Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 5: gaṅgāmāhātmyaṃ kāśīmāhātmyaṃ harihareśvarābhedaśca Das Lob der Gaṅgā, das Lob von Kāśī und die Wesenseinheit von Hari und Hara

sūta uvāca / bhagavadbhaktimāhātmyaṃ śrutvā prītastu nāradaḥ / punaḥ papraccha sanakaṃ jñānavijñānapāragam

Sūta sprach: Nachdem Nārada die Größe der Hingabe an den Herrn gehört hatte, erfreut, befragte er wiederum Sanaka, den Meister von Wissen und Erkenntnis.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
bhagavadbhaktimāhātmyaṃ
die Größe der Hingabe an den Herrn
śrutvā
nachdem er gehört hatte
prītastu nāradaḥ
Nārada aber, erfreut
punaḥ papraccha
fragte wiederum
sanakaṃ
Sanaka
jñānavijñānapāragam
den Meister von Wissen und Erkenntnis

nārada uvāca / kṣetrāṇāmuttamaṃ kṣetraṃ tīrthānāṃ ca tathottamam / parayā dayayā tathavaṃ brūhiṃ śāstrārthapāraga

Nārada sprach: Sag mir mit höchster Güte die Wahrheit [?], welches das beste unter den heiligen Stätten (kṣetras) und ebenso das beste unter den Pilgerstätten (tīrthas) ist, o du, der die Bedeutung der Lehrschriften durchdrungen hat.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
kṣetrāṇāmuttamaṃ kṣetraṃ
das beste unter den heiligen Stätten
tīrthānāṃ ca tathottamam
und ebenso das beste unter den Pilgerstätten
parayā dayayā
mit höchster Güte
tathavaṃ [?] brūhi
sag die Wahrheit [?]
śāstrārthapāraga
o du, der die Bedeutung der Lehrschriften durchdrungen hat

[?] "tathavaṃ" vermutlich für "tattvaṃ" ("die Wahrheit").

sanaka uvāca / śuṇu brahmantaraṃ guhyaṃ sarvasaṃpatkaraṃ param / duḥsvanpanāśanaṃ puṇyaṃ dharmyaṃ pāpaharaṃ śubham

Sanaka sprach: Höre, o Brahmane, das höchste Geheimnis [?], das alles Wohlergehen bewirkt, das böse Träume vernichtet, heilig ist, dem Dharma gemäß, die Sünde hinwegnimmt und heilbringend ist.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
śuṇu
höre
brahman
o Brahmane
taraṃ [?] guhyaṃ
das höchste Geheimnis [?]
sarvasaṃpatkaraṃ param
das höchste, alles Wohlergehen bewirkende
duḥsvapnanāśanaṃ
das böse Träume vernichtende
puṇyaṃ dharmyaṃ
heilig, dem Dharma gemäß
pāpaharaṃ śubham
die Sünde hinwegnehmend, heilbringend

[?] "brahmantaraṃ" unklar, vermutlich verderbt aus "brahmottaraṃ" ("das höchste [Geheimnis in Bezug auf] Brahman"); sinngemäß als "das höchste Geheimnis" wiedergegeben.

śrotavyaṃ munibhirnityaṃ duṣṭagrahanivāraṇam / sarvarogapraśamanamāyurvardhdanakāraṇam

Es ist das, was die Weisen beständig hören sollen, was böse Planeteneinflüsse abwehrt, alle Krankheiten heilt und die Lebensspanne verlängert.

Wort für Wort
śrotavyaṃ munibhirnityaṃ
was die Weisen beständig hören sollen
duṣṭagrahanivāraṇam
das böse Planeteneinflüsse abwehrt
sarvarogapraśamanam
das alle Krankheiten heilt
āyurvardhanakāraṇam
die Ursache für die Verlängerung der Lebensspanne

kṣetrāṇāmuttamaṃ kṣetraṃ tīrthānāṃ ca tathottamam / gaṅgāyamunayoryogaṃ vadanti paramarṣayaḥ

Das beste unter den heiligen Stätten und ebenso das beste unter den Pilgerstätten - das ist, wie die höchsten Weisen sagen, die Vereinigung von Gaṅgā und Yamunā (bei Prayāga).

Wort für Wort
kṣetrāṇāmuttamaṃ kṣetraṃ
das beste unter den heiligen Stätten
tīrthānāṃ ca tathottamam
und ebenso das beste unter den Pilgerstätten
gaṅgāyamunayoryogaṃ
die Vereinigung von Gaṅgā und Yamunā
vadanti paramarṣayaḥ
sagen die höchsten Weisen

[Anm.: Die erste Vershälfte wiederholt fast wörtlich die Frage aus V.2 - vermutlich rhetorisches Aufgreifen der Frage in der Antwort, unverändert wiedergegeben.]

sitāsitodakaṃ tīrthaṃ brahmādyāḥ sarvadevatāḥ / munayo manavaścaiva sevante puṇyakāṅkṣiṇaḥ

Diese Pilgerstätte des hellen und dunklen Wassers verehren Brahmā und alle anderen Götter, die Weisen und die Menschen, die nach heiligem Verdienst verlangen.

Wort für Wort
sitāsitodakaṃ tīrthaṃ
die Pilgerstätte des hellen und dunklen Wassers
brahmādyāḥ sarvadevatāḥ
Brahmā und alle anderen Götter
munayo manavaścaiva
die Weisen und die Menschen
sevante puṇyakāṅkṣiṇaḥ
verehren, nach heiligem Verdienst verlangend

gaṅgā puṇyanadī jñeyā yato viṣṇupadodbhavā / ravijā yamunā brahmaṃstayoryogaḥ śubhāvahaḥ

Die Gaṅgā ist als heiliger Fluss zu erkennen, da sie aus dem Fuß Viṣṇus entsprungen ist; die Yamunā ist die Tochter der Sonne, o Brahmane - deren Vereinigung bringt Segen.

Wort für Wort
gaṅgā puṇyanadī jñeyā
die Gaṅgā ist als heiliger Fluss zu erkennen
yato viṣṇupadodbhavā
da sie aus dem Fuß Viṣṇus entsprungen ist
ravijā yamunā
die Yamunā, die Tochter der Sonne
brahman
o Brahmane
tayoryogaḥ śubhāvahaḥ
deren Vereinigung bringt Segen

smṛtārtināśinī gaṅgā nadīnāṃ pravarā mune / sarvapāpakṣayakarī sarvopadravanāśinī

Die Gaṅgā, die vorzüglichste der Flüsse, o Weiser, vernichtet schon durch bloßes Gedenken alles Leid, vernichtet alle Sünden und beseitigt alle Plagen.

Wort für Wort
smṛtārtināśinī
die durch bloßes Gedenken Leid vernichtet
gaṅgā nadīnāṃ pravarā
die Gaṅgā, die vorzüglichste der Flüsse
mune
o Weiser
sarvapāpakṣayakarī
die alle Sünden vernichtet
sarvopadravanāśinī
die alle Plagen beseitigt

yāni kṣetrāṇi puṇyāni samudrānte mahītale / teṣāṃ puṇyatamaṃ jñeyaṃ prayāgākhyaṃ mahāmune

Von allen heiligen Stätten, die es auf der vom Meer umgrenzten Erde gibt, ist die mit Namen Prayāga als die heiligste zu erkennen, o großer Weiser.

