Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 85: yakṣiṇīmantrasādhananirūpaṇam Darlegung der Yakṣiṇī-Mantra-Praxis

Kolophon (gemäß Vorgabe/Projektnummerierung): iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde yakṣiṇīmantrasādhananirūpaṇaṃ nāma ṣaḍaśītitamo 'dhyāyaḥ. [Anm.: Dieser Kolophon (Sanskrit-Zählung: 86. Adhyāya) steht im Quellmaterial am Kopf der Datei des Folgekapitels (src_kap86_raw.txt) und markiert dort das Ende des hier übersetzten Kapitelinhalts; der Kapitelinhalt selbst (V1–V115: Tripurā/Bālā-Vidyā, Annapūrṇā-Vidyā, Bagalāmukhī-Vidyā — die drei Avatāras der Lakṣmī, vgl. V1 und den Rückverweis 'avatāratrayaṃ lakṣmyāḥ' am Kopf von src_kap86_raw.txt) behandelt entgegen dem überlieferten Kolophontitel keine Yakṣiṇī-Beschwörung im engeren Sinn. Die Diskrepanz zwischen Kolophontitel und Kapitelinhalt entspricht der bereits in Kap. 84 beobachteten Anomalie und wird hier als philologische Beobachtung festgehalten, nicht redaktionell aufgelöst. Sprecher des gesamten Kapitels ist weiterhin Sanatkumāra.

sarasvatyavatārāste kathitāḥ siddhidā nṛṇām / atha lakṣmyavatārāṃste vakṣye sarvārthasiddhidān

Diese Avatāras der Sarasvatī sind nun dargelegt, die den Menschen Vollkommenheit verleihen. Nun will ich dir die Avatāras der Lakṣmī verkünden, die alle Ziele erfüllen.

Wort für Wort
sarasvatī-avatārāḥ te
diese Avatāras der Sarasvatī
kathitāḥ siddhidā nṛṇām
sind dargelegt, die den Menschen Vollkommenheit verleihen
atha lakṣmī-avatārān te
nun (will ich) dir die Avatāras der Lakṣmī
vakṣye sarva-artha-siddhidān
verkünden, die alle Ziele erfüllen

[Anm.: Übergangsvers, der auf die zuvor (Kap. 84) behandelten Sarasvatī-Avatāras (Kālī, Tārā) zurückverweist und zu den nun folgenden Lakṣmī-Avatāras (Tripurā/Bālā, Annapūrṇā, Bagalāmukhī) überleitet; Sprecher weiterhin Sanatkumāra.]

vāṇīmanmathaśaktyākhyaṃ bījatritayamīritam / ṛṣiḥ syāddakṣiṇāmūrtiḥ paṅktiśchandaḥ prakīrtitam

Das ‚Vāṇī-Manmatha-Śakti' genannte Bīja-Dreifach wird als Mantra verkündet; als Ṛṣi gilt Dakṣiṇāmūrti, als Versmaß wird Paṅkti genannt.

Wort für Wort
vāṇī-manmatha-śakti-ākhyaṃ
das ‚Vāṇī-Manmatha-Śakti' genannte
bīja-tritayam īritam
Bīja-Dreifach wird verkündet
ṛṣiḥ syāt dakṣiṇāmūrtiḥ
als Ṛṣi gilt Dakṣiṇāmūrti
paṅktiḥ chandaḥ prakīrtitam
als Versmaß wird Paṅkti genannt

devatā tripurā bālā madhyānte śaktibījake / nābherāpādamādyaṃ tu nābhyantaṃ hṛdayātparam

Die Gottheit ist Tripurā-Bālā, in der Mitte und am Ende das Śakti-Bīja; das erste Bīja platziere man vom Nabel bis zu den Füßen, das zweite vom Herzen bis zum Nabel,

Wort für Wort
devatā tripurā bālā
die Gottheit ist Tripurā-Bālā
madhya-ante śakti-bījake
in der Mitte und am Ende das Śakti-Bīja
nābheḥ ā-pādam ādyaṃ tu
das erste Bīja aber vom Nabel bis zu den Füßen
nābhi-antaṃ hṛdayāt param
vom Herzen bis zum Nabel das zweite

mṛrdhno hradantaṃ tartīyaṃ kramāddeheṣu vinyaset / ādyaṃ vāmakare dakṣakare tadubhayoḥ param

und das dritte vom Haupt bis zum Herzen — der Reihe nach platziere man sie am Körper; das erste an der linken Hand, an der rechten Hand beide zusammen,

Wort für Wort
mūrdhnaḥ hṛdaya-antaṃ tṛtīyaṃ
das dritte vom Haupt bis zum Herzen
kramāt deheṣu vinyaset
der Reihe nach platziere man sie am Körper
ādyaṃ vāma-kare
das erste an der linken Hand
dakṣa-kare tat-ubhayoḥ param
an der rechten Hand beide zusammen, danach

[?] ‚hradantaṃ' vermutlich für ‚hṛdayāntaṃ' (bis zum Herzen); leichte OCR-Unsicherheit.

punarbījatrayaṃ nyasya mūrdhni guhye ca vakṣasi / nava yonpābhidhaṃ nyāse navakṛtvo manuṃ nyaset

Nachdem man das Bīja-Dreifach wiederum am Haupt, am Schoß und an der Brust platziert hat, platziere man beim ‚Neun-Yoni' genannten Nyāsa den Mantra neunmal.

Wort für Wort
punaḥ bīja-trayaṃ nyasya
nachdem man das Bīja-Dreifach wiederum platziert hat
mūrdhni guhye ca vakṣasi
am Haupt, am Schoß und an der Brust
nava yoni-abhidhaṃ nyāse
beim ‚Neun-Yoni' genannten Nyāsa
navakṛtvaḥ manuṃ nyaset
platziere man den Mantra neunmal

[?] ‚yonpābhidhaṃ' unklar, vermutlich verderbt für ‚yoni-abhidhaṃ' (‚Yoni genannt'); sinngemäß gedeutet.

karṇayościbuke nyasyecchaṅkhayormukhapaṅkaje / netrayornāsikāyāṃ ca skandhayorudare tathā

Man platziere ihn ferner an den beiden Ohren, am Kinn, an den beiden Schläfen, am Lotus-Antlitz, an den beiden Augen, an der Nase, an den beiden Schultern, ebenso am Bauch,

Wort für Wort
karṇayoḥ cibuke nyaset
man platziere an den beiden Ohren, am Kinn
śaṅkhayoḥ mukha-paṅkaje
an den beiden Schläfen, am Lotus-Antlitz
netrayoḥ nāsikāyāṃ ca
an den beiden Augen und an der Nase
skandhayoḥ udare tathā
an den beiden Schultern, ebenso am Bauch

nyasetkūrparayornābhau jānunorliṅgamastake / pādayorapi guhye ca pārśvayorhṛdaye punaḥ

man platziere ihn an den beiden Ellbogen, am Nabel, an den beiden Knien, am Geschlechtsteil, am Haupt, auch an den beiden Füßen, am Schoß, an den beiden Seiten, wiederum am Herzen,

Wort für Wort
nyaset kūrparayoḥ nābhau
man platziere an den beiden Ellbogen, am Nabel
jānunoḥ liṅga-mastake
an den beiden Knien, am Geschlechtsteil, am Haupt
pādayoḥ api guhye ca
auch an den beiden Füßen und am Schoß
pārśvayoḥ hṛdaye punaḥ
an den beiden Seiten, wiederum am Herzen

stanayoḥ kaṇṭhadeśe ca vāmāṅgādiṣu vinyaset / vāgbhavādyāṃ ratiṃ guhye prītimatyādikāṃ hṛdi

an den beiden Brüsten und am Kehlbereich — an der linken Körperseite usw. platziere man ihn; mit dem mit Vāgbhava beginnenden Bīja Rati am Schoß, mit dem mit Prītimatī beginnenden Bīja am Herzen.

Wort für Wort
stanayoḥ kaṇṭha-deśe ca
an den beiden Brüsten und am Kehlbereich
vāma-aṅga-ādiṣu vinyaset
an der linken Körperseite usw. platziere man
vāgbhava-ādyāṃ ratiṃ guhye
mit dem mit Vāgbhava beginnenden Bīja Rati am Schoß
prītimatī-ādikāṃ hṛdi
mit dem mit Prītimatī beginnenden Bīja am Herzen

kāmabījādikānpaśyedbhūmadhye tu manobhavām / punarvāgakātmamādyāstisraeva ca vinyaset

Man betrachte das mit dem Kāma-Bīja beginnende Bīja zwischen den Brauen, nämlich Manobhavā; wiederum platziere man die drei, beginnend mit Vāk, Kā und Ātma-Bīja.

Wort für Wort
kāma-bīja-ādikān paśyet
man betrachte das mit dem Kāma-Bīja beginnende
bhū-madhye tu manobhavām
zwischen den Brauen aber Manobhavā
punaḥ vāga-kā-ātma-ādyāḥ
wiederum die mit Vāk, Kā, Ātma beginnenden
tisraḥ eva ca vinyaset
platziere man, nämlich die drei

[?] ‚vāgakātmamādyāḥ' schwer segmentierbar; sinngemäß als Dreiergruppe von Bīja-Silben gedeutet (Vāk, Kā, Ātma-Bīja o. ä.), nicht restlos sicher.

amṛteśīṃ ca yogeśīṃ viśvayoniṃ tṛtīyakām / mūrdhniṃ vaktre hṛdi nyasyedguhye caraṇayorapi

Amṛteśī, Yogeśī und als dritte Viśvayoni — am Haupt, am Antlitz, am Herzen platziere man sie, auch am Schoß und an den beiden Füßen.

Wort für Wort
amṛteśīṃ ca yogeśīṃ
Amṛteśī und Yogeśī
viśvayoniṃ tṛtīyakām
und als dritte Viśvayoni
mūrdhni vaktre hṛdi nyaset
am Haupt, am Antlitz, am Herzen platziere man
guhye caraṇayoḥ api
auch am Schoß und an den beiden Füßen

kāmeśī pañcabījāḍhyāṃ smarātpañcanyasetkramāt / māyākāmau ca vāglakṣmī kāmeśī pañcabījakam

Kāmeśī, reich an fünf Bīja-Silben — man platziere die fünf der Reihe nach, vom Kāma-Bīja an: Māyā, Kāma, sowie Vāk, Lakṣmī, Kāmeśī — dies ist das Fünf-Bīja.

Wort für Wort
kāmeśī pañca-bīja-āḍhyāṃ
Kāmeśī, reich an fünf Bīja-Silben
smarāt pañca nyaset kramāt
man platziere die fünf der Reihe nach, vom Kāma-Bīja an
māyā-kāmau ca vāk-lakṣmī
Māyā, Kāma, sowie Vāk, Lakṣmī
kāmeśī pañca-bījakam
Kāmeśī — dies ist das Fünf-Bīja

manobhavaśca makaradhvajakandarpamanmathāḥ / kāmadevaḥ smaraḥ pañca kīrtitānyāsasiddhidāḥ

Manobhava, sowie Makaradhvaja, Kandarpa, Manmatha, Kāmadeva und Smara — diese Namen, deren Nyāsa Vollkommenheit verleiht, sind verkündet.

Wort für Wort
manobhavaḥ ca makaradhvaja-kandarpa-manmathāḥ
Manobhava, sowie Makaradhvaja, Kandarpa, Manmatha
kāmadevaḥ smaraḥ
Kāmadeva, Smara
pañca kīrtitāḥ
diese fünf(?) sind verkündet
nyāsa-siddhidāḥ
deren Nyāsa Vollkommenheit verleiht

[Anm.: Der Vers zählt sechs Namen auf (Manobhava, Makaradhvaja, Kandarpa, Manmatha, Kāmadeva, Smara), obwohl das Zahlwort ‚pañca' (fünf) verwendet wird — vermutlich gelten zwei der Namen als synonyme Doppelbezeichnung einer einzigen Bīja-Stelle, oder es liegt ein Überlieferungsfehler vor.]

śiraḥpanmukhāguhyeṣu hṛdaye bāṇadevatāḥ / drāviṇyādyāḥ kramānnyasyedvāṇeśībījapūrvakaḥ

Am Haupt, an den Füßen, am Antlitz, am Schoß, am Herzen platziere man die Pfeil-Gottheiten, beginnend mit Drāviṇī, der Reihe nach, mit dem Vāṇeśī-Bīja vorangestellt.

