Kapitel 85: yakṣiṇīmantrasādhananirūpaṇam
Darlegung der Yakṣiṇī-Mantra-Praxis
Kolophon (gemäß Vorgabe/Projektnummerierung): iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde yakṣiṇīmantrasādhananirūpaṇaṃ nāma ṣaḍaśītitamo 'dhyāyaḥ. [Anm.: Dieser Kolophon (Sanskrit-Zählung: 86. Adhyāya) steht im Quellmaterial am Kopf der Datei des Folgekapitels (src_kap86_raw.txt) und markiert dort das Ende des hier übersetzten Kapitelinhalts; der Kapitelinhalt selbst (V1–V115: Tripurā/Bālā-Vidyā, Annapūrṇā-Vidyā, Bagalāmukhī-Vidyā — die drei Avatāras der Lakṣmī, vgl. V1 und den Rückverweis 'avatāratrayaṃ lakṣmyāḥ' am Kopf von src_kap86_raw.txt) behandelt entgegen dem überlieferten Kolophontitel keine Yakṣiṇī-Beschwörung im engeren Sinn. Die Diskrepanz zwischen Kolophontitel und Kapitelinhalt entspricht der bereits in Kap. 84 beobachteten Anomalie und wird hier als philologische Beobachtung festgehalten, nicht redaktionell aufgelöst. Sprecher des gesamten Kapitels ist weiterhin Sanatkumāra.
Diese Avatāras der Sarasvatī sind nun dargelegt, die den Menschen Vollkommenheit verleihen. Nun will ich dir die Avatāras der Lakṣmī verkünden, die alle Ziele erfüllen.
Wort für Wort
sarasvatī-avatārāḥ te
diese Avatāras der Sarasvatī
kathitāḥ siddhidā nṛṇām
sind dargelegt, die den Menschen Vollkommenheit verleihen
atha lakṣmī-avatārān te
nun (will ich) dir die Avatāras der Lakṣmī
vakṣye sarva-artha-siddhidān
verkünden, die alle Ziele erfüllen
[Anm.: Übergangsvers, der auf die zuvor (Kap. 84) behandelten Sarasvatī-Avatāras (Kālī, Tārā) zurückverweist und zu den nun folgenden Lakṣmī-Avatāras (Tripurā/Bālā, Annapūrṇā, Bagalāmukhī) überleitet; Sprecher weiterhin Sanatkumāra.]
devatā tripurā bālā madhyānte śaktibījake / nābherāpādamādyaṃ tu nābhyantaṃ hṛdayātparam
Die Gottheit ist Tripurā-Bālā, in der Mitte und am Ende das Śakti-Bīja; das erste Bīja platziere man vom Nabel bis zu den Füßen, das zweite vom Herzen bis zum Nabel,
und das dritte vom Haupt bis zum Herzen — der Reihe nach platziere man sie am Körper; das erste an der linken Hand, an der rechten Hand beide zusammen,
Wort für Wort
mūrdhnaḥ hṛdaya-antaṃ tṛtīyaṃ
das dritte vom Haupt bis zum Herzen
kramāt deheṣu vinyaset
der Reihe nach platziere man sie am Körper
ādyaṃ vāma-kare
das erste an der linken Hand
dakṣa-kare tat-ubhayoḥ param
an der rechten Hand beide zusammen, danach
[?] ‚hradantaṃ' vermutlich für ‚hṛdayāntaṃ' (bis zum Herzen); leichte OCR-Unsicherheit.
punarbījatrayaṃ nyasya mūrdhni guhye ca vakṣasi / nava yonpābhidhaṃ nyāse navakṛtvo manuṃ nyaset
Nachdem man das Bīja-Dreifach wiederum am Haupt, am Schoß und an der Brust platziert hat, platziere man beim ‚Neun-Yoni' genannten Nyāsa den Mantra neunmal.
Wort für Wort
punaḥ bīja-trayaṃ nyasya
nachdem man das Bīja-Dreifach wiederum platziert hat
karṇayościbuke nyasyecchaṅkhayormukhapaṅkaje / netrayornāsikāyāṃ ca skandhayorudare tathā
Man platziere ihn ferner an den beiden Ohren, am Kinn, an den beiden Schläfen, am Lotus-Antlitz, an den beiden Augen, an der Nase, an den beiden Schultern, ebenso am Bauch,
nyasetkūrparayornābhau jānunorliṅgamastake / pādayorapi guhye ca pārśvayorhṛdaye punaḥ
man platziere ihn an den beiden Ellbogen, am Nabel, an den beiden Knien, am Geschlechtsteil, am Haupt, auch an den beiden Füßen, am Schoß, an den beiden Seiten, wiederum am Herzen,
an den beiden Brüsten und am Kehlbereich — an der linken Körperseite usw. platziere man ihn; mit dem mit Vāgbhava beginnenden Bīja Rati am Schoß, mit dem mit Prītimatī beginnenden Bīja am Herzen.
Wort für Wort
stanayoḥ kaṇṭha-deśe ca
an den beiden Brüsten und am Kehlbereich
vāma-aṅga-ādiṣu vinyaset
an der linken Körperseite usw. platziere man
vāgbhava-ādyāṃ ratiṃ guhye
mit dem mit Vāgbhava beginnenden Bīja Rati am Schoß
kāmabījādikānpaśyedbhūmadhye tu manobhavām / punarvāgakātmamādyāstisraeva ca vinyaset
Man betrachte das mit dem Kāma-Bīja beginnende Bīja zwischen den Brauen, nämlich Manobhavā; wiederum platziere man die drei, beginnend mit Vāk, Kā und Ātma-Bīja.
Wort für Wort
kāma-bīja-ādikān paśyet
man betrachte das mit dem Kāma-Bīja beginnende
bhū-madhye tu manobhavām
zwischen den Brauen aber Manobhavā
punaḥ vāga-kā-ātma-ādyāḥ
wiederum die mit Vāk, Kā, Ātma beginnenden
tisraḥ eva ca vinyaset
platziere man, nämlich die drei
[?] ‚vāgakātmamādyāḥ' schwer segmentierbar; sinngemäß als Dreiergruppe von Bīja-Silben gedeutet (Vāk, Kā, Ātma-Bīja o. ä.), nicht restlos sicher.
kāmeśī pañcabījāḍhyāṃ smarātpañcanyasetkramāt / māyākāmau ca vāglakṣmī kāmeśī pañcabījakam
Kāmeśī, reich an fünf Bīja-Silben — man platziere die fünf der Reihe nach, vom Kāma-Bīja an: Māyā, Kāma, sowie Vāk, Lakṣmī, Kāmeśī — dies ist das Fünf-Bīja.