Wort für Wort
yāni kṣetrāṇi puṇyāni
welche heiligen Stätten
samudrānte mahītale
auf der vom Meer umgrenzten Erde
teṣāṃ puṇyatamaṃ jñeyaṃ
von diesen ist als das heiligste zu erkennen
prayāgākhyaṃ
die Prayāga genannte
mahāmune
o großer Weiser

iyāja vedhā yajñena yatra devaṃ ramāpatim / tathaiva munayaḥ sarve cakraśca vividhānmakhān

Dort opferte der Schöpfer (Brahmā) mit einem Opfer dem Gott, dem Gemahl der Ramā (Viṣṇu); ebenso vollzogen alle Weisen dort verschiedenartige Opfer.

Wort für Wort
iyāja vedhā yajñena
der Schöpfer opferte mit einem Opfer
yatra devaṃ ramāpatim
dort dem Gott, dem Gemahl der Ramā
tathaiva munayaḥ sarve
ebenso alle Weisen
cakraśca vividhānmakhān
und vollzogen verschiedenartige Opfer

sarvatīrthābhiṣekāṇi yāni puṇyāni tāni vai / gaṅgābindvabhiṣekasya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm

Alle heilbringenden rituellen Bäder an sämtlichen Pilgerstätten erreichen wahrlich nicht den sechzehnten Teil eines Bades mit einem einzigen Tropfen Gaṅgāwasser.

Wort für Wort
sarvatīrthābhiṣekāṇi
die rituellen Bäder an allen Pilgerstätten
yāni puṇyāni tāni vai
welche heilbringend sind, diese wahrlich
gaṅgābindvabhiṣekasya
eines Bades mit einem Tropfen Gaṅgāwasser
kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm
erreichen nicht den sechzehnten Teil

gaṅgā gaṅgeti yo brūyādyojanānāṃ śate sthitaḥ / so 'pi mucyeta pāpebhyaḥ kimu gaṅgābhiṣekavān

Wer, hundert Yojanas entfernt, nur 'Gaṅgā, Gaṅgā' sagt, auch der wird von Sünden befreit - wieviel mehr erst, wer ein Bad in der Gaṅgā genommen hat!

Wort für Wort
gaṅgā gaṅgeti yo brūyāt
wer 'Gaṅgā, Gaṅgā' sagt
yojanānāṃ śate sthitaḥ
hundert Yojanas entfernt
so 'pi mucyeta pāpebhyaḥ
auch dieser wird von Sünden befreit
kimu gaṅgābhiṣekavān
wieviel mehr, wer ein Gaṅgā-Bad genommen hat

viṣṇupādodbhavā devī viśveśvaraśiraḥ sthitā / saṃsevyā munibhirdevaḥ kiṃ punaḥ pāmarairjanai

Die Göttin, die aus dem Fuß Viṣṇus entsprungen ist und auf dem Haupt des Herrn des Weltalls (Śiva) weilt, wird von Weisen und Göttern verehrt - wieviel mehr sollte sie von gewöhnlichen Menschen verehrt werden!

Wort für Wort
viṣṇupādodbhavā devī
die Göttin, aus dem Fuß Viṣṇus entsprungen
viśveśvaraśiraḥsthitā
auf dem Haupt des Herrn des Weltalls weilend
saṃsevyā munibhirdevaḥ
zu verehren von Weisen und Göttern
kiṃ punaḥ pāmarairjanaiḥ
wieviel mehr von gewöhnlichen Menschen

yatsaikataṃ lalāṭe tu dhriyate manujottamaiḥ / tatraiva netraṃ vijñeyaṃ vidhyarddhādhaḥ samujjvalat

Der Sand (der Gaṅgā), den die besten Menschen auf der Stirn tragen, ist eben dort als (drittes) Auge zu erkennen, [?] strahlend wie unterhalb einer Mondsichel.

Wort für Wort
yatsaikataṃ lalāṭe tu
der Sand, der auf der Stirn
dhriyate manujottamaiḥ
getragen wird von den besten Menschen
tatraiva netraṃ vijñeyaṃ
ist eben dort als (drittes) Auge zu erkennen
vidhyarddhādhaḥ samujjvalat [?]
strahlend wie unterhalb einer Mondsichel [?]

[?] "vidhyarddhādhaḥ samujjvalat" unklar; sinngemäß als Bild einer unterhalb einer Mondsichel erstrahlenden Stelle gedeutet (vidhi/vidhu = Mond, ardha = halb).

yanmajjana mahāpuṇyaṃ durlabhaṃ tridivaukasām / sārupyadāyakaṃ viṣṇoḥ kimasmātkathyate parama

Was könnte höher genannt werden als dieses Bad, das höchst heilbringend ist, selbst für die Bewohner des Götterhimmels schwer zu erlangen, und das die Gleichgestaltigkeit mit Viṣṇu verleiht?

Wort für Wort
yanmajjana mahāpuṇyaṃ
welches Untertauchen, höchst heilbringend
durlabhaṃ tridivaukasām
schwer erlangbar für die Himmelsbewohner
sārupyadāyakaṃ viṣṇoḥ
das die Gleichgestaltigkeit mit Viṣṇu verleiht
kimasmātkathyate param
was wird höher genannt als dieses

yatra strātāḥ pāpino 'pi sarvapāpavivarjitāḥ / mahadvimānamāruḍhāḥ prayānti paramaṃ padam

Dort, wo selbst Sünder, wenn sie gebadet haben, von aller Sünde befreit werden, besteigen sie einen großen Himmelswagen und gelangen zum höchsten Ort.

Wort für Wort
yatra strātāḥ pāpino 'pi
wo selbst Sünder, gebadet
sarvapāpavivarjitāḥ
von aller Sünde befreit
mahadvimānamāruḍhāḥ
auf einen großen Himmelswagen gestiegen
prayānti paramaṃ padam
gelangen zum höchsten Ort

yatra snātā mahātmānaḥ pitṛmātṛkulāni vai / sahasrāṇi samuddhṛtya viṣṇuloke vrajanti vai

Wo große Seelen, nachdem sie gebadet haben, Tausende aus den Familien ihrer Väter und Mütter erretten und (dann) in die Welt Viṣṇus eingehen.

