nārada uvāca /
ko 'sau rākṣasabhāvāddhi mocitaḥ sagarāvanvaye /
sagaraḥ ko muniśreṣṭha tanmramākhyātumarhasi
Nārada sprach: Wer ist jener, der aus dem Geschlecht Sagaras von seinem dämonischen Zustand befreit wurde? Wer ist dieser Sagara, o bester der Weisen? Das mögest du der Reihe nach erzählen [?].
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
ko 'sau rākṣasabhāvāddhi mocitaḥ
wer ist jener, der von seinem dämonischen Zustand befreit wurde
sagarāvanvaye
im Geschlecht Sagaras
sagaraḥ ko muniśreṣṭha
wer ist dieser Sagara, o bester der Weisen
tanmramākhyātumarhasi [?]
das der Reihe nach zu erzählen mögest du geruhen [?]
[?] "tanmramākhyātum" unklar, sinngemäß als "tat kramād ākhyātum" ("das der Reihe nach zu erzählen") gedeutet.
Sanaka sprach: Höre, o Tiger unter den Weisen, die höchste Größe der Gaṅgā, durch deren bloße Wasserberührung das Geschlecht Sagaras gereinigt wurde und, o Brahmane, zum Ort Viṣṇus gelangte, dem allerhöchsten unter allen Welten.
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
śruṇuṣva muniśārdūla
höre, o Tiger unter den Weisen
gaṅgāmāhātmyamuttamam
die höchste Größe der Gaṅgā
yajjalasparśamātreṇa
durch dessen bloße Wasserberührung
pāvitaṃ sāgaraṃ kulam
gereinigt wurde das Geschlecht Sagaras
gataṃ viṣṇupadaṃ vipra
und zum Ort Viṣṇus gelangte, o Brahmane
sarvalokottamottamam
dem allerhöchsten unter allen Welten
[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]
brahmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāścānye ca jantavaḥ /
sthāpitāḥ svasvadharmeṣu tena bāhurviśāṃpatiḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und andere Wesen wurden von ihm, dem Bāhu, dem Herrn der Untertanen, in ihren jeweils eigenen Pflichten gefestigt.
Wort für Wort
brahmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāścānye ca jantavaḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und andere Wesen
sthāpitāḥ svasvadharmeṣu
wurden in ihren jeweils eigenen Pflichten gefestigt
Mit Pferdeopfern opferte er auf den [?] sieben Kontinenten mit sieben (Opfern) und befriedigte die Erdgötter (Brahmanen) mit Kühen, Land, Gold, Gewändern und dergleichen.
Wort für Wort
aśvamedhairiyāja asau
mit Pferdeopfern opferte er
satpadvīpeṣu [?] satpabhiḥ [?]
auf den sieben Kontinenten mit sieben (Opfern) [?]
atarppayadbhūmidevān
er befriedigte die Erdgötter
gobhūsvarṇāśukādibhiḥ
mit Kühen, Land, Gold, Gewändern u.dgl.
[?] "satpadvīpeṣu satpabhiḥ" unklar/verderbt, vermutlich für "saptadvīpeṣu saptabhiḥ" ("auf den sieben Kontinenten mit sieben [Opfern]").
Er unterwarf gemäß der Staatslehre nach Belieben seine Gegner und hielt sich für am Ziel angelangt, da keinerlei fremde Bedrängnis mehr abzuwehren war [?].
Wort für Wort
aśāsannītiśāstreṇa
er unterwarf gemäß der Staatslehre
yatheṣṭaṃ paripanthinaḥ
nach Belieben seine Gegner
mene kṛtārthamātmānam
er hielt sich für am Ziel angelangt
anyātapanivāraṇam [?]
da keine fremde Bedrängnis mehr abzuwehren war [?]
Mit herrlichem Sandelduft (gesalbt), stets Opfergaben darbringend, mit himmlischem Schmuck geziert, lebten die Menschen in seinem Reich glücklich, o Weiser.
Indra ließ zur rechten Zeit Regen auf die Erde fallen, o Herr der Weisen; da das dem Unrecht ergebene Übel geschwunden war, wurden die Untertanen durch den Dharma beschützt.
Einst entstand bei diesem König ein gewaltiger Hochmut, verbunden mit Missgunst, der die Ursache seines Untergangs war und die Vernichtung all seines Wohlstands bewirkte.
Wort für Wort
ekadā tasya bhūpasya
einst bei diesem König
sarvasaṃpadvināśakṛt
der die Vernichtung all seines Wohlstands bewirkte
'Ich bin klug und glanzvoll, alle Feinde wurden von mir besiegt [?], ich bin ein Kenner der Wahrheit von Veda und Vedāṅgas und bewandert in der Staatslehre.'