Wort für Wort
kāmeśī pañca-bīja-āḍhyāṃ
Kāmeśī, reich an fünf Bīja-Silben
smarāt pañca nyaset kramāt
man platziere die fünf der Reihe nach, vom Kāma-Bīja an
Manobhava, sowie Makaradhvaja, Kandarpa, Manmatha, Kāmadeva und Smara — diese Namen, deren Nyāsa Vollkommenheit verleiht, sind verkündet.
Wort für Wort
manobhavaḥ ca makaradhvaja-kandarpa-manmathāḥ
Manobhava, sowie Makaradhvaja, Kandarpa, Manmatha
kāmadevaḥ smaraḥ
Kāmadeva, Smara
pañca kīrtitāḥ
diese fünf(?) sind verkündet
nyāsa-siddhidāḥ
deren Nyāsa Vollkommenheit verleiht
[Anm.: Der Vers zählt sechs Namen auf (Manobhava, Makaradhvaja, Kandarpa, Manmatha, Kāmadeva, Smara), obwohl das Zahlwort ‚pañca' (fünf) verwendet wird — vermutlich gelten zwei der Namen als synonyme Doppelbezeichnung einer einzigen Bīja-Stelle, oder es liegt ein Überlieferungsfehler vor.]
Am Haupt, an den Füßen, am Antlitz, am Schoß, am Herzen platziere man die Pfeil-Gottheiten, beginnend mit Drāviṇī, der Reihe nach, mit dem Vāṇeśī-Bīja vorangestellt.
Wort für Wort
śiraḥ-pada-mukha-guhyeṣu
am Haupt, an den Füßen, am Antlitz, am Schoß
hṛdaye bāṇa-devatāḥ
am Herzen die Pfeil-Gottheiten
drāviṇī-ādyāḥ kramāt nyasyet
beginnend mit Drāviṇī, der Reihe nach platziere man
saṃmohanī ca bāṇānāṃ devatāḥ pañca kīrtitāḥ / tārtīyavāgmadhyagena kāmena syātṣaḍaṅgakam
und Saṃmohanī — dies sind die fünf Pfeil-Gottheiten, wie verkündet. Mit dem in der Mitte des dritten Vāk-Bīja befindlichen Kāma-Bīja erfolgt der Ṣaḍaṅga(-Nyāsa).
Wort für Wort
saṃmohanī ca bāṇānāṃ
und Saṃmohanī — der Pfeile
devatāḥ pañca kīrtitāḥ
fünf Gottheiten sind verkündet
tṛtīya-vāk-madhya-gena kāmena
mit dem in der Mitte des dritten Vāk-Bīja befindlichen Kāma-Bīja
ṣaḍdīrghasvarayuktena tato devīṃ vicintayet / dhyāyedraktasarojasthāṃ raktavastrāṃ trilocanam
mit dem an den sechs langen Vokalen versehenen Bīja; sodann stelle man sich die Göttin vor: man meditiere auf sie, wie sie auf einem roten Lotus thront, in rotem Gewand, dreiäugig,
Wort für Wort
ṣaḍ-dīrgha-svara-yuktena
mit dem an den sechs langen Vokalen versehenen Bīja
tataḥ devīṃ vicintayet
sodann stelle man sich die Göttin vor
dhyāyet rakta-saroja-sthāṃ
man meditiere, wie sie auf einem roten Lotus thront
gleich der aufgehenden Sonne strahlend, Rosenkranz sowie die Gesten der Furchtlosigkeit und der Gunsterweisung tragend — so die Vidyā; man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon mit Kiṃśuka-Blüten dar.
Wort für Wort
udyat-arka-nibhāṃ vidyāṃ
gleich der aufgehenden Sonne strahlend — die Vidyā
mālā-abhaya-vara-udvahām
Rosenkranz, Furchtlosigkeits- und Gunstgeste tragend
lakṣa-trayaṃ japet mantraṃ
man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal
daśa-aṃśaṃ kiṃśuka-udbhavaiḥ
und bringe ein Zehntel davon mit Kiṃśuka-Blüten dar
oder auch mit Blüten des Hayāri-Baumes, versehen mit Süßem, opfere man. Nun wird das aus neun Yonis bestehende Yantra, außen von acht Blütenblättern umgeben, beschrieben:
kesareṣu svarānnyasyedvargānaṣṭaudaleṣvapi / dalāgreṣu triśūlāni padma tu mātṛkāvṛtam
im Blütenstaubkranz platziere man die Vokale, auch die acht Lautgruppen auf den Blütenblättern; an den Blattspitzen Dreizacke; der Lotus aber ist von der Mātṛkā umgeben.
Ratī, Ratipriyā, Nandā, auch Manonmanī — so werden sie genannt. Nachdem man diese Pīṭha-Śaktis verehrt hat, weise man mit jenem Mantra den Sitz (Pīṭha) zu.
vyomapūrve tu tārtīyaṃ sadāśivamahāpadam / pretapadmāsanaṃ ṅeṃtaṃ namontaḥ pīṭhamantrakaḥ
Vorangestellt vom Himmelsraum(-Laut) aber als drittes das große Wort ‚Sadāśiva'; ‚Preta-Padmāsana' (Leichnams-Lotossitz), mit dem Ṅe-Laut, mit Namaḥ endend — dies ist der Pīṭha-Mantra.
Wort für Wort
vyoma-pūrve tu tṛtīyaṃ
vorangestellt vom Himmelsraum(-Laut) aber als drittes
sadāśiva-mahā-padam
das große Wort ‚Sadāśiva'
preta-padma-āsanaṃ ṅe-antaṃ
‚Preta-Padmāsana', mit dem Ṅe-Laut
namaḥ-antaḥ pīṭha-mantrakaḥ
mit Namaḥ endend — der Pīṭha-Mantra
[?] ‚vyomapūrve' schwer eindeutig einzuordnen (evtl. Bezug auf Silbenreihenfolge, nicht Himmelsrichtung); Gesamtkonstruktion des Pīṭha-Mantras bleibt unsicher.
