Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 38: viṣṇumāhātmyam Die Herrlichkeit Viṣṇus

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde viṣṇumāhātmyaṃ nāmāṣṭatriṃśo 'dhyāyaḥ // sanaka uvāca / bhūyaḥ śṛṇuṣva viprendra māhātmyaṃ parameṣṭinaḥ / sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ bhuktimuktipradaṃ nṛṇām

Sanaka sprach: "Höre weiter, o Fürst der Zweifachgeborenen, die Herrlichkeit des Höchsten Herrn, die alle Sünde hinwegnimmt, verdienstvoll ist und den Menschen Genuss und Erlösung verleiht."

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
bhūyaḥ śṛṇuṣva viprendra
höre weiter, o Fürst der Brahmanen
māhātmyaṃ parameṣṭinaḥ
die Herrlichkeit des Höchsten
sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ
alle Sünde vernichtend, verdienstvoll
bhuktimuktipradaṃ nṛṇām
den Menschen Genuss und Erlösung verleihend

[Anm.: Der Vers beginnt im Quelltext mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels (Quellzählung: „achtunddreißigstes Kapitel", betitelt viṣṇumāhātmya); erst danach beginnt mit „sanaka uvāca" der eigentliche Vers 1 dieses Kapitels; nur dieser wurde übersetzt.]

aho harikathā loke pāpaghnī puṇyadāyinī / śṛṇvatāṃ vadatāṃ caiva tadbhaktānāṃ viśeṣataḥ

"Oh, die Erzählung von Hari ist in der Welt sündenvernichtend und verdienstspendend - für die, die sie hören und sprechen, und ganz besonders für seine Verehrer."

Wort für Wort
aho harikathā loke
oh, die Erzählung von Hari ist in der Welt
pāpaghnī puṇyadāyinī
sündenvernichtend, verdienstspendend
śṛṇvatāṃ vadatāṃ caiva
für die Hörenden und Sprechenden
tadbhaktānāṃ viśeṣataḥ
besonders für seine Verehrer

haribhaktirasāsvādamuditā ye narottamāḥ / namaskaromyahaṃ tebhyo yatsaṃgānmukti bhāgnaraḥ

"Die vortrefflichsten Menschen, die sich am Geschmack des Saftes der Hari-Hingabe erfreuen - vor ihnen verneige ich mich, durch deren Gemeinschaft ein Mensch der Erlösung teilhaftig wird."

Wort für Wort
haribhaktirasāsvādamuditāḥ
erfreut am Genuss des Saftes der Hingabe an Hari
ye narottamāḥ
welche vortrefflichsten Menschen
namaskaromi ahaṃ tebhyaḥ
vor ihnen verneige ich mich
yatsaṃgān mukti bhāk naraḥ
durch deren Gemeinschaft ein Mensch der Erlösung teilhaftig wird

haribhaktiparā ye tu harināmaparāyaṇāḥ / durvṛttā vā suvṛttā vā tebhyo nityaṃ namonamaḥ

"Die der Hingabe an Hari ergeben sind, dem Namen Haris zugetan - ob übel oder wohl handelnd - vor ihnen immerfort Verneigung um Verneigung!"

Wort für Wort
haribhaktiparā ye tu
welche aber der Hari-Hingabe ergeben sind
harināmaparāyaṇāḥ
dem Namen Haris zugewandt
durvṛttā vā suvṛttā vā
ob übel oder wohl handelnd
tebhyo nityaṃ namonamaḥ
vor ihnen immerfort Verneigung um Verneigung

saṃsārasāgaraṃ tartuṃ ya icchenmu nipuṅgava / sa bhajeddharibhaktānāṃ bhaktānvai pāpahāriṇaḥ

"O Bester der Weisen, wer den Ozean des Daseinskreislaufs zu durchqueren wünscht, der verehre die Verehrer der Hari-Verehrer, die Sünde hinwegnehmenden."

Wort für Wort
saṃsārasāgaraṃ tartuṃ
den Ozean des Daseins zu durchqueren
ya icchen muni-puṅgava
wer wünscht, o Bester der Weisen
sa bhajed haribhaktānāṃ bhaktān
der verehre die Verehrer der Hari-Verehrer
vai pāpahāriṇaḥ
fürwahr, die sündenvernichtenden

dṛṣṭaḥ smṛtaḥ pūjito vā dhyātaḥ praṇamito 'pi vā / samuddharati govindo dustarādbhava sāgarāt

"Ob geschaut, erinnert, verehrt, meditiert oder auch nur verneigt - Govinda errettet aus dem unüberwindlichen Ozean des Daseins."

Wort für Wort
dṛṣṭaḥ smṛtaḥ pūjito vā
geschaut, erinnert, oder verehrt
dhyātaḥ praṇamito 'pi vā
meditiert oder auch nur verneigt
samuddharati govindo
Govinda errettet
dustarād bhavasāgarāt
aus dem unüberwindlichen Ozean des Daseins

svapanbhuñjan vrajaṃstiṣṭannatiṣṭaśca vadaṃstathā / cintayedyo harernāma tasmai nityaṃ namo namaḥ

"Schlafend, essend, gehend, stehend und nicht-stehend, sprechend - wer auch immer des Hari Namen bedenkt, dem sei immerfort Verneigung um Verneigung!"

Wort für Wort
svapan bhuñjan vrajaṃs tiṣṭhan
schlafend, essend, gehend, stehend
atiṣṭhaś ca vadaṃs tathā
und nicht-stehend, und sprechend
cintayed yo harer nāma
wer den Namen Haris bedenkt
tasmai nityaṃ namo namaḥ
dem sei immerfort Verneigung um Verneigung

aho bhāgyamaho bhāgyaṃ viṣṇu bhaktiratātmanām / yeṣāṃ muktiḥ karasthaiva yogināmapi durlabhā

"Oh welch Glück, oh welch Glück haben jene, deren Seele an der Hingabe zu Viṣṇu Freude findet - für sie liegt die Erlösung geradezu in der Hand, die Erlösung, die selbst für Yogis schwer erlangbar ist."

Wort für Wort
aho bhāgyam aho bhāgyaṃ
oh welch Glück, oh welch Glück
viṣṇubhaktiratātmanām
haben jene, deren Seele an der Viṣṇu-Hingabe Freude findet
yeṣāṃ muktiḥ karasthaiva
deren Erlösung geradezu in der Hand liegt
yogināmapi durlabhā
die selbst für Yogis schwer erlangbar ist

atrāpyudāharantīmamitihāsaṃ purātanam / vadatāṃ śṛṇvatāṃ caiva sarvapāpa praṇāśanam

"Hierzu erzählt man auch diese alte Geschichte, die - für die, die sie erzählen wie für die, die sie hören - alle Sünde vernichtet."