Wort für Wort
yatra snātā mahātmānaḥ
wo gebadete große Seelen
pitṛmātṛkulāni vai
wahrlich die Familien der Väter und Mütter
sahasrāṇi samuddhṛtya
nachdem sie Tausende errettet haben
viṣṇuloke vrajanti vai
gehen wahrlich in die Welt Viṣṇus

sa snātaḥ sarvatīrtheṣu yo gaṅgāṃ smarati dvica / puṇyakṣetreṣu sarveṣau sthitavānnātra saṃśayaḥ

Wer der Gaṅgā gedenkt, o Zweifachgeborener, der hat an allen Pilgerstätten gebadet; er gilt als weilend an allen heiligen Stätten - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
sa snātaḥ sarvatīrtheṣu
der hat an allen Pilgerstätten gebadet
yo gaṅgāṃ smarati
wer der Gaṅgā gedenkt
dvica [?]
o Zweifachgeborener [?]
puṇyakṣetreṣu sarveṣu sthitavān
weilend an allen heiligen Stätten
nātra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel

[?] "dvica" vermutlich für "dvija" ("Zweifachgeborener").

yatra snātaṃ naraṃ dṛṣṭvā pāpo 'pi svargabhūmibhāk / madaṅgasparśemātreṇa devānāmādhapo bhavet

Wo, sobald man einen gebadeten Menschen erblickt, selbst ein Sünder der Himmelswelt teilhaftig wird - durch die bloße Berührung meines (der Gaṅgā) Leibes werde man zum Herrscher [?] der Götter.

Wort für Wort
yatra snātaṃ naraṃ dṛṣṭvā
wo, einen gebadeten Menschen erblickend
pāpo 'pi svargabhūmibhāk
selbst ein Sünder der Himmelswelt teilhaftig
madaṅgasparśemātreṇa
durch die bloße Berührung meines Leibes
devānāmādhapo [?] bhavet
werde man Herrscher [?] der Götter

[Anm.: Vers scheint aus der Ich-Perspektive der Gaṅgā gesprochen ("madaṅga" = "mein Leib").] [?] "ādhapo" vermutlich für "ādhipo" ("Herrscher").

tulasīmūlasaṃbhūtā dvijapādodbhāvā tathā / gaṅgodbhavā tu mṛllokānnayatyacyutarupatām

Erde, die aus der Wurzel der Tulasī-Pflanze entstanden ist, ebenso Erde, die aus dem Fuß eines Brahmanen entstanden ist, und Erde, die aus der Gaṅgā entstanden ist - sie führt die Welten zur Wesensgestalt des Unvergänglichen (Viṣṇu).

Wort für Wort
tulasīmūlasaṃbhūtā
aus der Wurzel der Tulasī entstanden
dvijapādodbhāvā tathā
ebenso aus dem Fuß eines Brahmanen entstanden
gaṅgodbhavā tu mṛt
die aus der Gaṅgā entstandene Erde aber
lokānnayatyacyutarupatām
führt die Welten zur Gestalt des Unvergänglichen

gaṅgā ca tulasī caiva haribhaktiracañcalā / atyantadurllabhā nṝṇāṃ bhaktirddharmapravaktari

Die Gaṅgā, die Tulasī, die unerschütterliche Hingabe zu Hari, und die Hingabe zu dem, der den Dharma verkündet - (diese) sind für die Menschen höchst schwer zu erlangen.

Wort für Wort
gaṅgā ca tulasī caiva
die Gaṅgā und die Tulasī
haribhaktiracañcalā
die unerschütterliche Hingabe zu Hari
atyantadurllabhā nṝṇāṃ
höchst schwer erlangbar für die Menschen
bhaktirddharmapravaktari
die Hingabe zu dem Dharma-Verkünder

saddharmavaktuḥ padasaṃbhavāṃ mṛdaṃ gaṅgodbhavāṃ caiva tathā tulasyāḥ / mūlodbhavāṃ bhaktiyuto manuṣyo dhṛtvā śirasyeti padaṃ ca viṣṇoḥ

Ein hingebungsvoller Mensch, der die Erde vom Fuß des Verkünders des wahren Dharma, die aus der Gaṅgā entstandene Erde und die aus der Wurzel der Tulasī entstandene Erde auf seinem Haupt trägt, erlangt so den Zustand Viṣṇus.

Wort für Wort
saddharmavaktuḥ padasaṃbhavāṃ mṛdaṃ
die Erde, entstanden aus dem Fuß des Verkünders des wahren Dharma
gaṅgodbhavāṃ caiva
und ebenso die aus der Gaṅgā entstandene
tathā tulasyā mūlodbhavāṃ
und die aus der Wurzel der Tulasī entstandene
bhaktiyuto manuṣyo
ein hingebungsvoller Mensch
dhṛtvā śirasi
nachdem er sie auf dem Haupt getragen hat
iti padaṃ ca viṣṇoḥ
(erlangt) so den Zustand Viṣṇus

kadā yāsyāmyahaṃ gaṅgāṃ kadā paśyāmi tāmaham / vāñcchatyapi ca yo hyevaṃ so 'pi viṣṇupadaṃ vrajet

'Wann werde ich zur Gaṅgā gehen? Wann werde ich sie sehen?' - wer auch nur so wünscht, auch der gelangt zum Ort Viṣṇus.

Wort für Wort
kadā yāsyāmyahaṃ gaṅgāṃ
wann werde ich zur Gaṅgā gehen
kadā paśyāmi tāmaham
wann werde ich sie sehen
vāñcchatyapi ca yo hyevaṃ
wer auch nur so wünscht
so 'pi viṣṇupadaṃ vrajet
auch der gelangt zum Ort Viṣṇus

gaṅgāyā mahimā brahmanvaktuṃ varṣaśatairapi / na śakyate viṣṇunāpi kimanyairbahubhāṣitaiḥ

Die Größe der Gaṅgā, o Brahmane, vermag nicht einmal Viṣṇu selbst in hundert Jahren zu beschreiben - was soll man da erst von anderen mit ihrem vielen Gerede sagen?

Wort für Wort
gaṅgāyā mahimā
die Größe der Gaṅgā
brahman
o Brahmane
vaktuṃ varṣaśatairapi
selbst in hundert Jahren zu beschreiben
na śakyate viṣṇunāpi
ist nicht einmal von Viṣṇu möglich
kimanyairbahubhāṣitaiḥ
was von anderen mit ihrem vielen Gerede

aho māyā jagatsarvaṃ mohayatyetadadbhutam / yato vai narakaṃ yānti gaṅgānātri sthite 'pi hi

Ach, welch eine Täuschung betört doch die ganze Welt - dies ist wunderlich, dass die Menschen zur Hölle gehen, obwohl die Gaṅgā gar nicht [?] fern ist.

Wort für Wort
aho māyā jagatsarvaṃ
ach, welch eine Täuschung die ganze Welt
mohayatyetadadbhutam
betört - dies ist wunderlich
yato vai narakaṃ yānti
dass sie wahrlich zur Hölle gehen
gaṅgānātri [?] sthite 'pi hi
obwohl die Gaṅgā gar nicht [?] fern ist

[?] "nātri" unklar, vermutlich verderbt aus "nātidūre" ("nicht fern").

saṃsāraduḥkha vicchedi gaṅgānāma prakīrtitam / tathā tulasyā bhaktiśca harikīrtipravaktari

Der Name 'Gaṅgā' wird gepriesen als das, was die Leiden des Daseinskreislaufs zerschneidet; ebenso die Hingabe zur Tulasī und die Hingabe zu dem, der den Ruhm Haris verkündet.