Wort für Wort
ahaṃ vicakṣaṇaḥ śrīmān
ich bin klug und glanzvoll
jitāḥ sarve mayā ripavaḥ [?]
von mir wurden alle Feinde besiegt [?]
vedavedāṅgatattvajño
ein Kenner der Wahrheit von Veda und Vedāṅgas
nītiśāstraviśāradaḥ
bewandert in der Staatslehre
[?] "mayarayaḥ" vermutlich verderbt für "mayā ripavaḥ" ("von mir die Feinde").
'Unbesiegbar bin ich, von ungehinderter Herrschermacht - wer anderer als ich ist auf Erden überlegen?' - so entstand bei dem dem Hochmut Ergebenen Missgunst auch gegenüber anderen.
Aus der Missgunst entstand bei diesem König Begierde, o Herr der Weisen; wenn diese Laster bei einem Menschen vorhanden sind, geht er zweifellos dem Untergang entgegen.
Wort für Wort
asūyāto 'bhavatkāmas
aus der Missgunst entstand Begierde
tasya rājño munīśvara
bei diesem König, o Herr der Weisen
eṣu sthiteṣu tu naro
wenn diese Laster bei einem Menschen vorhanden sind
asūyopetamanasāṃ dambhācāravatāṃ tathā /
paruṣoktiratānāṃ ca sukhaṃ neha paratra ca
Für die, deren Geist von Missgunst erfüllt ist, ebenso für die, die in Heuchelei handeln, und für die, die sich an rauer Rede erfreuen, gibt es kein Glück, weder hier noch im Jenseits.
Wer sich, o Weiser, um die Vernichtung des eigenen Glücks bemühen wollte - ein solcher von schlechtem Verstand würde, das Glück anderer erblickend, Neid empfinden.
Ein Mensch, der anderen Verlust wünscht, sei es bei Freunden, Nachkommen, Haus, Feld, Reichtum, Getreide oder Vieh, hegt stets Missgunst, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
mitrāpatyagṛhakṣetradhanadhānyapaśuṣvapi
selbst bei Freunden, Nachkommen, Haus, Feld, Reichtum, Getreide, Vieh
Solange der Herr der Lakṣmī einen mit einem mitfühlenden Blick betrachtet, o Nārada, solange bleiben Söhne, Enkel, Reichtum, Getreide, Haus und dergleichen bestehen.
api mūrkhāndhabadhirajaḍāḥ śūrā vivekinaḥ /
ślādhyā bhavanti viprendra prekṣitā mādhavena ye
Selbst Toren, Blinde, Taube und Stumpfsinnige - wie auch Helden und Verständige - werden preiswürdig, o Fürst der Brahmanen, wenn sie von Mādhava (Viṣṇu) angeblickt werden.
Dessen Glück schwindet, bei wem sich das Merkmal der Missgunst und dergleichen, insbesondere Hass gegen andere Wesen, einstellt - daran besteht kein Zweifel.
Der Hochmut zerstört die Unterscheidungskraft, und aus mangelnder Unterscheidungskraft entstehen bei den Lebewesen Gefahren - deshalb soll man den Hochmut aufgeben.
Wort für Wort
vivekaṃ hantyahṅkāras
der Hochmut zerstört die Unterscheidungskraft
tvavivekāttu jīvinām
und aus mangelnder Unterscheidungskraft bei den Lebewesen
Bei wem Hochmut entsteht, dessen Untergang erfolgt sehr rasch - so erging es diesem König, dessen Geist von Missgunst durchdrungen war, im Kampf mit den Feinden.
asūyopetamanasastasya bhāvaṃ nirīkṣya ca /
sarogatavihaṅgāste līnāścitramidaṃ mahat
Und den Zustand dessen, dessen Geist von Missgunst erfüllt war, erblickend, verharrten jene zum See gekommenen Vögel regungslos - dies ist ein großes Wunder.
Wort für Wort
asūyopetamanasastasya bhāvaṃ nirīkṣya ca
und den Zustand dessen, dessen Geist von Missgunst erfüllt war, erblickend
so 'vagāhyasarobhūpaḥ patnībhyāṃ sahito mutā /
pītvā jalaṃ ca sukhadaṃ vṛkṣamūlamupāśritaḥ
Er, der König, tauchte, begleitet von seinen beiden Gattinnen, mit Freude in den See ein, trank das wohltuende Wasser und suchte dann Zuflucht am Fuß eines Baumes.