Wort für Wort
atrāpi udāharanti imam itihāsaṃ purātanam
hierzu erzählt man auch diese alte Geschichte
vadatāṃ śṛṇvatāṃ caiva
für die Sprechenden wie für die Hörenden
sarvapāpapraṇāśanam
alle Sünde vernichtend

āsītpurā mahīpālaḥ somavaṃśasamudbhavaḥ / jayadhvaja iti khyāto nārāyaṇaparāyaṇaḥ

"Einst gab es einen Erdenherrscher, entsprossen dem Mondgeschlecht, bekannt unter dem Namen Jayadhvaja, dem Nārāyaṇa ganz ergeben."

Wort für Wort
āsīt purā mahīpālaḥ
einst gab es einen Erdenherrscher
somavaṃśasamudbhavaḥ
entsprossen aus dem Mondgeschlecht
jayadhvaja iti khyāto
bekannt als Jayadhvaja
nārāyaṇaparāyaṇaḥ
Nārāyaṇa ganz ergeben

viṣṇordevālaye nityaṃ saṃmār janaparāyaṇaḥ / dīpadānarataścaiva sarvabhūtadayāparaḥ

"Im Tempel Viṣṇus stets dem Fegen ergeben, dem Spenden von Lichtern zugetan und dem Mitleid mit allen Wesen hingegeben."

Wort für Wort
viṣṇor devālaye nityaṃ
im Tempel Viṣṇus stets
saṃmārjanaparāyaṇaḥ
dem Kehren/Reinigen ergeben
dīpadānarataś caiva
und dem Lichterspenden zugetan
sarvabhūtadayāparaḥ
dem Mitleid mit allen Wesen hingegeben

sa kadācinmahīpālo revātīre manorame / vicitrakusumopetaṃ kṛtavānviṣṇumandiram

"Dieser Erdenherrscher errichtete einst am lieblichen Ufer der Revā einen mit mannigfaltigen Blumen versehenen Viṣṇu-Tempel."

Wort für Wort
sa kadācin mahīpālo
dieser Erdenherrscher einst
revātīre manorame
am lieblichen Ufer der Revā
vicitrakusumopetaṃ
mit mannigfaltigen Blumen versehen
kṛtavān viṣṇumandiram
errichtete einen Viṣṇu-Tempel

sa tatra nṛpaśārdūlaḥ sadā saṃmārjane rataḥ / dīpadānaparaścaiva viśeṣeṇa haripriyaḥ

"Dieser Tiger unter den Königen war dort stets dem Fegen zugetan, dem Spenden von Lichtern hingegeben und besonders Hari lieb."

Wort für Wort
sa tatra nṛpaśārdūlaḥ
dieser Tiger unter den Königen dort
sadā saṃmārjane rataḥ
stets dem Fegen zugetan
dīpadānaparaś caiva
und dem Lichterspenden hingegeben
viśeṣeṇa haripriyaḥ
besonders Hari lieb

harināmaparo nityaṃ harisaṃsaktamānasaḥ / paripraṇāmanirato haribhaktajanapriyaḥ

"Stets dem Namen Haris zugetan, mit an Hari gebundenem Sinn, dem Verneigen ergeben, den Verehrern Haris lieb."

Wort für Wort
harināmaparo nityaṃ
stets dem Namen Haris zugetan
harisaṃsaktamānasaḥ
mit an Hari gebundenem Sinn
paripraṇāmanirato
dem [tiefen] Verneigen ergeben
haribhaktajanapriyaḥ
den Hari-Verehrern lieb

vītihotra iti khyāto hyāsīttasya purohitaḥ / jayadhvajasya caritaṃ dṛṣṭvā vismayamāgataḥ

"Ein als Vītihotra bekannter Priester war sein Hauspriester; als er das Verhalten des Jayadhvaja sah, geriet er in Staunen."

Wort für Wort
vītihotra iti khyāto
als Vītihotra bekannt
hy āsīt tasya purohitaḥ
war fürwahr sein Hauspriester
jayadhvajasya caritaṃ dṛṣṭvā
als er das Verhalten des Jayadhvaja sah
vismayam āgataḥ
geriet er in Staunen

kadācidupaviṣṭaṃ taṃ rājānaṃ viṣṇutatparam / apṛcchadvītihotrastu vedavedāṅgapāragaḥ

"Einst befragte Vītihotra, der die Veden und Vedāṅgas völlig durchdrungen hatte, jenen sitzenden König, der ganz auf Viṣṇu ausgerichtet war."

Wort für Wort
kadācid upaviṣṭaṃ taṃ rājānaṃ
einst jenen sitzenden König
viṣṇutatparam
der ganz auf Viṣṇu ausgerichtet war
apṛcchad vītihotras tu
befragte Vītihotra aber
vedavedāṅgapāragaḥ
der Veden und Vedāṅgas völlig durchdrungen hatte

vītihotra uvāca / rājanparamadharmajña haribhaktiparāyaṇa / viṣṇubhaktimatāṃ puṃsāṃ śreṣṭho 'si bharatarṣabha

Vītihotra sprach: "O König, Kenner des höchsten Dharma, der Hingabe an Hari ganz ergeben - du bist der Beste unter den Viṣṇu-verehrenden Männern, o Stier der Bharatas."

Wort für Wort
vītihotra uvāca
Vītihotra sprach:
rājan paramadharmajña
o König, Kenner des höchsten Dharma
haribhaktiparāyaṇa
der Hari-Hingabe ganz ergeben
viṣṇubhaktimatāṃ puṃsāṃ śreṣṭho 'si
du bist der Beste unter den Viṣṇu-verehrenden Männern
bharatarṣabha
o Stier der Bharatas

saṃmārjanaparo nityaṃ dīpadānaratastathā / tanme vada mahābhāga kiṃ tvayā viditaṃ phalam

"Stets dem Fegen zugetan und ebenso dem Spenden von Lichtern hingegeben - sage mir dies, o Hochbeglückter: welche Frucht ist dir davon bekannt?"

