Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 6: bāhorahaṃkāravṛttāntaḥ satīnivāraṇaṃ ca Die Geschichte von Bāhus Hochmut und die Verhinderung der Witwenverbrennung

nārada uvāca / ko 'sau rākṣasabhāvāddhi mocitaḥ sagarāvanvaye / sagaraḥ ko muniśreṣṭha tanmramākhyātumarhasi

Nārada sprach: Wer ist jener, der aus dem Geschlecht Sagaras von seinem dämonischen Zustand befreit wurde? Wer ist dieser Sagara, o bester der Weisen? Das mögest du der Reihe nach erzählen [?].

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
ko 'sau rākṣasabhāvāddhi mocitaḥ
wer ist jener, der von seinem dämonischen Zustand befreit wurde
sagarāvanvaye
im Geschlecht Sagaras
sagaraḥ ko muniśreṣṭha
wer ist dieser Sagara, o bester der Weisen
tanmramākhyātumarhasi [?]
das der Reihe nach zu erzählen mögest du geruhen [?]

[?] "tanmramākhyātum" unklar, sinngemäß als "tat kramād ākhyātum" ("das der Reihe nach zu erzählen") gedeutet.

sanaka uvāca / śruṇuṣva muniśārdūla gaṅgāmāhātmyamuttamam / yajjalasparśamātreṇa pāvitaṃ sāgaraṃ kulam / gataṃ viṣṇupadaṃ vipra sarvalokottamottamam

Sanaka sprach: Höre, o Tiger unter den Weisen, die höchste Größe der Gaṅgā, durch deren bloße Wasserberührung das Geschlecht Sagaras gereinigt wurde und, o Brahmane, zum Ort Viṣṇus gelangte, dem allerhöchsten unter allen Welten.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
śruṇuṣva muniśārdūla
höre, o Tiger unter den Weisen
gaṅgāmāhātmyamuttamam
die höchste Größe der Gaṅgā
yajjalasparśamātreṇa
durch dessen bloße Wasserberührung
pāvitaṃ sāgaraṃ kulam
gereinigt wurde das Geschlecht Sagaras
gataṃ viṣṇupadaṃ vipra
und zum Ort Viṣṇus gelangte, o Brahmane
sarvalokottamottamam
dem allerhöchsten unter allen Welten

[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]

āsīdravikule bāhurnāma vṛkātmajaḥ / bubhuje pṛthivīṃ sarvāṃ dharmato dharmatatparaḥ

Im Sonnengeschlecht lebte ein Bāhu genannter, Sohn des Vṛka; er beherrschte die ganze Erde dem Dharma gemäß, dem Dharma ergeben.

Wort für Wort
āsīdravikule
es lebte im Sonnengeschlecht
bāhurnāma vṛkātmajaḥ
ein Bāhu genannter, Sohn des Vṛka
bubhuje pṛthivīṃ sarvāṃ
er beherrschte die ganze Erde
dharmato dharmatatparaḥ
dem Dharma gemäß, dem Dharma ergeben

brahmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāścānye ca jantavaḥ / sthāpitāḥ svasvadharmeṣu tena bāhurviśāṃpatiḥ

Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und andere Wesen wurden von ihm, dem Bāhu, dem Herrn der Untertanen, in ihren jeweils eigenen Pflichten gefestigt.

Wort für Wort
brahmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāścānye ca jantavaḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und andere Wesen
sthāpitāḥ svasvadharmeṣu
wurden in ihren jeweils eigenen Pflichten gefestigt
tena bāhurviśāṃpatiḥ
von ihm, dem Bāhu, dem Herrn der Untertanen

aśvamedhairiyājāsau satpadvīpeṣu satpabhiḥ / atarppayadbhūmidevān gobhūsvarṇāśukādibhiḥ

Mit Pferdeopfern opferte er auf den [?] sieben Kontinenten mit sieben (Opfern) und befriedigte die Erdgötter (Brahmanen) mit Kühen, Land, Gold, Gewändern und dergleichen.

Wort für Wort
aśvamedhairiyāja asau
mit Pferdeopfern opferte er
satpadvīpeṣu [?] satpabhiḥ [?]
auf den sieben Kontinenten mit sieben (Opfern) [?]
atarppayadbhūmidevān
er befriedigte die Erdgötter
gobhūsvarṇāśukādibhiḥ
mit Kühen, Land, Gold, Gewändern u.dgl.

[?] "satpadvīpeṣu satpabhiḥ" unklar/verderbt, vermutlich für "saptadvīpeṣu saptabhiḥ" ("auf den sieben Kontinenten mit sieben [Opfern]").

aśāsannītiśāstreṇa yatheṣṭaṃ paripanthinaḥ / mene kṛtārthamātmānamanyātapanivāraṇam

Er unterwarf gemäß der Staatslehre nach Belieben seine Gegner und hielt sich für am Ziel angelangt, da keinerlei fremde Bedrängnis mehr abzuwehren war [?].

Wort für Wort
aśāsannītiśāstreṇa
er unterwarf gemäß der Staatslehre
yatheṣṭaṃ paripanthinaḥ
nach Belieben seine Gegner
mene kṛtārthamātmānam
er hielt sich für am Ziel angelangt
anyātapanivāraṇam [?]
da keine fremde Bedrängnis mehr abzuwehren war [?]

[?] "anyātapanivāraṇam" unsicher, sinngemäß gedeutet.

candanāni manojñāni baliṃ yatsarvadā janāḥ / bhūṣitā bhūṣaṇaurdivyaistadrāṣṭre sukhino mune

Mit herrlichem Sandelduft (gesalbt), stets Opfergaben darbringend, mit himmlischem Schmuck geziert, lebten die Menschen in seinem Reich glücklich, o Weiser.

Wort für Wort
candanāni manojñāni
herrliche Sandelpasten
baliṃ yatsarvadā janāḥ
Opfergaben, die die Menschen stets darbrachten
bhūṣitā bhūṣaṇairdivyais
geschmückt mit himmlischem Schmuck
tadrāṣṭre sukhino mune
in seinem Reich glücklich, o Weiser

akṛṣṭapacyā pṛthivī phalapuṣpasamanvitā

Die Erde trug, ohne gepflügt zu werden, von selbst Frucht und war reich an Früchten und Blüten.

Wort für Wort
akṛṣṭapacyā pṛthivī
die Erde, die ohne Pflügen Frucht trug
phalapuṣpasamanvitā
reich an Früchten und Blüten

[Anm.: Vers besteht in der Quelle nur aus einem Pāda; die zweite Vershälfte fehlt, unverändert wiedergegeben.]

vavarṣa bhūmau devendraḥ kāle kāle muniśvaraḥ / ādharmaniratāpāye prajā dharmeṇa rakṣitāḥ

Indra ließ zur rechten Zeit Regen auf die Erde fallen, o Herr der Weisen; da das dem Unrecht ergebene Übel geschwunden war, wurden die Untertanen durch den Dharma beschützt.

