Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 56: saṅkṣiptacchandovarṇanam Kurzgefasste Darstellung der Metrik (Chandas)

Titel dem im Aufgabentext angegebenen Kolophon entnommen. [Anm.: Dieser Kolophon-Wortlaut steht, wie im Textkorpus dieses Abschnitts üblich, nicht am Ende dieses Kapitels, sondern – mit der (gegenüber der fortlaufenden Projektzählung um eins erhöhten) Sanskrit-Ordnungszahl „saptapañcāśattama“ (57.) – am Kopf der folgenden Quelldatei (Kapitel 57). Die im Kopf DIESER Datei stehende Kolophonzeile gehört spiegelbildlich zum vorangehenden 55. Kapitel. Diese durchgängige Verschiebung um jeweils einen Zähler ist eine Anomalie der Quellüberlieferung, die für den gesamten Kapitelbereich 56–61 dieses Projekts dokumentiert wird.] Das Kapitel legt in stark verknappter, sūtraartiger Form die Grundbegriffe der vedischen Metriklehre (chandas) dar: Gaṇa-Einteilung der Silbengruppen, Guru/Laghu, sama/ardhasama/viṣama-Versmaße, die traditionelle Namensliste der Metren nach Silbenzahl (V.11–13) sowie – in den technisch schwierigsten Versen 14–20 – das kombinatorische Prastāra-Verfahren samt Naṣṭa- und Uddiṣṭa-Rechnung.

iti śrībṛhanna.pūrva.bṛhadupākhyāne dvitīyapāde ṣaṭpañcāśattamo 'dhyāyaḥ sanandana uvāca vaidikaṃ laukikaṃ cāpi chando dvividhamucyate / mātrāvarṇavibhedena taccāpi dvividhaṃ punaḥ

Sanandana sprach: Vedisches und weltliches [Metrum] wird zweifach als Chandas bezeichnet. Durch die Unterscheidung von Mātrā (Mora) und Varṇa (Silbe) ist auch dies wiederum zweifach.

Wort für Wort
vaidikaṃ laukikaṃ cāpi
vedisch und weltlich sowie
chando dvividham ucyate
das Metrum wird zweifach genannt
mātrāvarṇavibhedena
durch die Unterscheidung von Mora und Silbe(nlänge)
tac cāpi dvividhaṃ punaḥ
dies auch wiederum zweifach

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext eine (zudem OCR-verkürzte) Kolophonzeile vorangestellt („iti śrībṛhanna.pūrva.bṛhadupākhyāne dvitīyapāde ṣaṭpañcāśattamo 'dhyāyaḥ“), gefolgt von einer Trennlinie. Diese Zeile gehört, dem Aufbau der Nachbarkapitel dieses Abschnitts nach zu urteilen, nicht zu diesem Kapitel, sondern ist der versetzt überlieferte, hier zudem beschädigte Schlusskolophon des vorangehenden 55. Kapitels; sie wurde im sa-Feld dokumentiert, jedoch nicht in die Übersetzung einbezogen.]

mayau rasau tajau bhanau gururlaghurapidvija / kāraṇaṃ chandasi proktāśchandaḥśāstraviśāradaiḥ

Ma und Ya, Ra und Sa, Ta und Ja, Bha und Na, sowie Guru und Laghu, o Zweimalgeborener – diese wurden von den in der Metriklehre bewanderten Gelehrten als die Grundelemente (kāraṇa) des Metrums genannt.

Wort für Wort
mayau rasau tajau bhanau
Ma-und-Ya, Ra-und-Sa, Ta-und-Ja, Bha-und-Na
gurur laghur api dvija
Guru und Laghu auch, o Zweimalgeborener
kāraṇaṃ chandasi proktāḥ
als Grundelement im Metrum genannt
chandaḥśāstraviśāradaiḥ
von den in der Metriklehre Bewanderten

sarvago magaṇaḥ prokto mukhalo yagaṇaḥ smṛtaḥ / madhyalo ragaṇaśvaiva prāntyagaḥ sagaṇo mataḥ

Der Ma-Gaṇa wird als ‚durchweg schwer' (sarvaga) bezeichnet, der Ya-Gaṇa gilt als ‚am Anfang leicht' (mukhala). Der Ra-Gaṇa gilt als ‚in der Mitte leicht' (madhyala), der Sa-Gaṇa aber gilt als ‚am Ende schwer' (prāntyaga).

