Sūta sprach: Nachdem Nārada die Größe der Hingabe an den Herrn gehört hatte, erfreut, befragte er wiederum Sanaka, den Meister von Wissen und Erkenntnis.
Nārada sprach: Sag mir mit höchster Güte die Wahrheit [?], welches das beste unter den heiligen Stätten (kṣetras) und ebenso das beste unter den Pilgerstätten (tīrthas) ist, o du, der die Bedeutung der Lehrschriften durchdrungen hat.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
kṣetrāṇāmuttamaṃ kṣetraṃ
das beste unter den heiligen Stätten
tīrthānāṃ ca tathottamam
und ebenso das beste unter den Pilgerstätten
parayā dayayā
mit höchster Güte
tathavaṃ [?] brūhi
sag die Wahrheit [?]
śāstrārthapāraga
o du, der die Bedeutung der Lehrschriften durchdrungen hat
[?] "tathavaṃ" vermutlich für "tattvaṃ" ("die Wahrheit").
Sanaka sprach: Höre, o Brahmane, das höchste Geheimnis [?], das alles Wohlergehen bewirkt, das böse Träume vernichtet, heilig ist, dem Dharma gemäß, die Sünde hinwegnimmt und heilbringend ist.
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
śuṇu
höre
brahman
o Brahmane
taraṃ [?] guhyaṃ
das höchste Geheimnis [?]
sarvasaṃpatkaraṃ param
das höchste, alles Wohlergehen bewirkende
duḥsvapnanāśanaṃ
das böse Träume vernichtende
puṇyaṃ dharmyaṃ
heilig, dem Dharma gemäß
pāpaharaṃ śubham
die Sünde hinwegnehmend, heilbringend
[?] "brahmantaraṃ" unklar, vermutlich verderbt aus "brahmottaraṃ" ("das höchste [Geheimnis in Bezug auf] Brahman"); sinngemäß als "das höchste Geheimnis" wiedergegeben.
kṣetrāṇāmuttamaṃ kṣetraṃ tīrthānāṃ ca tathottamam /
gaṅgāyamunayoryogaṃ vadanti paramarṣayaḥ
Das beste unter den heiligen Stätten und ebenso das beste unter den Pilgerstätten - das ist, wie die höchsten Weisen sagen, die Vereinigung von Gaṅgā und Yamunā (bei Prayāga).
Wort für Wort
kṣetrāṇāmuttamaṃ kṣetraṃ
das beste unter den heiligen Stätten
tīrthānāṃ ca tathottamam
und ebenso das beste unter den Pilgerstätten
gaṅgāyamunayoryogaṃ
die Vereinigung von Gaṅgā und Yamunā
vadanti paramarṣayaḥ
sagen die höchsten Weisen
[Anm.: Die erste Vershälfte wiederholt fast wörtlich die Frage aus V.2 - vermutlich rhetorisches Aufgreifen der Frage in der Antwort, unverändert wiedergegeben.]
Diese Pilgerstätte des hellen und dunklen Wassers verehren Brahmā und alle anderen Götter, die Weisen und die Menschen, die nach heiligem Verdienst verlangen.
Die Gaṅgā ist als heiliger Fluss zu erkennen, da sie aus dem Fuß Viṣṇus entsprungen ist; die Yamunā ist die Tochter der Sonne, o Brahmane - deren Vereinigung bringt Segen.
Die Gaṅgā, die vorzüglichste der Flüsse, o Weiser, vernichtet schon durch bloßes Gedenken alles Leid, vernichtet alle Sünden und beseitigt alle Plagen.
sarvatīrthābhiṣekāṇi yāni puṇyāni tāni vai /
gaṅgābindvabhiṣekasya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm
Alle heilbringenden rituellen Bäder an sämtlichen Pilgerstätten erreichen wahrlich nicht den sechzehnten Teil eines Bades mit einem einzigen Tropfen Gaṅgāwasser.
Die Göttin, die aus dem Fuß Viṣṇus entsprungen ist und auf dem Haupt des Herrn des Weltalls (Śiva) weilt, wird von Weisen und Göttern verehrt - wieviel mehr sollte sie von gewöhnlichen Menschen verehrt werden!
Der Sand (der Gaṅgā), den die besten Menschen auf der Stirn tragen, ist eben dort als (drittes) Auge zu erkennen, [?] strahlend wie unterhalb einer Mondsichel.
