Śrī Śaunaka sprach: Vortrefflich, o hochgesegneter Sūta, ist die große, welterlösende Tantra-Weisung, die von Kumāra gesprochen und von dir uns mitgeteilt wurde.
Wort für Wort
śrīśaunaka uvāca
Śrī Śaunaka sprach
sādhu sūta mahābhāgaḥ
vortrefflich, o hochgesegneter Sūta
jagaduddhārakārakam mahātantravidhānaṃ naḥ
die welterlösende große Tantra-Weisung uns
kumāroktaṃ tvayoditam
von Kumāra gesprochen, von dir mitgeteilt
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext, durch eine Trennlinie abgesetzt, der versprengte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels vorangestellt („iti śrībṛhannāradīyapurāṇe … rādhākṛṣṇa sahasranāmakathanaṃ nāma vdyaśītitamo 'dhyāyaḥ“ – Titel des 82. Kapitels der Quellzählung, OCR-fehlerhaft für „dvyaśītitamo“); er wurde im sa-Feld dokumentiert, jedoch nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen, da er nicht zu diesem Vers gehört.]
Dies, o Ehrenspender, ist unerreichbar in [anderen] Tantras und selbst in den Purāṇas – was hier uns von dir, dessen Wesen von höchstem Mitleid ist, verkündet wurde.
Sūta sprach: Nachdem er, o Brahmanen, die Tausend Namen des Paares [Rādhā-Kṛṣṇa] gehört hatte, sprach jener Nārada, nachdem er sich verneigt hatte, zu Sanatkumāra, dem Besten der Wissenden.
Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
śrutvā sa nārado viprāḥ
nachdem er, o Brahmanen, gehört hatte, jener Nārada
yugmanāmasahasrakam
die Tausend Namen des Paares
sanatkumāramapyāha praṇamya jñānināṃ varam
sprach, nachdem er sich verneigt hatte, zu Sanatkumāra, dem Besten der Wissenden
Nārada sprach: O Brahmane, von dir wurden die in den Tantras gelehrten Vorschriften verkündet; darin wurde auch die große Herrlichkeit der Kṛṣṇa-Mantras dargelegt.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
brahmaṃstvayā samākhyātā
o Brahmane, von dir wurden verkündet
vidhayastantracoditāḥ
die in den Tantras gelehrten Vorschriften
tatrāpi kṛṣṇamantrāṇāṃ vaibhavaṃ hyuditaṃ mahat
darin wurde auch die große Herrlichkeit der Kṛṣṇa-Mantras dargelegt
tantroktaṃ vada sarvajña tvāmahaṃ śaraṇaṃ gataḥ /
śaktestantrāṇyanekāni śivoktāni munīśvara
verkünde mir, o Allwissender, wie im Tantra gelehrt – ich bin zu dir als meiner Zuflucht gekommen. Viele Tantras der Śakti wurden von Śiva verkündet, o Herr der Munis,
Wort für Wort
tantroktaṃ vada sarvajña
verkünde, wie im Tantra gelehrt, o Allwissender
tvāmahaṃ śaraṇaṃ gataḥ
ich bin zu dir als Zuflucht gekommen
śaktestantrāṇyanekāni śivoktāni munīśvara
viele Tantras der Śakti wurden von Śiva verkündet, o Herr der Munis
sprach Sanatkumāra, nachdem er sich der Lotosfüße Rādhās erinnert hatte. Sanatkumāra sprach: Höre, Nārada, ich werde die Entstehung der Teilaspekte (aṃśas) Rādhās verkünden,
Wort für Wort
sanatkumāraḥ provāca
sprach Sanatkumāra
smṛtvā rādhāpadāṃbujam
nachdem er sich der Lotosfüße Rādhās erinnert hatte
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
śṛṇu nārada vakṣyāmi rādhāṃśānāṃ samudbhavam
höre, Nārada, ich werde die Entstehung der Teilaspekte Rādhās verkünden
śaktīnāṃ paramāścaryaṃ mantrasādhanapūrvakam /
yā tu rādhā mayā proktā kṛṣṇārddhāṅgasamudbhavā
der Śaktis höchst wunderbare [Geschichte], zusammen mit der Vollziehung ihrer Mantras. Jene Rādhā, von der ich gesprochen habe, die aus der linken Körperhälfte Kṛṣṇas entstanden ist,
und setzte sie in Vaikuṇṭha ein, zur immerwährenden Aufgabe des Erhaltens [der Welt]. Nun, o Muni, während der Herr von Goloka die Kühe [zur Weide] freiließ,
Wort für Wort
vaikuṇṭhe sthāpayāmāsa
setzte sie in Vaikuṇṭha ein
śaśvatpālanakarmaṇi
zur immerwährenden Aufgabe des Erhaltens
atha golokanāthasya
nun, des Herrn von Goloka
gomnāṃ vivarato mune
während er die Kühe freiließ, o Muni
[?] „gomnāṃ vivarato“ als Genitiv-Absolutiv „gavāṃ vivarataḥ“ (‚während er die Kühe [zur Weide] öffnete/freiließ') gedeutet.
Der Vortrefflichste der Wissenden, der Glanzvolle, ein Mann, die Silbe Oṃ aussprechend, mit einem Wasserkrug (kamaṇḍalu) versehen, entstand als Asket aus dem Nabel Haris.
Wort für Wort
jñānināṃ pravaraḥ śrīmān
der Vortrefflichste der Wissenden, der Glanzvolle
pumānoṅkāramuccaran
ein Mann, die Silbe Oṃ aussprechend
kamaṇḍaludharo jātastapasvī nābhito hareḥ
mit einem Wasserkrug versehen, entstand als Asket aus Haris Nabel
sa tu saṃstūya sarveśaṃ sāvitryā bhāryayā saha /
niṣasādāsane ramye vibhostasyājñayā mune
Er nun, nachdem er den Herrn von allem gepriesen hatte, setzte sich zusammen mit seiner Gattin Sāvitrī auf den lieblichen Sitz, auf Geheiß jenes Herrn, o Muni.
Wort für Wort
sa tu saṃstūya sarveśaṃ
er nun, nachdem er den Herrn von allem gepriesen hatte
sāvitryā bhāryayā saha
zusammen mit seiner Gattin Sāvitrī
niṣasādāsane ramye vibhostasyājñayā mune
setzte sich auf den lieblichen Sitz, auf Geheiß jenes Herrn, o Muni
[Er ist] unser Vater, o Bester der Munis, [der Schöpfer] der geistgeborenen, für die Dauer eines Weltzeitalters verkörperten [Schöpfung]. Danach sprach [Kṛṣṇa] zu dem Fünfantlitzigen, o Großgesinnter:
Wort für Wort
pitāsmākaṃ muniśreṣṭha
[er ist] unser Vater, o Bester der Munis
mānasīṃ kalpadaihikīm
[Schöpfer] der geistgeborenen, kalpa-lang verkörperten [Schöpfung]
tataḥ paścātpañcavaktraṃ kṛṣṇaṃ prāha mahāmate
danach sprach Kṛṣṇa zu dem Fünfantlitzigen, o Großgesinnter
[Anm.: Der Vers ist elliptisch/fragmentarisch überliefert – die Verspada-Grenze der Quellsegmentierung fällt hier mitten in einen Satz über Brahmās geistgeborene, kalpa-lange Schöpfung; ein Verb fehlt im Quelltext.]
durgāṃ gṛhāṇa viśveśa śivaloke tapaśvara /
yāvatsṛṣṭistadante tu lokānsaṃhara sarvataḥ
Empfange Durgā, o Herr des Alls, [weile] im Śivaloka, o Herr der Askese; solange die Schöpfung [währt], vernichte am Ende [derselben] die Welten von allen Seiten.
