Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 33: haribhaktilakṣaṇam Das Merkmal der Hingabe an Hari

iti śrībṛnnāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde yoganirupaṇaṃ nāma trayastriṃśo 'dhyāyaḥ // nārada uvāca samākhyātāni sarvāṇi yogāṅgāni mahāmune / idānīmapi sarvajña yatpṛcchāmi taducyatām //

Nārada sprach: Alle Glieder des Yoga sind [von dir] vollständig dargelegt worden, o großer Muni. Nun auch, o Allwissender, verkünde mir, was ich frage.

Wort für Wort
iti śrībṛnnāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde yoganirupaṇaṃ nāma trayastriṃśo 'dhyāyaḥ
(Kolophon des vorigen Kapitels, siehe Anm.)
nārada uvāca
Nārada sprach:
samākhyātāni sarvāṇi yogāṅgāni mahāmune
alle Glieder des Yoga sind vollständig dargelegt worden, o großer Muni
idānīm api sarvajña
auch jetzt, o Allwissender,
yat pṛcchāmi tat ucyatām
verkünde, was ich frage

[Anm.: Der Vers beginnt mit dem Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels der Quelle (yoganirūpaṇam, Quellzählung: 33. Kapitel = Kap. 32 dieses Projekts); erst danach beginnt der eigentliche Vers 1.]

yogobhaktimatāmeva sidhyatīti tvayoditam / yasya tuṣyati sarveśastasya bhaktiśca śāśvatam //

Du hast gesagt, dass der Yoga nur den mit Hingabe (Bhakti) Begabten gelingt; wessen Hingabe ewig ist, mit dem ist der Herr aller [Wesen] zufrieden.

Wort für Wort
yogaḥ bhaktimatām eva sidhyati iti tvayā uditam
‚der Yoga gelingt nur den mit Hingabe Begabten' – so hast du gesagt
yasya tuṣyati sarveśaḥ
mit wem der Herr aller zufrieden ist
tasya bhaktiḥ ca śāśvatam
dessen Hingabe ist ewig

yathā tuṣyati sarveśo devadevo janārdanaḥ / tanmamākhyāhi sarvajña mune kāruṇyavāridhe //

Wie der Herr aller, der Gott der Götter, Janārdana, zufrieden wird – das verkünde mir, o allwissender Muni, o Ozean des Mitleids.

Wort für Wort
yathā tuṣyati sarveśaḥ devadevaḥ janārdanaḥ
wie der Herr aller, der Gott der Götter, Janārdana, zufrieden wird
tat mama ākhyāhi sarvajña mune kāruṇyavāridhe
das verkünde mir, o allwissender Muni, o Ozean des Mitleids

sanaka uvāca nārāyaṇaṃ paraṃ devaṃ saccidānandavigraham / bhaja sarvātmanā vipra yadi muktimabhīpsasi //

Sanaka sprach: Verehre Nārāyaṇa, den höchsten Gott, dessen Gestalt Sein-Bewusstsein-Wonne (saccidānanda) ist, mit ganzer Seele, o Brahmane, wenn du die Erlösung erlangen willst.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
nārāyaṇaṃ paraṃ devaṃ saccidānandavigraham
Nārāyaṇa, den höchsten Gott, dessen Gestalt Sein-Bewusstsein-Wonne ist,
bhaja sarvātmanā vipra
verehre mit ganzer Seele, o Brahmane,
yadi muktim abhīpsasi
wenn du die Erlösung erlangen willst

ripavastaṃ na hiṃsanti na bādhante grahāścatam / rākṣasāśca na cekṣante naraṃ viṣṇuparāyaṇam //

Feinde schaden dem nicht, auch die Planetengeister (graha) bedrängen ihn nicht, und auch Rākṣasas erblicken den auf Viṣṇu ausgerichteten Mann nicht.

Wort für Wort
ripavaḥ tam na hiṃsanti
Feinde schaden ihm nicht
na bādhante grahāḥ ca tam
auch Planetengeister bedrängen ihn nicht
rākṣasāḥ ca na īkṣante
und Rākṣasas erblicken [ihn] nicht
naraṃ viṣṇuparāyaṇam
den auf Viṣṇu ausgerichteten Mann

bhaktardṛḍhā bhavedyasya devadeve janārdane / śreyāṃsi tasya sidhyanti bhaktimanto 'dhikāstataḥ //

Wessen Hingabe zu Janārdana, dem Gott der Götter, fest ist, dessen [Wohl in] allen Segnungen gelingt; darum sind die Hingebungsvollen [allen anderen] überlegen.

Wort für Wort
bhaktiḥ dṛḍhā bhavet yasya
wessen Hingabe fest ist
devadeve janārdane
zu Janārdana, dem Gott der Götter
śreyāṃsi tasya sidhyanti
dessen Segnungen gelingen
bhaktimantaḥ adhikāḥ tataḥ
darum sind die Hingebungsvollen überlegen

pādau tau saphalau puṃsāṃ yau viṣṇugṛhagāminau / tau karau laphalau jñeyau viṣṇupūjāparau tu yau //

Jene beiden Füße eines Mannes sind fruchtbringend, die zum Hause Viṣṇus gehen; jene beiden Hände sind als fruchtbringend[?] zu erkennen, die der Verehrung Viṣṇus ergeben sind.

Wort für Wort
pādau tau saphalau puṃsāṃ
jene beiden Füße eines Mannes sind fruchtbringend
yau viṣṇugṛhagāminau
die zum Hause Viṣṇus gehen
tau karau laphalau [?] jñeyau
jene beiden Hände sind als fruchtbringend[?] zu erkennen
viṣṇupūjāparau tu yau
die der Verehrung Viṣṇus ergeben sind

[?] „laphalau“ ist vermutlich eine Verschreibung für „saphalau“ (fruchtbringend), in Analogie zur ersten Vershälfte.

te netre suphale puṃsāṃ paśyato ye danārdanam / sā jihvā procyate sadbhirharināmaparā tu yā //

Jene beiden Augen eines Mannes sind gut[gesegnet], die Janārdana[?] erblicken; jene Zunge wird von den Guten gepriesen, die dem Namen Haris ergeben ist.

Wort für Wort
te netre suphale puṃsāṃ
jene beiden Augen eines Mannes sind gut[gesegnet]
paśyataḥ ye janārdanam [?]
die Janārdana erblicken
sā jihvā procyate sadbhiḥ
jene Zunge wird von den Guten gepriesen
harināmaparā tu yā
die dem Namen Haris ergeben ist

[?] „danārdanam“ ist offenkundig eine Verschreibung für „janārdanam“.

satyaṃ satyaṃ punaḥ satyamuddhṛtya bhujamutyate / tattvaṃ gurusamaṃ nārita nata devaḥ keśavātparaḥ //

Wahrheit, Wahrheit, wiederum Wahrheit wird mit erhobenem Arm verkündet[?]: Es gibt keine dem Guru gleiche Wahrheit[?]; für die Menschen gibt es keinen Gott, der höher wäre als Keśava[?].

Wort für Wort
satyaṃ satyaṃ punaḥ satyam
Wahrheit, Wahrheit, wiederum Wahrheit
uddhṛtya bhujam ucyate [?]
wird mit erhobenem Arm verkündet
tattvaṃ gurusamaṃ na [asti?] [?]
es gibt keine dem Guru gleiche Wahrheit[?]
nṛṇāṃ [?] devaḥ keśavāt paraḥ [na asti?]
für die Menschen gibt es keinen Gott höher als Keśava[?]