Wort für Wort
saṃmārjanaparo nityaṃ
stets dem Fegen zugetan
dīpadānaratas tathā
und ebenso dem Lichterspenden hingegeben
tan me vada mahābhāga
das sage mir, o Hochbeglückter
kiṃ tvayā viditaṃ phalam
welche Frucht ist von dir erkannt

saṃpādanena varttīnāṃ tailasaṃpalādanena ca / saṃyukto 'si sadā bhadrayadviṣṇorgṛhamārjane

"Du bist stets, o Heilvoller, mit dem Bereiten der Dochte und dem Spenden [?] von Öl beschäftigt, was das Reinigen von Viṣṇus Haus angeht."

Wort für Wort
saṃpādanena varttīnāṃ
durch das Herstellen der Dochte
tailasaṃpalādanena ca [?]
und durch das Spenden von Öl
saṃyukto 'si sadā bhadra
du bist stets beschäftigt, o Heilvoller
yad viṣṇor gṛhamārjane
was das Reinigen von Viṣṇus Haus angeht

[?: „tailasaṃpalādanena" ist unklar/vermutlich verderbt, hier sinngemäß als „tailasaṃpradānena" (Spenden von Öl) wiedergegeben.]

karmāṇyanyāni saṃtyeva viṣṇoḥ prītikarāṇi ca / tathāpi kiṃ mahābhāga etayoḥ satatodyataḥ

"Es gibt doch auch andere Werke, die Viṣṇu Freude bereiten - warum bist du, o Hochbeglückter, dennoch stets nur mit diesen beiden beschäftigt?"

Wort für Wort
karmāṇy anyāni santy eva
es gibt doch auch andere Werke
viṣṇoḥ prītikarāṇi ca
die Viṣṇu Freude bereiten
tathāpi kiṃ mahābhāga
warum dennoch, o Hochbeglückter
etayoḥ satatodyataḥ
stets nur mit diesen beiden eifrig beschäftigt

sarvātmanā mahāpuṇyaṃ nareśa vidita ca yat / tad brūhi me guhyatamaṃ prītirmayi tavāsti cet

"O Herrscher der Menschen, wenn dir mit ganzer Seele ein großes Verdienst bekannt ist, dann sage mir dieses Geheimste, falls du mir gewogen bist."

Wort für Wort
sarvātmanā mahāpuṇyaṃ
mit ganzer Seele ein großes Verdienst
nareśa vidita ca yat
o Herrscher der Menschen, welches bekannt ist
tad brūhi me guhyatamaṃ
das sage mir, das Geheimste
prītir mayi tavāsti cet
falls du mir Zuneigung hegst

purodhasaivamuktastu prahasansa jayadhvajaḥ / vinayāvanato bhūtvā provācejaṃ kṛtāñjaliḥ

"So von dem Hauspriester angesprochen, lächelnd, in Demut sich neigend, sprach Jayadhvaja mit gefalteten Händen dies [Folgende]."

Wort für Wort
purodhasā evam uktas tu
so vom Hauspriester angesprochen
prahasan sa jayadhvajaḥ
lächelnd jener Jayadhvaja
vinayāvanato bhūtvā
in Demut sich neigend
provāca imaṃ [?] kṛtāñjaliḥ
sprach dies mit gefalteten Händen

[?: „provācejaṃ" unklar überliefert, hier gedeutet als „provāca imam" (‚sprach dies‘).]

jayadhvaja uvāca / śṛṇuṣva vipraśārdūla mayaivācaritaṃ purā / jātismaratvājjānāmi śrotṝṇāṃ vismayapradam

Jayadhvaja sprach: "Höre, o Tiger der Brahmanen, was von mir selbst einst getan wurde; durch die Fähigkeit, mich früherer Geburten zu erinnern, weiß ich davon - eine den Hörern staunenerregende Geschichte."

Wort für Wort
jayadhvaja uvāca
Jayadhvaja sprach:
śṛṇuṣva vipraśārdūla
höre, o Tiger der Brahmanen
mayaiva ācaritaṃ purā
was von mir selbst einst getan wurde
jātismaratvāj jānāmi
durch die Erinnerungsfähigkeit an frühere Geburten weiß ich
śrotṝṇāṃ vismayapradam
eine den Hörern staunenerregende [Geschichte]

āsītpurā kṛtayuge brahmansvārociṣeṃ'tare / raivato nāma viprendro vedavedāṅgapāragaḥ

"Es gab einst, o Brahmane, im Kṛtayuga, in der Manu-Periode des Svārociṣa, einen Fürsten der Brahmanen namens Raivata, der Veden und Vedāṅgas völlig durchdrungen hatte."

Wort für Wort
āsīt purā kṛtayuge
es gab einst im Kṛtayuga
brahman svārociṣe antare
o Brahmane, in der Manvantara-Periode des Svārociṣa
raivato nāma viprendro
einen Fürsten der Brahmanen namens Raivata
vedavedāṅgapāragaḥ
Veden und Vedāṅgas völlig durchdrungen

ayājyayājakaścaiva sadaiva grāmayojakaḥ / piśuno niṣṭhuraścaiva hyapaṇyānāṃ ca vikrayī

"Er opferte für Unwürdige, war stets ein Dorf-Ränkeschmied [?], verleumderisch und hartherzig und verkaufte auch, was nicht verkauft werden darf."

Wort für Wort
ayājyayājakaś caiva
und Opferpriester für Unwürdige
sadaiva grāmayojakaḥ [?]
stets ein Ränkeschmied unter den Dörfern
piśuno niṣṭhuraś caiva
verleumderisch und hartherzig
hy apaṇyānāṃ ca vikrayī
und Verkäufer von Unverkäuflichem

[?: „grāmayojakaḥ" unklar - wörtlich etwa ‚einer, der Dörfer verbindet/gegeneinander aufhetzt‘.]

niṣiddhakarmācaraṇātparityaktaḥ sa bandhubhiḥ / daridro duḥkhitaścaiva śīrṇāṅgo vyādhito 'bhavat

"Wegen der Ausübung verbotener Handlungen wurde er von seinen Verwandten verlassen; er wurde arm, elend, mit zerfallenen Gliedern und krank."

Wort für Wort
niṣiddhakarmācaraṇāt
wegen der Ausübung verbotener Taten
parityaktaḥ sa bandhubhiḥ
wurde er von den Verwandten verlassen
daridro duḥkhitaś caiva
arm und leidend
śīrṇāṅgo vyādhito 'bhavat
mit verfallenen Gliedern wurde er krank

sa kadāciddharthaṃ tu pṛthivyāṃ paryaṭan dvijaḥ / mamāra narmadātīre śvāsakāsaprapīḍitaḥ

"Dieser Zweifachgeborene, einst auf der Erde umherwandernd, sei es um eines Zweckes willen [?], starb am Ufer der Narmadā, von Atemnot und Husten gequält."