Wort für Wort
durgāṃ gṛhāṇa viśveśa
empfange Durgā, o Herr des Alls
śivaloke tapaśvara
im Śivaloka, o Herr der Askese
yāvatsṛṣṭistadante tu
solange die Schöpfung [währt], an deren Ende
lokānsaṃhara sarvataḥ
vernichte die Welten von allen Seiten
[?] „tapaśvara“ wohl für „tapeśvara“ (‚Herr der Askese') verlesen.
verkünde ich – höre, o Bester der Brahmanen –, das den Welten Vollendung verleiht. Der Praṇava (tāra), verbunden mit dem Handlungslaut (kriyā), [dann] die Standfestigkeit (pratiṣṭhā), und danach, reich an Liebe (prīti),
Wort für Wort
vadāmi śṛṇu vipredraṃ
verkünde ich, höre, o Bester der Brahmanen
lokānāṃ siddhidāyakam
das den Welten Vollendung verleiht
tāraḥ kriyāyuk pratiśṭhā
der Praṇava, mit dem Handlungslaut verbunden, [dann] die Standfestigkeit
prītyāḍhyā ca tataḥ param
und danach, reich an Liebe
[Anm.: Die Verse 33–35 verschlüsseln die Silben des Rādhā-Mantras in traditioneller Tantra-Codesprache (tāra = Oṃ, kriyā, pratiṣṭhā, prīti als Bezeichnungen einzelner Bīja-Silben); eine sichere Entschlüsselung der einzelnen Silben ist ohne begleitenden Kommentar nicht möglich, daher wörtliche Wiedergabe der Codewörter.]
'jñānāmṛtā', verbunden mit 'kṣudhā', am Ende mit der Gattin des Feuers (Svāhā) versehen – so [lautet] das Mantra. Sutapas ist der Ṛṣi, Gāyatrī das Metrum, [Rādhikā] die Gottheit des Mantras.
Wort für Wort
jñānāmṛtā kṣudhāyuktā
'jñānāmṛtā', verbunden mit 'kṣudhā'
vahnijāyāntakato manuḥ
am Ende mit der Feuergattin versehen – so das Mantra
'Rādhikā' [das Grundwort], der Praṇava der Keim (bīja), Svāhā wird als die Kraft (śakti) bezeichnet. Mit den sechs Silben, geschmückt mit dem Bindu, soll man die sechs Glieder [des Nyāsa] vollziehen.
Wort für Wort
rādhikā praṇavo bījaṃ
'Rādhikā', der Praṇava der Keim
svāhā śaktirudāhṛtā
Svāhā wird als die Kraft bezeichnet
ṣaḍakṣaraiḥ ṣaḍaṅgāni kuryādvinduvibhūṣitaiḥ
mit den sechs, mit dem Bindu geschmückten Silben vollziehe man die sechs Glieder
śaratpārvaṇacandrāsyāṃ nīlendīvaralocanām /
suśroṇīṃ sunitaṃbāṃ ca pakvabiṃbādharāṃbarām
deren Antlitz dem herbstlichen Vollmond gleicht, mit Augen wie blaue Lotusblüten, mit schönen Hüften und schönem Becken, mit Lippen [rot] wie die reife Bimba-Frucht und passendem Gewand.
Wort für Wort
śaratpārvaṇacandrāsyāṃ
deren Antlitz dem herbstlichen Vollmond gleicht
nīlendīvaralocanām
mit Augen wie blaue Lotusblüten
suśroṇīṃ sunitaṃbāṃ ca
mit schönen Hüften und schönem Becken
pakvabiṃbādharāṃbarām
mit Lippen wie die reife Bimba-Frucht, und passendem Gewand
mit Zähnen, weiß wie Perlen und Kunda-Blüten, gekleidet in ein feuergereinigtes [reines] Gewand, geschmückt mit Juwelen-Armreifen, Armbändern, Halsketten und Ohrringen,
Wort für Wort
muktākundābhadaśanāṃ
mit Zähnen, weiß wie Perlen und Kunda-Blüten
vahniśuddhāṃśukānvitām
gekleidet in ein feuergereinigtes Gewand
ratnakeyūravalayahārakuṇḍalaśobhitām
geschmückt mit Juwelen-Armreifen, Armbändern, Halsketten und Ohrringen
Nachdem man so meditiert und eine Blütenhandvoll dargebracht hat, verehre man [sie] mit den [üblichen] Ehrenbezeigungen; man rezitiere das Mantra sechshunderttausendmal und opfere davon ein Zehntel mit Sesam.
Wort für Wort
dhyātvā puṣpāñjaliṃ kṣiptvā
nachdem man meditiert und eine Blütenhandvoll dargebracht hat
ājyāktairmātṛkāpīṭhe pūjā cāvaraṇaiḥ saha /
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni tadbāhye 'ṣṭadale yajet
und opfere ein Zehntel davon mit ghee-getränktem [Sesam]. Auf dem Mātṛkā-Sitz [erfolgt] die Verehrung, zusammen mit den Umhüllungen (āvaraṇa): in den sechs Winkeln die sechs Glieder, außerhalb davon, auf dem Achtblatt[-Lotos], verehre man:
suṃdarīṃ ca kramātprācyāṃ digvidikṣu tato bahiḥ /
indrādyānsāyudhāniṣṭvā viniyogāṃstu sādhayet
und Sundarī – der Reihe nach, beginnend im Osten, in den Haupt- und Zwischenhimmelsrichtungen. Danach, außerhalb, [verehre man] Indra und die übrigen mit ihren Waffen und vollziehe die [entsprechenden] Anwendungen.
Wort für Wort
suṃdarīṃ ca kramātprācyāṃ digvidikṣu tato bahiḥ
und Sundarī, der Reihe nach, beginnend im Osten, in den Haupt- und Zwischenrichtungen, danach außerhalb
indrādyānsāyudhāniṣṭvā
nachdem man Indra und die übrigen mit ihren Waffen verehrt hat
rādhā kṛṣṇapriyā rāseśvarī gopīgaṇādhipā /
nirguṇā kṛṣṇapūjyā ca mūlaprakṛtirīśvarī
[Anrufung:] Rādhā, die Kṛṣṇa-Geliebte, die Herrin des Rāsa-Reigens, die Gebieterin der Gopī-Schar, die Eigenschaftslose, von Kṛṣṇa Verehrte, die Wurzel-Urnatur, die Herrin —
Wort für Wort
rādhā kṛṣṇapriyā rāseśvarī
Rādhā, die Kṛṣṇa-Geliebte, die Herrin des Rāsa-Reigens
die Herrin über alles, von allen Verehrte, die Mutter des Vairāja [des kosmischen Wesens] – so mögen sie in den Himmelsrichtungen, beginnend im Osten, mich beschützen, mögen sie mich allseits und immer behüten.
Wort für Wort
sarveśvarī sarvapūjyā
die Herrin über alles, von allen Verehrte
vairājajananī tathā
ebenso die Mutter des Vairāja
pūrvādyāśāsu rakṣantu
in den Richtungen, beginnend im Osten, mögen sie beschützen
die Kṛṣṇa-Hingabe Verleihende, o Rādhā, Verehrung sei dir, du Heilspenderin! – So bittend, die Herrin von allem preisend, entlasse man [sie] im Herzen.
Wort für Wort
kaṣṇabhaktiprade rādhe
die Kṛṣṇa-Hingabe Verleihende, o Rādhā
namaste maṅgalaprade
Verehrung sei dir, du Heilspenderin
iti samprārthya sarveśīṃ stutvā hṛdi visarjayet
so bittend, die Herrin von allem preisend, entlasse man im Herzen
'Lakṣmī', 'Māyā', 'Kāma', 'Vāṇī' vorangestellt, 'Kamalavāsinī' [dann], mit 'ṅe' endend, mit der Geliebten des Feuers (Svāhā) am Ende – dies ist der höchste, [alle Wünsche erfüllende] Wunschbaum-Mantra.
