Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Bhīṣmaparva

Kapitel 101: Śalyapārthaśvasenāyuddha Der Ansturm der Reiterei und Śalyas Kampf gegen die Söhne des Pāṇḍu

Saṃjaya schildert, wie Duryodhana Duḥśāsana mit dem Schutz Bhīṣmas betraut, woraufhin Śakuni mit einer gewaltigen Reiterschar gegen Yudhiṣṭhira, Nakula und Sahadeva anstürmt, aber von diesen dreien blutig zurückgeschlagen wird. Anschließend sendet Duryodhana Śalya gegen den vordringenden Yudhiṣṭhira; es entspinnt sich ein wechselseitiges Pfeilduell zwischen Śalya und den drei Söhnen des Pāṇḍu, bis Bhīma, Bhīṣma, Droṇa und Dhṛṣṭadyumna gemeinsam auf den bedrängten König zueilen und eine neue, überaus grausige Schlacht am Nachmittag beginnt.

dṛṣṭvā bhīṣmaṃ raṇe kruddhaṃ pāṇḍavair abhisaṃvṛtam yathā meghair mahārāja tapānte divi bhāskaram

Saṃjaya sprach: Als er sah, wie Bhīṣma im Kampf, zornentbrannt, von den Pāṇḍavas ringsum umschlossen war, o Großkönig – so wie die Sonne beim Erglühen am Himmel von Wolken [umschlossen wird] –

Wort für Wort
dṛṣṭvā bhīṣmaṃ raṇe kruddhaṃ pāṇḍavair abhisaṃvṛtam
als er sah, wie Bhīṣma im Kampf, zornentbrannt, von den Pāṇḍavas ringsum umschlossen war (Ger. + Akk. + Lok. + Akk. + Instr.Pl. + Akk.)
yathā meghair mahārāja tapānte divi bhāskaram
so wie die Sonne beim Erglühen am Himmel von Wolken [umschlossen wird], o Großkönig (Adv. + Instr.Pl. + Vok. + Lok. + Lok. + Akk.)

[Anm.: V.1 bildet eine Einheit. "saṃjaya uvāca" leitet die Fortsetzung der Erzählung ein, ohne erneute Frage Dhṛtarāṣṭras.]

duryodhano mahārāja duḥśāsanam abhāṣata

sprach Duryodhana, o Großkönig, zu Duḥśāsana [folgende Worte]:

Wort für Wort
duryodhano mahārāja duḥśāsanam
Duryodhana, o Großkönig, zu Duḥśāsana (Nom. + Vok. + Akk.)
abhāṣata
sprach er (3.Sg.Impf.Med. bhāṣ-)

[Anm.: V.2ab bildet eine eigene Einheit als Redeeinleitung; die eigentliche Rede Duryodhanas (V.2cd-6) folgt in den nächsten Einheiten, markiert mit Anführungszeichen.]

eṣa śūro maheṣvāso bhīṣmaḥ śatruniṣūdanaḥ chāditaḥ pāṇḍavaiḥ śūraiḥ samantād bharatarṣabha

„Dieser heldenhafte, große Bogenschütze Bhīṣma, der Feindevernichter, ist von den heldenhaften Pāṇḍavas ringsum bedeckt worden, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
eṣa śūro maheṣvāso bhīṣmaḥ śatruniṣūdanaḥ
dieser heldenhafte, große Bogenschütze Bhīṣma, der Feindevernichter (Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)
chāditaḥ pāṇḍavaiḥ śūraiḥ samantād bharatarṣabha
ist von den heldenhaften Pāṇḍavas ringsum bedeckt worden, o Stier der Bharatas (Nom.Past.Part. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + Vok.)

[Anm.: V.3 bildet eine Einheit; Beginn von Duryodhanas Rede.]

tasya kāryaṃ tvayā vīra rakṣaṇaṃ sumahātmanaḥ rakṣyamāṇo hi samare bhīṣmo 'smākaṃ pitāmahaḥ

Es ist deine Aufgabe, o Held, jenen hochbeseelten [Bhīṣma] zu beschützen. Denn wenn Bhīṣma, unser Großvater, im Kampf beschützt wird,

Wort für Wort
tasya kāryaṃ tvayā vīra rakṣaṇaṃ sumahātmanaḥ
es ist deine Aufgabe, o Held, jenen hochbeseelten [Bhīṣma] zu beschützen (Gen. + Nom. + Instr. + Vok. + Akk. + Gen.)
rakṣyamāṇo hi samare bhīṣmo 'smākaṃ pitāmahaḥ
denn wenn Bhīṣma, unser Großvater, im Kampf beschützt wird (Nom.Pass.Part. + Partikel + Lok. + Nom. + Gen.Pl. + Nom.)