Wort für Wort
śiraḥ-pada-mukha-guhyeṣu
am Haupt, an den Füßen, am Antlitz, am Schoß
hṛdaye bāṇa-devatāḥ
am Herzen die Pfeil-Gottheiten
drāviṇī-ādyāḥ kramāt nyasyet
beginnend mit Drāviṇī, der Reihe nach platziere man
vāṇeśī-bīja-pūrvakaḥ
mit dem Vāṇeśī-Bīja vorangestellt

[?] ‚śiraḥpanmukhā' unklar segmentiert, evtl. ‚śiraḥ-pada-mukha' (Haupt, Fuß, Antlitz); sinngemäß gedeutet.

drāndrīṃ klīñjūṃsa iti vaibāṇeśabījakaṃ ca kam / drāviṇī kṣobhiṇī vaśīkaraṇyāṅkarṣaṇī tathā

‚Drāṃ, Drīṃ, Klīṃ, Jūṃ, Saḥ' — so lautet das Vāṇeśī-Bīja, sowie der Buchstabe Ka; Drāviṇī, Kṣobhiṇī, Vaśīkaraṇī, Ākarṣaṇī, ebenso —

Wort für Wort
drāṃ drīṃ klīṃ jūṃ saḥ iti
‚Drāṃ, Drīṃ, Klīṃ, Jūṃ, Saḥ' — so
vai bāṇeśa-bījakaṃ ca kam
lautet das Vāṇeśī-Bīja, sowie der Buchstabe Ka
drāviṇī kṣobhiṇī vaśīkaraṇī
Drāviṇī, Kṣobhiṇī, Vaśīkaraṇī
ākarṣaṇī tathā
Ākarṣaṇī, ebenso

[Anm.: Gibt konkrete Bīja-Silben des Vāṇeśī(Kāmeśvarī)-Mantras an; die Lesung ‚jūṃ' an Stelle des sonst gängigen ‚blūṃ' ist unsicher.]

saṃmohanī ca bāṇānāṃ devatāḥ pañca kīrtitāḥ / tārtīyavāgmadhyagena kāmena syātṣaḍaṅgakam

und Saṃmohanī — dies sind die fünf Pfeil-Gottheiten, wie verkündet. Mit dem in der Mitte des dritten Vāk-Bīja befindlichen Kāma-Bīja erfolgt der Ṣaḍaṅga(-Nyāsa).

Wort für Wort
saṃmohanī ca bāṇānāṃ
und Saṃmohanī — der Pfeile
devatāḥ pañca kīrtitāḥ
fünf Gottheiten sind verkündet
tṛtīya-vāk-madhya-gena kāmena
mit dem in der Mitte des dritten Vāk-Bīja befindlichen Kāma-Bīja
syāt ṣaḍ-aṅgakam
erfolgt der Ṣaḍaṅga(-Nyāsa)

ṣaḍdīrghasvarayuktena tato devīṃ vicintayet / dhyāyedraktasarojasthāṃ raktavastrāṃ trilocanam

mit dem an den sechs langen Vokalen versehenen Bīja; sodann stelle man sich die Göttin vor: man meditiere auf sie, wie sie auf einem roten Lotus thront, in rotem Gewand, dreiäugig,

Wort für Wort
ṣaḍ-dīrgha-svara-yuktena
mit dem an den sechs langen Vokalen versehenen Bīja
tataḥ devīṃ vicintayet
sodann stelle man sich die Göttin vor
dhyāyet rakta-saroja-sthāṃ
man meditiere, wie sie auf einem roten Lotus thront
rakta-vastrāṃ trilocanam
in rotem Gewand, dreiäugig

udyadarkanibhāṃ vidyāṃ mālābhayavarodvahām / lakṣatrayaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ kiṃśukodbhavaiḥ

gleich der aufgehenden Sonne strahlend, Rosenkranz sowie die Gesten der Furchtlosigkeit und der Gunsterweisung tragend — so die Vidyā; man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon mit Kiṃśuka-Blüten dar.

Wort für Wort
udyat-arka-nibhāṃ vidyāṃ
gleich der aufgehenden Sonne strahlend — die Vidyā
mālā-abhaya-vara-udvahām
Rosenkranz, Furchtlosigkeits- und Gunstgeste tragend
lakṣa-trayaṃ japet mantraṃ
man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal
daśa-aṃśaṃ kiṃśuka-udbhavaiḥ
und bringe ein Zehntel davon mit Kiṃśuka-Blüten dar

puṣpairhayārijairvāpi juhuyānmadhurānvitaiḥ / navayonyātmakaṃ yantraṃ bahiraṣṭadalāvṛtam

oder auch mit Blüten des Hayāri-Baumes, versehen mit Süßem, opfere man. Nun wird das aus neun Yonis bestehende Yantra, außen von acht Blütenblättern umgeben, beschrieben:

Wort für Wort
puṣpaiḥ haya-ari-jaiḥ vā api
oder auch mit Blüten des Hayāri-Baumes
juhuyāt madhura-anvitaiḥ
opfere man, versehen mit Süßem
nava-yoni-ātmakaṃ yantraṃ
das aus neun Yonis bestehende Yantra
bahiḥ aṣṭa-dala-āvṛtam
außen von acht Blütenblättern umgeben

kesareṣu svarānnyasyedvargānaṣṭaudaleṣvapi / dalāgreṣu triśūlāni padma tu mātṛkāvṛtam

im Blütenstaubkranz platziere man die Vokale, auch die acht Lautgruppen auf den Blütenblättern; an den Blattspitzen Dreizacke; der Lotus aber ist von der Mātṛkā umgeben.

Wort für Wort
kesareṣu svarān nyaset
im Blütenstaubkranz platziere man die Vokale
vargān aṣṭau daleṣu api
auch die acht Lautgruppen auf den Blütenblättern
dala-agreṣu triśūlāni
an den Blattspitzen Dreizacke
padma tu mātṛkā-āvṛtam
der Lotus aber ist von der Mātṛkā umgeben

evaṃ vilikhite yantre pīṭhaśaktīḥ prapūjayet / icchā jñānā kriyā caiva kāminī kāmadāyinī

Wenn das Yantra so gezeichnet ist, verehre man die Pīṭha-Śaktis: Icchā, Jñānā, Kriyā, sowie Kāminī, Kāmadāyinī,

Wort für Wort
evaṃ vilikhite yantre
wenn das Yantra so gezeichnet ist
pīṭha-śaktīḥ prapūjayet
verehre man die Pīṭha-Śaktis
icchā jñānā kriyā ca eva
Icchā, Jñānā, Kriyā, sowie
kāminī kāmadāyinī
Kāminī, Kāmadāyinī

ratī ratipriyā nandā manonmanyapi coditāḥ / pīṭhaśaktīrimā iṣṭvā pīṭhaṃ tanmanunā diśet

Ratī, Ratipriyā, Nandā, auch Manonmanī — so werden sie genannt. Nachdem man diese Pīṭha-Śaktis verehrt hat, weise man mit jenem Mantra den Sitz (Pīṭha) zu.

Wort für Wort
ratī ratipriyā nandā
Ratī, Ratipriyā, Nandā
manonmanī api coditāḥ
auch Manonmanī — so genannt
pīṭha-śaktīḥ imāḥ iṣṭvā
nachdem man diese Pīṭha-Śaktis verehrt hat
pīṭhaṃ tat-manunā diśet
weise man mit jenem Mantra den Sitz zu

vyomapūrve tu tārtīyaṃ sadāśivamahāpadam / pretapadmāsanaṃ ṅeṃtaṃ namontaḥ pīṭhamantrakaḥ

Vorangestellt vom Himmelsraum(-Laut) aber als drittes das große Wort ‚Sadāśiva'; ‚Preta-Padmāsana' (Leichnams-Lotossitz), mit dem Ṅe-Laut, mit Namaḥ endend — dies ist der Pīṭha-Mantra.

Wort für Wort
vyoma-pūrve tu tṛtīyaṃ
vorangestellt vom Himmelsraum(-Laut) aber als drittes
sadāśiva-mahā-padam
das große Wort ‚Sadāśiva'
preta-padma-āsanaṃ ṅe-antaṃ
‚Preta-Padmāsana', mit dem Ṅe-Laut
namaḥ-antaḥ pīṭha-mantrakaḥ
mit Namaḥ endend — der Pīṭha-Mantra

[?] ‚vyomapūrve' schwer eindeutig einzuordnen (evtl. Bezug auf Silbenreihenfolge, nicht Himmelsrichtung); Gesamtkonstruktion des Pīṭha-Mantras bleibt unsicher.

ṣoḍaśārṇastato mūrtauṃ kḷptāyāṃ mūlamantrataḥ / āvāhya prajapeddevīmupacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ

Dieser Pīṭha-Mantra besteht aus sechzehn Silben; sodann rufe man, nachdem die Kultgestalt mit dem Wurzelmantra gebildet ist, die Göttin herbei und rezitiere, sie mit mannigfaltigen Opfergaben verehrend.

Wort für Wort
ṣoḍaśa-arṇaḥ tataḥ
sechzehn Silben, sodann
mūrtau kḷptāyāṃ mūlamantrataḥ
nachdem die Kultgestalt mit dem Wurzelmantra gebildet ist
āvāhya prajapet devīm
rufe man die Göttin herbei und rezitiere
upacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ
mit mannigfaltigen Opfergaben

devīmiṣṭvā madhyayonau trikoṇe ratipūrvikām / vāmakoṇe ratiṃ dakṣe prītimagre manobhavām

Nachdem man die Göttin in der mittleren Yoni des Dreiecks verehrt hat, verehre man die mit Rati beginnende Gruppe: Rati im linken Winkel, im rechten Winkel Prīti, an der Spitze Manobhavā.

Wort für Wort
devīm iṣṭvā madhya-yonau
nachdem man die Göttin in der mittleren Yoni verehrt hat
trikoṇe rati-pūrvikām
im Dreieck die mit Rati beginnende Gruppe
vāma-koṇe ratiṃ dakṣe prītim
Rati im linken Winkel, im rechten Winkel Prīti
agre manobhavām
an der Spitze Manobhavā

yonyantarvahnikoṇādavaṅgānyagnervidikṣvapi / madhyayomerhahiḥ pūrvādiṣu cāgre smarānapi

innerhalb der Yoni, vom Feuer-Winkel an, verehre man die Glied(-gottheiten), auch in den Zwischenrichtungen des Feuers; außerhalb der mittleren Yoni, im Osten usw. und an der Spitze, auch die Liebesgötter.

Wort für Wort
yoni-antaḥ vahni-koṇāt
innerhalb der Yoni, vom Feuer-Winkel an
aṅgāni agneḥ vidikṣu api
die Glied(-gottheiten), auch in den Zwischenrichtungen des Feuers
madhya-yoneḥ bahiḥ pūrva-ādiṣu
außerhalb der mittleren Yoni, im Osten usw.
ca agre smarān api
und an der Spitze auch die Liebesgötter

[?] Geometrische Anweisung (Innen-/Außenbereich der Yoni-Dreiecke) nicht in allen Details sicher nachvollziehbar; ‚madhyayomerhahiḥ' vermutlich für ‚madhya-yoneḥ bahiḥ' (außerhalb der mittleren Yoni).

vāṇadevīstadvadeva śaktīraṣṭasu yoniṣu / subhagākhyā bhāgā paścāttṛtīyā bhagasarpiṇī

die Pfeil-Göttinnen ebenso; die Śaktis in den acht Yonis: die ‚Subhagā' genannte, Bhāgā, sodann als dritte Bhagasarpiṇī,

Wort für Wort
vāṇa-devīḥ tadvat eva
die Pfeil-Göttinnen ebenso
śaktīḥ aṣṭasu yoniṣu
die Śaktis in den acht Yonis
subhagā-ākhyā bhāgā
die ‚Subhagā' genannte, Bhāgā
paścāt tṛtīyā bhagasarpiṇī
sodann als dritte Bhagasarpiṇī

bhagamālā tathānaṅgā nagādyā kusumāparā / anaṅgamekhalānaṅgamadanetyaṣṭaśaktayaḥ

Bhagamālā, ebenso Anaṅgā, Nagādyā, Kusumā, ferner Anaṅgamekhalā, Anaṅgamadanā — so lauten die acht Śaktis.

Wort für Wort
bhagamālā tathā anaṅgā
Bhagamālā, ebenso Anaṅgā
nagādyā kusumā aparā
Nagādyā, Kusumā, ferner
anaṅgamekhalā anaṅgamadanā iti
Anaṅgamekhalā, Anaṅgamadanā — so
aṣṭa-śaktayaḥ
lauten die acht Śaktis

padmakeśaragā brāhmī mukhāḥ patreṣu bhairavāḥ / dīrghādyā mātaraḥ pūjyā hrasvādyāścāṣṭabhairavāḥ

Im Blütenstaubkranz des Lotus verehre man Brāhmī und die anderen Mütter, auf den Blütenblättern die Bhairavas: die mit dem langen Vokal beginnenden Mütter sind zu verehren, und die mit dem kurzen Vokal beginnenden acht Bhairavas.