Wort für Wort
so 'vagāhya saraḥ bhūpaḥ
er, der König, nachdem er in den See eingetaucht war
patnībhyāṃ sahito mudā
begleitet von seinen beiden Gattinnen, mit Freude
pītvā jalaṃ ca sukhadaṃ
und nachdem er das wohltuende Wasser getrunken hatte
Als jener Bāhu in den Wald gegangen war, sprachen die Untertanen, die zuvor von ihm beschützt worden waren, nachdem sie seine schlechten Eigenschaften aufgezählt hatten: 'Schande, Schande!'
Wort für Wort
tasminbāhau vanaṃ yāte
als jener Bāhu in den Wald gegangen war
tenaiva parirakṣitāḥ
die von eben ihm beschützt worden waren
durguṇānvigaṇayyāsya
nachdem sie seine schlechten Eigenschaften aufgezählt hatten
yo vā ko vā guṇī martyaḥ sarvaśvādhyatarodvijaḥ /
sarvasaṃpatsamāyukto 'pyaguṇīnindito janaiḥ
Wer auch immer ein tugendhafter Sterblicher ist, ein Zweifachgeborener, der vorzüglich in allen Lehrschriften bewandert ist [?] - selbst wenn er mit allem Wohlstand ausgestattet, aber ohne Tugend ist, wird er von den Menschen getadelt.
Wort für Wort
yo vā ko vā guṇī martyaḥ
wer auch immer ein tugendhafter Sterblicher ist
sarvaśāstrādhyatarodvijaḥ [?]
ein in allen Lehrschriften bewanderter Zweifachgeborener [?]
sarvasaṃpatsamāyukto 'pyaguṇī
selbst mit allem Wohlstand, aber ohne Tugend
nindito janaiḥ
wird von den Menschen getadelt
[?] "sarvaśvādhyatarodvijaḥ" unklar/verderbt, sinngemäß auf einen in den Lehrschriften bewanderten Zweifachgeborenen gedeutet.
Einen dem schlechten Ruf gleichenden Tod gibt es sonst nicht in den Welten. Als Bāhu in den Wald gegangen war, da erlangten die Menschen seines Reiches [?] höchste Zufriedenheit, so wie wenn ein Fieber gewichen ist.
Wort für Wort
apakīrtisamo mṛtyurlokeṣvanyo na vidyate
einen dem schlechten Ruf gleichenden Tod gibt es sonst nicht in den Welten
yadā bāhurvanaṃ yātas
als Bāhu in den Wald gegangen war
tadā tadrāṣṭragā [?] janāḥ
da die Menschen seines Reiches [?]
saṃtuṣṭiṃ paramāṃ yātā
erlangten höchste Zufriedenheit
davathau vigate yathā
so wie wenn ein Fieber gewichen ist
[?] "tadrāgagā" unklar, vermutlich verderbt für "tadrāṣṭragā" ("die zu seinem Reich Gehörigen"). [Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle.]
nindāto bahuśo bāhurmṛtavatkānanesthitaḥ /
nihatya karma ca yaśo loke dvajavarottama
Bāhu, vielfach getadelt, weilte wie tot im Wald, nachdem er seine früheren Taten und seinen Ruhm in der Welt zunichtegemacht hatte, o bester der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
nindāto bahuśo bāhur
Bāhu, vielfach getadelt
mṛtavatkānanesthitaḥ
weilte wie tot im Wald
nihatya karma ca yaśo loke
nachdem er seine Taten und seinen Ruhm in der Welt zunichtegemacht hatte
Es gibt keinen Tod, der der Schande gleichkommt; es gibt keinen Feind, der dem Zorn gleichkommt; es gibt keine Sünde, die dem Tadel gleichkommt; es gibt kein Getränk, das der Verblendung gleichkommt.
Es gibt nichts, das dem Ruhm so entgegenwirkt wie die Missgunst [?]; es gibt kein Feuer, das der Begierde gleichkommt; es gibt keine Fessel, die der Leidenschaft gleichkommt; es gibt kein Gift, das der (weltlichen) Anhaftung gleichkommt.