Wort für Wort
saṃsāraduḥkhavicchedi
das die Leiden des Daseinskreislaufs zerschneidet
gaṅgānāma prakīrtitam
der Name Gaṅgā wird (als solches) gepriesen
tathā tulasyā bhaktiśca
ebenso die Hingabe zur Tulasī
harikīrtipravaktari
zu dem, der den Ruhm Haris verkündet

sakṛdapyuccaredyastu gaṅgetyevākṣaradvayam / sarvapāpavinirmukto viṣṇulokaṃ sa gacchati

Wer auch nur einmal die zwei Silben 'Gaṅ-gā' ausspricht, geht, von aller Sünde befreit, zur Welt Viṣṇus.

Wort für Wort
sakṛdapyuccaredyastu
wer auch nur einmal ausspricht
gaṅgetyevākṣaradvayam
eben die zwei Silben 'Gaṅgā'
sarvapāpavinirmukto
befreit von aller Sünde
viṣṇulokaṃ sa gacchati
geht er zur Welt Viṣṇus

yojanatritayaṃ yastu gaṅgāyāmadhigacchati / sarvapāpavinirmuktaḥ sūryalokaṃ sameti hi

Wer sich der Gaṅgā auf eine Strecke von drei Yojanas nähert, gelangt, frei von aller Sünde, wahrlich zur Sonnenwelt.

Wort für Wort
yojanatritayaṃ
eine Strecke von drei Yojanas
yastu gaṅgāyāmadhigacchati
wer sich der Gaṅgā nähert
sarvapāpavinirmuktaḥ
frei von aller Sünde
sūryalokaṃ sameti hi
gelangt wahrlich zur Sonnenwelt

seyaṃ gaṅgā mahāpuṇyā nadī bhaktyā niṣevitā / meṣataulimṛgākarṣu pāvayatyakhilaṃ jagat

Diese Gaṅgā, der höchst heilbringende, mit Hingabe verehrte Fluss, reinigt die gesamte Welt, [?] wenn die Sonne im Zeichen des Widders, der Waage oder des Steinbocks steht.

Wort für Wort
seyaṃ gaṅgā mahāpuṇyā nadī
diese Gaṅgā, der höchst heilbringende Fluss
bhaktyā niṣevitā
mit Hingabe verehrt
meṣataulimṛgākarṣu [?]
im Zeichen von Widder, Waage, Steinbock [?]
pāvayatyakhilaṃ jagat
reinigt die gesamte Welt

[?] "meṣataulimṛgākarṣu" unklarer, vermutlich verderbter Kompositum-Rest; sinngemäß auf den Sonnenstand in bestimmten Tierkreiszeichen gedeutet.

godāvarī bhīmarathī kṛṣṇā revā sarasvatī / tuṅgabhadrā ca kāverī kāliṃndī bāhudā tathā

Godāvarī, Bhīmarathī, Kṛṣṇā, Revā, Sarasvatī, Tuṅgabhadrā und Kāverī, ebenso Kālindī (und) Bāhudā -

Wort für Wort
godāvarī bhīmarathī kṛṣṇā
Godāvarī, Bhīmarathī, Kṛṣṇā
revā sarasvatī
Revā, Sarasvatī
tuṅgabhadrā ca kāverī
Tuṅgabhadrā und Kāverī
kāliṃndī bāhudā tathā
ebenso Kālindī, Bāhudā

vetravatī tāmraparṇī sarayūśca dvijottama / evamādiṣu tīrtheṣu gaṅgā mukhyatamā smṛtā

- Vetravatī, Tāmraparṇī und Sarayū, o Bester der Zweifachgeborenen: unter diesen und ähnlichen Pilgerstätten wird die Gaṅgā als die vorzüglichste überliefert.

Wort für Wort
vetravatī tāmraparṇī sarayūśca
Vetravatī, Tāmraparṇī und Sarayū
dvijottama
o Bester der Zweifachgeborenen
evamādiṣu tīrtheṣu
unter diesen und ähnlichen Pilgerstätten
gaṅgā mukhyatamā smṛtā
wird die Gaṅgā als die vorzüglichste überliefert

yathā sarvagato viṣṇurjagavdyāpya pratiṣṭitaḥ / tatheyaṃ vyāpinī gaṅgā sarvapāpapraṇāśinī

So wie der allgegenwärtige Viṣṇu, die Welt durchdringend, in ihr gegründet ist, so ist diese alldurchdringende Gaṅgā, die alle Sünde vernichtet.

Wort für Wort
yathā sarvagato viṣṇuḥ
so wie der allgegenwärtige Viṣṇu
jagavdyāpya pratiṣṭitaḥ
die Welt durchdringend, gegründet
tatheyaṃ vyāpinī gaṅgā
so ist diese alldurchdringende Gaṅgā
sarvapāpapraṇāśinī
die alle Sünde vernichtet

aho gaṅgā jagaddhātrī snānapānādibhirjagat / punāti pāvanītyeṣā na kathaṃ sevyate nṛbhiḥ

Ach, die Gaṅgā, die Erhalterin der Welt, reinigt die Welt durch Baden, Trinken und dergleichen - sie, die 'Reinigende' genannt wird: warum wird sie nicht von (allen) Menschen verehrt?

Wort für Wort
aho gaṅgā jagaddhātrī
ach, die Gaṅgā, die Erhalterin der Welt
snānapānādibhirjagat
durch Baden, Trinken und dergleichen die Welt
punāti
reinigt sie
pāvanītyeṣā
'die Reinigende' - so wird sie genannt
na kathaṃ sevyate nṛbhiḥ
warum wird sie nicht von Menschen verehrt

tīrthānāmuttamaṃ tīrthaṃ kṣetrāṇāṃ kṣetramuttamam / vārāṇasīti vikhyātaṃ sarvadevaniṣevitam

Die beste der Pilgerstätten, die beste der heiligen Stätten ist die unter dem Namen Vārāṇasī berühmte, die von allen Göttern verehrt wird.

Wort für Wort
tīrthānāmuttamaṃ tīrthaṃ
die beste der Pilgerstätten
kṣetrāṇāṃ kṣetramuttamam
die beste der heiligen Stätten
vārāṇasīti vikhyātaṃ
die unter dem Namen Vārāṇasī berühmte
sarvadevaniṣevitam
von allen Göttern verehrt

te eva śravaṇe dhanye saṃvidāte bahuśrutam / iha śrutimatāṃ puṃsāṃ kāśī yābhyāṃ śrutāsakṛt

Gesegnet im Hören sind eben jene (Ohren), die viel Gehörtes erfassen, jene der Männer, die hier über (heilige) Kenntnis verfügen, durch welche Kāśī auch nur einmal gehört wurde.