Wort für Wort
vavarṣa bhūmau devendraḥ
Indra ließ auf die Erde regnen
kāle kāle muniśvaraḥ
zur rechten Zeit, o Herr der Weisen
ādharmaniratāpāye
bei Schwund des dem Unrecht Ergebenen
prajā dharmeṇa rakṣitāḥ
wurden die Untertanen durch den Dharma beschützt

ekadā tasya bhūpasya sarvasaṃpadvināśakṛt / ahṝṅkāro mahāñjajñe sāsūyo lopahetukaḥ

Einst entstand bei diesem König ein gewaltiger Hochmut, verbunden mit Missgunst, der die Ursache seines Untergangs war und die Vernichtung all seines Wohlstands bewirkte.

Wort für Wort
ekadā tasya bhūpasya
einst bei diesem König
sarvasaṃpadvināśakṛt
der die Vernichtung all seines Wohlstands bewirkte
ahṅkāro mahāñjajñe
ein gewaltiger Hochmut entstand
sāsūyo lopahetukaḥ
mit Missgunst, die Ursache des Untergangs

ahaṃ rājā samastānāṃ lokānāṃ pālako balī / karttā mahākratūnāṃ ca mattaḥ pūjyo 'sti ko 'paraḥ

(Er dachte:) 'Ich bin der König aller Welten, ihr starker Beschützer und Vollzieher großer Opfer - wer anderer als ich ist verehrungswürdig?'

Wort für Wort
ahaṃ rājā samastānāṃ lokānāṃ
ich bin der König aller Welten
pālako balī
der starke Beschützer
karttā mahākratūnāṃ ca
und der Vollzieher großer Opfer
mattaḥ pūjyo 'sti ko 'paraḥ
wer anderer als ich ist verehrungswürdig

ahaṃ vicakṣaṇaḥ śrīmāñjitāḥ sarve mayarayaḥ / vedavedāṅgatattvajño nītiśāstra viśāradaḥ

'Ich bin klug und glanzvoll, alle Feinde wurden von mir besiegt [?], ich bin ein Kenner der Wahrheit von Veda und Vedāṅgas und bewandert in der Staatslehre.'

Wort für Wort
ahaṃ vicakṣaṇaḥ śrīmān
ich bin klug und glanzvoll
jitāḥ sarve mayā ripavaḥ [?]
von mir wurden alle Feinde besiegt [?]
vedavedāṅgatattvajño
ein Kenner der Wahrheit von Veda und Vedāṅgas
nītiśāstraviśāradaḥ
bewandert in der Staatslehre

[?] "mayarayaḥ" vermutlich verderbt für "mayā ripavaḥ" ("von mir die Feinde").

ajeyo 'vyāhataiśvaryo mattaḥ ko 'nyo 'dhiko bhuvi / ahṝṅkāraparasyaivaṃ jātāsūyā pareṣvapi

'Unbesiegbar bin ich, von ungehinderter Herrschermacht - wer anderer als ich ist auf Erden überlegen?' - so entstand bei dem dem Hochmut Ergebenen Missgunst auch gegenüber anderen.

Wort für Wort
ajeyo 'vyāhataiśvaryo
unbesiegbar, von ungehinderter Herrschermacht
mattaḥ ko 'nyo 'dhiko bhuvi
wer anderer als ich ist überlegener auf Erden
ahṅkāraparasyaivaṃ
für den so dem Hochmut Ergebenen
jātāsūyā pareṣvapi
entstand Missgunst auch gegenüber anderen

asūyāto 'bhavatkāmastasya rājño munīśvara / eṣu sthiteṣu tu naro vināṣaṃ yatyasaṃśayam

Aus der Missgunst entstand bei diesem König Begierde, o Herr der Weisen; wenn diese Laster bei einem Menschen vorhanden sind, geht er zweifellos dem Untergang entgegen.

Wort für Wort
asūyāto 'bhavatkāmas
aus der Missgunst entstand Begierde
tasya rājño munīśvara
bei diesem König, o Herr der Weisen
eṣu sthiteṣu tu naro
wenn diese Laster bei einem Menschen vorhanden sind
vināṣaṃ yatyasaṃśayam
geht er ohne Zweifel dem Untergang entgegen

yauvanaṃ dhanasaṃpattiḥ prabhutvamavivekitā / ekaikamapyanarthāya kimu yatra catuṣṭayam

Jugend, Reichtum, Herrschermacht und Unbesonnenheit - schon jedes einzelne für sich führt zum Unheil; wieviel mehr erst, wo alle vier zusammenkommen!

Wort für Wort
yauvanaṃ dhanasaṃpattiḥ
Jugend, Reichtum
prabhutvamavivekitā
Herrschermacht, Unbesonnenheit
ekaikamapyanarthāya
schon jedes einzelne für sich zum Unheil
kimu yatra catuṣṭayam
wieviel mehr, wo alle vier zusammen sind

tasyāsūyā nu mahatī jātā lokavirodhinī / svadehanāśinī vigra sarvasaṃpadvināśinī

Bei ihm entstand fürwahr eine gewaltige Missgunst, die der Welt zuwiderlief, den eigenen Leib zerstörte und allen Wohlstand vernichtete, o [?].

Wort für Wort
tasyāsūyā nu mahatī jātā
bei ihm entstand fürwahr eine gewaltige Missgunst
lokavirodhinī
die der Welt zuwiderlief
svadehanāśinī
die den eigenen Leib vernichtete
vigra [?]
o [?]
sarvasaṃpadvināśinī
die allen Wohlstand vernichtete

[?] "vigra" unklar, vermutlich Rest einer Anrede.

asūyāviṣṭamanasi yadi saṃpatpravarttate / tuṣāgniṃ vāyusaṃyogamiva jānīhi suvrata

Wenn sich bei einem von Missgunst erfüllten Geist Wohlstand entfaltet, so erkenne dies als so gefährlich wie ein Spreufeuer im Wind, o Tugendhafter.

Wort für Wort
asūyāviṣṭamanasi
in einem von Missgunst erfüllten Geist
yadi saṃpatpravarttate
wenn Wohlstand sich entfaltet
tuṣāgniṃ vāyusaṃyogamiva
wie ein Spreufeuer in Verbindung mit Wind
jānīhi suvrata
erkenne dies, o Tugendhafter

asūyopetamanasāṃ dambhācāravatāṃ tathā / paruṣoktiratānāṃ ca sukhaṃ neha paratra ca

Für die, deren Geist von Missgunst erfüllt ist, ebenso für die, die in Heuchelei handeln, und für die, die sich an rauer Rede erfreuen, gibt es kein Glück, weder hier noch im Jenseits.

Wort für Wort
asūyopetamanasāṃ
derer, deren Geist von Missgunst erfüllt ist
dambhācāravatāṃ tathā
und ebenso derer, die in Heuchelei handeln
paruṣoktiratānāṃ ca
und derer, die sich an rauer Rede erfreuen
sukhaṃ neha paratra ca
(gibt es) kein Glück, weder hier noch im Jenseits

asūyāviṣṭacittā nāṃ sadā niṣṭhurabhāṣiṇām / priyāvā tanayā vāpi bāndhavā apyarātayaḥ

Für die, deren Sinn von Missgunst erfüllt ist und die stets hart reden, werden selbst die Geliebte, der Sohn oder die Verwandten zu Feinden.