[Anm.: V.4 bildet eine Einheit.]

nihanyāt samare yattān pāñcālān pāṇḍavaiḥ saha tatra kāryam ahaṃ manye bhīṣmasyaivābhirakṣaṇam

wird er zusammen mit den Pāṇḍavas die eifrigen Pāñcālas im Kampf niederschlagen. Darin, meine ich, liegt die [wichtigste] Aufgabe: eben der Schutz Bhīṣmas.

Wort für Wort
nihanyāt samare yattān pāñcālān pāṇḍavaiḥ saha
wird er zusammen mit den Pāṇḍavas die eifrigen Pāñcālas im Kampf niederschlagen (3.Sg.Opt. han- + Lok. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Instr.Pl. + Postp.)
tatra kāryam ahaṃ manye bhīṣmasyaivābhirakṣaṇam
darin, meine ich, liegt die Aufgabe: eben der Schutz Bhīṣmas (Adv. + Nom. + Nom. + 1.Sg.Präs. man- + Gen.+Partikel+Nom.)

[Anm.: V.5 bildet eine Einheit.]

goptā hy eṣa maheṣvāso bhīṣmo 'smākaṃ pitāmahaḥ sa bhavān sarvasainyena parivārya pitāmaham

Denn dieser große Bogenschütze, unser Großvater Bhīṣma, ist [unser] Beschützer. Du sollst daher mit dem ganzen Heer den Großvater umgeben

Wort für Wort
goptā hy eṣa maheṣvāso bhīṣmo 'smākaṃ pitāmahaḥ
denn dieser große Bogenschütze, unser Großvater Bhīṣma, ist Beschützer (Nom. + Partikel + Nom. + Nom. + Nom. + Gen.Pl. + Nom.)
sa bhavān sarvasainyena parivārya pitāmaham
du sollst daher mit dem ganzen Heer den Großvater umgeben (Nom. + Nom. + Instr. + Ger. + Akk.)

[Anm.: V.6 bildet eine Einheit.]

samare duṣkaraṃ karma kurvāṇaṃ parirakṣatu

und ihn beschützen, während er im Kampf die schwer vollbringbare Tat vollführt.“

Wort für Wort
samare duṣkaraṃ karma kurvāṇaṃ
im Kampf die schwer vollbringbare Tat vollführend (Lok. + Akk. + Akk. + Präs.Part.Akk.)
parirakṣatu
er soll [ihn] beschützen (3.Sg.Imp. rakṣ-)

[Anm.: V.6ef bildet eine eigene Einheit; Ende von Duryodhanas Rede an Duḥśāsana.]

evam uktas tu samare putro duḥśāsanas tava parivārya sthito bhīṣmaṃ sainyena mahatā vṛtaḥ

So angesprochen, stand dein Sohn Duḥśāsana im Kampf, Bhīṣma umgebend, von einem großen Heer umringt, da.

Wort für Wort
evam uktas tu samare putro duḥśāsanas tava
so angesprochen, stand dein Sohn Duḥśāsana im Kampf (Adv. + Nom.Past.Part. + Partikel + Lok. + Nom. + Nom. + Gen.)
parivārya sthito bhīṣmaṃ sainyena mahatā vṛtaḥ
Bhīṣma umgebend, von einem großen Heer umringt, da (Ger. + Nom.Past.Part. + Akk. + Instr. + Instr. + Nom.Past.Part.)

[Anm.: V.7 bildet eine Einheit.]

tataḥ śatasahasreṇa hayānāṃ subalātmajaḥ vimalaprāsahastānām ṛṣṭitomaradhāriṇām

Da [rückte] Subalas Sohn [Śakuni] mit hunderttausend Pferden [heran] – [beritten von Kriegern] mit makellos glänzenden Lanzen in der Hand, Speere und Wurfspieße tragend,

Wort für Wort
tataḥ śatasahasreṇa hayānāṃ subalātmajaḥ
da [rückte] Subalas Sohn mit hunderttausend Pferden [heran] (Adv. + Instr. + Gen.Pl. + Nom.)
vimalaprāsahastānām ṛṣṭitomaradhāriṇām
mit makellos glänzenden Lanzen in der Hand, Speere und Wurfspieße tragend (Gen.Pl.Bah. + Gen.Pl.Bah.)