Wort für Wort
sa kadācid arthaṃ tu [?]
er einst, um eines Zweckes willen
pṛthivyāṃ paryaṭan dvijaḥ
der Zweifachgeborene, auf der Erde umherziehend
mamāra narmadātīre
starb am Ufer der Narmadā
śvāsakāsaprapīḍitaḥ
von Atemnot und Husten gequält

[?: „kadāciddharthaṃ" unklar segmentiert, hier als „kadācid arthaṃ" (‚um eines Zweckes/Gewinnes willen‘) gedeutet.]

tasminmṛte tasya bhāryā nāmnā bandhumatī mune / kāmacāraparā sā tu parityaktā ca bandhubhiḥ

"Als er gestorben war, o Weiser, lebte seine Gattin namens Bandhumatī, die sich frei nach Belieben bewegte und von den Verwandten verlassen wurde."

Wort für Wort
tasmin mṛte tasya bhāryā
als er gestorben war, seine Gattin
nāmnā bandhumatī mune
namens Bandhumatī, o Weiser
kāmacāraparā sā tu
sie aber, dem eigenen Belieben folgend
parityaktā ca bandhubhiḥ
und von den Verwandten verlassen

tasyāṃ jāto 'smi caṇḍālo daṇḍaketuriti śrutaḥ / mahāpāparato nityaṃ brahmadveṣaparāyaṇaḥ

"Von ihr wurde ich als Caṇḍāla geboren, bekannt unter dem Namen Daṇḍaketu, stets großer Sünde ergeben und ganz dem Haß gegen die Brahmanen hingegeben."

Wort für Wort
tasyāṃ jāto 'smi caṇḍālo
von ihr wurde ich als Caṇḍāla geboren
daṇḍaketur iti śrutaḥ
bekannt als Daṇḍaketu
mahāpāparato nityaṃ
stets großer Sünde ergeben
brahmadveṣaparāyaṇaḥ
dem Haß gegen die Brahmanen ganz hingegeben

paradāraparadravyalolupo jantuhiṃsakaḥ / gāvaśca viprā bahavo nihatā mṛgapakṣiṇaḥ

"Gierig nach fremden Frauen und fremdem Gut, ein Wesen-Töter; viele Kühe, Brahmanen, Wildtiere und Vögel wurden von mir getötet."

Wort für Wort
paradāraparadravyalolupo
gierig nach fremden Frauen und fremdem Gut
jantuhiṃsakaḥ
ein Wesenverletzer
gāvaś ca viprā bahavo
viele Kühe und Brahmanen
nihatā mṛgapakṣiṇaḥ
wurden getötet, Wildtiere und Vögel

merutulyasuvarṇāni bahūnyapahṛtāni ca / madyapānarato nityaṃ bahuśo mārgarodhakṛt

"Viele dem Berg Meru gleiche Mengen an Gold wurden geraubt; stets dem Weingenuss ergeben, oftmals ein Wegelagerer."

Wort für Wort
merutulyasuvarṇāni
dem Meru gleichkommende Mengen Gold
bahūny apahṛtāni ca
und viele wurden geraubt
madyapānarato nityaṃ
stets dem Weingenuss ergeben
bahuśo mārgarodhakṛt
oftmals ein Wegeversperrer/Straßenräuber

paśupakṣimṛgādīnāṃ jantūnāmantakopamaḥ / kadācitkāmasaṃtapto gantu kāmo ratiṃ striyaḥ

"Für Vieh, Vögel, Wildtiere und andere Geschöpfe war ich wie der Tod selbst; einst, von Lust entbrannt, begierig, zu einer Frau der Liebeslust wegen zu gehen -"

Wort für Wort
paśupakṣimṛgādīnāṃ jantūnām
für Vieh, Vögel, Wildtiere und andere Wesen
antakopamaḥ
dem Tod gleich
kadācit kāmasaṃtapto
einst von Begierde entbrannt
gantukāmo ratiṃ striyaḥ
begierig, zur Liebeslust zu einer Frau zu gehen

śūnyaṃ viṣṇugṛhaṃ dṛṣṭvā praviṣṭaśca striyā saha / niśi rāmopabhogārthaṃ śayitaṃ tatra kāminā

"- sah ich das leere Haus Viṣṇus und trat mit der Frau ein; nachts, um mit der Geliebten Liebesgenuss zu haben, legte sich der Lüsterne dort nieder."

Wort für Wort
śūnyaṃ viṣṇugṛhaṃ dṛṣṭvā
das leere Viṣṇu-Haus erblickend
praviṣṭaś ca striyā saha
trat ich mit der Frau ein
niśi rāmopabhogārthaṃ
nachts, um des Liebesgenusses mit der Geliebten willen
śayitaṃ tatra kāminā
legte sich der Lüsterne dort nieder

brahmansvavastraprāntena kiyaddeśaḥ pramārjitaḥ / yāvantyaḥ pāṃśukaṇikāstatra saṃmārjitā dvija

"O Brahmane, mit dem Saum meines Gewandes wischte ich einen gewissen Bereich des Bodens, o Zweifachgeborener; so viele Staubkörnchen wurden dort weggewischt -"

Wort für Wort
brahman svavastraprāntena
o Brahmane, mit dem Saum meines eigenen Gewandes
kiyad deśaḥ pramārjitaḥ
ein gewisser Bereich wurde gewischt
yāvantyaḥ pāṃśukaṇikās tatra
so viele Staubkörnchen dort
saṃmārjitā dvija
wurden weggewischt, o Zweifachgeborener

tāvajjanmakṛtaṃ pāpaṃ tadaiva kṣayamāgatam / pradīpaḥ sthāpitastatra suratārthaṃ dvijottama

"- ebenso viele Sünden, die in diesem Leben begangen waren, schwanden eben da dahin; eine Lampe wurde dort aufgestellt, um der Liebeslust willen, o Bester der Zweifachgeborenen."

Wort für Wort
tāvaj janmakṛtaṃ pāpaṃ
ebenso viel in diesem Leben begangene Sünde
tadaiva kṣayam āgatam
schwand ebenda dahin
pradīpaḥ sthāpitas tatra
eine Lampe wurde dort aufgestellt
suratārthaṃ dvijottama
um der Liebeslust willen, o Bester der Zweifachgeborenen

tenāpi mama duṣkarma niḥśeṣaṃ kṣayamāgatam / evaṃ sthite viṣṇugṛhe hyāgatāḥ purapālakāḥ

"Auch dadurch schwand meine üble Tat restlos dahin. Während dies so im Hause Viṣṇus geschah, kamen die Stadtwächter herbei."