Wort für Wort
sarvago magaṇaḥ proktaḥ
als durchweg-schwer wird der Ma-Gaṇa bezeichnet
mukhalo yagaṇaḥ smṛtaḥ
als am-Anfang-leicht gilt der Ya-Gaṇa
madhyalo ragaṇaś caiva
als in-der-Mitte-leicht auch der Ra-Gaṇa
prāntyagaḥ sagaṇo mataḥ
als am-Ende-schwer gilt der Sa-Gaṇa

tagaṇoṃ'talaghuḥ khyāto madhyago jo bhaādigaḥ / trilaghurnagaṇaḥ proktastrikā varṇagaṇā mune

Der Ta-Gaṇa ist als ‚am Ende leicht' (antalaghu) bekannt, der Ja-Gaṇa als ‚in der Mitte [leicht] gehend'; der Bha-Gaṇa ist am Anfang [schwer, danach leicht]. Der Na-Gaṇa wird als ‚dreifach leicht' (trilaghu) bezeichnet – dies sind, o Weiser, die aus drei Silben bestehenden Silbengruppen (varṇagaṇa).

Wort für Wort
tagaṇo 'ntalaghuḥ khyātaḥ
der Ta-Gaṇa ist als am-Ende-leicht bekannt
madhyago jo bhaādigaḥ
der Ja[-Gaṇa ist] in-der-Mitte-leicht, der Bha[-Gaṇa ist] am-Anfang-[schwer]
trilaghur nagaṇaḥ proktaḥ
als dreifach-leicht wird der Na-Gaṇa bezeichnet
trikā varṇagaṇā mune
dies sind die dreisilbigen Silbengruppen, o Weiser

[?: „bhaādigaḥ“ ist unsicher überliefert – wohl „bha ādigaḥ“, d.h. der Bha-Gaṇa als am Anfang (mit Guru) beginnend; sinngemäß übersetzt.]

caturlāstu gaṇāḥ pañca proktā āryādisaṃmatāḥ / saṃyogaśca visargaścānusvāro laghutaḥ paraḥ

Die vierzeitigen Gaṇas aber sind fünf an Zahl, wie z.B. bei der Āryā u.a. anerkannt. Konsonantenhäufung (saṃyoga), Visarga und Anusvāra machen, wenn sie einer kurzen Silbe folgen, diese schwer.

Wort für Wort
caturlās tu gaṇāḥ pañca
die vierzeitigen Gaṇas aber sind fünf
proktā āryādisaṃmatāḥ
genannt, bei der Āryā u.a. anerkannt
saṃyogaś ca visargaś ca
Konsonantenhäufung und Visarga
anusvāro laghutaḥ paraḥ
und Anusvāra, einer kurzen Silbe folgend

[?: Der zweite Halbvers benennt elliptisch die Regel, wonach saṃyoga, visarga und anusvāra nach einer kurzen Silbe diese zu einer schweren (guru) machen; das fehlende Verb wurde sinngemäß ergänzt.]

laghordīrghatvamākhyāti dīrgho go lo laghurmataḥ / pādaścaturthabhāgaḥ syādvicchedoyatirucyate

Dies verkündet die Schwere (Länge) des an sich kurzen Lauts; ein langer Vokal gilt als ‚Go' (schwer), ein kurzer als ‚La' (leicht). Der Versfuß (pāda) ist der vierte Teil des Verses; die Zäsur wird ‚Yati' genannt.

Wort für Wort
laghor dīrghatvam ākhyāti
verkündet die Länge/Schwere des Kurzen
dīrgho go lo laghur mataḥ
der Lange gilt als „Go“, der Kurze als „La“
pādaś caturthabhāgaḥ syāt
der Versfuß sei der vierte Teil
vicchedo yatir ucyate
die Trennung/Zäsur wird „Yati“ genannt

samamarddhasamaṃ vṛttaṃ viṣamaṃ cāpi nārada / tulyalakṣaṇataḥ pādacatuṣke samamucyate

Gleichmäßig (sama), halbgleichmäßig (ardhasama) und auch ungleichmäßig (viṣama) kann das Versmaß sein, o Nārada. Wenn in den vier Versfüßen das Merkmal übereinstimmt, heißt es ‚sama'.

Wort für Wort
samam ardhasamaṃ vṛttam
gleichmäßig, halbgleichmäßig das Versmaß
viṣamaṃ cāpi nārada
und auch ungleichmäßig, o Nārada
tulyalakṣaṇataḥ pādacatuṣke
wenn in den vier Versfüßen das Merkmal gleich ist
samam ucyate
heißt es gleichmäßig

āditrike dvicaturthe samamarddhasamaṃ tatam / lakṣma bhinnaṃ yasya pādacatuṣke viṣamaṃ hi tat

Wenn Versfuß eins und drei sowie zwei und vier jeweils untereinander gleich sind, erstreckt sich das Metrum als ‚ardhasama' (halbgleichmäßig). Dasjenige, dessen Merkmal in allen vier Versfüßen verschieden ist, ist wahrlich ‚viṣama' (ungleichmäßig).