[Anm.: V.8 bildet eine Einheit; der Satz setzt sich über V.9-10 fort.]

darpitānāṃ suvegānāṃ balasthānāṃ patākinām śikṣitair yuddhakuśalair upetānāṃ narottamaiḥ

hochmütig, überaus schnell, mächtig, mit Bannern versehen, begleitet von besten, ausgebildeten, kampferfahrenen Männern –

Wort für Wort
darpitānāṃ suvegānāṃ balasthānāṃ patākinām
hochmütig, überaus schnell, mächtig, mit Bannern versehen (Gen.Pl. + Gen.Pl. + Gen.Pl. + Gen.Pl.Bah.)
śikṣitair yuddhakuśalair upetānāṃ narottamaiḥ
begleitet von besten, ausgebildeten, kampferfahrenen Männern (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Gen.Pl. + Instr.Pl.)

[Anm.: V.9ac bildet eine Einheit; der textkritisch unsichere Zusatzvers V.9d*0401_01 ("mit verschiedenerlei Waffen übersät, zum Kampf gerüstet") wird als ausführende Wiederholung ausgelassen.]

nakulaṃ sahadevaṃ ca dharmarājaṃ ca pāṇḍavam nyavārayan naraśreṣṭhaṃ parivārya samantataḥ

hielten sie Nakula, Sahadeva und den Pāṇḍava-König der Gerechtigkeit, den Besten der Männer, auf, indem sie ihn ringsum umzingelten.

Wort für Wort
nakulaṃ sahadevaṃ ca dharmarājaṃ ca pāṇḍavam
Nakula, Sahadeva und den Pāṇḍava-König der Gerechtigkeit (Akk. + Akk. + Partikel + Akk. + Partikel + Akk.)
nyavārayan naraśreṣṭhaṃ parivārya samantataḥ
hielten sie auf, den Besten der Männer, indem sie ihn ringsum umzingelten (3.Pl.Impf. vṛ- + Akk. + Ger. + Adv.)

[Anm.: V.10 bildet eine Einheit; Abschluss des in V.8 begonnenen Satzes.]

tato duryodhano rājā śūrāṇāṃ hayasādinām ayutaṃ preṣayām āsa pāṇḍavānāṃ nivāraṇe

Da sandte König Duryodhana ein Ayuta [zehntausend] heldenhafter Reiter aus, um die Pāṇḍavas abzuwehren.

Wort für Wort
tato duryodhano rājā śūrāṇāṃ hayasādinām
da [sandte] König Duryodhana [ein Ayuta] heldenhafter Reiter (Adv. + Nom. + Nom. + Gen.Pl. + Gen.Pl.)
ayutaṃ preṣayām āsa pāṇḍavānāṃ nivāraṇe
sandte er ein Ayuta [zehntausend] aus, um die Pāṇḍavas abzuwehren (Akk. + 3.Sg.Perf.Periphr. preṣ- + Gen.Pl. + Lok.)

[Anm.: V.11 bildet eine Einheit.]

taiḥ praviṣṭair mahāvegair garutmadbhir ivāhave khurāhatā dharā rājaṃś cakampe ca nanāda ca

Als jene mit gewaltiger Geschwindigkeit eindrangen, gleich Garuḍa-Vögeln im Kampf, erzitterte, o König, die Erde, von Hufen getroffen, und dröhnte.

Wort für Wort
taiḥ praviṣṭair mahāvegair garutmadbhir ivāhave
als jene mit gewaltiger Geschwindigkeit eindrangen, gleich Garuḍa-Vögeln im Kampf (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.+Adv. + Lok.)
khurāhatā dharā rājaṃś cakampe ca nanāda ca
erzitterte, o König, die Erde, von Hufen getroffen, und dröhnte (Nom.Bah. + Nom. + Vok. + 3.Sg.Perf.Med. kamp- + Partikel + 3.Sg.Perf. nad- + Partikel)

[Anm.: V.12 bildet eine Einheit.]

khuraśabdaś ca sumahān vājināṃ śuśruve tadā mahāvaṃśavanasyeva dahyamānasya parvate

Und man vernahm da ein gewaltiges Hufgetrappel der Rosse, wie [das Prasseln] eines brennenden großen Bambuswaldes auf einem Berg;

Wort für Wort
khuraśabdaś ca sumahān vājināṃ śuśruve tadā
und man vernahm da ein gewaltiges Hufgetrappel der Rosse (Nom. + Partikel + Nom. + Gen.Pl. + 3.Sg.Perf.Pass. śru- + Adv.)
mahāvaṃśavanasyeva dahyamānasya parvate
wie [das Prasseln] eines brennenden großen Bambuswaldes auf einem Berg (Gen.+Adv. + Gen.Präs.Pass.Part. + Lok.)