Wort für Wort
tenāpi mama duṣkarma
auch dadurch meine üble Tat
niḥśeṣaṃ kṣayam āgatam
schwand restlos dahin
evaṃ sthite viṣṇugṛhe
als dies so im Haus Viṣṇus stand
hy āgatāḥ purapālakāḥ
kamen fürwahr die Stadtwächter herbei

jāro 'yamiti māṃ tāṃ ca hatavantaḥ prasahya vai / āvāṃ nihatya te sarve nivṛttāḥ purakṣakāḥ

"'Das ist ein Ehebrecher!' - so erschlugen sie gewaltsam mich und sie; nachdem sie uns beide getötet hatten, kehrten all die Stadtwächter um."

Wort für Wort
jāro 'yam iti
‚dies ist ein Ehebrecher'
māṃ tāṃ ca hatavantaḥ prasahya vai
erschlugen sie mich und sie gewaltsam
āvāṃ nihatya
nachdem sie uns beide getötet hatten
te sarve nivṛttāḥ purakṣakāḥ
kehrten alle jene Stadtwächter um

yadā tadaiva saṃprāptā viṣṇudūtāścaturbhujāḥ / kirīṭakuṇḍaladharā vanamālāvibhūṣitāḥ

"Als dies geschah, da eben kamen die vierarmigen Boten Viṣṇus herbei, Diademe und Ohrringe tragend, mit Waldblumenkränzen geschmückt."

Wort für Wort
yadā tadaiva saṃprāptā
als eben da kamen herbei
viṣṇudūtāś caturbhujāḥ
die vierarmigen Boten Viṣṇus
kirīṭakuṇḍaladharā
Diademe und Ohrringe tragend
vanamālāvibhūṣitāḥ
mit Waldblumenkränzen geschmückt

taistu saṃpreritāvāvāṃ viṣṇudūtairakalmaṣaiḥ / divyaṃ vimānamāruhya sarvabhogasamanvitam

"Von jenen makellosen Boten Viṣṇus wurden wir beide geleitet, nachdem wir den himmlischen, mit allem Genuss versehenen Himmelswagen bestiegen hatten -"

Wort für Wort
taistu saṃpreritāv āvāṃ
von jenen wurden wir beide gesandt/geleitet
viṣṇudūtair akalmaṣaiḥ
von den makellosen Boten Viṣṇus
divyaṃ vimānam āruhya
nachdem wir den himmlischen Wagen bestiegen hatten
sarvabhogasamanvitam
mit allem Genuss versehen

divyadehadharau bhūtvā viṣṇulokamupāgatau / tatra sthitvā brahmakalpaśataṃ sāgraṃ dvijottama

"- nachdem wir himmlische Leiber angenommen hatten, gelangten wir beide zur Welt Viṣṇus; dort verweilten wir, o Bester der Zweifachgeborenen, hundert Brahma-Kalpas und mehr."

Wort für Wort
divyadehadharau bhūtvā
nachdem wir himmlische Leiber angenommen hatten
viṣṇulokam upāgatau
gelangten wir beide zur Welt Viṣṇus
tatra sthitvā brahmakalpaśataṃ
dort hundert Brahma-Kalpas verweilend
sāgraṃ dvijottama
und mehr, o Bester der Zweifachgeborenen

divyabhogasamāyuktau tāvatkālaṃ divi sthitau / tataśca bhūmibhāgeṣu devayogeṣu vai kramāt

"Mit himmlischem Genuss vereint verweilten wir beide so lange Zeit im Himmel; und danach kamen wir der Reihe nach fürwahr in Erdenregionen, durch göttliche Fügung."

Wort für Wort
divyabhogasamāyuktau
mit himmlischem Genuss vereint
tāvatkālaṃ divi sthitau
so lange Zeit im Himmel weilend
tataś ca bhūmibhāgeṣu
und danach in Erdenregionen
devayogeṣu vai kramāt
durch göttliche Fügung, der Reihe nach

tena puṇyaprabhāveṇa yadūnāṃ vaṃśasaṃbhavaḥ / tenaiva me 'cyutā saṃpattathā rājyamakaṇṭakam

"Durch die Macht jenes Verdienstes geschah die Geburt in der Yadu-Dynastie; eben dadurch wurde mir unvergängliches Glück zuteil sowie ein dornenloses Königreich."

Wort für Wort
tena puṇyaprabhāveṇa
durch die Macht jenes Verdienstes
yadūnāṃ vaṃśasaṃbhavaḥ
Geburt in der Dynastie der Yadus
tenaiva me 'cyutā sampat
eben dadurch mir unvergängliches Glück
tathā rājyam akaṇṭakam
sowie ein dornenloses Königreich

brahmankṛtvopabhogārthamevaṃ śreyo hyavāptavān / bhaktyā kurvanti ye saṃtasteṣāṃ puṇyaṃ na vedyaham

"O Brahmane, obwohl ich jene Handlung nur um des eigenen Genusses willen tat, habe ich so dennoch Heil erlangt; welches Verdienst also diejenigen Guten erlangen, die dies aus Hingabe tun - das kenne ich nicht."

Wort für Wort
brahman kṛtvā upabhogārtham
o Brahmane, nachdem ich es um des Genusses willen getan hatte
evaṃ śreyo hy avāptavān
so erlangte ich fürwahr Heil
bhaktyā kurvanti ye santas
welche Guten es aus Hingabe tun
teṣāṃ puṇyaṃ na vedmy aham
deren Verdienst weiß ich nicht

tasmātsaṃmārjane nityaṃ dīpadāne ca sattama / yatiṣye parayā bhaktyā hyahaṃ jātismaro yataḥ

"Darum, o Bester der Guten, werde ich mich stets um das Fegen und um das Spenden von Lichtern mit höchster Hingabe bemühen, da ich mich ja meiner früheren Geburten erinnere."