Wort für Wort
te eva śravaṇe dhanye [?]
gesegnet im Hören sind eben jene [?]
saṃvidāte bahuśrutam
die viel Gehörtes erfassen
iha śrutimatāṃ puṃsāṃ
hier der Männer, die über Kenntnis verfügen
kāśī yābhyāṃ śrutāsakṛt
durch welche Kāśī auch nur einmal gehört wurde

[?] Konstruktion "te eva śravaṇe dhanye saṃvidāte" unsicher; sinngemäß auf die (Ohren der) Hörenden bezogen gedeutet.

ye yaṃ smaranti saṃsthānamavimuktaṃ dvijottamam / nirdhūtasarvapāpāste śivalokaṃ vrajanti vai

Die, welche jenes Ort namens Avimukta (Kāśī) gedenken, o Bester der Zweifachgeborenen, gehen, von aller Sünde befreit, wahrlich in die Welt Śivas.

Wort für Wort
ye yaṃ smaranti saṃsthānam
die, welche jenen Ort gedenken
avimuktaṃ
Avimukta (Kāśī)
dvijottamam
o Bester der Zweifachgeborenen
nirdhūtasarvapāpāste
sie, von aller Sünde befreit
śivalokaṃ vrajanti vai
gehen wahrlich in die Welt Śivas

yojanānāṃ śatastho 'pi avimuktaṃ smaredyadi / bahupātakapūrṇo 'pi padaṃ gacchatyanāmayam

Selbst wer hundert Yojanas entfernt weilt, geht, wenn er Avimukta (Kāśī) gedenkt, selbst wenn er voller vieler schwerer Sünden ist, zum leidlosen Ort.

Wort für Wort
yojanānāṃ śatastho 'pi
selbst wer hundert Yojanas entfernt weilt
avimuktaṃ smaredyadi
wenn er Avimukta gedenkt
bahupātakapūrṇo 'pi
selbst voller vieler schwerer Sünden
padaṃ gacchatyanāmayam
geht zum leidlosen Ort

prāṇaprayāṇasamaye yo 'vimuktaṃ smaredvūja / so 'pi pāpavinirmuktaḥ śaivaṃ padamavānpuyāt

Wer im Augenblick des Todes Avimukta gedenkt, o Zweifachgeborener, auch der erlangt, von Sünde befreit, den Ort Śivas.

Wort für Wort
prāṇaprayāṇasamaye
zur Zeit des Aufbruchs der Lebenskraft
yo 'vimuktaṃ smaret
wer Avimukta gedenkt
vūja [?]
o Zweifachgeborener [?]
so 'pi pāpavinirmuktaḥ
auch dieser, befreit von Sünde
śaivaṃ padamavānpuyāt
möge den Ort Śivas erlangen

[?] "vūja" vermutlich für "dvija" ("Zweifachgeborener").

kāśīsmaraṇajaṃ puṇyaṃ bhuktvā svarge tadantataḥ / pṛthivyāmekarāḍū bhūtvā kāśīṃ prāpya ca muktibhāk

Nachdem er das aus dem Gedenken an Kāśī entstandene Verdienst im Himmel genossen hat, wird er danach auf Erden ein Alleinherrscher und erlangt, Kāśī erreichend, die Erlösung.

Wort für Wort
kāśīsmaraṇajaṃ puṇyaṃ
das aus dem Gedenken an Kāśī entstandene Verdienst
bhuktvā svarge tadantataḥ
nachdem er es im Himmel genossen hat, danach
pṛthivyāmekarāḍū bhūtvā
nachdem er auf Erden Alleinherrscher geworden ist
kāśīṃ prāpya ca muktibhāk
und, Kāśī erreichend, der Erlösung teilhaftig

bahunātra kimuktena vārāṇasyā guṇānprati / nāmāpi gṛhṇātāṃ kāśyāścaturvargo na dūrataḥ

Was nützt hier vieles Reden über die Vorzüge Vārāṇasīs? Für die, die auch nur den Namen Kāśīs aussprechen, sind die vier Lebensziele nicht fern.

Wort für Wort
bahunātra kimuktena
was nützt hier vieles Reden
vārāṇasyā guṇānprati
über die Vorzüge Vārāṇasīs
nāmāpi gṛhṇātāṃ kāśyāḥ
für die, die auch nur den Namen Kāśīs aussprechen
caturvargo na dūrataḥ
sind die vier Lebensziele nicht fern

gaṅgāyamunayoryogo 'dhikaḥ kāśyā api dvijā / yasya darśanamātreṇa narā yānti parāṃ gatim

Die Vereinigung von Gaṅgā und Yamunā, o Zweifachgeborener, übertrifft sogar Kāśī - durch deren bloßen Anblick gelangen Menschen zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
gaṅgāyamunayoryogo 'dhikaḥ
die Vereinigung von Gaṅgā und Yamunā übertrifft
kāśyā api
sogar Kāśī
dvijā
o Zweifachgeborener
yasya darśanamātreṇa
durch dessen bloßen Anblick
narā yānti parāṃ gatim
gelangen Menschen zum höchsten Ziel

makarasthe ravau gaṅgā yatra kutrāvagāhitā / punāti strānapānādyairnayantīndrapuraṃ jagat

Wenn die Sonne im Steinbock steht, reinigt die Gaṅgā, wo auch immer man in sie eintaucht, durch Baden, Trinken und dergleichen und führt die Welt zur Stadt Indras.

Wort für Wort
makarasthe ravau
wenn die Sonne im Steinbock steht
gaṅgā yatra kutrāvagāhitā
die Gaṅgā, wo auch immer man in sie eintaucht
punāti strānapānādyair
reinigt durch Baden, Trinken und dergleichen
nayantīndrapuraṃ jagat
die Welt zur Stadt Indras führend

yo gaṅgāṃ bhajate nityaṃ śaṅkaro lokaśaṅkaraḥ / liṅgarupīṃ kathaṃ tasyā mahimā parikīrtyate

Wie könnte die Größe der Gaṅgā, die in Verbindung mit dem Liṅga [?] verehrt wird, vollständig gepriesen werden, da sogar Śaṅkara, der Wohltäter der Welt, sie beständig verehrt?

Wort für Wort
yo gaṅgāṃ bhajate nityaṃ
wer die Gaṅgā beständig verehrt
śaṅkaro lokaśaṅkaraḥ
Śaṅkara, der Wohltäter der Welt
liṅgarupīṃ [?]
die mit dem Liṅga verbundene [?]
kathaṃ tasyā mahimā parikīrtyate
wie könnte ihre Größe vollständig gepriesen werden

[?] "liṅgarupīṃ" unklarer Bezug; sinngemäß auf die mit dem Liṅga Śivas verbundene Gestalt der Gaṅgā gedeutet.

harirupadharaṃ liṅgaṃ liṅgarupadharo hariḥ / īṣadapyantaraṃ nāsti bhedakṛccānayoḥ kudhīḥ

Das Liṅga trägt die Gestalt Haris, und Hari trägt die Gestalt des Liṅga - es gibt zwischen beiden nicht den geringsten Unterschied, und wer zwischen ihnen einen Unterschied macht, ist von schlechtem Verstand.