Wort für Wort
lakṣmīmāyākāmavāṇīpūrvā
'Lakṣmī', 'Māyā', 'Kāma', 'Vāṇī' vorangestellt
kamalavāsinī
'Kamalavāsinī'
ṅeṃtā vahnipriyānto 'yaṃ
mit 'ṅe' endend, mit der Feuergeliebten am Ende – dies
mantrakalpadrumaḥ paraḥ
der höchste Wunschbaum-Mantra
[Anm.: Verschlüsselte Bīja-Angabe in Tantra-Codesprache (Lakṣmī, Māyā, Kāma, Vāṇī als Bezeichnungen einzelner Silben); wörtlich wiedergegeben. „ṅeṃtā“ im Quelltext unklar, evtl. verlesen für „ṅyantā“ (‚mit der Dativendung -e endend').
[Man meditiere über sie] von der Farbe der weißen Campaka-Blüte, geschmückt mit Juwelenschmuck, mit leicht lächelndem, heiterem Antlitz, eifrig bedacht, den Hingebungsvollen Gnade zu erweisen,
Wort für Wort
śvetacaṃpakavarṇābhāṃ
von der Farbe der weißen Campaka-Blüte
ratnabhūṣaṇabhūṣitām
geschmückt mit Juwelenschmuck
īṣaddhāsyaprasannāsyāṃ
mit leicht lächelndem, heiterem Antlitz
bhaktānugrahakātarām
eifrig bedacht, den Hingebungsvollen Gnade zu erweisen
bibhratīṃ ratnamālāṃ ca koṭicandrasamaprabhām /
dhyātvā japedarkalakṣaṃ pāyasena daśāṃśataḥ
eine Juwelenkette tragend, strahlend wie zehn Millionen Monde. Nachdem man so meditiert hat, rezitiere man zwölfhunderttausendmal und opfere davon ein Zehntel mit Milchreis.
Wort für Wort
bibhratīṃ ratnamālāṃ ca
eine Juwelenkette tragend
koṭicandrasamaprabhām
strahlend wie zehn Millionen Monde
dhyātvā japedarkalakṣaṃ
nachdem man meditiert hat, rezitiere man zwölfhunderttausendmal
juhuyādedhite vahnau śrīdṛkāṣṭaiḥ samarcayet /
navaśaktiyute pīṭhe hyaṅgai rāvaraṇaiḥ saha
Man opfere im entfachten Feuer, verehre mit den acht [Blickgaben(?)] der Śrī, auf dem mit neun Śaktis versehenen Sitz, zusammen mit den Gliedern und den Umhüllungen.
Wort für Wort
juhuyādedhite vahnau
man opfere im entfachten Feuer
śrīdṛkāṣṭaiḥ samarcayet
verehre mit den acht [Aspekten] der Śrī
navaśaktiyute pīṭhe
auf dem mit neun Śaktis versehenen Sitz
hyaṅgai rāvaraṇaiḥ saha
zusammen mit den Gliedern und den Umhüllungen
[?] „śrīdṛkāṣṭaiḥ“ unklar; als ‚mit acht [Opfergaben/Aspekten] der Śrī' wiedergegeben.
vibhūtirunnatiḥ kāntiḥ sṛṣṭiḥ kīrtiśca sannatiḥ /
vyāṣṭirutkṛṣṭirṛddhiśca saṃproktā nava śaktayaḥ
Vibhūti (Macht), Unnati (Erhöhung), Kānti (Glanz), Sṛṣṭi (Schöpfung), Kīrti (Ruhm) und Sannati (Neigung), Vyāṣṭi (Einzelentfaltung), Utkṛṣṭi (Vortrefflichkeit) und Ṛddhi (Gedeihen) – dies werden die neun Śaktis genannt.
atrāvāhya ca mūlena mūrtiṃ saṃkalpya sādhakaḥ /
ṣaṭ koṇeṣu ṣaḍaṅgāni dakṣiṇe tu gajānanam
Hierher rufe der Sādhaka mit dem Wurzelmantra [die Göttin] herbei, sich ihre Gestalt vorstellend: in den sechs Ecken die sechs Glieder, zur Rechten den Elefantengesichtigen [Gaṇeśa],
devīmuṣāṃ ca pūrvādau digvidikṣu krameṇa hi /
jahnusūryasute pūjye pādaprakṣālanodyate
und die Göttin Uṣā – der Reihe nach beginnend im Osten, in den Haupt- und Zwischenrichtungen. Die Tochter Jahnus [Gaṅgā] und die Tochter der Sonne [Yamunā] seien verehrt, bereitstehend zur Fußwaschung,
Wort für Wort
devīmuṣāṃ ca
und die Göttin Uṣā
pūrvādau digvidikṣu krameṇa hi
der Reihe nach, beginnend im Osten, in den Haupt- und Zwischenrichtungen
jahnusūryasute pūjye
die Tochter Jahnus und die Tochter der Sonne seien verehrt
pādaprakṣālanodyate
bereitstehend zur Fußwaschung
[?] „devīmuṣāṃ ca“ als „devīm uṣāṃ ca“ (‚und die Göttin Uṣā') gedeutet, als achtes der acht Blütenblätter-Namen aus V.57f.
Śaṅkha und Padma, die beiden Schätze, seien zu beiden Seiten verehrt, mit Chamara-Wedeln versehen; Varuṇa, der einen Sonnenschirm hält, werde danach im Westen verehrt,
Wort für Wort
śaṅkhapadmanidhī pūjyau pārśvayor
Śaṅkha und Padma, die beiden Schätze, seien zu beiden Seiten verehrt
ghṛtacāmarau
mit Chamara-Wedeln versehen
dhṛtātapatraṃ varuṇaṃ pūjayetpaścime tataḥ
Varuṇa, den Sonnenschirmträger, verehre man danach im Westen
Nachdem man ringsum die Tierkreiszeichen und, jedes an seinem Ort, die neun Planeten verehrt hat, verehre man danach in den Haupt- und Nebenrichtungen Airāvata und die übrigen Vierstoßzahn-Elefanten.
Wort für Wort
saṃpūjya rāśīnparito
nachdem man ringsum die Tierkreiszeichen verehrt hat
yathāsthānaṃ navagrahān
jedes an seinem Ort, die neun Planeten
caturdantairāvatādīn digvidikṣu tator'cayet
verehre man danach in den Haupt- und Nebenrichtungen Airāvata und die übrigen Vierstoßzahn-Elefanten
Nachdem er mit Ghee bestrichenen Sesam geopfert hat, erlangt man langes Leben. Beginnend am Sonntag, opfere der Mantra-Kundige zehn Tage lang, mit Ghee übergossen,
Wort für Wort
hutvā tilānghṛtābhyaktāndīrghamāyuṣyamāpnuyāt
nachdem er mit Ghee bestrichenen Sesam geopfert hat, erlangt man langes Leben
ārabhyārkadinaṃ mantrī daśāhaṃ ghṛtasaṃplutaḥ
beginnend am Sonntag, opfere der Mantra-Kundige zehn Tage, mit Ghee übergossen
hunedaṣṭottaraśataṃ pāyasāśī tu nityaśaḥ /
maṇḍalājjāyate so 'pi kubera iva mānavaḥ
opfere man einhundertundacht[mal]; wer sich stets von Milchreis ernährt, dem wird nach [Ablauf] des [vierzigtägigen] Maṇḍala gleich Kubera unter den Menschen.