Wort für Wort
yatsaikataṃ lalāṭe tu
der Sand, der auf der Stirn
dhriyate manujottamaiḥ
getragen wird von den besten Menschen
tatraiva netraṃ vijñeyaṃ
ist eben dort als (drittes) Auge zu erkennen
vidhyarddhādhaḥ samujjvalat [?]
strahlend wie unterhalb einer Mondsichel [?]
[?] "vidhyarddhādhaḥ samujjvalat" unklar; sinngemäß als Bild einer unterhalb einer Mondsichel erstrahlenden Stelle gedeutet (vidhi/vidhu = Mond, ardha = halb).
Was könnte höher genannt werden als dieses Bad, das höchst heilbringend ist, selbst für die Bewohner des Götterhimmels schwer zu erlangen, und das die Gleichgestaltigkeit mit Viṣṇu verleiht?
sa snātaḥ sarvatīrtheṣu yo gaṅgāṃ smarati dvica /
puṇyakṣetreṣu sarveṣau sthitavānnātra saṃśayaḥ
Wer der Gaṅgā gedenkt, o Zweifachgeborener, der hat an allen Pilgerstätten gebadet; er gilt als weilend an allen heiligen Stätten - daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
sa snātaḥ sarvatīrtheṣu
der hat an allen Pilgerstätten gebadet
yo gaṅgāṃ smarati
wer der Gaṅgā gedenkt
dvica [?]
o Zweifachgeborener [?]
puṇyakṣetreṣu sarveṣu sthitavān
weilend an allen heiligen Stätten
nātra saṃśayaḥ
daran besteht kein Zweifel
[?] "dvica" vermutlich für "dvija" ("Zweifachgeborener").
Wo, sobald man einen gebadeten Menschen erblickt, selbst ein Sünder der Himmelswelt teilhaftig wird - durch die bloße Berührung meines (der Gaṅgā) Leibes werde man zum Herrscher [?] der Götter.
Wort für Wort
yatra snātaṃ naraṃ dṛṣṭvā
wo, einen gebadeten Menschen erblickend
pāpo 'pi svargabhūmibhāk
selbst ein Sünder der Himmelswelt teilhaftig
madaṅgasparśemātreṇa
durch die bloße Berührung meines Leibes
devānāmādhapo [?] bhavet
werde man Herrscher [?] der Götter
[Anm.: Vers scheint aus der Ich-Perspektive der Gaṅgā gesprochen ("madaṅga" = "mein Leib").] [?] "ādhapo" vermutlich für "ādhipo" ("Herrscher").
tulasīmūlasaṃbhūtā dvijapādodbhāvā tathā /
gaṅgodbhavā tu mṛllokānnayatyacyutarupatām
Erde, die aus der Wurzel der Tulasī-Pflanze entstanden ist, ebenso Erde, die aus dem Fuß eines Brahmanen entstanden ist, und Erde, die aus der Gaṅgā entstanden ist - sie führt die Welten zur Wesensgestalt des Unvergänglichen (Viṣṇu).
gaṅgā ca tulasī caiva haribhaktiracañcalā /
atyantadurllabhā nṝṇāṃ bhaktirddharmapravaktari
Die Gaṅgā, die Tulasī, die unerschütterliche Hingabe zu Hari, und die Hingabe zu dem, der den Dharma verkündet - (diese) sind für die Menschen höchst schwer zu erlangen.
Ein hingebungsvoller Mensch, der die Erde vom Fuß des Verkünders des wahren Dharma, die aus der Gaṅgā entstandene Erde und die aus der Wurzel der Tulasī entstandene Erde auf seinem Haupt trägt, erlangt so den Zustand Viṣṇus.
Wort für Wort
saddharmavaktuḥ padasaṃbhavāṃ mṛdaṃ
die Erde, entstanden aus dem Fuß des Verkünders des wahren Dharma
gaṅgāyā mahimā brahmanvaktuṃ varṣaśatairapi /
na śakyate viṣṇunāpi kimanyairbahubhāṣitaiḥ
Die Größe der Gaṅgā, o Brahmane, vermag nicht einmal Viṣṇu selbst in hundert Jahren zu beschreiben - was soll man da erst von anderen mit ihrem vielen Gerede sagen?
aho māyā jagatsarvaṃ mohayatyetadadbhutam /
yato vai narakaṃ yānti gaṅgānātri sthite 'pi hi
Ach, welch eine Täuschung betört doch die ganze Welt - dies ist wunderlich, dass die Menschen zur Hölle gehen, obwohl die Gaṅgā gar nicht [?] fern ist.