Dieser Pīṭha-Mantra besteht aus sechzehn Silben; sodann rufe man, nachdem die Kultgestalt mit dem Wurzelmantra gebildet ist, die Göttin herbei und rezitiere, sie mit mannigfaltigen Opfergaben verehrend.
Wort für Wort
ṣoḍaśa-arṇaḥ tataḥ
sechzehn Silben, sodann
mūrtau kḷptāyāṃ mūlamantrataḥ
nachdem die Kultgestalt mit dem Wurzelmantra gebildet ist
Nachdem man die Göttin in der mittleren Yoni des Dreiecks verehrt hat, verehre man die mit Rati beginnende Gruppe: Rati im linken Winkel, im rechten Winkel Prīti, an der Spitze Manobhavā.
Wort für Wort
devīm iṣṭvā madhya-yonau
nachdem man die Göttin in der mittleren Yoni verehrt hat
innerhalb der Yoni, vom Feuer-Winkel an, verehre man die Glied(-gottheiten), auch in den Zwischenrichtungen des Feuers; außerhalb der mittleren Yoni, im Osten usw. und an der Spitze, auch die Liebesgötter.
Wort für Wort
yoni-antaḥ vahni-koṇāt
innerhalb der Yoni, vom Feuer-Winkel an
aṅgāni agneḥ vidikṣu api
die Glied(-gottheiten), auch in den Zwischenrichtungen des Feuers
madhya-yoneḥ bahiḥ pūrva-ādiṣu
außerhalb der mittleren Yoni, im Osten usw.
ca agre smarān api
und an der Spitze auch die Liebesgötter
[?] Geometrische Anweisung (Innen-/Außenbereich der Yoni-Dreiecke) nicht in allen Details sicher nachvollziehbar; ‚madhyayomerhahiḥ' vermutlich für ‚madhya-yoneḥ bahiḥ' (außerhalb der mittleren Yoni).
Im Blütenstaubkranz des Lotus verehre man Brāhmī und die anderen Mütter, auf den Blütenblättern die Bhairavas: die mit dem langen Vokal beginnenden Mütter sind zu verehren, und die mit dem kurzen Vokal beginnenden acht Bhairavas.
Wort für Wort
padma-keśara-gā brāhmī mukhāḥ
im Blütenstaubkranz des Lotus Brāhmī und die anderen
patreṣu bhairavāḥ
auf den Blütenblättern die Bhairavas
dīrgha-ādyā mātaraḥ pūjyā
die mit dem langen Vokal beginnenden Mütter sind zu verehren
hrasva-ādyāḥ ca aṣṭa-bhairavāḥ
und die mit dem kurzen Vokal beginnenden acht Bhairavas
An den Blattspitzen verehre man die acht Pīṭhas: als erstes das ‚Kāmarūpa' genannte, Malaya, das ‚Kollagiri' genannte, das ‚Cauhāra' genannte, Kulāntaka,
vaitālamagni jihvaṃ ca kamalāntakālinau / ekapādaṃ bhīmarūpaṃ vimalaṃ hāṭakeśvaram
Vaitāla, Agnijihva, Kamalāntaka und Kālina, Ekapāda, Bhīmarūpa, Vimala und Hāṭakeśvara —
Wort für Wort
vaitālam agni-jihvaṃ ca
Vaitāla und Agnijihva
kamalāntaka-kālinau
Kamalāntaka und Kālina
eka-pādaṃ bhīma-rūpaṃ
Ekapāda, Bhīmarūpa
vimalaṃ hāṭakeśvaram
Vimala und Hāṭakeśvara
[?] Liste von Beiwächter-Bhairavas (V30–V31, zusammen mit Hetuka und Tripurāntaka: zehn Namen für die zehn Himmelsrichtungen); Zählung und genaue Zuordnung einzelner Namen nicht restlos gesichert.
Indra und die anderen Weltenhüter verehre man samt ihren Waffen in ihren jeweiligen Richtungen; außerhalb davon, in den Richtungen, Baṭuka, die Yoginī, den Kṣetra-Herrn,
Gaṇeśa verehre man in den Zwischenrichtungen, die Vasus, ebenso die Śivas, von der Sonne her, und die Bhūtas. Wer Bālā so verehrt, wird zum Herrn über Reichtum und Wissen.
Wort für Wort
gaṇeśaṃ vidiśāsu arcet
Gaṇeśa verehre man in den Zwischenrichtungen
vasūn sūryāt śivān tathā
die Vasus, ebenso die Śivas, von der Sonne her
bhūtān ca ittham bhajan
und die Bhūtas — wer so verehrend
bālām īśaḥ syāt dhana-vidyayoḥ
Bālā verehrt, wird zum Herrn über Reichtum und Wissen
[?] ‚sūryācchivāṃstathā' unklar; sinngemäß als ‚die Śivas, von der Sonne ausgehend/ihr zugeordnet' gedeutet, nicht restlos sicher.
Wenn man mit roten Lotusblüten opfert, werden Frauen untertan; mit Senfkörnern Könige; mit Nandyāvarta-, Rājavṛkṣa-, Kunda-, Pāṭala- und Campaka-Blüten —
Durch das vorschriftsmäßige Opfer mit Dūrvā-Gras erlangt man ein krankheitsfreies Leben; durch Opfer mit Kampfer, Aguru und anderen Wohlgerüchen erlangt man Wissen und Dichtergabe.
Mit Palāśa-Blüten erlangt man Redegewandtheit, durch Speiseopfer Nahrungsfülle; wenn man mit Milch und Dickmilch der heiligen Kuh Surabhi benetzte Reisflocken opfert, besiegt man Krankheiten.