[Anm.: Der zweite Halbvers ist stark korrupt überliefert („tattvaṃ gurusamaṃ nārita nata devaḥ keśavātparaḥ“); die Übersetzung beruht auf einer sinngemäßen Rekonstruktion (etwa: „nāsti tattvaṃ gurusamaṃ, nāsti nṛṇāṃ devaḥ keśavāt paraḥ“). [?]

satyaṃ vacmihitaṃ vācmi sāraṃ vacmi punaḥ punaḥ / asāre 'smiṃsta saṃsāre satyaṃ harisamarcanam //

Ich spreche Wahrheit, ich spreche Heilsames, ich spreche das Wesentliche, immer wieder: In diesem nichtigen Daseinskreislauf (saṃsāra) ist die [einzige] Wahrheit die Verehrung Haris.

Wort für Wort
satyaṃ vacmi hitaṃ vacmi
ich spreche Wahrheit, ich spreche Heilsames
sāraṃ vacmi punaḥ punaḥ
ich spreche das Wesentliche, immer wieder
asāre asmin [?] saṃsāre
in diesem nichtigen Daseinskreislauf
satyaṃ harisamarcanam
ist die Wahrheit die Verehrung Haris

[?] „'smiṃsta“ für „asmin“ (leichte Sandhi-/Schreibunregelmäßigkeit).

saṃsārapāśaṃ sudṛḍhaṃ mahāmohapradāyakam / haribhaktikuṭāreṇa cchittvātyantasukhī bhava //

Nachdem du die sehr feste Fessel des Daseinskreislaufs, die große Verblendung hervorbringt, mit der Axt der Hari-Hingabe durchschlagen hast, werde überaus glücklich.

Wort für Wort
saṃsārapāśaṃ sudṛḍham
die sehr feste Fessel des Daseinskreislaufs
mahāmohapradāyakam
die große Verblendung hervorbringt
haribhaktikuṭāreṇa chittvā
mit der Axt der Hari-Hingabe durchschlagen habend
atyantasukhī bhava
werde überaus glücklich

tanmanaḥ saṃyutaṃ viṣṇau sā vāṇī yatparāyaṇā / te śrotre tatkathāsārapūrite lokavandite //

Jener Geist [ist der beste], der mit Viṣṇu vereint ist; jene Rede [ist die beste], die ihm zugewandt ist; jene beiden, von der Welt verehrten Ohren [sind die besten], die von der Essenz seiner Erzählungen erfüllt sind.

Wort für Wort
tat manaḥ saṃyutaṃ viṣṇau
jener Geist ist [der beste], der mit Viṣṇu vereint ist
sā vāṇī yatparāyaṇā
jene Rede ist [die beste], die ihm zugewandt ist
te śrotre tatkathāsārapūrite lokavandite
jene beiden, von der Welt verehrten Ohren sind [die besten], die von der Essenz seiner Erzählungen erfüllt sind

ānandamakṣaraṃ śūnyamavasthātritayairapi / ākāśamadhyagaṃ devaṃ bhaja nārada saṃtatam //

Verehre beständig, o Nārada, den Gott, der Wonne ist, unvergänglich, leer[frei] auch von den drei Zuständen [Wachen, Traum, Tiefschlaf], im Innersten des Raumes (ākāśa) weilend.

Wort für Wort
ānandam akṣaraṃ śūnyam
der Wonne ist, unvergänglich, leer
avasthātritayaiḥ api
auch von den drei Zuständen [frei]
ākāśamadhyagaṃ devam
den im Innersten des Raumes weilenden Gott
bhaja nārada saṃtatam
verehre beständig, o Nārada

sthānaṃ na śakyate yasya svarupaṃ vā kadācana / nirdeṣṭuṃ muniśārdūla draṣṭuṃ vāpyakṛtātmabhiḥ //

Dessen Ort oder Wesensgestalt (svarūpa) niemals von denen, deren Seele nicht vervollkommnet ist, aufgezeigt oder auch nur geschaut werden kann, o Tiger unter den Munis.

Wort für Wort
sthānaṃ na śakyate yasya
dessen Ort nicht [aufgezeigt werden] kann
svarūpaṃ vā kadācana
oder [dessen] Wesensgestalt niemals
nirdeṣṭuṃ muniśārdūla
aufgezeigt werden, o Tiger unter den Munis
draṣṭuṃ vā api akṛtātmabhiḥ
oder geschaut werden von denen, deren Seele nicht vervollkommnet ist

samastaiḥ karaṇairyukto vartte 'sau yadā tadā / jāgradityucyate sadbhirantaryāmī sanātanaḥ //

Wenn jener ewige innere Lenker (antaryāmin) mit allen Organen verbunden existiert, dann wird er von den Weisen als ‚wach' (jāgrat) bezeichnet.

Wort für Wort
samastaiḥ karaṇaiḥ yuktaḥ
mit allen Organen verbunden
vartate asau yadā tadā
wenn jener [Zustand] besteht, dann
jāgrat iti ucyate sadbhiḥ
wird [er] von den Guten/Weisen ‚wach' genannt
antaryāmī sanātanaḥ
der ewige innere Lenker

yadāntaḥ karaṇairṃyuktaḥ svecchayā vicaratyasau / svapannicyucyate hyātmā yadā svāpavivarjitaḥ //

Wenn er, nur mit dem inneren Organ verbunden, nach eigenem Belieben umherwandert, dann wird das Selbst, obwohl frei vom [tatsächlichen] Schlaf, ‚träumend' (svapna) genannt.

Wort für Wort
yadā antaḥkaraṇaiḥ yuktaḥ
wenn [er], mit dem inneren Organ verbunden,
svecchayā vicarati asau
nach eigenem Belieben umherwandert
svapan iti ucyate hi ātmā
wird das Selbst ‚träumend' genannt
yadā svāpavivarjitaḥ
obwohl frei vom [tatsächlichen] Schlaf

[?] „karaṇairṃyuktaḥ“ steht für „karaṇair yuktaḥ“ (Sandhi-Unregelmäßigkeit).

na bāhyakaraṇairyukto na cāntaḥ karaṇaistathā / asvarupo yadātmāsau puṇyāpuṇyavivarjitaḥ //

Wenn jenes Selbst weder mit den äußeren Organen verbunden ist noch ebenso mit dem inneren Organ, formlos [ist] und frei von Verdienst und Untat...

Wort für Wort
na bāhyakaraṇaiḥ yuktaḥ
nicht mit den äußeren Organen verbunden
na ca antaḥkaraṇaiḥ tathā
und ebenso nicht mit dem inneren Organ
asvarūpaḥ yadā ātmā asau
wenn jenes Selbst formlos ist
puṇyāpuṇyavivarjitaḥ
frei von Verdienst und Untat

[Anm.: Der Satz ist syntaktisch mit dem folgenden Vers verbunden und wird erst dort zu Ende geführt.]

sarvopādhivinirmukto hyānando nirguṇo vibhuḥ / parabrahmamayo devaḥ suṣutpa iti gīyate //

...vollständig frei von allen [beschränkenden] Zuschreibungen, Wonne, eigenschaftslos, alldurchdringend, aus dem höchsten Brahman bestehend, göttlich – das wird als ‚Tiefschlaf' (suṣupti) besungen.

Wort für Wort
sarvopādhivinirmuktaḥ
vollständig frei von allen Zuschreibungen
hi ānandaḥ nirguṇaḥ vibhuḥ
Wonne, eigenschaftslos, alldurchdringend
parabrahmamayo devaḥ
aus dem höchsten Brahman bestehend, göttlich
suṣupti [?] iti gīyate
das wird als ‚Tiefschlaf' besungen

[?] „suṣutpa“ steht vermutlich für „suṣupti“/„suṣuptam“.

bhāvanāmayametadvai jagatsthāvarajaṅgamam / vidyudvilolaṃ viprendra bhaghaja tasmājjanārdanam //

Diese Welt, beweglich und unbeweglich, besteht ganz aus [bloßer] Vorstellung, flackernd wie ein Blitz, o Bester der Brahmanen – darum verehre[?] Janārdana.