Wort für Wort
asūyāviṣṭacittānāṃ
derer, deren Sinn von Missgunst erfüllt ist
sadā niṣṭhurabhāṣiṇām
die stets hart reden
priyā vā tanayā vāpi
sei es die Geliebte oder der Sohn
bāndhavā apyarātayaḥ
selbst die Verwandten werden zu Feinden

manobhilāṣaṃ kurute yaḥ samīkṣya parastriyam / sa svasaṃpadvināśāya kuṭhāro nātra saṃśayaḥ

Wer, die Frau eines anderen erblickend, ein Verlangen im Herzen hegt, der ist für seinen eigenen Wohlstand wie eine Axt - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
manobhilāṣaṃ kurute yaḥ
wer ein Verlangen im Herzen hegt
samīkṣya parastriyam
nachdem er die Frau eines anderen erblickt hat
sa svasaṃpadvināśāya kuṭhāro
der ist für den eigenen Wohlstand wie eine Axt
nātra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel

yaḥ svaśreyovināśāya kuryādyatnaṃ naro mune / sarveṣāṃ śreyasaṃ dṛṣṭvā sa kuryānmatsūraṃ kudhīḥ

Wer sich, o Weiser, um die Vernichtung des eigenen Glücks bemühen wollte - ein solcher von schlechtem Verstand würde, das Glück anderer erblickend, Neid empfinden.

Wort für Wort
yaḥ svaśreyovināśāya
wer zur Vernichtung des eigenen Glücks
kuryādyatnaṃ naro mune
sich bemühen würde, o Weiser
sarveṣāṃ śreyasaṃ dṛṣṭvā
das Glück aller anderen erblickend
sa kuryānmatsūraṃ kudhīḥ
der von schlechtem Verstand würde Neid empfinden

mitrāpatyagṛhakṣetra dhanadhānyapaṣuṣvapi / hānimicchannaraḥ kuryādasūyāṃ satataṃ dvija

Ein Mensch, der anderen Verlust wünscht, sei es bei Freunden, Nachkommen, Haus, Feld, Reichtum, Getreide oder Vieh, hegt stets Missgunst, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
mitrāpatyagṛhakṣetradhanadhānyapaśuṣvapi
selbst bei Freunden, Nachkommen, Haus, Feld, Reichtum, Getreide, Vieh
hānimicchannaraḥ
ein Mensch, der Verlust wünscht
kuryādasūyāṃ satataṃ dvija
hegt stets Missgunst, o Zweifachgeborener

atha tasyāvinītasya hyasūyāviṣṭacetasaḥ / haihayāstālalajaṅghāśca balino 'rātayo 'bhavan

Da wurden dem Unbeherrschten, dessen Sinn von Missgunst erfüllt war, die Haihayas und die Tālajaṅghas zu mächtigen Feinden.

Wort für Wort
atha tasyāvinītasya
da (wurden) diesem Unbeherrschten
hyasūyāviṣṭacetasaḥ
dessen Sinn wahrlich von Missgunst erfüllt war
haihayāstālajaṅghāśca
die Haihayas und die Tālajaṅghas
balino 'rātayo 'bhavan
zu mächtigen Feinden

yasyānukūlo lakṣmīśaḥ saubhāgyaṃ tasya varddhate / sa eva vimukho yasya saubhāgyaṃ tasya hīyate

Wem der Herr der Lakṣmī (Viṣṇu) gewogen ist, dessen Glück nimmt zu; wem eben er abgeneigt ist, dessen Glück schwindet.

Wort für Wort
yasyānukūlo lakṣmīśaḥ
wem der Herr der Lakṣmī gewogen ist
saubhāgyaṃ tasya varddhate
dessen Glück nimmt zu
sa eva vimukho yasya
wem eben er abgeneigt ist
saubhāgyaṃ tasya hīyate
dessen Glück schwindet

tāvatputrāśca pautrāśca dhanadhānyagṛhādayaḥ / yāvadīkṣeta lakṣmīśaḥ kṛpāpāṅgena nārada

Solange der Herr der Lakṣmī einen mit einem mitfühlenden Blick betrachtet, o Nārada, solange bleiben Söhne, Enkel, Reichtum, Getreide, Haus und dergleichen bestehen.

Wort für Wort
tāvatputrāśca pautrāśca
solange (bleiben) Söhne und Enkel
dhanadhānyagṛhādayaḥ
Reichtum, Getreide, Haus und dergleichen
yāvadīkṣeta lakṣmīśaḥ
solange wie der Herr der Lakṣmī ansieht
kṛpāpāṅgena nārada
mit einem Blick des Mitgefühls, o Nārada

api mūrkhāndhabadhirajaḍāḥ śūrā vivekinaḥ / ślādhyā bhavanti viprendra prekṣitā mādhavena ye

Selbst Toren, Blinde, Taube und Stumpfsinnige - wie auch Helden und Verständige - werden preiswürdig, o Fürst der Brahmanen, wenn sie von Mādhava (Viṣṇu) angeblickt werden.

Wort für Wort
api mūrkhāndhabadhirajaḍāḥ
selbst Toren, Blinde, Taube, Stumpfsinnige
śūrā vivekinaḥ
Helden und Verständige
ślāghyā bhavanti viprendra
werden preiswürdig, o Fürst der Brahmanen
prekṣitā mādhavena ye
welche von Mādhava angeblickt werden

saubhāgyaṃ tasya hīyeta yasyāsūyādilāñchanam / jāyate nātra saṃdeho jantudveṣo viśeṣataḥ

Dessen Glück schwindet, bei wem sich das Merkmal der Missgunst und dergleichen, insbesondere Hass gegen andere Wesen, einstellt - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
saubhāgyaṃ tasya hīyeta
dessen Glück schwindet
yasyāsūyādilāñchanam
bei wem das Merkmal der Missgunst u.dgl.
jāyate nātra saṃdeho
entsteht - daran kein Zweifel
jantudveṣo viśeṣataḥ
insbesondere Hass gegen andere Wesen

satataṃ yasya kasyāpi yo dveṣaṃ kurute naraḥ / tasya sarvāṇi naśyanti śreyāṃsi munisatam

Welcher Mensch auch immer gegen wen auch immer stets Hass hegt, dessen sämtliche Glücksgüter gehen zugrunde, o bester der Weisen.

Wort für Wort
satataṃ yasya kasyāpi
gegen wen auch immer stets
yo dveṣaṃ kurute naraḥ
welcher Mensch Hass hegt
tasya sarvāṇi naśyanti śreyāṃsi
dessen sämtliche Glücksgüter gehen zugrunde
munisattama
o bester der Weisen

asūyā varddhate yasya tasya viṣṇuḥ parāṅmukhaḥ / dhanaṃ dhānyaṃ mahī saṃpanadviśyati tato dhruvam

Bei wem die Missgunst zunimmt, dem wendet Viṣṇu sein Antlitz ab; Reichtum, Getreide, Land und Wohlstand gehen ihm dann gewiss verloren [?].

Wort für Wort
asūyā varddhate yasya
bei wem die Missgunst zunimmt
tasya viṣṇuḥ parāṅmukhaḥ
dem wendet Viṣṇu sein Antlitz ab
dhanaṃ dhānyaṃ mahī sampat
Reichtum, Getreide, Land, Wohlstand
naśyati tato dhruvam [?]
gehen dann gewiss zugrunde [?]