[Anm.: V.13 bildet eine Einheit.]

utpatadbhiś ca tais tatra samuddhūtaṃ mahad rajaḥ divākarapathaṃ prāpya chādayām āsa bhāskaram

und von jenen aufwirbelnden [Rossen] wurde gewaltiger Staub aufgewühlt, der, den Sonnenpfad erreichend, die Sonne verhüllte.

Wort für Wort
utpatadbhiś ca tais tatra samuddhūtaṃ mahad rajaḥ
und von jenen aufwirbelnden [Rossen] wurde da gewaltiger Staub aufgewühlt (Instr.Pl.Präs.Part. + Partikel + Instr.Pl. + Adv. + Nom.Past.Part. + Nom. + Nom.)
divākarapathaṃ prāpya chādayām āsa bhāskaram
der, den Sonnenpfad erreichend, die Sonne verhüllte (Akk. + Ger. + 3.Sg.Perf.Periphr. chad- + Akk.)

[Anm.: V.14 bildet eine Einheit.]

vegavadbhir hayais tais tu kṣobhitaṃ pāṇḍavaṃ balam nipatadbhir mahāvegair haṃsair iva mahat saraḥ

Von jenen schnellen Rossen wurde das Pāṇḍava-Heer erschüttert, wie ein großer See, auf den mit gewaltiger Geschwindigkeit herabstürzende Schwäne niederfallen;

Wort für Wort
vegavadbhir hayais tais tu kṣobhitaṃ pāṇḍavaṃ balam
von jenen schnellen Rossen wurde das Pāṇḍava-Heer erschüttert (Instr.Pl.Bah. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Partikel + Nom.Past.Part. + Nom. + Nom.)
nipatadbhir mahāvegair haṃsair iva mahat saraḥ
wie ein großer See, auf den mit gewaltiger Geschwindigkeit herabstürzende Schwäne niederfallen (Instr.Pl.Präs.Part. + Instr.Pl. + Instr.Pl.+Adv. + Nom. + Nom.)

[Anm.: V.15ac bildet eine Einheit.]

heṣatāṃ caiva śabdena na prājñāyata kiṃ cana

und vor lauter Wiehern war überhaupt nichts mehr zu unterscheiden.

Wort für Wort
heṣatāṃ caiva śabdena
und vor lauter Wiehern (Gen.Pl.Präs.Part. + Partikel + Instr.)
na prājñāyata kiṃ cana
war überhaupt nichts mehr zu unterscheiden (Neg. + 3.Sg.Impf.Pass. jñā- + Pron. + Partikel)

[Anm.: V.15e bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.15f*0402_01 ("Ein gewaltiges Getöse verschwand, von diesem Lärm betäubt") wird ausgelassen.]

tato yudhiṣṭhiro rājā mādrīputrau ca pāṇḍavau pratyaghnaṃs tarasā vegaṃ samare hayasādinām

Da wehrten König Yudhiṣṭhira und die beiden Mādrī-Söhne [Nakula und Sahadeva] rasch den Ansturm der Reiter im Kampf ab,

Wort für Wort
tato yudhiṣṭhiro rājā mādrīputrau ca pāṇḍavau
da [wehrten] König Yudhiṣṭhira und die beiden Mādrī-Söhne, die Pāṇḍavas, [ab] (Adv. + Nom. + Nom. + Nom.Du. + Partikel + Nom.Du.)
pratyaghnaṃs tarasā vegaṃ samare hayasādinām
wehrten sie rasch den Ansturm der Reiter im Kampf ab (3.Pl.Impf. han- + Instr. + Akk. + Lok. + Gen.Pl.)

[Anm.: V.16 bildet eine Einheit.]

udvṛttasya mahārāja prāvṛṭkālena pūryataḥ paurṇamāsyām ambuvegaṃ yathā velā mahodadheḥ

wie der Strand des großen Ozeans, o Großkönig, den bei Vollmond in der Regenzeit anschwellenden, überquellenden Wasserschwall [abwehrt].

Wort für Wort
udvṛttasya mahārāja prāvṛṭkālena pūryataḥ
des bei Vollmond in der Regenzeit anschwellenden, überquellenden, o Großkönig (Gen. + Vok. + Instr. + Gen.Präs.Pass.Part.)
paurṇamāsyām ambuvegaṃ yathā velā mahodadheḥ
wie der Strand des großen Ozeans den Wasserschwall [abwehrt] bei Vollmond (Lok. + Akk. + Adv. + Nom. + Gen.)