Wort für Wort
bhāvanāmayam etat vai
diese [Welt] besteht ganz aus [bloßer] Vorstellung
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt, beweglich und unbeweglich
vidyudvilolaṃ viprendra
flackernd wie ein Blitz, o Bester der Brahmanen
bhaja [?] tasmāt janārdanam
darum verehre Janārdana

[?] „bhaghaja“ ist eine Verschreibung für „bhaja“ (verehre!).

ahiṃsā satyamasteyaṃ brahmacaryāparigrahau / vartate yasya tasyaiva tuṣyate jagatāṃ patiḥ //

Bei wem Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Keuschheit (brahmacarya) und Besitzlosigkeit (aparigraha) bestehen, mit dem allein ist der Herr der Welten zufrieden.

Wort für Wort
ahiṃsā satyam asteyaṃ
Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen
brahmacaryāparigrahau
Keuschheit und Besitzlosigkeit
vartate yasya
bei wem [diese] bestehen
tasya eva tuṣyate jagatāṃ patiḥ
mit dem allein ist der Herr der Welten zufrieden

sarvabhaghūtadayāyukto viprapūjāparāyaṇaḥ / tasya tuṣṭo jagannātho madhukaiṭabhamarddanaḥ //

Wer mit Mitleid für alle Wesen ausgestattet und der Verehrung der Brahmanen ergeben ist – mit ihm ist der Herr der Welt, der Zermalmer von Madhu und Kaiṭabha, zufrieden.

Wort für Wort
sarvabhūtadayāyuktaḥ [?]
mit Mitleid für alle Wesen ausgestattet
viprapūjāparāyaṇaḥ
der Verehrung der Brahmanen ergeben
tasya tuṣṭo jagannāthaḥ
mit ihm ist der Herr der Welt zufrieden
madhukaiṭabhamardanaḥ
der Zermalmer von Madhu und Kaiṭabha

[?] „bhaghūta“ steht für „bhūta“ (Schreibfehler).

satkathāyāṃ ca ramate satkathāṃ ca karoti yaḥ / satsaṅgo nirahaṃ kārastasya prīto ramāpatiḥ //

Wer sich an frommer Rede erfreut und fromme Rede führt, [wer] in guter Gemeinschaft (satsaṅga) und frei von Ich-Sucht ist – mit ihm ist der Gemahl Ramās zufrieden.

Wort für Wort
satkathāyāṃ ca ramate
wer sich an frommer Rede erfreut
satkathāṃ ca karoti yaḥ
und wer fromme Rede führt
satsaṅgaḥ nirahaṃkāraḥ
in guter Gemeinschaft, frei von Ich-Sucht
tasya prīto ramāpatiḥ
mit dem ist der Gemahl Ramās zufrieden

nāmasaṃkīrttanaṃ viṣṇo kṣuttṛṭpraskhalitādiṣu / karoti satataṃ yastu tasya prīto hyadhokṣajaḥ //

Wer selbst bei Hunger, Durst, Stolpern und dergleichen stets die Rezitation des Namens Viṣṇus vollzieht – mit ihm ist Adhokṣaja [Viṣṇu] zufrieden.

Wort für Wort
nāmasaṃkīrtanaṃ viṣṇoḥ
die Rezitation des Namens Viṣṇus
kṣuttṛṭpraskhalitādiṣu
bei Hunger, Durst, Stolpern und dergleichen
karoti satataṃ yaḥ tu
wer stets vollzieht
tasya prīto hi adhokṣajaḥ
mit dem ist Adhokṣaja zufrieden

yātu nārīpatiprāṇā patipūjāparāyaṇā / tasyāstuṣṭo jagannātho dadāti svapadaṃ mune //

Doch welche Frau ihr Leben in ihrem Gatten hat und der Verehrung des Gatten ergeben ist – mit ihr zufrieden, verleiht der Herr der Welt ihr seinen eigenen [göttlichen] Rang, o Muni.

Wort für Wort
yā tu nārī patiprāṇā
doch welche Frau ihr Leben in ihrem Gatten hat
patipūjāparāyaṇā
und der Verehrung des Gatten ergeben ist
tasyāḥ tuṣṭo jagannāthaḥ
mit ihr zufrieden, der Herr der Welt
dadāti svapadaṃ mune
verleiht ihr seinen eigenen Rang, o Muni

asūyārahitā ye tu hyahaṅkāravivarjitāḥ / devapūjāparāścaiva teṣāṃ tuṣyati keśavaḥ //

Die frei von Missgunst und frei von Ich-Sucht sind, und der Verehrung der Götter ergeben – mit ihnen ist Keśava zufrieden.

Wort für Wort
asūyārahitā ye tu
die frei von Missgunst sind
hi ahaṅkāravivarjitāḥ
und frei von Ich-Sucht
devapūjāparāḥ ca eva
und der Verehrung der Götter ergeben
teṣāṃ tuṣyati keśavaḥ
mit ihnen ist Keśava zufrieden

tasmācchṛṇuṣva devarśe bhajasvaṃ satataṃ harim / mā kuruṣva hyahaṅkāraṃ vidyullolaśriyā vṛthā //

Darum höre, o göttlicher Seher, verehre beständig Hari; übe keine eitle Ich-Sucht aus wegen [weltlicher] Pracht, die flackernd ist wie ein Blitz.

Wort für Wort
tasmāt śṛṇuṣva devarṣe
darum höre, o göttlicher Seher
bhajasva satataṃ harim
verehre beständig Hari
mā kuruṣva hi ahaṅkāraṃ
übe keine Ich-Sucht aus
vidyullolaśriyā vṛthā
wegen eitler, blitzflackernder Pracht

śarīraṃ mṛtyusaṃyuktaṃ jīvitaṃ cāti cañcalam / rājādibhirdhanaṃ bādhyaṃ sampadaḥ kṣaṇabhaṅgurāḥ //

Der Körper ist mit dem Tod verbunden, und das Leben ist überaus flüchtig; der Reichtum kann von Königen und anderen entzogen werden, [alle] Güter sind im Augenblick vergänglich.

Wort für Wort
śarīraṃ mṛtyusaṃyuktaṃ
der Körper ist mit dem Tod verbunden
jīvitaṃ ca ati cañcalam
und das Leben ist überaus flüchtig
rājādibhiḥ dhanaṃ bādhyaṃ
der Reichtum kann von Königen und anderen entzogen werden
sampadaḥ kṣaṇabhaṅgurāḥ
die Güter sind im Augenblick vergänglich

kiṃ na paśyasi devarṣe hyāyuṣārddhaṃ tu nidrayā / hataṃ ca bhojanādyaiśca kiyadāyuḥ samāhṛtam //

Siehst du nicht, o göttlicher Seher, dass die Hälfte der Lebenszeit durch den Schlaf zerstört wird, und wie viel Lebenszeit durch Essen und dergleichen [schon] hinweggenommen wurde?