[?] "saṃpanadviśyati" unklar, sinngemäß als "sampan naśyati" ("der Wohlstand geht zugrunde") gedeutet.

vivekaṃ hantyahṝṅkārastvavivekāttu jīvinām / āpadaḥ saṃbhavantyevetyahṝṅkāraṃ tyajettataḥ

Der Hochmut zerstört die Unterscheidungskraft, und aus mangelnder Unterscheidungskraft entstehen bei den Lebewesen Gefahren - deshalb soll man den Hochmut aufgeben.

Wort für Wort
vivekaṃ hantyahṅkāras
der Hochmut zerstört die Unterscheidungskraft
tvavivekāttu jīvinām
und aus mangelnder Unterscheidungskraft bei den Lebewesen
āpadaḥ saṃbhavantyeva
entstehen eben Gefahren
ityahṅkāraṃ tyajettataḥ
deshalb soll man den Hochmut aufgeben

ahaṃ kāro bhavedyasya tasya nāśo 'tivegataḥ / asūyāvisṛṣṭamanasastasya rājñaḥ paraiḥ saha

Bei wem Hochmut entsteht, dessen Untergang erfolgt sehr rasch - so erging es diesem König, dessen Geist von Missgunst durchdrungen war, im Kampf mit den Feinden.

Wort für Wort
ahaṃkāro bhavedyasya
bei wem Hochmut entsteht
tasya nāśo 'tivegataḥ
dessen Untergang erfolgt sehr schnell
asūyāvisṛṣṭamanasas
dessen Geist von Missgunst durchdrungen war
tasya rājñaḥ paraiḥ saha
für diesen König, mit den Feinden

āyodhanamabhīddhoraṃ māsamekaṃ nirantaram / haihayaistālajaṅghaiśca ripubhiḥ sa parājitaḥ

Es entstand eine schreckliche Schlacht, einen ganzen Monat lang ununterbrochen; er wurde von den Haihaya- und Tālajaṅgha-Feinden besiegt.

Wort für Wort
āyodhanamabhūd ghoraṃ [?]
es entstand eine schreckliche Schlacht [?]
māsamekaṃ nirantaram
einen ganzen Monat lang ununterbrochen
haihayaistālajaṅghaiśca ripubhiḥ
mit den Haihaya- und Tālajaṅgha-Feinden
sa parājitaḥ
er wurde besiegt

[?] "abhīddhoraṃ" vermutlich für "abhūd ghoraṃ" ("es entstand schrecklich").

sa tu bāhustato duḥkhī antarvatnyā svabhāryayā / avāpa paramāṃ tuṣṭiṃ tatra dṛṣṭvā mahatsaraḥ

Jener Bāhu aber floh darauf betrübt mit seiner schwangeren Gattin und fand, als er dort einen großen See erblickte, höchsten Trost.

Wort für Wort
sa tu bāhustato duḥkhī
jener Bāhu aber, darauf betrübt
antarvatnyā svabhāryayā
mit seiner schwangeren eigenen Gattin
avāpa paramāṃ tuṣṭiṃ
fand höchste Beruhigung
tatra dṛṣṭvā mahatsaraḥ
dort einen großen See erblickend

[Anm.: Ein Verb des Fliehens/Weggehens ist im vorliegenden Vers nicht explizit enthalten, sinngemäß aus dem Kontext (V.37) ergänzt.]

asūyopetamanasastasya bhāvaṃ nirīkṣya ca / sarogatavihaṅgāste līnāścitramidaṃ mahat

Und den Zustand dessen, dessen Geist von Missgunst erfüllt war, erblickend, verharrten jene zum See gekommenen Vögel regungslos - dies ist ein großes Wunder.

Wort für Wort
asūyopetamanasastasya bhāvaṃ nirīkṣya ca
und den Zustand dessen, dessen Geist von Missgunst erfüllt war, erblickend
sarogatavihaṅgāste
jene zum See gekommenen Vögel
līnāḥ
verharrten regungslos
citramidaṃ mahat
dies ist ein großes Wunder

aho kaṣṭamaho rupaṃ ghoramatra samāgatam / viśantastvarayā vāsamityūcuste vihaṅgamāḥ

'Ach, welch Elend! Ach, welch schreckliche Gestalt ist hier angekommen!' - so sprachen jene Vögel, eilig ihre Nester aufsuchend.

Wort für Wort
aho kaṣṭamaho rupaṃ ghoramatra samāgatam
ach, welch Elend, welch schreckliche Gestalt ist hier angekommen
viśantastvarayā vāsam
eilig ihre Behausung aufsuchend
ityūcuste vihaṅgamāḥ
so sprachen jene Vögel

so 'vagāhyasarobhūpaḥ patnībhyāṃ sahito mutā / pītvā jalaṃ ca sukhadaṃ vṛkṣamūlamupāśritaḥ

Er, der König, tauchte, begleitet von seinen beiden Gattinnen, mit Freude in den See ein, trank das wohltuende Wasser und suchte dann Zuflucht am Fuß eines Baumes.

Wort für Wort
so 'vagāhya saraḥ bhūpaḥ
er, der König, nachdem er in den See eingetaucht war
patnībhyāṃ sahito mudā
begleitet von seinen beiden Gattinnen, mit Freude
pītvā jalaṃ ca sukhadaṃ
und nachdem er das wohltuende Wasser getrunken hatte
vṛkṣamūlamupāśritaḥ
suchte er Zuflucht am Fuß eines Baumes

tasminbāhau vanaṃ yāte tenaiva parirakṣitāḥ / durguṇānvigaṇayyāsyadhigdhigityabruvanprajāḥ

Als jener Bāhu in den Wald gegangen war, sprachen die Untertanen, die zuvor von ihm beschützt worden waren, nachdem sie seine schlechten Eigenschaften aufgezählt hatten: 'Schande, Schande!'

Wort für Wort
tasminbāhau vanaṃ yāte
als jener Bāhu in den Wald gegangen war
tenaiva parirakṣitāḥ
die von eben ihm beschützt worden waren
durguṇānvigaṇayyāsya
nachdem sie seine schlechten Eigenschaften aufgezählt hatten
dhigdhigityabruvanprajāḥ
'Schande, Schande' sprachen die Untertanen

yo vā ko vā guṇī martyaḥ sarvaśvādhyatarodvijaḥ / sarvasaṃpatsamāyukto 'pyaguṇīnindito janaiḥ

Wer auch immer ein tugendhafter Sterblicher ist, ein Zweifachgeborener, der vorzüglich in allen Lehrschriften bewandert ist [?] - selbst wenn er mit allem Wohlstand ausgestattet, aber ohne Tugend ist, wird er von den Menschen getadelt.