Wort für Wort
padma-keśara-gā brāhmī mukhāḥ
im Blütenstaubkranz des Lotus Brāhmī und die anderen
patreṣu bhairavāḥ
auf den Blütenblättern die Bhairavas
dīrgha-ādyā mātaraḥ pūjyā
die mit dem langen Vokal beginnenden Mütter sind zu verehren
hrasva-ādyāḥ ca aṣṭa-bhairavāḥ
und die mit dem kurzen Vokal beginnenden acht Bhairavas

dalāgreṣvaṣṭapīṭhāni kāmarūpākhyamādimam / malayaṃ kollagiryyākhyaṃ cauhārākhyaṃ kulāntakam

An den Blattspitzen verehre man die acht Pīṭhas: als erstes das ‚Kāmarūpa' genannte, Malaya, das ‚Kollagiri' genannte, das ‚Cauhāra' genannte, Kulāntaka,

Wort für Wort
dala-agreṣu aṣṭa-pīṭhāni
an den Blattspitzen die acht Pīṭhas
kāmarūpa-ākhyam ādimam
als erstes das ‚Kāmarūpa' genannte
malayaṃ kollagiri-ākhyaṃ
Malaya, das ‚Kollagiri' genannte
cauhāra-ākhyaṃ kulāntakam
das ‚Cauhāra' genannte, Kulāntaka

jālandharaṃ tathonnāsaṃ koṭapīṭhamathāṣṭamam / bhūgṛhe daśadikṣvarceddhetukaṃ tripurāntakam

Jālandhara, ebenso Unnāsa, und als achtes Koṭapīṭha. Im Erdhaus verehre man in den zehn Himmelsrichtungen den Hetuka und Tripurāntaka.

Wort für Wort
jālandharaṃ tathā unnāsaṃ
Jālandhara, ebenso Unnāsa
koṭa-pīṭham atha aṣṭamam
und als achtes Koṭapīṭha
bhūgṛhe daśa-dikṣu arcet
im Erdhaus verehre man in den zehn Himmelsrichtungen
hetukaṃ tripurāntakam
den Hetuka und Tripurāntaka

vaitālamagni jihvaṃ ca kamalāntakālinau / ekapādaṃ bhīmarūpaṃ vimalaṃ hāṭakeśvaram

Vaitāla, Agnijihva, Kamalāntaka und Kālina, Ekapāda, Bhīmarūpa, Vimala und Hāṭakeśvara —

Wort für Wort
vaitālam agni-jihvaṃ ca
Vaitāla und Agnijihva
kamalāntaka-kālinau
Kamalāntaka und Kālina
eka-pādaṃ bhīma-rūpaṃ
Ekapāda, Bhīmarūpa
vimalaṃ hāṭakeśvaram
Vimala und Hāṭakeśvara

[?] Liste von Beiwächter-Bhairavas (V30–V31, zusammen mit Hetuka und Tripurāntaka: zehn Namen für die zehn Himmelsrichtungen); Zählung und genaue Zuordnung einzelner Namen nicht restlos gesichert.

śakrādyānāyudhaiḥ sārddhaṃ svasvadikṣu samarcayet / tadbahirdikṣu baṭukaṃ yoginīṃ kṣetranāyakam

Indra und die anderen Weltenhüter verehre man samt ihren Waffen in ihren jeweiligen Richtungen; außerhalb davon, in den Richtungen, Baṭuka, die Yoginī, den Kṣetra-Herrn,

Wort für Wort
śakra-ādyān āyudhaiḥ sārddhaṃ
Indra und die anderen samt ihren Waffen
sva-sva-dikṣu samarcayet
verehre man in ihren jeweiligen Richtungen
tat-bahiḥ dikṣu baṭukaṃ
außerhalb davon, in den Richtungen, Baṭuka
yoginīṃ kṣetra-nāyakam
die Yoginī, den Kṣetra-Herrn

gaṇeśaṃ vidiśāsvarcedvasūnsūryācchivāṃstathā / bhūtāṃścetthaṃ bhajanbālāmīśaḥ syāddhanavidyayoḥ

Gaṇeśa verehre man in den Zwischenrichtungen, die Vasus, ebenso die Śivas, von der Sonne her, und die Bhūtas. Wer Bālā so verehrt, wird zum Herrn über Reichtum und Wissen.

Wort für Wort
gaṇeśaṃ vidiśāsu arcet
Gaṇeśa verehre man in den Zwischenrichtungen
vasūn sūryāt śivān tathā
die Vasus, ebenso die Śivas, von der Sonne her
bhūtān ca ittham bhajan
und die Bhūtas — wer so verehrend
bālām īśaḥ syāt dhana-vidyayoḥ
Bālā verehrt, wird zum Herrn über Reichtum und Wissen

[?] ‚sūryācchivāṃstathā' unklar; sinngemäß als ‚die Śivas, von der Sonne ausgehend/ihr zugeordnet' gedeutet, nicht restlos sicher.

raktāṃbhojairhuternāryovaśyāḥ syuḥ sarṣapairnṛpāḥ / nandyāvartai rājavṛkṣaiḥ kundaiḥ pāṭalacaṃpakaiḥ

Wenn man mit roten Lotusblüten opfert, werden Frauen untertan; mit Senfkörnern Könige; mit Nandyāvarta-, Rājavṛkṣa-, Kunda-, Pāṭala- und Campaka-Blüten —

Wort für Wort
rakta-ambhojaiḥ hunet
wenn man mit roten Lotusblüten opfert
nāryaḥ vaśyāḥ syuḥ
werden Frauen untertan
sarṣapaiḥ nṛpāḥ
mit Senfkörnern Könige
nandyāvartaiḥ rājavṛkṣaiḥ kundaiḥ pāṭala-caṃpakaiḥ
mit Nandyāvarta-, Rājavṛkṣa-, Kunda-, Pāṭala- und Campaka-Blüten

puṣpairbilvaphalairvāpi homāllakṣmīḥ sthirā bhavet / apamṛtyuṃ jayenmantrī guḍūcyā dugdhayuktayā

oder auch mit Bilva-Früchten — durch das Opfer wird Lakṣmī beständig. Mit Guḍūcī, mit Milch versehen, besiegt der Mantra-Kundige den vorzeitigen Tod.

Wort für Wort
puṣpaiḥ bilva-phalaiḥ vā api
mit Blüten oder auch mit Bilva-Früchten
homāt lakṣmīḥ sthirā bhavet
durch das Opfer wird Lakṣmī beständig
apamṛtyuṃ jayet mantrī
der vorzeitige Tod wird vom Mantra-Kundigen besiegt
guḍūcyā dugdha-yuktayā
mit Guḍūcī, mit Milch versehen

yathoktadūrvāhomena nīrogāyuḥ samaśnute / jñānaṃ kavitvaṃ labhate candrāgurusurairhutaiḥ

Durch das vorschriftsmäßige Opfer mit Dūrvā-Gras erlangt man ein krankheitsfreies Leben; durch Opfer mit Kampfer, Aguru und anderen Wohlgerüchen erlangt man Wissen und Dichtergabe.

Wort für Wort
yathokta-dūrvā-homena
durch das vorschriftsmäßige Opfer mit Dūrvā-Gras
nīroga-āyuḥ samaśnute
erlangt man ein krankheitsfreies Leben
jñānaṃ kavitvaṃ labhate
man erlangt Wissen und Dichtergabe
candra-aguru-suraiḥ hutaiḥ
durch Opfer mit Kampfer, Aguru und Wohlgerüchen

palāśapuṣpairvāksiddhirannāptiścānnahomataḥ / surabhikṣīradadhyaktāṃllājānhutvā rujo jayet

Mit Palāśa-Blüten erlangt man Redegewandtheit, durch Speiseopfer Nahrungsfülle; wenn man mit Milch und Dickmilch der heiligen Kuh Surabhi benetzte Reisflocken opfert, besiegt man Krankheiten.

Wort für Wort
palāśa-puṣpaiḥ vāk-siddhiḥ
mit Palāśa-Blüten Redegewandtheit
anna-āptiḥ ca anna-homataḥ
und durch Speiseopfer Nahrungsfülle
surabhi-kṣīra-dadhi-aktān lājān hutvā
wenn man mit Milch und Dickmilch der Surabhi benetzte Reisflocken geopfert hat
rujaḥ jayet
besiegt man Krankheiten

raktacandanakarpūrakarcūrāgururocanāḥ / candanaṃ keśaraṃ māṃsīṃ kramādbhāgainiṃyojayet

Rotes Sandelholz, Kampfer, Zitwer, Aguru, Rocanā, weißes Sandelholz, Safran, Jaṭāmāṃsī — der Reihe nach vereine man sie anteilig zu einem Gemisch.

Wort für Wort
rakta-candana-karpūra-karcūra-aguru-rocanāḥ
rotes Sandelholz, Kampfer, Zitwer, Aguru, Rocanā
candanaṃ keśaraṃ māṃsīṃ
weißes Sandelholz, Safran, Jaṭāmāṃsī
kramāt bhāgena
der Reihe nach, anteilig
niyojayet
vereine man zu einem Gemisch

[?] ‚bhāgainiṃyojayet' unklar segmentiert, sinngemäß als ‚anteilig zu einem Gemisch vereinen' gedeutet; Bezug zum folgenden Tilaka-Ritus (V39f.) vermutet.

bhūmicandraikanandābdhidiksaptanigamonmitaiḥ / śmaśāne kṛṣṇabhūtasya niśi nīhārapāthasā

bemessen in Anteilen entsprechend den Zahlen Erde, Mond, Eins, Nanda, Ozean, Richtung, sieben, Veda — auf dem Leichenacker, nachts, mit dem Wasser des Nebels vom Ort des dunklen Geistes,

Wort für Wort
bhūmi-candra-eka-nanda-abdhi-dik-sapta-nigama-unmitaiḥ
bemessen entsprechend den Zahlen Erde, Mond, Eins, Nanda, Ozean, Richtung, sieben, Veda
śmaśāne kṛṣṇa-bhūtasya
auf dem Leichenacker, des dunklen Geistes/Wesens
niśi nīhāra-pāthasā
nachts, mit dem Wasser des Nebels

[Anm.: Vers in bhūtasaṃkhyā-Zahlchiffren (Objektzahlen für Ziffern, z. B. ‚bhūmi'=1, ‚candra'=1, ‚nanda'=9, ‚abdhi'=4, ‚dik'=10, ‚nigama'=4) zur Angabe von Mengenanteilen; genaue Zuordnung der einzelnen Zahlen zu den in V38 genannten Ingredienzien bleibt unsicher, ebenso ‚kṛṣṇabhūtasya' (‚des dunklen Geistes/Wesens', evtl. Baum- oder Ortsname).]

kumāryā peṣayettāni mantreṇāthābhimantrya ca / vidaddhyāttilakaṃ tena darśanādvaśayejjanān

diese lasse man von einer Jungfrau zermahlen und beschwöre sie sodann mit dem Mantra; man trage damit ein Tilaka-Zeichen auf — durch den bloßen Anblick unterwirft man die Menschen.

Wort für Wort
kumāryā peṣayet tāni
diese lasse man von einer Jungfrau zermahlen
mantreṇa atha abhimantrya ca
und beschwöre sie sodann mit dem Mantra
vidadhyāt tilakaṃ tena
man trage damit ein Tilaka-Zeichen auf
darśanāt vaśayet janān
durch den bloßen Anblick unterwirft man die Menschen

gajasiṃhādibhūtāni rākṣasāñchākinīrapi / prayojanānāṃ siddhyai tu devyāḥ śāpaṃ nivartya ca

Elefanten, Löwen und andere Wesen, Rākṣasas, auch Śākinīs — zur Erlangung dieser Ziele aber wende man den Mantra an, nachdem man zuvor den Fluch der Göttin aufgehoben hat.