Wort für Wort
kiṃ na paśyasi devarṣe
siehst du nicht, o göttlicher Seher
hi āyuṣaḥ ardhaṃ tu nidrayā
dass die Hälfte der Lebenszeit durch den Schlaf
hataṃ ca bhojanādyaiḥ ca
zerstört wird, und durch Essen und dergleichen
kiyat āyuḥ samāhṛtam
wie viel Lebenszeit [schon] hinweggenommen wurde

kiyadāyurbālabhāvātkiyadvṛthā / kiyadviṣayabhogaiśca kadā dharmānkariṣyati //

Wie viel Lebenszeit [vergeht] in der Kindheit, wie viel vergeblich[?], wie viel durch den Genuss der Sinnesobjekte – wann wird er [dann noch] die religiösen Pflichten (dharma) erfüllen?

Wort für Wort
kiyat āyuḥ bālabhāvāt
wie viel Lebenszeit [vergeht] in der Kindheit
kiyat vṛthā [?]
wie viel vergeblich
kiyat viṣayabhogaiḥ ca
wie viel durch den Genuss der Sinnesobjekte
kadā dharmān kariṣyati
wann wird er die religiösen Pflichten erfüllen

[Anm.: Der erste Halbvers wirkt metrisch verkürzt/lückenhaft überliefert („kiyadāyurbālabhāvātkiyadvṛthā“ statt der zu erwartenden vollen Pāda-Länge); die Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinn. [?]

bālabhāve ca vārddhakyena ghaṭetācyutārcanam / vayasyeva tato dharmānkuru tvamanahaṅkṛtaḥ //

Da in der Kindheit wie auch im Alter die Verehrung Acyutas nicht [recht] zustande kommt, erfülle du daher gerade in der [reifen] Lebenszeit die religiösen Pflichten, frei von Ich-Sucht.

Wort für Wort
bālabhāve ca vārddhakye
in der Kindheit wie auch im Alter
na ghaṭeta acyutārcanam
kommt die Verehrung Acyutas nicht zustande
vayasi eva tato
darum gerade in der [reifen] Lebenszeit
dharmān kuru tvam anahaṅkṛtaḥ
erfülle du die religiösen Pflichten, frei von Ich-Sucht

mā vināśaṃ vraja mune magnaḥ saṃsāragahvare / varurvināśanilayamāpadāṃ paramaṃ padam //

Geh nicht, o Muni, versunken in die Höhle des Daseinskreislaufs, dem Verderben entgegen[?] – [es ist] wahrlich die Stätte des Verderbens, der höchste Sitz der Unheile.

Wort für Wort
mā vināśaṃ vraja mune
geh nicht dem Verderben entgegen, o Muni
magnaḥ saṃsāragahvare
versunken in die Höhle des Daseinskreislaufs
[?] vināśanilayam
[das ist] die Stätte des Verderbens
āpadāṃ paramaṃ padam
der höchste Sitz der Unheile

[?] „varur“ ist unklar/verderbt überliefert; sinngemäß vermutlich „varaṃ“ oder „yad“ (‚[das ist] wahrlich').

śarīraṃ bhoganilayaṃ malādyaiḥ paridūṣitam / kimarthaṃ śāśvatadhiyā kuryātpāpaṃ naro vṛthā //

Der Körper ist die Stätte des [sinnlichen] Genusses, verunreinigt durch Unrat und dergleichen; wozu sollte ein Mensch, in der Meinung, er sei ewig, vergeblich Sünde begehen?

Wort für Wort
śarīraṃ bhoganilayaṃ
der Körper ist die Stätte des Genusses
malādyaiḥ paridūṣitam
verunreinigt durch Unrat und dergleichen
kimartham śāśvatadhiyā
wozu, in der Meinung, er sei ewig,
kuryāt pāpaṃ naro vṛthā
sollte ein Mensch vergeblich Sünde begehen

āsārabhūte saṃsāre nānāduḥ khasamanvite / viśvāso nātra karttavyo niścitaṃ mṛtyusaṃkule //

In diesem nichtigen Daseinskreislauf, der von mannigfachem Leid erfüllt ist, sollte man kein Vertrauen setzen – er ist gewiss vom Tod überfüllt.

Wort für Wort
āsārabhūte saṃsāre
in diesem nichtigen Daseinskreislauf
nānāduḥkhasamanvite
der von mannigfachem Leid erfüllt ist
viśvāso na atra karttavyaḥ
man sollte hier kein Vertrauen setzen
niścitaṃ mṛtyusaṃkule
[er ist] gewiss vom Tod überfüllt

tasmācchṛṇuṣva viprendra satyametadvravīmyaham / dehayoganivṛttyarthaṃ sadya eva janārdanam //

Darum höre, o Bester der Brahmanen, ich spreche diese Wahrheit: Um der Loslösung von der Körperverbindung willen [verehre] sogleich Janārdana.

Wort für Wort
tasmāt śṛṇuṣva viprendra
darum höre, o Bester der Brahmanen
satyam etat bravīmi aham
ich spreche diese Wahrheit
dehayoganivṛttyartham
um der Loslösung von der Körperverbindung willen
sadya eva janārdanam [bhaja]
[verehre] sogleich Janārdana

mānaṃ tyaktvā tathā lobhaṃ kāmakrodhavivarjitaḥ / bhajasva satataṃ viṣṇuṃ mānuṣyamatidurlabham //

Nachdem du Stolz und ebenso Gier aufgegeben hast, frei von Begierde und Zorn, verehre beständig Viṣṇu – das Menschsein ist überaus schwer zu erlangen.

Wort für Wort
mānaṃ tyaktvā tathā lobhaṃ
Stolz und ebenso Gier aufgegeben habend
kāmakrodhavivarjitaḥ
frei von Begierde und Zorn
bhajasva satataṃ viṣṇuṃ
verehre beständig Viṣṇu
mānuṣyam atidurlabham
das Menschsein ist überaus schwer zu erlangen

koṭijanmasahasreṣu sthāvarādiṣu sattama / saṃbhrāntasya tu mānuṣyaṃ kathañcitparilabhyate //

Unter tausend Millionen von Geburten unter unbeweglichen [Wesen] und dergleichen, o Bester, wird das Menschsein für den, der [durch sie] umhergeirrt ist, nur mit Mühe irgendwie erlangt.

Wort für Wort
koṭijanmasahasreṣu
unter tausend Millionen von Geburten
sthāvarādiṣu sattama
unter unbeweglichen [Wesen] und dergleichen, o Bester
saṃbhrāntasya tu mānuṣyaṃ
für den [darin] Umhergeirrten wird das Menschsein
kathañcit parilabhyate
nur mit Mühe irgendwie erlangt

tatrāpi devatābuddhirdānabuddhiśca sattama / bhogabuddhistathā nṝṇāṃ janmāntaratapaḥ phalam //

Und selbst dort [im Menschsein] sind die Zuwendung zu den Göttern, die Zuwendung zum Geben und ebenso die [rechte] Zuwendung zum Genuss, o Bester, für die Menschen die Frucht der Askese eines früheren Lebens.

Wort für Wort
tatra api devatābuddhiḥ
und selbst dort die Zuwendung zu den Göttern
dānabuddhiḥ ca sattama
und die Zuwendung zum Geben, o Bester
bhogabuddhiḥ tathā nṝṇāṃ
und ebenso die Zuwendung zum Genuss der Menschen
janmāntaratapaḥ phalam
sind die Frucht der Askese eines früheren Lebens

mānuṣyaṃ durlabhaṃ prāpya yo hariṃ nārcayetsakṛt / mūrkhaḥ ko 'sti parastasmājjaḍabuddhiracetanaḥ //

Wer, nachdem er das schwer erlangbare Menschsein erlangt hat, Hari nicht auch nur einmal verehrt – welcher größere Narr gibt es als er, stumpfsinnig und unbewusst?