Wort für Wort
yo vā ko vā guṇī martyaḥ
wer auch immer ein tugendhafter Sterblicher ist
sarvaśāstrādhyatarodvijaḥ [?]
ein in allen Lehrschriften bewanderter Zweifachgeborener [?]
sarvasaṃpatsamāyukto 'pyaguṇī
selbst mit allem Wohlstand, aber ohne Tugend
nindito janaiḥ
wird von den Menschen getadelt

[?] "sarvaśvādhyatarodvijaḥ" unklar/verderbt, sinngemäß auf einen in den Lehrschriften bewanderten Zweifachgeborenen gedeutet.

apakīrtisamo mṛtyurlokeṣvanyo na vidyate / yadā bāhurvanaṃ yātastadā tadrāgagā janāḥ / saṃtuṣṭiṃ paramāṃ yātā davathau vigate yathā

Einen dem schlechten Ruf gleichenden Tod gibt es sonst nicht in den Welten. Als Bāhu in den Wald gegangen war, da erlangten die Menschen seines Reiches [?] höchste Zufriedenheit, so wie wenn ein Fieber gewichen ist.

Wort für Wort
apakīrtisamo mṛtyurlokeṣvanyo na vidyate
einen dem schlechten Ruf gleichenden Tod gibt es sonst nicht in den Welten
yadā bāhurvanaṃ yātas
als Bāhu in den Wald gegangen war
tadā tadrāṣṭragā [?] janāḥ
da die Menschen seines Reiches [?]
saṃtuṣṭiṃ paramāṃ yātā
erlangten höchste Zufriedenheit
davathau vigate yathā
so wie wenn ein Fieber gewichen ist

[?] "tadrāgagā" unklar, vermutlich verderbt für "tadrāṣṭragā" ("die zu seinem Reich Gehörigen"). [Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle.]

nindāto bahuśo bāhurmṛtavatkānanesthitaḥ / nihatya karma ca yaśo loke dvajavarottama

Bāhu, vielfach getadelt, weilte wie tot im Wald, nachdem er seine früheren Taten und seinen Ruhm in der Welt zunichtegemacht hatte, o bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
nindāto bahuśo bāhur
Bāhu, vielfach getadelt
mṛtavatkānanesthitaḥ
weilte wie tot im Wald
nihatya karma ca yaśo loke
nachdem er seine Taten und seinen Ruhm in der Welt zunichtegemacht hatte
dvijavarottama
o bester der Zweifachgeborenen

nāstyakīrtisamo mṛtyurmāsti krodhasamo ripuḥ / nāsti nindāsamaṃ pāpaṃ nāsti mohasamāsavaḥ

Es gibt keinen Tod, der der Schande gleichkommt; es gibt keinen Feind, der dem Zorn gleichkommt; es gibt keine Sünde, die dem Tadel gleichkommt; es gibt kein Getränk, das der Verblendung gleichkommt.

Wort für Wort
nāstyakīrtisamo mṛtyur
kein Tod gleicht der Schande
māsti krodhasamo ripuḥ
kein Feind gleicht dem Zorn
nāsti nindāsamaṃ pāpaṃ
keine Sünde gleicht dem Tadel
nāsti mohasamāsavaḥ
kein Getränk gleicht der Verblendung

nāstyasūyāsamā kīrtirnāsti kāmasamo 'nalaḥ / nāsti rāgasamaḥ pāśo nāsti saṅgasamaṃ viṣam

Es gibt nichts, das dem Ruhm so entgegenwirkt wie die Missgunst [?]; es gibt kein Feuer, das der Begierde gleichkommt; es gibt keine Fessel, die der Leidenschaft gleichkommt; es gibt kein Gift, das der (weltlichen) Anhaftung gleichkommt.

Wort für Wort
nāstyasūyāsamā kīrtir [?]
nichts wirkt dem Ruhm so entgegen wie die Missgunst [?]
nāsti kāmasamo 'nalaḥ
kein Feuer gleicht der Begierde
nāsti rāgasamaḥ pāśo
keine Fessel gleicht der Leidenschaft
nāsti saṅgasamaṃ viṣam
kein Gift gleicht der Anhaftung

[?] Erste Vershälfte ("nāstyasūyāsamā kīrtiḥ", wörtl. "kein Ruhm gleicht der Missgunst") wirkt gegenüber der Parallelstruktur der übrigen Verszeilen unstimmig/verderbt; sinngemäß als Gegensatz von Ruhm und Missgunst gedeutet.

evaṃ vilapyabahudhā bāhuratyantaduḥkhitaḥ / jīrṇāṅgomanasastāpād vṛddhabhāvādabhūdasau

So klagend, vielfach und überaus betrübt, wurde Bāhu durch die Qual seines Geistes mit gealtertem Körper vorzeitig zu einem Greis.

Wort für Wort
evaṃ vilapyabahudhā
so vielfach klagend
bāhuratyantaduḥkhitaḥ
Bāhu, überaus betrübt
jīrṇāṅgomanasastāpād
mit gealtertem Körper, durch die Qual seines Geistes
vṛddhabhāvādabhūdasau
wurde er (vorzeitig) zu einem Greis

gate bahutithe kāle aurvāśramasamīpataḥ / sa bāhurvyādhinā graste mamāra munisattama

Als geraume Zeit vergangen war, starb jener Bāhu, von Krankheit ergriffen, in der Nähe der Einsiedelei des Weisen Aurva, o bester der Weisen.

Wort für Wort
gate bahutithe kāle
als geraume Zeit vergangen war
aurvāśramasamīpataḥ
in der Nähe der Einsiedelei Aurvas
sa bāhurvyādhinā graste
jener Bāhu, von Krankheit ergriffen
mamāra munisattama
starb, o bester der Weisen

tasya bhāryā ca duḥkhārtā kaniṣṭhā garbhiṇī tadā / ciraṃ vilapya bahudhā sahagantuṃ mano dadhe

Seine Gattin aber, von Leid gequält, die jüngere, damals schwanger, fasste, nachdem sie lange und vielfach geklagt hatte, den Entschluss, mit ihm in den Tod zu gehen.

Wort für Wort
tasya bhāryā ca duḥkhārtā
seine Gattin aber, von Leid gequält
kaniṣṭhā garbhiṇī tadā
die jüngere, damals schwanger
ciraṃ vilapya bahudhā
nachdem sie lange und vielfach geklagt hatte
sahagantuṃ mano dadhe
fasste sie den Entschluss, mitzugehen

samānīya casaidhāṃsi citāṃ kṛtvātiduḥkhitā / samāropya tanpūruḍhaṃ svayaṃ samupacakrame

Und nachdem sie Brennholz herbeigeschafft und, überaus betrübt, einen Scheiterhaufen errichtet und ihn (den Leichnam) daraufgelegt hatte [?], schickte sie sich an, selbst (hinaufzusteigen).

Wort für Wort
samānīya ca aidhāṃsi
und nachdem sie Brennholz herbeigeschafft hatte
citāṃ kṛtvātiduḥkhitā
einen Scheiterhaufen errichtend, überaus betrübt
samāropya tam [?]
nachdem sie ihn daraufgelegt hatte [?]
svayaṃ samupacakrame
schickte sie sich selbst an

[?] "tanpūruḍhaṃ" unklar/verderbt, sinngemäß als Bezug auf den aufgebahrten Leichnam gedeutet.

etasminnantare dhīmanaurvastejonidhirmuniḥ / etadvijñātavānsarvaṃ parameṇa samādhinā

In diesem Augenblick erkannte der kluge Weise Aurva, ein Schatz an Glanz, dies alles durch höchste meditative Versenkung.

