

bhuktvā nānāvidhānbhogānante viṣṇupadaṃ vrajet

Nachdem er mannigfache Genüsse erfahren hat, geht er am Ende in Viṣṇus [höchstes] Reich ein.

Wort für Wort
bhuktvā nānāvidhānbhogān
nachdem er mannigfache Genüsse erfahren hat
ante viṣṇupadaṃ vrajet
geht er am Ende in Viṣṇus Reich ein

[Anm.: Dieser Vers besteht im vorliegenden Quelltext nur aus einer einzigen Vers-Halbzeile (Pāda) anstelle der sonst üblichen zwei; eine zweite Halbzeile sowie der am Kapitelende zu erwartende Schlusskolophon („iti śrībṛhannāradīyapurāṇe ... kṛṣṇamantranirūpaṇaṃ nāmāśītitamo 'dhyāyaḥ“) fehlen in der Vorlage. Der Vers wurde unverändert, wie im Quelltext vorgefunden, übersetzt.]

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