Wort für Wort
aho māyā jagatsarvaṃ
ach, welch eine Täuschung die ganze Welt
mohayatyetadadbhutam
betört - dies ist wunderlich
yato vai narakaṃ yānti
dass sie wahrlich zur Hölle gehen
gaṅgānātri [?] sthite 'pi hi
obwohl die Gaṅgā gar nicht [?] fern ist
[?] "nātri" unklar, vermutlich verderbt aus "nātidūre" ("nicht fern").
Der Name 'Gaṅgā' wird gepriesen als das, was die Leiden des Daseinskreislaufs zerschneidet; ebenso die Hingabe zur Tulasī und die Hingabe zu dem, der den Ruhm Haris verkündet.
Diese Gaṅgā, der höchst heilbringende, mit Hingabe verehrte Fluss, reinigt die gesamte Welt, [?] wenn die Sonne im Zeichen des Widders, der Waage oder des Steinbocks steht.
Wort für Wort
seyaṃ gaṅgā mahāpuṇyā nadī
diese Gaṅgā, der höchst heilbringende Fluss
bhaktyā niṣevitā
mit Hingabe verehrt
meṣataulimṛgākarṣu [?]
im Zeichen von Widder, Waage, Steinbock [?]
pāvayatyakhilaṃ jagat
reinigt die gesamte Welt
[?] "meṣataulimṛgākarṣu" unklarer, vermutlich verderbter Kompositum-Rest; sinngemäß auf den Sonnenstand in bestimmten Tierkreiszeichen gedeutet.
- Vetravatī, Tāmraparṇī und Sarayū, o Bester der Zweifachgeborenen: unter diesen und ähnlichen Pilgerstätten wird die Gaṅgā als die vorzüglichste überliefert.
Ach, die Gaṅgā, die Erhalterin der Welt, reinigt die Welt durch Baden, Trinken und dergleichen - sie, die 'Reinigende' genannt wird: warum wird sie nicht von (allen) Menschen verehrt?
te eva śravaṇe dhanye saṃvidāte bahuśrutam /
iha śrutimatāṃ puṃsāṃ kāśī yābhyāṃ śrutāsakṛt
Gesegnet im Hören sind eben jene (Ohren), die viel Gehörtes erfassen, jene der Männer, die hier über (heilige) Kenntnis verfügen, durch welche Kāśī auch nur einmal gehört wurde.
Wort für Wort
te eva śravaṇe dhanye [?]
gesegnet im Hören sind eben jene [?]
saṃvidāte bahuśrutam
die viel Gehörtes erfassen
iha śrutimatāṃ puṃsāṃ
hier der Männer, die über Kenntnis verfügen
kāśī yābhyāṃ śrutāsakṛt
durch welche Kāśī auch nur einmal gehört wurde
[?] Konstruktion "te eva śravaṇe dhanye saṃvidāte" unsicher; sinngemäß auf die (Ohren der) Hörenden bezogen gedeutet.
Nachdem er das aus dem Gedenken an Kāśī entstandene Verdienst im Himmel genossen hat, wird er danach auf Erden ein Alleinherrscher und erlangt, Kāśī erreichend, die Erlösung.
Wort für Wort
kāśīsmaraṇajaṃ puṇyaṃ
das aus dem Gedenken an Kāśī entstandene Verdienst
Wenn die Sonne im Steinbock steht, reinigt die Gaṅgā, wo auch immer man in sie eintaucht, durch Baden, Trinken und dergleichen und führt die Welt zur Stadt Indras.
Wie könnte die Größe der Gaṅgā, die in Verbindung mit dem Liṅga [?] verehrt wird, vollständig gepriesen werden, da sogar Śaṅkara, der Wohltäter der Welt, sie beständig verehrt?
Wort für Wort
yo gaṅgāṃ bhajate nityaṃ
wer die Gaṅgā beständig verehrt
śaṅkaro lokaśaṅkaraḥ
Śaṅkara, der Wohltäter der Welt
liṅgarupīṃ [?]
die mit dem Liṅga verbundene [?]
kathaṃ tasyā mahimā parikīrtyate
wie könnte ihre Größe vollständig gepriesen werden
[?] "liṅgarupīṃ" unklarer Bezug; sinngemäß auf die mit dem Liṅga Śivas verbundene Gestalt der Gaṅgā gedeutet.
