Kapitel 92: padmapurāṇānukramaṇam
Zusammenfassung des Padma-Purāṇa
Brahmā fasst gegenüber seinem Sohn (Nārada/Marīci) Umfang und Aufbau des Padma-Purāṇa in fünf Khaṇḍas (Sṛṣṭi-, Bhūmi-, Svarga-, Pātāla- und Uttarakhaṇḍa) zusammen, das Pulastya dem Bhīṣma verkündet hat. Der am Kopf der Quelldatei stehende Kolophon gehört, wie in den Nachbarkapiteln, verschoben zum vorhergehenden Kapitel (vgl. Anm. zu V1).
Brahmā sprach: Höre, mein Sohn, ich will das Purāṇa verkünden, das Padma genannt wird, [das] den Menschen, die es voll Freude hören und lesen, große Verdienste verleiht.
Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
śṛṇu putra pravakṣyāmi
höre, mein Sohn, ich will verkünden
purāṇaṃ padmasaṃjñakam
das Purāṇa, das Padma genannt wird
mahatpuṇyapradaṃ nṝṇāṃ
großes Verdienst verleihend den Menschen
śṛṇvatāṃ paṭhatāṃ mudā
die es voll Freude hören und lesen
Anm.: Vor dem eigentlichen Versbeginn steht im Quelltext die Zeile "iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne caturthapāde brāhmapurāṇetihāsakathanaṃ nāma dvinavatitamo 'dhyāyaḥ". Dies ist ein verschobener Kolophon: er gehört inhaltlich zum ABSCHLUSS des VORHERGEHENDEN Kapitels (Zusammenfassung des Brahma-Purāṇa, Kap. 91), trägt aber fälschlich die Nummer des vorliegenden Kapitels (92). Das tatsächliche Kapitel 92 (dieses Kapitel) behandelt, wie der Vers-Inhalt zeigt, das Padma-Purāṇa. Der Kolophon wurde daher nicht als Vers übersetzt, sondern hier vermerkt (vgl. gleiches Muster in Kap. 90, 91, 93, 94 und 95-102).
Wie jedes verkörperte Wesen als mit fünf Sinnesorganen [versehen] bezeichnet wird, so wird dieses [Purāṇa], sündenvernichtend, in fünf Teilen (Khaṇḍas) dargelegt.
Wort für Wort
yathā pañcendriyaḥ sarvaḥ [?]
wie jedes [Wesen] mit fünf Sinnesorganen [?]
śarīrīti nigadyate
als verkörpertes Wesen bezeichnet wird
tathā idaṃ pañcabhiḥ khaṇḍaiḥ
so wird dieses in fünf Teilen
uditaṃ pāpanāśanam
dargelegt, sündenvernichtend
Anm.: Quelltext 'cañcendriyaḥ' – vermutlich Verschreibung für 'pañcendriyaḥ' (c/p-Verwechslung); so übersetzt.
pulastyena tu bhīṣmāya sṛṣṭyādikramato dvija / nānākhyānetihāsādyairyatrokto dharmavistaraḥ
Von Pulastya aber dem Bhīṣma, o Brahmane, [wird] in der Reihenfolge der Schöpfung usw. mit mancherlei Erzählungen und Geschichten die ausführliche Darlegung des Dharma verkündet,
Wort für Wort
pulastyena tu bhīṣmāya
von Pulastya aber dem Bhīṣma
sṛṣṭyādikramato dvija
in der Reihenfolge der Schöpfung usw., o Brahmane
nānākhyānetihāsādyaiḥ
mit mancherlei Erzählungen und Geschichten u.a.
yatrokto dharmavistaraḥ
worin die ausführliche Darlegung des Dharma verkündet wird
worin, o Bester der Brahmanen, die Verehrung und Beschenkung der Planeten (Grahas) verkündet wird – dies wird als das Sṛṣṭikhaṇḍa (Schöpfungsteil) von dem hochedlen Vyāsa bezeichnet.