Wort für Wort
etasminnantare
in diesem Augenblick
dhīmanaurvastejonidhirmuniḥ
der kluge Weise Aurva, ein Schatz an Glanz
etadvijñātavānsarvaṃ
erkannte dies alles
parameṇa samādhinā
durch höchste meditative Versenkung

bhūtaṃ bhavyaṃ varttamānaṃ trikālajñāmunīśvarāḥ / gatāsūyā mahātnānaḥ paśyantijñāna cakṣuṣā

Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges - dies sehen die die drei Zeiten kennenden Herren der Weisen, die großen, von Missgunst freien Seelen, mit dem Auge der Erkenntnis.

Wort für Wort
bhūtaṃ bhavyaṃ varttamānaṃ
Vergangenes, Zukünftiges, Gegenwärtiges
trikālajñāmunīśvarāḥ
die drei Zeiten kennenden Herren der Weisen
gatāsūyā mahātmānaḥ
die großen, von Missgunst freien Seelen
paśyantijñāna cakṣuṣā
sehen mit dem Auge der Erkenntnis

tapobhistejasāṃ rāśiraurvapuṇyasamo muniḥ / saṃprātpastatra sādhvī ca yatra bāhupriyā sthitā

Der Weise Aurva, durch seine Askese ein Haufen von Glanz, reich an Verdienst, gelangte dorthin, wo die tugendhafte Geliebte Bāhus weilte.

Wort für Wort
tapobhistejasāṃ rāśir
durch seine Askese ein Haufen von Glanz
aurvapuṇyasamo muniḥ
der Weise Aurva, reich an Verdienst
saṃprātpastatra
gelangte dorthin
sādhvī ca yatra bāhupriyā sthitā
wo die tugendhafte Geliebte Bāhus weilte

citāmāroḍhumudyuktāṃ tāṃ dṛṣṭvā munisattamaḥ / provāca dharmamūlāni vākyāni munisattamaḥ

Als der beste der Weisen sie erblickte, die sich anschickte, den Scheiterhaufen zu besteigen, sprach der beste der Weisen im Dharma gegründete Worte.

Wort für Wort
citāmāroḍhumudyuktāṃ
die sich anschickte, den Scheiterhaufen zu besteigen
tāṃ dṛṣṭvā munisattamaḥ
sie erblickend, der beste der Weisen
provāca dharmamūlāni vākyāni
sprach im Dharma gegründete Worte

[Anm.: "munisattamaḥ" wird im Vers zweimal wiederholt, unverändert wiedergegeben.]

aurva uvāca / rājavaryapriye sādhvi mā kuruṣvātisāhasam / tavodare cakravartī śanuhantā hi tiṣṭati

Aurva sprach: O tugendhafte Geliebte des trefflichen Königs, vollziehe nicht dieses übereilte Wagnis! In deinem Schoß weilt wahrlich ein Weltherrscher, ein Feindevernichter [?].

Wort für Wort
aurva uvāca
Aurva sprach
rājavaryapriye sādhvi
o tugendhafte Geliebte des trefflichen Königs
mā kuruṣvātisāhasam
vollziehe nicht dieses übereilte Wagnis
tavodare cakravartī
in deinem Schoß ein Weltherrscher
śatrughnā [?] hi tiṣṭati
wahrlich ein Feindevernichter [?] weilt

[?] "śanuhantā" vermutlich für "śatrughnaḥ" ("Feindevernichter").

bālāpatyāśca garbhiṇyo hyadṛṣṭaṛtavastathā / rajasvalā rājasutenārohati cintāśubho

Frauen mit kleinen Kindern, Schwangere, ebenso solche mit unklarer [?] Reifung, sowie eine menstruierende Frau [?] sollen den Scheiterhaufen nicht besteigen.

Wort für Wort
bālāpatyāśca garbhiṇyo
Frauen mit kleinen Kindern und Schwangere
hyadṛṣṭaṛtavastathā [?]
ebenso solche mit unklarer Reifung [?]
rajasvalā
eine menstruierende Frau
rājasutenārohati cintāśubho [?]
[Rest unklar/verderbt] [?]

[Anm.: Vers in der Quelle mit einer Lücke zwischen den beiden Vershälften (Leerzeilen im Original) und im zweiten Halbvers stark verderbt; sinngemäß auf eine Aufzählung von Frauen gedeutet, die keine Witwenverbrennung vollziehen sollen.]

brahmahatyādipāpānāṃ proktā niṣkṛtiruttamaiḥ / dāmbhinonindakasyāpi bhrūṇaghrasya na niṣkṛtiḥ

Für Sünden wie Brahmanenmord und dergleichen wurde von den Besten eine Sühne verkündet; für den Heuchler, auch für den Verleumder, doch für den Kindsmörder gibt es keine Sühne.

Wort für Wort
brahmahatyādipāpānāṃ
für Sünden wie Brahmanenmord u.dgl.
proktā niṣkṛtiruttamaiḥ
wurde von den Besten eine Sühne verkündet
dāmbhinonindakasyāpi
für den Heuchler, auch den Verleumder
bhrūṇaghrasya na niṣkṛtiḥ
für den Kindsmörder gibt es keine Sühne

nāstikasya kṛtanghasya dharmopekṣākarasya ca / viśvāsaghātakasyāpi niṣkṛtirnāsti suvrate

Für den Gottesleugner, für den Undankbaren und für den, der den Dharma missachtet, auch für den Vertrauensbrecher gibt es keine Sühne, o Tugendhafte.

Wort für Wort
nāstikasya kṛtaghnasya
für den Gottesleugner, für den Undankbaren
dharmopekṣākarasya ca
und für den, der den Dharma missachtet
viśvāsaghātakasyāpi
auch für den Vertrauensbrecher
niṣkṛtirnāsti suvrate
gibt es keine Sühne, o Tugendhafte

tasmādetanmahatpāpaṃ karttuṃ nārhasi śobhane / yadetadduḥkhamutpannaṃ tatsarvaṃ śāntimeṣyati

Deshalb solltest du diese große Sünde nicht begehen, o Schöne; welches Leid auch entstanden ist, all dieses wird zur Ruhe kommen.

Wort für Wort
tasmādetanmahatpāpaṃ
deshalb diese große Sünde
karttuṃ nārhasi śobhane
solltest du nicht begehen, o Schöne
yadetadduḥkhamutpannaṃ
welches Leid entstanden ist
tatsarvaṃ śāntimeṣyati
all dieses wird zur Ruhe kommen

ityuktā muninā sādhvī viśvasya tadanugraham / vilalāpātiduḥkhārtā samuhyadhavapatkujau

So von dem Weisen angesprochen, klagte die tugendhafte Frau, überaus von Leid gequält [?], ob seiner wohltätigen Rede zur Welt [?].

Wort für Wort
ityuktā muninā sādhvī
so von dem Weisen angesprochen, die Tugendhafte
viśvasya tadanugraham [?]
(im Bewusstsein) seiner Gunst für die Welt [?]
vilalāpātiduḥkhārtā
klagte, überaus von Leid gequält
samuhyadhavapatkujau [?]
[unklar] [?]