Wort für Wort
tasmāt saṃmārjane nityaṃ
darum stets im Fegen
dīpadāne ca sattama
und im Lichterspenden, o Bester der Guten
yatiṣye parayā bhaktyā
werde ich mich mit höchster Hingabe bemühen
hy ahaṃ jātismaro yataḥ
da ich ja mich früherer Geburten erinnere

yaḥ pūjayejjagannāthamekākī vigataspṛhaḥ / sarvapāpavinirmuktaḥ prayāti paramaṃ padam

"Wer den Herrn der Welt allein und frei von Begehren verehrt, der wird, von aller Sünde befreit, zum höchsten Ort gelangen."

Wort für Wort
yaḥ pūjayej jagannātham
wer den Herrn der Welt verehrt
ekākī vigataspṛhaḥ
allein und frei von Begehren
sarvapāpavinirmuktaḥ
von aller Sünde befreit
prayāti paramaṃ padam
gelangt zum höchsten Ort

avaśenāpi yatkarma kṛtvemāṃ śriyamāgataḥ / bhaktibhadbhiḥ praśāntaiśca kiṃ punaḥ samyagarcanāt

"Wenn ich schon, nachdem ich diese Tat unfreiwillig getan hatte, zu solchem Glanz gelangt bin - wie viel mehr gilt dies für die, die mit Hingabe und in Gelassenheit richtig verehren!"

Wort für Wort
avaśenāpi yat karma kṛtvā
nachdem selbst unfreiwillig diese Tat getan war
imāṃ śriyam āgataḥ
zu diesem Glanz gelangt
bhaktibhadbhiḥ praśāntaiś ca
durch die mit Hingabe und Gelassenheit
kiṃ punaḥ samyagarcanāt
wie viel mehr durch rechte Verehrung

iti bhūpavacaḥ śrutvā vītihotro dvijottamaḥ / anantatuṣṭimāpanno haripūjāparo 'bhavat

"Nachdem Vītihotra, der Beste der Zweifachgeborenen, diese Worte des Königs gehört hatte, wurde er von unendlicher Freude erfüllt und der Verehrung Haris ergeben."

Wort für Wort
iti bhūpavacaḥ śrutvā
nachdem er diese Worte des Königs gehört hatte
vītihotro dvijottamaḥ
Vītihotra, der Beste der Zweifachgeborenen
anantatuṣṭim āpanno
von unendlicher Freude erfüllt
haripūjāparo 'bhavat
wurde der Verehrung Haris ergeben

tasmācchṛṇuṣva viprendra devo nārāyaṇo 'vyayaḥ / jñānato 'jñānato vāpi pūjakānāṃ vimuktidaḥ

"Darum höre, o Fürst der Brahmanen: der unvergängliche Gott Nārāyaṇa gewährt seinen Verehrern die Erlösung, ob wissentlich oder unwissentlich verehrt."

Wort für Wort
tasmāc chṛṇuṣva viprendra
darum höre, o Fürst der Brahmanen
devo nārāyaṇo 'vyayaḥ
der unvergängliche Gott Nārāyaṇa
jñānato 'jñānato vāpi
ob wissentlich oder unwissentlich
pūjakānāṃ vimuktidaḥ
gewährt den Verehrern die Erlösung

anityā bāndhavāḥ sarve vibhavo naiva śāśvataḥ / nityaṃ sannihito mṛtyuḥ kartavyo dharmasaṃgrahaḥ

"Vergänglich sind alle Verwandten, auch der Reichtum ist nicht ewig; der Tod ist beständig nahe - man soll darum die Summe des Dharma erwerben."

Wort für Wort
anityā bāndhavāḥ sarve
vergänglich sind alle Verwandten
vibhavo naiva śāśvataḥ
der Reichtum ist keineswegs ewig
nityaṃ sannihito mṛtyuḥ
beständig nahe ist der Tod
kartavyo dharmasaṃgrahaḥ
man soll die Summe des Dharma erwerben

ajño loko vṛthā garvaṃ kariṣyati mahoddhataḥ / kāyaḥ saṃnihitāpāyo dhānādīnāṃ kimucyate

"Die unwissende Welt wird vergeblich in großem Übermut Stolz hegen; selbst der Leib hat den Untergang nahe bei sich - was ist da erst von Reichtum und dergleichen zu sagen?"

Wort für Wort
ajño loko vṛthā garvaṃ
die unwissende Welt vergeblich Stolz
kariṣyati mahoddhataḥ
wird üben, hochmütig
kāyaḥ saṃnihitāpāyo
der Leib hat den Untergang nahe
dhanādīnāṃ kim ucyate
was ist von Reichtum usw. zu sagen

janmakoṭisahasreṣu puṇyaṃ yaiḥ samupārjitam / teṣāṃ bhaktirbhavecchuddhā devadeve janārdane

"Von denen, die in tausendmal Millionen Geburten Verdienst erworben haben, wird reine Hingabe zum Gott der Götter, Janārdana, entstehen."

Wort für Wort
janmakoṭisahasreṣu
in tausend Millionen Geburten
puṇyaṃ yaiḥ samupārjitam
von denen Verdienst erworben wurde
teṣāṃ bhaktir bhavec chuddhā
deren Hingabe werde rein
devadeve janārdane
zum Gott der Götter, Janārdana

sulabhaṃ jāhnavī snānaṃ tathevātithipūjanam / sulabhāḥ sarvayajñāśca viṣṇubhaktiḥ sudurlabhā

"Leicht erlangbar ist das Bad in der Jāhnavī, ebenso die Ehrung des Gastes; leicht erlangbar sind auch alle Opfer - doch die Hingabe an Viṣṇu ist sehr schwer erlangbar."

Wort für Wort
sulabhaṃ jāhnavī snānaṃ
leicht erlangbar das Bad in der Gaṅgā
tatheva atithipūjanam
ebenso die Gastverehrung
sulabhāḥ sarvayajñāś ca
leicht erlangbar auch alle Opfer
viṣṇubhaktiḥ sudurlabhā
die Hingabe an Viṣṇu ist sehr schwer erlangbar

durlabhā tulasīsevā durlabhaḥ saṃgamaḥ satām / sarvabhūtadayā vāpi sulabhā yasya kasya cit

"Schwer erlangbar ist der Dienst an der Tulasī, schwer erlangbar die Gemeinschaft mit den Guten; doch Mitleid mit allen Wesen ist auch für einen jeden beliebigen leicht erlangbar."

Wort für Wort
durlabhā tulasīsevā
schwer erlangbar der Tulasī-Dienst
durlabhaḥ saṃgamaḥ satām
schwer erlangbar die Gemeinschaft der Guten
sarvabhūtadayā vāpi
doch Mitleid mit allen Wesen
sulabhā yasya kasya cit
leicht erlangbar für einen jeden beliebigen

satsaṃgastulasīsebā haribhaktiśca durlabhā

"Die Gemeinschaft mit den Guten, der Dienst an der Tulasī und die Hingabe an Hari sind schwer erlangbar."