[Anm.: V.17 bildet eine Einheit.]

tatas te rathino rājañ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ nyakṛntann uttamāṅgāni kāyebhyo hayasādinām

Da schnitten jene Wagenkämpfer, o König, mit Pfeilen von gebogenen Gelenken den Reitern die Köpfe von den Körpern ab.

Wort für Wort
tatas te rathino rājañ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ
da [schnitten] jene Wagenkämpfer, o König, mit Pfeilen von gebogenen Gelenken (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Vok. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
nyakṛntann uttamāṅgāni kāyebhyo hayasādinām
schnitten sie den Reitern die Köpfe von den Körpern ab (3.Pl.Impf. kṛt- + Akk.Pl. + Abl.Pl. + Gen.Pl.)

[Anm.: V.18 bildet eine Einheit.]

te nipetur mahārāja nihatā dṛḍhadhanvibhiḥ nāgair iva mahānāgā yathā syur girigahvare

Sie fielen, o Großkönig, von jenen mit festgespannten Bögen erschlagen, wie große Nāgas, die in einer Bergschlucht von [anderen] Nāgas [bezwungen] daliegen [könnten].

Wort für Wort
te nipetur mahārāja nihatā dṛḍhadhanvibhiḥ
sie fielen, o Großkönig, erschlagen von jenen mit festgespannten Bögen (Nom.Pl. + 3.Pl.Perf. pat- + Vok. + Nom.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
nāgair iva mahānāgā yathā syur girigahvare
wie große Nāgas, die in einer Bergschlucht von [anderen] Nāgas [bezwungen] daliegen könnten (Instr.Pl. + Adv. + Nom.Pl. + Adv. + 3.Pl.Opt. as- + Lok.)

[Anm.: V.19 bildet eine Einheit. "nāga" bezeichnet sowohl "Schlange" als auch "Elefant"; das Bild ist bewusst zweideutig – gemeint sein könnten ebenso große Elefanten, die einander in einer Bergschlucht bezwingen.]

te 'pi prāsaiḥ suniśitaiḥ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ nyakṛntann uttamāṅgāni vicaranto diśo daśa

Auch jene [Pāṇḍava-Krieger] schnitten mit sehr scharfen Wurfspießen und Pfeilen von gebogenen Gelenken, nach allen zehn Richtungen umherstreifend, die Köpfe [der Feinde] ab.

Wort für Wort
te 'pi prāsaiḥ suniśitaiḥ śaraiḥ saṃnataparvabhiḥ
auch jene [Krieger schnitten] mit sehr scharfen Wurfspießen und Pfeilen von gebogenen Gelenken (Nom.Pl. + Partikel + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.Bah.)
nyakṛntann uttamāṅgāni vicaranto diśo daśa
schnitten sie die Köpfe ab, nach allen zehn Richtungen umherstreifend (3.Pl.Impf. kṛt- + Akk.Pl. + Nom.Pl.Präs.Part. + Akk.Pl. + Akk.)

[Anm.: V.20 bildet eine Einheit.]

atyāsannā hayārohā ṛṣṭibhir bharatarṣabha acchinann uttamāṅgāni phalānīva mahādrumāt

Als die Reiter ganz nahe herankamen, o Stier der Bharatas, schnitten sie mit ihren Lanzen die Köpfe [ab], wie man Früchte von einem großen Baum [pflückt].

Wort für Wort
atyāsannā hayārohā ṛṣṭibhir bharatarṣabha
als die Reiter ganz nahe herankamen, mit ihren Lanzen, o Stier der Bharatas (Nom.Pl. + Nom.Pl. + Instr.Pl. + Vok.)
acchinann uttamāṅgāni phalānīva mahādrumāt
schnitten sie die Köpfe ab, wie man Früchte von einem großen Baum [pflückt] (3.Pl.Impf. chid- + Akk.Pl. + Akk.Pl.+Adv. + Abl.)

[Anm.: V.21 bildet eine Einheit.]

sasādino hayā rājaṃs tatra tatra niṣūditāḥ patitāḥ pātyamānāś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ

Die berittenen Pferde wurden dort und da niedergemetzelt, o König, zu Hunderten und Tausenden gefallen und niedergeworfen;

Wort für Wort
sasādino hayā rājaṃs tatra tatra niṣūditāḥ
die berittenen Pferde wurden dort und da niedergemetzelt, o König (Nom.Pl.Bah. + Nom.Pl. + Vok. + Adv. + Adv. + Nom.Pl.Past.Part.)
patitāḥ pātyamānāś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ
gefallen und niedergeworfen, zu Hunderten und Tausenden (Nom.Pl.Past.Part. + Nom.Pl.Präs.Pass.Part. + Partikel + Adv. + Partikel + Adv.)