Wort für Wort
gaja-siṃha-ādi-bhūtāni
Elefanten, Löwen und andere Wesen
rākṣasān śākinīḥ api
Rākṣasas, auch Śākinīs
prayojanānāṃ siddhyai tu
zur Erlangung dieser Ziele aber
devyāḥ śāpaṃ nivartya ca
nachdem man den Fluch der Göttin aufgehoben hat

vidhāyotkīlitāṃ paścājjapamasya samācaret / yo japedādime bīje varāhabhṛgupāvakān

nachdem man ihn entkeilt (utkīlita) gemacht hat, vollziehe man danach seine Rezitation. Wer beim ersten Bīja die Silben Varāha, Bhṛgu, Pāvaka rezitiert,

Wort für Wort
vidhāya utkīlitāṃ
nachdem man ihn entkeilt gemacht hat
paścāt japam asya samācaret
vollziehe man danach dessen Rezitation
yaḥ japet ādime bīje
wer beim ersten Bīja rezitiert
varāha-bhṛgu-pāvakān
die Silben Varāha, Bhṛgu, Pāvaka

madhyamādau nabhohaṃsau madhyamānte tu pāvakam / ādāvante ca tārtūyakramātsvaṃ dhūmraketanam

am Anfang des mittleren Bīja Nabhas und Haṃsa, am Ende des mittleren Bīja aber Pāvaka, am Anfang und Ende des dritten Bīja der Reihe nach Svaṃ und Dhūmraketana —

Wort für Wort
madhyama-ādau nabhaḥ-haṃsau
am Anfang des mittleren Bīja Nabhas und Haṃsa
madhyama-ante tu pāvakam
am Ende des mittleren Bīja aber Pāvaka
ādau ante ca tṛtīya-kramāt
am Anfang und Ende des dritten der Reihe nach
svaṃ dhūmraketanam
Svaṃ und Dhūmraketana

evaṃ japtvā śataṃ vidyā śāpahīnā phalapradā / yadvādye carame bīje naiva rephaṃ viyojayet

wer so hundertmal rezitiert hat, dessen Vidyā wird fluchfrei und fruchtbringend — sofern man beim ersten und letzten Bīja den Ra-Laut keinesfalls wegnimmt.

Wort für Wort
evaṃ japtvā śataṃ
wer so hundertmal rezitiert hat
vidyā śāpahīnā phalapradā
dessen Vidyā wird fluchfrei, fruchtbringend
yadvā ādye carame bīje
sofern man beim ersten und letzten Bīja
na eva rephaṃ viyojayet
keinesfalls den Ra-Laut wegnimmt

śāpoddhāraprakāro 'nyo yadvāyaṃ kīrtito budhaiḥ / ādyamādyaṃ hi tārtīyaṃ kāmaḥ kāmo 'tha vāgbhavam

Oder es gibt eine andere Art der Fluchaufhebung, wie sie von den Weisen verkündet wird: das erste zuerst, sodann das dritte, Kāma, Kāma, sodann Vāgbhava,

Wort für Wort
śāpa-uddhāra-prakāraḥ anyaḥ
eine andere Art der Fluchaufhebung
yadvā ayaṃ kīrtitaḥ budhaiḥ
oder diese, wie von den Weisen verkündet
ādyam ādyaṃ hi tṛtīyaṃ
das erste zuerst, dann das dritte
kāmaḥ kāmaḥ atha vāgbhavam
Kāma, Kāma, sodann Vāgbhava

antyamantthamanaṅgaśca navārṇaḥ kīrtito manuḥ / japto 'yaṃ śatadhā śāpaṃ bālāyā vinivartayet

am Ende ‚Antta', Ananga — so wird der neunsilbige Mantra verkündet. Hundertmal rezitiert, hebt dieser den Fluch der Bālā auf.

Wort für Wort
antyam antthaṃ(?) anaṅgaḥ ca
am Ende ‚Antta'(?), und Ananga
navārṇaḥ kīrtitaḥ manuḥ
so wird der neunsilbige Mantra verkündet
japtaḥ ayaṃ śatadhā
hundertmal rezitiert
śāpaṃ bālāyāḥ vinivartayet
hebt dieser den Fluch der Bālā auf

[?] ‚antyamantthaṃ' unklar, evtl. verderbt/doppelt gelesen; sinngemäß als weiteres Silbenelement der Neun-Silben-Reihe gedeutet.

caitanyāhlādinūmantrau japtau niṣkīlatākarau / trisvarāścetanaṃ mantrī dharaḥ śāntiranugrahaḥ

Der Caitanya- und Āhlādinī-Mantra, rezitiert, bewirken das Entkeilen (niṣkīlana); die drei Vokale, das Bewusstsein, der Mantra-Kundige, der Träger, Śānti, Anugraha —

Wort für Wort
caitanya-āhlādinī-mantrau japtau
der Caitanya- und Āhlādinī-Mantra, rezitiert
niṣkīlatā-karau
bewirken das Entkeilen
tri-svarāḥ cetanaṃ mantrī
die drei Vokale, das Bewusstsein, der Mantra-Kundige
dharaḥ śāntiḥ anugrahaḥ
der Träger, Śānti, die Gunsterweisung

[?] Aufzählung technischer Bestandteile des Entkeilungsverfahrens; syntaktischer Zusammenhang der Einzelglieder unsicher.

tārādihṛdayāntaḥ syātkāma āhlādinīmanuḥ / tathā trayāṇāṃ bījānāṃ dīpanairmanubhistribhiḥ

Beginnend mit Tārā, endend mit Hṛdaya, sei Kāma und darauf der Āhlādinī-Mantra; ebenso werden die drei Bīja-Silben mit den drei ‚Entflammungs'-Mantras entzündet.

Wort für Wort
tārā-ādi-hṛdaya-antaḥ syāt
beginnend mit Tārā, endend mit Hṛdaya, sei
kāma āhlādinī-manuḥ
Kāma, der Āhlādinī-Mantra
tathā trayāṇāṃ bījānāṃ
ebenso die drei Bīja-Silben
dīpanaiḥ manubhiḥ tribhiḥ
mit den drei ‚Entflammungs'-Mantras

sudīptāni vidhāyādau japettānīṣṭasiddhaye / vadayugmaṃ sadīrghāṃbu smṛtivālāvanaṅgatau

nachdem man sie zunächst gut entflammt hat, rezitiere man sie zur Erlangung des Gewünschten: ein Paar Munds(-laute), mit langem Wasser(-laut) versehen, Smṛti, Vālā, Anaṅga —

Wort für Wort
sudīptāni vidhāya ādau
nachdem man sie zunächst gut entflammt hat
japet tāni iṣṭa-siddhaye
rezitiere man sie zur Erlangung des Gewünschten
vada-yugmaṃ sa-dīrgha-ambu
ein Paar Munds(-laute), mit langem Wasser(-laut) versehen
smṛti-vālā-anaṅgatau
Smṛti, Vālā, Anaṅga

[?] Fortsetzung der stark kodierten ‚Entflammungs'-Formel; Einzelbegriffe (vadayugmaṃ, sadīrghāṃbu) unsicher entzifferbar.

satyaḥ sanetro nastādṛgvā vāgvarṇādyadīpinī / klinne kledini vaikuṇṭho dīrghaṃ svaṃ sadyagontimaḥ

Satya, mit dem Netra-Laut, ‚nas', ‚tādṛk' oder ähnlich — die mit dem Vāk-Laut beginnende Entflammerin (dīpinī); in ‚Klinna', ‚Kledinī', Vaikuṇṭha, der lange Vokal, ‚Svaṃ', am Ende sogleich —

Wort für Wort
satyaḥ sa-netraḥ naḥ tādṛk vā
Satya, mit Netra-Laut, ‚nas', ‚tādṛk' oder
vāk-varṇa-ādya-dīpinī
die mit dem Vāk-Laut beginnende Entflammerin
klinne kledini vaikuṇṭhaḥ
in ‚Klinna', ‚Kledinī', Vaikuṇṭha
dīrghaṃ svaṃ sadyaḥ-antimaḥ
der lange Vokal, ‚Svaṃ', am Ende sogleich

[Anm.: Vers stark kodiert und schwer entzifferbar (dīpinī-Formel zur ‚Entflammung' der Bīja-Silben); wörtliche Wiedergabe der Einzelfragmente unter Vorbehalt.]

nidrā sacandrā kurvīta śivārṇā madhyadīpinī / tāro mokṣaṃ ca kurute nāyaṃ varṇāsyadīpinī

Nidrā, mit dem Mond versehen, bewirke man; der Śiva-Laut ist die mittlere Entflammerin; Tāra (oṃ) bewirkt auch die Erlösung — dies ist die Entflammerin des Vokal-Mundes.

Wort für Wort
nidrā sa-candrā kurvīta
Nidrā, mit dem Mond versehen, bewirke man
śiva-arṇā madhya-dīpinī
der Śiva-Laut, die mittlere Entflammerin
tāraḥ mokṣaṃ ca kurute
Tāra (oṃ) bewirkt auch die Erlösung
na ayaṃ varṇa-asya-dīpinī
dies ist die Entflammerin des Vokal-Mundes

[?] Fortführung der kodierten dīpinī-Reihe; Gesamtaufbau (Anfangs-, Mittel- und End-Dīpinī der drei Bīja) sinngemäß, nicht in jedem Detail sicher.

dīpinīmantarā bālā sādhitāpi na siddhyati / vāgantyakāmān prajayedarīṇā kṣobhahetave

Ohne die Entflammerin (dīpinī) wird Bālā, auch wenn sie sonst geübt wird, nicht vollkommen. Mit dem auf Vāk und Kāma endenden Mantra besiege man die Feinde, zu deren Erschütterung.

Wort für Wort
dīpinīm antarā bālā
ohne die Entflammerin bleibt Bālā
sādhitā api na siddhyati
auch wenn geübt, nicht vollkommen
vāk-antya-kāmān prajayet
mit dem auf Vāk und Kāma endenden Mantra besiege man
arīṇāṃ kṣobha-hetave
die Feinde, zu deren Erschütterung

kāmavāgantyabījāni trailokyasya vaśīkṛtau / kāmāntyavāṇībījāni muktaye niyato japet

Die auf Kāma und Vāk endenden Bīja-Silben dienen zur Bezauberung der drei Welten; die auf Kāma endenden Vāṇī-Bīja-Silben rezitiere man geläutert zur Erlösung.

Wort für Wort
kāma-vāk-antya-bījāni
die auf Kāma und Vāk endenden Bīja-Silben
trailokyasya vaśīkṛtau
zur Bezauberung der drei Welten
kāma-antya-vāṇī-bījāni
die auf Kāma endenden Vāṇī-Bīja-Silben
muktaye niyataḥ japet
zur Erlösung rezitiere man geläutert

pūjāraṃbhe tu bālāyāstrividhānarcayedgurūn / divyaughaścaiva siddhaugho mānavaugha iti tridhā

Zu Beginn der Verehrung der Bālā aber verehre man die Guru-Linien dreifacher Art: die göttliche Strömung (Divyaugha), die vollkommene Strömung (Siddhaugha) und die menschliche Strömung (Mānavaugha) — so dreifach.

Wort für Wort
pūjā-araṃbhe tu bālāyāḥ
zu Beginn der Verehrung der Bālā aber
trividhān arcayet gurūn
verehre man die Guru-Linien dreifacher Art
divya-oghaḥ ca eva siddha-oghaḥ
die göttliche Strömung und die vollkommene Strömung
mānava-oghaḥ iti tridhā
die menschliche Strömung — so dreifach

paraprakāśaḥ parame śānaḥ paraśivastathā / kāmeśvarastato mokṣaḥ ṣaṣṭhaḥ kāmo 'mṛtoṃ'timaḥ

Paraprakāśa, Parameśāna, ebenso Paraśiva, sodann Kāmeśvara, Mokṣa, als sechster Kāma, und als letzter Amṛta —

Wort für Wort
paraprakāśaḥ parame-śānaḥ
Paraprakāśa, Parameśāna
paraśivaḥ tathā
ebenso Paraśiva
kāmeśvaraḥ tataḥ mokṣaḥ
sodann Kāmeśvara, Mokṣa
ṣaṣṭhaḥ kāmaḥ amṛtaḥ antimaḥ
als sechster Kāma, als letzter Amṛta

ete daptaiva divyaughā ānandapadapaścimāḥ / īśānākhyastatpuruṣo 'ghorākhyovāmadevakaḥ

diese, endend mit dem Wort ‚Ānanda', sind eben die göttliche Strömung (Divyaugha); nun die Siddhaugha: der ‚Īśāna' genannte, der ‚Tatpuruṣa', der ‚Aghora' genannte, der ‚Vāmadeva',

Wort für Wort
ete anta eva(?) divya-oghāḥ
diese, endend, sind eben die göttliche Strömung
ānanda-pada-paścimāḥ
mit dem Wort ‚Ānanda' als letztem
īśāna-ākhyaḥ tatpuruṣaḥ
der ‚Īśāna' genannte, der ‚Tatpuruṣa'
aghora-ākhyaḥ vāmadevakaḥ
der ‚Aghora' genannte, der ‚Vāmadeva'

[?] ‚daptaiva' unklar, evtl. verderbt für ‚antā eva' (‚eben endend mit'); sinngemäß angepasst.

sadyojāta ime pañca siddhaudhākhyāḥ smṛtā mune / mānavaughāḥ parijñeyāḥ svaguroḥ sampradāyataḥ

und Sadyojāta — diese fünf werden, o Muni, als ‚Siddhaugha' bezeichnet, wie überliefert. Die menschliche Strömung (Mānavaugha) ist aus der Überlieferung des eigenen Gurus zu erkennen.