Wort für Wort
hunedaṣṭottaraśataṃ
opfere man einhundertundacht[mal]
pāyasāśī tu nityaśaḥ
wer sich stets von Milchreis ernährt
maṇḍalājjāyate so 'pi kubera iva mānavaḥ
dem wird nach dem Maṇḍala gleich Kubera unter den Menschen
Am Ende des Körpers erlangt er Viṣṇus Wohnstatt – daran ist kein Zweifel. Jene Durgā aber, o Bester der Zweifachgeborenen, die tugendhaft zum Śivaloka gegangen war,
Wort für Wort
dehānte vaiṣṇavaṃ dhāma labhate nātra saṃśayaḥ
am Ende des Körpers erlangt er Viṣṇus Wohnstatt – daran ist kein Zweifel
yā tu durgā dvijaśreṣṭha śivalokaṃ gatā satī
jene Durgā aber, o Bester der Zweifachgeborenen, die tugendhaft zum Śivaloka gegangen war
tatra sthitā jaganmātā taponiyamamāsthitā /
vividhān svāvatārānhi trikāle kurute 'niśam
Dort weilend, der Askese und den Regeln ergeben, bringt die Weltenmutter unaufhörlich, zu den drei Tageszeiten, ihre mannigfaltigen eigenen Inkarnationen hervor.
Wort für Wort
tatra sthitā jaganmātā
dort weilend, die Weltenmutter
taponiyamamāsthitā
der Askese und den Regeln ergeben
vividhān svāvatārānhi trikāle kurute 'niśam
bringt unaufhörlich, zu den drei Tageszeiten, ihre mannigfaltigen eigenen Inkarnationen hervor
'Māyā' vorangestellt, mit 'Hlādinī' verbunden, reich an 'Candra', wiederum schöpferisch, 'Pratiṣṭhā' mit 'Smṛti' verbunden, wiederum mit 'Kṣudhā' versehen,
Wort für Wort
māyādhikā hlādinīyuk
'Māyā' vorangestellt, mit 'Hlādinī' verbunden
candrāḍhyā sargiṇī punaḥ
reich an 'Candra', wiederum schöpferisch
pratiṣṭhā smṛtisaṃyuktā
'Pratiṣṭhā' mit 'Smṛti' verbunden
kṣudhayā sahitā punaḥ
wiederum mit 'Kṣudhā' versehen
[Anm.: Verse 73–74 verschlüsseln in Codesprache die Silben des Durgā-Mantras; wörtlich wiedergegeben.]
'jñānāmṛtā', am Ende mit der Feuergattin (Svāhā) versehen, mit dem Praṇava beginnend – so gilt das Mantra. Vāmadeva ist sein Ṛṣi, Gāyatrī sein Versmaß, wie verkündet.
die Gottheit ist Durgā, der Anfang der Welten, die Vernichterin schlimmen Geschicks. Mit dem Praṇava beginnend, mit je einer Silbe, gelten [die Anrufungen von] Herz und den beiden folgenden Gliedern als die ersten drei [des Nyāsa].
Wort für Wort
devatā jagatāmādirdurgā durgatināśinī
die Gottheit ist Durgā, der Anfang der Welten, die Vernichterin schlimmen Geschicks
tārādyekaikavarṇena
mit dem Praṇava beginnend, mit je einer Silbe
hṛdayāditrayaṃ matam
gelten Herz und die beiden folgenden als die ersten drei
mit drei Silben die Rüstung, mit zwei das Auge, mit allen Silben das Astra – so wird [der Nyāsa] verkündet. [Man meditiere über die Göttin] wie ein großer Smaragd strahlend, mit tausend Armen geschmückt,
Wort für Wort
tribhirvarmekṣaṇa dvābhyāṃ
mit drei Silben die Rüstung, mit zwei das Auge
sarvairastramudīritam
mit allen Silben das Astra – so verkündet
mahāmarakataprakhyāṃ sahasrabhujamaṇḍitām
wie ein großer Smaragd strahlend, mit tausend Armen geschmückt
mancherlei Waffen tragend, dreiäugig, mit dem Mond als Scheitelschmuck, reich an Armreifen, Oberarmspangen und Halsketten, mit klingenden Fußringen versehen,
Wort für Wort
nānāśastrāṇi dadhatīṃ trinetrāṃ śaśiśekharām
mancherlei Waffen tragend, dreiäugig, mit dem Mond als Scheitelschmuck
Man rezitiere das Mantra achthunderttausendmal, opfere mit Sesam, mit Honig vermischt, oder [opfere] eintausendmal mit Milch [und Ghee]; man verehre sie auf dem aus neun Lotusblättern bestehenden [Yantra].
Wort für Wort
vasulakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere das Mantra achthunderttausendmal
tilaiḥ samadhurairhuneta
opfere mit Sesam, mit Honig vermischt
payoṃ'dhasā vā sahasraṃ
oder eintausendmal mit Milch [und Ghee]
navapadmātmake yajet
man verehre auf dem aus neun Lotusblättern bestehenden [Yantra]
[?] „payoṃ'dhasā“ unklar; sinngemäß als ‚mit Milch [und Ghee]' wiedergegeben.
Mit Wasser, [besprochen] mit den drei kurzen [Vokalen], ohne das Neutrum-Element, verehre man die [Sitz-Göttinnen]. Der Praṇava [gilt] für den, dessen Waffen Diamant-Krallen und -Zähne sind, [der Prahlāda] aus großer Gefahr [errettete] —
Wort für Wort
adbhirhrasvatrayaklībarahitaiḥ pūjaye dimāḥ
mit Wasser, mit den drei kurzen [Vokalen], ohne das Neutrum-Element, verehre man die [Sitz-Göttinnen]
praṇavo vajranakhadaṃṣṭrāyudhāya
der Praṇava für den, dessen Waffen Diamant-Krallen und -Zähne sind
mahāpadāt
aus großer Gefahr
[?] Vers leitet unvermittelt zu einem Narasiṃha-Schutzmantra über; „mahāpadāt“ als Ablativ ‚aus großer Gefahr/Not' gedeutet.
'für den Löwen(-Mann)' [gilt] Rüstung und Waffe [im Nyāsa], und mit 'hṛt' beginnend wird, o Muni, das Löwen-Mantra (Narasiṃha-Mantra) verkündet. Mit diesem gebe man den Sitz, gestalte die Gestalt mit dem Wurzelmantra.
Wort für Wort
siṃhāya varmāstraṃ hṛñca
für den Löwen[-Mann] Rüstung und Waffe, und mit 'hṛt'
proktaḥ siṃhamanurmune
wird, o Muni, das Löwen-Mantra verkündet
dadyādāsanametena mūrtiṃ mūlena kalpayet
mit diesem gebe man den Sitz, gestalte die Gestalt mit dem Wurzelmantra
Nachdem man zunächst die Umhüllung der Glieder verehrt hat, verehre man die Śaktis auf den Blütenblättern: Jayā, Vijayā, Kīrti, Prīti, und danach wiederum Prabhā,
Wort für Wort
aṅgāvṛrttiṃ purābhyārcya
nachdem man zunächst die Umhüllung der Glieder verehrt hat
śaktīḥ patreṣu pūjayet
verehre man die Śaktis auf den Blütenblättern
jayā ca vijayā kīrtiḥ prītiḥ paścātprabhā punaḥ
Jayā, Vijayā, Kīrti, Prīti, und danach wiederum Prabhā
Śraddhā, Medhā, Śruti – mit dem Anfangsbuchstaben ihres jeweils eigenen Namens [meditiere man]; an den Blattspitzen verehre man der Reihe nach die acht Waffen:
Wort für Wort
śraddhā medhā śrutiścaiva
Śraddhā, Medhā, Śruti
svanāmādyakṣarādikāḥ
mit dem Anfangsbuchstaben ihres eigenen Namens
patrāgreṣvarcayedaṣṭāvāyudhāni yathākramāt
an den Blattspitzen verehre man der Reihe nach die acht Waffen
Muschelhorn, Diskus, Keule, Schwert, Schlinge, Elefantenstachel, Pfeil und Bogen. Danach, außerhalb, die Weltenherren, und unmittelbar danach deren Waffen.
