Sanaka sprach: "Höre weiter, o Fürst der Zweifachgeborenen, die Herrlichkeit des Höchsten Herrn, die alle Sünde hinwegnimmt, verdienstvoll ist und den Menschen Genuss und Erlösung verleiht."
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
bhūyaḥ śṛṇuṣva viprendra
höre weiter, o Fürst der Brahmanen
māhātmyaṃ parameṣṭinaḥ
die Herrlichkeit des Höchsten
sarvapāpaharaṃ puṇyaṃ
alle Sünde vernichtend, verdienstvoll
bhuktimuktipradaṃ nṛṇām
den Menschen Genuss und Erlösung verleihend
[Anm.: Der Vers beginnt im Quelltext mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels (Quellzählung: „achtunddreißigstes Kapitel", betitelt viṣṇumāhātmya); erst danach beginnt mit „sanaka uvāca" der eigentliche Vers 1 dieses Kapitels; nur dieser wurde übersetzt.]
"Oh, die Erzählung von Hari ist in der Welt sündenvernichtend und verdienstspendend - für die, die sie hören und sprechen, und ganz besonders für seine Verehrer."
haribhaktirasāsvādamuditā ye narottamāḥ / namaskaromyahaṃ tebhyo yatsaṃgānmukti bhāgnaraḥ
"Die vortrefflichsten Menschen, die sich am Geschmack des Saftes der Hari-Hingabe erfreuen - vor ihnen verneige ich mich, durch deren Gemeinschaft ein Mensch der Erlösung teilhaftig wird."
Wort für Wort
haribhaktirasāsvādamuditāḥ
erfreut am Genuss des Saftes der Hingabe an Hari
ye narottamāḥ
welche vortrefflichsten Menschen
namaskaromi ahaṃ tebhyaḥ
vor ihnen verneige ich mich
yatsaṃgān mukti bhāk naraḥ
durch deren Gemeinschaft ein Mensch der Erlösung teilhaftig wird
saṃsārasāgaraṃ tartuṃ ya icchenmu nipuṅgava / sa bhajeddharibhaktānāṃ bhaktānvai pāpahāriṇaḥ
"O Bester der Weisen, wer den Ozean des Daseinskreislaufs zu durchqueren wünscht, der verehre die Verehrer der Hari-Verehrer, die Sünde hinwegnehmenden."
"Oh welch Glück, oh welch Glück haben jene, deren Seele an der Hingabe zu Viṣṇu Freude findet - für sie liegt die Erlösung geradezu in der Hand, die Erlösung, die selbst für Yogis schwer erlangbar ist."
Wort für Wort
aho bhāgyam aho bhāgyaṃ
oh welch Glück, oh welch Glück
viṣṇubhaktiratātmanām
haben jene, deren Seele an der Viṣṇu-Hingabe Freude findet
Vītihotra sprach: "O König, Kenner des höchsten Dharma, der Hingabe an Hari ganz ergeben - du bist der Beste unter den Viṣṇu-verehrenden Männern, o Stier der Bharatas."
Wort für Wort
vītihotra uvāca
Vītihotra sprach:
rājan paramadharmajña
o König, Kenner des höchsten Dharma
haribhaktiparāyaṇa
der Hari-Hingabe ganz ergeben
viṣṇubhaktimatāṃ puṃsāṃ śreṣṭho 'si
du bist der Beste unter den Viṣṇu-verehrenden Männern
Jayadhvaja sprach: "Höre, o Tiger der Brahmanen, was von mir selbst einst getan wurde; durch die Fähigkeit, mich früherer Geburten zu erinnern, weiß ich davon - eine den Hörern staunenerregende Geschichte."
Wort für Wort
jayadhvaja uvāca
Jayadhvaja sprach:
śṛṇuṣva vipraśārdūla
höre, o Tiger der Brahmanen
mayaiva ācaritaṃ purā
was von mir selbst einst getan wurde
jātismaratvāj jānāmi
durch die Erinnerungsfähigkeit an frühere Geburten weiß ich
"Es gab einst, o Brahmane, im Kṛtayuga, in der Manu-Periode des Svārociṣa, einen Fürsten der Brahmanen namens Raivata, der Veden und Vedāṅgas völlig durchdrungen hatte."
Wort für Wort
āsīt purā kṛtayuge
es gab einst im Kṛtayuga
brahman svārociṣe antare
o Brahmane, in der Manvantara-Periode des Svārociṣa
sa kadāciddharthaṃ tu pṛthivyāṃ paryaṭan dvijaḥ / mamāra narmadātīre śvāsakāsaprapīḍitaḥ
"Dieser Zweifachgeborene, einst auf der Erde umherwandernd, sei es um eines Zweckes willen [?], starb am Ufer der Narmadā, von Atemnot und Husten gequält."