Wort für Wort
sadyojātaḥ ime pañca
und Sadyojāta — diese fünf
siddhaugha-ākhyāḥ smṛtāḥ mune
werden, o Muni, als ‚Siddhaugha' bezeichnet
mānavaughāḥ parijñeyāḥ
die menschliche Strömung ist zu erkennen
svaguroḥ sampradāyataḥ
aus der Überlieferung des eigenen Gurus

navayonyātmake yantre vilikhenmadhyayonitaḥ / prādakṣiṇyena bījāni trivāraṃ sādhakottamaḥ

In das aus neun Yonis bestehende Yantra schreibe der beste Sādhaka, von der mittleren Yoni ausgehend, im Uhrzeigersinn die Bīja-Silben dreimal.

Wort für Wort
nava-yoni-ātmake yantre
in das aus neun Yonis bestehende Yantra
vilikhet madhya-yonitaḥ
schreibe man, von der mittleren Yoni ausgehend
prādakṣiṇyena bījāni
im Uhrzeigersinn die Bīja-Silben
trivāraṃ sādhaka-uttamaḥ
dreimal, der beste Sādhaka

trīṃstrīnvarṇāṃstu gāyatryā aṣṭapatreṣu saṃlikhet / bahirmātṛkayā'veṣṭya tadbahirbhūpuradvayam

Je drei Silben der Gāyatrī schreibe man auf die acht Blütenblätter; außen umhülle man mit der Mātṛkā, außerhalb davon ein Paar Erdstadt-Umrandungen.

Wort für Wort
trīn trīn varṇān tu gāyatryāḥ
je drei Silben der Gāyatrī
aṣṭa-patreṣu saṃlikhet
schreibe man auf die acht Blütenblätter
bahiḥ mātṛkayā āveṣṭya
außen mit der Mātṛkā umhüllt
tat-bahiḥ bhūpura-dvayam
außerhalb davon ein Paar Erdstadt-Umrandungen

kāmabījalasatkoṇana vyatibhinnaṃ parasparam / patre traipuramākhyātaṃ japasaṃpātasādhitam

mit dem vom Kāma-Bīja strahlenden Winkel wechselseitig durchdrungen — auf dem Blütenblatt wird dieses Yantra ‚Traipura' genannt, das durch Zusammenfließen der Rezitation vervollkommnet wird.

Wort für Wort
kāma-bīja-lasat-koṇena
mit dem vom Kāma-Bīja strahlenden Winkel
vyatibhinnaṃ parasparam
wechselseitig durchdrungen
patre traipuram ākhyātaṃ
auf dem Blütenblatt wird es ‚Traipura' genannt
japa-saṃpāta-sādhitam
durch Zusammenfließen der Rezitation vervollkommnet

[?] ‚kāmabījalasatkoṇana' unklar segmentiert (vermutlich ‚kāma-bīja-lasat-koṇena'); Gesamtsinn sinngemäß erschlossen.

bāhunā vidhṛte dadyāddhanaṃ kīrtiṃ sukhaṃ sutān / kāmānte tripurā devī vidmahe kaviṣaṃ bhahim

Am Arm getragen, verleiht es Reichtum, Ruhm, Glück und Söhne. Es folgt das Gāyatrī-Mantra: ‚Kāma' am Ende — ‚Tripurā-Devī vidmahe, kaviṣaṃ bhahim' —

Wort für Wort
bāhunā vidhṛte dadyāt
am Arm getragen, verleiht es
dhanaṃ kīrtiṃ sukhaṃ sutān
Reichtum, Ruhm, Glück und Söhne
kāma-ante tripurā devī
‚Kāma' am Ende — ‚Tripurā-Devī'
vidmahe kaviṣaṃ bhahim(?)
‚vidmahe, kaviṣaṃ bhahim' (Fragment, unsicher)

[Anm.: Beginn des Tripurā-Gāyatrī-Mantras (V61–V63); der Wortlaut ist gegenüber der bekannten Standardform (tripurā-devyai vidmahe kāmeśvaryai/kāmarājāya dhīmahi …) hier stellenweise entstellt überliefert (‚kaviṣaṃ bhahim' unklar); wörtliche Wiedergabe der erkennbaren Fragmente unter Vorbehalt.]

bakaḥ khaḍgī samārūḍhaḥ sanetro 'gniśca dhīmahi / tatra klinne pracodānte yādityeṣā prakīrtitā

‚Baka', ‚Khaḍgī', ‚Samārūḍha', mit dem Netra-Laut, und ‚Agni' — ‚dhīmahi'; dort, in ‚Klinna', endend auf ‚pracodayāt' — so wird sie (die Gāyatrī) verkündet.

Wort für Wort
bakaḥ khaḍgī samārūḍhaḥ
‚Baka', ‚Khaḍgī', ‚Samārūḍha'
sa-netraḥ agniḥ ca dhīmahi
mit Netra-Laut, und ‚Agni' — ‚dhīmahi'
tatra klinne pracodāya-ante
dort, in ‚Klinna', endend auf ‚pracodayāt'
yā iti eṣā prakīrtitā
so wird sie (die Gāyatrī) verkündet

[Anm.: Fortsetzung des entstellt überlieferten Tripurā-Gāyatrī-Mantras; genaue Silbenfolge unsicher.]

gāyatrī traipurā sarsiddhidā surasevitā / atha lakṣmyavatāro 'nyaḥ kīrtyate siddhido nṛṇām

Dies ist die Tripurā-Gāyatrī, die alle Vollkommenheit verleiht und von den Göttern verehrt wird. Nun wird ein weiterer Avatāra der Lakṣmī verkündet, der den Menschen Vollkommenheit verleiht.

Wort für Wort
gāyatrī traipurā sarva-siddhidā
die Tripurā-Gāyatrī, die alle Vollkommenheit verleiht
sura-sevitā
von den Göttern verehrt
atha lakṣmī-avatāraḥ anyaḥ
nun ein weiterer Avatāra der Lakṣmī
kīrtyate siddhidaḥ nṛṇām
wird verkündet, der den Menschen Vollkommenheit verleiht

[?] ‚sarsiddhidā' vermutlich für ‚sarvasiddhidā' (alle Vollkommenheit verleihend).

vedādirgirijā padmā manyatho hṛdayaṃ bhṛguḥ / bhagavati māheśvarī ṅente 'nnapūrṇe dahanāṅganā

Der Veda-Anfangs-Laut, Girijā, Padmā, Manyatha, das Herz-Wort, Bhṛgu, ‚Bhagavati Māheśvarī', mit dem Ṅe-Laut endend, ‚Annapūrṇe', Dahanāṅganā (svāhā) —

Wort für Wort
veda-ādiḥ girijā padmā
der Veda-Anfangs-Laut, Girijā, Padmā
manyathaḥ hṛdayaṃ bhṛguḥ
Manyatha, das Herz-Wort, Bhṛgu
bhagavati māheśvarī ṅe-ante
‚Bhagavati Māheśvarī', mit dem Ṅe-Laut endend
annapūrṇe dahana-aṅganā
‚Annapūrṇe', Dahanāṅganā (svāhā)

[?] Kodierter Mantroddhāra-Vers für den Annapūrṇā-Mantra; einzelne Silben (vedādi, girijā, manyatho) traditionelle Chiffren, genaue phonetische Auflösung unsicher.

proktā viṃśativarṇeyaṃ vidyā syāddruhiṇo muniḥ / dhṛtiśchando 'nnapūrṇeśī devatā parikīrtitā

Diese Vidyā wird als aus zwanzig Silben bestehend verkündet; als Ṛṣi gilt Druhiṇa (Brahmā), als Versmaß Dhṛti, als Gottheit wird Annapūrṇeśī genannt.

Wort für Wort
proktā viṃśati-varṇā iyaṃ vidyā
diese Vidyā wird als aus zwanzig Silben bestehend verkündet
syāt druhiṇaḥ muniḥ
als Ṛṣi gilt Druhiṇa (Brahmā)
dhṛtiḥ chandaḥ
als Versmaß Dhṛti
annapūrṇeśī devatā parikīrtitā
als Gottheit wird Annapūrṇeśī genannt

ṣaḍdīrghāḍhyena hṛllekhābī'jena syātṣaḍaṅgakam / mukhanāsākṣikarṇāṃsagudeṣu navasu nyaset

Mit dem an den sechs langen Vokalen reichen Hṛllekhā-Bīja (hrīṃ) erfolge der Ṣaḍaṅga(-Nyāsa); an Mund, Nase, Augen, Ohren, Schultern und After, an diesen neun Stellen platziere man ihn.

Wort für Wort
ṣaḍ-dīrgha-āḍhyena hṛllekhā-bījena
mit dem an den sechs langen Vokalen reichen Hṛllekhā-Bīja
syāt ṣaḍ-aṅgakam
erfolge der Ṣaḍaṅga(-Nyāsa)
mukha-nāsā-akṣi-karṇa-aṃsa-gudeṣu
an Mund, Nase, Augen, Ohren, Schultern, After
navasu nyaset
an diesen neun Stellen platziere man

padāni nava tadvarṇasaṃkhyedānīmudīryate / bhūmicandradharaikākṣivedābdhiyugabāhubhiḥ

Die neun Glieder des Mantras — nun wird deren Silbenzahl verkündet: mit den Zahlchiffren Erde, Mond, Berg, Eins, Auge, Veda, Ozean, Paar, Arm —

Wort für Wort
padāni nava tat-varṇa-saṃkhyā
die neun Glieder, deren Silbenzahl
idānīm udīryate
wird nun verkündet
bhūmi-candra-dhara-eka-akṣi
mit den Zahlchiffren Erde, Mond, Berg, Eins, Auge
veda-abdhi-yuga-bāhubhiḥ
Veda, Ozean, Paar, Arm

[Anm.: Bhūtasaṃkhyā-Zahlchiffren zur Angabe der Silbenzahl jedes der neun Mantra-Glieder; genaue Zuordnung zu den einzelnen Gliedern aus V66 nicht restlos sicher rekonstruierbar.]

padasaṃkhyāmitā varṇaistato dhyāyetsureśvarīm / svarṇābhāṅgāṃ trinayanāṃ vastrālaṅkāraśobhitām

mit den Silben, wie nach der Gliederzahl bemessen — sodann meditiere man auf die Götterherrin, goldglänzend an Gliedern, dreiäugig, geschmückt mit Gewand und Schmuck,

Wort für Wort
pada-saṃkhyā-mitā varṇaiḥ
mit den Silben, nach der Gliederzahl bemessen
tataḥ dhyāyet sura-īśvarīm
sodann meditiere man auf die Götterherrin
svarṇa-ābha-aṅgāṃ trinayanāṃ
goldglänzend an Gliedern, dreiäugig
vastra-alaṅkāra-śobhitām
geschmückt mit Gewand und Schmuck

bhūramāsaṃ yutāṃ devīṃ svarṇāmatrakarāṃbujām / lakṣaṃ japo 'yutaṃ homo ghṛtāktacaruṇā tathā

die mit Bhū, Rāma und Māsa verbundene Göttin, mit einem goldenen Gefäß in der Lotushand; man rezitiere hunderttausendmal, opfere zehntausendmal mit in Ghee getränktem Reisbrei.

Wort für Wort
bhū-rāma-māsaṃ yutāṃ devīṃ
die mit Bhū, Rāma, Māsa verbundene Göttin
svarṇa-pātra-kara-ambujām
mit goldenem Gefäß in der Lotushand
lakṣaṃ japaḥ ayutaṃ homaḥ
man rezitiere hunderttausendmal, opfere zehntausendmal
ghṛta-akta-caruṇā tathā
mit in Ghee getränktem Reisbrei

[?] ‚bhūramāsaṃ' unklare Zusammensetzung, evtl. weitere Symbol-/Attributangaben; sinngemäß wiedergegeben.

jayādinavaśaktayāḍhye pīṭhe pūjā samīritā / trikoṇā vedapatrāṣṭapatraṣoḍaśapatrake

Auf dem Pīṭha, reich an den mit Jayā beginnenden neun Śaktis, wird die Verehrung dargelegt: ein Dreieck, umgeben von vier, acht und sechzehn Blütenblättern.