Wort für Wort
śaṅkhacakragadākhaḍgapāśāṅkuśaśarāndhanuḥ
Muschelhorn, Diskus, Keule, Schwert, Schlinge, Elefantenstachel, Pfeil und Bogen
So vollziehe der kundige Mantrin mit Japa und den übrigen Riten, wenn das Mantra vollendet ist, mit diesem Anwendungen (prayoga), so wie es sein eigenes Verlangen jeweils bestimmt.
Wort für Wort
itthaṃ japādibhirmantrī mantre siddhe vidhānavit
so vollziehe der kundige Mantrin mit Japa und den übrigen Riten, wenn das Mantra vollendet ist
kuryātprayogānamunā yathā svasvamanīṣitān
mit diesem Anwendungen, so wie es sein eigenes Verlangen bestimmt
verehre man im mittleren [Gefäß] die Göttin, in den übrigen Jayā und die anderen [Śaktis]; nach der Verehrung mit Duftstoffen, Blumen und anderem, besprenge man den Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
madhyasthe pūjayeddevīmitareṣu jayādikāḥ
im mittleren [Gefäß] verehre man die Göttin, in den übrigen Jayā und die anderen
saṃpūjya gandhapuṣpādyairabhiṣiñcennarādhipam
nach der Verehrung mit Duftstoffen, Blumen und anderem besprenge man den Herrscher der Menschen
Eine unfruchtbare [Frau], vorschriftsmäßig besprengt, erlangt einen trefflichen Sohn. Ghee, mit diesem Mantra beladen, vertreibt die niederen Planetengeister.
Wort für Wort
vandhyābhiṣiktā vidhinālabhate tanayaṃ varam
eine unfruchtbare, vorschriftsmäßig besprengte [Frau] erlangt einen trefflichen Sohn
mantreṇānena saṃjaptamājyaṃ kṣudragrahāpaham
mit diesem Mantra beladenes Ghee vertreibt die niederen Planetengeister
garbhiṇīnāṃ viśeṣeṇa japtaṃ bhasmādikaṃ tathā /
jṛṃbhaśvāse tu kṛṣṇasya praviṣṭerādhikāmukham
Besonders für Schwangere [gilt dies], ebenso mit Japa versehene Asche und Ähnliches. [Was] den Gähn-Atem Kṛṣṇas [betrifft, als jenes Wesen] in Rādhikās Mund eingetreten war [– davon wird nun berichtet]:
Wort für Wort
garbhiṇīnāṃ viśeṣeṇa japtaṃ bhasmādikaṃ tathā
besonders für Schwangere [gilt] ebenso mit Japa versehene Asche und Ähnliches
jṛṃbhaśvāse tu kṛṣṇasya
[was] den Gähn-Atem Kṛṣṇas [betrifft]
praviṣṭerādhikāmukham
[als jenes Wesen] in Rādhikās Mund eingetreten war
[?] Der zweite Halbvers ist elliptisch/unklar überliefert; er scheint auf eine (hier nicht ausgeführte) Episode von Kṛṣṇas Gähn-Atem und Rādhikās Mund anzuspielen und leitet zum folgenden Abschnitt über Sarasvatī über.
Nachdem der Weise mit dem Vāgbhava-[Bīja] die sechs Glieder vollzogen hat, setze er die Buchstaben [im Körper]: den Praṇava setze er an der Scheitelöffnung, die Lajjā setze er zwischen den Augenbrauen,
Wort für Wort
vāgbhavena ṣaḍaṅgāni kṛtvā varṇānnyased budhaḥ
nachdem der Weise mit dem Vāgbhava-Bīja die sechs Glieder vollzogen hat, setze er die Buchstaben
weiß wie Kampfer und Kunda-Blüten, mit einem Antlitz strahlend wie der Vollmond, auf einem Schwan reitend, geschmückt mit einem Mond auf der Stirn und göttlichem Schmuck,
Wort für Wort
karpūrakundadhavalāṃ
weiß wie Kampfer und Kunda-Blüten
pūrṇacandrojjvalānanām
mit einem Antlitz strahlend wie der Vollmond
haṃsādhirūḍhāṃ
auf einem Schwan reitend
bhālendudivyālaṅkāraśobhitām
geschmückt mit einem Mond auf der Stirn und göttlichem Schmuck
mātṛkokte yajetpīṭhe vakṣyamāṇakrameṇa tām /
varṇābjenāsanaṃ dadyānmūrtiṃ mūlena kalpayet
Auf dem im [Kapitel über die] Mātṛkā genannten Sitz verehre man sie in der noch zu beschreibenden Reihenfolge; mit dem Buchstaben-Lotos gebe man den Sitz, gestalte die Gestalt mit dem Wurzelmantra.
Wort für Wort
mātṛkokte yajetpīṭhe vakṣyamāṇakrameṇa tām
auf dem im Mātṛkā-[Kapitel] genannten Sitz verehre man sie in der noch zu beschreibenden Reihenfolge
varṇābjenāsanaṃ dadyānmūrtiṃ mūlena kalpayet
mit dem Buchstaben-Lotos gebe man den Sitz, gestalte die Gestalt mit dem Wurzelmantra
Zur Rechten der Göttin sei die Saṃskṛta-Rede-Gestalt, die Heilvolle, verehrt; zur Linken sei die Prākṛta [Rede-Gestalt] verehrt, die redeförmige, alle Vollendung gewährende.
Wort für Wort
devyā dakṣiṇataḥ pūjyā saṃskṛtā vāṅmayī śubhā
zur Rechten der Göttin sei die Saṃskṛta-Rede-Gestalt, die Heilvolle, verehrt
prākṛtā vāmataḥ pūjyā vāṅmayīsarvasiddhidā
zur Linken sei die Prākṛta [Rede-Gestalt] verehrt, die alle Vollendung gewährende
Zuerst verehre man die Glieder in den sechs Ecken, [dann] verehre man außerhalb Prajñā und die übrigen: Prajñā, Medhā, Śruti, Śakti, Smṛti, Vāgīśvarī, Mati,
Wort für Wort
pūrvamaṅgāni ṣaṭkoṇe
zuerst die Glieder in den sechs Ecken
prajñādyāḥ prayajedbahiḥ
verehre man außerhalb Prajñā und die übrigen
prajñā medhā śrutiḥ śaktiḥ smṛtirvāgīśvarī matiḥ
Prajñā, Medhā, Śruti, Śakti, Smṛti, Vāgīśvarī, Mati
svastiśceti samākhyātā brahmādyāstadanantaram /
lokeśānarcayedbhūyastadastrāṇi ca tadbahiḥ
und Svasti – so genannt; unmittelbar danach [verehre man] Brahmā und die übrigen; danach verehre man wiederum die Weltenherren und außerhalb davon deren Waffen.
Wort für Wort
svastiśceti samākhyātā
und Svasti – so genannt
brahmādyāstadanantaram
unmittelbar danach Brahmā und die übrigen
lokeśānarcayedbhūyastadastrāṇi ca tadbahiḥ
danach verehre man wiederum die Weltenherren und außerhalb davon deren Waffen
man erlangt nach [Ablauf des] Maṇḍala Vollendung, unvergleichliche [Kraft] der Rede auf Erden. Man opfere mit Palāśa- und Bilva-Blüten, mit Süßem besprengt,
Wort für Wort
labhate maṇḍalātsiddhiṃ vācāmapratimāṃ bhuvi
man erlangt nach dem Maṇḍala Vollendung, unvergleichliche Kraft der Rede auf Erden
pālāśabilvakusumairjuhuyānmadhurokṣitaiḥ
man opfere mit Palāśa- und Bilva-Blüten, mit Süßem besprengt
oder mit daraus gewonnenen Opferhölzern – man erlangt den Ruhm des Sprachherrn [Bṛhaspati]. Mit vom Rājavṛkṣa-Baum stammenden Blüten, mit Süßem übergossen,
Wort für Wort
samidbhirvā tadutthābhiryaśaḥ prāpnoti vākpateḥ
oder mit daraus gewonnenen Opferhölzern erlangt man den Ruhm des Sprachherrn
rājavṛkṣasamudbhūtaiḥ prasūnairmadhurāplutaiḥ
mit vom Rājavṛkṣa-Baum stammenden Blüten, mit Süßem übergossen
und mit guten Opferhölzern opfere man – man erlangt unvergleichliche Dichtkunst. Nun werde ich, o Bester der Brahmanen, [die Verehrung] der Sāvitrī, der Geliebten Brahmās, verkünden,
Wort für Wort
satsamidbhiśca juhuyātkavitvamatulaṃ labhet
und mit guten Opferhölzern opfere man – man erlangt unvergleichliche Dichtkunst
mit Svāhā endend – so wird das Mantra der Sāvitrī genannt, aus acht Silben bestehend; Brahmā ist sein Ṛṣi, Gāyatrī das genannte Versmaß, und [Sāvitrī] die Gottheit.