Wort für Wort
āditrike dvicaturthe
beim ersten und dritten, beim zweiten und vierten Pāda
samam ardhasamaṃ tatam
gleich – das sich erstreckende Halbgleichmäßige
lakṣma bhinnaṃ yasya
dessen Merkmal verschieden ist
pādacatuṣke viṣamaṃ hi tat
in den vier Versfüßen, das ist wahrlich ungleichmäßig

[?: Die Bezeichnung „sama“ wird bereits in V7 definiert; V8 nennt hier „ardhasama“ (1./3. und 2./4. Pāda je gleich) und „viṣama“ (alle vier verschieden).]

ekākṣarātsamārabhya varṇaikaikasya vṛddhitaḥ / ṣaḍviṃśatyakṣaraṃ yāvatpādastāvatpṛthak pṛthak

Beginnend bei einer Silbe, durch Vermehrung um je eine Silbe, bis zu sechsundzwanzig Silben – so viele Arten von Versfüßen gibt es, jeweils einzeln benannt.

Wort für Wort
ekākṣarāt samārabhya
bei einer Silbe beginnend
varṇaikaikasya vṛddhitaḥ
durch Zunahme um je eine Silbe
ṣaḍviṃśatyakṣaraṃ yāvat
bis zu sechsundzwanzig Silben
pādas tāvat pṛthak pṛthak
gibt es so viele Versfüße, jeweils einzeln

tatparaṃ caṇḍavṛṣṭyādidaṇḍakāḥ parikalpitāḥ / tribhiḥ ṣaḍbhiḥ padairgāthāḥ śṛṇu saṃjñā yathottaram

Danach sind die Daṇḍaka-Metren, beginnend mit dem Caṇḍavṛṣṭi-Metrum, festgesetzt. Höre die Bezeichnungen der Gāthās mit drei und sechs Versfüßen, eine nach der anderen.

Wort für Wort
tatparaṃ caṇḍavṛṣṭyādi-
danach, mit Caṇḍavṛṣṭi beginnend
daṇḍakāḥ parikalpitāḥ
sind die Daṇḍakas festgesetzt
tribhiḥ ṣaḍbhiḥ padair gāthāḥ
die Gāthās mit drei, mit sechs Versfüßen
śṛṇu saṃjñā yathottaram
höre die Bezeichnungen, eine nach der anderen

uktātyuktā tathā madhyā pratiṣṭānyā supūrvikā / gāyatryuṣṇiganuṣṭaṣṭapca bṛhatī paṅktireva ca

Uktā, Atyuktā, ebenso Madhyā, Pratiṣṭhā und eine andere, die ‚Su'-vorangestellte [Supratiṣṭhā]; Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh sowie Bṛhatī und Paṅkti.

Wort für Wort
uktā atyuktā tathā madhyā
Uktā, Atyuktā, ebenso Madhyā
pratiṣṭhā anyā supūrvikā
Pratiṣṭhā, eine andere mit „Su“ vorangestellt
gāyatry uṣṇig anuṣṭup ca
Gāyatrī, Uṣṇih und Anuṣṭubh
bṛhatī paṅktir eva ca
Bṛhatī und ebenso Paṅkti

[?: „pratiṣṭānyā supūrvikā“ ist wohl verderbt für „pratiṣṭhā anyā supratiṣṭhā“ (Pratiṣṭhā, die andere Supratiṣṭhā); „anuṣṭaṣṭapca“ als „anuṣṭup ca“ gelesen. Es handelt sich um die traditionelle Liste der Metrumsnamen nach Silbenzahl pro Pāda (1–10).]

triṣṭupca jagatī caiva tathātijagatī matā / śakkarī sātipūrvā ca aṣṭyatyaṣṭī tataḥ smṛte

Triṣṭubh und Jagatī, ebenso gilt Atijagatī; Śakvarī und jene mit ‚Ati' vorangestellt [Atiśakvarī]; danach werden Aṣṭi und Atyaṣṭi genannt.