[Anm.: V.22 bildet eine Einheit.]

vadhyamānā hayās te tu prādravanta bhayārditāḥ yathā siṃhān samāsādya mṛgāḥ prāṇaparāyaṇāḥ

die verwundeten Rosse flohen von Furcht gepeinigt davon, wie Rehe, die, auf Löwen treffend, ihr Leben zu retten suchen.

Wort für Wort
vadhyamānā hayās te tu prādravanta bhayārditāḥ
die verwundeten Rosse flohen von Furcht gepeinigt davon (Nom.Pl.Präs.Pass.Part. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Partikel + 3.Pl.Impf. dru- + Nom.Pl.Bah.)
yathā siṃhān samāsādya mṛgāḥ prāṇaparāyaṇāḥ
wie Rehe, die, auf Löwen treffend, ihr Leben zu retten suchen (Adv. + Akk.Pl. + Ger. + Nom.Pl. + Nom.Pl.Bah.)

[Anm.: V.23ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.23d*0403_01 ("So wurde das Heer Saubalas [Śakunis] nach allen Seiten hin zerschlagen") wird als zusammenfassende Wiederholung ausgelassen.]

pāṇḍavās tu mahārāja jitvā śatrūn mahāhave dadhmuḥ śaṅkhāṃś ca bherīś ca tāḍayām āsur āhave

Die Pāṇḍavas aber, o Großkönig, bliesen, nachdem sie die Feinde in der gewaltigen Schlacht besiegt hatten, die Muschelhörner und ließen die Kriegstrommeln im Kampf erdröhnen.

Wort für Wort
pāṇḍavās tu mahārāja jitvā śatrūn mahāhave
die Pāṇḍavas aber, o Großkönig, nachdem sie die Feinde in der gewaltigen Schlacht besiegt hatten (Nom.Pl. + Partikel + Vok. + Ger. + Akk.Pl. + Lok.)
dadhmuḥ śaṅkhāṃś ca bherīś ca tāḍayām āsur āhave
bliesen sie die Muschelhörner und ließen die Kriegstrommeln im Kampf erdröhnen (3.Pl.Perf. dhmā- + Akk.Pl. + Partikel + Akk.Pl. + Partikel + 3.Pl.Perf.Periphr. tāḍ- + Lok.)

[Anm.: V.24 bildet eine Einheit.]

tato duryodhano dṛṣṭvā dīnaṃ sainyam avasthitam abravīd bharataśreṣṭha madrarājam idaṃ vacaḥ

Da sah Duryodhana, o Bester der Bharatas, das Heer bedrückt dastehen und sprach zum König der Madras [Śalya] folgende Worte:

Wort für Wort
tato duryodhano dṛṣṭvā dīnaṃ sainyam avasthitam
da sah Duryodhana das Heer bedrückt dastehen (Adv. + Nom. + Ger. + Akk. + Akk. + Akk.Past.Part.)
abravīd bharataśreṣṭha madrarājam idaṃ vacaḥ
und sprach zum König der Madras, o Bester der Bharatas, folgende Worte (3.Sg.Impf. brū- + Vok. + Akk. + Akk. + Akk.)

[Anm.: V.25ac bildet eine Einheit. Der textkritisch unsichere Zusatzvers V.25d*0404_01 ("Da sprach König Duryodhana zum Herrscher der Madras") wiederholt den Hauptvers sinngemäß und wird ausgelassen.]

eṣa pāṇḍusuto jyeṣṭho jitvā mātula māmakān paśyatāṃ no mahābāho senāṃ drāvayate balī

„Dieser älteste Sohn des Pāṇḍu treibt, nachdem er die Meinen besiegt hat, o Oheim, vor unser aller Augen, der Starke, das Heer in die Flucht, o Starkarmiger.

Wort für Wort
eṣa pāṇḍusuto jyeṣṭho jitvā mātula māmakān
dieser älteste Sohn des Pāṇḍu, nachdem er die Meinen besiegt hat, o Oheim (Nom. + Nom. + Nom. + Ger. + Vok. + Akk.Pl.)
paśyatāṃ no mahābāho senāṃ drāvayate balī
treibt vor unser aller Augen, o Starkarmiger, der Starke, das Heer in die Flucht (Gen.Pl.Präs.Part. + Gen.Pl. + Vok. + Akk. + 3.Sg.Präs.Kaus. dru- + Nom.)