Wort für Wort
jayā-ādi-nava-śakti-āḍhye pīṭhe
auf dem Pīṭha, reich an den mit Jayā beginnenden neun Śaktis
pūjā samīritā
wird die Verehrung dargelegt
trikoṇā veda-patra
ein Dreieck, vier Blätter
aṣṭa-patra-ṣoḍaśa-patrake
acht und sechzehn Blütenblätter

bhūpureṇa yute yantre pradadyānmāyayā manum / agnyādikoṇatritaye śivavārāhamādhavān

In das mit einer Bhūpura versehene Yantra gebe man mit Māyā (hrīṃ) den Mantra; in den drei Winkeln, beginnend mit dem Feuer-Winkel, verehre man Śiva, Varāha und Mādhava.

Wort für Wort
bhūpureṇa yute yantre
in das mit einer Bhūpura versehene Yantra
pradadyāt māyayā manum
gebe man mit Māyā (hrīṃ) den Mantra
agni-ādi-koṇa-tritaye
in den drei Winkeln, beginnend mit dem Feuer-Winkel
śiva-vārāha-mādhavān
Śiva, Varāha, Mādhava

acaryayetsvasvamantraistu procyante manavastu te / praṇavo manucandrāḍhyaṃ gaganaṃ hṛdayaṃ śivā

man verehre sie mit ihren jeweils eigenen Mantras — diese werden nun genannt: Praṇava (oṃ), mit dem Manu-Mond-Laut versehen, Gagana, Hṛdaya, Śivā,

Wort für Wort
ācaryayet sva-sva-mantraiḥ tu
man verehre sie mit ihren jeweils eigenen Mantras
procyante manavaḥ tu te
diese Mantras werden nun genannt
praṇavaḥ manu-candra-āḍhyaṃ
Praṇava (oṃ), mit dem Manu-Mond-Laut versehen
gaganaṃ hṛdayaṃ śivā
Gagana, Hṛdaya, Śivā

mārutaḥ śivamantro 'yaṃ saptārṇaḥ śivapūjane / vārāhanārāyaṇayormantrau pūrvamudīrayet

und Māruta — dies ist der siebensilbige Śiva-Mantra zur Śiva-Verehrung. Die Mantras für Varāha und Nārāyaṇa nenne man zuvor entsprechend.

Wort für Wort
mārutaḥ śiva-mantraḥ ayaṃ
und Māruta — dies ist der Śiva-Mantra
sapta-arṇaḥ śiva-pūjane
der siebensilbige, zur Śiva-Verehrung
vārāha-nārāyaṇayoḥ mantrau
die Mantras für Varāha und Nārāyaṇa
pūrvam udīrayet
nenne man zuvor

ṣaḍaṅgāni tato 'bhyarcya vāme dakṣe dharāṃ ramām / yajetsvasvamanubhyāṃ tu tāvucyete munīśvara

Nachdem man sodann die sechs Glied-Mantras verehrt hat, verehre man links Dharā (die Erde) und rechts Ramā (Lakṣmī), jeweils mit ihrem eigenen Mantra — diese beiden werden, o Fürst der Muni, nun genannt:

Wort für Wort
ṣaḍaṅgāni tataḥ abhyarcya
nachdem man sodann die sechs Glied-Mantras verehrt hat
vāme dakṣe dharāṃ ramām
links und rechts Dharā und Ramā
yajet sva-sva-manubhyāṃ tu
verehre man jeweils mit ihrem eigenen Mantra
tau ucyete munīśvara
diese beiden werden, o Fürst der Muni, genannt

annaṃ mahyannamityuktvā me dehyannādhiporṇakāḥ / nayemamannaṃ prāṇānte dāpayānalasuṃdarī

Nachdem man gesagt hat: ‚Speise, mir Speise' — ‚gib mir Speise' (Formel für) die Speisenfülle-Trägerin; ‚führe diese Speise' — endend auf ‚Prāṇa' — ‚lass darreichen, o schöne Feuer-Göttin'.

Wort für Wort
annaṃ mahyam annam iti uktvā
nachdem man gesagt hat: ‚Speise, mir Speise'
me dehi anna-ādhi-pūrṇakāḥ
‚gib mir' — Formel für die Speisenfülle-Trägerin
naya imam annaṃ prāṇa-ante
‚führe diese Speise' — endend auf ‚Prāṇa'
dāpaya analasuṃdarī
‚lass darreichen', o schöne Feuer-Göttin

[Anm.: Mantrische Anrufungsformel für Dharā/Annapūrṇā in direkter Rede (‚gib mir Speise' u. ä.); Textstand teils unsicher segmentiert (‚annādhiporṇakāḥ', ‚analasuṃdarī'), Gesamtsinn jedoch als Speise-Bitte klar erkennbar.]

dvāviṃśatyakṣaro mantro bhūmīṣṭau bhūmisaṃpuṭaḥ / lakṣmīṣṭau śrīpuṭo vipra snṛtirlabhanucandrayuk

Der Mantra besteht aus zweiundzwanzig Silben; von ‚Bhūmi' umhüllt heißt er Bhūmi-Saṃpuṭa; von ‚Lakṣmī' umhüllt, o Brahmane, Śrī-Puṭa; Smṛti, Labha, mit dem Mond verbunden —

Wort für Wort
dvāviṃśati-akṣaraḥ mantraḥ
der Mantra besteht aus zweiundzwanzig Silben
bhūmi-iṣṭau bhūmi-saṃpuṭaḥ
von ‚Bhūmi' umhüllt heißt er Bhūmi-Saṃpuṭa
lakṣmī-iṣṭau śrī-puṭaḥ vipra
von ‚Lakṣmī' umhüllt, o Brahmane, Śrī-Puṭa
smṛtiḥ labha anu-candra-yuk
Smṛti, Labha, mit dem Mond verbunden

[?] ‚snṛtirlabhanucandrayuk' unklar segmentiert; sinngemäß als weitere technische Silbenangabe wiedergegeben.

bhuvo bījamiti proktaṃ śrībījaṃ prāgudāhṛtam / mantrādisthacaturbījapūrvikāḥ paripūjayet

So wird das Bīja der Erde genannt; das Śrī-Bīja wurde zuvor erwähnt. Man verehre sie alle, denen die vier Bīja-Silben am Mantra-Anfang vorangestellt sind.

Wort für Wort
bhuvaḥ bījam iti proktaṃ
so wird das Bīja der Erde genannt
śrī-bījaṃ prāk udāhṛtam
das Śrī-Bīja wurde zuvor erwähnt
mantra-ādi-stha-catur-bīja-pūrvikāḥ
denen die vier Bīja-Silben am Mantra-Anfang vorangestellt sind
paripūjayet
man verehre sie

śaktīścatasro vedāsre parā ca bhuvaneśvarī / kamalā subhagā cati brāhmyādyā aṣṭapatragāḥ

die vier Śaktis im Veda-Winkel-Dreieck: Parā und Bhuvaneśvarī, Kamalā, Subhagā; auf den acht Blütenblättern die mit Brāhmī beginnenden Mütter,

Wort für Wort
śaktīḥ catasraḥ veda-asre
die vier Śaktis im Veda-Winkel-Dreieck
parā ca bhuvaneśvarī
Parā und Bhuvaneśvarī
kamalā subhagā ca iti
Kamalā, Subhagā — so
brāhmī-ādyā aṣṭa-patra-gāḥ
die mit Brāhmī beginnenden auf den acht Blütenblättern

[?] ‚vedāsre' unklar (evtl. ‚veda-asre' = ‚im Veda-Winkel', d. h. Vierer-Dreieck/-Figur); Deutung sinngemäß.

ṣoḍaśāre smṛte cava mānadātuṣṭipuṣṭayaḥ / prītī ratirhnīḥ śrīścāpi svadhā svāhā daśamyatha

Im sechzehnspeichigen Kreis, wie überliefert: Māna, Dā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Prīti, Rati, Hrī, Śrī, sowie Svadhā, Svāhā als zehnte,

Wort für Wort
ṣoḍaśa-are smṛte ca
im sechzehnspeichigen Kreis, wie überliefert
māna-dā-tuṣṭi-puṣṭayaḥ
Māna, Dā, Tuṣṭi, Puṣṭi
prītī ratiḥ hnīḥ śrīḥ ca api
Prīti, Rati, Hrī, Śrī, sowie
svadhā svāhā daśamī atha
Svadhā, Svāhā als zehnte

jyotsnā haimavatī chāyā pūrṇimā saṃhatistathā / amāvāsyeti saṃpūjyā mantreśe prāṇapūrvikā

Jyotsnā, Haimavatī, Chāyā, Pūrṇimā, Saṃhati, ebenso Amāvāsyā — so sind diese Śaktis im Herrn des Mantra zu verehren, dem Lebenshauch vorangestellt.

Wort für Wort
jyotsnā haimavatī chāyā
Jyotsnā, Haimavatī, Chāyā
pūrṇimā saṃhatiḥ tathā
Pūrṇimā, Saṃhati, ebenso
amāvāsyā iti saṃpūjyā
Amāvāsyā — so sind sie zu verehren
mantra-īśe prāṇa-pūrvikā
im Herrn des Mantra, dem Lebenshauch vorangestellt

bhūpure lokapālāḥ syustadastrāṇi tadagrataḥ / itthaṃ japādibhiḥ siddhe mantre 'smindhanasaṃcayaiḥ

In der Bhūpura seien die Weltenhüter, davor ihre Waffen. Wenn dieser Mantra so durch Rezitation und Weiteres vollkommen geworden ist, erlangt man Ansammlungen von Reichtum,

Wort für Wort
bhūpure lokapālāḥ syuḥ
in der Bhūpura seien die Weltenhüter
tat-astrāṇi tat-agrataḥ
davor ihre Waffen
ittham japa-ādibhiḥ siddhe mantre asmin
wenn dieser Mantra so durch Rezitation u.a. vollkommen geworden ist
dhana-saṃcayaiḥ
mit Ansammlungen von Reichtum

kuberasadṛśo mantrī jāyate janavanditaḥ / atha lakṣmyavatāro 'nyaḥ kīrtyate munisattama

wird der Mantra-Kundige Kubera gleich und von den Menschen verehrt. Nun wird, o Bester der Muni, ein weiterer Avatāra der Lakṣmī verkündet.

Wort für Wort
kubera-sadṛśaḥ mantrī
der Mantra-Kundige, Kubera gleich
jāyate janavanditaḥ
wird von den Menschen verehrt
atha lakṣmī-avatāraḥ anyaḥ
nun ein weiterer Avatāra der Lakṣmī
kīrtyate munisattama
wird verkündet, o Bester der Muni

praṇavaḥ śāntiraruṇākriyāḍhyācandrabhūṣitāḥ / bagalāmukhasarvānte indhikāhrādinīyutā

Praṇava (oṃ), Śānti, Aruṇā, reich an Kriyā, mit dem Mond geschmückt, ‚Bagalāmukhi' gefolgt von ‚Sarva' am Ende, verbunden mit Indhikā und Hrādinī —

Wort für Wort
praṇavaḥ śāntiḥ aruṇā
Praṇava (oṃ), Śānti, Aruṇā
kriyā-āḍhyā candra-bhūṣitāḥ
reich an Kriyā, mit dem Mond geschmückt
bagalāmukha-sarva-ante
‚Bagalāmukhi' gefolgt von ‚Sarva' am Ende
indhikā-hrādinī-yutā
verbunden mit Indhikā und Hrādinī

[?] Kodierter Mantroddhāra-Vers zur Konstruktion des Bagalāmukhī-Mantras (‚oṃ hlrīṃ bagalāmukhi sarva-dustāni stambhaya…' o. ä.); Einzelbegriffe (śānti, aruṇā, kriyāḍhyā, indhikā) traditionelle Silben-Chiffren, genaue phonetische Auflösung unsicher.

pītājarāyukpratiṣṭhā punardīrdhodasaṃyutā / vācaṃ mukhaṃ padaṃ staṃbhayānte jihvāpadaṃ vadet

gelb, mit Jarāyu verbunden, Pratiṣṭhā, wiederum mit dem langen Vokal Uda verbunden; ‚Rede, Mund, Schritt fessle' — am Ende spreche man das Wort ‚Zunge'.