Das Liṅga trägt die Gestalt Haris, und Hari trägt die Gestalt des Liṅga - es gibt zwischen beiden nicht den geringsten Unterschied, und wer zwischen ihnen einen Unterschied macht, ist von schlechtem Verstand.
Wort für Wort
harirupadharaṃ liṅgaṃ
das Liṅga, das die Gestalt Haris trägt
liṅgarupadharo hariḥ
Hari, der die Gestalt des Liṅga trägt
īṣadapyantaraṃ nāsti
es gibt nicht einmal den geringsten Unterschied
bhedakṛccānayoḥ kudhīḥ
und wer einen Unterschied macht, ist von schlechtem Verstand
anādinidhane deve hariśaṅkarasaṃjñite /
ajñānasāgare magnā bhedaṃ kurvanti pāpinaḥ
In Bezug auf den Gott ohne Anfang und Ende, der die Namen Hari und Śaṅkara trägt, machen die in den Ozean der Unwissenheit versunkenen Sünder einen Unterschied.
rudro vai viṣṇurupeṇa pālayatyakhilañjagat /
brahmarupeṇa sṛjati prānteḥ hayetatrayaṃ haraḥ
Rudra ist es wahrlich, der in Gestalt Viṣṇus die gesamte Welt erhält und in Gestalt Brahmās erschafft; am Ende aber vollzieht Hara (Śiva) diese Dreiheit (der Funktionen).
Wort für Wort
rudro vai viṣṇurupeṇa
Rudra wahrlich in Gestalt Viṣṇus
pālayatyakhilañjagat
erhält die gesamte Welt
brahmarupeṇa sṛjati
in Gestalt Brahmās erschafft er
prānteḥ hayetatrayaṃ haraḥ [?]
am Ende aber vollzieht Hara diese Dreiheit [?]
[?] "prānteḥ hayetatrayaṃ" unklar, sinngemäß als "prānte hi etat trayaṃ" ("am Ende aber diese Dreiheit") gedeutet.
yo 'sāvanādiḥ sarvajño jagatāmādikṛdvibhuḥ /
nityaṃ saṃnihitastatra liṅgarupī janārdanaḥ
Jener, der anfanglose, allwissende Urheber der Welten, der Allmächtige, ist dort (in Kāśī) beständig in der Gestalt des Liṅga als Janārdana gegenwärtig.
Von wem die Umwandlung (Pradakṣiṇā) um Kāśī vollzogen wurde, die die drei Welten reinigt, von dem wurde damit zugleich die Erde mit ihren sieben Kontinenten, Meeren und Bergen umschritten.
Wort für Wort
kāśīpradakṣiṇā yena kṛtā
von wem die Umwandlung um Kāśī vollzogen wurde
trailokyapāvanī
die die drei Welten reinigt
satpadvīpā [?] sābdhiśailā bhūḥ
die Erde mit sieben [?] Kontinenten, Meeren und Bergen
parikramitāmunā
wurde von diesem umschritten
[?] "satpadvīpā" vermutlich für "saptadvīpā" ("mit sieben Kontinenten").
In den makellosen Bildgestalten aus Metall, Ton, Holz, Stein, Malerei und dergleichen, seien es die Śivas oder auch die des Acyuta (Viṣṇu), in ihnen ist Hari gegenwärtig.
Wort für Wort
dhātumṛddārapāṣāṇalekhyādyā mūrtayo 'malāḥ
makellose Bildgestalten aus Metall, Ton, Holz, Stein, Malerei u.dgl.
Die Hingabe beim Hören der Purāṇas, o Zweifachgeborener, ist einem Bad in der Gaṅgā gleich; und die Hingabe zu deren Verkünder wird der Pilgerstätte Prayāga gleichgestellt überliefert.
Es gibt keine Pilgerstätte, die der Gaṅgā gleichkommt; es gibt keinen Lehrer, der der Mutter gleichkommt; es gibt keine Gottheit, die Viṣṇu gleichkommt; es gibt keine Wahrheit, die höher ist als der Lehrer (Guru).