Wort für Wort
harirupadharaṃ liṅgaṃ
das Liṅga, das die Gestalt Haris trägt
liṅgarupadharo hariḥ
Hari, der die Gestalt des Liṅga trägt
īṣadapyantaraṃ nāsti
es gibt nicht einmal den geringsten Unterschied
bhedakṛccānayoḥ kudhīḥ
und wer einen Unterschied macht, ist von schlechtem Verstand

anādinidhane deve hariśaṅkarasaṃjñite / ajñānasāgare magnā bhedaṃ kurvanti pāpinaḥ

In Bezug auf den Gott ohne Anfang und Ende, der die Namen Hari und Śaṅkara trägt, machen die in den Ozean der Unwissenheit versunkenen Sünder einen Unterschied.

Wort für Wort
anādinidhane deve
in Bezug auf den Gott ohne Anfang und Ende
hariśaṅkarasaṃjñite
der die Namen Hari und Śaṅkara trägt
ajñānasāgare magnā
in den Ozean der Unwissenheit versunken
bhedaṃ kurvanti pāpinaḥ
machen die Sünder einen Unterschied

yo devo jagatāmaśaḥ kāraṇānāṃ ca kāraṇam / yugānte nigadantyetadrudrarupadharo hariḥ

Der Gott, der Herr [?] der Welten und die Ursache der Ursachen, ist es, wie man sagt, der am Ende des Zeitalters als Hari die Gestalt des Rudra trägt.

Wort für Wort
yo devo jagatāmaśaḥ [?]
der Gott, der Herr [?] der Welten
kāraṇānāṃ ca kāraṇam
und die Ursache der Ursachen
yugānte nigadantyetat
am Ende des Zeitalters sagt man dies
rudrarupadharo hariḥ
Hari, der die Gestalt des Rudra trägt

[?] "aśaḥ" vermutlich für "īśaḥ" ("Herr").

rudro vai viṣṇurupeṇa pālayatyakhilañjagat / brahmarupeṇa sṛjati prānteḥ hayetatrayaṃ haraḥ

Rudra ist es wahrlich, der in Gestalt Viṣṇus die gesamte Welt erhält und in Gestalt Brahmās erschafft; am Ende aber vollzieht Hara (Śiva) diese Dreiheit (der Funktionen).

Wort für Wort
rudro vai viṣṇurupeṇa
Rudra wahrlich in Gestalt Viṣṇus
pālayatyakhilañjagat
erhält die gesamte Welt
brahmarupeṇa sṛjati
in Gestalt Brahmās erschafft er
prānteḥ hayetatrayaṃ haraḥ [?]
am Ende aber vollzieht Hara diese Dreiheit [?]

[?] "prānteḥ hayetatrayaṃ" unklar, sinngemäß als "prānte hi etat trayaṃ" ("am Ende aber diese Dreiheit") gedeutet.

hariśaṅkarayormadhye brahmaṇaścāpi yo naraḥ / bhedaṃ karoti so 'bhyeti narakaṃ bhṛśadāruṇam

Wer zwischen Hari, Śaṅkara und auch Brahmā einen Unterschied macht, der gelangt in eine überaus schreckliche Hölle.

Wort für Wort
hariśaṅkarayormadhye
zwischen Hari und Śaṅkara
brahmaṇaścāpi yo naraḥ
und auch Brahmā, welcher Mensch
bhedaṃ karoti
einen Unterschied macht
so 'bhyeti narakaṃ bhṛśadāruṇam
der gelangt in eine überaus schreckliche Hölle

haraṃ hariṃ vidhātāraṃ yaḥ paśyatyekarupiṇam / sa yāti paraṃmānandaṃ śāstrāṇāmeṣa viṣvayaḥ

Wer Hara, Hari und den Schöpfer als eine einzige Gestalt sieht, der gelangt zur höchsten Wonne - dies ist der eigentliche Sinn [?] der Lehrschriften.

Wort für Wort
haraṃ hariṃ vidhātāraṃ
Hara, Hari und den Schöpfer
yaḥ paśyatyekarupiṇam
wer als eine einzige Gestalt sieht
sa yāti paraṃmānandaṃ
der gelangt zur höchsten Wonne
śāstrāṇāmeṣa viṣvayaḥ [?]
dies ist der Sinn [?] der Lehrschriften

[?] "viṣvayaḥ" vermutlich für "viṣayaḥ" ("Sinn, Gegenstand").

yo 'sāvanādiḥ sarvajño jagatāmādikṛdvibhuḥ / nityaṃ saṃnihitastatra liṅgarupī janārdanaḥ

Jener, der anfanglose, allwissende Urheber der Welten, der Allmächtige, ist dort (in Kāśī) beständig in der Gestalt des Liṅga als Janārdana gegenwärtig.

Wort für Wort
yo 'sāvanādiḥ sarvajño
jener, der anfanglose, allwissende
jagatāmādikṛdvibhuḥ
der Urheber der Welten, der Allmächtige
nityaṃ saṃnihitastatra
ist beständig dort gegenwärtig
liṅgarupī janārdanaḥ
als Liṅga-Gestalt, Janārdana

kāśīviśveśvaraṃ liṅgajyotirliṅgaṃ taducyate / taṃ dṛṣṭvā paramaṃ jyotirāproti manujottamaḥ

Das Liṅga Kāśī-Viśveśvara wird das 'Lichtliṅga' (Jyotirliṅga) genannt; nachdem er es erblickt hat, erlangt der beste der Menschen das höchste Licht.

Wort für Wort
kāśīviśveśvaraṃ liṅgaṃ
das Liṅga Kāśī-Viśveśvara
jyotirliṅgaṃ taducyate
wird das Lichtliṅga genannt
taṃ dṛṣṭvā
nachdem er es erblickt hat
paramaṃ jyotirāproti manujottamaḥ
erlangt der beste der Menschen das höchste Licht

kāśīpradakṣiṇā yena kṛtā trailokyapāvanī / satpadvīpāsābdhiśailā bhūḥ parikramitāmunā

Von wem die Umwandlung (Pradakṣiṇā) um Kāśī vollzogen wurde, die die drei Welten reinigt, von dem wurde damit zugleich die Erde mit ihren sieben Kontinenten, Meeren und Bergen umschritten.

Wort für Wort
kāśīpradakṣiṇā yena kṛtā
von wem die Umwandlung um Kāśī vollzogen wurde
trailokyapāvanī
die die drei Welten reinigt
satpadvīpā [?] sābdhiśailā bhūḥ
die Erde mit sieben [?] Kontinenten, Meeren und Bergen
parikramitāmunā
wurde von diesem umschritten

[?] "satpadvīpā" vermutlich für "saptadvīpā" ("mit sieben Kontinenten").

dhātumṛddārapāṣāṇalekhyādyā mūrtayo 'malāḥ / śivasya vācyutasyāpi tāsu saṃnihito hariḥ

In den makellosen Bildgestalten aus Metall, Ton, Holz, Stein, Malerei und dergleichen, seien es die Śivas oder auch die des Acyuta (Viṣṇu), in ihnen ist Hari gegenwärtig.