Wort für Wort
mānuṣyaṃ durlabhaṃ prāpya
nachdem er das schwer erlangbare Menschsein erlangt hat
yo hariṃ na arcayet sakṛt
wer Hari nicht auch nur einmal verehrt
mūrkhaḥ ko 'sti paras tasmāt
welcher größere Narr gibt es als er
jaḍabuddhiḥ acetanaḥ
stumpfsinnig und unbewusst

durlabhaṃ prāpya mānuṣyaṃ nārcayanti ca ye harim / teṣāmatīva mūrkhāṇāṃ vivekaḥ kutra tiṣṭhati //

Diejenigen, die, das schwer erlangbare Menschsein erlangt habend, Hari nicht verehren – wo, bei jenen überaus Törichten, hält sich [noch] Unterscheidungskraft (viveka) auf?

Wort für Wort
durlabhaṃ prāpya mānuṣyaṃ
das schwer erlangbare Menschsein erlangt habend
na arcayanti ca ye harim
die Hari nicht verehren
teṣām atīva mūrkhāṇāṃ
bei jenen überaus Törichten
vivekaḥ kutra tiṣṭhati
wo hält sich Unterscheidungskraft auf

ārādhito jagannātho dadātyabhimataṃ phalam / kastaṃ na pūjayedviprasaṃsārāpripradīpitaḥ //

Verehrt, gewährt der Herr der Welt die gewünschte Frucht; wer, vom Feuer[?] des Daseinskreislaufs entflammt, würde ihn, o Brahmane, nicht verehren?

Wort für Wort
ārādhito jagannāthaḥ
verehrt, [gewährt] der Herr der Welt
dadāti abhimataṃ phalam
die gewünschte Frucht
kaḥ taṃ na pūjayet vipra
wer würde ihn nicht verehren, o Brahmane
saṃsārāgni [?] pradīpitaḥ
vom Feuer des Daseinskreislaufs entflammt

[?] „saṃsārāpri“ ist vermutlich eine Verschreibung für „saṃsārāgni“ (Feuer des Daseinskreislaufs).

caṇḍālo 'pi muniśreṣṭa viṣṇubhakto dvijādhikaḥ / viṣṇubhaktivihīnaśca dvijo 'pi śvapacādhamaḥ //

Selbst ein Caṇḍāla, o Bester der Munis, ist, wenn er ein Viṣṇu-Hingebungsvoller ist, einem Zweifachgeborenen überlegen; ein Zweifachgeborener aber, dem die Hingabe an Viṣṇu fehlt, ist niedriger als ein Hundekocher.

Wort für Wort
caṇḍālo 'pi muniśreṣṭa
selbst ein Caṇḍāla, o Bester der Munis
viṣṇubhakto dvijādhikaḥ
ist, als Viṣṇu-Hingebungsvoller, einem Zweifachgeborenen überlegen
viṣṇubhaktivihīnaḥ ca
dem aber die Hingabe an Viṣṇu fehlt
dvijo 'pi śvapacādhamaḥ
ist selbst ein Zweifachgeborener niedriger als ein Hundekocher

tasmātkāmādikaṃ tyaktvā bhajeta harimavyayam / yasmiṃstuṣṭe 'khilaṃ tuṣyedyataḥ sarvagato hariḥ //

Darum soll man, nach Aufgabe von Begierde und dergleichen, den unvergänglichen Hari verehren; ist er zufrieden, so ist alles zufrieden, denn Hari durchdringt alles.

Wort für Wort
tasmāt kāmādikaṃ tyaktvā
darum, nach Aufgabe von Begierde und dergleichen
bhajeta harim avyayam
soll man den unvergänglichen Hari verehren
yasmin tuṣṭe akhilaṃ tuṣyet
ist er zufrieden, so ist alles zufrieden
yataḥ sarvagato hariḥ
denn Hari durchdringt alles

yathā hastipade sarvaṃ padamātraṃ pralīyate / tathaḥā carācaraṃ viśvaṃ viṣṇāviva pralīyate //

Wie im Fußabdruck des Elefanten jeder [andere bloße] Fußabdruck vergeht, so vergeht, gleichsam, das gesamte bewegliche und unbewegliche All in Viṣṇu.

Wort für Wort
yathā hastipade sarvaṃ
wie im Fußabdruck des Elefanten jeder
padamātraṃ pralīyate
[andere] bloße Fußabdruck vergeht
tathā carācaraṃ viśvaṃ
so [vergeht] das bewegliche und unbewegliche All
viṣṇau iva pralīyate
gleichsam in Viṣṇu

ākāśena yathā vyātpaṃ jagatsthāvarajaṅgamam / tathaiva hariṇā vyātpaṃ viśvametaccarācaram //

Wie die Welt, beweglich und unbeweglich, vom Raum (ākāśa) durchdrungen ist, ebenso ist dieses gesamte bewegliche und unbewegliche All von Hari durchdrungen.

Wort für Wort
ākāśena yathā vyāptaṃ
wie [die Welt] vom Raum durchdrungen ist
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt, beweglich und unbeweglich
tathā eva hariṇā vyāptaṃ
ebenso ist von Hari durchdrungen
viśvam etat carācaram
dieses gesamte bewegliche und unbewegliche All

janmano maraṇaṃ nṝṇāṃ janma vai mṛtyusādhanam / ubhe te nikaṭe viddhi tannāśo harisevayā //

Aus der Geburt [folgt] der Tod der Menschen, die Geburt ist wahrlich das Mittel zum Tod; wisse, dass diese beiden nahe beieinander sind – ihre Zerstörung [erfolgt] durch den Dienst an Hari.

Wort für Wort
janmano maraṇaṃ nṝṇāṃ
aus der Geburt [folgt] der Tod der Menschen
janma vai mṛtyusādhanam
die Geburt ist wahrlich das Mittel zum Tod
ubhe te nikaṭe viddhi
wisse, dass diese beiden nahe beieinander sind
tannāśo harisevayā
ihre Zerstörung [erfolgt] durch den Dienst an Hari

dhyātaḥ smṛtaḥ pūjito vā praṇato vā janārdanaḥ / saṃsārapāśavicchedīkastaṃ na pratipūjayet //

Janārdana, sei er meditiert, erinnert, verehrt oder gegrüßt, zerschneidet die Fessel des Daseinskreislaufs – wer würde ihn nicht verehren?

Wort für Wort
dhyātaḥ smṛtaḥ pūjito vā
meditiert, erinnert oder verehrt
praṇato vā janārdanaḥ
oder gegrüßt, Janārdana
saṃsārapāśavicchedī
[er ist] der Zerschneider der Fessel des Daseinskreislaufs
kaḥ taṃ na pratipūjayet
wer würde ihn nicht verehren

yannāmoccāṃraṇādeva mahāpātakanāśanam / yaṃ samabhyarcya viprarṣe mokṣabhāgī bhavennaraḥ //

Durch dessen bloße Namensaussprache große Sünden vernichtet werden, und indem man ihn gebührend verehrt, o Brahmanenseher, wird ein Mensch der Erlösung teilhaftig.

Wort für Wort
yannāmoccāraṇāt eva
durch dessen bloße Namensaussprache
mahāpātakanāśanam
[erfolgt] die Vernichtung großer Sünden
yaṃ samabhyarcya viprarṣe
und indem man ihn gebührend verehrt, o Brahmanenseher
mokṣabhāgī bhavet naraḥ
wird ein Mensch der Erlösung teilhaftig

aho citramaho citramaho citramidaṃ dvija / harināmni sthite lokaḥ saṃsāre parivarttate //

O wie wunderbar, o wie wunderbar, o wie wunderbar ist dies, o Zweifachgeborener: Obwohl der Name Haris [gegenwärtig] besteht, dreht sich die Welt [dennoch weiter] im Daseinskreislauf!