Wort für Wort
pīta-jarāyu-yuk-pratiṣṭhā
gelb, mit Jarāyu verbunden, Pratiṣṭhā
punaḥ dīrgha-uda-saṃyutā
wiederum mit dem langen Vokal Uda verbunden
vācaṃ mukhaṃ padaṃ staṃbhaya
‚Rede, Mund, Schritt fessle'
ante jihvā-padaṃ vadet
am Ende spreche man das Wort ‚Zunge'

[Anm.: Fortsetzung des Bagalāmukhī-Stambhana-Mantras (‚vācaṃ mukhaṃ padaṃ staṃbhaya jihvāṃ kīlaya…' — vgl. bekannte Standardform); ‚pītājarāyukpratiṣṭhā' und ‚dīrdhodasaṃyutā' unklare Codesilben, sinngemäß wiedergegeben.]

kīlayeti ca buddhiṃ vināśayānte svabījakam / tāro 'gnisuṃdarī mantro bagalāyāḥ prakīrtitaḥ

‚fessle' (kīlaya) — und ‚die Einsicht vernichte' — am Ende das eigene Bīja; ‚Tāra (oṃ), o schöne Feuer-Göttin' — so wird der Mantra der Bagalā verkündet.

Wort für Wort
kīlaya iti ca
‚fessle' — und
buddhiṃ vināśaya ante svabījakam
‚die Einsicht vernichte' — am Ende das eigene Bīja
tāraḥ agni-suṃdarī
Tāra (oṃ), o schöne Feuer-Göttin
mantraḥ bagalāyāḥ prakīrtitaḥ
so wird der Mantra der Bagalā verkündet

munistu nāradaśchado bṛhatī bagalāmukhī / devatā netrapañceṣunavapañcadigarṇakaiḥ

Als Ṛṣi aber gilt Nārada, als Versmaß Bṛhatī, als Gottheit Bagalāmukhī; mit den Zahlchiffren Auge, Pfeil, Neun, Fünf, Richtung —

Wort für Wort
muniḥ tu nāradaḥ chandaḥ
als Ṛṣi aber gilt Nārada, als Versmaß
bṛhatī bagalāmukhī devatā
Bṛhatī, als Gottheit Bagalāmukhī
netra-pañceṣu-nava-pañca-dik-arṇakaiḥ
mit den Zahlchiffren Auge, Pfeil, Neun, Fünf, Richtung

[Anm.: Bhūtasaṃkhyā-Zahlchiffren (netra=2, pañceṣu=5 [die fünf Blumenpfeile Kāmas], nava=9, pañca=5, dik=10) — vermutlich zur Angabe einer Silben- oder Gliederzahl des Bagalāmukhī-Mantras; genauer Bezug unsicher.]

aṅgāni kalpayitvā ca dhyāyetpītāmbarāṃ tataḥ / svarṇāsanasthāṃ hemābhāṃ staṃbhinīminduśekharām

Nachdem man die Glied-Mantras gebildet hat, meditiere man sodann auf sie, gelbgewandet, auf goldenem Sitz thronend, goldglänzend, die Fesselnde (Stambhinī), mit dem Mond als Diadem,

Wort für Wort
aṅgāni kalpayitvā ca
nachdem man die Glied-Mantras gebildet hat
dhyāyet pīta-ambarāṃ tataḥ
meditiere man sodann auf sie, gelbgewandet
svarṇa-āsana-sthāṃ hema-ābhāṃ
auf goldenem Sitz thronend, goldglänzend
staṃbhinīm indu-śekharām
die Fesselnde, mit dem Mond als Diadem

dadhatīṃ mudgaraṃ pāśaṃ vajraṃ ca rasanāṃ karaiḥ / evaṃ dhyātvājapellakṣamayutaṃ caṃpakodbhavaiḥ

die mit den Händen Keule, Strick, Vajra und Zunge trägt. Nachdem man so meditiert hat, rezitiere man hunderttausendmal und opfere zehntausendmal mit aus dem Campaka-Baum entstandenen Blüten.

Wort für Wort
dadhatīṃ mudgaraṃ pāśaṃ
die trägt: Keule, Strick
vajraṃ ca rasanāṃ karaiḥ
Vajra und Zunge mit den Händen
evaṃ dhyātvā japet lakṣam
nachdem man so meditiert hat, rezitiere man hunderttausendmal
ayutaṃ caṃpaka-udbhavaiḥ
zehntausendmal mit aus dem Campaka-Baum entstandenen Blüten

kusumairjuhuyātpīṭhe bālāyāḥ pūjayedimām / candanāgurucandrādyaiḥ pūjārthaṃ yantramālikhet

man opfere mit Blüten auf dem Pīṭha der Bālā; man verehre sie. Mit Sandelholz, Aguru, Kampfer und anderen Duftstoffen zeichne man zur Verehrung das Yantra.

Wort für Wort
kusumaiḥ juhuyāt pīṭhe bālāyāḥ
man opfere mit Blüten auf dem Pīṭha der Bālā
pūjayet imām
man verehre sie
candana-aguru-candra-ādyaiḥ
mit Sandelholz, Aguru, Kampfer und anderen
pūjārthaṃ yantram ālikhet
zur Verehrung zeichne man das Yantra

trikoṇaṣaḍdalāṣṭāsraṣoḍaśāre yajedimām / maṅgalā staṃbhinī caiva jṛṃbhiṇī mohinī tathā

Im Dreieck, im sechsblättrigen, achteckigen, sechzehnspeichigen Diagramm verehre man sie: Maṅgalā, Stambhinī, sowie Jṛmbhiṇī, Mohinī, ebenso

Wort für Wort
trikoṇa-ṣaḍdala-aṣṭāsra-ṣoḍaśāre
im Dreieck, im sechsblättrigen, achteckigen, sechzehnspeichigen Diagramm
yajet imām
verehre man sie
maṅgalā staṃbhinī ca eva
Maṅgalā, Stambhinī, sowie
jṛṃbhiṇī mohinī tathā
Jṛmbhiṇī, Mohinī, ebenso

vaśyā calā balākā ca bhūdharā kalmaṣābhidhā / dhātrī ca kalanā kālakarṣiṇī bhrāmikāpi ca

Vaśyā, Calā, Balākā, Bhūdharā, die ‚Kalmaṣā' genannte, Dhātrī, Kalanā, Kālakarṣiṇī, auch Bhrāmikā,

Wort für Wort
vaśyā calā balākā ca
Vaśyā, Calā, Balākā
bhūdharā kalmaṣā-abhidhā
Bhūdharā, die ‚Kalmaṣā' genannte
dhātrī ca kalanā
Dhātrī, Kalanā
kālakarṣiṇī bhrāmikā api ca
Kālakarṣiṇī, auch Bhrāmikā

mandagāpi ca bhogasthā bhāvikā ṣoḍaśī smṛtā / bhūgṛhasya caturdikṣu pūrvādiṣu yajetkramāt

auch Mandagā, Bhogasthā und Bhāvikā — so werden die sechzehn Śaktis überliefert. In den vier Himmelsrichtungen des Erdhauses, beginnend im Osten, verehre man sie der Reihe nach.

Wort für Wort
mandagā api ca bhogasthā
auch Mandagā, Bhogasthā
bhāvikā ṣoḍaśī smṛtā
Bhāvikā — die sechzehn werden überliefert
bhūgṛhasya catur-dikṣu
in den vier Himmelsrichtungen des Erdhauses
pūrva-ādiṣu yajet kramāt
beginnend im Osten verehre man sie der Reihe nach

gaṇeśaṃ baṭukaṃ cāpi yoginīḥ kṣetrapālakam / indrādīṃśca tato bāhye nijāyudhasamanvitān

Gaṇeśa, auch Baṭuka, die Yoginīs, den Kṣetrapāla, und sodann außerhalb Indra und die anderen Weltenhüter, samt ihren eigenen Waffen versehen.

Wort für Wort
gaṇeśaṃ baṭukaṃ ca api
Gaṇeśa, auch Baṭuka
yoginīḥ kṣetrapālakam
die Yoginīs, den Kṣetrapāla
indra-ādīn ca tataḥ bāhye
und sodann außerhalb Indra und die anderen
nija-āyudha-samanvitān
samt ihren eigenen Waffen versehen

itthaṃ siddhe manau mantrī staṃbhayeddevatādikān / pītavastrapadāsīnaḥ pītamālyānulepanaḥ

Wenn der Mantra so vollkommen ist, kann der Mantra-Kundige Gottheiten und andere lähmen (stambhana); in gelbes Gewand gehüllt, auf gelbem Sitz sitzend, mit gelber Girlande und gelber Salbe versehen,

Wort für Wort
ittham siddhe manau mantrī
wenn der Mantra so vollkommen ist, kann der Mantra-Kundige
staṃbhayet devatā-ādikān
Gottheiten und andere lähmen
pīta-vastra-pada-āsīnaḥ
in gelbes Gewand gehüllt, auf gelbem Sitz sitzend
pīta-mālya-anulepanaḥ
mit gelber Girlande und gelber Salbe versehen

pītapuṣpairyajeddevīṃ haridrotthasrajā japet / pītāṃ dhyāyanbhagavatīṃ payomadhye 'yutaṃ japet

verehre man die Göttin mit gelben Blüten und rezitiere mit einer aus Kurkuma gefertigten Girlande; man meditiere auf die gelbe Erhabene und rezitiere inmitten von Milch zehntausendmal.

Wort für Wort
pīta-puṣpaiḥ yajet devīṃ
mit gelben Blüten verehre man die Göttin
haridrā-uttha-srajā japet
mit einer aus Kurkuma gefertigten Girlande rezitiere man
pītāṃ dhyāyan bhagavatīṃ
auf die gelbe Erhabene meditierend
payaḥ-madhye ayutaṃ japet
inmitten von Milch rezitiere man zehntausendmal

trimadhvā jyatilairhemo nṝṇāṃ vaśyakaro mataḥ / madhuratritayāktaiḥ syādākarṣo lavarṇairdhruvam

Das Feueropfer mit den drei Süßstoffen, Ghee und Sesam gilt als menschenbezaubernd; mit den drei Süßigkeiten benetzt, mit den ‚La'-Silben, erfolgt gewiss Herbeiziehung (ākarṣaṇa).

Wort für Wort
tri-madhu-ājya-tilaiḥ homaḥ
das Feueropfer mit den drei Süßstoffen, Ghee und Sesam
nṝṇāṃ vaśyakaraḥ mataḥ
gilt als menschenbezaubernd
madhura-tritaya-aktaiḥ syāt ākarṣaḥ
mit den drei Süßigkeiten benetzt, erfolgt Herbeiziehung
la-varṇaiḥ dhruvam
mit den ‚La'-Silben gewiss

tailābhyaktairnimbapatrairhemo vidveṣakārakaḥ / tālaloṇaharidrābhirdviṣāṃ saṃstaṃbhanaṃ bhavet

Das mit Öl benetzte Feueropfer mit Nimba-Blättern bewirkt Entzweiung; mit Palmzucker, Salz und Kurkuma erfolgt die Lähmung der Feinde.

Wort für Wort
taila-abhyaktaiḥ nimba-patraiḥ homaḥ
das mit Öl benetzte Feueropfer mit Nimba-Blättern
vidveṣa-kārakaḥ
bewirkt Entzweiung
tāla-loṇa-haridrābhiḥ
mit Palmzucker, Salz und Kurkuma
dviṣāṃ saṃstaṃbhanaṃ bhavet
erfolgt die Lähmung der Feinde

[?] ‚tālaloṇa' unklar, evtl. ‚tāla' (Palmzucker/-frucht) + ‚lavaṇa' (Salz); sinngemäß gedeutet.

āgāradhūmaṃ rājīśca māhiṣaṃ guggulaṃ niśi / śmaśāne pāvake hutvā nāśayedacirādarīn

Hausrauch-Stoff, Rājī-Samen, Büffel-Fett und Guggulu — wenn man dies nachts auf dem Leichenacker im Feuer opfert, vernichtet man die Feinde alsbald.

Wort für Wort
āgāra-dhūmaṃ rājī ca
Hausrauch-Stoff, Rājī-Samen
māhiṣaṃ guggulaṃ niśi
Büffel-Fett, Guggulu, nachts
śmaśāne pāvake hutvā
wenn man auf dem Leichenacker im Feuer geopfert hat
nāśayet acirāt arīn
vernichtet man alsbald die Feinde

garuto gṛdhrakākānāṃ kaṭutailaṃ vibhītakam / gṛhadhūmaṃ citāvahnau hutvā proccāṭayedripūn

Federn von Geier und Krähe, scharfes Öl, Vibhītaka-Frucht, Hausrauch-Stoff — wenn man dies im Scheiterhaufenfeuer opfert, vertreibt man die Feinde vollständig.