[Anm.: V.26 bildet eine Einheit; Beginn von Duryodhanas Rede an Śalya.]

taṃ vāraya mahābāho veleva makarālayam tvaṃ hi saṃśrūyase 'tyartham asahyabalavikramaḥ

Halte ihn auf, o Starkarmiger, wie der Strand das Wohnhaus der Krokodile [zurückhält]! Denn du giltst als überaus [mächtig], von unerträglicher Kraft und Kühnheit.“

Wort für Wort
taṃ vāraya mahābāho veleva makarālayam
halte ihn auf, o Starkarmiger, wie der Strand das Wohnhaus der Krokodile [zurückhält] (Akk. + 2.Sg.Imp. vṛ- + Vok. + Nom.+Adv. + Akk.)
tvaṃ hi saṃśrūyase 'tyartham asahyabalavikramaḥ
denn du giltst als überaus [mächtig], von unerträglicher Kraft und Kühnheit (Nom. + Partikel + 2.Sg.Präs.Pass. śru- + Adv. + Nom.Bah.)

[Anm.: V.27 bildet eine Einheit; Ende von Duryodhanas Rede an Śalya.]

putrasya tava tad vākyaṃ śrutvā śalyaḥ pratāpavān prayayau rathavaṃśena yatra rājā yudhiṣṭhiraḥ

Nachdem er dieses Wort deines Sohnes [Duryodhana] gehört hatte, zog der glanzvolle Śalya mit seiner Wagenschar dorthin, wo König Yudhiṣṭhira [stand].

Wort für Wort
putrasya tava tad vākyaṃ śrutvā śalyaḥ pratāpavān
nachdem er dieses Wort deines Sohnes gehört hatte, der glanzvolle Śalya (Gen. + Gen. + Akk. + Akk. + Ger. + Nom. + Nom.Bah.)
prayayau rathavaṃśena yatra rājā yudhiṣṭhiraḥ
zog er mit seiner Wagenschar dorthin, wo König Yudhiṣṭhira [stand] (3.Sg.Perf. yā- + Instr. + Adv. + Nom. + Nom.)

[Anm.: V.28 bildet eine Einheit.]

tad āpatad vai sahasā śalyasya sumahad balam mahaughavegaṃ samare vārayām āsa pāṇḍavaḥ

Jenes plötzlich heranstürmende, gewaltige Heer Śalyas, dessen Ansturm einer mächtigen Flutwelle glich, wehrte der Pāṇḍava [Yudhiṣṭhira] im Kampf ab.

Wort für Wort
tad āpatad vai sahasā śalyasya sumahad balam
jenes plötzlich heranstürmende, gewaltige Heer Śalyas (Akk. + Akk.Präs.Part. + Partikel + Instr. + Gen. + Akk. + Akk.)
mahaughavegaṃ samare vārayām āsa pāṇḍavaḥ
dessen Ansturm einer mächtigen Flutwelle glich, wehrte der Pāṇḍava im Kampf ab (Akk.Bah. + Lok. + 3.Sg.Perf.Periphr. vṛ- + Nom.)

[Anm.: V.29 bildet eine Einheit.]

madrarājaṃ ca samare dharmarājo mahārathaḥ daśabhiḥ sāyakais tūrṇam ājaghāna stanāntare

Und der große Wagenkämpfer, der König der Gerechtigkeit [Yudhiṣṭhira], traf den König der Madras im Kampf rasch mit zehn Pfeilen zwischen den Brüsten,

Wort für Wort
madrarājaṃ ca samare dharmarājo mahārathaḥ
und der große Wagenkämpfer, der König der Gerechtigkeit, den König der Madras im Kampf (Akk. + Partikel + Lok. + Nom. + Nom.)
daśabhiḥ sāyakais tūrṇam ājaghāna stanāntare
traf er rasch mit zehn Pfeilen zwischen den Brüsten (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Adv. + 3.Sg.Perf. han- + Lok.)

[Anm.: V.30ac bildet eine Einheit.]

nakulaḥ sahadevaś ca tribhis tribhir ajihmagaiḥ

Nakula und Sahadeva trafen ihn mit je drei geraden Pfeilen.