Wort für Wort
triṣṭup ca jagatī caiva
Triṣṭubh und auch Jagatī
tathātijagatī matā
ebenso gilt Atijagatī
śakvarī sātipūrvā ca
Śakvarī und jene mit „Ati“ vorangestellt
aṣṭy atyaṣṭī tataḥ smṛte
Aṣṭi und Atyaṣṭi werden danach genannt

dhṛtiśca vidhṛtiścaiva kṛtiḥ prakṛtirākṛtiḥ / vikṛtiḥ saṃkṛtiścaiva tathātikṛtirutkṛtiḥ

Dhṛti und Vidhṛti, Kṛti, Prakṛti, Ākṛti; Vikṛti und Saṃkṛti, ebenso Atikṛti und Utkṛti.

Wort für Wort
dhṛtiś ca vidhṛtiś caiva
Dhṛti und auch Vidhṛti
kṛtiḥ prakṛtir ākṛtiḥ
Kṛti, Prakṛti, Ākṛti
vikṛtiḥ saṃkṛtiś caiva
Vikṛti und auch Saṃkṛti
tathātikṛtir utkṛtiḥ
ebenso Atikṛti und Utkṛti

[?: „vidhṛti“ steht hier offenbar für Atidhṛti (Nebenform); die Liste zählt so die Metrumsnamen für 18–26 Silben pro Pāda vollständig auf.]

ityetāśchandasāṃ saṃjñāḥ prastārādbhedabhāgikāḥ / pāde sarvagurau pūrvīllaghuṃ sthāpya guroradhaḥ

Dies sind die Bezeichnungen der Metren, die durch den Prastāra (die kombinatorische Ausbreitung) in ihre Unterarten gegliedert werden. Bei einem Versfuß, der ganz aus Guru besteht, setze man zuerst ein Laghu unterhalb des Guru,

Wort für Wort
ity etāś chandasāṃ saṃjñāḥ
dies sind die Bezeichnungen der Metren
prastārād bhedabhāgikāḥ
durch den Prastāra in Unterarten gegliedert
pāde sarvagurau
bei einem Versfuß, der ganz aus Guru besteht
pūrvīl laghuṃ sthāpya guror adhaḥ
setze man zuvor ein Laghu unterhalb des Guru

[?: Die folgenden Verse (14–20) beschreiben in stark verkürzter, technischer Diktion das klassische Prastāra-Verfahren (Piṅgala-Tradition) zur kombinatorischen Aufzählung aller Guru-Laghu-Muster eines Versfußes sowie die Verfahren „Naṣṭa“ (Muster aus laufender Nummer) und „Uddiṣṭa“ (laufende Nummer aus Muster); der Wortlaut ist an mehreren Stellen unsicher überliefert, die Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinn, ohne den genauen Rechengang im Einzelnen rekonstruieren zu können.]

yathopari tathā śeṣamagre prāravannyasedapi / eṣa prastāra udito yāvatsarvalaghurbhavet

Wie oben, so verfahre man mit dem Übrigen; auch am Anfang beginnend lege man es ab. Dies ist der genannte Prastāra, fortzuführen bis der Versfuß ganz aus Laghu besteht.

Wort für Wort
yathopari tathā śeṣam
wie oben, so das Übrige
agre prāravan nyased api
auch am Anfang beginnend lege man es ab
eṣa prastāra uditaḥ
dies ist der genannte Prastāra
yāvat sarvalaghur bhavet
bis der Versfuß ganz aus Laghu wird

naṣṭāṅkārddhe same laḥ syādvipam saiva sorddhagaḥ / uddiṣṭe dviguṇānādyādaṅgānsaṃmolya lasthitān

Beim Naṣṭa-Verfahren gilt: Ist die Hälfte der gegebenen Zahl gerade, so sei an dieser Stelle ein Laghu; ist sie ungerade, so sei eben diese Stelle mit dem Guru besetzt. Beim Uddiṣṭa-Verfahren verdopple man, vom Anfang der Silben ausgehend, und summiere die den Laghu-Stellen zugeordneten Glieder,

Wort für Wort
naṣṭāṅke ardhe same
beim Naṣṭa-Verfahren, wenn die Hälfte der Zahl gerade ist
laḥ syād viṣame saiva sorddhagaḥ
sei dort Laghu; ist sie ungerade, eben dort Guru
uddiṣṭe dviguṇān ādyāt
beim Uddiṣṭa-Verfahren, vom Anfang an verdoppelt
aṅgān saṃmolya lasthitān
summiere man die an den Laghu-Stellen befindlichen Glieder

[?: Vers technisch sehr unsicher überliefert (u.a. „vipam“, „sorddhagaḥ“); die Übersetzung gibt sinngemäß das klassische Naṣṭa/Uddiṣṭa-Verfahren der Prastāra-Rechnung wieder, ohne den genauen Wortlaut im Einzelnen rekonstruieren zu können.]