Wort für Wort
dhātumṛddārapāṣāṇalekhyādyā mūrtayo 'malāḥ
makellose Bildgestalten aus Metall, Ton, Holz, Stein, Malerei u.dgl.
śivasya vācyutasyāpi
sei es Śivas oder auch Acyutas
tāsu saṃnihito hariḥ
in ihnen ist Hari gegenwärtig

tulasīkānanaṃ yatra yatra pahmavanaṃ dvijā / purāṇapaṭhanaṃ yatra yatra saṃnihito hariḥ

Wo immer ein Tulasī-Hain oder ein Lotoshain ist, o Zweifachgeborene, wo immer die Purāṇas rezitiert werden, dort ist Hari gegenwärtig.

Wort für Wort
tulasīkānanaṃ yatra yatra
wo immer ein Tulasī-Hain
pahmavanaṃ [?] dvijā
ein Lotoshain [?], o Zweifachgeborene
purāṇapaṭhanaṃ yatra
wo immer das Rezitieren der Purāṇas
yatra saṃnihito hariḥ
dort ist Hari gegenwärtig

[?] "pahmavanaṃ" vermutlich für "padmavanaṃ" ("Lotoshain").

purāṇasaṃhitāvaktā harirityabhidhīyate / tadbhaktiṃ kurvatāṃ nṝṇāṃ gaṅgāstrānaṃ dine dine

Der Verkünder der Purāṇa-Sammlung wird 'Hari' genannt; für Menschen, die ihm Hingabe erweisen, gilt dies wie ein tägliches Bad in der Gaṅgā.

Wort für Wort
purāṇasaṃhitāvaktā
der Verkünder der Purāṇa-Sammlung
harirityabhidhīyate
wird 'Hari' genannt
tadbhaktiṃ kurvatāṃ nṝṇāṃ
für Menschen, die ihm Hingabe erweisen
gaṅgāstrānaṃ [?] dine dine
(gilt) ein Gaṅgā-Bad [?] Tag für Tag

[?] "strānaṃ" vermutlich für "snānaṃ" ("Bad").

purāṇaśravaṇe bhaktirgaṅgāstrānasamā dvija / tadvaktari ca yā bhaktiḥ sā prayāgopamā smṛtā

Die Hingabe beim Hören der Purāṇas, o Zweifachgeborener, ist einem Bad in der Gaṅgā gleich; und die Hingabe zu deren Verkünder wird der Pilgerstätte Prayāga gleichgestellt überliefert.

Wort für Wort
purāṇaśravaṇe bhaktir
die Hingabe beim Hören der Purāṇas
gaṅgāstrānasamā dvija
ist einem Gaṅgā-Bad gleich, o Zweifachgeborener
tadvaktari ca yā bhaktiḥ
und die Hingabe zu deren Verkünder
sā prayāgopamā smṛtā
wird Prayāga gleichgestellt überliefert

purāṇadharmakathanairyaḥ samuddharate jagat / saṃsārasāgare magnaṃ sa hariḥ parikīrtitaḥ

Wer die im Ozean des Daseinskreislaufs versunkene Welt durch das Erzählen der Purāṇas und des Dharma errettet, der wird als Hari gepriesen.

Wort für Wort
purāṇadharmakathanairyaḥ
wer durch das Erzählen der Purāṇas und des Dharma
samuddharate jagat
die Welt errettet
saṃsārasāgare magnaṃ
die im Ozean des Daseinskreislaufs versunken ist
sa hariḥ parikīrtitaḥ
der wird als Hari gepriesen

nāsti gaṅgāsamaṃ tīrthaṃ nāsti mātṛsamo guruḥ / nāsti viṣṇusamaṃ daivaṃ nāsti tattvaṃ guroḥ param

Es gibt keine Pilgerstätte, die der Gaṅgā gleichkommt; es gibt keinen Lehrer, der der Mutter gleichkommt; es gibt keine Gottheit, die Viṣṇu gleichkommt; es gibt keine Wahrheit, die höher ist als der Lehrer (Guru).

Wort für Wort
nāsti gaṅgāsamaṃ tīrthaṃ
es gibt keine Pilgerstätte, die der Gaṅgā gleichkommt
nāsti mātṛsamo guruḥ
es gibt keinen Lehrer wie die Mutter
nāsti viṣṇusamaṃ daivaṃ
es gibt keine Gottheit wie Viṣṇu
nāsti tattvaṃ guroḥ param
es gibt keine Wahrheit höher als der Guru

varṇānāṃ brāhmaṇaḥ śreṣṭhastārakāṇāṃ yathā śaśī / yathā payodhiḥ sindhūnāṃ tathā gaṅgā parā smṛtā

Wie unter den Ständen der Brahmane der vorzüglichste ist, wie unter den Sternen der Mond, wie unter den Strömen das Meer, so wird die Gaṅgā als die höchste (unter den Flüssen) überliefert.

Wort für Wort
varṇānāṃ brāhmaṇaḥ śreṣṭhas
unter den Ständen ist der Brahmane der vorzüglichste
tārakāṇāṃ yathā śaśī
wie unter den Sternen der Mond
yathā payodhiḥ sindhūnāṃ
wie unter den Strömen das Meer
tathā gaṅgā parā smṛtā
so wird die Gaṅgā als die höchste überliefert

nāsti śāntisamo bandhurnāsti satyātparaṃ tapaḥ / nāsti mokṣātparo lābho nāsti gaṅgāsamā nadī

Es gibt keinen Verwandten, der der (inneren) Ruhe gleichkommt; es gibt keine Askese, die höher ist als die Wahrheit; es gibt keinen Gewinn, der höher ist als die Erlösung; es gibt keinen Fluss, der der Gaṅgā gleichkommt.

Wort für Wort
nāsti śāntisamo bandhur
es gibt keinen Verwandten wie die Ruhe
nāsti satyātparaṃ tapaḥ
es gibt keine Askese höher als die Wahrheit
nāsti mokṣātparo lābho
es gibt keinen Gewinn höher als die Erlösung
nāsti gaṅgāsamā nadī
es gibt keinen Fluss wie die Gaṅgā

gaṅgāyāḥ paramaṃ nāma pāpāraṇyadavānalaḥ / bhavavyādhiharā gaṅgā tasmātsevyā prayantataḥ

Der höchste (Sinn des) Namens der Gaṅgā ist: ein Waldbrand für den Wald der Sünden. Die Gaṅgā nimmt die Krankheit des weltlichen Daseins hinweg; deshalb ist sie mit Eifer zu verehren.