[?] Zweite Vershälfte ("viśvasya tadanugraham... samuhyadhavapatkujau") stark unklar/verderbt; sinngemäß knapp wiedergegeben.

aurvo 'pi tāṃ punaḥ prāha sarvaśāstrārthakoviduḥ / mārodīrāja nanaye śriyamagrye gamiṣyasi

Auch Aurva, der Kundige des Sinns aller Lehrschriften, sprach wiederum zu ihr: 'Weine nicht, o Königstochter [?], du wirst zu vorzüglichem Glanz gelangen.'

Wort für Wort
aurvo 'pi tāṃ punaḥ prāha
auch Aurva sprach wiederum zu ihr
sarvaśāstrārthakoviduḥ
der Kundige des Sinns aller Lehrschriften
mārodīrāja nandini [?]
weine nicht, o Königstochter [?]
śriyamagrye gamiṣyasi
du wirst zu vorzüglichem Glanz gelangen

[?] "nanaye" unklar, vermutlich verderbt für eine Anrede wie "nandini" ("Tochter").

mā bhuṃ cāstramāhābhāgepreto dāhyo 'dya sajjanaiḥ / tasmācchokaṃ parityajya kuru kālocitā kri pām

Sei nicht außer Fassung [?], o Hochbeglückte; der Verstorbene soll heute von den Edlen verbrannt werden. Gib daher deinen Kummer auf und vollziehe die dem Anlass angemessenen Riten.

Wort für Wort
mā bhūḥ [?] mahābhāge
sei nicht außer Fassung [?], o Hochbeglückte
preto dāhyo 'dya sajjanaiḥ
der Verstorbene soll heute von den Edlen verbrannt werden
tasmācchokaṃ parityajya
deshalb, den Kummer aufgebend
kuru kālocitāṃ kriyām
vollziehe die dem Anlass angemessene Handlung

[?] "mā bhuṃ cāstra" unklar/verderbt, sinngemäß gedeutet.

paṇḍite vāpimūrkhe vā daridre vāśriyānvite / durvṛtte vā suvṛtte vā mṛtyoḥsarvatratulyatā

Sei es beim Gelehrten oder beim Toren, beim Armen oder beim Wohlhabenden, beim Übeltäter oder beim Rechtschaffenen - der Tod ist überall gleich.

Wort für Wort
paṇḍite vāpimūrkhe vā
sei es beim Gelehrten oder beim Toren
daridre vāśriyānvite
beim Armen oder beim Wohlhabenden
durvṛtte vā suvṛtte vā
beim Übeltäter oder beim Rechtschaffenen
mṛtyoḥsarvatratulyatā
der Tod ist überall gleich

nagare vā tathāmanye dainyamatrātiricyate

Sei es in der Stadt oder ebenso anderswo - Elend gibt es hier überall im Übermaß.

Wort für Wort
nagare vā tathā anye
sei es in der Stadt oder ebenso anderswo
dainyamatrātiricyate
Elend nimmt hier überhand

[Anm.: Vers besteht in der Quelle nur aus einem Pāda; die zweite Vershälfte fehlt, unverändert wiedergegeben.]

yadyatpurātanaṃ karmatattaderviha yujyate / kāraṇaṃ daivamevātra manye sopādhikā janāḥ

Welche frühere Tat auch immer begangen wurde, eben diese ereignet sich hier als ihre Frucht; die Ursache dafür ist eben das Schicksal - die Menschen, so meine ich, sind nur bedingt Handelnde.

Wort für Wort
yadyatpurātanaṃ karma
welche frühere Tat auch immer
tattaderviha yujyate
eben diese ereignet sich hier
kāraṇaṃ daivamevātra
die Ursache dafür ist eben das Schicksal
manye sopādhikā janāḥ
ich meine, die Menschen sind nur bedingt (frei) Handelnde

garbhe vā bālyabhāve vā yauvane vāpi vārddhake / mṛtyorvaśaṃ prayātavyaṃ jantubhiḥ kamalānane

Sei es im Mutterleib, im Kindesalter, in der Jugend oder im Greisenalter - alle Lebewesen müssen in die Gewalt des Todes eingehen, o Lotusäugige.

Wort für Wort
garbhe vā bālyabhāve vā
sei es im Mutterleib oder im Kindesalter
yauvane vāpi vārddhake
in der Jugend oder im Greisenalter
mṛtyorvaśaṃ prayātavyaṃ
müssen in die Gewalt des Todes eingehen
jantubhiḥ kamalānane
alle Lebewesen, o Lotusäugige

hanti pāti ca govindro jantūnkarmavaśe sthitān / pravādaṃ ropayantyajñā hetumātreṣu jantuṣu

Govinda (Viṣṇu) ist es, der die Lebewesen, die der Macht ihres eigenen Karma unterworfen sind, tötet und beschützt; die Unwissenden schreiben die Ursache fälschlich anderen Lebewesen zu, die nur der äußere Anlass sind.

Wort für Wort
hanti pāti ca govindaḥ
Govinda tötet und beschützt
jantūnkarmavaśe sthitān
die Lebewesen, die der Macht ihres Karma unterworfen sind
pravādaṃ ropayantyajñā
die Unwissenden schreiben (die Ursache) zu
hetumātreṣu jantuṣu
(anderen) Lebewesen, die nur äußerer Anlass sind

tasmāduḥkhaṃ parityajya sukhitī bhava suvrate / kuru patyuśca karmāṇi vivekena sthirā bhava

Deshalb gib den Kummer auf und werde glücklich, o Tugendhafte; vollziehe die Totenriten für deinen Gatten und werde mit Unterscheidungskraft standhaft.

Wort für Wort
tasmāduḥkhaṃ parityajya
deshalb den Kummer aufgebend
sukhitī bhava suvrate
werde glücklich, o Tugendhafte
kuru patyuśca karmāṇi
vollziehe die Riten für deinen Gatten
vivekena sthirā bhava
werde mit Unterscheidungskraft standhaft

etaccharīraṃ duḥkhānāṃ vyādhīnāmathutairgṛtam / sukhābhāsaṃ bahukleśaṃ karmapāśena yantritam

Dieser Körper ist eine Behausung der Leiden und Krankheiten [?], von bloßem Anschein des Glücks, voller Mühsal, durch die Fessel des Karma gebunden.

Wort für Wort
etaccharīraṃ duḥkhānāṃ vyādhīnām [?]
dieser Körper der Leiden und Krankheiten [?]
sukhābhāsaṃ bahukleśaṃ
von bloßem Anschein des Glücks, voller Mühsal
karmapāśena yantritam
durch die Fessel des Karma gebunden

[?] "athutairgṛtam" unklar/verderbt.

ityāścāsya mahābuddhistayā kāryāṇyakārayat / tyaktaśokā ca sā tanvī natā prāha munīśvaram

So tröstete er, der von großer Weisheit, sie und ließ von ihr die Totenriten vollziehen. Und sie, die Schlanke, den Kummer aufgebend, verneigte sich und sprach zum Herrn der Weisen:

Wort für Wort
ityāśvāsya mahābuddhis
so tröstete der von großer Weisheit
tayā kāryāṇyakārayat
und ließ von ihr die Riten vollziehen
tyaktaśokā ca sā tanvī
und sie, die Schlanke, den Kummer aufgebend
natā prāha munīśvaram
verneigte sich und sprach zum Herrn der Weisen

kimatra citraṃ yatsantaḥ parārthaphalakāṅkṣiṇaḥ / nahi drumāśca bhogārthaṃ phalanti jagatītale

Was ist daran verwunderlich, dass die Guten nach Früchten streben, die zum Wohl anderer dienen? Tragen doch die Bäume auf Erden ihre Früchte nicht zum eigenen Genuss.