pitṛmātrādipūjyatve śivaśarmakathā purā / suvratasya kathā paścādvṛtrasya ca vadhastathā
Über die Verehrungswürdigkeit von Vater, Mutter u.a. [wird] zuerst die Geschichte von Śivaśarman [erzählt], danach die Geschichte von Suvrata, ebenso die Tötung Vṛtras,
Wort für Wort
pitṛmātrādipūjyatve
über die Verehrungswürdigkeit von Vater, Mutter u.a.
und die Erzählung von Pṛthu, dem Sohn Venas, ebenso die Geschichte der Sunīthā, sowie die Erzählung von Sukalā und darüber hinaus die Erzählung des Dharma,
das mit vielen wundersamen Erzählungen versehene Gespräch des Königs mit Jaimini, [sowie] fürwahr die Geschichte der Aśokasundarī, verbunden mit der Tötung des Huṇḍa-Daitya,
danach wird die Erzählung von Siddhā verkündet, [sowie] die Frucht dieses Teils; das Gespräch zwischen Sūta und Śaunaka – dies wird als Bhūmikhaṇḍa (Erdteil) bezeichnet.
worin von den Weisen und dem Sohn des Sūta die Entstehung des Welteneis (Brahmāṇḍa) dargelegt wird, [sowie] die Anordnung der Welt mit der Erde, danach die Erzählung von den Pilgerstätten,
die Erzählung von der Entstehung der Narmadā, die Geschichten von deren Pilgerstätten je einzeln, die heilige Geschichte der mit Kurukṣetra beginnenden Pilgerstätten wird gepriesen,
Wort für Wort
narmadotpattikathanaṃ
die Erzählung von der Entstehung der Narmadā
tattīrthānāṃ kathāḥ pṛthak
die Geschichten von deren Pilgerstätten je einzeln
gemäß den Kasten und Lebensstufen die Bestimmung des Karmayoga, das Gespräch zwischen Vyāsa und Jaimini, versehen mit Erzählungen verdienstvollen Handelns,
die Erzählung von der Quirlung des Ozeans, darüber hinaus die Erzählung der Gelübde, die Größe der fünf Tage des [Monats] Ūrja, ein Lobpreis, der alle Vergehen tilgt,
Wort für Wort
samudramathanākhyānaṃ
die Erzählung von der Quirlung des Ozeans
vratākhyānaṃ tataḥ param
darüber hinaus die Erzählung der Gelübde
ūrjapañcāhamāhātmyaṃ [?]
die Größe der fünf Tage des Monats Ūrja
stotraṃ sarvāparādhanut
ein Lobpreis, der alle Vergehen tilgt
Anm.: Quelltext 'ūrjjapañcāhamāhāmyaṃ' – vermutlich Verschreibung für 'ūrjapañcāhamāhātmyaṃ'.
und auch die Ankunft Agastyas u.a., die Besingung der Nachkommenschaft des Pulastya[-Sohnes], die Belehrung über das Pferdeopfer, danach die Wanderung des [Opfer-]Rosses,
Wort für Wort
agastyādyāgamaścaiva
und auch die Ankunft Agastyas u.a.
paulastyānvayakīrttanam
die Besingung der Nachkommenschaft des Pulastya[-Sohnes, Rāvaṇa]
worin die Erzählung des ewigen Spiels (Nityalīlā) des als Kṛṣṇa Herabgestiegenen [geschildert wird], die Größe des Mādhava-Bades, der Lohn von Baden, Schenken und Verehren,
das Gespräch zwischen der Erde und dem Eber[-Gott], die Geschichte von Yama und Brahmā, das Gespräch der Königsboten, die Darlegung eines Kṛṣṇa-Lobpreises,
Wort für Wort
dharāvarāhasaṃvādo
das Gespräch zwischen der Erde und dem Eber[-Gott]
die Vereinigung [zweier Aspekte(?)] von Śiva und Śambhu, danach die Erzählung von Dadhīci, die unvergleichliche Größe der Asche, die höchste Größe Śivas,
Wort für Wort
śivaśaṃbhusamāyogī [?]