Wort für Wort
aho citram aho citram
o wie wunderbar, o wie wunderbar
aho citram idaṃ dvija
o wie wunderbar ist dies, o Zweifachgeborener
harināmni sthite
obwohl der Name Haris besteht
lokaḥ saṃsāre parivarttate
dreht sich die Welt im Daseinskreislauf

bhūyobhūyo 'pi vakṣyāmi satyametattapodhana / nīyamāno yamabhaṭairaśakto dharmasādhanaiḥ //

Immer wieder will ich diese Wahrheit sprechen, o Asketenreicher: Wer von den Boten Yamas fortgeführt wird, ist [dann] machtlos gegenüber den Mitteln des Dharma.

Wort für Wort
bhūyo bhūyo 'pi vakṣyāmi
immer wieder will ich sprechen
satyam etat tapodhana
diese Wahrheit, o Asketenreicher
nīyamāno yamabhaṭaiḥ
von den Boten Yamas fortgeführt
aśakto dharmasādhanaiḥ
[ist er dann] machtlos gegenüber den Mitteln des Dharma

yāvannendriyavaikalyaṃ yāvadvyādhirna bādhate / tāvadevārcayedviṣṇuṃ yadi muktimabhīpsati //

Solange keine Beeinträchtigung der Sinnesorgane [eintritt], solange keine Krankheit bedrängt, solange verehre man Viṣṇu, wenn man die Erlösung erlangen will.

Wort für Wort
yāvat na indriyavaikalyaṃ
solange keine Beeinträchtigung der Sinnesorgane [eintritt]
yāvat vyādhiḥ na bādhate
solange keine Krankheit bedrängt
tāvat eva arcayet viṣṇuṃ
solange verehre man Viṣṇu
yadi muktim abhīpsati
wenn man die Erlösung erlangen will

māturgarbhādviniḥ māturgarbhādviniṣkrānto yadā jantustadaiva hi / mṛtyuḥ saṃnihito bhūyāttasmāddharmaparo bhavet //

Sobald ein Lebewesen aus dem Mutterleib hervorgetreten ist, gerade dann schon ist der Tod nahe – darum sei man dem Dharma zugewandt.

Wort für Wort
[māturgarbhādviniḥ – Fragment, s. Anm.]
(abgebrochene Dittographie)
mātuḥ garbhāt viniṣkrāntaḥ
aus dem Mutterleib hervorgetreten
yadā jantuḥ tadā eva hi
sobald ein Lebewesen, gerade dann schon
mṛtyuḥ saṃnihito bhūyāt
ist der Tod nahe
tasmāt dharmaparo bhavet
darum sei man dem Dharma zugewandt

[Anm.: Dittographie – der Vers beginnt mit dem abgebrochenen Fragment „māturgarbhādviniḥ“, worauf unmittelbar die vollständige Pāda-Wiederholung „māturgarbhādviniṣkrānto...“ folgt; das Fragment wurde im sa-Feld belassen, aber nicht eigens übersetzt.]

aho kaṣṭamaho kaṣṭamahokaṣṭamidaṃ vapuḥ / vinaśvaraṃ samājñāya dharmaṃ naivācaratyayam //

O wie schmerzlich, o wie schmerzlich, o wie schmerzlich ist dies, dass er, obwohl er den Körper als vergänglich erkannt hat, den Dharma [dennoch] gar nicht übt.

Wort für Wort
aho kaṣṭam aho kaṣṭam
o wie schmerzlich, o wie schmerzlich
aho kaṣṭam idaṃ vapuḥ
o wie schmerzlich ist dies, [betreffs des] Körpers
vinaśvaraṃ samājñāya
obwohl er [ihn] als vergänglich erkannt hat
dharmaṃ na eva ācarati ayam
übt dieser [Mensch] den Dharma gar nicht

satyaṃ satyaṃ punaḥ satyamuddhṛtya bhujamucyate / dambhācāraṃ parityajyaṃ vāsudevaṃ samarcayet //

Wahrheit, Wahrheit, wiederum Wahrheit wird mit erhobenem Arm verkündet: Man soll heuchlerisches Verhalten (dambhācāra) aufgeben und Vāsudeva gebührend verehren.

Wort für Wort
satyaṃ satyaṃ punaḥ satyam
Wahrheit, Wahrheit, wiederum Wahrheit
uddhṛtya bhujam ucyate
wird mit erhobenem Arm verkündet
dambhācāraṃ parityajya
heuchlerisches Verhalten aufgegeben habend
vāsudevaṃ samarcayet
soll man Vāsudeva gebührend verehren

bhūyo bhūyo hitaṃ vacmi bhujamuddhṛtya nārada / viṣṇuḥ sarvātmanā pūjyastyājyāsūyā tathānṛtam //

Immer wieder spreche ich, mit erhobenem Arm, das Heilsame, o Nārada: Viṣṇu ist mit ganzer Seele zu verehren, Missgunst und ebenso Lüge sind aufzugeben.

Wort für Wort
bhūyo bhūyo hitaṃ vacmi
immer wieder spreche ich das Heilsame
bhujam uddhṛtya nārada
mit erhobenem Arm, o Nārada
viṣṇuḥ sarvātmanā pūjyaḥ
Viṣṇu ist mit ganzer Seele zu verehren
tyājyā asūyā tathā anṛtam
Missgunst und ebenso Lüge sind aufzugeben

krodhamūlo manastāpaḥ krodhaḥ saṃsārabandhanam / dharmakṣayakaraḥ krodhastasmāttaṃ parivarjayet //

Zorn ist die Wurzel der Gemütsqual, Zorn ist die Fessel des Daseinskreislaufs, Zorn bewirkt den Untergang des Dharma – darum soll man ihn völlig meiden.

Wort für Wort
krodhamūlo manastāpaḥ
Zorn ist die Wurzel der Gemütsqual
krodhaḥ saṃsārabandhanam
Zorn ist die Fessel des Daseinskreislaufs
dharmakṣayakaraḥ krodhaḥ
Zorn bewirkt den Untergang des Dharma
tasmāt taṃ parivarjayet
darum soll man ihn meiden

kāmamūlamidaṃ janma kāmaḥ pāpasya kāraṇam / yaśaḥkṣayakaraḥ kāmastasmāttaṃ parivarjayet //

Diese Geburt hat die Begierde zur Wurzel, Begierde ist die Ursache der Sünde, Begierde bewirkt den Untergang des Ruhmes – darum soll man sie völlig meiden.

Wort für Wort
kāmamūlam idaṃ janma
diese Geburt hat die Begierde zur Wurzel
kāmaḥ pāpasya kāraṇam
Begierde ist die Ursache der Sünde
yaśaḥkṣayakaraḥ kāmaḥ
Begierde bewirkt den Untergang des Ruhmes
tasmāt taṃ parivarjayet
darum soll man sie meiden

samastaduḥkhajālānāṃ mātsaryaṃ kāraṇaṃ smṛtam / narakāṇāṃ sādhanaṃ ca tasmāttadapi saṃtyajet //

Missgunst (mātsarya) gilt als die Ursache des gesamten Netzes von Leiden und als Mittel [zum Fall] in die Höllen – darum soll man auch sie ganz aufgeben.