Wort für Wort
nakulaḥ sahadevaś ca
Nakula und Sahadeva (Nom. + Nom. + Partikel)
tribhis tribhir ajihmagaiḥ
[trafen ihn] mit je drei geraden Pfeilen (Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)

[Anm.: V.30e bildet eine Einheit.]

madrarājo 'pi tān sarvān ājaghāna tribhis tribhiḥ yudhiṣṭhiraṃ punaḥ ṣaṣṭyā vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ

Der König der Madras aber traf sie alle mit je drei [Pfeilen]; Yudhiṣṭhira durchbohrte er wiederum mit sechzig scharfen Pfeilen,

Wort für Wort
madrarājo 'pi tān sarvān ājaghāna tribhis tribhiḥ
der König der Madras aber traf sie alle mit je drei [Pfeilen] (Nom. + Partikel + Akk.Pl. + Akk.Pl. + 3.Sg.Perf. han- + Instr.Pl. + Instr.Pl.)
yudhiṣṭhiraṃ punaḥ ṣaṣṭyā vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ
Yudhiṣṭhira durchbohrte er wiederum mit sechzig scharfen Pfeilen (Akk. + Adv. + Instr. + 3.Sg.Perf. vyadh- + Instr.Pl. + Instr.Pl.)

[Anm.: V.31ac bildet eine Einheit.]

mādrīputrau ca saṃrabdhau dvābhyāṃ dvābhyām atāḍayat

und die beiden zornentbrannten Mādrī-Söhne traf er mit je zwei [Pfeilen].

Wort für Wort
mādrīputrau ca saṃrabdhau
und die beiden zornentbrannten Mādrī-Söhne (Akk.Du. + Partikel + Akk.Du.)
dvābhyāṃ dvābhyām atāḍayat
traf er mit je zwei [Pfeilen] (Instr.Du. + Instr.Du. + 3.Sg.Impf. tāḍ-)

[Anm.: V.31e bildet eine Einheit.]

tato bhīmo mahābāhur dṛṣṭvā rājānam āhave madrarājavaśaṃ prāptaṃ mṛtyor āsyagataṃ yathā

Da sah der starkarmige Bhīma im Kampf den König [Yudhiṣṭhira] in die Gewalt des Königs der Madras geraten, wie einen, der in den Rachen des Todes gerät,

Wort für Wort
tato bhīmo mahābāhur dṛṣṭvā rājānam āhave
da sah der starkarmige Bhīma im Kampf den König (Adv. + Nom. + Nom.Bah. + Ger. + Akk. + Lok.)
madrarājavaśaṃ prāptaṃ mṛtyor āsyagataṃ yathā
in die Gewalt des Königs der Madras geraten, wie einen, der in den Rachen des Todes gerät (Akk. + Akk. + Gen. + Akk. + Adv.)

[Anm.: V.32ac bildet eine Einheit.]

abhyadravata saṃgrāme yudhiṣṭhiram amitrajit

und der Feindebezwinger [Bhīma] stürmte in der Schlacht auf Yudhiṣṭhiras [Seite] zu.

Wort für Wort
abhyadravata saṃgrāme
und stürmte in der Schlacht heran (3.Sg.Impf. dru- + Lok.)
yudhiṣṭhiram amitrajit
der Feindebezwinger, auf Yudhiṣṭhira zu (Akk. + Nom.)

[Anm.: V.32e bildet eine Einheit. Die textkritisch unsicheren Zusatzverse V.32f*0405_01 bis *0406_01 (vier Zeilen) werden hier nicht übersetzt; sie besagen sinngemäß, dass Bhīma im Anstürmen den Madra-König mit ganz aus Eisen gefertigten, scharfen, marmerschütternden Pfeilen traf, dass sodann auch Bhīṣma und Droṇa, von einem großen Heer umgeben, sich unverzüglich mit Pfeilregen dem König näherten, und dass Dhṛṣṭadyumna, nachdem er den König mit drei Pfeilen getroffen hatte, sich ihm ebenfalls näherte.]

tato yuddhaṃ mahāghoraṃ prāvartata sudāruṇam aparāṃ diśam āsthāya dyotamāne divākare

Dann begann eine höchst grausige, überaus furchtbare Schlacht, als die leuchtende Sonne eine andere Himmelsrichtung einnahm.

Wort für Wort
tato yuddhaṃ mahāghoraṃ prāvartata sudāruṇam
dann begann eine höchst grausige, überaus furchtbare Schlacht (Adv. + Nom. + Nom. + 3.Sg.Impf.Med. vṛt- + Nom.)
aparāṃ diśam āsthāya dyotamāne divākare
als die leuchtende Sonne eine andere Himmelsrichtung einnahm (Akk. + Akk. + Ger. + Lok.Präs.Part. + Lok.)

[Anm.: V.33 bildet eine Einheit und schließt das Kapitel ab; die Wendung markiert den Übergang zum Nachmittag.]

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