Wort für Wort
svāhānto manurākhyātaḥ sāvitryā vasuvarṇavān
mit Svāhā endend wird das aus acht Silben bestehende Mantra der Sāvitrī genannt
ṛṣirbrahmāsya gāyatrī chandaḥ proktaṃ ca devatā
Brahmā ist sein Ṛṣi, Gāyatrī das genannte Versmaß, und [Sāvitrī] die Gottheit
sarvātmanā ca ṅeyuktairaṅgānāṃ kalpanaṃ matam /
taptakāñcanavarṇābhāṃ jvalantīṃ brahmatejasā
und, mit 'ṅe' versehen, mit ihrem ganzen Wesen [vollzogen] – so gilt die Bildung der Glieder. [Man meditiere über sie] von der Farbe geglühten Goldes, strahlend vom Glanz Brahmās,
Wort für Wort
sarvātmanā ca ṅeyuktairaṅgānāṃ kalpanaṃ matam
mit ihrem ganzen Wesen und mit 'ṅe' versehen gilt die Bildung der Glieder
taptakāñcanavarṇābhāṃ jvalantīṃ brahmatejasā
von der Farbe geglühten Goldes, strahlend vom Glanz Brahmās
gekleidet in ein feuergereinigtes Gewand, eifrig bedacht, den Hingebungsvollen Gnade zu erweisen, Glück spendend, Erlösung gewährend, alle Fülle schenkend, heilvoll,
Wort für Wort
bahniśuddhāṃśukādhānāṃ bhaktānugrahakātarām
gekleidet in ein feuergereinigtes Gewand, eifrig bedacht, den Hingebungsvollen Gnade zu erweisen
sukhadāṃ muktidāṃ caiva sarvasaṃpatpradāṃ śivām
Glück spendend, Erlösung gewährend, alle Fülle schenkend, heilvoll
vedabījasvarūpāṃ ca dhyāyedvedaprasūṃ satīm /
dhyātvaivaṃ maṇḍale vidvān trikoṇojjvalakarṇike
deren Wesen der Keim der Veden ist, die tugendhafte Mutter der Veden – so meditiere man. Nachdem der Kundige so meditiert hat, auf dem Maṇḍala, dessen Blütenkelch von einem Dreieck erstrahlt,
Wort für Wort
vedabījasvarūpāṃ ca dhyāyedvedaprasūṃ satīm
deren Wesen der Keim der Veden ist, die tugendhafte Mutter der Veden – so meditiere man
dhyātvaivaṃ maṇḍale vidvān trikoṇojjvalakarṇike
nachdem der Kundige so meditiert hat, auf dem Maṇḍala, dessen Blütenkelch von einem Dreieck erstrahlt
verehre man auf dem 'Saura'-Sitz die Göttin mit den neun Śaktis, beginnend mit Dīptā; in der mit dem Wurzelmantra gestalteten Gestalt verehre man die Göttin,
Wort für Wort
saure pīṭhe yajeddevīṃ dīptādinavaśaktibhiḥ
verehre man auf dem Saura-Sitz die Göttin mit den neun Śaktis, beginnend mit Dīptā
mūlamantreṇa kḷptāyāṃ mūrtauṃ devīṃ prapūjayet
in der mit dem Wurzelmantra gestalteten Gestalt verehre man die Göttin
in den drei Ecken seien Brāhmī und die übrigen [Mütter] verehrt, außerhalb; dann seien Āditya und die übrigen, zusammen mit Uṣas und den weiteren, der Reihe nach verehrt.
Wort für Wort
koṇeṣu triṣu saṃpūjyā brāhṛyādyāḥ śaktayo bahiḥ
in den drei Ecken seien Brāhmī und die übrigen Śaktis außerhalb verehrt
ādityādyāstataḥ pūjyā uṣādisahitāḥ kramāt
dann seien Āditya und die übrigen, mit Uṣas und den weiteren, der Reihe nach verehrt
Danach, nachdem man vorschriftsmäßig die sechs Glieder in den Staubgefäßen verehrt hat, [verehre man] Prahlādinī, Prabhā, danach Nityā, wiederum Viśvambharā,
Wort für Wort
tatataḥ ṣaḍaṅgānyabhyarcya kesareṣu yathāvidhi
danach, nachdem man vorschriftsmäßig die sechs Glieder in den Staubgefäßen verehrt hat
die 'Viśālā' genannte Herrin, die Durchdringende, die Reine verehre man, die Finsternis-Vertreiberin, die Feine, den Ursprung des Alls, die Sieg-Bringende,
Wort für Wort
viśālasaṃjñitāmīśāṃ vyāpinīṃ vimalāṃ yajet
die 'Viśālā' genannte Herrin, die Durchdringende, die Reine verehre man
tamopahāriṇīṃ sūkṣmāṃ viśvayoniṃ jayāvahām
die Finsternis-Vertreiberin, die Feine, den Ursprung des Alls, die Sieg-Bringende
die im Lotos Wohnende, die Höchste, die Pracht, die Brahman-Gestaltige verehre man danach; Brāhmī und die übrigen [Mütter], die Zuflucht Gewährenden, verehre man außerhalb, in der genannten Weise.
Wort für Wort
padnālayāṃ parāṃ śobhāṃ brahmarūpāṃ tator'cayet
die im Lotos Wohnende, die Höchste, die Pracht, die Brahman-Gestaltige verehre man danach
brāhmyādyāḥ śāraṇā bāhye pūjayetproktalakṣaṇāḥ
Brāhmī und die übrigen, die Zuflucht Gewährenden, verehre man außerhalb, in genannter Weise
tato 'bhyarcyed grahānbāhye śakrādyānayudhaiḥ saha /
itthamāvaraṇairdevīḥ daśabhiḥ paripūjayet
Danach verehre man außerhalb die Planeten, [und] Indra und die übrigen samt ihren Waffen. So verehre man die Göttin mit den zehn Umhüllungen vollständig.