Wort für Wort
samastaduḥkhajālānāṃ
des gesamten Netzes von Leiden
mātsaryaṃ kāraṇaṃ smṛtam
Missgunst gilt als die Ursache
narakāṇāṃ sādhanaṃ ca
und als Mittel [zum Fall] in die Höllen
tasmāt tat api saṃtyajet
darum soll man auch sie aufgeben

mana eva manuṣyāṇāṃ kāraṇaṃ bandhamokṣayoḥ / tasmāttadabhisaṃyojya parātmani sukhī bhavet //

Allein der Geist ist für die Menschen die Ursache von Bindung und Erlösung; darum soll man ihn, [fest] verbunden mit dem höchsten Selbst (parātman), glücklich werden.

Wort für Wort
mana eva manuṣyāṇāṃ
allein der Geist ist für die Menschen
kāraṇaṃ bandhamokṣayoḥ
die Ursache von Bindung und Erlösung
tasmāt tat abhisaṃyojya
darum, ihn [fest] verbunden habend
parātmani sukhī bhavet
mit dem höchsten Selbst, werde man glücklich

aho dhairyamaho dhairyamaho dhairyamaho nṛṇām / viṣṇau sthite jagannāthe na bhajanti madoddhatāḥ //

O welche Verwegenheit, o welche Verwegenheit, o welche Verwegenheit der Menschen, die, obwohl Viṣṇu, der Herr der Welt, gegenwärtig ist, ihn, aufgeblasen vor Stolz, nicht verehren!

Wort für Wort
aho dhairyam aho dhairyam
o welche Verwegenheit, o welche Verwegenheit
aho dhairyam aho nṛṇām
o welche Verwegenheit der Menschen
viṣṇau sthite jagannāthe
obwohl Viṣṇu, der Herr der Welt, gegenwärtig ist
na bhajanti madoddhatāḥ
verehren sie, aufgeblasen vor Stolz, [ihn] nicht

anārādhya jagannāthaṃ sarvadhātāramacyutam / saṃsārasāgare magnāḥ kathaṃ pāraṃ prayānti hi //

Ohne den Herrn der Welt, den Erhalter von allem, den Unvergänglichen, zu verehren – wie sollen die im Ozean des Daseinskreislaufs Versunkenen [dann] ans andere Ufer gelangen?

Wort für Wort
anārādhya jagannāthaṃ
ohne den Herrn der Welt zu verehren
sarvadhātāram acyutam
den Erhalter von allem, den Unvergänglichen
saṃsārasāgare magnāḥ
die im Ozean des Daseinskreislaufs Versunkenen
kathaṃ pāraṃ prayānti hi
wie sollen sie ans andere Ufer gelangen

acyutānantagovindanāmoccāraṇabheṣajāt / naśyanti sakalā rogāḥ satyaṃ satyaṃ vadāmyaham //

Durch das Heilmittel der Aussprache der Namen Acyuta, Ananta, Govinda werden alle Krankheiten vernichtet – Wahrheit, Wahrheit spreche ich!

Wort für Wort
acyutānantagovindanāmoccāraṇabheṣajāt
durch das Heilmittel der Aussprache der Namen Acyuta, Ananta, Govinda
naśyanti sakalā rogāḥ
werden alle Krankheiten vernichtet
satyaṃ satyaṃ vadāmi aham
Wahrheit, Wahrheit spreche ich

nārāyaṇa jagannātha vāsudeva janārddana / itīrayanti ye nityaṃ te vai sarvatra vanditāḥ //

‚Nārāyaṇa, Herr der Welt, Vāsudeva, Janārdana' – die, die dies beständig aussprechen, sind wahrlich überall verehrt.

Wort für Wort
nārāyaṇa jagannātha
‚Nārāyaṇa, Herr der Welt,
vāsudeva janārddana
Vāsudeva, Janārdana'
iti īrayanti ye nityaṃ
die dies beständig aussprechen
te vai sarvatra vanditāḥ
sie sind wahrlich überall verehrt

adyāpi ca muniśreṣṭa brahmādyā api devatāḥ / yatprābhāvaṃ na jānanti taṃ yāhi śaraṇaṃ mune //

Selbst noch heute, o Bester der Munis, kennen selbst die Götter angefangen mit Brahmā nicht dessen Macht – zu ihm geh in die Zuflucht, o Muni.

Wort für Wort
adya api ca muniśreṣṭa
selbst noch heute, o Bester der Munis
brahmādyā api devatāḥ
selbst die Götter angefangen mit Brahmā
yatprābhāvaṃ na jānanti
kennen dessen Macht nicht
taṃ yāhi śaraṇaṃ mune
zu ihm geh in die Zuflucht, o Muni

aho maurkhyamaho maurkhyamaho maurkhyaṃ durātmanām / hṛtpadmasaṃsthitaṃ viṣṇuṃ na vijānanti nārada //

O welche Torheit, o welche Torheit, o welche Torheit der Bösgesinnten, die Viṣṇu, der im Lotus des Herzens weilt, nicht erkennen, o Nārada!

Wort für Wort
aho maurkhyam aho maurkhyam
o welche Torheit, o welche Torheit
aho maurkhyaṃ durātmanām
o welche Torheit der Bösgesinnten
hṛtpadmasaṃsthitaṃ viṣṇuṃ
Viṣṇu, der im Lotus des Herzens weilt
na vijānanti nārada
erkennen sie nicht, o Nārada

śṛṇuṣva muniśārdūla bhūyobhūyo vadāmyaham / hariḥ śraddhāvatāṃ tuṣyenna dhanairna ca bāndhavaiḥ //

Höre, o Tiger unter den Munis, immer wieder spreche ich: Hari wird durch die Gläubigen zufriedengestellt, nicht durch Reichtum und nicht durch Verwandte.

Wort für Wort
śṛṇuṣva muniśārdūla
höre, o Tiger unter den Munis
bhūyo bhūyo vadāmi aham
immer wieder spreche ich
hariḥ śraddhāvatāṃ tuṣyet
Hari wird durch die Gläubigen zufriedengestellt
na dhanaiḥ na ca bāndhavaiḥ
nicht durch Reichtum und nicht durch Verwandte

bandhumattvaṃ dhanāḍhyatvaṃ putravattvaṃ ca sattama / viṣṇubhaghaktimatāṃ nṝṇāṃ bhavejjanmani janmani //

Verwandtenreichtum, Reichtum an Vermögen und Sohnesreichtum, o Bester, kommen den an Viṣṇu-Hingabe reichen Menschen in Geburt um Geburt zu.

Wort für Wort
bandhumattvaṃ dhanāḍhyatvaṃ
Verwandtenreichtum, Reichtum an Vermögen
putravattvaṃ ca sattama
und Sohnesreichtum, o Bester
viṣṇubhaktimatāṃ [?] nṝṇāṃ
den an Viṣṇu-Hingabe reichen Menschen
bhavet janmani janmani
kommen [diese] in Geburt um Geburt zu

[?] „bhaghaktimatāṃ“ für „bhaktimatāṃ“ (Schreibfehler).

pāpamūlamayaṃ dehaḥ pāpakarmaratastathā / etadviditvā satataṃ pūjanīyo janārddanaḥ //

Dieser Körper hat die Sünde zur Wurzel, und [der Mensch] ist ebenso sündigem Handeln zugetan; dies erkennend, ist Janārdana beständig zu verehren.