Wort für Wort
gaṅgāyāḥ paramaṃ nāma
der höchste Name der Gaṅgā (bedeutet)
pāpāraṇyadavānalaḥ
ein Waldbrand für den Wald der Sünden
bhavavyādhiharā gaṅgā
die Gaṅgā, die die Krankheit des Daseins hinwegnimmt
tasmātsevyā prayantataḥ
deshalb ist sie mit Eifer zu verehren

gāyatrī jāhnavī cobhe sarvapāpahare smṛte / etayorbhaktihīno yastaṃ vidyātpatitaṃ dvija

Gāyatrī und Jāhnavī (Gaṅgā), beide sind überliefert als solche, die alle Sünde hinwegnehmen; wer diesen beiden gegenüber ohne Hingabe ist, den erkenne als gefallen, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
gāyatrī jāhnavī cobhe
Gāyatrī und Jāhnavī, beide
sarvapāpahare smṛte
als alle Sünde hinwegnehmend überliefert
etayorbhaktihīno yas
wer diesen beiden gegenüber ohne Hingabe ist
taṃ vidyātpatitaṃ dvija
den erkenne als gefallen, o Zweifachgeborener

gāyatrī chandasāṃ mātā mātā lokasya jāhnavī / ubhe te sarvapāpānāṃ nāśakāraṇatāṃ gate

Gāyatrī ist die Mutter der Versmaße, Jāhnavī (Gaṅgā) ist die Mutter der Welt; beide sind zur Ursache der Vernichtung aller Sünden geworden.

Wort für Wort
gāyatrī chandasāṃ mātā
Gāyatrī ist die Mutter der Versmaße
mātā lokasya jāhnavī
Jāhnavī ist die Mutter der Welt
ubhe te sarvapāpānāṃ
beide sind (Ursache) aller Sünden
nāśakāraṇatāṃ gate
zur Ursache der Vernichtung geworden

yasya prasannā gāyatrī tasya gaṅgā prasīdati / viṣṇuśaktiyute te dve samakāmaprasiddhede

Wem die Gāyatrī gnädig ist, dem ist auch die Gaṅgā gnädig - diese beiden, ausgestattet mit der Kraft Viṣṇus, sind gleichermaßen dafür bekannt, [?] Wünsche zu erfüllen.

Wort für Wort
yasya prasannā gāyatrī
wem die Gāyatrī gnädig ist
tasya gaṅgā prasīdati
dem ist auch die Gaṅgā gnädig
viṣṇuśaktiyute te dve
diese beiden, ausgestattet mit der Kraft Viṣṇus
samakāmaprasiddhede [?]
gleichermaßen für Wunscherfüllung bekannt [?]

[?] "samakāmaprasiddhede" unklare Wortbildung, sinngemäß als "gleichermaßen für Wunscherfüllung bekannt" gedeutet.

dharmārthakāmarupāṇāṃ phalarupe nirañjane / sarvalokānugrahārthaṃ pravartete mahottame

In der Gestalt der Frucht von Dharma, Artha und Kāma wirken die beiden makellosen, höchst erhabenen (Gāyatrī und Gaṅgā) zum Wohl aller Welten.

Wort für Wort
dharmārthakāmarupāṇāṃ phalarupe
in der Gestalt der Frucht von Dharma, Artha und Kāma
nirañjane
die beiden makellosen
sarvalokānugrahārthaṃ
zum Wohl aller Welten
pravartete mahottame
wirken die beiden höchst erhabenen

atīva durllabhā nṝṇāṃ gāyatrī jāhnavī tathā / tathaiva tulasībhaktirharibhaktiśca sāttvikī

Höchst schwer erlangbar für die Menschen sind Gāyatrī und ebenso Jāhnavī (Gaṅgā), ebenso die Hingabe zur Tulasī und die reine (sāttvika) Hingabe zu Hari.

Wort für Wort
atīva durllabhā nṝṇāṃ
höchst schwer erlangbar für die Menschen
gāyatrī jāhnavī tathā
Gāyatrī und ebenso Jāhnavī
tathaiva tulasībhaktir
ebenso die Hingabe zur Tulasī
haribhaktiśca sāttvikī
und die reine Hingabe zu Hari

aho gaṅgā mahābhāgā smṛtā pāpapraṇāśinī / harilokapradā dṛṣṭā pītā sārupyadāyinī / yatra strātā narā yānti viṣṇoḥ padamanuttamam

Ach, die Gaṅgā, die hochgesegnete: im Gedenken vernichtet sie die Sünde, im Anblick verleiht sie die Welt Haris, im Trinken verleiht sie Gleichgestaltigkeit (mit Viṣṇu) - wo gebadete Menschen zum unübertrefflichen Ort Viṣṇus gehen.

Wort für Wort
aho gaṅgā mahābhāgā
ach, die Gaṅgā, die hochgesegnete
smṛtā pāpapraṇāśinī
im Gedenken die Sünde vernichtend
harilokapradā dṛṣṭā
im Anblick die Welt Haris verleihend
pītā sārupyadāyinī
im Trinken Gleichgestaltigkeit verleihend
yatra strātā narā yānti
wo gebadete Menschen gehen
viṣṇoḥ padamanuttamam
zum unübertrefflichen Ort Viṣṇus

[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]

nārāyaṇo jagaddhātā vāsudevaḥ sanātanaḥ / gaṅgāstrānaparāṇāṃ tu vāñchitārthaphalapradaḥ

Nārāyaṇa, der Erhalter der Welt, der ewige Vāsudeva, gewährt denen, die dem Baden in der Gaṅgā ergeben sind, die Frucht ihrer gewünschten Ziele.

Wort für Wort
nārāyaṇo jagaddhātā
Nārāyaṇa, der Erhalter der Welt
vāsudevaḥ sanātanaḥ
der ewige Vāsudeva
gaṅgāstrānaparāṇāṃ tu
für die, die dem Gaṅgā-Baden ergeben sind
vāñchitārthaphalapradaḥ
gewährt die Frucht der gewünschten Ziele

gaṅgājalakaraṇenāpi yaḥ sikto manujottamaḥ / sarvapāpavinirmuktaḥ prayāti paramaṃ padam

Der beste der Menschen, der auch nur mit einer Handvoll Gaṅgāwasser besprengt wird, geht, von aller Sünde befreit, zum höchsten Ort.

Wort für Wort
gaṅgājalakaraṇenāpi
auch nur mit einer Handvoll Gaṅgāwasser
yaḥ sikto manujottamaḥ
der beste der Menschen, der besprengt wird
sarvapāpavinirmuktaḥ
befreit von aller Sünde
prayāti paramaṃ padam
geht zum höchsten Ort

yadvindusevanādeva sagarānvayasambhavaḥ / visṛjyarākṣasaṃ bhāvaṃ saṃprātpaḥ paramaṃ padam

Allein durch (die Berührung mit) einem Tropfen von ihr legte der aus dem Geschlecht Sagaras Entstandene sein dämonisches Wesen ab und erlangte den höchsten Ort.

Wort für Wort
yadvindusevanādeva
allein durch die Nutzung/Berührung eines Tropfens
sagarānvayasambhavaḥ
der aus dem Geschlecht Sagaras Entstandene
visṛjyarākṣasaṃ bhāvaṃ
nachdem er das dämonische Wesen abgelegt hat
saṃprātpaḥ paramaṃ padam
erlangte den höchsten Ort

[Anm.: Anspielung auf die Erlösung eines aus Sagaras Geschlecht Stammenden durch die Gaṅgā (vgl. die Bhagīratha-Erzählung); Einzelheiten bleiben in der Quelle knapp.]

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