Wort für Wort
tato 'bhyarcyed grahānbāhye śakrādyānayudhaiḥ saha
danach verehre man außerhalb die Planeten, Indra und die übrigen samt ihren Waffen
itthamāvaraṇairdevīḥ daśabhiḥ paripūjayet
so verehre man die Göttin mit den zehn Umhüllungen vollständig
Mit roten Lotusblüten, mit den drei süßen [Substanzen] getränkt, opfere man danach zehntausendmal; ihm wird binnen sechs Monaten Mahālakṣmī [zuteil] – daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
aruṇābjaistrimadhvaktairjuhuyādayutaṃ tataḥ
mit roten, mit den drei süßen [Substanzen] getränkten Lotusblüten opfere man danach zehntausendmal
mahālakṣmīrbhavettasya ṣaṇmāsānnātra saṃśayaḥ
ihm wird binnen sechs Monaten Mahālakṣmī [zuteil] – daran ist kein Zweifel
Mit den Blüten des Brahma-Baumes aber opfere man zur äußeren Erleuchtung. Wozu hier viele Worte – wenn [die Göttin] vorschriftsmäßig verehrt, tugendhaft [gnädig wird],
Wort für Wort
brahmavṛkṣaprasūnaistu juhuyādbāhyatejase
mit den Blüten des Brahma-Baumes aber opfere man zur äußeren Erleuchtung
bahunā kimihoktena yathāvatsādhitā satī
wozu hier viele Worte – wenn [die Göttin] vorschriftsmäßig verehrt, tugendhaft [wird]
den 'Sāvitrī-Käfig' genannt, der allen Menschen vollen Schutz gewährt. [Ich meditiere über sie:] deren Haar sich zum Himmel erstreckt, mit schönem Diadem strahlend,
Wort für Wort
sāvitrīpañjaraṃ nāma sarvarakṣākaraṃ nṝṇām
den 'Sāvitrī-Käfig' genannt, der allen Menschen vollen Schutz gewährt
vyomakeśārlakāsaktāṃ sukirīṭavirājitām
deren Haar sich zum Himmel erstreckt, mit schönem Diadem strahlend
deren Augenbrauen wolkengleich gekrümmt sind, mit Brahmā, Viṣṇu und Śiva als Antlitz, deren Ohren Jupiter und Venus sind, mit Mond, Sonne und Feuer als Augen,
mit Iḍā und Piṅgalā als den feinen Nasenlöchern des Lebenswindes versehen, deren Lippen aus den beiden Dämmerungen gebildet sind, mit leuchtender Zunge und Zäpfchen [als] Rede,
Wort für Wort
iḍāpiṅgalikāsūkṣmāvāyunāsāpuṭānvitām
mit Iḍā und Piṅgalā als den feinen Nasenlöchern des Lebenswindes versehen
saṃdhyādvijoṣṭhapuṭitāṃ
deren Lippen aus den beiden Dämmerungen [und Zähnen] gebildet sind
deren Hals aus der Dämmerungssonne und den Juwelen [besteht], mit den Windgöttern als Armen versehen, deren Herz mit Parjanya verbunden ist, deren Glieder den acht Vasus entsprechen,
Wort für Wort
saṃdhyāsūryamaṇigrīvāṃ
deren Hals aus der Dämmerungssonne und den Juwelen besteht
deren beide Schenkel durch Malaya und Meru erglänzen, [deren Beine] die vortrefflichen Flüsse sind, mit schönen Knien, [nach] Jahu und Kuśika [benannt], mit dem Namen 'Vaiśvadeva' bezeichnet,
Wort für Wort
ūrvormalayamerubhyāṃ śobhamānāṃ
deren beide Schenkel durch Malaya und Meru erglänzen
saridvarām
die vortrefflichen Flüsse
sujānujahukuśikāṃ
mit schönen, Jahu-Kuśika [benannten] Knien
vaiśvadevākhyasaṃjñikām
mit dem Namen 'Vaiśvadeva' bezeichnet
[?] „sujānujahukuśikāṃ“ unklare Kompositumsbildung; sinngemäß als ‚mit schönen, nach Jahu und Kuśika benannten Knien' gedeutet.
deren Füße, Fußsohlen, Nägel und Körperhaare als 'Erde', 'Schlangenwesen' und 'Bäume' bezeichnet werden, deren Körperglieder mit den Namen der Planeten, Tierkreiszeichen, Sternbilder und dergleichen benannt sind,
Wort für Wort
pādāṅghrinakhalomākhyabhūnāgadrumalakṣitām
deren Füße, Fußsohlen, Nägel und Körperhaare als Erde, Schlangenwesen und Bäume gekennzeichnet sind
graharāśyarkṣayogādimūrtāvayavasaṃjñikām
deren Körperglieder mit den Namen der Planeten, Tierkreiszeichen, Sternbilder und dergleichen benannt sind
deren Wesen die Zeiteinteilungen sind, benannt nach Tithi, Monat, Jahreszeit und Monatshälfte, bedeckt mit dem von Māyā ersonnenen, bunten, 'Dämmerung' genannten Gewand,
Wort für Wort
tithimāsartupakṣākhyaiḥ saṃketanimiṣātmikām
deren Wesen die nach Tithi, Monat, Jahreszeit und Monatshälfte benannten Zeiteinteilungen sind
māyākalpitavaicitryasaṃdhyākhyacchadanāvṛtām
bedeckt mit dem von Māyā ersonnenen, bunten, 'Dämmerung' genannten Gewand
gleißend wie das lodernde Weltuntergangsfeuer, strahlend wie zehn Millionen Blitze, vergleichbar zehn Millionen Sonnen, kühl wie zehn Millionen Monde,
Wort für Wort
jvalatkālānalaprakhyoṃ
gleißend wie das lodernde Weltuntergangsfeuer
taḍitkīṭisamaprabhām
strahlend wie zehn Millionen Blitze
koṭisūryapratīkāśāṃ
vergleichbar zehn Millionen Sonnen
śaśikoṭisuśītalām
kühl wie zehn Millionen Monde
[?] „taḍitkīṭisamaprabhām“ – „kīṭi“ vermutlich verlesen für „koṭi“ (zehn Millionen), entsprechend dem Parallelismus mit „koṭisūrya“ und „śaśikoṭi“ im selben Vers.
sudhāmaṇḍalamadhyasthāṃ sāṃdrānandāmṛtātmikām /
vāgatītāṃ mano 'garmyā varadāṃ vedamātaram
inmitten der Ambrosia-Scheibe weilend, deren Wesen dichte Wonne und Unsterblichkeit ist, die die Rede übersteigt, dem Denken unerreichbar, die Gunst Gewährende, die Mutter der Veden,
deren Wesen alles Bewegliche und Unbewegliche ist, die Ewige, mit der unvergänglichen Brahman-Silbe versehen. Nachdem man so, ohne Unterschied vom eigenen Selbst, meditiert hat, vollziehe man den 'Sāvitrī-Käfig' [als Schutz-Nyāsa].
Wort für Wort
carācaramayīṃ nityāṃ
deren Wesen alles Bewegliche und Unbewegliche ist, die Ewige
brahmākṣarasamanvitām
mit der unvergänglichen Brahman-Silbe versehen
dhyātvā svātmāvibhedena sāvitrīpañjaraṃ nyaset
nachdem man ohne Unterschied vom eigenen Selbst meditiert hat, vollziehe man den Sāvitrī-Käfig
Zur Erlangung von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa wird die Anwendung genannt. Mit den Mantras der sechs Glied-Gottheiten vollziehe man den Glieder-Nyāsa.
Wort für Wort
dharmārthakāmamokṣāptyai viniyoga udāhṛtaḥ
zur Erlangung von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa wird die Anwendung genannt
ṣaḍaṅgadevatāmantrairaṅganyāsaṃ samācaret
mit den Mantras der sechs Glied-Gottheiten vollziehe man den Glieder-Nyāsa
tridhāmūlena medhāvī vyāpakaṃ hi samācaret /
pūrvoktāṃ devātāṃ dhyāyetsākārāṃ guṇasaṃyutām
Mit dem dreifachen Wurzelmantra vollziehe der Kundige den durchdringenden [Vyāpaka-Nyāsa]; man meditiere über die zuvor genannte Gottheit, gestaltvoll, mit allen Eigenschaften versehen.