Wort für Wort
palāśa-puṣpaiḥ vāk-siddhiḥ
mit Palāśa-Blüten Redegewandtheit
anna-āptiḥ ca anna-homataḥ
und durch Speiseopfer Nahrungsfülle
surabhi-kṣīra-dadhi-aktān lājān hutvā
wenn man mit Milch und Dickmilch der Surabhi benetzte Reisflocken geopfert hat
Rotes Sandelholz, Kampfer, Zitwer, Aguru, Rocanā, weißes Sandelholz, Safran, Jaṭāmāṃsī — der Reihe nach vereine man sie anteilig zu einem Gemisch.
Wort für Wort
rakta-candana-karpūra-karcūra-aguru-rocanāḥ
rotes Sandelholz, Kampfer, Zitwer, Aguru, Rocanā
candanaṃ keśaraṃ māṃsīṃ
weißes Sandelholz, Safran, Jaṭāmāṃsī
kramāt bhāgena
der Reihe nach, anteilig
niyojayet
vereine man zu einem Gemisch
[?] ‚bhāgainiṃyojayet' unklar segmentiert, sinngemäß als ‚anteilig zu einem Gemisch vereinen' gedeutet; Bezug zum folgenden Tilaka-Ritus (V39f.) vermutet.
bemessen in Anteilen entsprechend den Zahlen Erde, Mond, Eins, Nanda, Ozean, Richtung, sieben, Veda — auf dem Leichenacker, nachts, mit dem Wasser des Nebels vom Ort des dunklen Geistes,
bemessen entsprechend den Zahlen Erde, Mond, Eins, Nanda, Ozean, Richtung, sieben, Veda
śmaśāne kṛṣṇa-bhūtasya
auf dem Leichenacker, des dunklen Geistes/Wesens
niśi nīhāra-pāthasā
nachts, mit dem Wasser des Nebels
[Anm.: Vers in bhūtasaṃkhyā-Zahlchiffren (Objektzahlen für Ziffern, z. B. ‚bhūmi'=1, ‚candra'=1, ‚nanda'=9, ‚abdhi'=4, ‚dik'=10, ‚nigama'=4) zur Angabe von Mengenanteilen; genaue Zuordnung der einzelnen Zahlen zu den in V38 genannten Ingredienzien bleibt unsicher, ebenso ‚kṛṣṇabhūtasya' (‚des dunklen Geistes/Wesens', evtl. Baum- oder Ortsname).]
kumāryā peṣayettāni mantreṇāthābhimantrya ca / vidaddhyāttilakaṃ tena darśanādvaśayejjanān
diese lasse man von einer Jungfrau zermahlen und beschwöre sie sodann mit dem Mantra; man trage damit ein Tilaka-Zeichen auf — durch den bloßen Anblick unterwirft man die Menschen.
Wort für Wort
kumāryā peṣayet tāni
diese lasse man von einer Jungfrau zermahlen
mantreṇa atha abhimantrya ca
und beschwöre sie sodann mit dem Mantra
vidadhyāt tilakaṃ tena
man trage damit ein Tilaka-Zeichen auf
darśanāt vaśayet janān
durch den bloßen Anblick unterwirft man die Menschen
gajasiṃhādibhūtāni rākṣasāñchākinīrapi / prayojanānāṃ siddhyai tu devyāḥ śāpaṃ nivartya ca
Elefanten, Löwen und andere Wesen, Rākṣasas, auch Śākinīs — zur Erlangung dieser Ziele aber wende man den Mantra an, nachdem man zuvor den Fluch der Göttin aufgehoben hat.
vidhāyotkīlitāṃ paścājjapamasya samācaret / yo japedādime bīje varāhabhṛgupāvakān
nachdem man ihn entkeilt (utkīlita) gemacht hat, vollziehe man danach seine Rezitation. Wer beim ersten Bīja die Silben Varāha, Bhṛgu, Pāvaka rezitiert,
madhyamādau nabhohaṃsau madhyamānte tu pāvakam / ādāvante ca tārtūyakramātsvaṃ dhūmraketanam
am Anfang des mittleren Bīja Nabhas und Haṃsa, am Ende des mittleren Bīja aber Pāvaka, am Anfang und Ende des dritten Bīja der Reihe nach Svaṃ und Dhūmraketana —
wer so hundertmal rezitiert hat, dessen Vidyā wird fluchfrei und fruchtbringend — sofern man beim ersten und letzten Bīja den Ra-Laut keinesfalls wegnimmt.
Oder es gibt eine andere Art der Fluchaufhebung, wie sie von den Weisen verkündet wird: das erste zuerst, sodann das dritte, Kāma, Kāma, sodann Vāgbhava,
Der Caitanya- und Āhlādinī-Mantra, rezitiert, bewirken das Entkeilen (niṣkīlana); die drei Vokale, das Bewusstsein, der Mantra-Kundige, der Träger, Śānti, Anugraha —
Wort für Wort
caitanya-āhlādinī-mantrau japtau
der Caitanya- und Āhlādinī-Mantra, rezitiert
niṣkīlatā-karau
bewirken das Entkeilen
tri-svarāḥ cetanaṃ mantrī
die drei Vokale, das Bewusstsein, der Mantra-Kundige
dharaḥ śāntiḥ anugrahaḥ
der Träger, Śānti, die Gunsterweisung
[?] Aufzählung technischer Bestandteile des Entkeilungsverfahrens; syntaktischer Zusammenhang der Einzelglieder unsicher.
Beginnend mit Tārā, endend mit Hṛdaya, sei Kāma und darauf der Āhlādinī-Mantra; ebenso werden die drei Bīja-Silben mit den drei ‚Entflammungs'-Mantras entzündet.
nachdem man sie zunächst gut entflammt hat, rezitiere man sie zur Erlangung des Gewünschten: ein Paar Munds(-laute), mit langem Wasser(-laut) versehen, Smṛti, Vālā, Anaṅga —
Wort für Wort
sudīptāni vidhāya ādau
nachdem man sie zunächst gut entflammt hat
japet tāni iṣṭa-siddhaye
rezitiere man sie zur Erlangung des Gewünschten
vada-yugmaṃ sa-dīrgha-ambu
ein Paar Munds(-laute), mit langem Wasser(-laut) versehen
smṛti-vālā-anaṅgatau
Smṛti, Vālā, Anaṅga
[?] Fortsetzung der stark kodierten ‚Entflammungs'-Formel; Einzelbegriffe (vadayugmaṃ, sadīrghāṃbu) unsicher entzifferbar.