Wort für Wort
nāsti gaṅgāsamaṃ tīrthaṃ
es gibt keine Pilgerstätte, die der Gaṅgā gleichkommt
Wie unter den Ständen der Brahmane der vorzüglichste ist, wie unter den Sternen der Mond, wie unter den Strömen das Meer, so wird die Gaṅgā als die höchste (unter den Flüssen) überliefert.
Wort für Wort
varṇānāṃ brāhmaṇaḥ śreṣṭhas
unter den Ständen ist der Brahmane der vorzüglichste
Es gibt keinen Verwandten, der der (inneren) Ruhe gleichkommt; es gibt keine Askese, die höher ist als die Wahrheit; es gibt keinen Gewinn, der höher ist als die Erlösung; es gibt keinen Fluss, der der Gaṅgā gleichkommt.
Der höchste (Sinn des) Namens der Gaṅgā ist: ein Waldbrand für den Wald der Sünden. Die Gaṅgā nimmt die Krankheit des weltlichen Daseins hinweg; deshalb ist sie mit Eifer zu verehren.
Wort für Wort
gaṅgāyāḥ paramaṃ nāma
der höchste Name der Gaṅgā (bedeutet)
pāpāraṇyadavānalaḥ
ein Waldbrand für den Wald der Sünden
bhavavyādhiharā gaṅgā
die Gaṅgā, die die Krankheit des Daseins hinwegnimmt
Gāyatrī und Jāhnavī (Gaṅgā), beide sind überliefert als solche, die alle Sünde hinwegnehmen; wer diesen beiden gegenüber ohne Hingabe ist, den erkenne als gefallen, o Zweifachgeborener.
yasya prasannā gāyatrī tasya gaṅgā prasīdati /
viṣṇuśaktiyute te dve samakāmaprasiddhede
Wem die Gāyatrī gnädig ist, dem ist auch die Gaṅgā gnädig - diese beiden, ausgestattet mit der Kraft Viṣṇus, sind gleichermaßen dafür bekannt, [?] Wünsche zu erfüllen.
Wort für Wort
yasya prasannā gāyatrī
wem die Gāyatrī gnädig ist
tasya gaṅgā prasīdati
dem ist auch die Gaṅgā gnädig
viṣṇuśaktiyute te dve
diese beiden, ausgestattet mit der Kraft Viṣṇus
samakāmaprasiddhede [?]
gleichermaßen für Wunscherfüllung bekannt [?]
[?] "samakāmaprasiddhede" unklare Wortbildung, sinngemäß als "gleichermaßen für Wunscherfüllung bekannt" gedeutet.
Höchst schwer erlangbar für die Menschen sind Gāyatrī und ebenso Jāhnavī (Gaṅgā), ebenso die Hingabe zur Tulasī und die reine (sāttvika) Hingabe zu Hari.
Ach, die Gaṅgā, die hochgesegnete: im Gedenken vernichtet sie die Sünde, im Anblick verleiht sie die Welt Haris, im Trinken verleiht sie Gleichgestaltigkeit (mit Viṣṇu) - wo gebadete Menschen zum unübertrefflichen Ort Viṣṇus gehen.
Wort für Wort
aho gaṅgā mahābhāgā
ach, die Gaṅgā, die hochgesegnete
smṛtā pāpapraṇāśinī
im Gedenken die Sünde vernichtend
harilokapradā dṛṣṭā
im Anblick die Welt Haris verleihend
pītā sārupyadāyinī
im Trinken Gleichgestaltigkeit verleihend
yatra strātā narā yānti
wo gebadete Menschen gehen
viṣṇoḥ padamanuttamam
zum unübertrefflichen Ort Viṣṇus
[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]
Allein durch (die Berührung mit) einem Tropfen von ihr legte der aus dem Geschlecht Sagaras Entstandene sein dämonisches Wesen ab und erlangte den höchsten Ort.
Wort für Wort
yadvindusevanādeva
allein durch die Nutzung/Berührung eines Tropfens
sagarānvayasambhavaḥ
der aus dem Geschlecht Sagaras Entstandene
visṛjyarākṣasaṃ bhāvaṃ
nachdem er das dämonische Wesen abgelegt hat
saṃprātpaḥ paramaṃ padam
erlangte den höchsten Ort
[Anm.: Anspielung auf die Erlösung eines aus Sagaras Geschlecht Stammenden durch die Gaṅgā (vgl. die Bhagīratha-Erzählung); Einzelheiten bleiben in der Quelle knapp.]