Wort für Wort
sa kadācid arthaṃ tu [?]
er einst, um eines Zweckes willen
pṛthivyāṃ paryaṭan dvijaḥ
der Zweifachgeborene, auf der Erde umherziehend
mamāra narmadātīre
starb am Ufer der Narmadā
śvāsakāsaprapīḍitaḥ
von Atemnot und Husten gequält
[?: „kadāciddharthaṃ" unklar segmentiert, hier als „kadācid arthaṃ" (‚um eines Zweckes/Gewinnes willen‘) gedeutet.]
"Von ihr wurde ich als Caṇḍāla geboren, bekannt unter dem Namen Daṇḍaketu, stets großer Sünde ergeben und ganz dem Haß gegen die Brahmanen hingegeben."
"Für Vieh, Vögel, Wildtiere und andere Geschöpfe war ich wie der Tod selbst; einst, von Lust entbrannt, begierig, zu einer Frau der Liebeslust wegen zu gehen -"
"O Brahmane, mit dem Saum meines Gewandes wischte ich einen gewissen Bereich des Bodens, o Zweifachgeborener; so viele Staubkörnchen wurden dort weggewischt -"
"- ebenso viele Sünden, die in diesem Leben begangen waren, schwanden eben da dahin; eine Lampe wurde dort aufgestellt, um der Liebeslust willen, o Bester der Zweifachgeborenen."
Wort für Wort
tāvaj janmakṛtaṃ pāpaṃ
ebenso viel in diesem Leben begangene Sünde
tadaiva kṣayam āgatam
schwand ebenda dahin
pradīpaḥ sthāpitas tatra
eine Lampe wurde dort aufgestellt
suratārthaṃ dvijottama
um der Liebeslust willen, o Bester der Zweifachgeborenen
"Von jenen makellosen Boten Viṣṇus wurden wir beide geleitet, nachdem wir den himmlischen, mit allem Genuss versehenen Himmelswagen bestiegen hatten -"
Wort für Wort
taistu saṃpreritāv āvāṃ
von jenen wurden wir beide gesandt/geleitet
viṣṇudūtair akalmaṣaiḥ
von den makellosen Boten Viṣṇus
divyaṃ vimānam āruhya
nachdem wir den himmlischen Wagen bestiegen hatten
divyadehadharau bhūtvā viṣṇulokamupāgatau / tatra sthitvā brahmakalpaśataṃ sāgraṃ dvijottama
"- nachdem wir himmlische Leiber angenommen hatten, gelangten wir beide zur Welt Viṣṇus; dort verweilten wir, o Bester der Zweifachgeborenen, hundert Brahma-Kalpas und mehr."
divyabhogasamāyuktau tāvatkālaṃ divi sthitau / tataśca bhūmibhāgeṣu devayogeṣu vai kramāt
"Mit himmlischem Genuss vereint verweilten wir beide so lange Zeit im Himmel; und danach kamen wir der Reihe nach fürwahr in Erdenregionen, durch göttliche Fügung."
tena puṇyaprabhāveṇa yadūnāṃ vaṃśasaṃbhavaḥ / tenaiva me 'cyutā saṃpattathā rājyamakaṇṭakam
"Durch die Macht jenes Verdienstes geschah die Geburt in der Yadu-Dynastie; eben dadurch wurde mir unvergängliches Glück zuteil sowie ein dornenloses Königreich."
brahmankṛtvopabhogārthamevaṃ śreyo hyavāptavān / bhaktyā kurvanti ye saṃtasteṣāṃ puṇyaṃ na vedyaham
"O Brahmane, obwohl ich jene Handlung nur um des eigenen Genusses willen tat, habe ich so dennoch Heil erlangt; welches Verdienst also diejenigen Guten erlangen, die dies aus Hingabe tun - das kenne ich nicht."
Wort für Wort
brahman kṛtvā upabhogārtham
o Brahmane, nachdem ich es um des Genusses willen getan hatte
"Darum, o Bester der Guten, werde ich mich stets um das Fegen und um das Spenden von Lichtern mit höchster Hingabe bemühen, da ich mich ja meiner früheren Geburten erinnere."
"Wenn ich schon, nachdem ich diese Tat unfreiwillig getan hatte, zu solchem Glanz gelangt bin - wie viel mehr gilt dies für die, die mit Hingabe und in Gelassenheit richtig verehren!"