Wort für Wort
garutaḥ gṛdhra-kākānāṃ
Federn von Geier und Krähe
kaṭu-tailaṃ vibhītakam
scharfes Öl, Vibhītaka-Frucht
gṛha-dhūmaṃ citā-vahnau hutvā
Hausrauch-Stoff, wenn man im Scheiterhaufenfeuer geopfert hat
proccāṭayet ripūn
vertreibt man die Feinde vollständig

dūvārguḍūcīlājānyo madhuratritayānvitān / juhoti so 'khilān rogān śamayeddarśanādapi

Wer Dūrvā-Gras, Guḍūcī und Reisflocken, versehen mit den drei Süßigkeiten, opfert, der besänftigt alle Krankheiten, sogar durch den bloßen Anblick.

Wort für Wort
dūrvā-guḍūcī-lājān
Dūrvā-Gras, Guḍūcī, Reisflocken
yaḥ madhura-tritaya-anvitān
wer, versehen mit den drei Süßigkeiten
juhoti saḥ akhilān rogān
opfert, der besänftigt alle Krankheiten
śamayet darśanāt api
besänftigt sogar durch den bloßen Anblick

parvatāgre mahāraṇye nadīsaṃge śivālaye / brahmacaryarato lakṣaṃ japedakhilasiddhaye

Auf einem Berggipfel, in großer Wildnis, am Flusszusammenfluss, in einem Śiva-Tempel rezitiere man, der Keuschheit ergeben, hunderttausendmal zur Erlangung aller Vollkommenheit.

Wort für Wort
parvata-agre mahāraṇye
auf einem Berggipfel, in großer Wildnis
nadī-saṃge śiva-ālaye
am Flusszusammenfluss, in einem Śiva-Tempel
brahmacarya-rataḥ lakṣaṃ japet
der Keuschheit ergeben, rezitiere man hunderttausendmal
akhila-siddhaye
zur Erlangung aller Vollkommenheit

eka varṇagavīdugdhaṃ śarkarāmadhusaṃyutam / triśataṃ mantritaṃ pītaṃ hanyādviṣaparābhavam

Milch einer einfarbigen Kuh, mit Zucker und Honig versehen, dreihundertmal beschworen und getrunken, vernichtet die Niederlage durch Gift.

Wort für Wort
eka-varṇa-gavī-dugdhaṃ
Milch einer einfarbigen Kuh
śarkarā-madhu-saṃyutam
mit Zucker und Honig versehen
triśataṃ mantritaṃ pītaṃ
dreihundertmal beschworen und getrunken
hanyāt viṣa-parābhavam
vernichtet die Niederlage durch Gift

śvetapālaśakāṣṭhena racite ramyapādake / alaktarañjite lakṣaṃ mantrayenmanunāmunā

Auf einem aus weißem Palāśa-Holz gefertigten lieblichen Fußschemel, mit Lack gefärbt, beschwöre man mit diesem Mantra hunderttausendmal.

Wort für Wort
śveta-palāśa-kāṣṭhena racite
auf einem aus weißem Palāśa-Holz gefertigten
ramya-pādake alakta-rañjite
lieblichen Fußschemel, mit Lack gefärbt
lakṣaṃ mantrayet
beschwöre man hunderttausendmal
manunā amunā
mit diesem Mantra

[?] ‚pālaśaka' vermutlich für ‚palāśa' (Butea-Baum); Materialbezeichnung leicht unsicher.

tadārūḍhaḥ pumān gacchatkṣaṇena śatayojanam / pāradaṃ ca śilāṃ tālaṃ piṣṭaṃ madhusamanvitam

Wer darauf steigt, dieser Mann legt in einem Augenblick hundert Yojanas zurück. Quecksilber, Śilājit und Tāla-Frucht, zermahlen und mit Honig versehen —

Wort für Wort
tat-ārūḍhaḥ pumān
wer darauf gestiegen ist, dieser Mann
gacchat kṣaṇena śata-yojanam
legt in einem Augenblick hundert Yojanas zurück
pāradaṃ ca śilāṃ tālaṃ
Quecksilber, Śilājit und Tāla-Frucht
piṣṭaṃ madhu-samanvitam
zermahlen und mit Honig versehen

manunā mantrayellakṣaṃ liṃpettenākhilāṃ tanum / adṛśyaḥ syānnṛṇāmeṣa āścaryyaṃ dṛśyatāmidam

beschwöre man mit dem Mantra hunderttausendmal und bestreiche damit den ganzen Körper — dieser wird für die Menschen unsichtbar; man betrachte dies als ein Wunder.

Wort für Wort
manunā mantrayet lakṣaṃ
beschwöre man mit dem Mantra hunderttausendmal
liṃpet tena akhilāṃ tanum
und bestreiche damit den ganzen Körper
adṛśyaḥ syāt nṛṇām eṣa
dieser wird für die Menschen unsichtbar
āścaryam dṛśyatām idam
man betrachte dies als ein Wunder

ṣaṭkoṇaṃ vilikhadbījaṃ sādhyanāmānvitaṃ manoḥ / haritālaniśācūrṇairunmatturasasaṃyutaiḥ

Man zeichne ein Sechseck mit dem Bīja, verbunden mit dem Namen des zu Bezaubernden und dem Mantra, mit dem Pulver aus Auripigment und Kurkuma, versehen mit dem Saft der Stechapfelpflanze.

Wort für Wort
ṣaṭkoṇaṃ vilikhat bījaṃ
man zeichne ein Sechseck mit dem Bīja
sādhya-nāma-anvitaṃ manoḥ
verbunden mit dem Namen des zu Bezaubernden und dem Mantra
haritāla-niśā-cūrṇaiḥ
mit dem Pulver aus Auripigment und Kurkuma
unmattura-rasa-saṃyutaiḥ
versehen mit dem Saft der Stechapfelpflanze

śeṣākṣaraiḥ samānītaṃ dharāgehavirājitam / tadyantraṃ sthāpitaprāṇaṃ pītasūtreṇa veṣṭayet

mit den übrigen Silben vervollständigt, im Erdhaus glänzend — dieses Yantra, nachdem man ihm Lebensodem eingesetzt hat, umwickle man mit einem gelben Faden.

Wort für Wort
śeṣa-akṣaraiḥ samānītaṃ
mit den übrigen Silben vervollständigt
dharā-geha-virājitam
im Erdhaus glänzend
tat yantraṃ sthāpita-prāṇaṃ
dieses Yantra, mit eingesetztem Lebensodem
pīta-sūtreṇa veṣṭayet
umwickle man mit einem gelben Faden

bhrāmyatkulālacakrasthāṃ gṛhītvā mṛttikāṃ tathā / racayedṛṣabhaṃ ramyaṃ yantraṃ tanmadhyataḥ kṣipet

Nachdem man ferner Ton genommen hat, der sich auf der sich drehenden Töpferscheibe befindet, forme man einen anmutigen Stier; das Yantra werfe man in dessen Mitte.

Wort für Wort
bhrāmyat-kulāla-cakra-sthāṃ
auf der sich drehenden Töpferscheibe befindlich
gṛhītvā mṛttikāṃ tathā
nachdem man ferner Ton genommen hat
racayet ṛṣabhaṃ ramyaṃ
forme man einen anmutigen Stier
yantraṃ tat-madhyataḥ kṣipet
das Yantra werfe man in dessen Mitte

haritālena saṃlipya vṛṣaṃ pratyahamarcayet / staṃbhayedvidviṣāṃ vācaṃ gatiṃ kāryaparaṃparām

Nachdem man den Stier mit Auripigment bestrichen hat, verehre man ihn täglich — so lähme man die Rede, den Gang und den Fortgang der Angelegenheiten der Feinde.

Wort für Wort
haritālena saṃlipya vṛṣaṃ
nachdem man den Stier mit Auripigment bestrichen hat
pratyaham arcayet
verehre man ihn täglich
staṃbhayet vidviṣāṃ vācaṃ
lähme man die Rede der Feinde
gatiṃ kārya-paraṃparām
den Gang, den Fortgang der Angelegenheiten

ādāya vāmahastena pretabhūsthitakarparam / aṅgāreṇa citāsthena tatra yantraṃ samālikhet

Nachdem man mit der linken Hand eine auf dem Leichenfeld befindliche Scherbe genommen hat, zeichne man dort mit Kohle vom Scheiterhaufen das Yantra.

Wort für Wort
ādāya vāma-hastena
nachdem man mit der linken Hand genommen hat
preta-bhū-sthita-karparam
eine auf dem Leichenfeld befindliche Scherbe
aṅgāreṇa citā-sthena
mit Kohle vom Scheiterhaufen
tatra yantraṃ samālikhet
zeichne man dort das Yantra

mantritaṃ nihitaṃ bhūmau ripūṇāṃ staṃbhayedgatim / pretavastre likhedyantraṃ aṅgāreṇaiva tatpunaḥ

beschworen und in die Erde gelegt, lähmt es den Gang der Feinde. Auf ein Leichentuch zeichne man das Yantra wiederum mit ebendieser Kohle,

Wort für Wort
mantritaṃ nihitaṃ bhūmau
beschworen und in die Erde gelegt
ripūṇāṃ staṃbhayet gatim
lähmt es den Gang der Feinde
preta-vastre likhet yantraṃ
auf ein Leichentuch zeichne man das Yantra
aṅgāreṇa eva tat punaḥ
wiederum mit ebendieser Kohle

maṇḍūkavadane nyasyetpītasūtreṇa veṣṭitam / pūjitaṃ pītapuṣpaistadvācaṃ saṃstaṃbhayeddviṣām

man lege es in das Maul eines Frosches, mit gelbem Faden umwickelt; mit gelben Blüten verehrt, lähmt es die Rede der Feinde.

Wort für Wort
maṇḍūka-vadane nyaset
man lege es in das Maul eines Frosches
pīta-sūtreṇa veṣṭitam
mit gelbem Faden umwickelt
pūjitaṃ pīta-puṣpaiḥ
mit gelben Blüten verehrt
tat vācaṃ saṃstaṃbhayet dviṣām
es lähmt die Rede der Feinde

yadbhūmau bhavitā divyaṃ tatra yantraṃ samālikhet / mārjitaṃ taddviṣāṃ pātrairdivyastambhanakṛdbhavet

Wo auf dem Boden ein Ort göttlicher Prüfung (Blitzschlag) sein wird, dort zeichne man das Yantra; damit abgewischt, mit den Trinkgefäßen der Feinde, bewirkt es göttliche Lähmung.

Wort für Wort
yat bhūmau bhavitā divyam
wo auf dem Boden ein Blitz(schlag-Ort)(?) sein wird
tatra yantraṃ samālikhet
dort zeichne man das Yantra
mārjitaṃ tat dviṣāṃ pātraiḥ
damit abgewischt, mit den Trinkgefäßen der Feinde
divya-stambhana-kṛt bhavet
bewirkt es göttliche Lähmung

[?] ‚yadbhūmau bhavitā divyaṃ' unklar; ‚divyam' evtl. ‚Blitzschlag(-Ort)' oder ‚Gottesurteils-Ort' (divya = Gottesurteil); sinngemäß gedeutet.

indravāruṇikāmūlaṃ saptaśo manumantritam / kṣiptaṃ jale divyakṛtaṃ jalastaṃbhanakārakam

Die Wurzel der Indravāruṇī, siebenmal mit dem Mantra beschworen und ins Wasser geworfen, bewirkt, göttlich gemacht, die Lähmung des Wassers.

Wort für Wort
indravāruṇikā-mūlaṃ
die Wurzel der Indravāruṇī
saptaśaḥ manu-mantritam
siebenmal mit dem Mantra beschworen
kṣiptaṃ jale divya-kṛtaṃ
ins Wasser geworfen, göttlich gemacht
jala-staṃbhana-kārakam
bewirkt die Lähmung des Wassers

kiṃ bahūktyā sādhakena mantraḥ samyagupāsitaḥ / śatrūṇāṃ gatibuddhyādeḥ staṃbhano nātra saṃśayaḥ

Was bedarf es vieler Worte? Wenn der Mantra vom Sādhaka recht verehrt worden ist, bewirkt er die Lähmung des Gangs, des Denkens und anderer Fähigkeiten der Feinde — daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
kiṃ bahu-uktyā
was bedarf es vieler Worte?
sādhakena mantraḥ samyak upāsitaḥ
wenn der Mantra vom Sādhaka recht verehrt worden ist
śatrūṇāṃ gati-buddhi-ādeḥ
des Gangs, des Denkens und anderer Fähigkeiten der Feinde
staṃbhanaḥ na atra saṃśayaḥ
bewirkt er die Lähmung — daran besteht kein Zweifel

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