kṛtvā sekānvadaitsaṃkhyāmiti prāhuḥ purāvidaḥ / vaṇānsekānvṛttabhavānuttarādharataḥ sthitān

– nachdem man so die Sekas (Schichten) gebildet hat, verkünde man die Zahl: so sprachen die Kenner der alten Überlieferung. Die im Versmaß befindlichen Silben, als Sekas von oben nach unten angeordnet,

Wort für Wort
kṛtvā sekān vadet saṃkhyām
nachdem man die Sekas gebildet hat, verkünde man die Zahl
iti prāhuḥ purāvidaḥ
so sprachen die Kenner der Vorzeit
varṇān sekān vṛttabhavān
die im Versmaß befindlichen Silben als Sekas
uttarādharataḥ sthitān
von oben nach unten angeordnet

[?: „vaṇān“ wohl für „varṇān“ (Silben) verlesen.]

ekādikramataścaikānuparyyupari vinyaset / upāntyato nivarteta tyajannekaikamūrddhataḥ

– beginnend mit eins, in aufsteigender Reihenfolge, lege man je eine Einheit übereinander. Vom vorletzten Glied kehre man um, indem man von oben je eine wegläßt.

Wort für Wort
ekādikramataś caikān
beginnend mit eins, der Reihe nach, je eine
upary upari vinyaset
lege man immer weiter oben ab
upāntyato nivarteta
vom vorletzten Glied kehre man um
tyajann ekaikam ūrddhataḥ
indem man von oben je eine wegläßt

uparyādyādgurorevamekadvyādilagakriyā / lagakriyāṅkasaṃdohe bhavetsaṃkhyāvimiśrite

Von oben, beim ersten Guru beginnend, erfolgt so die Zählung der Laghu-Stellen mit eins, zwei usw. In der Gesamtheit der so erhaltenen Zahlen dieser Laghu-Zählung ergibt sich die vermischte Gesamtzahl.

Wort für Wort
upary ādyād guror evam
von oben, beim ersten Guru an, so
eka-dvy-ādi-laga-kriyā
die Zählung der Laghu-Stellen mit eins, zwei usw.
laga-kriyāṅka-saṃdohe
in der Gesamtheit der Zahlen dieser Laghu-Zählung
bhavet saṃkhyā vimiśrite
entsteht die vermischte Gesamtzahl

[?: Der genaue technische Rechengang bleibt im Einzelnen unsicher; sinngemäß wiedergegeben.]

uddiṣṭāṅkasamāhāraḥ saiko vā janayedimām / saṃkhyaiva dviguṇaikonā sadbhiradhvā prakīrtitaḥ

Die Summe der beim Uddiṣṭa-Verfahren ermittelten Zahlen, um eins vermehrt, erzeuge diese gesuchte Zahl. Eben diese Zahl, verdoppelt und um eins vermindert, wird von den Rechtschaffenen als ‚Adhvan' (der Gesamtweg) verkündet.

Wort für Wort
uddiṣṭāṅkasamāhāraḥ
die Summe der Uddiṣṭa-Zahlen
saiko vā janayed imām
um eins vermehrt erzeuge diese Zahl
saṃkhyaiva dviguṇaikonā
die Zahl selbst, verdoppelt und um eins vermindert
sadbhir adhvā prakīrtitaḥ
wird von den Guten/Weisen als „Adhvan“ verkündet

[?: Beschreibt vermutlich saṃkhyā (Gesamtzahl der möglichen Muster, 2^n) und adhvan (2·2^n−1, Gesamtzahl der Positionen im Prastāra-Schema); der genaue Rechengang bleibt unsicher.]

ityetatkiñcidākhyātaṃ lakṣaṇaṃ chandasāṃ nune / prastāroktaprabhedānāṃ nāmānāṃstyaṃ pragāhate

So wurde dies, ein Geringes, als Merkmal der Metren dargelegt, o Weiser. Wer es wünscht, taucht noch tiefer in die Fülle der Namen der durch den Prastāra genannten Unterarten ein.

Wort für Wort
ity etat kiñcid ākhyātam
so wurde dies, ein Geringes, dargelegt
lakṣaṇaṃ chandasāṃ mune
als Merkmal der Metren, o Weiser
prastāroktaprabhedānāṃ
der durch den Prastāra genannten Unterarten
nāmnāṃ tv atra pragāhate
in deren Namen taucht man hier weiter ein

[?: „nune“ wohl für „mune“ (o Weiser) verlesen; „nāmānāṃstyaṃ pragāhate“ unsicher überliefert – sinngemäß als „man taucht in die Namen ein“ wiedergegeben.]

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