Satya, mit dem Netra-Laut, ‚nas', ‚tādṛk' oder ähnlich — die mit dem Vāk-Laut beginnende Entflammerin (dīpinī); in ‚Klinna', ‚Kledinī', Vaikuṇṭha, der lange Vokal, ‚Svaṃ', am Ende sogleich —
Wort für Wort
satyaḥ sa-netraḥ naḥ tādṛk vā
Satya, mit Netra-Laut, ‚nas', ‚tādṛk' oder
vāk-varṇa-ādya-dīpinī
die mit dem Vāk-Laut beginnende Entflammerin
klinne kledini vaikuṇṭhaḥ
in ‚Klinna', ‚Kledinī', Vaikuṇṭha
dīrghaṃ svaṃ sadyaḥ-antimaḥ
der lange Vokal, ‚Svaṃ', am Ende sogleich
[Anm.: Vers stark kodiert und schwer entzifferbar (dīpinī-Formel zur ‚Entflammung' der Bīja-Silben); wörtliche Wiedergabe der Einzelfragmente unter Vorbehalt.]
Nidrā, mit dem Mond versehen, bewirke man; der Śiva-Laut ist die mittlere Entflammerin; Tāra (oṃ) bewirkt auch die Erlösung — dies ist die Entflammerin des Vokal-Mundes.
Wort für Wort
nidrā sa-candrā kurvīta
Nidrā, mit dem Mond versehen, bewirke man
śiva-arṇā madhya-dīpinī
der Śiva-Laut, die mittlere Entflammerin
tāraḥ mokṣaṃ ca kurute
Tāra (oṃ) bewirkt auch die Erlösung
na ayaṃ varṇa-asya-dīpinī
dies ist die Entflammerin des Vokal-Mundes
[?] Fortführung der kodierten dīpinī-Reihe; Gesamtaufbau (Anfangs-, Mittel- und End-Dīpinī der drei Bīja) sinngemäß, nicht in jedem Detail sicher.
dīpinīmantarā bālā sādhitāpi na siddhyati / vāgantyakāmān prajayedarīṇā kṣobhahetave
Ohne die Entflammerin (dīpinī) wird Bālā, auch wenn sie sonst geübt wird, nicht vollkommen. Mit dem auf Vāk und Kāma endenden Mantra besiege man die Feinde, zu deren Erschütterung.
Wort für Wort
dīpinīm antarā bālā
ohne die Entflammerin bleibt Bālā
sādhitā api na siddhyati
auch wenn geübt, nicht vollkommen
vāk-antya-kāmān prajayet
mit dem auf Vāk und Kāma endenden Mantra besiege man
Die auf Kāma und Vāk endenden Bīja-Silben dienen zur Bezauberung der drei Welten; die auf Kāma endenden Vāṇī-Bīja-Silben rezitiere man geläutert zur Erlösung.
pūjāraṃbhe tu bālāyāstrividhānarcayedgurūn / divyaughaścaiva siddhaugho mānavaugha iti tridhā
Zu Beginn der Verehrung der Bālā aber verehre man die Guru-Linien dreifacher Art: die göttliche Strömung (Divyaugha), die vollkommene Strömung (Siddhaugha) und die menschliche Strömung (Mānavaugha) — so dreifach.
Wort für Wort
pūjā-araṃbhe tu bālāyāḥ
zu Beginn der Verehrung der Bālā aber
trividhān arcayet gurūn
verehre man die Guru-Linien dreifacher Art
divya-oghaḥ ca eva siddha-oghaḥ
die göttliche Strömung und die vollkommene Strömung
diese, endend mit dem Wort ‚Ānanda', sind eben die göttliche Strömung (Divyaugha); nun die Siddhaugha: der ‚Īśāna' genannte, der ‚Tatpuruṣa', der ‚Aghora' genannte, der ‚Vāmadeva',
und Sadyojāta — diese fünf werden, o Muni, als ‚Siddhaugha' bezeichnet, wie überliefert. Die menschliche Strömung (Mānavaugha) ist aus der Überlieferung des eigenen Gurus zu erkennen.
kāmabījalasatkoṇana vyatibhinnaṃ parasparam / patre traipuramākhyātaṃ japasaṃpātasādhitam
mit dem vom Kāma-Bīja strahlenden Winkel wechselseitig durchdrungen — auf dem Blütenblatt wird dieses Yantra ‚Traipura' genannt, das durch Zusammenfließen der Rezitation vervollkommnet wird.
Wort für Wort
kāma-bīja-lasat-koṇena
mit dem vom Kāma-Bīja strahlenden Winkel
vyatibhinnaṃ parasparam
wechselseitig durchdrungen
patre traipuram ākhyātaṃ
auf dem Blütenblatt wird es ‚Traipura' genannt
japa-saṃpāta-sādhitam
durch Zusammenfließen der Rezitation vervollkommnet
Am Arm getragen, verleiht es Reichtum, Ruhm, Glück und Söhne. Es folgt das Gāyatrī-Mantra: ‚Kāma' am Ende — ‚Tripurā-Devī vidmahe, kaviṣaṃ bhahim' —
Wort für Wort
bāhunā vidhṛte dadyāt
am Arm getragen, verleiht es
dhanaṃ kīrtiṃ sukhaṃ sutān
Reichtum, Ruhm, Glück und Söhne
kāma-ante tripurā devī
‚Kāma' am Ende — ‚Tripurā-Devī'
vidmahe kaviṣaṃ bhahim(?)
‚vidmahe, kaviṣaṃ bhahim' (Fragment, unsicher)
[Anm.: Beginn des Tripurā-Gāyatrī-Mantras (V61–V63); der Wortlaut ist gegenüber der bekannten Standardform (tripurā-devyai vidmahe kāmeśvaryai/kāmarājāya dhīmahi …) hier stellenweise entstellt überliefert (‚kaviṣaṃ bhahim' unklar); wörtliche Wiedergabe der erkennbaren Fragmente unter Vorbehalt.]