Wort für Wort
kimatra citraṃ
was ist hier verwunderlich
yatsantaḥ parārthaphalakāṅkṣiṇaḥ
dass die Guten nach Früchten zum Wohl anderer verlangen
nahi drumāśca bhogārthaṃ
denn nicht zum eigenen Genuss die Bäume
phalanti jagatītale
tragen sie Früchte auf Erden

yo 'nyaduḥkhāni vijñāya sādhuvākyaiḥ prabodhayet / sa eva viṣṇuḥsattvastho yataḥ parihite sthitaḥ

Wer, die Leiden anderer erkennend, sie mit guten Worten aufrichtet, der ist eben Viṣṇu, im reinen Sein (Sattva) weilend, da er im Wohl anderer gegründet ist.

Wort für Wort
yo 'nyaduḥkhāni vijñāya
wer, die Leiden anderer erkennend
sādhuvākyaiḥ prabodhayet
mit guten Worten aufrichtet
sa eva viṣṇuḥsattvastho
der ist eben Viṣṇu, im Sattva weilend
yataḥ parahite sthitaḥ
da er im Wohl anderer gegründet ist

anya duḥkhena yo duḥkhī yo 'nyaharṣeṇa harṣitaḥ / sa eva jagatāmīśo nararupadharo hariḥ

Wer durch das Leid anderer leidet, wer durch die Freude anderer sich freut, eben der ist der Herr der Welten, Hari, der die Gestalt eines Menschen trägt.

Wort für Wort
anyaduḥkhena yo duḥkhī
wer durch das Leid anderer leidet
yo 'nyaharṣeṇa harṣitaḥ
wer durch die Freude anderer sich freut
sa eva jagatāmīśo
eben der ist der Herr der Welten
nararupadharo hariḥ
Hari, der die Gestalt eines Menschen trägt

sadbhiḥ śrutāni śāstrāṇi paraduḥkhavimuktaye / sarveṣāṃ duḥkhanāśāya iti santo vadanti hi

Von den Guten werden die Lehrschriften gehört, um andere von Leid zu befreien; 'zur Vernichtung des Leids aller' - so sagen die Guten wahrlich.

Wort für Wort
sadbhiḥ śrutāni śāstrāṇi
von den Guten werden die Lehrschriften gehört
paraduḥkhavimuktaye
um andere von Leid zu befreien
sarveṣāṃ duḥkhanāśāya
zur Vernichtung des Leids aller
iti santo vadanti hi
so sagen die Guten wahrlich

yatra santaḥ pravarttate tatra duḥkhaṃ na bādhate / vartate yatra mārtāṇḍaḥ kathaṃ tatratamo bhavet

Wo die Guten wirken, dort bedrängt kein Leid; wo die Sonne (Mārtāṇḍa) scheint, wie könnte dort Finsternis herrschen?

Wort für Wort
yatra santaḥ pravarttate
wo die Guten wirken
tatra duḥkhaṃ na bādhate
dort bedrängt kein Leid
vartate yatra mārtāṇḍaḥ
wo die Sonne scheint
kathaṃ tatratamo bhavet
wie könnte dort Finsternis herrschen

ityevaṃ vādinī sā tu svapatyuścāparāḥ kriyāḥ / cakāra tatsarastīre muniproktavidhānataḥ

So sprechend, vollzog sie an jenem Seeufer die weiteren Riten für ihren Gatten, gemäß der von dem Weisen verkündeten Vorschrift.

Wort für Wort
ityevaṃ vādinī sā tu
so sprechend, vollzog sie
svapatyuścāparāḥ kriyāḥ
die weiteren Riten für ihren Gatten
cakāra tatsarastīre
an jenem Seeufer
muniproktavidhānataḥ
gemäß der vom Weisen verkündeten Vorschrift

sthite tatra munau rājā devarāḍiva saṃjvalan / citāmadhyādviniṣkramya vimānavaramāsthitaḥ / prapede paramaṃ dhāma natvā caurvaṃ munīśvaram

Während der Weise dort weilte, trat der König, erstrahlend wie der Götterfürst, aus der Mitte des Scheiterhaufens hervor, bestieg einen vorzüglichen Himmelswagen und gelangte, nachdem er sich vor dem Weisen Aurva verneigt hatte, zum höchsten Wohnsitz.

Wort für Wort
sthite tatra munau
während der Weise dort weilte
rājā devarāḍiva saṃjvalan
der König, wie der Götterfürst erstrahlend
citāmadhyādviniṣkramya
aus der Mitte des Scheiterhaufens heraustretend
vimānavaramāsthitaḥ
einen vorzüglichen Himmelswagen besteigend
prapede paramaṃ dhāma
gelangte zum höchsten Wohnsitz
natvā caurvaṃ munīśvaram
nachdem er sich vor Aurva verneigt hatte

[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]

mahāpātakayuktā vā yuktā vā copapātakaiḥ / paraṃ padaṃ prayāntyeva mahadbhiravalokitāḥ

Seien sie mit großen oder mit geringeren Sünden behaftet - sie gelangen eben zum höchsten Ort, wenn sie von den Großen (Heiligen) angeblickt werden.

Wort für Wort
mahāpātakayuktā vā
seien sie mit großen Sünden behaftet
yuktā vā copapātakaiḥ
oder mit geringeren Sünden behaftet
paraṃ padaṃ prayāntyeva
sie gelangen eben zum höchsten Ort
mahadbhiravalokitāḥ
wenn sie von den Großen angeblickt werden

kalevaraṃ vā tadbhasma taddhūmaṃ vāpi sattama / yadi paśyati puṇyātmā sa prayāti parāṃ gatim

Wenn eine fromme Seele deren Leichnam, deren Asche oder auch deren Rauch erblickt, o Bester, so gelangt sie zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
kalevaraṃ vā tadbhasma
sei es deren Leichnam oder deren Asche
taddhūmaṃ vāpi sattama
oder deren Rauch, o Bester
yadi paśyati puṇyātmā
wenn eine fromme Seele erblickt
sa prayāti parāṃ gatim
so gelangt sie zum höchsten Ziel

patyuḥ kṛtakriyā sā tu gatvāśramapadaṃmuneḥ / cakāra tasya śuśrūṣāṃ sapatnyā saha nārad

Sie aber, nachdem sie die Totenriten für ihren Gatten vollzogen hatte, ging zur Einsiedelei des Weisen und leistete ihm zusammen mit ihrer Mitfrau Dienst, o Nārada.

Wort für Wort
patyuḥ kṛtakriyā sā tu
sie aber, nachdem sie die Riten für ihren Gatten vollzogen hatte
gatvāśramapadaṃmuneḥ
zur Einsiedelei des Weisen gehend
cakāra tasya śuśrūṣāṃ
leistete ihm Dienst
sapatnyā saha nārada
zusammen mit ihrer Mitfrau, o Nārada

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