"Nachdem Vītihotra, der Beste der Zweifachgeborenen, diese Worte des Königs gehört hatte, wurde er von unendlicher Freude erfüllt und der Verehrung Haris ergeben."
"Darum höre, o Fürst der Brahmanen: der unvergängliche Gott Nārāyaṇa gewährt seinen Verehrern die Erlösung, ob wissentlich oder unwissentlich verehrt."
"Die unwissende Welt wird vergeblich in großem Übermut Stolz hegen; selbst der Leib hat den Untergang nahe bei sich - was ist da erst von Reichtum und dergleichen zu sagen?"
"Leicht erlangbar ist das Bad in der Jāhnavī, ebenso die Ehrung des Gastes; leicht erlangbar sind auch alle Opfer - doch die Hingabe an Viṣṇu ist sehr schwer erlangbar."
"Schwer erlangbar ist der Dienst an der Tulasī, schwer erlangbar die Gemeinschaft mit den Guten; doch Mitleid mit allen Wesen ist auch für einen jeden beliebigen leicht erlangbar."
"Die Gemeinschaft mit den Guten, der Dienst an der Tulasī und die Hingabe an Hari sind schwer erlangbar."
Wort für Wort
satsaṃgas tulasīsebā
die Gemeinschaft der Guten, der Tulasī-Dienst
haribhaktiś ca durlabhā
und die Hari-Hingabe sind schwer erlangbar
[Anm.: Der Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (zwei Pādas statt der üblichen vier) und wiederholt inhaltlich V53 (satsaṅga/tulasīsevā als „durlabha"); vermutlich verkürzte/verderbte Überlieferung oder Dittographie.]
"Schwer erlangbar ist die erreichte Menschengeburt - der Weise soll sie nicht nutzlos verstreichen lassen; er verehre vielmehr den Herrn der Welt - dies ist das Wesentliche, o Bester der Zweifachgeborenen."
Wort für Wort
durlabhaṃ prāpyaṃ mānuṣyaṃ
die schwer erlangbare, erreichte Menschengeburt
na tathā gamayed budhaḥ
so soll der Weise sie nicht verstreichen lassen
arcayed dhi jagannāthaṃ
er verehre vielmehr den Herrn der Welt
sāram etad dvijottama
dies ist das Wesentliche, o Bester der Zweifachgeborenen
"Wenn ein Mensch wünscht, den unüberwindlichen Ozean des Daseins zu durchqueren, so werde er der Hingabe an Hari ergeben - eben dies ist das wahre Lebenselixier."
sarvādhāra sarvayoniṃ sarvāntaryāmiṇaṃ vibhum / ye prapannā mahātmānaste kṛtārthā na saṃśayaḥ
"Diejenigen großen Seelen, die sich dem alltragenden, aller Ursprung seienden, in allem innewohnenden, alldurchdringenden Herrn ergeben haben, sind ohne Zweifel am Ziel angelangt."
Wort für Wort
sarvādhāraṃ [?] sarvayoniṃ
den Alles-Tragenden, den Ursprung von allem
sarvāntaryāmiṇaṃ vibhum
den in allem innewohnenden, alldurchdringenden Herrn
ye prapannā mahātmānas
welche großen Seelen sich ergeben haben
te kṛtārthā na saṃśayaḥ
die sind am Ziel angelangt, kein Zweifel
[?: „sarvādhāra" ist metrisch/grammatisch unklar (wohl für Akkusativ „sarvādhāraṃ" zu „vibhum" gehörig).]
te vandyāste prapūjyāśca namaskāryā viśeṣataḥ / yer'cayanti mahāviṣṇuṃ praṇatārtipraṇāśanam
"Verehrungswürdig sind sie, hochzuverehren und besonders der Verneigung würdig, jene, die den großen Viṣṇu verehren, der die Not der sich Verneigenden vernichtet."
ye viṣṇubhaktā niṣkāmā yañjati parameśvaram / triḥsaptakulasaṃyuktā ste yānti harimandiram
"Die Viṣṇu-Verehrer, die wunschlos den höchsten Herrn verehren, gehen, verbunden mit dreimal sieben Geschlechtern ihrer Sippe, in Haris Wohnstatt ein."
purāṇanyāyamīmāṃsā dharmaśāstrāṇi ca dvija / sāṃgā vedāstathā sarve viṣṇorūpaṃ prakīrtitam
"Die Purāṇas, die Nyāya- und Mīmāṃsā-Lehren und die Dharmaśāstras, o Zweifachgeborener, sowie alle Veden mit ihren Hilfswissenschaften - all dies wird als Gestalt Viṣṇus gepriesen."