‚Baka', ‚Khaḍgī', ‚Samārūḍha', mit dem Netra-Laut, und ‚Agni' — ‚dhīmahi'; dort, in ‚Klinna', endend auf ‚pracodayāt' — so wird sie (die Gāyatrī) verkündet.
Wort für Wort
bakaḥ khaḍgī samārūḍhaḥ
‚Baka', ‚Khaḍgī', ‚Samārūḍha'
sa-netraḥ agniḥ ca dhīmahi
mit Netra-Laut, und ‚Agni' — ‚dhīmahi'
tatra klinne pracodāya-ante
dort, in ‚Klinna', endend auf ‚pracodayāt'
yā iti eṣā prakīrtitā
so wird sie (die Gāyatrī) verkündet
[Anm.: Fortsetzung des entstellt überlieferten Tripurā-Gāyatrī-Mantras; genaue Silbenfolge unsicher.]
Dies ist die Tripurā-Gāyatrī, die alle Vollkommenheit verleiht und von den Göttern verehrt wird. Nun wird ein weiterer Avatāra der Lakṣmī verkündet, der den Menschen Vollkommenheit verleiht.
Wort für Wort
gāyatrī traipurā sarva-siddhidā
die Tripurā-Gāyatrī, die alle Vollkommenheit verleiht
sura-sevitā
von den Göttern verehrt
atha lakṣmī-avatāraḥ anyaḥ
nun ein weiterer Avatāra der Lakṣmī
kīrtyate siddhidaḥ nṛṇām
wird verkündet, der den Menschen Vollkommenheit verleiht
[?] ‚sarsiddhidā' vermutlich für ‚sarvasiddhidā' (alle Vollkommenheit verleihend).
Der Veda-Anfangs-Laut, Girijā, Padmā, Manyatha, das Herz-Wort, Bhṛgu, ‚Bhagavati Māheśvarī', mit dem Ṅe-Laut endend, ‚Annapūrṇe', Dahanāṅganā (svāhā) —
Wort für Wort
veda-ādiḥ girijā padmā
der Veda-Anfangs-Laut, Girijā, Padmā
manyathaḥ hṛdayaṃ bhṛguḥ
Manyatha, das Herz-Wort, Bhṛgu
bhagavati māheśvarī ṅe-ante
‚Bhagavati Māheśvarī', mit dem Ṅe-Laut endend
annapūrṇe dahana-aṅganā
‚Annapūrṇe', Dahanāṅganā (svāhā)
[?] Kodierter Mantroddhāra-Vers für den Annapūrṇā-Mantra; einzelne Silben (vedādi, girijā, manyatho) traditionelle Chiffren, genaue phonetische Auflösung unsicher.
Mit dem an den sechs langen Vokalen reichen Hṛllekhā-Bīja (hrīṃ) erfolge der Ṣaḍaṅga(-Nyāsa); an Mund, Nase, Augen, Ohren, Schultern und After, an diesen neun Stellen platziere man ihn.
Wort für Wort
ṣaḍ-dīrgha-āḍhyena hṛllekhā-bījena
mit dem an den sechs langen Vokalen reichen Hṛllekhā-Bīja
padāni nava tadvarṇasaṃkhyedānīmudīryate / bhūmicandradharaikākṣivedābdhiyugabāhubhiḥ
Die neun Glieder des Mantras — nun wird deren Silbenzahl verkündet: mit den Zahlchiffren Erde, Mond, Berg, Eins, Auge, Veda, Ozean, Paar, Arm —
Wort für Wort
padāni nava tat-varṇa-saṃkhyā
die neun Glieder, deren Silbenzahl
idānīm udīryate
wird nun verkündet
bhūmi-candra-dhara-eka-akṣi
mit den Zahlchiffren Erde, Mond, Berg, Eins, Auge
veda-abdhi-yuga-bāhubhiḥ
Veda, Ozean, Paar, Arm
[Anm.: Bhūtasaṃkhyā-Zahlchiffren zur Angabe der Silbenzahl jedes der neun Mantra-Glieder; genaue Zuordnung zu den einzelnen Gliedern aus V66 nicht restlos sicher rekonstruierbar.]
mit den Silben, wie nach der Gliederzahl bemessen — sodann meditiere man auf die Götterherrin, goldglänzend an Gliedern, dreiäugig, geschmückt mit Gewand und Schmuck,
die mit Bhū, Rāma und Māsa verbundene Göttin, mit einem goldenen Gefäß in der Lotushand; man rezitiere hunderttausendmal, opfere zehntausendmal mit in Ghee getränktem Reisbrei.
Wort für Wort
bhū-rāma-māsaṃ yutāṃ devīṃ
die mit Bhū, Rāma, Māsa verbundene Göttin
svarṇa-pātra-kara-ambujām
mit goldenem Gefäß in der Lotushand
lakṣaṃ japaḥ ayutaṃ homaḥ
man rezitiere hunderttausendmal, opfere zehntausendmal
ghṛta-akta-caruṇā tathā
mit in Ghee getränktem Reisbrei
[?] ‚bhūramāsaṃ' unklare Zusammensetzung, evtl. weitere Symbol-/Attributangaben; sinngemäß wiedergegeben.
Auf dem Pīṭha, reich an den mit Jayā beginnenden neun Śaktis, wird die Verehrung dargelegt: ein Dreieck, umgeben von vier, acht und sechzehn Blütenblättern.
Wort für Wort
jayā-ādi-nava-śakti-āḍhye pīṭhe
auf dem Pīṭha, reich an den mit Jayā beginnenden neun Śaktis
In das mit einer Bhūpura versehene Yantra gebe man mit Māyā (hrīṃ) den Mantra; in den drei Winkeln, beginnend mit dem Feuer-Winkel, verehre man Śiva, Varāha und Mādhava.