Wort für Wort
tridhāmūlena medhāvī vyāpakaṃ hi samācaret
mit dem dreifachen Wurzelmantra vollziehe der Kundige den durchdringenden [Nyāsa]
pūrvoktāṃ devātāṃ dhyāyetsākārāṃ guṇasaṃyutām
man meditiere über die zuvor genannte Gottheit, gestaltvoll, mit Eigenschaften versehen
tripadā harijā pūrvamukhī brahmāstrasaṃjñikā /
caturviśatitattvāḍhyā pātu prācīṃ diśaṃ mama
Die Dreifüßige, aus Hari entstanden, nach Osten gewandt, 'Brahmāstra' genannt, reich an vierundzwanzig Prinzipien – sie beschütze meine östliche Richtung.
Wort für Wort
tripadā harijā pūrvamukhī brahmāstrasaṃjñikā
die Dreifüßige, aus Hari entstanden, nach Osten gewandt, 'Brahmāstra' genannt
caturviśatitattvāḍhyā pātu prācīṃ diśaṃ mama
reich an vierundzwanzig Prinzipien, beschütze sie meine östliche Richtung
pratyaṅmukhī pañcapadī pañcāśattattvarūpiṇī /
pātu pratīcīmaniśaṃ mama brahmaśirāeṅkitā
Die nach Westen Gewandte, die Fünffüßige, deren Wesen fünfzig Prinzipien sind, gekennzeichnet durch das Brahma-Haupt – sie beschütze unablässig meinen Westen.
Wort für Wort
pratyaṅmukhī pañcapadī pañcāśattattvarūpiṇī
die nach Westen Gewandte, die Fünffüßige, deren Wesen fünfzig Prinzipien sind
pātu pratīcīmaniśaṃ mama brahmaśirāeṅkitā
sie beschütze unablässig meinen Westen, gekennzeichnet durch das Brahma-Haupt
Die mit mildem Antlitz, reich an der vierten Brahma-Stufe, deren Wesen der Atharvāṅgiras[-Veda] ist – die Sechsfüßige beschütze meinen Norden, deren Wesen sechzig Prinzipien und Teile sind.
Wort für Wort
saumyāsyā brahmaturyāḍhyā sātharvāṅgirasātmikā
die mit mildem Antlitz, reich an der vierten Brahma-Stufe, deren Wesen der Atharvāṅgiras[-Veda] ist
udīcīṃ ṣaṭpadā pātu ṣaṣṭitattvakalātmikā
die Sechsfüßige beschütze meinen Norden, deren Wesen sechzig Prinzipien und Teile sind
vidyunnibhā brahmasandhyā mṛgārūḍhā caturbhujā /
cāpeṣucarmāsidharā pātu me pāvakīṃ diśam
Blitzgleich, die Brahma-Dämmerung, auf einer Antilope reitend, vierarmig, Bogen, Pfeil, Schild und Schwert tragend – sie beschütze meine feurige [südöstliche] Richtung.
Wort für Wort
vidyunnibhā brahmasandhyā mṛgārūḍhā caturbhujā
blitzgleich, die Brahma-Dämmerung, auf einer Antilope reitend, vierarmig
cāpeṣucarmāsidharā pātu me pāvakīṃ diśam
Bogen, Pfeil, Schild und Schwert tragend, beschütze meine feurige Richtung
Die Brahmische, die Jungfrau, Gāyatrī, mit rötlichem Leib, auf einem Schwan fahrend, Wasserkrug, Rosenkranz, Opferlöffel und -kelle tragend – sie beschütze meinen Südwesten.
Wort für Wort
brahmī kumārī gāyatrī raktāṅgī haṃsavāhinī
die Brahmische, die Jungfrau, Gāyatrī, mit rötlichem Leib, auf einem Schwan fahrend
śuklavarṇā ca sāvitrī yuvatī vṛṣavāhanā /
kapālaśūlakākṣasragdhāriṇī pātu vāyavīm
Die weißfarbene Sāvitrī, jugendlich, auf einem Stier fahrend, Schädelschale, Dreizack, Rosenkranz und Blumengirlande tragend – sie beschütze meinen Nordwesten.
Wort für Wort
śuklavarṇā ca sāvitrī yuvatī vṛṣavāhanā
die weißfarbene Sāvitrī, jugendlich, auf einem Stier fahrend
kapālaśūlakākṣasragdhāriṇī pātu vāyavīm
Schädelschale, Dreizack, Rosenkranz und Blumengirlande tragend, beschütze meinen Nordwesten
Die dunkle Sarasvatī, betagt, viṣṇuisch, auf Garuḍa sitzend, Muschelhorn, Diskus und Schutzgeste in Händen – sie beschütze meine nordöstliche Richtung.
Wort für Wort
śyāmā sarasvatī vṛddhā vaiṣṇavī garuḍāsanā
die dunkle Sarasvatī, betagt, viṣṇuisch, auf Garuḍa sitzend
śaṅkhacakrābhayakarā pātu śaivīṃ diśaṃ mama
Muschelhorn, Diskus und Schutzgeste in Händen, beschütze meine nordöstliche Richtung
Die vierarmige Götter-Mutter, hellhäutig, auf einem Löwen fahrend, mit Gunst-, Schutzgeste, Schwert und Schild in Händen – sie beschütze die untere Richtung.
Wort für Wort
caturbhujā devamātā gaurāṅgī siṃhavāhanā
die vierarmige Götter-Mutter, hellhäutig, auf einem Löwen fahrend
varābhayakhaḍgacarmabhujā pātvadharāṃ diśam
mit Gunst-, Schutzgeste, Schwert und Schild in Händen, beschütze die untere Richtung
An ihren jeweiligen Seiten stehend, mit je eigenem Fahrtier, eigener Waffe und eigenem Schmuck, an ihren jeweiligen Richtungen weilend, mögen sie, verbunden mit den Planeten-, Śakti- und Glied-[Gottheiten], mich beschützen.
Wort für Wort
tattatpārśve sthitāḥ svasvavāhanāyudhabhūṣaṇāḥ
an ihren jeweiligen Seiten stehend, mit je eigenem Fahrtier, eigener Waffe und eigenem Schmuck
svasvadikṣusthitāḥ pātuṃ grahaśaktyaṅgasaṃyutāḥ
an ihren jeweiligen Richtungen weilend, mögen sie, mit den Planeten-, Śakti- und Glied-[Gottheiten] verbunden, beschützen
Von der Gestalt der Herrschergottheiten der Mantras, als die über die Mudrās herrschenden Gottheiten – als die Alldurchdringenden mögen sie uns beschützen, von der Fußsohle bis zum Scheitel.
Wort für Wort
mantrādhidevatārūpā mudrādhiṣṭhātṛdevatāḥ
von der Gestalt der Herrschergottheiten der Mantras, als die über die Mudrās herrschenden Gottheiten
vyāpakatvena pāntvasmānāpādatalamastakam
als die Alldurchdringenden mögen sie uns beschützen, von der Fußsohle bis zum Scheitel
Dies wurde dir von mir wahrhaftig verkündet, der 'Sāvitrī-Käfig'; er sei täglich zu den beiden Dämmerungen mit Hingabe rezitiert, besonders zur Zeit des Japa,
Wort für Wort
idaṃ te kathitaṃ satyaṃ sāvitrīpañjaraṃ mayā
dies wurde dir von mir wahrhaftig verkündet, der Sāvitrī-Käfig
saṃdhyayoḥ pratyahaṃ bhaktyā japakāle viśeṣataḥ
täglich zu den beiden Dämmerungen mit Hingabe, besonders zur Zeit des Japa
der wird langlebig, glücklich, mit Söhnen [gesegnet], siegreich und wohlerzogen. Dies wurde dir, o Brahmane, verkündet, das Wesen der fünf Urnaturen (Pañcaprakṛti),
Wort für Wort
sa cirāyuḥ sukhī putrī vijayī vinayī bhavet
der wird langlebig, glücklich, mit Söhnen [gesegnet], siegreich und wohlerzogen
etatte kathitaṃ vipra pañcaprakṛtilakṣaṇam
dies wurde dir, o Brahmane, verkündet, das Wesen der fünf Urnaturen