Wort für Wort
nāstyasūyāsamā kīrtir [?]
nichts wirkt dem Ruhm so entgegen wie die Missgunst [?]
nāsti kāmasamo 'nalaḥ
kein Feuer gleicht der Begierde
nāsti rāgasamaḥ pāśo
keine Fessel gleicht der Leidenschaft
nāsti saṅgasamaṃ viṣam
kein Gift gleicht der Anhaftung
[?] Erste Vershälfte ("nāstyasūyāsamā kīrtiḥ", wörtl. "kein Ruhm gleicht der Missgunst") wirkt gegenüber der Parallelstruktur der übrigen Verszeilen unstimmig/verderbt; sinngemäß als Gegensatz von Ruhm und Missgunst gedeutet.
tasya bhāryā ca duḥkhārtā kaniṣṭhā garbhiṇī tadā /
ciraṃ vilapya bahudhā sahagantuṃ mano dadhe
Seine Gattin aber, von Leid gequält, die jüngere, damals schwanger, fasste, nachdem sie lange und vielfach geklagt hatte, den Entschluss, mit ihm in den Tod zu gehen.
Und nachdem sie Brennholz herbeigeschafft und, überaus betrübt, einen Scheiterhaufen errichtet und ihn (den Leichnam) daraufgelegt hatte [?], schickte sie sich an, selbst (hinaufzusteigen).
Wort für Wort
samānīya ca aidhāṃsi
und nachdem sie Brennholz herbeigeschafft hatte
citāṃ kṛtvātiduḥkhitā
einen Scheiterhaufen errichtend, überaus betrübt
samāropya tam [?]
nachdem sie ihn daraufgelegt hatte [?]
svayaṃ samupacakrame
schickte sie sich selbst an
[?] "tanpūruḍhaṃ" unklar/verderbt, sinngemäß als Bezug auf den aufgebahrten Leichnam gedeutet.
Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges - dies sehen die die drei Zeiten kennenden Herren der Weisen, die großen, von Missgunst freien Seelen, mit dem Auge der Erkenntnis.
Aurva sprach: O tugendhafte Geliebte des trefflichen Königs, vollziehe nicht dieses übereilte Wagnis! In deinem Schoß weilt wahrlich ein Weltherrscher, ein Feindevernichter [?].
Wort für Wort
aurva uvāca
Aurva sprach
rājavaryapriye sādhvi
o tugendhafte Geliebte des trefflichen Königs
mā kuruṣvātisāhasam
vollziehe nicht dieses übereilte Wagnis
tavodare cakravartī
in deinem Schoß ein Weltherrscher
śatrughnā [?] hi tiṣṭati
wahrlich ein Feindevernichter [?] weilt
[?] "śanuhantā" vermutlich für "śatrughnaḥ" ("Feindevernichter").
Frauen mit kleinen Kindern, Schwangere, ebenso solche mit unklarer [?] Reifung, sowie eine menstruierende Frau [?] sollen den Scheiterhaufen nicht besteigen.
Wort für Wort
bālāpatyāśca garbhiṇyo
Frauen mit kleinen Kindern und Schwangere
hyadṛṣṭaṛtavastathā [?]
ebenso solche mit unklarer Reifung [?]
rajasvalā
eine menstruierende Frau
rājasutenārohati cintāśubho [?]
[Rest unklar/verderbt] [?]
[Anm.: Vers in der Quelle mit einer Lücke zwischen den beiden Vershälften (Leerzeilen im Original) und im zweiten Halbvers stark verderbt; sinngemäß auf eine Aufzählung von Frauen gedeutet, die keine Witwenverbrennung vollziehen sollen.]
brahmahatyādipāpānāṃ proktā niṣkṛtiruttamaiḥ /
dāmbhinonindakasyāpi bhrūṇaghrasya na niṣkṛtiḥ
Für Sünden wie Brahmanenmord und dergleichen wurde von den Besten eine Sühne verkündet; für den Heuchler, auch für den Verleumder, doch für den Kindsmörder gibt es keine Sühne.
Auch Aurva, der Kundige des Sinns aller Lehrschriften, sprach wiederum zu ihr: 'Weine nicht, o Königstochter [?], du wirst zu vorzüglichem Glanz gelangen.'
Wort für Wort
aurvo 'pi tāṃ punaḥ prāha
auch Aurva sprach wiederum zu ihr
sarvaśāstrārthakoviduḥ
der Kundige des Sinns aller Lehrschriften
mārodīrāja nandini [?]
weine nicht, o Königstochter [?]
śriyamagrye gamiṣyasi
du wirst zu vorzüglichem Glanz gelangen
[?] "nanaye" unklar, vermutlich verderbt für eine Anrede wie "nandini" ("Tochter").
mā bhuṃ cāstramāhābhāgepreto dāhyo 'dya sajjanaiḥ /
tasmācchokaṃ parityajya kuru kālocitā kri pām
Sei nicht außer Fassung [?], o Hochbeglückte; der Verstorbene soll heute von den Edlen verbrannt werden. Gib daher deinen Kummer auf und vollziehe die dem Anlass angemessenen Riten.