Wort für Wort
satsaṃgas tulasīsebā
die Gemeinschaft der Guten, der Tulasī-Dienst
haribhaktiś ca durlabhā
und die Hari-Hingabe sind schwer erlangbar

[Anm.: Der Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (zwei Pādas statt der üblichen vier) und wiederholt inhaltlich V53 (satsaṅga/tulasīsevā als „durlabha"); vermutlich verkürzte/verderbte Überlieferung oder Dittographie.]

durlabhaṃ prāpyaṃ mānuṣyaṃ na tathā gamayed budhaḥ / arcayeddhi jagannāthaṃ sārametaddvijottama

"Schwer erlangbar ist die erreichte Menschengeburt - der Weise soll sie nicht nutzlos verstreichen lassen; er verehre vielmehr den Herrn der Welt - dies ist das Wesentliche, o Bester der Zweifachgeborenen."

Wort für Wort
durlabhaṃ prāpyaṃ mānuṣyaṃ
die schwer erlangbare, erreichte Menschengeburt
na tathā gamayed budhaḥ
so soll der Weise sie nicht verstreichen lassen
arcayed dhi jagannāthaṃ
er verehre vielmehr den Herrn der Welt
sāram etad dvijottama
dies ist das Wesentliche, o Bester der Zweifachgeborenen

tarttuṃ yadīcchati jano dustaraṃ bhavasāgaram / haribhaktiparo bhūyādetadeva rasāyanam

"Wenn ein Mensch wünscht, den unüberwindlichen Ozean des Daseins zu durchqueren, so werde er der Hingabe an Hari ergeben - eben dies ist das wahre Lebenselixier."

Wort für Wort
tartuṃ yadīcchati jano
wenn ein Mensch zu durchqueren wünscht
dustaraṃ bhavasāgaram
den unüberwindlichen Daseinsozean
haribhaktiparo bhūyād
er werde der Hari-Hingabe ergeben
etad eva rasāyanam
eben dies ist das Lebenselixier

bhrātarāśraya govindaṃ mā vilaṃbaṃ kuru priya / āsannameva nagaraṃ kṛtāntasya hi dṛśyate

"O Bruder, nimm Zuflucht zu Govinda, verweile nicht, mein Lieber! Ganz nahe bevorstehend ist ja die Stadt des Todesgottes zu sehen."

Wort für Wort
bhrātar āśraya govindaṃ
o Bruder, nimm Zuflucht zu Govinda
mā vilambaṃ kuru priya
mach keine Verzögerung, mein Lieber
āsannam eva nagaraṃ
ganz nahe die Stadt
kṛtāntasya hi dṛśyate
des Todesgottes ist ja zu sehen

nārāyaṇaṃ jagadyoniṃ sarvakāraṇakāraṇam / samarcayasva viprendra yadi bhuktimabhīpsasi

"Verehre Nārāyaṇa, den Ursprung der Welt, die Ursache aller Ursachen, o Fürst der Brahmanen, wenn du Genuss zu erlangen wünschst."

Wort für Wort
nārāyaṇaṃ jagadyoniṃ
Nārāyaṇa, den Ursprung der Welt
sarvakāraṇakāraṇam
die Ursache aller Ursachen
samarcayasva viprendra
verehre, o Fürst der Brahmanen
yadi bhuktim abhīpsasi
wenn du Genuss zu erlangen wünschst

sarvādhāra sarvayoniṃ sarvāntaryāmiṇaṃ vibhum / ye prapannā mahātmānaste kṛtārthā na saṃśayaḥ

"Diejenigen großen Seelen, die sich dem alltragenden, aller Ursprung seienden, in allem innewohnenden, alldurchdringenden Herrn ergeben haben, sind ohne Zweifel am Ziel angelangt."

Wort für Wort
sarvādhāraṃ [?] sarvayoniṃ
den Alles-Tragenden, den Ursprung von allem
sarvāntaryāmiṇaṃ vibhum
den in allem innewohnenden, alldurchdringenden Herrn
ye prapannā mahātmānas
welche großen Seelen sich ergeben haben
te kṛtārthā na saṃśayaḥ
die sind am Ziel angelangt, kein Zweifel

[?: „sarvādhāra" ist metrisch/grammatisch unklar (wohl für Akkusativ „sarvādhāraṃ" zu „vibhum" gehörig).]

te vandyāste prapūjyāśca namaskāryā viśeṣataḥ / yer'cayanti mahāviṣṇuṃ praṇatārtipraṇāśanam

"Verehrungswürdig sind sie, hochzuverehren und besonders der Verneigung würdig, jene, die den großen Viṣṇu verehren, der die Not der sich Verneigenden vernichtet."

Wort für Wort
te vandyās te prapūjyāś ca
sie sind der Verehrung würdig und hochzuverehren
namaskāryā viśeṣataḥ
besonders der Verneigung würdig
ye 'rcayanti mahāviṣṇuṃ
welche den großen Viṣṇu verehren
praṇatārtipraṇāśanam
der die Not der sich Verneigenden vernichtet

ye viṣṇubhaktā niṣkāmā yañjati parameśvaram / triḥsaptakulasaṃyuktā ste yānti harimandiram

"Die Viṣṇu-Verehrer, die wunschlos den höchsten Herrn verehren, gehen, verbunden mit dreimal sieben Geschlechtern ihrer Sippe, in Haris Wohnstatt ein."

Wort für Wort
ye viṣṇubhaktā niṣkāmā
welche wunschlosen Viṣṇu-Verehrer
yajanti parameśvaram
den höchsten Herrn verehren
triḥsaptakulasaṃyuktās
verbunden mit dreimal sieben Geschlechtern
te yānti harimandiram
sie gehen ein in Haris Wohnstatt

viṣṇubhaktāya yo dadyānniṣkāmāya mahātmane / pānīyaṃ vā phalaṃ vāpi sa eva bhagavatpriyaḥ

"Wer einem Viṣṇu-Verehrer, einer wunschlosen großen Seele, Wasser oder auch eine Frucht gibt, eben der ist dem Erhabenen lieb."