Wort für Wort
bhūpureṇa yute yantre
in das mit einer Bhūpura versehene Yantra
pradadyāt māyayā manum
gebe man mit Māyā (hrīṃ) den Mantra
agni-ādi-koṇa-tritaye
in den drei Winkeln, beginnend mit dem Feuer-Winkel
ṣaḍaṅgāni tato 'bhyarcya vāme dakṣe dharāṃ ramām / yajetsvasvamanubhyāṃ tu tāvucyete munīśvara
Nachdem man sodann die sechs Glied-Mantras verehrt hat, verehre man links Dharā (die Erde) und rechts Ramā (Lakṣmī), jeweils mit ihrem eigenen Mantra — diese beiden werden, o Fürst der Muni, nun genannt:
Wort für Wort
ṣaḍaṅgāni tataḥ abhyarcya
nachdem man sodann die sechs Glied-Mantras verehrt hat
annaṃ mahyannamityuktvā me dehyannādhiporṇakāḥ / nayemamannaṃ prāṇānte dāpayānalasuṃdarī
Nachdem man gesagt hat: ‚Speise, mir Speise' — ‚gib mir Speise' (Formel für) die Speisenfülle-Trägerin; ‚führe diese Speise' — endend auf ‚Prāṇa' — ‚lass darreichen, o schöne Feuer-Göttin'.
Wort für Wort
annaṃ mahyam annam iti uktvā
nachdem man gesagt hat: ‚Speise, mir Speise'
me dehi anna-ādhi-pūrṇakāḥ
‚gib mir' — Formel für die Speisenfülle-Trägerin
naya imam annaṃ prāṇa-ante
‚führe diese Speise' — endend auf ‚Prāṇa'
dāpaya analasuṃdarī
‚lass darreichen', o schöne Feuer-Göttin
[Anm.: Mantrische Anrufungsformel für Dharā/Annapūrṇā in direkter Rede (‚gib mir Speise' u. ä.); Textstand teils unsicher segmentiert (‚annādhiporṇakāḥ', ‚analasuṃdarī'), Gesamtsinn jedoch als Speise-Bitte klar erkennbar.]
Der Mantra besteht aus zweiundzwanzig Silben; von ‚Bhūmi' umhüllt heißt er Bhūmi-Saṃpuṭa; von ‚Lakṣmī' umhüllt, o Brahmane, Śrī-Puṭa; Smṛti, Labha, mit dem Mond verbunden —
Wort für Wort
dvāviṃśati-akṣaraḥ mantraḥ
der Mantra besteht aus zweiundzwanzig Silben
bhūmi-iṣṭau bhūmi-saṃpuṭaḥ
von ‚Bhūmi' umhüllt heißt er Bhūmi-Saṃpuṭa
lakṣmī-iṣṭau śrī-puṭaḥ vipra
von ‚Lakṣmī' umhüllt, o Brahmane, Śrī-Puṭa
smṛtiḥ labha anu-candra-yuk
Smṛti, Labha, mit dem Mond verbunden
[?] ‚snṛtirlabhanucandrayuk' unklar segmentiert; sinngemäß als weitere technische Silbenangabe wiedergegeben.
So wird das Bīja der Erde genannt; das Śrī-Bīja wurde zuvor erwähnt. Man verehre sie alle, denen die vier Bīja-Silben am Mantra-Anfang vorangestellt sind.
Wort für Wort
bhuvaḥ bījam iti proktaṃ
so wird das Bīja der Erde genannt
śrī-bījaṃ prāk udāhṛtam
das Śrī-Bīja wurde zuvor erwähnt
mantra-ādi-stha-catur-bīja-pūrvikāḥ
denen die vier Bīja-Silben am Mantra-Anfang vorangestellt sind
In der Bhūpura seien die Weltenhüter, davor ihre Waffen. Wenn dieser Mantra so durch Rezitation und Weiteres vollkommen geworden ist, erlangt man Ansammlungen von Reichtum,
Wort für Wort
bhūpure lokapālāḥ syuḥ
in der Bhūpura seien die Weltenhüter
tat-astrāṇi tat-agrataḥ
davor ihre Waffen
ittham japa-ādibhiḥ siddhe mantre asmin
wenn dieser Mantra so durch Rezitation u.a. vollkommen geworden ist
gelb, mit Jarāyu verbunden, Pratiṣṭhā, wiederum mit dem langen Vokal Uda verbunden; ‚Rede, Mund, Schritt fessle' — am Ende spreche man das Wort ‚Zunge'.
‚fessle' (kīlaya) — und ‚die Einsicht vernichte' — am Ende das eigene Bīja; ‚Tāra (oṃ), o schöne Feuer-Göttin' — so wird der Mantra der Bagalā verkündet.
Wort für Wort
kīlaya iti ca
‚fessle' — und
buddhiṃ vināśaya ante svabījakam
‚die Einsicht vernichte' — am Ende das eigene Bīja
Als Ṛṣi aber gilt Nārada, als Versmaß Bṛhatī, als Gottheit Bagalāmukhī; mit den Zahlchiffren Auge, Pfeil, Neun, Fünf, Richtung —
Wort für Wort
muniḥ tu nāradaḥ chandaḥ
als Ṛṣi aber gilt Nārada, als Versmaß
bṛhatī bagalāmukhī devatā
Bṛhatī, als Gottheit Bagalāmukhī
netra-pañceṣu-nava-pañca-dik-arṇakaiḥ
mit den Zahlchiffren Auge, Pfeil, Neun, Fünf, Richtung
[Anm.: Bhūtasaṃkhyā-Zahlchiffren (netra=2, pañceṣu=5 [die fünf Blumenpfeile Kāmas], nava=9, pañca=5, dik=10) — vermutlich zur Angabe einer Silben- oder Gliederzahl des Bagalāmukhī-Mantras; genauer Bezug unsicher.]
aṅgāni kalpayitvā ca dhyāyetpītāmbarāṃ tataḥ / svarṇāsanasthāṃ hemābhāṃ staṃbhinīminduśekharām
Nachdem man die Glied-Mantras gebildet hat, meditiere man sodann auf sie, gelbgewandet, auf goldenem Sitz thronend, goldglänzend, die Fesselnde (Stambhinī), mit dem Mond als Diadem,
die mit den Händen Keule, Strick, Vajra und Zunge trägt. Nachdem man so meditiert hat, rezitiere man hunderttausendmal und opfere zehntausendmal mit aus dem Campaka-Baum entstandenen Blüten.