Wort für Wort
mā bhūḥ [?] mahābhāge
sei nicht außer Fassung [?], o Hochbeglückte
preto dāhyo 'dya sajjanaiḥ
der Verstorbene soll heute von den Edlen verbrannt werden
Welche frühere Tat auch immer begangen wurde, eben diese ereignet sich hier als ihre Frucht; die Ursache dafür ist eben das Schicksal - die Menschen, so meine ich, sind nur bedingt Handelnde.
Wort für Wort
yadyatpurātanaṃ karma
welche frühere Tat auch immer
tattaderviha yujyate
eben diese ereignet sich hier
kāraṇaṃ daivamevātra
die Ursache dafür ist eben das Schicksal
manye sopādhikā janāḥ
ich meine, die Menschen sind nur bedingt (frei) Handelnde
Govinda (Viṣṇu) ist es, der die Lebewesen, die der Macht ihres eigenen Karma unterworfen sind, tötet und beschützt; die Unwissenden schreiben die Ursache fälschlich anderen Lebewesen zu, die nur der äußere Anlass sind.
Wort für Wort
hanti pāti ca govindaḥ
Govinda tötet und beschützt
jantūnkarmavaśe sthitān
die Lebewesen, die der Macht ihres Karma unterworfen sind
Deshalb gib den Kummer auf und werde glücklich, o Tugendhafte; vollziehe die Totenriten für deinen Gatten und werde mit Unterscheidungskraft standhaft.
So tröstete er, der von großer Weisheit, sie und ließ von ihr die Totenriten vollziehen. Und sie, die Schlanke, den Kummer aufgebend, verneigte sich und sprach zum Herrn der Weisen:
kimatra citraṃ yatsantaḥ parārthaphalakāṅkṣiṇaḥ /
nahi drumāśca bhogārthaṃ phalanti jagatītale
Was ist daran verwunderlich, dass die Guten nach Früchten streben, die zum Wohl anderer dienen? Tragen doch die Bäume auf Erden ihre Früchte nicht zum eigenen Genuss.
Wort für Wort
kimatra citraṃ
was ist hier verwunderlich
yatsantaḥ parārthaphalakāṅkṣiṇaḥ
dass die Guten nach Früchten zum Wohl anderer verlangen
yo 'nyaduḥkhāni vijñāya sādhuvākyaiḥ prabodhayet /
sa eva viṣṇuḥsattvastho yataḥ parihite sthitaḥ
Wer, die Leiden anderer erkennend, sie mit guten Worten aufrichtet, der ist eben Viṣṇu, im reinen Sein (Sattva) weilend, da er im Wohl anderer gegründet ist.
anya duḥkhena yo duḥkhī yo 'nyaharṣeṇa harṣitaḥ /
sa eva jagatāmīśo nararupadharo hariḥ
Wer durch das Leid anderer leidet, wer durch die Freude anderer sich freut, eben der ist der Herr der Welten, Hari, der die Gestalt eines Menschen trägt.
Während der Weise dort weilte, trat der König, erstrahlend wie der Götterfürst, aus der Mitte des Scheiterhaufens hervor, bestieg einen vorzüglichen Himmelswagen und gelangte, nachdem er sich vor dem Weisen Aurva verneigt hatte, zum höchsten Wohnsitz.
Wort für Wort
sthite tatra munau
während der Weise dort weilte
rājā devarāḍiva saṃjvalan
der König, wie der Götterfürst erstrahlend
citāmadhyādviniṣkramya
aus der Mitte des Scheiterhaufens heraustretend
vimānavaramāsthitaḥ
einen vorzüglichen Himmelswagen besteigend
prapede paramaṃ dhāma
gelangte zum höchsten Wohnsitz
natvā caurvaṃ munīśvaram
nachdem er sich vor Aurva verneigt hatte
[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]
patyuḥ kṛtakriyā sā tu gatvāśramapadaṃmuneḥ /
cakāra tasya śuśrūṣāṃ sapatnyā saha nārad
Sie aber, nachdem sie die Totenriten für ihren Gatten vollzogen hatte, ging zur Einsiedelei des Weisen und leistete ihm zusammen mit ihrer Mitfrau Dienst, o Nārada.
Wort für Wort
patyuḥ kṛtakriyā sā tu
sie aber, nachdem sie die Riten für ihren Gatten vollzogen hatte