Kapitel 102: śrīvārāhapurāṇānukramaṇam
Zusammenfassung des Varāha-Purāṇa
Brahmā verkündet den zweiteiligen Aufbau des Varāha-Purāṇa, eröffnet vom Gespräch zwischen der Erde und Viṣṇu in Eberform (Varāha): u.a. Mahiṣāsura-Vernichtung, zahlreiche Tīrtha-Māhātmyas (Mathurā, Gokarṇa, Puṣkara) und das Gespräch zwischen Pulastya und dem Kuru-König.
Brahmā sprach: Höre, mein Sohn, ich will fürwahr das Varāha[-Purāṇa] verkünden, versehen mit zwei Teilen, das stets die Herrlichkeit Viṣṇus verkündet.
Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach
śṛṇu vatsa pravakṣyāmi
höre, mein Sohn, ich will verkünden
vārāhaṃ vai purāṇakam
fürwahr das Varāha-Purāṇa
bhāgadvayayutaṃ
versehen mit zwei Teilen
śaśvadviṣṇumāhātmyasūcakam
das stets die Herrlichkeit Viṣṇus verkündet
Anm.: Vor Versbeginn steht im Quelltext "iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne caturthapāde liṅgapurāṇānukramaṇīnirūpaṇaṃ nāma dvyuttaraśatatamo 'dhyāyaḥ" – der verschobene Abschluss-Kolophon des vorhergehenden Kapitels (Liṅga-Zusammenfassung), fälschlich mit der Nummer 102 versehen. Das tatsächliche Kapitel 102 behandelt das Varāha-Purāṇa. Nicht als Vers übersetzt (vgl. Anm. zu Kap. 95, V1). Da keine weitere Quelldatei (Kap. 103) vorliegt, fehlt der echte Abschluss-Kolophon für Kap. 102 in den vorliegenden Quellen.
vyāso hi viduṣāṃ śreṣṭhaḥ sākṣānnārāyaṇo bhuvi / tatrādau śubhasaṃvādaḥ smṛtobhūmivarāhayoḥ
Vyāsa, der Beste der Gelehrten, ist auf Erden Nārāyaṇa selbst; darin, am Anfang, wird das heilvolle Gespräch zwischen der Erde und dem Eber [Varāha] überliefert.
Die Erzählung des Mahātapas, danach die höchste Entstehung der Gaurī; die Erzählungen von Vināyaka, den Nāgas, dem Heerführer [Kārtikeya] und den Ādityas.
gaṇānāṃ ca tathā devyā dhanadasya vṛṣasya ca / ākhyānaṃ satyatapaso vratākhyānasamanvitam
Und ebenso [die Erzählungen] von den Gaṇas, von der Göttin, von Dhanada und vom Stier; die Erzählung des Satyatapas, verbunden mit der Erzählung von Gelübden.
agastyagītā tatpaścādrudragītā prakīrtitā / mahiṣāsuravidhvaṃsamāhātmyaṃ ca triśaktijam
Der Gesang des Agastya, danach wird der Gesang des Rudra verkündet; die Herrlichkeit der Vernichtung des Büffeldämons, entstanden aus der Dreifach-Kraft.
Sodann das Kapitel über die Feste, die kleine Erzählung von Śveta, [die Lehre über] Kuhspenden – so wird der von mir verfasste Bericht und Weiteres im ersten [Teil] dargelegt.
Wort für Wort
parvādhyāyastataḥ
sodann das Kapitel über die Feste
śvetopākhyānaṃ gopradānikam
die kleine Erzählung von Śveta, [die Lehre über] Kuhspenden
Danach, im Bhagavaddharma[-Kapitel], die kleine Erzählung von den Gelübde-Pilgerstätten; die Sühne für zweiunddreißig, den Körper betreffende Vergehen.
Wort für Wort
bhagavaddharmake paścāt
danach im Bhagavaddharma[-Kapitel]
vatatīrtha[=vratatīrtha]kathānakam
die kleine Erzählung von den Gelübde-Pilgerstätten
dvātriṃśadaparādhānāṃ prāyaścittaṃ
die Sühne für zweiunddreißig Vergehen
śarīragam [?]
den Körper betreffend [unklar]
Anm.: 'vatatīrthakathānakam' vermutlich für 'vratatīrthakathānakam' (Gelübde-Pilgerstätten) verschrieben; 'śarīragam' unklar, hier sinngemäß als 'den Körper betreffend' gedeutet [?].
Und auch die Herrlichkeit aller Pilgerstätten wird einzeln dargelegt, insbesondere die von Mathurā; danach die Vorschrift für die Ahnenopfer und Weiteres.
uttare pravibhāge tu pulastyakururājayoḥ / saṃvāde sarvatīrthānāṃ māhātmyaṃ vistarātpṛthak
Im nachfolgenden Abschnitt aber, im Gespräch zwischen Pulastya und dem Kuru-König, [wird] die Herrlichkeit aller Pilgerstätten ausführlich, einzeln [dargelegt].
aśeṣadharmāścākhyātāḥ pauṣkaraṃ puṇyaparva ca / ityevaṃ tava vārāhaṃ proktaṃ pāpavināśanam
Die vollständigen Dharma-Vorschriften werden verkündet, sowie das heilige Puṣkara-Fest(-kapitel). So wurde dir das sündenvernichtende Varāha[-Purāṇa] verkündet,
Wort für Wort
aśeṣadharmāścākhyātāḥ
die vollständigen Dharma-Vorschriften werden verkündet
das denen, die es lesen und hören, die Hingabe an den Erhabenen mehrt. Wer, nachdem er einen goldenen Garuḍa angefertigt hat, versehen mit einer Sesam-Kuh —
likhitvaitacca yo dadyāccaitryāṃ viprāya bhaktitaḥ / sa labhedvaiṣṇavaṃ dhāma devarṣigaṇavanditaḥ
— und nachdem er dies niedergeschrieben hat, es am [Vollmondtag im Monat] Caitra einem Brahmanen mit Hingabe schenkt, der erlangt die Welt Viṣṇus, verehrt von der Schar der Götter und Weisen.
Wort für Wort
likhitvaitacca yo dadyāt
und wer, nachdem er dies niedergeschrieben hat, schenkt
caitryāṃ viprāya bhaktitaḥ
am [Vollmond im Monat] Caitra einem Brahmanen mit Hingabe