Wort für Wort
dadhatīṃ mudgaraṃ pāśaṃ
die trägt: Keule, Strick
vajraṃ ca rasanāṃ karaiḥ
Vajra und Zunge mit den Händen
evaṃ dhyātvā japet lakṣam
nachdem man so meditiert hat, rezitiere man hunderttausendmal
ayutaṃ caṃpaka-udbhavaiḥ
zehntausendmal mit aus dem Campaka-Baum entstandenen Blüten
man opfere mit Blüten auf dem Pīṭha der Bālā; man verehre sie. Mit Sandelholz, Aguru, Kampfer und anderen Duftstoffen zeichne man zur Verehrung das Yantra.
auch Mandagā, Bhogasthā und Bhāvikā — so werden die sechzehn Śaktis überliefert. In den vier Himmelsrichtungen des Erdhauses, beginnend im Osten, verehre man sie der Reihe nach.
Wenn der Mantra so vollkommen ist, kann der Mantra-Kundige Gottheiten und andere lähmen (stambhana); in gelbes Gewand gehüllt, auf gelbem Sitz sitzend, mit gelber Girlande und gelber Salbe versehen,
Wort für Wort
ittham siddhe manau mantrī
wenn der Mantra so vollkommen ist, kann der Mantra-Kundige
verehre man die Göttin mit gelben Blüten und rezitiere mit einer aus Kurkuma gefertigten Girlande; man meditiere auf die gelbe Erhabene und rezitiere inmitten von Milch zehntausendmal.
Wort für Wort
pīta-puṣpaiḥ yajet devīṃ
mit gelben Blüten verehre man die Göttin
haridrā-uttha-srajā japet
mit einer aus Kurkuma gefertigten Girlande rezitiere man
Das Feueropfer mit den drei Süßstoffen, Ghee und Sesam gilt als menschenbezaubernd; mit den drei Süßigkeiten benetzt, mit den ‚La'-Silben, erfolgt gewiss Herbeiziehung (ākarṣaṇa).
Wort für Wort
tri-madhu-ājya-tilaiḥ homaḥ
das Feueropfer mit den drei Süßstoffen, Ghee und Sesam
nṝṇāṃ vaśyakaraḥ mataḥ
gilt als menschenbezaubernd
madhura-tritaya-aktaiḥ syāt ākarṣaḥ
mit den drei Süßigkeiten benetzt, erfolgt Herbeiziehung
Federn von Geier und Krähe, scharfes Öl, Vibhītaka-Frucht, Hausrauch-Stoff — wenn man dies im Scheiterhaufenfeuer opfert, vertreibt man die Feinde vollständig.
Wort für Wort
garutaḥ gṛdhra-kākānāṃ
Federn von Geier und Krähe
kaṭu-tailaṃ vibhītakam
scharfes Öl, Vibhītaka-Frucht
gṛha-dhūmaṃ citā-vahnau hutvā
Hausrauch-Stoff, wenn man im Scheiterhaufenfeuer geopfert hat
Auf einem Berggipfel, in großer Wildnis, am Flusszusammenfluss, in einem Śiva-Tempel rezitiere man, der Keuschheit ergeben, hunderttausendmal zur Erlangung aller Vollkommenheit.
Wort für Wort
parvata-agre mahāraṇye
auf einem Berggipfel, in großer Wildnis
nadī-saṃge śiva-ālaye
am Flusszusammenfluss, in einem Śiva-Tempel
brahmacarya-rataḥ lakṣaṃ japet
der Keuschheit ergeben, rezitiere man hunderttausendmal
Wer darauf steigt, dieser Mann legt in einem Augenblick hundert Yojanas zurück. Quecksilber, Śilājit und Tāla-Frucht, zermahlen und mit Honig versehen —
beschwöre man mit dem Mantra hunderttausendmal und bestreiche damit den ganzen Körper — dieser wird für die Menschen unsichtbar; man betrachte dies als ein Wunder.
Man zeichne ein Sechseck mit dem Bīja, verbunden mit dem Namen des zu Bezaubernden und dem Mantra, mit dem Pulver aus Auripigment und Kurkuma, versehen mit dem Saft der Stechapfelpflanze.
Wort für Wort
ṣaṭkoṇaṃ vilikhat bījaṃ
man zeichne ein Sechseck mit dem Bīja
sādhya-nāma-anvitaṃ manoḥ
verbunden mit dem Namen des zu Bezaubernden und dem Mantra
mit den übrigen Silben vervollständigt, im Erdhaus glänzend — dieses Yantra, nachdem man ihm Lebensodem eingesetzt hat, umwickle man mit einem gelben Faden.
Nachdem man ferner Ton genommen hat, der sich auf der sich drehenden Töpferscheibe befindet, forme man einen anmutigen Stier; das Yantra werfe man in dessen Mitte.
Nachdem man den Stier mit Auripigment bestrichen hat, verehre man ihn täglich — so lähme man die Rede, den Gang und den Fortgang der Angelegenheiten der Feinde.
Wort für Wort
haritālena saṃlipya vṛṣaṃ
nachdem man den Stier mit Auripigment bestrichen hat
yadbhūmau bhavitā divyaṃ tatra yantraṃ samālikhet / mārjitaṃ taddviṣāṃ pātrairdivyastambhanakṛdbhavet
Wo auf dem Boden ein Ort göttlicher Prüfung (Blitzschlag) sein wird, dort zeichne man das Yantra; damit abgewischt, mit den Trinkgefäßen der Feinde, bewirkt es göttliche Lähmung.
Wort für Wort
yat bhūmau bhavitā divyam
wo auf dem Boden ein Blitz(schlag-Ort)(?) sein wird
Was bedarf es vieler Worte? Wenn der Mantra vom Sādhaka recht verehrt worden ist, bewirkt er die Lähmung des Gangs, des Denkens und anderer Fähigkeiten der Feinde — daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
kiṃ bahu-uktyā
was bedarf es vieler Worte?
sādhakena mantraḥ samyak upāsitaḥ
wenn der Mantra vom Sādhaka recht verehrt worden ist
śatrūṇāṃ gati-buddhi-ādeḥ
des Gangs, des Denkens und anderer Fähigkeiten der Feinde
staṃbhanaḥ na atra saṃśayaḥ
bewirkt er die Lähmung — daran besteht kein Zweifel