Wort für Wort
pāpamūlamayaṃ dehaḥ
dieser Körper hat die Sünde zur Wurzel
pāpakarmarataḥ tathā
und [der Mensch] ist ebenso sündigem Handeln zugetan
etat viditvā satataṃ
dies erkennend, beständig
pūjanīyo janārddanaḥ
ist Janārdana zu verehren

putramitrakalatrādyā bahavaḥ syuśca saṃpadaḥ / haripūjāratānāṃ tu bhavatyena na saṃśayaḥ //

Söhne, Freunde, Ehefrau und dergleichen, und viele Güter kommen denen zu, die der Verehrung Haris zugetan sind – daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
putramitrakalatrādyāḥ
Söhne, Freunde, Ehefrau und dergleichen
bahavaḥ syuḥ ca saṃpadaḥ
und viele Güter kommen [ihnen] zu
haripūjāratānāṃ tu
denen aber, die der Verehrung Haris zugetan sind
bhavati eva na saṃśayaḥ
kommt [dies] zu, daran kein Zweifel

ihāmutra sukhaprepsuḥ pūjayetsatataṃ harim / ihāmutrāsukhaprepsuḥ paranindāparo bhavet //

Wer Glück hier und im Jenseits wünscht, verehre Hari beständig; wer Unglück hier und im Jenseits wünscht, werde der Verleumdung anderer zugetan.

Wort für Wort
ihāmutra sukhaprepsuḥ
wer Glück hier und im Jenseits wünscht
pūjayet satataṃ harim
verehre Hari beständig
ihāmutra asukhaprepsuḥ
wer Unglück hier und im Jenseits wünscht
paranindāparo bhavet
werde der Verleumdung anderer zugetan

dhigjanma bhaktihīnānāṃ devadeve janārddane / satpātradānaśūnyaṃ yattaddhanaṃ dhikpunaḥ punaḥ //

Schande über die Geburt derer, die der Hingabe an Janārdana, den Gott der Götter, entbehren; jener Reichtum, der frei ist von Gaben an würdige Empfänger, [dem sei] Schande, immer wieder!

Wort für Wort
dhig janma bhaktihīnānāṃ
Schande über die Geburt der Hingabelosen
devadeve janārddane
gegenüber Janārdana, dem Gott der Götter
satpātradānaśūnyaṃ
frei von Gaben an würdige Empfänger
yat tat dhanaṃ dhik punaḥ punaḥ
jenem Reichtum sei Schande, immer wieder

na namedviṣṇave yasya śarīraṃ karmabhedine / pāpānāmākaraṃ tadvai vijñeyaṃ munisattama //

Dessen Körper sich nicht vor Viṣṇu, dem Scheider der Taten, verneigt – der ist wahrlich als Fundstätte der Sünden zu erkennen, o Bester der Munis.

Wort für Wort
na namet viṣṇave yasya
dessen Körper sich nicht vor Viṣṇu verneigt
śarīraṃ karmabhedine
vor dem Scheider der Taten
pāpānām ākaraṃ tat vai
der ist wahrlich [als] Fundstätte der Sünden
vijñeyaṃ munisattama
zu erkennen, o Bester der Munis

satpātradānarahitaṃ yaddravyaṃ yena rakṣitam / cauryeṇa rakṣitamiva viddhi lokeṣu niścitam //

Welches Gut auch immer, das der Gabe an würdige Empfänger entbehrt, von jemandem gehütet wird – wisse, dass es unter den Leuten gewiss so gehütet wird, als sei es durch Diebstahl [erworben].

Wort für Wort
satpātradānarahitaṃ
das der Gabe an würdige Empfänger entbehrt
yat dravyaṃ yena rakṣitam
welches Gut auch immer von jemandem gehütet wird
cauryeṇa rakṣitam iva
als sei es durch Diebstahl gehütet
viddhi lokeṣu niścitam
wisse [dies] gewiss unter den Leuten

taḍillolaśriyā mattāḥ kṣaṇaṃbhayuraśālinaḥ / nārādhayanti viśveśaṃ paśupāśavimocakam //

Trunken von blitzflackernder Pracht, ausgestattet mit augenblickvergänglicher[?] Herrlichkeit, verehren sie nicht den Herrn des Alls, den Befreier von der Fessel des [gebundenen] Geschöpfs (paśupāśa).

Wort für Wort
taḍillolaśriyā mattāḥ
trunken von blitzflackernder Pracht
kṣaṇabhaṅguraśālinaḥ [?]
ausgestattet mit augenblickvergänglicher Herrlichkeit
na ārādhayanti viśveśaṃ
verehren sie den Herrn des Alls nicht
paśupāśavimocakam
den Befreier von der Fessel des [gebundenen] Geschöpfs

[?] „kṣaṇaṃbhayuraśālinaḥ“ ist vermutlich eine Verschreibung für „kṣaṇabhaṅguraśālinaḥ“ (‚von augenblickvergänglicher Herrlichkeit').

sṛṣṭistu dvividhā proktā daivāsuravibhedataḥ / hari bhakti yutā daivī taddhīnā hyāsurī mahā //

Die Schöpfung [d.h. die Geschöpfe] wird als zweifach bezeichnet, nach der Unterscheidung von Göttlichem und Dämonischem: Die mit Hingabe an Hari begabte ist göttlich, die ihrer entbehrende ist wahrlich dämonisch[?].

Wort für Wort
sṛṣṭiḥ tu dvividhā proktā
die Schöpfung [die Geschöpfe] wird als zweifach bezeichnet
daivāsuravibhedataḥ
nach der Unterscheidung von Göttlichem und Dämonischem
haribhaktiyutā daivī
die mit Hingabe an Hari begabte ist göttlich
tadhīnā hi āsurī mahā [?]
die ihrer entbehrende ist wahrlich dämonisch[?]

[?] Das Versende „hyāsurī mahā“ wirkt verkürzt/unklar überliefert; „mahā“ könnte Rest eines abgebrochenen Vokativs oder einer weiteren Aussage sein.

tasmācchṛṇaṣva viprendra haribhaktiparāyaṇāḥ / śreṣṭhāḥ sarvatra vikhyātā yato bhaktiḥ sudurlabhā //

Darum höre, o Bester der Brahmanen: Die der Hari-Hingabe Zugetanen sind überall als die Besten bekannt, denn Hingabe (bhakti) ist überaus schwer zu erlangen.

Wort für Wort
tasmāt śṛṇuṣva viprendra
darum höre, o Bester der Brahmanen
haribhaktiparāyaṇāḥ
die der Hari-Hingabe Zugetanen
śreṣṭhāḥ sarvatra vikhyātā
sind überall als die Besten bekannt
yato bhaktiḥ sudurlabhā
denn Hingabe ist überaus schwer zu erlangen

asūyārahitā ye ca vipratrāṇaparāyaṇāḥ / kāmādirahitā ye ca teṣāṃ tuṣyati keśavaḥ //

Die frei von Missgunst sind und dem Schutz der Brahmanen zugetan, und die frei von Begierde und dergleichen sind – mit ihnen ist Keśava zufrieden.

Wort für Wort
asūyārahitā ye ca
die frei von Missgunst sind
vipratrāṇaparāyaṇāḥ
und dem Schutz der Brahmanen zugetan
kāmādirahitā ye ca
und die frei von Begierde und dergleichen sind
teṣāṃ tuṣyati keśavaḥ
mit ihnen ist Keśava zufrieden

saṃmārjanādinā ye tu viṣṇuśuśrūṣaṇe ratāḥ / satpātradānaniratāḥ prayānti paramaṃ padam //

Die aber, durch Kehren [des Tempels] und dergleichen, dem Dienst an Viṣṇu zugetan sind, [und] die der Gabe an würdige Empfänger beständig ergeben sind, gelangen zum höchsten Ort.

Wort für Wort
saṃmārjanādinā ye tu
die aber durch Kehren [des Tempels] und dergleichen
viṣṇuśuśrūṣaṇe ratāḥ
dem Dienst an Viṣṇu zugetan sind
satpātradānaniratāḥ
die der Gabe an würdige Empfänger beständig ergeben sind
prayānti paramaṃ padam
gelangen zum höchsten Ort

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