Wort für Wort
viṣṇubhaktāya yo dadyān
wer einem Viṣṇu-Verehrer gibt
niṣkāmāya mahātmane
einer wunschlosen großen Seele
pānīyaṃ vā phalaṃ vāpi
Wasser oder auch Frucht
sa eva bhagavatpriyaḥ
eben der ist dem Erhabenen lieb

viṣṇubhaktiparāṇāṃ tu śuśrūṣāṃ kurvate tu ye / te yānti viṣṇubhuvanaṃ yāvadābhūtasaṃplavam

"Wer aber denen dient, die der Hingabe an Viṣṇu ergeben sind, die gehen ein in die Welt Viṣṇus, bis zur Auflösung der Wesen."

Wort für Wort
viṣṇubhaktiparāṇāṃ tu
denen aber, die der Viṣṇu-Hingabe ergeben sind
śuśrūṣāṃ kurvate tu ye
die aber Dienst leisten
te yānti viṣṇubhuvanaṃ
sie gehen ein in die Welt Viṣṇus
yāvad ābhūtasaṃplavam
bis zur Weltauflösung

ye yañjati spṛhāśūnyā haribhaktān hariṃ tathā / ta eva bhuvanaṃ sarvaṃ puṃnati svāṅghripāṃśunā

"Die frei von Begehren die Hari-Verehrer und ebenso Hari verehren, eben sie reinigen die ganze Welt mit dem Staub ihrer eigenen Füße."

Wort für Wort
ye yajanti spṛhāśūnyā
welche begierdefrei verehren
haribhaktān hariṃ tathā
die Hari-Verehrer und ebenso Hari
ta eva bhuvanaṃ sarvaṃ
eben sie die ganze Welt
punanti svāṅghripāṃśunā
reinigen mit dem Staub der eigenen Füße

devapūjāparo yasya gṛhe vasati sarvadā / tatraiva sarvadevāśca tiṣṭanti śrīharistathā

"In wessen Haus stets ein der Götterverehrung Ergebener wohnt, eben dort weilen alle Götter und ebenso der glückreiche Hari."

Wort für Wort
devapūjāparo yasya gṛhe
in wessen Haus der Götterverehrung Ergebener
vasati sarvadā
stets wohnt
tatraiva sarvadevāś ca
eben dort alle Götter
tiṣṭhanti śrīharis tathā
weilen und ebenso der glückreiche Hari

pūjyamānā ca tulasī yasya tiṣṭati veśmani / tatra sarvāṇi śreyāṃsi varddhatyaharahardvija

"In wessen Wohnstätte die verehrte Tulasī weilt, dort mehrt sich, o Zweifachgeborener, Tag für Tag alles Heil."

Wort für Wort
pūjyamānā ca tulasī
und die verehrte Tulasī
yasya tiṣṭhati veśmani
in wessen Wohnstätte sie weilt
tatra sarvāṇi śreyāṃsi
dort alles Heil
varddhaty ahar ahar dvija
mehrt sich Tag für Tag, o Zweifachgeborener

śālagrāmaśilārūpī yatra tiṣṭati keśavaḥ / na bādhante grahāstatra bhūtavetāla kādayaḥ

"Wo Keśava in Gestalt des Śālagrāma-Steins weilt, dort bedrängen keine Planetendämonen, Gespenster, Vetālas und dergleichen."

Wort für Wort
śālagrāmaśilārūpī
in Gestalt des Śālagrāma-Steins
yatra tiṣṭhati keśavaḥ
wo Keśava weilt
na bādhante grahās tatra
dort bedrängen keine Planetendämonen
bhūtavetālakādayaḥ
Gespenster, Vetālas und dergleichen

śālagrāmaśilā yatra tattīrthaṃ tattapovanam / yataḥ saṃnihitastatra bhagavānmadhusūdanaḥ

"Wo ein Śālagrāma-Stein ist, das ist eine Pilgerstätte, das ist ein Büßerwald, denn dort ist der erhabene Madhusūdana gegenwärtig."

Wort für Wort
śālagrāmaśilā yatra
wo ein Śālagrāma-Stein ist
tattīrthaṃ tattapovanam
das ist Pilgerstätte, das ist Büßerhain
yataḥ saṃnihitas tatra
weil dort gegenwärtig ist
bhagavān madhusūdanaḥ
der erhabene Madhusūdana

yadgṛhe nāsti devarṣe śālagrāmaśilārcanam / śmaśānasadṛśaṃ vidyāttada gṛhaṃ śubhavārjitam

"In wessen Haus, o Götterweiser, keine Verehrung des Śālagrāma-Steins ist, jenes Haus erkenne als einem Leichenacker gleich, bar allen Heils."

Wort für Wort
yad gṛhe nāsti devarṣe
in wessen Haus nicht ist, o Götterweiser
śālagrāmaśilārcanam
die Verehrung des Śālagrāma-Steins
śmaśānasadṛśaṃ vidyāt
erkenne als einem Leichenacker gleich
tad gṛhaṃ śubhavārjitam
jenes Haus, bar des Heils

purāṇanyāyamīmāṃsā dharmaśāstrāṇi ca dvija / sāṃgā vedāstathā sarve viṣṇorūpaṃ prakīrtitam

"Die Purāṇas, die Nyāya- und Mīmāṃsā-Lehren und die Dharmaśāstras, o Zweifachgeborener, sowie alle Veden mit ihren Hilfswissenschaften - all dies wird als Gestalt Viṣṇus gepriesen."

Wort für Wort
purāṇanyāyamīmāṃsā
die Purāṇas, Nyāya und Mīmāṃsā
dharmaśāstrāṇi ca dvija
und die Dharmaśāstras, o Zweifachgeborener
sāṅgā vedās tathā sarve
ebenso alle Veden mit ihren Hilfswissenschaften
viṣṇor rūpaṃ prakīrtitam
werden als Gestalt Viṣṇus gepriesen

bhaktyā kurvanti ye viṣṇoḥ pradakṣiṇacatuṣṭayam / te 'pi yānti paraṃ sthānaṃ sarvakarmanibarhaṇam

"Auch die, welche mit Hingabe eine vierfache Umwandlung um Viṣṇu vollziehen, gehen ein zum höchsten Ort, der alle Tatfolgen tilgt."

Wort für Wort
bhaktyā kurvanti ye viṣṇoḥ
welche mit Hingabe um Viṣṇu vollziehen
pradakṣiṇacatuṣṭayam
eine vierfache Umwandlung
te 'pi yānti paraṃ sthānaṃ
auch sie gehen ein zum höchsten Ort
sarvakarmanibarhaṇam
der alle Tat[folgen] tilgt

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