die Vereinigung von Śiva und Śambhu [unklar]
dadhīcākhyānakaṃ tataḥ
danach die Erzählung von Dadhīci
bhasmamāhātmyamatulaṃ
die unvergleichliche Größe der Asche
śivamāhātmyamuttamam
die höchste Größe Śivas
Anm.: 'śivaśaṃbhusamāyogī' ist unklar, da Śiva und Śambhu üblicherweise dieselbe Gottheit bezeichnen; sinngemäße Wiedergabe [?].
in einem anderen Kalpa die im Āśrama des Bhāradvāja angesiedelte Geschichte Rāmas, dies fürwahr ist das Pātālakhaṇḍa – für die, die es stets hören und lesen,
Wort für Wort
kalpāntare rāmakathā [?]
in einem anderen Kalpa die Geschichte Rāmas
bhāradvājāśramasthitā
im Āśrama des Bhāradvāja angesiedelt
pātālakhaṇḍam etad dhi
dies fürwahr ist das Pātālakhaṇḍa
śṛṇvatāṃ paṭhatāṃ sadā
für die, die es stets hören und lesen
Anm.: Quelltext 'rānakathā' – vermutlich Verschreibung für 'rāmakathā'.
sarvapāpapraśamanaṃ sarvābhīṣṭaphalapradam / parvatākhyānakaṃ pūrvaṃ gaurthai proktaṃ śivena vai
[es ist] die Beruhigung aller Sünden, [und] gewährt alle gewünschten Früchte; zuvor wurde die Erzählung vom Berg fürwahr von Śiva für Gaurī [?] verkündet,
bhaktyākhyānaṃ ca māhātmyaṃ śrīmadbhāgavatasya ha / indraprasthasya māhātmyaṃ bahutīrthakathānvitam
und die Erzählung von der Hingabe, fürwahr die Größe des ehrwürdigen Bhāgavata[-Purāṇa], die Größe von Indraprastha, versehen mit den Geschichten vieler Pilgerstätten,
mantraratnābhidhānaṃ ca tripādbhūtyanuvarṇanam / avatārakathāḥ puṇyā matsyādīnāmataḥ param
und die Nennung des 'Mantraratna', die Beschreibung der 'Tripādbhūti', danach die heiligen Geschichten der Herabkünfte, beginnend mit dem Fisch (Matsya),
so ist dies der fünfte, das Uttarakhaṇḍa (letzte Teil), der alle Verdienste verleiht; wer das aus fünf Teilen bestehende Padma[-Purāṇa] hört, der beste der Menschen,
sa labhedvaiṣṇavaṃ dhāma bhuktvā bhogānihepsitān / etadvai pañcapañcāśatsahasraṃ padmasaṃjñakam
der erlangt die Stätte Viṣṇus, nachdem er hier die gewünschten Genüsse genossen hat; dies, fürwahr fünfundfünfzigtausend [Verse umfassend], wird Padma genannt,
Wort für Wort
sa labhedvaiṣṇavaṃ dhāma
der erlangt die Stätte Viṣṇus
bhuktvā bhogānihepsitān
nachdem er hier die gewünschten Genüsse genossen hat
purāṇaṃ lekhayitvā vai jyeṣṭhyāṃ svarṇābjasaṃyutam / yaḥ pradadyātsusatkṛtya purāṇajñāya mānada
wer das Purāṇa fürwahr niederschreiben lässt und es, versehen mit einem goldenen Lotus, am [Vollmond des Monats] Jyeṣṭha, nach gebührender Ehrung, einem Purāṇa-Kenner gibt, o Verehrter,
Wort für Wort
purāṇaṃ lekhayitvā vai
wer das Purāṇa fürwahr niederschreiben lässt
jyeṣṭhyāṃ svarṇābjasaṃyutam
am Jyeṣṭha[-Vollmond], versehen mit einem goldenen Lotus